Hanebeck, Jan: Postoperative Knochendichteänderungen am Femur nach Implantation der zementfreien Zweymüller-Hüftendoprothese unter Berücksichtigung klinischer und röntgenologischer Parameter

Kapitel 5. Zusammenfassung

Es wurden 95 Zweymüller-Schaftimplantate an 92 Patienten, die in einem Zeitraum von Oktober 1988 bis November 1992 operiert wurden, nachuntersucht. Das Durchschnittsalter lag bei 64,4 Jahren; in der Geschlechtsverteilung fanden sich 32 männliche und 60 weibliche Patienten. Um Aussagen zum Verhalten des Femurknochens nach Implantation des Zweymüller-Schaftes im Abhängigkeit von der Zeit machen zu können, wurde das Patientenkollektiv in 3 Gruppen unterteilt. Zirka 2 Jahre nach Implantation wurden 35 Zweymüller-Prothesen untersucht, 4 Jahre p.op. 31 Implantate und 6 Jahre p.op. 29 Zweymüller-Hüftendoprothesen.
Diese Gruppen wurden hinsichtlich ihres klinischen Ergebnisses, anhand einer konventionellen a.p. Röntgenaufnahme und bezüglich der in der Osteodensitometrie ermittelten Knochendichteänderungen miteinander verglichen.
Klinisch fanden sich überwiegend gute bis sehr gute Ergebnisse. Die Beurteilung in Abhängigkeit von der Implantationsdauer zeigte nach 2 Jahren eine Harris-Hip-Score von 79, eine Verbesserung des klinischen Befundes nach 4 Jahren, was sich in einem ansteigenden Hip-Score von 87 manifestierte und eine Konsolidierung 6 Jahre p.op. mit einem Hip-Score, der nahezu unverändert bei 86 Punkten lag. Dies kann als Ausdruck eines stabilen klinischen Befundes gewertet werden.
Die Röntgenkontrolle zeigte mit zunehmender Implantationsdauer einen leichten Anstieg knöcherner Veränderungen. Wurden 2 Jahre p.op. in 38 % röntgenologische Veränderungen gesehen, so waren es 4 Jahre p.op. 42 % und 6 Jahre nach Implantation 46 %. Deutliche Unterschiede bezüglich der unterschiedlichen Röntgen-Phänomene Kortikalishypertrophie, Saumbildung und Atrophie in Abhängigkeit von der Implantationsdauer waren nicht zu verzeichnen. Es war lediglich festzustellen, daß eine Kortikalishypertrophie 4 Jahre p.op. und eine periprothetische Saumbildung 2 Jahre p.op. weniger häufig auftraten als in den anderen Gruppen.
Ein Vergleich der Entwicklung der durchschnittlichen periprothetischen Knochendichte zeigte nach 2 Jahren den deutlichsten Knochendichteverlust, 4 Jahre nach Implantation fand sich nahezu keine Änderung der durchschnittliche Knochendichte gegenüber der natürlichen Gegenseite, nach 6 Jahren war insgesamt wieder ein leichte Knochendichteminderung festzustellen, wobei diese deutlich geringer war als 2 Jahre p.op..


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Die Knochendichtemessung erbrachte beim intraindividuellen Vergleich mit der natürlichen Gegenseite eine Minderung in den distalen Abschnitten am periprothetischen Femur. Am deutlichsten mit einer signifikanten Resorption von ca. 18 % unterhalb des Trochanter minor (Gruen-Zone 6). Demgegenüber fand sich sowohl im Bereich des Trochanter major als auch im Trochanter minor-Bereich ein Anstieg der Knochendichte im Vergleich zur natürlichen Gegenseite.
Weiterhin wurden die Knochendichteveränderungen in den einzelnen periprothetischen Femurabschnitten in Abhängigkeit von der Implantationsdauer untersucht. Dabei zeigten sich generell Knochendichteverluste in den distalen Abschnitten. Am deutlichsten traten diese Veränderungen 2 Jahre nach Implantation auf. Die deutlichste Knochendichteabnahme fand sich medial unterhalb des Trochanter minor, bemerkenswerterweise war dieses Phänomen mit steigender Implantationszeit rückläufig. In den proximalen, trochantären Abschnitten fand sich eine deutliche Zunahme der Knochendichte 4 Jahre p.op., medial auch 2 Jahre p.op. Nach 6 Jahren war hier eine geringe Knochendichteabnahme zu verzeichnen. Dieses Verhalten der Knochendichte wurde unabhängig vom Alter und Geschlecht der Patienten in den jeweiligen Femurabschnitten beobachtet.
Ein signifikanter Knochendichteverlust am mit einem Zweymüller-Schaft versorgten Femur in Korrelation mit der Implantationsdauer ließ sich bis 6 Jahre nach Endoprothesenimplantation damit nicht feststellen. Vielmehr ist der initiale Knochendichteverlust 2 Jahre nach Implantation und die Knochendichtezunahme nach 4 Jahren als Zeichen der zunehmenden biomechanischen Anpassung an die Krafteinleitungsverhältnisse zu werten. Insbesondere in den proximalen Abschnitten konnte eine zunehmende Resorption als Hinweis auf ein sog. „stress-shielding“ nicht nachgewiesen werden. Es ist daher in dem Beobachtungszeitraum von einer dauerhaft stabilen Fixation des Zweymüller-Schaftes auszugehen. Dieser Befund korreliert mit den röntgenologischen und klinischen Untersuchungsergebnissen.
Weiterführende Untersuchungen nach längerer Implantationsdauer könnten insbesondere zur Knochendichteentwicklung im medial-proximalen Bereich Aufschluß geben, da nach der Hypothese von Huiskes et al. (80) im Finite-Element-Modell-Versuch die Adaptationsprozesse des Knochens irgendwann im zeitlichen Verlauf zum Stillstand kommen. Für eine genauere Vorhersage der Reaktion des knöchernen Femurlagers nach Endoprothesenimplantation wären zudem prospektive Studien mit präoperativer Ermittlung der Knochendichte hilfreich.

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Mon Sep 16 13:17:10 2002