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Zusammenfassung

Ziel der vorliegenden Untersuchungen war es, die Akquisition und Nachverarbeitung hochauflösender MRT-Bilddaten im Hinblick auf eine 3D-Visualisierung des intrazisternalen Verlaufes der Hirnnerven V-VIII zu optimieren.

Bezüglich der Datenakquisition sollte das zu definierende Untersuchungsprotokoll neben einer hohen Detailauflösung und einem adäquaten Signal-zu-Rausch-Verhältnis insbesondere die Eignung der Bildvolumenelemente (Voxel) zur multiplanaren und dreidimensionalen Nachverarbeitung gewährleisten, also dem Kriterium der Isotropie (gleiche Kantenlänge in allen Raumrichtungen) genügen. Dabei sollten in der klinisch-neuroradiologischen Bildgebung übliche Messzeiten für hochauflösende Sequenzen (≤ 15 min) nicht überschritten werden.

Bezüglich der Datennachverarbeitung sollte ein weitgehend untersucherunabhängiges standardisiertes und zeiteffizientes Protokoll definiert werden, das in der Lage ist, virtuell-zisternoskopische Darstellungen der genannten Hirnnerven in neuroendoskopieähnlicher Bildqualität zu erzeugen. Besonders berücksichtigt werden sollten pathophysiologisch bedeutsame Hirnnervenabschnitte.

Zunächst wurden exemplarisch in der Literatur beschriebene Verfahren der Zisternendarstellung nachvollzogen und hinsichtlich ihrer Bildqualität orientierend mit der für die MRT-Zisternographie beschriebenen 3DFT CISS Sequenz verglichen. Anschließend wurde eine systematische Variation der Akquisitionsparameter durch Probandenmessungen durchgeführt.

Bezüglich der Bilddatennachverarbeitung wurde zur 3D Visualisierung die Volume Rendering Technik ausgewählt, da nur sie eine interaktive Navigation unter Beibehaltung des gesamten Datensatzes gewährleistet.

Auf der Basis der in der Literatur benannten Prädilektionsstellen epidemiologisch bedeutsamer neurovaskulärer Kontakte bzw. Konflikte wurden standardisierte zisternoskopische Ansichten der Hirnnerven V-VIII definiert. Die zeiteffektive Erstellung dieser Ansichten wurde durch die Definition archivierbarer semi-automatisierter Nachverarbeitungsprotokolle gewährleistet. Die Angleichung des Bildcharakters an klinische Bildgebungstechniken erfolgte anhand neuroendoskopischer Vergleichsbilder.

Um eine untersucherunabhängige Orientierung innerhalb des virtuell-zisternoskopischen Visualisierungsprotokolls regelhaft zu ermöglichen, wurden [Seite 51↓]Referenzbilder bestehend aus der 3D Ansicht und einem 2D Schnittbild mit Markierung der Kameraposition und Blickrichtung erstellt.

In der Folge wurden die Datenakquisitions- und Nachverarbeitungsprotokolle angewendet bei insgesamt 29 Patienten, die von neurologischen, neurochirurgischen und/oder otochirurgischen Kliniken mit dem klinischen Verdacht auf einen neurovaskulären Konflikt oder ein anderes intrazisternales neurales Kompressionssyndrom vorgestellt wurden und die Ergebnisse der virtuell-zisternoskopischen Bildgebung evaluiert. In einem Subkollektiv von 14 Patienten wurde zunächst die Eignung des NV-Protokolls zum Einsatz in der klinisch neuroradiologischen Bildgebung bezüglich Nachverarbeitungszeit, Bildqualität und diagnostischer Wertigkeit untersucht. In dem Kollektiv von 29 Patienten wurde anhand von Patientenakten, Arztbriefen sowie, im Einzelfall, Nachbefragungen der behandelnden Ärzte ermittelt, ob die Ergebnisse der virtuell-zisternoskopischen Bildgebung diagnosebildend, differentialdiagnosebildend und/oder therapierelevant waren. Es wurde erfasst, ob eine operative Therapie erwogen oder durchgeführt wurde und mit welchem intraoperativen Befund dies geschah.

Die Patienten stammten aus einem Gesamtkollektiv von 56 Patienten, die zwischen Januar 2000 und Juni 2003 wegen des Verdachts auf einen neurovaskulären Konflikt der Hirnnerven V-VIII mit dem Standardakquisitionsprotokoll untersucht wurden oder bei denen sich in der 2D MR-Bildgebung der Verdacht auf ein neurales Kompressionsyndrom ergeben hatte. Dieses Gesamtkollektiv wurde bezüglich radiologischer Diagnosen, der relativen Häufigkeiten neurovaskulärer Konflikte der Hirnnerven V-VIII und deren Geschlechterverteilung, sowie der Häufigkeit der beteiligten Gefäße untersucht.

Ein Standardakquisitionsprotokoll wurde entwickelt, das mit einer Voxelgröße von 0,5³ mm³ sowohl eine hohe Detailauflösung, als auch aufgrund der Voxelisotropie die Vorraussetzungen für qualitativ hochwertige 3D-Rekonstruktionen bot. Mit einer Untersuchungszeit von 10:03 min konnten die zeitlichen Vorgaben unterboten werden.

In 10 standardisierten Ansichten der Hirnnerven V-VIII konnten die pathophysiologisch relevanten Strukturen dargestellt werden. Die mittlere Nachverarbeitungszeit betrug für den HN V 13,1 min, für den HN VI 5,6 min und für die HN VII/VIII zusammen 13,7 min pro Seite. Die durchschnittliche Bildqualität wurde insgesamt [Seite 52↓]mit 4,2 von 5 Punkten und die diagnostische Wertigkeit mit 4,1 von 5 Punkten bewertet. Als methodische Probleme wurden in dem bildqualitativ evaluierten Subkollektiv Akquisitionsartefakte notiert, die typischerweise auf Pulsationen von Gefäßen und des Liquor cerebrospinalis, sowie auf Bewegungen des Patienten zurückzuführen waren. In ca. 14% der untersuchten Patienten erlaubten diese keine hinreichende Bildqualität.

Die Nachverfolgung aller virtuell-zisternoskopisch untersuchten Patienten ergab, das sich bei 85% der verfolgbaren Patienten Konsequenzen bezüglich Diagnose (n=15) und/oder Therapie (n= 16) ergeben hatten.

Neun von 24 nachverfolgbaren Patienten wurden aufgrund klinischer und bildgebender Befunde zu einer neuro-/otochirurgischen Intervention vorgestellt. Zum Abschlusszeitpunkt der vorliegenden Arbeit lag davon bei zwei Patienten ein detaillierter intraoperativer Befund vor, der jeweils weitgehend mit dem VZ Befund übereinstimmte. Bei den restlichen sieben Patienten ist eine Entscheidung über einen operativen Eingriff noch nicht gefallen oder dieser wurde abgelehnt.

Sonstige therapeutische Konsequenzen waren medikamentöser oder strahlenmedizinischer (n=3) Art.

Im Gesamtkollektiv waren neurovaskuläre Konflikte mit Beteiligung des Hirnnerven VIII mit 53% am häufigsten, gefolgt von Konflikten des HN V (31%), des HN VII (8%) und der gemeinsamen Beteiligung der HN VII/VIII (8%).

Das vorgestellte Standardprotokoll scheint für die 3D Visualisierung insbesondere neurovaskulärer Konflikte geeignet zu sein. Wesentliche Probleme stellten Akquisitionsartefakte dar, die durch präzise Lagerung minimierbar sind. Weitere Untersuchungen sind jedoch erforderlich, um die virtuell-zisternoskopischen mit den intraoperativen Befunden zu korrelieren, was im Rahmen dieser Arbeit wegen der langen Latenz zwischen Bildgebung und neurochirurgischer Intervention nicht möglich war.


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19.10.2004