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5  Ergebnisse

Die vorliegende Arbeit enthält die Analyse von 60 Schwangerschaften mit Vorkommen von ARED-Flow in der A. umbilicalis, die im Zeitraum vom 01.01.1995 bis 31.12.1999 in der Abteilung Pränatale Diagnostik und Therapie der Universitätsfrauenklinik der Charité im Rahmen einer prospektiven Studie konsekutiv untersucht wurden. Der früheste Zeitpunkt der Diagnose eines ARED-Flow lag gemäß der Einschlusskriterien bei 24/0 SSW, der zum spätesten Zeitpunkt erstdiagnostizierte bei 34/0 SSW. Bei den 60 untersuchten Schwangerschaften lag der Mittelwert bei 28/0 SSW.

Abb. 21: Zeitpunkt der sonographischen Diagnosestellung eines ARED-Flow in der A. umbilicalis in Schwangerschaftswochen bei 60 untersuchten Feten (n = Anzahl der Feten)

5.1 Ergebnisse der Doppleruntersuchungen in den einzelnen Gefäßen

5.1.1 Arteria umbilicalis

Von den 60 Feten, bei denen ein ARED-Flow diagnostiziert wurde, konnte bei der Erstuntersuchung bei 30 (50%) und bei der letzten Untersuchung bei 41 (68%) ein Reverse-Flow (REDV)nachgewiesen werden.


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5.1.2  Aorta

Die fetale Aorta wurde in 56 Fällen untersucht, davon trat ein ARED-Flow (pathologischer Flow) bei 53 der Schwangerschaften auch in der fetalen Aorta auf. In den 3 anderen Fällen wurde ein pathologisch erhöhter Widerstand (= prä-pathologischer Flow bei erhöhten Widerstandsindices mit positivem enddiastolischen Flow) in der Aorta festgestellt.

Abb. 22: Dopplerbefunde der A. umbilicalis bei 60 untersuchten Feten und der Aorta bei 56 untersuchten Feten mit ARED-Flow in der A. umbilicalis zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung vor der Schwangerschaftsbeendigung/Entbindung (pathologisch erhöhter Widerstand = präpathologischer Flow bei erhöhten Widerstandsindices mit positivem enddiastolischen Flow; AEDV = Zero-Flow; REDV = Reverse-Flow)

5.1.3 Arteria cerebri media

Die bei 58 Schwangeren durchgeführte Messung der fetalen Arteria cerebri media ergab in 50 Fällen einen Widerstandsabfall als Zeichen der Kreislaufzentralisation. Bei 2 Feten (3%) konnte ein Normalbefund nachgewiesen werden. In 6 (10%) von 58 Fällen stellte man nach einem Abfall einen erneuten Anstieg des Widerstandes in der A. cerebri media fest, der als Zeichen der finalen Dekompensation wegen der hypoxiebedingten kardialen Insuffizienz mit nachfolgendem Blutdruckabfall und Zusammenbruch der cerebralen Autoregulation interpretiert worden ist. Wir konnten dieses Phänomen nur bei Vorkommen von Reverse-Flow in der A. umbilicalis beobachten. In 2 Fällen endeten diese Schwangerschaften mit intrauterinem Fruchttod, in 1 Fall mit einer vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung wegen zweifelhafter Prognose und in 3 Fällen kam es zu Lebendgeburten durch Sectio, von denen 1 Kind am 8. Lebenstag verstarb (siehe Fallbeschreibung Fall 4). Die beiden überlebenden Kinder entwickelten sich bis zur [Seite 41↓]Entlassung aus der neonatologischen Klinik unauffällig.

Abb. 23: Dopplerbefund der Arteria cerebri media bei 58 untersuchten Feten mit ARED-Flow in der A. umbilicalis

Obwohl die Studie nicht als longitudinale Studie angelegt war, wurde das Vorkommen und der Zeitpunkt des Auftretens der Kreislaufzentralisation verfolgt. In 40 Fällen (70%) lag dieser Befund bereits bei der ersten Doppleruntersuchung in Kombination mit dem ARED-Flow vor, so dass zu dem Zeitpunkt des Erstauftretens der Kreislaufzentralisation keine Angaben gemacht werden können. Von den übrigen Fällen war bei 7 (12%) Feten eine Widerstandsabnahme in der A. cerebri media vor Auftreten eines ARED-Flow zu beobachten. In 4 Fällen (7%) lag ein ARED-Flow vor der Entwicklung einer Kreislaufzentralisation vor, in 5 Fällen (9%) lag die Kreislaufzentralisation zeitgleich mit dem Auftreten eines ARED-Flow vor.

5.1.4 Ductus venosus

Bei 55 der 60 Schwangerschaften wurde der Ductus venosus untersucht. Ein pathologischer Dopplerbefund des Ductus venosus lag in 28 Fällen (51%) vor. Ein Reverse-Flow im Ductus venosus fand sich dabei 13mal (24%), davon 12mal bei Vorhandensein eines Reverse-Flow und 1mal bei Zero-Flow in der A. umbilicalis. Ein Nullfluss im Ductus venosus zeigte sich 4mal (7%) bei Reverse-Flow in der Umbilikalarterie. 11mal (20%) trat ein pathologischer Fluss mit [Seite 42↓]erhöhtem Widerstand bei positiver A-Welle auf, davon 8mal bei Reverse-Flow und 3mal bei Zero-Flow in der A. umbilicalis. In 27 Fällen (49%) war der Dopplerbefund des Ductus venosus normal, davon bei 15 Schwangerschaften mit Reverse-Flow und bei 12 Schwangerschaften mit Zero-Flow in der Umbilikalarterie.

Abb. 24: Dopplerbefunde im Ductus venosus bei 55 untersuchten Feten mit ARED-Flow in der A. umbilicalis

13 (81%) der 16 intrauterin verstorbenen Feten hatten einen pathologischen Befund des Ductus venosus. Von den 44 lebendgeborenen Feten wurde bei 42 der Ductus venosus untersucht, der in 18 Fällen (43%) einen pathologischen Befund aufwies. Davon lag bei 7 Feten (17%) ein Reverse-Flow und bei 11 (26%) ein pathologisch erhöhter Widerstand mit positiver A-Welle im Ductus venosus vor. Ein erster Reverse-Flow im Ductus venosus ließ sich bei diesen Schwangerschaften erstmals 7 Tage vor der Entbindung nachweisen. 4 (22%) der 18 lebendgeborenen Feten mit pathologischem Ductus venosus-Befund verstarben post partum.

5.1.5 Vena umbilicalis

Im Falle eines normalen Dopplerbefundes im Ductus venosus wurde die Vena umbilicalis nicht untersucht. Bei pathologischen Ductus venosus-Befunden wurde auf Pulsationen in der V.[Seite 43↓]umbilicalis geachtet.Von 11 Feten mit pathologisch erhöhtem Widerstandmit positiver A-Welle im Ductus venosus traten bei 6Feten Pulsationen in der V.umbilicalis auf,bei 2Feten lag ein unauffälliger Befundvor und bei 3 Feten wurde keine Registrierung der V. umbilicalis vorgenommen. Bei den 4 Feten mit Nullfluss im Ductus venosus zeigten sich 2mal Pulsationen in der V. umbilicalis. Bei den anderen beidenFeten wurde kein Befund der V. umbilicalis erhoben. In 9 der 13 Fälle mit Reverse-Flow im Ductus venosus ließen sich Pulsationen in der V. umbilicalisnachweisen, die 4 übrigen Schwangerschaften wurden diesbezüglich nicht untersucht.

5.1.6 Arteria uterina

Von den 58 Schwangeren, bei denen Messungen in den Uteringefäßen durchgeführt wurden, wiesen 42 (73%) eine postsystolische Inzisur (Notch) in beiden Arterien und 7 (12%) in einer Arteria uterina auf. In 7 Fällen (12%) konnten pathologische Pulsatilitäts-Indices ohne Notch erhoben werden. Bei 2 Schwangerschaften (3%) zeigte die A. uterina einen Normalbefund, obwohl in beiden Fällen jeweils ein Reverse-Flow in der A. umbilicalis, in der Aorta und im Ductus venosus, positive Pulsationen in der V. umbilicalis und eine Kreislaufzentralisation vorlagen.

Abb. 25: Dopplerbefund der Arteriae uterinae bei 58 Schwangeren, bei denen ein ARED-Flow diagnostiziert wurde


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In der Patientinnengruppe mit beidseitigem Notch der A. uterina entwickelten 18 (43%) von 42 Schwangeren eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung, die in 10 Fällen in eine schwere Präeklampsie und in 4 Fällen in ein HELLP-Syndrom überging und jeweils zur Entbindung oder zur vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung führte. Bei einer Patientin ohne Notch, aber mit pathologischem Pulsatilitäts-Index der A. uterina musste ebenfalls eine Sectio wegen eines HELLP-Syndroms durchgeführt werden. In einem weiteren Fall, bei dem kein Befund der A. uterina vorlag, kam es zu einer Sectio wegen Präeklampsie. Bei einer Schwangeren mit einseitigem Notch trat eine milde Form der Präeklampsie auf, die für die Beendigung der Schwangerschaft ohne Konsequenz war.

5.2 Ergebnisse weiterer sonographischer Befunde

5.2.1 Fruchtwassermenge

Die Fruchtwassermenge wurde bei allen 60 untersuchten Schwangerschaften im Verlauf beurteilt. Ausgewertet wurde die von allen Untersuchungen geringste angegebene Menge. In 13 Fällen (22%) lag ein Anhydramnion und in 27 Fällen (45%) ein Oligohydramnion vor. Bei 8 Schwangerschaften (13%) befand sich die Fruchtwassermenge im Bereich der unteren Norm und bei 12 Schwangerschaften (20%) war sie normal.

Abb. 26: Sonographischer Befund der Untersuchung der Fruchtwassermenge bei 60 Schwangerschaften mit ARED-Flow


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5.2.2  Echogener Darm

Bei 26 der 60 untersuchten Schwangerschaften (43%) wurden hyperechogene (= echogene) Darmschlingen diagnostiziert. Die Echogenität des Darms wurde als Ausdruck der möglichen intrauterinen Hypoxie interpretiert.

Abb. 27: Sonographische Beurteilung der Echogenität der fetalen Darmschlingen bei 60 untersuchten Feten mit ARED-Flow

5.3 Schwangerschaftsverlauf und fetal outcome

5.3.1 Fetal outcome und Mortalität der 60 Feten mit ARED-Flow

Von allen 60 untersuchten Feten ist das fetal outcome bekannt. Generell wurde die Indikation zur Schwangerschaftsbeendigung individuell nach Beratung der Eltern im perinatologischen Team anhand des Gestationsalters, des Schweregrades der Wachstumsretardierung und der Dopplerbefunde festgelegt. In 9 Fällen (15%) mit hochgradiger Wachstumsretardierung, hochpathologischen Dopplerwerten und extrem niedrigem Geburtsgewicht entschieden sich die Eltern für eine Beendigung der Schwangerschaft ohne Einsatz für den Feten. 4 dieser Schwangerschaften mussten zusätzlich aus mütterlicher Indikation wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom vorzeitig beendet werden. In 5 Fällen lehnten die Eltern eine operative Intervention bei zweifelhafter Prognose des Neugeborenen ab und nahmen den Tod des Feten in Kauf. In 2 Fällen kam es trotz des Einsatzes der Überwachungsmethoden zum intrauterinen Tod des Feten.


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Von den 60 Schwangerschaften mit ARED-Flow wurden 44 – das sind 73% der Fälle – mit allem Einsatz für den Feten beendet. Diese Feten wurden lebend durch Primäre Sectio geboren. 7 der 60 Neugeborenen (12%) verstarben postnatal in einem Beobachtungszeitraum bis zu14 Monaten (siehe Fallbeschreibungen); bis dahin überlebten 37 Frühgeborene (62%).

Abb. 28: Mortalität der 60 Feten mit ARED-Flow in einem Beobachtungszeitraum bis zu14 Monaten postnatal

Insgesamt verstarben 23 der 60 Feten mit ARED-Flow, die Mortalität bis zu einem Beobachtungszeitraum von 14 Monaten postnatal beträgt damit 38%. Die perinatale Mortalität nach der WHO-Definition, die nur die Anzahl der totgeborenen Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht ab 500g und die bis zum 7. Lebenstag verstorbenen Neugeborenen mit einschließt, ist mit 10% (6 von 60 Kindern) sehr viel niedriger. Die Diskrepanz kommt dadurch zustande, dass bei 7 der 9 Schwangerschaftsbeendigungen und bei 4 der 5 intrauterin verstorbenen Feten das Geburtsgewicht weniger als 500g betrug und von den 7 postnatal verstorbenen Frühgeborenen nur 1 innerhalb der ersten 7 Lebenstage verstarb.

5.3.2 Vergleich der Mortalität zwischen Feten mit Zero-Flow und Feten mit Reverse-Flow in der A. umbilicalis

Feten, bei denen ein Reverse-Flow in der A. umbilicalis vorlag, hatten im Beobachtungszeitraum bis zu 14 Monaten postnatal eine höhere Mortalitätsrate als Feten mit einem Zero-Flow. Die Mortalität in der Reverse-Flow-Gruppe lag bei 49% (20 von 41 Feten) und in der Zero-Flow-[Seite 47↓]Gruppe bei 16% (3 von 19 Feten). Dieser Unterschied ist mit p = 0,02 nach dem exakten Test nach Fisher statistisch signifikant.

5.3.3 Zeitintervall von der Erstdiagnose eines ARED-Flow bis zum Auftreten eines pathologischen CTG

In den Fällen, in denen ein CTG abgeleitet wurde, lag das Zeitintervall von der Erstdiagnose eines ARED-Flow bis zum Auftreten eines pathologischen CTG zwischen 0 und 16 Tagen.

5.3.4 Indikationen zur Entbindung bzw. zur vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung bei 60 Schwangerschaften mit ARED-Flow

41 der 60 Schwangerschaften (68%) wurden wegen Verschlechterung der Dopplerbefunde und/oder pathologischem CTG beendet, 17 (28%) aus mütterlicher Indikation bei Auftreten einer Präeklampsie oder eines HELLP-Syndroms. In einem Fall wurde die Primäre Sectio wegen vorzeitigem Blasensprung und Beckenendlage bei beginnendem Amnioninfektionssyndrom mit 28 SSW durchgeführt, in einem weiteren Fall wegen einer vorzeitigen Plazentalösung mit 28 SSW.

Abb. 29: Indikationen zur Entbindung bzw. zur vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung bei den 60 Feten mit ARED-Flow


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5.3.5  Vorkommen von Präeklampsie, HELLP-Syndrom und hypertensiver Schwangerschaftserkrankung bei 60 Schwangerschaften mit ARED-Flow

Insgesamt kam es bei 21 (35%) der 60 Schwangerschaften mit ARED-Flow in der fetalen A. umbilicalis entweder zu einer Entwicklung einer Präeklampsie, eines HELLP-Syndroms oder einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung. Eine Präeklampsie trat bei 12 (20%) Schwangerschaften, ein HELLP-Syndrom in 5 Fällen (8%) und eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung in 4 Fällen (7%) auf. Bei den übrigen 39 (65%) ergab sich bis zum Entbindungszeitpunkt kein Anhalt für die Manifestation dieser Erkrankungen (Normalbefund).

Abb. 30: Auftreten von hypertensiver Schwangerschaftserkrankung, Präeklampsie oder HELLP-Syndrom bei 60 Schwangerschaften mit ARED-Flow in der fetalen A. umbilicalis

5.3.6 Geburtsgewichte der 60 Feten mit ARED-Flow

Abb. 31 gibt das Geburtsgewicht der 60 Feten mit ARED-Flow anhand der Percentilkurve des Geburtsgewichtes für Knaben nach Voigt und Schneider wieder. 40 der 60 Feten mit ARED-Flow (67%) lagen mit ihrem Geburtsgewicht unterhalb der 3. Percentile, 12 unterhalb der 10. Percentile (20%) und 8 unterhalb der 25. Percentile (13%). 22 der 23 verstorbenen Feten hatten ein Geburtsgewicht unterhalb der 3. Percentile, 1 postnatal verstorbenes Neugeborenes lag mit seinem Geburtsgewicht (siehe unter Fallbeschreibungen, Fall 4) unterhalb der 25. Percentile.


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Abb. 31: Geburtsgewichte der 60 Feten ARED-Flow im Vergleich zur Percentilkurve des Geburtsgewichtes für Knaben nach M. Voigt und K.T.M. Schneider

5.4 Untersuchungsgruppen nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter der 60 Feten mit ARED-Flow

Die 60 Feten mit ARED-Flow wurden zur differenzierten Beschreibung der Ergebnisse des fetal outcome nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter in drei Gruppen unterteilt (nGesamt = 60):

Gruppe A

24/0 – 28/6 SSW

n = 23

Gruppe B

29/0 – 31/6 SSW

n = 23

Gruppe C

> 32/0 SSW

n = 14

5.4.1 Geburtsgewicht nach Untersuchungsgruppen

Das Geburtsgewicht war entsprechend dem Schwangerschaftsalter bei der Entbindung am niedrigsten in der Gruppe A (Mittelwert: 617g), gefolgt von Gruppe B (Mittelwert: 896g) und [Seite 50↓]Gruppe C (Mittelwert: 1134g) (Gesamtmittelwert: 785g (250-1455g)):

Gruppe A 24/0 – 28/6 SSW

(n = 23) Mittelwert

617g (250g – 1100g)

Gruppe B 29/0 – 31/6 SSW

(n = 23) Mittelwert

896g (520g – 1180g)

Gruppe C > 32/0 SSW

(n = 14) Mittelwert

1134g (600g – 1455g)

5.4.2 Intrauteriner Fruchttod oder vorzeitige Schwangerschaftsbeendigung bei 60 Feten mit ARED-Flow

Von den 23 Feten mit ARED-Flow in der Gruppe A verstarben 12 von 23 (52%) pränatal, in der Gruppe B 3 von 23 (13%) und in der Gruppe C 1 von 14 (7%).

 

nGesamt

Pränatal verstorben

Gruppe A 24/0 – 28/6 SSW

(n = 23)

n = 12 (52%)

Gruppe B 29/0 – 31/6 SSW

(n = 23)

n = 3 (13%)

Gruppe C > 32/0 SSW

(n = 14)

n = 1 (7%)

Abb. 32 stellt die prä- und postnatale Mortalität der in Gruppen nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter unterteilten 60 Feten mit ARED-Flow im Beobachtungszeitraum bis zu 14 Monaten postnatal dar. In der Gruppe A mit einem Schwangerschaftsalter zwischen 24/0 und 28/6 SSW verstarben insgesamt 16 von 23 Feten (70%), in der Gruppe B mit einem Schwangerschaftsalter zwischen 29/0 und 31/6 SSW verstarben 5 von 23 Feten (22%) und in der Gruppe C ab 32/0 SSW 2 von 14 Feten (14%). Die Mortalität ist in der Gruppe A mit 70% gegenüber den anderen beiden Gruppen deutlich erhöht.


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Abb. 32: Mortalität in Gruppen nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter bei 60 Feten mit ARED-Flow

5.5 Schwangerschaftsverlauf und Sectioindikationen bei 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow

5.5.1 Zeitlicher Schwangerschaftsverlauf der 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow

Aus Gründen des perinatalen Managements untersuchten wir die Schwangerschaftsdauer nach Diagnosestellung eines ARED-Flow. Einbezogen in diese Untersuchung wurden nur die Schwangerschaften der 44 lebendgeborenen Feten. Abb. 33 zeigt, dass bereits nach 6 Tagen nach Erstdiagnose eines ARED-Flow 50 % aller Schwangerschaften beendet wurden. Die längste Schwangerschaftsdauer nach Diagnosestellung betrug 68 Tage, die kürzeste 0 Tage.


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Abb. 33: Wahrscheinlichkeit der Schwangerschaftsverlängerung nach dem Zeitpunkt der Erstdiagnose eines ARED-Flow bei 44 lebendgeborenen Feten

5.5.2 Schwangerschaftsdauer nach Erstdiagnose eines ARED-Flow in Abhängigkeit von der Sectioindikation bei 44 lebendgeborenen Feten

Nachfolgend wurde die Frage untersucht, ob es einen Unterschied bezüglich der Schwangerschaftsdauer nach Erstdiagnose eines ARED-Flow zwischen den Schwangerschaften gibt, die aus mütterlicher und denen, die aus kindlicher Indikation beendet werden mussten. Einbezogen in diese Untersuchung wurden nur die 44 Schwangerschaften, die mit vollem Einsatz für den Feten durch primäre Sectio beendet wurden.


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Abb. 34: Dauer der Schwangerschaften ab dem Zeitpunkt der Diagnose eines ARED-Flow in der A. umbilicalis bei 44 lebendgeborenen Feten mit Angabe der abgeschlossenen Schwangerschaftswochen bei der Entbindung; mit gelb sind die Schwangerschaften gekennzeichnet, die aus mütterlicher Indikation wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom beendet werden mussten

Bezüglich der Dauer der Schwangerschaft (in Tagen) vom Zeitpunkt der Erstdiagnose des ARED-Flow bis zum Entbindungszeitpunkt zeigte sich, dass in der Gruppe der Schwangerschaften, die aus mütterlicher Indikation wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom beendet werden mussten, 4 Tage nach Diagnosestellung eines ARED-Flow bereits 50% beendet worden waren. In der Gruppe der Schwangerschaften, die aus kindlicher Indikation wegen Verschlechterung der Dopplerbefunde und/oder pathologischem CTG beendet werden mussten, war dies erst nach 7 Tagen der Fall.


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Abb. 35: Wahrscheinlichkeit der Schwangerschaftsverlängerung nach dem Zeitpunkt der Erstdiagnose eines ARED-Flow bei 44 lebendgeborenen Feten im Vergleich zwischen Schwangerschaften, die aus mütterlicher Indikation wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom und denen, die aus kindlicher Indikation beendet wurden

5.5.3 Sectioindikationen bei 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow

44 der 60 Feten mit ARED-Flow wurden mit vollem Einsatz lebend und durch primäre Sectio caesarea geboren. Wegen gleichzeitigem Auftreten eines pathologischen Flow (bzw. einer Flowverschlechterung) und eines pathologischen CTG wurde in 12 der 44 Fälle (27%) eine primäre Sectio indiziert. Bei 9 Schwangerschaften (21%) wurde die Sectio allein wegen des pathologischen Flow, bei 8 (18%) wegen eines pathologischen CTG durchgeführt. Wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom mussten 13 der 44 (30%) Schwangerschaften durch Sectio beendet werden. In einem Fall (2%) wurde die Sectio wegen vorzeitigem Blasensprung und Beckenendlage bei beginnendem Amnioninfektionssyndrom mit 28 SSW durchgeführt. Bei einer weiteren Schwangerschaft (2%) kam es mit 28 SSW zu einer vorzeitigen Plazentalösung, die eine Sectio erforderlich machte.


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Abb. 36: Indikationen zur Primären Sectio caesarea bei 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow in der A. umbilicalis

5.6 Vergleich des fetal outcome der in drei Gruppen (A, B und C) nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter unterteilten 44 lebendgeborenen Feten

Die verschiedenen Parameter des fetal outcome der in drei Gruppen (A, B und C) nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter unterteilten 44 lebendgeborenen Feten wurden miteinander verglichen und sind in Tab. 3 dargestellt.


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Tab. 3: Vergleich des fetal outcome der in drei Gruppen (A, B und C) nach dem erreichten Schwangerschaftsalter bei der Entbindung unterteilten 44 lebendgeborenen Feten (Absolute Anzahl der Lebendgeborenen (Prozentualer Anteil an Gesamtzahl in der jeweiligen Gruppe); Stdabw: Standardabweichung

 

Gruppe A
24/0 – 28/6 SSW
(n = 11)= 100%

Gruppe B

29/0 – 31/6 SSW

(n = 20)= 100%

Gruppe C

≥ 32/0 SSW

(n = 13) = 100%

Gesamt

(n = 44) = 100%

p

Mortalität

4 (36,4%)

2 (10,0%)

1 (7,7%)

7 (15,9%)

n. s. °, p = 0,09

pH

Mittelwert ± Stdabw

**(n = 10)

7,18 ± 0,16

**(n = 19)

7,25 ± 0,07

7,27 ± 0,05

7,24 ± 0,10

n. s. °°,

p = 0,36

Bronchopulmonale Dysplasie

*(n = 8)

2 (25,0%)

5 (25,0%)

1 (7,7%)

(n = 41)

8 (19,5%)

n. s. °, p = 0,43

Beatmungsnotwendigkeit

11 (100%)

12 (60,0%)

3 (23,1%)

26 (59,1%)

p = 0,001 °

Apgarwert nach 5 min

Mittelwert ± Stdabw

7 ± 1

8 ± 1

9 ± 1

8 ± 1

p = 0,003 °°

Apgarwert nach 10 min

Mittelwert ± Stdabw

8 ± 1

9 ± 1

9 ± 1

9 ± 1

p = 0,01 °°

Geburtsgewicht

Mittelwert ± Stdabw

Spannweite

692g ± 174g

445 – 925g

845g ± 193g

520 – 1180g

1152g ± 141g

940 – 1455g

898g ± 246g

445 – 1455g

p < 0,0001 °°

Offener Ductus arteriosus

4 (36,4%)

5 (25,0%)

1 (7,7%)

10 (22,7%)

n. s. °, p = 0,24

Darm-OP wegen Ileus oder Volvulus

1 (9,1%)

2 (10,5%)

1 (7,7%)

4 (9,3%)

n. s. °, p = 0,96

Nekrotisierende Enterocolitis

1 (9,1%)

1 (5,0%)

2 (15,4%)

4 (9,1%)

n. s. °, p = 0,60

Darmkomplikationen

1 (9,1%)

3 (15,0%)

3 (23,1%)

7 (15,9)

n. s. ^, p = 0,76

Periventrikuläre Leukomalazie

4 (36,4%)

0

0

4 (9,1%)

p = 0,002 ^

Atemnotsyndrom

11 (100%)

7 (35,0%)

1 (7,7%)

19 (43,2%)

p < 0,0001°

Peri- und/oder intraventrikuläre Hämorrhagie

3 (27,3%)

3 (15,0%)

1 (7,7%)

7 (15,9%)

n. s. °, p = 0,34

Peri- und/oder intraventrikuläre Hämorrhagie > II. Grades

1 (9,1%)

0

1 (7,7%)

2 (4,6%)

n. s. ^, p = 0,29

Neurologische Auffälligkeiten

8 (72,7%)

9 (45%)

1 (7,7%)

18 (40,9%)

p = 0,005 °

Gruppe A: n =8, da 3 Frühgeborene vor Ablauf von 36 Wochen postmenstruellen Alters verstorben sind
° Chi-Quadrat nach Pearson °° Kruskal-Wallis-Test ^ Exakter Test nach Fisher
** Gruppe A: n=10, da 1 pH-Wert fehlte, Gruppe B: n=19, da 1 pH-Wert fehlte


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Hinsichtlich derMorbidität gibt es beim Vergleich der in drei Gruppen (A, B und C) nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter unterteilten 44 lebendgeborenen Feten signifikante Unterschiede in der Beatmungsnotwendigkeit, bei dem Apgar-Wert nach 5 und nach 10 Minuten, beim Geburtsgewicht, bei der periventrikulären Leukomalazie, beim Atemnotsyndrom und bei den neurologischen Auffälligkeiten zum Zeitpunkt der Entlassung aus der neonatologischen Klinik.

Zwischen 24/0 und 28/6 SSW (Gruppe A) sind alle Neugeborenen beatmungspflichtig, zwischen 29/0 und 31/6 SSW (Gruppe B) sind es 60% der Neugeborenen und ab 32/0 SSW (Gruppe C) nur noch 23%. Der Mittelwert des Apgar-Wertes nach 5 Minuten liegt in Gruppe A mit 7 am niedrigsten, gefolgt von Gruppe B mit 8 und von Gruppe C mit 9. Der Mittelwert nach 10 Minuten nähert sich etwas an: Gruppe A mit 8 und die Gruppen B und C mit jeweils 9. Die Geburtsgewichte in Gruppe A sind niedriger als in Gruppe B und in Gruppe B niedriger als in Gruppe C. Mit zunehmendem Schwangerschaftsalter kommt es immer weniger zur Entwicklung eines Atemnotsyndroms, dieses entwickeln in Gruppe A alle Neugeborenen, in Gruppe B noch 35% und in Gruppe C nur noch 8%. Eine periventrikuläre Leukomalazie kommt nur in Gruppe A bei 36% der Neugeborenen vor. Neurologische Auffälligkeiten, die bis zur Entlassung der Frühgeborenen aus der Klinik für Neonatologie aufgetreten sind – in Form von klinischen Auffälligkeiten wie Krämpfen oder Tonusveränderungen oder in Form von Auffälligkeiten im EEG oder im Schädelsonogramm – liegen in der Gruppe A zu 73%, in Gruppe B zu 45% und in Gruppe C nur noch in 1% der Fälle vor. Diese Unterschiede sind signifikant.

Nicht signifikante Unterschiede zwischen den drei Gruppen bestehen bei folgenden Variablen: postnatale Mortalität, pH-Wert, Vorliegen einer bronchopulmonalen Dysplasie oder eines offenen Ductus arteriosus. Ebenfalls nicht signifikant ist die Anzahl von notwendig gewordenen Darmoperationen wegen eines Ileus oder Volvulus, das Vorkommen einer nekrotisierenden Enterocolitis, einer peri- und/oder intraventrikulären Hämorrhagie und einer intraventrikulären Hämorrhagie > II. Grades.

Die postnatale Mortalität der 44 lebendgeborenen Feten beträgt 16%. Die postnatale Mortalität ist in Gruppe A mit 36% gegenüber den Gruppen B (10%) und C (8%) erhöht. Die pH-Werte liegen bei Gruppe A mit einem Mittelwert von 7,18 am niedrigsten. Bei Gruppe B (7,25) und bei Gruppe C (7,27) nähern sie sich aneinander an und sind deutlich höher als in Gruppe A. Eine bronchopulmonale Dysplasie ist gleich häufig in Gruppe A und B (beide jeweils 25%) vertreten. In Gruppe C kommt sie nur in 8% der Fälle vor. Tendenziell nimmt die Häufigkeit für das [Seite 58↓]Bestehen eines offenen Ductus arteriosus mit dem Schwangerschaftsalter ab: in Gruppe A: 36%, in Gruppe B: 25%, in Gruppe C:8%.

5.7 Fallbeschreibungen

Von den 44 lebendgeborenen Feten verstarben sieben postnatal innerhalb des Beobachtungszeitraumes von 14 Monaten.

5.7.1 Fall 1

Das erste dieser Neugeborenen verstarb am zweiten Lebenstag an den Folgen einer intrauterinen Azidose und einer Hirnblutung IV. Grades. Die Sectio war wegen Flowverschlechterung mit Reverse-Flow im Ductus venosus und wegen pathologischem CTG nach 27 SSW durchgeführt worden, Geburtsgewicht: 520 g, männlich, Apgar:2/7/8, Nabelarterien-pH: 6,94.

Das Neugeborene wurde sofort postnatal intubiert und beatmet, die Azidose durch Pufferung und Beatmung rasch ausgeglichen. Am zweiten Lebenstag kam es zu massiven zerebralen Krämpfen, diedurch eine akute Hirnblutung IV. Grades links mit Entwicklung eines deutlichen Hydrozephalus bedingt waren. Nach zunehmendem Blutdruckabfall bei fehlender Diurese wurden die intensivmedizinischen Maßnahmen wegen der Schwere des Befundes und im Einvernehmen mit den Eltern beendet, so dass das Kind noch am gleichen Tag verstarb.

5.7.2 Fall 2

Das zweite Neugeborene verstarb am 15. Lebenstag an den Folgen einer intrauterinen Azidose. Bereits 7 Tage vor der Entbindung bestand bei schwerer IUGR mit Anhydramnion ein Nullfluss im Ductus venosus. Wegen dringendem Kinderwunsch und bei belasteter Anamnese wünschte die Mutter trotz der schlechten Prognose den vollen Einsatz für den Feten. Daher fiel der Entschluss zur Sectio mit 27 SSW bei hochpathologischen Dopplerwerten mit Zentralisation und Reverse-Flow im Ductus venosus, Geburtsgewicht: 550g, weiblich, Apgar: 2/4/6, Nabelarterien-pH: 6,90.

Es erfolgte die primäre Intubation und Beatmung. Wegen einer Hypotension und nachlassender Urinausscheidung erhielt das Neugeborene eine Adrenalindauerinfusion, deren Beendigung am 8. Lebenstag möglich wurde. Am 12. Lebenstag konnte bei abnehmendem Beatmungsbedarf die [Seite 59↓]Extubation erfolgen. Unter Atemunterstützung mit CPAP war der Allgemeinzustand bis zum 14. Lebenstag stabil. Dann kam es zu einer akuten Verschlechterung des kindlichen Zustandes, zu einem hohen Beatmungsbedarf ohne Besserungstendenz, zu zunehmenden Aszites und schließlich zu einer kaum beherrschbaren Azidose bei wiederholter medikamentöser Puffertherapie sowie zu einem Sistieren der Urinausscheidung mit konsekutiver Hyperkaliämie. Das Neugeborene verstarb nach 15 Lebenstagen in tiefer Azidose (pH 6,8) unter dem klinischen Bild eines septischen Schockgeschehens. Die mikrobiologischen Befunde waren sämtlich ohne Erregernachweis. Eine Obduktion des Kindes wurde von den Eltern abgelehnt.

5.7.3 Fall 3

Ein weiteres Kind verstarb mit sechseinhalb Monaten durch einen nach septischen Schock ausgelösten Myokardinfarkt. Dopplersonographisch lag ein ARED-Flow in der A. umbilicalis und eine Kreislaufzentralisation bei unauffälligem Befund des Ductus venosus vor. Es bestand ein Oligohydramnion, und es waren hyperechogene Darmschlingen sichtbar. Die Sectio wurde wegen schwerer Präeklampsie der Mutter nach 28 SSWindiziert, Geburtsgewicht: 515g, weiblich, Apgar: 7/9/9, Nabelarterien-pH: 7,23.

Das Kind wurde intubiert und beatmet. Am 2. Lebenstag musste eine notfallmäßige Operation wegen Dünndarmvolvulus mit partieller Dünndarmresektion und Stomaanlage durchgeführt werden. Am 8. und am 11. Lebenstag erfolgten weitere Darmoperationen, bei denen jeweils Dünndarmperforationen übernäht wurden. Am 16. Lebenstag traten vorübergehend krampfverdächtige Erscheinungen auf, die medikamentös behandelt wurden. Nach einem Monat konnte die Extubation erfolgen. Im 2. Monat musste erneut eine Re-Laparotomie mit Anlage einer Bischop-Coop´schen Anastomose durchgeführt werden. Das Kind konnte wegen einer Entleerung großer Mengen von Darmsaft über das Stoma nur parenteral ernährt werden. Auch nach der Rückverlagerung des Stomas nach 3 Monaten musste wegen zunehmender Subileusproblematik auf einen Nahrungsaufbau über eine liegende Magensonde verzichtet werden. Wieder musste eine intestinale Revision – diesmal mit Enterostomie, Zökumresektion und Jejunoascendostomie – durchgeführt werden. Nach der Operation stabilisierte sich das Kind. Nach 6 Monaten entwickelte es neben einer zunehmenden Ileussymptomatik eine respiratorische Insuffizienz, weshalb es wieder intubiert werden musste. Röntgenologisch zeigten sich die Zeichen einer bronchopulmonalen Dysplasie. Unter maximaler Unterstützung mit Katecholaminen konnte der Blutdruck nicht stabilisiert werden, so dass das Kind bei [Seite 60↓]Multiorganversagen nach sechseinhalb Monaten verstarb. Die Obduktion ergab als Todesursache einen akuten Myokardinfarkt, der wahrscheinlich im Rahmen eines septischen Schocks entstanden war. Aus Abstrichen von den Nieren und vom zentralen Venenkatheter ließen sich E. coli nachweisen. Als Grunderkrankung zeigten sich eine hypoplastische Hypoganglionose des Dünndarms und eine Hypoplasie der Nervenzellen von Dick- und Dünndarm.

5.7.4 Fall 4

Ein 4. Kind verstarb am 8. Lebenstag an den Folgen eines therapeutisch nicht mehr zu beeinflussenden Multiorganversagens mit Blutungsneigung nach Postasphyxiesyndrom. Dopplersonographisch fand sich ein Reverse-Flow in der A. umbilicalis, eine Kreislaufzentralisation sowie ein pathologisch erhöhter Widerstand im Ductus venosus mit noch positiver A-Welle. Die Sectio erfolgte wegen des pathologischen Flow und wegen CRP-Anstiegs der Mutter nach vorzeitigem Blasensprung nach 28 SSW, Geburtsgewicht: 925g, männlich, Apgar: 3/7/8, Nabelarterien-pH: fehlt.

Bei dem sich anfangs in einem instabilen Zustand mit gemischter Azidose befindenden Neugeborenen kam es durch Pufferung und forcierter Beatmung zu einer Stabilisierung des Allgemeinzustandes. Bereits am 1. Lebenstag fielen eine Blutungsneigung und eine Gerinnungsstörung auf, die trotz Substitution nicht verbessert werden konnten. Bei einem hämodynamisch bedeutsamen offenen Ductus arteriosus mit Links-Rechts-Shunt erfolgte am 5. Lebenstag die operative Ligatur. Am 6. Lebenstag trat eine akute Verschlechterung des Allgemeinzustandes mit akutem Nierenversagen auf. Trotz intensiver Therapie mit Katecholaminen zeigte sich ein kontinuierlicher Blutdruckabfall, so dass das Neugeborene am 8. Lebenstag an den Folgen des therapeutisch nicht mehr zu beeinflussenden Multiorganversagens nach Postasphyxiesyndrom verstarb.

5.7.5 Fall 5

Ein weiteres Kind verstarb mit 14 Monaten an einem akuten Rechtsherzversagen bei schwerer pulmonaler Hypertonie im Rahmen einer bronchopulmonalen Dysplasie. Dopplersonographisch zeigte sich ein Zero-Flow in der A. umbilicalis mit Zentralisation bei unauffälligem Dopplerbefund des Ductus venosus. Die Sectio erfolgte wegen pathologischem CTG nach 29 SSW, Geburtsgewicht: 640 g, männlich, Apgar: 1/4/7 Nabelarterien-pH: fehlt.


[Seite 61↓]

Nach anfänglicher Intubation und Beatmung konnte das Neugeborene am 14. Lebenstag extubiert werden. Radiologisch zeigten sich bereits deutliche Zeichen der BPD. Unter Theophyllingabe traten jedoch bei einem Sauerstoffbedarf von 25% kaum Apnoen auf. Das Kind erhielt eine Dexamethasonkur, nach deren Ablauf nach 2 Monaten ein deutlicher Anstieg des Sauerstoffbedarfs bis 50% notwendig wurde. Die radiologischen Zeichen der BPD waren zunehmend bei beginnender Rechtsherzhypertrophie. Im weiteren Verlauf kam es immer wieder zu Phasen der akuten respiratorischen Insuffizienz, die nur mit zeitweiser Intubation und Beatmung beherrscht werden konnten; dabei war der Verlauf der BPD progredient. Nach 14 Monaten trat wieder eine langsame Zustandsbeeinträchtigung mit Intubations- und Beatmungspflicht bei extremer, anhaltender Tachycardie auf. Das Kind verstarb durch Herzstillstand, der vermutlich durch ein akutes Rechtsherzversagen bei schwerer pulmonaler Hypertonie im Rahmen der BPD bedingt.

5.7.6 Fall 6

Ein 6. Kind ist an den Folgen einer BPD nach einem Jahr postnatal verstorben. Die Sectio erfolgte wegen Flowverschlechterung bei pathologisch erhöhtem Widerstand im Ductus venosus mit noch positiver A-Welle bei ARED-Flow mit Kreislaufzentralisation nach 31 SSW, Geburtsgewicht: 520 g, männlich, Apgar: 6/7/7, Nabelarterien-pH: 7,26.

5.7.7 Fall 7

Aufgrund einer Sepsis nach nekrotisierender Peritonitis mit Perforation verstarb ein Neugeborenes am 19. Lebenstag. Die Sectio erfolgte am Aufnahmetag in der Klinik wegen Reverse-Flow in der A. umbilicalis bei Kreislaufzentralisation und wegen fetaler Bradycardie im CTG nach 34 SSW, Geburtsgewicht: 980 g, weiblich, Apgar: 3/8/9, Nabelarterien-pH: 7,22.

Der klinische Zustand des Neugeborenen war zunächst stabil. Am 6. Lebenstag kam es zu einer dramatischen Zustandsverschlechterung unter dem Vollbild einer Sepsis mit radiologisch gesicherter nekrotisierender Enterocolitis (NEC) und Entwicklung eines septischen Schockgeschehens. Unter Intubation, Beatmung und dem Einsatz hochdosierter Katecholamine gelang eine Stabilisierung desZustandes. Eine schwere Gerinnungsstörung wurde durch ständige Substitution behandelt. Für eine Darmperforation bestand kein hinreichend starker Verdacht, so dass bei dem extrem instabilen Zustand des Kindes kein explorativer operativer Eingriff [Seite 62↓]vorgenommen wurde. Am 14. Lebenstag wurde sonographisch eine Hirnblutung III. Grades links und II. Grades rechts festgestellt. Am 19. Lebenstag trat dann plötzlich unter suffizienter Beatmung eine Zustandsverschlechterung mit zunehmender Bradycardie auf, die rasch zum Tod des Kindes führte. Der Obduktionsbefund ergab eine makroskopisch frische Perforation im Quercolon mit Mekonium in der freien Bauchhöhle. Es wurde vermutet, dass zunächst eine gedeckte Perforation bestanden hatte, die im Zusammenhang mit der NEC eingetreten war und die den septischen Prozess aufrecht erhielt. Der schnelle finale Ausgang wurde auf ein zweites Perforationsgeschehen zurückgeführt.

5.8 Fetal outcome der 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow und Vergleich mit einer Matchgruppe

Nachfolgend sollte die Frage untersucht werden, ob und inwieweit sich die postnatale Morbidität und Mortalität der 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow im Vergleich zu einer gematchten Kontrollgruppe 44 normgewichtiger Frühgeborener unterscheidet. Diese Frühgeborenen wurden nach dem bei der Entbindung bestehenden Gestationsalter der lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow 1 : 1 gematcht. Tab. 4 zeigt die Ergebnisse dieser Untersuchung hinsichtlich der Mortalität und verschiedener Parameter der Morbidität.


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Tab. 4: Fetal outcome der 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow und Vergleich mit einer Matchgruppe(Die Matchgruppe besteht aus 44 normgewichtigen Frühgeborenen, die nach dem bei der Entbindung bestehenden Gestationsalter der lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow 1 : 1 gematcht wurden); Stdabw: Standardabweichung

 

Gruppe mit ARED-Flow

(n = 44)

Matchgruppe

(n = 44)

P Odds-Ratio (=OR) mit 95%Konfidenzintervall

Mortalität

7 (15,9%)

1 (2,3%)

n. s.*, p=0,058*,

OR=8,1 [1,0;71,4]

PH

Mittelwert ± Stdabw

7,24 ± 0,10

7,31 ± 0,08

,001°

Bronchopulmonale Dysplasie

**8 (19,5%)

0

,002*, OR=10,4

Beatmungsnotwendigkeit

26 (59,1%)

24 (54,5%)

n. s.*, OR=1,2 [0,5;2,8]

Apgarwert nach 5 min

Mittelwert ± Stdabw

8,1 ± 1,4

7,8 ± 1,4

n. s.°

Apgarwert nach 10 min

Mittelwert ± Stdabw

8,5 ± 0,9

8,3 ± 1,1

n. s.°

Geburtsgewicht

Mittelwert ± Stdabw

Spannweite

898g ± 246g

445g – 1455g

1564g ± 419g

930 – 2720g

< ,0001°

Offener Ductus arteriosus

10 (22,7%)

12 (27,3%)

n. s.*, OR=0,8 [0,3;2,1]

Darm-OP wegen Ileus o. Volvulus

4 (9,1%)

0

n. s.*, OR=4,5

Nekrotisierende Enterocolitis

4 (9,1%)

0

n. s.*, OR=4,4

Darmkomplikationen

7 (15,9%)

0

0,01*, OR=8,3

Periventrikuläre Leukomalazie

4 (9,1%)

4 (9,1%)

n. s.*, OR=1 [0,2;4,3]

Atemnotsyndrom

19 (43,2%)

20 (45,5%)

n. s.*, OR=0,9 [0,4;2,1]

Peri- und intraventrikuläre Hämorrhagie

7 (15,9%)

3 (6,8%)

n. s.*,

OR=2,6 [0,6;10,8]

Peri- und intraventrikuläre Hämorrhagie > II. Grades

2 (4,5%)

0

n. s.*,

OR=2,1 [1,7;2,6]

Neurologische Auffälligkeiten

18 (40,9%)

13 (29,5%)

n. s.*,

OR=1,7 [0,7;4,0]

Geschlecht :

Männlich:

Weiblich:

22 (50,0%)

22 (50,0%)

31 (70,5%)

13 (29,5%)

n. s. *

* Exakter Test nach Fisher ° Mann-Whitney-Test
** n = 41, da 3 Frühgeborene in der ARED-Gruppe vor Ablauf von 36 Wochen postmenstruellen Alters verstorben sind

Signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen bestehen in der Entwicklung einer bronchopulmonalen Dysplasie, bei dem postnatal gemessenen Nabelarterien-pH-Wert, beim [Seite 64↓]Geburtsgewicht und beim Auftreten von Darmkomplikationen. In der Gruppe mit ARED-Flow entwickelten 8 von 41 (20%) Kindern eine bronchopulmonale Dysplasie gegenüber keinem Kind in der Matchgruppe. 3 Kinder der ARED-Gruppe verstarben vor Ablauf von 36 Wochen postmenstruellen Alters. Der Unterschied ist signifikant.

Der Mittelwert aller pH-Werte in der ARED-Gruppe ist, obwohl alle Feten per Sectio entbunden wurden, mit 7,24 niedriger als mit 7,31 in der Matchgruppe, in der 21 von 44 (48%) der Entbindungen Spontangeburten waren und nur 23 von 44 (52%) Sectiones. Das Geburtsgewicht ist in der ARED-Gruppe mit einem Mittelwert von 898 g gegenüber der Matchgruppe mit einem Mittelwert von 1564 g deutlich niedriger.

6 der 44 Frühgeborenen (16%) in der ARED-Gruppe hatten Darmkomplikationen in Form einer nekrotisierenden Enterocolitis oder in Form von Darmoperationen wegen Ileus oder Volvulus. In der Matchgruppe war von diesen Komplikationen kein Kind betroffen, weshalb der Unterschied signifikant und das Risiko für Darmkomplikationen in der ARED-Gruppe 8-fach erhöht ist. Im Einzelnen besteht für die ARED-Gruppe gegenüber der Matchgruppe ein 4,5-fach erhöhtes Risiko für die Notwendigkeit der Durchführung einer Darm-OP wegen Ileus oder Volvulus und ein 4-fach erhöhtes Risiko für das Auftreten einer nekrotisierenden Enterocolitis.

In der ARED-Gruppe verstarben 7 (16%) von 44 Frühgeborenen postnatal innerhalb des Beobachtungszeitraumes von 14 Monaten gegenüber 1 Kind (2%) in der Matchgruppe. Das Risiko postnatal zu versterben ist gegenüber der normgewichtigen Matchgruppe 8-fach erhöht (OR = 8,1), nur knapp liegt keine statistische Signifikanz vor (p = 0,058). Für die Entwicklung einer peri- und intraventrikulären Hämorrhagie zeigt sich in der ARED-Gruppe ein 2,6-fach erhöhtes Risiko gegenüber der Matchgruppe, für die Ausbildung neurologischer Auffälligkeiten ein 1,7-fach erhöhtes Risiko.

Keine Unterschiede zwischen beiden Gruppen fanden sich für das Auftreten eines Atemnotsyndroms, eines offenen Ductus arteriosus oder einer periventrikulären Leukomalazie.

Eine zusätzliche multivariate Analyse unter gleichzeitiger Berücksichtigung folgender Variablen wurde durchgeführt: neurologische Auffälligkeiten, Darmkomplikationen, bronchopulmonale Dysplasie, Mortalität, Atemnotsyndrom und Geschlecht. Die Analyse ergab statistisch einen signifikanten Unterschied hinsichtlich der bronchopulmonalen Dysplasie. In der Gruppe mit ARED-Flow fand sich ein 16,4-fach erhöhtes Risiko für eine bronchopulmonale Dysplasie gegenüber der Matchgruppe (OR=16,4 [1,7;155,5], p=0,015). Die übrigen Faktoren ergaben im multivariaten Modell keinen signifikanten Unterschied


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12.05.2004