Henschke, Cornelia: Langzeitkultur von humanen Langerhanszellen: Phänotypische Eigenschaften und Apoptose

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Kapitel 4. Diskussion

Für die Isolierung von intraepidermalen Langerhanszellen sind prinzipiell zwei verschiedene Verfahren bekannt: Dichtegradientzentrifugation und Migration. Bei der in der Literatur oft beschriebenen Trypsinisierung wird die Epidermis mit einer aus Trypsin und PBS bestehenden Lösung behandelt, wodurch die Langerhanszellen aus der Epidermis gelöst werden und in das Kulturmedium übergehen (Kawamura, T. et al; 1995; Cohen, P. et al; 1992). Cohen reicherte die Langerhanszellen aus der Fraktion der nicht am Boden adherierenden Zellen durch Dichtegradientzentrifugation an. Dabei hatten typischerweise 5-20 % der Zellen ein dendritisches Aussehen und waren HLA-DR-positiv.

Bei der Isolierung durch Migration nutzt man aus, daß murine (Larsen, C. et al; 1990) und humane Langerhanszellen (Richters, C. et al; 1994; Pope, M. et al; 1995) spontan aus der Epidermis in das umgebende Kulturmedium migrieren. Sammelt und kultiviert man aus muriner Haut spontan migrierte Langerhanszellen, so reifen sie in der Kultur zu eben solchen Langerhanszellen, wie sie nach einer Trypsinisierung kultiviert wurden (Ortner, U. et al; 1996). In der Hautkultur nach Migration konnten während der ersten drei Tage der Kultur bei den epidermalen Langerhanszellen CD 1a-Moleküle und Birbeck-Granula nachgewiesen werden (Rambukkana, A. et al; 1995). Die Intensität der MHC-Klasse-II-Moleküle (HLA-DR, -DP und -DQ) stieg stark an, und die Zellen wurden etwa am dritten Tag ausgeprägter dendritisch geformt. Auch in situ reagieren Langerhanszellen mit einer solchen Änderung des Phänotypes auf GM-CSF und TNF-alpha.


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Demnach ist das Verhalten von Langerhanszellen in der Hautkultur nach Migration dasselbe wie bei Langerhanszellen nach Kontaktallergie in situ. Das Migrationsmodell kann somit als in-vitro-Versuchsaufbau benutzt werden, um den Verbleib von Langerhanszellen in vivo nach Kontaktsensibilisierung zu untersuchen (Rambukkana, A. et al; 1995).

Bei der Isolierung durch Trypsinisierung ist der zu erwartende prozentuale Anteil an CD 1a-positiven Zellen geringer als durch Migration. Außerdem kann eine funktionelle Beeinflussung der Langerhanszellen durch die Behandlung mit Trypsin nicht ausgeschlossen werden. Deshalb entschieden wir uns, für die Untersuchung des Viabilitätsverhaltens von Langerhanszellen eine Kultur aus migrierten Zellen zu verwenden. Für unsere Versuche lösten wir die Epidermis von der Dermis mittels Dispase und legten die Epidermis in Kulturmedium, in welches die Langerhanszellen spontan migrierten. Da aus der Epidermis auch andere epidermale Zellen, wie z.B. Keratinozyten, in das Kulturmedium dividieren, wurden die Langerhanszellen zudem mit Hilfe von Dynabeads angereichert. Dabei wurden Langerhanszellen über ihren MHC-Klasse-II-Oberflächenmarker, der spezifisch für epidermale Langerhanszellen ist (Romani, N. et al; 1992a), isoliert. An diese Oberflächenstruktur wurden kleine magnetische Kügelchen, sogenannte Dynabeads (Hanau, D. et al; 1988), gebunden. So konnten die gebundenen Zellen mit Hilfe eines Magneten aus der Lösung getrennt werden.

Es wurde die Methode mittels Dynabeads gewählt, da durch die Anreicherung mit geringem Aufwand ein hoher Anteil CD 1a-positiver Zellen (ap92%) gewonnen werden


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konnte. Nachdem sie aus der ursprünglichen Zellsuspension entfernt worden sind, können die Dynabeads wieder durch Detachabeads (Morris, J. et al; 1992) von den Langerhanszellen getrennt werden. Wir benutzten Detachabeads, da die Studien von Morris (Morris, J. et al; 1992) zeigten, daß gereinigte Langerhanszellen eine stärkere funktionelle Aktivität aufweisen, als an Dynabeads gebundene. Die gereinigten Langerhanszellen sind deshalb besonders gut für die Untersuchung der Funktionsmarker in der Kultur geeignet. Durch die Benutzung von Dynabeads und Detachabeads war der Anteil an funktionsfähigen Langerhanszellen in unseren Zellkulturen hoch. Der Anteil von CD 80 lag um 68,3 % und von CD 86 um 59,1 % an Tag 0 der Kultur. Diese Oberflächenantigene interagieren mit dem CD 28-Rezeptor der T-Zellen und verlängern die Bereitstellung von Aktivierungssignalen (Roitt, I. et al; 1995a). Ihre Expression zeigt, daß es sich bei den isolierten Langerhanszellen um funktionsfähige Zellen handelt.

Langerhanszellen sind die einzigen MHC-Klasse-II-positiven und CD 1a-positiven Zellen in der Epidermis (Romani, N. et al; 1992a). Deshalb konnte durch immuncytochemische Färbung mit anti-CD 1a-Antikörpern der prozentuale Anteil an Langerhanszellen in der Kultur bestimmt werden. In den durchgeführten Versuchen lag der Anteil der CD 1a-positiven Zellen an Tag 0, also nach der Anreicherung, bei 91,5 ± 6,5 %. Er blieb auch im Verlauf der Kultur hoch mit 81,5 ± 9,8 % an Tag 5 und 82,0 ± 9,0 % an Tag 10. Bei den Zählungen zu den verschiedenen Zeitpunkten wurde jeweils die Zahl der noch lebenden Zellen zum Zeitpunkt der Ernte bestimmt. Im Verhältnis zu der am Tag 0 der Kultur in den einzelnen Ansatz pipettierten Zellzahl


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ergab sich die Vitalität als prozentualer Anteil überlebender Zellen. Der Verlauf der Vitalität ist in Diagramm 1 (S. 29#LINKCONTENT#29#/LINKCONTENT#) dargestellt. Innerhalb der ersten zwei Tage der Kultur sank die Zahl der viablen Zellen um mehr als die Hälfte. Während der folgenden Tage der Kultur nahm die Zahl der lebenden Zellen weiter ab, dies geschah jedoch langsamer als zu Beginn. Der Anteil lebender Zellen betrug im Mittel 39 % nach Tag 2 und ca. 20 % an Tag 10. Es fand sich zu allen Zeitpunkten in der Kultur neben den lebenden Zellen ein Anteil an abgestorbenen (siehe Trypanblau-Ausschlußmethode S. 16#LINKCONTENT#17#/LINKCONTENT#).

Das Sterben von Zellen bzw. die Art ihres Todes beschäftigt Wissenschaftler schon seit Rudolf Virchow (Majno, G. et al; 1995). Heute unterscheidet man zwei Arten des Zelltodes: Nekrose und Apoptose (Kane, A.; 1995).

Bei der Nekrose handelt es sich um einen durch äußere Einflüsse provozierten Zelltod (Riede, U.-N. et al; 1993). Erst wenn eine Zelle nicht mehr in der Lage ist, sich an die zellschädigende Bedingung anzupassen, beginnt sie zu sterben. Es kommt zu einer Schwellung und Membranschädigung der Mitochondrien und des endoplasmatischen Retikulums, später zur Lysosomenschädigung. Die verschiedenenartigen Stoffwechselprozesse laufen immer unvollständiger und unkoordinierter ab. Dabei kommt es zu einer Freisetzung von Enzymen, Mediatoren und anderen proinflammatorischen und toxischen Inhaltsstoffen.

Programmierter Zelltod durch Apoptose ist die andere Form des Zelltodes. Er ist der essentielle physiologische Prozeß bei der kontrollierten Elimination von Zellen, wie


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zum Beispiel bei der embryonalen Entwicklung, der Zelldifferenzierung oder der Gewebeerneuerung (Cohen, J. et al; 1993; Martin, S. et al; 1994; Lee, J. et al; 1997). Der apoptotische Zelltod ist morphologisch durch eine schrittweise Fragmentierung der Zelle charakterisiert, wobei insbesondere Größenveränderungen des Zellkerns ein frühes und sicheres Zeichen dieses Prozesses sind (Kerr, J.; 1972). Die entstehenden Zellfragmente enthalten zunächst intakte Organellen und sind von einer Membran umgeben. Hierdurch kommt es im Gegensatz zur Nekrose nicht zur Freisetzung von schädlichen Inhaltsstoffen. Deshalb ist die Apoptose ein selektiver und gewebeschonender, nicht entzündlicher Zelltod (Duvall, E. et al; 1986). Die apoptotischen Zellfragmente werden schließlich durch Makrophagen und andere zur Phagocytose befähigte Zellen aus dem Organismus eliminiert (Savill, J.; 1993). Das elektronenmikroskopische Kennzeichen einer apoptotischen Zelle ist ein charakteristisches Cytosol und die Kondensation des Chromatins, wobei sich auch eine Schrumpfung der gesamten Zelle zeigt (Kolde, G. et al; 1993). Ultrastrukturell ist eine frühzeitig beginnende Chromatinkondensation mit einer Randständigkeit des Chromatins sichtbar.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen, die wir zu verschiedenen Zeitpunkten der Kultur anfertigten, zeigten apoptotische Zellen. Nach siebentägiger Kulturdauer waren die viablen Langerhanszellen ausgeprägter dendritisch geformt und insgesamt kleiner als frisch isolierte Zellen. Am Nucleolus waren auffallende Eindellungen sichtbar. Die Anzahl der cytoplasmatischen Organellen und der Birbeck-Granula war gesunken, die Zahl der Lysosomen war angestiegen. Nach mehreren Tagen der Kultur zeigte die Langerhanszelle auf Bild D die Zeichen von Apoptose. In dem großen, abgeschnürten


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Kern der Zelle hatte sich das Chromatin verdichtet. Die typische Schrumpfung der Zellmembran, eine Kondensation des Cytoplasmas und der Organellen sowie eine Absonderung des zusammengedrängten Chromatins mit folgender Abschnürung zu Apoptosekörpern war sichtbar. Durch Birbeck-Granula, die zwischen den Apoptosekörpern zu erkennen waren, konnten die Zellen als Langerhanszellen identifiziert werden.

Eine charakteristische Eigenschaft des Zelltodes durch Apoptose ist der geregelte Abbau der DNA. Das für die Zerstückelung der DNA verantwortliche Enzym ist eine Ca/Mg-abhängige Endonuclease. Dieses Enzym spaltet die DNA in Oligonucleosomen (bis zu 180 Basenpaare) zu einer typischen DNA-Leiter, die mit Agarosegelelektrophorese gezeigt werden konnte (Wyllie, A.; 1980).

Der Nachweis dieser Bruchstücke konnte in unserer Kultur mittels eines spezifischen ELISAs geführt werden, bei dem Mausantikörper Bindungen mit den Enden dieser Bruchstücke eingingen und dadurch die Lösung verfärbten. Dieser CDDE zeigte qualitativ, daß die Zellen durch Apoptose starben. Die Stärke der Verfärbung wurde photometrisch gemessen und zeigte quantitativ die Menge apoptotischer Zellen zu verschiedenen Zeitpunkten der Kultur. Der Anteil der Bruchstücke war am zweiten und dritten Tag der Kultur am Größten. An späteren Tagen wurden weniger apoptotische Zellfragmente nachgewiesen.

Zellen des Immunsystems, wie Lymphozyten, polymorphkernige Granulozyten und die Monozyten/Makrophagen werden apoptotisch, nachdem sie einen Zustand der


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Aktivierung durchlaufen haben (Sarthou, P et al; 1995; Kabelitz, D. et al; 1995). Aktivierte T-Zellen gehen apoptotisch unter, ausgelöst durch einen auf sie einwirkenden CD3/T-Zell-Rezeptorkomplex (Alderson, M. et al; 1995). Dieser Prozeß wird „activation-induced cell death“ / aktivierungsinduzierter Zelltod (=AICD) genannt. Ein aktivierungsinduzierter Zelltod wurde auch von anderen Autoren für maturierte T-Zellen gezeigt (Janssen, O. et al; 1991; Wesselborg, S. et al; 1993). Aber nicht alle Zellen des Immunsystems erfahren Zelltod durch dieses System (Daniel, P.T. et al; 1997).

Um ein derartiges Verhalten von Langerhanszellen zu überprüfen, wurden Ultrastruktur und Phänotyp der Langerhanszellen während der Kultur comparativ untersucht. In den elektronenmikroskopischen Untersuchungen zeigte sich die Aktivierung der Langerhanszellen. Nach mehrtägiger Kulturdauer ließen sich eine Zunahme der Mitochondrien und ein Anschwellen des Zellkernes bemerken (Bild C). Nach mehreren Tagen der Kultur war der mitochondriale Anteil und auch der Anteil an endoplasmatischem Retikulum angestiegen, desweiteren blieben die Birbeck-Granula im Cytoplasma zu erkennen. Dies sind Zeichen der Aktivierung der Zelle (Kolde, G. et al; 1987), wie sie auch auf der migrierten Langerhanszelle in Bild A zu sehen waren. Zudem waren ein großer Zellkern und starke dendritische Ausstülpungen der Plasmamembran zu erkennen.

Die Untersuchungen des Phänotyps zeigten bei 68,3 ± 20,1 % der Langerhanszellen zu Beginn der Kultur eine CD 80- Expression. Diese Zahl sank im Verlauf auf 17,5 ± 13,9 % an Tag 5 und 10,2 ± 6,3 % an Tag 10 ab. Auch die Expression von CD 86


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war rückläufig von 59,1 ± 19,3 % der Zellen an Kulturtag 0 über 41,3 ± 17,1 % an Tag 5 auf 26,5 ± 18,1 % an Tag 10. Somit nahm die Zahl der funktionell aktiven Zellen in der Kultur kontinuierlich ab. Es ist anzunehmen, daß zuerst die maturierten Zellen, die schon gereift waren und deshalb die Marker CD 80 und CD 86 exprimierten, in Apoptose gingen. Somit verhielten sich die Langerhanszellen wie Lymphozyten, bei denen auch primär die aktivierten Zellen apoptotisch untergehen (Munn, DH et al; 1995; Mangan,DF et al; 1993).

In der Viabilitätskurve war ein starker Abfall der Zellzahl zu Beginn der Kultur zu beobachten. In den ersten zwei Tagen der Kultur starb etwa die Hälfte der Zellen, danach verlief die Elimination der Zellen langsamer. Es könnte sich hierbei um zwei unterschiedliche Populationen von Langerhanszellen mit unterschiedlicher Viabilität handeln. Das würde zu der von Shibaki gefundenen unterschiedlichen HLA-DR-Expression auf Langerhanszellen passen (Shibaki, A.; 1995). Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Untergruppen, die sich in verschiedenen Stadien ihrer Reifung befinden und andere Aufgaben besitzen. Möglicherweise unterscheiden sie sich auch in ihrer Viabilität.

Das CD 95/CD 95-L-System spielt eine wichtige Rolle in der Regulation des Zelltodes und beeinflußt maßgeblich den Viabilitätsverlauf von Zellen. CD 95 (=Fas) gehört zur TNF/Wachstumsfaktor-Familie und übermittelt das Signal zur Apoptose (Itoh, N. et al; 1991; Nagata, S. et al; 1993). Es ist auf vielen Zellen vorhanden, so z.B. auf aktivierten humanen B-und T-Zellen (Nagata, S.; 1994). Sowohl das Versagen des


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CD 95-Systems als auch die abnorme Produktion von CD 95 verursacht Erkrankungen (Nagata, S.; 1996). Bei bestimmten Krankheiten wird CD 95 stark exprimiert, wie z. B. von lymphoblastoiden Zellen, die durch humanen T-Zell-Leukämievirus (HTLV-1) (Debatin, K. et al; 1990), den Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) (Kobayashi, S. et al; 1993) oder den Epstein-Barr-Virus (EBV) (Falk, M. et al ; 1992) verändert sind. Das Fas-System spielt auch eine Rolle bei der physiologischen Entwicklung von Geweben, z.B. bei der Apoptose von Keimzellen (Lee, J. et al; 1997), sowie bei der Apoptose im Immunsystem (Spanaus, K.S. et al; 1998).

Damit CD 95 Apoptose auslösen kann, müssen die Zellen einen Rezeptor für CD 95 besitzen. Deshalb kann durch CD 95 nicht jede Zelle apoptotisch werden (Itoh, N. et al; 1991). Dies ist für CD 95 in vivo (Ogasawara, J. et al; 1993) und in vitro (Itoh, N. et al; 1991) nachgewiesen worden. Apoptose wird durch Bindung von CD 95-L (=Fas-Ligand) an CD 95 ausgelöst (Nagata, S.; 1994). So wie die Zellproliferation durch Wachstumsfaktoren und ihre Rezeptoren reguliert wird, so wird der apoptotische Zelluntergang durch CD 95 als Rezeptor und CD 95-L als Todesfaktor gesteuert (Nagata, S.; 1994). Für die Auslösung von Apoptose durch das CD 95/CD 95-L-System ist das Ca2+-Niveau des Cytosols beeinflussend (Oshimi, Y. et al; 1995). Es wird aber auch berichtet, daß offensichtlich mehrere metabolische Wege zu DNA-Fragmentation und apoptotischer Chromatinkondensation führen (Sun, D. et al; 1994).

Bei normalen humanen Phagozyten wird CD 95 auf Neutrophilen, Monozyten und Eosinophilen exprimiert (Liles, C. et al; 1996), während die CD 95-L-Expression auf Neutrophile beschränkt ist. CD 40-Ligand kann den CD 95-vermittelten Zelltod bei antigenpräsentierenden dendritischen Zellen wieder aufhalten (Koppi, T. et al; 1997).


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Untersuchungen zur Expression von CD 40 auf Langerhanszellen wurden von Sandra Philipp, einem Mitglied unserer Forschungsgruppe, durchgeführt<1>.

Die Expression von CD 95 (=Fas) und CD 95-L (=Fas-Ligand) wurde immuncytochemisch auf den Langerhanszellen in der Kultur untersucht. Die Aktivität von CD 95 am Anfang der Kultur lag bei 41,9 ± 25,7 % der Zellen, sie sank auf 19,0 ± 27,3 % an Tag 5 und betrug 11,7 ± 11,6 % an Tag 10. Auch CD 95-L-Aktivität war auf den Langerhanszellen in unseren Versuchsreihen nachweisbar. Auf einigen Zellreihen konnte zu Beginn bis zu 70% CD 95-L-Expression beobachtet werden. Insgesamt war die CD 95-L-Expression durchweg an Tag 0 stärker und sank im Verlauf der Kultur ab. Dies zeigt die Bedeutung des CD 95/CD 95-L-Systems für die Apoptose von Langerhanszellen, ebenso wie auch FACS-Untersuchungen und CD 95-mRNA-Nachweis mittels PCR (Stebut, E. von; 1997) dies belegen.

Der programmierte Zelltod durch Apoptose wird durch verschiedene weitere Gene reguliert. Bcl-2 ist als ein vor Apoptose schützendes Gen bekannt (Kolde, G. et al; 1993; Reed, J.; 1994; Barinaga, M.; 1993.). Es wurde zunächst in humanen B-Zell-Lymphomen beschrieben. An diesen Zellen kann durch den Entzug von IL-3 Zelltod ausgelöst werden, den bcl-2 wieder aufhalten kann (Vaux, David L. et al; 1988). Bcl-2 interagiert mit verschiedenen Proteinen, wie bax (Oltvai, N. Zoltán et al; 1993) und bcl-xl, welche durch homologe Aminosäuren im Aufbau dem bcl-2 ähneln. Bcl-2 und bcl-xl sind Oberflächenmoleküle, die die Zelle vor Apoptose schützen (Vaux, D. et al;


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1988; Boise, L. et al; 1993). Hämatopoetische Präkursorzellen exprimieren bevorzugt bcl-x und nicht bcl-2. (Park, J. et al; 1995). Bei dem bcl-x handelt es sich um ein dem bcl-2 verwandtes Oberflächenantigen (Boise, L. et al; 1993). Bcl-x kann in zwei verschiedene mRNAs gespalten werden. Das Protein, das von der größeren der beiden mRNAs produziert wird, ist das bcl-xl, welches in unseren immuncytologischen Untersuchungen angefärbt wurde. Bcl-xl verhindert den durch Entzug von Wachstumsfaktor entstehenden Zelltod, ebenso wie bcl-2. Bei Abwesenheit von bcl-x erfahren unreife Zellen des hämatopoetischen Systems von Mäusen einen massiven apoptotischen Zelluntergang (Motoyama, N. et al; 1995). Bax hingegen fördert Apoptose (Oltvai, Z. et al; 1993).

Bei den immuncytochemischen Färbungen, die zu den verschiedenen Zeitpunkten der Kultur angefertigt wurden. zeigte sich eine Abnahme der Zahl von Langerhanszellen mit bcl-2-Expression von zu Beginn 49,6 ± 31,8 % an Tag 0 auf 10,3 ± 7,8 % an Tag 10. Der Anteil der Zellen mit Expression des bcl-xl ging von 77,6 ± 18,6 % an Tag 0 schon an Tag 5 auf nur 39,3 ± 21,4 % zurück und blieb dann auch zu Tag 10 mit 35,7 ± 16,3 % auf diesem Level. Die bax-Expression war zu Beginn mit 78,6 ± 12,6 % der Zellen hoch und sank auch im Verlauf nur leicht auf 43,0 ± 21,9 % an Tag 5 und 59,8 ± 7,8 % an Tag 10. Es zeigte sich also zu Beginn auf recht vielen Zellen eine Expression der vor Apoptose schützenden Oberflächenmarker bcl-2 und bcl-xl, die im Verlauf der Kultur abnahm. Auch die qualitative Stärke der Expression nahm ab. Die Expression von bax war jedoch auch gegen Ende des Kultivierungszeitraumes recht stark.


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Insgesamt konnte in den Versuchsreihen mittels Immuncytochemie und Elektronenmikroskopie gezeigt werden, daß die Zellen in der Kultur eine Veränderung ihres Phänotyps sowie funktionelle Änderungen im Sinne einer Ausreifung zu antigenpräsentierenden, T-Zell-stimulierenden Zellen erfahren. Das in-vitro-Verhalten entspricht dem von Langerhanszellen in vivo nach Kontaktsensibilisierung. Weiterhin nahm die Zahl der vitalen Zellen in der Kultur kontinuierlich ab. Daraus kann geschlossen werden, daß auch die Zahl der Zellen in vivo nach Antigenpräsentation abnimmt, da es weder zu einer Anreicherung von „verbrauchten“ Langerhanszellen im Lymphknoten noch zu andauernder Stimulation von T-Lymphozyten kommt. Es wurde mit Hilfe von CDDE und der Elektronenmikroskopie nachgewiesen, daß die Zellen in unseren Kulturen durch Apoptose starben. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, daß sich die Zellen nicht auch in vivo apoptotisch eliminieren. Die Funktionsmarker CD 80 und CD 86 wurden zu Beginn auf mehr Zellen nachgewiesen als zu späteren Zeitpunkten der Kultur. Dieser Verlauf weist darauf hin, daß vorwiegend die maturierten Zellen von der Apoptose betroffen waren. Es wurde gezeigt, daß die Apoptose hierbei über das CD 95/CD 95-L-System gesteuert wurde. Dabei kann das CD 95-L sowohl von den Zellen selbst exprimiert werden, als auch von anderen Zellen aus der Kultur. In vivo kann das CD 95-L auch von anderen Zellen stammen, wie z.B. T-Lymphozyten, von denen bekannt ist, daß sie CD 95-L exprimieren (Nagata, S.; 1994). So können die T-Zellen den auslösenden Faktor zur Elimination der Langerhanszellen nach Antigenpräsentation liefern. Damit ist die Antigenpräsentation der Langerhanszellen durch die Auslösung von Apoptose beendet. Ein Versagen dieses Mechanismus könnte zwei mögliche pathologische Konsequenzen haben: zum einen könnte es durch die

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fehlende Elimination von Langerhanszellen zu einem Übergewicht dieser, wie z.B. bei der Histiocytosis X kommen. Zum anderen könnte eine andauernde Stimulation von T-Zellen zu deren Entartung in Form eines T-Zell-Lymphoms führen.

Die obigen Versuche bestätigen die apoptotische Elimination von Langerhanszellen aus der Kultur. Da sich die Zellen nach Migration in vitro wie Zellen nach Antigenpräsentation in vivo verhalten, schließen wir, daß funktionell ausgereifte Langerhanszellen auch in vivo durch Apoptose eliminiert werden.


Fußnoten:

<1>

Philipp, S., „Untersuchungen von ...“, Berlin, 1999 (unveröffentlichte Arbeit)


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Fri Sep 14 13:13:48 2001