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Material und Methoden

2.1 Methodische Voruntersuchungen

2.1.1 Daten-Akquisition

Die Primärdatensätze für das virtuell-zisternoskopische Bildgebungsprotokoll sollten folgenden Anforderungen genügen:

Die erstmals 1993 von Casselman et al. vorgestellte stark T2-gewichtete Gradientenechosequenz 3DFT (dreidimensionale Fourier Transformation) CISS (constructive interference in steady state)[5] wurde als methodische Grundlage der Voruntersuchungen gewählt. Die Untersuchungen wurden mittels Kopfspule in einem 1,5 Tesla MR Scanner (Magnetom Vision, Siemens, Erlangen) durchgeführt. Folgende Parameter wurden verwendet: TR 12,3 ms, TE 5,9 ms, Flipwinkel 70°, Anzahl der Akquisitionen 1, Field of view (FOV) 130 mm, Scanlänge 32 mm.

Bei insgesamt 6 Probanden, die weder klinisch noch anamnestisch Zeichen einer Hirnnervenaffektion aufwiesen, wurden die Parameter der Datenakquisition systematisch jeweils einzeln wie folgt variiert:

Schichtdicke

1,0

0,75

0,5 mm,

Matrix

512²

256²

128² Pixel,

Phasen-Oversampling

100%

75%

50%,

Ausleserichtung

post.à ant

 

rechts à links.


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Anschließend wurde im Rahmen einer Konsensusbewertung durch zwei erfahrene Neuroradiologen die Sequenz definiert, die sowohl in den primären Schnittbilddatensätzen als auch in den abgeleiteten zwei- und dreidimensionalen Rekonstruktionen der basalen Zisternen die höchste Bildqualität ermöglichte.

2.1.2 Daten-Nachverarbeitung

Die Hirnnerven V-VIII und die sie umgebenden Gefäßstrukturen sollten unter Einbeziehung einer größtmöglichen Menge an Bilddaten mit möglichst wenigen standardisierten virtuell-zisternoskopischen Abbildungen in ihrem intrazisternalen Verlauf vollständig und weitestgehend überlagerungsfrei dargestellt werden. Als kritische Bildelemente wurden die folgenden pathophysiologisch bedeutsamen potenziellen neurovaskulären Kontaktpunkte definiert:

Die Primärdatensätze wurden über interne Netzwerkverbindungen im DICOM-Format auf eine Workstation (Ultra 60 Computer, Sun Microsystems, USA) mit einem Software-Modul für Volume Rendering incl. endoluminaler Navigationsoption (Easy Vision 4.1, Philips, Holland) übertragen.

Die hochauflösenden Datensätze wurden eingesetzt, um mittels Volume Rendering virtuell-zisternoskopische Ansichten der basalen Zisternen und des inneren Gehörgangs (MAI) zu erzeugen, wobei folgende Parameter variiert wurden:


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Die Rekonstruktionen wurden abschließend im DICOM-Format auf der Workstation und im JPG-Format auf einer CD-Rom gespeichert. Zusätzliche Farbkodierungen klinisch relevanter Strukturen wurden im Einzelfall, unter Nutzung eines Softwaremoduls zur digitalen Bildnachverarbeitung (Adobe Photoshop 6.0, Adobe Systems Inc., USA), auf einem handelsüblichen Windows PC durchgeführt.

2.2 Anwendungsstudien

Die Anwendungsstudien untergliederten sich nach den untersuchten Fragestellungen in eine Hauptstudie und eine Nachkontrollstudie.

Die Hauptstudie umfasste die Erprobung der Eignung des Nachverarbeitungsprotokolls für die Routinediagnostik und die Evaluierung der Qualität und diagnostischen Wertigkeit der virtuell-zisternoskopischen Rekonstruktionen. Die Nachkontrollstudie hatte die Überprüfung der klinischen Akzeptanz der standardisierten Nachverarbeitung zum Ziel.

2.2.1 Hauptstudie

Das in den Voruntersuchungen standardisierte Datenakquisitions(DA)- und Nachverarbeitungs(NV)-Protokoll wurde zur bildgebenden Diagnostik bei 14 Patienten (8 weibliche, 6 männliche, Alter: 3-87 Jahre, Durchschnittsalter: 49,4 Jahre) mit den nachstehend aufgeführten klinischen Verdachtsdiagnosen eingesetzt, die in den axialen Schnittbildern Zeichen eines neuralen Kompressionssyndroms aufwiesen: Trigeminusneuralgie (n=5), Facialisparese (n=1), Hemispasmus facialis (n=1), Vertigo und/oder retrocochleäre Schallempfindungs-Schwerhörigkeit (n=6) und Zustand nach inkompletter Resektion eines KHBW-Tumors (Ependymom) (n=1).

Die Dauer der Datennachverarbeitung wurde mittels Stoppuhr erfasst. Jede der standardisierten Ansichten der virtuellen Zisternoskopie wurde bezüglich Bildqualität durch Konsensusbewertung zweier erfahrener Neuroradiologen unter Verwendung eines 5-teiligen Scores (1= unzureichend, 5= sehr gut) eingestuft. Nach dem selben Score wurde die diagnostische Wertigkeit der virtuell-zisternoskopischen Untersuchung insgesamt beurteilt. Die VZ Darstellung wurde als erfolgreich bewertet, wenn die durchschnittliche Bildqualität größer als 3 und die diagnostische Wertigkeit mindestens 3 betrug. Bewertet wurden jeweils nur die Standardansich[Seite 21↓]ten des von der Pathologie betroffenen Hirnnerven, auch wenn Rekonstruktionen zusätzlicher HN beider Seiten zum Zweck der Zeitmessung erstellt wurden.

2.2.2 Nachkontrollstudie

Die Nachkontrollstudie umfasst insgesamt 29 Patienten (14 weibliche, 15 männliche, Alter: 3-87 Jahre, Durchschnittsalter: 52,9 Jahre) bei denen sowohl das DA- als auch das NV-Protokoll angewendet und dabei der Befund eines neurovaskulären Konfliktes eines oder mehrerer der Hirnnerven V-VIII (n=23) bzw. eines neuralen Kompressionssyndroms anderer Genese (n=6) erhoben wurde. Alle Patienten der Hauptstudie wurden auch in die Nachkontrollstudie aufgenommen.

Es wurden die im Anschluss an die poliklinische oder stationäre Behandlung erstellten Arztbriefe, die Akten der Poliklinik oder soweit verfügbar OP-Berichte ausgewertet. Wo dies nicht möglich war, wurde zu den ambulant betreuenden Fachärzten Kontakt aufgenommen.

Ziel der Nachkontrollstudie war es, zu prüfen, ob die bildgebend erhobenen Befunde eines neurovaskulären Konfliktes bzw. eines neuralen Kompressionssyndroms anderer Genese in die klinische Diagnose/Differentialdiagnose und Therapie Eingang gefunden haben und ob die Bildgebung mit dem intraoperativen Befund übereinstimmt.

2.3 Gesamtkollektiv

Die in die Studien aufgenommenen Patienten entstammten einem Kollektiv von 56 Patienten (29 weibliche, 27 männliche, Alter:3-87 Jahre, Durchschnittsalter: 49,4 Jahre), die im Zeitraum von Januar 2000 bis Juni 2003 aufgrund des Verdachts eines neurovaskulären Konfliktes (NVK) der Hirnnerven V-VIII mittels des Standardakquisitionsprotokolls (3DFT CISS Sequenz) untersucht wurden oder bei denen sich aus den axialen Schnittbildern einer CISS- Sequenz der Verdacht eines neuralen Kompressionssyndroms ergab. In die Anwendungsstudien wurden vor allem Patienten mit schwierigen und unübersichtlichen pathoanatomischen Verhältnissen aufgenommen, bei denen eine 3D-Nachverarbeitung mittels virtueller Zisternoskopie weitere Befundinformationen versprach. Die klinischen Zuweisungsdiagnosen im Gesamtkollektiv verteilten sich wie in Abb. 7 gezeigt.


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Abb. 7: Anzahl und Verteilung der klinischen Zuweisungsdiagnosen im Gesamtkollektiv


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19.10.2004