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III.  Material und Methoden

A. Material

1. Hardware

Zur Entwicklung des Programmes „RHEUMA-CD-ROM“ wurde ein Apple PowerMacintosh 6100/66av mit 72 Megabyte Hauptspeicher und vier Gigabyte Festplattenspeicher verwendet. Das Gerät wurde mit zwei Grafikkarten ausgerüstet. Dadurch war es möglich, zwei Monitore anzuschließen und das Autorensystem und das fertige Programm simultan anzuzeigen. Eine der beiden Grafikkarten diente gleichzeitig zum Anzeigen und Digitalisieren von Videos durch eine integrierte Video-Overlay-Option.

Zum Transfer der Rohdaten zwischen den einzelnen Instituten und dem Entwicklungsrechner wurde eine externe Festplatte mit 730 Megabyte Kapazität verwendet. Für die Erstellung von Prototypen und Sicherheitskopien kam ein CD-Brenner des Typs Yamaha CDR-200 zum Einsatz.

Fotografien und Grafiken, die nicht bereits in digitalisierter Form vorlagen, wurden mit Hilfe eines Flachbettscanners Hewlett-Packard ScanJet 4c sowie eines Diascanners Nikon Coolscan eingelesen.

Zum Abspielen von Videos diente ein Videorecorder des Typs Panasonic
NV-SD30.

2. Software

a. Autorensystem

Entscheidenden Einfluß auf die Erstellung eines Multimediaprogrammes hat die richtige Wahl des Autorensystems. Ein solches Autorensystem dient der Vereinfachung der Programmentwicklung. Solche Systeme ermöglichen es, mit minimalem Programmieraufwand die verschiedenen Medien zu einer kompletten Multimediaproduktion zusammenzufügen. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Möglichkeit der plattformübergreifenden Entwicklung für MacOS und Windows gelegt – ein Merkmal, das in Deutschland aufgrund der geringeren Akzeptanz von Apple-Computern entscheidender als in Nordamerika ist.

Zum Zeitpunkt der Konzeption des Projektes 1993 gab es praktisch nur zwei kommerzielle Systeme, die neben einer breiten Marktakzeptanz das Kriterium [Seite 26↓]der Plattformunabhängigkeit erfüllten: Macromedia Authorware 2.0 und Macromedia Director 4.0. Mit beiden Systemen wurden Prototypen erstellt und die Verwendbarkeit für das Projekt RHEUMA-CD-ROM beurteilt. Authorware verwendet Flußdiagramme und ist speziell für computer-based Training konzipiert. Director ist ein Autorensystem, daß auf einem Zeitstrahl basiert und mit dem sich alle Arten von Multimediaanwendungen erstellen lassen.

Aufgrund der höheren Flexibilität bei der Programmentwicklung, der integrierten Möglichkeit, Animationen zu erzeugen, der schnellen Grafikdarstellung und des niedrigeren Preises wurde Macromedia Director (zuletzt in der Version 6.5) als Entwicklungsumgebung gewählt (siehe auch S. 45).

b. Bildbearbeitung und Grafikerstellung

Die grafische Benutzeroberfläche des Programms wurde mit Adobe Photoshop 4.0 erstellt. Diese Software diente ebenso zur Nachbearbeitung der gescannten Fotografien und Röntgenbilder.

Das Zeichenprogramm Macromedia Freehand 7.0 diente zur Erstellung derGrafiken, Tabellen und Schemata. Die Konstruktion dreidimensionaler Grafiken erfolgte mit Macromedia Extreme 3D 2.0.

c. Video- und Tonbearbeitung

Moderne Computer können Videos auf dem Monitor abspielen. Dazu ist es notwendig, diese in das Quicktime-Format (Apple Computer Inc.) zu konvertieren. Die Digitalisierung und Konvertierung wurde mit VideoFusion FusionRecorder 1.1 durchgeführt. Zum Schneiden des digitalisierten Materials kam Macromedia SoundEdit 16 2.0 zum Einsatz. Dieses Programm diente auch zur Aufnahme und Nachbearbeitung von Geräuschen und Sprache.

B. Methoden

1. Schritte der Erstellung eines Multimediaprogrammes

Ein Multimediaprogramm ist für den Anwender im Idealfall ein kompaktes Produkt mit hohem Informationsgehalt, einfacher Bedienbarkeit, sich intuitiv erschließenden Funktionen und guten Recherchewerkzeugen. Bis zu diesem Stadium ist es jedoch ein langer Weg, der im Fall des Moduls „rheumatoide Arthritis“ im folgenden kurz aufgezeigt werden soll (s. Tabelle 3).


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Tabelle 3: Schritte der Erstellung des Moduls „rheumatoide Arthritis“

1. Konzept

Die Ziele des Projektes wurden festgelegt: Welche Interaktionsformen sollen verwendet werden? Welche Medientypen sollen unterstützt werden? Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Welchen Umfang soll das Programm haben? Welche Betriebssysteme sollen unterstützt werden? Welche Entwicklungsumgebung kommt dafür in Frage?

2. allgemeines Erscheinungsbild

In diesem Schritt wurde der Bildschirmaufbau unter Berücksichtigung von funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten entworfen und eine entsprechende Bildschirmmaske kreiert. Die Positionen der Bildschirmelemente zur Navigation wurden festgelegt, um eine Kooperation mit Entwicklern anderer Module zu ermöglichen. Außerdem wurde ein erster Prototyp entwickelt und die Hintergrundprozeduren wurden erstellt.

3. Literaturrecherche und Manuskripterstellung  

Es wurden Standardwerke der Rheumatologie und der Radiologie sowie ausgewählte aktuelle Literatur gesichtet und Informationen zur rheumatoiden Arthritis extrahiert. Daraus wurde ein Manuskript mit den für die Zielgruppe (Studenten im PJ sowie Ärzte im Praktikum) relevanten Fakten zusammengestellt. Das Manuskript wurde dann von Experten der Rheumatologie und der Skelettradiologie auf Richtigkeit und Relevanz geprüft.

4. Sammlung der Bilder

Anhand der im Manuskript enthaltenen Fakten wurde die Anzahl der Bildschirmseiten grob geplant und zu jeder Seite eine Möglichkeit der Illustration erwogen. Diese grafischen Elemente (Fotografien, Grafiken, Animationen, Videos) wurden in eine Datenbank aufgenommen und sobald diese Elemente verfügbar waren wurde dies in der Datenbank vermerkt. So konnte zu jedem Zeitpunkt der Stand der Bildrecherche ermittelt werden und Listen mit fehlenden Bildern erstellt werden. Fotografien, die innerhalb der Charité oder auswärts nicht zu erhalten waren, wurden selbst auf der rheumatologischen Station erstellt.

5. Erstellung der Animationen/Videos

Die geplanten Animationen wurden in den meisten Fällen direkt in der Entwicklungsumgebung Macromedia Director angefertigt. Der Rest wurde mit dem Programm Macromedia Extreme 3D erstellt und in Director importiert. Videos wurden auf der Station 6 (Rheumatologie) gedreht und mit Hilfe des PowerMacintosh 6100av digitalisiert. Der Ton wurde mit dem Programm Macromedia SoundEdit II nachbearbeitet.

6. Zusammenfügen der Inhalte

Jetzt liegen alle Elemente des Multimediaprogrammes vor und die Inhalte können zusammengefügt werden. Es wurde versucht, das Layout einheitlich zu gestalten: Jede Seite hat eine Überschrift, wenn möglich die gleiche Schrifthöhe, einen konstanten linken und rechten Rand und Text ist im Blocksatz formatiert. Vergrößerbare Bilder sind als solche mit einem blauen Rahmen gekennzeichnet.

7. Qualitätskontrolle

Das Programm wurde durch mehrere Testpersonen mit unterschiedlichen Erfahrungen im Umgang mit Computern auf Fehler und konsistente Bedienung getestet. Fehler wurden beseitigt und es wurde versucht, zu komplizierte Interaktionsmöglichkeiten zu vereinfachen.

8. Herstellung der CD-ROM

Jetzt konnte das Programm, zunächst zu Demonstrations­zwecken, in einer Version für Windows-PC und einer für Macintosh auf eine CD gebrannt werden. Diese CD-ROM ist eine sogenannte Hybrid-CD, das heißt sie enthält das Programm doppelt für beide Betriebssysteme, die Daten (Text, Bilder, Videos, Ton) jedoch nur einfach. Dadurch wird Speicherkapazität gespart.

Die Arbeit am Programm begann 1996. In den Jahren 1997 und 1998 erfolgte der größte Teil der Arbeiten (Punkte 3 bis 6 in Tabelle 3). 1999 diente vornehmlich der Qualitätskontrolle, der Beseitigung von Fehlern und der Ergänzung fehlender Abbildungen und resultierte in der nun vorliegenden CD-ROM.

2. Modularer Aufbau

Das Multimediaprogramm „RHEUMA-CD-ROM“ ist in einzelne Module gegliedert. Dadurch können einzelne Elemente wie zum Beispiel der Index oder das Kapitel „Labordiagnostik“ von anderen Programmteilen mitbenutzt werden. Ein Beispiel ist das Modul „systemischer Lupus erythematodes“, das ebenfalls Teil des Gesamtprojektes „RHEUMA-CD-ROM“ ist. Bei Weiterentwicklungen oder erforderlich werdenden Korrekturen brauchen nur einzelne Module ausgetauscht werden. Das Gegenstück der Module in der Entwicklungsumgebung Macromedia Director ist der „Film“. Besonders große Module können über mehrere Filme verteilt sein.


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3.  Hintergrundprozesse und Wiederverwendung von Codestrukturen

Bei der Entwicklung eines umfangreichen Multimediaprojektes ist es erforderlich, möglichst effektive Strukturen zu entwickeln, die zum einen der Minimierung des Programmieraufwandes dienen, andererseits aber auch durch festgelegte Codestrukturen die Arbeit mehrerer Autoren an einem größeren Projekt erst ermöglichen. Ein weiterer Vorteil der Standardisierung ist die dadurch bedingte einheitliche Benutzerführung.

Alle Steuerelemente und Codestrukturen, die in allen Modulen in gleicher Form verwendet werden, sind im Director-Film „SHARED.DIR“ zusammengefaßt. Diese Datei ist mit allen anderen Modulen verknüpft, und Änderungen an dieser Datei wirken sich automatisch auf alle Module aus. SHARED.DIR enthält unter anderem alle Navigations- und Sondertasten, den Bildschirmhintergrund und die verschiedenen Mauszeiger. Ebenso sind in dieser Datei maßgeschneiderte Prozeduren für die Navigation, das Anzeigen und Speichern der Hilfetexte, die Aufzeichnung der letzten Bildschirmseiten (Rücksprung-Taste) und die automatische Änderung der Positionsanzeige gespeichert.

Einzelne Programmobjekte funktionieren nahezu vollautomatisch. Als Beispiel sei die Literatur-Taste erwähnt. Dieses Bildschirmelement braucht in der Entwicklungsumgebung nur an der richtigen Stelle plaziert zu werden. Wenn der Benutzer dann im Programm „RHEUMA-CD-ROM“ auf diese Taste klickt, öffnet die mit diesem Bildschirmelement fest verknüpfte Prozedur ein neues Fenster, ermittelt die aktuelle Bildschirmseite, liest aus einem Informationsfeld die richtige Literaturquelle aus und zeigt diese in dem geöffneten Fenster an. Durch solche Mechanismen läßt sich viel Entwicklungsarbeit sparen.

4. Automatische Führung durch das Programm

Trotz der einfachen Bedienbarkeit von Multimedia-Programmen bestehen bei Computerneulingen hin und wieder Hemmungen, diese Programme zu benutzen. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu minimieren, ist die Implementierung einer sogenannten angeleiteten Rundtour oder guided tour. Diese Einführung in das Programm wird durch einen Mausklick auf die Rechts-Pfeil-Taste am unteren Bildschirmrand des Hauptmenüs gestartet und gibt dem Benutzer einen Überblick über die im Programm enthaltenen Informationen und Funktionen. [Seite 30↓]Die Bildschirmseiten wechseln automatisch nach einer festgelegten Zeit und ermöglichen so ein bloßes Betrachten ohne jede Interaktion. Alternativ kann auch mit der Maus weitergeblättert werden.

5.  Formative Evaluation

In enger Verknüpfung mit der Entwicklung und Produktion einzelner Programmteile erfolgt die Überprüfung, ob die eingangs festgelegten Ziele erreicht werden. Diese Form der Evaluation wird als Prozeßevaluation oder auch als formative Evaluation bezeichnet [37, 49]. (s. auch S. 52)

Während der Erstellung wurde das Programm mehrfach durch ein Testkollektiv bewertet. Die Testpersonen unterschieden sich hinsichtlich Alter und Geschlecht, medizinischem bzw. rheumatologischem Wissensstand und bisherigen Computererfahrungen. Die Zusammensetzung dieser Gruppe kann aus Tabelle 4 entnommen werden.

Tabelle 4: Zusammensetzung des Testkollektivs für die formative Evaluation

Nr.

Geschlecht

Alter

Berufsfeld

medizinisches Wissen

Computerkenntnisse

1

m

24

Wirtschaft

– –

+

2

m

26

Medizin

+

++

3

m

28

Kunst

– –

++

4

w

27

Medizin

+

+

5

m

31

Medizin

+

++

6

m

60

Medizin

++

– –

7

w

39

Medizin

++

0

8

w

33

Medizin

+

 

5:3

33,5 ± 11,7

6:2

  

Im Rahmen der formativen Evaluation wurden die Testpersonen zunächst während der Bearbeitung genau beobachtet und anschließend wurde eine Fehleranalyse und –besprechung durchgeführt. Dabei waren besonders folgende Punkte ausschlaggebend: 1) Verständlichkeit und sachliche Richtigkeit der Inhalte; 2) orthografische und grammatikalische Richtigkeit der Inhalte; 3) Konsistenz und Einfachheit der Bedienung; 4) Qualität und Relevanz der Abbildungen sowie 5) Stabilität der Anwendung.


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Durch diesen Prozeß des interaktiven Überprüfens und Revidierens konnte das Programm schrittweise optimiert werden. Es wurden kritische Punkte beim Umgang mit den ersten Prototypen des Programmes aufgedeckt und inhaltliche Unstimmigkeiten festgestellt. Diese Anregungen wurden dann in das Programm eingearbeitet.


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18.10.2004