Herok, Claudia A: Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und EU-Integration Polens : Auswirkungen auf landwirtschaftliche Produktion und Handel

32

Kapitel 4. Datengrundlage

Dieses Kapitel dient der Darstellung der spezifischen Datenbasis, die im Modell implementiert wurde und somit als Ausgangssituation für die nachfolgenden Simulationen Verwendung fand.

4.1. Produktion und Verbrauch

In der empirischen Analyse wurden die drei Regionen Europäische Union (EU), Polen und der Rest der Welt (RdW) betrachtet. Als Referenzjahr wurde 1995 gewählt, wobei die letzte Erweiterung der EU berücksichtigt wurde. Wichtige landwirtschaftliche Produkte wurden entsprechend ihrer Ähnlichkeit bezüglich Produktionsbedingungen sowie agrarpolitischem Instrumentarium in zehn Produktgruppen zusammengefaßt (siehe Tab. 7 ). Diese umfaßten in den untersuchten Produktionsjahren in der EU 65% (Europäische Kommission 1997c, T/195) und in Polen ca. 75% (GUS 1997, S. 350) der gesamten landwirtschaftlichen Produktion. Die Produktions- und Verbrauchsdaten der betrachteten Produkte in der Basisperiode sind in Tab. 8 dargestellt.

Tab. 7: Produkte im MISS-Modell

Getreide (GETR) a

Kartoffeln (KART)

Öl- und Eiweißpflanzen (ÖLEW) b

Rindfleisch (RIND)

Ölkuchen (ÖLKU)

Schweinefleisch (SCHW)

Öle (ÖLE)

Geflügel (GEFL)

Zucker (ZUK)

Milch (MIL)

a Hierzu zählen Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Hirse, Sorghum, Mais und Reis.

b Bedingt durch die hohe Substituierbarkeit und teilweise Identität (bspw. Soja) von Öl- und Eiweißpflanzen werden diese in einer Produktgruppe zusammengefaßt. Um die kurzfristige Konkurrenz um den Faktor Boden abzubilden, wurden dabei nur annuelle Kulturen berücksichtigt. Der inhaltliche Schwerpunkt auf europäische Regionen unterstützt diese Auswahl. Das Aggregat besteht aus Sojabohnen, Sonnenblumen, Raps, Ackerbohnen und Futtererbsen.


33

Tab. 8: Produktion und Verbrauch in Polen, der Europäischen Union und dem Rest der Welt

in Mio. t

Polen

EU

RdW

Polen

EU

RdW

 

Getreide (GETR)

Öl- und Eiweißpflanzen (ÖLEW)

Produktion

23,68

175,10

1761,04

0,91

17,78

211,51

Zwischennachfrage a

14,30

94,00

 

0,82

32,95

 

Endnachfrage

10,70

64,80

 

0,15

6,50

 

Gesamtkonsum

25,00

158,80

1776,02

0,97

39,45

189,79

Überschuß

-1,32

16,30

-14,98

-0,06

-21,67

21,72

 

Ölkuchen (ÖLKU)

Öle (ÖLE)

Produktion

0,37

17,99

105,04

0,25

8,10

40,40

Zwischennachfrage

0,83

32,50

 

 

 

 

Endnachfrage

 

 

 

0,43

6,50

 

Gesamtkonsum

0,83

32,50

90,07

0,43

6,50

41,82

Überschuß

-0,46

-14,51

14,97

-0,18

1,60

-1,42

 

Zucker (ZUK) (in Mio. t WZ)

Kartoffeln (KART)

Produktion

1,33

14,51

100,56

23,32

44,90

207,20

Zwischennachfrage

 

 

 

10,90

1,04

 

Endnachfrage

 

 

 

12,40

44,25

 

Gesamtkonsum

1,15

11,80

103,45

23,30

45,29

206,83

Überschuß

0,18

2,71

-2,89

0,02

-0,39

0,37

 

Rindfleisch (RIND)

Schweinefleisch (SCHW)

Produktion

0,40

8,16

46,72

1,59

15,96

67,65

Gesamtkonsum

0,42

7,50

47,36

1,51

15,16

68,53

Überschuß

-0,02

0,66

-0,64

0,08

0,80

-0,88

 

Geflügelfleisch (GEFL)

Milch (MIL)

Produktion

0,34

7,77

45,80

11,30

121,40

330,80

Zwischennachfrage

 

 

 

0,89

6,90

 

Endnachfrage

 

 

 

10,54

99,48

 

Gesamtkonsum

0,39

7,15

46,37

11,43

106,38

345,69

Überschuß

-0,05

0,62

-0,57

-0,13

15,02

-14,89

a Da die Region ”Rest der Welt“ annahmengemäß zu Weltmarktpreisen produziert und konsumiert, wird auch die Aufteilung auf die verschiedenen Nachfragestufen nicht von politischen Parametern beeinflußt. Folglich entfällt eine gesonderte Betrachtung der Zwischennachfrage in dieser Region.

Quellen: FAO (1996, S. 99ff.), GUS (1996, S. 361ff.), FAO (1997b), MiRGZ (1997a, S. 11ff.), ZMP (1997f, S. 91ff., 113).


34

4.2. Basisjahr

Die Datengrundlage eines Modells basiert auf einer gewählten Basisperiode, hier das Jahr 1995. Diese sollte eine möglichst ”typische“, stabile Situation wiedergeben. Im Agrarsektor ist diese Anforderung, bedingt durch jährliche klimatische Schwankungen, eher schwer zu erfüllen. Die mögliche Instabilität der politischen Rahmenbedingungen im Transformationsprozeß bringt hier noch zusätzliche Probleme mit sich. Wechselnde Politiken in der Vergangenheit und ungewisse Zukunftsaussichten erschweren die Auswahl einer Referenzperiode. Daher erfolgt zur Absicherung der Ergebnisse ein Vergleich des Basisjahres mit einer Durchschnittsperiode über mehrere Jahre. Zur Überprüfung wurden hier die Produktionsdaten der Basisperiode mit zwei längeren Zeiträumen, von 5 bzw. 10 Jahren, verglichen (siehe Tab. 9 ), wobei der Übereinstimmung mit aktuelleren Entwicklungen (1993-97) stärkere Bedeutung beigemessen wurde als längerfristigeren Trends (1988-97).

Tab. 9: Vergleich der Produktion in der Basisperiode mit der durchschnittlichen Produktion der Jahre 1988-97 und 1993-97 (in %)

 

 

Polen

EU

RdW

Produkt

1995

‘88-97

‘93-97

‘88-97

‘93-97

‘88-97

‘93-97

GETR

100

96

94

106

106

102

105

ÖLEW

100

70

55

101

103

90

98

ÖLKU

100

93

98

90

94

90

97

ÖLE

100

92

93

93

99

91

98

ZUK

100

107

112

102

102

106

100

KART

100

117

106

107

104

99

103

RIND

100

137

105

104

99

99

100

SCHW

100

96

95

98

101

94

100

GEFL

100

94

99

91

99

88

100

MIL

100

117

104

101

99

101

100

Quelle: FAO (1998).

Für die Regionen EU und Rest der Welt kann die ausgewählte Periode als ein ”typisches“ Jahr bestätigt werden. Nur beim zehnjährigen Durchschnitt der Weltgeflügelproduktion werden im Vergleich zur gewählten Referenzperiode stärkere Abweichungen beobachtet. Aktuellere Entwicklungen (1993-97) bestätigen jedoch den Referenzwert.


35

In der Region Polen zeigt sich ein differenziertes Bild: Im längerfristigen Trend treten häufig größere Abweichungen vom Basisjahr auf. Im Vergleich mit den direkten Nachbarjahren kann die Produktion jedoch als durchschnittlich angesehen und somit das Jahr 1995 als Basis akzeptiert werden. Lediglich die Produktionsmenge an Öl- und Eiweißpflanzen war im Jahr 1995 überdurchschnittlich hoch.<27>

4.3. Weltmarktpreise

Da sich die Aggregate aus unterschiedlichen Produkten zusammensetzen, wurde zur Ermittlung eines Weltmarktpreises eine Gewichtung entsprechend der Produktionsanteile durchgeführt. Innerhalb des Modells ist der Weltmarktpreis für ein Aggregat in allen Regionen einheitlich (siehe Tab. 10 , er wird jedoch durch den Margen-Koeffizienten (siehe Kapitel 4.7 ) an regional spezifische Bedingungen angepaßt.

Tab. 10: Weltmarktpreise im Basisjahr 1995

Produkt

Preis in ECU/t

Produkt

Preis in ECU/t

GETR

102

KART

73

ÖLEW

220

RIND

1888

ÖLKU

153

SCHW

1305

ÖLE

640

GEFL

736

ZUK

293

MIL

145

Quellen: CIP (1995, S. 38), Europäische Kommission (1996A, T/123, T/239, T/292), FAO (1997a, S. 100ff.),
World Bank (1997).

4.4. Koeffizienten der Zwischennachfrage

Zu den Produkten, die sowohl vom Endverbraucher als auch von Zwischenkonsumenten nachgefragt werden, zählen Getreide, Öl- und Eiweißpflanzen, Ölkuchen, Kartoffeln und Milch. Für diese Güter wurde entsprechend vorliegender Daten der jeweilige in der Zwischennachfrage verbrauchte Anteil bestimmt ( Tab. 11 ).


36

Tab. 11: Anteil der Zwischennachfrage an verschiedenen Produktionsverfahren (in %)

 

Polen

Europäische Union

Produkt

GETR

ÖLEW

ÖLKU

KART

MIL

GETR

ÖLEW

ÖLKU

KART

MIL

ÖLKU

-

49

-

-

-

-

44

-

-

-

ÖLE

-

33

-

-

-

-

30

-

-

-

RIND

17

6

8

-

50

12

9

7

-

50

SCHW

43

4

57

100

-

38

5

52

100

-

GEFL

22

1

18

-

-

23

4

27

-

-

MIL

18

7

17

-

50

27

8

14

-

50

Sigma

100

100

100

100

100

100

100

100

100

100

Quellen: Sullivan et al. (1990, S. 52, 172, 184), GUS (1996, S. 363), Uhlmann (1996, S. 38), eigene Annahmen.

Der für die einzelnen tierischen Produktionsverfahren spezifische Bedarf an Getreide und Ölkuchen wurde der für das Jahr 1989 berechneten SWOPSIM-Datenbasis entnommen (Sullivan et al. 1990, S. 52, 172, 184). Um die Aktualität der Daten zu sichern, wurden diese Werte mit dem realen Gesamtverbrauch des Jahres 1995 verglichen und bei Bedarf angepaßt. Innerhalb der EU war lediglich als Auswirkung der Agrarreform von 1992 ein leichter Anstieg des Getreideverbrauchs in der tierischen Verfütterung festzustellen. Für Ölkuchen wurden die Anteile übernommen. Im Falle Polens ist im Vergleich zu 1989 ein deutlicher Anstieg der Veredlung von Getreide im tierischen Bereich festzustellen. Ein möglicher Grund liegt in der verstärkten Substitution von Kartoffeln in der Schweinefütterung. Für das Aggregat Ölkuchen wurden auch hier die Werte aus der SWOPSIM-Datenbasis übernommen. Die verfütterten Kartoffeln wurden in beiden Regionen in vollem Umfang der Schweinefleischproduktion zugeordnet. Der Anteil an Milch, der in die Zwischennachfrage fließt, wurde jeweils zur Hälfte der Milch- und Rindfleischproduktion angerechnet.

Da das Aggregat Öl- und Eiweißpflanzen neben der Verwendung in der Verfütterung auch in der Ölverarbeitung eingesetzt wird, wurde hier eine weitere Aufteilung notwendig, die in Abb. 2 dargestellt ist:


37

Abb. 2: Aufteilung der Aggregate Öl- und Eiweißpflanzen, Öle und Ölkuchen auf verschiedene Nachfragestufen


38

Dabei wurde angenommen, daß die Eiweißpflanzen ausschließlich der tierischen Verfütterung zugeführt werden. Sie wurden entsprechend geschätzter Anteile<28> auf die einzelnen tierischen Produktionsverfahren verteilt. Ölsaaten werden nach Kern (1995, S. 46) im Durchschnitt zu 20% direkt verbraucht, während der Rest zu Ölen und Ölkuchen weiterverarbeitet wird. Die für die Berechnung der resultierenden Anteile an Öl und Kuchen notwendigen crushing-factors wurden ebenfalls der SWOPSIM-Datenbasis entnommen (Sullivan et al. 1990, S. 52, 172, 184).

4.5. Elastizitäten

Elastizitäten spiegeln die Reaktion ökonomischer Akteure auf veränderte Preise wider. Sie bestimmen somit in entscheidendem Maße die Modellergebnisse. Als Grundlage für Elastizitäten der Regionen EU sowie Rest der Welt diente die Datenbasis des SWOPSIM-Modells und die bereits bestehende Literatur zum MISS-Modell (Sullivan et al. 1990, S. 52, 172, 184; Cochrane 1990, S. 5; Gardiner et al. 1989, S. 19f.; Kennedy 1995, S. 35). Die dort angegebenen Elastizitäten wurden mit weiteren Veröffentlichungen verglichen und gegebenenfalls ergänzt (Kern 1995, S. 258; Devadoss & Kropf 1996, S. 88). Die aus der ökonomischen Theorie resultierenden Anforderungen wurden ebenfalls berücksichtigt.<29>

Die grundlegenden Änderungen der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Polen in der Zeit der Transformation lassen vermuten, daß Angaben für polnische Elastizitäten vor 1990 (Sullivan et al. 1990, S. 172; Cochrane 1990, S. 5) nur noch eine eingeschränkte Gültigkeit besitzen. Die Zeit seit Beginn der Transformation ist jedoch zu kurz, um verläßliche neue Elastizitäten auf Basis von Zeitreihen ökonometrisch schätzen zu können. Hieraus ergeben sich zwei mögliche Verfahrensweisen: Eine Option liegt in der Nutzung der alten polnischen Elastizitäten. Die andere Möglichkeit besteht im Rückgriff auf bekannte Elastizitäten aus der Europäischen Union. Basierend auf der Annahme, daß


39

sich mit einer wirtschaftlichen und politischen Annäherung Polens an die EU auch die Verhaltensmuster der polnischen Produzenten und Konsumenten zunehmend denen der EU-Bürger angleichen, wurde die zweite Option ausgewählt. Somit wurden für die Modellsimulationen grundsätzlich die für die EU vorliegenden Elastizitäten auf Polen übertragen und nur in spezifischen Fällen den regionalen Besonderheiten angepaßt.

Doch auch dieses Vorgehen bedarf einer kritischen Betrachtung. Elastizitäten resultieren aus einem Geflecht von politischen, wirtschaftlichen, technischen und auch kulturellen Gegebenheiten, das für die EU und für Polen nicht vorbehaltlos als gleichartig angenommen werden kann. Die Unterschiede in den Rahmenbedingungen wirken in vielfältiger Art und Weise. Während makroökonomische Parameter Produzenten und Konsumenten gleichermaßen betreffen, sind technische Restriktionen eher auf der Angebotsseite, Ernährungsgewohnheiten mehr für Reaktionen auf der Nachfrageseite relevant. Die wirtschaftliche und politische Entwicklung Polens, wie auch die zunehmende Anpassung an ”westliche“ Ernährungsgewohnheiten und der erstrebte Beitritt zur EU unterstützen die Annahme, daß die Reaktionen auf den polnischen Märkten sich denen der EU annähern; gleichwohl bleiben sie unsichere Parameter. Bedingt durch die Unsicherheit der Annahmen einerseits und die Wichtigkeit der Parameter andererseits erfolgt deshalb eine Sensitivitätsanalyse in Kapitel 7.2.1 .

4.5.1. Reaktion des Angebotes

Die Angebotselastizitäten der EU wurden größtenteils auf Polen übertragen (siehe Tab. 12 ). Bedingt durch die unterschiedliche Bedeutung der Feldfrüchte wurden die Kreuzpreiselastizitäten allerdings zwischen den Regionen variiert. Weiterhin wurde der Reaktionsparameter zwischen Milch- und Rindfleischproduktion den speziellen polnischen Verhältnissen angepaßt.<30>


40

Tab. 12: Elastizitäten des Angebots bezogen auf die Angebotspreise

darr qoutput poutput rarr

GETR

ÖLEW

ÖLKU

ÖLE

ZUK

KART

RINF

SCHW

GEFL

MIL

EU GETR

0,73

-0,05

 

 

-0,05

-0,06

 

 

 

 

ÖLEW

-0,20

0,89

-0,10

-0,10

-0,07

-0,05

 

 

 

 

ÖLKU

 

 

0,05

0,12

 

 

 

 

 

 

ÖLE

 

 

0,20

0,19

 

 

 

 

 

 

ZUK

-0,32

-0,05

 

 

0,90

-0,05

 

 

 

 

KART

-0,20

-0,02

 

 

-0,07

0,60

 

 

 

 

RIND

-0,01

 

-0,02

 

 

 

0,55

-0,07

-0,01

0,15

SCHW

-0,02

-0,01

-0,02

 

 

 

-0,05

0,90

-0,01

 

GEFL

-0,04

 

 

 

 

 

 

-0,05

0,80

 

MIL

-0,01

-0,02

-0,02

 

 

 

0,08

 

 

0,65

Polen

GETR

ÖLEW

ÖLKU

ÖLE

ZUK

KART

RIND

SCHW

GEFL

MIL

GETR

0,73

-0,02

 

 

-0,07

-0,10

 

 

 

 

ÖLEW

-0,20

0,89

-0,10

-0,10

-0,07

-0,10

 

 

 

 

ÖLKU

 

 

0,05

0,12

 

 

 

 

 

 

ÖLE

 

 

0,20

0,19

 

 

 

 

 

 

ZUK

0,32

-0,01

 

 

0,90

-0,10

 

 

 

 

KART

-0,20

-0,02

 

 

-0,07

0,60

 

 

 

 

RIND

-0,01

 

-0,02

 

 

 

0,55

-0,07

-0,01

0,15

SCHW

-0,02

-0,01

-0,02

 

 

 

-0,05

0,90

-0,01

 

GEFL

-0,04

 

 

 

 

 

 

-0,05

0,80

 

MIL

-0,01

-0,02

-0,02

 

 

 

0,00

 

 

0,65

 

GETR

ÖLEW

ÖLKU

ÖLE

ZUK

KART

RIND

SCHW

GEFL

MIL

RdW

0,40

0,30

0,24

0,24

0,40

0,30

0,40

0,50

0,55

0,45

Quellen: Sullivan et al. (1990, S. 52, 172, 184), Cochrane (1990, S. 5), Gardiner et al. (1989, S. 19f.), Kennedy (1995, S. 35), Kern (1995, S. 258), Devadoss & Kropf (1996, S. 88), eigene Annahmen.

4.5.2. Reaktion der Inputmengen und Inputpreise

Aufgrund der schlechten Datenlage und der Komplexität in diesem Bereich sind nur wenige und stark abweichende Angaben zu Elastizitäten verfügbar. Selbst in der statistisch vergleichsweise gut erfaßten EU liegen nur für wenige Länder (Belgien und Niederlande) ausreichende Zeitreihen für ökonometrische Schätzungen vor (Peeters & Surry 1994 und 1997). Die hier für die gesamte EU verwendeten Eigenpreiselastizitäten der Zwischennachfrage basieren dementsprechend auf Daten aus diesen Ländern (siehe Tab. 13 ). Die großen Unterschiede in den ermittelten Elastizitäten lassen sich nach Peeters & Surry (1997) zum Teil darauf zurückführen, daß bei einer abgeleiteten Nachfrage verschiedene Typen von Elastizitäten gemessen werden können. Diese unterscheiden sich in der


41

Auswahl der exogenen und endogenen Variablen und spiegeln unterschiedliche komparativ-statische Gegebenheiten wider. Für die vorliegende Arbeit wurden die Elastizitäten ausgewählt, denen eine exogene Futternachfrage zugrundeliegt. Expansionseffekte werden hierbei nicht berücksichtigt.

Tab. 13: Elastizitäten der Zwischennachfrage bezogen auf die Preise der Zwischennachfrage

 

Europäische Union

Polen

darr qinput pinput rarr

GETR

ÖLEW

ÖLKU

KART

MIL

GETR

ÖLEW

ÖLKU

KART

MIL

GETR

-1,61

-0,10

-0,10

0,20

 

-1,61

0,00

0,00

0,10

 

ÖLEW

-0,10

-0,84

0,10

-0,10

 

-0,10

-0,84

0,10

-0,05

 

ÖLKU

-0,10

0,10

-0,40

-0,10

 

-0,10

0,10

-0,40

-0,05

 

KART a

0,20

-0,10

-0,10

-0,21

 

0,10

-0,05

-0,05

-0,10

 

MILa

 

 

 

 

-0,96

 

 

 

 

-1,20

a Aufgrund mangelnder Angaben über Elastizitäten für Milch und Kartoffeln wurden diese in Anlehnung an die Gruppen Eiweiß- bzw. Stärkefuttermittel ausgewählt.

Quellen: McKinzie et al. (1986), Peeters & Surry (1994 und 1997), eigene Annahmen.

Die angegebenen Kreuzpreiselastizitäten der Zwischennachfrage geben die Austauschbarkeit der Futtermittel über alle Produktionszweige wieder. In den einzelnen tierischen Produktionsverfahren wurden jedoch oft sowohl komplementäre wie auch substitutive Beziehungen zwischen Futtermitteln festgestellt (McKinzie et al. 1986, S. 38). Die ”aggregierten“ Elastizitäten liegen demzufolge häufig nahe Null und sind von der Zusammensetzung der tierischen Produktion in einer Region abhängig.

Da Elastizitäten der Zwischennachfrage für Polen derzeit nicht vorliegen, wurden auch hier größtenteils die für die EU ermittelten Werte übernommen. Hierbei wurden jedoch Anpassungen insbesondere bei Kartoffeln und Milch durchgeführt.<31> Darüber hinaus wurden die Elastizitäten entsprechend der unterschiedlichen Zusammensetzung der tierischen Produktion verändert.<32>


42

Auch bezüglich der Reaktionen zwischen Angebot und Zwischennachfrage lagen lediglich Angaben zur EU vor. Da keine eindeutigen Aussagen zu Abweichungen in der polnischen Landwirtschaft getätigt werden können, wurden diese Daten auch als Reaktionsparameter für Polen übernommen (siehe Tab. 14 und Tab. 15 ).

Tab. 14: Elastizitäten des Angebots bezogen auf die Preise der Zwischennachfrage

 

Europäische Union / Polen

darr qoutput pinput rarr

GETR

ÖLEW

ÖLKU

KART

MIL

GETR

0,01

 

 

 

 

RIND

-0,11

-0,06

-0,06

 

-0,01

SCHW

-0,83

-0,11

-0,11

-0,01

 

GEFL

-0,83

-0,11

-0,11

 

 

MIL

-0,11

-0,06

-0,06

 

-0,01

Quellen: Kennedy (1995, S. 33), eigene Annahmen.

Tab. 15: Elastizitäten der Zwischennachfrage bezogen auf die Angebotspreise

 

Europäische Union / Polen

darr qinput p output rarr

GETR

ÖLKU

ÖLE

KART

RIND

SCHW

GEFL

MIL

GETR

-0,02

 

 

 

0,13

0,38

0,38

0,17

ÖLEW

-0,02

0,30

0,30

 

0,19

0,28

0,28

0,32

ÖLKU

-0,02

 

 

 

0,19

0,28

0,28

0,32

KART

 

 

 

-0,05

 

0,50

 

 

MIL

 

 

 

 

-0,05

 

 

 

Quellen: Sullivan et al. (1990, S. 52, 172), Kennedy (1995, S. 33), Kern (1995, S. 28), eigene Annahmen.

4.5.3. Reaktion der Nachfrage

Im Vergleich zu den Daten vor der Transformation können aufgrund des Systemwechsels wahrscheinlich elastischere Reaktionen der polnischen Konsumenten angenommen werden. Da für Polen jedoch keine genauen Angaben vorliegen, wurden wiederum die Daten der EU übernommen (siehe Tab. 16).


43

Tab. 16: Elastizitäten der Endnachfrage bezogen auf die Preise der Endnachfrage

 

Europäische Union / Polen

darr qoutput poutputrarr

GETR

ÖLEW

ÖLKU

ÖLE

ZUK

KART

RIND

SCHW

Gefl

MIL

GETR

-0,50

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ÖLEW

 

-0,20

 

 

 

 

 

 

 

 

ÖLKU

 

 

-0,40

 

 

 

 

 

 

 

ÖLE

 

 

 

-0,40

 

 

 

 

 

 

ZUK

 

 

 

 

-0,02

 

 

 

 

 

KART

 

 

 

 

 

-0,50

 

 

 

 

RIND

 

 

 

 

 

 

-0,70

0,20

0,02

 

SCHW

 

 

 

 

 

 

0,22

-0,80

0,03

 

GEFL

 

 

 

 

 

 

0,07

0,09

-0,90

 

MIL

 

 

 

 

 

 

 

 

 

-0,15

 

GETR

ÖLEW

ÖLKU

ÖLE

ZUK

KART

RIND

SCHW

Gefl

MIL

RdW

-0,20

-0,25

-0,42

-0,50

-0,15

-0,30

-0,70

-0,44

-0,70

-0,35

Quellen: SULLIVAN et al. (1990, S. 52, 172, 184), Kennedy (1995,S. 34 ), Kern (1995, S. 28), eigene Annahmen.

4.6. Protektionsraten

Nachfolgend werden kurz die wichtigsten den Handel beeinflussenden Instrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU und der polnischen Agrarpolitik zusammengefaßt.<33> Ergänzend beinhaltet der nach Produkten geordnete Überblick auch die Vorstellung wichtiger binnenmarktpolitischer Instrumente. Der theoretischen Darstellung schließt sich die Berechnung der resultierenden Protektionsraten für das gewählte Basisjahr an.

4.6.1. Europäische Union

Gegenstand der Getreidemarktordnung der EU sind Getreidearten in Körnerform, deren Verarbeitungsprodukte sowie Getreidesubstitute. Die Preisbildung auf den Binnenmärkten wird teilweise durch Intervention (Weizen, Roggen, Gerste und Mais) mitbestimmt. Nach Getreidearten differenzierte Marktordnungspreise existieren jedoch nicht mehr.


44

Der Außenschutz wird bei Importen von Interventionsgetreide über eine Grenzabgabe<34>, bei anderen Getreidearten und Verarbeitungsprodukten über feste Einfuhrzölle gesichert. Bei Exporten aller Getreidearten werden, in Abhängigkeit von der Situation auf den Weltmärkten, entweder Exporterstattungen gewährt oder Ausfuhrabschöpfungen erhoben. Für Im- und Exporte sind Lizenzen notwendig, die jedoch keine Mengenbeschränkung darstellen.

Die inländische Unterstützung der Produzenten erfolgt durch direkte Ausgleichsbeihilfen, die mit einer Flächenstillegung verbunden sind. Diese berechnen sich entsprechend eines theoretischen regionalen Durchschnittsertrages und sind nicht von der tatsächlich produzierten Menge abhängig.

Die Beihilferegelung für Produzenten von Rapssaat, Sonnenblumensaat und Sojabohnen beinhaltet keine Eingriffe in den Handel. Binnenmaßnahmen sind Flächenbeihilfen bis zur Höhe der im Blair-House-Abkommen fixierten, maximal beihilfefähigen Anbaufläche.<35> Diese werden um eine Flächenstillegung von mindestens 10% der Basisfläche und Sanktionsmechanismen bei Überschreitung der Garantiefläche ergänzt. Eine Intervention erfolgt nicht.

Auch die Ein- und Ausfuhrpreise für Eiweißpflanzen unterliegen dem freien Markt. Weiterhin wurden im Rahmen der GAP-Reform institutionelle Preise abgeschafft. Das bestimmende Instrument stellen jetzt direkte Ausgleichszahlungen, verbunden mit Flächenstillegung ähnlich der Getreideregelung, dar.

Bei den Verarbeitungsprodukten Öl und Ölkuchen finden keine politischen Eingriffe statt, die Protektionskoeffizienten entsprechen folglich 1. Kartoffeln sind ebenfalls im Ex- und Import ohne Beschränkungen handelbar und unterliegen auf dem Binnenmarkt keiner Marktordnung. Für Produzenten von Kartoffelstärke wird jedoch eine direkte Prämie gezahlt. Eine Verpflichtung zur Flächenstillegung ist damit nicht verbunden.


45

Die Zuckermarktordnung wird durch ein mit Mindestpreisen verbundenes Quotensystem bestimmt. Als Grenzmaßnahmen fungieren feste Einfuhrzölle sowie Exporterstattungen bzw. Exportabschöpfungen.

Die Regelung zur Stützung des Milchpreises auf dem Binnenmarkt besteht, bedingt durch die hohe Verderblichkeit des Produktes, aus einem Interventions- und Beihilfesystem für verarbeitete Produkte. Ergänzt wird diese durch die Garantiemengenverordnung für Milch. Neben der Protektion der Milchproduzenten werden Zwischenverbraucher über eine Subventionierung des Magermilchpulvers in der Kälberfütterung unterstützt. Weitere Beihilferegelungen unterstützen den Verbrauch von Butter sowie den Einsatz von Magermilch in der Kaseinherstellung. Das Prinzip des Außenschutzes mit variablen Abschöpfungen wurde in ein Zollsystem umgewandelt. Die Zölle sind in der Regel Gewichtszölle, teilweise aber auch Wert- und Mischzölle. Beim Export von Milchprodukten werden bei Bedarf Exporterstattungen gezahlt.

Hauptstützungsmaßnahmen auf den Binnenmärkten der EU im Rindfleischsektor sind direkte Zahlungen von Tierprämien an Produzenten. Exporterstattungen, verbunden mit Zöllen beim Import, ergänzen den Produzentenschutz. Die Rindfleischeinfuhren der EU werden allerdings zum überwiegenden Teil im Rahmen besonderer Kontingentregelungen durchgeführt. Bei Schweinefleisch können in besonderen Fällen Interventionskäufe durchgeführt werden. Der Außenschutz wird durch feste Zölle beim Import und Erstattungen beim Export garantiert. Für Geflügel existiert keine Binnenmarktordnung. Im Rahmen des GATT-Abkommens wurden auch hier die getreidepreisgebundenen Abschöpfungssysteme durch Zolläquivalente ersetzt. Beim Export werden Erstattungen gewährt.

Aus der Gesamtheit dieser politischen Instrumente ergeben sich die in Tab. 17 und Tab. 18 dargestellten Protektionsraten.


46

Tab. 17: Protektionskoeffizienten für Agrarprodukte in der EU-15, Teil A

 

ZUK

MILa

SCHWd

GEFLd

Weltmarktpreis (ECU/t)

293

145

1305

736

Erzeugerpreis (ECU/t)

645

296

1384

1109

Exporte (Mio. t)

3,60

14,83

0,895

0,855

Exporterstattungen (Mio. ECU)

1344,76

2267,1

118,2

171,9

Exporterstattung (ECU/t)

373,54

152,83

132,07

201,05

Abgeleiteter Grenzpreis (ECU/t)

271,50

142,77

1251,93

907,58

Protektionskoeffizient Produzent

2,38

2,07

1,11

1,23

Zwischennachfrage (Mio. t)

-

6,90

-

-

Beihilfen (Mio. ECU)

-

448,00b

-

-

Beihilfe (ECU/verfütterte Tonne)

-

64,93

-

-

Preis für Zwischennachfrager (ECU/t)

-

230,67

-

-

Protektionskoeffizient Zwischennachfrage

-

1,62

-

-

Endkonsum (Mio. t)

11,82

99,48

15,16

7,15

Konsumentensubvention (Mio. ECU)

72,13

1083,40c

-

-

Subvention (ECU/t)

6,10

10,89

-

-

Konsumentenpreis (ECU/t)

638,9

285,71

1251,93

907,58

Protektionskoeffizient Endnachfrage

2,35

2,00

1,11

1,23

a Da Milch produziert, aber Milchprodukte gehandelt werden, ergibt sich eine Umrechnungsproblematik. Entsprechend der Verfahrensweise der ZMP (Richarts 1997, mündl. Mitteilung) wurde hier ein ”milchfettorientierter“ Ansatz gewählt. Dabei werden die dokumentierten Exporte (ZMP 1997b, S. 70) mit folgenden Umrechnungsfaktoren multipliziert: Butter 20, Käse 9, VMP 8, Kondensmilch 2,2. Dabei werden zwar die Magermilchpulverexporte vernachlässigt, da sich die Höhe der Exporterstattungen aber ebenfalls an dem Milchfettgehalt der Produkte orientiert, scheint dieses Verfahren zur Berechnung der Protektion geeignet.

b Beihilfen zur Kälberfütterung.

c Beinhaltet Subventionen zur Kaseinherstellung, Butterbeihilfen für Sozialhilfeempfänger und für Schulmilch.

d Umwandlungsfaktor von Lebend- in Schlachtgewicht: 0,75 bei Schweinefleisch (Jahn et al. 1991, S. 10), 0,7 bei Geflügel (Probst 1997, S. 71)

Quellen: Eigene Berechnungen auf Basis von: Europäische Kommission (1996a, T/324), Europäische Kommission (1996b, S. 13, 20ff., 27ff.), Langendorf et al. (1997, S. 74, 97), FAO (1997b), Probst (1997, S. 71), Richarts (1997, mündl. Mitteilung), ZMP (1997b, S. 70).


47

Tab. 18: Protektionskoeffizienten für Agrarprodukte in der EU-15, Teil B

 

GETR

ÖLEW

KART

RIND

Weltmarktpreis (ECU/t)

102,00

220,20

73,00

1888

Produktion (Mio. t)

173,00

17,80

44,90

7,99

Exporterstattung (Mio. ECU)

1302,94

-

-

1761,00

Direkte Beihilfen (Mio. ECU)

6853,25

3045,75a

-

2027,9c

Andere Beihilfen (Mio. ECU)

 

 

174,06b

 

Gesamtsubvention (Mio. ECU)

8156,19

3045,75

174,06

3788,9

Subvention (ECU/t)

47,14

171,10

3,88

474,2

Marktpreis = Konsumentenpreis (ECU/t)

121,50

205,50

73,00

2750

Abgeleiteter Erzeugerpreis (ECU/t)

168,64

376,60

76,88

3224,2

Protektionskoeffizient Produzent

1,63

1,83

1,05

1,71

Protektionskoeffizient Zwischennachfrage

1,18

1,00

1,00

-

Protektionskoeffizient Endnachfrage

1,18

1,00

1,00

1,46

a Beihilfen für Hülsenfrüchte sowie Hektarbeihilfen für Eiweiß- und Ölpflanzen

b Prämien für die Erzeugung von Kartoffelstärke

c Beinhaltet Sonderprämien für männliche Rinder, Saisonentzerrungsprämien für Ochsen sowie die Mutterkuhprämien. Umrechnungsfaktor von Lebend- zu Schlachtgewicht 0,6 (Schwark 1989, S. 56).

Quellen: Eigene Berechnungen auf Basis von: BMELF (1995, S. 104f.), CIP (1995, S. 38), Europäische Kommission (1996a, T/123, T/239, T/292), Europäische Kommission (1996b, S. 7-12, 24), FAPRI (1996, S. 20f.), ZMP (1996, S. 105), FAO (1997a, S. 100ff.), World Bank (1997).

4.6.2. Polen

Der Außenschutz der polnischen Produzenten wird bei allen hier behandelten Produkten über die Erhebung von Zöllen und Importsteuern gesichert (siehe Abb. 3 ). Darüber hinaus wurden in der Vergangenheit variable Importabgaben für diejenigen Produkte eingeführt, die besonders von internationaler Konkurrenz betroffen waren. Da diese Abgaben jeweils nur kurzfristig eingesetzt wurden und zudem das WTO-Abkommen einen Verzicht auf einen weiteren Einsatz dieses Instrumentes garantiert, wurden diese Abgaben hier nicht berücksichtigt. Bezüglich des Exportes zu Weltmarktpreisen bestehen keine grundsätzlichen Restriktionen.<36> Exporterstattungen wurden in Abhängigkeit von der Marktsituation für Kartoffelstärke und Zucker bezahlt.


48

Abb. 3: Schema des polnischen Importsystems

Quelle: Dabrowski et al. (1994, S. 32)

Hauptakteur auf dem polnischen Binnenmarkt ist die polnische Agrarmarktagentur Agencja Rynku Rolnego (ARR). Sie wurde 1990 gegründet und ist in sieben regionale Stellen unterteilt. Die Leitung obliegt einem Vorsitzenden, der vom Ministerpräsidenten berufen bzw. abberufen wird. Die Finanzierung erfolgt teils über den Staatshaushalt, teils aus Einnahmen der Wirtschaftstätigkeit der ARR sowie weiteren nicht näher spezifizierten Einkünften. Die ARR reguliert insbesondere die Märkte für Getreide<37>, Milch<38> und Schweinefleisch.<39> Daneben finden auf Anweisung der Regierung auch Eingriffe bei Zucker, Honig, Stärke, Wolle und Leinen statt (ARR 1996). Als Hauptinstrumente werden Interventionskäufe und -verkäufe eingesetzt. Ergänzend werden Präferenzkredite für Kauf und Lagerhaltung angeboten. Aufgrund des beschränkten Budgets können zwar Preisschwankungen zum Teil neutralisiert werden, eine generelle Anhebung des Preisniveaus ist jedoch nicht möglich. Im Vergleich zur Wirkung der Grenzmaßnahmen ist der Einfluß der Interventionsinstrumente daher auch gering (Europäische Kommission 1998a, S. 76).

Quoten werden in Anlehnung an die Regelungen der EU lediglich zur Regulierung des Zuckermarktes verwendet. Die A-Quote stellt die maximale Produktionsmenge dar, die innerhalb einer Zuckerkampagne (Oktober eines Jahres bis September des darauffolgenden Jahres) auf dem nationalen Markt zu einem Minimalpreis verkauft werden darf. Zusätzlich wird durch die B-Quote die maximal mögliche Exportmenge (Zucker oder Zuckererzeugnisse) fixiert, die innerhalb eines Jahres (Januar-Dezember) mit Exportsubventionen unterstützt wird.


49

Produktionsmengen oberhalb der A- und B-Quote, sogenannte C-Zuckerprodukte, können lediglich ohne Subventionen exportiert werden.<40> Die Höhe der Quoten wird jährlich neu vom Ministerrat festgelegt; insbesondere die B-Quote steht aber in engem Zusammenhang mit den WTO-Verpflichtungen Polens bezüglich des subventionierten Zuckerexports (siehe Tab. 19 ).

Tab. 19: Polnische Exportsubventionen für Zucker

Jahr

Maximaler Wert der Exportsubventionen (Mio. US$)
nach WTO

Maximale Menge der subventionierten Exporte ('000 t)
nach WTO

beschlossene
A- und B-Quote
('000 t)

1995

47

127,5

1500 (A)
300 (B)

1996

44

122,9

1630 (A)
122,9 (B)

1997

41

118,3

1630 (A)
118,3 (B)

1998

38

113,7

 

2000

32

104,4

 

Quellen: SAEPR (1997, S. 24f.), Europäische Kommission (1998a, S. 80)

Subventionszahlungen an Konsumenten werden nur im geringen Umfang gewährt (siehe Tab. 20 ). Sie sind nicht produktspezifisch, sondern dienen allgemein der Unterstützung bedürftiger Personen. Da sie somit keine güterspezifischen Verzerrungen bedingen, wurden sie in den nachfolgenden Modellrechnungen nicht berücksichtigt.

Tab. 20: Konsumentensubvention in Polen

Jahr

1989

1990

1991

1992

1992

1993

1994

1995

1996

1997

Mio. Zl

345,0

154,8

3,8

3,1

3,0

3,0

6,5

6,5

10,5

13,6

Quelle: Gawron (1998, S. 7)

Die Protektionsraten wurden dem aufgezeigten Instrumentarium entsprechend berechnet und sind in Tab. 21 dargestellt.


50

Tab. 21: Protektionskoeffizienten für polnische Agrarprodukte

 

Zoll (%)

Import-steuer
(%)

Preis
(inkl. Zoll und Steuer) in %

Protektions-koeffizient Produzent

Protektions-koeffizient Zwischen-nachfrage

Protektions-koeffizient Konsument

GETR

19,5

6

126,7

1,27

1,27

1,27

ÖLEW

10

6

116,6

1,17

1,17

1,17

ÖLKU

10

6

116,6

1,17

1,17

1,17

ÖLE

37,6

6

145,8

1,46

1,46

1,46

ZUK

40

6

148,4

1,48

1,48

1,48

KART

50

6

159

1,59

1,59

1,59

RIND

31,4

6

139,3

1,39

1,39

1,39

SCHW

34,6

6

142,7

1,43

1,43

1,43

GEFL

35,2

6

143,3

1,43

1,43

1,43

MIL

40

6

148,4

1,48

1,48

1,48

Quellen: Eigene Berechnungen auf Basis von D browski et al. (1994, S. 25-45), Gawron et al. (1994, S. 27-51),
OECD (1995, S. 113ff.).

4.7. Margen

Die Protektionsraten für die Region Polen zeigen einen teilweise hohen Außenschutz der polnischen Landwirtschaft (siehe Tab. 21 ) und deuten somit auf ein Preisniveau deutlich über den Weltmarktpreisen hin. Der Unterschied zwischen Inlandspreis- und Weltmarktpreisniveau müßte bei vollständigem Wettbewerb der Höhe des Zollsatzes entsprechen und den Produzenten einen Schutz in der jeweiligen Zollhöhe garantieren. Die Betrachtung der tatsächlichen Erzeugerpreise widerspricht jedoch dieser Aussage. Hier zeigt sich ein Preisniveau, welches meist unter dem des Weltmarkes liegt (siehe Anhang 4 ). Auch in der Region EU entsprechen die tatsächlichen Erzeugerpreise nicht in allen Fällen den mit den Protektionsraten multiplizierten Weltmarktpreisen. Die Gründe hierfür sind vielfältiger Art: Der wichtigste Faktor liegt in den Qualitätsunterschieden zwischen national und international produzierten Produkten.<41> Ein eher technischer, modellbedingter Grund für Abweichungen liegt darin, daß sich die untersuchten Produktaggregate aus unterschiedlichen Gütern zusammensetzen. Demzufolge entspricht der angegebene Weltmarktpreis einer Gewichtung der unterschiedlichen Gütermengen. Als Gewichtungs-


51

faktor wurde hierzu die weltweite Produktion ausgewählt. Dies führt jedoch zu regionalen Abweichungen vom Weltmarktpreis, die nicht politisch begründet sind. Während die Produktions- und Konsumstruktur der EU durch den weltweiten Gewichtungsfaktor annähernd widergespiegelt wird, ergeben sich bei Polen Abweichungen von bis zu 5%.

Alle diese Effekte sind nicht primär auf politische Verzerrungen zurückzuführen und werden daher über den Margen-Koeffizienten abgebildet (siehe Tab. 22 ).

Tab. 22: Margen

Produkt

Polen

EU-15

GETR

0,75

1,01

ÖLEW

0,72

0,93

ÖLKU

0,74

1,00

ÖLE

0,87

1,00

ZUK

1,03

0,93

KART

1,02

1,00

RIND

0,58

0,78

SCHW

0,67

0,96

GEFL

0,84

1,23

MIL

0,57

0,98

Quelle: Eigene Berechnungen (siehe Anhang 4 und Anhang 5 ).

4.8. Politische Gewichtung

Entsprechend des in Kapitel 3.2.3.3 dargestellten Verfahrens wurden die politischen Gewichtungskoeffizienten modellendogen berechnet (siehe Tab. 23 ) und bei den nachfolgenden Simulationen zur Berechnung der politischen Zugewinne bzw. Verluste genutzt. Die Berechnungen zeigen, daß die politische Wertschätzung unterschiedlicher Gruppen in den Regionen EU und Polen einige Übereinstimmungen, aber auch deutliche Unterschiede aufweist. Für die Produzenten von Zucker, Milch, Getreide, pflanzlichen Ölen und Geflügel sowie die Konsumenten ergab sich in beiden Regionen eine ähnliche Position. Die Öl- und Eiweißpflanzenerzeuger sowie die Produzenten von Rindfleisch und Ölkuchen scheinen in der EU jedoch über mehr politisches Gewicht zu verfügen als in Polen, während in Polen wiederum die Schweinefleisch- und die Kartoffelproduzenten einen stärkeren Einfluß besitzen.


52

Tab. 23: Politische Gewichtungsfaktoren

Gruppe

EU-15

Polen

 

Wert

Rang

Wert

Rang

ZUK

1,54

1

1,19

1

ÖLEW

1,41

2

0,95

10

MIL

1,40

3

1,17

3

RIND

1,33

4

1,03

7

GETR

1,19

5

1,07

6

GEFL

1,19

6

1,09

5

ÖLKU

1,15

7

0,71

12

ÖLE

1,10

8

1,01

8

SCHW

1,06

9

1,11

4

Budget

1,00

10

1,00

9

Konsument

0,97

11

0,82

11

KART

0,71

12

1,18

2

Quelle: Eigene Berechnungen.

Fußnoten:

<27>

Zwar stellt das Jahr 1995 in der Tat einen Höhepunkt der Ölsaatenproduktion dar, doch schwankte die Anbaufläche für Ölsaaten in den Jahren 1989 - 1998 insgesamt sehr ungleichmäßig zwischen 283 000 und 606 000 ha (Europäische Kommission 1998a, S.31). Daher ist die Auswahl eines repräsentativen Jahres in dieser Produktgruppe generell schwierig.

<28>

Aufgrund mangelnder Angaben über die Verteilung von Eiweißfuttermitteln auf verschiedene Produktionsverfahren wurde unterstellt, daß Eiweißpflanzen überwiegend in Futtermischungen für Wiederkäuer eingesetzt werden. Es wurde angenommen, daß 80% in der Rindfleisch- und Milchproduktion und 20% in der Schweinefleischproduktion verwendet werden.

<29>

Entsprechend der Homogenitätsannahmen ist die Summe aller Angebotselastizitäten (bezüglich Output und Input) gleich 0. Gleiches gilt für Nachfrageelastizitäten unter Berücksichtigung des Einkommenseffektes. Da im Modell nicht alle Inputs (Maschinen, Dünger) sowie keine Einkommenseffekte berücksichtigt werden, ist die Summe der Angebotselastizitäten größer, die der Nachfrageelastizitäten kleiner als 0.

<30>

Im Gegensatz zur EU wurde für Polen vor der Transformation eine substitutive Beziehung zwischen Rind und Milch dokumentiert (Sullivan et al. 1990, S.172). Da zwar eine grundsätzliche Änderung angenommen wird, das Ausmaß jedoch nicht bekannt ist, wurde hier die Beziehung als unabhängig betrachtet.

<31>

Nach den Ergebnissen von McKinzie et al. (1986) führt ein größerer Anteil eines Futtermittels, hier Kartoffeln, in der Ration zu vergleichsweise niedrigeren Eigen- und Kreuzpreiselastizitäten. Da in Polen keine Quotenregelung den Verkauf von Milch an Endkonsumenten reglementiert, wird eine stärkere Reaktion angenommen.

<32>

Während in der EU doppelt so viel Schweinefleisch wie Rind- bzw. Geflügelfleisch produziert wird, beträgt das Verhältnis in Polen ca. 4:1:1 (FAO 1998). Dies führt insbesondere bei Öl- und Eiweißpflanzen sowie Kartoffeln zu abweichenden Werten zwischen der EU und Polen.

<33>

Für eine ausführliche Darstellung der Marktordnungen der EU siehe ZMP (1997a). Die polnische Agrarpolitik wird in OECD (1995) und Europäische Kommission (1995 und 1998a) umfassend beschrieben.

<34>

Aufgrund des GATT-Abkommens von 1995 wurden die früheren variablen Abschöpfungen durch Zolläquivalente ersetzt. Die Einfuhrschwelle (früher Schwellenpreis) für Interventionsgetreide wird auf maximal 155% des Interventionspreises festgesetzt. Die Einfuhrabgabe ergibt sich jetzt aus der Differenz zwischen der Einfuhrschwelle und dem repräsentativen Einfuhrpreis, der die Weltmarktpreis-entwicklungen widerspiegelt. Die Abgabe bleibt weiterhin variabel, ist aber in ihrer absoluten Höhe vom Interventionspreis abhängig.

<35>

Die Höhe der Prämien wird durch den historischen regionalen Durchschnittsertrag, den Verlauf der Weltmarktpreise sowie eventuelle Kürzungen aufgrund der Überschreitung beihilfefähiger Flächen bestimmt.

<36>

In der Vergangenheit wurden vereinzelt Exportverbote sowie mengenbeschränkende Exportlizenzen eingeführt. Diese waren jedoch nicht grundsätzliches Konzept, sondern kurzfristige, begrenzte Sondermaßnahmen. So bewirkte die durch Dürreschäden entstandene Verknappung auf dem polnischen Markt im Jahr 1992 ein Exportverbot für Raps und Exportlizenzen für Getreide.

<37>

Die Getreidemärkte werden durch Interventionskäufe der ARR bei einem Absinken der Preise für Roggen und Weizen unter ein Mindestpreisniveau stabilisiert. Die Interventionspreise übersteigen dabei das Mindestpreisniveau um einen jährlich neu festzulegenden Prozentwert. Steigende Aufkäufe der ARR führen hier zu einer wachsenden Einflußnahme auf die Marktpreise.

<38>

Da der polnische Markt für Milchprodukte aufgrund der weiten Verbreitung der Weidewirtschaft durch hohe Überschüsse im Sommer geprägt ist, wurde auch hier ein Interventionssystem eingeführt. Die Durchführung erfolgt auf Basis von Verträgen, die mit Herstellern von Butter bzw. Milchpulver abgeschlossen werden und den Milcherzeugern Mindestpreise sichern.

<39>

In Zeiten des Überangebotes beauftragt die ARR Kühlbetriebe, Schweinefleisch zu Minimalpreisen aufzukaufen, welches bei steigender Nachfrage wieder verkauft wird.

<40>

Ein Verkauf auf dem nationalen Markt ist mit einer Strafgebühr in Höhe von 100% des Wertes des Verkaufsgutes verbunden und somit keine rationale Option.

<41>

So übersteigt beispielsweise das internationale Vergleichsprodukt, neuseeländische Milch, bezüglich des Fettanteils die polnische Güteklasse A um über 20% (Europäische Kommission, 1998a, S.82).


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