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6.  Zusammenfassung

Ziel dieser Arbeit war es, die Einsetzbarkeit telepathologischer Techniken in der Fetalpathologie zu untersuchen und zu bewerten. Für die Untersuchungen wurde das Telepathologie-System TPS verwendet, welches in Zusammenarbeit vom Institut für Pathologie und der Abteilung Pränatale Diagnostik der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Charité zu Berlin mit der Firma Leica Microsystems Wetzlar GmbH entwickelt wurde.
Die Untersuchungen zeigten, dass der Einsatz der Telepathologie in der Fetalpathologie prinzipiell möglich ist. Es wurden dabei folgende Fragen geklärt:

1. Sind telepathologische Techniken zur Bewältigung der steigenden Anforderungen an die Fetalpathologie anwendbar?

In der Fetalpathologie kommen zunehmend kleinere Feten aus sehr frühen Schwangerschaftswochen zur Autopsie. Mit Hilfe von Makroskop und Stereomikroskop kann der Fetalpathologe entsprechende Vergrößerungen von „Minibefunden“ vornehmen. Sind diese Geräte an ein Telepathologiesystem angeschlossen, können wichtige Befunde dokumentiert und zu einem späteren Zeitpunkt für die Diagnostik verwendet werden.

Die Anzahl genetisch bestimmbarer komplexer Fehlbildungsmuster und Syndrome nimmt ständig zu. Dadurch wird vom Fetalpathologen ein hohes Maß an Erfahrung und Wissen vorausgesetzt. Es gibt jedoch weltweit nur eine geringe Anzahl von Experten auf dem Gebiet der Fetalpathologie. Somit ist eine konventionelle Konsultation mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Mit Hilfe der Telepathologie werden die geographischen Distanzen zu den Experten schnell überwunden. Die Konsultationszeiten von einigen Wochen können so auf etwa 1-2 Tage reduziert werden.

2. Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen der Telepathologie im Vergleich zur konventionellen Konsultation in der Fetalpathologie?

Das Telepathologie-System TPS wurde im Rahmen von 2 Fallstudien in die fetalpathologischen Arbeitsabläufe integriert. Die Vor- und Nachteile gegenüber konventionellen Methoden wurden im Abschnitt 4.2. ausführlich dargestellt und hier kurz zusammengefasst:

Zeiteinsparung gegenüber der konventionellen Vorgehensweise

Verbesserung der Qualität der Diagnosen durch Einsatz der Telepathologie

Autopsieplanung durch den Zugriff auf interdisziplinäre Datenbanken

Falldokumentation parallel zur Autopsie möglich, wichtige Bildbefunde können sofort abgespeichert werden

Limitierende technische Faktoren sind:

Fehlen einer ausreichenden Bandbreite

mangelnde Kompatibilität, da internationale Standards nicht unterstützt werden.

Integration in vorhandene Arbeitsabläufe ist nicht einfach, da hochkomplexe Systeme

Bedienung der Telepathologie-Systeme setzt hinreichende Erfahrung voraus, die aber erlernt werden kann

3. Welche Anforderungen sind an die Qualität der übertragenen Bilder zu stellen, um eine exakte Diagnostik zu gewährleisten, und wie hängt das von den optischen Bedingungen und den untersuchten Strukturen ab?

Damit Telepathologie-Systeme im Routineeinsatz praktikabel sind, muss wegen der relativ geringen Bandbreite eine Reduktion des Datenumfanges insbesondere des zu versendenden Bildmaterials vorgenommen werden. Dabei muss ein Kompromiss gefunden werden zwischen höchstmöglicher Datenreduktion für einen schnellen Datentransfer und minimalen [Seite 73↓]Qualitätsverlusten für eine hinreichend sichere Diagnose. Die Untersuchungen der vorliegenden Arbeit beschränkten sich auf die Reduktion der Auflösung und die Kompression makroskopischer Bilder mit JPEG und WAVELET, im Hinblick auf die Qualitätsänderung der komprimierten Bilder.

Die Ergebnisse zeigen, dass Auflösungen, abhängig von der Vergrößerung, zwischen 1200 dpi und 700 dpi ohne subjektiven Qualitätsverlust akzeptabel sind (siehe 4.1).

Es zeigte sich ebenfalls, dass mit JPEG Kompressionsraten von 1:100-110 ohne subjektiven Qualitätsverlust möglich sind, während mit dem WAVELET Verfahren Kompressionsraten von 1:100 bis etwa 1: 140 toleriert werden können.

Damit aber schon vor der Datenreduktion optimale Bilder vorhanden sind, stehen dem Pathologen bereits bei der Bildaufnahme mehrere Einflussmöglichkeiten zur Verfügung. Im Abschnitt 4.1 sind diese Einflussmöglichkeiten detailliert aufgeführt, während diese hier nur kurz genannt werden sollen:

Beleuchtungsbedingungen bereits bei der Präparation und Bildaufnahme

Qualität der verwendeten Kamera

Zustand der Organe: leichtere Positionierung von formalinfixierten Organen, und ebenso geringere Glanzeffekte auf deren Oberfläche

4. Welche Anforderungen sind an telepathologische Lösungen zu stellen, um sie in der Routine einsetzen zu können?

Damit telepathologische Systeme ihren Weg in die Routine finden, sollten wichtige Punkte erfüllt sein.

Einfache Integration in bestehende Arbeitsabläufe

Funktionsfähig bei minimalen Systemvoraussetzungen

Unterstützung von allgemeingültigen Standards

Anschluss an interdisziplinäre Datenbanken

Beachtung von Datenschutz- und Sicherheit

Schutz vor unberechtigtem Zugriff/Benutzerverwaltung

Einfache und intuitive Bedienung

Die Telepathologie-Systeme müssen eine qualitativ hochwertige Diagnostik ermöglichen. D.h. dass keine Fehldiagnosen durch mangelhafte Bildqualität oder fehlerhafte Befundübertragung etc. erfolgen können. Dies setzt eine Qualitätskontrolle des Telepathologie-Systems z.B. hinsichtlich der Qualität der übertragenen Bilder voraus.

Die Telepathologie wird einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Fetalpathologie leisten, weil:

eine Sektionsüberwachung ermöglicht wird

Nationale und internationale Expertenkonsultationen bei der Lösung seltener und schwieriger Fälle hilfreich sein können

Lehrmaterial für die Aus- und Weiterbildung leicht erstellt werden kann

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Telepathologie entscheidend zur Lösung der neuen Anforderungen in der Fetalpathologie beitragen kann. Diese neue Technik wird sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln, und viele Probleme, die heute im Vordergrund stehen werden gelöst werden.


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02.02.2004