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Ergebnisbeschreibung

4.1 Gesamtzahl, Alters- und Geschlechtsverteilung der Patienten

Von Februar 1999 bis zum August 2001 haben sich 64 Patienten einer MR-Darstellung des Magen-Darm-Traktes unterzogen. Zwei Patienten (ein Mann und eine Frau) wurden etwa ein Jahr nach der Erstuntersuchung ein zweites Mal untersucht, so daß 66 MR-Messungen durchgeführt wurden.

Das durchschnittliche Alter der Patienten lag bei 37,6 Jahren. Die jüngste Patientin war zum Zeitpunkt der Messung 18 Jahre, die älteste 83 Jahre alt. Die Standardabweichung für das Alter beträgt 13,1. Von den 64 Patienten waren (56,25%) weiblichen und 28 Patienten (43,75%) männlichen Geschlechts. 24 Messungen (36,4 %) wurden am MR-Tomograph Siemens Symphony und 42 (63,6%) am Philips Gyroscan vorgenommen.

Insgesamt 53 der mit dem MRT untersuchten Patienten erhielten innerhalb eines Zeitraumes von 2 Wochen vor bis 2 Wochen nach der MRT-Messung eine Koloskopie. Das einspricht einem Anteil von 80,3 %.

Abbildung 18: Verteilung der Diagnosen auf die Patienten sowie Anteil koloskopierter Patienten. Insgesamt wurden 66 MR-Untersuchungen vorgenommen. Die am häufigsten gestellten Diagnosen waren Morbus Crohn (39 Patienten) und Colitis ulcerosa (22 Patienten). 53 der Untersuchten wurden innerhalb eines Zeitraumes von 2 Wochen vor bis 2 Wochen nach der Untersuchung koloskopiert.

Im Diagramm der Abbildung 18 sind die ermittelten Diagnosen mit den Geschlechtsmerkmalen aller Patienten dargestellt. Am häufigsten wurde die Diagnose Morbus Crohn mit 59,1% gestellt, in 33 % der Fälle wurde eine Colitis ulcerosa dignostiziert.


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4.2  Verträglichkeit der MR-Untersuchungen

Alle Untersuchten haben die MR-Untersuchung gut toleriert. Allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel wurden nicht beobachtet. Unverträglichkeiten nach der intravenösen Injektion von Omniscan® beschränkten sich auf ein lokales Hitzegefühl bei 5 Patienten (7,6%).

Eine sehr adipöse Patientin lehnte die Untersuchung vor Beginn wegen starker Platzangst ab. Ein weiterer Patient mit implantierter Hüft-Endoprothese konnte ebenso wenig untersucht werden, wie ein 53 jähriger Herzschrittmacherträger.

Die Endoskopielösung als orales Kontrastmittel wurde von den Patienten insgesamt gut vertragen. Einige der Untersuchten beklagten den unangenehmen Geschmack der Lösung oder gaben an, beim Trinken Brechreiz verspürt zu haben. Dennoch nahmen alle Patienten, die für die Gruppe mit oraler Kontrastierung ausgewählt waren, die Endoskopielösung zu sich.

Insgesamt 7 von 34 Untersuchten lehnten die Applikation des rektalen Kontrastmittels mit dem Hinweis auf zu erwartende abdominelle Schmerzen ab. Diese Patienten nahmen lediglich orales Kontrastmittel zu sich. Bei 5 weiteren Patienten, die Schmerzen bei der Einführung des Darmrohres in den Analkanal hatten, gelang die retrograde Auffüllung durch Verwendung eines dünnlumigeren und weicheren Blasenverweilkatheters.

Nahezu alle Patienten mit retrograder Auffüllung des Darmes klagten über ein Druckgefühl im Unterbauch. Dennoch konnten alle Messungen regulär zu Ende geführt wurden.

Insgesamt 12 Patienten, davon 9 aus der Gruppe mit oraler und rektaler Auffüllung, gaben an, daß ihnen die Untersuchung zu lang erschien.

Die reine Liegezeit betrug zwischen 30 Minuten ohne Zusatzuntersuchung und maximal 45 Minuten mit Fistelsequenz. Dabei waren die Untersuchungen am Siemens Symphony im Schnitt 5 Minuten kürzer.

Durch das Trinken von oralem Kontrastmittel wurde die Untersuchungszeit um weitere 40 Minuten verlängert. Zusammen mit dem Aufklärungs- und Abschlußgespräch ergab sich somit eine maximale Untersuchungszeit von 90 – 100 Minuten, die kürzesten Untersuchungen dauerten etwa 40 Minuten.

4.3 Orale und rektale Kontrastierung

Alle Patienten, die eine rektale Auffüllung erhalten haben, haben vorher auch Endoskopielösung getrunken. Einen Überblick über Patientenanzahl und enterale Kontrastmittelmenge, die während der Untersuchungen verabreicht wurde, ist in der folgenden Tabelle (Tabelle 6) zusammengestellt.


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Bei den durchgeführten MR-Untersuchungen erhielten die Untersuchten in 27 Fällen (40,9%) sowohl orales als auch rektales Kontrastmittel. In 8 Fällen (12,1%) nahmen Patienten Endoskopielösung lediglich oral zu sich. 31 Messungen (47,0%) wurden ohne jegliche enterale Kontrastierung durchgeführt.

Tabelle 6: Orale und rektale Kontrastierung. Alle Patienten mit rektaler Kontrastierung erhielten auch eine orale Auffüllung. Als Kontrastmittel wurde Endoskopielösung verwandt, die in der hauseigenen Apotheke hergestellt wurde.

Orale und rektale Kontrastierung

 

ohne enterales KM

orales KM

rektales KM

Anzahl der Patienten

31

35

28

Durchschnittliche KM-Menge (Mittelwert) in ml

 

724

721

Standardabweichung

 

262,5

337,0

4.4 Befunde

4.4.1 Endoskopische Befunde

Bei insgesamt 50 der 53 koloskopierten Patienten konnten Entzündungen der Darmschleimhaut festgestellt werden. Ein Patient mit Morbus Crohn befand sich in Remission, ein weiterer Patient mit einem Colon irritabile wies, ebenso wie ein Patient mit einer Colitis indeterminata, keine akuten Entzündungszeichen auf. Bei 7 Untersuchten wurden endoskopisch Komplikationen ihrer Darmerkrankung in Form von Stenosen, pararektalen Fistelgängen oder einem Megakolon gesichert. (siehe Tabelle 8).

Abbildung 19 zeigt endoskopische Normalbefunde in zwei verschiedenen Darmabschnitten: links im terminalen Ileum und rechts im Ileozaekalbereich. Auf beiden Bildern ist die Wandstruktur gut beurteilbar und bietet keinen Hinweis für eine Entzündung. Die Darmschleimhaut ist unauffällig und läßt weder Ödeme noch eine vermehrte Gefäßzeichnung, Erosionen oder Blutungen erkennen.


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Abbildung 19: Endoskopischer Normalbefund der Darmschleimhaut. Sowohl im terminalen Ileum (links) als auch im Ileozaekalbereich (rechts) stellt sich die Schleimhaut homogen und ohne Hinweis für entzündliche Veränderungen dar.

Schleimhautveränderungen bei aktiver Colitis ulcerosa sind in Abbildung 20 zu sehen. Links zeigt die Mukosa des terminalen Ileums eine teilweise aufgehobene Gefäßzeichnung, ist diffus gerötet und ödematös geschwollen. Weiterhin sind einige kleine, punktförmige Einblutungen neben granulierten Arealen der Schleimhautobfläche zu erkennen. Fibrinöse Auflagerungen, einzelne Erosionen und Ulzerationen sind im rechten Bild ebenso auszumachen, wie mehrere Narben im Schleimhautniveau. Auch ein einzelner entzündlicher Polyp ist in diesem Bild bei 9 Uhr zu sehen.

Abbildung 20: Endoskopische Befunde der Darmschleimhaut bei aktiver Colitis ulcerosa. Es findet sich das typische Bild mit diffuser Rötung und punktförmigen Blutungen (links) sowie Fibrinauflagerungen und umschriebenen Schleimhautdefekten (rechts).

Die Bilder der Abbildung 21 stammen von einer 32 Jahre alten Crohn-Patientin mit bereits langjärigem Krankheitsverlauf. Im linken Bild ist die normale Schleimhautkonfiguration im Bereich des Zaekalpols fast vollständig aufgehoben. Stattdessen bestimmen konfluierende, tiefe längsverlaufende Ulzerationen (im oberen Bildanteil) und narbige Residuen (im unteren Anteil) diesen Darmabschnitt. Rechts erkennt man zwei kleinere Pseudopolypen (bei 2 und bei 4 Uhr), [Seite 45↓]die sich berühren und einen Steg bilden. In der Umgebung sind wiederum größere fibrinöse Auflagerungen und Ulzerationen zu sehen.

Abbildung 21: Endoskopischer Befund der Darmschleimhaut beim Morbus Crohn. Vernarbungen und tiefe Ulcerationen der Mucosa am Caekumpol (links) und Pseudopolypen sowie großflächige fibrinöse Auflagerungen im Bereich der linken Flexur (rechts).

Neben der visuellen Beurteilung der Entzündungsschwere und -ausbreitung in der Schleimhaut diente die endoskopische Untersuchung auch der Aufdeckung von Komplikationen sowie der Sicherung der Diagnose. Dafür wurden Schleimhautbiopsien entnommen, die anschließend histologisch untersucht wurden.

Bei drei Patienten mit Morbus Crohn wurden in der endoskopischen Untersuchung Stenosen gesehen: zwei Stenosen fanden sich im rektosigmoidalen Übergang, die andere im Bereich der Iliocaekalklappe. Ein weiterer Patient mit Colitis ulcerosa, der bereits 2 Jahre zuvor kolektomiert wurde, wies eine mit dem Endoskop passierbare Stenose im Bereich des ileo-analen Pouches auf. Bei einem weiteren Patienten mit Colitis ulcerosa konnte mit dem Endoskop ein Megakolon gesichert werden. Außerdem konnten bei zwei an Morbus Crohn erkrankten Untersuchten perirektale Fistelgänge nachgewiesen werden.

Eine Gegenüberstellung der in Endoskopie und MRT erhobenen Komplikationen ist in Tabelle 8 zusammengestellt.

4.4.2 MR-Befunde

Bei insgesamt 48 (73,8%) Messungen wurde mindestens ein Darmabschnitt im MRT als entzündet eingeschätzt. Ein Patient konnte in seiner Entzündungsausprägung nicht eingeschätzt werden, da die Dynamiksequenz nicht zum definierten Zeitpunkt, 120 Sekunden nach Kontrastmittelgabe, durchgeführt wurde.


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Abbildung 22 zeigt zwei Bilder der Dynamik-Sequenz jeweils vor und nach intravenöser Kontrastmittelgabe. Das Abdomen und seine begrenzenden Anteilen sind gut zu erkennen: die Leber kranial, Anteile des Psoasmuskels sowie die Blase kaudal und zu beiden Seiten die Bauchwand, gebildet durch schräge und transversale Bauchmuskulatur.

Man kann quer angeschnittene Teile des terminalen Ileums und des Kolons sehen. Auf der linken Seite, vor KM-Gabe, stellt sich die Darmwand als blasses Band dar, das Mesenterium ist vom Kolonrahmen eingeschlossen. Während der im Lumen erkennbare Darminhalt im terminalen Ileum und Caekalbereich recht inhomogen erscheint, ist er in den distalen Kolonabschnitten weitgehend homogen und stellt sich kontrastarm, also dunkel, dar.

Nach KM-Gabe läßt sich deutlich die Erhöhung des Signals in den Mesenterialgefäßen erkennen. Sie sind nun als sich aufzweigende helle Strukturen in der Mitte des Bildes zu sehen. Die Darmwand nimmt überwiegend gleichmäßig Kontrastmittel auf, lediglich im Sigma kommt es zu einer geringen Mehranreicherung. Es fallen weder Darmwandverdickungen noch andere entzündungsspezifische Merkmale auf, so daß dieser Patient als nicht entzündet eingeschätzt wurde, bei jedoch leicht erhöhter Signalintensität (Grad 1) im Colon sigmoideum.

Abbildung 22: MRT-Bilder der als Dynamik gemessenen Gradientenecho-Sequenz (T1_FLASH_VISION, Siemens Symphony) in koronarer Schichtung. Es sind die korrespondierenden Bilder eines Patienten ohne Entzündung vor (links) und nach (rechts) intravenöser Verabreichung von Omniscan® abgebildet.

Insgesamt 44 Patienten (66,7%) wiesen in der visuellen Auswertung eine Darmwandverdickung größer als 3 mm auf. Die Bilder der Abbildung 23 zeigen Beispiele für Verdickungen der Darmwand


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Abbildung 23: MRT-Bilder der Dynamik-Sequenz (T1_FLASH_VISION, Siemens Symphony) nach KM-Gabe. Wandverdickung des terminalen Ileums (*) und vergrößertes Signal der Darmwand im Sigma (links). Verdickungen und Signalerhöhungen der Wand im Ileozaealbereich (+) und Sigma (~) rechts.

Sowohl im linken Bild, im Bereich des terminalen Ileums, als auch rechts, ileocaekal und im Sigma, sind dritt- bzw. zweitgradige Verdickungen sichtbar.

Tabelle 7 gibt einen Überblick darüber, wie sich die Patientenanzahl auf die einzelnen Grade der visuell bestimmten Darmwanddicken verteilt. Bei knapp einem Drittel aller Patienten (21) wurde visuell keine Verdickung der Darmwand, bei 12 Patienten (18,75%) wurde eine Verdickung von mehr als 10 mm beschrieben.

Tabelle 7: Visuell bestimmte Darmwanddicken. Anzahl und Verteilung der Patienten auf die einzelnen Grade der Darmwanddicken.

Visuell bestimmte Darmwanddicken

Darmwanddicke

0 (bis 3 mm)

1 (3 bis 5 mm)

2 (5 bis 10 mm)

3 (>10 mm)

Σ

Patientenanzahl

21

15

18

12

66

Bei 6 Patienten, alle an Morbus Crohn erkrankt, wurden pararektale bzw. perineale Fisteln diagnostiziert. Das linke Bild der Abbildung 24 zeigt ein Beispiel für eine perineale Fistel, welche mit der Scheide der Patientin kommuniziert.


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Abbildung 24: Links: transversales MR-Bild (T1_FFE_OBH_FS, „Fistelprogramm“, Philips Gyroscan) einer an M. Crohn erkranken Frau mit Nachweis einer perinealen Fistel (*). Rechts: MR-Bild der Dynamik-Sequenz (T1_TSE_FS_COR, Philips Gyroscan) eines 23 Jahre alten Crohn-Patienten. Man erkennt im rechten Unterbauch deutlich die Ausbildung eines großen Konglomerattumors (+) und die starke KM-Anreicherung (rechts). Bei diesem Patienten war eine Resistenz im rechten Unterbauch tastbar.

Ausgeprägte Entzündungen des Mesenteriums (Konglomerattumoren) wurden mit der MRT bei 7 Untersuchten festgestellt. In drei Fällen lagen die mesenterialen Entzündungen im Ileozaekalbereich und in 4 Fällen im Sigma. Im rechten Bild der Abbildung 24 ist im Ileozaekalbereich sehr gut der große Konglomerattumor zu sehen, der mit einer Darmwandverdickung und starken Kontrastmittelanreicherung einhergeht.

Dickdarm-Stenosen wurden bei zwei Colitis-Patienten festgestellt. Eine Stenose im Bereich des Ileums konnte in den Aufnahmen einer an Morbus Crohn erkrankten Patientin gesehen werden.

Wie auch in der koloskopischen Untersuchung wurde mit dem MRT bei einem Patienten ein Megakolon diagnostiziert.

Als Nebenbefunde wurden Schrumpfnieren (bei zwei Patienten), eine Harnstauungsniere, ein Bauchwandabszeß und narbige Veränderungen im Bereich des Blasendaches bei einer weiteren Patientin erhoben.

Eine Zusammenfassung aller Komplikationen und Nebenbefunde bietet Tabelle 8.


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Tabelle 8: Komplikationen und Nebenbefunde in Endoskopie und MRT. In den MR-Untersuchungen wurden deutlich mehr zusätzliche Befunde erhoben. Die letzten 5 Zeilen enthalten extraluminale Befunde, die mit der Endoskopie aufgrund des Verfahrens nicht erhoben werden können. Ein Patient, bei dem im MRT perirektale Fistelgänge diagnostiziert wurden, konnte nicht koloskopiert werden.

Komplikationen und Nebenbefunde in Endoskopie und MRT

Art des Befundes

Fälle Koloskopie

Fälle MRT

Stenose im terminalen Ileum

0

1

Stenosen im Ileozäkalbereich

2

2

Stenose im Kolon sigmoideum

1

1

Stenose im ileoanalen Pouch

1

1

Perirektale Fistelgänge

2

6

Megakolon

1

1

mesenteriale Fettgewebsproliferation / Konglomerattumoren

-

7

Schrumpfnieren

-

2

Harnstauungsniere

-

1

Bauchwandabszeß

-

1

Narbengewebe im Bereich des Blasendaches

-

1

4.4.3 Validierung des MRAI

Nach den im Abschnitt 3.5.1 beschriebenen Kriterien wurde für die Patienten der MR-Aktivitätsindex (MRAI) bestimmt. Da für einen Patienten die Dynamik-Sequenz nicht zum definierten Zeitpunkt gemessen wurde, konnten die Daten nur für 65 Patienten ausgewertet werden.

Die Patienten wurden entsprechend der erreichten Punktzahl im MRAI in Entzündungsgruppen eingeteilt: 0 und 1 Punkt gelten als Remission oder geringe Entzündung, 2 und 3 Punkte als mittelschwere Entzündung und mehr als 4 erreichte Punkte wurden als schwere Entzündung eingeschätzt.

Tabelle 9 enthält die Zusammenstellung der ermittelten Entzündungsgruppen für alle Patienten. Darin zeigt sich eine homogene Verteilung auf die Krankheitsaktivitäten mild, mittelschwer und schwer.

Tabelle 9: Einteilung des MRAI in Entzündungsgruppen. Für einen Patienten konnte keine Entzündungsaktivität bestimmt werden.

Einteilung des MRAI in Entzündungsgruppen

MRAI-Punktwert

0,1

2,3

≥4

MR-Entzündungsgruppe

mild

mittelschwer

schwer

Anzahl der Fälle

24

23

18

Σ

65


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4.4.4  Vergleich des MRAI mit CAI und CDAI

Die Aktivitätsindizes CAI und CDAI gelten als wichtige Parameter zur Verlaufskontrolle und zur Überprüfung der Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie der IBD. Im Rahmen dieser Arbeit soll deshalb überprüft werden, ob ein Zusammenhang zwischen dem vom Verfasser mit Hilfe visueller Kriterien bestimmten MR-Aktivitätsindex (MRAI) eines Patienten und seinen mit dem CDAI und CAI erfaßten klinischen Daten besteht.

Für diesen Vergleich wurden die Werte des MRAI in die drei Entzündungsgruppen mild, mittelschwer und schwer (siehe Tabelle 9) unterteilt. Auch die klinischen Aktivitätsindizes wurden in diesen 3 Ausprägungen (siehe Abschnitt 3.2.2) angegeben und mit dem MRAI verglichen.

In Abbildung 25 sind die prozentualen Übereinstimmungen der für die einzelnen Messungen mit Hilfe des MRAI bestimmten Entzündungsgruppen der Patienten mit ihrer jeweiligen klinischen Aktivität dargestellt.

Abbildung 25: Vergleich des in Entzündungsgruppen zusammengefaßten MRAI mit CAI/CDAI. Auf der Abszisse sind die Ausprägungen des für den Patienten bestimmten CAI/CDAI festgelegt, auf der Ordinate die prozentuelle Übereinstimmung mit dem MRAI.

Dem Diagramm ist zu entnehmen, daß von den Patienten, die im MRT schwere Entzündungszeichen aufwiesen, 66,7% in den klinischen Scores ebenfalls als schwer erkrankt eingeschätzt wurden. Für Patienten mit milden oder ohne Entzündungszeichen im MRT beträgt [Seite 51↓]die Übereinstimmung mit der klinischen Aktivität 60%, bei der mittleren Entzündungsschwere wurde eine Übereinstimmung von 51,8% berechnet.

Ein signifikanter Unterschied in der Verteilung der einzelnen Gruppen konnte mit dem Chi-Quadrat-Test nachgewiesen werden (p = 0,002).

Im Anschluß wurde mit einem Post-hoc-Test der MRAI sowohl gemeinsam, als auch getrennt für Colitis ulcerosa und Morbus Crohn mit CAI und CDAI verglichen (Tabelle 10). Dabei wurde das Richtungsmaß Eta bestimmt, das den Zusammenhang zwischen den untersuchten Gruppen angibt.

Zwischen dem MRAI und dem CAI besteht ein von Eta = 0,64, welches auf dem Niveau von p = 0,002 signifikant ist. Auch für den Vergleich zwischen der zusammengefaßten Gruppe von Colitis- und Crohn-Erkrankten wurde ein signifikanter Zusammenhang (Eta = 0,42) zwischen dem MRAI und dem jeweiligen CAI und CDAI bestimmt.

Hingegen konnte für den MRAI und den CDAI mit Eta = 0,26 nur ein geringes und statistisch nicht signifikantes Zusammenhangsmaß ermittelt werden.

Tabelle 10: Vergleich des in Entzündungsgruppen zusammengefaßten MRAI mit den klinischen Aktivitätsindizes CAI und CDAI. Eta gibt den Zusammenhang zwischen MRAI und CAI/CDAI an. Die statistische Signifikanz wurde mit dem Chi-Quadrat-Test überprüft.

Vergleich des MRAI mit CAI und CDAI

 

MRAI vs. CAI/CDAI

MRAI vs. CAI

MRAI vs. CDAI

Zusammenhangsmaß (Eta)

0,43

0,64

0,26

Signifikanz (p)

0,002

0,002

nicht signifikant

4.4.5 Vergleich des EAI mit CAI und CDAI

Der Endoskopie-Aktivitätsindex (EAI) gibt das Ausmaß von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn anhand des endoskopischen Befundes wider. Auch dieser Index ist zur Einschätzung der Entzündungsschwere und zur Verlaufskontrolle der IBD geeignet.

Um den Vergleich mit den klinischen Aktivitätsindizes vorzunehmen, wurde der EAI in drei Aktivitätsgrade eingeteilt. Für den Morbus Crohn gilt geringe endoskopische Aktivität bzw. Remission für EAI-Werte < 8, mittlere Aktivität für Werte von 8 – 16 und starke Aktivität für Werte > 16. Der EAI für die Colitis ulcerosa umfaßt die Werte von 0 – 5 bei milder, 6 – 10 bei mittlerer und > 10 bei starker endoskopischer Aktivität.

Sowohl für den Vergleich des EAI für Colitis ulcerosa mit dem CAI (Eta = 0,20) als auch des EAI für Morbus Crohn mit dem CDAI (Eta = 0,032) konnten keine statistisch signifikanten Korrelationen bestimmt werden.


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4.5  Ergebnisse der numerischen Auswertung

4.5.1 Auswertung der MR-Bilder

Die numerische Auswertung beinhaltet die exakte Bestimmung der Signalintensitäten für Darmwand, Darmlumen und Mesenterium. Die Erhebung der Daten für die verschiedenen Gewebe erfolgte jeweils in den Bildern der Dynamik-Sequenzen vor und nach intravenöser Kontrastmittelinjektion mit Hilfe von definierten ROIs (engl. Regions of interest).

Abbildung 26 zeigt ein Beispiel für die Positionierung der ROIs im Rahmen der numerischen Auswertung. Es handelt sich um einen Ausschnitt eines Dynamik-Sequenz-Bildes (T1_FLASH_VISION, Siemens Symphony) nach Kontrastmittelgabe aus der Untersuchungsreihe einer 19jährigen Patientin. Es läßt in 5-facher Vergrößerung die Darmstrukturen im Bereich des Colon transversum erkennen.

Die ROIs 1 bis 3 sind im sich homogen signalarm darstellenden (dunklen) Darmlumen positioniert. ROI 4 bis 6 sind exakt in die Darmwand gelegt, die sich als signalreiche Struktur gut vom Lumen abgrenzt. Die ROIs 7 bis 9 liegen im Mesenterium, das sich in der Regel am wenigsten homogen darstellt. Die Größe aller dieser ROIs beträgt 5 x 5 Pixel bzw 4 mm2. Rechts im Bild befindet sich ein objektfreier, signalarmer Bereich, in dem als Referenz das Signal der Luft gemessen wird. Die Größe dieser ROI beträgt 15 x 15 Pixel bzw. 250 mm2.

Bei der Plazierung aller ROIs ist darauf zu achten, daß sie so genau wie möglich ausschließlich im zu untersuchenden Gewebe liegen. Außerdem sollte es vermieden werden, daß sie, insbesondere beim Mesenterium, im Lumen größerer Gefäße liegen, wodurch die Höhe des Signals beeinflußt wird. Eine Hilfe beim positionieren der ROIs geben die Daten, die vom OSIRIS für jedes Meßfeld ausgegeben werden. Eine ROI gilt als richtig gesetzt, wenn die Standardabweichung der Signalintensität eines Gewebes weniger als 50% des Signals beträgt.

Bei unseren Auswertungen betrugen die Standardabweichungen zwischen 10 und 20% vom gemessenen Signal.


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Abbildung 26: Positionierung der ROIs zur Messung des Signals. Der Ausschnitt zeigt ein Bild der post-KM-Sequenz (T1-FLASH_VISION, Siemens Symphony) einer 19 jährigen Patientin in fünffacher Vergrößerung. Die ROIs 1 – 3 liegen im Darmlumen, 4 – 6 in der Darmwand, 7 – 9 im Mesenterium. ROI 10 wird als Referenz in den objektfreien Bereich (Luft) positioniert. Die Bearbeitung der Bilder und die Signalmessung erfolgte mit dem Bildverarbeitungsprogramm OSIRIS.

4.5.2 Kontrast-zu-Rausch-Verhältnisse

Um zu überprüfen, wie gut die Unterscheidung zwischen zwei aneinander grenzende Gewebe ist, werden die Kontrast-zu-Rausch-Verhältnisse (CNR) zwischen diesen Geweben bestimmt und untereinander verglichen.

Die Darstellung der CNR erfolgt mit Hilfe von Boxplots, denen neben Median, Minimum und Maximum auch oberes und unteres Quartil zu entnehmen ist. Somit können Zentrum, Streuung und Symmetrie der Datenreihen schnell erfaßt werden. Während die mit einem Kreis bezeichneten Werte Ausreißer darstellen, sind die mit einem Stern bezeichneten Werte Extremwerte.

Abbildung 27 zeigt die Kontrast-zu-Rausch-Verhältnisse der Darmwand zum Darmlumen vor und nach intravenöser Gabe von Omniscan®. Der Unterschied zwischen beiden Datenreihen ist deutlich, was auch in den Mittelwerten von 33,11 ± 22,99 bzw. 56,70 ± 36,16 zum Ausdruck kommt. Mit dem Wilcoxon-Test für verbundene Stichproben konnte ein statistisch signifikanter Unterschied nachgewiesen werden (p < 0,0001).


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Abbildung 27: Kontrast-zu-Rausch-Verhältnisse (CNR) zwischen Darmwand und Darmlumen in Abhängigkeit von der intravenösen Kontrastmittelgabe. Das CNR beträgt im Mittel 33,11 ± 22,99 vor sowie 56,70 ± 36,16 nach intravenöser KM-Injektion. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen sind signifikant mit p < 0,0001.

Auch für die in Abbildung 28 dargestellten Kontrast-zu-Rausch-Verhältnisse zwischen Darmwand und Mesenterium ist ein Unterschied zwischen den Gruppen vor und nach Kontrastmittelgabe zu erkennen, der jedoch geringer ausfällt, als zwischen Darmwand und Darmlumen.

Die Mittelwerte betragen 11,01 ± 10,88 für die Gruppe ohne bzw. 18,35 ± 20,34 für die Gruppe mit intravenösem Kontrastmittel. Auch dieser Unterschied ist im Wilcoxon-Test signifikant (p < 0,0001).


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Abbildung 28: Kontrast-zu-Rausch-Verhältnisse (CNR) zwischen Darmwand und Mesenterium in Abhängigkeit von der intravenösen Kontrastmittelgabe. Der Unterschied der CNR-Mittelwerte vor (11,01 ± 10,88) gegenüber nach (18,35 ± 20,34) intravenöser Injektion von Omniscan® ist signifikant (p < 0,0001).

4.5.3 Enhancement

Das Enhancement ist ein Maß für die Signalintensitätszunahme in einem Gewebe nach Gabe von intravenösem Kontrastmittel. Aufgrund der in entzündlichen Geweben veränderten Durchblutungsverhältnisse [19] ist zu erwarten, daß es Unterschiede im Enhancement zwischen unauffälligen und entzündeten Darmwänden gibt.

Abbildung 29 gibt einen Vergleich des Darmwand-Enhancements zwischen visuell als entzündet (Entzündungsgrad 1 und größer) und visuell als unauffällig (Entzündungsgrad 0) eingeschätzten Darmwänden wieder. Die Darstellung der Ergebnisse wird in Boxplots vorgenommen.

Sowohl Mittelwert, Median als auch oberes und unteres Quartil sind für das Enhancement in den entzündeten höher als in den unauffälligen Darmwänden. Auffällig ist, daß die Schwankungsbreite bei den entzündeten Darmwänden wesentlich größer ist.

Der Unterschied zwischen den Gruppen ist signifikant mit p = 0,014, was mit einer faktoriellen Varianzanalyse getestet wurde.


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Abbildung 29: Darmwand-Enhancement [%] von visuell unauffälligen und entzündeten Darmwänden. Die Mittelwerte betragen für die unauffälligen Darmwände (Entzündungsgrad 0) 43,42 ± 20,73 und die enzündeten (Entzündungsgrad 1 und größer) 64,12 ± 30,50. Der Unterschied ist signifikant mit p = 0,014.

1 Vergleich des Darmwand-Enhancements mit dem EAI

In Abbildung 30 wird das Darmwand-Enhancement der an Colitis ulcerosa erkrankten Patienten mit ihrem jeweiligen Endoskopie-Aktivitätsindex (EAI) verglichen.

Es ist zu erkennen, daß die Mittelwerte des Darmwand-Enhancementes mit der Stärke der endoskopisch bestimmten Krankheitsausprägung zunehmen. Bei milder endoskopischer Entzündung beträgt das mittlere Enhancement 35,05 ± 14,41, bei mittlerer 66,23 ± 22,29 und bei starker Entzündung 68,11 ± 25,81. Dabei erscheint der Unterschied zwischen den beiden ersten Gruppen deutlich größer als zwischen der zweiten und der dritten Gruppe. Weiterhin fällt auf, daß die Standardabweichungen mit der Stärke der Entzündung zunehmen.

Die durchgeführte faktorielle Varianzanalyse ergab, daß ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Mittelwerten des Darmwand-Enhancements besteht (p = 0,040). Zur genaueren Klassifizierung wurde im Anschluß daran ein Post-hoc-Test (Scheffé-Test) durchgeführt, der die Mittelwerte des Darmwand-Enhancements jeder Gruppe in Beziehung zu den Mittelwerten der beiden anderen Gruppen setzt. Darin wurde ein signifikanter Unterschied der Mittelwerte zwischen der milden und der mittleren Gruppe (p = 0,024) sowie der milden und der schweren [Seite 57↓]Gruppe (p = 0,024) bestätigt. Hingegen bestand keine Signifikanz zwischen der mittleren und der schweren Gruppe.

Abbildung 30: Vergleich des Darmwand-Enhancements mit dem EAI für Colitis ulcerosa. Die Mittelwerte des Enhancements steigen mit der Stärke des EAI an. Zwischen den Mittelwerten besteht eine statistische Signifikanz von p = 0,040.

Analog zum vorherigen Vergleich wird in Abbildung 31 das Darmwand-Enhancement mit dem EAI für den Morbus Crohn verglichen.

Wiederum ist ein Unterschied in den Mittelwerten des Enhancementes zu erkennen, der noch deutlicher ausfällt als bei der Colitis ulcerosa: 26,25 ± 14,37 für milde Aktivität, 63,75 ± 22,25 für mittlere und 88,91 ± 40,00 für starke endoskopische Entzündungsaktivität.

Die durchgeführte Varianzanalyse ergibt, daß zwischen den 3 Gruppen ein signifikanter Unterschied besteht: p = 0,001. Der angeschlossene Mehrfachvergleich der Mittelwerte (Post-hoc-Test nach Scheffé) läßt erkennen, daß sowohl zwischen der Gruppe mit milder und mittlerer Aktivität (p = 0,034) als auch zwischen milder und starker endoskopischer Aktivität (p = 0,001) ein signifikanter Unterschied nachzuweisen ist.


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Abbildung 31: Vergleich des Darmwand-Enhancements mit dem EAI für Morbus Crohn. Mit Zunahme der endoskopischen Entzündungsschwere steigt das Darmwand-Enhancement. Die Unterschiede der mittleren Enhancementwerte zwischen den Gruppen ist signifikant mit p = 0,001.

4.5.4 Darmdicken

Neben der visuellen Bestimmung der Darmdicken erfolgte im Rahmen der numerischen Auswertung das graphische Ausmessen der Darmwand mit Hilfe des DIACOS-Bildeditors. Dabei wurden für jeden Patienten die Dicken in 5 Darmabschnitten bestimmt: Dünndarm und terminales Ileum, Iliozaekalbereich mit Colon ascendens, Colon transversum, Colon descendens sowie Sigma mit Rektum. Ausgewertet wurden die Dicken in den post-KM-Bildern der Dynamik-Sequenz.

Die Darmwanddicken gelten ebenso wie die Höhe des Enhancements als wichtiger Parameter zur Diagnostik und Einschätzung der Stärke der IBD.

Eine Übersicht der mittleren Dicken aller visuell unauffälligen und entzündeten Darmwände bietet Tabelle 11. Neben dem Mittelwert der Wanddicke sind Standardabweichung und statistische Signifikanz für den Vergleich der Darmwanddicken in jedem Abschnitt angegeben.

Es ist zu erkennen, daß die Darmdicken in als entzündet eingeschätzten Darmanteilen im Mittel deutlich größer sind, als in nicht entzündlich veränderten Darmanteilen. Dieser Unterschied war in der durchgeführten Varianzanalyse für jeden Darmabschnitt hochsignifikant.


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Tabelle 11: Vergleich der gemessenen Darmwanddicken einzelner Darmabschnitte. Sowohl unauffällige als auch entzündete Darmabschnitte sind mit ihren Mittelwerten und der Standardabweichung aufgeführt. In der rechten Spalte ist die statistische Signifikanz zwischen unauffälligen und befallenen Darmbereichen eingetragen.

Vergleich der gemessenen Darmwanddicken einzelner Darmabschnitte

Darmabschnitt

Befund

Mittelwert

Standardabweichung

Signifikanz (p)

Terminales Ileum

normal

3,0

1,2

< 0,0001

entzündet

5,6

3,9

Ileozaekalbereich

normal

2,7

0,7

< 0,0001

entzündet

4,9

3,5

Colon transversum

normal

2,6

1,6

0,025

entzündet

4,6

2,8

Colon descendens

normal

2,7

1,2

< 0,0001

entzündet

5,1

2,5

Sigma/Rektum

normal

2,8

0,9

< 0,0001

entzündet

5,4

2,6

Weiterhin wird deutlich, daß die als gesund eingeschätzten Darmwände durchschnittlich nicht dicker als 3 mm sind. Das entspricht somit dem in der visuellen Auswertung festgelegten Kriterium für unauffällige Darmwanddicken. Hingegen sind die Mittelwerte der Dicken für entzündete Darmwände deutlich größer und betragen zwischen 4,6 mm im Colon transversum und 5,6 mm im terminalen Ileum.

1 Vergleich der Dicken mit dem EAI

Dieser Abschnitt vergleicht die gemessenen Dicken mit den jeweiligen für die Patienten bestimmten endoskopischen Befunden des EAI.

Dafür wurden die größten für einen Patienten gemessenen Dicken in mm angegeben. Die den Dicken gegenübergestellten endoskopischen Werte wurden wiederum in mild, mittel und schwer eingeteilt.

Abbildung 32 zeigt den Vergleich der Dicken mit dem EAI für Colitis ulcerosa. Deutlich ist erkennbar, daß die Darmdicken mit Schwerezunahme des endoskopischen Befundes ebenfalls zunehmen. So beträgt die Darmwanddicke im Schnitt bei Patienten mit milder Ausprägung 3,2 ± 0,8 mm, mit mittlerer 5,4 ± 0,8 mm sowie mit schwerer Ausprägung 7,5 ± 3,6 mm.

In der nachfolgenden Varianzanalyse wurde ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen mit p = 0,013 nachgewiesen.


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Abbildung 32: Vergleich der gemessenen Darmwanddicken mit dem EAI für Colitis ulcerosa. Mit Zunahme der Schwere des EAI steigt auch die Darmwanddicke an. Die Unterschiede zwischen den Gruppen sind in der ANOVA signifikant mit p = 0,013.

Im Gegensatz zum vorigen Vergleich sind die Standardabweichungen bei den Dicken für die Crohn-Patienten größer. Dennoch sind auch hier steigende Darmwandddicken mit der Zunahme der endoskopischen Aktivität nachweisbar, wie der Mittelwertvergleich zeigt. Bei milder Aktivität beträgt die mittlere Dicke 4,2 ± 1,8 mm, bei mittlerer 7 ± 2,5mm und bei starker Ausprägung 8,4 ± 4,1 mm. Auch für diesen Vergleich wurde in der Varianzanalyse ein statistisch signifikanter Unterschied bestimmt (p = 0,031).

Werden die gemessenen Dicken mit dem EAI für Morbus Crohn verglichen, erhält man die Boxplots in Abbildung 33.


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Abbildung 33: Vergleich der gemessenen Darmwanddicken mit dem EAI für Morbus Crohn. Die Dicken steigen mit der Stärke der endoskopischen Krankheitsausprägung an. Zwischen den Gruppen besteht eine nachgewiesene statistische Signifikanz (p = 0,031).

4.6 Validierung der visuellen Entzündungsparameter

Im folgenden sollen die visuell ermittelten Ausprägungen der Entzündungsparameter jedes Patienten mit seinen numerisch bestimmten Werten verglichen werden.

In Abbildung 34 ist das Darmwand-Enhancement gegen die visuellen Signalintensitäten der Darmwand aufgetragen. Außer für den Grad 1 steigt das Enhancement mit der Stärke der Signalintensitätserhöhung kontinuierlich an. Der Grad 5 wurde für die Signalintensitätserhöhung nicht vergeben. In der durchgeführten Varianzanalyse konnte eine statistische Signifikanz mit p < 0,0001 nachgewiesen werden.

Um zu überprüfen, wie gut die visuell gemessenen Darmdicken mit den mittels Software-Tool bestimmten Dicken übereinstimmen, wurden die Werte in die entsprechenden Gruppen (Grad 0, 1, 2 und 3) eingeteilt und miteinander korreliert. Der Korrelationskoeffizient nach Spearman beträgt für diesen Vergleich r = 0,70 und ist hochsignifikant (p < 0,0001).


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Abbildung 34: Vergleich der Signalintensitätszunahme mit dem Enhancement der Darmwand. Mit Ausnahme des Grades 2 steigt das Enhancement im Mittel mit der der SI-Zunahme stetig an: Grad 0 51,28 ± 27,87, Grad 1 31,80 ± 16,03, Grad 2 63,10 ± 23,26, Grad 3 73,25 ± 32,26 und Grad 4 75,42 ± 24,43. Die Unterschiede sind signifikant mit p < 0,0001.

4.7 Validierung des enteralen Kontrastmittels

Im Abschnitt 4.4.3 wurde gezeigt, daß es einen Zusammenhang zwischen dem auf visuellen Auswertekriterien basierenden MR-Aktivitätsindex und der klinischen Entzündungsaktivität von CAI und CDAI gibt. Im folgenden soll untersucht werden, ob die enterale Kontrastierung Einfluß auf die visuelle Einschätzung der Entzündungsaktivität hat.

Wie bereits oben beschrieben, wurde der MRAI in drei Entzündungsgruppen zusammengefaßt. Anschließend wurden die Fälle danach getrennt, ob eine enterale Kontrastierung durchgeführt wurde und mit ihrer jeweiligen klinischen Entzündungsaktivität verglichen (Abbildung 35).

Auf der Abszisse des Diagramms sind CAI/CDAI in ihrer jeweiligen Ausprägung aufgetragen. Auf der Ordinate ist der prozentuale Anteil der Aktivitätsgrade des MRAI für die jeweilige Entzündungsausprägung der klinischen Aktivität dargestellt. Während im Hintergrund die Fälle ohne enterale Kontrastierung aufgetragen sind, werden vorn diejenigen dargestellt, die oral oder oral und rektal Endoskopielösung erhalten haben.

Es ist erkennbar, daß bei den enteral aufgefüllten Fällen für alle drei Gruppen eine deutlich bessere Übereinstimmung zwischen MRAI und CAI/CDAI besteht, als bei den nicht [Seite 63↓]vorbereiteten Patienten. Diese Übereinstimmung beträgt bei den vorbereiteten Patienten je nach Entzündungsgrad 70 bis 75%. In der Gruppe ohne Kontrastmittel ist die größte Übereinstimmung mit 50% bei niedriger klinischer Aktivität zu erkennen.

Im Chi-Quadrat-Test konnte ein signifikanter Unterschied in der Verteilung der Fälle mit enteraler Kontrastierung auf die jeweiligen Gruppen nachgewiesen werden (p < 0,0001). Hingegen ist ein signifikanter Unterschied in der Verteilung zwischen den einzelnen Gruppen bei den Patienten ohne Vorbereitung nicht festzustellen.

Abbildung 35: Vergleich des MRAI mit CAI/CDAI. Auf der Abszisse sind die Ausprägungen von CAI/CDAI aufgetragen, auf der Ordinate die prozentuelle Übereinstimmung mit dem MRAI. Während im Hintergrund die Fälle ohne enterale Kontrastierung dargestellt sind, sind vorn die Fälle mit oraler bzw. oraler und rektaler Kontrastierung aufgeführt. In Klammern sind die jeweiligen Fallzahlen angegeben. Die Unterschiede in der Gruppe mit enteraler Kontrastierung sind signifikant mit p < 0,0001.

In einem Post-hoc-Test wurde der Zusammenhang zwischen der mit Hilfe des MR bestimmten Entzündungsaktivität und der klinischen Aktivität in Abhängigkeit von der enteralen Kontrastierung untersucht. Während ohne enterale Kontrastierung kein Zusammenhang nachweisbar ist (Eta = 0,01), beträgt das Zusammenhangsmaß Eta in der Gruppe mit Kontrastmittelauffüllung 0,76 bei einer Signifikanz von p < 0,0001. Betrachtet man den Zusammenhang zwischen MRAI und CAI/CDAI für alle Patienten unabhängig von der enteralen Auffüllung, beträgt Eta = 0,43 (p = 0,002).


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Tabelle 12: Vergleich zwischen dem MRAI und CAI/CDAI in Abhängigkeit von der enteralen Kontrastierung. Die Verteilung der Fälle wurde mit dem Chi-Quadrat-Test auf ihre statistische Signifikanz überprüft.

Vergleich des MRAI mit CAI und CDAI in Abhängigkeit von der enteralen Kontrastierung

 

MRAI vs. CAI/CDAI

mit und ohne KM

MRAI vs. CAI/CDAI

mit enteralem KM

MRAI vs. CDAI/CDAI

ohne enterales KM

Zusammenhangsmaß (Eta)

0,43

0,76

0,01

Signifikanz (p)

0,002

< 0,0001

nicht signifikant

Besondere Aufmerksamkeit bei der visuellen Auswertung galt den T1-gewichteten Bildern der Dynamiksequenz. Neben den für die Bestimmung der Entzündungsparameter wichtigen Befunden wie Darmwanddicke, Signalintensität und Komplikationen, interessiert hier besonders, ob es Unterschiede in der Bewertung der die Bildqualität betreffenden Auswertekriterien in Abhängigkeit von der oralen und rektalen Kontrastierung gibt.

Deshalb werden nun die Kriterien Distension, Abgrenzbarkeit Lumen – Darmwand, Abgrenzbarkeit Darmwand – Mesenterium und Homogenität des Darmes in den T1-post-KM-Bildern der Dynamik-Sequenzen untersucht.

Hierbei wird die Anzahl der Fälle, in denen eine bestimmte Ausprägung des jeweiligen Merkmals auftritt (0 bis 5) in Beziehung zur Wahl des enteralen Kontrastmittels (kein enterales KM, nur orales KM, orales und rektales KM) aufgetragen.

Abbildung 36 zeigt, wie häufig die einzelnen Bewertungen für die Darmfüllung, die Distension, in Abhängigkeit vom enteralen Kontrastmittel vergeben wurden. Es ist deutlich erkennbar, daß in der Gruppe ohne jede enterale Kontrastierung die mittleren Werte überwiegen, während sie in der Gruppe mit oraler und rektaler Kontrastierung zu den hohen Werten verschoben sind. Das wird auch durch die Angabe der arithmetischen Mittelwerte unterstrichen. Diese betragen für die Gruppe ohne Auffüllung 3,1 ± 1,0 und mit Auffüllung 4,7 ± 0,5.


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Abbildung 36: Visuelle Bewertung der Distension in Abhängigkeit von der enteralen Kontrastmittelgabe. Während auf der Abszisse die Ausprägungsgrade der Distension für die 3 Gruppen der enteralen Kontrastierung aufgetragen sind, läßt sich auf der Ordinate die Anzahl der Fälle für jede Gruppe ablesen. Der Richtungswert Eta für den Vergleich zwischen der ersten Gruppe (ohne KM) und der dritten Gruppe (orales und rektales KM) beträgt 0,712.

Mit Hilfe des Richtungsmaßes Eta wird angegeben, wie stark der Zusammenhang der einen Variable, hier die Distension, von der anderen, der enteralen Kontrastierung, ist. Eta beträgt im vorliegenden Fall 0,72. Das Ergebnis ist signifikant mit p < 0,0001.

Die Boxplots der Abbildung 37 geben Signaldifferenzen zwischen Darmwand und Darmlumen in den T1-post-KM-Sequenzen in Abhängigkeit vom enteralen Kontrastmittel an.

Bei den Patienten mit oraler und rektaler Auffüllung des Darmes sind die Signaldiffenzen zwischen Darmwand und Darmlumen größer als ohne Kontrastierung. Die faktorielle Varianzanalyse (ANOVA) hat ergeben, daß die Unterschiede zwischen beiden Gruppen signifikant sind (p= 0,018).


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Abbildung 37: Signaldifferenzen zwischen Darmwand und Darmlumen in Abhängigkeit von der enteralen Kontrastierung. Ausgewertet wurden die T1-post-KM Bilder der Dynamiksequenzen. Die Signaldifferenzen der Darmwände zum Lumen bei Patienten mit oralem und rektalem Kontrastmittel ist signifikant höher als ohne Vorbereitung des Darmes (p = 0,018).

Im nächsten Diagramm (Abbildung 38) ist die Bewertung der Abgrenzbarkeit zwischen Lumen und Darmwand aufgetragen.

Abbildung 38: Visuelle Bewertung der Abgrenzbarkeit zwischen Lumen und Darmwand in Abhängigkeit vom enteralen Kontrastmittel. Das Richtungsmaß Eta beträgt zwischen der ersten (ohne enterales Kontrastmittel) und der dritten Gruppe (orales und rektales Kontrastmittel) 0,63.


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Es ist erkennbar, daß die Patienten mit oraler und rektaler Auffüllung des Darmes eine deutlich höhere Bewertung für die Abgrenzbarkeit erhalten haben. Die Mittelwerte betragen 2,6 ± 1,1 für die Patientengruppe ohne enterales Kontrastmittel und 4,1 ± 0,9 für die Gruppe mit oraler und rektaler Kontrastierung. Das Richtungsmaß Eta zwischen beiden Gruppen ist mit 0,63 angegeben (p < 0,0001).

Stellt man die visuelle Bewertung der Homogenität des Darmes in Abhängigkeit von der Kontrastierung dar, ergibt sich Abbildung 39.

Wiederum ist die Bewertung für die Gruppe mit oraler und rektaler Auffüllung im Schnitt größer, als ohne Kontrastierung. Die Mittelwerte betragen 2,5 ± 1,1 ohne und 3,5 ± 1,0 mit oraler und rektaler Auffüllung.bei einem Richtungsmaß Eta von 0,44 und einer Signifikanz von p = 0,004.

Abbildung 39: Visuelle Bewertung der Homogenität in Abhängigkeit vom enteralen Kontrastmittel. Das Richtungsmaß Eta zwischen der ersten (ohne enterales KM) und der dritten (mit oralem und rektalem KM) Gruppe beträgt 0,44.

Abbildung 40 läßt die Bewertung der Abgrenzbarkeit zwischen Darmwand und Mesenterium erkennen. Im Mittelwertvergleich ist auch für dieses Kriterium ein Vorteil für die Gruppe mit oraler und rektaler Kontrastierung ( 3,0 ± 1,0) im Gegensatz zur unvorbereiteten Patientengruppe (3,7 ± 0,9) zu erkennen. Das Richtungsmaß Eta zwischen beiden Gruppen beträgt 0,465 (p < 0,0001).


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Abbildung 40: Visuelle Bewertung der Abgrenzbarkeit zwischen Darmwand und Mesenterium in Abhängigkeit vom enteralen Kontrastmittel. In der Gruppe mit oralem und rektalem Kontrastmittel ist eine Verschiebung zu höherer Bewertung zu erkennen. Das Richtungsmaß Eta beträgt 0,465.

Während die Gruppen ohne enterale Kontrastmittelgabe sowie mit oraler und rektaler Auffüllung zwei homogene Patientkollektive darstellen (30 bzw 27 Untersuchte), ist die Gruppe mit oraler Kontrastierung mit lediglich 8 Patienten zu klein, um eine sinnvolle Aussage über die Abhängigkeit der verschiedenen Merkmale allein von der oralen Auffüllung zu treffen.


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13.05.2005