Heinze, Susanne: Triptorelinazetat 2,1 mg versus Triptorelinazetat 4,12 mg zur ovariellen Suppression im Rahmen der In-vitro-Fertilisation. Eine prospektive randomisierte Dosisfindungsstudie

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Kapitel 5. Zusammenfassung

In der vorliegenden prospektiv randomisierten Untersuchung wurde der GnRH-Agonist Triptorelinazetat in der Standarddosis 4,12 mg mit der halben Dosis von 2,1 mg als Depotinjektion zur ovariellen Suppression vor Stimulationsbehandlung mit Gonadotropinen im Rahmen der In-vitro-Fertilisation verglichen, um die Effizienz der halbierten Dosis bezüglich der LH-Suppression und der Schwangerschaftsraten zu prüfen.

Hierzu wurden 200 sterile Patientinnen aus dem Kollektiv der Kinderwunschsprechstunde der DRK-Frauenklinik Berlin-Charlottenburg ausgewählt. Einschlusskriterien waren 18 bis 38-jährige normovulatorische Patientinnen, bei denen eine IvF- oder IvF/ICSI-Therapie geplant war. In der Anamnese bestand kein Hinweis auf “low responder“ in vorangegangenen IvF-Versuchen. Eine eventuell vorausgegangene GnRH-Agonisten-Medikation musste mindestens 8 Wochen zurückliegen.

In beide Studienarme wurden jeweils 100 Patientinnen eingeschlossen, die prospektiv randomisiert 2,1 mg Depot-Triptorelinazetat (Gruppe A) oder 4,12 mg Depot-Triptorelinazetat (Gruppe B) erhielten.

Die Überprüfung der ovariellen Suppression erfolgte mittels Messen der Parameter Östradiol (E2), luteotropes Hormon (LH) und Progesteron (P). Die Stimulationsbehandlung erfolgte mittels humanem menopausen Gonadotropin (HMG) oder rekombinantem FSH. Die durchschnittliche Stimulationsdosis lag bei 225 IU FSH/HMG pro Tag.

Die Östradiol-, LH- und Progesteronbestimmungen wurden am 1. Tag vor Stimulationsbeginn, am 7. Tag der Stimulationsbehandlung, 2 Tage vor Ovulationsinduktion, 1 Tag vor Ovulationsinduktion, am Tag der HCG-Gabe (Ovulationsinduktion) morgens um 8.00 und abends um 22.00 Uhr und am Tag nach der HCG-Gabe durchgeführt.

Bezüglich aller drei Hormonparameter fand sich kein statistisch signifikanter Unterschied, sowohl vor Stimulationsbeginn als auch während der gesamten Stimulationsbehandlung. Es zeigten sich lediglich geringfügig niedrigere Östradiolkonzentrationen bei der vollen Triptorelinazetatdosis, beispielsweise lagen die E2-Werte im Median nach HCG-Gabe bei 2755 pg/ml in der Gruppe A (Triptorelinazetat 2,1 mg) versus 2424 pg/ml in Gruppe B (Triptorelinazetat 4,12 mg). Bezüglich des LH ließen sich zu keinem Zeitpunkt höhere Werte in der Gruppe mit halber Triptorelindosis nachweisen.

Von den 100 ursprünglich erhobenen Patientinnen der Gruppe A brachen 2 Patientinnen aus persönlichen Gründen die IvF-Behandlung ab, so dass insgesamt 98 Patientinnen, die die halbe Dosis (Triptorelinazetat 2,1 mg) erhalten hatten, mit 100 Patientinnen nach Standarddosis bezüglich des Behandlungsverlaufs untersucht werden konnten.

In Gruppe A wurde bei 6 Patientinnen die Therapie aus medizinischen Gründen abgebrochen.


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In 5 Fällen erfolgte dies wegen erstmalig erkannter mangelnder Stimulierbarkeit der Ovarien (low response) mit Wachstum von maximal 1-2 Follikeln. In einem Fall allerdings kam es zu einem vorzeitigen LH-peak mit anschließender Luteinisierung, so dass dieser Zyklus wegen nicht erfolgter Downregulation abgebrochen werden musste. In Gruppe B wurden drei Zyklen aus medizinischen Gründen abgebrochen, zwei Therpieabbrüche erfolgten wegen mangelnder ovarieller Reaktion (low response), einmal wegen OHSS III°. In dieser Gruppe kam es zu keiner vorzeitigen Luteinisierung. Die Unterschiede sind nicht signifikant.

Insgesamt wurden 92 Follikelpunktionen in Gruppe A versus 97 Follikelpunktionen in Gruppe B durchgeführt. Die Anzahl der gewonnenen Eizellen pro Punktion betrug in Gruppe A (Triptorelinacetat 2,1 mg) im Median 10 Oozyten versus 11 Oozyten in Gruppe B (Triptorelinazetat 4,2 mg). Dieser Unterschied ist ebenfalls nicht signifikant.

Die Fertilisationsrate pro Follikelpunktion lag in Gruppe A bei 94% (86 von 92), in Gruppe B kam es bei 96 der 97 Patientinnen zu einer Fertilisation (Fertilisationsrate 99%). Hier zeigte sich eine leicht höhere Fertilisationsrate in Gruppe B (p=0,06). Diese Unterschiede sind jedoch statistisch noch nicht signifikant. Auch die Fertilisationsraten pro Oozyte (48% versus 50%) zeigten keine signifikanten Unterschiede. Die Transferrate pro Punktion lag in Gruppe A bei 94% versus 99% in Gruppe B (nicht signifikant). Bezieht man jedoch die Rate der Embryotransfere auf die Anzahl begonnener Stimulationen wurden 86 Embryotransfere bei 98 begonnenen Stimulationen in der Gruppe A durchgeführt (88%) versus 96 erfolgte Embryotransfere bei 100 begonnenen Stimulationen in Gruppe B (96%), p=0,04. Dieser Unterschied ist signifikant (p<0,05).

Die Schwangerschaftsrate pro Follikelpunktion lag in Gruppe A bei 26% versus 28% in Gruppe B (24 Schwangerschaften bei 92 Punktionen versus 27 Schwangerschaften bei 97 Punktionen). Dieser Unterschied ist nicht signifikant. Die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer lag in beiden Gruppen bei 28% (24 von 86 Embryotransferen in Gruppe A versus 27 von 96 Embryotransferen in Gruppe B).

Insgesamt lässt sich also sagen, dass keiner der Hormonparameter Östradiol, LH und Progesteron signifikante Unterschiede nach Downregulation mit halbierter Standarddosis gegenüber der Standarddosis aufwies. Auch die Anzahl der gewonnenen Oozyten (unabhängig vom Reifegrad) und Fertilisationsraten pro Follikelpunktion zeigten keine signifikanten Unterschiede. Bezieht man jedoch die Fertilisationen auf die begonnenen Stimulationen, so zeigte sich eine signifikant bessere Fertilisations- und Embryotransferrate in der Gruppe mit Triptorelinazetat 4,12 mg (Standarddosis), bedingt durch die höhere Anzahl der Behandlungsabbrüche (in Gruppe A 6 versus 3 in Gruppe B). Dies konnte sich jedoch nicht auf die Schwangerschaftsraten auswirken, die bei beiden Gruppen bezogen auf den Embryotransfer mit 28% gleich hoch war.


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