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3  Anliegen und Ziel der Arbeit

Feten mit IUGR und auffälligen Doppler-Parametern – wie eine enddiastolisch fehlende oder rückwärts gerichtete Strömung (ARED-Flow) in der Umbilikalarterie – sind seit längerem als Risikokollektiv bekannt. Demgegenüber weisen die in der Literatur vorliegenden Verlaufsbeobachtungen bzw. Studien zur Prognoseeinschätzung sehr heterogene Untersuchungsmethoden, -kollektive und -parameter auf, die eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschweren: Einige Studien betrachten Feten mit nachgewiesenem ARED-Flow, differenzieren jedoch nicht zwischen der Ätiopathiogenese desselben (plazentare Perfusionsstörung versus fetale Malformation). Einige ältere Studien richten ihre Aufmerksamkeit einzig auf einen eventuellen ARED-Flow in der A. umbilicalis ohne auch Dopplerbefunde weiterer fetaler Gefäße zu erheben. Diese Studien betrachten häufig nur das fetal outcome unmittelbar postnatal. Weitere Studien über die Mortalität und Kurz- und Langzeitmorbidität von IUGR-Feten wiederum beziehen Dopplerbefunde per se nicht in das Studiendesign mit ein.

In der hier beschriebenen prospektiven Studie wurden bei 60 Schwangerschaften mit ARED-Flow in der A. umbilicalis auch die Dopplerbefunde der fetalen A. cerebri media, der fetalen Aorta, des Ductus venosus sowie der maternalen Aa. u terinae mit einbezogen.

Um die Prognose dieser Schwangerschaften nach Erreichen der theoretischen Lebensfähigkeit mit 24/0 SSW besser einschätzen zu können, wurden zunächst der Zeitpunkt der Erstdiagnose des ARED-Flow und die Dauer der Schwangerschaften nach der Erstdiagnose bis zum Entbindungszeitpunkt ermittelt. Ein besonderes Augenmerk wurde hierbei auf eventuelle zeitliche Unterschiede zwischen den Schwangerschaften mit und denen ohne Präeklampsie bzw. hypertensiver Schwangerschaftserkrankung gelegt.

Zur Beurteilung des fetal outcome wurden die Mortalität in einem Beobachtungszeitraum bis zu 14 Monaten postnatal und bei den lebendgeborenen Feten Parameter der postnatalen Morbidität bzw. der Kurzzeitmorbidität bis zur Entlassung aus der neonatologischen Klinik erfasst.

Der Auswertung lagen die beiden folgenden Ausgangshypothesen zugrunde:

Hypothese 1: Schwangerschaften mit ARED-Flow, die aus mütterlicher Indikation wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom beendet werden müssen, haben eine geringere Dauer vom Zeitpunkt der Erstdiagnose des ARED-Flow bis zum Entbindungszeitpunkt als [Seite 31↓]Schwangerschaften, die aus kindlicher Indikation wegen Verschlechterung der Dopplerbefunde und/oder pathologischem CTG beendet werden müssen.

Hypothese 2: Das fetal outcome von Feten mit ARED-Flow unterscheidet sich vom fetal outcome von Feten einer nach Schwangerschaftswochen gematchten Kontrollgruppe normgewichtiger Frühgeborenen.

Zur Überprüfung von Hypothese 1 wurde bei den 44 lebendgeborenen Feten die Wahrscheinlichkeit der Schwangerschaftsverlängerung nach dem Zeitpunkt der Erstdiagnose eines ARED-Flow zwischen den Schwangerschaften, die aus mütterlicher Indikation wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom und denen, die aus kindlicher Indikation beendet wurden, verglichen. Zur Überprüfung von Hypothese 2 wurden die Ergebnisse der Untersuchungen hinsichtlich der Mortalität und der Morbidität der lebendgeborenen Feten denen einer nach Schwangerschaftswochen gematchten Kontrollgruppe von normgewichtigen Frühgeborenen gegenübergestellt.


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12.05.2004