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6  Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

Von den 60 untersuchten Schwangerschaften mit ARED-Flow wurde ein Reverse-Flow in der A. umbilicalis bei der Erstuntersuchung in 30 (50%) und bei der letzten Untersuchung vor der Schwangerschaftsbeendigung oder Entbindung in 41 Fällen (68%) nachgewiesen. Die Mortalitätsrate für den Beobachtungszeitraum bis zu 14 Monaten postnatal lag in der Zero-Flow-Gruppe bei 16% (3 von 19 Feten), in der Reverse-Flow-Gruppe bei 49% (20 von 41 Feten). Der Unterschied ist statistisch signifikant.

Bei 56 (97%) der 58 untersuchten Schwangerschaften mit ARED-Flow, bei denen eine Untersuchung der A. cerebri media durchgeführt wurde, zeigte sich eine Abnahme des Widerstandes in der fetalen A. cerebri media als Zeichen der Kreislaufzentralisation. In 40 Fällen (70%) lag dieser Befund bereits bei der ersten Doppleruntersuchung in Kombination mit dem ARED-Flow vor.

Ein pathologischer Dopplerbefund des Ductus venosus ergab sich bei 28 (51%) der 55 Schwangerschaften, in denen der Ductus venosus untersucht wurde. Reverse-Flow im Ductus venosus trat 13mal (24%), Zero-Flow 4mal (7%) und ein pathologischer Fluss mit erhöhtem Widerstand bei positiver A-Welle 11mal (20%) auf. 13 (81%) der intrauterin verstorbenen Feten hatten einen pathologischen Befund des Ductus venosus. Bei 42 der 44 lebendgeborenen Kinder wurde der Ductus venosus untersucht, der in 18 Fällen (43%) einen pathologischen Befund aufwies. 4 (22%) der 18 lebendgeborenen Kinder mit pathologischem Befund der Strömungsverhältnisse desDuctus venosus verstarben postnatal.

In unserer Studie wiesen 56 (97%) von 58 Schwangeren, bei denen Messungen der Uteringefäße durchgeführt wurden, einen auffälligen Dopplerbefund der Aa. uterinae auf. Bei 21 (35%) der 60 Schwangeren kam es zur Entwicklung einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung, einer Präeklampsie oder eines HELLP-Syndroms, in 15 Fällen (28%) führten diese Erkrankungen zur vorzeitigen Schwangerschaftsbeendigung oder zur Sectio. In einem weiteren Fall mit auffälligem Dopplerbefund der Aa. uterinae kam es zu einer vorzeitigen Plazentalösung.

Ein ARED-Flow kann einem pathologischen CTG Tage bis Wochen vorausgehen. In unseren Doppleruntersuchungen lagen die Intervalle zwischen 0 und 16 Tagen.

Insgesamt verstarben 23 der 60 Feten mit ARED-Flow, die Gesamtmortalität bis zu einem Beobachtungszeitraum von 14 Monaten postnatal beträgt damit 38%. Die perinatale Mortalität [Seite 66↓]nach WHO-Definition fiel mit 10% niedriger aus. 44 der 60 Feten mit ARED-Flow wurden mit vollem Einsatz lebend und durch primäre Sectio caesarea geboren. Wegen gleichzeitigem Auftreten eines pathologischen Flow und eines pathologischen CTG wurde in 12 der 44 Fälle (27%) eine primäre Sectio indiziert. Bei 9 Schwangerschaften (21%) wurde die Sectio allein wegen des pathologischen Flow, bei 8 (18%) wegen eines pathologischen CTG durchgeführt. Insgesamt mussten 13 der 44 (30%) Schwangerschaften wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom durch Sectio beendet werden.

Bezüglich der Dauer der Schwangerschaft vom Zeitpunkt der Erstdiagnose des ARED-Flow bis zur Entbindung zeigte sich, dass in der Gruppe der Schwangerschaften, die wegen Präeklampsie oder HELLP-Syndrom beendet werden mussten, 4 Tage nach Diagnosestellung eines ARED-Flow bereits 50% der Schwangerschaften beendet worden waren. In der Gruppe der Schwangerschaften, die aus kindlicher Indikation wegen Verschlechterung der Dopplerbefunde und/oder pathologischem CTG beendet werden mussten, war dies erst nach 7 Tagen der Fall.

Beim Vergleich des fetal outcome der in drei Gruppen (A, B und C) nach dem bei der Entbindung erreichten Schwangerschaftsalter unterteilten 44 lebendgeborenen Feten zeigten sich signifikante Unterschiede bezüglich der Beatmungsnotwendigkeit, der Apgar-Werte nach 5 und nach 10 Minuten, der periventrikulären Leukomalazie, des Atemnotsyndroms und der neurologischen Auffälligkeiten bei Entlassung der Frühgeborenen aus der neonatologischen Klinik. Die periventrikuläre Leukomalazie trat in Gruppe A (Gestationsalter zwischen 24/0 und 28/6 SSW) bei 4 von 11 Kindern (36%) auf, während sie in den anderen beiden Gruppen nicht beobachtet wurde. Die pH-Werte in der Gruppe A sind mit einem Mittelwert von 7,18 niedriger als zwischen 29/0 und 31/6 SSW (Gruppe B, Mittelwert pH: 7,25) oder ab 32/0 SSW (Gruppe C, Mittelwert pH: 7,27).

Beim Vergleich des fetal outcome der 44 lebendgeborenen Feten mit ARED-Flow mit einer nach Schwangerschaftswochen gematchten Kontrollgruppe normgewichtiger Frühgeborener fanden sich signifikante Unterschiede in der Entwicklung einer bronchopulmonalen Dysplasie, in dem postnatal gemessenen arteriellen pH-Wert, im Geburtsgewicht und im Auftreten von Darmkomplikationen. In der Gruppe mit ARED-Flow entwickelten 8 von 41 (20%) Frühgeborenen eine bronchopulmonale Dysplasie, während diese in der Matchgruppe nicht beobachtet wurde. 3 Kinder der ARED-Gruppe verstarben vor Ablauf von 36 Wochen postmenstruellen Alters. Beim Vergleich der Gruppen bezüglich des postnatal gemessenen Nabelschnurarterien-pH-Wertes war der Mittelwert der pH-Werte in der ARED-Gruppe mit 7,24 signifikant niedriger als mit 7,31 in der Matchgruppe. Das Risiko postnatal zu versterben war [Seite 67↓]gegenüber der normgewichtigen Matchgruppe 8-fach erhöht (OR = 8,1), nur knapp lag keine statistische Signifikanz vor (p = 0,058). Dabei nahm die postnatale Mortalität mit steigendem Schwangerschaftsalter zum Zeitpunkt der Entbindung ab. Ein erhöhtes Risiko in der ARED-Gruppe bestand für die nekrotisierende Enterocolitis, für peri- und intraventrikuläre Hämorrhagien und für neurologische Auffälligkeiten zum Zeitpunkt der Entlassung der Frühgeborenen aus der neonatologischen Klinik. Die multivariate Analyse ergab statistisch einen signifikanten Unterschied hinsichtlich der bronchopulmonalen Dysplasie. In der Gruppe mit ARED-Flow fand sich gegenüber der Matchgruppe ein 16,4-fach erhöhtes Risiko für eine bronchopulmonale Dysplasie (OR = 16,4 [1,7;155,5], p = 0,015). Die übrigen Faktoren ergaben im multivariaten Modell keinen signifikanten Unterschied.


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12.05.2004