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Zunächst wurde die Induzierbarkeit der Genexpression von LBP durch IL-1, IL-6 und Dex auf Protein-, RNA-, und Promotorebene untersucht und der Einfluss von TNF-α beurteilt. Außerdem wurden die Mechanismen beleuchtet, die für die Vermittlung der IL-6-Effekte verantwortlich sind.
Zunächst wurde die LBP-Proteinkonzentration in den Zellkulturüberständen stimulierter Hepatomzellen mit Hilfe eines humanen LBP-ELISA gemessen. Da LBP sezerniert wird und es keine Hinweise auf eine posttranslationale Regulation von LBP gibt, entspricht die gemessene LBP-Konzentration in den Kulturüberständen der akkumulierten LBP-Proteinbiosynthese.
HepG2-Zellen wurden mit IL-1, IL-6 und Dex in verschiedenen Kombinationen für 48 Stunden stimuliert. Bei der verwendeten Versuchsanordnung (siehe Material und Methoden) konnte keine konstitutive LBP-Expression gemessen werden (Abb. 4).
Eine Wirkung von IL-1 und Dex allein war ebenfalls nicht nachweisbar. Die Inkubation mit IL-6 allein bewirkte eine Zunahme der LBP-Konzentration auf etwa 20 ng/ml LBP, wobei mit 500 U/ml IL-6 die stärkste Stimulation erzielt wurde. Die Kombination von IL-6 mit IL-1 oder Dex ergab eine weitere, deutliche Erhöhung der LBP-Konzentration in den Kulturüberständen. Die maximale LBP-Konzentration wurde nach einer Stimulationsdauer von 48 Stunden gemessen. Nach kürzerer Stimulation (12 und 24 Stunden) konnte ebenfalls LBP-Protein in den Überständen nachgewiesen werden, wobei es aber in geringerer Konzentration als nach 48 Stunden Stimulationsdauer vorlag. [Seite 42↓]Nach 72 Stunden Inkubationsdauer war die LBP-Konzentration ebenfalls deutlich geringer als nach 48 Stunden (nicht dargestellt). Die Stimulierung der zweiten verwendeten Hepatomzelllinie, HuH-7, führte zum gleichen Stimulationsmuster wie in den HepG2-Zellen (nicht dargestellt). In Bezug auf die untersuchten LBP-Effekte wurde zwischen den Zelllinien in der Regel kein oder kein wesentlicher Unterschied festgestellt. Wurden doch Unterschiede gefunden, wird darauf ausdrücklich hingewiesen.
Um die Wirkungsweise der Stimulanzien auf die LBP-Expression näher zu bestimmen, wurde zunächst die LBP-mRNA-Akummulation untersucht. Es zeigte sich, dass IL-1, IL-6 und Dex auf die mRNA in ähnlicher Weise wirken wie auf die Proteinexpression. Die Inkubation der Hepatomzellen mit IL-1 und Dex allein hatte nur geringen Einfluss auf die LBP-mRNA-Akkumulation (nicht gezeigt).
Die stärkste Anhäufung von LBP-mRNA wurde nach Stimulierung mit 50 U/ml IL-1, 5000 U/ml IL-6 und 1 µM Dex für 48 Stunden gemessen (Abb. 5).Nach 72 Stunden war die detektierbare mRNA-Konzentration gegenüber dem 48 Stunden-Wert wieder deutlich abgefallen.
Als nächstes wurde die transkriptionelle Aktivität des LBP-Promotors mit Hilfe eines in die Zelllinien transfizierten LBP-Promotor/Luciferase-Konstruktes untersucht (hier mit dem 1780 bp langen 5´-Bereich vor dem Transkriptionsstart des LBP-Gens). Einen Tag nach der Transfektion wurden die Zellen stimuliert und 48 Stunden später die Luciferase-aktivität gemessen, welche sich proportional zu der LBP-Promotoraktivität verhält. Auch hier war das Stimulationsmuster ähnlich dem der Proteinfreisetzung, aber mit kleinen Unterschieden (Abb. 6). IL-6 wirkt stark stimulierend auf den LBP-Promotor und die Kombination mit IL-1 und/oder Dex verstärkt diesen Effekt. Wurden die Zellen mit IL-1 oder Dex alleine inkubiert, zeigte sich zwar ein wesentlich geringerer aktivierender Effekt als bei IL-6, dieser war aber, im Gegensatz zur Protein- und mRNA-Ebene, messbar und lag signifikant über der konstitutiven Aktivität unstimulierter Zellen. Da das Luciferase-Meßsystem besonders sensitiv ist, können hiermit Effekte dargestellt werden, die in den anderen Systemen unter der Nachweisbarkeitsgrenze liegen. Dies deutet darauf hin, dass die Unterschiede der [Seite 43↓]alleinigen IL-1- oder Dex-Wirkung bei den verschiedenen Messsystemen mit Sensitivitätsunterschieden der Methoden erklärt werden können.
TNF-α ist ein Zytokin, das typischerweise während einer Sepsis in erhöhter Konzentration im Blutserum vorliegt. Dies und seine bekannte stimulierende Wirkung auf verschiedene Akutphase-Proteine ließen vermuten, dass TNF-α ebenfalls bei der Aktivierung der LBP-Expression mitwirkt. Daher wurde die Wirkung von TNF-α auf die LBP-Promotoraktivität untersucht. Dabei konnten keine wesentlicher Effekte von TNF-α auf die Aktivierung der LBP-Transkription nachgewiesen werden (Abb. 7). Bei Verwendung von 500 U/ml IL-6 und 1 µM Dex schien die Zugabe von 10 ng/ml TNF-α die LBP-Promotoraktivität leicht zu erhöhen. Nach alleiniger Inkubation der Hepatomzelllinien mit TNF-α konnte in keinem Fall ein signifikanter TNF-α-Effekt festgestellt werden. Insgesamt hat TNF-α unter den verwendeten Bedingungen in der Regel offensichtlich keinen nachweisbaren Einfluss auf die Aktivität des LBP-Promotors. Die Untersuchung der TNF-α -Wirkung auf die LBP-Proteinsynthese zeigte ebenfalls keine signifikanten Effekte (nicht dargestellt).
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Im Folgenden wurde die Wirkung von IL-6 auf die Aktivität des LBP-Promotors untersucht. Dazu wurde zusammen mit dem LBP-Promotor/Luciferase-Konstrukt der Nukleäre Faktor (NF)-M (das (C)CAAT/enhancer binding protein (C/EBP)‑β-Homolog des Huhns) in die untersuchten Zellen kotransfiziert. C/EBP‑β ist eines der wichtigsten Ziele der IL-6-Signalketten. Zusätzlich wurde die NF-M 229-Mutante kotransfiziert, die durch einen Aminosäurenaustausch an AS 229 als dominante Negativmutante wirkt.
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Durch Kotransfektion von NF-M in steigender Konzentration konnte eine zunehmende LBP-Promotoraktivität nachgewiesen werden (Abb. 8A, linke Teilabbildung). Nach Kotransfektion eines mock-Kontrollvektors, der ein Plasmid ohne das NF-M-Gen darstellt, wurde dagegen nur eine geringe Zunahme der Promotoraktivität erzielt. Die Kotransfektion der dominanten Negativmutanten NF-M 229 führte in stimulierten HuH-7-Zellen zu einer starken Reduktion der Promotoraktivität (Abb. 8A rechter Teil).
Des weiteren konnte bei der Kotransfektion eines Expressionsvektors, der das C/EBP-β der Ratte (CRP2) trägt, ebenfalls eine deutliche Zunahme der LBP-Promotoraktivität nachgewiesen werden (Abb. 8B).
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Die Analysen des LBP-Promotors in TF-Datenbanken (siehe Mat & Met 4.1) ergaben eine Vielzahl von möglichen Bindungsstellen für C/EBP-β und Stat-3, den beiden wichtigsten TF, die das IL-6-Signal in den Zellkern vermitteln. Einige der Bindungsstellen wurden mit Hilfe von Mutageneseexperimenten untersucht.
In Abb. 9 sind die drei untersuchten potentiellen C/EBP-Bindungsstellen mit wt-Sequenz und eingefügter Mutation dargestellt. Die Aktivität des wt- und des mutierten Promotors nach maximaler Stimulation bzw. nach Stimulation mit IL-6 ist im Verhältnis zur Promotoraktivität in unstimulierten Zellen dargestellt (stimuliert / unstimuliert = x-fache Aktivität). Die Ergebnisse zeigen eine signifikant verringerte Promotoraktivität nach maximaler und nach IL-6-Stimulation bei Verwendung der CEBP III-Mutanten. Bei den potentiellen C/EBP-β-Bindungsstellen CEBP I und II konnte hingegen kein signifikanter Einfluss auf den Promotor nachgewiesen werden.
Zwei potentielle Stat-3-Bindungsstellen wurden ebenfalls mutiert und die relative Luciferaseaktivität aus stimulierten und unstimulierten Zellen ins Verhältnis gesetzt (Abb. 10).
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Hier zeigte sich ein Einfluss dieser Bindungsstellen besonders auf die Promotoraktivität nach IL-6-Stimulation. Beide Mutationen, Stat I und Stat II, führten dabei zu einer deutlichen Herabsetzung der Aktivität. Nach maximaler Stimulation mit IL-1, IL-6 und Dex konnte hingegen keine signifikante Reduzierung der Promotoraktivität nachgewiesen werden.
Von AP-1, einem TF, der sowohl Endpunkt der IL-6- als auch der IL-1-Signaltransduktion sein kann, befinden sich ebenfalls eine Vielzahl potentieller Bindungsstellen auf dem LBP-Promotor. Sechs dieser möglichen Bindungsstellen wurden untersucht und im folgenden mit AP I bis AP VI bezeichnet (Abb. 11). In der Regel wurden Punktmutationen eingefügt, lediglich bei AP IV wurde der relevante Bereich komplett deletiert. Auch hier ist die x-fache Promotoraktivität nach Stimulierung im Vergleich zu unstimulierten Zellen dargestellt, jeweils beim wt und beim wie angezeigt mutierten Promotor.
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Nach Mutationen der Loci AP I und AP II konnte nach maximaler Stimulierung mit 50 U/ml IL-1, 500 U/ml IL-6 und 1 µM Dex eine klar verminderte Promotoraktivität gegenüber dem wt-Promotor nachgewiesen werden. Nach alleiniger IL-6-Stimulierung wurde nur in AP II eine reduzierte Promotoraktivität detektiert. Die potentielle AP-1-Bindungsstelle bei –819 bp (Mutation AP III) scheint keinen Einfluss auf die Aktivierbarkeit des LBP-Promotors zu haben. Die Mutation AP IV reduziert die Promotoraktivität sowohl nach IL-6-Stimulation als auch nach maximaler Stimulation. Die Effekte bei AP V sind nicht signifikant, bei AP VI hingegen konnte eine deutliche Reduzierung der Promotoraktivität nach maximaler Stimulierung gezeigt werden.
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Wie in Abb. 6 gezeigt wurde, hat auch IL-1 allein eine stimulierende Wirkung auf die LBP-Promotoraktivität, entfaltet aber seine volle Wirkung erst in Synergie mit IL-6. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die maximale Wirkung von IL-1 bei einer Konzentration von 50 U/ml erreicht wird (nicht dargestellt). Im Folgenden sollen die Ursachen der IL-1-Wirkung genauer untersucht werden.
In den Hepatomzellen wurden unterschiedliche Signalübertragungswege untersucht, die bekanntermaßen durch IL-1 aktiviert werden können. Dazu wurde zunächst die Aktivität von p44/42 mit einem Analysesystem von Amersham untersucht, das den Transfer von 32P auf ein spezifisches Peptid, also direkt die Kinaseaktivität von p44/42 misst. Nach Inkubation mit 50 U/ml IL-1 für 20 min konnte eine deutliche Aktivierung der p44/42-Kinaseaktivität nachgewiesen werden (Abb. 12).
Die Inkubation mit IL-6 (500 U/ml) alleine und Dex (1 µM) alleine führte zu keiner erhöhten Kinaseaktivität. Die Kombination der drei Stimulanzien führte zur gleichen p44/42-Aktivität wie nach Inkubation mit IL-1 allein. Demnach ist von den untersuchten Stimulanzien allein IL-1 in der Lage, in den Hepatomzellen den p44/42-Signalweg zu aktivieren.
Die Aktivierung der Kinase p38, ebenfalls ein Glied eines bekannten IL-1-Signalwegs, erfolgt durch Phosphorylierung. Dieses phospho-p38 wurde durch spezifische Antikörper, die nur an phosphoryliertes p38 binden können, im Western-Blot detektiert. Auch hier erfolgte die Aktivierung ausschließlich nach IL-1-Inkubation. Die Kombination von IL-1, IL-6 und Dex führte zu etwa dem [Seite 50↓]gleichen Effekt wie nach alleiniger IL-1-Inkubation (Abb. 13). Die Detektion der p38-Kinase diente als Ladekontrolle.
Dagegen ergaben sich bei der Untersuchung der Aktivierbarkeit (Phosphorylierung) von JNK durch IL-1, IL-6 und Dex Unterschiede im Induktionsmuster: Auch hier stimulierte IL‑1 die Phosphorylierung von JNK, und die Inkubation von IL-6 und Dex alleine zeigte keine Effekte auf JNK. Nach Stimulierung mit IL-1, IL-6 und Dex allerdings war die Phosphorylierung gegenüber der Stimulation mit IL-1 alleine deutlich erhöht. Demnach verstärkten IL-6 und Dex die Wirkung von IL-1, obwohl sie allein keinen detektierbaren Effekt zeigen (Abb. 14).
Typischerweise enden die hier untersuchten IL-1-Signalwege beim TF AP-1. Der Einfluss von AP-1 auf den LBP-Promotor wurde schon in Abschnitt 1.5 untersucht, da AP-1 ebenfalls IL-6-Effekte vermittelt.
Ein zweiter wichtiger Pfad für die Übermittlung des IL-1-Effekts ist der NF-κB-Signalweg. Da auf dem LBP-Promotor mehrere Bindungsstellen, die eine hohe Übereinstimmung mit der NF-κB-Konsensussequenz aufweisen gefunden wurden, wurden die NF-κB-Signaltransduktion und die [Seite 51↓]Aktivität der potentiellen NF-κB-Bindungsstellen auf dem Promotor untersucht. Zuerst wurde getestet, ob in den beiden verwendeten Hepatomzelllinien HepG2 und HuH-7 der NF-κB-Weg aktiv ist. Dazu wurden die Zellen mit einem ELAM-Luciferase-Plasmid transfiziert, das vor dem Luciferasegen einen Promotor trägt, der mehrere NF-κB-Bindungsstellen aufweist. Die Aktivierung des NF-κB-Wegs führt so in diesem Assay zu einer erhöhten Luciferasesynthese.
Nach Stimulation und Transfektion von ELAM konnte gezeigt werden, dass NF-κB durch IL-1 in den Hepatomzelllinien HuH-7 (Abb. 15A) und HepG2 (nicht dargestellt) aktivierbar ist und IL-6 und Dex auf NF-κB keinen Einfluss haben. Bestätigt wurde die Aktivierbarkeit von NF-kB durch die Stimulierung der Zellen für 20 min bis 4 Stunden und die anschließende Analyse mit der EMSA-Technik. Hierbei zeigte sich die typische NF‑κB-Wirkung nach Stimulierung. Die maximale Aktivierbarkeit trat dabei schon nach 20 min ein und nahm danach, ohne ein Plateau zu bilden, wieder ab (Abb. 15B).
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NF-κB kann sich aus verschiedenen Monomeren zusammensetzen: Typischerweise besteht es aus einem p50- und p65-Heterodimer; Homodimere aus zwei p65-Untereinheiten sind ebenfalls aktiv, während p50-Homodimere inaktiv sind. Um die direkte Wirkung von NF-κB auf den LBP-Promotor untersuchen zu können, wurde zusammen mit dem LBP-Promotor/Luciferase-Konstrukt ein p65-Expressionsvektor in verschiedenen Konzentrationen in die verwendeten Zellen transfiziert (Abb. 16).
Die Expression von p65 bewirkt dabei eine Erhöhung der LBP-Promotoraktivität um das 7- bis 20-fache gegenüber der stimulierenden Aktivität des mock-Kontrollvektors, der kein p65-Gen beinhaltet.
Zwei von mehreren potentiellen NF-κB-Bindungsstellen auf dem LBP-Promotor wurden durch Mutationsexperimente untersucht. Sowohl die Mutation NF-κB I (-1701 bp) als auch NF-κB II (-515 bp) hatten einen deutlichen Einfluss auf die Aktivierbarkeit des LBP-Promotors (Abb. 17). Nach der Stimulation der Zellen mit IL-1, IL-6 und Dex waren die beiden mutierten LBP-Promotoren bis zu 50 % geringer stimulierbar als die entsprechenden Trunkationen des wt-Promotors. Nach Stimulation mit IL-6 allein zeigte sich, wie zu erwarten, keine signifikante Abnahme der Aktivität in den mutierten Promotoren. Nach Stimulation der NF-κB-Mutanten mit IL-1 alleine zeigte sich regelmäßig ein Abfall der Promotoraktivität gegenüber den wt-Trunkationen. Die NF-κB-Bindungsstelle NFkB II, die den stärksten Effekt auf die Aktivierbarkeit des Promotors zeigte, wurde mit Hilfe von EMSA weiter untersucht. Die Inkubation der nukleären Proteine mit einem Oligonukleotid, das die Basensequenz des LBP-Promotors an dieser Bindungsstelle trägt, führte zu einer DNA-Protein-Interaktion („shift“; Abb. 18).
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Diese Bindung war, wie durch Kompetitiontests gezeigt werden konnte, NF-κB-spezifisch. Mit Hilfe zusätzlicher Antikörper-Inkubation („Supershifts“) wurde nachgewiesen, dass die NF-κB-Monomere p50 und p65 an die DNA binden.
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Wie aus Abb. 4 und Abb. 5 zu ersehen ist, führte die Inkubation von Dex bei IL-6-stimulierten Zellen zu einer zusätzlichen Aktivierung des LBP-Promotors bzw. der Proteinsynthese. Wurden die Hepatomzelllinien nur mit Dex inkubiert, war hingegen bei der Promotoraktivität eine geringe Steigerung und auf Proteinebene kein Effekt zu beobachten. Die Stimulation der Hepatomzellen mit verschiedenen Dex-Konzentrationen ergab eine Zunahme der LBP-Expression bis zu einer Konzentration von 1 µM. Die Inkubation mit 3 µM Dex führte in der Regel zu keiner weiteren Erhöhung der LBP-Expression und höhere Dex-Konzentrationen zur Abnahme der stimulierenden Dex-Wirkung (Ergebnisse nicht gezeigt).
Schon bei ersten Analysen des LBP-Promotors mit Hilfe der Transkriptionsfaktoren-Datenbank SigScan, Version 4.05 (siehe Material & Methoden) wurden zwei potentielle „glucocorticoid responsive elements“ (GREs) identifiziert. Um zu überprüfen, ob diese beiden Elemente an der Vermittlung der Dex-Wirkung beteiligt sind, wurden jeweils zwei Punktmutationen eingefügt. Überraschenderweise zeigte sich dabei, dass beide Mutationen der GREs nicht zu einer Reduktion der Dex-Wirkung führten, sondern im Gegenteil dessen Effekte noch verstärkten (Abb. 19). Demnach vermitteln die beiden mutierten Bindungsstellen eine hemmende Wirkung von Dex. Dieser Effekt ist nach IL-1- und IL-6-Stimulation +/- Dex signifikant und wurde nach IL-6 Stimulation +/- Dex im Trend bestätigt.
Die inhibierende Wirkung der GRE I-Bindungsstellen konnte durch den Vergleich des vollständigen Promotors mit einer Trunkation des LBP-Promotors, die die GRE I-Bindungsstelle nicht enthält, bestätigt werden. Dieses Promotorfragment zeigte in etwa die gleiche Zunahme der [Seite 55↓]Promotoraktivität nach Inkubation mit Dex wie der vollständige Promotor mit der mutierten GRE I-Bindungsstelle, verglichen mit dem wt-Promotor (nicht dargestellt).
Wenn die aktivierende Wirkung von Dex auf transkriptioneller Ebene reguliert wird, müssten auf dem Promotor weitere Dex-Bindungsstellen vorhanden sein, die eine aktivierende Wirkung vermitteln und dadurch die inhibierende Wirkung der beiden untersuchten Bindungsstellen überlagern. Um dies zu verifizieren, wurde mit MatInspector und anderen Datenbanken nach weiteren potentiellen Glukokortikoid-bindenden Regionen gesucht. Drei der neu gefundenen potentiellen GR-Bindungsstellen wurden mutiert, wobei hierbei die Mutationen in trunkierte Promotorelemente eingefügt wurden, so dass die jeweilige GR-Bindungsstelle nah am 5´-Ende lag (Abb. 20). Nach Mutation der GRE III-Bindungsstelle (-788 bp) war die Responsivität des Promotors gegenüber Dex deutlich herabgesetzt, d.h. hier wird tatsächlich eine stimulatorische Dex-Wirkung vermittelt. Die GRE IV-Bindungsstelle (-417 bp) vermittelte ebenfalls einen schwachen, aber signifikanten stimulatorischen Dex-Effekt. Die dritte Mutation (GRE V, -185 bp) zeigte keinen Einfluss auf die Promotoraktivität. Im unmutierten 266 bp kurzen Promotorfragment wurde kein stimulierender Dex-Effekt mehr beobachtet, entsprechend sind hier auch keine aktiven, stimulatorisch wirkenden Bindungsstellen zu erwarten.
Um die Dex-Wirkung auf den LBP-Promotor weiter zu untersuchen, wurden die unter Abschnitt 1.3 beschriebenen, aktiven NF-IL6-Expressionsvektoren der Ratte (CRP2) und des Huhns (NF-M) mit dem LBP-Promotor/Luciferase-Konstrukt in die Hepatomzellen transfiziert und anschließend mit Dex stimuliert. Wie in Abb. 21 gezeigt, ergab sich in IL‑6-stimulierten Zellen nach zusätzlicher Inkubation mit Dex wie zu erwarten eine Zunahme der Promotoraktivität um das 1,6-fache. Bei beiden transfizierten Vektoren führte die zusätzliche Inkubation mit Dex zu keinem Anstieg der [Seite 56↓]Promotoraktivität, im Gegenteil war bei bestimmten Dex-Konzentrationen eine Reduktion der Vektoreffekte zu beobachten.
Zum einen konnten durch die Mutationsexperimente zwar aktive Dex-Bindungsstellen auf dem LBP-Promotor nachgewiesen, aber der im Gesamtsystem stimulatorische Dex-Effekt damit nicht hinreichend erklärt werden. Zum anderen führte die Transfektion der NF-IL6-Vektoren, die letztlich ein Überspringen der IL-6-Signalwege darstellen, zu keinem Synergieeffekt mit Dex. Daher wurde im Folgenden untersucht, ob der IL-6-Dex-Synergieeffekt weiter aufwärts in der IL-6-Signalkette zu lokalisieren ist. Dazu wurde der mögliche Einfluss von Dex auf die Expression des IL6-R untersucht.
Die Hepatomzelllinien wurden dabei für 30 min bis 8 Stunden mit Dex stimuliert, und anschließend wurde mit einem anti-IL6-R Antikörper in Kombination mit einem FITC-markierten IgG-Antikörper die IL6-R-Expression in einem FACS-Messsystem detektiert. Auf gleiche Weise wurde der IL6-R-Korezeptor gp130 untersucht. Die Dex-Inkubation führte schon nach 30 min zu einem deutlichen Anstieg der Expression des IL6-R und erreichte nach zwei Stunden ein Maximum. Nach acht Stunden war die IL6-R-Konzentration wieder nahe der Ausgangskonzentration. Die Konzentrationsänderung des Korezeptors gp130 auf der Zelloberfläche zeigte von einem niedrigeren Niveau startend einen ähnlichen Verlauf wie der IL6-R (Abb. 22).
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Um zu untersuchen, ob die erhöhte Expression des IL-6R ebenfalls zu einer Aktivierung der sich anschließenden Signaltransduktionskette führt, wurde mit Hilfe der Western-Blot-Analyse die Aktivierung von Stat-1 und -3, typische Vertreter des IL-6-Signalwegs, untersucht. Stat-1 und Stat-3 werden durch Phosphorylierung aktiviert, die durch spezifische Ak nachgewiesen werden kann.
Die Hepatomzellen wurden 20 min bis 24 Stunden mit Dex vorinkubiert und anschließend für 20 min mit IL-6 stimuliert. Die Inkubation von 50, 500 und 5000 U/ml IL-6 für 20 min ergab bei steigender Konzentration eine deutliche Zunahme von phosphoryliertem Stat-3 (pStat-3, Abb. 23A). Die zusätzliche Vorinkubation mit 1 µM Dex führte bei zunehmender Vorinkubationsdauer von 20 min bis 24 Stunden zu einer zeitabhängigen Zunahme von pStat-3.
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Die Phosphorylierung von Stat-1 (pStat-1) durch IL-6 konnte ebenso nachgewiesen werden wie die Steigerung dieser Aktivierung durch Vorinkubation mit Dex. Allerdings waren dafür 10x höhere IL-6 Konzentrationen notwendig als bei der Stat-3-Phosphorylierung (Abb. 23B).
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Um die Regulation von LBP zu studieren, erschien es wichtig, auch nach Substanzen zu suchen, die die LBP-Expression hemmen. In unserer Arbeitsgruppe konnte gezeigt werden, dass TGF-β1 die LBP-mRNA-Transkriptakkumulation in stimulierten Hepatomzellen unterdrückt [75]. IL-10 ist ebenfalls ein Zytokin mit vielfach beschriebenen inhibierenden Eigenschaften und sollte daher ebenfalls ein aussichtsreicher Kandidat für die Vermittlung hemmender Effekte sein. Zunächst wurde die Wirkung von IL-10 untersucht und anschließend die LBP-hemmenden TGF-β1-Effekte analysiert.
Die Hepatomzelllinien wurden mit dem LBP-Promotor/Luciferase-Konstrukt transfiziert, anschließend mit IL-1, IL-6 und Dex stimuliert und gleichzeitig mit verschiedenen Konzentrationen von IL-10 inkubiert.
Weder die Inkubation der HuH-1 Zellen mit IL-10 allein noch die Inkubation zusammen mit IL-1, IL-6 und Dex in verschiedenen Kombinationen führte zu einer signifikanten Wirkung von IL-10 (Abb. 24). Die Vorinkubation von IL-10 für eine oder vier Stunden oder die IL-10-Inkubation nach Gabe der Stimulanzien zeigte ebenfalls keine Wirkung (nicht dargestellt). Die Inkubation der Hepatomzelllinie HepG2 mit IL-10 unter stimulierten und unstimulierten Konditionen führte ebenfalls zu keiner messbaren IL-10-Wirkung (ebenfalls nicht dargestellt). Um mögliche posttranskriptionelle IL-10-Effekte erkennen zu können, wurden die Versuche mit beiden Zelllinien wiederholt und die LBP-Konzentration mit dem hLBP-ELISA bestimmt. Auch hier zeigten sich keinerlei IL-10-Effekte auf die LBP-Expression (nicht dargestellt). Da in der Literatur IL-10-Effekte [Seite 60↓]in HepG2-Zellen beschrieben sind (siehe Diskussion) und in Zellkulturlinien auf Grund von Mutationen Störungen von Signalwegen auftreten können, wurde die HepG2-Zelllinie von DSMZ (Braunschweig) neu bezogen. Die wiederholten Versuche mit der neu etablierten HepG2-Zelllinie zeigten ebenfalls keine IL-10-Effekte (nicht dargestellt). Des Weiteren wurde die IL-10-Wirkung auch an der Lungenepithelzelllinie A549 und der Darmepithelzelllinie Caco-2 untersucht, die ebenfalls nach Zytokininduktion LBP exprimieren. Auch hier konnte nach wiederholten Versuchen kein IL-10-Effekt auf die LBP-Expression nachgewiesen werden (nicht dargestellt).
Um zu untersuchen, inwieweit sich der TGF-β1-Hemmeffekt auf die LBP-Proteinsynthese auswirkt, wurden die beiden humanen Hepatomzelllinien mit IL-1, IL-6 und Dex stimuliert, mit TGF-β1 inkubiert und anschließend die LBP-Konzentration in den Kulturüberständen mit dem hLBP-ELISA bestimmt. Es konnte gezeigt werden, dass die LBP-Konzentration in den Kulturüberständen kontinuierlich mit zunehmender TGF-β1-Konzentration abnimmt. Diese Dosis-Wirkungs-Abhängigkeit ist unabhängig von der Stärke und Art der Stimulation. Ob die LBP-Produktion mit 500 U/ml IL-6 induziert wurde oder die Zellen maximal mit 50 U/ml IL-1, 500 U/ml IL-6 und 1 µM Dex stimuliert wurden, TGF-β-1 hemmte die LBP-Freisetzung in gleicher Weise (Abb. 25A).
Die Variation der Kulturdauer ergab auch zu verschiedenen Zeitpunkten eine Verminderung der induzierten LBP-Expression durch TGF-β1. Nach 24 bis 72 Stunden Stimulation und TGF-β1-Inkubation wurde eine zunehmende Hemmung bei steigender TGF-β1-Konzentration beobachtet. Nach 12 Stunden Stimulation konnte dabei kein Hemmeffekt mehr gezeigt werden (Abb. 25B). Die Inkubation von TGF-β1 vier Stunden vor der Zellstimulierung, gleichzeitig oder bis zu drei Stunden nach der Stimulierung führte in jedem Fall zu verminderter LBP-Konzentration in den Kulturüberständen (Abb. 25C).
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Im Folgenden wurde untersucht, ob der TGF-β1-Hemmeffekt transkriptionell vermittelt wird. Dazu wurden die im vorigen Abschnitt beschriebenen Stimulationsexperimente mit Zellen, in die vorher das LBP-Promotor/Luciferase-Konstrukt transfiziert wurde, in Anwesenheit unterschiedlicher Konzentrationen von TGF-β1 wiederholt und die Promotoraktivität gemessen.
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Im Wesentlichen entspricht die durch TGF-β1 induzierte Hemmung der LBP-Promotoraktivität (Abb. 25) dem Muster der Hemmung bei der LBP-Proteinsynthese (Abb. 26). Ingesamt aber war die Hemmung der Promotoraktivität durch TGF-β1 geringer als auf Proteinebene, was evtl. ein Hinweis auf zusätzlich wirksame posttranskriptionelle Prozesse ist.
Typischerweise werden TGF-β1-Effekte durch die so genannten Smad-TF vermittelt. Sie umfassen eine Gruppe von Proteinen, die sowohl für die Signaltransduktion zuständig sind als auch als TF fungieren. In der Literatur sind verschiedene Smad-Konsensussequenzen beschrieben. Bei der Suche nach solchen potentiellen Smad-Bindungsstellen auf dem LBP-Promotor wurden mehrere gefunden. In Tabelle 7 sind fünf untersuchte, potentielle Smad-Bindungsstellen mit ihren Konsensussequenzen aufgeführt. Weitere 6 Smad-Konsensussequenzen mit der Basenfolge AGAC, die sich ebenfalls auf dem Promotor befinden, wurden nicht analysiert.
Tab. 7: Smad-Konsensussequenzen und potentielle Bindungsstellen
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Konsensussequenz |
Position / (Orientierung) |
Analyseart / Aktivität |
Referenz |
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GTCTAGAC* AGAC** AGAC** CAGAC CAGAC |
– 1407 / (-) – 918 / (-) – 925 / (+) – 303 / (-) – 1294 / (-) |
EMSA / - EMSA / - EMSA / - Mutation / - EMSA / + Mutation / + |
[189] [190] |
Insgesamt befinden sich 11 AGAC-Elemente auf dem LBP-Promotor. Bei einer zufälligen Verteilung der 4-basigen Sequenz würde im Mittel alle 256 Basen eines dieser Element auftreten, d.h. auf dem gesamten Promotor wären etwa 6 - 7 dieser Elemente zu erwarten. Dieses Smad-Bindungsmotiv ist also überdurchschnittlich häufig auf dem LBP-Promotor vertreten. Die fünf untersuchten Elemente wurden mit Hilfe der EMSA-Technik und/oder durch Mutagenese-Experimente analysiert. Die Ergebnisse der drei Bindungsstellen ohne positiven Befund sind hier nicht abgebildet.
Um die unerwartete Wirkung einer Smad-Bindungsstelle auf den LBP-Promotor nach TGF-β1-Inkubation besser zu verstehen hier zunächst die Darstellung eines bislang noch nicht gezeigten TGF-β1-Experiments: Wurden die Zellen mit TGF-β1 allein und nicht mit IL-1, IL-6 und Dex inkubiert, zeigte sich eine signifikante und regelmäßig auftretende Induktion des LBP-Promotors die etwa 2- bis 4-fach über der konstitutiven Promotoraktivität lag (Abb. 27). TGF-β1 hat demnach [Seite 64↓]neben seiner hemmenden Hauptwirkung auch einen stimulatorischen Effekt auf den LBP-Promotor, wenn es allein verabreicht wird.
Nun wurden die beiden potentiellen Smad-Bindungsstellen Smad I und II wie in Abb. 28 dargestellt im LBP-Promotor mutiert. Unabhängig davon, ob mit 50 U/ml IL-1, 500 U/ml IL-6 und 1 µM Dex maximal oder nur mit 500 U/ml IL-6 stimuliert wurde, konnte keine Änderung des TGF-β1-Hemmeffekts in mutierten Promotoren beobachtet werden (linker und mittlerer Dreierblock). Wurden die Zellen nur mit TGF-β1 inkubiert, zeigte sich im wt-Promotor die beschriebene stimulierende Wirkung von TGF-β1. Nach Mutation der Smad II-Bindungsstelle konnte diese stimulierende Wirkung durch TGF-β1 nicht mehr beobachtet werden. Nach Mutation der Smad I-Stelle ergab sich keine signifikante Abnahme der TGF-β1-Wirkung im Vergleich zum wt-Promotor (rechter Dreierblock).
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Die EMSA-Analyse der Smad II-Bindungsstelle ergab ebenfalls spezifische Effekte nach Inkubation mit TGF-β1. Wurden HepG2-Zellen mit TGF-β1 allein für die Dauer von 0 bis zu 12 Stunden inkubiert, konnte eine über den Zeitverlauf zunehmende Proteinbindung an Smad II gezeigt werden (Abb. 29).
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Nach 48 Stunden war die Proteinbindung wieder auf dem Niveau unbehandelter Zellen. Mit Kompetitionsexperimenten konnte gezeigt werden, dass die Proteinbindung spezifisch an die Smad-Sequenz erfolgt (nicht dargestellt).
Nachdem die Vermittlung der TGF-β1-Hemmeffekte nicht auf Smad-Bindungsstellen oder Smad-ähnliche Elemente zurückgeführt werden konnte, wurde der LBP-Promotor mit Hilfe trunkierter Promotorelemente weiter untersucht (Abb. 30). Es wurden acht Trunkationen verwendet, die den LBP-Promotor bis etwa –1000 bp abdecken. Die Hepatomzellen wurden mit den Luciferasekonstrukten transfiziert und anschließend mit IL-6 oder IL-1, IL-6 und Dex stimuliert und +/- TGF-β1 für 48 Stunden inkubiert. Es konnte gezeigt werden, dass die Stimulierbarkeit des Promotors ab der Trunkation Nr.6 deutlich zunimmt, gleichzeitig ist ab diesem Element der TGF-β1-Hemmeffekt zu beobachten, der in kürzeren Promotorfragmenten nicht auftritt (Abb. 30A). In Abb. 30B sind die TGF-β1-Effekte, die nach Stimulation auftreten, im Verhältnis zur Promotoraktivität ohne TGF-β1-Inkubation aufgetragen. In den kurzen Promotorfragmenten bis Nr. 5 vermittelt TGF-β1 eine stimulierende Wirkung auf den Promotor, die zu einer Steigerung der Aktivität um bis zu 70 % führt. Dieser Effekt ist - im Gegensatz zu dem weiter oben beschriebenen stimulierenden TGF-β1-Effekt im ganzen Promotor - unabhängig von einer eventuellen Stimulierung der Zellen.
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Deutlich ist der Umschwung von stimulierender zu hemmender TGF-β1-Wirkung zu erkennen. Die Vermittlung des hemmenden TGF-β1-Effekts muss demnach über ein Promotorelement erfolgen, das im Bereich zwischen –570 und –493 bp vor dem Transkriptionsstart lokalisiert ist. In diesem Bereich befinden sich mehrere potentielle TF-Bindungsstellen, die annähernd ideal mit ihren [Seite 68↓]Konsensussequenzen übereinstimmen (Abb. 31): Zwei aktive AP-1-Bindungsstellen, eine bei -493 bp (siehe Abb. 11) und eine zweite bei -540 bp, deren Aktivität in der Arbeitsgruppe schon nachgewiesen werden konnte [73]; eine aktive NF-κB-Bindungsstelle (siehe Abb. 17) und ein noch nicht untersuchtes Gfi-1-Element.
Um den Bereich, der die TGF-β1-Hemmeffekte vermittelt, weiter eingrenzen zu können, wurden feiner abgestufte Trunkationen des LBP-Promotors entworfen, kloniert und verwendet (Abb. 31): Die Ergebnisse dieser Trunkationen zeigen, dass offensichtlich nicht eine Bindungsstelle allein für die Vermittlung der TGF-β1-Effekte verantwortlich ist (Abb. 32). Die hauptsächliche Vermittlung des TGF-β1-Hemmeffekts erfolgt im Bereich des Promotors zwischen –570 bp und –544 bp, in dem sich die Gfi-1-Bindungsstelle befindet.
Der TGF-β1-Hemmeffekt reduziert sich hier um etwa 2/3. Die sich anschließende AP-1-Bindungsstelle könnte evtl. ebenfalls einen Teil des Hemmeffekts vermitteln, da bei Ausschluss [Seite 69↓]dieser Sequenz die TGF-β1-Hemmung noch einmal deutlich abgefallen war. Die NF‑κB- und die zweite AP-1-Bindungsstelle scheinen hingegen nach diesem Experiment keine hemmende TGF-β1-Wirkung zu vermitteln.
AP-1 ist kürzlich als Transkriptionsfaktor beschrieben worden, der unter anderem auch in die Vermittlung von TGF-β1-Effekten involviert ist. Daher wurde zunächst die AP-1-Site bei –540 durch Deletion der Bindungsstelle untersucht. Diese in Abb. 33 abgebildete Mutation wurde sowohl in den vollständigen Promotor (-1780 bp) als auch in eine Trunkation mit –570 bp Länge integriert. Die Untersuchung der Mutationen mit Hilfe des Luciferase-Reportergen-Assays bestätigt, dass die AP-1 Site (-540 bp) an der Vermittlung des TGF-β1 Hemmeffekts beteiligt ist. Vor allem in dem trunkierten LBP-Promotor/Luciferase-Konstrukt ist nach Mutation dieser Sequenz der TGF-β1-Hemmeffekt mit über 50 % deutlich herabgesetzt.
Die Beteiligung dieser AP-1-Bindungsstelle (-540 bp) an der Vermittlung der TGF-β1-Effekte konnte des Weiteren durch Gelshift-Analysen bestätigt werden. Nach Inkubation mit TGF-β1 von 0,5 bis 48 Stunden in HuH-7-Zellen konnte eine mit der Inkubationsdauer zunehmende Proteinbindung an ein Oligonukleotid, das die AP-1-Bindungsstelle repräsentiert, beobachtet werden (Abb. 34).
Nach Stimulation der Zellen mit IL-1, IL-6 und Dex für 4 Stunden wurde ebenfalls eine erhöhte Proteinbindung im Vergleich zu unstimulierten Zellen detektiert. Wurden die Zellen noch zusätzlich mit TGF-β1 behandelt, führte das zu einer weiteren sehr starken Proteinbindung. Wurden die Zellen für 24 Stunden stimuliert, so zeigte sich auch ohne TGF-β1 eine starke Proteinbindung, die sich dann aber nach zusätzlicher TGF-β1-Inkubation wieder abschwächte. Mit Hilfe von [Seite 70↓]Kompetitionsexperimenten konnte nachgewiesen werden, dass die Proteinbindung spezifisch für die AP-1-Bindungsstelle ist (nicht dargestellt).
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Als nächstes wurde die Bedeutung der Gfi-1-Bindungsstelle (-556 bp) durch Mutagenese und Reportergen-Assay untersucht. Sie wurde dazu zweimal mutiert, erstens durch den Austausch zweier Basen (Gfi Ia) und zweitens durch Deletion der Bindungsstelle (Gfi Ib), wie in Abb. 35A dargestellt. Beide Mutationen wurden sowohl in den vollständigen Promotor als auch in die 570 bp lange Trunkation (Gfi Iatrunk und Gfi Ibtrunk) integriert.
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Der Basentausch (Gfi Ia) führte beim vollständigen Promotor zu einer signifikanten Reduktion des TGF-β1-Hemmeffekts, die im trunkierten Promotor noch deutlicher zu beobachten war (Gfi Iatrunk). Dies war sowohl nach IL-6 Stimulierung als auch nach maximaler Stimulation mit IL-1, IL-6 und Dex zu beobachten. Wurde die Gfi-1-Bindungsstelle durch Deletion vollständig zerstört, so reduzierte sich der Hemmeffekt noch deutlicher. Im Promotor mit der Mutation Gfi Ibtrunk konnte nach maximaler Stimulierung kaum noch ein TGF-β1-Hemmeffekt beobachtet werden. (Abb. 35A).
Die reduzierte Hemmbarkeit des Gfi-1 mutierten Promotors durch TGF-β1 ging einher mit einer dramatisch reduzierten Induzierbarkeit des Promotors nach Stimulation. Beide Gfi-1-Mutationen, Gfi Ia und Gfi Ib, reduzierten die Aktivierbarkeit des Promotors um etwa 80 % gegenüber dem wt. Dies war sowohl nach maximaler Stimulierung mit 50 U/ml IL-1, 500 U/ml IL-6 und 1 µM Dex als auch nach moderater Stimulierung mit 500 U/ml IL-6 der Fall (Abb. 35B).
Die Wirkung der TGF-β1-Inkubation auf die Gfi-1-Bindungsstelle wurde ebenfalls mit der EMSA-Technik untersucht. Dabei konnte eine komplexe Wechselwirkung zwischen Stimulation und Hemmung beobachtet werden. Nach kurzer Stimulationsdauer von bis zu zwei Stunden wirkte das zusätzlich zu den Stimulanzien inkubierte TGF-β1 verstärkend auf die Proteinbindung an die Gfi-1-Bindungsstelle (Abb. 36A). In einem Zeitfenster von 4 bis 8 Stunden wurde bei zusätzlicher TGF-β1-Inkubation die Proteinbindung gehemmt. Nach einer Stimulationsdauer von 24 Stunden führte die zusätzliche TGF-β1-Inkubation zu keiner Veränderung in der Proteinwirkung. Nach Zellstimulation ohne TGF-β1-Inkubation, zeigte sich eine kontinuierliche Zunahme der Proteinbindung, die nach 8 Stunden ihr Maximum erreicht hatte und dann wieder leicht abgefallen war.
Zum Nachweis der spezifischen Proteinbindung wurden die Zellen zusammen mit 5ng/ml TGF-β1 maximal stimuliert. Die anschließende Inkubation der isolierten nukleären Proteine mit spezifischen bzw. unspezifischen Oligonukleotiden zeigte klar eine sequenzspezifische Bindung des nukleären Proteins (Abb. 36B).
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Weitere Mutationsexperimente sollten zeigen, inwieweit die AP-1-(-540 bp) und die Gfi-1-(-556 bp) Bindungsstellen, die beide in die Vermittlung der TGF-β1-Hemmeffekte involviert sind, interagieren. Dazu wurden die oben beschriebenen Deletionen von Gfi-1 und AP-1 in einem Promotor kombiniert. Wie aus der Abb. 37 hervorgeht, führt die Mutation der AP-1-Bindungsstellen zur Reduktion der TGF-β1-Hemmung, die bei der Mutation der Gfi-1-Bindungsstelle noch stärker ausgeprägt ist. Wurden nun beide Bindungsstellen gleichzeitig auf dem Promotor mutiert, so ergab sich keine weitere Reduktion des TGF-β1-Hemmeffektes verglichen mit der alleinigen Gfi-1-Mutation.
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Als nächstes wurden die NF-κB-Bindungsstelle bei -515 bp und die AP-1 Stelle (-493 bp) allein und in Kombination mit Gfi-1 mutiert. Hier wurde der 570 bp lange trunkierte Promotor verwendet, um evtl. vorhandene geringe Effekte deutlicher darstellen zu können (Abb. 38).
Wie in Abschnitt 2.4 gezeigt ist die NF-κB-Stelle bei –515 bp aktiv und trägt zur Stimulierbarkeit des LBP-Promotors bei. Die Mutation der NF-κB-Bindungsstelle führt aber zu keiner reproduzierbaren, signifikanten Änderung der TGF-β1-Wirkung auf den Promotor. Entsprechend ist die Reduktion des Hemmeffekts im Promotor mit der Gfi-1- und NF-κB-Mutation auf demselben Niveau wie nach alleiniger Gfi-1-Mutation. Die AP-1-Bindungsstelle (-493 bp) hat einen geringen, aber klaren Einfluss auf die Hemmwirkung von TGF-β1; sowohl die alleinige Mutation als auch die Kombination mit der mutierten Gfi-1-Bindungsstelle reduzierte den Hemmeffekt von TGF-β1.
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Auf dem LBP-Promotor befinden sich noch weitere DNA-Sequenzen, die eine hohe Übereinstimmung mit der Gfi-1-Konsensussequenz aufweisen. Drei dieser Sequenzen wurden durch Einfügung von Punktmutationen untersucht.
Zunächst wurde analysiert, wie sich die Gfi-1-Elemente auf die Aktivierbarkeit des Promotors auswirken. Die mutierten LBP-Promotoren und die korrespondierenden wt-Konstrukte wurden in HuH-7-Zellen transfiziert und anschließend maximal stimuliert. Bei zwei Mutationen (Gfi II bei -1167 bp und Gfi III bei -805 bp) hatte die Promotoraktivität gegenüber den wt-Promotoren gering, aber signifikant zugenommen. Bei der dritten Mutante (+60 bp) konnte kein Einfluss auf die Aktivierbarkeit des Promotors festgestellt werden (nicht dargestellt).
Nach Transfektion, Stimulation und TGF-β1-Inkubation von HuH-7-Zellen konnte gezeigt werden, dass die drei mutierten Gfi-1-Bindungsstellen keinen signifikanten Einfluss auf die Wirkung von TGF-β1 haben (Abb. 39). Die beiden Elemente bei –1667 bp und –839 bp zeigen keinerlei Effekte auf die TGF-β1-vermittelte Hemmung des Promotors. Die Gfi-IV-Mutation bei +60 bp wurde in eine nur 133 bp lange Trunkation eingefügt. Die kurzen Fragmente führen, wie schon in Abschnitt 5.2 gezeigt, zu einer Aktivierung des Promotors durch TGF-β1, unabhängig davon ob die Zellen zusätzlich stimuliert wurden oder nicht. In wiederholten Versuchen führte das Einfügen der Gfi IV-Mutation zu einer Verringerung dieses Effektes. Diese Reduktion der Aktivität war aber nicht konsistent signifikant (wie auch in Abb. 39 gezeigt), so dass eine Aktivität dieser potentiellen Gfi-1-Bindungsstelle in Frage steht.
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Um neben den Gfi-1-Bindungsstellen auch die Wirkung des Gfi-1-Proteins untersuchen zu können, wurde ein Gfi-1-Expressionsvektor (pGfi-1) in die Hepatomzelllinien transfiziert, der freundlicherweise von der Arbeitsgruppe Prof. Möröy, Universitätsklinikum Essen zur Verfügung gestellt wurde.
Die Kotransfektion des pGfi-1-Vektors mit dem LBP-Promotor/Luciferase-Konstrukt verursachte dabei eine sehr starke Hemmung des aktivierten LBP-Promotors (Abb. 40).
Der zum Vergleich transfizierte Kontrollvektor mit einer unspezifischen Sequenz führte dagegen nur zu einer relativ geringen Änderung der Promotoraktivität. Selbst in unstimulierten Zellen wurde nach pGfi-1-Kotransfektion die geringe, konstitutive LBP-Expression unterdrückt.
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Weiterhin wurde untersucht, ob die Mutation der Gfi-1-Bindungsstelle bei –556 bp einen Einfluss auf diesen Hemmeffekt hat. Dazu wurden die Promotoren mit den mutierten Gfi‑1-Mutationen Gfi Iatrunk und Gfi Ibtrunk zusammen mit dem pGfi-1-Vektor kotransfiziert. In Abb. 41 ist der relative Hemmeffekt nach Kotransfektion von pGfi-1 im Verhältnis zum Effekt eines Kontrollplasmids dargestellt. Im trunkierten Promotorelement mit einer Länge von 570 bp beträgt die relative Hemmung in etwa 80 %. Wurde die Promotortrunkation mit der mutierten Gfi Iatrunk –Bindungsstelle bei –556 bp verwendet, so reduzierte sich der Hemmeffekt durch die Kotransfektion auf 50 % (Gfi Ia). Wurde der Promotor mit der vollständig deletierten Gfi-1-Bindungsstelle verwendet (Gfi Ibtrunk), reduzierte sich der Hemmeffekt weiter auf 30 %.
Wurden die Promotoren, welche die Gfi-1 Mutanten Gfi II, Gfi III und Gfi IV tragen, mit dem pGfi-1-Expressionsvektor kotransfiziert, konnte kein Effekt nachgewiesen werden. Es bestand zwar ein Trend zu einer Abschwächung des pGfi-1-vermittelten Hemmeffekts, dieser war aber nicht signifikant (nicht dargestellt). Im Übrigen führte die pGfi-1-Kotransfektion mit kurzen LBP-Promotorfragmenten (463 bp Länge oder kürzer) nicht zu einer Aktivierung des Fragments wie sie bei TGF-β1-Inkubation zu beobachten war. Im Trend wurde eher eine Hemmung des aktivierten Promotors beobachtet (nicht dargestellt).
Außer dem wt-Gfi-1-Expressionsvektor wurden uns von Prof. Möröy zwei Mutationen des Gfi-1-Gens zur Verfügung gestellt: Die erste Mutante exprimiert nur die C-terminale DNA-bindende Zinkfingerdomäne von Gfi-1 (pGfiZn), die zweite Mutation enthält die N-terminale SNAG-Region, die Protein-Protein-Interaktionen vermittelt (pGfiSNAG).
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Wurden die Zellen mit pGfiSNAG transfiziert, zeigte sich in stimulierten Zellen, verglichen mit der Transfektionskontrolle, kein Einfluss auf die Aktivierbarkeit des LBP-Promotors. Die Gif-1-Mutante pGfiZn übte dagegen einen deutlich hemmenden Einfluss auf die Aktivität des LBP-Promotors aus (Abb. 42 rechte Teilabbildung). In unstimulierten Zellen war ebenfalls keine Wirkung nach pGfiSNAG zu beobachten; wurde mit pGfiZn kotransfiziert, zeigte sich ein schwacher stimulatorischer Effekt.
Bis dato wurden die Ergebnisse der Luciferasemessungen immer mit der Aktivität eines kotransfizierten β-Gal-Plasmids abgeglichen, um eventuelle Schwankungen, die im Zusammenhang mit der Transfektion auftreten, auszugleichen. Es zeigte sich jedoch, dass pGfiZn+ ebenfalls einen starken hemmenden Effekt auf die β-Gal-Aktivität ausübt, so dass sich nach dem β-Gal-Abgleich der pGfiZn+-Hemmeffekt schwächer darstellte, als er tatsächlich war. Daher wurden alternativ die Luciferasemesswerte gegen die Gesamtproteinkonzentration der lysierten Zellen abgeglichen. Diese früher übliche Methode gleicht Fehler aus, die sich aus unterschiedlichem Zellwachstum ergeben. Nach diesen Ergebnissen ging die Aktivität des maximal stimulierten Promotors bei pGfiZn-Transfektion um über 90 % zurück, also etwa in der gleichen Stärke wie nach der wt-pGfi-1-Transfektion (nicht dargestellt).
Da die Expression von Gfi-1 in Leberzellen bzw. in der Hepatomzelllinie HepG2 in der Literatur bislang noch nicht beschrieben wurde, dies aber die Grundvoraussetzung für die Vermittlung von TGF-β1-Effekten durch Gfi-1 ist, wurde eine Gfi-1-spezifische rtPCR etabliert.
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Wie in Abb. 43 gezeigt, konnte sowohl in unstimulierten HepG2-Zellen als auch nach TGf‑β1- bzw. IL-6-Inkubation eine starke Gfi-1 mRNA- Transkriptakkumulation nachgewiesen werden. Evtl. führt die Inkubation von TGF-β1 und IL-6 zu einer Reduktion der Gfi-1 mRNA-Akkumulation im Vergleich zu unstimulierten Zellen, zumindest aber scheint die TGF-β1-Wirkung nicht über die Aufregulation der Gfi-1 mRNA-Konzentration vermittelt zu werden.
Um zu bestätigen, dass Gfi-1 eine wichtige Rolle in der LBP-Regulation spielt, wurde der LBP-Spiegel im Serum von Gfi1-defizienten Mäusen untersucht, das dankenswerterweise ebenfalls von Prof. Möröy zur Verfügung gestellt wurde. Von den insgesamt 19 Mäusen waren 5 Wildtyp-Kontrollmäuse (+/+), 5 heterozygote Mäuse (-/+) und die restlichen 9 homozygot (-/-) Gfi-1-defizient. Mit einem murinen LBP-ELISA wurde die konstitutiven LBP-Konzentrationen der allesamt unstimulierten Mäuse gemessen (Abb. 44). Die LBP-Konzentrationen in den Wildtyp-Mäusen zeigten große Schwankungen, lagen aber im Mittel bei etwa 1,2 µg/ml LBP. In den heterozygoten Mäusen wurde im Mittel annähernd die gleiche LBP-Konzentration gemessen. In den monozygot Gfi-1-defizienten Mäusen lag die LBP-Konzentration mit etwa 2 µg/ml deutlich darüber und war im Vergleich zu den heterozygoten Mäusen signifikant erhöht.
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Der hauptsächliche Syntheseort von LBP ist die Leber, aber es wird auch in anderen Organen exprimiert, z.B. in Lungen- oder Darmepithelzellen. Hier werden Versuche dargestellt, die mit den Lungenepithelzelllinie A-549 durchgeführt wurden. Diese Zelllinie exprimiert LBP und wurde verwendet, um einige zuvor erzielte Ergebnisse zu überprüfen bzw. um zu untersuchen, ob sich die LBP-Expression in Zelllinien aus verschiedenen Geweben unterscheidet.
Die LBP-Expression der Lungenzelllinie war ebenfalls mit IL-1, IL-6 und Dex stimulierbar, wobei IL-1 und IL-6 einen geringeren Effekt zeigten als in den Leberzelllinien. Die Aktivierung der Zellen wurde überraschenderweise vor allem durch Dex angeregt: Die alleinige Gabe von Dex führte schon zu einer starken Zunahme der LBP-Expression, die in den Hepatomzelllinien nicht zu beobachten war. Von diesem hohen Niveau ausgehend war der Synergieeffekt mit IL-6 entsprechend geringer. Die stimulierende Wirkung von IL-6 allein war gering, außerdem war kein Synergieeffekt zwischen IL- und IL-6 zu beobachten (Abb. 45).
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Die Lungenzellen reagierten auch sensibler auf Dex im Vergleich zu den Hepatomzellen. Bei Inkubation mit einer Dex-Konzentrationenreihe von 0 / 0,1 / 1 und 10 µM Dex genügten schon 0,1 µM Dex, um die maximale Expression von LBP zu bewirken. Es war also, verglichen mit den Leberzellen, nur ein Zehntel der Dex-Konzentration für den maximalen stimulatorischen Effekt notwendig (Abb. 46).
Die TGF-β1-induzierte Hemmung des mit 50 U/ml IL-1, 500 U/ml IL-6 und 1 µM Dex aktivierten LBP-Promotors konnte an den A-549-Zellen ebenfalls nachgewiesen werden. Bei zunehmender TGF-β1-Konzentration konnte eine klare Dosis-Wirkungsabhängigkeit auf die Inhibition des aktiven LBP-Promotors gezeigt werden (Abb. 47A). Die Inkubation von IL-10 zeigte auch hier wie in den HepG2- und HuH-7-Zellen keine messbaren Hemmeffekte auf die LBP-Expression (Abb. 47B).
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In der nachfolgenden Abbildung (Abb. 48) sind die Ergebnisse in einer Übersicht zusammengefasst.
Die komplette Sequenz des LBP-Promotors mit den untersuchten potentiellen Bindungsstellen ist in Material und Methoden Abschnitt II 4.3 zu finden (Tabelle 3).
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| Abb. 49 (nachfolgende Seite) In den horizontalen Felder sind oben die für die Inkubation verwendeten Substanzen und unten die transfizierten Vektoren dargestellt. In den Feldern dazwischen sind die Ergebnisse nach den verwendeten Untersuchungsmethoden sortiert, dabei wird auf die dazugehörigen Abbildungen im Ergebnissteil verwiesen. Nachgewiesene stimulierende Effekte sind grün und inhibierende Effekte rot dargestellt. Unten in der Abbildung ist eine Übersicht der einzelnen untersuchten potentiellen Bindungsstellen mit der jeweiligen stimulierenden oder inhibierenden Wirkung, soweit nachgewiesen, dargestellt. | ||
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| DiML DTD Version 4.0 | Zertifizierter Dokumentenserver der Humboldt-Universität zu Berlin | HTML-Version erstellt am: 20.10.2005 |