Aus dem
Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge
Lehrkrankenhaus der Charité - Universitätsmedizin Berlin

und der
Klinik für Neurochirurgie
Medizinische Fakultät der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Dissertation

Entwicklung und Erprobung eines dichotschen Hörtests zur Erfassung der Sprachdominanz bei epilepsiechirurgischen Kandidaten

Zur Erlangung des akademischen Grades
Doctor rerum medicarum (Dr. rer.medic.)

vorgelegt der Medizinischen Fakultät der Charité -
Universitätsmedizin Berlin

von
Heinz Hättig
aus Oberkirch / Baden

Dekan: Prof. Dr. med. Martin Paul

Gutachter:
1. Prof. Dr. Wolfgang R. Lanksch
2. Prof. Dr. Heinz-Joachim Meencke
3. Prof. Dr. Rainer M. Bösel

Datum der Promotion: 24. September 2004

Abstract (Deutsch)

Nach dem Prinzip synchronisierter Reimwörter wurde ein deutscher dichotischer Hörtest entwickelt und erprobt (Fused Words, FW10b). Die Reliabilitätskennwerte lagen für die innere Konsistenz bei α=0,89 und für die Re-Test-Reliabilität im Bereich von rtt=0,67 bis rtt=0,87. Der dichotische Test korrelierte hoch mit einem Paralleltest (r=.73, FW12k). In mehreren Untersuchungen fand sich keine Assoziation des dichotischen Lateralisationsergebnisses mit dem Hormonzyklus bei Frauen. Zwischen der Klassifikation im Wada-Test und der Klassifikation im dichotischen Test wurde eine hohe prozentuale Übereinstimmung beobachtet (91%). Auch in einer externen Studie wurde eine hohe Konkordanz mit einem fMRT Paradigma gefunden (97%, Hund-Georgiadis et al 2002, [50]). Unter Rechtshändern hatten 70% einen Rechts-Ohr-Vorteil, 23% einen Links-Ohr-Vorteil; bei 7% wurde kein Ohr-Vorteil beobachtet. Es bestand eine hohe Assoziation zwischen dem Lateralitätsquotient der Händigkeit und dem Lateralitätsindex Lambda aus dem dichotischen Test (R=0,76, r=0,72). Bei epilepsiechirurgischen Kandidaten mit links- oder rechtsseitigen Temporallappenläsionen, die alle durch einen Wada-Test als unilateral links-hemisphärisch sprachdominant kategorisiert worden waren, wurden Läsionseffekte analysiert (Hippocampus-Sklerose vs. extra-hippocampale Läsionen). Wie erwartet ergaben sich massive Läsionseffekte für die Patienten mit den Läsionen in der linken sprachdominanten Hemisphäre. In der linken extra-hippocampalen Untergruppe kam es zu einer signifikanten Abnahme der Rechts-Ohr-Punkte und gleichzeitig zu einem signifikanten Anstieg der Links-Ohr-Punkte. Die Einbeziehung von neokortikalen und anderen extra-hippocampalen Strukturen in die temporalen Läsionen war von entscheidender Bedeutung für die Unterdrückung der Antworten vom kontralateralen (rechtsseitigen) Ohr. Die Zunahme der Links-Ohr-Punkte in der Gruppe mit linksseitigen extra-hippo­campalen Läsionen deutet eine kompensatorische Verlagerung von Sprachfunktionen auf die rechte Hemisphäre an, die durch den Wada Test nicht erfasst wurde.

Eigene Schlagworte: Sprachlateralität, Dichotisches Hören, Fused Words Test, Läsionseffekte, Händigkeit, Epilepsiechirurgie, Unterberger, Wada Test, Hippocampus-Sklerose, Tretversuch, Hormonzyklus, Geschlechtseffekte, Ohrvorteil, Ohrunterdrückung, Temporallappen, Epilepsie, , Rechtshändigkeit, Linkshändigkeit, Dynamische Lateralität, Rechtsohrvorteil

Abstract (Englisch)

Following the principle of synchronized rhyming words a German dichotic listening test was developed and tested (fused words, FW10b). Reliability coefficients for the inner consistency were at α=0,89 and for the re-test-reliability between rtt=0,67 and rtt=0,87. The dichotic test FW10b was highly correlated with a parallel test (r=.73, FW12k). None of several studies did show any association between the dichotic language lateralization and the hormonal cycle in women. A high percentage of agreement was observed between the Wada classification and the classification by the dichotic test (91%). Furthermore Hund-Georgiadis et al 2002, [50] found a high percentage of concordance with the lateralization by a fMRI paradigm in an external study (97%). Among right-handers 70% showed a right ear advantage, 23% had a left ear advantage, and 7% had no ear advantage. There was a high association between the laterality quotient of the handedness inventory and the laterality index Lambda of the dichotic listening test FW10b (R=0.76, r=0.72). Lesion effects were analyzed in epilepsy surgical candidates with left and right temporal lobe lesions (hippocampus sclerosis vs. extra-hippocampal lesions), who were all categorized as left-hemispheric language dominant by a Wada-test. As expected, massive lesion effects were apparent in those patients who had their lesions in the left language dominant hemisphere. In the subgroup with left extra-hippocampal lesions there was a significant decrease of right-ear-points and at the same time a significant increase of left-ear-points. The involvement of neocortex and other extra-hippocampal structures in temporal lobe lesions were of crucial importance for the suppression of contralateral (right) ear responses. The elevation of left-ear-points in the left-lateral group indicated a partial compensational shift of language functions to the right hemisphere, which was not detected by the Wada procedure.

Keywords: language laterality, dichotic listening, Fused Words Test, lesion effect, handedness, epilepsy surgery, Unterberger, Wada Test, hippocampus sclerosis, stepping test, hormonal cycle, gender effects, ear advantage, ear suppression, temporal lobe, epilepsy, right-hander, left-hander, dynamic laterality, right-ear-advantage

Inhaltsverzeichnis

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12.10.2004