<?xml version="1.0" encoding="ISO-8859-1"?><etd lang="de">
   <front id="front">
      <title>GUTE NATION ODER EUROPA? <br/>Euroskeptizismus in Norwegen und in der deutschsprachigen Schweiz</title>
      <submission>Dissertation</submission>
      <degree>zur Erlangung des akademischen Grades <br/>doctor philosophiae <br/>(Dr. phil.)</degree>
      <major>eingereicht an <br/>der Philosophischen Fakultät III <br/>der Humboldt-Universität zu Berlin</major>
      <author>von <br/><suffix>Dipl. Pol.</suffix>
         <given>Jochen </given>
         <surname>Hille</surname><br/><suffix>Geboren am 24.3.72 in Essen</suffix>
      </author>
      <p>Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin</p>
      <p>Prof. Dr. Jürgen Mlynek</p>
      <dean><br/>Dekan der Philosophischen Fakultät III <br/>Prof. Dr. Gert-Joachim Glaeßner</dean>
      <approvals>
         <name>Prof. Dr. Bernd Henningsen</name>
         <name>Prof. Dr. Klaus Eder</name>
      </approvals>
      <date>Tag der mündlichen Prüfung: 13.7.2005</date>
      <abstract lang="en">
         <head>Abstract English</head>
         <p>Norway and Switzerland are not member states of the EU, since the majority of the people rejected integration in several referenda. The emotionality and the enormous mobilisation in national debates on integration cannot sufficiently be explained by economic and political reasons, since the majority of the elites are supporting integration. Instead, the main resource of mobilisation for Eurosceptics lies in reactivating deeply rooted descriptions of national self and other. For carving out these collective images, this discourse-analysis compares how the major Eurosceptical actors of Switzerland, the &#8220;Action for an Independent and Neutral Switzerland&#8221; (AUNS) together with the tightly connected &#8220;Swiss People&#8217;s Party&#8221; (SVP), on one hand, and the Norwegian movement &#8220;No To EU&#8221; (NEI TIL EU), on the other hand, describe their actions as meaningful in their iconography and narrations. In doing so, the study refers to and interprets extensive material from Eurosceptical actors and contributes to the understanding of Eurosceptical self-perception, ways of thinking, rhetoric and virtue system. Here Eurosceptics perceive themselves mainly as defenders of the national community and its nation-state, which are regarded as warm, natural, close, justified, efficient, peaceful and democratic, while Europe is perceived as the cold, distant, bureaucratic superstate EU.</p>
      </abstract>
      <abstract lang="de">
         <head>Abstract Deutsch</head>
         <p>Norwegen und die Schweiz sind keine EU-Mitgliedstaaten, weil die Bevölkerungen die Integration mehrheitlich in Referenden ablehnte. Die enorme Mobilisierung und Emotionalisierung in den nationalen Integrationsdebatten kann weder durch ökonomische noch durch politische Umstände hinreichend erklärt werden, zumal die Eliten beider Länder mehrheitlich die Integration unterstützen. Die Hauptmobilisierungsressource von Euroskeptikern liegt vielmehr darin, tief verwurzelte nationale Selbst- und Fremdbilder zu reaktivieren. Diese Diskursanalyse beschreibt vergleichend, auf welche Art und Weise die größten euroskeptischen Akteure der Schweiz und Norwegens diesen Rückgriff auf das Nationale in Integrationsdebatten herstellen. Gefragt wird, wie die &#8222;Aktion für eine Unabhängige und Neutrale Schweiz&#8220; (AUNS) und die eng mit ihr verbundene &#8222;Schweizerische Volkspartei&#8220; (SVP) einerseits, und die norwegische Bewegung &#8222;Nein zur EU&#8220; (norwegisch: Nei Til EU) andererseits, ihren Integrationswiderstand mittels nationaler Narrationen und Bildersprachen als sinnvoll darstellen. Hierzu werden umfangreiche euroskeptische Bild- und Textquellen referiert und gedeutet. Damit wird ein Beitrag zur Forschung über das Selbstverständnis, die Denkweise, die Rhetorik und das Tugendsystem anti-integratorischer Bewegungen geleistet. Denn Euroskeptiker verstehen sich primär als Verteidiger der guten nationalen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft und dessen Nationalstaat beschreiben sie als wärmer, natürlicher, näher, gerechter, effizienter, friedlicher und demokratischer als das integrierte Europa, welches als ferner, kalter, bürokratischer Superstaat EU dargestellt wird.</p>
      </abstract>
   </front>
   <body>
      <preface id="N1005C">
         <head>Vorwort</head>
         <p>
            <citenumber id="N10063" start="1"/>
            <em>Das Neue Europa</em> wird von Euroskeptikern als Feindbeschreibung für ein von Deutschland dominiertes Europas verwendet. Ironischerweise ist <em>Das Neue Europa </em>zugleich der Name des an der Humboldt-Universität zu Berlin ansässigen DFG-Graduiertenkollegs, das diese Untersuchung über euroskeptische Feindbeschreibungen finanziell, administrativ und ideell ermöglicht hat. Stellvertretend für die Professoren und Stipendiaten des Graduiertenkollegs möchte ich mich bei meinen Betreuern Prof. Dr. Bernd Henningsen und Prof. Dr. Klaus Eder sowie bei Prof. Dr. Gert-Joachim Glaeßner und Dr. Martin Nagelschmidt bedanken. Darüber hinaus gilt mein Dank Prof. Dr. Manfred Kerner und Prof. Dr. Walter Rothholz, die mich von Anfang des Promotionsvorhabens an unterstützt haben. </p>
         <p>Intensiver fachlicher Austausch fand in der Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik mit Carsten Schymik und Dr. Tom Schumacher sowie mit Mitgliedern des Ostseekollegs Berlin und des Nordeuropainstitutes statt. Bei dem ARENA (Advanced Research on the Europeanisation of the Nation State) Forschungsprogramm in Oslo möchte ich mich für die Bereitstellung eines Arbeitsplatzes und weitere Unterstützung bedanken.</p>
         <p>Mein Dank gilt auch den befragten Experten zu Norwegen, Prof. Dr. Øystein Sørensen, Botschaftsrat Sverre Jervell, Prof. Dr. Iver Neumann, Dr. Tor Bjørklund, Dr. Jo Saglie, Dr. Line Esborg, Prof. Dr. Henry Valen und zur Schweiz, Prof. Dr. Sieglinde Gstöhl, Dr. Stephan Kux, Prof. Dr. Sandra Lavenex, Prof. Dr. Wolf Linder, Prof. Dr. Dieter Ruloff, Prof. Dr. Kurt Spillmann sowie den norwegischen Aktivisten der Nein-Seite, Dr. Elisabeth Bakke, Dag Seierstad, Sindre Humberset, Sigbjørn Gjelsvik, Steinulf Tungesvik und der Ja-Seite, Sigurd Grytten, den Vertretern von AUNS/SVP in der Schweiz, Hans Fehr, Claudio Zanetti, Werner Gartenmann und Werner Schneider sowie für weitere Annmerkungen und das Korrekturlesen bei Matthias Gleim, Martin Wald, Marcus Meyer, Dieter Ahrnt und Dr. Claudia Attucci.</p>
         <p>
            <citenumber id="N10075" start="2"/>Diese Untersuchung referiert, vergleicht und deutet fundamentaleuroskeptische Sichtweisen. Euroskeptiker müssen ihre Auffassungen mantrahaft mittels einfacher textlicher und bildlicher Darstellungen ständig wiederhohlen. Nur so können sie grundlegende nationale Selbst- und Fremdbilder reproduzieren, um die Bevölkerung in Abstimmungskampagnen gegen Integration zu mobilisieren. Folglich sind die meisten interpretierten Begriffe, Redewendungen und bildlichen Darstellungen innerhalb der nationalen Integrationsdiskurse Allgemeingut. Sofern erklärungsbedürftig, werden sie bei der Erstnennung erläutert. Belegt werden sie, wenn es sich um konkrete Text- oder Bildbeispiele handelt.</p>
         <p>Bei der Interpretation euroskeptischer Glaubensätze und Ikonographie sprachliche Anschaulichkeit und Distanz zu verbinden ist eine Gratwanderung. So hätte der überwiegende Teil des Textes im Konjunktiv verfasst werden müssen. Aus stilistischen Gründen bin ich mit dem Konjunktiv äußerst sparsam umgegangen. Die Ausdruckweisen von NTEU und AUNS/SVP unterscheiden sich erheblich voneinander. Die Grundmuster euroskeptischer Sichtweisen und die Diversität im Sprachstil beider Bewegungen wird von mir im Deutschen mittels umgangssprachlicher, wertender Begriffe nachgezeichnet. Folglich spreche ich von &#8218;den Banken&#8217; und vermeide den antiseptischen Begriff der &#8218;Kreditwirtschaft&#8217;. </p>
         <p>Ich verwende die männliche Form aus Vereinfachungsgründen und weil in den untersuchten gängigen kollektiven Beschreibungen ebenfalls von den Europäern, Norwegern, Schweizern, Deutschen, Franzosen etc. die Rede ist.</p>
         <p>
            <citenumber id="N10081" start="3"/>Sofern nichts anderes angegeben ist, sind alle Übersetzungen aus dem Norwegischen Übersetzungen des Autors. Nur bei norwegischen Begriffen, die keine klare Entsprechung im Deutschen haben, wird das Originalwort in Klammern hinzugefügt. Bei der Übersetzung wurde versucht, den polemischen Charakter und die sprachlichen Klangbilder und Metaphern ins Deutsche zu transportieren. Sofern hierdurch eine erhebliche Abweichung vom Wortlaut entstand, habe ich eine wörtliche Übersetzung und das norwegische Original in der Fußnote hinzugefügt.</p>
         <p>Da die Ideologien von AUNS und SVP sich stark ähneln und durch Blocher in Personalunion stehen, werden sie im Singular als Vertreter eines Standpunktes als AUNS/SVP dargestellt. Lediglich, wenn es um die AUNS als Organisation oder die SVP als Partei geht, mussten sie korrekterweise begrifflich getrennt werden.</p>
      </preface>
      <chapter id="chapter1" label="1">
         <head>EINLEITUNG: SIE VERLASSEN DEN PRO-INTEGRATORISCHEN SEKTOR</head>
         <p><citenumber helper="true" id="N1008E" start="3"/>Jede politische, soziale und religiöse Bewegung muss ihrem Handeln Sinn verleihen. Hier wird vergleichend beschrieben, wie die größten euroskeptischen Akteure der Schweiz und Norwegens dies durch den Rückgriff auf das Nationale leisten. Gefragt wird, wie die <em>Aktion für eine Unabhängige und Neutrale Schweiz </em>(AUNS) und die eng mit ihr verbundene <em>Schweizerische Volkspartei </em>(SVP) einerseits und die norwegische Bewegung <em>Nein zur EU</em> (NTEU) andererseits diesen Sinn mittels nationaler Symbolik, Metaphorik und Narrationen kreieren. Mit anderen Worten wird die Bauweise von zwei euroskeptischen Luftschlössern verglichen, welche auf dem <em>&#8222;diskur</em>
            <em>siven Schlachtfeld Europa&#8220;</em>
            <footnote numbering="arabic" start="1">
               <p> Diez 2001. Europa ist ein &#8222;diskursives Schlachtfeld&#8220;, bei dem es darum geht, ein  positives bzw. negatives Europabild zu konstruieren und zu verbreiten. Siehe Diez 2001.</p>
            </footnote> die wichtigsten euroskeptischen Verteidigungsanlagen gegen Integration bilden.</p>
         <p>
            <citenumber id="N100AA" start="4"/>Dies lohnt sich, weil die norwegische und die schweizerische Integrationsdebatte, aufgrund ihrer enormen Mobilisierung und Emotionalisierung in den Bevölkerungen, bemerkenswerte Phänomene der Zeitgeschichte und zentrale aktuelle nationale Streitfragen sind. Mit diesem Vergleich werden umfangreiche euroskeptische Primärquellen in Form von Plakaten, Fotos und Texten in den deutschen Kontext übersetzt und einem europäischen Forschungspublikum erschlossen. Die in ihrer Erklärungskraft unzureichenden ökonomischen und akteursorientierten Erklärungsansätze für Euroskeptizismus in beiden Ländern werden in einen breiteren kulturalistischen Ansatz eingebettet. Durch Spiegelung mit den euroskeptischen Diskursen im Vergleichsland werden zahlreiche populäre Thesen, wie über die geographische Entfernung der Norweger zu Europa, über Geschichtsdiskurse, die Rolle der Neutralität und direkten Demokratie der Schweiz, neu beleuchtet. </p>
         <p>Integrationsdebatten finden mehr oder minder ausgeprägt in ganz Europa statt.<footnote numbering="arabic" start="2">
               <p> Siehe Harmsen/Spiering 2004.</p>
            </footnote> Hier geleistete Interpretationen und Erklärungen für euroskeptische Motive in beiden Ländern bieten empirisches Material für Vergleiche mit euroskeptischen Ideologien anderer Bewegungen, Parteien und Länder. Das für diese Untersuchung aufgebaute Analyseraster zur Beschreibung nationaler Selbstbeschreibungen kann auf andere nationale Debatten übertragen und weiterentwickelt werden. Ein weiteres Ziel ist es, feste und bisweilen falsche Deutungsmuster über Euroskeptizismus aufzubrechen. Gegenbewegungen zur Integration sind ein unmittelbarer Bestandteil der Integration selbst, welche diese entweder blockieren oder in einem dialektischen Prozess weiterbringen. Gleichzeitig wird ein empirischer Beitrag zum Verständnis der Reproduktion nationaler Gemeinschaften durch politische Akteure geleistet, indem die Staatsnation Schweiz und der primordiale Verband der Norweger untersucht werden.</p>
         <p>Um diese Ziele zu erreichen, wird ein radikal konstruktivistischer Standpunkt<footnote numbering="arabic" start="3">
               <p> Siehe Schmidt 1999. Zu den Vor- und Nachteilen einer radikal konstruktivistischen Sichtweise siehe auch Diez 1999: 35ff. Zur Konstruktion der Schweiz siehe Sieber 1994, zu Europa Müller 1994, zu Norwegen Neumann 2001.</p>
            </footnote> bezogen, bei dem unterschiedliche (Rahmen-) Geschichten prinzipiell gleichwertig nebeneinander stehen und wissenschaftliche Erzählungen sich lediglich durch ein etwas höheres Maß an Plausibilität auszeichnen. Der Forscher steht nicht über den Geschichten. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, durch die geschickte Wahl der Erzählperspektive eine plausible Neu- und Nacherzählung zu schaffen. Im Gegensatz zu dem größten Teil der Forschungsliteratur zu Integrationsthemen, die explizit oder implizit &#8218;Europa&#8217; weiterbringen wollen, wird ein agnostischer Standpunkt eingenommen. Demnach ist Integration gut oder schlecht. Integrationsgegner und Befürworter stellen zwei einander gegenüberstehende Glaubensgemeinschaften dar. Dieser agnostische Standpunkt spiegelt auch meine entgegen den eigenen Vorurteilen gegenüber Euroskeptikern bei einer einige Monate dauernden Mitarbeit bei NTEU gemachten Erfahrungen wider, dass Euroskeptiker keinesfalls zwangsläufig engstirnige, dümmliche, rassistische Nationalisten sein müssen. Das Eindringen in das Glaubenssystem der Euroskeptiker bedarf eines empathischen Zuganges und die intensive Beschäftigung mit euroskeptischen Quellen führt zu Identifikationsprozessen. Zudem enthält die Wiedergabe von euroskeptischen Standpunkten Kritik an der EU. Diese Kritik und der Vergleich ihrer Inhalte ist Thema dieser Untersuchung. </p>
         <p>
            <citenumber id="N100C6" start="5"/>Nationen sind <em>&#8222;imaginierte Gemeinschaften&#8220;</em>
            <footnote numbering="arabic" start="4">
               <p> Anderson 1988.</p>
            </footnote> und <em>&#8222;geistige Wesen&#8220;</em>
            <footnote numbering="arabic" start="5">
               <p> Nach Schulze 1994: 108ff.</p>
            </footnote> Folglich können sie dekonstruiert werden. Dies ist jedoch bereits fester Bestandteil integrationsbefürwortender Diskurse und hat keinerlei innovativen Charakter, weshalb es kein lohnendes Forschungsziel ist. Es geht vielmehr darum, die Konturen dieser machtvollen festen sozialen Konstrukte nachzuzeichnen. Der Begriff Nationalismus wird neutral verwandt, um ein quasi religiöses Glaubenssystem zu bezeichnen, welches das unterliegende Bezugssystem von Euroskeptizismus bildet. In Anlehnung an die bestehenden Diskurse über europäische-, schweizerische- und norwegische Identität wird der Begriff der &#8218;nationalen Identität&#8217; synonym für Selbstbeschreibung oder Selbstverständnis benutzt.</p>
         <p>Dabei ist es auch das Ziel, durch den partiellen Ausbruch aus pro-integratorischen Paradigmen, bestehende Denkschablonen über Euroskeptizismus aufzubrechen, was unweigerlich mit der Kritik an pro-europäischen Geschichten gekoppelt ist. Ich vermute, dass die meisten Leser pro-integratorische Erzählungen kennen und eventuell als richtig und gut in ihre Vorstellungswelt integriert haben. Insofern scheint es mir nicht notwendig zu sein, ausführlich auf pro-integratorische Geschichten einzugehen, sondern sie in stark gerasterter Form mit euroskeptischen Gegenerzählungen zu konfrontieren. Damit wird das vorherrschende pro-integratorische Deutungssystem verlassen. Das wichtigste Referenzsystem für diese Untersuchung ist der andere fundamentaleuroskeptische Diskurs im Vergleichsland. </p>
         <p>Diese spezifische Sichtweise wird durch einige Hintergrundinformationen zu den nationalen Integrationsdebatten, den euroskeptischen Akteuren, den Ergebnissen der empirischen Wahlforschung, Abwägungen der Plausibilität und Bedeutung euroskeptischer Argumente ergänzt. Diese Informationen sollen dem mit den Ländern und ihren Integrationsdebatten nicht vertrauten Leser eine Orientierungshilfe geben. Wer an ausführlicheren Darstellungen der Interessenkonstellationen, den Akteuren und ihren Ressourcen oder den Ergebnissen der Wahlforschung interessiert ist, der muss auf die umfangreiche Literatur zu den nationalen Integrationsdebatten verwiesen werden.<footnote numbering="arabic" start="6">
               <p> Vergleichend zu Norwegen und der Schweiz siehe Gstöhl 2002a,b, Kux/Sverdrup 2000, Listhaug/Sciarini 1997; zur Schweiz: Archer 2004, Oberer 2001, Church 2000; vergleichend zu Nordeuropa: zu Anti-EU-Bewegungen siehe Schymik 2004 zur Ökonomie: Ingebritsen 1998, zur Wahlforschung: To Join or not Join 1998, zu Parteien in Norwegen: Saglie 1999.</p>
            </footnote>
         </p>
         <section id="N100EE" label="1.1">
            <head>Europäische Integration ohne gemeinsame Identität</head>
            <p>
               <citenumber id="N100F5" start="6"/>Trotz weitreichender Integrationsschritte und Erweiterungen bleibt die Idee einer Art &#8218;Vereinigte Staaten von Europa&#8217; in den Bevölkerungen der europäischen Staaten ein unpopuläres Projekt. Dies lässt sich nicht nur empirisch nachweisen<footnote numbering="arabic" start="7">
                  <p> Siehe Huseby/Listhaug 1995.</p>
               </footnote>, es ist inzwischen auch Thema einer weitgefächerten Debatte über die notwendige Konstruktion einer europäischen Identität, um eine weitere Integration voranzutreiben und zu legitimieren.<footnote numbering="arabic" start="8">
                  <p> Siehe Offe 1998, Cederman 2000, Speth 1998, Münch 1998.</p>
               </footnote> Die geringe emotionale Bindung der Bürger an das EU-System ist also offensichtlich die Achillesferse der Europäischen Integration. </p>
            <p>Umstritten ist jedoch, ob, und wenn ja, wie schnell eine solche europäische Identität<footnote numbering="arabic" start="9">
                  <p> Zum Überblick über verschiedene Konzepte zur Europäischen Identität siehe Lorenz 1999.</p>
               </footnote> entstehen kann. Dabei neigen viele pro-integratorisch eingestellte Forscher dazu, nationale Identitäten<footnote numbering="arabic" start="10">
                  <p> Hier wird davon ausgegangen, dass nationale Identitäten konstruiert sind. Im Gegensatz zu essentialistischen Nationenvorstellungen (graduell bei Smith 1986 und in pan-nationalistischer Variante bei Huntington 1993) resultiert hieraus, dass nationale Identitäten grundsätzlich veränderbar sind und dass neue Identitäten, wie eine europäische Identität, konstruiert werden können. Umstritten ist jedoch, ob es tatsächlich zur Konstruktion einer europäischen Identität kommt und wie schnell und tiefgreifend dies geschehen könnte. Denn die reine Feststellung, dass eine Nation konstruiert ist, sagt noch nichts darüber aus, wie fest und beständig dieses Konstrukt ist - einmal in der Welt, kann eine Konstruktion als soziale Realität sehr stark und dauerhaft, z.B. gegen eine EU-Integration wirken. Ich berufe mich primär auf Cederman 2000, der Integrationswiderstand mit stabilen nationalen Identitäten begründet. Ähnliche Sichtweisen über stabile kollektive Identitäten finden sich auch bei Eder 2000, Eisenstadt 1999, Schulze 1999, Gellner 1994, Hobsbawm 1992, Anderson 1988, Wendt 1994.</p>
               </footnote> als relativ instabil anzusehen. Identitäten folgen danach im Wesentlichen den materiellen Notwendigkeiten der Integration (vor allem Skaleneffekte durch größere politische und ökonomische Einheiten), und langfristig werden sie durch eine europäische Identität ersetzt oder zumindest komplementiert.<footnote numbering="arabic" start="11">
                  <p> Zu Norwegen: Sæter 1996, Knudsen 1989, zur Schweiz: Schwendimann 1993: 377ff.</p>
               </footnote> Hier tritt bei vielen Forschern ein Fortschrittsglauben hinzu, der die EU-Integration als einzig vernünftigen Weg für die Zukunft Europas beurteilt. So blickt nach Münch bereits jetzt ganz Europa voller Bewunderung auf die EU als den Kern der Vorstellung von einem guten Leben.<footnote numbering="arabic" start="12">
                  <p> Vgl. Münch 1998: 274. Angemerkt sei, dass der aristotelische Begriff des &#8218;Guten Lebens&#8217; in diesem Zusammenhang besonders passt, weil er die Europäische Integration als sinnstiftenden Vorgang darstellt.</p>
               </footnote> Dieses Bild von einem sich dynamisch integrierenden Europa hat aber erhebliche Schönheitsfehler. Besonders deutlich wird dies in Norwegen und der Schweiz, die wegen ihrer starken Volkswirtschaften von der EU gerne gesehene Mitglieder wären, dies aber bisher aufgrund des vehementen Widerstandes in der Bevölkerung abgelehnt haben. In Norwegen ist die Frage der EU-Integration seit 40 Jahren ein innenpolitischer Zankapfel und die Mehrheit der Bevölkerung stimmte in den Volksabstimmungen von 1972 und 1994 gegen eine EU/EG-Mitgliedschaft.<footnote numbering="arabic" start="13">
                  <p> Zum Überblick vgl. Hille 2000: 3-6.</p>
               </footnote> In der Schweiz wurde 1992 selbst die lockerere Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum - oder in euroskeptischer Terminologie der <em>&#8222;Vorhölle&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="14">
                  <p> Nach Hirter 1993: 11.</p>
               </footnote>zur Vollmitgliedschaft - per Referendum verhindert. </p>
            <p>Münch vermischt also Wunsch und Wirklichkeit miteinander und seine Aussage trifft allenfalls für die ökonomisch relativ schwachen Staaten Ost- und Ostmitteleuropas zu. Dies wird auch an dem langanhaltenden und vehementen Integrationswiderstand in vielen anderen hochentwickelten westeuropäischen Staaten, z.B. Schweden, Finnland, Dänemark, Österreich, Großbritannien und Island, deutlich. Für große Teile der Bevölkerung erscheint die EU-Integration dort mehr als Schreckgespenst, denn als Leitbild für eine positive Zukunft.</p>
         </section>
         <section id="N10143" label="1.2">
            <head>Beschreibungen der Euroskeptiker durch die Befürworter<footnote numbering="arabic" start="15">
                  <p> Diese und die folgende Seite basieren auf dem grundlegend überarbeiteten Text Hille 2002: 36f.</p>
               </footnote>
            </head>
            <p>
               <citenumber id="N10152" start="7"/>Dass die EU-Befürworter in beiden Staaten die Folgen der Integration in den rosigsten Farben schildern und Euroskeptiker Integration als düster beschreiben gehört zur Dramaturgie eines Abstimmungskampfes. Einen strategischen Vorteil haben Euroskeptiker insofern, als sie an das positive Selbstbild der Nation appellieren können, dem ein negatives EU-Bild gegenübergestellt wird. Integrationsbefürworter werten dies als dumpfen Nationalismus. Diese Sichtweise ist jedoch problematisch, weil die Frage, ob &#8218;Europa&#8217; oder der Nationalstaat besser sind, nicht zu beantworten ist. Zudem werden demokratische Entscheidungen gegen Integration als illegitim darstellt und mit Rückständigkeit, geographischer Isolation und Reichtum konnotiert. Euroskeptizismus wird als Randphänomen kleiner, skurriler Bergvölker, denen es wirtschaftlich &#8218;zu gut&#8219; geht und die einen historischen Sonderweg einschlugen, bagatellisiert. Umgekehrt wird die Europäische Integration als Zukunftsprojekt für Wohlstand, Gerechtigkeit und Frieden beschrieben. Da die Zukunft jedoch prinzipiell offen und an keinen geographischen Ort (z.B. Europa) gebunden ist, handelt es sich nicht um eine Zukunftsbeschreibung, sondern um eine Selbstbeschreibung der &#8218;Europäer&#8219;. Solche Zuschreibungen sind nützlich, um ein positives Bild - eine Utopie - der Integration zu erzeugen. Sie schaffen eine &#8218;Gemeinschaft der Europäer&#8219; als Wertegemeinschaft, eine Schicksalsgemeinschaft, die sich selber die Aufgabe setzt, die Zukunft positiv im Sinne der oben genannten Ziele zu gestalten. Die große Wirkungskraft solcher kollektiver Selbstbeschreibungen lässt sich an der populärsten Art kollektiver Selbstbeschreibung, dem Nationalismus, ablesen. Ungeachtet dieser Selbstbeschreibung der Europäer und der darin enthaltenen Bagatellisierung des Euroskeptizismus ist Integrationswiderstand jedoch weit verbreitet. Weder Norwegen noch die Schweiz sind Sonderfälle, sondern Beispiele für besonders ausgeprägten Integrationswiderstand, dessen Gründe ein ausgeprägter Staatsnationalismus, die Möglichkeit der Referenden, die einen politischen Kanal für Integrationswiderstand öffnen, sowie sektorale und regionale Interessen der Peripherie sind. Entgegen dem weit verbreiteten Vorurteil sind wirtschaftliche Argumente funktionalistischer Prägung in beiden Ländern im öffentlichen Diskurs starke Pro-Integrationsargumente.<footnote numbering="arabic" start="16">
                  <p> Siehe Kapitel: Geld oder Europa?</p>
               </footnote> Der Reichtum beider Länder, die spezifische Wirtschaftsstruktur<footnote numbering="arabic" start="17">
                  <p> Zu denken ist dabei an das Öl in Norwegen und die Rolle der Schweiz als Drehscheibe für Finanzgeschäfte.</p>
               </footnote>, verschiedene Verträge beider Länder mit der EU sowie der stillschweigende Nachvollzug von EU-Regelwerk haben negative wirtschaftliche Folgen abgefedert.<footnote numbering="arabic" start="18">
                  <p> Vgl. Kux/Sverdrup 2000.</p>
               </footnote> Dadurch wurde die Bedeutung wirtschaftlicher Aspekte in den Debatten stark vermindert. Vor diesem Hintergrund haben kulturelle und politische Gründe zur Ablehnung geführt.<footnote numbering="arabic" start="19">
                  <p> Siehe Listhaug/Sciarini 1997.</p>
               </footnote> Die Frage der vollen politischen Integration ist in beiden Ländern diskursleitend. Die Bedeutung dieser Frage wird aber bei weitem überschätzt, da beide Länder sich bereits in einem semi-integrierten Status befinden.<footnote numbering="arabic" start="20">
                  <p> Siehe Kux/Sverdrup 2000.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Das wahrscheinlichste Szenario für die absehbare Zukunft ist die fortgesetzte Semi-Integration. Entgegen populären medialen Darstellungen und den Siegesmeldungen der Integrationsbefürworter steht ein EU-Beitritt beider Länder keinesfalls unmittelbar bevor. Die Beitritte sind zudem mit den Unwägbarkeiten des Referendums behaftet. Auf mittlere Sicht ist die Beibehaltung des Status quo der wahrscheinlichste Fall. Beide Länder werden sich weiter auf einer nahen Umlaufbahn im Verhältnis zur EU bewegen. In der Schweiz wird dies auch vermutlich in Form einer Reihe von kleinen Referenden über verschiedene bilaterale Vertragswerke und integrationsnahe Themen erfolgen und in Norwegen eventuell später in einem erneuten Referendum über die EU-Mitgliedschaft kumulieren. Aufgrund des hundertjährigen Jubiläums der per Volksabstimmung 1905 beschlossenen norwegischen Unabhängigkeit ist eine EU-Abstimmung für das Jahr 2005 und auch für 2006 nahezu ausgeschlossen. </p>
            <p>Das zweite Zukunftsszenario ist der EU-Beitritt Norwegens und der Schweiz. Die Integration geht zügig weiter und Norwegen und die Schweiz werden nach harten innenpolitischen Auseinandersetzungen schließlich EU-Mitglieder. Es ist naiv, anzunehmen, dass euroskeptische Ansichten damit verschwinden. Vielmehr würden weitere innenpolitische Debatten über verschiedene Integrationsschritte anstehen. Die euroskeptischen Bewegungen AUNS und NTEU ständen, wie die dänische nach 1972, vor der Wahl einer In- oder Out-Strategie. Entweder könnten sie für den Wiederaustritt aus der EU agitieren oder versuchen, Integration in Brüssel zu blockieren bzw. die EU zu reformieren. Aus Sicht von Integrationsbefürwortern kann dies sowohl positiv als auch negativ gewertet werden. Positiv gesehen könnten Euroskeptiker in einem dialektischen Prozess durch ihre kritischen Positionen zur Weiterentwicklung und Verbesserung der EU beitragen.<footnote numbering="arabic" start="21">
                  <p> Siehe Schymik 2004.</p>
               </footnote> Negativ betrachtet kann der Beitritt von zwei euroskeptischen Gesellschaften die Integration auch dauerhaft blockieren. Aufgrund der geringen Bevölkerungszahl spielen Schweizer und Norweger in einem gesamteuropäischen Kontext zwar kaum eine Rolle. Dennoch würden norwegische und schweizerische Wähler und euroskeptische Organisationen ihre Regierungen zu einem langsamen Integrationstempo oder der Verhinderung weiterer Integration zwingen. Die im politischen System der Schweiz angelegten Möglichkeiten zur Blockade und Abwehr von Regierungs- und Parlamentsentscheiden würde die nationale Regierung bei Verhandlungen zusätzlich unter Druck setzen, nicht allzu integrationsfreundlich zu agieren. Aufgrund ihrer üppigen ökonomischen Ressourcen dürften beide Länder innerhalb der EU über eine, relativ zu ihrer Größe, ausgesprochen starke Verhandlungsposition verfügen. Zudem würden die schweizerischen und norwegischen euroskeptischen Bewegungen und Parteien das euroskeptische Lager innerhalb der EU stärken. NTEU kann aufgrund seiner Mitgliederstärke, ökonomischen Ressourcen, Elitenverankerung, organisatorischen Stärke sowie engen Verbindung zu zahlreichen Verbänden und Parteien als Supermacht unter den euroskeptischen Bewegungen bezeichnet werden. Diese würde sich zudem nahtlos in die Phalanx der nordischen Euroskeptiker einreihen mit denen bereits heute Verbindungen bestehen. Unter diesen Prämissen müsste jeder &#8218;überzeugte Europäer&#8217; sich vehement gegen den EU-Beitritt der kleinen, wohlhabenden und euroskeptischen Länder einsetzen.</p>
            <p>
               <citenumber id="N1018E" start="8"/>Das dritte Szenario von einem Zerfall der EU mag in Anbetracht der rasanten Vertiefung und Erweiterung der Integration der letzten Jahre abwegig erscheinen. Zahlreiche historische Fälle zeigen jedoch, dass politische Systeme anfällig für Zusammenbrüche sind. Bereits jetzt macht der Integrationswiderstand in zwei friedlichen, reichen, modernen, demokratischen Staaten deutlich, dass die blumige Selbstbeschreibung der Zukunft Europas bestritten wird. Das &#8218;Abseitsstehen&#8219; beider Staaten delegitimiert das EU-System und hat Modellcharakter für europaweiten Integrationswiderstand. Besonders deutlich wird dies an Diskursen über den Euro. So werden etwa temporäre Währungsschwankungen, bei denen der Euro gegenüber dem US-Dollar, dem Britischen Pfund oder dem Schweizer Franken abgewertet wird, als angeblicher Beweis für einen &#8218;weichen Euro&#8217; herangezogen. Gesetzt den Fall, dass sich eines Tages der Integrationsprozess in einem Krisenfall umkehrt oder es gar zu einem Bürgerkrieg innerhalb der EU kommt und die einzigen Länder, die demokratisch, friedlich, gerecht und wohlhabend sind, diejenigen sind, die, wenn auch nur formal, unabhängig sind, dann könnten solche Erfahrungen den Zerfallsprozess der EU beschleunigen. Dies sollte Grund genug sein, sich mit zwei euroskeptischen Schreckensvisionen über Europa zu befassen.</p>
         </section>
         <section id="N10193" label="1.3">
            <head>Die nationalen Debatten in Norwegen und der Schweiz<footnote numbering="arabic" start="22">
                  <p> Die folgenden zwei Seiten sind die grundlegend überarbeitete Version von Hille 2002: 37f. </p>
               </footnote>
            </head>
            <p>Wie kein anderes Thema der Nachkriegsgeschichte spaltet die Auseinandersetzung über Norwegens Verhältnis zur Europäischen Integration das Land an der Nordwestkante Europas. Insgesamt viermal bemühte Norwegen sich um die Mitgliedschaft in der EU (bzw. in ihren Vorgängerorganisationen). Und viermal scheiterte dieser Versuch der politischen und wirtschaftlichen Eliten, das Land nach &#8218;Europa&#8219; zu führen. Bereits die erste Beitrittsdiskussion 1961 führte zu heftigen Debatten in der Bevölkerung. Nicht zuletzt durch den Überfall Nazi-Deutschlands am 9.April 1940 ausgelöste antideutsche Ressentiments spielten damals noch eine gewisse Rolle, wie ein Spruchband verdeutlichte: <em>&#8222;1940 und Heute &#8211; es ist unsere Freiheit, um die es geht&#8220;.</em>
               <footnote numbering="arabic" start="23">
                  <p> Nach Bjørklund 1982: 23.</p>
               </footnote> Eine kontroverse Entscheidung über eine Mitgliedschaft blieb Norwegen jedoch zunächst erspart. Denn Frankreich legte aus machtpolitischen Gründen in den sechziger Jahren gleich zweimal sein Veto gegen den Beitritt Großbritanniens ein, woraufhin auch Norwegen seine Anträge zurückzog. Zum Missvergnügen der norwegischen Integrationsgegner gab Frankreich seine Vetoposition jedoch 1969 auf. Ein norwegisches Beitrittsgesuch und das erste norwegische Nein zur Europäischen Integration (53,5% Nein-Stimmen) in der Volksabstimmung von 1972 folgten. Die Kampagne von 1972 wurde mit großer Verbissenheit geführt. Viele Norweger erschreckte die in der sonst konsensorientierten politischen Kultur Norwegens ungewohnte Aggressivität der politischen Auseinandersetzung.</p>
            <p>Vor diesem Hintergrund wagte lange niemand, das politisch heiße Eisen EG-Mitgliedschaft anzurühren. Die entscheidende Triebkraft für die erneute EU-Debatte war die sich abzeichnende Entwicklung des EU-Binnenmarktes, die bereits Mitte der 80er Jahre den Beginn einer erneuten Debatte über eine engere Verbindung zur EG auslöste. Doch erst 1992 im Schatten des finnischen und schwedischen Vorstoßes wagte es die sozialdemokratische Regierung unter Gro Harlem Brundtland, die Mitgliedschaft in der EU zu beantragen. Mit ihrem Motto <em>&#8222;Selbstbestimmung oder (europäische) Union&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="24">
                  <p> Dieses für alle Argumentationen von NTEU grundlegende Gegensatzpaar, das nationale Selbstbestimmung und nationale Demokratie gegenüber einer fremdbestimmten und undemokratischen EU stellt, kommt in zahlreichen alternierenden Formen vor. Gebräuchlich sind die Begriffe &#8218;selvbestemmelse, selvråderett selvstyre, folkestyre, demokrati&#8217; für die Fähigkeit des norwegischen Volkes über sich selber demokratisch zu bestimmen. Bisweilen wird Selbstbestimmung noch mit dem Zusatz &#8218;national&#8217; oder &#8218;volkshaft/volksnah&#8217; (folkelig) versetzt. Diese positive nationale Selbstzuschreibung wird dem Begriff EU oder Union, der mit Fremdbestimmung assoziiert wird, gegenübergestellt.</p>
               </footnote> fand die &#8218;Volksbewegung NTEU&#8217;<footnote numbering="arabic" start="25">
                  <p> NTEU bezeichnet sich selber als Volkbewegung. Damit unterstreicht NTEU nicht nur Volksnähe, sondern auch das Selbstverständnis als neue soziale Bewegung.</p>
               </footnote> breite Unterstützung in der Bevölkerung und wuchs zur größten politischen Organisation Norwegens. Die beeindruckende Zahl von etwa 145.000 Mitgliedern im Herbst 1994 (bei nur ca. 4,4 Millionen Einwohnern) macht deutlich, wie stark die Gefühle gegen die EU sind. Zum Vergleich: Die Europabewegung brachte es gerade einmal auf 35.000 Mitglieder. Am mangelnden Geld lag die mäßige Mobilisierungsfähigkeit der Integrationsbefürworter mit Sicherheit nicht. Norwegens Arbeitgeberverband, der sich von der EU-Mitgliedschaft einen verbesserten EU-Marktzugang versprach, unterstützte die Pro-EU-Kampagne mit ca. 7,5 Millionen Euro (65 Millionen Kronen).<footnote numbering="arabic" start="26">
                  <p> Zahlen nach den Angaben des norwegischen Arbeitgeberverbandes über seine Tätigkeit im Referendum von 1994. Vgl. Rapport om NHOs EU-Arbeid 1995. Zu den aktuellen Positionen des norwegischen Arbeitgeberverbandes siehe (www.nho.no). und das Positionspapier der Abstimmungskampagne von 1994: Hvorfor Næringslivet sier Ja til EU (k.A.). </p>
               </footnote> Trotz alledem stimmte die Mehrzahl der Norweger (52,3%) im Referendum gegen einen EU-Beitritt.<footnote numbering="arabic" start="27">
                  <p> Zu den norwegischen Referenden siehe ausführlich: Bjørklund 1999, To join or not to join 1998.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N101D6" start="9"/>Seit dem Referendum ist es stiller geworden. Im Großen und Ganzen dreht sich der Streit um die von den pro-integratorischen Mehrheiten im Parlament durch verschiedene Verträge vorangetriebene engere Anbindung Norwegens an die EU. Diese Politik, in der Polemik der Nein-Bewegung als &#8218;schleichende EU-Anmeldung&#8219;<footnote numbering="arabic" start="28">
                  <p> &#8218;Snikinnmelding&#8217; ist ein von der norwegischen Nein-Seite benutzter Begriff und meint in etwa dasselbe wie &#8218;Beitritt durch die Hintertür&#8217; bei AUNS/SVP.</p>
               </footnote> gebrandmarkt, hat zu einer Zwitterstellung Norwegens geführt &#8211; einerseits ist das &#8218;unabhängige Königreich&#8219;<footnote numbering="arabic" start="29">
                  <p> Wortlaut der norwegischen Verfassung, auf die NTEU gerne hinweist, um ihre Bindung an die demokratische Verfassung und die nationale Unabhängigkeit zu unterstreichen. </p>
               </footnote> kein EU-Mitglied und damit innerhalb der EU nicht stimmberechtigt, andererseits ist es jedoch in wichtigen Bereichen wie dem Binnenmarkt an EU-Regelwerk gebunden.</p>
            <p>Die schweizerische Debatte über eine EU-Integration ist ungleich jünger als die norwegische. Hauptgrund dafür ist die schweizerische Neutralität. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges wurde eine engere Anbindung der Schweiz an die EU (bzw. die EG) möglich<footnote numbering="arabic" start="30">
                  <p> Dies ist eine etwas vereinfachte Sichtweise. Einerseits sind die EU-Debatten in den kleinen neutralen Staaten Schweden, Finnland, Österreich und Schweiz durch das Ende des Kalten Krieges angestoßen worden. Auch der norwegische Anlauf zur EU-Mitgliedschaft fand im Schlepptau des schwedischen Vorstoßes zum EU-Beitritt statt. Andererseits führte bereits die verstärkte Europäische Integration, insbesondere der sich abzeichnende Binnenmarkt, seit Mitte der achtziger Jahre zu Überlegungen über eine engere Anbindung an &#8218;Europa&#8217; (vgl. zur Schweiz Langejürgen 1993: 70). Insofern ist es angemessen, die verringerte Bedeutung der Neutralität als Katalysator oder Türöffner für bereits in politischen und wirtschaftlichen Eliten angedachte Integrationsdebatten aufzufassen. </p>
               </footnote> und bis heute ist die Schweizer Neutralität einer der zentralen Gründe für den Integrationswiderstand. Im Gegensatz zu Norwegen wurde in der Schweiz nie über die Vollmitgliedschaft in der EU abgestimmt. Aber zahlreiche Abstimmungen wie die Ablehnung der EWR-Mitgliedschaft von 1992 oder die angenommenen Bilateralen Verträge<footnote numbering="arabic" start="31">
                  <p> Siehe zum Abstimmungskampf über die Bilateralen Verträge Oberer 2001.</p>
               </footnote> mit der EU drehen sich um die Frage nach einer engeren Anbindung der Schweiz an die EU.<footnote numbering="arabic" start="32">
                  <p> Siehe zu den Abstimmungsergebnissen Vox-Analysen.</p>
               </footnote> Die schweizerischen EU-Gegner sind nicht allein gegen den Beitritt zur EU, sondern auch entschiedene Gegner der inzwischen beschlossenen UNO-Mitgliedschaft. SVP und AUNS sind die Wortführer gegen die Europäische Integration, die NATO- und die UNO-Mitgliedschaft. Jeden Integrationsschritt sehen sie als Teil einer Salamitaktik zur Aufweichung von &#8218;Selbstbestimmung, Demokratie und Neutralität&#8219;.<footnote numbering="arabic" start="33">
                  <p> Vgl. <url href="http://www.auns.ch/" type="URL">www.auns.ch</url>.</p>
               </footnote> Dies ist ein deutlicher Unterschied zu den norwegischen EU-Gegnern. Diese treten für eine starke UNO ein und argumentieren, dass gerade die Einbindung Norwegens in NATO und UNO eine EU-Mitgliedschaft überflüssig mache.</p>
            <p>Sowohl in Norwegen als auch in der Schweiz fanden Anfang der 90er Jahre ausgeprägte Identitätsdiskurse statt. Insbesondere in der Schweiz kam es zu einer grundlegenden Dekonstruktion des tradierten positiven Schweizbildes. Dies findet Ausdruck im Streit über die Schuld und die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg<footnote numbering="arabic" start="34">
                  <p> Stichworte sind dabei das Nazigold und die Kriegsverlängerungsthese.</p>
               </footnote> sowie in den Debatten über die Abschaffung der schweizerischen Armee und im älteren Diskurs über die &#8218;Enge der Schweiz&#8217;. AUNS und SVP treten in diesen Zusammenhängen als Verteidiger der Schweiz auf. Dabei war die 700-Jahr-Feier der Schweiz, bei welcher der auf das Jahr 1291 datierte Rütli Schwur begangen wurde, Anlass für eine weitreichende Identitätsdebatte über eine Neubestimmung der Schweiz gegenüber &#8218;Europa&#8219;.</p>
            <p>
               <citenumber id="N1021F" start="10"/>Integrationsbefürworter stehen vor dem Dilemma, die Notwendigkeit und den Nutzen der Integration herauszustellen, ohne die Nation und den Nationalstaat stark zu kritisieren oder die Integration gar als reinen, von außen oktroyierten Sachzwang darzustellen. Bauen sie aber ein sehr positives Bild der Nation und der Funktionsfähigkeit des Nationalstaates auf, dann entfallen sachliche Gründe für die Integration, und sie wird primär zur normativen Forderung für ein besseres Europa. In der Schweiz wie auch in Norwegen wenden Integrationsbefürworter diese normativen Argumentationsstrategien an. Häufig wird auf eine natürliche, historisch bedingte Zugehörigkeit der Schweiz und Norwegens zu Europa als gemeinsame Werte- und Kulturgemeinschaft rekurriert. Während diese vergangenheitsbezogene Argumentation in beiden Ländern nahezu identisch ist, weichen die antizipierten Beiträge beider Länder für die Zukunft Europas voneinander ab. </p>
            <p>In Norwegen wird dieser Beitrag darin gesehen, dass die EU von den transparenten, egalitär-wohlfahrtsstaatlichen Traditionen Norwegens (und Nordeuropas) &#8218;lernen&#8219; solle. In der Schweiz wird vor allem das friedliche Zusammenleben und die föderale Struktur der demokratischen Schweiz als &#8218;Modell für Europa&#8219; gepriesen.<footnote numbering="arabic" start="35">
                  <p> Siehe beispielsweise Ernst 1998.</p>
               </footnote> Das jeweilige Ideal des Staates und der Gesellschaft werden auf das entstehende, zukünftige Europa projiziert. Die Botschaft lautet, dass durch die Integration &#8218;Europa&#8219; wie die Schweiz bzw. wie Norwegen wird. Deshalb sei die Integration nicht nur wirtschaftlich notwendig, sondern ein ideeller Beitrag für die Zukunft.<footnote numbering="arabic" start="36">
                  <p> Vgl. Hille 2002: 37f.</p>
               </footnote>
            </p>
         </section>
         <section id="N10237" label="1.4">
            <head>Bedingungen des Integrationswiderstandes im politischen System</head>
            <p>Die sozioökonomischen Profile der Wähler bei Gegnern und Befürwortern ähneln sich in beiden Ländern. Städtische Zentren, hoher Bildungs- und Sozialstatus korrelieren mit der Befürwortung der Integration. Dies gilt auch für die Mehrheit der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Eliten. Umgekehrt haben Euroskeptiker ihre Hochburgen in ländlich-peripheren Gebieten. Der idealtypische Euroskeptiker hat einen niedrigen Ausbildungsgrad und einen niedrigen Sozialstatus. Zwar sind die politischen und wirtschaftlichen Eliten in der Schweiz und Norwegen keinesfalls durchweg Integrationsbefürworter und relativ zu anderen Ländern verfügen EU-Gegner über eine starke Elitenverankerung. Insgesamt befürwortet jedoch die Mehrheit der Parlamentarier, der großen Parteien, der Parteieliten, der Administrationen und der führenden Wirtschaftsverbände Integration, während die Massen der Bevölkerung Integration ablehnt.<footnote numbering="arabic" start="37">
                  <p> Vgl. Gstöhl 1998: 658, auch Bjørklund 1999. Dieser Konflikt zwischen Eliten und Volk ist das Thema einer weitgefächerten Debatte. Dies ist nicht zuletzt deshalb von großer Bedeutung, weil die Eliten sich hierbei als Vertreter der Vernunft und Sachlogik beschreiben und die Nein-Seite als legitime Volksvertreter. </p>
               </footnote> So siegen Integrationsbefürworter entsprechend Rokkans Faustformel <em>&#8222;Votes count, but resources decide&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="38">
                  <p> Rokkan 1975. Bei Rokkan hat diese Kritik der Macht von organisierten Interessen keinen unmittelbaren Bezug zur Integrationsdebatte.</p>
               </footnote> in der Regel, wenn Integrationsentscheidungen durch Regierung, Verwaltung, Parlament oder als stiller Nachvollzug gesellschaftlicher Akteure fallen. Ohne die Anrufung des ganzen Volkes und den dramatischen Show-down des Referendums, der Mobilisierung und Emotionalisierung in der Bevölkerung schafft, sind Euroskeptiker den Integrationsbefürwortern hoffnungslos unterlegen. Referenden sind damit das einzige wirkungsvolle Mittel, über das Euroskeptiker verfügen um sich politisch durchzusetzen, da in Volksabstimmungen die Ratio umgedreht wird und Ressourcen zwar zählen, aber Stimmen entscheiden. Vor diesem Hintergrund ist es das wichtigste Ziel von Euroskeptikern dafür zu sorgen, dass Referenden stattfinden, in denen sie sich in populären Kampagnen an das Volk wenden können.</p>
            <p>
               <citenumber id="N10254" start="11"/>Referenden sind in der Schweiz an der Tagesordnung<footnote numbering="arabic" start="39">
                  <p> Siehe zu den Abstimmungen Vox-Analysen und zum politischen System der Schweiz Linder 1999.</p>
               </footnote> und stellen keine besondere Hürde für die Euroskeptiker dar. Unter dem Gesichtspunkt der praktischen Verhinderung von Integration in kleinen Schritten bietet die permanente Möglichkeit zum Referendum den schweizerischen Euroskeptikern ein relativ effizientes Mittel um schleichende Integration zu verhindern. Hierin ist der Hauptgrund dafür zu sehen, dass der Grad der De-facto-Integration in Norwegen höher ist als in der Schweiz. Die Euroskeptiker in der Schweiz sind durch das politische System zusätzlich begünstigt, weil nicht nur die Mehrheit der Bevölkerung, sondern auch die Mehrheit der Kantone einen Integrationsschritt absegnen müssen. Da die bevölkerungsarmen euroskeptischen ländlichen Kantone relativ zur Bevölkerungszahl überrepräsentiert sind, ergeben sich hieraus strategische Vorteile der Euroskeptiker. Eine solche Trumpfkarte besitzen die norwegischen Euroskeptiker nicht.<footnote numbering="arabic" start="40">
                  <p> Zwar wurde in den Reihen der norwegischen Euroskeptiker laut darüber nachgedacht, ob die Minderheit im Parlament nicht im Falle eines Ja-Mehrheit im EU-Referendum, ihre Sperrminorität einsetzen sollte, um den Beitritt zu verhindern. Eine solche Entscheidung gegen den Willen des Volkes wäre jedoch allgemein als illegitim angesehen worden. Deshalb ist anzunehmen, dass auch die euroskeptischen Parlamentarier nicht zu diesem Mittel gegriffen hätten.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>In der parlamentarisch-repräsentativen Demokratie Norwegens sind Volksabstimmungen die Ausnahme und es besteht keine verfassungsrechtliche Notwendigkeit zur Abhaltung eines EU-Referendums. Formal gesehen sind Referenden in Norwegen beratend. Nachdem jedoch zweimal über die EU/EG-Mitgliedschaft abgestimmt wurde, wird ein zukünftiges Referendum aber allgemein als zwingend angesehen um einen späteren EU-Beitritt zu rechtfertigen. Der sparsame Gebrauch des Referendums in Norwegen hat zudem zu der sehr hohen Mobilisierung und Wahlbeteiligung (89% 1994, 79,2 % 1972)<footnote numbering="arabic" start="41">
                  <p> Zahlen nach To join or not to join 1998: 16f.</p>
               </footnote> beigetragen. Empirisch spiegeln die fünf Referenden der norwegischen Geschichte das Grundmuster eines Konfliktes zwischen Zentrum und Peripherie wider und kreisen um nationale Fragen.<footnote numbering="arabic" start="42">
                  <p> Zur rokkanschen Definition des Zentrum-Peripherie-Konfliktes siehe Rokkan/Urwin 1983 und zu seiner Wirkung bei Referenden siehe Bjørklund 1999: Zwei Referenden wurden 1905 zur nationalen Unabhängigkeit und über den König abgehalten, 1919 zur Prohibition und 1926 zur Aufhebung der Prohibition sowie die beiden Referenden zur Integration von 1972 und 1994. Vgl. Bjørklund 1999: 127.</p>
               </footnote> Vielfältige gesellschaftliche Konflikte konnten so unter dem Deckmantel des EU-Referendums ausgefochten werden. </p>
            <p>Euroskeptiker in der Schweiz sind aufgrund des politischen Systems in der Lage, selbst relativ kleine Integrationsschritte mit einer Vielzahl von kleinen Referenden abzuwehren. Norwegische EU-Gegner müssen sich dagegen auf die Abschreckungswirkung und die Legitimation durch wenige große Referenden verlassen. Nur der Verweis auf die Entscheidung des Volkes und die Drohung mit dem schweren, unhandlichen Damoklesschwert des Referendums stehen der schleichenden Integration entgegen.</p>
            <p>
               <citenumber id="N10280" start="12"/>Dass die Ja-Seite Rückenwind durch die zentralstaatliche Bürokratie und die Regierung erhielt, ist ein berechtigter Vorwurf, der immer wieder von NTEU erhoben wurde. Dies zeigt sich am Timing der Referenden von 1994, bei dem die widerspenstigen Norweger als letzte nach Österreichern, Finnen und Schweden an die Urnen gerufen wurden. Zudem sandte die Regierung eine Broschüre mit pro-integratorischen Inhalten an alle Haushalte. Was daraufhin geschah, ist in einem deutschen oder schweizerischen Kontext<footnote numbering="arabic" start="43">
                  <p> Man siehe etwa Publikationen der Bundeszentrale für politische Bildung, die eindeutig Stellung zugunsten der Integration nehmen. An dieser Stelle muss der eklatante Unterschied zu norwegischen Diskursen herausgestrichen werden. Dort gelten Ja- und Nein-Seite als legitime politische Kräfte.</p>
               </footnote> kaum vorstellbar. Die einseitige Stellungnahmen der Regierung zugunsten der Integration wurde als unfair angesehen und NTEU erhielt per Parlamentsbeschluss öffentliche Gelder für eine eigene Darstellung, die mit der bei 4,4 Millionen Einwohnern enormen Auflage von 1,8 Millionen Exemplaren erschien.<footnote numbering="arabic" start="44">
                  <p> Angaben nach der aus diesen Geldern entstandenen Sammlung von Informationen, Essays und Gedichten über EU-Europa der Nein-Seite: Lesebok 1994: 7f. </p>
               </footnote> Dagegen erhält die AUNS nach eigenen Angaben <em>&#8222;... weder direkt noch indirekt keinen Rappen bzw. keinen &#8218;Cent&#8217; vom Staat.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="45">
                  <p> So die Antwort von Werner Gartenmann, dem stellvertretenden AUNS-Geschäftsführer, auf eine Anfrage per E-Mail vom 23.2.04.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Insgesamt wird die Nein-Seite in Norwegen geringfügig benachteiligt. Dass NTEU dies gerne herausstellt, muss jedoch auch als Selbstbeschreibung von NTEU als <em>David gegen Goliath</em> verstanden werden, bei der sich die &#8218;Volksbewegung&#8217; NTEU gegen die staatlichen Eliten auflehnt. Dieses Thema findet sich fast identisch bei der AUNS/SVP, wobei der kleine Mann, mit Hilfe von Blocher, den arroganten Politikern und Bürokraten auf die Finger schaut. Während in Norwegen zumindest formal Waffengleichheit zwischen NTEU und Europabewegung besteht, fällt die Unterstützung in der Schweiz durch das Integrationsbüro deutlicher aus.<footnote numbering="arabic" start="46">
                  <p> Siehe aus pro-integratorischer Sicht zu der Rolle der Schweizer Behörden in Hinblick auf die EWR-Abstimmung von 1992: Goetschel 1994.</p>
               </footnote>
            </p>
         </section>
         <section id="N102AE" label="1.5">
            <head>Die Länderauswahl &#8211; zwei kleine, hochentwickelte, demokratische Länder mit einigen Besonderheiten</head>
            <subsection id="N102B3" label="1.5.1">
               <head>Die Schweiz und Norwegen als &#8218;most similar cases&#8217;</head>
               <p>Die Schweiz und Norwegen sind beide kleine, demokratische, westeuropäische, reiche, konsensuale, hochentwickelte, moderne, stabile Staaten, die weitgehend unschuldig an den &#8218;<em>europäischen Bürgerkriegen&#8217;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="47">
                     <p> Dieser geläufige Begriff ist bereits Teil einer pro-integratorischen Interpretation, weil er eine gemeinsame Bürgerschaft Europas &#8211; eine Gemeinschaft &#8211; voraussetzt.</p>
                  </footnote> sind und keine bedeutende imperialistische Tradition oder offene Gebietsansprüche haben. Beides sind offene und stark mit der Weltwirtschaft und insbesondere der EU verknüpfte Ökonomien mit sehr hohen Sozial-, Umwelt- und Verbraucherschutzstandards. Ihre Bevölkerungen verfügen über einen sehr hohen Bildungsstand,<footnote numbering="arabic" start="48">
                     <p> Die grundlegenden Strukturdaten beider Länder sind ähnlich. Dies ist an der vergleichenden Darstellung statistischer Eckdaten von Norwegen und der Schweiz auf der Seite des schweizerischen &#8218;Bundesamts für Statistik&#8217; abzulesen. </p>
                  </footnote> sind zufrieden mit dem politischen System und mehrheitlich euroskeptisch. In beiden Ländern findet man einen hochsubventionierten Agrarsektor und nationalromantische Beschreibungen der Landbewohner. Sie beide haben sich historisch stark an Deutschland orientiert. Sowohl von deutscher Seite wie von norwegischer bzw. deutschschweizerischer Seite gibt es kollektive Selbstbeschreibungen von &#8218;Nähe&#8217; zu den Deutschen sowie daraus resultierende starke Abgrenzungsversuche gegenüber dieser &#8218;Verwandtschaft&#8217;. In der Terminologie der vergleichenden Politikwissenschaft ist dies deshalb eine &#8218;two case study&#8217; mit &#8218;most similar cases&#8217;. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N102D0" start="13"/>Politikwissenschaftlichen Ländervergleichen liegt tendenziell die Vorstellung zugrunde, nach der Faktoren für gesellschaftliche Wirkungszusammenhänge erkannt, abgegrenzt (definiert) und hieraus Schlussfolgerungen über gesellschaftliche Wirkungszusammenhänge gefolgert und verifiziert bzw. falsifiziert werden können. Entsprechend kann eine &#8218;gesellschaftliche Formel&#8217; nach der &#8218;gesuchten Unbekannten&#8217; aufgelöst werden. Auch die vergleichende Politikwissenschaft ist sich bewusst, dass bis auf eine Variable identische Fälle nur in der Fiktion<footnote numbering="arabic" start="49">
                     <p> Sehr beliebt sind literarische oder filmische Darstellungen, in denen Hitler den Krieg gewonnen hat. </p>
                  </footnote> vorkommen und inhaltliche Varianzen auftreten. Um diese empirischen Probleme einzuhegen, empfiehlt die vergleichende Politikwissenschaft die Suche nach Ländern, die durch ihre spezifische Konstellation eine Antwort auf eine Fragestellung geben (single case study), dem Ideal von identischen Fällen zumindest annäherungsweise entsprechen (most similar cases), die Gegenprobe durch &#8218;most different cases&#8217; oder die Erhöhung der Fehlertoleranz durch eine möglichst große Fallzahl zulassen. </p>
               <p>Eine große Fallzahl setzt die Reduktion euroskeptischer Motive in ein einfaches Schema sowie erhebliche Ressourcen zur Erfassung und Verarbeitung der Daten voraus (z.B. Eurobarometer). Demgegenüber wird bei einer kleinen Fallzahl und der Untersuchung von komplexen Sinnstrukturen die <em>&#8222;dicke Beschreibung&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="50">
                     <p> Geertz 1973.</p>
                  </footnote> des Forschungsgegenstandes durch eine niedrigere Validität erkauft.<footnote numbering="arabic" start="51">
                     <p> Siehe Aarebrot/Bakka 1992: 60ff. Zu den Methoden der vergleichenden Politikwissenschaft auch Collier 1993.</p>
                  </footnote> Entsprechend ist es das Ziel eine plausible Beschreibung aus dem Lesen euroskeptischer Primärquellen, aus Gesprächen mit Euroskeptikern und Experten sowie der überblicksartigen Sichtung angrenzender Diskurse herzustellen. Dennoch erschien es nützlich einige Gedanken der vergleichenden Politikwissenschaft für die Länderauswahl und die Thesenbildung aufzugreifen. Dabei bestehen deutliche Parallelen zu einer vergleichenden historischen Analyse.<footnote numbering="arabic" start="52">
                     <p> Siehe Rokkan 1970.</p>
                  </footnote> Im Gegensatz zu dieser wird jedoch nicht eine kleine Anzahl von Ländern über lange historische Zeiträume verglichen,<footnote numbering="arabic" start="53">
                     <p> Vgl. Collier 1993: 105.</p>
                  </footnote> sondern die von Euroskeptikern erzeugten Geschichten über diese langen nationalen Geschichten, welche euroskeptisches Wirklichkeitsverständnis konstituieren. </p>
               <p>Ausgangspunkt für diese Untersuchung waren Beobachtungen aus einer zuvor angefertigten &#8218;single case study&#8217;, die zu dem Ergebnis kam, dass Nationalismus ein wesentlicher Auslöser für Euroskeptizismus in Norwegen ist.<footnote numbering="arabic" start="54">
                     <p> Hille 2000.</p>
                  </footnote> Vor diesem Hintergrund wurde die Frage abgeleitet, inwieweit euroskeptische Diskurse in anderen nationalen Zusammenhängen alternieren.<footnote numbering="arabic" start="55">
                     <p> Vgl. Hille 2000: 87.</p>
                  </footnote> Da Euroskeptizismus in verschieden starker Ausprägung in allen EU-Staaten und potentiellen Beitrittsländern zu finden ist, waren alle diese Länder potentielle Vergleichsobjekte. Besonderes erforschenswert erschienen die Niederlande als kleines, wie Norwegen von Deutschland im Zweiten Weltkrieg erobertes Land, in dem jedoch pro-integratorische Haltungen stark vertreten sind. Die Türkei wäre unter dem Gesichtspunkt der Konstruktion von geographischen und kulturellen Grenzen Europas interessant gewesen. Eine weitere lohnenswerte Frage wäre, wie der euroskeptische Norden in den Integrationsdiskursen des als rückständig, katholisch und undemokratisch beschriebenen Südens<footnote numbering="arabic" start="56">
                     <p> Spanien, Portugal, Italien sowie das orthodoxe Griechenland. Der Nord-Süd-Gegensatz ist bis heute eine wirkungsvolle Denkschablone auch wenn er im 20. Jahrhundert von einer Ost-West-Dichotomie überlagert wurde. Zu einer prägnanten Zusammenfassung der Nord-Süd-Stereotype und ihrer Wandlungen siehe (Das) Projekt Norden 2002, Stadius 2001.</p>
                  </footnote> erscheint? Die Geschichten der Euroskeptiker im ehemaligen Weltreich Großbritannien<footnote numbering="arabic" start="57">
                     <p> Siehe die aus einer konstruktivistischen Perspektive geschriebene Analyse über die britische Europadebatte von Diez 1999.</p>
                  </footnote> hätten einen bemerkenswerten Kontrast zu den von Integrationsbefürwortern in Norwegen vielbeschworenen norwegischen Komplexen gegenüber den europäischen Großmächten gebildet und auch die jüngsten Integrationsdebatten in den mittel- und osteuropäischen Staaten hätten Anlass zum Vergleich geboten.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10327" start="14"/>Letztlich fiel die Wahl jedoch auf die Schweiz als dem anderen EU-Outsider von vergleichbarer Größe.<footnote numbering="arabic" start="58">
                     <p> Liechtenstein, Grönland und Island erschienen aufgrund ihrer geringen Größe und ihrer einseitigen Wirtschaftsstruktur und den damit verbunden Interessen als unpassend um Fragen zu beantworten, die über spezifische sektorale Aspekte wie Fischgründe in Norwegen, Grönland und Island sowie finanzwirtschaftliche Fragen (Bankgeheimnis) in Lichtenstein und der Schweiz hinausreichen.</p>
                  </footnote> Trotz der EU-Mitgliedschaft, die auf dem knappen Sieg der EU-Befürworter von 1994 beruht, wäre jedoch Schweden, gefolgt von den anderen Nordischen Ländern, der &#8218;most similar case&#8217; zu Norwegen. Gegen die Wahl Schwedens oder anderer Nordischer Staaten spricht jedoch die allzu große Nähe der nordischen EU-Diskurse untereinander. Norwegen und die Schweiz sind als kleine, friedliche, demokratische, wohlhabende, euroskeptische, stabile, westeuropäische Staaten im Wesentlichen &#8218;most similar cases&#8217;, zugleich weisen sie jedoch einige untersuchenswerte Unterschiede auf.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N10334" label="1.5.2">
               <head>Schweiz und Norwegen als &#8218;different cases&#8217;</head>
               <p>Gerade diese Mischung aus weitgehender Übereinstimmung und partiellen Unterschieden macht den Vergleich lohnenswert. Dabei sind folgende bemerkenswerte Unterschiede, die teilweise die Titulierung &#8218;most different cases&#8217; verdienen, hervorzuheben. </p>
               <p>Norwegen war historisch subordiniert. In der nationalistischen Interpretation befreite sich Norwegen erst 1814 aus der <em>&#8222;vierhundertjährigen Nacht&#8221;</em>
                  <em>(400-års-natten)</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="59">
                     <p> Hier zitiert nach dem Anti-EU-Buch des Predigers Åleskjær 1994: 23. Dieser gehört jedoch nicht zu NTEU, sondern zu den christlichen fundamental-erweckerischen Splittergruppen. Unmittelbar spielen diese christlichen Fundamentalisten aufgrund ihrer kleinen numerischen Zahl keine große Rolle. Umstritten ist, inwieweit ihr Gedankengut indirekt die Nein-Seite inspiriert. So versucht die Europabewegung NTEU in die Nähe dieser Gruppen zu rücken.</p>
                  </footnote> in der Norwegen ein ausgebeuteter, peripherer Teil des dänischen Reiches gewesen sein will.<footnote numbering="arabic" start="60">
                     <p> Hier interessiert in erster Linie der Mythos einer subordinierten Nation. Bereits Bagge/Mykland stellen heraus, dass die These von Norwegen als ausgebeuteter Kolonie Dänemarks kaum haltbar ist. Tatsächlich hat Dänemark wohl eher Norwegen wirtschaftlich unterstützt. Vgl. Bagge/Mykland 1993.</p>
                  </footnote> Nach kurzer Unabhängigkeit folgte die so genannte <em>&#8218;Zwangs</em>
                  <em>union&#8217;</em> mit Schweden, aus der sich das Land 1905 per Referendum &#8218;befreite&#8217;. Zudem wurde Norwegen 1940 von Deutschland besetzt. Demgegenüber war die Schweiz seit ihrer mythischen Gründung als Abwehrbündnis Ort zahlreicher interner Konflikte sowie teilweise kriegerischer Ausweitungen, jedoch nicht Objekt der Eroberung durch &#8218;fremde Herrscher&#8217;. Innerhalb der EU-Debatten wurden aus den historischen Erfahrungen der Unterdrückung bzw. nationalen Selbstbehauptung Sonderwegsthesen für den Euroskeptizismus aufgebaut.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N1035D" start="15"/>Norwegen ist ein zentralistischer, unitärer Einheitsstaat mit einer repräsentativ-parlamentarischen Demokratie. Demgegenüber stellt die Schweiz einen Sonderfall mit stark direktdemokratischen Einflüssen und einem ausgeprägtem Föderalismus mit stark subsidiären Elementen dar. </p>
               <p>Im norwegischen Fall wird die abgeschiedene geographische Lage am Rande Europas und die niedrige Transaktionsdichte seiner Bürger, in Form von Pendleraufkommen, Tourismus und Transitverkehr, häufig als Begründung für den Skeptizismus gegenüber der EU genannt. Offensichtlich stellt die Schweiz als ein zentrales Land auf dem Kontinent und mit einer weit überdurchschnittlichen Transaktionsdichte seiner Bürger mit EU-Europa einen Gegenfall dar. Diskurse in der Schweiz beziehen sich auf die jeweiligen Sprachräume und die benachbarten EU-Länder Deutschland/Österreich, Frankreich und Italien. Dagegen sind norwegische Diskurse abgegrenzte nationale Diskurse, die allenfalls die skandinavischen Nachbarländer beobachten.<footnote numbering="arabic" start="61">
                     <p> Siehe Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen. </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Während die norwegische Gesellschaft eine der homogensten mit einem unterdurchschnittlichen Ausländeranteil ist, zeichnet sich die Schweiz nicht nur durch vier Sprachräume, sondern auch durch einen sehr hohen Ausländeranteil aus. In der fremdenfeindlichen SVP-Rhetorik hat er <em>&#8222;wegen der EU-Freizügigkeit&#8220;</em> bereits die <em>&#8222;Schmerzgrenze von 20% erreicht.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="62">
                     <p> SVP Pressecommuniqué vom 25.9.2003.</p>
                  </footnote> Auch konfessionell ist die Schweiz gemischt, während Norwegen nahezu homogen protestantisch ist.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N1037F" start="16"/>Weitere grundlegende Unterschiede sind die Wirtschaftsstruktur und sozialstaatliche Organisation. Während die Schweiz durch multinationale Konzerne sowie Großbanken und Versicherungen geprägt ist, ist Norwegen vorwiegend Rohstoffproduzent und verfügt vorwiegend über kleine und mittlere Unternehmen.<footnote numbering="arabic" start="63">
                     <p> Selbst die norwegischen Riesen wie Statoil oder Norsk Hydro sind im internationalen Vergleich Zwerge und können nicht mit schweizerischen Multis wie Nestlé oder UBS verglichen werden. </p>
                  </footnote> Entgegen der bisweilen mit dem Bild der wirtschaftsliberalen Schweiz verbundenen Assoziation verfügt auch diese über ein ausgeprägtes System der sozialen Sicherung. Sie stellt jedoch in der häufig zugrundegelegten Kategorisierung von Esping-Andersen mit seiner starken positiven normativen Wertung des skandinavisch-universalistischen Wohlfahrtsregimes den entgegengesetzten Organisationstypus dar.<footnote numbering="arabic" start="64">
                     <p> Siehe Esping-Andersen 1990.</p>
                  </footnote> Schließlich ist herauszuheben, dass die oft als spießig und eng beschriebene Republik Schweiz mit Tabubereichen wie Drogen, Pornographie, Prostitution ungleich liberaler und offener umgeht, als die konstitutionelle Monarchie Norwegen, die sich zudem durch eine äußerst restriktive Alkoholpolitik auszeichnet. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N10394" label="1.5.3">
               <head>Deutschland als implizites drittes Vergleichsland</head>
               <p>Üblicherweise wird diese Untersuchung als &#8216;two case study&#8217; eingeordnet werden. Dies ist jedoch eine Vereinfachung, die auch in der folgenden Untersuchung beibehalten wird. Spätestens seit Saids &#8222;<em>Orientalismus</em>&#8220; dürfte auf der Hand liegen, dass jede Aussage über ein Land dieses aus einem spezifischen Hintergrund konstruiert.<footnote numbering="arabic" start="65">
                     <p> Siehe Said 1978.</p>
                  </footnote> Da bereits meine Gesprächspartner mich als Deutschen identifizierten, dem es galt, ihr Land und seine Bevölkerung zu erklären, spielt Deutschland als implizites Referenzsystem eine große Rolle. Sofern der unerfüllbare Anspruch eines kontextlosen Ländervergleiches aufgegeben wird, ist dies wünschenswert. Denn zum einen bietet es eine neue Perspektive auf die beiden nationalen Diskurse und zum anderen eine Übersetzungsleistung in den deutschen Kontext. Dieser Dreiervergleich hat große Auswirkungen auf die Präsentation und Aufarbeitung des Materials. Positionen der deutschschweizerischen AUNS/SVP können mit sehr viel weniger Erklärungsbedarf und mit einfachen Analogien zu deutschen Diskursen, etwa Positionen von CSU und Republikanern, einigermaßen treffend beschrieben werden. Zwar gibt es Bedeutungsverschiebungen und entsprechende Verluste bei der Übersetzung, jedoch dürften viele AUNS/SVP-Zitate für den deutschen Leser ohne Übersetzung und umfangreiche Erklärungen verständlich sein. So braucht etwa der polemische Charakter des von AUNS/SVP verwendeten Begriffes &#8218;Anschluss&#8217; für Integration keiner Erklärung. Sowohl in schriftlichen Quellen wie auch in Gesprächen mit Aktivisten der AUNS/SVP oder schweizerischen Wissenschaftlern wird die Übersetzung und Bezugnahme zu Deutschland üblicherweise ungefragt mitgeliefert. Je nach Standpunkt wird fast durchgängig eine Kritik und Dekonstruktion der Schweiz geleistet, entschuldigend für Verständnis für die Schweizer geworben oder von Seiten der AUNS ein klarer Standpunkt für die Schweiz und gegen Deutschland eingenommen. Zudem sind zahlreiche schweizerische Politikwissenschaftler Deutsche oder haben in Deutschland studiert. Damit ist auch das Verständnis- und Reflexionssystem zum Erfassen von Integrationsdebatten und politischen Vorgängen und Ideologien mit einer deutschen Sichtweise gekoppelt.</p>
               <p>In Gesprächen wird solch eine Übersetzungsleistung zwar auch in Norwegen oft angestrebt. Dabei ist das Wissen über Deutschland wesentlich ausgeprägter als die wenigen Stereotype wie groß, blond, sozial, gleich, kalt, Holzmöbel, Elche, Fjorde, die über Norwegen und seine Bewohner in Deutschland kursieren. Verglichen mit der deutschsprachigen Schweiz sind diese Übersetzungen weitaus fragmentarischer und nehmen üblicherweise einen indifferenten Außenstandpunkt nach dem Motto ein: bei uns ist es halt so und bei euch anders. Dies hat einen wesentlich höheren Übersetzungs- und Erklärungsaufwand in Bezug auf Norwegen zur Folge. So wird etwa der norwegische Begriff für Anschluss - tilslutning - einerseits in Anspielung an den deutschen Begriff in gleicher Weise polemisch benutzt wie bei AUNS/SVP, andererseits kann er jedoch auch eine relativ neutrale Beschreibung meinen. In öffentlichen und den sich auf den anglo-amerikanischen Raum beziehenden wissenschaftlichen Diskursen sind solche Bezüge zu Deutschland eher die Ausnahme. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N103AC" start="17"/>Der Mittelpunkt und Fokus dieser Untersuchung liegt zwischen den drei Vergleichsländern Deutschland, Norwegen und der deutschsprachigen Schweiz. Die größere Nähe zum Bezugssystem Deutschland führt zu einer geringeren Betonung der Differenz zwischen der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland, weil der Abstand zu Norwegen größer ist und deshalb stärker ins Blickfeld gerät. Zu hoffen ist, dass einige quer liegende, neue Ansichten und Wertungen der nationalen EU-Diskurse entstehen.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N103B1" label="1.5.4">
               <head>Einschränkung auf die deutschsprachige Schweiz</head>
               <p>Die Einschränkung auf die deutschsprachige Schweiz spiegelt die dominante Rolle der Deutschsprachigen für den Integrationswiderstand wider und folgt aus der Forschungsfrage und Beobachtungsperspektive. Bereits Vorrecherchen und Expertengespräche ergaben, dass Euroskeptizismus in der Schweiz primär ein deutschschweizerisches Phänomen ist und im rechtskonservativen Umfeld von AUNS/SVP anzusiedeln ist.<footnote numbering="arabic" start="66">
                     <p> Dies Bild ergab sich bereits aus den in der Schweiz geführten Gesprächen mit Experten und Euroskeptikern (siehe Danksagung), die vornehmlich den Zweck hatten, ein überblicksartiges Verständnis der schweizerischen Diskurse aufzubauen und den Forschungsgegenstand näher einzugrenzen. Deshalb wurden die Experten gezielt gefragt, welche Akteure ihrer Ansicht nach relevant seien. Vgl. zu den Akteuren und ihrer Bedeutung auch Archer 2004.</p>
                  </footnote> Die Dominanz der Deutschschweizer für den Integrationswiderstand ergibt sich bereits aus der Bevölkerungsstatistik. Von der Wohnbevölkerung sprechen als Muttersprache 63,9% Deutsch, 19,5% Französisch, 9,5% sonstige Sprachen, 6.6% Italienisch und 0,5% Rätoromanisch. An den Wahlurnen wird das relative Übergewicht der Deutschschweizer zusätzlich aufgrund des hohen Anteils nichtwahlberechtigter Ausländer bei den sonstigen Sprachen und den Italienischsprachigen erhöht.<footnote numbering="arabic" start="67">
                     <p> Zahlenangabe für 2000 nach Bundesamt für Statistik.</p>
                  </footnote> Auch wenn euroskeptische Ansichten im Tessin verbreitet sind, so können diese allenfalls bei spezifischen Fragestellungen das Zünglein an der Waage bilden. Insgesamt besteht das Wahlvolk also fast ausschließlich aus deutschsprachigen und französischsprachigen Schweizern. Aus Vereinfachungsgründen ist es deshalb sinnvoll, die übrigen Sprachgruppen, ebenso wie auch die samische Bevölkerung in Norwegen, auszublenden. </p>
               <p>Die Deutschschweizer haben nicht nur quantitativ ein mehrfaches Gewicht an den Wahlurnen gegenüber den Französischsprachigen, vielmehr neigt die französischsprachige Schweiz zur Befürwortung der Integration, während die deutschsprachige Schweiz euroskeptisch ist. Auch AUNS/SVP sind tendenziell eher der deutschsprachigen Schweiz zuzuordnen. Die zentralen Mythen der Schweiz wie Tell/Rütli sind zudem primär deutschschweizerische Mythen. Wer wissen möchte, warum die Schweiz kein EU-Mitglied ist, der muss sich auf die deutschsprachige Schweiz konzentrieren, ebenso wie im norwegischen Fall auf die Peripherie. Unter dem Aspekt strategischer Abschätzungen von zukünftiger Integrationswahrscheinlichkeit ist es deshalb gerechtfertigt, die deutschsprachige Schweiz als den wesentlichen euroskeptischen Teil der gesamten Schweiz aufzufassen.<footnote numbering="arabic" start="68">
                     <p> Die &#8218;größere Weltoffenheit&#8217; und &#8218;größere Europafreundlichkeit&#8217; der &#8218;Romands&#8217;, ist fester Bestandteil des nationalen Diskurses.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N103D6" label="1.6">
            <head>Warum AUNS/SVP und NTEU?</head>
            <p>
               <citenumber id="N103DD" start="18"/>Bei einer als wichtig angesehenen Entscheidung wie der Integrationsfrage, die per Referendum entschieden wird, meldet sich nahezu jeder, der die Möglichkeit zur Publikation hat, zu Wort. Nimmt man die Leserbriefspalten hinzu, so kann man sogar davon sprechen, dass quasi jeder, der lesen und schreiben kann, potentiell zum Kreis der Publizisten gehört. Dies gilt erst recht für nahezu alle gesellschaftlichen Akteure,<footnote numbering="arabic" start="69">
                  <p> Die norwegische Staatskirche ist der einzige gesellschaftlich wichtige Akteur, der zwar leicht zur Ja-Seite neigt, aber insgesamt neutral bleibt.</p>
               </footnote> die einen mehr oder weniger pointierten EU-Standpunkt einnehmen. Die schiere Masse und die zahlreichen spezifischen Argumente der einzelnen Personen und Akteure nachzuvollziehen, hätte diese Untersuchung zu einer Synopse euroskeptischer Haltungen gemacht. Resultat wäre eine, insbesondere aufgrund der zersplitterten politischen Landschaft der Schweiz, langwierige Aufzählung und Beschreibung europapolitischer Standpunkte verschiedener Parteien und Verbände, wie sie bereits in stets aktualisierter Form vorliegen.<footnote numbering="arabic" start="70">
                  <p> Eine solche Synopse für die Schweiz findet sich auf den Seiten des Integrationsbüros (vg. Integrationsbüro, Download vom 14.4.04). Vergleichend zu Norwegen und der Schweiz siehe Gstöhl 2002ab.</p>
               </footnote> Bei der Bewertung und Gegenüberstellung würden zudem zahlreiche Probleme entstehen, da die zentralistische Struktur der norwegischen Parteien und Verbände nur bedingt mit dem Mehrebenensystem der Schweiz zu vergleichen ist. Vor diesem Hintergrund war es notwendig, vergleichbare Akteure zu finden, die unterschiedliche euroskeptische Haltungen und Argumente bündeln und diese zu einer kohärenten euroskeptischen Interpretation verdichten, um die Wähler von ihrem Standpunkt zu überzeugen. Naheliegend ist, dass diese intellektuelle Leistung am ehesten von anti-integratorischen Bewegungen geleistet wird und anhand ihrer Darstellungen ablesbar ist.</p>
            <p>In beiden Ländern nehmen die meisten größeren Parteien ein pro-integratorischen Grundstandpunkt ein oder sind gespalten. Tendenziell sind dabei die Parteieliten eher Befürworter, während die Basis euroskeptischer ist. Neben den Anti-Integrationsbewegungen geben die wenigen relevanten klar konturierten Nein-Parteien den breitesten Anti-EU-Standpunkt wieder.<footnote numbering="arabic" start="71">
                  <p> In der Schweiz sind dies die SVP, CVP (Christliche Volkspartei) und in Norwegen die Sozialistische Linke (SV) und die ländlichen Parteien, die Zentrumspartei und die Christliche Volkspartei (KrF). Zu den Standpunkten der Parteien in Norwegen siehe den Parteienforscher Saglie 1999.</p>
               </footnote> Die großen organisierten Interessenverbände scheiden aus, weil ihre Haltungen zu partikular (Bauernverbände), gespalten (Gewerkschaften) oder zum Ja-Lager (große Arbeitgeberverbände) gehören. Parteien und Verbände sind zudem nur bedingt geeignet, um eine nationale Sinngebung des Integrationswiderstandes zu formulieren. Zwar sind Parteien und Verbände bemüht sich als Advokaten des nationalen Interesses und des ganzen Volkes zu beschreiben, wie an international gängigen Bestandteilen von Parteinamen wie National oder Volk abzulesen ist. Dennoch neigt eine nationale Sichtweise zur Projektion einer nationalen Gemeinschaft und eines nationalen Interesses, die über Parteien und Verbänden stehen. Aus diesem Grund betonen NTEU und AUNS ihre Überparteilichkeit, um sich als Vertreter des ganzen Volkes zu beschreiben. </p>
            <p>Der wichtigste Grund für die Auswahl von NTEU und AUNS/SVP waren ihre Größe und Dominanz innerhalb des euroskeptischen Lagers ihrer Länder. Der untersuchte Akteur sollte mitgliederstark und landesweit vertreten sein, die bedeutendste euroskeptische Bewegung darstellen, zeitlich und organisatorisch stabil sein sowie die typischen euroskeptischen Wählerschichten und Akteure umfassen. Vor allem sollte die Organisation einen nationalen Standpunkt im Sinne einer Vertretung für das ganze Volk einnehmen. NTEU ist mit Abstand die größte euroskeptische Bewegung in Norwegen und vertritt nahezu alle Integrationsgegner. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10401" start="19"/>AUNS hat etwa 42.000 Mitglieder und ist eng mit der Schweizerischen Volkspartei verknüpft. Die Strategie von AUNS und SVP ist die Polarisierung von rechts. Deshalb ist ihre Repräsentativität für den Euroskeptizismus in der Bevölkerung geringer als die von NTEU in Norwegen. Dennoch haben AUNS und SVP die Wortführerschaft in der EU-Debatte inne und stellen ein Sammelbecken der Euroskeptiker dar. Zwar finden sich auch in der Schweiz links-alternative Kritiker der EU, diese haben aber geringen Einfluss, weshalb ich nicht weiter auf sie eingehe.<footnote numbering="arabic" start="72">
                  <p> Zum Überblick der euroskeptischen Akteure und Standpunkte in der Schweiz siehe Archer 2004. Ein Panorama der Pro- und Contraargumente innerhalb des linkes Spektrums befindet sich in der Dokumentation der Wochenzeitung: (Welches Europa? 1991).</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Die Links-rechts-Kategorisierung der Euroskeptiker ist jedoch problematisch, da Zentrum-Peripherie-Konflikte (Stadt-Land-Konflikte) im EU-Streit wichtiger sind. Sowohl die SVP als auch die norwegische Zentrumspartei, die eindeutige Nein-Partei in Norwegen, vertreten traditionell das peripher-ländliche, bäuerliche Milieu. Darüber hinaus ist die ideologische Zuordnung problematisch. Die SVP (insbesondere die Sektion Zürich unter Christoph Blocher) ist rechtspopulistisch und vertritt neoliberale Standpunkte. In diesen ideologischen Positionen kann sie aber nicht mit der norwegischen Zentrumspartei verglichen werden. Das norwegische rechtspopulistische Pendant ist die Fortschrittspartei, die nach ihrem Parteiprogramm für die Integration steht<footnote numbering="arabic" start="73">
                  <p> Siehe die Webseite der norwegischen Fortschrittspartei: www.fremskrittspartiet.no.</p>
               </footnote> und deren Wählerschaft gespalten ist.</p>
            <p>Die Wurzeln von NTEU liegen im Widerstand gegen erste Integrationsversuche Anfang der 60er Jahre. Sie drückte bereits damals das Unbehagen gegenüber der Europäischen Integration in weiten Teilen der Bevölkerung aus. Seitdem ging es gegen Brüssel, aber nicht gegen andere Formen von Integration wie UNO oder NATO.<footnote numbering="arabic" start="74">
                  <p> Teile der norwegischen EU-Gegner verstehen sich jedoch als Globalisierungsgegner und stellen ihre neoliberalen Gegner, die Weltbank, den Europäischen Binnenmarkt, die WTO, den Internationalen Währungsfonds in Karikaturen oder auf Fotomontagen allegorisch als Kumpanen dar (siehe Bildnachweis: Ungdom mot EU avisa Nr. 3 2002: Cover; Rückseite). </p>
               </footnote> NTEU ist eine single issue Bewegung. Auch aufgrund ihrer breiten gesellschaftlichen Verankerung und um diese Basis nicht zu gefährden, nimmt NTEU zu Themen außerhalb des EU-Diskurses kaum Stellung und spielt bei anderen politischen Themen eine untergeordnete Rolle. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10425" start="20"/>Die AUNS wurde nicht gegen die Europäische Integration, sondern Mitte der 80er Jahre gegen den UNO-Beitritt gegründet. Sie ist eine in vielen innenpolitischen Debatten aktive politische Gruppe, die eng mit der SVP zusammenhängt und stark auf die Person Blochers und seine politische Überzeugung ausgerichtet ist. Darüber hinaus lehnt sie jegliche Formen von internationaler Integration ab und sieht sich primär als Verteidiger der isolationistischen Außenpolitik und des traditionellen Selbstbildes der Schweiz. </p>
         </section>
         <section id="N1042A" label="1.7">
            <head>Euroskeptizismus als Begriff</head>
            <p>Positive Begriffe wie Integrationsbefürworter, Europäer, Europafreunde bezeichnen die Ja-Seite, während Skeptizismus, EU-Gegner, Neinsager, Europagegner, Europafeinde, EU-Widerstand die Nein-Seite beschreiben. Diese ungleiche Bewertung ist nicht nur auf die im EU-Streit bestehende Rollenverteilung zwischen denjenigen, die eine Veränderung wollen und denjenigen, die sich dagegen wehren, zurückzuführen, sondern vor allem auf die überlegene Definitionsmacht der Ja-Seite. So sind Vorverurteilungen von Euroskeptizismus auch in der sozialwissenschaftlichen Literatur üblich. Wenn etwa eine Kategorisierung zur Einteilung von Euroskeptikern zwischen &#8218;Europhoben&#8217; und &#8218;Europhilen&#8217; unterscheidet, ist jeder ernsthafte Versuch sich mit euroskeptischen Standpunkten zu befassen ausgeschlossen.<footnote numbering="arabic" start="75">
                  <p> Siehe die unter dem suggestiven Titel &#8222;Support for EU&#8220; abgebildete Typologie von Parteien zu &#8222;Europe&#8220; bei Mudde/Kopecký 2002: 303. Bisweilen gibt es auch Ausnahmen, die ein differenzierteres Bild zeichnen wie z.B. Geser 1992.</p>
               </footnote> Zudem verweisen die Begriffe Ja- und Nein-Seite auf die Abstimmungsfragen, die mit Nein bzw. Ja beantwortet werden. Die passive abwehrende Haltung wird stets den EU-Gegnern zugeschrieben, während ein Bejahen der Zukunft bei den &#8218;Europhilen&#8217;<footnote numbering="arabic" start="76">
                  <p> Der Bergriff &#8218;Europhile&#8217; wird bisweilen auch ironisierend von der AUNS/SVP verwandt.</p>
               </footnote> liegt. </p>
            <p>Inhaltlich beschreiben die Euroskeptiker sich als Befürworter der guten, selbstständigen und gerechten Nationalstaaten gegenüber dem korrupten, ineffizienten, kriegerischen, undemokratischen, zentralistischen EU-System der Freiheitsunterminierung. Eine Begrifflichkeit, die dies in positiver Weise ausdrückt, ist jedoch in medialen Diskursen unüblich und Begriffe wie <em>&#8222;Schweiz-Ja-Sager&#8220;</em> oder Gegenüberstellungen wie <em>&#8222;EU-Jasager = CH-Neinsager&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="77">
                  <p> Futterknecht k.A.: 32.</p>
               </footnote> finden sich nur in den Primärquellen der Euroskeptiker. NTEU betitelt sich selbst als EU-Gegner, EU-Widerstand, Nein-Lager, Nein-Seite und wählt damit relativ neutrale bis moderat negative Begriffe. Dies entspricht den in den relativ wertfreieren medialen Darstellungen benutzen Begriffen, denen ich mich anschließe. Analog finden sich in der Schweiz Begriffe wie EU-Gegner oder Integrationsgegner. Jedoch sind polarisierende Begriffe wie &#8218;Europafeinde&#8217; oder umgekehrt &#8218;Landesverräter&#8217; in der Schweiz weitaus üblicher als in Norwegen. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10455" start="21"/>Vor diesem Hintergrund war es schwierig einen einigermaßen neutralen Begriff zu finden, ohne dafür einen neuen Kunstbegriff zu schaffen. Synonym für EU-Gegnerschaft, Integrationsgegnerschaft wird deshalb der aus dem englischen abgeleitete Begriff Euroskeptizismus benutzt. Problematisch ist dieser Begriff, da er Euroskeptiker in doppelter Weise diskreditiert. Nicht nur wird die EU mit Europa gleichgesetzt, sondern zudem wird den Euroskeptikern eine zögerliche, zaudernde Geisteshaltung unterstellt. Wie bereits betont wurde, verstehen sich Euroskeptiker keinesfalls als Zauderer, sondern als tatkräftige Befürworter ihres Gemeinwesens. Trotz dieser begrifflichen Unzulänglichkeiten wird in Ermangelung eines besseren Terminus &#8218;Euroskeptizismus&#8217; in einem neutralen Sinne benutzt. Mit der Endung wird damit auf das Verständnis dieses Phänomens als eines auf die Verteidigung der Nation gerichteten Glaubenssystems verwiesen und durch die Wahl eines populären Begriffes die Verbindung zu bestehenden wissenschaftlichen und medialen Diskursen gewährleistet. </p>
            <p>Entgegen der weitverbreiteten Vorstellung von Integrationsbefürwortern, dass man den Euroskeptikern &#8218;Europa&#8217; nur erklären muss, gehe ich davon aus, dass Integrationsbefürworter und -gegner prinzipiell über dieselben Wissensressourcen verfügen. Dieses Wissen wird jedoch aufgrund divergierender Annahmen über Staat, Nation und EU unterschiedlich interpretiert und bewertet. Wegen der geringen Prognostizierbarkeit der Zukunft und Kapazität der Wissensverarbeitung können Wähler Integrationsfragen nur durch den Rückgriff auf eines der beiden Glaubenssysteme entscheiden. Deshalb müssen Befürworter und Gegner der Integration im Wesentlichen als zwei Glaubensgemeinschaften verstanden werden. Von den Gläubigen selbst wird diese Sichtweise abgelehnt werden, weil es ihrem Selbstverständnis als vernünftige Verfechter einer wichtigen Sache entgegenläuft. Schließlich setzen beide Kongregationen erhebliche Ressourcen ein, um ihren Standpunkt vernünftig zu untermauern. </p>
         </section>
         <section id="N1045D" label="1.8">
            <head>Idealtypische Standpunkte in Integrationsdebatten</head>
            <p>Haltungen zur Integration werden unter zwei Gesichtspunkten schematisiert. Erstens wird gefragt, ob Integration befürwortet oder abgelehnt wird und zweitens, ob für den jeweiligen Standpunkt ein pragmatischer oder ideologischer Standpunkt bezogen wird. Hierfür wird die Unterscheidung von Fundis und Realos benutzt, wie wir sie aus der deutschen Debatte über die Flügel der Grünen kennen.<footnote numbering="arabic" start="78">
                  <p> Auch Schymik (2004: 189ff) benutzt diese Unterteilung zwischen Fundis und Realos. </p>
               </footnote> Diese Unterscheidung trifft am besten den Charakter von NTEU und AUNS/SVP als friedliche und demokratische Fundamentalopposition gegen Integration. Aus der Anwendung der beiden Kriterien ergibt sich folgende Unterscheidung von vier Idealtypen. </p>
            <p>
               <citenumber id="N1046F" start="22"/>
               <ol numbering="arabic">
                  <li>
                     <p>Ideologische Befürworter (Proeuropäische Fundis)</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Pragmatische Befürworter (Proeuropäische Realos)</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Pragmatische Gegner (Euroskeptische Realos)</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Ideologische Gegner (Euroskeptische Fundis)</p>
                  </li>
               </ol>
            </p>
            <freehead>Proeuropäische Fundis</freehead>
            <p>Dieser Idealtypus glaubt an den föderalistischen Integrationsgedanken. Dies entspricht der europäischen Selbstbeschreibung als friedensschaffend, wohlstandsfördernd, sozial gerecht, demokratisch, bürgernah und umweltschützend. Am besten lässt sich dies mit der fortschrittverheißenden Metapher des europäischen Zuges<footnote numbering="arabic" start="79">
                  <p> Diese Metapher ist besonders in der schwedischen EU-Debatte von 1994 beliebt gewesen. Sie findet sich jedoch auch bisweilen in der norwegischen wieder. Erstaunlicherweise, weil an und für sich im Deutschen als metaphorische Beschreibung von Entwicklungen und Fortschritt bekannt, wird sie in der schweizerischen EU-Debatte nur sehr selten benutzt. </p>
               </footnote>, der in eine glückliche Zukunft rollt, beschreiben. Solche positiven EU-Bilder finden sich in der Schweiz in verschiedenen Essays über Europa.<footnote numbering="arabic" start="80">
                  <p> Siehe Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen.</p>
               </footnote> Prägend sind sie dort auch für die kulturellen und akademischen Eliten, die eine <em>Überwindung des Sonderfalldenkens </em>und die Einbeziehung der <em>europäischen Dimension in die schweizerische Identität</em> fordern.<footnote numbering="arabic" start="81">
                  <p> Vgl. das Abstract im Jahrbuch der politischen Wissenschaft (Schweizerische Politik 1992: 14). Bei diesen Formulierungen handelt es sich um gebräuchliche formelhafte pro-integratorische Beschreibungen der schweizerischen Diskurse.</p>
               </footnote> Zwar findet sich dieser idealistische Integrationsbefürworter auch in den Schriften der norwegischen Europabewegung und bei einigen ihrer Aktivisten, ansonsten sind föderalistische Integrationsgedanken und die idealistische Begründung nach Umfragen und Erhebungen in Norwegen sehr schwach ausgeprägt. Im Gegensatz zum ideologischen Integrationsgegner ist der ideologische Integrationsbefürworter in Norwegen ein weitgehend fiktives Geschöpft, dessen Existenz nur mit stark verfeinerten demoskopischen Mitteln nachweisbar ist.<footnote numbering="arabic" start="82">
                  <p> So war die Anzahl der Nennungen zu dem Pro-Integrationsargument &#8222;We belong, we want to belong to Western Europe&#8220; selbst unter den Befürwortern der EU-Mitgliedschaft so gering, dass sie gerundet 0 % ergab. Vgl. To join or not to join 1998: 152, siehe auch 150ff.</p>
               </footnote>
            </p>
            <freehead>Proeuropäische Realos</freehead>
            <p>Der größte Teil der Befürworter der Integration in beiden Ländern führt pragmatische Argumente an. Typische Vertreter sind die großen Wirtschaftsverbände, die einen sicheren und reibungslosen Marktzugang und die Vertretung ihrer Interessen bei politischen Entscheidungen am besten über die Vollmitgliedschaft gewährleistet sehen. Generell gehen befürwortende Pragmatiker davon aus, dass aufgrund der asymmetrischen Größenverhältnisse und der engen Verflechtung mit der EU beide Staaten den Entscheidungen innerhalb der EU ohne eigene Einflussmöglichkeiten folgen müssen. Während idealistische Befürwortung der Integration das glückliche Ziel der Integration betont, steht für die befürwortenden Pragmatiker das Argument im Vordergrund, Nachteile entstünden, wenn man den europäischen Zug verpasse und keinen Einfluss auf die Fahrtrichtung nehmen könne. Nicht das glückliche Ziel, sondern die Vermeidung von Nachteilen durch Verspätung oder Isolation wird als Begründung für die Integration benutzt. Diese Sichtweise basiert zum einen aus dem Kalkül der ökonomischen und politischen Vorteile der Integration und zum anderen auf der Vorstellung einer determinierten, prozesshaften weiteren Integration. Folglich wird jeder nicht erfolgte Integrationsschritt als mit negativen Folgen verbundene Verspätung begriffen.</p>
            <freehead>Euroskeptische Realos</freehead>
            <p>
               <citenumber id="N104C6" start="23"/>Potentielle Integrationsverlierer sind aus pragmatischen Gründen gegen Integration. Dies trifft vor allem für die Landwirtschaft, Teile des Gewerbes und Teile der norwegischen Fischereiwirtschaft zu, die sich vehement gegen die Integration stemmen. Häufig vermischen sich nationalromantische Argumentationen mit ökonomischen und regionalen Interessen.<footnote numbering="arabic" start="83">
                  <p> Vgl. Kapitel: Geld oder Europa? und siehe Ingebritsen/Larson 1997, 1995.</p>
               </footnote> Für diesen pragmatischen Flügel der Euroskeptiker ist partielle Integration eine Lösung, um schwache Sektoren der nationale Wirtschaft vor negativen Effekten zu schützen und einen nationalen Kompromiss aufrechtzuerhalten. Partielle Integration wirkt damit wie eine Feuermauer oder eine semipermeable Membran, die erwünschte Integrationseffekte erlaubt und zugleich negative vermeidet. Empirisch gesehen scheint dies für beide Länder bislang eine erfolgreiche Strategie zu sein. Die pragmatischen Gegner gehen davon aus, dass Norwegen und die Schweiz als kleine Länder die Fahrtrichtung des europäischen Zuges nicht wesentlich bestimmen können. In ihren Augen ist es sinnvoller bestehende nationale Handlungsspielräume zu nutzen. Um den nationalen Konsens nicht zu gefährden, weil sie handfeste Vorteile haben und zunächst sehen wollen, wohin die Reise geht, wollen sie abwarten. Im Gegensatz zu den pragmatischen Integrationsbefürwortern erwarten die pragmatischen Gegner keine Strafen für das Verpassen des europäischen Zuges, sondern vielmehr Vorteile aus der Aufrechterhaltung nationaler Handlungsspielräume. Ohnehin muss dieser Zug eher als S-Bahn vorgestellt werden, die im 20-Minutentakt fährt und bedarfgerecht durch Bus, Fahrrad oder ein etwas teureres Taxi ersetzt wird. Die Metapher der verpassten S-Bahn ist wohl die treffendste Beschreibung, da negative Folgen der Nichtintegration durch zahlreiche Alternativen wie bilaterale Verträge und Nachvollzug von EU-Regelwerk ausgeglichen werden können und ein EU-Beitritt im Bedarfsfall zu einem späteren Zeitpunkt mit eventuellen Nachteilen nachgeholt werden kann. Hierbei käme es lediglich zu einigen verfahrensbedingten Verzögerungen für Beitrittsverhandlungen, eventuelle Übergangsfristen und die notwendigen Referenden. Eine angemessene Sichtweise der Optionen beider kleinen Länder dürfte zwischen derjenigen der pragmatischen Befürworter und derjenigen der pragmatischen Gegner liegen. Die ganze Dramatik der, insbesondere in Norwegen, bitter geführten und emotional aufgewühlten EU-Debatte lässt sich wohl auf diese kleinen Unterschiede reduzieren: ein bisschen mehr oder weniger Integration, ein bisschen mehr oder weniger Kosten oder Vorteile durch die Verspätung. </p>
            <p>Auch solche pragmatischen Standpunkte spiegeln jedoch zum großen Teil fundamentale Prämissen über Nation und EU wider. So gehen pragmatische Integrationsbefürworter davon aus, dass die EU reformierbar ist. Demgegenüber wird ein pragmatischer Gegner die Beeinflussungsmöglichkeiten als geringer einstufen und die Handlungsfähigkeit und Beweglichkeit des Nationalstaates als größer. Ein pragmatischer Befürworter geht von der unausweichlichen Integration und der erdrückenden Überlegenheit der EU gegenüber den kleinen Staaten aus. Demgegenüber betonen pragmatische Gegner, dass die EU ein unbewegliches Gebilde sei. Die Schweiz und Norwegen können demnach durch größere Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit in einem semiintegrierten Status verharren. Warum die Integrationsdebatten zu harten innenpolitischen Auseinandersetzungen führen und die pragmatischen Integrationsgegner nicht auf die Reformierbarkeit der EU vertrauen, ist nur aufgrund der fundamental euroskeptischen Ansichten verständlich. </p>
            <freehead>Euroskeptische Fundis</freehead>
            <p>Um diese Schicksalhaftigkeit der Integrationsfrage zu verstehen, muss man sich vorstellen, dass &#8218;kleine Nationen&#8217; hilflos und ohne Einfluss an der europäischen Lokomotive Deutschland und Frankreich hängen, vom europäischen Zug überfahren werden, dieser Zug nach nirgendwohin unterwegs und prinzipiell nicht steuerbar ist, mit Wucht gegen die Wand rast oder sich auf Kollisionskurs mit dem Zug USA befindet. Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie AUNS/SVP und NTEU diesen europäischen Zug charakterisieren. So würde er bei der AUNS/SVP wohl eher als richtungsloser Bummelzug erscheinen, während NTEU ihn als Hochgeschwindigkeitszug, der gegen eine Wand fährt, beschreibt. Nur solche drastischen Schreckensvisionen machen verstehbar, warum den Integrationsdebatten, deren angemessene Beschreibung eine Entscheidung zwischen einem semi- und einem vollintegrierten Status beider Staaten ist, derartig viel Beachtung geschenkt wird. Sie erklären auch, warum Euroskeptiker den europäischen Zug nicht besteigen wollen oder sich zumindest als Bremsklotz der Europäischen Integration verstehen und betätigen, um die Aufprallgeschwindigkeit des Zuges zu vermindern und damit Schadensbegrenzung zu leisten. </p>
            <p>
               <citenumber id="N104DD" start="24"/>An dieser Stelle muss die Zugmetapher verlassen werden, weil sie lediglich die Schreckensvisionen von Europa erfasst. Damit entspricht sie der pro-integratorischen Interpretation von Euroskeptizismus als einer pathologischen Form von Zukunftsangst - der &#8218;Angst vor Europa&#8217;. In Anlehnung an gängige therapeutische Verfahren soll auch die &#8218;Europaphobie&#8217; durch Abgleichung mit der Realität, durch Aufklärung und Information und durch eine schrittweise kontrollierte Konfrontation mit dem Angstobjekt in Form von kleinschrittiger Integration wie durch das &#8218;EU-Trainingscamp&#8217;<footnote numbering="arabic" start="84">
                  <p> Ein populärer Ausdruck der Debatte in der Schweiz, der von der Nein-Seite dankend aufgenommen wurde, weil er ihre Anschuldigung, dass das Volk schrittweise an die EU-Vollmitgliedschaft herangeführt werden soll, bestätigte.</p>
               </footnote> geheilt oder zumindest gemildert werden. Aus euroskeptischer Sicht sind es dagegen die &#8218;Europhilen&#8217;, die einer irrationalen positiven EU-Vorstellung anhaften. Dieser Vorwurf des naiven Überschwanges der positiven Europavorstellungen klingt auch bei den norwegischen EU-Gegnern mit, wenn etwa der altlinke Vordenker von NTEU Dag Seierstad über den Realitätsverslust der Befürworter spottet <em>&#8222;Denk an etwas Schönes! Nenn es Europa!&#8220;.</em>
               <footnote numbering="arabic" start="85">
                  <p> Seierstad 1994: 77. </p>
               </footnote> Beliebt sind auch Vergleiche mit dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern, in denen die EU als nackt dargestellt wird.<footnote numbering="arabic" start="86">
                  <p> Siehe beispielsweise die Karikatur in Kompendium 1994: 51.</p>
               </footnote> Pathologisierungen des Gegners verlaufen nach einem festen Muster, wobei Euroskeptiker zu Depressionen neigen, während Integrationsbefürworter unter Manien leiden.</p>
            <p>Euroskeptiker beschreiben sich selber dagegen als rational, da der Vergleich zum besseren Nationalstaat und der Nation in ihren Augen schlecht für die EU ausfällt. Dabei sind folgende Grundannahmen die Basis für ein euroskeptisches Verständnis.</p>
            <p>
               <ol numbering="arabic">
                  <li>
                     <p>Nation und Integration schließen einander aus.</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Die Nation und der Nationalstaat waren gut.</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Der Nationalstaat ist eine handlungsfähige politische Einheit. </p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Der Nationalstaat ist der EU funktional überlegen.</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Die nationale Gemeinschaft ist der EU normativ überlegen.</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Die EU ist keine oder eine schlechte Gemeinschaft.</p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Diese Aussagen werden auch in Zukunft zutreffen. </p>
                  </li>
               </ol>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N10532" start="25"/>Ziel euroskeptischer Argumentation muss es nun sein diese Aussagen zu begründen und zu festigen. Zugleich wird die Schicksalhaftigkeit der Integration dadurch hergestellt, dass eine Dichotomie zwischen guter Nation und ihrem Staat und EU-Integration hergestellt wird. Rhetorisch zugespitzt mündet dies in der Frage <em>&#8222;Nation oder Union?&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="87">
                  <p> Entsprechend den beiden Buchtiteln der norwegischen Debatte: Lunden 1993 und Åleskjær 1994.</p>
               </footnote> Dies darf jedoch nicht, wie häufig von den Integrationsbefürwortern unterstellt, als ein blinder Nationalismus, der sich jenseits von rationalen Argumentationen bewegt, verstanden werden. Vielmehr untermauern die Euroskeptiker ihre Standpunkte mit rationalen Argumenten und prinzipiell kann jedes Thema zur Untermauerung der oben genannten Unterschiede benutzt werden und dies geschieht in quasi jedem Kontext.</p>
            <p>Neben der Plausibilität einer Argumentation sind solche Themen wie Wirtschaft, die allgemein als wichtig angesehen werden und bei denen bereits feste Vorstellungen über die besonders hohen Werte, Vorzüge und Eigenschaften der Nation oder negative EU-Bilder (z.B. Eurokratie) bestehen, für Euroskeptiker besonders reizvoll. Zudem müssen die in der defensiven Position des Verteidigers der Nation stehenden Euroskeptiker Stellung zu den zentralen Zielen der Integration, Frieden, Wohlstand und Demokratie, nehmen.</p>
            <p>Die meisten Analysen und Kommentare zum Euroskeptizismus lassen sich nun auf dieses Spiel ein und prüfen die Validität dieser Argumente. Die Suche nach vernünftigen Gründen für und gegen die Integration bedeutet, die unendliche Schleife der Argumente und Gegenargumente ständig zu wiederholen und sie lediglich dem aktuellen Kontext anzupassen, wie es die am Integrationsstreit beteiligten Akteure beständig leisten. Diese Schleife erklärt, warum die Argumente innerhalb der nationalen Debatten eine derartig erstaunliche Kontinuität aufweisen.<footnote numbering="arabic" start="88">
                  <p> Diese Schleife lässt sich in der Schweiz bis auf die Völkerbunddebatte der 20er Jahre im Vergleich mit UNO- und EU-Debatte zurückverfolgen. Siehe Moos 2001, zu Norwegen siehe Kvalvåg 1999 auch Jenssen et.al. 1996.</p>
               </footnote> Da Grundhaltungen stabil sind und Argumente lediglich leicht dem aktuellen Kontext angepasst werden, ist der Zeitpunkt, an dem eine euroskeptische Quelle verfasst worden ist, von untergeordneter Bedeutung. Da die norwegische Debatte zwischen 1972 und 1989 weitgehend ruhte und keine Vergleichbarkeit zur Schweiz gegeben ist, dient der Zeitraum von 1989 bis 2004 als grober zeitlicher Rahmen. Zudem hat das Ende des Kalten Krieges und die verstärkte Integration der EU den Kontext für die nationalen Debatten mitbestimmt. Den Schwerpunkt meiner Untersuchung lege ich auf den Vergleich der schweizerischen EWR-Abstimmungsdebatte von 1992 mit der norwegischen EU-Debatte von 1994, weil diese jeweils Höhepunkte der Debatten darstellen. Zudem wurde 1991 aus Anlass der 700-Jahr-Feier der Schweiz eine umfangreiche Identitätsdebatte geführt. Während der Zeitpunkt, an dem eine Quelle entstand, nachrangig ist, wird die Konstruktion von Zeit als gemeinschafts- und zielstiftendes Element als wichtig angesehen. Gefragt wird, wie Euroskeptiker die nationale Geschichte konstruieren und daraus Lehren für die Zukunft ableiten.<footnote numbering="arabic" start="89">
                  <p> Siehe das Kapitel: Friedlicher Kleinstaat oder Europa?. </p>
               </footnote>
            </p>
         </section>
         <section id="N10558" label="1.9">
            <head>Die Nachzeichnung der Karten über die Selbst- und EU-Bilder der Euroskeptiker</head>
            <p>
               <citenumber id="N1055F" start="26"/>Nicht anders als physische Karten beruhen die Karten euroskeptischer Vorstellungswelten auf der Anwendung von zuvor erstellten Parametern (z.B. Längen- und Breitengrade), die entsprechend der Fragestellung (z.B. nach der Größe eines Landes, der physischen Beschaffenheit etc.) auf den vorher ausgewählten Gegenstand angelegt und schließlich in Form einer zweidimensionalen Darstellung präsentiert werden. Die Metapher der Karte bietet sich zudem an, weil Selbstbeschreibungen maßgeblich durch räumliche Kategorien wie links-rechts, zentral-peripher, unten-oben und durch die Zuordnung der Nation an ein Territorium erfolgen.</p>
            <p>Parameter für diese Karten über euroskeptische Vorstellungswelten und ihre vergleichende Darstellung lassen sich aus der Literatur über Nationalismus, den Integrationsdebatten und den Primärquellen der Euroskeptiker ableiten. Im Gegensatz zu modernen physischen Karten bestehen für diese ideologischen Karten jedoch keine normierten Parameter. Wir müssen uns diese Karten vielmehr wie die alten, ungenauen, voreingenommenen, dramatischen Darstellungen von fernen Ländern vorstellen. So berichteten etwa die portugiesischen Entdecker von Seeungeheuern oder setzten ihre Hoffnungen zur Eroberung Indiens auf ein Bündnis mit dem erträumten Reich des christlichen Priesterkönigs Johannes.<footnote numbering="arabic" start="90">
                  <p> Siehe Vasco Da Gama 1986.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Dagegen kann eingewandt werden, dass die EU, Norwegen und die Schweiz wahrlich keine Terra incognita sind, sondern Gegenstand zahlreicher Untersuchungen und Reflexionen. Gerade diese Vielzahl an unübersichtlichem Kartenmaterial über die Schweiz, Norwegen und Europa<footnote numbering="arabic" start="91">
                  <p> Siehe zu Europa als diskursives Schlachtfeld Diez 2001.</p>
               </footnote> erzwingt die Festlegung auf wenige grundlegende Narrationen, um auf diesem <em>&#8222;Meer der Geschichten&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="92">
                  <p> Rushdie 1991.</p>
               </footnote> navigieren zu können. Deshalb stellen sich auch die Euroskeptiker die EU als ein vielarmiges Ungeheuer vor und träumen von Entsatz für ihren belagerten <em>&#8222;standhaften Nationalstaat&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="93">
                  <p> Vgl. Malmborg 1994.</p>
               </footnote>Da die Frage, ob die EU tatsächlich ein solches Ungeheuer ist oder nicht, bereits der Gegenstand beständiger nationaler und europaweiter Integrationsdebatten ist, muss sie hier nicht beantwortet werden. Analog zu der Frage, ob britische und portugiesische Seefahrer ihre Ungeheuer mit gleich vielen Fangarmen darstellten, so wird nach der Morphologie des &#8218;Ungeheuers EU&#8217; in den Erzählungen von NTEU und AUNS/SVP gefragt. Diese euroskeptischen Erzählungen mögen falsch, lückenhaft und unlogisch sein. Sie sind jedoch die Voraussetzung für die Sinngebung von Euroskeptikern und damit die Grundlage ihrer Mobilisierung.</p>
            <p>
               <citenumber id="N10591" start="27"/>Hinzuzufügen ist, dass der gewählte Kartenmaßstab grob ist. Der Umfang der Debatten und die Zielsetzung, zwei euroskeptische Karten aus einer deutschen Perspektive übereinander zu legen, erzwingt diese Grobkörnigkeit. Wie bereits mit der Wahl fundamentaler euroskeptischer Ansichten, so wird auch in Hinblick auf die Darstellung und Kontrastierung darauf geachtet die groben Linien herauszuarbeiten. Es versteht sich bei über Jahrzehnte andauernden, umfangreichen nationalen Debatten von selbst, dass eine weitere Differenzierung in vielerlei Grautöne möglich wäre. Grautöne und Feinschattierungen müssen jedoch ausgeblendet werden, um eine brauchbare Karte der wesentlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede euroskeptischer Vorstellungen herauszustellen. Das Wesentliche wird in Grundsatzprogrammen, Überschriften, Slogans und der Ikonographie der Euroskeptiker gesucht. Dabei lässt es sich jedoch nicht vermeiden, dass diese vergleichende Beschreibung teilweise eklektisch ist. Denn dies spiegelt die Eigenschaften des Untersuchungsgegenstandes, der euroskeptischen Erzählungen wider. Diese Erzählungen sind zwei euroskeptische Rekonstruktionen nationaler Basteleien und Sammelsurien an Behauptungen über die Nation, den Staat und die Europäer. Um dieses Sammelsurium an euroskeptischen Behauptungen vorzustrukturieren, habe ich folgende nationalismustheoretische Annahmen mit dem Vorwissen über die nationalen Cleavages und die empirisch relevanten Themen der Integrationsdebatten verbunden.</p>
            <subsection id="N10595" label="1.9.1">
               <head>Grundmuster nationaler Narration</head>
               <p>Nationalismus ist Narration, die auf wenigen strukturierenden Elementen beruht. Diese Einfachheit ist auch notwendig, weil sie von dem ganzen Volk verstanden und als treffende Selbstbeschreibung anerkannt werden muss.<footnote numbering="arabic" start="94">
                     <p> Dabei weichen solche Erzählungen nach dem jeweiligen Erzähler, wie in diesem Fall NTEU und AUNS/SVP, sowie zeitlichen und kontextuellen Veränderungen ab.</p>
                  </footnote> Sie erzählt von der Geschichte und den positiven Eigenschaften des Nationalstaates und warum dieser die übergeordneten Ziele Demokratie, Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Selbstbestimmung und wirtschaftlichen Erfolg gewährleistet. Neben dieser staatszentrierten Sicht spielt die nationale Gemeinschaft eine zentrale Rolle. Dieser werden gute Eigenschaften entlang nationaler Stereotype zugeschrieben. Typisch für nationale Gemeinschaften ist, dass sie sich als natürliche Gemeinschaften beschreiben. Hierfür werden angebliche ethnische, sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten und/oder gemeinsame historische Leistungen und Missionen der Willensgemeinschaft Nation zusammengebastelt. Dabei reicht das Spektrum der Inhalte und Themenfelder, auf denen Siege, Niederlagen und Missionen stattfinden, von Kriegen über sportliche Wettkämpfe bis hin zur Hilfe für die Hungernden in der Welt. Insofern ist die in Deutschland weit verbreitete Annahme, dass Nationalismus wegen des Dritten Reichs zwangsläufig negativ ist, nicht weniger pauschal wie die Thesen, dass der Katholizismus wegen der Hexenverbrennungen schlecht sei, die Amerikaner wegen der ermordeten Indianer, die Norweger wegen des Walfangs und die Schweizer wegen des Nazigoldes. </p>
               <p>Wie auch anderen Glaubensgemeinschaften enthält der Nationalismus jedoch ein starkes Element der Aufwertung der eigenen Gemeinschaft und des eigenen Staates gegenüber anderen Staaten und Gemeinschaften. Deshalb beweisen Euroskeptiker in ihren Argumentationen und Ausführungen stets, was sie schon wissen, nämlich dass die Nation und der Nationalstaat besser ist als die EU. Besonders betont werden muss außerdem, dass nationale Selbstbeschreibungen starke bildliche, symbolische und metaphorische Elemente enthalten. Prominent sind Darstellungen, die gemeinschaftliches Handeln, Gründung des Staates und/oder der Gemeinschaft, wie Rütli-Eid, Verfassungsgebung, die Beilegung von Zwistigkeiten wie die Kappeler Milchsuppe oder grundlegende Staats- und Gemeinschaftsvorstellungen illustrieren. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N105A9" label="1.9.2">
               <head>Unter den Integrationsdebatten liegende gesellschaftliche Konfliktlinien </head>
               <p>
                  <citenumber id="N105B0" start="28"/>Gesellschaftliche Konfliktlinien sind wichtig für die Standpunkte von Individuen und Akteuren in Integrationsdebatten. In Norwegen ist dies der Zentrums-Peripherie-Konflikt, der mit sprachlichen, religiösen, ökonomischen und politischen Konfliktlinien zusammenfällt. Der vergleichbare Cleavage in der Schweiz verläuft zwischen Stadt und Land, ist jedoch schwächer ausgeprägt als in Norwegen.<footnote numbering="arabic" start="95">
                     <p> Vgl. zum Stadt-Land-Cleavage Gstöhl 2002a: 35.</p>
                  </footnote> Die Eingrenzung des Forschungsgegenstandes auf die Deutschschweiz trägt dem Sprachencleavage Rechnung, weshalb dieser nicht als eigenständige Kategorie auftaucht, sondern innerhalb einzelner Kapitel eingeflossen ist.<footnote numbering="arabic" start="96">
                     <p> Vgl. Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen sowie Warme Gemeinschaft oder kaltes Europa?</p>
                  </footnote> Empirisch sind Zentrum-Peripherie-Konflikt und Land-Stadt-Gegensatz in der Schweiz sowie der schweizerische Sprachencleavage besonders wichtig für die Integrationsstandpunkte. Ausgeklammert wurden dagegen zahlreiche weitere gesellschaftliche Konfliktlinien und Unterteilungsmöglichkeiten wie Parteizugehörigkeit, Berufsgruppen, Alter etc.<footnote numbering="arabic" start="97">
                     <p> Zum Überblick Gstöhl 2002a,b. </p>
                  </footnote> Zum einen fallen diese häufig mit den oben genannten Cleavages zusammen und zum anderen besteht ein geringerer Bezug zum Nationalismus. Ausnahmen sind Bauern und Fischer, deren Verbände das organisatorische Rückgrat der Nein-Seite bilden, welche die typischen Nein-Wähler und zugleich der Prototyp der nationalromantischen Selbstbeschreibungen sind.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N105CD" label="1.9.3">
               <head>Zentrale Themen der Integrationsdebatten</head>
               <p>In Integrationsdebatten wird über alles diskutiert. Von der Entsorgung der Abwässer in norwegischen Berghütten, Lebensmittelsicherheit, spezifische Fragen des Patentschutzes, Schengen, Osterweiterung, Drogen- und Alkoholpolitik bei NTEU<footnote numbering="arabic" start="98">
                     <p> Zu einzelnen Sachthemen finden sich zahlreiche aktuelle Publikationen von NTEU auf der Homepage www.neitileu.no. Zumindest die Grundpositionen sind auch auf Englisch zugänglich.</p>
                  </footnote> sowie Zuwanderung, Bankgeheimnis, Schwerlastverkehr und Drogenimporte bei AUNS/SVP. Tatsächlich lassen sich die Integrationsdiskurse jedoch auf wenige zentrale und relevante Themenfelder reduzieren und zuordnen. Dies ergibt sowohl die Wahlforschung wie auch ein diskursanalytischer Blick auf zentrale Themenfelder und spiegelt gängige sozialwissenschaftliche Erklärungen für euroskeptische Motivlagen in beiden Ländern in grober Rasterung wider. Diese sind Wirtschaft, Demokratie und Nationalismus und zudem Neutralität in der Schweiz. </p>
               <p>Die Wahlforschung hat nur die Themenfelder Wirtschaft und Demokratie anhand von Wählerumfragen belegt, räumt jedoch ein, dass Nationalismus als unterliegende Bezugsgröße eine zentrale Rolle spielt.<footnote numbering="arabic" start="99">
                     <p> Siehe Listhaug/Sciarini 1997.</p>
                  </footnote> Die von AUNS/SVP selbst beschriebenen zentralen Ziele und häufig angeführten Argumente entsprechen diesen vier Themenfeldern. So lassen sich Themen, die länderspezifisch sind, wie Alpentransit oder Bankgeheimnis, unter den Begriffen &#8218;Freiheitsverlust&#8217; oder &#8218;wirtschaftlicher Verlust&#8217; subsumieren. Am ehesten können fremdenfeindliche Diskurse in der Schweiz als eigenständiges Thema begriffen werden. AUNS/SVP selbst begründen ihre restriktive Haltung in der Ausländer- und Einwanderungspolitik jedoch oft ökonomisch als Schutz gegen die schmarotzenden Ausländer oder im Kontext von Geschichtsdiskursen als Angriff auf die Identität der Schweiz. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N105EA" start="29"/>Dagegen weichen die drei von NTEU gesetzten Programmpunkte <em>&#8222;Demokratie oder Union, Solidarität oder Union, Umweltschutz oder Union&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="100">
                     <p> Erläutert und begründet wird die Wahl dieser Argumentation und die herausgehobene Position des Demokratiegesichtspunktes in: Kampanjeplan 1994: 5ff.</p>
                  </footnote> insofern von den oben beschriebenen zentralen Themen ab, da sie sich nicht explizit auf die wichtigen ökonomischen Argumentationen beziehen. Nicht nur die Wahlforschung betont, dass Umweltschutz und Solidarität untergeordnete Themen für die Wähler waren.<footnote numbering="arabic" start="101">
                     <p> Nach Wählerumfragen sind Demokratie und Unabhängigkeit einerseits, sowie wirtschaftliche Argumente andererseits die zentralen Themen für Ja- und Nein-Wähler. So nannten beispielsweise bei einer Umfrage, bei der bis zu 3 Nennungen möglich waren, von 100 Nein-Wählern 57 Demokratie und Unabhängigkeit 37 Ökonomie, aber nur 14 Umweltschutz und 7 den Wohlfahrtsstaat als Begründungen für ihren Nein-Standpunkt. Siehe und vgl. Ringdal/Oskarson 1998, 152ff. Dass diese Themen dominant sind, mag nicht überraschen, es steht jedoch in deutlichem Widerspruch zu der Masse an Primärquellen von NTEU, die idealistische Themen wie Gleichberechtigung, Umweltschutz, Solidarität mit der Dritten Welt, Verteidigung des Wohlfahrtsstaates, Umwelt- und Verbraucherschutz in den Vordergrund rückt. </p>
                  </footnote> De facto sind wirtschaftliche Argumentationen auch bei NTEU jedoch nach demokratiebezogenen Argumentationen das zweitwichtigste Themenfeld. Im Gegensatz zur AUNS/SVP werden wirtschaftliche Argumentationen jedoch oft mit dem normativen Ziel von sozialer Gerechtigkeit verknüpft und rücken damit in die Nähe des Begriffes &#8218;Solidarität&#8217;. Unter dem Gerechtigkeitsbegriff wird auch der recht umfangreiche Diskurs über die Verteidigung des nordischen und norwegischen Wohlfahrstaates bei NTEU subsumiert. In den Argumentationen von NTEU spielt zudem Solidarität mit der dritten Welt eine große Rolle. Ebenso wie der Umweltschutz sind diese idealistischen Argumente jedoch für die Wähler von untergeordneter Bedeutung.<footnote numbering="arabic" start="102">
                     <p> Dabei werden ökonomische Argumentationen jedoch unter dem Begriff der Demokratie und nationalen Selbstbestimmung oder dem Begriff der Solidarität &#8211; der oft die Verteidigung des Wohlfahrtsstaates meint - von NTEU subsumiert.</p>
                  </footnote> Sie werden deshalb in dieser Untersuchung als Teil einer positiven nationalen Selbstbeschreibung begriffen und nicht als eigenständige Kategorie verhandelt.</p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N1060B" label="1.10">
            <head>Fragestellungen der einzelnen Kapitel</head>
            <p>Die hitzig geführten Integrationsdebatten fordern von Autoren eine klare politische Positionierung für oder gegen &#8218;Europa&#8217;. In <em>Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen</em> wird auf die Auswirkungen dieser Codierung für das Quellenmaterial eingegangen. Besonderes Augenmerk wird auf die Stellung euroskeptischer Literatur innerhalb der nationalen Diskurse gelegt und auf vorliegende ländervergleichende Literatur. Es folgt die Diskussion der Primärquellen von AUNS/SVP und NTEU. Die grundlegenden Unterschiede in Stilmitteln, Argumentation, Narration, Mediennutzung, Selbstdarstellung, Sprachverwendung, Bildern und Symbolik werden herausgestellt. Dies lässt bereits erste Aussagen über die Vorstellungswelten der Euroskeptiker zu. </p>
            <p>In <em>Geld oder Europa </em>wird die Plausibilität ökonomischer Begründungen für Euroskeptizismus diskutiert und verglichen wie Integrationsgegner und -befürworter sich ökonomische Vernunft und Tugend zu- bzw. absprechen.</p>
            <p>
               <citenumber id="N1061E" start="30"/>Daraufhin wird untersucht, inwieweit <em>Euroskeptizismus als Wiederbelebung alter Cleavages </em>verstanden werden muss. Verglichen wird, wie Stadt-Land- (Zentrum-Peripherie-) und Links-rechts-Gegensätze für Selbst- und Feindbeschreibungen genutzt werden. Zudem wird auf den weitverbreiteten Rassismusvorwurf gegen Euroskeptiker eingegangen.</p>
            <p>In <em>Warme Gemeinschaft oder kaltes Europa</em> wird auf die nationalen Selbstverständigungsdiskurse eingegangen. Es wird gefragt, wie NTEU und AUNS/SVP sich und ihre Nation beschreiben, wer in ihren Augen die &#8218;EU-Europäer&#8217; sind und wie sie geographische Räume und Grenzen bauen.</p>
            <p>
               <em>Demokratie oder Europa </em>befasst sich mit der für die Euroskeptiker überragend wichtigen Beschreibung des idealdemokratischen Nationalstaates und seiner Gemeinschaft. Hierbei wird auf die vielfältigen Überschneidungen der &#8218;Volksherrschaft&#8217; mit Begriffen wie Nation, Land, Boden, Kleinräumigkeit, nationalen Gründungsmythen sowie Freiheit und nationaler Selbstbestimmung eingegangen. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10633" start="31"/>Danach wird in <em>Friedlicher Kleinstaat oder Europa </em>verglichen, wie Euroskeptiker mit dem Vorwurf umgehen einen atavistischen nationalen Befreiungskampf gegen das &#8218;Friedensprojekt Europa&#8217; zu führen.</p>
         </section>
         <section id="N1063B" label="1.11">
            <head>Auswahl, Gewichtung und Interpretation der Quellen</head>
            <p>Die vergleichende Beschreibung basiert auf einem zirkelhaft verstehenden Zugang. Ausgehend von der Prämisse, dass euroskeptisches Wirklichkeitsverständnis auf dem Glaubenssystem Nationalismus beruht, wurde ein weites Spektrum an Quellen zum Nationalismus und den Integrationsdebatten, mit dem Fokus auf den Primärquellen der Euroskeptiker, gesichtet und interpretiert. Dabei wurde die Forschungsfrage und das Analyseraster anhand der Quellen weiterentwickelt. Dieses Verfahren wurde solange fortgesetzt, bis aufgrund von Sättigung eine plausible vergleichende Beschreibung möglich war. </p>
            <p>Entscheidend ist die Auswahl, Gewichtung und Bedeutung, die unterschiedlichen Quellen zugeschrieben wird. Die Anti-EU-Bewegungen erklären in ihren Grundsatzprogrammen, Zeitungen, Broschüren, Stellungnahmen und Plakaten deutlich, warum ihre Einstellungen sinnvoll sind. Diese Selbstbeschreibungen werden wiedergegeben und interpretiert. Dabei wird folgende Hierarchie der Quellen zugrundegelegt. Grundsatzprogramme werden als bedeutender eingestuft als anderes Material. Alles, was dem Adressaten (Wähler) ins Auge sticht, wird als relevant angesehen, also Überschriften, dick Gedrucktes, Deckblätter, Rückseiten, eingängige Metaphern, Slogans, Bilder, Embleme und Plakate. Je häufiger und auffälliger eine Argumentation oder bildliche Darstellung ist, umso höher wird ihre Bedeutung eingestuft. Dies basiert auf der Prämisse, dass differenzierte Argumentationen sich keinesfalls in vereinfachter Form im Werbematerial wiederfinden. Vielmehr reproduzieren Vorstellungen, wie in diesem Kontext das nationale Glaubenssystem, sich beständig durch Bilder, Symbole und feste Glaubenssätze. Folglich ist das - vor allem von NTEU publizierte - umfangreiche &#8218;Kleingedruckte&#8217; von geringer Bedeutung. Wie wir aus der Werbung wissen, sind einfache Bilder und kurze Slogans wirkungsvoll. Demgegenüber ist ausführliche Argumentation nachrangig, da diese nur von wenigen besonders interessierten und gebildeten Lesern, Aktivisten und Sozialwissenschaftlern gelesen wird. Aufgrund der Einfachheit und hohen Redundanz der AUNS/SVP-Schriften setzte für die Schweiz sehr schnell Sättigung ein. Demgegenüber wurden bei den Primärquellen von NTEU vor allem Material benutzt, das zu den oben benannten besonders wichtigen Themen Stellung nimmt und ein typisches NTEU-Layout trägt. Dagegen wurde das zahlreiche von Regional- oder anderen Untergruppen wie Studenten, Sozialdemokraten oder Gewerkschaftlern entworfene Material weniger stark berücksichtigt.</p>
            <p>
               <citenumber id="N10648" start="32"/>Zur Abschätzung des allgemeinen nationalen Selbstverständnisdiskurses wurden neben wissenschaftlichen Quellen populäre Darstellungen der Nation und ihrer Symbolik in Museen, Schulbüchern, Sonderausstellungen, der bildenden Kunst, Reiseführern und Souvenirgeschäften beachtet, da vermutet wird, dass das Nationale dort in stark komprimierter und populärer Form zu finden ist.</p>
            <p>Zahlreiche Gespräche mit wissenschaftlichen Experten und Euroskeptikern dienten vor allem in der Schweiz als Vorrecherche, um die vorher aufgestellten Thesen und die Forschungsfrage zu schärfen und zu überarbeiten sowie zur Eingrenzung und Gewichtung der Akteure und Quellen. In Norwegen war diese Sondierung nicht mehr notwendig, da ich die entsprechenden Personen noch aus der Mitarbeit bei NTEU von 1998 und vorangegangenen wissenschaftlichen Arbeiten kannte. Persönliche Gespräche und die darin stattfindende Dynamik zwischen den Gesprächsteilnehmern liefern zahlreiche Informationen über das Selbstverständnis einer Person und den diskursiven Rahmen, auf den sie sich bezieht. Dabei spielt die Sachinformation nur eine untergeordnete Rolle, während nonverbale Informationen über Mimik, Gestik, Kleidung und Sprachwahl von ungleich größerer Bedeutung sind. Betonungen, Abwehr, Spott und Ausweichen des Gesprächspartners geben zudem wichtige Informationen über die zugrundeliegenden Bewertungen und den diskursiven Rahmen, auf den sich der Gesprächspartner bezieht. Bemerkenswert ist etwa die scharfe Distanzierung, welche schweizerische Sozialwissenschaftler durch die Wahl und Betonung von Themen und durch ironisierende, zynische Charakterisierung der Schweiz vornehmen. Demgegenüber ist in Norwegen eher eine milde Form des Spottes üblich. Die Verwertung dieser Informationen ist jedoch problematisch, weil die wichtigen nonverbalen Informationen nur als Notiz festgehalten werden können und bereits eine später nicht mehr überprüfbare Interpretation des Interviewers beinhalten. Diese Informationen werden als anekdotisches Material und als Hintergrundwissen genutzt.</p>
         </section>
      </chapter>
      <chapter id="chapter2" label="2">
         <head>SAG MIR, WO DU STEHST: JA- UND NEIN-DISKURSE UND IHRE QUELLEN</head>
         <p><citenumber helper="true" id="N10656" start="32"/>Der gemeinsame Bezugspunkt der Quellen ist die Integrationsfrage. Diese erzeugt einen Ja-Nein-Code sowie Handlungs- und Entscheidungsdruck. Vor diesem Hintergrund verschwimmt die Grenze zwischen wissenschaftlicher Literatur und politischen Kampfschriften, weil beide sich auf den Ja-Nein-Gegensatz beziehen und einen politischen Standpunkt einnehmen. Aus diesem Grund müssen sie kritisch diskutiert werden und ihr Umfang und Charakter lassen bereits erste vergleichende Aussagen zu. Innerhalb der nationalen Diskurse wird die Integrationsfrage zudem in Verhältnis zum nationalen Rahmen und zu bestehenden nationalen Selbst- und Europabeschreibungen gesetzt. </p>
         <p>
            <citenumber id="N1065B" start="33"/>Im ersten Teil dieses Kapitels werden die Rahmenbedingungen durch nationale Diskurse, die wissenschaftliche Literatur zu den Integrationsdebatten und zum Nationalismus sowie ihre populäre Verarbeitung in Essays und Presse diskutiert. Der zweite, ausführlichere Teil vergleicht die Primärquellen der Euroskeptiker in Hinblick auf Umfang, Sprache, Sprachstil, Argumentationsweisen, Medienverwendung, Symbole und Bilder. </p>
         <section id="N1065F" label="2.1">
            <head>Sekundärquellen zu den Integrationsdebatten in der Schweiz und Norwegen</head>
            <subsection id="N10664" label="2.1.1">
               <head>Nationale Diskursräume und Perspektiven</head>
               <p>
                  <em>&#8222;To join or not to join?&#8221;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="103">
                     <p> Nach dem gleichnamigen Buch, das die wichtigste empirische Aufarbeitung des norwegischen Referendums von 1994 aus der Perspektive der Wahlforschung darstellt: To join or not to join 1998.</p>
                  </footnote> ist die schicksalhaft begriffene Leitfrage der Integrationsdiskurse. Nur dieses Verständnis als Schicksalsfrage macht die hohe Mobilisierung und Emotionalisierung verständlich. Aus Sicht der Euroskeptiker muss der Wähler sich zwischen der schlechten Europäischen Union und dem guten Nationalstaat<footnote numbering="arabic" start="104">
                     <p> Sowohl die Schicksalhaftigkeit wie auch die Konstruktion von Gegensätzlichkeit von Integration und Nation sind in Norwegen deutlich stärker ausgeprägt als in der Schweiz. Deshalb ist es kein Zufall, dass gleich zwei Buchtitel in Norwegen direkt die Frage &#8222;Nation oder Union?&#8220; stellen. Dabei wird diese Gegensätzlichkeit zum einen aus einer erweckerisch-fundamentalchristlichen Perspektive aufgebaut (Åleskjær 1994) und zum anderen aus einer links-sozialistischen Kritik der EU (Lunden 1993).</p>
                  </footnote> entscheiden. Diese Wertung und Entscheidung setzt eine Beschreibung<footnote numbering="arabic" start="105">
                     <p> Diese Beschreibungen sind entweder prägnante Zusammenfassungen der essentiellen Wesensmerkmale der Länder und ihrer Bewohner oder sich selbst reproduzierende Geschichten, die das Resultat von kontingenten historischen Ereignissen und bereits bestandenen Geschichten sind. Hier wird letztere Option als Arbeitshypothese benutzt, da eine Überprüfung aller Behauptungen über die Wesenszüge der Länder und ihrer Bevölkerungen weder machbar noch von Interesse für unsere Fragestellung ist. Siehe zu solchen Länderbeschreibungen Sieber 1994.</p>
                  </footnote> Norwegens und der Schweiz im Vergleich zur EU voraus. Für diese Beschreibungen muss auf bestehende Annahmen und Beschreibungen zurückgegriffen werden.<footnote numbering="arabic" start="106">
                     <p> &#8222;All perceptions and descriptions are embedded in a network of already available perceptions and descriptions...&#8220; Schmidt 1999: 2. Inzwischen dürfte es sich herumgesprochen haben, dass unsere Realität von uns auf verschiedenen Ebenen wie Sprache, Medien, unserem psychischen System und einem System von kulturell bedingten Annahmen geschaffen wird. Eine prägnante Zusammenfassung dieser verschiedenen Ebenen findet sich bei Schmidt 1999. </p>
                  </footnote> Für den Betrachter ist interessant, was außergewöhnlich, vorbildlich oder abschreckend ist und Antworten auf eine strittige aktuelle Fragen verspricht. So diente beispielsweise in Deutschland das so genannte skandinavische Wohlfahrtsmodell als Projektionsfläche für die Wünsche der deutschen Sozialdemokratie. Dagegen gilt heute das schweizerische Rentenmodell als vorbildlich zur Lösung demographischer Probleme.<footnote numbering="arabic" start="107">
                     <p> Der entscheidende Vorteil des schweizerischen Rentensystems besteht in der Diversifikation von Risiken durch eine teilweise Kapitaldeckung, wodurch Schwierigkeiten des demographischen Wandels besser begegnet wird. Für die Beliebtheit dieses Modells in der deutschen Debatte dürfte zudem die große Nähe und der damit verbundene Identifikationseffekt zu den Schweizern sowie die Unterstellung, dass die Schweizer mit Geld umgehen können, verantwortlich sein.</p>
                  </footnote> In Norwegen und außerhalb Norwegens bilden die Egalität der Gesellschaft und der sozialdemokratische Wohlfahrtsstaat wichtige Referenzpunkte. Dies geht einher mit Zuschreibungen von Modernität, Offenheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, demokratischer Gesinnung und Naturverbundenheit.<footnote numbering="arabic" start="108">
                     <p> Zu den Stereotypen über den Norden und ihren teilweisen Wandel von Tacitus bis heute siehe Stadius 2001. </p>
                  </footnote> In der Schweiz sind Neutralität, Armee und direkte Demokratie konstituierende Grundthemen. Sie sind jedoch zugleich Gegenstand starker Dekonstruktion. Misstrauen erweckt die Schweiz vor allem als internationale Finanzdrehscheibe und Ort zwielichtiger Geldgeschäfte. Als vorbildlich gilt das friedliche Zusammenleben der heterogenen Kulturen und Ethnien für eine &#8218;Verschweizerung Europas&#8217;.</p>
               <p>Norwegen und die deutschsprachige Schweiz gehören unterschiedlichen, voneinander abgegrenzten Diskursräumen an. Im Gegensatz zu den skandinavischen Integrationsdiskursen findet fast keine gegenseitige Beobachtung oder Bezugnahme statt. Entsprechend beeinflussen AUNS/SVP und NTEU sich nicht gegenseitig bei ihrer Lesart von Integration und Nation. Der norwegische Integrationsdiskurs ist ein fast ausschließlich nationaler Diskurs. Neben diesem dominanten nationalen Bezug spielt der Blick in den nordischen Raum und in geringem Maße in den anglo-amerikanischen Raum eine Rolle. Demgegenüber ist die Beobachtung des &#8218;Kontinentes&#8217; schwach ausgeprägt und durch Abgrenzung gekennzeichnet. Aus norwegischer Sicht werden EU-Europa und seine wichtigsten Akteure (Deutschland, Frankreich, Italien) aus der Perspektive einer abgegrenzten, nationalen Öffentlichkeit beobachtet. Auch die deutschschweizerische Öffentlichkeit nimmt die Integrationsfrage primär als nationale Frage wahr. Da jedoch die Sprachgruppen Teilöffentlichkeiten bilden, ist die Abgrenzung zur EU ausgesprochen schwierig. So nimmt die deutschsprachige Schweiz unmittelbar an deutschen und begrenzt an österreichischen Diskursen teil, in denen &#8218;Europa&#8217; als positive Selbstbeschreibung erscheint. Zugleich setzt die Bezugnahme auf die nationale Öffentlichkeit eine Konstruktion der deutschschweizerischen Teilöffentlichkeit über die &#8218;ganze Schweiz&#8217; voraus. Im deutschschweizerischen Diskurs muss deshalb mitgedacht werden, wie die anderen Landesteile über die EU sprechen und denken. Erst aus diesen Projektionen über die Haltungen der anderen Landesteile und Sprachgemeinschaften wird ein nationaler Standpunkt konstruiert. Deshalb werden die EU-Länder Frankreich und Italien aus deutschschweizerischer Sicht nicht nur als Nachbarländer, sondern zugleich als Orientierungspunkte der beiden<footnote numbering="arabic" start="109">
                     <p> Das Rätoromanische wird aufgrund des geringen Anteils von 0,5% der Bevölkerung weggelassen (Zahlenangabe für 2000 nach Bundesamt für Statistik).</p>
                  </footnote> anderen relevanten Sprachgruppen gedacht. Die Unterscheidung zwischen &#8218;uns Schweizern&#8217; und der &#8218;EU als dem anderen&#8217; ist vor diesem Hintergrund aufwendig. Auch aus transaktionsanalytischer Sicht, nach der häufige Transaktionen der Bürger untereinander zu Vergemeinschaftung führen,<footnote numbering="arabic" start="110">
                     <p> Siehe zum Grundgedanken der Vergemeinschaftung durch Transaktion bei Deutsch 1957.</p>
                  </footnote> muss die Abgrenzung zu den &#8218;Europäern&#8217; in Norwegen ausgeprägt und in der Schweiz schwach sein. Denn in Norwegen sind Ausländeranteil, Auslandsreisen und Pendleraufkommen im Vergleich zur Schweiz sehr gering.<footnote numbering="arabic" start="111">
                     <p> Dies ergibt sich größtenteils unmittelbar aus der geographischen Lage der Schweiz inmitten der EU und die großen Entfernungen in Norwegen zum Kontinent.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N106BB" label="2.1.2">
               <head>Wissenschaftliche Diskurse</head>
               <p>
                  <citenumber id="N106C2" start="34"/>Die wissenschaftliche Literatur in beiden Ländern beobachtet und beschreibt die EU, sie gibt Expertenrat in Hinblick auf das aktuelle Verhältnis zur EU und für Verhandlungen mit der EU, sie reflektiert über die Gründe der EU-Ablehnung und nimmt innerhalb der Integrationsdiskurse politische Standpunkte ein. Norwegische und schweizerische Wissenschaftler nehmen an europäischen Forschungsnetzwerken teil und bestreiten Europaforschung. In Norwegen ist dies vor allem das Europaforschungsprogramm ARENA (Advanced Research on the Europeanisation of the Nation State) und das Institut für Internationale Beziehungen NUPI (Norsk Utenrikspolitisk Institutt). In der Schweiz finden sich zahlreiche universitäre Einrichtungen, und das Wissen wird im Integrationsbüro<footnote numbering="arabic" start="112">
                     <p> Zahlreiche Publikationen u.a. zur norwegischen Debatte sowie über EU-Europa können bei www.arena.uio.no oder www.nupi.no heruntergeladen werden. Das Arena Programm befasst sich mit dem Verhältnis zwischen Europa und Nationalstaat, während NUPI sich mit internationaler Politik befasst und damit nur einen Teil seiner Forschungsressourcen auf Integrationsthemen richtet. In der Schweiz ist ein schneller Zugriff über das Integrationsbüro möglich. Zu sicherheitspolitischen Diskursen finden sich zahlreiche Publikationen bei der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Eine Linksammlung über weitere Forschungsinstitute findet sich auf der Seite der Europabewegung: www.europa.ch (Stand 14.4.04).</p>
                  </footnote> gebündelt und von ihm verbreitet.</p>
               <p>Zahlreiche Untersuchungen schätzen die Folgen eines Beitrittes oder alternativer Szenarien für gesellschaftliche Gruppen und Akteure ab. Diese Publikationen in Norwegen und der Schweiz spiegeln vor allem die sektoralen Interessen innerhalb der beiden Staaten wider. So erschienen in Norwegen eine Reihe von Beiträgen zu den Themen Fischerei, Landwirtschaft, Öl und Gas sowie dem europäischen Strommarkt, während in der Schweiz Analysen zum Banken- und Versicherungswesen und multinationalen Konzernen dominieren. In Norwegen spielen zudem NTEU und Europabewegung eine gewichtige Rolle als Verleger und Auftraggeber solcher Abhandlungen. Demgegenüber verzichten AUNS und SVP im Wesentlichen auf die Untermauerung des eigenen Standpunktes mit wissenschaftlicher Expertise. So finden sich im Verbundskatalog &#8218;Nebis&#8217; ganze neun Einträge unter dem Stichwort AUNS.<footnote numbering="arabic" start="113">
                     <p> Diese neun Einträge geben, neben dem zufällig gleichlautenden lettischen Autorennamen &#8218;Auns-Ur&#257;lietis, Arv&#299;ds&#8217;, die linke Kritik an der AUNS von Frischknecht/Niggli (1998) und wenige Publikation der AUNS an (Verbundskatalog Nebis: Stand 5.5.04).</p>
                  </footnote> Die Sprachwahl von wissenschaftlichen Texten in der Schweiz lässt keine Rückschlüsse auf den politischen Standpunkt innerhalb der Integrationsdebatte zu. In Norwegen erscheint die Mehrzahl der wissenschaftlichen Arbeiten auf Bokmål<footnote numbering="arabic" start="114">
                     <p> Norwegen hat zwei offizielle Sprachen. Die Buchsprache (Bokmål) ähnelt dem Dänischen. Das Neunorwegische (Nynorsk) ist eine aus ländlichen Dialekten gebastelte Gegensprache zu der &#8218;fremden Sprache&#8217; der dänischen Verwaltungseliten und dem städtischen Bürgertum.</p>
                  </footnote> oder auf Englisch. Ein sehr kleiner Teil der Publikationen, der noch weit unter dem Anteil der Neunorwegischsprecher und -schreiber liegt, erscheint auf Neunorwegisch und nimmt in der Regel einen euroskeptischen Standpunkt ein.</p>
               <p>Obwohl Norwegen wesentlich kleiner als die Schweiz ist (4,4 zu 6,8 Millionen Einwohner), dürfte das dort zum Thema publizierte Material dasjenige in der Schweiz nach Menge und Qualität bei weitem übersteigen.<footnote numbering="arabic" start="115">
                     <p> Genaue Angaben sind nicht möglich, da entsprechendes statistisches Material fehlt. Besonders in der Schweiz ist es zudem schwierig, den EU-Diskurs von anderen Diskursen zu trennen.</p>
                  </footnote> Die EU-Integrationsdebatte ist in Norwegen emotionaler aufgeladen als in der Schweiz und hat einen höheren Stellenwert im Vergleich zu anderen Streitthemen. Hauptgrund hierfür ist, dass Referenden in Norwegen die Ausnahme und in der Schweiz die Regel politischer Entscheidungsfindung sind. Für die insgesamt geringere Menge an Quellen zur Schweiz (Presse, Kampagnematerial, wissenschaftliche Quellen) ist zudem der viel kürzere Debattenzeitraum verantwortlich. Die norwegische Debatte begann bereits in den 60er Jahren. Demgegenüber begann die schweizerische Debatte erst Anfang der 90er Jahre und blieb im als &#8218;Trainingscamp&#8217; für die EU-Mitgliedschaft titulierten Abstimmungskampf über die Mitgliedschaft von 1992 stecken.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N106EE" start="35"/>Das Spektrum an Quellenmaterial reicht von großangelegten empirischen Untersuchungen zum EU-Abstimmungsverhalten wie dem <em>&#8222;Folkeavstemningsprosjektet&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="116">
                     <p> Dieses Forschungsprojekt stellt die Grundlage zahlreicher Publikationen dar: Siehe To join or not to join 1998, Jenssen/Valen 1995, Medlemsundersøkelsen 1994. Das schweizerische Gegenstück sind die Vox-Analysen. </p>
                  </footnote> der Universität in Trondheim über zahlreiche mehr oder weniger Partei nehmende Monographien, Propagandamaterialien der am EU-Streit beteiligten Akteure, Tausende von Zeitungsartikeln, etwa im Archiv von Nein zur EU in Oslo, bis hin zu Anti-EU-Liederbüchern und CDs.<footnote numbering="arabic" start="117">
                     <p> Siehe ausführlich zu Norwegen Hille 2000:13ff: 89ff.</p>
                  </footnote> Allein unter dem Suchbegriff &#8218;Norwegen und EU&#8217; finden sich 320 Monographien für den Zeitraum seit 1970.<footnote numbering="arabic" start="118">
                     <p> Suchbegriff: &#8222;Norge og EU&#8220;, Recherche vom 16.9.02 in der UB der Universität Oslo. Der Zeitraum von 1970-1988 enthält allerdings nur 18 Bücher, dies ist z.T. wahrscheinlich auf die fehlende Erfassung der alten Bände von 1970 zurückzuführen.</p>
                  </footnote> Auch die zeitliche Konzentration der Publikationen um das Jahr der Volksabstimmung von 1994 wird deutlich. So erschienen alleine 1994 insgesamt 57 Bücher. Danach schwankt der Durchschnitt zwischen 15 und 20 Büchern pro Jahr, wobei die im engeren Sinne wissenschaftlichen Bücher<footnote numbering="arabic" start="119">
                     <p> Übergänge zwischen politischen Kampfschriften und wissenschaftlichen Werken sind selbstverständlich fließend.</p>
                  </footnote> anteilig mehr werden. Dabei übersteigt die Anzahl der geschriebenen Artikel und der von NTEU und der Europabewegung sowie anderen gesellschaftlichen Akteuren gedruckten grauen Literatur diese Zahl um ein Vielfaches.<footnote numbering="arabic" start="120">
                     <p> Einschränkend ist anzumerken, dass die Zahl wissenschaftlicher Monographien in Norwegen künstlich dadurch erhöht wird, dass &#8218;hovedoppgaver&#8217; (also wissenschaftliche Abschlussarbeiten, die etwa einer deutschen Diplom- oder Magisterarbeit entsprechen) bei der Recherche in den datengestützten Bibliothekssystemen auftauchen. Dagegen erscheinen solche Arbeiten in der Schweiz eher vereinzelt in den Katalogen.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Der entsprechende Suchbegriff &#8218;Schweiz und EU&#8217; löst im Verbundskatalog Nebis immerhin 293 Treffer aus. Insofern ist der numerische Unterschied zu der Anzahl der publizierten 320 norwegischen Monographien nicht beeindruckend. Zwar sind insbesondere in der ersten Hälfte der 90er Jahre einige Bücher erschienen, welche die EU-Mitgliedschaft und politische Gesichtspunkte wie Neutralität und direkte Demokratie thematisieren. Der überwiegende Teil der jüngeren Publikationen behandelt aber spezifische Rechtsfragen wie etwa die des Börsen-, Kartell- und Patentrechts. Im Gegensatz zu Norwegen, wo die EU-Debatte als politisches Phänomen begriffen wird, erscheint das Verhältnis von Schweiz und EU primär als juristisches Problem.<footnote numbering="arabic" start="121">
                     <p> Vgl. Verbundskatalog &#8218;Nebis&#8217; am 3.4.04 unter den Suchwörtern &#8218;Schweiz und EU&#8217;.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N10729" label="2.1.3">
               <head>Vergleichende wissenschaftliche Literatur über die Integrationsdebatten</head>
               <p>Ein großer Bestand an vergleichender Literatur liegt zu den nordischen EU-Referenden und Debatten vor.<footnote numbering="arabic" start="122">
                     <p> Zur Wahlforschung: To join or not to join 1998. Zum Vergleich der sektoralen Einflüsse: Ingebritsen 1998. </p>
                  </footnote> Dies lässt sich nicht nur auf die fast zeitgleich abgehaltenen Referenden zur EU-Norderweiterung zurückführen, sondern vielmehr auf die kulturellen, wissenschaftlichen und institutionellen Verbindungen zwischen den Ländern sowie auf die - mit Ausnahme des Finnischen - niedrige Sprachgrenze. Zudem besteht ein großes Interesse der politischen Akteure und der Öffentlichkeit daran, wie die &#8218;nordischen Brudervölker&#8217; sich gegenüber der Integration verhalten. Ein solcher vergleichender Literaturstrang in einem regionalen Kontext entfällt für die Schweiz weitgehend. Allenfalls zu der anderen Alpenrepublik Österreich liegen einige Vergleiche vor.<footnote numbering="arabic" start="123">
                     <p> Siehe Schwendimann 1993.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10743" start="36"/>Nordeuropäische Integrationsdebatten sind damit der Gegenstand der vergleichenden Beobachtung und Wertung durch wissenschaftliche Netzwerke, Integrationsbefürworter und Gegner. Demgegenüber ist die Europaforschung das einzige ressourcenstarke Beobachtungssystem, welches die Schweiz und Norwegen vergleichend betrachtet. Aus ideologiekritischer Sicht ist dies problematisch, da die Europaforschung paradigmatisch pro-integratorisch ist.<footnote numbering="arabic" start="124">
                     <p> Zwar gibt es durchaus kritische Stimmen gegenüber der EU und dem Integrationsvorgang, jedoch sind diese primär auf die Verbesserung der EU gerichtet und vertreten damit keine fundamental euroskeptischen Ansichten.</p>
                  </footnote> Zudem entspricht das Profil des Forschers als bürgerlich, gut ausgebildet, aufstiegsorientiert und international orientiert dem typischen Profil des Integrationsbefürworters. Die Quellenbasis für den Ländervergleich Schweiz und Norwegen ist deshalb nicht nur ausgesprochen dünn, sondern weist zudem eine europablaue Grundfärbung auf.<footnote numbering="arabic" start="125">
                     <p> Dies ist wörtlich zu verstehen, wenn Europaforscher von verschiedenen europäischen Hochschulen und Graduiertenschulen in der Europäischen Akademie in Berlin vor dem Hintergrund von EU-Hoheitssymbolen konferieren.</p>
                  </footnote> Dies wird etwa an den recht zahlreichen Länder vergleichenden Artikeln, die Anfang der 90er Jahre erschienen sind, deutlich. Diese wägen die EU-Beitrittswahrscheinlichkeit der kleinen, z.T. neutralen Staaten nach dem Ende des Kalten Krieges ab.<footnote numbering="arabic" start="126">
                     <p> Z.B. das Heft: Aus Politik und Zeitgeschichte B43/92.</p>
                  </footnote> Diese Schriften basieren meistens auf einem Regattamodell, bei dem der EU-Beitritt die Ziellinie darstellt.<footnote numbering="arabic" start="127">
                     <p> Pro-integratorische Prämissen werden auch in seriösen Werken - wie von Gstöhl 2002a,b &#8211; zugrunde gelegt. Mit einem Titel wie &#8222;Reluctant Europeans in the Process of Integration&#8220; wird das weitverbreitete Bild von Störenfrieden und Widerspenstigen, die sich dem Gang der Geschichte entgegenstellen, reproduziert.</p>
                  </footnote> Entsprechend fragen sie danach, wann die kleinen neutralen Länder die Integration gegen den internen Widerstand schaffen und &#8218;nach Europa zurückkehren&#8217;. Damit wird das für Gemeinschaftskonstruktionen übliche Motiv der Rückkehr zu einem guten Urzustand &#8211; wie Paradies oder goldenem Zeitalter &#8211; verwandt.</p>
               <p>Als klar wurde, dass Norwegen und die Schweiz zumindest vorläufig nicht den Weg der vollen Integration gehen würden, wurde eine andere Forschungsfrage interessant: Wie kommen die beiden Länder mit ihrem semi-integrierten Status zurecht? Dieser Frage sind einige vergleichende Studien gewidmet worden<footnote numbering="arabic" start="128">
                     <p> Siehe Kux/Svedrup 2000: 237-270, auch Anórsson 1996.</p>
                  </footnote> - ebenso wie die <em>&#8222;neue Nachbarschaft&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="129">
                     <p> Stratenschulte 2004.</p>
                  </footnote> aus Sicht der Europäischen Union analysiert wurde. Das Problem der partiellen Integration in die EU spielt auch innerhalb der nationalen Debatten in Norwegen und der Schweiz eine große Rolle. In der Schweiz geschieht dies in Form der Debatte über einen Beitritt zum Binnenmarkt und Schengen. Und umgekehrt wird in Norwegen diskutiert, ob die &#8218;Schweizer Lösung&#8217; in Form von bilateralen Abkommen mit der EU eine Alternative zum norwegischen Regime darstellt.<footnote numbering="arabic" start="130">
                     <p> Siehe Jervell 2003. In Zeitungen, den Stellungnahmen von NTEU und der Europabewegung wird gelegentlich das Thema der schweizerischen Lösung aufgegriffen.</p>
                  </footnote> Im Übrigen untersuchen die wenigen wissenschaftlich vergleichenden Arbeiten die Integrationsdebatten in Norwegen und der Schweiz unter ökonomischen Gesichtspunkten und Prämissen, betonen jedoch zugleich die große Bedeutung kultureller und politischer Erklärungsansätze.<footnote numbering="arabic" start="131">
                     <p> Siehe Gstöhl 2002a,b, 1998 und Sciarini/Listhaug 1997, Kux/Svedrup 2000: 237- Siehe auch Kapitel: Geld oder Europa? Zudem entsteht eine Doktorarbeit im Graduiertenkolleg zur Europäischen Integration in Osnabrück über Staatsverständnis und wissenschaftliche Konzeptionalisierung der Integrationsdebatten in Norwegen und der Schweiz: siehe die Homepage von Holst.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N1078E" label="2.1.4">
               <head>Nationale Identitätsdiskurse</head>
               <p>Sowohl in Norwegen als auch in der Schweiz fanden Anfang der 90er Jahre ausgeprägte Identitätsdiskurse statt. Insbesondere in der Schweiz kam es zu einer grundlegenden Dekonstruktion des tradierten positiven Schweizbildes. Dies findet Ausdruck im Streit über die Schuld und die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg<footnote numbering="arabic" start="132">
                     <p> Stichworte sind dabei das Nazigold und die Kriegsverlängerungsthese.</p>
                  </footnote>, den Debatten über die Abschaffung der schweizerischen Armee sowie im schon älteren Diskurs über die &#8218;Enge der Schweiz&#8217;. Demnach &#8218;befällt den Schweizer ein Gefühl von Weite und Freiheit, wenn er sein Land verlässt&#8217;.<footnote numbering="arabic" start="133">
                     <p> Nach Vogt 1996: 5. Zu literarischen dekonstruierenden Beschreibungen der Schweiz siehe Bugmann 2000.</p>
                  </footnote> AUNS und SVP treten in diesen Zusammenhängen als &#8218;Verteidiger der Schweiz&#8219; auf. Dabei war die 700-Jahr-Feier der Schweiz, bei welcher des auf das Jahr 1291 datierten Rütli-Schwur gedacht wurde, Anlass für eine weitreichende Identitätsdebatte über eine Neubestimmung der Schweiz gegenüber Europa. Deshalb habe ich mich bei der Sichtung der Quellen besonders auf das Jahr 1991 konzentriert. Es wurde <em>&#8222;Der Zürcher Bote&#8220;</em>, das Parteiblatt der SVP-Zürich, durchgesehen. Dabei wurden insbesondere die Jahrgänge 1991-1993 durchgearbeitet.Auch der <em>&#8222;Zürcher Bauer&#8221;</em> wurde ausgewertet.<footnote numbering="arabic" start="134">
                     <p> Der Zürcher Bote ist das Publikationsorgan der Schweizerischen Volkspartei. Ausgewertet wurden der Jahrgang 1991 und 1992, sowie die Ausgaben vom 12. Jan 2001 bis zum 7. Sept. 2001. Weitere Jahrgänge wurden durchgeblättert. Sättigung trat jedoch aufgrund der großen Redundanz der Aussagen sehr schnell ein. Inhaltlich wurden häufig die Verteidigung der Neutralität, der Armee und der wirtschaftlich erfolgreichen und subsidiären, demokratischen Kleinstaatlichkeit der Schweiz angesprochen. Das im selben Haus wie der Zürcher Bote ansässige Bauernblatt Zürcher Bauer wurde nach denselben Kriterien gesichtet wie der Zürcher Bote.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N107B6" start="37"/>Häufig werden nationale Identitäten in der wissenschaftlichen Literatur mit der EU-Ablehnung in Verbindung gebracht<footnote numbering="arabic" start="135">
                     <p> Zu Norwegen: Østerud 1993, Ingebritsen/Larson 1997, Bjørklund 1996.</p>
                  </footnote> Über die Entwicklung und Konstruktion der norwegischen nationalen Identität liegt zudem ein umfangreicher Bestand an Literatur vor.<footnote numbering="arabic" start="136">
                     <p> Siehe Slagstad 1998, Rothholz 1997, Østerud 1996, 1994, 1993, Sørensen 1998, 1994.</p>
                  </footnote> Auch in der Schweiz gibt es eine durch den zunehmenden Integrationsdruck in Richtung EU ausgelöste Debatte über die Wirkung &#8218;Schweizer Eigenart&#8217;<footnote numbering="arabic" start="137">
                     <p> Vgl. Loderer 1999, Schweizer Eigenart 1996, Störfall Schweiz Störfall Heimat 1990.</p>
                  </footnote>. Mit über 30.000 Seiten Forschungsberichten stellt das <em>&#8222;Nationale Forschungs</em>
                  <em>programm 21 Kulturelle Vielfalt und nationale Identität&#8220;</em> das umfangreichste Forschungsprojekt zur Selbstreflexion der Schweiz dar.<footnote numbering="arabic" start="138">
                     <p> Siehe den Schlussbericht zu diesem Forschungsprojekt: Kreis 1993, auch Im Hof 1992.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N107E1" label="2.1.5">
               <head>Presse, Essays und politische Kampfschriften</head>
               <p>Die überregionalen Qualitätszeitungen beider Länder folgen einer pro-integratorischen Grundhaltung. Dies gilt insbesondere für die &#8222;<em>Neue Züricher Zeitung&#8220;</em>, die deutlich für die Integration eintritt, wie auch für &#8222;<em>Aftenposten&#8220;</em>, der zwar nach internationalem Renommee und Qualität weit hinter der Neuen Züricher Zeitung zurückbleibt, jedoch am ehesten vergleichbar ist. Von der landesweiten Presse sind es in Norwegen lediglich &#8222;<em>Nasjonen&#8220;</em> und teilweise &#8222;<em>Vårt Land&#8220;</em>, die euroskeptische Haltungen vertreten. Auch wenn die Dominanz der Ja-Seite in den landesweiten Medien unumstritten ist, so finden sich insbesondere in der norwegischen Peripherie zahlreiche euroskeptische Lokalzeitungen.<footnote numbering="arabic" start="139">
                     <p> Vgl. Schymik 2004: 118.</p>
                  </footnote> Das <em>&#8222;traditionelle Tummelfeld der Gegner&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="140">
                     <p> Oberer 2001: 50. Im Weiteren belegt Oberer diese These anhand der gezählten Inserate für die Schweiz (vgl. Oberer 2001: 50ff).</p>
                  </footnote> in beiden Ländern liegt aber in den Leserbriefspalten. Schließlich sind <em>&#8222;Leserbriefe, wenn man keinen Zugang zu anderen Medien hat, eine billige Methode die eigene Botschaft unter die Leute zu bringen.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="141">
                     <p> Oberer 2001: 50. Angemerkt sei, dass diese Aussage auf die von Oberer untersuchte Kampagne zu den Bilateralen Verträgen umso mehr zutraf: Denn die wesentlichen Akteure der Nein-Seite - Blocher und die AUNS &#8211; engagierten sich nicht gegen die Bilateralen Verträge. Dies trug entscheidend zur Niederlage der Nein-Seite bei der Abstimmung über die Bilateralen Verträge bei. </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Im Umfeld der schweizerischen EWR-Abstimmung ist eine große Anzahl von Essays über &#8218;Europa&#8217;<footnote numbering="arabic" start="142">
                     <p> Siehe beispielsweise Bergier 1992. Dieser Identitäts- und Europadiskurs lässt sich in zahlreichen Artikeln, insbesondere von 1989 und Anfang der 90er Jahre in den &#8218;Schweizer Monatsheften&#8217; ablesen. </p>
                  </footnote> und pro-integratorischer Kampfschriften erschienen (sehr häufig im NZZ Verlag), ergänzt durch wenige integrationskritische Schriften aus dem Umfeld der Grünen. In Norwegen wurde in Verbindung mit der Volksabstimmung 1994 eine noch größere Anzahl von Schriften publiziert. Hier dominieren jedoch im Gegensatz zur Schweiz integrationskritische Schriften, insbesondere im Hinblick auf das Thema nationale Identität. Namhafte Wissenschaftler wie der Historiker Furre, der Politologe und Nationalismusforscher Østerud oder der Soziologe Jenssen argumentierten in Bezugnahme auf die nationale Identität in Essays gegen einen EU-Beitritt.<footnote numbering="arabic" start="143">
                     <p> Siehe Furre 1994, Østerud 1993, Jenssen 1994.</p>
                  </footnote> Grundlegende Dekonstruktionsversuche Norwegens sind selten und ihnen fehlt die Schärfe der schweizerischen Debatte.<footnote numbering="arabic" start="144">
                     <p> Wie bereits angedeutet, geht es im schweizerischen Diskurs um die grundlegende Dekonstruktion der Existenz und jeglicher positiver Beschreibungen der Schweiz. Dies wurde insbesondere von verschiedenen Literaten und Autoren wie Max Frisch, Adolf Muschg, Vogt, Dürrenmatt u.a. betrieben. Wohl nicht zufällig wurde ein Lesebuch, das diese Dekonstruktionen der kapitalistischen Schweiz beinhaltet, in der DDR verlegt (siehe Schweiz heute 1976). </p>
                  </footnote> Selbst Neumanns Buch <em>&#8222;Norge &#8211; en kritikk&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="145">
                     <p> Neumann 2001.</p>
                  </footnote> bleibt höflich und wurde überdies weitgehend ignoriert. Gemeinsam ist sowohl der norwegischen Ja- wie auch Nein-Seite, dass sie die moralische Überlegenheit Norwegens herausstreichen,<footnote numbering="arabic" start="146">
                     <p> Besonders augenscheinlich wird dies an den aus Anlass des EU-Referendums von 1994 vom Gyldendal Verlag herausgegebenen Kampfschriften. So wird in beiden mit identischem Layout und den programmatischen Titeln &#8222;Nein zur EU&#8220; (Furre 1994) und &#8222;Ja zur EU&#8220; (Bergesen 1994) primär idealistisch argumentiert. Typisch ist auch, dass das Nein-Buch auf Neunorwegisch und das Ja-Buch in der Buchsprache verfasst ist.</p>
                  </footnote> während das Credo von AUNS/SVP lautet, dass die Schweizer nicht schlechter seien als andere.<footnote numbering="arabic" start="147">
                     <p> Siehe Kapitel: Warme Gemeinschaft oder kaltes Europa?</p>
                  </footnote> Ein Grund für diesen Unterschied mag sein, dass die Schweiz lediglich über den EWR abstimmte und damit ungleich sensiblere Themen wie die mögliche Aushebelung der direkten Demokratie im Hintergrund standen. Wichtiger dürfte aber das Verhältnis von Künstlern und Intellektuellen zu ihrem Staat sein. Der Topos des Ausbrechens aus der &#8218;Enge der Schweiz&#8217; und der Freiheit in einem weiten EU-Europa ist ein immer wiederkehrendes Thema. Verbunden wird dies mit der &#8218;Verschweizerung Europas&#8217; (Frieden und Demokratie). Unter diesen Essays für &#8218;Europa&#8217; finden sich auch einige französischsprachige Publikationen und Aufsätze, in denen gerne auf die geschichtliche Zugehörigkeit zu &#8218;Europa&#8217; rekurriert wird. Die Idee einer Missionierung der EU und die normative Forderung, der EU die norwegischen Werte von Demokratie und Wohlfahrtsgerechtigkeit zu bringen, sind auch Themen der norwegischen EU-Befürworter. Entscheidend ist jedoch, dass in der Schweiz die Befürworter das Feld der idealistischen Argumentationen beherrschen, während in Norwegen die Integrationsgegner dieses dominieren. </p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N1084B" label="2.2">
            <head>Das Material von NTEU und AUNS/SVP</head>
            <p>
               <citenumber id="N10852" start="38"/>Die Vergleichbarkeit des Quellenmaterials wird dadurch erschwert, dass NTEU sich unmittelbar und ausschließlich auf die EU bezieht und dem EU-Diskurs damit von anderen politischen Diskursen abgrenzt. In Norwegen tritt eine Anti-Integrationsbewegung gegen eine Europabewegung an. Drei Nein-Parteien stehen gegen eine Ja-Partei. Die anderen Parteien werden durch den EU-Streit gespalten. Und insbesondere der Konflikt zwischen dem integrationsfreundlichen Zentrum und der euroskeptischen Peripherie strukturiert den Streit.<footnote numbering="arabic" start="148">
                  <p> Siehe Schymik 2004, Saglie 1999, 1998, Bjørklund 1999.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Zwar findet sich ein ähnliches, wenn auch weniger deutlich ausgeprägtes Konfliktmuster zwischen euroskeptischen ländlichen, deutschsprachigen, innerschweizerischen Landesteilen und den städtischen, grenznahen sowie französischsprachigen Landesteilen. Die AUNS ist jedoch, vor allem aufgrund der Möglichkeit zu häufigen Referenden, nicht nur mit der EU befasst, sondern zugleich mit zahllosen anderen Themen, so etwa dem UNO-Beitritt der Schweiz, dem nationalen Geschichts- und Selbstverständnis, der Neutralität, der Armee, den Ausländern oder mit anderen innenpolitischen Fragen. AUNS und SVP(-Zürich) bilden ein Gespann, das in all diesen Diskursen aktiv ist und eine Gegenposition zu den vorherrschenden Meinungen der anderen Parteien und der meisten Verbände einnimmt. Während also in Norwegen eine vergleichsweise starke Konzentration auf die EU-Frage zu beobachten ist, verbinden sich bei der AUNS eine Reihe von Themen zu einem verknoteten Knäuel.</p>
            <subsection id="N10861" label="2.2.1">
               <head>Verwendete Sprachen bei NTEU und AUNS/SVP: Wie spricht man euroskeptisch?</head>
               <p>Nationalismus ist historisch eng mit der Entwicklung von nationalen Sprach- und Kommunikationsräumen verbunden.<footnote numbering="arabic" start="149">
                     <p> Am bekanntesten ist wohl Anderson 1988. </p>
                  </footnote> Deshalb muss beachtet werden, wie die norwegischen und deutschschweizerischen Verteidiger der Nation sich ausdrücken. Formal ist die AUNS eine landesweite Organisation und ihre Schriften erscheinen auf Deutsch, Italienisch und Französisch. Faktisch ist sie jedoch primär eine deutschschweizerische Organisation, deren Schriften im Regelfall auf Deutsch geschrieben und in die anderen Landessprachen übersetzt werden.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10873" start="39"/>Die beiden offiziellen Sprachen Norwegens (Neunorwegisch: Nynorsk und Buchsprache: Bokmål) ähneln einander derartig stark, dass sie ohne Probleme von allen Norwegern verstanden werden. Insofern sind Übersetzungen nicht zwingend notwendig, um das ganze Volk zu erreichen. Im Gegensatz zur AUNS, die formal verschiedene Sprachen gleich behandelt, ist ein Nein-Standpunkt in Norwegen direkt an der verwendeten Schriftsprache ablesbar. Zwar sind entsprechend dem höheren Anteil der Bokmål Schreibenden an der Gesamtbevölkerung die Mehrzahl der Publikationen von NTEU auf Bokmål verfasst, jedoch findet sich eine ganze Reihe von Veröffentlichungen auf Neunorwegisch. Bisweilen wird sogar der unter dem Gesichtspunkt der Verständlichkeit unsinnige Aufwand der zweisprachigen Publikation betrieben.<footnote numbering="arabic" start="150">
                     <p> Dabei scheint ein Schlüssel von etwa 70 % Buchsprache und 30 % Neunorwegisch angewandt zu werden wie die Auflagenzahl von 35.000 Buchsprache und 15.000 Neunorwegisch der Broschüre (Nei til EUs skriftserie &#8211; Nr. 3 2000) nahe legt.</p>
                  </footnote> Demgegenüber ist mir keine einzige neunorwegische Publikation der Europabewegung bekannt. Mit der Verwendung des Neunorwegischen wird nicht nur die kulturelle Vielfalt gegen das &#8218;homogenisierende Europa&#8217; unterstrichen, sondern zugleich auf das Thema eines volksnahen, ländlich-peripheren Widerstandes gegen die &#8218;fernen Eliten&#8217; in Oslo und Brüssel verwiesen. Zugleich spiegelt sich das demokratische Ideal wider, dass sich jeder Bürger, ungeachtet seiner sozialen Stellung, in der &#8218;volksnahen norwegischen Demokratie&#8217; am öffentlichen Diskurs beteiligen kann. Es gehört zum demokratischen und egalitären Selbstverständnis von NTEU, dass jeder mitsprechen kann, wie ihm oder ihr der Schnabel gewachsen ist, um das hoffärtige Brüssel der Eliten abzuwehren. Bisweilen finden sich zudem biblische Motive, wenn etwa von dem Babel in Brüssel die Rede ist.<footnote numbering="arabic" start="151">
                     <p> Denn neben der sachlichen Kritik, dass die Integration aufgrund der Sprachenvielfalt ineffizient sei, spielt die Metapher vom &#8218;Babel in Brüssel&#8217; auf die Kritik der Erweckungsbewegung, also eines bibelfundamentalistischen Flügels der Nein-Bewegung an. Deutlich wird dies in Schriften der außerhalb von NTEU stehenden christlichen Gruppen. Darin erscheint die EU nicht nur als katholisches Projekt. Die Konstruktion eines geeinten Europas wird überhaupt als infames Projekt dargestellt, das dem Turmbau zu Babel gleicht und somit gegen die von Gott gewollte Ordnung der Welt der Nationalstaaten gerichtet sei.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Auch die Sprache der AUNS/SVP transportiert dieses Bild eines gegen die Eliten gerichteten volknahen Widerstandes und das republikanische Ideal des mündigen und sprachmündigen Bürgers. Gerne werden Begrifflichkeiten aus Schillers Wilhelm Tell<footnote numbering="arabic" start="152">
                     <p> Zu dessen Bedeutung für die Staatsidee der Schweiz (siehe Schneider 1987).</p>
                  </footnote> bemüht, was der Sprache von AUNS und SVP einen altertümlichen Anstrich gibt. In Ermangelung einer eigenen Schriftsprache wie dem Neunorwegischen kann die Anlehnung an die Mundart in Texten der AUNS weniger deutlich herausgefiltert werden. Deutlich ist aber, dass die schweizerische Nein-Seite, etwa Christoph Blocher, die Mundart zur Schau stellen. Allerdings bietet diese Volkstümelei auch Anlass für die weitverbreitete Darstellung Blochers als dumm. So besteht nach einem Witz der Unterschied zwischen Blocher und dem radebrechend Deutsch sprechenden Fußballtrainer Trapattoni darin, dass Blocher kein Italienisch spricht.<footnote numbering="arabic" start="153">
                     <p> Nach Mazenauer 1999.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Insgesamt sind deutliche Parallelen in der sprachlichen Artikulation norwegischer und schweizerischer Euroskeptiker zu erkennen. Der euroskeptischen Sprache beider Länder ist gemeinsam, dass sie einfach, volksnah, ungehobelt, ehrlich, ländlich und dialektartig erscheinen will. Damit werden nicht nur nationale Eigenschaften rekonstruiert, sondern es findet auch eine Abgrenzung gegen das homogenisierende Europa und gegen die vorherrschenden, &#8218;ausländisch&#8217; geprägten nationalen Schrift- und Elitensprachen<footnote numbering="arabic" start="154">
                     <p> Dem dänisch geprägten Bokmål (Rokkan) bzw. bei AUNS/SVP gegenüber dem Hochdeutschen.</p>
                  </footnote> statt. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N108A7" start="40"/>Auch in der ungleich aggressiveren Rhetorik der AUNS/SVP findet eine deutliche Abgrenzung gegen die Eliten statt. So wird betont, dass AUNS/SVP kein Blatt vor den Mund nehmen und als einzige die ungeschminkte Wahrheit gegen die Eliten sagen. Schließlich ist es Schweizerart, die Dinge klar beim Namen zu nennen im Gegensatz zu den - so Blocher - vom Bund besoldeten Professoren und strategischen Theoretikern, die zwar nicht über besondere Weisheit, aber dafür über eine umso längere Schulzeit verfügen und unbedingt den Beitritt zur UNO, NATO und EU<footnote numbering="arabic" start="155">
                     <p> Vgl. Blocher 2001: 14. Gemünzt ist dies auf den Prof. für Internationale Politik Jürg Martin Gabriel und Prof. Kurt Spillmann der ETH Zürich.</p>
                  </footnote> wollen. Anders als bei norwegischen EU-Gegnern kommt bei der AUNS/SVP an dieser Stelle eine anti-intellektuelle Haltung zum Ausdruck. Intellektualität einerseits und volksnaher gesunder Menschenverstand andererseits bilden Gegenpole, während sie sich bei NTEU ergänzen. Gerade am oben zitierten Begriff der Weisheit wird dieser grundlegende Unterschied zwischen NTEU und AUNS/SVP deutlich. NTEU spricht sich selber keine Weisheit zu bzw. dem politischen Gegner ab.<footnote numbering="arabic" start="156">
                     <p> NTEU spricht i.d.R. von &#8218;Information&#8217; oder &#8218;Aufklärung&#8217; (opplysning) über die EU. </p>
                  </footnote> Vielmehr ist der Anti-Integrationsstandpunkt nach NTEU das Resultat überlegenen Wissens über die EU in Verbindung mit gesundem Menschenverstand.<footnote numbering="arabic" start="157">
                     <p> Zur großen Bedeutung von Bauernschläue und gesundem Menschenverstand in Norwegen. Siehe Rothholz 1997.</p>
                  </footnote> Während die Begründung durch Wissen und das Abwägen der Vor- und Nachteile der Integration bei NTEU eine umfangreiche Dokumentation und Argumentation verlangt, bedarf die Weisheit der AUNS/SVP primär der Illustration durch Geschichten und Alltagsweisheiten. So begründet Mörgeli die Neutralität damit, dass er schon als kleiner Bub wusste, dass man sich in den Streit von Stärkeren besser nicht einmischt, weil man sich sonst nur eine blutige Nase holt<footnote numbering="arabic" start="158">
                     <p> Vgl. Mörgeli 2001 a: 4.</p>
                  </footnote> und im &#8222;<em>Grauen Brief&#8220;</em> heißt es lapidar: <em>&#8222;Suchst Du den Krieg, dann kommt er zu Dir. Das ist eine alte Weisheit, darum ist die Schweiz neutral&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="159">
                     <p> Grauer Brief 75, 2001: 11.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N108DA" label="2.2.2">
               <head>Differenzierte Argumentation bei NTEU und Narration bei AUNS</head>
               <p>AUNS hat deutlich weniger Schriften publiziert als NTEU. Meistens handelt es sich um dünne Broschüren und nur selten um umfangreiche Monographien. Zudem sind ihre Aussagen und Argumentationen redundant. Dasselbe gilt für das Parteiorgan der Zürcher SVP, den &#8222;<em>Zürcher Boten&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="160">
                     <p> Sowie den Zürcher Bauern.</p>
                  </footnote>Typisch ist die Behauptung, dass es sich bei den eigenen Thesen um &#8218;Fakten&#8217; handelt. Auch wenn der AUNS/SVP-Stil ungleich polemischer ist, so ähnelt er doch dem &#8218;Fakten, Fakten, Fakten&#8217;-Motto eines deutschen Nachrichtenmagazins. </p>
               <p>Die Vermischung von Erfahrung, dem &#8218;großen Wissen von Personen&#8217; und der Verweis auf unbelegtes, angeblich umfangreiches Quellenmaterial spielen eine große Rolle. So wird etwa auf dem rückseitigen Buchdeckel von Willy Futterknechts <em>&#8222;EU-Beitritt?&#8220;</em> versprochen: </p>
               <p>
                  <citenumber id="N108F5" start="41"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Die vorstehende Arbeit stützt sich auf Zehntausende von Dokumenten zur /EG-EU- Problematik, systematisch gesammelt seit 1972. Sie beweisen die verheerenden Folgen, welche für die Schweiz ein EG/EU-Beitritt unabwendbar mit sich bringen würden ...&#8220;<footnote numbering="arabic" start="161">
                           <p>Futterknecht 1994: Buchrückseite.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Im Buch wird diese Ankündigung jedoch gleich eingeschränkt, denn <em>&#8222;um die Lektüre nicht zu erschweren, beschränkte er [Futternkecht] sich auf unerlässliche Angaben&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="162">
                     <p> Futterknecht 1994: 7.</p>
                  </footnote> Was dann an Belegen folgt, ist eine wüste Zusammenstückelung von zerrissenen Zitatfetzen und Zeitungszitaten. Dies unterscheidet NTEU und AUNS/SVP grundlegend. Bild- und Textquellen sind bei NTEU i.d.R. nachvollziehbar belegt und berufen sich auf höherwertige Quellen.<footnote numbering="arabic" start="163">
                     <p> Quellen von AUNS/SVP sind häufig Zitate von Autoritäten oder Zeitungsartikel. Demgegenüber beruft sich NTEU oft auf wissenschaftliche Darstellungen.</p>
                  </footnote> Dagegen suggerieren Darstellungen von AUNS/SVP lediglich den Eindruck von Faktizität. So wird etwa ein im &#8222;<em>Grauen Brief&#8220;</em> abgedrucktes Gemälde, das anhand seiner stilistischen Mittel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sein dürfte, als <em>&#8222;Rütlischwur 1291&#8220;</em> untertitelt.<footnote numbering="arabic" start="164">
                     <p> Grauer Brief 79, 2001 Rütli-Schwur: 2.</p>
                  </footnote> Es wird der Eindruck vermittelt, als wäre der Maler bei dem historischen Ereignis dabei gewesen und hätte dies fotografisch dokumentiert.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N1092D" start="42"/>Einfache Schlagworte, historische Lehrgeschichten und Populismus dominieren die Schriften der AUNS. Dabei beruft man sich auf Autoritäten wie Nobelpreisträger, große Männer der schweizerischen Geschichte oder auf einzelne als korrupt und machtbesessen angesehene EU-Politiker. Dagegen hat NTEU nicht nur wesentlich mehr publiziert und nach Seitenzahlen umfangreichere Schriften herausgegeben als AUNS. Da führende Wissenschaftler des Landes für NTEU schreiben, kann das Autorenverzeichnisse von NTEU ohne weiteres mit dem Vorlesungsverzeichnis norwegischer Universitäten verwechselt werden.<footnote numbering="arabic" start="165">
                     <p> Siehe beispielsweise das Autorenverzeichnis in Norge og EU 1994:12.</p>
                  </footnote> So findet sich bei NTEU eine ausgefeilte Argumentation, die gängige sozialwissenschaftliche Bedenken, insbesondere zum EU-Demokratiedefizit, ausführt.<footnote numbering="arabic" start="166">
                     <p> So gut wie alle Publikationen von NTEU, die nicht zu spezifischen Themen, wie Umwelt, Gleichberechtigung, genmanipulierte Lebensmittel etc., verfasst sind, befassen sich primär mit demokratietheoretischen Bedenken. Etwa nachzulesen bei Norge og EU 1994.</p>
                  </footnote> Hier liegt einer der entscheidenden Unterschiede zwischen den Publikationen und Werbestrategien von NTEU und AUNS/SVP. Das erklärte Ziel von NTEU ist es, auf unterschiedliche Zielgruppen hin und auf allen Niveaus zu argumentieren.<footnote numbering="arabic" start="167">
                     <p> Siehe beispielsweise die Karikatur in Kompendium 1994: 51.</p>
                  </footnote> Bei AUNS findet man dagegen weder den Versuch eine differenzierte Argumentation aufzubauen und zu untermauern noch die öffentliche Selbstreflexion über die eigene Strategie und Handlungsweise.</p>
               <p>Symptomatisch für den grundverschiedenen Umgang mit Wissen ist die Archivierungspraxis beider Bewegungen. Im Gegensatz zu dem mit Büchern und Aktenordnern vollgestopften Büro von NTEU in Oslo erscheint das Büro von AUNS in Bern leer und ordentlich. NTEU in Oslo hat ein Archiv mit Zeitungsartikeln zum EU-Thema angelegt, in dem die landesweite Presse ausgewertet wird. Ein vergleichbares Archiv unterhält AUNS nicht. Dies ist auch unnötig, weil AUNS eine schnell agierende Kampagnenorganisation ist, die nicht auf umfangreiche Fußnotensysteme zurückgreift, um Behauptungen zu belegen. Der Qualitätsunterschied darf indes nicht mit mangelnder Professionalität verwechselt werden. Die unterschiedliche Archivierungspraxis spiegelt vielmehr unterschiedliche Strategien und Zielgruppen wider. Zielgruppe der AUNS ist das Kleinbürgertum, das vom sozialen Abstieg bedrohte Arbeitermilieu, Hausfrauen und Bauern. Strategisch sind AUNS und SVP im Rahmen ihrer zahlreichen Volksabstimmungskampagnen auf Medieninteresse durch gezielte Provokation ausgerichtet, oder wie ein führender SVP-Politiker formulierte: <em>&#8222;Solange ich Neger sage, bleibt die Kamera bei mir.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="168">
                     <p> Zitat des SVP-Politikers Ueli Maurer nach Sprecher (Download Weltwoche vom 18.1.2004).</p>
                  </footnote> Angesichts dieser durchaus erfolgreich praktizierten Strategie ist ein quasi wissenschaftlicher Apparat wie bei NTEU überflüssig oder sogar hinderlich.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N10958" label="2.2.3">
               <head>Verwendung von vergleichenden Statistiken bei NTEU und AUNS/SVP</head>
               <p>Innerhalb des Materials von NTEU und AUNS/SVP tauchen zahlreiche vergleichende Statistiken auf. Oft unterstützen diese die Argumentation im Text. Diese Vergleiche reproduzieren euroskeptische Grundansichten der Überlegenheit des Nationalstaates. Folglich suchen, finden und publizieren AUNS/SVP und NTEU vergleichende Statistiken, bei denen ihre Länder gegenüber der EU und ihren Mitgliedsstaaten auf den vorderen Plätze erscheinen. Wie üblich verwendet NTEU höherwertige Quellen und belegt diese i.d.R. nachvollziehbar. Zudem sind die vergleichenden Statistiken bei NTEU inhaltlich weiter gefasst (Ökonomie, Lebensqualität, Geschlechtergleichstellung, Demokratie, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit etc.), während bei AUNS/SVP ökonomische Vergleiche dominieren. Entsprechend der neoliberalen Ausrichtung der AUNS sind Unternehmensberatungen, Ratingagenturen (Moodys und Standart&amp;Poor)<footnote numbering="arabic" start="169">
                     <p> Grauer Brief 90, 2003: 5. </p>
                  </footnote> oder führende Unternehmerpersönlichkeiten beliebte Quellen und Kronzeugen für die Überlegenheit der Schweiz. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N10969" label="2.2.4">
               <head>Verwendung von IT</head>
               <p>
                  <citenumber id="N10970" start="43"/>Die Internetseiten von AUNS und NTEU beinhalten selbstverständlich Informationen über die Entstehung, Geschichte und Ziele der Bewegungen sowie zur Mitgliederwerbung. Gravierende Unterschiede bestehen jedoch in ihrem Informationsgehalt und ihrer Aufmachung. Dabei scheinen sich die in den Büros beobachteten Ordnungsvorstellungen auch beim Umgang mit Wissen im virtuellen Raum niederzuschlagen. So besticht die Startseite der AUNS durch Aufgeräumtheit, Schlichtheit, Übersichtlichkeit, die sparsame Verwendung von Farben und eine klare Gliederung. Demgegenüber ist die Startseite von NTEU nicht nur farbenfroh, bildreich, sondern auch eng mit Text, Unterverzeichnissen und Links versehen. Während das so genannte &#8218;Archiv&#8217; der AUNS lediglich aus eigenen Schriften besteht, bietet NTEU neben zahlreichen eigenen Publikationen auch allgemeine Literatur zur EU und Presseberichte. Zudem wird eine umfangreiche Linkliste zur Verfügung gestellt, an der deutlich die von NTEU gesetzten Prioritäten abzulesen sind. So fängt die Liste mit der detaillierten Aufzählung der euroskeptischen Bewegungen und Parteien in Norwegen an. Hierauf folgen Internetlinks zum &#8218;EU-Widerstand im Norden und zum &#8218;EU-Widerstand außerhalb des Nordens&#8217;. Bemerkenswert ist, dass außerdem nicht nur auf zahlreiche &#8218;offizielle EU-Seiten&#8217;, u.a. auf das schweizerische Integrationsbüro, hingewiesen wird, sondern auch auf die Seiten der norwegischen Integrationsbefürworter. Abgerundet wird diese Liste durch einige Verweise auf die Seiten prominenter nordischer EU-Gegner.<footnote numbering="arabic" start="170">
                     <p> Vgl. www.neitileu.no (Stand vom 6.1.2004).</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Dagegen findet sich bei der AUNS nicht einmal ein Link zur SVP, geschweige denn zu integrationsbefürwortenden Organisationen.<footnote numbering="arabic" start="171">
                     <p> Vgl. www.auns.ch (Stand vom 6.1.2004).</p>
                  </footnote> Noch deutlicher wird der unterschiedliche Anspruch, das Volk &#8218;informiert&#8217; und &#8218;aufgeklärt&#8217;<footnote numbering="arabic" start="172">
                     <p> &#8218;Informasjon&#8217; oder &#8218;opplysning&#8217; sind die gängigen Termini im EU-Diskurs.</p>
                  </footnote> zu halten, bei der Verwendung von Newslettern. So informiert NTEU (ebenso wie die Europabewegung) mit einem wöchentlichen Newsletter. Die AUNS verfügt nicht über einen derartigen Service. Lediglich die SVP informiert und kommentiert über einen Newsletter. Etwa ein Viertel aller Mails der SVP wirbt jedoch für persönliche Gespräche mit SVP-Politikern über eine Telefonhotline. Anstatt Sachinformationen zu liefern, werden ausschließlich biographische Angaben der Politiker übermittelt.<footnote numbering="arabic" start="173">
                     <p> Im Zeitraum vom 14.5.03 bis zum 7.1.04 waren 29 der 130 eingegangenen E-Mails Hinweise auf die Telefonhotline. Auch bei den anderen versandten Informationen handelt es sich meistens um kurze Pressemitteilungen und nicht wie bei NTEU um ausführliche Argumentationen und Hinweise auf Informationen.</p>
                  </footnote> Die SVP nutzt das Internet folglich maßgeblich, um auf das ältere Medium Telefon zu verweisen. </p>
               <p>Hauptgrund für die mäßige Nutzung des Internets dürfte die Altersstruktur der AUNS und SVP sein sowie die frühere Verbreitung des Internets in Norwegen. Zudem spielen auch personelle Aspekte eine Rolle. Kristen Nygaard, der frühere und inzwischen verstorbene Vorsitzende von NTEU, war ein international renommierter IT-Experte. Dies war wohl ein Grund, warum NTEU früh auf die Nutzung des Internets gesetzt hat. So rühmt sich NTEU mit seiner zentralen Datenbank &#8222;<em>Rundblick&#8220; (Kringsjå),</em> die neue Informationstechnologie in einer Weise und einem Umfang benutzt zu haben, wie es in Norwegen bislang nicht geschehen sei.<footnote numbering="arabic" start="174">
                     <p> Vgl. Årsmeldning 1995: 17.</p>
                  </footnote> Ob dies zutrifft oder nicht, mag dahingestellt sein. Es zeigt auf jeden Fall den Anspruch von NTEU Speerspitze des Fortschrittes und der Modernität zu sein. Dabei spielt insbesondere die Vorstellung des Internets als basisdemokratisch und netzwerkartig eine wichtige Rolle für die Selbstinszenierung von NTEU. Dagegen beschreibt AUNS ihre Organisationsform in militärischem Vokabular und damit als hierarchisch. Beispielsweise werden die Büros der AUNS in den Kantonen als <em>&#8222;Stützpunkte&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="175">
                     <p> Siehe die Seite der AUNS (Download vom 7.1.2004).</p>
                  </footnote> bezeichnet. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N109B2" start="44"/>Moderner, informierter und aufgeklärter zu sein als die Europabewegung ist eine der zentralen Aussagen von NTEU. Während NTEU ihr Wissen als Hauptressource darstellt, sei es das Kapital, das hinter der Integration steht. Entsprechend beschuldigt NTEU die Europabewegung bisweilen, zwar viele bunte Bilder vom schönen Europa zu produzieren, aber wenig substanzielle Argumentation anzubieten.<footnote numbering="arabic" start="176">
                     <p> Dieser Vorwurf ist zwar stark überspitzt, aber nicht gänzlich unberechtigt. So zeigt etwa der Newsletter der Europabewegung tatsächlich viele bunte Bilder, die entweder Personen (vor allem der Ja-Seite) oder die geläufige europäische Ikonographie (Euro, europäische Fahne, Banner und andere europäische Symbole, Konferenzen, Ministertreffen, händeschüttelnde Politiker etc.) zeigen. Demgegenüber ist der Newsletter von NTEU verhältnismäßig sachlich und informativ.</p>
                  </footnote> AUNS und SVP sind keinesfalls technikfeindlich, jedoch gründet sich die Überlegenheit der Schweiz stärker auf Effizienz und Neutralität. Die Lehrgeschichten, die von der AUNS erzählt werden, haben aber den Charakter von beständigen Wahrheiten über den Staat und das Zusammenleben der Menschen.<footnote numbering="arabic" start="177">
                     <p> Insbesondere wird die Neutralitätspolitik mit solchen Wahrheiten begründet. Beispielsweise rät Bachofner:&#8222;Fang keinen Streit an&#8220; (Bachofner 2000: 13) oder Blocher übertitelt eine Broschüre mit:&#8222;Suchst Du den Krieg, dann kommt er zu Dir&#8220; (Blocher 2001).</p>
                  </footnote> Sie bedürfen keiner umfassenden Belege durch einen Apparat von Informationen, Fußnoten oder Aktualisierungen durch einen Newsletter. Ungleich wichtiger ist, wie die oben beschriebene Telefonhotline zeigt, der persönliche Kontakt zwischen Bürger und Politiker. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N109C7" label="2.2.5">
               <head>Führungspersönlichkeiten</head>
               <p>Handelnde Personen haben einen höheren Nachrichtenwert als die abstrakte Darstellung politischer Prozesse. Die Zuordnung eines Standpunktes zu einer Person löst Identifikation oder Ablehnung aus. Umso erstaunlicher ist der eklatante Unterschied hinsichtlich der Personalisierung der Integrationsdiskurse in den Medien und durch die EU-Gegner selbst. Spricht man mit Schweizern über Integrationswiderstand, dann fällt ungefragt der Name Christoph Blocher und üblicherweise eine negative Wertung. Dagegen findet eine Zuordnung und Gleichsetzung einer Person mit dem Integrationswiderstand in Norwegen selten statt und bleibt eher wertfrei.<footnote numbering="arabic" start="178">
                     <p> Einschränkend muss gesagt werden, dass der Autor sich in beiden Ländern vorwiegend in einem akademischen Milieu bewegt hat, das vor allem Sozialwissenschaftler, Psychologen, Architekten, Schauspieler und Mediziner umfasst. Dabei waren abfällige Bemerkungen über Blocher sehr häufig. </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Christoph Blocher wird von Gegnern und Unterstützern als die Führungspersönlichkeit des Integrationswiderstandes begriffen. Zwar finden sich im Umfeld von Blocher andere bekannte Persönlichkeiten wie Hans Fehr, Claudio Zanetti und Christoph Mörgeli. Aber bei diesen handelt es sich um Gefolgsleute oder Weggefährten Blochers. Der schweizerische Integrationswiderstand schart sich um Blocher, der von seinen Anhängern starke Unterstützung und von seinen Gegnern starke Anfeindungen erfährt.<footnote numbering="arabic" start="179">
                     <p> Zum &#8218;Who is Who?&#8217; der schweizerischen rechten euroskeptischen Szene siehe das Buch von Frischknecht/Niggli (1998) &#8222;Die unheimlichen Patrioten&#8220;, das im Stile des investigativen Journalismus, etwa vergleichbar mit Monitor, zwar etwas einseitig gehalten ist, jedoch die &#8222;rechten Seilschaften&#8220; sehr detailreich beschreibt sowie das vergleichbare Buch zur Zürcher SVP von Hartmann/Horvath 1995.</p>
                  </footnote> So wird Blocher häufig mit der AUNS gleichgesetzt. Dies wird etwa an der Darstellung des Integrationsbüros über die Position der AUNS gegen die Bilateralen Verträge II deutlich. So wird das Thema des Berichtes, die AUNS, nur am Rande gestreift. Im Zentrum des Berichts wird vielmehr Christop Blocher und sein Konflikt mit der Basis der AUNS als &#8218;seiner&#8217; Organisation thematisiert.<footnote numbering="arabic" start="180">
                     <p> Blocher wollte den Bilateralen Verträgen II zustimmen, unterlag aber der AUNS-Basis (vgl. Integrationsbüro Download vom 19.12.03).</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N109EC" start="45"/>Auch in Norwegen finden sich auf der Nein-Seite prominente Persönlichkeiten wie die Politikerin der Zentrumspartei, Anne Lahnstein, die von den Medien zur &#8218;Nein-Königin&#8217; gekürt wurde. Im Gegensatz zur Schweiz, wo Blocher fast ein Synonym für die Integrationsgegner ist, hat der norwegische Integrationswiderstand aber viele Köpfe. Dies zeigt zum einen den Nein-Standpunkt zahlreicher prominenter Politiker, Intellektueller und Künstler<footnote numbering="arabic" start="181">
                     <p> Zum Who is Who von NTEU siehe z.B. die Jahrbücher von NTEU (Årbok).</p>
                  </footnote> und zum anderen den Charakter von NTEU als gesellschaftlich breitem Bündnis. Auf bildlichen Darstellungen von AUNS/SVP und NTEU kommt dieses unterschiedliche Verständnis von Personen zum Ausdruck. Während Blocher auf Fotos häufig alleine (oder händeschüttelnd mit einem Freund oder Weggefährten) abgebildet ist, werden führende Persönlichkeiten von NTEU als Teil einer um Demokratie besorgten Volksmasse<footnote numbering="arabic" start="182">
                     <p> Z.B. das Foto von Blocher mit Brunner auf dem Cover von (Brunner 1994). Bilder, bei denen das norwegische Volk einerseits und gestriegelte EU-Politiker andererseits abgebildet werden, finden sich häufig bei NTEU - beispielsweise auf dem Cover des Jahrbuches Årbok 1999 oder Bildnachweis: NTEU-Flugblatt Framtida (k.A.).</p>
                  </footnote> dargestellt. Während die AUNS und Blocher als volksnahe Advokaten auftreten, versteht sich NTEU als das Volk selber.<footnote numbering="arabic" start="183">
                     <p> Siehe Kapitel: Warme Gemeinschaft oder kaltes Europa?</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Für diesen Unterschied im Grad der Personalisierung gibt es noch andere Gründe. Die AUNS vertritt rechtspopulistisches Gedankengut und Blocher ist ihre starke Führungspersönlichkeit. Dieses stark personalisierte Verständnis von Politik findet sich auch in den SVP- und AUNS-Schriften, wo EU-Politiker (z.B. Prodi, Schröder etc.) als korrupt, inkompetent und als Feinde dargestellt werden. Demnach ist die EU schlecht, weil man &#8218;es ja sehen kann&#8217;, dass sie von korrupten oder unfähigen Politikern regiert wird. Im Selbstverständnis der AUNS müssen sich volksnahe Männer wie Blocher, wie einst Tell, diesen korrupten Männern in Bern und Brüssel entgegenstellen.</p>
               <p>NTEU hat dagegen ein wesentlich abstrakteres Bild von politischen Prozessen, in denen Markt- und Machtmechanismen die treibenden Kräfte sind. Diese abstrakten Eigenschaften werden durch Bilder von dicken, mächtigen und korrupten Politikern zwar illustriert, dienen jedoch nicht als Argumentationsersatz. Wie etwa an dem verbreiteten Spott von NTEU über Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland abzulesen ist, wendet sich der egalitäre und anti-autoritäre Anspruch von NTEU gerade gegen die Dominanz einer einzigen Person.<footnote numbering="arabic" start="184">
                     <p> So findet sich etwa im Liederbuch von NTEU eine Karikatur mit Brundtland in der Mitte des jedem Norweger bekannten Bildes der verfassungsgebenden Versammlung von 1814. Auf diesem belehrt Brundtland die Verfassungsväter und schickt sie, wie kleine Jungen, zum &#8218;Hausaufgaben machen nach Hause&#8217; (siehe Stem I! Songbok for Røysteføre 1994: 72). </p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N10A17" label="2.2.6">
               <head>Layout, Material und Aufmachung der Publikationen von AUNS und NTEU</head>
               <p>
                  <citenumber id="N10A1E" start="46"/>Die einfache, an Bildern und Symbolen arme, fast biedere Aufmachung der AUNS-Broschüren transportiert Sachlichkeit und Sparsamkeit und steht im Gegensatz zu dem polemischen Inhalt. Demgegenüber sind Flugblätter und Plakate mehrfarbig. Die AUNS verwendet gebleichtes Papier, das oft in blauen, grünen, rosa und orangen Pastellfarben gehalten ist. So ist etwa das Heft zur Golddebatte grün, das zum Föderalismus und Europa orange und das zum Zweiten Weltkrieg rosa.<footnote numbering="arabic" start="185">
                     <p> Grünes Heft zum Nazigold siehe Blocher 1999: Mörgeli 2001b, oranges Heft zu Föderalismus und Europa siehe Heuer (k.A.): rosa Heft zum Zweiten Weltkrieg siehe Blocher 1998a. In diesem Format sind einige weitere Broschüren in Elfenbeinfarbe (Blocher 1998b) und verschiedenen Grüntönen (Bachofner 2000, Mörgeli 2001a) erschienen. </p>
                  </footnote> Diesen dezenten Farben transportieren Seriosität und ermöglichen die Unterscheidung der in Layout und Format (DIN A 5) identischen, zwischen 15 und 48 Seiten dicken Heftchen. Kernaussagen werden bei der AUNS im Text fett gedruckt oder durch Rahmen hervorgehoben. Eine solche massive Lenkung des Lesers ist bei NTEU unüblich. Kernaussagen und Struktur der Texte werden üblicherweise durch das Inhaltsverzeichnis strukturiert. Schraffierte Kästen dienen bisweilen dazu, eine Zusammenfassung der Kernaussage, eine Anekdote oder ein Zitat wiederzugeben.</p>
               <p>Im Gegensatz zur AUNS verwendet NTEU häufiger nationale Symbolik und Verweise auf die nationale Geschichte auf Plakaten sowie Vorder- und Rückseiten von Büchern, Broschüren und Zeitungen. Die Verwendung von nationaler Symbolik ist jedoch im Verlauf der Geschichte des norwegischen EU-Widerstandes dezenter geworden, auch wenn sie nicht verschwunden ist. So sieht man in neueren Ausgaben von Plakaten, Broschüren und Büchern die Szene eines Rockkonzertes, womit jüngere Wähler angesprochen werden sollen. Zugleich wird der Gegensatz zwischen dem jungen, zukunftsträchtigen Norwegen und dem alten EU-Europa aufgebaut. So wird etwa auf der Vorderseite eines Flyers von NTEU eine bewegte Menschenmasse mit drei jungen Frauen im Vordergrund gezeigt, während auf der Rückseite Bilder der älteren Mitglieder des Europäischen Konventes abgebildet sind.<footnote numbering="arabic" start="186">
                     <p> Siehe Bildnachweis: NTEU-Flugblatt Framtida (k.A.).</p>
                  </footnote> Demgegenüber wurde das Material der Kampagne von 1994 noch von dem klassischen Rahmen mit norwegischer Flagge<footnote numbering="arabic" start="187">
                     <p> Beispielsweise siehe Bildnachweis: NTEU-Plakate Oljen har stor verdi.</p>
                  </footnote> geschmückt. Die mit Fahnen und norwegischen Fischkuttern gespickten Plakate des Abstimmungskampfes von 1994 sind in ihrer Aufmachung an die des ersten Referendums von 1972 angelehnt. Damit verbinden sie nationale Symbolik mit der Beschreibung der Geschichte der siegreichen norwegischen Widerstandsbewegung.<footnote numbering="arabic" start="188">
                     <p> Diese Funktion erfüllt auch das Feiern der Jahrestage des Nein von 1972.</p>
                  </footnote> Bereits das bisweilen von NTEU verwendete Altpapier transportiert die Selbstbeschreibung als alternativ/ökologisch und stellt eine Abgrenzung gegenüber den auf Hochglanzpapier publizierten Schriften der Europabewegung dar. Dies versteht die Europabewegung und wird von ihr parodiert. So gab die Jugendbewegung der Europabewegung eine Broschüre heraus, die den Eindruck von Altpapier oder altem vergilbten Papier vermittelt. Diese im doppelten Sinne &#8218;graue Literatur&#8217; beschreibt Norwegen als von der EU abhängige Bananenrepublik, welche dem von den USA abhängigen Puerto Rico gleicht. <footnote numbering="arabic" start="189">
                     <p> Siehe Europas Puerto Rico, k.A..</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Zudem vermitteln die Schriftserie und zahlreiche Publikationen von NTEU durch graue und braune Farben auf dem Cover den Eindruck von Altpapier, selbst wenn der Innenteil auf neuem Papier gedruckt ist.<footnote numbering="arabic" start="190">
                     <p> Siehe die Schriftserien gegen die EG/bzw. EU: &#8222;Skriftserie om EF&#8220; bzw. &#8222;Nei til EUs Skriftserie&#8220;, z.B. Østerud 1993.</p>
                  </footnote> Hiermit wird der ökologische Anspruch der Nein-Bewegung in Norwegen unterstrichen <em>(&#8222;Umweltschutz oder EU&#8220;).</em> Im Vergleich zur norwegischen Europabewegung sind die Schriften von NTEU einfacher gestaltet (z.B. weniger aufwendige Fotos, häufiger Schwarz-weiß-Fotografien) und transportieren damit das Selbstbild von NTEU als sachlich argumentierende Underdogs im Kampf gegen die Eliten. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N10A5C" label="2.2.7">
               <head>Symbole und Bilder</head>
               <p>
                  <citenumber id="N10A63" start="47"/>Selbst- und EU-Bilder der Euroskeptiker kommen in bildlichen Darstellungen besonders prägnant zum Ausdruck. AUNS und SVP konzentrieren sich auf sehr wenige eingängige Bilder. Das prominenteste ist das &#8218;gerupfte Huhn&#8217;, dessen Schnabel zugebunden und dessen Beine aneinandergekettet sind. Diese mit dem Slogan <em>&#8222;Ärmer werden. Freiheit verlieren. Nein zum EU-Beitritt&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="191">
                     <p> Siehe Bildnachweis: Huhn auch als AUNS-Download vom 13.1.2004 mit Variante des Textes.</p>
                  </footnote> unterlegte Darstellung wurde in verschiedenen Kampagnen benutzt. Das norwegische Gegenstück zum &#8218;gerupften Huhn&#8217; ist die &#8218;gemolkene Kuh&#8217;. Auf diesem populären Bild wird die &#8218;Kuh Norwegen&#8217; von Gro Harlem Brundtland gemolken und die Milch fließt in den &#8218;europäischen Eimer&#8217;.<footnote numbering="arabic" start="192">
                     <p> Hierzu der Bildband: Hammerstad 1998. Erstaunlicherweise kommt die Metapher der gemolkenen Kuh bei AUNS/SVP relativ selten vor, auch wenn bisweilen betont wird, dass die Schweiz nicht zur &#8222;Milchkuh Europas&#8220; werden soll (SVP Wahlplattform 1999: 13). Diese seltene Verwendung der &#8218;gemolkenen Kuh&#8217; ist erstaunlich, weil sie der ländlich-bäuerlichen Selbstbeschreibung von AUNS/SVP und der Behauptung, dass die EU die Schweiz ausnutzten will, entsprechen. Bei einem Vortrag bei ARENA am 29.11.02 in Oslo zeigte ich das AUNS-Plakat mit dem gerupften Huhn und das folgende Gelächter zeigte das Verständnis für diese Metapher.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Selbst wenn man bei AUNS die bildlichen Darstellungen in angrenzenden Kampagnen (Armee, Goldreserven, Nazigold, Asyldebatten) hinzuzählt und die zahlreichen Karikaturen aus dem Umfeld von NTEU nicht berücksichtigt<footnote numbering="arabic" start="193">
                     <p> Insbesondere Karikaturensammlungen wie von Andrésen 1994.</p>
                  </footnote>, so bleibt die Anzahl der unterschiedlichen bildlichen Darstellungen bei AUNS doch geringer. Dieser Unterschied ist vor allem auf die Vielzahl der Schriften von NTEU zurückzuführen. Diese enthalten in der Regel neben dem Layout, welche sie als Teil einer Schriftserie von NTEU erkennbar macht, eine bildliche Darstellung zum jeweiligen Thema und der Kernaussage der jeweiligen Schrift.<footnote numbering="arabic" start="194">
                     <p> So wird etwa auf der Schriftserie (Skriftserie 1/1995) zu den &#8218;kommunalen Kompetenzen und dem EWR&#8216; ein Ärmel mit EU Flagge und eine Hand gezeigt, deren Zeigefinger einen &#8218;kleinen&#8217; Mann (wohl einen kommunalen Entscheidungsträger) niederdrückt. </p>
                  </footnote> Solche am thematischen Zusammenhang ausgerichteten Darstellungen finden sich bisweilen auch bei der AUNS. Entsprechend folgen die Bilder den jeweils bevorzugten Themen der Bewegungen. Diese sind Einwanderungspolitik, Ökonomie und bewaffnete Neutralität bei AUNS und Umweltschutz, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Drogenpolitik bei NTEU.</p>
               <p>NTEU stellt besonders das Gegensatzpaar von groß und klein in zahlreichen Bildern dar. So wird etwa das kleine norwegische Fischerboot von dem großen &#8218;Öltanker EU&#8217; ins Schlepptau<footnote numbering="arabic" start="195">
                     <p> Dies ist ein oft wiederkehrendes Grundmotiv. Thematisch variiert es bisweilen insofern, wie aus dem Öltanker eher ein kriegschiffähnliches Wasserfahrzeug wird.</p>
                  </footnote> genommen oder der kleine norwegische Fisch vom großen Fisch gefressen. Bisweilen argumentiert der gefressene Fisch - wie die norwegische Europabewegung -, dass er ins Maul des Großen hinein muss, um Einfluss auf ihn auszuüben.<footnote numbering="arabic" start="196">
                     <p> Vgl. Karikatur im Liederbuch von NTEU. An dieser Stelle in der Variante mit einem &#8218;kleinen Fisch&#8217; und der &#8218;EU als Pottwal&#8217; (Stem I! Songbok for Røysteføre 1994: 9).</p>
                  </footnote> Das Thema groß gegen klein findet sich auch bei der AUNS. Dabei sind die Darstellungen in der Schweiz jedoch eher auf Freiheitsverlust (Gefängnis EU<footnote numbering="arabic" start="197">
                     <p> Siehe Cover von Futterknecht 1994.</p>
                  </footnote>, gefesseltes Huhn u.a.) oder auf den Verlust von Geld bezogen. Hinzu kommt eine Reihe historischer Darstellungen über Staatsgründung und nationale Verteidigung. Besonders häufig sind Darstellungen des Rütli-Schwures und der Armee aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.<footnote numbering="arabic" start="198">
                     <p> Siehe z.B.: Grauer Brief 79, 2001 Rütli-Schwur: 2 und Armee: 12, 14. </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10AB2" start="48"/>Auch bei NTEU finden sich Referenzen zur Staatsgründung und zur Verfassung von 1814. Im Gegensatz zu Darstellungen der AUNS, welche die nationale Selbstbehauptung unmittelbar mit dem EU-Kontext verknüpfen, wird in Norwegen mit historischen Bildern (z.B. steinzeitlichen Malereien) die nationale Vergangenheit und Gemeinschaft beschworen, ohne daraus eine textliche Argumentation oder eine klare Aufforderung zur nationalen Selbstverteidigung abzuleiten.<footnote numbering="arabic" start="199">
                     <p> Siehe Esborg 2002, 1999. </p>
                  </footnote> Durch bildliche Darstellungen werden bei NTEU dagegen Argumente mit dem Bezug zur Verteidigung der Demokratie in Form der Abbildung des norwegischen Parlamentsgebäudes benutzt. Dieses wird häufig den protzigen, verwinkelten Darstellungen von europäischen Gebäuden gegenübergestellt<footnote numbering="arabic" start="200">
                     <p> Dieses Grundthema findet sich in verschiedenen Varianten. So werden etwa Fotos von führenden Vertretern von NTEU vor dem Parlamentsgebäude auf der Rückseite und auch ein Rockkonzert, das vor dem Parlamentsgebäude stattfindet, auf der Vorderseite einer Broschüre abgebildet. (Nei til EUs skriftserie &#8211; Nr. 3 2000).</p>
                  </footnote> und durch die Darstellung von bekannten EU-Politikern - den mächtigen Männern Europas - komplettiert. Die Bilder vermitteln die Botschaft, dass die EU ein kafkaeskes, machthungriges, hierarchisches Gebilde sei. In diesem Aspekt ähneln die Selbstdarstellungen der AUNS auf verblüffende Weise den negativen Bildern von NTEU über das männerbündische, konservative, katholische, kontinentale Europa. So zeigt die AUNS bevorzugt Außenaufnahmen von großen Gebäuden, in denen AUNS-Tagungen stattfinden, sowie händeschüttelnde, untersetzte Herren, die an langen Tafeln schweizerische Gemütlichkeit zelebrieren.<footnote numbering="arabic" start="201">
                     <p> Siehe Fotos: Brunner 1994: 25: Cover von Grauer Brief 77, 2001: Rückseite von Grauer Brief 90, 2003.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N10ACF" label="2.2.8">
               <head>Humor als Stilmittel</head>
               <p>Die Darstellung des politischen Gegners und seines Standpunktes als lächerlich unterminiert dessen Position und ist deshalb ein Ziel politischer Akteure. AUNS und SVP verwenden eine martialische Sprache. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Schweiz sich in einem nationalen Verteidigungskrieg befindet. Vor diesem Hintergrund handelt es sich um eine Sache, die viel zu ernst ist, um sie humoristisch darzustellen. Denn so die Mitgliederwerbung der AUNS: </p>
               <p>
                  <blockquote>
                     <p>
                        <citenumber id="N10ADD" start="49"/>&#8222;Die Unabhängigkeit und die Bewaffnete Neutralität der Schweiz sowie die Freiheitsrechte der Bürger und Bürgerrinnen dulden keine Kompromisse. Wer jetzt schweigt, schadet seinem Land. AUNS-Mitglieder schweigen nicht.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="202">
                           <p> Hervorhebungen entsprechend dem Original. So der auf Werbepostkarten und in Broschüren häufig verwandte Wortlaut für die Mitgliederwerbung der AUNS. Siehe Anlage Mitgliederwerbung AUNS.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Bitterböser Spott und persönliche Angriffe auf den politischen Gegner sind jedoch die Regel. Dies reicht von Anschuldigungen gegen die &#8218;Herren Experten&#8217; über die &#8218;linken Gutmenschen&#8217; bis zu den dümmlich-arroganten Politikern und Bürokraten in Bern und Brüssel. Witze und Karikaturen beinhalten persönliche Angriffe oder fremdenfeindliche Inhalte, wie zum Beispiel ein Bild von Schwarzen, die im Flugzeug &#8218;nach Hause&#8217; gebracht werden.<footnote numbering="arabic" start="203">
                     <p> Diese Karikatur unterlegt einen Text darüber, wie man den &#8222;Zustrom von Asylmissbrauchern Stoppen!&#8220; (Grauer Brief 88, 2003: 2) kann.</p>
                  </footnote> Zugleich bieten AUNS/SVP damit jedoch auch reichlich Angriffsfläche für den ausgeprägten Spott und zahlreiche Karikaturen in Presse, integrationsbefürwortenden Essays, Plakaten etc. Holzschnittartige Darstellungen von dummen, zurückgebliebenen, auf dem Berg sitzenden, dicklichen Schweizern<footnote numbering="arabic" start="204">
                     <p> Wie etwa der auf einer Karikatur gezeichnete dickliche Schweizer, der sich die Nase zuhaltend in Badesachen in ein mit der UNO-Flagge gekennzeichnetes kalte Wasser springt (vgl. Grauer Brief 86: 8).</p>
                  </footnote> oder/und Euroskeptikern sind deshalb weit verbreitet - dies gilt im Besonderen für Blocher selbst, der sowohl von seinen Gegnern wie seinen Freunden oft dargestellt wird.<footnote numbering="arabic" start="205">
                     <p> Z.B. die AUNS-Karikatur, auf der ein schweizerischer Politiker auf einer mit dem Kennzeichen CH gekennzeichneten Schnecke in Richtung UNO-Beitritt reitet und seiner Angst vor Blocher in einer Sprechblase Ausdruck verleiht: &#8222;Hoffentlich sind keine Blocher unterwegs&#8220; Grauer Brief 79, 2001: 3. Siehe etwa die verspottende Anti-SVP-Seite (Download vom 18.1.2004).</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Im Gegensatz zur Schweiz pflegen NTEU und die norwegische Europabewegung einen respektvollen Umgang miteinander. Dies gilt auch für humoristische Darstellungen, die wesentlich höflicher sind als in der Schweiz. Dies sollte jedoch nicht als Indiz für ein niedriges, sondern für ein hohes Konflikt- und Mobilisierungspotential in Norwegen sprechen. Nach den Erfahrungen des erbitterten Abstimmungskampfes von 1972 war es das erklärte Ziel der Nein-Seite, sich nicht erneut dem Vorwurf auszusetzen, die Stimmung im Land zu vergiften. Vor diesem Hintergrund stellt es einen nationalen Konsens dar, dass die politischen Akteure des Integrationsstreites kein Öl ins Feuer gießen. Dagegen gehören Referenden in der Schweiz zum Alltag und führen zu niedrigerer Mobilisierung und Wahlbeteiligung (ablesbar an der mit 78,3% bei der EWR-Abstimmung von 1992 relativ zu Norwegen mit 89% niedrigeren Wahlbeteiligung).<footnote numbering="arabic" start="206">
                     <p> Zahlen nach To join or not to join: 16ff.</p>
                  </footnote> AUNS und SVP können daher in ihrer Rhetorik den Kriegsfall ausrufen, ohne damit rechnen zu müssen, dass dieser Aufruf wörtlich genommen wird. Trotz der enormen Erfolge an den Wahlurnen bieten Blocher, SVP und AUNS damit eine Steilvorlage für die Medien, als lächerlich dargestellt zu werden. In der Schweiz haben die Befürworter das Oberwasser in der Darstellung der Gegner als Witzfiguren. Dieses Verhältnis ist in Norwegen wesentlich ausgeglichener. Dort gilt eher die Europabewegung als der ewige Verlierer.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10B13" start="50"/>NTEU wollte den Eindruck von Nationalismus vermeiden und vielmehr die Lacher auf ihrer Seite haben. Die Bewegung griff deshalb zum Mittel der Selbstironie.<footnote numbering="arabic" start="207">
                     <p> Vgl. Schymik 2004: 119f.</p>
                  </footnote> Dies ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil die AUNS keine Selbstironie kennt, sondern auch, weil weder norwegische noch schweizerische Integrationsbefürworter nennenswert zum Mittel der Selbstironie greifen. Humoristische Darstellungen und Selbstbeschreibungen der EU-Gegner als witzig oder gewitzt bilden ein positives Selbstbild der Euroskeptiker gegenüber den Krawatten tragenden, Aktenkoffer schwingenden EU-Befürwortern im eigenen Land und den &#8218;Eurokraten&#8217;. Diesen Selbstbeschreibungen haften Bauernschläue und etwas Harlekinartiges des Widerstandes gegen Obrigkeit und Eliten an. Damit spricht die Ironie nicht nur besonders Jugendliche an, sondern sie stimmt auch mit der Selbstbeschreibung der schlauen norwegischen Bauern und Peripheriebewohner überein, die sich gegen die strenge staatliche Obrigkeit zur Wehr setzen. Zudem hat NTEU über Selbstironie, Ironie und Spott einen Weg gefunden, Feindbilder, die eigene Rolle und die Selbstbeschreibungen der Norweger entlang bestehender Stereotypen zu beschreiben, ohne unmittelbar dem Vorwurf der nationalen Idealisierung oder der Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt zu sein.</p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N10B21" label="2.3">
            <head>Schlussfolgerungen</head>
            <p>Auffallend ist, dass im kleineren Norwegen zur EU-Integration insgesamt mehr publiziert wurde als in der fast doppelt so großen Schweiz. Dies gilt im Besonderen für Kampfschriften und Publikationen, die direkt auf die Meinungsbildung der Bevölkerung gerichtet sind. Solche Schriften, die sich zwischen wissenschaftlicher Abhandlung und Essay bewegen, nehmen in der Schweiz fast ausschließlich einen Pro-Integrationsstandpunkt ein. Obwohl vergleichbare pro-integratorische Texte auch in Norwegen zu finden sind, überwiegen euroskeptische Schriften. </p>
            <p>Insgesamt bleibt die publizistische Tätigkeit der schweizerischen Euroskeptiker sowohl in Quantität wie auch in Qualität hinter derjenigen der norwegischen Euroskeptiker zurück. Dies spiegelt die längere Dauer des norwegischen EU-Streites wider, aber vor allem den Anspruch von NTEU auf allen Niveaus zu argumentieren. Die niedrigere publizistische Tätigkeit von AUNS/SVP ist nicht nur auf Ermüdungserscheinungen der Referendumsdemokratie zurückzuführen. Vielmehr verzichten die schweizerischen Euroskeptiker zugunsten der häufigen Wiederholung ihrer Kernaussagen auf eine ausgefeilte Argumentation. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10B2E" start="51"/>Der Unterschied zwischen den plumpen, provokanten Behauptungen und Erzählungen von AUNS/SVP und der ausgeklügelten Argumentation von NTEU bereitet erhebliche Schwierigkeiten in Hinblick auf die Vergleichbarkeit der Aussagen der Euroskeptiker und der damit implizierten normativen Bewertung<footnote numbering="arabic" start="208">
                  <p> Zwar ist eine normative Bewertung von Euroskeptizismus nicht das Ziel dieser Untersuchung (siehe Einleitung), sondern eine Neuordnung der bestehenden &#8211; meist negativen &#8211; Stereotype über Euroskeptizismus. Wie bei jeder Interpretation sind Wertungen jedoch unvermeidbar.</p>
               </footnote> beider Bewegungen. Da Autor und Leser dieser Untersuchung dem wissenschaftlichen Milieu zugehören, dürften die akademische Argumentation und die Aufmachung in dem Material von NTEU Sympathie auslösen. Demgegenüber lösen die rechtspopulistische, rassistische Rhetorik von AUNS/SVP im Regelfall Antipathie aus. Diese Sympathie bzw. Antipathie ist problematisch, weil dies über eventuell deckungsgleiche Haltungen beider Volksbewegungen zu Nation, Nationalstaat und EU hinwegtäuschen kann. Entsprechend wird nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in den Aussagen von NTEU und AUNS gesucht. Dieser besteht darin, simple Bilder, Slogans und Metaphern zu vergleichen. Vor dem Hintergrund der Prämisse, dass euroskeptische Motivation aus der Gegenüberstellung positiver nationaler Selbstbeschreibungen und negativer EU-Bilder entsteht, erscheint die ausgeklügelte Argumentation von NTEU sogar als überflüssige Rationalisierung. Folglich muss die rationale Argumentation von NTEU peinlich genau auf zugrunde liegende Stereotypen und Rahmengeschichten geprüft werden. Demgegenüber werden nationalistische Motive in den Quellen von AUNS/SVP explizit ausgeführt. Insofern ist der Umgang mit den norwegischen Quellen weitaus schwieriger, da nationalistische Motive hineingelesen werden müssen, was bei den schweizerischen Quellen nicht notwendig ist. Dieses Hineinlesen in die norwegischen Quellen ist jedoch unabdingbar, denn die reine Untersuchung expliziter nationalistischer Textaussagen erzeugt zwangsläufig das Bild eines guten, aufgeklärten norwegischen Euroskeptizismus gegenüber einem rechtspopulistischen schweizerischen Euroskeptizismus. Eine derartige Schwarz-weiß-Malerei muss skeptisch stimmen, zumal sie bestehenden Stereotypen über die guten, aufgeklärten Nordeuropäer und den konservativen, engstirnigen Schweizer entspricht. Dass NTEU sich politisch korrekt ausdrückt, während AUNS/SVP einen ungehobelten, polemischen und deutlich nationalistischen Stil pflegt, könnte auch auf die Inhalte und den Stand der nationalen Selbstverständigungsdiskurse zurückzuführen sein. </p>
         </section>
      </chapter>
      <chapter id="chapter3" label="3">
         <head>GELD ODER EUROPA?</head>
         <p><citenumber helper="true" id="N10B41" start="51"/>Ein Nimbus von Natürlichkeit, Handfestigkeit und Evidenz umgibt ökonomische Erklärungen für Integrationswiderstand. Deshalb gelten Banken, Bauern und Bodenschätze bei Journalisten, Angehörigen staatlicher Bürokratien, Politikern und der breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit als die üblichen Verdächtigen für den Euroskeptizismus. Normative Gründe, wie die Verteidigung der Neutralität, der Demokratie und nationaler Werte, werden dagegen als ideologischer Überbau gewertet. Hieraus leitet sich die normative Forderung ab, diesen zu dekonstruieren. Üblicherweise wurde ich deshalb gefragt, warum ich nicht auf die &#8218;wahren ökonomischen Gründe&#8217; eingehe?<footnote numbering="arabic" start="209">
               <p> Dies sind die Erfahrungen von sämtlichen Vorträgen und ein ähnliches Bild ergab sich bei Veröffentlichungen von Aufsätzen, bei denen ich jedes Mal lang und breit erklären musste, warum ich denn nicht auf die &#8218;wahren ökonomischen Gründe&#8217; eingehe. </p>
            </footnote> Und selbst schlagkräftige Argumente wie, dass es beim ersten norwegischen Nein von 1972 noch keine relevante Ölförderung in Norwegen gab, brachten diese Vorannahme zugunsten wirtschaftlicher Begründungen kaum ins Wanken. Da ökonomische Erklärungen offensichtlich die Fantasie anregen, halte ich es für dringend notwendig auf Tragweite und Begrenztheit dieser Ansätze einzugehen.</p>
         <section id="N10B4C" label="3.1">
            <head>Ökonomische Erklärungen für euroskeptische Motivation und ihre Grenzen</head>
            <subsection id="N10B51" label="3.1.1">
               <head>Wirtschaftssektoren und Branchen als bestimmende Faktoren</head>
               <p>Sehr häufig wird die spezifische Wirtschaftsstruktur Norwegens und der Schweiz als Auslöser für die nicht erfolgte Integration gesehen. Eine ausgesprochen gründliche Arbeit hat Ingebritsen geleistet und es liegen sogar ausführliche direkte Vergleiche mit der Schweiz vor.<footnote numbering="arabic" start="210">
                     <p> Siehe Ingebritsen 1998, Listhaug/Sciarini 1997, Gstöhl 2002a,b, 1998.</p>
                  </footnote> Ingebritsen analysiert die EU-Integration unter dem Gesichtspunkt unterschiedlicher Wirtschaftssektoren und ihres politischen Einflusses. Dabei nimmt sie Bezug auf Katzensteins These einer flexiblen Anpassung von <em>&#8222;small states&#8220;</em>. Staatliches Handeln und Integration werden als Ausdruck der über Interessengruppen auf den Staat übertragenen sozioökonomischen Interessen gesehen.<footnote numbering="arabic" start="212">
                     <p> Vgl. Ingebritsen 1998. </p>
                  </footnote> Dabei handelt es sich nicht um einen Klassengegensatz, wie es gerne von den norwegischen EU-Gegnern interpretiert wird. Die maßgeblichen Konfliktlinien verlaufen zwischen den jeweiligen Sektoren und Branchen und ihren spezifischen Interessen. Integration wird mit dem Interesse der im Staat dominierenden Wirtschaftssektoren erklärt. Dies erklärt, warum die kleinen, exportabhängigen, korporatistischen nordischen Staaten unterschiedliche Integrationspolitiken verfolgen. So kann der frühe Beitritt Dänemarks mit den starken landwirtschaftlichen Interessen begründet werden und Schwedens und Finnlands Beitritt mit dem Vorherrschen großer exportabhängiger Wirtschaftsunternehmen.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10B6E" start="52"/>Umgekehrt erklärt der dominante Wirtschaftszweig &#8218;Fisch&#8217; und der damit verbundene Konflikt um Fanggründe die Nicht-Integration Islands. In Norwegen hat der fischerei- und landwirtschaftliche Widerstand und die Rohstoffwirtschaft die Nicht-Integration zur Folge gehabt.<footnote numbering="arabic" start="213">
                     <p> Vgl. Ingebritsen 1998.</p>
                  </footnote> Hier liegt aber auch gleichzeitig ein Schwachpunkt der Analyse von Ingebritsen. Sie vergleicht Länder, die aus kulturellen und politischen Gründen euroskeptisch sind<footnote numbering="arabic" start="214">
                     <p> Vielleicht mit der Ausnahmen Finnlands, das Anfang der 90er Jahre eine grundlegende Neudefinition seiner politischen Identität zugunsten der EU vornahm (siehe Tiilikainen 1998).</p>
                  </footnote> und in denen die Euroskeptiker sich durch die Anberaumung von Referenden die politische Opportunitätsstruktur schaffen konnten. Auch die Schweiz muss in diese Gruppe von Staaten eingeordnet werden, bei der die Ja-Seite kein derartig starkes ökonomisches Übergewicht hat, um zu siegen. Wer deshalb die Frage stellt, warum Norwegen, Island und die Schweiz heute im Gegensatz zu Schweden und Dänemark keine EU-Vollmitglieder sind, wird die Antwort in sektoralen Strukturen finden. Dies sagt jedoch wenig über die Motive für den Euroskeptizismus aus.</p>
               <p>Die Stärke der ökonomischen Ansätze liegt darin, zu erklären, warum die EU-Gegner in Norwegen und der Schweiz in der Lage waren sich erfolgreich zu organisieren, ausreichend Ressourcen für ihren Widerstand aufzubringen und sich damit gegen die insgesamt überlegenen Ressourcen der Ja-Seite durchzusetzen. Schymik legt dar, unter welchen misslichen Umständen etwa die schwedischen EU-Gegner im Vergleich zu den norwegischen ihren Widerstand organisieren mussten. Die Euroskeptiker in Norwegen verfügten über das Mehrfache der ökonomischen Ressourcen, teilweise Elitenunterstützung, Medienpräsenz, relativ breiten Rückhalt in Parteien und Verbänden sowie mit NTEU über eine traditionsreiche und schlagkräftige Nein-Bewegung.Demgegenüber waren die schwedischen EU-Gegner zersplittert, ressourcenschwach und kämpften gegen eine erdrückende Übermacht der Ja-Seite.<footnote numbering="arabic" start="215">
                     <p> Siehe Schymik 2004.</p>
                  </footnote> Die knappe Niederlage in Schweden (46,8 % Nein-Stimmen) und der knappe Sieg in Norwegen (52,3 % Nein-Stimmen)<footnote numbering="arabic" start="216">
                     <p> Zahlen nach To join or not to Join 1998: 17.</p>
                  </footnote> zeigen, wie gering die Wirkung einer ungleich besseren Ausgangslage und Ressourcenausstattung der Nein-Seite ist. </p>
               <p>In Norwegen stellen der Spitzenverband der Wirtschaft (NHO)<footnote numbering="arabic" start="217">
                     <p> Positionen des norwegischen Arbeitgeberverbandes siehe www.nho.no.</p>
                  </footnote> und die bürgerliche, konservative Partei (Høyre) die Speerspitze der Integrationsbefürworter dar. Neben den wirtschaftlichen Eliten kam diese Rolle in der Schweiz auch dem künstlerischen und intellektuellen Milieu zu. Dabei spielt die Idee, dass &#8218;wir zu Europa&#8217; gehören, und andere idealistische Argumente eine wichtige Rolle. Norwegische Integrationsbefürworter können dagegen nur auf einen wirtschaftlichen und politischen Sachzwang der Integration verweisen.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10BA2" start="53"/>Für die Erklärung des Ausganges von Referenden hat der sektorale Ansatz eine strukturelle Schwäche. Insbesondere in den korporatistischen nordischen Staaten und der Schweiz haben Verbände einen zentralen Einfluss auf Entscheidungen, die durch Regierungen, Parlamente und Administrationen gefällt werden, und es gilt - wie bereits ausgeführt wurde - die alte Kritik Rokkans an der Verbändedemokratie: <em>&#8222;Votes count, but resources decide&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="218">
                     <p> Rokkan 1975.</p>
                  </footnote> So sind wirtschaftliche, parlamentarische und administrative Integrationsschritte üblicherweise ein Projekt von Eliten. Sie werden vorangetrieben durch internationalen Druck und stehen unter dem starken Einfluss von nationalen Interessengruppen (z.B. Wirtschaftsverbänden). Für den Ausgang von Wahlen und Referenden als Mittel des numerisch-demokratischen Machtkanals (votes) ist der Einfluss von Verbänden jedoch deutlich eingeschränkt.</p>
               <p>Die Protagonisten sektoraler Ansätze sind sich selber der Grenzen ihrer Erklärungsmöglichkeiten bewusst. Christine Ingebritsen weist an zahlreichen Stellen darauf hin, dass in Norwegen nur die Verbindung von ländlicher Ideologie mit sektoralen Interessen einen harten Nein-Standpunkt produziert hat.<footnote numbering="arabic" start="219">
                     <p> Siehe Ingebritsen/Larson 1997, Ingebritsen 1998, 1995.</p>
                  </footnote> Auch Listhaug/Sciarini kommen in ihrer vergleichenden Studie zu den Referenden in der Schweiz und Norwegen zu dem Ergebnis: </p>
               <p>
                  <blockquote>
                     <p>
                        <citenumber id="N10BC2" start="54"/>&#8222;... both the Swiss and the Norwegian cases show that if joining the EU ... is not perceived as an economic necessity, cultural and political factors may have a decisive impact. In such a case, voters tend to prefer the country to defend its specificity and traditions, and opt out of the European integration process.&#8221;<footnote numbering="arabic" start="220">
                           <p> Listhaug/Sciarini 1997: 432.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Dabei heben auch sie hervor, dass die wirtschaftliche Notwendigkeit einer EU-Integration der Bevölkerung in Norwegen nicht vermittelt werden konnte, da das bestehende Abkommen über den EWR wirtschaftliche Nachteile für Norwegen abfederte.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N10BD4" label="3.1.2">
               <head>Ökonomische Erklärungen als gut untersuchte Binsenweisheiten mit Plausibilitätslücken</head>
               <p>Binsenweisheiten sind, dass Norwegen durch seine Rohstoffe und die Schweiz aufgrund einer konkurrenzfähigen Industrie sowie der Banken und Versicherungen gut funktionierende Volkswirtschaften sind. Deshalb kann der unterstellte Sachzwang zur Integration in der Bevölkerung nicht vermittelt werden. Entgegen dem weitverbreiteten Vorurteil stellen Norwegens Bodenschätze aber keinen unmittelbaren Grund für Euroskeptizismus dar. Zwar argumentiert NTEU, dass man den wertvollen Rohstoff nicht abgeben sollte, aber die Verbände der Ölindustrie sprachen sich für eine Integration aus. Der Reichtum an Öl (und anderen Bodenschätze) hat allerdings indirekte Wirkungen. So hat die Verteidigung der ölfinanzierten Subventionen dem bereits fest verankerten Euroskeptizismus in der norwegischen Peripherie einen neuen Grund gegeben. Zudem hat die damit verbundene Siedlungspolitik, die ganz Norwegen bevölkert halten soll, dazu beigetragen, dass die Abwanderung der Peripherie ins Zentrum zwar nicht aufgehalten, aber doch verlangsamt wurde.<footnote numbering="arabic" start="222">
                     <p> Die auf politischen Druck der Peripherie entstandene norwegische Distriktpolitik hat das Ziel, mit erheblichen Mitteln, vornehmlich aus den Öleinnahmen, ganz Norwegen besiedelt zu halten. Bildlich gesprochen basiert die norwegische Distriktpolitik auf der Vorstellung, dass auf jedem Berg ein Bauer und auf jeder Insel ein Fischer wohnen sollte (siehe Ingebritsen/Larson 1997, auch Ingebritsen 1995).</p>
                  </footnote> Ähnliches gilt für die Schweizer Banken. Einerseits werden zwar Vorteile der Schweiz aus dem Status als Steuer- und Fluchtgeldparadies gesehen. Andererseits wollen die Banken die Integration, um politische Entscheidungen der EU beeinflussen zu können und den reibungslosen Zugang zum Binnenmarkt zu gewährleisten. Und zumindest offiziell stellten sich die großen Banken auf die Seite der EU-Befürworter. Banken und Bodenschätze fallen also als direkter Grund für das Nein aus. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10BE6" start="55"/>Die ökonomischen Auswirkungen der Integration in verschiedenen Szenarien (Vollmitgliedschaft, EWR-Mitgliedschaft, bilaterale Vertragslösungen) sind von großem Interesse für die beiden Staaten und dortige partikulare Gruppeninteressen. Soweit die Auswirkungen für spezifische Interessengruppen abschätzbar sind, ist dies bereits bekannt. Und soweit neue Ereignisse eintreten, werden diese sofort unter einem hohen Einsatz wissenschaftlicher Ressourcen untersucht und neu eingeschätzt.<footnote numbering="arabic" start="223">
                     <p> Dieser Gedankengang ist aus der Idee eines effizienten Marktes abgeleitet. Bei diesem werden alle verfügbaren Informationen sofort verarbeitet. In unserem Kontext bedeutet das, dass alle wissenschaftlich möglichen Abwägungen über das Verhältnis von Norwegen bzw. der Schweiz zur EU bereits ausgeschöpft sind und sofort eingesetzt werden, um den politischen Gegner vom eigenen Standpunkt zu überzeugen.</p>
                  </footnote> Wie nicht anders zu erwarten, weisen diese Einschätzungen, abhängig von Methodik, Prämissen, gewähltem Untersuchungsausschnitt, Auftraggeber, ideologischem und interessenbezogenem Standpunkt, ein beträchtliches Spektrum an Ergebnissen auf.<footnote numbering="arabic" start="224">
                     <p> NTEU ist hierbei wesentlich aktiver als AUNS/SVP vgl. Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Das wesentliche Ergebnis dieser Untersuchungen besteht darin, dass es keine zwingenden ökonomischen Gründe für die Integration beider Staaten gibt. Dies hängt mit der speziellen Wirtschaftsstruktur zusammen und damit, dass negative Folgen der Nicht-Integration weitgehend über verschiedene Verträge, die de facto zu einer Teil-Mitgliedschaft in der EU führen, abgefedert werden. Insgesamt tauschen die beiden Semi-Mitglieder den Verzicht auf Mitentscheidungen innerhalb der EU und eine höhere Planungssicherheit gegen etwas mehr nationalen Handlungsspielraum und einen innenpolitischen Konsens. Für einzelne Akteure mag dies von dramatischer Bedeutung sein, volkswirtschaftlich ist es jedoch zu vernachlässigen, zumal stets die Möglichkeit der Anpassung an die EU und die der Nachverhandlung besteht.<footnote numbering="arabic" start="225">
                     <p> Siehe Kux/Svedrup 2000.</p>
                  </footnote> Wer wirtschaftliche Faktoren betont, der konzentriert sich auf einen Teilbereich, in dem die Integration weitgehend realisiert wurde und in dem mit der Ausnahme weniger Sektoren (siehe weiter unten) kaum Anlass zum Streit besteht. Dieses undramatische Bild wird deshalb so selten gezeichnet, weil der EU-Streit zu einer starken Polarisierung führt, bei dem jede Seite mit dem Ziel der politischen Mobilisierung dramatische Auswirkungen prophezeit. Langejürgen kam bereits 1993 zu dem Ergebnis, dass die häufig zugeschriebenen ökonomischen Begründungen in der Schweiz am Kern der Sache vorbeigehen und dass es vor allem um Demokratie und Neutralität geht.<footnote numbering="arabic" start="226">
                     <p> Siehe Langejürgen, 1993: 202.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Die wohl tragfähigste ökonomische Begründung für die geringe Integrationsbereitschaft ist, dass ökonomische Themen in beiden Ländern von relativ geringer Bedeutung sind. Da es keine ökonomische Krisenstimmung gibt, besteht kaum politischer Veränderungsdruck. So sind Souveränität, Demokratie sowie Neutralität in der Schweiz von ihrer Bedeutung her mit ökonomischen Themen vergleichbar. Dabei waren ökonomische Argumente primär Argumente der Integrationsbefürworter. Die Wahlforschung kommt zu Norwegen zu einem klaren Ergebnis: </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10C12" start="56"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;... the proponents and opponents of membership seem to have been in aggreement that the economic aspects of EU membership spoke in favor of joining, while democratic aspects related to national souvereignty spoke against it.&#8221;<footnote numbering="arabic" start="227">
                           <p> To join or not to join 1998: 166.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Entsprechend setzte NTEU primär auf eine nationalistisch-idealistische Argumentation, welche die Verteidigung der nationalen Demokratie ins Zentrum rückte.<footnote numbering="arabic" start="228">
                     <p> Vgl. Kapitel: Demokratie oder Europa?</p>
                  </footnote> Ohnehin unzureichend sind ökonomische Erklärungen &#8211; es sei denn man unterstellt eine auf ökonomischen Existenzängsten beruhende Massenhysterie &#8211;, um den überragenden Stellenwert der Integrationsdebatten in beiden Ländern zu verstehen. Hohe Mobilisierung, Emotionalisierung und Polarisierung der Debatten lassen sich nicht mit ökonomischen Kalkülen erklären. Die Vorstellung von dominanten ökonomischen Faktoren für den Integrationswiderstand wird endgültig unglaubwürdig, wenn wir einige empirische Beobachtungen Revue passieren lassen. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10C31" start="57"/>Norwegen entwickelte sich zwischen dem ersten Referendum 1972 und dem zweiten Referendum von 1994 von einem, relativ zur EG, armen Land durch den Erdölboom zu einem der reichsten Länder Europas. Dies änderte nichts an den Haltungen der Bevölkerung zur Integration. Die Abstimmungsergebnisse beider Referenden sind nahezu identisch. Dies gilt im Besonderen für die regionale Stimmenverteilung. Noch erstaunlicher ist, dass die Argumente der EU-Gegner nach Kvalvåg über die 22 Jahre ebenso stabil blieben, obwohl sich die sozioökonomischen Verhältnisse grundlegend wandelten<footnote numbering="arabic" start="229">
                     <p> Siehe Kvalvåg 1999.</p>
                  </footnote>, und dass auch die anderen vier nationalen Referenden zur nationalen Unabhängigkeit (1905), zur Königswahl (1905), zur Prohibition (1919) und zu ihrer Aufhebung (1926) ähnliche Muster aufzeigen.<footnote numbering="arabic" start="230">
                     <p> Vgl. Bjørklund 1999: 127ff und siehe Bjørklund 1997a,b.</p>
                  </footnote> Ein solcher Vergleich ist für die Schweiz schwieriger. Jedoch lässt sich auch dort nach Moos, mit größeren Varianzen in Bezug auf das UNO-Referendum und die Abstimmung über den Beitritt zum Völkerbund, die hohe Kontinuität der Argumentation von Integrationsgegnern feststellen.<footnote numbering="arabic" start="231">
                     <p> Moos 2001.</p>
                  </footnote> Insgesamt ist die schweizerische Debatte, obwohl die starke Polemik von AUNS, SVP und Blocher ein anderes Bild vermittelt, ruhiger und pragmatischer.</p>
               <p>In dem Zeitraum von 1972 bis 1994 hat insbesondere die norwegische Peripherie insgesamt, sowie die soziale Trägergruppe der Nein-Seite, also Bauern und Fischer, massiv an numerischer Stärke verloren. Und für die ca. 80.000 norwegischen Bauern die 1994 fast geschlossen gegen die EU stimmten, sowie für Teile der Fischereiwirtschaft gilt, dass die Auswirkungen der Integration wahrscheinlich negativ wären. Aber selbst bei diesen Kerngruppen des EU-Widerstandes dürften ökonomische Projektionen teilweise das Produkt von festen Feindkonstruktionen sein. Für die schweizerischen und norwegischen Bauern gilt, dass die Forderung nach Deregulierung und Marktöffnung der WTO eine größere Bedrohung darstellt als die EU-Integration.<footnote numbering="arabic" start="232">
                     <p> Vgl. Hille/Jervel 2003.</p>
                  </footnote> Für die norwegischen Fischer spricht die Sorge vor dem Verlust der Kontrolle über die Fischgründe gegen die Integration. Insbesondere die konkurrenzfähigen Teile der vor allem im Süden angesiedelten norwegischen Fischereiwirtschaft (z.B. Lachsfarmen) sieht jedoch den gesicherten EU-Zugang als bedeutender an.<footnote numbering="arabic" start="233">
                     <p> Siehe Gläßer/Myklebost 1996.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Dass ökonomische Motive dennoch als Haupttriebfeder für Euroskeptizismus angesehen werden, ist primär der Ausdruck der Wünsche und Vorentscheidungen zugunsten ökonomischer Ansätze von Seiten der Betrachter. Für die Schweiz sind ökonomische Begründungen immerhin schwieriger zu widerlegen, weil sich die Wirtschaftsstruktur der Schweiz seit dem Beginn der Integrationsdebatte nicht grundlegend gewandelt hat und AUNS/SVP selbst den Topos der wirtschaftlich erfolgreichen Schweiz zum zentralen Thema erheben. Und für beide Länder müssen ökonomische Argumentationen und kollektive Selbstbilder über ökonomische Eigenschaften ihrer Bewohner als wesentliche Themen der Integrationsdiskurse angesehen werden. </p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N10C65" label="3.2">
            <head>Ökonomische Interessen als Beschreibung der nationalen Tugenden des Wirtschaftens</head>
            <p>
               <citenumber id="N10C6C" start="58"/>Politik wird meistens als ein Spiel um Geld und Macht kolportiert. Deshalb werden ökonomische Interessen von Einzelpersonen oder Gruppen als bestimmende Faktoren für die Wahlentscheidung bei EU-Abstimmungen angesehen. Aufgrund der begrenzten Prognostizierbarkeit der wirtschaftlichen Folgen von Integration und dem dürftigen Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Bevölkerung steht diese Erklärung auf tönernen Füßen. Zudem bilden solche zweck- und nutzenmaximierenden Wähler zwar die Bevölkerung in (durchaus nützlichen) spieltheoretischen Modellwelten<footnote numbering="arabic" start="234">
                  <p> Das gilt nicht nur für die ausgefeilten Darstellungen in der Wissenschaft, sondern auch insbesondere für populäre Darstellungen politischer Vorgänge, wie etwa in verschiedenen Brettspielen wie Schach oder Monopoly, die wirtschaftliche und politische Zusammenhänge simulieren. </p>
               </footnote>, reale Menschen sind jedoch in ihrer Handlungs- und Entscheidungsmotivation wesentlich durch Werte- und Glaubenssysteme geprägt, die sich auf individuelle oder Gruppenidentitäten beziehen. Dabei ist die Betonung der ökonomischen Motivation selbst als ein Verweis auf einen als höherwertig eingestuften normativen Zusammenhang zu verstehen. Wenn Euroskeptiker als &#8216;nur&#8217; ökonomisch motiviert dargestellt werden, impliziert dies in der Regel eine normative Abwertung. Dieser Mechanismus der Abwertung des Gegners durch Unterstellung von Reichtum ist bereits aus dem Altertum bekannt<footnote numbering="arabic" start="235">
                  <p> Besitz, Geld und besonders der Zins ziehen seit dem Altertum Kritik auf sich (siehe Born 1994: 1-20). </p>
               </footnote> und kann von Plausibilität und Verhältnismäßigkeit vollkommen abgelöst sein.<footnote numbering="arabic" start="236">
                  <p> Man denke an den Vorwurf der vergoldeten Wasserhähne in den &#8218;Palästen&#8217; des Saddam Hussein durch die Regierung der Weltwirtschaftsmacht USA im Golfkrieg von 2003.</p>
               </footnote> Die norwegischen Euroskeptiker bedienen sich ebenfalls dieses Mechanismus, indem sie die warme, gerechte Nation dem kalten, profitorientierten EU-Europa gegenüberstellen. Dies hat zur Folge, dass ihnen die Integrationsbefürworter Verlogenheit vorwerfen. Demgegenüber betont die AUNS/SVP ostentativ ihre Ehrlichkeit, indem sie die Verteidigung des Geldes und ökonomischer Vorteile der Schweiz als ihr Ziel reklamiert und dies von dem &#8218;idealistischen Unsinn&#8217; der Befürworter abgrenzt. Damit entsprechen sie zwar zum einen dem Vorwurf der moralischen Unterlegenheit, markieren aber zugleich ihre ökonomische Kompetenz und entsprechen dem nationalen Stereotyp der in Gelddingen erfahrenen Schweizer.</p>
            <p>Dass materielle Interessen handfestere Erklärungen bieten als identitätsbasierte, ist ein Vorurteil. Denn bei beiden handelt es sich gleichermaßen um machtvolle soziale Konstrukte. Ob Geld (und materielle Werte) automatisch größere Bedeutung haben, ist situationsabhängig. Augenfällig wird dies z.B. an der materialisierten Form dieser Konzepte in Form von Personaldokumenten und Geld. So ist bei der Einreise in einen anderen Staat im allgemeinen der Identitätsnachweis bedeutender als Geld. Mit der Ausnahme von Münz- und Banknoten in kleineren Mengen sind materielle Werte und deren Verfügung an Besitzrechte und damit unmittelbar an den Nachweis der Identität gebunden. Nur so ist es zu verstehen, dass Erpresser im einschlägigen Filmgenre kleine Scheine fordern, um die Zuordnung von Besitz und Identität zu vermeiden. </p>
            <p>Paradebeispiel für die untrennbare Kopplung von materiellen Werten und Identität ist der Schweizer Franken. Dieser wird von der AUNS/SVP aufgrund seiner angeblichen &#8218;Härte&#8217;, ebenso wie die Goldreserven der Nationalbank<footnote numbering="arabic" start="237">
                  <p> Wie auch in anderen Ländern wird in der Schweiz über den Verkauf von Goldreserven der Zentralbank diskutiert. In der &#8218;Goldinitiative&#8217; agitierten AUNS/SVP gegen die Idee, einen Teil der Erlöse aus diesem Verkauf einer aufgrund der Vorwürfe über ihre Rolle im Zweiten Weltkrieg vom Ausland &#8218;erpressten Stiftung&#8217; für humanitäre Zwecke, u.a. der Opfer des Holocaust, zu verwenden. Vgl. Fehr (2002).</p>
               </footnote>, vehement verteidigt. Hier gleicht der schweizerische Diskurs weitgehend dem deutschen Diskurs über die Aufgabe der &#8218;harten DM&#8217; zugunsten des &#8216;weichen Euro&#8217;. Der Franken hat die Funktion einer Weltreservewährung. Dieses Gewicht ist nicht mit der Bedeutung der schweizerischen Volkswirtschaft zu erklären, sondern spiegelt teilweise die Annahme der Marktteilnehmer wieder, dass die Schweiz ein sicherer Hafen für Kapital sei. Diese Hoffnung auf ein niedriges Kreditausfallrisiko spiegelt sich auch im niedrigen Zinsniveau wider.<footnote numbering="arabic" start="238">
                  <p> Ob dies nun ein Vor- oder Nachteil ist, ist interpretationsabhängig. So argumentierte etwa NTEU manchmal, dass der Euro eine Weichwährung sei, während an anderer Stelle gerade die Anpassungsfähigkeit der Krone (und damit auch die Möglichkeit der Abwertung) an die spezifischen Erfordernisse der ölpreisabhängigen norwegischen Konjunktur als Wert dargestellt wird. Mit dem Ziel die Wähler zu überzeugen, können solche Widersprüche neben einander stehen. Generell sollten Euroskeptiker jedoch die &#8218;Härte&#8217; ihrer Währung betonen, da dies eher Anlass für nationalen Stolz bietet.</p>
                  <p>Dabei ist die Vorstellung der harten Währung, die mit nationalem Stolz verbunden ist, auf jeden Fall populistischer.</p>
               </footnote> Die Wurzel dieser bis heute bestehenden Wertzuschreibungen sind die mythisch verklärten Erfahrungen der Weltkriege, in denen die Schweiz als relativ sicherer Hafen bzw. Umschlagplatz fungierte. Es liegt im Interesse der Schweiz und ihrer Banken diesen Mythos durch rechtliche Normen, Rechtspraxis, Infrastruktur und Werbung zu bestätigen. Insofern sind die von der AUNS/SVP angestrebte Verteidigung des Bankgeheimnisses, des Frankens und des niedrigen Zinsniveaus einerseits ökonomische Argumente, zugleich basieren sie jedoch auf festen Selbst- und Fremdbeschreibungen der Schweiz. Erstaunlich ist vor diesem Hintergrund, dass nach Umfragen der Euro in der Schweiz insgesamt für die Bevölkerung ein Argument für die Integration ist. Die Einführung des Euros rangiert sogar als Hauptargument der Befürworter.<footnote numbering="arabic" start="239">
                  <p> Siehe Vox-Analysen (Download vom 21.8.03).</p>
               </footnote> Hier dürften naheliegende praktische Erwägungen die zentrale Rolle spielen, da die Schweiz vom Euroraum umgeben ist und durch Transit, Tourismus und hohes Pendleraufkommen als internationaler Finanzplatz unmittelbar mit dem Euroraum interagiert. Demgegenüber ist der Euro für Norweger kaum präsent, zumal auch die Nachbarländer Schweden und Dänemark den Euro in Referenden ablehnten und Großbritannien ein Euroreferendum aufgrund der antizipierten Ablehnung bislang nicht durchgeführt hat. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10CAB" start="59"/>Materielles Interesse bedarf der Zuordnung durch eine zuvor definierte Gruppe oder Person. Grundthema der Euroskeptiker in beiden Ländern ist der Kampf des guten Volkes gegen die verbündeten Kräfte der korrupten, geld- und machtgierigen fremden und heimischen Eliten.<footnote numbering="arabic" start="240">
                  <p> Entkleidet man dies der enthaltenen Polemik, so führt dies zu einem Bild des EU-Streites zwischen Integrationsverlieren und -gewinnern, wie es auch bei Ingebritsen 1998 oder Gshöhl 1996 in Hinblick auf unterschiedliche Sektoren ausformuliert wurde.</p>
               </footnote> Damit begreifen AUNS/SVP und NTEU die nationale Gemeinschaft als die wichtigste Gruppe, die mit materiellen und ideellen Zielen gekoppelt wird. Daneben konzentriert sich AUNS/SVP auf die Ebene des individuellen Bürgers, während NTEU das Wohl der Weltgemeinschaft<footnote numbering="arabic" start="241">
                  <p> Zahlreiche euroskeptische Publikationen widmen sich der Frage, warum die Welt ein unabhängiges Norwegen braucht, um Frieden und Gerechtigkeit zu sichern.</p>
               </footnote> in ihrer Rhetorik in den Vordergrund hebt. Die Aufschlüsselung des Volkes in Untergruppen ist bei NTEU wesentlich stärker ausgeprägt als bei AUNS/SVP. Bei AUNS/SVP finden sich zwar zahlreiche Anspielungen und Argumentationsbruchstücke zu Partikularinteressen, aber meistens begnügt die AUNS/SVP sich mit Allgemeinplätzen über die Überlegenheit des Wirtschaftsstandortes Schweiz. NTEU trifft wesentlich mehr Unterscheidungen und führt explizit aus, warum es für Arbeiter, Bauern, Frauen, Fischer, Industrie, Handwerker, Samen, Peripheriebewohner etc. besser ist außerhalb der EU zu bleiben.<footnote numbering="arabic" start="242">
                  <p> Siehe etwa Norge og EU 1994.</p>
               </footnote> Die stärkere Ausdifferenzierung von Gruppeninteressen bei NTEU spiegelt die generell differenziertere Argumentation von NTEU gegenüber dem holzschnittartigen Verständnis von AUNS/SVP wider. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Norwegen dem nationalen Interesse für die Wähler die übergeordnete Bedeutung zukommt.<footnote numbering="arabic" start="243">
                  <p> Diese These wird etwa in To join or not to join 1998 vertreten.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Dass die langfristigen ökonomischen Folgeabschätzungen eines EU-Beitrittes, wie alle Prognosen komplexer sozialer Systeme, mit erheblichen Unzuverlässigkeiten, Schwierigkeiten und der Offenheit für unterschiedliche Interpretationen behaftet sind, liegt auf der Hand. Der Charme materialistischer Ansätze liegt jedoch darin, die Vorstellung zu vermitteln, dass die Folgen der Integration auf Heller und Pfennig<footnote numbering="arabic" start="244">
                  <p> Selbst diese Formulierung enthält noch ein nichtbenanntes Wechselkursrisiko. </p>
               </footnote> abzusehen seien. Gerade dies sollte Anlass zur Skepsis sein, weil es dem Wunsch nach einer geordneten, verstehbaren, sinnhaften, stabilen und damit kontrollierbaren Lebenswelt entspricht. Insofern besteht das Risiko, dass rationale interessenbasierte Erklärungen<footnote numbering="arabic" start="245">
                  <p> Solche deterministischen Vorstellungen sind in den Wirtschaftswissenschaften bis heute zwar relativ zu den Sozial- und insbesondere den Kulturwissenschaften stark verbreitet. Allerdings wird diese Unterstellung sicher nicht der wirtschaftwissenschaftlichen Forschung ganz gerecht. Sie trifft allerdings fast uneingeschränkt für die in politischen Diskursen gepflegte Darstellung von wirtschaftlichen Zusammenhängen zu, bei denen ein mechanisches, nach festen Gesetzen verlaufendes Bild ökonomischer Vorgänge gezeichnet wird.</p>
               </footnote> primär die Psyche des Forschers, politischen Berichterstatters, politischen Aktivisten stabilisieren und weniger die Sache selbst erklären. </p>
            <p>Die Schweiz ist zudem assoziativ untrennbar mit Geld, Banken, Fluchtgeld, Geldwäsche, Bankgeheimnis, Sparsamkeit etc. verbunden. Deshalb erscheint es als natürlich, dass die Schweizer als ordentliche Geldverwalter, pekuniäre Anreize für ihren Euroskeptizismus haben. Aufgrund der nationalen Beschreibung entsteht eine Vorentscheidung für ökonomische Erklärungen, die leicht zu dem Zirkelschluss führt, dass es den schweizerischen Euroskeptizismus nicht geben könnte, wäre er nicht ökonomisch motiviert. Demgegenüber besteht in Norwegen das umgekehrte Problem, dass die nationale Selbstbeschreibung - als besonders gut - materielle Erklärungen und Argumentationen von Seiten der Akteure (Europabewegung und NTEU) in den Hintergrund drängt und den Integrationsdiskurs zu einem stark normativen Diskurs darüber macht, wie die Welt durch Norwegens Ja oder Nein zur EU besser gemacht wird.<footnote numbering="arabic" start="246">
                  <p> Dies ist keinesfalls ironisch gemeint, sondern gibt einen zentralen Inhalt des norwegischen EU-Diskurses wieder.</p>
               </footnote>
            </p>
         </section>
         <section id="N10CEE" label="3.3">
            <head>Integration als Gewinn- oder Verlustgeschäft</head>
            <subsection id="N10CF3" label="3.3.1">
               <head>Norwegen und die Schweiz im Wohlstand konserviert</head>
               <p>
                  <citenumber id="N10CFA" start="60"/>Dem Wohlstand beider Länder wird von den EU-Befürwortern eine konservierende Wirkung zugeschrieben. Prämisse dieser These ist, dass die EU, entsprechend ihrer Selbstbeschreibung, eine Zugewinngemeinschaft ist oder dass die Nicht-Mitgliedschaft zu Sanktionen führt. Solche Interpretationen der EU als Zugewinngemeinschaft finden sich häufig in bildlichen Darstellungen der Integrationsbefürworter. So etwa die im Bulletin des staatlichen Integrationsbüros abgedruckte Karikatur der um den runden Tisch versammelten Europäer, welche die mit dem Sternenbanner verzierte &#8218;europäische Torte&#8217; essen wollen und dem abseits stehenden Schweizer, der sagt, dass man mit dem Essen schon ohne ihn anfangen soll.<footnote numbering="arabic" start="247">
                     <p> Vgl. Swisseurope-Bulletin 1.2003: 15.</p>
                  </footnote> Gerade an diesem Bild wird deutlich, wie schmal der Grat zwischen den Interpretationen von Befürwortern und einer euroskeptischen Sicht ist. So würde die &#8218;europäische Torte&#8217; in euroskeptischer Sicht nicht das Produkt eines &#8218;Zugewinnes&#8217; durch Integration sein. Vielmehr wäre sie das, was sich die &#8218;europäischen Eliten&#8217; - die &#8218;Vögte aus Bern und Brüssel&#8217;<footnote numbering="arabic" start="248">
                     <p> Beliebter Slogan der schweizerischen Euroskeptiker. Zur Rolle des fremden Vogtes Gessler in Schillers Tell-Geschichte als illegitimer Herrscher siehe Schneider 1987: 116ff.</p>
                  </footnote> - auf Kosten des Volkes ergattert haben. </p>
               <p>Die Integrationsbefürworter führen vor allem zwei Argumentationsketten an, bei denen eine deterministische, prozesshafte Vorstellung von Integration zugrundegelegt wird. Demnach bringt der große EU-Markt Vorteile und die Nicht-Teilnahme an diesem Markt führt zu Nachteilen, die langfristig die Wettbewerbsfähigkeit beider Volkswirtschaften herabsetzen. Wie bereits herausgestellt wurde, ist dies kein besonders stichhaltiges Argument, da beide Staaten wirtschaftlich weitgehend integriert sind.<footnote numbering="arabic" start="249">
                     <p> Ob und inwieweit die Nationalstaaten noch Handlungsspielräume haben, ist zentraler Gegenstand der Integrationsdebatten (siehe Einleitung). </p>
                  </footnote> Außerdem sind volle wirtschaftliche Integration und politische Mitgliedschaft keinesfalls identisch. So nehmen neben Norwegen und der Schweiz auch Großbritannien, Dänemark und Schweden nicht am Euro teil. Die zweite Argumentationskette der Befürworter richtet sich auf den sicheren Zugang zum Binnenmarkt und die Möglichkeit als EU-Mitglied diesen mitzugestalten. Hier wird die Gefahr einer Diskriminierung durch die Gestaltung von EU-Standards oder im schlimmsten Fall einer Zollmauer für Produkte beider Länder geltend gemacht. Beide Argumentationen beinhalten die Drohung und Prophezeiung, dass Norweger und Schweizer die negativen Folgen ihrer Sturköpfigkeit früher oder später spüren bzw. bezahlen werden. Diese Drohung bietet nicht nur die Vorlage für eine nationale Verteidigungsrhetorik der EU-Gegner gegen die &#8218;Fremdbestimmung&#8217;, sondern konstruiert auch ein Timelack der Integration, bei dem eine deterministisch vorgestellte ökonomische Vernunft beide Länder in die EU drängt. Sowohl die Ja- wie auch die Nein-Seite in der Schweiz tendiert dagegen zu einer deterministischeren Sicht der Zukunft als in Norwegen.</p>
               <p>Aus dieser Vorstellung erwächst bei Journalisten die beliebte Frage, wie lange sich die beiden Außenseiter noch halten können, und die These, dass es bald soweit sei. Als Begründung werden dann aktuelle politische Ereignisse angeführt. Dass die Integration Norwegens demzufolge schon seit über 40 Jahren unmittelbar bevorsteht, beinhaltet eine unfreiwillige Komik. Norwegische Journalisten formulieren die Frage nach dem EU-Beitritt deshalb oft vorsichtig als Blick in die Kristallkugel.<footnote numbering="arabic" start="250">
                     <p> Häufig ist diese Formulierung im Aftenposten zu finden.</p>
                  </footnote> Vor diesem Hintergrund müssen Meldungen in deutschen Medien, dass die Stimmung zugunsten der Integration kippe und dies an aktuellen Umfrageergebnissen abzulesen sei, als Siegesmeldungen der Integrationsbefürworter gewertet werden. Auch die Euroskeptiker versuchen derartige Siegesmeldungen zu verbreiten. Ihnen stehen jedoch im Wesentlichen nur ihre eigenen Publikationsorgane zur Verfügung. Aus diesem Grund entsteht in Deutschland der Eindruck, dass die Schweiz und Norwegen sich der EU beständig &#8218;annähern&#8217;.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10D26" start="61"/>In beiden Ländern wird die Langsamkeit ihrer Bewohner für die &#8218;verspätete&#8217; Integration verantwortlich gemacht, wobei Bauern und Bergbewohner als Prototyp des Nationalen und der nationalen Langsamkeit eine wichtige Rolle spielen. In der Schweiz wird zudem ein nationales Klischee benutzt, um zu erklären, warum das andere des zweckrationalen, geldorientierten Schweizers nicht greift. Denn wenn der Schweizer ausschließlich nach dem Gelde strebte, dann müsste er in der Logik der Integrationsbefürworter ein glühender Integrationsanhänger sein. Hier greift jedoch das andere nationale Stereotyp, in dem der Schweizer als langsam, vorsichtig und berechnend dargestellt wird. Als bildliche Repräsentation für die Langsamkeit werden Schweizer oder die Schweiz oft als Schnecken, Schildkröten, Buchhalter oder als kleine, dicke Jungen dargestellt. Beispielsweise kriecht auf einer Karikatur die Schildkröte Schweiz gemächlich, obwohl der Regen schon eingesetzt hat, auf die &#8222;<em>Arche Europe&#8220;</em> zu.<footnote numbering="arabic" start="251">
                     <p> Sonderfall? Die Schweiz zwischen Réduit und Europa 1992: 96.</p>
                  </footnote> Die Kombination beider Stereotypen führt zu einer plausiblen Erklärung dafür, dass der Schweizer die ökonomische Vernunft der Integration erst mit einiger Zeitverzögerung begreifen kann und ihr dann gehorcht, wie folgender Slogan ausführt: <em>&#8222;Und wenn die Schweizer lange genug gerechnet haben, kommen sie auch.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="252">
                     <p> Diese einem nicht benannten Europolitiker der CDU zugeschriebene Ausspruch war Inhalt einer Werbekampagne für die Katjes Lakritz-Euro-Münzen im Frühling 2001, Werbeplakat Fürstenberger Strasse, Berlin 2001. </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Noch bedeutender ist aber, dass die Schweiz und Norwegen als in ihrem Geld eingelagerte Fossile einer vergangenen Zeit beschrieben werden. Hierbei wird meistens die Grenze zwischen rein ökonomischer Verkrustung und allgemeinen kulturkritischen Anmerkungen verwischt. So prangerte etwa Ulf Lindström an, dass Norwegen im Nordseeöl konserviert<footnote numbering="arabic" start="253">
                     <p> Vgl. Lindstrøm 1996.</p>
                  </footnote> sei. Ungleich häufiger findet man den Vorwurf der gesellschaftlichen Enge, Erstarrung und Verkrustung in der Schweiz.</p>
               <p>Die Integrationsgegner in beiden Ländern halten dagegen, dass die Integration nicht auf die spezifischen wirtschaftlichen Erfordernisse der einzelnen Länder zugeschnitten sei und dass komparative Vorteile gerade aufgrund der Einzigartigkeit der jeweiligen Volkswirtschaften zu erreichen seien.<footnote numbering="arabic" start="254">
                     <p> Deutliche Anleihen werden bei Katzensteins (1985) Small-States-Theorie gemacht. </p>
                  </footnote> Sowohl NTEU wie auch AUNS/SVP betonen, dass viele kleine Staaten mit auf spezifische nationale Verhältnisse angepassten Lösungen innovativer und effizienter seien als ein homogenes, zentralistisches und monolithisches EU-Europa. An dieser Stelle vermischen sich ökonomische und normative Argumentationen mit nationalen Selbstbildern. So stellen die schweizerischen EU-Gegner die geographische Lage der Schweiz als Herrscher über die Alpenpässe, die besonders hohe Konkurrenzfähigkeit der schweizerischen Wirtschaft, die effiziente Verwaltung im Vergleich zur &#8218;überbürokratisierten EU&#8217;, das Bankgeheimnis und den &#8218;harten Franken&#8217; als nationale Stärken heraus.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10D58" start="62"/>Demgegenüber wird der komparative Vorteil der norwegischen Wirtschaft in ihrem besonderen Hang zur Gerechtigkeit gesehen. Demzufolge seien kleine korporatistische Staaten aufgrund ihrer Fähigkeit zur schnellen, flexiblen Anpassung an die Erfordernisse des Weltmarktes bei gleichzeitiger Vermeidung innergesellschaftlicher Konflikte besonders konkurrenzfähig. Zudem wird die Funktion der nordischen Staaten als &#8218;Labor für zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen&#8217;<footnote numbering="arabic" start="255">
                     <p> Dies ist eine in den Sozialwissenschaften weit verbreitete Metapher für die Nordischen Staaten und taucht häufig im Zusammenhang mit Diskursen über den so genannten &#8218;Skandinavischen oder Nordischen Wohlfahrtsstaat&#8217; auf. Die Labormetapher dient auch zur Legitimation von Forschungsvorhaben über die Region.</p>
                  </footnote> beschworen. Die norwegische Wirtschaft wird als Vorbild einer gerechten Wirtschaftsordnung dargestellt. Dies gilt für die gerechte Verteilung der üppigen Ressourcen zwischen Peripherie und Zentrum, Frauen und Männern, arm und reich sowie für die Hilfe, die Norwegen der dritten Welt zukommen lässt. NTEU führt eine wesentlich ausgeklügeltere ökonomische Argumentation als AUNS/SVP.<footnote numbering="arabic" start="256">
                     <p> Siehe etwa Norge og EU 1994.</p>
                  </footnote> Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ökonomische Argumentationen für die AUNS/SVP einen ungleich höheren Stellenwert als für NTEU haben. So finden sich ökonomische Begründungen an zentralen Stellen in den Schriften der AUNS/SVP. Neutralität, direkte Demokratie und ökonomische Argumentationen geben für die AUNS/SVP eine etwa gleichberechtigte Trias ab. In Norwegen ist das Themenfeld Ökonomie nach &#8218;Demokratie und nationaler Selbstbestimmung&#8217; nach Wählerumfragen das zweitwichtigste Themenfeld.<footnote numbering="arabic" start="257">
                     <p> Siehe Ringdal/Oskarson 1998: 149-167.</p>
                  </footnote> Deshalb darf NTEU die Definition &#8218;ökonomischer Wahrheiten&#8217; nicht den Befürwortern überlassen und hält mit eigenen Argumenten dagegen. Zugleich betont NTEU jedoch, dass eine euroskeptische Position primär eine wertorientierte sei (<em>verdivalg</em>). So definiert NTEU selber seine zentralen Ziele als <em>Demokratie, Solidarität und Umweltschutz.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="258">
                     <p> Vgl. Kampanjeplan, 1994: 5ff.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>In einer komparativen Perspektive zu &#8218;ärmeren&#8217; Beitrittsländern, wie zu Schweden, ist der Reichtum Norwegens und der Schweiz wichtig, weil die Diskurse über die Ökonomie eine geringe Rolle spielten. Dies gilt im Besonderen für Norwegen, wo die 22-jährige Erfahrung mit dem ersten Nein von 1972 allen vor Augen führte, dass keine ökonomische Notwendigkeit bestand. Sofern es den Euroskeptikern gelingt die wirtschaftlichen Untergangsszenarien der Befürworter zu dekonstruieren, so können sie sich des Sieges bei Abstimmungen sicher sein. Und mit dem Hinweis, dass Norwegen in dem Zeitraum seit 1972 trotz des Nein zum blühenden Ölland wurde, macht NTEU sich bisweilen über negative antizipierte Wirkungen der Nicht-Integration lustig. </p>
               <p>Sicher ist es in beiden Ländern schwierig den Wählern klar zu machen, warum die erfolgreiche Schweiz und das erfolgreiche Norwegen sich der ärmeren Union anschließen sollen. Ein ausgesprochen beliebtes und von NTEU und AUNS/SVP sehr häufig verwandtes Mittel um die ökonomische Überlegenheit der Schweiz bzw. Norwegens zu illustrieren sind vergleichende Statistiken. Dabei werden Arbeitslosigkeit, öffentliche Verschuldung und Wirtschaftsleistung mit dem EU-Durchschnitt oder den EU-Staaten verglichen. Während die AUNS/SVP entweder gesamtwirtschaftliche Leistungsfähigkeit vergleicht oder den Reichtum der einzelnen Bürger in den Mittelpunkt der Betrachtung zieht, hebt NTEU bei der Auswahl von Vergleichszahlen zudem oft auf das Thema Gerechtigkeit<footnote numbering="arabic" start="259">
                     <p> Für die politische Kultur Norwegens nimmt Gerechtigkeit eine zentrale Bedeutung ein. Siehe Rothholz 1986.</p>
                  </footnote> ab. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10D92" start="63"/>Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Integrationsbefürworter insgesamt erfolgreich damit waren die Wähler von ihrer Interpretation, dass Nicht-Integration zu Kosten führt, zu überzeugen. Die Mehrzahl der Wähler in beiden Ländern ist der Ansicht, dass Integration von ökonomischem Vorteil ist. Demgegenüber sind die EU-Gegner mit Themen wie Demokratie und Selbstbestimmung sowie in der Schweiz der Neutralität bei den Wählern überzeugend.<footnote numbering="arabic" start="260">
                     <p> Siehe Listhaug/Sciarini 1997.</p>
                  </footnote> Folglich wären beide Länder längst EU-Mitglieder, wenn ökonomische Gründe tatsächlich ausschlaggebend wären. Typisch ist auch, dass Wählergruppen im erwerbsfähigen Alter, insbesondere Männer, einem Pro-EU-Standpunkt zuneigen. Demgegenüber tendiert die soziale Peripherie zu euroskeptischen Haltungen. </p>
               <p>Wer wirtschaftliche Gründe für den Euroskeptizismus in Norwegen und in der Schweiz heranzieht, sollte sich bewusst machen, dass die Ökonomie der einzige wichtige Themenkomplex ist, bei dem Integrationsbefürworter bei den Wählern Vertrauen genießen. Angemessen ist deshalb folgende Beschreibung. Den Euroskeptikern in Norwegen und der Schweiz gelingt es, die Überlegenheit der Befürworter bei wirtschaftlichen Argumentationen teilweise mit eigenen Argumentationen auszugleichen. Außerdem werden, aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage sowie der wirtschaftlich weitgehend bestehenden Integration, Themen wie Demokratie, Neutralität und nationale Werte in den Vordergrund gerückt, bei denen die Euroskeptiker bei den Wählern als glaubwürdig erscheinen.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N10DA2" label="3.3.2">
               <head>Norweger und Schweizer wollen nicht zahlen</head>
               <p>Die eben dargestellte Konservierungsthese, bei der Reichtum, Langsamkeit, Vorsicht der Schweizer und Norweger die unabwendbare und vernünftige Integration verzögern, ist das von den Integrationsbefürwortern propagierte und vorherrschende Deutungsmuster. Gleichzeitig finden sich jedoch auch Umkehrungen dieser Konservierungsthese, bei der die EU-Mitgliedschaft als Verlustgeschäft gewertet wird. In beiden Ländern wird diese These sowohl von Befürwortern wie auch Gegnern vertreten. Dabei kehren sich die normativen Zuordnungen um. Folglich erscheinen die ökonomisch Erfolgreichen als rational handelnd, sie geraten jedoch in moralischen Rechtfertigungszwang.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10DAC" start="64"/>Naheliegend ist, dass Euroskeptiker sich selber gerne die Rolle der Vernünftigen zuschreiben. Die Betonung ökonomischer Nachteile ist bei der AUNS/SVP ausgeprägter, wird aber auch häufig von den Euroskeptikern in Norwegen verwandt, um die Rationalität ihrer Haltung zu unterstreichen. Besonders beliebt ist der Hinweis auf offizielle Schätzungen über die Beitrittskosten in Form der geschätzten jährlichen Nettozahlungen, da diese nicht von den Integrationsbefürwortern dementiert werden können. Da beide Länder Nettozahler wären, können die Befürworter dagegen nur mit angenommenen Vorteilen bzw. der Vermeidung von Nachteilen argumentieren. Die Integrationsfrage wird deshalb von der AUNS zu dem griffigen Slogan heruntergebrochen <em>&#8222;Ärmer werden. Freiheit verlieren. Nein zum EU-Beitritt&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="261">
                     <p> Siehe auch AUNS-Download vom 13.1.2004 mit Variante des Textes.</p>
                  </footnote>und der rhetorischen Frage: </p>
               <p>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Warum soll ein vernünftiges Volk für die Aufgabe von Freiheit und Rechten noch jährlich 5-7 Milliarden bezahlen?&#8220;<footnote numbering="arabic" start="262">
                           <p> Gemeint sind Franken, wie aus der Rückseite des zitierten Flugblattes hervorgeht. Siehe AUNS-Flugblatt: Freiheiten in Gefahr (k.A.).</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10DCE" start="65"/>Wird in den EU-Staaten (und manchmal auch von den EU-Befürwortern in beiden Ländern) über die Schweiz und Norwegens &#8218;Außenseiterrolle&#8217; gesprochen, erscheint diese Argumentation als Neiddiskurs. Norwegern und vor allem den Schweizern wird vorgeworfen, dass sie ihren Reichtum nicht teilen wollen und auf dem Geld sitzen. Dies findet sich häufig in bildlichen Darstellungen. Bei der Schweiz spielen direkt Vorwürfe aus dem Kontext von dekonstruierenden Diskursen über die Geldgierigkeit der Schweizer eine wichtige Rolle. Häufig wird dies mit dem Vorwurf des <em>&#8222;Trittbrettfahrens&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="263">
                     <p> Dieser Vorwurf ist häufig zu finden. So betitelt etwa Schwendiman 1993 sein Buch über Österreich und die Schweiz mit der Frage: &#8222;Beitritt oder Trittbrettfahren?&#8220;.</p>
                  </footnote> verbunden. Dieser Vorwurf wird oft in Bezug auf die Bilateralen Verträge zwischen EU und Schweiz sowie die Teilnahme Norwegens am Binnenmarkt erhoben. In Anbetracht der Verhandlungsmacht zwischen den kleinen Ländern Norwegen und Schweiz gegenüber der EU halte ich diese Sichtweise für wenig glaubwürdig.</p>
               <p>Die Euroskeptiker beider Länder betonen, dass ihr Nationalstaat in der Lage ist, sich gegenüber der EU die Rosinen rauszupicken. NTEU rechtfertigt dies, indem es Norwegen als Land beschreibt, das die erworbenen Vorteile für die weltweite Gerechtigkeit einsetzt. Solche normativen Argumentationen finden sich bisweilen auch bei der AUNS/SVP. Meistens wird jedoch darauf abgestellt, dass jeder Staat für seine eigenen Bürger Sorge tragen soll. Zudem wird betont, dass die Schweiz sich ihren Reichtum selber hart und ehrlich erarbeitet habe und nicht aufgrund von Marshallhilfe oder von Bodenschätzen reich sei. Die Argumentation der AUNS/SVP läuft auf die Feststellung hinaus, dass die anderen Länder und Völker gefälligst arbeiten gehen sollen, wenn sie so reich werden wollen wie die Schweiz. Solche Analogien und Alltagsweisheiten sind typisch für die Argumentationsweise der AUNS/SVP, bei denen eine Argumentation, wie sie etwa einem Bettler auf der Straße entgegengebracht wird, auf das zwischenstaatliche Verhältnis übertragen wird. Während die AUNS/SVP sich dadurch rechtfertigt, dass die Schweizer ihren Reichtum verdient haben, unterstellt NTEU, dass die Norweger ihren Reichtum für das Gute einsetzen. </p>
               <p>In der Rhetorik der EU-Gegner beider Länder wird betont, dass man doch nicht der Zahlmeister Europas werden wolle. Auch die bildlichen Darstellungen sind in beiden Ländern nahezu identisch. Ein kleiner, ärmlicher Mann mit einer Art Schlafmütze (bzw. der norwegischen <em>Nisselua</em>) wird gezeigt, der, dem deutschen Michel ähnlich, einer übergroßen Hand oder einem übergroßen Kopf eines prominenten ausländischen Politikers oder EU-Bürokraten einen Sack mit Geld (oder Gold) überreicht und eine buckelnde oder unterwürfige Körperhaltung einnimmt.<footnote numbering="arabic" start="264">
                     <p> Siehe Abbildung in Goal AG 2001: 8.</p>
                  </footnote> Deutlich wird, wie stark finanzielle Argumentationen mit nationalem Stolz und Selbstbestimmung und der Forderung, sich nicht vor dem reichen, mächtigen Ausländer zu beugen, verknüpft sind. Bei der AUNS/SVP liegt die Betonung eher auf der Macht der Ausländer. NTEU streicht dagegen verstärkt den Reichtum der EU-Europäer heraus. Während die AUNS/SVP die Schweizer entlang des Schweizer Stereotyps als sparsam, wohlhabend und in Gelddingen kompetent darstellt, ist die norwegische Selbstbeschreibung durch Genügsamkeit, Armut und ökonomische Unterlegenheit geprägt und negiert den heutigen Reichtum Norwegens. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N10DF0" start="66"/>Da die EU-Mitgliedschaft unter dem Strich entweder eine Zugewinngemeinschaft oder ein Verlustgeschäft ist, stehen diese beiden Thesen in einem logischen Widerspruch zueinander. Innerhalb der Diskurse greifen sie jedoch ineinander und werden von Gegnern und Befürwortern gleichermaßen benutzt. So glaubte zwar die Mehrheit, dass die EU unter dem Strich eine Zugewinngemeinschaft sei, dass man es sich aber leisten könnte außerhalb der EU zu bleiben um die nationalen Werte und Institutionen zu schützen. Zugleich boten die hohen EU-Mitgliedsgebühren den Gegnern ein handfestes Argument. Zentral für die Selbstbeschreibungen der AUNS/SVP ist das Postulat, ökonomisch vernünftig zu sein, und die normative Grundhaltung, dass ökonomische Nutzenmaximierung gut und gerechtfertigt ist. Demgegenüber ist NTEU bemüht den EU-Streit als Gerechtigkeitsdiskurs und <em>Wertewahl (verdivalg)</em> der Gemeinschaft zu führen. Auch ökonomische Argumentationen der Euroskeptiker spiegeln damit nationale Selbstbeschreibungen der gerechten Norweger und der ökonomisch kompetenten Schweizer wider.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N10DF8" label="3.3.3">
               <head>Euroskeptizismus ist der Ausdruck innergesellschaftlicher <br/>Verteilungskämpfe</head>
               <p>Die Beschreibung der Integration als Gewinn- oder Verlustgeschäft für die Schweiz bzw. Norwegen, erzeugt ein sehr grobkörniges Bild von Interessenlagen. Deshalb wird im Folgenden dargestellt, wie innergesellschaftliche Interessenkonflikte von Integrationsbefürwortern und -gegnern interpretiert werden. </p>
               <p>Das Nein zur Integration erscheint als Sieg von kleinen Interessengruppen, die Verluste durch Integration befürchten. Diese Interpretation passt ideal in das Verständnis der Integrationsbefürworter, weil es die Beschreibung der EU als Zugewinngemeinschaft mit der normativen Abwertung der Euroskeptiker als reiche Besitzstandswahrer verbindet. Demnach führt Integration insgesamt zu Gewinnen durch einen größeren Markt, zugleich aber auch zu Verlusten von bislang privilegierten Teilen der Gesellschaft. Euroskeptizismus ist deshalb das Resultat kleiner, hochaktiver Interessengruppen, die aus eigennützigen Interessen Integration behindern. Diese These ist unumgehbar mit einer Erklärung durch Nationalismus und historische Rückwärtsgewandtheit der EU-Gegner verbunden. Denn es muss erklärt werden, warum es kleinen Interessengruppen des Gewerbes, der Bauern und Fischer gelingt, die Mehrheit der Bevölkerung, die objektiv von der Integration profitieren würde, von dem Nein-Standpunkt zu überzeugen.<footnote numbering="arabic" start="265">
                     <p> Vgl. Neumann 2001: 19ff. </p>
                  </footnote> Auch die norwegischen EU-Gegner sehen im EU-Streit einen innergesellschaftlichen Verteilungskampf. Dabei werden der Wille und das Interesse des Volkes geopfert, und zwar den kleinen norwegischen Eliten, die sich einen &#8218;Stammplatz in der warmen Stube der europäischen Eliten sichern wollen&#8217;<footnote numbering="arabic" start="266">
                     <p> Vgl. Vardøgner 1994: 1.</p>
                  </footnote>, und den in Brüssel beheimateten Kräften des internationalen Kapitals.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N10E17" start="67"/>Dass ein EU-Beitritt auch Integrationsverlierer zur Folge hat, wird von der AUNS/SVP weniger betont, da sie auf die überlegene Konkurrenzfähigkeit der Schweiz verweist. Grundlage hierfür ist ein Argument, das auf die Reinheit der bewährten Schweiz abzielt. Demnach soll man die schlechte EU nicht mit der guten Schweiz vermischen. Insgesamt bietet die AUNS/SVP in diesem Zusammenhang eine in sich widersprüchliche Argumentation an. Gleichzeitig werden Privilegien und Schutz subventionsbedürftiger Sektoren gefordert, mehr Liberalisierung verlangt, die EU als sozialdemokratisches Projekt denunziert und zugleich die Gefahr eines Ausverkaufes der Schweiz (und damit ein den Globalisierungsgegnern verwandtes Argument) befürchtet sowie &#8218;ungezügelte Einwanderung&#8217;. Obwohl es offensichtlich beim EU-Widerstand auch darum geht, gerade die schwachen Teile der Ökonomie mitzuschleppen, wird dies in der Rhetorik negiert, wobei häufig auf die besondere Funktion dieser schwachen Teile - wie der Landwirtschaft - für die Landesverteidigung und den Umweltschutz hingewiesen wird.<footnote numbering="arabic" start="267">
                     <p> Vgl. SVP-Wahlplattform 1999: 13.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Gemeinsam ist Integrationsbefürwortern und -gegnern in beiden Ländern, dass sie die Integrationsfrage als Interessenkonflikt konstruieren. Damit unterstreichen sie die Rationalität ihrer eigenen Position und ihrer politischen Mobilisierung. Beide Seiten legitimieren sich dabei dadurch, dass sie sich als Vertreter der Mehrheit des Volkes bzw. wie NTEU als das Volk selber beschreiben. Folglich sind auch ökonomische Argumentationen auf der Ebene des gesamten Volkes angesiedelt und folgen der Frage, was gut für das Land und die Nation ist. Damit wird die Integrationsfrage letztlich, auch wenn mit einigen Differenzierungen, auf die Frage zurückgeworfen, ob die EU-Mitgliedschaft zu Verlust oder Gewinn für das ganze Land und Volk führt. Gegner und Befürworter unterscheiden sich nur darin, dass sie das Interesse der Mehrheit in der Integration oder Integrationsgegnerschaft beschreiben. </p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N10E28" label="3.4">
            <head>Schlussfolgerungen</head>
            <p>Mit einigen Ausnahmen, wie sie auch für EU-Mitgliedsstaaten für sensible wirtschaftliche Bereiche bestehen, sind beide Länder wirtschaftlich integriert. Der Status quo wird deshalb am besten als Kompromiss beschrieben, bei dem die volle EU-Mitgliedschaft aus politisch-ideologischen Gründen nicht vollzogen wird, aber zugleich negative wirtschaftliche Folgen durch Adaption und vertragliche wirtschaftliche Integration vermieden werden. Wieso wirtschaftliche Motive für die Bevölkerung vor diesem Hintergrund für die politische Nein-Entscheidung ausschlaggebend sein sollen, ist nicht einleuchtend. Schlüssig ist dies nur dann, wenn angenommen wird, dass die Bevölkerung an die nationale Souveränität in wirtschaftlichen Fragen glaubt. Dies läuft jedoch unweigerlich auf eine Erklärung durch nationale Selbstbeschreibungen hinaus. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10E32" start="68"/>Von den drei üblichen Verdächtigen Banken, Bauern und Bodenschätzen fallen zwei bereits im Vorfeld aus, da der schweizerische Finanzsektor und die norwegische Ölwirtschaft insgesamt Befürworter der Integration sind. Nur indirekt führt der Wohlstand beider Länder und das Fehlen einer ökonomischen Krisenstimmung dazu, dass die Integrationsbefürworter ihr stärkstes Argument eines ökonomischen Sachzwanges nur bedingt einsetzen können. Den Euroskeptikern in Norwegen und der Schweiz gelang es mit eigener ökonomischer Argumentation das Monopol über ökonomische Argumentationen der Integrationsbefürworter aufzubrechen. </p>
            <p>Interessenbasiertes Rückgrat des Integrationswiderstandes bildet in beiden Ländern der primärwirtschaftliche Sektor. Dessen numerisches Wählerpotential ist jedoch gering. Großen Stellenwert für Referendumsentscheidungen kann der primärwirtschaftliche Sektor nur dann haben, wenn er über eine nationalromantische ländliche Ideologie auf breite Wählerschichten ausstrahlt. Ökonomische Aspekte erklären, warum die EU-Gegner in beiden Ländern über publizistische, organisatorische, personelle und finanzielle Ressourcen verfügen, um den insgesamt überlegenen Ressourcen der Integrationsbefürworter in Medien, Wirtschaftsverbänden, politischen und kulturellen Eliten graduell Paroli zu bieten.</p>
            <p>Verfolgt man die nationalen Debatten und glaubt man den euroskeptischen Wählern und Organisationen, so spielen ökonomische Themen eine wichtige Rolle, aber nicht die Hauptrolle. Demnach sind Unabhängigkeit, Neutralität und direkte Demokratie die Kernthemen von AUNS/SVP. Für NTEU sind es Demokratie (nationale), Selbstbestimmung, Solidarität und Umweltschutz.</p>
            <p>
               <citenumber id="N10E3E" start="69"/>Dagegen sind ökonomische Argumente typische Pro-Argumente. Zudem sind materialistische Erklärungen unbrauchbar um die Motivation der ehrenamtlichen euroskeptischen Aktivisten, die Rekordwahlbeteiligung von 89% im Referendum von 1994, die Emotionalisierung, Aggressivität und hohe Mobilisierung sowie die zeitliche und regionale Stabilität der Abstimmungsergebnisse zu begründen. Dies gilt in ungleich höherem Maße für Norwegen. Die Ökonomie ist nicht nur das stärkste Argument der Befürworter und das schwächste der Gegner, sondern zugleich die instabilste erklärende Variable für den stabilen Euroskeptizismus.</p>
            <p>Dabei sind die empirischen Belege gegen einen primär ökonomisch motivierten EU-Widerstand in Norwegen ungleich deutlicher als in der Schweiz. Dies hängt zum einen mit dem lange zurückzuverfolgenden Integrationswiderstand in Norwegen zusammen, jedoch auch zum anderen mit den nationalen Selbstbeschreibungen der jeweiligen Länder. Für die AUNS/SVP ist es keinesfalls ehrenrührig sich als ökonomisch egoistisch zu beschreiben, sondern sie betont die besondere Kompetenz der Schweizer in ökonomischen Fragen. Demgegenüber setzt NTEU ökonomische Kompetenz nicht als Wesenszug der Norweger voraus und verknüpft wirtschaftliche Argumentationen mit nationalen Selbstbeschreibungen der Norweger als gerecht. Auch wenn AUNS/SVP und NTEU gleichermaßen nationalen Stereotypen folgen, so erscheint dies bei der AUNS/SVP wie eine ökonomische und bei NTEU wie eine normative Argumentation.</p>
            <p>Ich bestreite nicht, dass ökonomische Bedingungen in beiden Ländern die Euroskeptiker begünstigen. Ich halte dies jedoch für eine banale Feststellung und kritisiere, dass die einseitige Betonung ökonomischer Erklärungen bestehende Vorurteile über Euroskeptizismus verfestigt. Diese Vorurteile speisen sich aus der allgemeinen Vorstellung, dass politische Entscheidungen ökonomische Interessen widerspiegeln, aus der Selbstbeschreibung der Akteure als rational, aus den engen Assoziationen der Schweiz mit dem Geld und aus den Neiddiskursen über die reichen Norweger und Schweizer. Außerdem entspricht dies dem Wunsch der Integrationsbefürworter, die Euroskeptiker als geldgierig zu denunzieren. In Übereinstimmung mit den Schlussfolgerungen von führenden Vertretern ökonomischer Ansätze<footnote numbering="arabic" start="268">
                  <p> Vgl. obiges Zitat von Listhaug/Sciarini 1997. </p>
               </footnote> muss Folgendes herausgestellt werden: Ökonomische Erklärungen machen plausibel, warum die Mehrzahl der Norweger und Schweizer ein Ja nicht für zwingend notwendig halten. Um jedoch zu erklären, warum sie mit Nein stimmten, müssen wir uns mit Themen wie Demokratie, Frieden und idealisierten Vorstellungen der nationalen Gemeinschaft auseinandersetzen. </p>
         </section>
      </chapter>
      <chapter id="chapter4" label="4">
         <head>EUROSKEPTIZISMUS ALS WIEDERBELEBUNG ALTER CLEAVAGES</head>
         <p>
            <citenumber id="N10E59" start="70"/>Der Schlüssel zum Verständnis des norwegischen Integrationsstreites ist der Konflikt zwischen der mächtigen euroskeptischen Peripherie und dem schwachen pro-integratorischen Zentrum. Nahezu alle sozial- und kulturwissenschaftlichen Analysen der norwegischen Integrationsdebatte kommen zu dem Ergebnis einer wesentlichen Bedeutung eines Zentrums-Peripherie-Gegensatzes und beruhen selbst bereits auf mehr oder weniger explizit gemachten Kategorien einer Gegensätzlichkeit von Zentrum und Peripherie. Auf die überragende Bedeutung des norwegischen Zentrum-Peripherie-Konfliktes bin ich bereits an anderer Stelle eingegangen.<footnote numbering="arabic" start="269">
               <p> Zu den vielschichtigen Bedeutungen des Gegensatzpaares Zentrum - Peripherie im norwegischen Kontext siehe Bjørklund 1999. Siehe auch Hille 2003, 2002, 2000, 1999ab. Selbst das, was in Deutschland als ein Schichten- oder Klassenmodell zwischen &#8218;Oben gegen Unten&#8217; beschrieben würde, wird in Norwegen häufiger als Unterscheidung zwischen einem &#8218;sozialen Zentrum und der Peripherie&#8217; konzeptionalisiert (siehe Galtungs Modell nach Bjørklund 1999: 332 f). Im weitesten Sinne ist die Definition von anti-integratorischem Widerstand als politisch motiviertem Antizentralismus bei Schymik (2004, 2001) ebenfalls auf das Gegensatzpaar Zentrum - Peripherie bezogen. </p>
            </footnote> In der Schweiz finden sich ebenfalls deutliche Anzeichen für einen ländlich geprägten Euroskeptizismus. Anders als in Norwegen finden sich jedoch zahlreiche andere wichtige Cleavages und die Forschung dreht sich nicht um die Achse Zentrum - Peripherie.<footnote numbering="arabic" start="270">
               <p> Siehe zum vergleichenden Überblick Gstöhl 2002a,b, Listhaug/Sciarini 1997. Ausführlicher zur Schweiz und ihrem politischen System siehe Linder 1999. Wie in der Einleitung ausgeführt, mussten diese Cleavages, insbesondere zwischen den Sprachgruppen, ausgeblendet werden. </p>
            </footnote> Sowohl den norwegischen wie auch den schweizerischen Euroskeptikern ist gemein, dass sie Zentralisierungsgegner sind.<footnote numbering="arabic" start="271">
               <p> Dies ergibt sich fast zwangsläufig aus der Verteidigung kleiner gegen große politische Einheiten und der Notwendigkeit, die EU als zentralisierende Großmacht darzustellen.</p>
            </footnote> Im Folgenden soll die Frage beantwortet werden, wie NTEU und AUNS/SVP mit dem in beiden Ländern gebräuchlichen Vorwurf der Integrationsbefürworter umgehen, verträumte und rückständige Nationalromantiker zu sein, die sich von einer auf Subventionserhalt gerichteten bäuerlich-ländlichen Ideologie einfangen ließen. </p>
         <section id="N10E75" label="4.1">
            <head>Stadt gegen Land<footnote numbering="arabic" start="272">
                  <p> Die folgenden zwei Seiten stellen die grundlegend überarbeitete Version von Hille 2002: 39f. dar.</p>
               </footnote>
            </head>
            <p>
               <em>&#8222;Ein klares Nein von Tal und Küste&#8220;</em> &#8211; so übertitelte die norwegische Tageszeitung Aftenposten am Tag nach dem Referendum von 1994 das Ergebnis<footnote numbering="arabic" start="273">
                  <p> Aftenposten 1994: 3.</p>
               </footnote>. Gemeint ist, dass die norwegische Peripherie aus Sorge vor den durch die EU-Integration zu erwartenden Zentralisierungstendenzen wie bereits 1972 fast geschlossen gegen den EU-Beitritt stand. Umgekehrt waren es Oslo und einige dicht besiedelte, städtische Gebiete, in denen eine Mehrheit für einen EU-Beitritt votierte. Dabei spielte in den weit abgelegenen Bezirken die Bewahrung lieb gewonnener Pfründe eine große Rolle, denn die norwegische Peripherie hängt am Tropf der Zentralregierung. Vor allem aus den Erdöleinnahmen des Staates werden großzügige Subventionen für Fischerei und Landwirtschaft sowie umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen bezahlt. Diese halten die norwegische Peripherie am Leben. Mit einem EU-Beitritt verschieben sich langfristig die politischen und wirtschaftlichen Gewichte zugunsten des städtischen Südens des Landes.</p>
            <p>Den Widerstand der norwegischen Peripherie aber allein als ökonomisch und machtpolitisch motiviert zu interpretieren, ist falsch. Auch kulturelle Gegensätze spielen eine Rolle. Kulturell beschwor die EU-Frage die Angst der Peripherie vor dem Verlust der &#8218;eigenen Lebensart&#8219; herauf. Dem dörflichen Norwegen kam stets eine große ideologische Bedeutung zu. Dies hängt mit der Bildung der norwegischen Nation im vorletzten Jahrhundert zusammen. Basierend auf Vorstellungen der aus dem deutschsprachigen Raum importierten Nationalromantik wurden Bauern und Fischer zum Prototyp des Norwegers stilisiert. Was blieb den Erfindern der norwegischen Nation auch anderes übrig? Nennenswerten Adel hatte es bei dem jämmerlichen, kalten, kargen Boden in Norwegen nie gegeben, das zahlenmäßig kleine Bürgertum und die dünne Verwaltungselite stammten entweder aus Deutschland oder Dänemark und ein Industrieproletariat musste sich erst noch herausbilden. Tatsächlich war Norwegen eine ländlich geprägte Gesellschaft und bis heute sprechen Norweger selbstironisch von sich als &#8218;Bauern in der Stadt&#8219;. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10E95" start="71"/>Deutliche Parallelen zur sozioökonomischen Konfliktstellung und zur Idealisierung der &#8218;Bauern&#8219; als Sinnbild der Nation finden sich in der Schweiz. Nicht zufällig ist die &#8218;Alpenrepublik&#8219; für Kühe und &#8218;Heidi&#8219; bekannt und der Schweizer Gründungsmythos, der Rütli-Schwur, handelt von wehrhaften Bauern, die eine Verteidigungsgemeinschaft gründen. Ein Grund für diese Gemeinsamkeit der nationalen Selbstbeschreibung ist der Import nationalromantischer Ideen aus Deutschland und der Schweiz nach Norwegen. </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Und es ist sicher kein Zufall, dass um die Jahrhundertmitte die norwegischen Maler, die ihre Motive zuvor aus dem Alpenraum geholt hatten, die norwegische Landschaft und das dortige Bauernmilieu zu entdecken begannen. Wie die Schweizer wurden die Norweger als besonderes freiheitsliebende, stolze, kühne und ehrliche Menschen idealisiert.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="274">
                        <p> Mythen der Nationen 1998: 266.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N10EAC" start="72"/>Diese nationale Selbstbeschreibung als Bauern ist bis heute wirkungsstark geblieben, aber sie darf selbstverständlich nicht als Spiegel gesellschaftlicher Realität betrachtet werden. Das Wählerpotential der im Agrarsektor Beschäftigten ist wie in anderen entwickelten Industrieländern zu vernachlässigen. Und während die Beschreibung als &#8218;Bauernnation&#8219; für das Norwegen des 19. Jahrhunderts im Großen und Ganzen zutreffend war, war sie in der Schweiz bereits damals ein idealisiertes Gegenbild zu der durch Verstädterung, Handel und Industrialisierung geprägten sozialen Realität.<footnote numbering="arabic" start="275">
                  <p> Zur Erfindung der Schweiz siehe Marchal/Mattioli 1992.</p>
               </footnote> In beiden Ländern hat die Verbindung von ländlich-peripheren Interessen und nationalromantischer Selbstbeschreibung des Bauern (und norwegischen Fischers) den Euroskeptikern einen Vorteil verschafft, denn landwirtschaftliche Interessen konnten leicht zu nationalen Interessen stilisiert werden.<footnote numbering="arabic" start="276">
                  <p> Vgl. Hille 2002: 39f.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Die Bedeutung der Primärwirtschaft ist für die EU-Gegner in beiden Ländern zentral. Und die Interessen an Subventionserhalt seitens der Landwirtschaft führt dazu, dass in Bezug auf die Landwirtschaft die ideologischen Grundziele (Solidarität in Norwegen, neoliberale Wirtschaftsordnung in der Schweiz) ausgelassen oder umdefiniert werden. So stehen die Agrarsubventionen und die Marktabschottung für landwirtschaftliche Produkte, die NTEU in Bezug auf die EU ständig kritisiert, in eklatantem Widerspruch zu der viel gepriesenen Solidarität mit der Dritten Welt. Dabei dürfte wohl der einzige Unterschied darin liegen, dass die &#8218;Festung Norwegen&#8217; mit höheren Mauern als die &#8218;Festung Europa&#8217; ausgestattet ist.</p>
            <p>Im eklatanten Widerspruch zu der neoliberalen auf Leistung und Effizienz ausgerichteten Ideologie der SVP steht die Landwirtschaftspolitik. So steht die SVP nach ihrem Parteiprogramm &#8222;für eine leistungsfähige, umweltgerechte Landwirtschaft&#8220;. Während die SVP üblicherweise Effizienz nach dem eindimensional funktionalen Verständnis von mehr Geld oder weniger Geld einteilt, erfindet sie in Bezug auf die Landwirtschaft den Begriff der <em>&#8222;Multifunktionalität&#8220;</em>. Hieraus leitet sie den Ausnahmefall für die Landwirtschaft ab<footnote numbering="arabic" start="277">
                  <p> Vgl. SVP Parteiprogramm 1999: 20.</p>
               </footnote> und als Begründung gegen den EU-Beitritt werden </p>
            <p>
               <citenumber id="N10ED3" start="73"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;... aufgezwungene Importe von Landwirtschaftsprodukten aus dem EU-Raum, billige Konkurrenz für einheimische Gewerbe und Landwirtschaft&#8220; genannt.<footnote numbering="arabic" start="278">
                        <p> SVP Wahlplattform 1999: 13.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Offensichtlich biegen die massiven ökonomischen Interessen und die enge Verbindung der Landwirtschaft mit den Nein-Bewegungen die ansonsten neoliberalen Ansichten von AUNS/SVP. Dies ist bereits fester Bestandteil der Dekonstruktionsversuche der Integrationsbefürworter und muss deshalb nicht weiter ausgeführt werden. Bemerkenswert ist daran vor allem, dass diese Dekonstruktionen in der Schweiz wesentlich durchgängiger die Argumentation und das Story-Telling der Ja-Seite durchziehen und ungleich aggressiver sind als in Norwegen: </p>
            <p>
               <citenumber id="N10EEA" start="74"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Er stapft breitbeinig in den Saal wie ein Bauer, er spricht wie ein Bauer, grinst wie ein Bauer, gestikuliert wie ein Bauer. Doch vorläufig spielt noch das Schwyzerörgerli-Trio Bergfreunde. ... Christoph Blocher war einmal Bauer.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="279">
                        <p> Gsteiger 2002. </p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Solche Gleichsetzungen von Blocher und allgemein von Euroskeptikern mit Bauern sind typisch für den schweizerischen Diskurs über die Euroskeptiker.</p>
            <p>
               <citenumber id="N10F01" start="75"/>In Norwegen finden solche Dekonstruktionen und Gleichsetzungen der EU-Gegner mit den Bauern auch statt, zumal die enge Verbandelung der norwegischen Nein-Bewegung offensichtlich ist (Finanzierung, Zentrumspartei, Lokalitäten, Personal).<footnote numbering="arabic" start="280">
                  <p> Siehe Schymik 2004, Ingebritsen/Larson 1997. </p>
               </footnote> Was in der Schweiz geht, geht in Norwegen aber nicht. Erstens volkstümeln die norwegischen EU-Gegner nicht derartig stark wie Blocher, der Bäuerlichkeit tatsächlich als Stilmittel einsetzt. NTEU nimmt bäuerliche Interessenvertretung vielmehr in der Argumentation zurück, weil es sich der Unterstützung der Bauern sicher sein kann. Zweitens ist es in Norwegen auch nicht unbedingt opportun, den Bauern direkt anzugreifen, da Integrationsbefürworter, die dies täten, sich mit der ganzen sich als bäuerlich beschreibenden Nation und der übermächtigen Peripherie anlegen müssten. Denn auch wenn das Bild der Norweger und der Schweizer als Bauern und Bergbewohner sich ähnelt, so sind die Grundlagen dieser Bilder doch diametral entgegengesetzt. Nicht nur die norwegische Peripherie wird idealisiert - vielmehr wird ganz Norwegen als geographische Peripherie Europas definiert.<footnote numbering="arabic" start="281">
                  <p> Siehe Esborg 2002, 1999 auch Hille 2003.</p>
               </footnote> Dagegen ist die Schweiz alles andere als eine bäuerliche Gesellschaft. Während historisch in Norwegen die Städte und städtische Kultur einen kleinen, fremden Brückenkopf dänischer Herrschaft darstellten und bis heute keine Dominanz erlangt haben, waren städtisches Bürgertum und Kultur das bestimmende Merkmal der Schweiz. Insofern ist der Bauer in der Schweiz eine Figur, die angegriffen werden kann. </p>
            <p>Die Integrationsbefürworter kolportieren die EU-Gegner als zurückgebliebene, interessengeleitete Bauern. Euroskeptizismus wird so als Mischung aus Subventionserhalt, der für die gesamte Gesellschaft schlecht ist, und Nationalromantik des 19. Jahrhunderts dargestellt. Die AUNS/SVP - allen voran Blocher - konstruiert selbst dieses Bild vom bodenständigen, bäuerlichen Euroskeptiker. Bereits in der Person Blochers, dem Millionär aus der Stadt, wird deutlich, dass es sich um eine Maskerade handelt, um ein bürgerliches Bild, das komplementär zum bürgerlichen Ideal konstruiert ist. Die norwegischen EU-Gegner haben ihr ökonomisches, politisches (Zentrumspartei) und organisatorisches Rückgrat in den Bauernparteien und Verbänden. In ihren Auftritten und Selbstbeschreibungen wird der nationalromantisch belastete Bauer aber nur selten zum Thema gemacht. Bauern spielen im Informationsmaterial von NTEU keine Rolle. Vielmehr wird der in der nationalen Geschichte weniger prestigeträchtige und ärmere Küstenbewohner - der Fischer - zum Leitbild des norwegischen Widerstandes. Dies greift das Thema der armen und gleichen Küstenbewohner gegen die Eliten im Zentrum auf. So ist zu erklären, dass die typischen kleinen norwegischen Fischkutter zum festen Bestandteil der Ikonographie von NTEU gehören und die nationale Selbststeuerung auf einem der weitverbreitetsten Bilder mit der heroisierenden Darstellung eines Fischers allegorisch dargestellt wird.<footnote numbering="arabic" start="282">
                  <p> Ein auf Plakaten, Flyern und Broschüren abgedrucktes Foto, das u.a. als Broschüre mit einer Auflage von 820.000 Stück erschien. Siehe zum Bildnachweis (NTEU-Broschüre Ja til folkestyre 1994) und zur Bildanalyse, die zu dem Ergebnis der Verbindung von norwegischer Vergangenheit und Zukunft in der Ikonographie von NTEU hinweist, Esborg 2002. </p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Erscheinen der Bauer und die Landwirtschaft überhaupt in der Argumentation von AUNS/SVP? Ist es vielleicht dieselbe Auslassung wie in Norwegen? Der Bauernstand stellt in beiden Ländern den Prototyp des idealen Staatsbürgers dar. Der einfache Mann auf dem Lande - und bei NTEU auch die Frau - sind Träger der nationalen Demokratie. Während der schweizerische Bauer jedoch ein kriegerischer Geselle ist, der &#8218;fremde Herrscher&#8217; vertreibt,<footnote numbering="arabic" start="283">
                  <p> Siehe zur Idealisierung von Bauern und Hirten: Siegenthaler 1992, auch Weißhaupt 1992.</p>
               </footnote> hat der in nationalromantischen Darstellungen noch mit ähnlichen Attributen ausgestattete norwegische Bauer an Kampfeslust verloren. Diese Wandlung ist direkt auf die schmähliche Niederlage gegen die deutschen Okkupanten zurückzuführen. Diese belegte, dass der norwegische Bauer doch nicht so kriegerisch ist, wie noch in der nationalen Geschichtsschreibung angenommen wurde. Zudem verlor die Figur des kriegerischen norwegischen Bauern an Attraktivität, weil sie von der Nazipropaganda während der Besatzung benutzt wurde. Die hohen Agrarsubventionen werden in beiden Ländern damit begründet, dass sich das Land im Kriegs- oder Krisenfall selbst versorgen können soll. Dieser Autarkiegedanke ist in der Schweiz weitaus stärker ausgeprägt als in Norwegen. Dies ist im Kontext der bedeutenden Neutralitätsargumentation nicht weiter verwunderlich. </p>
            <p>
               <citenumber id="N10F2D" start="76"/>Angemerkt sei in diesem Zusammenhang auch, dass die Argumentation der norwegischen EU-Gegner, dass die EU eine &#8218;Festung Europa&#8217; mit hohen Handelsmauern gegen die Dritte Welt<footnote numbering="arabic" start="284">
                  <p> Der Begriff Dritte Welt impliziert die Vorstellung der Überlegenheit der Ersten Welt und die Forderung, dass die Dritte Welt so werden soll wie die Erste. Da die untersuchten Euroskeptiker sich selber in diesem Ranking als besonders weit entwickelten Teil der Ersten Welt verstehen, scheint mir dieser leicht abwertende Begriff in diesem Kontext besonders treffend. </p>
               </footnote> sei, in Anbetracht der noch höheren Handelsmauern Norwegens absurd ist. Dass solche Argumentationen dennoch ernsthaft und in einem Atemzug mit Forderungen nach dem Schutz der norwegischen Landwirtschaft vorgebracht werden, kann man nur verstehen, wenn man die rosigen Selbst- und Fremdbeschreibungen Norwegens kennt. Das geht teilweise so weit, dass die norwegischen Bauern und Fischer als Vorkämpfer und natürliche Verbündete der Armen und Entrechteten in der Dritten Welt dargestellt werden. Dieser Eindruck der Verbundenheit wird bei NTEU sehr oft über die Zusammenstellung von Bildern suggeriert. So zeigt etwa das Cover einer der wichtigsten Publikationen von NTEU &#8211; Norge og EU &#8211; u.a. norwegische Bauern und Szenen von armen Kindern aus der dritten Welt.<footnote numbering="arabic" start="285">
                  <p> Siehe Norge og EU 1994: Cover.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Dass der Schweizer Bauer der Freund und natürliche Verbündete des armen Bauern in der Dritten Welt ist, liegt - ähnlich wie in Deutschland - außerhalb der Vorstellungswelt der schweizerischen EU-Gegner. Solche Aussagen der Euroskeptiker würden wohl auch allgemeines Gelächter auslösen. Schließlich steht die Schweiz und der Schweizer unter dem Generalverdacht schlecht zu sein, wie beispielsweise an dem Spruch <em>&#8222;Schweizer Waffen, Schweizer Geld, morden mit in aller Welt&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="286">
                  <p> An diesem wohl von der bekannten auf Deutschland gemünzten Vorlage abgekupferten Spruch, den ich auf einer Demonstration gegen den Irakkrieg in Zürich im Sommer 2001 hörte, wird erneut deutlich, wie stark dekonstruierende Diskurse über die Nation aus Deutschland übernommen werden. </p>
               </footnote> deutlich wird. Die Beschreibung des Schweizers durch AUNS/SVP beruht denn auch auf der wesentlich defensiveren Position, dass der Schweizer auch nicht schlechter ist als andere. </p>
            <p>Die norwegische Gemeinschaftsbeschreibung basiert auf der Abgrenzung des ländlichen, guten Lebens gegenüber dem degenerierten städtisch-dänischen Leben. Nicht zufällig ist das Neunorwegische eine Bastelei aus ländlichen Dialekten. Die Abgrenzung findet also primär als Freiheitskampf gegen die dominierenden städtischen Zentren statt. Das ideelle Zentrum der Schweiz ist ebenfalls ländlich (Urkantone). Aber die religiöse Handlung des Schwures findet als gerechter Abwehrkampf gegen äußere Bedrohung statt. Sie speist sich aus dem universellen Freiheits- und Gerechtigkeitsbild und nicht aus der Abgrenzung von Bauern gegenüber Städtern. Vielmehr geht es gegen den Adel und die - so der AUNS/SVP-Jargon - &#8216;fremden Richter&#8217;.</p>
            <p>
               <citenumber id="N10F54" start="77"/>Neben der Idealisierung der Landbewohner spielt die ländliche, kleine Gemeinschaft außerdem als idealdemokratische Organisationsform eine große Rolle bei NTEU und AUNS/SVP. Die Landsgemeinde und die lokale Gemeinschaft (<em>lokalsamfunn</em>) werden zudem als Ideal eines demokratischen Gemeinwesens beschrieben. Hier gleichen sich die Darstellungen von AUNS/SVP und NTEU in hohem Maße. </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;In der Widerstandsrhetorik ist Norwegen ein Zusammenschluss von lokalen, souveränen, politischen Einheiten, in der die Peripherie als nationales Schlüsselsymbol hochgehalten wird ... Die Peripherie ist in diesem Kontext das Modell für die Gesellschaft/Gemeinschaft als Ganzes.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="287">
                        <p> Esborg 2002: 253. Der norwegische Begriff für Gesellschaft (samfunn) hat eine große Nähe zum Begriff der Gemeinschaft.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N10F6E" start="78"/>Die Verteidigung kleiner, überschaubarer politischer Einheiten wird ebenso von den schweizerischen EU-Gegnern als Grund für den Widerstand benannt. Hier fehlt lediglich die geographische Komponente der räumlichen Entfernung zu Brüssel und die Verteidigung der kleinen politischen Einheit wird als subsidiär bezeichnet. Diese Übereinstimmung in der Rhetorik der EU-Gegner ist insofern verblüffend, als sie grundverschiedene politische Systeme verteidigen. Denn während die Schweizer ein wirklich föderales, subsidiäres System verteidigen, ist Norwegen ein recht zentralistisches System. NTEU verteidigt ein quasi schweizerisches politisches System &#8211; eben eine Ansammlung kleiner, souveräner Einheiten &#8211;, das es in Norwegen nur in Ansätzen gibt.</p>
            <p>Euroskeptiker verstehen sich als Zentralisierungsgegner. Überproportional häufig sind sie Bewohner ländlicher Regionen, der geographischen, sozialen und politischen Peripherie. Schutz und Subventionserhalt vor allem der Primärwirtschaft, nationalromantische Mystifizierung des ländlichen Raumes und seiner Bewohner, Anti-Zentralisierungsideologie und die Verteidigung des nationalen Macht- und Verteilungsschlüssels für nationale Ressourcen verbinden sich zum ideologischen und empirischen (Wähler-) Kern euroskeptischer Bewegungen. Ideologisch wird dies mit basisdemokratischen Vorstellungen über die Handlungsfähigkeit kleiner subsidiärer Einheiten und Diskurse über Freiheit aufgefüllt. Dabei wehren sich die edlen, demokratischen, gesunden Landbewohner gegen die Vereinnahmung durch die byzantinisch-korrupt beschriebene EU-Bürokratie und deren nationale Verbündete (Eliten). Gleichzeitig gehört die Unterstellung, dass Euroskeptizismus hauptsächlich der Ausdruck primärwirtschaftlicher und peripherer Interessen und ein Ausdruck nationalromantischer Verklärung rückwärtsgewandter nationaler Ideologie sei, zum festen Bild und Begründungsmodus der Integrationsbefürworter. Dennoch bestehen grundlegende Unterschiede der Selbstdarstellung von NTEU und AUNS/SVP als gute Landbewohner. NTEU klammert seine wichtigste soziale Trägergruppe, den nationalromantisch belasteten Bauern, in seinem Bildmaterial weitgehend aus und weicht auf den in der nationalen Mythenwelt als ärmer und in der guten geographischen Peripherie angesiedelten Fischer aus. Damit leistet NTEU zudem die Verbindung zum egalitär-demokratischen Ideal des armen Fischers. AUNS/SVP bedienen dagegen eine bäuerliche Volkstümelei und Alpenromantik, die zwar Schweizer Klischees bedient, aber zugleich Anlass für Spott und Häme über die ewig Gestrigen ist. AUNS/SVP reproduzieren als Abwehrreaktion gegen die allgegenwärtige Dekonstruktion der Nation starre bäuerlich-nationalromantische Selbstbilder. NTEU ist dagegen in der Lage ländliche Ideale mit universellen Werten wie Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit zu koppeln. Damit entgeht NTEU dem Vorwurf eine rückständige, nationalromantische Bewegung zu sein und idealisiert das ländliche Norwegen als Ort, an dem die Menschheit sich bereits besonders weit entwickelt habe.</p>
         </section>
         <section id="N10F76" label="4.2">
            <head>Linker Euroskeptizismus in Norwegen und rechter <br/>in der Schweiz</head>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N10F83" start="79"/>Blocher: &#8222;Freiheit statt Sozialismus?&#8220;<footnote numbering="arabic" start="288">
                        <p> Blocher (k.A., Freiheit statt Sozialismus).</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>NTEU: &#8222;Konzern oder Gesellschaft&#8220;<footnote numbering="arabic" start="289">
                        <p> Seierstad 1993:103. </p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N10FA4" start="80"/>Euroskeptizismus muss hauptsächlich mit Kategorien wie Zentrum - Peripherie und national - integriert analysiert und begriffen werden. Das Gegensatzpaar links - rechts<footnote numbering="arabic" start="290">
                  <p> Links und rechts werden hier nicht als analytische Begriffe benutzt, sondern als diffuse Selbst- und Feindbeschreibung der Akteure. Dabei liegt die große Bedeutung dieser Begriffe gerade darin, dass sie mehrschichtige Konfliktstrukturen für den Aktivisten und Analysten auf ein einfaches Gegensatzpaar herunterbrechen. So leistet Blocher eine Feindbeschreibung, wenn er gegen die &#8218;Linken&#8217; und das &#8218;süsse Gift des Sozialismus&#8217; agitiert (siehe beispielsweise Blocher k.A., Freiheit statt Sozialismus). Das Gleiche gilt für NTEU, wenn es gegen die &#8218;Kapitalisten in der EU&#8217; geht.</p>
               </footnote> bildet jedoch das populäre, grundlegende Deutungsschema für politisch-ideologische Standpunkte und trägt entscheidend zur Freund-Feind-Erkennung innerhalb politischer Diskurse bei. Entsprechend wird die Integrationsfrage sowohl von den Medien wie auch den politischen Akteuren - fälschlicherweise - primär als Konflikt zwischen rechten und linken Ideologien konzeptionalisiert. Gleichzeitig färbt die linke bzw. rechte Ideologie von NTEU und AUNS/SVP jedoch die politische Rhetorik, Teile ihrer Ideologie sowie die Freund-Feind-Bestimmung und damit die Lagerbildung im nationalen Kontext. Der in Europa durch die Integrationsbefürworter beherrschte Diskurs skizziert den Euroskeptiker zudem als rechtslastigen, rassistischen, eingeschränkten Nationalisten und trägt damit entscheidend zur Legitimation von Integration bei.</p>
            <p>Insbesondere in Deutschland wird Euroskeptikern unterstellt, zur rechten Ecke zu tendieren. So führt etwa Münch zu den EU-Gegnern unter dem Stichwort &#8218;Neuer Nationalismus&#8217; aus: </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N10FB9" start="81"/>&#8222;Die Modernisierer wenden sich Europa und der Welt zu und arbeiten an der sozialen Integration der neuen europäischen und darüber hinaus globalen Einheit. Gleichzeitig entfernen sie sich zwangsläufig von den Zurückgebliebenen, die als Gegenreaktion zu derjenigen Einheit zurückdrängen, die ihnen bisher Wohlstand und Sicherheit gegeben hat: zur nationalen Einheit. Das gesellschaftliche Band droht zu zerreißen.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="291">
                        <p> Münch 1998: 302.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Weiter meint Münch, dass die Zurückgebliebenen eine leichte Zielgruppe für rechtsextremes Gedankengut seien.<footnote numbering="arabic" start="292">
                  <p> Vgl. Münch 1998: 303.</p>
               </footnote> Auch wenn die Mehrzahl euroskeptischer Gruppen und Parteien dem rechten Spektrum zuzuordnen ist, so ist diese Aussage dennoch empirisch falsch, da es sowohl linke als auch rechte euroskeptische Organisationen gibt. Die automatische Zuordnung von Euroskeptikern als rechts oder gar rechtsextrem ist folglich eine unzulässige Verallgemeinerung. Bisweilen wird die Annahme, dass Euroskeptiker Rechtspopulisten sind, in absurder Weise reproduziert. So werden in dem im Internet basierten &#8218;Lexikon der Politik&#8217; unter dem Stichwort Rechtpopulismus neben den schweizerischen Euroskeptikern auch die norwegischen Euroskeptiker in einem Atemzug genannt.<footnote numbering="arabic" start="293">
                  <p> Vgl. Lexikon der Politik 2004 (Download zum Stichwort Rechtspopulismus vom 6.8.04).</p>
               </footnote> Wie unsinnig dies ist, wird deutlich, wenn wir uns vor Augen führen, dass NTEU in etwa das politische Spektrum zwischen der deutschen PDS, Teilen der Sozialdemokratie und den Grünen abdeckt und zudem mit Parteien und Organisationen der norwegischen Peripherie verbindet.<footnote numbering="arabic" start="294">
                  <p> Siehe Schymik 2004, auch Saglie 1999, 1998.</p>
               </footnote> Nach der kuriosen Definition des &#8218;Lexikons der Politik&#8217; sind folglich Joschka Fischer, Gerhard Schröder, Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht führende deutsche Rechtspopulisten. Entweder sind solche Schnitzer Ausdruck mangelnder Kenntnisse über Euroskeptizismus oder Teil der Integrationsideologie, welche ein Gegensatzpaar zwischen den nationalistisch-chauvinistischen Euroskeptikern und dem Friedens- und Freiheitsprojekt Europa aufbaut.</p>
            <p>Sofern überhaupt wahrgenommen wird, dass es sowohl linke wie auch rechte Euroskeptiker gibt, wird dies als Widerspruch begriffen. Denn während Gegensatzpaare wie Norden und Süden oder Stadt und Land überbrückt werden können (&#8218;Stadt und Land, Hand in Hand&#8217;<footnote numbering="arabic" start="295">
                  <p> Um die tiefe Zerstrittenheit des Landes in der Integrationsdebatte hervorzuheben wurde in Norwegen dieses Motto bisweilen ironisierend zu &#8222;Stadt gegen Land, jeder gegen jeden&#8220; (&#8218;By mot land, man mot man&#8217;) umgedichtet. </p>
               </footnote> oder &#8218;Der Süden und der Norden&#8217;), erscheinen links und rechts als unvereinbarer Gegensatz. Um dies zu erklären, wird in Deutschland gerne auf die Denkschablone des Totalitarismus zurückgegriffen. Demnach werde das friedvolle und demokratische Projekt Europa vom linken und rechten Rand in die Zange genommen.<footnote numbering="arabic" start="296">
                  <p> Diese These ist in Bezug auf Norwegen und die Schweiz falsch. Schließlich sind es linke bzw. rechte Demokraten, die Zweifel an der demokratischen Legitimation der EU haben.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N10FF7" start="82"/>Die EU-Gegner in Norwegen und der Schweiz stellen idealtypische Beispiele für linken und rechten Euroskeptizismus dar. Die EU-Gegner in der Schweiz sind mehrheitlich dem rechten Spektrum zuzuordnen und dies gilt auch für die Anti-EU-Bewegungen. Die SVP-Zürich und die AUNS sind Sammelbecken der Rechten bzw. extremen Rechten. Sowohl Hans Fehr (AUNS Geschäftsführer) wie auch Claudio Zanetti (SVP) verorten ihre politischen Haltungen rechts und ziehen Vergleiche mit der bayerischen CSU.<footnote numbering="arabic" start="297">
                  <p> Gespräch mit Claudio Zanetti im Büro der Zürcher SVP am 30.9.01 und mit Hans Fehr am 9.10.01. im Büro der AUNS in Bern.</p>
               </footnote> Die Linke in der Schweiz befürwortet größtenteils den EU-Beitritt, auch wenn einige Splittergruppen gegen die EU sind. Die norwegischen EU-Gegner sind dagegen etwas links von der Mitte anzusetzen. Die Eliten von NTEU stehen noch etwas weiter links.<footnote numbering="arabic" start="298">
                  <p> Zu den linken Werten der norwegischen Linksparteien siehe Christensen 1998.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Gleiches gilt für die Art der Argumentation. Besonders ins Auge sticht die rechtspopulistische und relativ schlichte Argumentation der EU-Gegner in der Schweiz und die auf internationale Solidarität, Egalität und Verteidigung des nordischen Wohlfahrtstaates abzielende Argumentation von NTEU. Diese Beobachtung stimmt mit den Selbstbeschreibungen der Kontrahenten im EU-Streit überein. Im Kampf zwischen links und rechts hat sich in Norwegen demnach historisch die Linke durchgesetzt und in der Schweiz die Rechte. So beschreibt sich NTEU als Verteidiger einer linken, gerechten, fortschrittlichen Gesellschaft, während die AUNS die liberale, konservative, wirtschaftlich erfolgreiche Schweiz gegen die &#8218;Linke und andere Heimatmüde&#8217;<footnote numbering="arabic" start="299">
                  <p> Genauer Wortlaut: &#8222;Linke und andere heimatmüde Parteien wollen unser Land in die EU führen ...&#8220; So der Slogan eines SVP-Wahlplakates zu den Nationalratswahlen 1995 auf dem ein großer Blauer mit EU-Sternenbanner Stiefel, dem kleinen überraschten &#8218;Schweizer&#8217;, auf den Stimmausweis tritt (siehe Goal AG 2001: 7). </p>
               </footnote> verteidigt. Dies wird mit drei spieltheoretischen Argumentationsketten begründet:</p>
            <p>
               <ol numbering="arabic">
                  <li>
                     <p>Im Nationalstaat dominieren &#8218;wir die Linken&#8217; bzw. &#8218;wir die Rechten&#8217;. </p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>Die Folgen der Europäischen Integration sind nicht abschätzbar und die Macht wird neu verteilt. </p>
                  </li>
                  <li>
                     <p>In der EU findet der im nationalen Kontext Unterlegene mächtige Koalitionspartner oder wird durch die dortigen Strukturen begünstigt.</p>
                  </li>
               </ol>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N11031" start="83"/>Euroskeptizismus ist so das Ergebnis strategischer, rationaler Überlegungen. Die jeweilig siegreiche Fraktion verteidigt den Nationalstaat, während die linken bzw. rechten Verlierer ihre Hoffnungen auf Vorherrschaft in ein &#8218;neues Europa&#8217; setzten. So schreibt Blocher über seine linken Gegner:</p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Dass die <strong>Sozialdemokraten</strong> in die EU drängen, braucht uns nicht zu wundern. Sie wissen, dass die EU uns ihre sozialistischen, vom Schweizer Volk immer wieder abgelehnten Anliegen endlich aufzwingen würde, nämlich die <strong>staatliche Umverteilung, die Erhöhung der Staats- und Steuerquote, das Verbot des Steuerwettbewerbs, die Aufhebung des Bankgeheimnisses sowie die hemmungslose Schulden- und Staatswirtschaft.&#8220;</strong>
                     <footnote numbering="arabic" start="300">
                        <p> Blocher 2001: 5. Hervorhebung entsprechend Original.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N1104E" start="84"/>Euroskeptiker bauen eine Differenz zu Europa auf, indem sie ihren Nationalstaat als von den Guten beherrschte Burg, die vom Volk gegen feindlichen Truppen belagert wird, darstellen. Dabei wird diese kriegerische Metaphorik tatsächlich von AUNS/SVP, jedoch nicht von NTEU verwandt. Unweigerlich werden in diesem Bild die Integrationsbefürworter zu Verrätern.<footnote numbering="arabic" start="301">
                  <p> Der Vorwurf des &#8218;Landesverrates&#8217; gehört zur AUNS/SVP-Rhetorik. Bemerkenswert ist, dass die von Blocher als &#8218;landesverräterische Volksfeinde&#8217; Bezichtigten sich diesen Vorwurf als Ehrentitel und Beweis ihrer &#8218;Aufgeklärtheit&#8217; anheften wie z.B. in dem Artikel der Süddeutschen Zeitung über den Schriftsteller Adolf Muschg (vgl. Bisky 2003: 12).</p>
               </footnote> Die Integrationsbefürworter folgen diesem Deutungsschema eines Kampfes linker und rechter Ideologien in unterschiedlicher Weise. Spiegelbildlich zum Vorwurf des Landesverrates beschreiben sich die Integrationsbefürworter als Befreier, die aus der &#8218;Enge der Schweiz&#8217; &#8218;ausbrechen&#8217; wollen. So provozierte etwa eine Gruppe von Kulturschaffenden zum Jahrestag des Rütli-Schwures damit, dass 700 Jahre Schweiz genug sind.<footnote numbering="arabic" start="302">
                  <p> Ein gutes Beispiel für die zahlreichen dekonstruierenden Diskurse über die Schweiz ist die Dokumentation &#8222;Der leergeglaubte Staat. Kulturboykott: Gegen die 700-Jahr- Feier der Schweiz&#8220; (Lerch/Simmen 1991).</p>
               </footnote> Zwar wirft NTEU den Integrationsbefürwortern vor, aus dem nationalen Konsens ausbrechen zu wollen, jedoch betont die Europabewegung, dass gerade die Integration norwegische Werte in Europa einbringt und den Nationalstaat stärkt.</p>
            <p>Diese Kalküle über die Neuverteilung bzw. Besitzstandswahrung haben eine gewisse Bedeutung für die Lagerbildung innerhalb der Nationalstaaten. Deutlich wird dies etwa am Kleidercode von Integrationsbefürwortern und -gegnern. So sind Aktenkoffer und Anzüge, die manchmal Elemente von Trachtenjacken aufweisen und dadurch eine Abgrenzung zu den Integrationsbefürwortern formulieren, bei der AUNS verbreitet. Bei NTEU findet man diese Kombination zwar bei Vertretern der Zentrumspartei, ansonsten herrscht jedoch ein Kleidercode vor, der dem grün-alternativen Milieu in Deutschland ähnelt und einen klaren Gegensatz zum Businesslook der Europabewegung aufweist. Während bei der AUNS/SVP der Unterschied zum europäischen Mainstream über die volkstümliche Verwendung von Trachtenelementen und der Herausstellung des Bäuerlichen geschieht, übernimmt diese Funktion das betont legere Auftreten der norwegischen EU-Gegner.<footnote numbering="arabic" start="303">
                  <p> Hinzuzufügen ist, dass die Diversität der Kleidungsstücke bei NTEU hoch ist und dies konform geht mit der Selbstbeschreibung von NTEU als buntes Völkchen. </p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Innerhalb der nationalen EU-Diskurse werden Euroskeptiker und Integrationsbefürworter häufig mit einem Links-rechts-Gegensatz verbunden. Dabei wird der Nationalstaat als linke bzw. rechte Bastion dargestellt. Eine wesentlich glaubwürdigere Erklärung für das Vorkommen von linken und rechten Euroskeptikern und euroskeptischen Bewegungen ist jedoch, dass es nicht primär um Links-rechts-Gegensätze geht. Vielmehr sind Gegensatzpaare wie Stadt/Zentrum und Land/Peripherie, deutschsprachige und französische Schweiz sowie national und europäisch ungleich wichtigere Unterscheidungskriterien. Für die linke Ausrichtung von NTEU und die rechte der AUNS/SVP sind weniger die linken und rechten Ideologien selbst verantwortlich als vielmehr die vorherrschenden Inhalte des jeweiligen Nationalismus und spezifisch nationale Bündniskonstellationen. Hierbei hat sich historisch der ländliche &#8211; heute euroskeptische Raum &#8211; in der Schweiz mit nationalkonservativen-bürgerlichen Kreisen<footnote numbering="arabic" start="304">
                  <p> Siehe zur Schweiz: Marchal/Mattioli 1992.</p>
               </footnote> und in Norwegen mit linken Gruppen verbündet. Tendenziell neigen bäuerliche Gruppen in Europa zur rechten Seite. Dies geht auf die Bündniskonstellationen zurück, bei denen bürgerliche Kreise sich mit den häufig durch den Katholizismus beeinflussten Bauern als &#8218;Bollwerk gegen den Sozialismus&#8217;<footnote numbering="arabic" start="305">
                  <p> Diese Begrifflichkeit gehört auch zur Blocher-Rhetorik.</p>
               </footnote> vereinten. Demgegenüber verbündeten sich in Norwegen (und Skandinavien) linke Gruppen und/oder Sozialdemokraten mit den Bauern. Die Erklärungen für diese spezifisch skandinavische Bündniskonstellation reichen von der Pfadabhängigkeit des Bündnisses von Bauern und Sozialdemokraten der 30er Jahre, welche zu einer skandinavischen Version des New Deals führte, bis hin zu der These einer Kompatibilität religiöser Ansichten der Erweckungsbewegung mit sozialistischen Vorstellungen.<footnote numbering="arabic" start="306">
                  <p> Siehe Rothholz 1997.</p>
               </footnote> Die Integrationsdebatte hat diese alten Bündniskonstellationen wiederbelebt.<footnote numbering="arabic" start="307">
                  <p> Siehe zu der These einer Wiederbelebung der alten Bündnisse: Jenssen 1995. </p>
               </footnote> Überdeutlich wird dies an NTEU selbst. Die wichtigsten Parteien und Verbände, welche NTEU tragen, sind zum einen die ländliche Zentrumspartei und die Bauernverbände und zum anderen Teile der Sozialdemokratie und die Linkspartei &#8218;Sozialistische Linke&#8217;.</p>
            <p>
               <citenumber id="N11092" start="85"/>Die Verteidigung des linken bzw. rechten Nationalstaates gibt also die vordergründige Erklärung für die dahinter liegenden Zentrum-Peripherie-Konflikte. Während in Norwegen der Zentrum-Peripherie-Konflikt in öffentlichen Diskursen noch als eigene Cleavagestruktur anerkannt wird, ist dies in der Schweiz nur begrenzt der Fall. Hier werden Bauern mit Nationalkonservativen gleichgesetzt. Dies ist zwar empirisch einigermaßen richtig, es unterschlägt aber, dass der eigentliche Konflikt im EU-Streit nicht zwischen links und rechts, sondern zwischen städtisch und ländlich verläuft. Entsprechend wird in der Schweiz die Konfliktstruktur zwischen Euroskeptikern und Integrationsbefürwortern ungleich stärker als Konflikt zwischen Linken und Rechten interpretiert. Ob Euroskeptiker links oder rechts sind, ist folglich hauptsächlich eine von nationalen Diskursen, Macht- und Bündniskonstellationen abhängige Variable. So gesehen ist es kein Widerspruch, dass es sowohl in Norwegen rechte euroskeptische Gruppen und umgekehrt linke euroskeptische Gruppen in der Schweiz gibt, weil sich Euroskeptizismus um eine starke positive nationale Selbstbeschreibung und um Zentrum-Peripherie-Konflikte dreht. Links-rechts-Gegensätze prägen zwar das ideologische Erscheinungsbild von Euroskeptikern, bilden jedoch nicht die zentralen Motive.</p>
            <p>Wenngleich nachrangig, so sind Links-rechts-Gegensätze dennoch nicht bedeutungslos. In Selbstbeschreibungen von Euroskeptikern und Beschreibungen der Medien ist diese Standortbestimmung nach Links-rechts-Kriterien wichtig. Auch färben linke und rechte Haltungen Teile der Ideologien der Euroskeptiker. Dies gilt insbesondere für die theoretischen Vorstellungen über internationale Beziehungen, bei denen NTEU idealistische und die AUNS (neo-)realistische Positionen einnimmt, sowie für die Ausländer- und Flüchtlingspolitik und für die Wahrnehmung der Dritten Welt und Osteuropas.<footnote numbering="arabic" start="308">
                  <p> Siehe Kapitel: Warme Gemeinschaft oder kaltes Europa?</p>
               </footnote> Zudem hat es Auswirkungen auf die jeweilige Rhetorik. Dies erklärt etwa den auktorialen Stil der AUNS, ihre Vorliebe für Personalisierungen und den starken Mann Blocher, die Themenwahl &#8218;Ausländerflut&#8217; und ihren Chauvinismus. Demgegenüber stellen internationale Solidarität, Frauengleichberechtigung, Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Kapitalismuskritik Merkmale von NTEU dar. Nicht zuletzt hat die gegensätzliche politische Färbung von AUNS/SVP und NTEU zur Folge, dass eine Zusammenarbeit beider Organisation unmöglich ist.</p>
            <p>Das moderate Auftreten der norwegischen EU-Gegner ist zudem mit der überparteilichen, gesellschaftlich breiten Koalition sowie der diese Koalition tragenden dichten nationalen Gemeinschaft zu erklären. Demgegenüber ist die AUNS gesellschaftlich marginalisiert und stigmatisiert. Über populistische Kampagnen, die mit dem Mittel der Provokation gegen das politisch Korrekte kurzfristig Wählerstimmen gewinnen, und begünstigt durch die Mechanismen des politischen Systems (Referenden, doppeltes Ja der Kantone und auf nationaler Ebene) kann die AUNS Integration blockieren. Den Kampf um die Eliten hat sie jedoch relativ zu Norwegen weitgehend verloren. Zudem fällt es der AUNS schwer, eine normativ überlegene Position einzunehmen, wie es typisch für NTEU ist. Dies wird besonders am Beispiel von Rassismusdiskursen deutlich. </p>
         </section>
         <section id="N110A5" label="4.3">
            <head>Rassismus und Euroskeptizismus</head>
            <p>
               <citenumber id="N110AC" start="86"/>Integration überwindet Rassismus &#8211; so lautet die vorherrschende Meinung, die zugleich eine zentrale normative Begründung für die Einigung Europas darstellt. Folglich beschreiben sich Integrationsbefürworter als die natürlichen Gegner der Rassisten, während Euroskeptizismus automatisch in die Nähe von Rassismus gerückt wird.<footnote numbering="arabic" start="309">
                  <p> Ob diese These empirisch richtig ist oder nicht, kann hier nicht beantwortet werden. Zwar weist die Ablehnung des Fremden und die Ablehnung der Integration eine konzeptionelle Nähe auf, dennoch ist die Gleichsetzung von Rassismus und Euroskeptizismus problematisch und muss als Versuch gewertet werden, Euroskeptizismus zu diskreditieren. Auch muss Integration nicht automatisch zu weniger Rassismus führen. Erstens könnte das engere Zusammenwachsen innerhalb Europas den Rassismus sogar verstärken. Diese These wird nicht nur von Rassisten vertreten. Vielmehr ist sie auch dann valide, wenn Ethnizität als unvermeidbare soziale Realität anerkannt wird, deren negative Auswirkungen nur möglichst weitgehend durch Mechanismen der Konfliktentschärfung und Konfliktlösung verringert werden können. Zweitens könnte sich der Rassismus als Folge der Integration auf &#8218;nichteuropäische Völker&#8217; verlagern.</p>
               </footnote> Euroskeptiker stehen deshalb vor einem Dilemma. Rassistische Vorstellungen sind in allen Ländern Europas weit verbreitet. Angesichts der engen Margen bei EU-Abstimmungen müssen euroskeptische Bewegungen dieses Wählerpotential nutzen. Gleichzeitig bietet der Rassismusvorwurf den Integrationsbefürwortern eine starke normative Begründung. Dieser Vorwurf gewinnt dadurch an Glaubwürdigkeit, dass er auf der festen Vorannahme einer Gegensätzlichkeit von Rassismus und Integration beruht. Wie gehen die beiden Bewegungen mit diesem Dilemma um und inwieweit ist der Rassismusvorwurf begründet? </p>
            <p>Sowohl AUNS wie auch NTEU distanzieren sich vom Rassismus. NTEU schließt im § 3 des Statuts die Mitgliedschaft von Rassisten als einzige Gruppe aus: </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N110C1" start="87"/>&#8222;Mitglied kann jeder werden, der Zielsetzung und Arbeitsweise von Nein zur EU unterstützt. Mit der Mitgliedschaft unvereinbar ist jedwede Art von rassistischer Aktivität oder Agitation.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="310">
                        <p> Statut von NTEU, Beschluss der landesweiten Delegiertenkonferenz vom 24./25.11.1990 Dies ist das Datum der Annahme des Gründungsstatuts, wo diese Formulierung erstmals verwendet wurde.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Mit sehr wenigen Ausnahmen finden sich in Texten von NTEU keine rassistischen Äußerungen. Wenn sich doch die eine oder andere rassistische Äußerung findet, so wurde diese eher in Regionalgruppen oder von assoziierten Gruppen im Fahrwasser von NTEU publiziert. Dies deutet gerade in Anbetracht der großen Mengen an Kampagnematerial darauf hin, dass NTEU sich sehr viel Mühe gibt ihre Argumentation von rassistischen Elementen sauber zu halten. Wie dennoch nationale Stereotypen vielfältig verwendet werden, wird im anschließenden Kapitel weiter thematisiert.</p>
            <p>Formal distanziert sich auch die AUNS von Rassismus: </p>
            <p>
               <citenumber id="N110D7" start="88"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;<strong>Ein Wort zum Extremismus: </strong>In unserer Organisation hat es keinen Platz für Extremisten sowohl von links wie von rechts, Rassisten, Antisemiten, sowie für neonazistisches und nationalsozialistisches Gedankengut. Die AUNS vertritt in ihrer Grundauffassung das Gegenteil der Nationalsozialisten. Diese wollten nämlich ein Großreich als Diktatur, während die AUNS die Unabhängigkeit, Neutralität und die direkte Demokratie in der Schweiz erhalten will.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="311">
                        <p> Vgl. AUNS-Homepage (Download vom 31.5.02). Hervorhebung entsprechend dem Original.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Bereits an diesen Formulierungen wird deutlich, dass die AUNS es mit der Abgrenzung zum Rassismus nicht allzu ernst meint. Bereits mit dem verallgemeinernden Begriff des &#8222;Extremismus&#8220; wird die Ablehnung von Rassisten relativiert, zumal die Gefahr einer Unterwanderung der AUNS durch linke Extremisten absurd ist. Entsprechend geht es darum, Rassismus und Rechtsextremismus durch Totalitarismusthesen<footnote numbering="arabic" start="312">
                  <p> Sehr pointiert formuliert Blocher dies: &#8222;Wir wollen im Gegensatz zum braunen und roten Totalitarismus Freiheit statt Diktatur, Marktwirtschaft statt Planwirtschaft ...&#8220; (Blocher, k.A., Freiheit statt Sozialismus: 7). </p>
               </footnote> zu relativieren. Im Übrigen werden die im öffentlichen Diskurs üblichen Vorwürfe<footnote numbering="arabic" start="313">
                  <p> So erheben Friscknecht/Niggli 1998 diese Vorwürfe auf mehreren hundert Seiten.</p>
               </footnote> an die AUNS, rassistisch, antisemitisch, neonazistisch oder nationalsozialistisch zu sein, einfach verneint, und die von der AUNS aufgebaute Differenz zu den Nationalsozialisten wird nicht im Rassismus gesehen, sondern in den spezifischen Inhalten des Nationalismus der Schweiz definiert. Dies geschieht auch an anderer Stelle, wenn wie so häufig eine Autorität zitiert wird: </p>
            <p>
               <citenumber id="N11101" start="89"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Es sind jetzt bald vierzig Jahr, seit ein Sozialismus, der sich das schmückende Wörtchen &#8218;national&#8217; vorgehängt hatte, die freie Beweglichkeit in Europa unterbrochen ... hatte.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="314">
                        <p> Zitiert wird der Nobelpreisträger von 1974 Friedrich August von Hayek, Zitat auf Vorderseite von Blocher (k.A., Freiheit statt Sozialismus).</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Abgesehen davon, dass AUNS und SVP sich offenbar teilweise aus rassistischen Gruppen und Personen rekrutieren, ist auch die Provokation mit rassistischen Aussagen ein fester Bestandteil der von &#8218;Negern&#8217; und &#8218;Juden&#8217;<footnote numbering="arabic" start="315">
                  <p> Um das Wort &#8218;Jude&#8217; als Blickfang zu benutzen wird häufig ohne jeglichen Kontext betont, dass &#8218;man ja nichts gegen die Juden habe&#8217;. Besonders deutlich wird der Antisemitismus bei Blocher 1999: 23ff.</p>
               </footnote> bevölkerten Rhetorik. Dies wird insbesondere in den zahlreichen Kampagnen für eine restriktive Flüchtlings- und Ausländerpolitik deutlich, bei der AUNS und SVP sich als treibende Kraft profilieren und mehr oder minder offen mit rassistischen Slogans für die Ausweisung von so genannten kriminellen Ausländern arbeiten. So ist die AUNS gegen den EU-Beitritt, weil dies <em>&#8222;offene Grenzen für Ausländer&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="316">
                  <p> Text auf Bildnachweis: AUNS-Plakat Ja zur Schweiz (k.A.).</p>
               </footnote> bedeutet. </p>
            <p>
               <citenumber id="N1112B" start="90"/>NTEU ist auf dem Papier für eine Aufnahme vieler Flüchtlinge und offene Grenzen und kritisiert die EU als &#8218;Festung Europa&#8217;. Konkrete Fragen der Flüchtlingspolitik in Norwegen spart NTEU allerdings wohlweislich aus.<footnote numbering="arabic" start="317">
                  <p> Angemerkt sei, dass es sich bei dem für Einwanderer offenen Norwegen um eine positive Selbstbeschreibung und eine positive Norwegen-Utopie von NTEU handelt, jedoch nicht um eine angemessene Beschreibung. So führte Heiberg vom Antirassistischen Zentrum bereits 1994 aus, dass Norwegens Einwanderungspolitik nicht weniger restriktiv ist als die von anderen europäischen Ländern (vgl. Heiberg 1994: 47).</p>
               </footnote> Im Material wird Norwegen als eine multikulturelle Gesellschaft beschrieben, die gegen die Homogenisierung durch die EU verteidigt werden soll. So finden sich auf bildlichen Darstellungen des norwegischen Volkes häufig Darstellungen von dunkelhäutigen Menschen als Teil einer Gruppe von &#8218;weißen Norwegern&#8217;<footnote numbering="arabic" start="318">
                  <p> Siehe beispielsweise die Rückseite der Broschüre, welche die ethnische Vielfalt des norwegischen Volkes unterstreicht und zugleich eine klare Abgrenzung gegenüber der Fremdbestimmung durch die Schweden vornimmt: NTEU-Broschüre 1994: 1.</p>
               </footnote>. Damit übersteigt der Ausländeranteil auf Bildern von NTEU den tatsächlich niedrigen Anteil an der Bevölkerung bei weitem. NTEU betont damit Offenheit und hat sich deutlich von rassistischen Tendenzen ihrer Wählerschaft und der Basis distanziert und damit breite gesellschaftliche Akzeptanz gesichert. Gleichzeitig werden rassistisch motivierte Wähler unter der norwegischen Fahne und mit Hinweis auf die Verteidigung der norwegischen Demokratie gesammelt und bestehende Stereotypen über die anderen Europäer reproduziert. Symptomatisch für das Verhältnis von NTEU und AUNS/SVP zum Rassismus ist das Ergebnis einer Recherche bei Google.<footnote numbering="arabic" start="319">
                  <p> Suchbegriffe waren: &#8218;Schweiz&#8217; oder &#8218;Norwegen&#8217; und EU-Widerstand/Euroskeptizismus und Rassismus mit den jeweiligen Synonymen und Übersetzungen. </p>
               </footnote> Die Trefferliste für die Schweiz ist nicht nur wesentlich länger. Auch ihre Inhalte sind grundverschieden. In der Schweiz wird den EU-Gegnern Rechtsradikalismus und Rassismus vorgeworfen. In Norwegen handelt es sich dagegen zumeist um Aufforderungen oder Ankündigungen von NTEU für Aktionen (Demonstrationen, Kampagnen etc.) gegen Rassismus und Rechtsextremismus.</p>
            <p>AUNS und SVP sind rechtspopulistisch mit stark fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen. Der Einsatz solcher unsportlichen Mittel führte zu zahlreichen Siegen bei Wahlen und Abstimmungen, weil AUNS/SVP sich als nahezu einziges Sprachrohr der in weiten Teilen euroskeptischen Bevölkerung profilierte. Von kulturellen, wirtschaftlichen, politischen und Medieneliten wird dieser Populismus jedoch nicht akzeptiert. Demgegenüber stellt NTEU ein tief in den Eliten verankertes breites, gesellschaftliches Bündnis dar und hält ein positives Norwegenbild aufrecht. Deshalb stimmen in Norwegen tendenziell Pragmatiker für den Beitritt, während Idealisten sich für Norwegen entscheiden. In Bezug auf die Legitimation der Integration und die Abgrenzung zu den Euroskeptikern hat dies weitreichende Folgen. In den europäischen Selbstbeschreibungen stehen nationalistische, chauvinistische und rassistische Euroskeptiker den aufgeklärten, toleranten und zukunftsorientierten &#8218;Europäern&#8217; gegenüber. NTEU hat sich viel Mühe gegeben, diesem Klischee nicht zu entsprechen. Sicher benutzt NTEU nationale Selbst- und Fremdbilder und vermeidet es rassistische Wähler abzuschrecken. Die norwegischen Euroskeptiker aber insgesamt als rassistisch oder gar rechtspopulistisch einzustufen, ist absurd. AUNS und SVP passen dagegen in dieses Bild und stellen einen Wunschgegner dar, der den &#8218;Europäern&#8217; ein klares Feindbild und Anlass zur Selbstvergewisserung bietet.</p>
         </section>
      </chapter>
      <chapter id="chapter5" label="5">
         <head>WARME GEMEINSCHAFT ODER KALTES EUROPA?</head>
         <p><citenumber helper="true" id="N11151" start="90"/>
            <blockquote>
               <p>
                  <citenumber id="N11157" start="91"/>&#8222;Wir sollten entscheiden und nicht die!&#8220;<footnote numbering="arabic" start="320">
                     <p> Vi si nei, Track 2, Nei&#8217;94 CD von NTEU. Wörtlich wird von &#8216;steuern&#8217; (styr) für bestimmen gesprochen.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </blockquote>
         </p>
         <p>Um zwischen guter Nation und schlechter Europäischen Union zu unterscheiden, müssen Euroskeptiker ihre Nation beschreiben und abgrenzen. Diese nationalen Selbstbeschreibungen werden in den folgenden drei Abschnitten nachgezeichnet. Zunächst werden die den Integrationsdiskursen zugrundeliegenden nationalen Gemeinschaftskonstruktionen sowie die Wir-Begriffe bei NTEU und AUNS/SVP verglichen. Daraufhin werden die EU-Bilder und die Konstruktionen der anderen Völker einander gegenübergestellt. Zuletzt wird dann untersucht, welche Schlussfolgerungen die Euroskeptiker aus dem Klima, der geographischen Lage sowie der Topographie ihrer Länder ziehen. </p>
         <section id="N11168" label="5.1">
            <head>De- und Rekonstruktion der Nationen in den <br/>Integrationsdebatten</head>
            <subsection id="N1116F" label="5.1.1">
               <head>Norwegen existiert &#8211; aber gibt es die Schweiz? </head>
               <p>Nationale Selbstbeschreibungen variieren abhängig von Kontext und Sprecher. Euroskeptiker müssen jedoch im Wesentlichen an bestehende nationale Ideal- und Selbstbilder appellieren. Schließlich sind sie angetreten, um diese zu verteidigen und ihnen fehlen die finanziellen und publizistischen Ressourcen, um neue Bilder der Nation zu verbreiten. Aus diesem Grund ist es die wichtigste Leistung einer euroskeptischen Bewegung dem <em>&#8222;kulturellen Gedächtnis&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="321">
                     <p> Assmann 1992.</p>
                  </footnote> der Nation auf die Sprünge zu helfen. Folglich wehren sich Euroskeptiker in Identitätsdiskursen gegen Neudeutung und Dekonstruktion der Nation durch die Integrationsbefürworter. Eine positiv beschriebene, feste und dichte Gemeinschaft bietet Euroskeptikern eine sichere Grundlage für die Sachargumentationen und ist ein äußerst wertvolles Gut.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N11184" start="92"/>Inhaltlich gleichen sich die zugeschriebenen Wesenszüge von Norwegern und Schweizern und ihrer Länder. Gemeinsam herrscht in beiden Ländern die Beschreibung als besonders demokratisch, freiheitsliebend und bäuerlich. Dabei ist die Idee der Naturverbundenheit in Norwegen ausgeprägter. Zudem ähneln sich das Stereotyp von der Sparsamkeit der Schweizer und das von der Genügsamkeit der Norweger. Beide Völker werden als friedfertig charakterisiert, jedoch findet - wie an anderer Stelle ausgeführt wird - die Beschreibung der Schweizer als wehrhaft heutzutage kein Pendant in Norwegen. Wie bereits ausgeführt wurde, wird den Norwegern eher Gerechtigkeit zugeschrieben, während den Schweizern die Fähigkeit mit Geld umzugehen nachgesagt wird.<footnote numbering="arabic" start="322">
                     <p> Zu den weiteren Inhalten und ihrer Repräsentanz im Staatszeremoniell der Schweiz siehe Rosmus 1994.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Grundlegende Unterschiede bestehen jedoch in der Dichte und Stabilität der beiden nationalen Gemeinschaften. Sofern die norwegische Nation Untersuchungsobjekt ist &#8211; vor allem von norwegischen Wissenschaftlern &#8211;, wird die besondere Dichte dieser Gemeinschaft herausgehoben.<footnote numbering="arabic" start="323">
                     <p> So führt etwa Johansen 1997 aus, dass die norwegische Nation dem essentialistischen Ideal recht nahe komme und damit einen Beleg dafür liefere, dass essentialistische Elemente einen wichtigen Kitt für die Konstruktion von dichten Gemeinschaften bilden.</p>
                  </footnote> Die Norweger werden als fester, homogener Verband von Gleichen vorgestellt. Dabei beruht der norwegische Nationalismus auf der Verbindung von essentialistischen Selbstbeschreibungen und der demokratischen Tradition des norwegischen Grundgesetzes von 1814.<footnote numbering="arabic" start="324">
                     <p> Siehe Østerud 1994.</p>
                  </footnote> Argumentation und Ikonographie von NTEU berufen sich gerade auf die Verteidigung dieser demokratischen Tradition.<footnote numbering="arabic" start="325">
                     <p> Siehe Kapitel: Demokratie oder Europa?</p>
                  </footnote> Kaum ein Land in Europa weist eine derartige Homogenität in Bezug auf religiösen Hintergrund, Sprache und Kultur auf wie Norwegen.<footnote numbering="arabic" start="326">
                     <p> Auch wenn es in Form der Erweckungsbewegung und des Neunorwegischen interne Spaltungsbewegungen gibt.</p>
                  </footnote> Zudem sind gesellschaftliche Hierarchien relativ flach und ökonomische Unterschiede sind relativ gering. Unterfüttert wird dies zudem durch die Selbstbeschreibung als ein Volk von freien, gleichen und armen Bauern<footnote numbering="arabic" start="327">
                     <p> Diese Einheitssemantik als freie und gleiche Bauern wird häufig als Wir-Beschreibung der Norweger und oft als Begründung für egalitäres Denken und basisdemokratische Gesinnung verwandt.</p>
                  </footnote> sowie die Betonung der Egalität durch Sozialdemokratie und Erweckungsbewegung. Verstärkt wird die Homogenität dieser Gesellschaft durch einen niedrigen Ausländeranteil, die abgelegene Lage Norwegens und einen weitgehend abgeschlossenen nationalen Diskursraum. </p>
               <p>NTEU selbst erklärt den starken norwegischen Euroskeptizismus mit ausgeprägten primordialen Elementen der norwegischen Gemeinschaftskonstruktion und ihrem dörflichen Charakter. So erklärt der altlinke Vordenker von NTEU, Dag Seierstad, den starken norwegischen EU-Widerstand auf einer britischen Gewerkschaftskonferenz folgendermaßen:</p>
               <p>
                  <citenumber id="N111C0" start="93"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;One of the reasons for the strong Norwegian resistance is our society as a &#8218;village&#8217; in a European context &#8211; the small, easy surveyable,  tightly knit community  giving security to the individual.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="328">
                           <p> Hervorhebungen entsprechend dem Original. Dag Seierstad 1997 Speach for Wakefield 1997: 9.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Typisch ist diese Darstellung der norwegischen Nation als warmes, sicheres Nest und die Gegenüberstellung des halt- und wurzellosen EU-Europa. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N111D7" start="94"/>Die &#8218;Schweizer&#8219; sind dagegen eine lose und heterogene Gemeinschaft. Bereits Renan führte sie als Beispiel für eine Willensnation ohne essentialistischen Unterbau an.<footnote numbering="arabic" start="329">
                     <p> Vgl. Renan 1882. Zwar gab es einige Versuche primordiale Codes über Herkunft (Pfahlbauern) und die Rasse des Alpenmenschen zu implementieren, diese waren jedoch nicht sonderlich erfolgreich.</p>
                  </footnote> Sie wird durch den Mythos der Verteidigung gegen fremde Herrschaft und den Stolz auf die föderalistische, demokratische Tradition zusammengehalten. Konflikte werden durch ein kompliziertes System der gegenseitigen Rücksichtnahme und der Verteilung von Macht austariert<footnote numbering="arabic" start="330">
                     <p> Instrumente dieses Ausgleichssystems sind der Föderalismus, Minderheitenrechte und Subsidiarität. Zum politischen System siehe Linder 1999.</p>
                  </footnote>. Hier handelt es sich um eine Form der pragmatischen und friedlichen Koexistenz. Dies wird nach Kreis an der Geschichte der Kappeler Milchsuppe deutlich. Hierbei soll sich das Fußvolk der verfeindeten Heere, während die Heerführer der gegnerischen reformierten und katholischen Kantone noch Friedensverhandlungen führten, über die Grenzen der Kriegslager hinweg eine Milchsuppe geteilt haben. Deutlich wird an dieser Versöhnungsgeschichte nicht nur, dass die Konflikte eine Sache der Oberen seien, sondern auch die Forderung nach Toleranz und friedlicher Koexistenz unter der Wahrung territorialer Grenzen.<footnote numbering="arabic" start="331">
                     <p> Vgl. Kreis 1998: 464.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Dieser grundlegende Unterschied der Gemeinschaftskonstruktionen spiegelt sich in der Organisation des Staates wider. Das politische System der Schweiz ist vom Gedanken des Ausbalancierens der Macht und der Interessen des heterogenen Staatsvolkes bestimmt. Dies findet seinen deutlichen Ausdruck in der föderalen Struktur des Staates. Demgegenüber finden sich nach Tiilikainen in den lutheranischen Nationalstaaten Nordeuropas keine föderalistischen Vorstellungen. Der Bürger ist unmittelbar mit dem tief in die Privatsphäre eingreifenden, mächtigen Nationalstaat verbunden. Subsidiäre politische und religiöse Einheiten sind sehr schwach ausgeprägt.<footnote numbering="arabic" start="332">
                     <p> Siehe Tiilikainen 1998: 73-80.</p>
                  </footnote> Anders als in der Schweiz wird die Legitimität der Herrschaft durch das Vertrauen in die homogene Gemeinschaft von Gleichen hergestellt. Staatliches Handeln ist berechtigt, weil es der Ausdruck der Gemeinschaft des Volkes ist. Der Einzelne kann als gleichberechtigter Teil des als durchlässig beschriebenen politischen Systems mit entscheiden. Die dann getroffene Entscheidung ist jedoch für alle bindend und dem Staat wird ein tiefes Eingriffsrecht gewährt.<footnote numbering="arabic" start="333">
                     <p> Man denke etwa an die sehr restriktive Alkohol- und Drogenpolitik.</p>
                  </footnote> In den nationalen Integrationsdebatten wird die Frage nach der Vereinigung der nationalen Gemeinschaft mit den &#8218;Europäern&#8217; einerseits der dünnen schweizerischen Nation und andererseits der dichten norwegischen Gemeinschaft gestellt.</p>
               <p>Wenn Nation und Europa der Grund für Integrationswiderstand sind, dann müssen Integrationsbefürworter dieses Gegensatzpaar auflösen oder umdeuten. Dies kann auf verschiede Art und Weise geschehen. Erstens können historische oder kulturelle Gemeinsamkeiten mit &#8218;Europa&#8217; betont oder Integration als eine &#8218;Rückkehr nach Europa&#8217;<footnote numbering="arabic" start="334">
                     <p> Entsprechend dem biblischen Motiv wird damit die Rückkehr und Wiederherstellung (Revolution bzw. Reform) der guten Ordnung in einem Paradies oder goldenen Zeitalter vollzogen.</p>
                  </footnote> interpretiert werden. Zweitens kann das positive nationale Selbstbild dekonstruiert werden. Damit wird die Differenz zwischen Nation und Europa eingeebnet. Entsprechend erscheint das nationale &#8218;Wir&#8217; nicht mehr besser als die &#8218;Europäer&#8217;. Drittens kann das positive nationale Selbstbild auf die EU oder ihre Zukunft projiziert werden. Das zukünftige Europa wird so als vergrößerter Nationalstaat konzipiert. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11213" start="95"/>Insbesondere am Anfang der 90er Jahre fanden intensive Diskurse über das nationale Selbstverständnis und den Platz beider Länder in &#8218;Europa&#8217; statt. Hierbei versuchten die Integrationsbefürworter die Bevölkerung &#8218;europatauglich&#8217;<footnote numbering="arabic" start="335">
                     <p> Pro-integratorischer Terminus in der Schweiz.</p>
                  </footnote> zu machen. Hierzu wird das tradierte nationale Selbstverständnis dekonstruiert oder der Integrationsgedanke mit dem nationalen Selbstverständnis und seiner Mythenwelt in Einklang gebracht. Solche Um- und Neudeutungsversuche sind ein europaweites Phänomen. Das ist etwa an zahlreichen Ausstellungen wie &#8222;<em>Mythen der Nationen&#8220;</em>, &#8222;<em>Die Erfin</em>
                  <em>dung der Schweiz&#8220;</em> oder &#8222;<em>Sonderfall? Die Schweiz zwischen Reduit und Europa&#8220; </em>abzulesen.<footnote numbering="arabic" start="336">
                     <p> Siehe Mythen der Nationen (1998) und Die Erfindung der Schweiz 1848-1998 (1998), Sonderfall? Die Schweiz zwischen Reduit und Europa (1992).</p>
                  </footnote> In Norwegen ist dieser Trend wesentlich schwächer ausgeprägt als in der Schweiz, wo zahlreiche Bücher mit Titeln wie <em>&#8222;Wilhelm Tell - ein Europäer?&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="337">
                     <p> Bergier 1992.</p>
                  </footnote> erschienen. Auch in Schulbüchern findet sich dieser europaweite Trend wieder, der die gemeinsamen Züge der europäischen Geschichte betont. Insbesondere in der Schweiz wird ein uneingeschränkt positives Bild der Europäischen Integration gezeichnet. Auf diese Neudeutung der Geschichte antwortet die AUNS/SVP mit Abwehr und dem Rückgriff auf traditionelle Geschichtsbilder. Dagegen spielen Geschichtsdiskurse in Norwegen eine untergeordnete Rolle, und für NTEU ist die Projektion der Zukunft wichtiger als die Erfindung der Vergangenheit. </p>
               <p>Eine beliebte These innerhalb der schweizerischen Debatte ist, dass die Schweiz sich irgendwann von selber auflösen wird, weil sie unpragmatisch und nicht mehr zeitgemäß sei.<footnote numbering="arabic" start="338">
                     <p> Vgl. Gsteiger 2002: 3.</p>
                  </footnote> So beginnt der Leitartikel zum Nationalfeiertag in der Neuen Züricher Zeitung mit den Worten: </p>
               <p>
                  <blockquote>
                     <p>
                        <citenumber id="N1124F" start="96"/>&#8222;Was wäre das Ende der Schweiz? Wenn sie sich nicht mehr rentierte ... Eine Schweiz, die sich friedlich auflöst in Europa, weil es zu viele Nachteile mit sich bringt, Schweizer zu sein.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="339">
                           <p> Neue Züricher Zeitung 31.Juli/1. August 2004: 1.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Derartig scharfe Thesen sind in Norwegen selten. Die Grundlage des norwegischen Diskurses ist die Existenz der norwegischen Gemeinschaft. Integrationsbefürworter stellen NTEU als etwas altbacken und unrealistisch dar. Im Wesentlichen wollen sie die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit Norwegens durch einen EU-Beitritt erreichen. Selbst vereinzelte Dekonstruktionsversuche wie das Buch <em>&#8222;Norge - en kritikk&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="340">
                     <p> Neumann 2001.</p>
                  </footnote> verstehen Norwegen als feste Grundeinheit der Kritik. Höflich wird angeführt, dass das norwegische Selbstbild bisweilen etwas zu positiv sein könnte. </p>
               <p>Dies ist kein Vergleich zu den Identitätsdiskursen in der Schweiz. Dort wird die Existenz von Staat und Gemeinschaft grundsätzlich in Frage gestellt. Dies lässt sich an Buchtiteln wie die <em>&#8222;Erfundene Schweiz&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="341">
                     <p> Marchal/Mattioli 1992.</p>
                  </footnote> oder <em>&#8222;Der leergeglaubte Staat&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="342">
                     <p> Lerch/Simmen 1991.</p>
                  </footnote> ablesen sowie an der vielzitierten Provokation eines schweizerischen Künstlers, dass <em>die Schweiz nicht existiert.</em> Hierauf reagieren AUNS/SVP wütend. So gab die AUNS eine Broschüre mit dem Titel, <em>&#8222;La suisse existe!&#8220; </em>heraus. Nicht nur das Ausrufungszeichen unterstreicht diese Aussage. Auch das Cover zeigt eine massive Burg und weitere Darstellungen von Burgen, massiven Häusern und Festungen bilden den Inhalt der Broschüre.<footnote numbering="arabic" start="343">
                     <p> &#8222;La suisse existe!&#8220; (k.A.).</p>
                  </footnote> Anscheinend hat die AUNS diese ostentative Selbstvergewisserung nötig. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11294" start="97"/>NTEU führt derartige Abwehrgefechte nicht. Dass Norwegen nicht existiert, wäre in Anbetracht der dichten norwegischen Gemeinschaft keine Provokation. Es würde lediglich als Unsinn angesehen und folglich kein Anlass zur Diskussion sein. Schließlich wird auch ein Dunkelhaariger, dem vorgehalten wird blaue Haare zu tragen, solche Kritik nicht ernst nehmen. NTEU ist sich der Stabilität der nationalen Gemeinschaft derartig sicher, dass bisweilen eingeräumt wird, dass auch die norwegische Nation eine &#8211; besonders gelungene &#8211; Konstruktion sei.<footnote numbering="arabic" start="344">
                     <p> Siehe z.B. Østerud 1993.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N112A1" label="5.1.2">
               <head>Von guten Norwegern und schlechten Schweizern</head>
               <p>Wie soeben ausgeführt wurde, ist die Schweiz im Gegensatz zu Norwegen das Objekt grundlegender Dekonstruktion. Auch die Bevölkerung der Schweiz wird innerhalb der nationalen Selbstverständigungsdiskurse negativer beschrieben als die Norweger. Der schweizerische Identitätsdiskurs liegt in seiner eher negativen Wertung des Volkes wesentlich näher an deutschen Diskursen als der norwegische. Dieser basiert auf der Annahme, dass die Norweger ein &#8218;nettes&#8217; Völkchen<footnote numbering="arabic" start="345">
                     <p> Sørensen verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff &#8218;snill&#8217; (nett, freundlich). Siehe Sørensen 1998.</p>
                  </footnote> sind. </p>
               <p>
                  <blockquote>
                     <p>
                        <citenumber id="N112B7" start="98"/>&#8222;Beide Seiten waren sich darüber einig, dass Norwegen ein hübsches Land ist, - mit einer ausgesprochen guten Umwelt- und Dritte-Welt-Politik. Ein Land mit der besten wohlfahrtsstaatlichen Ordnung, imponierend niedriger Arbeitslosigkeit. Ein Land mit einer ausgesprochen sympathischen und solidarischen Bevölkerung ... Auf der Ja-Seite war das Hauptargument, dass wir in die EU gehen müssen um einzuwirken. Wir können die EU so effektiver - mehr wie Norwegen machen - als wenn wir außerhalb bleiben. Mit Norwegen als Mitglied wird die EU besser werden, wenn es um Umwelt, Solidarität, Demokratie und Transparenz geht.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="346">
                           <p> Grytten 2001: 10.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Wer Norwegen so in den höchsten Tönen lobt, ist kein anderer als der damalige Vorsitzende der Europabewegung in Norwegen, Sigurd Grytten. Bemerkenswert ist nicht nur, dass er in dem Jahrbuch von NTEU schreibt und um eine friedliche und sachliche Debatte wirbt. Typisch ist auch die Betonung der idealistischen Integrationsargumente wie sie die gesamte norwegische Debatte prägen. So betont auch die Ja-Seite, dass die EU-Mitgliedschaft primär das Mittel für eine <em>&#8222;sichere Zukunft für norwegische Werte&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="347">
                     <p> Høyres plattform (k.A.). So lautet ein Slogan, mit dem die einzige klare Ja-Partei Norwegens, die Konservativen (Høyre), in einer Broschüre argumentiert. </p>
                  </footnote> sei. </p>
               <p>Eine solche positive Beschreibung der Schweizer, wie sie der ehemalige Vorsitzende der norwegischen EU-Befürworter formuliert, wäre im schweizerischen Kontext ein Witz: &#8218;Die Schweiz ein Land mit einer ausgesprochen sympathischen Bevölkerung&#8217;, denn diese Aussage steht im Widerspruch zu bestehenden negativen Beschreibungen der Schweizer. So werden die Schweizer üblicherweise mit dem Geldbeutel und Pragmatismus in Verbindung gebracht. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N112D8" start="99"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Die Mehrheit der Schweizer sind weder Visionäre noch Missionare, vielmehr durch und durch Pragmatiker&#8220;.<footnote numbering="arabic" start="348">
                           <p> Gsteiger 2002: 3.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Und bereits Dürenmatt kritisierte: </p>
               <p>
                  <citenumber id="N112EF" start="100"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Die negativste Eigenschaft des Schweizers ist, dass er sich so positiv vorkommt&#8220;.<footnote numbering="arabic" start="349">
                           <p> Gsteiger 2002: 2.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Selbstverständlich lassen sich auch vereinzelte negative Zitate über Norwegen finden. Bemerkenswert ist jedoch, dass es ausgesprochen schwierig ist, positive Zitate über die Schweizer zu finden und selbst die AUNS/SVP den Schweizern selten normativ positive Eigenschaften zuschreibt. Erfahrungsgemäß reicht es in einer normalen Konversation aus, zumindest in Deutschland und Norwegen, das Wort &#8218;Schweiz&#8217; fallen zu lassen und im Normalfall wird dies bei den Gesprächspartnern einen dekonstruierenden Diskurs über Fluchtgeld, Nazigold, Steuerhinterziehung und die Doppelmoral der Schweizer auslösen. Dagegen löst das Stichwort &#8218;Norwegen&#8217; eher positive Assoziationen aus. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11306" start="101"/>Und selbst Blocher redet nicht von der moralischen Überlegenheit der Schweizer, sondern fragt rhetorisch: <em>&#8222;Sind wir denn wirklich so schlecht geworden, dass wir nicht mehr den Mut haben dürfen, zu unserer Existenz zu stehen?&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="350">
                     <p> Blocher (k.A., Der falsche Weg ...): 10. </p>
                  </footnote>Selbstverständlich verneint er diese Frage, denn ein &#8222;Beitritt wäre ein <strong>Zeichen der Kapitu</strong>
                  <strong>lation</strong> ...&#8220;.<footnote numbering="arabic" start="351">
                     <p> Blocher (k.A., Der falsche Weg ...): 10. Hervorhebung entsprechend dem Original.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Aber eine Argumentation, die auf der normativen Überlegenheit der Schweizer beruht &#8211; so wie NTEU davon ausgeht, dass Norwegen und die Norweger die Welt besser machen &#8211; bleibt bei Blocher die Ausnahme. &#8218;Moralisten&#8217; identifiziert Blocher eher als seine Gegner, welche auf den eigenen Vorvätern herumhacken. Diese Gegner sind nach Blocher junge Vertreter der Linken, einige Theologen, zahlreiche Soziologen, Professoren, Kulturschaffende und Journalisten sowie geldfordernde jüdische Organisationen, die heute aus sicherer Distanz in Bezug auf die Neutralität im Zweiten Weltkrieg alles besser wissen.<footnote numbering="arabic" start="352">
                     <p> Vgl. Blocher 1998 a: 13f. </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Im Gegensatz zu NTEU betont er nicht die eigene moralische Überlegenheit, sondern dass man nicht schlechter sei als andere, jedoch erfolgreicher. Die Schweiz wird als ein besonders funktionstüchtiges System beschrieben, in dem das Individuum aufgrund seiner Ausbildung wirtschaftlich effizient arbeitet. Nach dem Euroskeptiker Wengle sind: </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11333" start="102"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Die Stärken der Schweiz ...<br/>Der einzelne Mensch als Stärkefaktor<br/>Die Organisation des Zusammenwirkens<br/>Die Friedensordnung&#8220;<footnote numbering="arabic" start="353">
                           <p> Vgl. Wengle 2001: 3; ausgeführt wird dies auf: 8-15.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Im Gegensatz zu NTEU muss AUNS/SVP das Feld der Moral aufgeben und sich in penetranter Weise auf Objektivität und Funktionalität berufen. Nach SVP/AUNS sind es die linken Spinner und Gutmenschen, die einen EU-Beitritt befürworten, während die Realisten<footnote numbering="arabic" start="354">
                     <p> AUNS und SVP betonen die Faktizität ihrer Standpunkte auf penetrante Weise, während NTEU einen abwägenden Stil pflegt. Vgl. Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen. </p>
                  </footnote> die Stärken der Schweiz sehen. Das müssen AUNS/SVP auch, da ihnen das Postulat der moralischen Überlegenheit der Schweizer unglaubwürdig erschiene. Dagegen spotten die norwegischen EU-Gegner, dass die Ja-Seite, trotz ihrer überlegenen Ressourcen, nicht in der Lage sei eine einzige glaubhafte positive EU-Vision anzubieten.<footnote numbering="arabic" start="355">
                     <p> Vgl. Vardøgner 1994: 1.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N1135F" label="5.1.3">
               <head>Wir-Begriff bei NTEU und AUNS</head>
               <p>
                  <citenumber id="N11366" start="103"/>Der Gegensatz zwischen der dichten nationalen Gemeinschaft, auf die sich NTEU beruft, und dem weitgehend dekonstruierten nationalen &#8218;Wir&#8217;, das die AUNS verteidigt, zeigt sich auch in den Selbstdefinitionen der Bewegungen. Im Grundsatzprogramm von NTEU taucht auf einer Seite 16 mal das Wort &#8218;wir&#8217; auf. Dabei beginnt der Forderungskatalog im Grundsatzprogramm von NTEU - den <em>Grundpfeilern </em>(oder wörtlich: <em>tragenden Balken</em>)- mit der Anapher <em>&#8222;Wir sollten (bzw. Wir müssen; Wir wollen)&#8220;</em>.<footnote numbering="arabic" start="356">
                     <p> Grundpfeiler 1992.</p>
                  </footnote> Dieses &#8218;wir&#8217; schwankt zwischen der Bezeichnung für NTEU und dem norwegischen Volk. Sprachlich lässt NTEU meistens formal offen, was genau gemeint ist. Aber bereits der von NTEU benutze Namenszusatz &#8218;Volksbewegung&#8217; oder &#8218;breite Volksbewegung&#8217; unterstreicht den Anspruch mit dem norwegischen Volk identisch zu sein. NTEU versteht sich als demokratischer Vertreter des ganzen Volkes. Dies wird besonders in der Ikonographie von NTEU sichtbar, in der sich die bewegten Volksmassen der Norweger auf demokratische, friedliche Weise gegen Integration wehren.<footnote numbering="arabic" start="357">
                     <p> Vgl. Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen und siehe beispielsweise den Einband von Årsmeldning 1995.</p>
                  </footnote> Diese Selbstbeschreibung als breite Volksbewegung ist teilweise berechtigt: Immerhin war zum Höhepunkt der Referendumskampagne von 1994 ca. jeder dreißigste Bewohner Norwegens Mitglied von NTEU, jedoch weniger als jeder hundertste Mitglied der Europabewegung.<footnote numbering="arabic" start="358">
                     <p> Die angegebenen Zahlen ergeben sich aus der Bevölkerungszahl Norwegens von etwa 4,4 Millionen und den Mitgliederzahlen: NTEU hatte bis zu ca. 145.000 Mitglieder und die Europabewegung ca. 35.000 Mitglieder.</p>
                  </footnote> Das erklärt, warum die Europabewegung den Wir-Begriff selten verwendet und vorzugsweise in auktorialer Weise auf einen Sachzwang der Integration rekurriert.</p>
               <p>Selbstverständlich legitimiert auch die AUNS ihr Handeln, indem sie sich als Vertreter des Volkes beschreibt. Auch die Wir-Konstruktion der AUNS schwankt zwischen Wir-Schweizer und dem &#8216;Wir&#8217; als AUNS. Jedoch benutzt die AUNS den Wir-Begriff wesentlich seltener als NTEU. Meistens erklärt sie die Welt - so wie sie ist - in einem auktorialen Stil und entlarvt die &#8218;Lügen&#8217;<footnote numbering="arabic" start="359">
                     <p> Der Vorwurf, dass die Eliten das Volk belügen, ist fester Bestandteil der Rhetorik von AUNS/SVP (siehe etwa den &#8218;Grauen Brief&#8217;). </p>
                  </footnote> der &#8218;Berner und Brüsseler Vögte&#8217;. Dagegen nimmt NTEU einen &#8222;<em>Standpunkt&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="360">
                     <p> Standpunkt. </p>
                  </footnote> &#8211; so der Name der Mitgliederzeitung von NTEU &#8211; ein. Im Gegensatz zu der reinen Anti-EU-Integrationsbewegung NTEU ist die AUNS gegen die UNO-Mitgliedschaft entstanden. Deshalb ordnet die AUNS ihren Wirkungsbereich dem Themenfeld der Außen- und Sicherheitspolitik zu<footnote numbering="arabic" start="361">
                     <p> Siehe www.auns.ch unter &#8222;unsere Ziele&#8220; (Stand 15.11.04) und Kapitel: Friedlicher Kleinstaat oder Europa?</p>
                  </footnote> und beschreibt sich als <em>&#8222;Überwacher der Außenpolitik&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="362">
                     <p> Vgl. www.auns.ch unter &#8222;unsere Ziele&#8220; (Stand 15.11.04) und Kapitel: Friedlicher Kleinstaat oder Europa?</p>
                  </footnote> Damit setzt sie sich nicht unmittelbar, wie NTEU, mit dem Volk gleich, sondern handelt als außenstehender Beobachter. Sie übernimmt die Rolle eines Advokaten des Volkes. </p>
               <p>Neben dem stärkeren Wir-Begriff bei NTEU ist bemerkenswert, dass die AUNS/SVP selten eine kulturelle Differenzierung zu EU-Europa vornimmt. Die AUNS/SVP betont lediglich ihre eigne Bodenständigkeit und bezeichnet sich als &#8222;fest in der Volkskultur verwurzelt&#8220;.<footnote numbering="arabic" start="363">
                     <p> SVP Wahlplattform 1999: 22. Bildnachweis zu volkstümlicher Selbstdarstellung (Brunner 1994: 1: 25) der AUNS/SVP und für Gebäude: La suisse existe! k.A..</p>
                  </footnote> Dagegen betont NTEU diese kulturelle Differenz zu EU-Europa in den <em>Grundpfeilern </em>explizit. Demnach kämpft NTEU <em>&#8222;... dagegen, dass </em>
                  <em>sich die norwegische Gesellschaft/Gemeinschaft anpasst an die Gemeinschafts-/Gesellschaftsformen, welche das EU-System in sich trägt&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="364">
                     <p> Grundpfeiler 1992. Aktivisten von NTEU werden diese Textzeile als Abgrenzung von dem &#8218;neoliberalen EU-Sytem&#8217; rationalisieren und hierin keine kulturelle Differenzierung sehen. Meiner Ansicht nach wurden die schwammigen Begriffe &#8211; wie Gemeinschafts-/Gesellschaftsformen &#8211; jedoch benutzt, um eine kulturelle Differenz aufzubauen und damit kollektive Bilder vom überlegenen Norwegen und dem rückständigen Kontinentaleuropa anzusprechen. </p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N113D1" label="5.1.4">
               <head>Der Einsatz von Körperbildern bei NTEU und AUNS/SVP</head>
               <p>
                  <citenumber id="N113D8" start="104"/>Die Idealisierung der Körper der eigenen Gruppe und die abwertende Darstellung des gegnerischen Körpers sind ein weit verbreitetes Mittel der Selbst- und Fremdbeschreibung.<footnote numbering="arabic" start="365">
                     <p> Bekanntestes Beispiel sind die schönen griechischen Körperdarstellungen und die bis heute üblichen Darstellungen gesichtsloser, mit &#8218;feigen&#8217; Distanzwaffen wie dem Bogen ausgestatteter Perser.</p>
                  </footnote> Umso erstaunlicher ist der unterschiedliche Umgang damit bei NTEU und AUNS/SVP. Körperidealisierungen finden sich bei der AUNS/SVP vor allem in Form des Rückgriffes auf mystisch-historische Figuren der nationalen Geschichte. Erstaunlich ist bei einer professionellen Kampagneorganisation, dass die AUNS auf die Gleichsetzung ihrer Organisation mit Schönheit und Jugendlichkeit weitgehend verzichtet. Lediglich aus einer Außenperspektive wird betont, <em>&#8222;... dass immer mehr junge Leute den Wert und die Bedeutung einer unabhängigen, neutralen Schweiz erkennen und der AUNS beitreten&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="366">
                     <p> Grauer Brief 90 2003: 8.</p>
                  </footnote>Bilder von AUNS/SVP transportieren Bodenständigkeit und Stabilität durch die Darstellung von Gebäuden oder Volkstümlichkeit in Form von Trachten, alpenländischen Musikinstrumenten wie Hörnern, Zithern und Hackbrett.<footnote numbering="arabic" start="367">
                     <p> Die SVP beschreibt sich selber als &#8222;fest in der Volkskultur verwurzelt&#8220; wie in der Textzeile unter dem Foto eines SVP Politikers in Tracht am Hackbrett (SVP Wahlplattform 1999: 22). Bildnachweis zu volkstümlicher Selbstdarstellung (Brunner 1994: 1; 25) der AUNS/SVP und für Gebäude: La suisse existe! (k.A.) </p>
                  </footnote> Dies spiegelt die rechtskonservativen Haltungen der AUNS wider. Die Selbstdarstellung der AUNS scheint damit die Behauptung der Integrationsbefürworter, dass Euroskeptizismus ein Relikt der Vergangenheit sei, zu bestätigen. So tröstete der Integrationsbefürworter Daniel Thürer sich und seine Hörer an der Universität Bonn nach dem Nein zum EWR damit, <em>&#8222;... dass nahezu die Hälfte des Stimmvolkes &#8211; darunter vor allem auch die jüngere Generation und fast alle </em>
                  <em>grösseren Städte &#8211; einem EWR-Beitritt der Schweiz zugestimmt haben.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="368">
                     <p> Thürer 1993: 20.</p>
                  </footnote>Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass die AUNS nicht versucht, ihrer teilweise durchaus modernistischen Selbstbeschreibung, im Sinne von wirtschaftlicher Effizienz, eine eigene bildliche Referenz zu geben.</p>
               <p>Dagegen ist bei NTEU die Dichotomie von jungen, hübschen, schlanken, modern angezogenen Männern und Frauen, die ebenso gut aus einer Coca-Cola- oder H&amp;M-Werbung entspringen könnten, gegenüber den dicklichen, machtgierigen, händeschüttelnden EU-Politikern und Bürokraten allgegenwärtig.<footnote numbering="arabic" start="369">
                     <p> Siehe Bildnachweis: NTEU-Flugblatt Framtida (k.A.).</p>
                  </footnote> Mit der sich auf einem Rockkonzert amüsierenden jungen Menschenmasse wird damit erneut das Thema der demokratischen Volksmasse gegenüber den isolierten, korrupten EU-Politikern aufgegriffen und um die Dimension der Jugendlichkeit und Natürlichkeit erweitert. Das Bild eines wahren Festes der aufmüpfigen, jungen Norweger gegen ein bürokratisches, ökonomischer Maximierung verpflichtetes und Freiheit erstickendes EU-System wird gezeichnet.<footnote numbering="arabic" start="370">
                     <p> Siehe Bildnachweis NTEU-Flugblatt Framtida (k.A.) und das Rockkonzert auf Nei til EUs skriftserie &#8211; Nr. 3 2000.</p>
                  </footnote> Hinzu kommen häufige Darstellungen von Kindern und Jugendlichen, welche die Zukunftsträchtigkeit des norwegischen Widerstandes herauskehren. Dies wird oft kombiniert mit der Verbundenheit der Generationen, indem alte und junge Menschen in einer Bildfolge gezeigt werden oder abgebildet wird, wie sie gemeinsam den EU-Widerstand leisten.<footnote numbering="arabic" start="371">
                     <p> Alte und Junge siehe Cover von Norge og EU 1994, Årsmeldning 1995: Vorder- und Rückseite.</p>
                  </footnote> Bei der Abbildung von älteren Menschen finden sich bei NTEU zwei Hauptvarianten. Die erste zeigt pflegebedürftige Menschen. Damit unterstreicht NTEU die auf den skandinavischen Selbstbildern beruhende Ansicht, dass der überlegene norwegische Wohlfahrtstaat von der EU-Mitgliedschaft bedroht ist.<footnote numbering="arabic" start="372">
                     <p> So unterlegt NTEU eine Argumentation in Bezug auf die Verteidigung des Wohlfahrtsstaates mit der Abbildung einer alten offensichtlich pflegebedürftigen Frau, die von einer Krankenschwester oder Altenpflegerin umsorgt wird (vgl. NTEU-Broschüre Ja til folkestyre 1994: 13).</p>
                  </footnote> Die alternative Variante ist ein - üblicherweise wettergegerbter - Peripheriebewohner, häufig ein Fischer, der mit Weitblick in die Ferne oder Zukunft blickt und Boote steuert.<footnote numbering="arabic" start="373">
                     <p> Siehe das auf Plakaten, Flyern und Broschüren abgedruckte Foto, das u.a. als Broschüre mit einer Auflage von 820.000 Stück erschien. Siehe zum Bildnachweis: NTEU-Broschüre Ja til folkestyre 1994. In ihrer Bildanalyse kommt Esborg (2002) zu dem Ergebnis, dass NTEU die aktuelle EU-Entscheidung mittels Bildersprache in die Kontinuität von norwegischer nationaler Vergangenheit und Zukunft einbettet.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N11431" label="5.1.5">
               <head>Schlussfolgerungen</head>
               <p>Euroskeptizismus in Norwegen und der Schweiz basiert auf grundlegend unterschiedlichen nationalen Gemeinschaftskonstruktionen. Die Existenz der nationalen Gemeinschaft und ihre normative Überlegenheit steht innerhalb der norwegischen Debatte nicht zur Disposition. Zwar gab es auch in Norwegen vorsichtige Dekonstruktionsversuche von Seiten der Integrationsbefürworter. Insgesamt verlegt sich jedoch auch die Ja-Seite auf die Frage, wie die norwegischen Interessen und das norwegische Wertesystem innerhalb der EU am besten umgesetzt werden können.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N1143B" start="105"/>Die heterogenen gesellschaftlichen Gruppen der Schweiz werden durch föderale Strukturen auf Abstand voneinander gehalten. Die Nation ist ein dünnes Band von hauptsächlich deutschschweizerischen Mythen (Tell/Rütli/Reduit) und staatlichen Institutionen, wie vor allem der Armee. Die EU-Integration wird als Bedrohung empfunden, weil die Schweiz ein fragiles Gebilde ist. Die norwegische Nation ist ungleich fester konstruiert. Sie basiert auf essentialistischen und staatsnationalistischen Vorstellungen. Diese feste Gemeinschaft von Gleichen findet ihren Ausdruck im einheitlichen Nationalstaat, der als einzig legitime Form der Herrschaft angesehen wird. Der starke Einheitscode der norwegischen Nation erklärt auch, warum die Integrationsfrage einen tiefen Riss durch die Gesellschaft verursacht und eine derartige Relevanz hat. Grundlage dieser Debatten ist jedoch für Integrationsgegner und -befürworter die positive Wertung Norwegens.</p>
               <p>Entscheidend ist auch der Unterschied in der Charakterisierung des Nationalstaates. Norwegen wird als warmes Nest beschrieben, das von einem kalten Europa der großen Konzerne bedroht wird. In der Schweiz wird hingegen herausgehoben, dass dieser Staat sich trotz aller widrigen Umstände in Gestalt der umgebenden Großmächte, innerer Streitigkeiten und kargen Bodens bewährt habe. Die Schweiz ist eine Überlebensgemeinschaft in einer harten, kalten Welt der Großmächte und kein warmes Nest. Die schweizerische Debatte - sowohl bei Gegnern wie auch Befürwortern - ist ungleich stärker auf Nutzenmaximierung ausgelegt. Dies ist u.a. das Resultat der Dekonstruktion der Idylle Schweiz. Zumindest im Gegensatz zur norwegischen Debatte, in der das nationale &#8218;Wir&#8217; als unangreifbar positive Kategorie erscheint, steht die schweizerische Debatte vor dem Hintergrund harter dekonstruierender Diskurse. Die AUNS/SVP muss mit viel Getöse beweisen, dass es die Schweiz als Objekt der Verteidigung überhaupt gibt und dass die Schweizer den &#8218;Europäern&#8217; nicht moralisch unterlegen sind. Überspitzt formuliert sind AUNS/SVP das letzte Aufgebot, welches die Existenz der guten Schweiz verteidigt. Demgegenüber gilt es als gesichert, dass die Norweger eine gute und gerechte Gemeinschaft sind. Wenn NTEU von &#8218;Wir&#8217; spricht, dann meint sie in etwa dasselbe &#8218;Wir&#8217; wie die Europabewegung, nämlich das gute norwegische Volk. Dieses Volk wird von NTEU als besser und schöner dargestellt als die Europäer, womit ihre verknöcherten Eliten gemeint sind. Deshalb gilt in Norwegen auch keinesfalls die implizite Gleichsetzung von Jugend und Zukunft mit Europa. Im Gegenteil dreht NTEU in seiner Bildersprache diese Verbindung um: Zukunft und Jugend oder verknöchertes Europa &#8211; und de facto sind viele Nein-Wähler und Aktivisten von NTEU Schüler und Studenten.<footnote numbering="arabic" start="374">
                     <p> Zum EU-Widerstand der Jugendlichen in Skandinavien siehe Schymik 2003.</p>
                  </footnote> AUNS/SVP stellen sich dagegen so dar, wie man es als Deutscher von Euroskeptikern erwartet: Viel Volkstümelei, Heimatverbundenheit und ältere Herrschaften in alpenländischer Tracht &#8211; eben eine Mischung aus CSU, Vertriebenenverbänden und Musikantenstadl. </p>
               <p>Dass AUNS/SVP wesentlich klischeehaftere Euroskeptiker sind als NTEU, hängt mit dieser Übersetzung ins Deutsche zusammen. Der Code, dem Euroskeptiker in der Schweiz folgen, ist dem in Deutschland bekannten näher als der norwegische Code. Folglich müssen deutschschweizerische Euroskeptiker unseren Vorstellungen von Euroskeptikern eher entsprechen als NTEU. So dürfte allein der Umstand, dass norwegische Euroskeptiker zugleich national, links, grün-alternativ und staatsbefürwortend sind, gängige deutsche Deutungsmuster für Euroskeptiker arg durcheinander wirbeln.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N1144F" start="106"/>Wichtiger ist jedoch, dass die norwegischen EU-Gegner mehr Möglichkeiten haben sich vor dem Hintergrund bestehender nationaler Diskurse als gut und modern darzustellen und sich weniger starr an klischeehafte nationale Selbstbeschreibungen halten als AUNS/SVP. Die dünne, heterogene Gemeinschaft der Schweizer ist eine leichte Beute für Dekonstruktionsversuche. In einer heterogenen Gemeinschaft gibt es zahlreiche divergierende Standpunkte, die ein breites Spektrum an Kritik ermöglichen. Demgegenüber ist der norwegische nationale Diskurs in sich weitgehend geschlossen und reproduziert beständig das Bild einer guten, festen nationalen Gemeinschaft.<footnote numbering="arabic" start="375">
                     <p> Siehe zu dieser These einer beständigen Reproduktion eines positiven Norwegenbildes Neumann 2001.</p>
                  </footnote> Folglich müssen die norwegischen Euroskeptiker die nationale Gemeinschaft nicht mühevoll rekonstruieren. Hierfür reichen bereits dezente Bilder und rhetorische Anspielungen, welche die Grundlage für die äußerst sachlichen Argumentationen bilden.</p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N1145D" label="5.2">
            <head>Die EU-Europäer als die anderen</head>
            <p>Die Definition des &#8216;Wir&#8217; bedarf des bzw. der anderen. Soeben wurde herausgearbeitet, dass NTEU sich durch den &#8218;Wir&#8217;-Begriff mit dem norwegischen Volk gleichsetzt. Demgegenüber versteht sich die AUNS eher als objektiver Beobachter und Advokat der Interessen des Volkes. Nun soll geklärt werden, wer die anderen für die Euroskeptiker sind. Als Gegner können sie zwischen den Europäern oder anderen Nationen innerhalb der EU wählen. Wen suchen sich AUNS/SVP und NTEU aus und wie beschreiben sie ihre Gegner, eventuelle Freunde, Leidensgenossen oder Bündnispartner? </p>
            <subsection id="N11465" label="5.2.1">
               <head>Die Europäer &#8211; eine Nichtgemeinschaft</head>
               <p>Die Oberbegriffe Europa und Europäer sind auch in Norwegen und der Schweiz positiv besetzt und sie werden in den Integrationsdebatten häufig als Synonym für die EU und die EU-Bürger benutzt. Deshalb erheben die Integrationsbefürworter den Vorwurf, dass die Euroskeptiker gegen &#8218;Europa&#8217; sind und sich von den &#8216;Europäern&#8217; isolieren wollen. Diesen Vorwurf kontern NTEU und AUNS/SVP gleichermaßen, indem sie hervorheben: </p>
               <p>
                  <citenumber id="N1146F" start="107"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;We are not against Europe. We are against Norwegian membership in the European Union&#8221;<footnote numbering="arabic" start="376">
                           <p> Diese Argumentation ist typisch für NTEU, hier zitiert nach der gleichnamigen Rede von Kristen Nygaard 1995 auf einer Konferenz in München.</p>
                        </footnote> oder &#8222;Wir sind Europäer &#8211; aber in einer selbstständigen Schweiz&#8220;.<footnote numbering="arabic" start="377">
                           <p> Siehe Bildnachweis: AUNS-Plakat Ja zur Schweiz (k.A.).</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Sie weisen darauf hin, dass &#8218;europäisch&#8217; eine übergeordnete Kategorie von geographischer, kultureller und historischer Bedeutung ist und dass die Schweiz und Norwegen in diesem Sinne zu Europa gehören. Darüber hinaus betont insbesondere NTEU, dass Europa größer als die EU sei: <em>&#8222;Die EU ist nicht die ganze Welt.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="378">
                     <p> NTEU-Handzettel 1994. Bildlich illustriert wird dies - wie oft - durch die Darstellung einer Weltkarte, auf der Europa bekanntlich klein wirkt. Der Text dazu argumentiert, dass Norwegen für die ganze Welt verantwortlich sei und streicht die große Bedeutung von Norwegen für eine gerechtere und friedlichere Welt heraus (Vgl. NTEU-Handzettel: 1994).</p>
                  </footnote>Entsprechend wird weiter argumentiert, dass Europa nicht mit der EU gleichgesetzt werden kann und dass ein euroskeptischer Standpunkt folglich nicht &#8218;gegen Europa&#8217; gerichtet ist. Beide Bewegungen beschreiben Schweizer und Norweger sogar als die besseren &#8218;Europäer&#8217; im Sinne der europäischen Selbstbeschreibung. Demzufolge sind die Schweiz und Norwegen demokratischer, friedlicher, wirtschaftlich erfolgreicher und umweltbewusster als die EU. Zudem hebt NTEU die Überlegenheit des norwegischen Wohlfahrtstaates und den höheren Grad der Gleichberechtigung der Frauen hervor. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11499" start="108"/>AUNS/SVP und NTEU sprechen der EU das Potential zur Gemeinschaftsbildung ab. Die Europäer werden als eine <em>&#8222;künstliche Gemeinschaft&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="379">
                     <p> So heißt es in Senterpartiets EU-håndbok (1994: 17f), dass Norwegen eine durch Sprache, Kultur, Geschichte und politische Strukturen verbundene natürliche Einheit ist. Im Gegensatz dazu stellt die EU eine künstliche Einheit dar. Deshalb ist ein Beitritt zu dieser unnatürlichen Einheit abzulehnen.</p>
                  </footnote> charakterisiert. Deshalb ist das Integrationsprojekt zum Scheitern verurteilt. Bei der AUNS/SVP ist diese Argumentation essentialistisch, indem nationale und ethnische Gemeinschaften als natürliche Einheiten beschrieben werden. Während die AUNS/SVP die Abgrenzung vom Heiligen Römischen Reich als Grund für die Eigenart und den Erfolg der Schweiz beschreibt,<footnote numbering="arabic" start="380">
                     <p> AUNS/SVP rekurrieren auf die seit 700 Jahren gültigen Grundsätze der Schweiz, die allgemeine und ewig gültige Regeln für das gute Zusammenleben im Staat und mit anderen Staaten beinhalten (siehe etwa Grauer Brief). Demgegenüber ist NTEU primär auf die vernünftige Gestaltung der Zukunft bezogen, vgl. Kapitel: Friedlicher Kleinstaat oder Europa?</p>
                  </footnote> beziehen sich die Befürworter bisweilen auf die gemeinsame europäische Geschichte. Dabei wird Karl der Große gerne als Referenzpunkt gewählt. Zwar finden sich bei NTEU auch unmittelbar essentialistische Vorstellungen über die natürliche norwegische Nation und das Kunstprodukt EU. Es finden sich jedoch parallel auch abstraktere konstruktivistische Argumentationen. Demzufolge sind Nationen als machtvolle soziale Konstrukte kaum veränderbar und die norwegische Konstruktion der Nation besonders funktionstüchtig.<footnote numbering="arabic" start="381">
                     <p> Etwa Østerud 1993 in seinem von NTEU veröffentlichten Aufsatz.</p>
                  </footnote> Entsprechend räumt NTEU bisweilen ein, dass eine europäische Identität in einer fernen Zukunft - theoretisch - denkbar sei. Damit signalisiert NTEU Offenheit und Flexibilität und verschiebt das Beitrittsdatum auf die ferne Zukunft. Dagegen lehnt AUNS/SVP auch den Sankt-Nimmerleins-Tag als Beitrittsdatum ab, weil die Schweiz seit Urzeiten (700 Jahren) und für alle Zukunft den richtigen Weg gefunden hat. </p>
               <p>Der europäischen Selbstbeschreibung zufolge ist Europa aufgrund seiner Vielfalt erfolgreich. AUNS/SVP und NTEU kontern dies gleichermaßen, indem sie ihre Länder als besonders vielfältig beschreiben. Demzufolge geht nur Norwegen bzw. die Schweiz den &#8218;typisch europäischen&#8217; Erfolgsweg der Vielfältigkeit, der gegen die homogenisierende und zentralisierende EU verteidigt werden muss. Dieses Grundthema wird mit zahlreichen Argumentationen und Geschichten - wie der über die eurokratische Regelung der Bananenkrümmung - untermauert. </p>
               <p>Manchmal handelt es sich bei der von den Euroskeptikern verteidigten europäischen Vielfalt um ein Konkurrenzmodell. Demnach gibt Europa den Rahmen für einen fairen Wettlauf der Nationen und/oder Systeme ab. Die Vielfalt führt in den Augen der AUNS/SVP zu besonders effizienten und nach NTEU zu einer besonders gerechten und fortschrittlichen Gesellschaft. Innovation entsteht durch das Abgucken von anderen Nationen &#8211; freilich meint NTEU damit in erster Linie das, was die anderen von Norwegen und dem Norden lernen können. Dabei ist die Grenze zu sozialdarwinistischen Ideen bei Blocher<footnote numbering="arabic" start="382">
                     <p> Sozialdarwinismus wird Blocher des öfteren vorgeworfen, wie etwa die Verknüpfung des Namen Blocher und Sozialdarwinismus bei Google zeigt.</p>
                  </footnote> und der AUNS fließend, da der evolutionäre Vorgang der Entwicklung der Nationalstaaten als effizienter angesehen wird als das zentralisierte Europa. Besonders bei der AUNS wird in diesem Zusammenhang auch stark essentialistisch argumentiert - was NTEU aufgrund der starken unterliegenden Gemeinschaft nicht nötig hat. Demnach soll jedes Volk sich so regieren und das produzieren, was seinem kulturell, klimatisch oder genetisch bedingten Volkscharakter entspricht.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N114C8" start="109"/>Die EU als zentralistischer Superstaat ist das Hauptziel der Kritik von AUNS/SVP und NTEU. Diesem Gegenbild kann kein starkes Stereotyp über den EU-Europäer zur Seite gestellt werden, weil es das Stereotyp nicht gibt. Die Europäer sind fremde und heimische Eliten - vor allem Eurokraten - welche die Bürger bevormunden und ihnen in die Taschen greifen.<footnote numbering="arabic" start="383">
                     <p> Dabei betont die AUNS/SVP das In-die-Tasche-Greifen und NTEU die Bevormundung.</p>
                  </footnote> Da die Europäer als Nicht-Gemeinschaft verstanden werden, gibt es kein gegen die EU-Bürger gerichtetes Feindbild. Solche Feindbilder werden jedoch mit Hilfe gängiger nationaler Stereotype aufgebaut. Dabei wird entweder die EU mit einem nationalen Stereotyp belegt oder einzelne EU-Nationen werden als Bedrohung dargestellt. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N114D5" label="5.2.2">
               <head>Die EU als Resultat von Großmachtinteressen der Volkscharaktere</head>
               <p>Frankreich und Deutschland sind als größte und bedeutendste Länder die wichtigsten Gegenbilder für die EU-Gegner in beiden Ländern. In schwacher Ausprägung und in unsicheren Konturen kommt ein Diskurs über den Süden hinzu.<footnote numbering="arabic" start="384">
                     <p> Angemerkt sei, dass der rückständige Süden aus norwegischer Sicht häufig mit den kontinentalen EU-Ländern gleichgesetzt wird.</p>
                  </footnote> In Ausnahmen findet man im Umfeld von NTEU rassistische Aussagen über den Süden - etwa über die dort wohnenden &#8218;schmutzigen andalusischen Zigeuner&#8217;.<footnote numbering="arabic" start="385">
                     <p> So ist nach Gonzalez/Koch das Zusammenleben in einem Staat schwierig, weil sich andalusische Zigeuner nicht für Badezimmer interessieren. Vgl. Gonzalez/Koch 1994: 131f.</p>
                  </footnote> Gängiger ist jedoch die Idealisierung der nördlichen Demokratien gegenüber den chaotischen Zuständen im Süden Europas. In Norwegen vermengt sich dieser Diskurs mit Anspielungen auf das rückständig-katholische Europa, was man in der konfessionell heterogenen Schweiz nicht findet. Bei AUNS/SVP ist der Einsatz solcher Stereotype ungleich deutlicher, wenn etwa über die Zustände in italienischen Städten schwadroniert wird oder vor der Mafia gewarnt wird.</p>
               <p>Bei AUNS/SVP sind diese nationalen Stereotypen deutlich an abwertenden Beschreibungen der anderen ablesbar. Demgegenüber ist NTEU sehr um politische Korrektheit bemüht. Entsprechend schwierig ist es, den hier erhobenen Vorwurf, dass nationale Stereotypen eine wichtige Rolle für NTEU spielen, zu beweisen. Belege finden sich nur in der Form von häufig ironisierenden Anspielungen oder Karikaturen. Gleichzeitig wird jedoch ein derartig rosiges Bild von Norwegen und den Norwegern gezeichnet, dass dies auf einer vergleichenden abwertenden Beschreibung der anderen beruhen muss. Während bei der AUNS/SVP die Abwertungen der anderen im Vordergrund stehen, sind es die nationalen Selbstaufwertungen bei NTEU. Dabei bleibt der AUNS/SVP in Anbetracht der starken dekonstruierenden Diskurse über die Schweiz auch keine andere Wahl, da eine positive Beschreibung der Schweizer unglaubwürdig erschiene. Umgekehrt besteht für NTEU keine Notwendigkeit die nationale Gemeinschaft durch politisch unkorrekte Abwertungen der anderen Völker aufzuwerten.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N114F1" label="5.2.3">
               <head>Die EU ist zentralistisch und imperialistisch wie Frankreich, und die Eurokraten sind arrogant wie die Franzosen</head>
               <p>
                  <citenumber id="N114F8" start="110"/>Frankreich dient NTEU und AUNS/SVP als Gegenbild zur nationalen Volksdemokratie. Das dirigistische, zentralistische politische System Frankreichs mit seinen arroganten Eliten wird als Blaupause für die EU dargestellt. Dies erklärt sich hauptsächlich aus dem von beiden geteilten Anti-Zentralismus und der Selbstbeschreibung eines volkshaften, anti-elitären Widerstandes. Zudem wird die These aufgestellt, dass die EU eine imperiale Macht unter der Führung Frankreichs werde und damit die Großmachtsträume der alten Kolonialmacht fortführe. Frankreich ist das kulturelle und politische Gegenbild der beiden guten Kleinstaaten. Die bäuerliche, basisdemokratische, volksnahe, ländliche Kultur wird der dekadenten, elitären, bürokratischen, kolonialen, städtischen Kultur Frankreichs gegenübergestellt. Sowohl das Gegensatzpaar Stadt und Land, Volks- und Elitenkultur sowie die Gegenüberstellung einer volkshaften Demokratie mit einer bürokratisch-elitären Herrschaft finden in Frankreich ihre Projektionsfläche. Frankreich wird von den norwegischen und vor allem deutschschweizerischen Euroskeptikern als fremd, undemokratisch und zentralistisch kritisiert. Hinzu kommen Züge von Dekadenz, die mit der verfeinerten Lebensart der Franzosen assoziiert werden, und einen Gegenpol zum bodenständigen, ehrlichen und bäuerlichen Wesen der Norweger und Schweizer bilden. So zeigt NTEU ein Foto von Giscard d&#8217;Estaing, der leicht von unten fotografiert, mit übergroßer Hand, borniert und arrogant wirkt.<footnote numbering="arabic" start="386">
                     <p> Siehe Bildnachweis: NTEU-Flugblatt Framtida (k.A.): Rückseite.</p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
            <subsection id="N11505" label="5.2.4">
               <head>Die Deutschen &#8211; die ungeliebte Verwandtschaft</head>
               <p>Ein leicht angetrunkener Norweger erklärte mir in der Sauna eines sichtlich gelangweilten italienischen Freundes über eine gute Stunde, warum Norwegen kein EU-Mitglied ist, obwohl &#8218;wir Deutsche und Norweger&#8217; doch so &#8218;ähnlich&#8217; seien. Diese langwierige Erklärung war vor dem Hintergrund essentialistischer Annahmen über das Verhältnis der Nationen zueinander notwendig. In diesem Verständnis sind Nationen familiäre Verbände. Familien bestehen aus nahen und fernen Verwandten und die Beziehungen ihrer Mitglieder sind gut oder weniger gut. Ein hoher Verwandtschaftsgrad ist deshalb nicht automatisch mit einer guten Beziehung und daraus folgender Integration gleichzusetzen. Gerade die große Nähe zur &#8218;eigenen Familie&#8217; kann zu starker Abgrenzung führen. Dass Deutsche, Deutschschweizer und Skandinavier u.a. zu den Germanen gezählt werden, ist eine bis heute wirkungsstarke Idee. Deutsche und die euroskeptischen Deutschschweizer gelten folglich als sehr nahe Verwandte und Norweger und Deutsche werden ebenfalls als enge, wenn auch nicht ganz so enge, Verwandte angesehen. Der Verwandtschaftsgrad zu den Deutschen schwankt zwischen Vettern und Brüdern. Norweger sind eher Vettern, während Deutschschweizer eher in einem Bruderverhältnis zu den Deutschen stehen.</p>
               <p>Oft und sehr deutlich werden antideutsche Ressentiments in den Schriften von AUNS und SVP verwandt. So wird der EU-Beitritt der Schweiz bei der AUNS als &#8218;<em>Anschluss&#8217;</em> tituliert und das &#8218;Neue Europa&#8217; mit dem &#8218;Neuen Europa&#8217; der Nazis verglichen.<footnote numbering="arabic" start="387">
                     <p> Siehe etwa das Zitat im Kapitel Friedlicher Kleinstaat oder Europa? und vgl. Blocher 1998a: 9. </p>
                  </footnote> Und stets wird eine Diskriminierung der Schweiz durch das &#8218;arrogante Deutschland&#8217; unterstellt. Sehr häufig wird dieser Vorwurf gegen Deutschland mit einer innenpolitischen Stoßrichtung gegen die Berner Regierung verbunden. Dabei haben sich die &#8218;Vögte aus Bern&#8217; in den Verhandlungen nicht hinreichend für die Interessen der Schweiz eingesetzt und sich von Deutschland über den Tisch ziehen lassen. Besonders häufig finden sich diese Anschuldigungen im Kontext des Luftverkehrsabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz. So forderte die SVP etwa in ihrem per Newsletter versandten SVP Pressecommuniqué vom 17. April 2003 <em>&#8222;Maßnahmen gegen Deutschland&#8220;</em>. Demzufolge habe Deutschland internationales Recht gebrochen. Typisch für die SVP ist auch die daraus abgeleitete in auktorialem Stil und als Ultimatum an die Regierung in Bern formulierte Forderung. Anstatt Nachverhandlungen oder den Gang vor ein internationales Gericht zu fordern wird zur Landesverteidigung aufgerufen: </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11520" start="111"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Diese arrogante, diskriminierende Verletzung von internationalen Richtlinien darf sich unser Land nicht bieten lassen! Der Bundesrat hat daher seinerseits unverzüglich Massnahmen im Verkehr mit Deutschland zu beschliessen.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="388">
                           <p> SVP-Pressecommuniqué vom 17.4.03.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Im Folgenden wird eine territoriale Abgrenzung der Schweiz durch die graduelle Schließung der Grenzen für den Schwerlasttransit und gegen die Deutschen gefordert. Zudem sollen <em>&#8222;deutsche Grenzgänger&#8220;</em> verstärkten Grenzkontrollen unterworfen werden und es sind <em>&#8222;im Falle eines weiteren Stellenabbaus vorerst Kündi</em>
                  <em>gungen primär gegenüber deutschen Grenzgängern auszusprechen&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="389">
                     <p> SVP-Pressecommuniqué vom 17.4.03.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11548" start="112"/>Das Bild Deutschlands und der Deutschen schwankt bei NTEU und AUNS/SVP zwischen einem wirtschaftlichen Koloss und der Vorstellung vom preußisch-wilhelminischen Deutschland mit seinem Untertanengeist und seinem strengen Militarismus. Der gravierende Unterschied in der Darstellung der Deutschen findet sich im wirtschaftlichen Bereich. Bei NTEU erscheinen die Deutschen als Großkapitalisten, die das kleine, arme, gerechte Norwegen wirtschaftlich mit den vier Marktfreiheiten, den vier <em>&#8222;F&#8220;</em>, überrollen: <em>&#8222;Freie Fahrt für Volk, Währung, Fahrer und Volkswagen&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="390">
                     <p> &#8222;Fri flyt av Folk Faluta Farer og Folkswagen&#8220; (AstEUrix 1994: 8). Auf dieser Karikatur fordert Helmut Kohl die damalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland auf, den Vertrag von Maastricht zu unterschreiben Das Wort &#8222;Farer&#8220; ist eine Anspielung auf die &#8218;deutschen Fahrer&#8217; und zugleich meint NTEU die &#8218;Gefahren&#8217; des Binnenmarktes. Diese sind nach NTEU die Gefährdung der guten norwegischen Lebensmittelsicherheit durch verunreinigte EU-Produkte. </p>
                  </footnote>Aus Perspektive der AUNS/SVP sind die Deutschen eher die arme Verwandtschaft. So stellt eine Karikatur mit der Überschrift <em>&#8222;Deutsche machen unsere Löhne kaputt&#8220;</em> die als Heinzelmännchen dargestellten Deutschen als billige Arbeitskräfte dar. Während die mit einer schweizerischen Fahne auf dem Oberkörper gekennzeichneten schweizerischen Arbeiter untätig zusehen müssen, preist der im Nadelstreifen abgebildete Arbeitgeber die Deutschen als <em>&#8222;fleißig, zuverlässig und fast gratis!&#8220;,</em> also mit den schweizerischen Nationaltugenden ausgestattet, an.<footnote numbering="arabic" start="391">
                     <p> Die AUNS gibt an dieser Stelle die im Sonntags-Blick vom 25. Oktober 1998 abgebildete Karikatur von Ernst Feurer-Mettler wieder, in: AUNS-Informations- und Pressedienst Nr. 63, 1998: 20. </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Wie üblich sind Anschuldigungen gegenüber anderen Völkern bei NTEU seltener und im Regelfall wesentlich dezenter formuliert als bei AUNS/SVP. Sie erscheinen eher im Bildmaterial als im Text und vor allem im Umfeld von NTEU. Oft handelt es sich um humoristische Beigaben oder Anspielungen. So wird etwa über den erfolglosen Boykott des Reiselandes Norwegen durch <em>&#8222;einfühlsame deutsche Walfreunde&#8220; </em>gespottet. Im Gegenteil würden die Ströme von deutschen Touristen ständig ansteigen und dieser Touristenstrom wird, wie häufig, mit der deutschen Okkupation von 1940 gleichgesetzt: <em>&#8222;Ja, einige können sich seit dem Rekordsommer von 1940 nicht an einen größeren Zustrom deutscher Reisender erinnern.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="392">
                     <p> Andrésen 1994: 16. Angemerkt sei, dass diese Witzkonstruktion auch in Deutschland immer wieder auftaucht, wenn etwa von &#8222;billigen Pauschalreisen in das verschneite Russland am Anfang der 40er Jahre&#8220; die Rede ist. Und dieser Vergleich ist auch nicht gänzlich falsch, da der Aufbruch in die Fremde und Eroberung Motive sind, die Tourismus und Kriegszügen gemein sind. Insofern gibt es touristische Elemente in Kriegszügen sowie kriegerische Elemente im Tourismus.</p>
                  </footnote>Auf einer anderen Karikatur sieht man den in Norwegen wohl bekanntesten Deutschen &#8211; den Fernsehkommissar Derrick. Dieser sitzt auf einem Planwagen und fordert auf deutsch: <em>&#8222;Wir müssen Campingraum haben, nicht war?&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="393">
                     <p> Rechtschreibfehler entsprechend dem Original: AstEUrix 1994: 8. </p>
                  </footnote> Solche pointierten Beispiele sind zwar sehr selten. Deshalb dürften sie in den meisten Arbeiten über den norwegischen Euroskeptizismus auftauchen. Sie zeigen aber, wie in Norwegen politisch unkorrekte Anspielungen auf den Zweiten Weltkrieg als Witz und Karikatur kaschiert werden. Während antideutsche Rhetorik zum Beginn des EU-Widerstandes noch offen und verstärkt geäußert wurde, ist diese heute in den Hintergrund getreten. Dies spiegelt nur den größeren zeitlichen Abstand zur deutschen Okkupation wider, denn der nationale Mythos eines Volkes im Widerstand ist in Norwegen nach wie vor weitgehend ungebrochener gesellschaftlicher Konsens<footnote numbering="arabic" start="394">
                     <p> Dies wird klar, wenn man etwa das Heimatfrontmuseum in Oslo besucht.</p>
                  </footnote> und NTEU beruft sich auf diese Rahmengeschichte. Diese bildet den Hintergrund für die rationalisierte demokratiebezogene Argumentation.</p>
               <p>Demgegenüber hat die Nähe der Schweiz zu Deutschland eine größere Bedeutung Deutschlands zur Folge. Die Deutschschweizer müssen sich mittels scharfer, aggressiver Rhetorik von den großen Brüdern abgrenzen. Nur durch die Betonung dieser Differenz können sie die eigene Gemeinschaft herstellen. Wie später ausgeführt wird, benutzten sie hierfür vor allem den nationalen Verteidigungsmythos gegen Hitler-Deutschland. Die Bergfestung, das nationale Reduit, dient als zentraler rhetorischer Ort des nationalen Widerstandes.<footnote numbering="arabic" start="395">
                     <p> Siehe Kapitel: Friedlicher Kleinstaat oder Europa?</p>
                  </footnote> Auch wenn Stereotypen über die Deutschen in Norwegen dezenter benutzt werden und weniger bedeutend sind, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weitgehende Parallelen in der Konstruktion der Deutschen zwischen NTEU und AUNS/SVP gibt. Vor allem die Größe und das Dominanzstreben Deutschlands werden bei der AUNS/SVP unmittelbar und bei NTEU unterschwellig mit der Europäischen Integration gleichgesetzt.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N11598" label="5.2.5">
               <head>Die Südländer</head>
               <p>
                  <citenumber id="N1159F" start="113"/>Neben den Stereotypen über die Deutschen und die Franzosen werden bekannte Stereotypen über den Süden Europas verwandt. Insgesamt wird nur wenig zwischen Spanien, Portugal, Italien und Griechenland differenziert. Vielmehr werden bekannte Bilder des Südens als katholisch, rückständig, kriminell, schmutzig, chaotisch, ungebildet, undemokratisch, korrupt und unzuverlässig reproduziert. Bisweilen weist NTEU gönnerhaft darauf hin, dass Integration für die südlichen Länder eventuell richtig sei. Demgegenüber seien Norwegen und der Norden der EU weit voraus. Folglich dürfe der Norden seine Vorreiterrolle nicht aufgeben. Auch erscheinen &#8216;südliche Politiker&#8217; eher als korrupte Interessenvertreter ihrer jeweiligen Lobby. Demgegenüber werden dänische oder österreichische Politiker tendenziell als Vertreter des Volkswillens gewertet.</p>
               <p>Die Verwendung des südlichen Stereotyp bei AUNS/SVP und NTEU gleicht sich weitgehend. Lediglich die antikatholische Dimension fehlt bei der AUNS/SVP. Dafür fehlt die bei der AUNS/SVP ausgeprägte rassistische Dimension bei NTEU. In der Wahl der Länderbeispiele variieren NTEU und AUNS/SVP etwas. So spielt Italien für die AUNS eine besonders große Rolle. Die AUNS/SVP wendet sich explizit gegen das Nachbarland Italien und die Italiener, womit sie wohl vor allem Ressentiments gegenüber den zahlreichen italienischen Gastarbeitern bedient. Für NTEU spielt am ehesten Spanien eine Rolle. Dies ist aber nicht primär auf die südliche Lage Spaniens zurückzuführen. Spanien ist neben Norwegen und Island der große Fischhersteller innerhalb des EWR. Dies führt zu Interessenkonflikten. Die Fischer sind nicht nur eine wichtige sozioökonomische Trägergruppe der norwegischen Nein-Bewegung, sondern auch mit einem hohen symbolischen Wert ausgestattet. Die Beschreibung der südlichen Länder führt zu der These, dass es für Norweger und Schweizer nicht gut sei mit diesen geldgierigen, chaotischen, in ihrer mediteranen Lebensart anderen Menschen zusammen zu leben &#8211; wie dem auf einer Karikatur von NTEU dargestellten <em>&#8222;Gebrauchtwagenhändler Berle&#8220;</em> (Berlusconi), der zwar weder Umtauschrecht noch Garantie für seine Autos (EU) bietet und trotzdem mit dem Spruch wirbt: <em>&#8222;Vertrau mir&#8220;.</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="396">
                     <p> Siehe Bildnachweis: NTEU-Plakate (K.A.) Foto der bunten Pinnwand von NTEU.</p>
                  </footnote> Die Botschaft ist klar: Einem neoliberalen Südländer kann man ebenso wenig trauen wie einem Gebrauchtwagenhändler, der weder Umtauschrecht noch Garantie einräumt. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N115B5" label="5.2.6">
               <head>Die kleinen, nördlichen EU-Staaten als Opfer der EU und der Großmächte</head>
               <p>Für die Euroskeptiker wird der idealisierte Kleinstaat von der EU und ihren großen Mitgliedsstaaten bedroht. Folglich sind kleine Staaten Opfer der Integration. Sie werden in der EU bevormundet und gegängelt. Für diese Sichtweise suchen und finden die Euroskeptiker Beispiele, an denen die Wähler &#8218;sehen&#8217; können, wie fürchterlich es Norwegen und der Schweiz als EU-Mitglied erginge. In diesem Zusammenhang und in Hinblick auf die erfolgreiche Wirtschaft der Schweiz, Liechtensteins, Norwegens und Islands finden sich auch die seltenen gegenseitigen Beobachtungen beider Länder. Das andere Land wird als Kronzeuge für eine erfolgreiche Nicht-Integration verwandt. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N115BF" start="114"/>Den Euroskeptikern bei der Wahl dieser Beispiele von &#8218;gegängelten Kleinstaaten&#8217; eine durchgängige Systematik zu unterstellen, ist überzogen. Häufig geht es darum, aktuelle politische Entwicklungen mit der Benachteiligung der Kleinen zu verbinden. Zudem verlaufen Bewertungen und Sterotypen nicht nur entlang der Unterscheidung von Groß und Klein. Vielmehr vermischen sich unterschiedliche Vorannahmen. So ist etwa Belgien den Euroskeptikern als kleines Land sympathisch, während Brüssel als &#8218;EU-Hauptstadt&#8217; der Inbegriff von Bevormundung und Eurokratie ist. Hinzu kommen eher zufällige Ereignisse, die ein schlechtes Licht auf die EU werfen. So wird der Diskurs über die Kinderpornographie und Sexskandale in Belgien von NTEU benutzt, um die moralische Verwerflichkeit der EU und ihrer großen Städte zu unterstreichen. Wir dürfen in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass es für euroskeptische Bewegungen darum geht aus unverbundenen Fragmenten ein negatives Bild der Integration zusammenzukleben.</p>
               <p>Die Nennung kleiner EU-Länder nimmt aber mit der geographischen und kulturellen Nähe zu und wird positiver. Während kleinen südlichen Ländern wie Griechenland oder Portugal im Konfliktfall mit der EU eher Eigennutz vorgeworfen wird, erscheinen Iren, Dänen, Österreicher etc. eher als Opfer. So wird von der AUNS/SVP besonders häufig die &#8218;Gängelung Österreichs&#8217; in Bezug auf die Proteste der EU gegenüber Haider genannt. Auch im Kontext von Bankgeheimnis und Zinsabschlagssteuern wird häufig auf Österreich und Luxemburg verwiesen. Demgegenüber wählt NTEU sehr gerne skandinavische Beispiele für die Gängelung der Kleinen aus. So spricht NTEU etwa unter der Überschrift &#8222;Erfahrungen aus anderen Ländern&#8220; von dem &#8222;dänischen Sisyphos-Kampf&#8220; gegen die aus den anderen EU-Staaten eingeführten Salmonellen.<footnote numbering="arabic" start="397">
                     <p> Vgl. Nei til EUs Skriftserie 1998: 25.</p>
                  </footnote> Unter dem Deckmantel einer auf Hygienestandards basierenden Argumentation wird vorgeführt, wie das kleine, reinliche nordische Dänemark der willkürlichen Gewalt der EU unterworfen wird. </p>
               <p>Neben der hohen Identifikation mit den &#8216;skandinavischen Brüdern&#8217; dürfte auch der gegenseitige Informationsaustausch und die Beobachtung der skandinavischen Nein-Bewegungen eine Rolle spielen. Auch die Bewertung von Handlungsweisen folgt einem Nord-Süd-Gefälle und der ideologischen sowie geographischen Nähe. Wenn ein kleiner Staat in einem Konflikt mit den großen EU-Staaten oder der EU steht, so wird dies im Falle von Österreich (AUNS/SVP) oder Dänemark (NTEU) als legitime Verteidigung nationaler Interessen gewertet. Dagegen wird dies bei den Südländern eher mit egoistischer Politik begründet.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N115D3" start="115"/>Insbesondere bei der AUNS/SVP finden sich auch häufig Personalisierungen. So wird betont, dass der Kanzler, Präsident, Außenminister von Frankreich oder Deutschland sich &#8216;arrogant&#8217; verhalten habe. Die Eigenschaft, welche dem großen Land zugeschrieben wird, erscheint so als Charaktereigenschaft einer Person. Bei NTEU finden sich diese Zuschreibungen eher im Bildmaterial als in den Texten. So werden europäische Politiker in der Regel von unten fotografiert abgebildet, um den Eindruck der Hochnäsigkeit zu vermitteln. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N115D8" label="5.2.7">
               <head>Die restliche Welt als Feinde, Verbündete und Hilfsanbefohlene</head>
               <block id="N115DD" label="5.2.7.1">
                  <head>Osteuropa und andere Teile der Dritten Welt</head>
                  <p>Der grundliegende Unterschied zwischen AUNS/SVP und NTEU besteht in der Wahrnehmung und Charakterisierung der restlichen Welt. Während NTEU sich und Norwegen als Avantgarde in einem weitgefächerten Netz von Freunden, Verbündeten, Hilfsbedürftigen in der ganzen Welt begreift, kennt die AUNS/SVP nur Feinde und wenige Waffenbrüder. </p>
                  <p>Die EU-Osterweiterung wird von AUNS/SVP und NTEU in grundlegend unterschiedlicher Weise interpretiert. NTEU stellt die rhetorische Frage, ob die Osterweiterung ein Solidaritätsprojekt mit den armen Staaten Osteuropas sei.<footnote numbering="arabic" start="398">
                        <p> Etwa die Informationsveranstaltung der Unterorganisation von NTEU &#8218;Studenten gegen die EU in Oslo&#8217; (Studentar mot EU i Oslo) zur Osterweiterung mit der Politikwissenschaftlerin und Nein-Aktivistin Elisabeth Bakke am 7.10.02, 18 Uhr in der Universität von Oslo, die mit der rhetorischen Frage angekündigt wurde: &#8222;Die Osterweiterung der EU &#8211; ein Solidaritätsprojekt?&#8220; (neunorwegisch: &#8222;Austutvidinga av EU &#8211; eit solidaritetsprosjekts?&#8220;).</p>
                     </footnote> Dies wird verneint. NTEU beschreibt die Osterweiterung als Kolonialisierungsprozess zur wirtschaftlichen und politischen Beherrschung Osteuropas, das als verlängerte Werkbank Westeuropas missbraucht wird. So müssen um ein kleines Feuer versammelte, frierende osteuropäische Kinder, die auf einem Foto von NTEU mit entsprechendem Begleittext abgebildet sind, noch lange auf die versprochene Hilfe aus Westeuropa warten.<footnote numbering="arabic" start="399">
                        <p> Vgl. Nei til EUs skriftserie Nr. 3 2000 Ja til folkestyre: 25.</p>
                     </footnote> Osteuropa wird damit aus derselben dependenztheoretischen Sichtweise heraus begriffen wie die Dritte Welt &#8211; Weltregionen, die von der kalten, kapitalistischen EU ausgebeutet werden. Beide werden deshalb als Hilfsanbefohlene Norwegens charakterisiert. Dies fällt unter den zentralen Slogans von NTEU: <em>&#8222;Solidarität oder EU&#8220;</em> und basiert auf der traditionellen norwegischen Selbstbeschreibung, eine besonders gute Rolle für die Armen in der Welt zu spielen. Entsprechend finden sich häufig Bilder von Drittweltländern, von ausgebeuteten Kindern, armen Bauern etc., für welche die EU aufgrund ihrer kapitalistischen Wirtschaftsweise, protektionistischen Auswüchse und rigorosen Flüchtlingspolitik (&#8218;Festung Europa&#8217;) verantwortlich gemacht wird. NTEU beschreibt sich damit als Teil der Anti-Globalisierungsbewegung.<footnote numbering="arabic" start="400">
                        <p> Etwa wenn NTEU gegen die Weltbank agitiert (siehe Bildnachweis: Ungdom mot EU avisa Nr. 3 2002: Cover; Rückseite). </p>
                     </footnote> Solche Vorwürfe und positiven Selbstbeschreibungen von NTEU sind unglaubwürdig. Schließlich ist Norwegen ein reiches, kapitalistisches Land mit einem hochsubventionierten Landwirtschaftssektor und geringem Ausländeranteil. Konsequent wäre es, Norwegen als Teil eines ausbeuterischen kapitalistischen Systems zu beschreiben und hieraus zu schließen, dass es gleichgültig ist, ob Norwegen EU-Mitglied ist oder nicht. Auch die Europabewegung bricht nur selten aus diesem positiven Konsens über Norwegen aus. Vielmehr konkurriert sie mit ähnlichen Bildern der Dritten Welt. Die Unterschiede zu NTEU sind das teure Hochglanzpapier und die Ansicht, dass Norwegens Hilfe für die Dritte Welt als EU-Mitglied effizienter gestaltet werden kann.</p>
                  <p>
                     <citenumber id="N11605" start="116"/>Derartige Ansichten und Ziele würde AUNS/SVP wohl für Schnickschnack von &#8218;Gutmenschen&#8217;<footnote numbering="arabic" start="401">
                        <p> Gängiger Begriff der AUNS/SVP für Idealisten und Linke.</p>
                     </footnote> halten. Für sie ist Osteuropa Verursacher von Wirtschaftskrisen und ein Pool für Wirtschaftsflüchtlinge: </p>
                  <p>
                     <blockquote>
                        <p>&#8222;Die SVP lehnt die Verhandlungen mit der EU zur Ausweitung der Personenfreizügigkeit bis an die russische Grenze und bis in die Vorhöfe des Nahen Ostens und Nordafrikas ab. Es liegt nicht im Interesse unseres Landes, die Schleusen für die Einwanderung ohne Kontrollmöglichkeit zu öffnen. Die Erweiterung ist nicht vergleichbar mit der heute geltenden Personenfreizügigkeit, da aufgrund grosser Unterschiede im Lebensstandard der Einwanderungsdruck aus Ländern wie Estland oder Zypern weit grösser ist als der Einwanderungsdruck etwa aus Frankreich oder Dänemark.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="402">
                              <p> SVP Pressecommuniqué vom 14.5.03.</p>
                           </footnote>
                        </p>
                     </blockquote>
                  </p>
                  <p>
                     <citenumber id="N11624" start="117"/>Von den starken antikommunistischen Tönen<footnote numbering="arabic" start="403">
                        <p> Siehe die Blocher-Broschüre: Blocher, k.A., Freiheit statt Sozialismus.</p>
                     </footnote> abgesehen wird Osteuropa damit, ähnlich wie bei NTEU, als Teil der Dritten Welt dargestellt. Der grundlegende Unterschied zwischen NTEU und AUNS/SVP ist aber die Wahrnehmung und Interpretation dieser Länder. Die Forderung nach einer gerechteren Weltordnung und einem Dialog mit dem Süden wird man bei der AUNS/SVP vergeblich suchen. Allenfalls den Vorwurf einer protektionistischen EU und damit der &#8218;Festung Europa&#8217; findet man auch bei der AUNS/SVP. Dies drückt aber nur die freihändlerische Forderung nach freiem Marktzugang aus. </p>
               </block>
               <block id="N11631" label="5.2.7.2">
                  <head>Der Westen: Die USA und Großbritannien</head>
                  <p>In der Charakterisierung Großbritanniens und der USA stehen die norwegischen und schweizerischen Euroskeptiker in einem permanenten Spannungsfeld. Die norwegische Außenpolitik hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg stark an die britische und amerikanische Außenpolitik angelehnt und bisweilen wird behauptet, dass kein anderes westeuropäisches Land derartig stark vom &#8216;american way of life&#8217; beeinflusst sei wie Norwegen. So wird von NTEU auch gerne die Offenheit und Zugehörigkeit zum angloamerikanischen Raum betont, um zu belegen, dass die Anti-EU-Bewegung nicht isolationistisch sei. Dabei beruft NTEU sich auf die &#8218;traditionelle&#8217;<footnote numbering="arabic" start="404">
                        <p> Historisch angemessen ist, dass diese transatlantische Orientierung Norwegens im Wesentlichen erst durch den Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Zuvor orientierte Norwegen sich insbesondere an Deutschland.</p>
                     </footnote> transatlantische Orientierung Norwegens. Andererseits ist die Kritik an der neoliberalen Supermacht USA und dem britischen Imperialismus fester Bestandteil der Rhetorik von NTEU. In diesem Kontext wird die EU auch entsprechend als <em>&#8222;Superpower in the making&#8220;</em>
                     <footnote numbering="arabic" start="405">
                        <p> Galtung 1973.</p>
                     </footnote> beschrieben, die nach US-amerikanischem Vorbild oder entsprechend einer Kolonialmacht des 19. Jahrhunderts agiere. Folglich sei es die Aufgabe Norwegens, sich gegen diesen Imperialismus zu stellen. Großbritannien, als einziges großes euroskeptisches Land<footnote numbering="arabic" start="406">
                        <p> Siehe zur britischen EU-Debatte: Diez 1999.</p>
                     </footnote> in Europa, ist für die Euroskeptiker in Norwegen wichtig, bleibt aber hinter der Bedeutung Schwedens zurück. Für die AUNS/SVP spielt Großbritannien kaum eine Rolle, obwohl deutliche Sympathien für die euroskeptischen Haltungen bei den Tories und generell für Thatcher-Positionen bestehen. Unabhängig von diesen ideologischen Neigungen benutzen NTEU und AUNS/SVP das Vereinigte Königreich gleichermaßen als Beispiel dafür, dass der Euro nicht erfolgreich sei.</p>
                  <p>Von der AUNS/SVP werden die USA in Hinblick auf den Neoliberalismus positiv gewertet. Hieraus leitet die AUNS/SVP ab, dass die unabhängige Schweiz als Ziel von Direktinvestitionen aus den USA und Japan profitieren könne. Demgegenüber ist jedoch das grundlegende Verhältnis zu den USA durch Abgrenzung und Anfeindung gekennzeichnet. Dies hängt mit der Forderung der USA während des Kalten Krieges zusammen, die eine Einreihung der Schweiz in das westliche Bündnis erreichen wollte und dem Vorwurf der Kriegsverlängerung durch die Neutralität im Zweiten Weltkrieg. Da die AUNS/SVP die Verteidigung eines positiven Schweizbildes gegen die Dekonstruktion auf ihre Fahnen geschrieben hat, stehen die USA in diesem Kontext als Hauptgegner dar.<footnote numbering="arabic" start="407">
                        <p> Siehe Blocher 1999.</p>
                     </footnote> Häufig mischt sich diese Verteidigung eines positiven Schweizbildes mit antisemitischen Äußerungen. So findet sich bei Blocher der typisch antisemitische Topos von &#8218;geldgierigen ausländischen jüdischen Organisationen&#8217;. So habe sich der Bundesrat der Schweiz <em>&#8222;... auf den Druck von ausländischen jüdischen Organisationen zu Zahlungen aus dem Volksvermögen erpressen lassen!&#8220;</em>
                     <footnote numbering="arabic" start="408">
                        <p> Blocher 1999: 28. Siehe das Kapitel &#8222;Die jüdischen Organisationen und ihre Vertreter&#8220;, in denen Blocher seinen offenkundigen Antisemitismus zwar bestreitet, aber gleichzeitig die Schweiz als Opfer der geldgierigen, erpresserischen, in den USA sitzenden, jüdischen Organisationen darstellt (Blocher 1999: 23 ff).</p>
                     </footnote> Die jüdisch beeinflussten USA werden damit als Hauptangreifer auf die positive Identität der Schweiz gesehen. So waren es <em>&#8222;... ein amerikanischer Senator und die Spitze des Jüdischen Weltkongresses -, welche unser Land verunglimpften, beschimpften, erniedrigten, bedrohten und Geld forderten.&#8220;</em>
                     <footnote numbering="arabic" start="409">
                        <p> Blocher 1999: 4. Im &#8218;Eisenstat-Bericht&#8217; geht es um die Schuld der Schweiz im Zweiten Weltkrieg bezüglich des Nazigoldes.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </block>
            </subsection>
            <subsection id="N11677" label="5.2.8">
               <head>Schlussfolgerungen</head>
               <p>
                  <citenumber id="N1167E" start="118"/>NTEU und AUNS/SVP begreifen die EU als Nicht-Gemeinschaft. Hierdurch erhält sie den Charakter eines kalten Systems, das entweder die Marionette der europäischen Großmächte (vor allem bei AUNS/SVP) oder des Kapitals (bei NTEU) ist. Diesem künstlichen Gebilde EU wird die menschliche Wärme einer Gemeinschaft abgesprochen und folglich erscheint die EU als undurchsichtige, zentralisierende Maschine. Komplementär zum Bild der kalten, unnatürlichen Zentralisierungsmaschine EU werden gängige Stereotypen über die Nationalitäten innerhalb der EU hinzugefügt. Dem kalten, abstrakten Gegner EU wird damit die mit nationalen Stereotypen angefüllte Vorstellung von hochnäsigen, machtlüsternen Franzosen, im Gleichschritt marschierenden, ordentlichen Deutschen und chaotischen, egoistischen, schmutzigen, korrupten, katholischen Südländern zur Seite gestellt. Zwar ist die AUNS/SVP wesentlich deutlicher in der Verwendung nationaler Stereotypen, inhaltlich unterscheiden sich diese aber kaum von denen bei NTEU: Frankreich wird als zentralistisch, elitär und dekadent abgelehnt, Deutschland aufgrund seiner Macht und Plumpheit und die Südländer als chaotische, egoistische Schmarotzer. Diese Beschreibungen variieren nur in Nuancen zwischen NTEU und AUNS/SVP. So ist die Abgrenzung gegenüber Deutschland in der Schweiz wichtiger, während antikatholische Haltungen in Norwegen einfließen.</p>
               <p>Damit sind die Hauptrollen der Gegner in dem hier rezensierten Theaterstück &#8218;Warum ist die Nation besser als die EU&#8217; bei AUNS/SVP und NTEU fast gleich besetzt. Jedoch unterscheiden sich die Nebenrollen erheblich voneinander. Osteuropa und die Dritte Welt erscheinen bei NTEU als Schutzanbefohlene Norwegens. Demgegenüber interessiert sich AUNS/SVP kaum für die Dritte Welt. Diese wird allenfalls, ebenso wie Osteuropa, als Bedrohung durch Instabilität, Emigration, Korruption und Kriminalität aufgefasst. Großbritannien und die USA werden bei NTEU und AUNS/SVP als imperiale Supermächte kritisiert, zugleich aber als atlantische Alternative zur EU-Integration dargestellt. Die AUNS/SVP favorisiert dabei den Freihandel, während NTEU eine kulturelle Nähe zu Großbritannien und den USA beschreibt.</p>
               <p>Für sich sind diese einzelnen Feindbilder relativ fest. Ihre Kombination sowie die starke bzw. schwache kontextabhängige Benutzung bietet den Euroskeptikern einen unerschöpflichen Schatz an Möglichkeiten quasi jedes Ereignis und jeden Kontext zu Ungunsten der EU auszulegen und auf eines oder mehrere dieser Bilder zurückzugreifen. Integrationsbefürworter sind dagegen ungleich stärker auf ein festes Bild der rückständigen, verschrobenen, nationalistischen Euroskeptiker und auf die komplementäre Selbstbeschreibung als Vertreter der Zukunft festgelegt. Demgegenüber können die Euroskeptiker auf ein großes Spektrum von fest verankerten Bildern und Stereotypen rekurrieren. Dies versetzt sie in die Lage jedes politische Ereignis flexibel durch jeweils opportune Kombination der Feindbilder in ihrem Sinne zu interpretieren. Insofern gleicht der Versuch der Integrationsbefürworter, ihre Sicht argumentativ zu untermauern, dem Rennen zischen Hasen und Igel. Wie auch der Igel sind die Euroskeptiker aufgrund ihrer schwächeren ökonomischen und publizistischen Ressourcen und ihres geringeren Elitenrückhalts für ein Wettrennen deutlich im Nachteil. Indem sie aber mächtige nationale Selbst- und Fremdbilder aktivieren und die Ebene der Kritik von der EU zu den einzelnen Nationen beliebig kombinieren und wechseln, sind sie immer näher am Ziel, die Wähler zu überzeugen, als ihre Kontrahenten.</p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N1168A" label="5.3">
            <head>Wo in Europa liegen die Schweiz und Norwegen?</head>
            <p>
               <citenumber id="N11691" start="119"/>Räumliche Zuordnungen sind grundlegend für politische Diskurse. Nahezu alle Kategorien zur Beschreibung politischer Standpunkte und Gemeinschaften beruhen auf Begriffen wie vorwärts/rückwärts, Mitte, Zentrum/Peripherie, oben/unten, links/rechts, die Räume oder Bewegung im Raum bezeichnen. Integrationsdiskurse befassen sich mit der Frage, ob ein Stück Land &#8211; wie Norwegen oder die Schweiz &#8211; sich mit anderen Landstücken zu einem Europa zusammenfügen soll. Integrationsbefürworter müssen ein Bild entwerfen, bei dem dies als gut und notwendig erscheint und Euroskeptiker müssen dies kontern. Innerhalb der Integrationsdiskurse müssen Integrationsbefürworter und -gegner sich positionieren und ein räumliches Bild von &#8218;Europa&#8217; und &#8218;ihrem Land&#8217; erzeugen. </p>
            <p>Auch als Ziel nationaler Bewegungen ist die Beherrschung und Abgrenzung von Territorium von großer Bedeutung. Das Territorium - &#8218;unser Land&#8217; - wird als der Ort der Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung eines Volkes angesehen. Dem Boden kommt dabei eine mystisch verklärte Bedeutung zu - dies erklärt, warum der Kauf von Grund und Boden durch reiche Ausländer<footnote numbering="arabic" start="410">
                  <p> Man denke an die Debatten in Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland über die Deutschen, die auf den Kauf von Ferienhäusern versessen sein sollen.</p>
               </footnote> ein euroskeptisches Lieblingsthema ist. Zudem dienen geopolitische Vorstellungen zur Konstruktion von natürlichen Interessen einer Nation und/oder eines Staates. Umgekehrt wird das Fehlen oder der Verlust von Territorien mit Leid, Unterdrückung, Heimatlosigkeit, Orientierungslosigkeit und Trauer der politischen Gemeinschaft assoziiert. Dabei gibt es eine weite Spanne zwischen relativ neutralen Beschreibungen eines (National-)Staates, der Volk, Herrschaft und Territorium umfasst, bis hin zur Anrufung heiliger nationaler Orte und Gebiete wie Schlachtfelder, Berge oder Flüsse. Nationale Selbstbeschreibungen legen dar, wo das Volk herkommt, wo es jetzt hingehört und wo es hingehen soll bzw. welchen Auftrag es zu erfüllen hat?<footnote numbering="arabic" start="411">
                  <p> Nationalismus hat als Ersatzreligion die Funktion, einfache Antworten auf solche grundlegenden Sinnfragen zu geben (siehe Anderson 1988). </p>
               </footnote> Die aus diesen Fragen abgeleiteten Gebietsansprüche und Aufträge bilden einen wesentlichen Grund für aggressive nationale Ideologien &#8211; man denke an den nationalsozialistischen &#8218;Lebensraum im Osten&#8217; oder raumgreifende imperialistische Ideologien.<footnote numbering="arabic" start="412">
                  <p> Siehe zu nationaler Identität und der Konstruktion von geographischen Räumen und daraus abgeleiteten Missionen: Dijking 1996, auch Agnew 1998.</p>
               </footnote> Dies hat erheblich zur Diskreditierung des Nationalismus und zur Begründung der Europäischen Integration als Friedensprojekt beigetragen. Ziel der Europäischen Integration ist es, solche aggressiven nationalen Ideologien zu zähmen. Weder in der Schweiz noch in Norwegen ist diese Argumentation jedoch glaubwürdig.<footnote numbering="arabic" start="413">
                  <p> Allerdings ist dies eine Frage der in dem spezifisch nationalen Diskurs durchsetzungsfähigen Lesart. So gelang es etwa in Belgien, den Opfer-Status des Landes im Zweiten Weltkrieg als Grund für die friedensschaffende Wirkung der Integration durchzusetzen.</p>
               </footnote> Nach dem nationalen Selbstverständnis sind Schweizer und Norweger schon immer am richtigen Platz gewesen und stellen keine aggressiven Gebietsansprüche.<footnote numbering="arabic" start="414">
                  <p> In Anbetracht begrenzter Ressourcen und größerer Nachbarn wären Gebietsansprüche ohnehin nicht realisierbar.</p>
               </footnote> AUNS/SVP und NTEU sehen - in Übereinstimmung mit diesem nationalen Selbstverständnis - ihre Heimatländer am Zielort angekommen. Folglich halten sie es für unsinnig oder gefährlich sich &#8218;auf den Weg nach Europa&#8217;<footnote numbering="arabic" start="415">
                  <p> Dies ist eine in beiden Ländern gleichermaßen beliebte Wegmetapher der Integrationsbefürworter, die dabei gerne auf die besondere Länge und Beschwerlichkeit dieses Marsches hinweisen. </p>
               </footnote> zu machen. Integrationsdiskurse drehen sich damit um die Frage, ob die kleinen Länder gegen die &#8218;Sogwirkung Europa&#8217; standhalten können.</p>
            <subsection id="N116C8" label="5.3.1">
               <head>Integration als Gravitation</head>
               <p>Gemeinschaften basieren auf Selbstbeschreibung und Abgrenzung. Die Metaebene der Selbstbeschreibung der Europäer ist geographisch - &#8218;Europäer&#8217; sind diejenigen, die in Europa leben. Die EU hat sich den Auftrag gegeben eine wachsende Gemeinschaft mit vertiefter innerer Bindung zu sein (&#8218;wider and deeper&#8217;). Dies läuft in der Essenz auf eine mehr oder minder deutlich ausformulierte Vorstellung von Gravitation hinaus. Die zentrale Metapher des Integrationsvorganges ist ein Gravitationsmodell. Sehr deutlich ist dies im Konzept von Kerneuropa, bei dem der &#8218;schwere Kern&#8217; besonders integrationsbereiter Staaten die anderen hinter &#8218;sich her zieht&#8217;.<footnote numbering="arabic" start="416">
                     <p> Vgl. die Rede des deutschen Außenministers Fischer (2001) in der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Begriff &#8216;Kerneuropa&#8217; basiert ursprünglich auf Überlegungen innerhalb der deutschen Christdemokraten (siehe Lamers/Schäuble 1994).</p>
                  </footnote> Diese in vielen kleinen Ländern als Drohung verstandene Kerneuropa-These wurde inzwischen etwas abgemildert, besteht aber weiter.<footnote numbering="arabic" start="417">
                     <p> Siehe Interview der Berliner Zeitung mit dem deutschen Außenminister Fischer: Fischer antwortet zwar auf die Frage, ob Kerneuropa passé sei mit Ja. Er hält aber die Option offen, dass einzelne EU-Länder schneller vorangehen können (vgl. Fischer 2004: 5). </p>
                  </footnote> Weniger pointiert, dafür aber umso besser als politisch neutral getarnt, enthält auch die neofunktionalistische Integrationstheorie die Vorstellung von Gravitation.<footnote numbering="arabic" start="418">
                     <p> Zur Begründung dieser These siehe Schymik 2004: 41-50.</p>
                  </footnote> Die Suggestivkraft des Gravitationsmodells resultiert daraus, dass der Vergleich mit dem anerkannten Modell der Physik der Metapher Nachdruck verleiht. Folglich erscheint Integration als natürlicher Prozess. Dieses Element der Sachlogik und des in die Zukunft Schreitens enthält auch die Europäische Integration in den Augen ihrer Befürworter.<footnote numbering="arabic" start="419">
                     <p> Vgl. zur Metapher der Gravitation: Hille 2003.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N116F2" start="120"/>Um dieses Bild einer stetig wachsenden Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, stellen Karten üblicherweise das Wachstum der EU bzw. ihrer Vorgängerorganisationen von einer Sechsergemeinschaft zu einer Zehner-, Zwölfer-, Fünfzehner- und Fünfundzwanzigergemeinschaft dar.<footnote numbering="arabic" start="420">
                     <p> Siehe z.B. die Karte über das Wachstum der EU auf der Vorderseite des Heftes zur Osterweiterung: Bundeszentrale für politische Bildung 2002. </p>
                  </footnote> Gerne ausgeblendet wird, dass Integration kein natürlicher Vergrößerungsprozess ist und Austritte möglich sind. So verlor das &#8218;stetig wachsende Europa&#8217; am 1. Januar 1985 - auch wenn dies nur von symbolischer Bedeutung ist - fast zwei Drittel seines damaligen Territoriums.<footnote numbering="arabic" start="421">
                     <p> Genau 58,8 % des Territoriums. Da Grönland nur über 0,0006% des damaligen EG-BIP und über 0,02 % der Bevölkerung verfügte (nach Schymik 2004: 181), ist dieser massive territoriale Verlust zwar ausschließlich von symbolischer Bedeutung. Sicher gibt es für diesen auch in der politischen Bildung üblichen kreativen Umgang mit der Geographie in Form der Ausblendung Grönlands nicht nur ideologische Gründe. Auch die enorme Größe Grönlands und der beträchtliche Abstand zum europäischen Festland würde auf einer Karte nicht nur das Zentrum Europas in den Atlantik verlegen, sondern auch einer adäquaten Darstellung der aufgrund von Wirtschaftsleistung und Bevölkerungszahl bedeutenden Länder zuwiderlaufen. Dennoch bleibt zu kritisieren, dass bei Darstellungen zu Zwecken der politischen Bildung auch die notwendige Fußnote über den Austritt Grönlands i.d.R. fehlt.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Umgekehrt verschaffen sich auch Euroskeptiker Legitimität, indem sie Karten produzieren, auf denen &#8218;ihr ganzes Land&#8217; gegen die Integration steht. Die auf den nationalen Rahmen bezogene euroskeptische Kartendarstellung hing im Sommer 2002 im Büro von NTEU in Oslo. Auf diesem Bild der Abstimmungsergebnisse der Volksabstimmungen wird auf einer Karte von Norwegen dargestellt, dass der überwältigende Teil Norwegens gegen die Integration ist, da es nur in wenigen städtischen Gebieten des Landes im Süden Ja-Mehrheiten gibt.<footnote numbering="arabic" start="422">
                     <p> Zur regionalen Verteilung der Abstimmung siehe etwa Bjørklund 1999.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Insgesamt leitet sich aus der europäischen Selbstbeschreibung der Integration als fortgesetzter Gravitationsprozess die Darstellung der &#8218;Europafeinde&#8217; als peripher ab. Folglich werden Euroskeptiker als in jedweder Weise peripher abgestempelt. Dies gilt sozial, indem sie als Integrationsverlierer gelten, geographisch als ländliche Hinterwäldler, sachlich als Verneiner der Realität (Sachzwang von Integration) und zeitlich, weil sie der Zeit eines vergangenen Nationalismus hinterherhinken. Wie wird dieser Vorwurf räumlich begründet und welche Gegenbeschreibung liefern die Euroskeptiker?</p>
            </subsection>
            <subsection id="N11715" label="5.3.2">
               <head>Die Schweiz &#8211; eine Insel mit befestigten Bergpässen</head>
               <p>
                  <citenumber id="N1171C" start="121"/>Die geographische Lage und Beschaffenheit haben keinen zwingenden Einfluss auf die Beschreibung eines Landes und die benutzten Metaphern innerhalb eines Integrationsdiskurses. So käme ein Leser, der über keinerlei geographische Vorkenntnisse Europas verfügt, anhand der Quellen zu den Integrationsdiskursen zu einem seltsamen Bild: Die Schweiz ist eine Insel in der Mitte Europas, während ihm Norwegens Lage auf der skandinavischen Halbinsel vermutlich verborgen bliebe. </p>
               <p>Bisweilen beeinflussen geographische Gegebenheiten diese Länderbeschreibungen jedoch auch. So spielt Entfernung als Kategorie politischen Denkens in der Schweiz verglichen mit Norwegen eine untergeordnete Rolle. Ein Grund sind die realen Entfernungen. Der für Norwegen verwandte Slogan <em>&#8222;Weit bis Oslo, aber weiter bis Brüssel&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="423">
                     <p> &#8222;Langt til Oslo, lenger til Brussel&#8220;.</p>
                  </footnote> müsste auf die Schweiz gemünzt heißen: &#8218;Nah bis Bern und nicht viel weiter bis Straßburg&#8217; und wäre für Euroskeptiker entsprechend unbrauchbar. Die in Norwegen übliche Verbindung und Gleichsetzung von politischem Einfluss mit räumlicher Entfernung entfällt weitgehend. Entsprechend unterscheidet AUNS/SVP eher zwischen den &#8218;Eliten da oben&#8217; und dem &#8218;kleinen Mann da unten&#8217;. Dagegen spricht NTEU gerne von den &#8218;fernen Eliten in Brüssel&#8217;, dem &#8218;Abstand&#8217; zur Macht und in den <em>Grundpfeilern</em> heißt es: <em>&#8222;Macht soll da sein, wo [das] Volk wohnt.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="424">
                     <p>Grundpfeiler 1992.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Dennoch spielen geographische Lage und topographische Eigenschaften der Schweiz innerhalb des Gedankengebäudes der Euroskeptiker eine Rolle. Das zentrale Thema von AUNS/SVP ist die starke Verhandlungsposition der Schweiz. Diese wird aus der spezifischen Lage des Landes abgeleitet. Kraft und Selbstbewusstsein erwachsen aus der zentralen Lage, aus der Funktionalität als Transitland und durch den Schutz der Berge. So liegt die Schweiz der SVP zufolge <em>&#8222;selbstbewusst und neutral im Herzen Europas&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="425">
                     <p> SVP-Wahlplattform 1999: 13, auch 12.</p>
                  </footnote>Bemerkenswert ist, dass in Norwegen solche Körperbilder, die das Land als Teil Europas beschreiben - selbst bei den Befürwortern - selten sind. Norwegen wird damit nicht als Teil des &#8218;europäischen Körpers&#8217; verstanden. Dies ist ein Indiz für die in Norwegen populäre These, dass Norweger sich nicht zu Europa zugehörig fühlen.<footnote numbering="arabic" start="426">
                     <p> Zur empirischen Untermauerung dieser Thesen durch die Wahlforschung siehe Listhaug/Sciarini 1997, zur These einer gegen die Integration gerichteten norwegischen Identität siehe Neumann 2001.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11754" start="122"/>Um die Behauptung einer starken Verhandlungsposition der Schweiz gegenüber der EU zu untermauern, ruft Blocher den heiligen Berg der Schweiz, den Gotthard, an. Der Gotthard-Mythos steht für die Entstehung der Schweiz und ist Symbol für die Wehrhaftigkeit des Landes - insbesondere im Zweiten Weltkrieg. An folgendem Zitat wird deutlich, wie Blocher phrasenhaft an das kollektive Gedächtnis appelliert: </p>
               <p>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Sie erinnern sich an unsere Entstehungsgeschichte am Gotthard. Über diese auch heute noch wichtigste Nord-Süd-Verbindung würden wir bei Nicht-Beitritt auch in Zukunft weiter verfügen und bestimmen können. Und &#8211; verehrte Leserinnen und Leser &#8211; diese Nord-Süd-Verbindung ist für die EG lebenswichtig! Die Schweiz kann der EG geben, was sie braucht, allerdings nur dann, wenn sie autonom bleibt. Sie kann der EG die schnellste und effizienteste Nord-Süd-Verbindung in Europa, die obendrein dem Umweltschutz Rechnung trägt, sicherstellen. Die Schweiz kann hier also solidarisch sein in einem sehr praktischen Sinne. Sie kann aber auch etwas verlangen für diese Verbindung: ...&#8220;<footnote numbering="arabic" start="427">
                           <p> Blocher (k.A., Der Falsche Weg ...): 28.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N1176B" start="123"/>Das mit der geographischen Lage gekoppelte Argument lautet, dass man die Alpenpässe besetzt hält und daraus ein gutes Geschäft macht. Im Gegensatz zu NTEU, bei denen ökonomische Argumentationen stets aus normativen Forderungen (Solidarität, Umweltschutz) abgeleitet werden, entstehen normative Ziele bei der AUNS/SVP als Nebenprodukt von Nutzenmaximierung. Besonders ins Auge fällt auch der Unterschied in der Stringenz der Argumente. Zwar finden sich, wie bei einer komplexen und auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichteten Argumentation nicht anders zu erwarten, auch Widersprüche bei NTEU. Ein Nebeneinander von einander widersprechenden Argumenten (solidarisch handeln oder etwas verlangen) in einem Satz wird man bei NTEU nur in Ausnahmen finden. Die wesentliche Tugend der Schweiz ist immer ihre Position der Stärke gegenüber den &#8218;fremden Mächten&#8217; <em>(&#8222;... für die EU lebenswichtig!&#8220;)</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="428">
                     <p> Siehe obiges Zitat Blocher (k.A., Der Falsche Weg ...): 28.</p>
                  </footnote>. Hieraus wird die Forderung nach der Nichtpreisgabe der Vorteile der Schweiz abgeleitet. In Übereinstimmung mit der geographischen Lage der Schweiz schildert die AUNS/SVP die Schweiz als Zentrum Europas. Nationalromantische Bilder über Alpenlandschaft, Gotthard und nationalen Freiheitskampf sind zudem wesentlich deutlicher zu erkennen als bei NTEU. Die positive Wertung dieses Raumes wird aus dessen hoher Funktionalität für die Verteidigung und die Wirtschaft abgeleitet. Dabei sind es die militärische Stärke, das starke, bergige Gelände, der Gotthart als heiliger Berg, der Schutz spendet, und die große Verhandlungsmacht, die aus dem Alpentransit gegenüber der EU abgeleitet werden. Auf diese Weise wird das Konzept der für Angreifer attraktiven, jedoch uneinnehmbaren Bergfestung<footnote numbering="arabic" start="429">
                     <p> Gemeint ist das &#8218;Reduit national&#8217;, also die mystisch verklärte Militärdoktrin nach der die Schweizerische Armee dem angreifenden Nazideutschland das Flachland überlassen sollte und sich in die Berge zurückzieht, um die für den Alpentransit notwendigen Bergpässe zu besetzen. Die Frage, ob und wie weit dies tatsächlich der Beweggrund für die Unversehrtheit der Schweiz im Krieg, oder vielmehr ihre Kollaboration mit Nazideutschland, ist, ist zentraler Bestandteil der Debatten über das nationale Selbstverständnis. Dass die Schweiz &#8218;sich nichts vorwerfen lassen muss&#8217;, stellt Blocher (1998a) heraus. </p>
                  </footnote> reproduziert. </p>
               <p>Für die Integrationsbefürworter ist die Abwertung der Euroskeptiker als peripher schwierig. Die Schweiz ist keine Grenzregion Europas. Sie ist seit römischer Zeit Transitland, sie ist Mitteleuropa, europäisches Zentrum, Schnittstelle drei großer europäischer Sprachgruppen und wird deshalb als &#8218;Modell für Europa&#8217; angepriesen. Um die schweizerischen Euroskeptiker als peripher darzustellen, ist die geographische Lage der Schweiz denkbar unbrauchbar. Vielmehr ist die Schweiz als weißer Fleck auf den EU-Karten ein schwer zu erklärender Widerspruch zu der Idee eines Integrationssoges. </p>
               <p>Nun sollte man annehmen, dass die norwegischen EU-Gegner aufgrund der im Verhältnis zum Kontinent peripheren Lage ihres Landes im Nachteil sind, wenn es darum geht sich als zentral und zukunftsorientiert zu beschreiben. Auch Hans Fehr von der AUNS urteilte spontan über den norwegischen EU-Widerstand, dass dieser im Gegensatz zu den Schweizern ein Problem mit seiner peripheren Lage hätte.<footnote numbering="arabic" start="430">
                     <p> So die spontane Reaktion von Hans Fehr, nachdem er von der Fragestellung dieser vergleichenden Untersuchung bei unserem Gespräch am 9.10.01 im Büro der AUNS in Bern erfuhr.</p>
                  </footnote> Tatsächlich ist es allgemeiner Konsens, dass Norwegen europäische Peripherie ist. Kuhnle fasst dies zusammen: </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11792" start="124"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Norwegens Selbstverständnis als peripherer Anrainerstaat des europäischen Festlands entspricht der kontinentaleuropäischen Vorstellung von Norwegen.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="431">
                           <p>Kuhnle 1992: 43.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>Dies ist jedoch kein Handicap für NTEU. Vielmehr kann NTEU auf ein umfangreiches Arsenal an Ideen über die gute nördliche Peripherie und ihr Verhältnis zum schlechten Kontinent zurückgreifen.</p>
            </subsection>
            <subsection id="N117A8" label="5.3.3">
               <head>Norwegen &#8211; die gute Peripherie Europas</head>
               <p>
                  <citenumber id="N117AF" start="125"/>
                  <blockquote>
                     <p>&#8222;Nein, wir sind viele hier im Norden, die bessere Wege gehen können &#8211; und wir wollen nicht von Brüssel regiert werden.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="432">
                           <p> So das &#8218;Selbstständigkeitslied&#8217; auf NEI&#8217;94 (CD von NEIN ZUR EU), Track Nr. 9.</p>
                        </footnote>
                     </p>
                  </blockquote>
               </p>
               <p>In Norwegen spielt das geringe Zugehörigkeitsgefühl zum Kontinent und der Rückgriff auf bestehende Bilder von einer idealisierten nördlichen, peripheren Raum eine wichtige Rolle für den Euroskeptizismus. Beide Thesen wurden von mir und anderen bereits ausführlich diskutiert, weshalb sie nur kurz zusammengefasst und anhand von Beispielen illustriert werden.<footnote numbering="arabic" start="433">
                     <p> Siehe Hille 2001, 2000, Schumacher 1998.</p>
                  </footnote> Listhaug/Huseby haben bereits im Rahmen einer umfangreichen vergleichenden empirischen Studie von 1990 über Werte in westlichen Ländern die emotionale Bindung von Norwegern zu Europa und der EU untersucht. Demnach identifizieren sich Norweger kaum mit Europa und der EU. Sie werden in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Europa und der EU nur noch von den Isländern übertroffen. Die Dänen nehmen ebenfalls eine ausgesprochen kritische Haltung gegenüber Europa und der EU ein. Listhaug/Huseby heben dabei hervor, dass die ablehnende Haltung der Norweger gegenüber Europa keineswegs mit einem besonders stark ausgeprägten nationalen Werteset erklärt werden kann. Norweger haben kein stärker ausgeprägtes nationales Werteprofil als andere europäischen Nationen. </p>
               <p>
                  <citenumber id="N117CE" start="126"/>Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass Norweger sich kaum mit &#8218;Kontinentaleuropäern&#8217; verbunden fühlen. Eine enge Verbundenheit wird aber zu den skandinavischen Nachbarnationen, vor allem zu den Schweden und, etwas abgeschwächt, auch den Dänen gefühlt. Dies ist in Anbetracht der engen sprachlichen und kulturellen Bindungen nicht erstaunlich. Auffallend ist, dass die nächsthäufigsten Nennungen Großbritannien und die geographisch entfernten USA betreffen. Deutschland und danach Frankreich rangieren in der Beurteilung der Verbundenheit weit hinten. Nennungen anderer kontinentaleuropäischer Länder sind gänzlich zu vernachlässigen. Deutlich wird, wie schwach die Bindung an den &#8218;Kontinent&#8217; und die beiden zentralen Akteure der europäischen Einigung, Deutschland und Frankreich, ist.<footnote numbering="arabic" start="434">
                     <p>Vgl. Huseby/Listhaug 1995.</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>Empirisch spiegelt das Abstimmungsverhalten ein geographisches Muster wieder, bei dem die peripheren Teile beider Länder, die zudem symbolische Orte des Nationsgedankens sind (Urkantone, norwegische Peripherie), die Integration entschieden ablehnen. Dabei lassen die Abstimmungsergebnisse aber offen, ob hauptsächlich ökonomische Motive, die Angst vor politischer Marginalisierung und/oder der Bezug auf bestehende Raumkonstruktionen hierfür verantwortlich sind. Weitgehend deutlich wird aber aus den empirischen Studien, dass die Ablehnung der norwegischen Peripherie in beiden Ländern weniger unmittelbar mit geographischer Entfernung, sondern ungleich mehr mit der Siedlungsdichte<footnote numbering="arabic" start="435">
                     <p> Gläßer/Myklebost 1996: 285-291.</p>
                  </footnote> zusammenhängt. So sind dünnbesiedelte Gebiete selbst in Südnorwegen euroskeptisch, während städtische Gebiete (Tromsø) selbst in Nordnorwegen relativ pro-integratorisch sind. Der Gedanke, Euroskeptizismus mit dem geographischen Abstand zu Brüssel oder einem anderen archimedischen Punkt innerhalb der EU in Verbindung zu setzen, wird also kaum erfolgreich sein. Eine größere Rolle spielen Cleavages zwischen Stadt und Land sowie Zentrum und Peripherie.</p>
               <p>Im Gegensatz zur AUNS/SVP finden sich bei NTEU quasi keine expliziten geopolitischen Argumentationen oder solche, die militärische Überlegungen und Strategieabwägungen direkt oder stilisiert enthalten.<footnote numbering="arabic" start="436">
                     <p> Geopolitische Argumentationen laufen dem idealistischen Verständnis von NTEU zuwider. Demgegenüber ruft die AUNS/SVP beständig den Verteidigungsfall aus und beruft sich auf topographische und geographische Begebenheiten. Vgl. Kapitel: Friedlicher Kleinstaat oder Europa?</p>
                  </footnote> Den Norden oder Norwegen als natürliche Festung metaphorisch zu beschreiben oder gar den Oslofjord zu verminen, ist außerhalb der Vorstellungswelt von NTEU. Sehr wohl finden sich jedoch ausgeprägte Darstellungen eines positiven nördlichen Raumes und die Idealisierung der norwegischen ländlichen Peripherie. Dieser Raum wird jedoch nicht als Festung beschrieben, sondern im Gegenteil als friedlicher, offener, freier, gerechter und demokratischer Raum &#8211; dem <em>&#8222;Freien Norden&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="437">
                     <p> Es findet sich sogar eine gleichnamige euroskeptische Organisation &#8218;Frit Norden&#8217;: 22.9.04: www. Fritnorden.dk. </p>
                  </footnote>. Dieser läuft nach NTEU Gefahr seine positiven Eigenschaften durch die Integration zu verlieren und ein Teil der &#8218;Festung Europa&#8217;<footnote numbering="arabic" start="438">
                     <p> Häufig von NTEU in Anlehnung an europaweite Kritik an der EU-Flüchtlings- und Agrarpolitik benutzte Terminologie.</p>
                  </footnote> zu werden.</p>
               <p>
                  <citenumber id="N11805" start="127"/>In Übereinstimmung mit gängigen europäischen Selbstbeschreibungen zeichnet NTEU die EU als einen mit einem Gravitationszentrum ausgestatteten Kern. Dieses Zentrum - der Kern - wird zumeist in der Achse Deutschland - Frankreich gesehen.<footnote numbering="arabic" start="439">
                     <p> Vielleicht kann dieses imaginierte Zentrum noch etwas weiter nach Süden verschoben werden, da europäische Selbstbeschreibungen häufig eine Rückkehr zu den &#8218;Wurzeln Europas&#8217; - also dem antiken Rom und Griechenland - beschwören. </p>
                  </footnote> Die Grenzen und die Peripherie Europas sind im Osten Russland, im Süden- und Südwesten der unchristliche &#8218;Orient&#8217;<footnote numbering="arabic" start="440">
                     <p> Siehe Said 1978.</p>
                  </footnote> und im Westen Amerika. Die Grenze im Norden ist ohne klares Gegenbild und Grenze.<footnote numbering="arabic" start="441">
                     <p> Zwar besteht eine reale Grenze zu Russland in Nordnorwegen, sie spielt auch in sicherheitspolitischen Diskursen in Norwegen eine Rolle, aber nicht als Grenze und Gegenbild innerhalb des EU-Diskurses. Dies ist nicht überraschend. Denn zum einen wird aus &#8218;kontinentaleuropäischer&#8217; Sicht die unbedeutende Grenze in Nordnorwegen von dem Bild der großen und wichtigen Grenze im Osten überlagert, und zum anderen sind auch innerhalb der norwegischen EU-Diskurse sicherheitspolitische Diskurse von untergeordneter Bedeutung.</p>
                  </footnote> Gegenbild und Abgrenzung ist die Wildnis und ein Set von Ideen, wie der Norden und die Nordländer sind. Im Kontext der Europäischen Integration gilt die nördliche Peripherie als Nachzügler im Prozess der Europäischen Einigung. Dieses Bild des Nordens ist aber noch flexibel und der Norden ist auch als Ort von Wohlfahrt, Demokratie sowie Freiheit und der Aufklärung bekannt.<footnote numbering="arabic" start="442">
                     <p> Siehe Stadius 2001. </p>
                  </footnote> NTEU verfügt über den unglaublichen Luxus, eine ganze Himmelsrichtung<footnote numbering="arabic" start="443">
                     <p> Vgl. zur Bedeutung, Inhalt und Grenzziehung dieser Himmelsrichtung Henningsen 2002: 9ff.</p>
                  </footnote> für euroskeptisch erklären zu können. Sicher ist auch dieser Besitz umkämpft wie der Vorstoß der &#8218;Nördlichen Dimension&#8217; der finnischen Regierung zeigt. </p>
               <p>Empirisch gesehen ist Euroskeptizismus im &#8218;Norden&#8217; tatsächlich ausgeprägt. In Ländern wie Dänemark, Schweden, Norwegen, Island, Grönland, Finnland und Großbritannien ist die Europäische Integration unbeliebt. Zudem gilt auch für Norwegen, Finnland und Schweden die Regel, je nördlicher, desto euroskeptischer. Die südlichen, städtischen Gebiete sind integrationsfreundlicher, während die ländlichen, nördlichen Gebiete euroskeptisch sind.<footnote numbering="arabic" start="444">
                     <p> Dies hängt primär mit der niedrigen Bevölkerungsdichte in der Peripherie zusammen (siehe To join or not to join 1998) und nicht mit der Wesensart der Nordbewohner. Innerhalb der Integrationsdiskurse erzeugt dies aber das Bild des euroskeptischen Nordens (siehe Hille 2003).</p>
                  </footnote> NTEU liebt diese Idee eines geeinten euroskeptischen Nordens. Dieser stellt für NTEU eine positive Alternative zur Europäischen Einigung dar. Wir dürfen darüber hinaus nicht vergessen, dass politische Konflikte in Norwegen sich um Zentrum-Peripherie-Konflikte drehen. Das Denken in diesem Gegensatzpaar prägt auch das politische Denken. Räumlichen Entfernungen kommt damit eine überragende Bedeutung zu. Dabei wird der innernorwegische Konflikt der Peripherie gegen das Zentrum &#8211; der historisch einer Mobilisierung gegen die kontinentalen dänischen Herrscher zugrunde lag &#8211; auf die Integrationsfrage übertragen. Die euroskeptische norwegische Peripherie gegen das integrationsbefürwortende Zentrum (Oslo). Und zugleich kämpft &#8218;Norwegen als Peripherie&#8217; gegen den zentralistischen, städtischen Kontinent. Der berühmte Slogan <em>&#8222;Weit bis Oslo, weiter bis Brüssel&#8220; </em>transportiert eben diese Verlängerung der innernorwegischen, räumlich geprägten Konfliktstellung in einen europäischen Kontext. </p>
               <p>Räumliche Konzepte und Begründungen werden bei NTEU - wie andere wenig stichhaltige oder politisch unkorrekte Argumente - diffus benutzt. In der Argumentation von NTEU werden räumliche Beschreibungen wie der &#8218;Fernsteuerung&#8217; durch Brüssel oder der guten norwegischen &#8218;Nahdemokratie&#8217;<footnote numbering="arabic" start="445">
                     <p> Fjernstyre und Nærdemokrati sind von NTEU häufig verwandte Begriffe.</p>
                  </footnote> mit demokratiebezogenen Argumentationen vermengt. Nicht nur innerhalb eines norwegischen Kontextes idealisiert NTEU die norwegische ländliche Peripherie.<footnote numbering="arabic" start="446">
                     <p> Esborg 2002, auch Hille 2003.</p>
                  </footnote> Vielmehr wird Norwegen insgesamt als ländliche und sozial gerechte Idylle beschrieben. Am deutlichsten wird dies in dem von NTEU benutzten und in der EU-Debatte vieldiskutierten Gedicht von Rolf Jakobsen <em>&#8218;Anderledeslandet&#8217;</em>. In diesem wird das gute nördliche &#8218;andersartige Land&#8217; idealisiert.<footnote numbering="arabic" start="447">
                     <p> Abgedruckt ist das Gedicht etwa im Buch von NTEU: Hei Verden 2000: 255f.</p>
                  </footnote> NTEU glorifiziert Norwegen als gute europäische Peripherie. Europa sind städtische degenerierte Lebensformen, korrupte EU-Politiker, hierarchische Strukturen und ein grassierender neoliberaler Kapitalismus, der Mensch und Umwelt zerstört. Dagegen steht das gerechte, demokratische, aufgeklärte, ländliche, egalitäre, natürliche, reine Norwegen. Damit verwandelt nach Esborg die Widerstandsrhetorik von NTEU die Peripherie zum Zentrum<footnote numbering="arabic" start="448">
                     <p> Vgl. Esborg 2002: 255.</p>
                  </footnote> des guten Lebens, auf das ganz Europa schaut. Folglich darf das reine Norwegen nicht durch die EU-Mitgliedschaft verunreinigt werden.</p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N11867" label="5.4">
            <head>Schlussfolgerungen</head>
            <p>
               <citenumber id="N1186E" start="128"/>Geographische Konzepte von Zentrum und Peripherie gehören zum festen Bestandteil europäischer Selbstbeschreibungen. Integration wird als Gravitationsvorgang beschrieben, wobei Euroskeptiker als randständig und peripher klassifiziert werden. Dieses Modell beinhaltet eine stark räumliche Vorstellungswelt von Zentrum und Peripherie. Während Norwegen als geographische Peripherie in dieses Bild eines sich verdichtenden Zentrums und einer umkreisenden Peripherie passt, ist die Schweiz ein störender Fleck im Zentrum oder positiv ausgedrückt das Auge im Sturm. Geographische Entfernung zu Europa ist eine unbedeutende Kategorie im schweizerischen Diskurs, sie wird aber durch eine Inselmetapher, den Sonderfall der Igelmentalität und die Alpenfestung substituiert. </p>
            <p>Entfernung ist dagegen eine grundlegende Kategorie im norwegischen Integrationsdiskurs. Dabei wird räumliche Entfernung mit Zugehörigkeitsgefühlen und Vertrauen sowie mit Einflussmöglichkeiten und demokratischer Kontrolle verknüpft. Räumliche Entfernung unterfüttert die Dichotomie von Norwegern und Kontinentaleuropäern. Gemeinschaft, Macht und Raum werden verbunden und zu einem Gegensatz zur Europäischen Integration verdichtet. Hervorzuheben ist, dass Argumentationen der norwegischen Euroskeptiker geographische Kategorien in Slogans und Begriffen (Fernsteuerung, Nahdemokratie, Abstand) verwenden. Hierüber legen sie eine damit nicht verbundene Sachargumentation, die auf das europäische Demokratiedefizit und norwegische Interessenvertretung abzielt. Dabei suggeriert die Sprache von NTEU Entfernung zu Europa, während gleichzeitig explizit die Zugehörigkeit zu einer diffusen Wertegemeinschaft der Europäer betont wird. Der Vertretung der &#8218;europäischen&#8217; Werte wie Freiheit, Gleichheit, Emanzipation, Demokratie, Wohlfahrt, Menschenrechte wird ein geographisch abgesetzten Ort zugeschrieben, an dem diese am besten verwirklicht sind. Dieser Ort ist der Norden, Norwegen und insbesondere dessen Peripherie.<footnote numbering="arabic" start="449">
                  <p> Siehe Esborg 2002.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Mit diesen Vorstellungen knüpfen die norwegischen Euroskeptiker an eine Reihe von bestehenden Diskursen an, welche die periphere Lage Norwegens, eine Gegensätzlichkeit zu Kontinentaleuropa sowie die Romantisierung und Idealisierung des Nordens beinhalten. Das geringe Zugehörigkeitsgefühl in der norwegischen Bevölkerung kann auch empirisch belegt werden. Außerdem hat der innernorwegische Zentrums-Peripherie-Konflikt, der empirisch im EU-Streit die alles überlagernde Konfliktdimension ist, nicht nur zur Schärfung geographischer Kategorien innerhalb politischer Diskurse in Norwegen beigetragen, sondern stets auch eine Abgrenzung gegenüber dem Kontinent begründet.</p>
            <p>
               <citenumber id="N11882" start="129"/>Norwegen liegt an der nordwestlichen Außenkante Europas und die Schweiz ist das &#8218;selbstbewusste, neutrale Herz Europas&#8217;, weshalb dort ein geographischer Zugehörigkeitsdiskurs weitgehend entfällt. Diese Schlussfolgerung wird kaum jemanden überraschen, weil sie geographisch &#8218;korrekt&#8217; und intuitiv vor dem Hintergrund der unzähligen oben beschriebenen Diskurse als richtig und natürlich erscheint. Dennoch basiert sie auf einem falschen Mindmapping von Integrationsprozessen, denn Norwegen ist zumindest institutionell weit mehr integriert als die zentrale Schweiz.<footnote numbering="arabic" start="450">
                  <p> Siehe Kux/Svasand 2000. </p>
               </footnote>Die Möglichkeiten der Schweizer EU-Gegner, Entfernung und Zugehörigkeit als Kategorie zu verwenden, sind beschränkt. Aber auch die EU-Befürworter haben keinen Spielraum um die Euroskeptiker als räumlich peripher abzustempeln. Dagegen greifen die norwegischen EU-Gegner auf feste Bilder und Diskurse über die Entfernung zu Europa und die Idealisierung Norwegens als gute ländliche Peripherie zurück. </p>
            <p>Auf einer Metaebene wehren sich Euroskeptiker in beiden Ländern gleichermaßen gegen diese im Gravitationsmodell angelegte automatische Zentralisierungstendenz einer &#8218;ever closer union&#8217;. Hier vermischen sich Gravitation und Zentralisierung auf wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Ebenen. Das Bild eines Widerstandes gegen die Gravitation wird in Norwegen und der Schweiz von unterschiedlichen rhetorischen Orten organisiert. Gegen die Gravitation des schwarzen Loches EU wehrt sich NTEU aus der reinen, freien, demokratischen, nördlichen Weite der norwegischen Peripherie. Demgegenüber verschanzt sich AUNS/SVP in der ebenfalls ländlichen Bergfestung Schweiz. Diese rhetorischen Orte, von denen aus die EU-Gegner ihren Widerstand organisieren, verstärken das Bild einer harten, kriegerischen Verteidigungsrhetorik bei AUNS/SVP und einer freien, unbekümmerten, internationalistischen Idealisierung Norwegens.</p>
         </section>
      </chapter>
      <chapter id="chapter6" label="6">
         <head>DEMOKRATIE ODER EUROPA?</head>
         <section id="N11898" label="6.1">
            <head>Demokratie als zentrales Thema der Debatten</head>
            <p><citenumber helper="true" id="N1189D" start="129"/>Das Königsargument der Euroskeptiker in beiden Ländern ist die Gegenüberstellung einer idealisierten nationalen Demokratie und eines undemokratischen EU-Gebildes. Dabei lässt sich anhand von Umfragen belegen, dass die Verteidigung der Demokratie und der Souveränität des Landes für die Wähler die wichtigsten euroskeptischen Argumente sind.<footnote numbering="arabic" start="451">
                  <p> Vgl. Listhaug/Sciarini 1997: 16, 26.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N118AA" start="130"/>NTEU selbst lässt keinen Zweifel daran, dass der Kern des norwegischen Euroskeptizismus in der Verteidigung der Demokratie zu suchen ist. So beginnen die Forderungen und Zielsetzungen im Grundsatzprogramm von NTEU jeweils mit der Anapher <em>&#8222;Wir wollen selbst bestimmen &#8230;&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="452">
                  <p> Vgl. Grundpfeiler 1992.</p>
               </footnote>. Auch im Strategiepapier, das die Form, Strategie und Taktik der Kampagne von 1994 festlegte, wird die zentrale Bedeutung des Demokratieargumentes herausgestrichen: </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Die wichtigste Entscheidung hinsichtlich der EU-Angelegenheit ist die Entscheidung zwischen &#8218;Volksherrschaft oder Union&#8219; ... alle einzelnen Argumente gegen eine norwegische EU-Mitgliedschaft gelten der Frage, wer bestimmen soll.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="453">
                        <p> Kampanjeplan 1994: 7.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N118CC" start="131"/>Die typische, spontane Antwort, wie ich sie oft von Aktivisten von NTEU gehört habe, lautet: </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Ich glaube, dass das Volk das Land selber regieren möchte. Es sieht, dass wir in Norwegen eine Tradition der demokratischen Volkssteuerung haben. Das Volk ist nicht so dumm, dass es nicht merkt, dass, wenn wir in die Union kommen, die Volkssteuerung fast weg ist.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="454">
                        <p> Hier zitiert aus Interviewmaterial von Esborg 2002: 248. </p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N118E3" start="132"/>Für die schweizerischen Euroskeptiker ist die Verteidigung der Demokratie ebenfalls ein zentrales Motiv. Nicht zufällig sind die ersten beiden Argumente, die auf der Rückseite der pastellfarbenen DIN-A-5-AUNS-Broschüren als Zusammenfassung der wichtigsten Positionen zu finden sind, Demokratieargumente. </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Für die Schweizerinnen und Schweizer würde eine EU-Integration bedeuten: ... das Ende der tatsächlichen direkten Demokratie in wesentlichen Belangen ... [und] die Abtretung politischer Macht des Volkes an die Regierungen in Bern und EU-Brüssel.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="455">
                        <p> Siehe u.a. die AUNS-Brochüren: Bachofner 2000: Rückseite, v. Heuer (k.A.): 46, Blocher 1999: Rückseite.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N118FA" start="133"/>Erst danach folgen Argumente der Bewahrung der Neutralität und schließlich wirtschaftliche Argumente. Dagegen ist diese Reihenfolge im Parteiprogramm der SVP umgekehrt. Dort wird &#8218;Demokratie&#8217; als erster Gliederungspunkt unter der Überschrift des Kapitels, das die Integrationsfrage abhandelt, <em>&#8222;Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und Neutralität&#8220;</em> genannt.<footnote numbering="arabic" start="456">
                  <p> Parteiprogramm 1999: 5.</p>
               </footnote> Dabei sind die Slogans der Euroskeptiker in beiden Ländern nahezu identisch. So lautet die gängige Formel bei NTEU <em>&#8222;Ja zur Demo</em>
               <em>kratie, nein zur Union&#8220; und bei der SVP &#8222;Ja zum demokratischen Sonderfall, nein zur EU&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="457">
                  <p> Vgl. SVP Parteiprogramm 1999: 5.</p>
               </footnote> Das Demokratiethema wird bei der AUNS/SVP jedoch nicht allen anderen Argumenten übergeordnet. Und insgesamt sind die demokratiebezogenen Argumente bei AUNS/SVP schwächer gewichtet und nicht eindeutig als Top-Priorität definiert. Für diesen grundlegenden Unterschied zwischen NTEU und AUNS/SVP gibt es verschiedene Gründe: Die Frage nach dem vollen EU-Beitritt wurde in der Schweiz bislang nicht gestellt. Erst diese hätte Fragen der Legitimität von Entscheidungen in der EU ins Zentrum der Debatte gerückt. Zudem ist die Neutralität ein mit demokratiebezogenen Argumenten etwa gleichrangiges Thema. </p>
         </section>
         <section id="N11918" label="6.2">
            <head>Warum das Demokratieargument?</head>
            <p>Euroskeptiker spitzen die Integrationsfrage als Frage zwischen <em>&#8222;Demokratie oder Union&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="458">
                  <p> &#8222;Demokrati eller Union&#8220; ist der zentrale Slogan von NTEU, der in zahlreichen Varianten auftaucht, wie etwa &#8218;Ja zur Demokratie &#8211; nein zur EU&#8220; (&#8222;Ja til demokrati &#8211; nei til EU&#8220;) oder &#8222;Volkssteuerung oder Union&#8220; (&#8222;Folkestyre eller Union&#8220;).</p>
               </footnote> zu und beschreiben sich als Verteidiger der Demokratie. Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen. Demokratie hat einen hohen normativen Wert. Deshalb beschreiben Euroskeptiker sich ebenso wie Integrationsbefürworter als deren Verteidiger. Es gehört zum Kern der Legitimation und Selbstbeschreibung beider Volksbewegungen, den Willen des Volkes entweder als volksnahe Organisation zu vertreten (AUNS) oder mit dem breiten Volk identisch zu sein (NTEU)<footnote numbering="arabic" start="459">
                  <p> Zu dieser These siehe das Kapitel: Warme Gemeinschaft oder kaltes Europa ?</p>
               </footnote>. Zudem bieten die Demokratiedefizite der EU eine breite Angriffsfläche für euroskeptische Kritik. Darüber hinaus ist die nationale Demokratie die Basis für ein nationales Verhandlungs- und Verteilungssystem, insbesondere der regionalen Verteilung von Macht und Ressourcen.</p>
            <p>Wichtiger für diesen Kontext nationaler Selbstbeschreibungen ist, dass Demokratie untrennbar mit spezifisch nationalen Kategorien und Definitionen verknüpft ist. Die EU kann den spezifisch nationalen Standards und Definitionen nicht entsprechen, weil sie erstens kein Nationalstaat und zweitens keine exakte Kopie Norwegens oder der Schweiz ist. Dies geschieht vor dem Hintergrund von zwei nationalen Selbstbeschreibungen, die &#8218;ihr&#8217; Land als ideale Demokratien verklären. Da die Schweiz und Norwegen bereits als die besten Demokratien der Welt angesehen werden, muss jede Abweichung von diesem Ideal ein Demokratieverlust sein. Zudem ist Demokratie untrennbar mit Volk, Freiheit, Land und Boden sowie nationaler Selbstbestimmung verbunden. Ohne die grundlegende Verbindung von Volk, Land und Demokratie ist das obige Zitat einer NTEU-Aktivistin sinnlos, wonach <em>&#8222;das Volk das Land selbst regieren will&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="460">
                  <p> Vgl. obiges Zitat nach Esborg 2002: 248.</p>
               </footnote>. Die Gegenüberstellung von Demokratie und EU ist für Euroskeptiker deshalb so ergiebig, weil verschiedene diffuse Begriffe darunter vermischt werden können. Im Folgenden wird ausgeführt, welche Zutaten AUNS/SVP und NTEU benutzen, um diese Suppe zu kochen.</p>
         </section>
         <section id="N11942" label="6.3">
            <head>Euroskeptizismus als sachliche Kritik der EU</head>
            <p>
               <citenumber id="N11949" start="134"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Wir haben keine Lust, uns durch die EU unsere in Jahrhunderten errungenen demokratischen Volksrechte berauben zu lassen. ... Wir müssen nicht &#8218;europafähig&#8217; werden, sondern Europa muss demokratisch werden.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="461">
                        <p> Stäuble 1996: 9-10.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Die EU ist ein komplexes politisches Mehrebenensystem, das durch Vertiefung und Erweiterung starken Veränderungen unterworfen ist. Folglich gibt es unterschiedliche Meinungen, Wertungen und Zukunftsvisionen darüber, wie die EU aussehen wird und soll. Die Mängel an der demokratischen Legitimation der EU - Stichwort EU-Demokratiedefizit - sind der Gegenstand weitgefächerter sozialwissenschaftlicher und politischer Diskurse. Diese Kritik richtet sich u.a. auf das Übergewicht der EU-Exekutive, dem Fehlen von europäischer Öffentlichkeit, Demos und Identität sowie mangelnder Transparenz und Effizienz. Als Kronzeuge dafür, dass selbst die Integrationsbefürworter ein EU-Demokratiedefizit sehen, zitiert NTEU den deutschen Außenminister Fischer: <em>&#8222;Die EU ist bereits föderalistisch. Sie ist nur nicht demokratisch.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="462">
                  <p> &#8222;EU er allerede føderalt. Det er bare ikke demokratisk.&#8220; (Nei til EUs skriftserie Nr. 3 2000 Ja til folkestyre: 3). So zitiert NTEU Fischer nach der integrationsbefürwortenden norwegischen Tageszeitung Dagens Næringsliv vom 24.Juli 2000.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N1196B" start="135"/>Dabei nimmt die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer an diesen Diskursen, wie etwa Fischer, eine reformistische Grundhaltung ein. Die Kritik richtet sich folglich auf die Frage, wie die EU besser gemacht werden kann. Dies ist ein grundlegender Unterschied zu euroskeptischen Diskursen in Norwegen und der Schweiz. Diese kreisen um die grundlegende Frage, ob Integration Sinn macht oder nicht. Dagegen wird in EU-Staaten üblicherweise davon ausgegangen, dass Integration etwas Normativ-Positives ist. Und es ist nicht verwunderlich, dass der Status quo der EU-Mitgliedschaft in EU-Staaten von den überwiegend pro-integratorischen Medien und Eliten nicht thematisiert wird.</p>
            <p>NTEU und AUNS/SVP sind in ihrer Kritik gegenüber der demokratischen Legitimation der EU also keinesfalls Sonderfälle. Sie folgern hieraus lediglich eine fundamentale Ablehnung der EU - zum einen, weil sich diese Frage in Norwegen und der Schweiz noch stellt und zum anderen, weil sie bestreiten, dass die EU reformfähig ist. Die These der Euroskeptiker ist, dass die EU undemokratisch ist, niemals das demokratische Niveau des Nationalstaates erreichen wird und sich dieses Problem mit zunehmender Größe und Erweiterung der Kompetenzen sogar verstärken könnte. NTEU und AUNS/SVP verbinden lediglich die allgemeine Kritik an der EU mit dem Paradigma, dass die EU nicht reformierbar sei. Deshalb wird in dieser Untersuchung darauf verzichtet, die einzelnen, insbesondere bei NTEU recht ausgefeilten Argumentationen wiederzugeben.<footnote numbering="arabic" start="463">
                  <p> Vgl. Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen und siehe Norge og EU 1994.</p>
               </footnote> Entscheidend ist, dass aus euroskeptischer Sicht ein beständiger Abfluss - in der Begrifflichkeit von NTEU ein &#8218;freier (Ab)fluss von Souveränität&#8217; - von Entscheidungskompetenzen von den demokratisch legitimierten nationalen Volksvertretungen hin zu dem intransparenten politischen System der EU stattfindet.<footnote numbering="arabic" start="464">
                  <p> Vgl. Brostigen 1994: 31-48.</p>
               </footnote> In dem für diese Untersuchung zugrunde gelegten Verständnis kommt es nicht darauf an, ob eine Argumentation richtig oder falsch ist oder in sich widersprüchlich. Entscheidend ist nur, dass sie die EU als negativ darstellt und den Nationalstaat als positiv.</p>
            <p>Besonders perfide sind die von Euroskeptikern gewählten häufig wechselnden Vergleichsebenen, insbesondere zwischen einem nationalen System und der EU-Ebene. Dies gilt im Besonderen für das Stimmenverhältnis von großen und kleinen EU-Staaten. Werden die kleinen Staaten überrepräsentiert, so wird das EU-System als undemokratisch kritisiert, weil das Europäische Parlament (und damit die Bürger) zu wenig Einfluss haben. Werden dagegen die großen Staaten mit mehr Einfluss ausgestattet, so wird dies als Bevormundung der Kleinen und Untergrabung der Volksdemokratie kritisiert. Das politische System ist mangelhaft demokratisch legitimiert, weil nicht das Volk der EU etwa über das Europäische Parlament bestimmt, sondern die Kommission. Dieses Argument wird aber von den Euroskeptikern insofern ad absurdum geführt, als sie selber besonders stark gegen die Vergemeinschaftung und die Stärkung gemeinschaftlicher, demokratischer Prozesse sind. Auch sich logisch widersprechende Aussagen machen aus Sicht der Volksbewegungen Sinn, wenn sie ein positives Selbstbild und ein negatives EU-Bild erzeugen. Schließlich sind solche inhärenten Widersprüche in politischen Debatten irrelevant, da sie ein sehr abstraktes Verständnis politischer Entscheidungsmechanismen voraussetzen. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11987" start="136"/>Während AUNS/SVP diese Diskurse und Argumentationen über das EU-Demokratiedefizit nur schemenhaft in Stichwörtern darstellen, führt NTEU dies aus. Von der fehlenden europäischen Öffentlichkeit und Identität, über Entscheidungsmechanismen im politischen System der EU, Bürokratiekritik bis zur mangelnden Macht des Parlamentes finden sich sämtliche demokratietheoretischen Bedenken bei NTEU explizit ausgeführt. In Schlagworten, Personalisierungen und Lehrgeschichten finden sich vergleichbare Argumente bei AUNS/SVP. Wie bereits ausgeführt wurde, ist diese flache Argumentation primär das Resultat eines unterschiedlichen Stils zwischen den Intellektuellen von NTEU und den Rechtspopulisten von AUNS/SVP.</p>
         </section>
         <section id="N1198C" label="6.4">
            <head>Integration als Verschiebung der Machtbalance des <br/>nationalen Systems</head>
            <p>Bislang wurde Demokratie vor allem als normatives Konzept behandelt, bei dem das ganze Volk über sein Wohl entscheidet. In der Rhetorik der Euroskeptiker beider Länder ist diese normative Vorstellung von Demokratie vorherrschend. Daneben muss aber auch ein Verständnis von Demokratie als innergesellschaftlicher Machtbalance und Verteilung gesellschaftlichen Wohlstandes in Betracht gezogen werden. Insofern verteidigen Gruppen oder Individuen den demokratischen Nationalstaat gegenüber der Integration, weil sie innerhalb des nationalen Verhandlungsprozesses um Macht und Ressourcen für sich eine bessere Position vermuten. Dieser Aspekt ist wichtig. Im Wesentlichen stellt er aber eine erweiterte spieltheoretische Variante des ökonomischen Ansatzes dar, der - insbesondere in Form des Zentrum-Peripherie-Konfliktes - von großer Bedeutung ist.<footnote numbering="arabic" start="465">
                  <p> Dies gilt ungleich stärker für Norwegen. Vgl. Kapitel Geld oder Europa? und Euroskeptizismus als Wiederbelebung alter Cleavages.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Die These der Euroskeptiker, dass die Integration zu einer Aushebelung der nationalen Demokratie führt und auf europäischer Ebene nicht durch ein mehr an Demokratie ersetzt wird, ist nachvollziehbar. AUNS/SVP und NTEU vertreten nichts anderes als die bekannte sozialwissenschaftliche Kritik an der EU. Demnach hebelt die Europäische Integration die demokratischen nationalen Entscheidungsprozesse aus, ohne dass hierfür ein Ausgleich auf europäischer Ebene geschaffen wird und geschaffen werden kann. Zudem fehlt ein europäisches Volk, das demokratische Kontrolle ausüben könnte. Macht und Ressourcen versickern in einem unübersehbaren europäischen Mehrebenensystem.<footnote numbering="arabic" start="466">
                  <p> Siehe zu diesen sozialwissenschaftlichen Bedenken Offe 1998, zu den Problemen und Folgen der fehlenden europäischen Identität siehe Østerud 1993.</p>
               </footnote> Aus Sicht der norwegischen und schweizerischen Euroskeptiker gewinnt diese Kritik zudem relativ an Bedeutung, weil sie in demokratischen Staaten mit weitgehend funktionierenden Bürokratien leben. Folglich kann nach euroskeptischer Sichtweise die Integration nur zur Verschlechterung und nicht zur Verbesserung führen.</p>
            <p>
               <citenumber id="N119AB" start="137"/>Entsprechend der euroskeptischen Lesart kann Euroskeptizismus so im Kern als Unwille des Volkes verstanden werden, das bestehende und weitgehend funktionierende politische System aufzugeben. Dies ist zwar einleuchtend, aber reicht nicht aus um Motivation und Emotionalität der Euroskeptiker zu erklären. Denn schließlich begreifen sich auch die Integrationsbefürworter mit guten Gründen als Verteidiger der Demokratie. So führen die Integrationsbefürworter das gewichtige Argument ins Feld, dass die nationale Demokratie de facto politischen Entscheidungen der EU folgen muss. Deshalb führe gerade die Nicht-Integration zu Demokratieverlust und nur die volle Mitgliedschaft in der EU garantiere die Durchsetzungsfähigkeit nationaler Interessen auf europäischer Ebene. Das für und Wider dieser Strategien werden in beiden Ländern beständig breit und tief in den aktuellen Integrationsdiskursen abgetastet.<footnote numbering="arabic" start="467">
                  <p> Wie bereits in den Kapiteln Einleitung und Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen dargelegt wurde, ist das Für und Wider der Integration eine unendliche Schleife der Wiederholung von Argumenten, die abhängig vom jeweiligen Standpunkt plausibel sind. </p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Nach Abstimmungsergebnissen tendieren die meisten Wähler dazu, der euroskeptischen Interpretation beizustimmen. Euroskeptizismus ist allerdings nicht primär der Ausdruck der realen Verteidigung der Demokratie &#8211; so wie Euroskeptiker es gerne sehen. Es geht vielmehr um ein kollektives Bild von einer guten Demokratie. Nur so ist zu erklären, dass die schweizerischen Euroskeptiker der Verteidigung der Demokratie weniger Beachtung schenken als die norwegischen. Dies ist deshalb so bemerkenswert, weil das politische System und die direkte Demokratie in der Schweiz tatsächlich spezifische direktdemokratische Züge aufweist, welche durch die Integration gefährdet sind. So kommt der Jurist Körkemeyer zu dem Schluss, dass der Bürger der Schweiz <em>&#8222;... die ihm ansonsten umfassend zustehenden Beteiligungs</em>
               <em>rechte in bestimmten Bereichen nicht (mehr) ausüben kann.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="468">
                  <p> Körkemeyer 1995: 139. Trotz dieses vernichtenden Urteils kommt Körkemeyer &#8211; in Übereinstimmung mit den herrschenden pro-integratorischen Elitendiskursen &#8211; zu dem Schluss, dass dies nicht so dramatisch sei (vgl. Körkemeyer 1995: 136ff). Demgegenüber kommen Epiney/Siegwart zu einer wesentlich positiveren Bewertung der Kompatibilität von Integration und direkter Demokratie (Siehe Epiney/Siegwart 1998: 137f). Aus pro-integratorischer Sicht werden die durch einen Beitritt verursachten Änderungen bisweilen auch als positive Reformen des als schwerfällig beschriebenen politischen Systems der Schweiz gewertet. So konstatierte Germann bereits 1991: &#8222;Es ist heute kaum mehr bestritten, dass ein EG-Beitritt die Änderung der Regierungsstruktur (vornehmlich der Aufwertung des Bundespräsidenten), eine Überholung der direktdemokratischen Institutionen sowie die Vereinfachung des Gesetzgebungsprozesses erfordert.&#8220; Germann 1991: 257.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Demgegenüber handelt es sich, entgegen den nationalen Selbstbeschreibungen von NTEU, bei Norwegen um eine gewöhnliche repräsentativ-parlamentarische Demokratie. Während die AUNS/SVP zwar gute Gründe hat um ihr politisches System zu bangen, jedoch relativ zu NTEU wenig über Demokratie redet, verhält es sich bei NTEU umgekehrt. Im Gegensatz zur Schweiz wäre ein EU-Beitritt Norwegens zwar nicht mit einer tiefgreifenden Änderung des repräsentativ-parlamentarischen Systems verbunden, dennoch betont NTEU die Differenz zwischen &#8218;Demokratie und Union&#8217; stärker als AUNS/SVP. Letztlich ist dieser von NTEU zum zentralen Thema ausgerufene Unterschied zwischen einer <em>&#8218;volkshaften Nahdemokratie&#8217;</em> und der <em>&#8218;Fernsteu</em>
               <em>erung aus Brüssel&#8217;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="469">
                  <p> &#8218;Folkelig, nærdemokrati, fjernstyre&#8217; sind populäre Begriffe der Nein-Seite.</p>
               </footnote> primär das Resultat einer positiven kollektiven Selbstbeschreibung. Damit ist nicht gemeint, dass NTEU keine guten Gründe für diese Position hat, sondern dass die Bedeutung und Glaubwürdigkeit dieses Argumentes nur durch die Bezugnahme auf bestehende kollektive Vorstellungen möglich ist. Demokratie ist das übergeordnete Argument der norwegischen Euroskeptiker, weil es sich mit &#8218;nationaler Selbstbestimmung&#8217; und der unterliegenden Kategorie &#8218;Volk&#8217; koppeln lässt.</p>
            <p>
               <citenumber id="N119DE" start="138"/>Integrationsbefürworter stellen Euroskeptizismus gerne als atavistischen nationalen Freiheitskampf dar. Wie noch diskutiert wird, trifft dieser Vorwurf auf die AUNS/SVP zu. Demgegenüber gibt sich NTEU viel Mühe, diesem Bild nicht zu entsprechen. Dies leistet NTEU, indem es alles unter dem Oberbegriff Demokratie verhandelt. Bereits semantisch ist die Verbindung von Volksherrschaft und nationaler Selbstbestimmung bei NTEU in den Begriffen <em>&#8218;Folkestyre&#8217;, &#8218;Selvbestemmelse&#8217;, &#8218;Selvråderett&#8217;</em> untrennbar verwoben. Indem NTEU die demokratische <em>&#8218;Folkestyre&#8217;</em> der &#8218;undemokratischen Union&#8217; gegenüberstellt, wird diese Verbindung zusätzlich unterstrichen. Dagegen findet bei der AUNS/SVP eine klare sprachliche Trennung zwischen direkter Demokratie und nationaler Unabhängigkeit statt. Der Grund ist, dass AUNS/SVP ihren Standpunkt deutlich in Form einer nationalen Verteidigungsrhetorik &#8211; wie <em>&#8222;Schengener Kolonialvertrag&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="470">
                  <p> Grauer Brief 90 2003:3, auch Grauer Brief 91 2003:3.</p>
               </footnote> &#8211; formuliert. Damit entfällt die Notwendigkeit den nationalen Freiheitskampf mit dem Demokratieargument zu vermischen. Dagegen hat NTEU sämtliche Argumente unter dem Schlagwort &#8218;Verteidigung der Demokratie&#8217; subsumiert.</p>
         </section>
         <section id="N119F4" label="6.5">
            <head>Warum erscheinen Euroskeptiker als Demokratieverteidiger?</head>
            <p>Die Frage nach der für die Demokratie besseren Strategie lässt sich nicht seriös beantworten. Dies setzt nicht nur eine normative Festsetzung der guten Demokratie voraus. Vielmehr basiert es auch auf einem Bild über die EU. Ist die EU ein undemokratisches und unreformierbares Gebilde &#8211; wie die untersuchten Fundis unter den Euroskeptiker meinen &#8211; so ist Integrationswiderstand geboten. Umgekehrt setzt selbst die taktische Maxime der Integrationsbefürworter, dass Integration unumgehbar sei und man die EU nur von innen beeinflussen könne, ein Mindestmaß an Vertrauen in die Reformierbarkeit der EU voraus. </p>
            <p>Es liegt in der Logik der Argumentation beider Seiten diese Spielräume als besonders gering (Integrationsbefürworter) oder als besonders groß (Euroskeptiker) darzustellen. Aufgrund ihrer überlegenen Ressourcen in den Eliten und den Medien liegt die Definitionsmacht bei den Integrationsbefürwortern. Demgegenüber können Euroskeptiker den Verlust von Souveränität durch Einflussnahme von außen als Verrat der nationalen Eliten darstellen. Zudem können sie auf die primitive, tradierte Vorstellung eines souveränen, handlungsfähigen Nationalstaates verweisen. Die Integrationsbefürworter müssen dagegen auf einen abstrakten, erhofften Gewinn an Souveränität innerhalb eines Mehrebenensystems rekurrieren und die unpopuläre Botschaft, dass die Nation handlungsunfähig ist, überbringen. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11A01" start="139"/>Die Aberkennung eines legitimen euroskeptischen Standpunktes, wie sie besonders ausgeprägt in deutschen Medien vorherrscht, bietet norwegischen und schweizerischen Euroskeptikern zudem einen guten Grund ihr Vorurteil über die in Sachen Demokratie rückständigen EU-Länder zu bestätigen. Typisch ist ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem der Autor zunächst lang und breit ausführt, dass es zwar keine vernünftigen ökonomischen Gründe für den Beitritt zum Euro in Großbritannien gebe, Tony Blair aber dennoch <em>&#8222;Manns genug sein soll&#8220;</em> das Volk <em>&#8222;mit einem schnellen Referendum ...[zu] überrumpeln.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="471">
                  <p> Klein 2003.</p>
               </footnote> Offenkundig hat der Autor nicht nur ein paternalistisches Verständnis von Demokratie, da die Aufgabe des gewählten Führers darin besteht, das Volk gegen seinen eigenen Willen zum Besten zu führen. Vielmehr wird Integration auch als ein über der Demokratie stehender Selbstzweck, der sich vernünftiger Überprüfung entzieht, begriffen. Dies macht verständlich, warum AUNS/SVP und NTEU sich glaubhaft als demokratische Volksbewegungen beschreiben können, die das Volk gegen solche Überrumpelungen schützen. Außerdem bestätigt dies bestehende Vorurteile über die undemokratischen, obrigkeitshörigen, schulmeisterhaften Deutschen, mit denen man sich besser nicht auf eine Union einlässt.</p>
            <p>Letztendlich ist ohnehin ausschlaggebend, welche Seite die Wähler überzeugt. Vor diesem Hintergrund sind die Assoziationen, die Staat, Nation und Demokratie im nationalen Kontext beim Wähler hervorrufen, ausschlaggebend. Zudem sind Demokratievorstellungen an die spezifischen Definitionen und historischen Entwicklungen in den jeweiligen Nationalstaaten gekoppelt. Sie sind untrennbar mit der Selbstbeschreibung des Volkes und zentralen Werten wie Freiheit und Gerechtigkeit verbunden. Diese Vermischung von begründeter Kritik an der EU und ihre Verknüpfung mit nationalistischen Vorstellungen gibt euroskeptischen Haltungen ihre politische Wirksamkeit. Ohne diese würden die Wähler einen angemessenen und damit agnostischen Standpunkt gegenüber Integration einnehmen. Sie würden folglich nichts tun, es ginge kein Aufschrei durch die beiden Länder, es fände keine Mobilisierung und Emotionalisierung statt und die pro-integratorischen Eliten hätten beide Länder längst - gegen den Willen von einigen Bauern, norwegischen Fischern und politischen Splittergruppen - in die EU geführt. </p>
            <p>Zudem schafft erst dieses Amalgam von Werten und kollektiven Selbstbeschreibungen eine große Bandbreite unterschiedlicher euroskeptischer Argumentationen innerhalb von EU-Debatten, während pro-integratorische Selbstbeschreibungen &#8218;Europas&#8219; als friedensschaffend, wohlstandsfördernd (funktional), als &#8218;Sachzwang&#8219; und Zukunftsprojekt weitgehend uniform sind. Worin unterscheiden und ähneln sich nun diese Amalgame von Selbstbeschreibungen und EU-Kritiken der Euroskeptiker?</p>
         </section>
         <section id="N11A1A" label="6.6">
            <head>Die zwei besten Demokratien der Welt<footnote numbering="arabic" start="472">
                  <p> Die folgende Textpassage ist die überarbeitete Fassung des Textes Hille 2002: 41f.</p>
               </footnote>
            </head>
            <p>
               <citenumber id="N11A29" start="140"/>Gemeinsam sind Norwegern und Schweizern die starken demokratischen Traditionen beider Länder. Demokratie, Nation und Nationalstaat sind untrennbar miteinander verschränkt. Deshalb wird die Aufweichung der nationalen Gemeinschaft und ihrer staatlichen Institutionen als Gefährdung der Demokratie eingestuft. Die nationale Selbstbeschreibung beinhaltet das Postulat, demokratischer als andere Nationen zu sein. Dieses Bild wird durch die Mängel der demokratischen Legitimation der EU verfestigt. Deshalb erscheinen Demokratie und Europäische Union in beiden Ländern fast zwangsläufig als Gegensatzpaar. </p>
            <p>Die Grundformeln, auf denen diese Herrschaft des Volkes basiert, sind jedoch diametral entgegengesetzt. Homogenität und Vertrauen in Norwegen versus Heterogenität sowie gegenseitige Kontrolle der zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Subeinheiten in der Schweiz. Diese unterschiedlichen politischen Kulturen zeigen sich besonders beim Datenschutz. Dieser ist in Norwegen aufgrund der geforderten Transparenz schwach und in der Schweiz als Schutzrecht des Bürgers gegenüber dem Staat stark ausgeprägt. Entsprechend kritisiert NTEU die &#8218;Heimlichkeit&#8219; der Entscheidungsprozesse innerhalb der EU und die Nicht-Öffentlichkeit von Dokumenten, während die AUNS/SVP Einschränkungen des Bankgeheimnisses fürchtet (was selbstverständlich auch handfeste materielle Gründe für die Schweiz als Finanzdrehscheibe hat).</p>
            <p>Da ein föderales System außerhalb der norwegischen Konzeption von Staat und Gesellschaft<footnote numbering="arabic" start="473">
                  <p> So hebt etwa Tiilikainen hervor, dass in den lutheranischen Nationalstaaten Nordeuropas föderalistische Vorstellungen unbekannt sind. Der Staat ist vielmehr eine ungeteilte und direkt mit dem Bürger in Interaktion tretende Einheit. Es gibt keine relevanten politischen oder religiösen Einheiten, die einen konkurrierenden Loyalitätsanspruch erheben. Siehe Tiilikainen 1998. </p>
               </footnote> steht, ruft dies das Bild eines übermächtigen Zentrums in Brüssel hervor. Dieser europäische Superstaat reaktiviert die Muster der Mobilisierung der Peripherie des 19. Jahrhunderts gegen das nationale Zentrum Oslo (und die damalige dänische und schwedische &#8218;Fremdherrschaft&#8219;). Die norwegischen Euroskeptiker wehren sich gegen ein föderales Europa, weshalb sie von Schymik als Anti-Föderalisten bezeichnet werden.<footnote numbering="arabic" start="474">
                  <p> Siehe Schymik 2001, 2004.</p>
               </footnote> Diese Bezeichnung ist treffend. Gründe für den Anti-Föderalismus liegen zum einen im skandinavischen Staatsverständnis und der Nicht-Erfahrung von föderalen politischen Strukturen. Ein Staat &#8211; wie auch der von den Euroskeptikern befürchtete Superstaat &#8211; wird nach dem Vorbild nordeuropäischen Nationalstaaten als omnipotentes Machtzentrum angesehen. Im Gegensatz zum guten Nationalstaat wird dieses Machtzentrum jedoch nicht durch das gute Volk gebildet, legitimiert und kontrolliert. Aus dieser Sichtweise wird verständlich, warum die föderalistischen &#8218;Vereinigten Staaten von Europa&#8217; bei NTEU eine viel beschriebene Schreckensvision sind. Aus einer deutschen Perspektive ist dies etwas verwirrend, da Föderalismus als Gegengewicht zu einem zentralisierenden Europa verstanden wird. Wenn in Deutschland gesagt wird, dass Europa föderal ist, so ist gemeint, dass es nicht zentralistisch ist. Für norwegische Euroskeptiker ist ein föderales Europa dagegen eher ein zentralisierendes Europa. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie perfide die Auswahl des obigen Fischer-Zitates <em>(&#8222;Die EU ist bereits föderalistisch. Sie ist nur nicht demokratisch.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="475">
                  <p> &#8222;EU er allerede føderalt. Det er bare ikke demokratisk.&#8220; So zitiert NTEU Fischer nach der norwegischen Tageszeitung Dagens Næringsliv vom 24.Juli 2000 (Nei til EUs skriftserie Nr. 3 2000 Ja til folkestyre: 3).</p>
               </footnote>) von NTEU ist. Fischer ist schließlich der ideale Kronzeuge. Unheimlich ist er als Vertreter der Großmacht Deutschland, als führender EU-Politiker und Machtmensch. Zugleich erweckt er als Grüner auch Vertrauen, weil dies dem politischen Spektrum der norwegischen EU-Gegner entspricht. Wenn ein solcher Kronzeuge einräumt, dass Europa undemokratisch und föderalistisch - also zentralistisch - ist, so ist Integrationswiderstand eine Notwendigkeit. In einem Land, in dem alle wesentlichen Konflikte zwischen der machtvollen Peripherie und dem Zentrum (Oslo) verlaufen, ist Zentralismus das Stichwort um Widerstand zu mobilisieren. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11A50" start="141"/>Wenn die norwegischen Euroskeptiker Anti-Föderalisten sind, wie müssen dann die schweizerischen Euroskeptiker eingeordnet werden? Schließlich stellen sie sich als Bewahrer des Föderalismus dar. Müsste nicht gerade in der Schweiz die Idee einer &#8218;europäischen Föderation&#8219; Unterstützung finden, da sie nach dem Vorbild der Schweiz konstruiert werden könnte, wie die EU-Befürworter nicht müde werden zu unterstreichen? Die Antwort liegt im Bezugspunkt. Die Euroskeptiker in der Schweiz kämpfen gegen die Vorherrschaft der städtischen Zentren und gegen eine Vereinnahmung durch Bern (das abgesehen von seiner politischen Funktion kein dominantes Zentrum ist). So heißt es in der Zusammenfassung der Gründe für die Ablehnung der EU: </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Für die Schweizerinnen und Schweizer würde eine EU-Integration bedeuten: die Abtretung politischer Macht des Volkes an die Regierungen in Bern und EU-Brüssel&#8220;<footnote numbering="arabic" start="476">
                        <p> Rückseite der AUNS-Broschüren wie Blocher 1999.</p>
                     </footnote>.</p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N11A67" start="142"/>Sie lehnen - ebenso wie die norwegische Peripherie - die Dominanz eines Zentrums ab. Anders als die norwegischen EU-Gegner sehen sie aber im Föderalismus ein Mittel um die Macht des Zentrums einzuschränken. Sie befürworten deshalb Föderalismus im Nationalstaat, stellen sich aber gegen die Idee einer europäischen Föderation. Insofern könnte man die schweizerischen Euroskeptiker als anti-föderalistische Föderalisten bezeichnen. Wenn sie Zentren akzeptieren, dann noch am ehesten das schwache nationale. Wie bei NTEU ist Euroskeptizismus bei AUNS/SVP nicht nur gegen Brüssel, sondern zugleich gegen das nationale politische Zentrum und die &#8218;Politische Klasse&#8217;<footnote numbering="arabic" start="477">
                  <p> In der Schweiz ist der Begriff der Politischen Klasse wesentlich verbreiteter als in Norwegen. So benutzt AUNS/SVP diesen Begriff häufig, während NTEU eher von &#8218;Eliten&#8217; spricht.</p>
               </footnote> gerichtet - die Vögte aus Brüssel und Bern. Dies muss als Ausdruck des sozio-kulturell-ökonomischen ländlichen Hintergrundes großer Teile der Euroskeptiker gewertet werden. Das von EU-Gegnern betonte Erklärungsmuster für die Stärkung der nationalen Hauptstädte durch den Integrationsprozess ist dabei intergouvernementalistisch. Die Schwächung der schweizerischen Kantone und der norwegischen Peripherie wird mit der zunehmenden Möglichkeit der nationalen Regierungen begründet, innenpolitische Entscheidungen und Kompetenzen via Brüssel und gegen das Volk durchzusetzen. Zudem wirkt Integration bedrohlich, weil sie als prozesshaft und unumkehrbar beschrieben wird. Funktionalistische Integrationstheorien und das Konzept eines &#8218;Kerneuropas&#8217; sind zudem ideal zur Mobilisierung von Euroskeptizismus geeignet. Denn bei einer <em>&#8218;ever closer Union&#8217;</em> gibt es kein zurück mehr &#8211; oder in euroskeptischer Terminologie <em>&#8222;Keine Garantie und kein Umtauschrecht&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="478">
                  <p> So ein Slogan von NTEU: Vgl. Bildnachweis: NTEU-Plakate (K.A.) Foto der bunten Pinnwand von NTEU.</p>
               </footnote>. Integration bedeutet folglich auf Gedeih und Verderb an die undemokratische, zentralistische EU und an die bevölkerungsreicheren anderen Nationen gekettet zu sein. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Gefühl von Ausgeliefertsein gegenüber den vielen hundert Millionen Europäern.</p>
            <p>Norwegische und schweizerische EU-Gegner haben ein entgegengesetztes Gemeinschafts- und Staatsverständnis. Dennoch folgen sie ähnlichen euroskeptischen Haltungen. Neben den Interessen der Peripherien kommen die kollektiven Selbstbeschreibungen als Musterdemokratien zum Ausdruck. Die Inhalte der demokratischen Legitimation des Nationalstaates sind jedoch grundverschieden. Deshalb scheint Euroskeptizismus weniger von der tatsächlichen Staatsorganisation abzuhängen, als vielmehr von dem festen Glauben daran, dass im eigenen Staat die jeweils bestmöglichste Form des menschlichen Zusammenlebens gefunden wurde. Deshalb wird dieses gute Gemeinwesen verteidigt.<footnote numbering="arabic" start="479">
                  <p> Vgl. Hille 2002: 41f.</p>
               </footnote> Konsequent weiter gedacht bedeutet dies, dass sämtliche politikwissenschaftlichen und juristischen Analysen, welche die Folgen eines EU-Beitritts für die politischen Systeme und die Machtverteilung innerhalb der Nationalstaaten abschätzten, so gut wie keine Bedeutung für die öffentlichen Integrationsdiskurse haben.<footnote numbering="arabic" start="480">
                  <p> Ausnahmen bilden Integrationsdiskurse innerhalb der Eliten. Allerdings ist auch in diesem Zusammenhang anzunehmen, dass wissenschaftliche Expertise lediglich integrationsbefürwortende Standpunkte reproduziert.</p>
               </footnote>
            </p>
            <subsection id="N11A94" label="6.6.1">
               <head>Demokratie und Wirtschaft</head>
               <p>Selbst ökonomische Gründe für die Nicht-Integration werden in den Schriften von NTEU häufig als Verlust der demokratischen Kontrolle durch das Volk interpretiert. <em>&#8222;Das Öl hat großen Wert ... Lasst uns nicht die Kontrolle über diesen natürlichen Reichtum abgeben.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="481">
                     <p> Bildnachweis: NTEU-Plakat Oljen har stor verdi.</p>
                  </footnote>Die Koppelung der demokratischen Kontrolle mit den wirtschaftlichen Argumenten hat in Norwegen aber auch einen ganz profanen Grund: die norwegische Wirtschaft und Norwegens Reichtum basiert auf seinen natürlichen Ressourcen. Die Kontrolle über Öl/Gas und über die Fischereigründe Norwegens ist von zentraler ökonomischer Bedeutung. Über die hohen staatlichen Beteiligungen und die Kontrolle des Staates über den Energiesektor sind große Teile der Wirtschaft tatsächlich unter der Kontrolle des Staates und damit unter der demokratischen Kontrolle des Volkes. Auch wenn NTEU die Kontrolle des Volkes über die Wirtschaft im kapitalistischen Norwegen überbetont, die Gefahr eines Verlustes der Ressourcen durch einen EU-Beitritt übertreibt und die Allmacht des norwegischen Staates weit überschätzt, so ist es tatsächlich eine Frage der Kontrolle über Ressourcen. Demgegenüber beziehen sich wirtschaftliche Fragen in der Schweiz eher auf ihre Stellung auf dem Weltmarkt und ihre Konkurrenzfähigkeit. Bisweilen fordert jedoch auch AUNS/SVP, dass Volksbesitz, wie die Goldreserven der Zentralbank, dem Schweizer Volk gehörten und folglich nicht verscherbelt werden dürften.<footnote numbering="arabic" start="482">
                     <p> Vgl. Fehr (2002).</p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11AB1" start="143"/>Die Forderung, dass das Volk das Land und seine Ressourcen besitzen und/oder kontrollieren soll, stellt die Schnittstelle zwischen wirtschaftlicher, nationaler und demokratischer Argumentation dar. Für NTEU ist diese Argumentationslinie innerhalb des EU-Diskurses wichtiger als für AUNS/SVP. Aber auch bei den schweizerischen Euroskeptikern findet sich die Vorstellung, dass das Volk über die nationalen Ressourcen verfügen soll. Dies soll jedoch nicht in Form einer Kontrolle des ganzen Volkes in demokratischer Mehrheitsentscheidung über die nationalen Ressourcen geschehen. Vielmehr strebt AUNS/SVP eine Kapitalbeteiligung des Volkes an der &#8218;Swiss-AG&#8217; an. Insgesamt ist die Forderung nach demokratischer Kontrolle über umfangreiches staatliches Eigentum bei NTEU wesentlich ausgeprägter als bei der neoliberalen AUNS/SVP. </p>
            </subsection>
            <subsection id="N11AB6" label="6.6.2">
               <head>Der idealisierte Kleinstaat</head>
               <p>Als Begründung dafür, dass die Schweiz und Norwegen gute Gemeinwesen sind, spielt die Idealisierung des wohlgeordneten Kleinstaates als friedlich, demokratisch und wirtschaftlich leistungsfähig eine große Rolle, wobei dieser letzte Aspekt in der Schweiz ungleich wichtiger ist. Umgekehrt wird die EU als potentiell kriegerisches, undemokratisches und chaotisches Gebilde dargestellt. Dass Euroskeptiker sich gegen die <em>&#8222;Ideologie des Großräumigen&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="483">
                     <p> Siehe Mörgeli 2000. </p>
                  </footnote> richten, ist teilweise die logische Konsequenz einer Gegen-Integrations-Bewegung, denn Integration ist ein Vorgang der Vereinigung kleinerer Einheiten zu einer größeren. Selbst im unwahrscheinlichen Fall einer EU-Beitrittsdiskussion in der VR China könnten chinesische Euroskeptiker deshalb mit Fug und Recht gegen die Vereinigung zu einer noch größeren Einheit agitieren. </p>
               <p>In den EU-Debatten wird häufig ein <em>David und Goliath-Motiv</em> verwendet. So widersteht etwa die Dorfschönheit &#8218;Helga&#8217; in einem Lied von NTEU den Werbungen des protzigen Goliaths, der sie mit Attributen städtischer, kontinentaler Großmannsucht - wie Sportauto, Café, Kino, Urlaub im Süden und Wein - umwirbt und entscheidet sich für David. Da Goliath, der Muskelprotz, aggressiv wird, muss David ihn schließlich mit einem geschickten &#8218;Judo-Griff&#8217; besiegen. Die im Lied selbstironisch gezogene Moral ist einfach: Es geht um Klein gegen Groß, um David gegen die Union; der norwegische EU-Widerstand kann gegen die Verlockungen und Drohungen der machtvollen Union bestehen, denn so der Refrain:<em> &#8222;Nein, nein zum tau</em>
                  <em>sendsten mal Mutter Norwegen ist nicht zu verkaufen.&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="484">
                     <p> Vgl. den Walzer &#8222;Nei, Nei for tusande gong&#8220; Track 8 auf der Cd von NTEU: Nei&#8217;94 Cd. Der Spruch &#8218;Nein zum Ausverkauf von Norwegen&#8217; stammt nach Bjørklund bereits aus dem Streit von 1906 über ein Gesetz, welches die Investitionen von Ausländern in Norwegen regelte (vgl. Bjørklund 1982: 71, 137). </p>
                  </footnote>
               </p>
               <p>
                  <citenumber id="N11ADF" start="144"/>Das Thema &#8218;klein und gut&#8217; gegen &#8218;groß und schlecht&#8217; bietet sich für Euroskeptiker aus vielen Gründen an. Zunächst beruht die Idealisierung des Kleinstaates in beiden Ländern auf einer lange Tradition. Zudem handelt es sich bei der Europäischen Integration um die Bildung eines großen Gemeinwesens und Staatsgebildes. Schließlich ist ein wesentliches Argument für die Integration, dass ein größeres politisches und wirtschaftliches Gebilde effizienter und politisch, militärisch, kulturell und wirtschaftlich, vor allem gegenüber den USA, konkurrenzfähiger sei. Die Euroskeptiker übernehmen nur die Gegenposition, indem sie betonen, dass gerade die kleinräumige Struktur und die Vielfalt Europas im wirtschaftlichen Bereich ein entscheidender Konkurrenzvorteil seien, politisch zu mehr Bürgernähe führe und kulturell Vielfalt und Einzigartigkeit ermögliche. Der Vorstellung einer möglichst großen Einheit und ihrer homogenisierenden Wirkung wird die Vorstellung einer Vielfalt von kleinen, agilen Gemeinwesen gegenüber gestellt, die unabhängig voneinander agieren. Sowohl die norwegischen EU-Gegner wie auch die schweizerischen teilen diese Prämisse. Bei der AUNS/SVP ist die wirtschaftliche und militärische Stärke der Schweiz das Mittel um die fremde Vereinnahmung durch die EU abzuwehren. Dagegen ist es das gewitzte Wesen des Norwegers, das herrliche Nicht-im-Gleichschritt-Marschieren, das den Norweger dazu bringt der Konformität der Union zu widerstehen. </p>
               <p>Ausgeprägt ist auch die Gegenüberstellung von gesundem Menschenverstand und Bürgersinn auf der einen Seite und dem abgehobenen Expertentum der Eurokraten auf der anderen Seite. Diese Vorstellung ist sicher europaweit zu finden und nicht spezifisch für beide Länder. Bemerkenswert ist aber, dass in der Schweiz eine rechtspopulistische Vorstellung eines dem gesunden Verstand entgegenlaufenden, korrupten, sich selbst bedienenden Politikers vorherrscht. Das Bild der norwegischen, linken EU-Kritiker ist ähnlich gebaut, hat aber die Tendenz, die Herrschenden in der EU zum verlängerten Arm des Kapitals zu stilisieren. In Bezug auf den Vorwurf eines bürokratischen Wasserkopfes sind die neoliberalen Schweizer EU-Gegner in ihrer Argumentation kohärent, weil sie insgesamt für weniger Staat plädieren. Die norwegischen EU-Gegner treten für einen starken Nationalstaat ein, beschreiben die EU aber zugleich als überbürokratisiert. Dies gründet auf der Annahme, dass die nationale Bürokratie besonders leistungsfähig und gut sei. Die nationalen Eingriffe in die Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte des Bürgers durch den norwegischen Staat - wie die restriktive Alkoholpolitik - werden als Ausdruck des demokratisch legitimierten Willens des Volkes und als gute, richtige Entscheidungen eingestuft. Demgegenüber werden Entscheidungen aus Brüssel nicht nur als falsch, sondern vor allem als fremdbestimmt gewertet: <em>&#8222;Wir sollten entscheiden &#8211; und nicht die!&#8220;</em>
                  <footnote numbering="arabic" start="485">
                     <p> &#8222;Vi skal styr&#8217; &#8211; ikkje dem!&#8220; (Vi si nei, Track 2, Nei&#8217;94 CD). Wie häufig benutzt NTEU die Vokabel &#8218;steuern&#8217; für nationale &#8218;Selbstbestimmung&#8217; und Demokratie: </p>
                  </footnote>
               </p>
            </subsection>
         </section>
         <section id="N11AF3" label="6.7">
            <head>Schlussfolgerungen</head>
            <p>Insgesamt sind demokratiebezogene Argumentationen für die Euroskeptiker von übergeordneter Bedeutung. Für die Wähler sind dies die ausschlaggebenden Nein-Argumente. Der Hauptunterschied zwischen der Argumentation von AUNS/SVP und NTEU besteht jedoch in ihrer Gewichtung. Für die AUNS/SVP ist die Verteidigung der direkten Demokratie ein wesentliches Argument, das gleichberechtigt neben der Neutralität steht. Zudem wird offen nationalistische, historische und ökonomische Argumentation und Rhetorik benutzt. Die Verteidigung der Demokratie nimmt keinen absolut übergeordneten Stellenwert ein wie bei NTEU, die sämtliche Argumentationen als Ableitung der Gegenüberstellung &#8218;<em>Demokratie oder Union&#8217;</em> verstehen. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11B00" start="145"/>Keinesfalls lässt sich dieser Unterschied in der Gewichtung des Demokratieargumentes in beiden Ländern mit antizipierbaren Veränderungen des EU-Beitrittes oder mit den Strukturen der politischen Systeme begründen. In Norwegen wird die Demokratie nicht deshalb erbitterter verteidigt, weil diese besser oder inkompatibler mit dem EU-System ist als in der Schweiz. Im Gegenteil: Das schweizerische direktdemokratische System ist nur schwerlich mit den repräsentativ-parlamentarischen Demokratieformen vereinbar. Ein EU-Beitritt könnte erhebliche Änderungen hin zu einer stärker repräsentativ geprägten Demokratie verursachen.</p>
            <p>Dies ist in Norwegen nicht der Fall. Norwegen ist eine normale repräsentative parlamentarische Demokratie, bei der die Regierung mittels einer zentralistischen Verwaltung das Land regiert. In Bezug auf die Besonderheiten des politischen Systems gibt es gute Gründe für die Schweizer eine Integration abzulehnen, um das bestehende politische System zu konservieren. Pointiert formuliert würden es die meisten Norweger vermutlich nicht einmal merken, dass sie nicht mehr von Oslo, sondern von Brüssel <em>&#8218;ferngesteuert&#8217; </em>werden - ein Szenario, von dem die Integrationsbefürworter schon seit geraumer Zeit behaupten, dass es längst eingetroffen sei.<footnote numbering="arabic" start="486">
                  <p> Im Gegensatz zum Begriff &#8218;fjernstyre&#8217; der Nein-Seite benutzten die Befürworter den Begriff der &#8218;faxdemokrati&#8217;, was bedeutet, dass das norwegische Parlament lediglich, die &#8218;per Fax&#8217; aus Brüssel ankommenden Gesetze und Verordnungen in norwegisches Recht überträgt.</p>
               </footnote> Die Selbstbeschreibung, dass Norwegen demokratischer sei, lässt sich nur aus der politischen Kultur und der Gemeinschaft eines sich selbst als egalitär und demokratisch beschreibenden Volkes, das in nahem, unhierarchischem Verhältnis zu seinen Regierenden steht, erklären.</p>
            <p>Die Verteidigung der nationalen Gemeinschaft wird dadurch zum Ausdruck des Demokratiebewusstseins der Bürger. Und die Koppelung von Nation, Nationalstaat und Demokratie verschafft der Sache der EU-Gegner eine universelle normative Legitimation, die weit über wirtschaftliches Interesse hinausgeht. Demokratie und Nation sind damit die zentralen normativen Quellen für die Mobilisierung der Bevölkerung gegen die Integration. Die norwegischen EU-Kritiker sind dabei ungleich stärker auf rationalisierte und explizite demokratiebezogene Argumentationen fixiert als die schweizerischen. NTEU kann seine demokratiebezogene Argumentation dabei auf eine feste, sichere nationale Gemeinschaft bauen. Dieses nationale Wir wird durch staatsnationalistische und primordiale Elemente zusammengehalten. Es kann ein klares nationales Interesse und einen gemeinsamen Volkswillen, der durch die nationale Demokratie zum Ausdruck kommt, formulieren. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11B17" start="146"/>Die schweizerischen EU-Gegner müssen die primordiale Gemeinschaft dagegen ständig konstruieren und gegen Kritik verteidigen. Zudem ersetzt ihre Vorliebe für nationale Narration, die von Demokratie und Freiheit handelt (Rütli/Tell/Reduit), eine stringente demokratiebezogene Argumentation. Schließlich gehört es zum Selbstverständnis und zur Taktik der AUNS/SVP durch gezielte Verletzungen des politisch Korrekten chauvinistisch- nationalistisch zu argumentieren. Kein Blatt vor den Mund zu nehmen und nicht lieb zu sein, entspricht den Selbstzuschreibungen einer rechtspopulistischen Bewegung. Zugleich ist dies aber Indiz für die Marginalisierung dieser Gruppe in der schweizerischen Gesellschaft und innerhalb der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Elite. </p>
            <p>Zunächst wird durch den normativen Gehalt der Demokratieverteidigung das einseitige Bild der Euroskeptiker als Interessengruppe von benachteiligten Sektoren, Regionen und anderen gesellschaftlichen Gruppen gekontert. Euroskeptiker sind damit nicht mehr nur ein kleiner Klüngel von gesellschaftlichen Verlierern, sondern sie erheben einen positiven Gestaltungsanspruch für die gesamte Gesellschaft. Für die norwegischen EU-Gegner, die wohl auch aus diesem Grunde verstärkt auf die Demokratiekarte setzen, ermöglicht das Demokratieargument die komplette Einbeziehung nationalistischer Vorstellungen ohne diese explizit nennen zu müssen. Gestützt wird die Verbindung von Demokratie und Nation und nationalem demokratischen Wertekodex durch die Geschichten, welche die Euroskeptiker über ihre nationale Geschichte erzählen. In beiden Ländern ist es der Topos des freien Bauern, der um sein Recht kämpft und ein demokratisches Gemeinwesen bildet.</p>
            <p>Die Gegenüberstellung der &#8218;undemokratischen Union&#8219; und des demokratischen Nationalstaates ist die wichtigste ideologische Ressource der Euroskeptiker, denn dies stellt einen starken normativen Begründungszusammenhang her, der zudem auf der berechtigten Kritik am EU-Demokratiedefizit basiert. Die Durchschlagskraft dieses Argumentes wird noch dadurch erhöht, dass die kollektiven Selbstbeschreibungen der Norweger und Schweizer auf dem Postulat beruhen besonders demokratisch zu sein. Anders als etwa in der deutschen Tradition wird das eigene Land als Musterdemokratie eingestuft. Dies führt zum einen zu einem robusten Selbstbewusstsein gegenüber der &#8218;undemokratischen Union&#8219; und zugleich zu der Vorstellung, dass die jeweilige demokratische Verfasstheit der Nation und des Nationalstaates eine &#8218;Zauberformel&#8219; für das menschliche Zusammenleben enthält.</p>
            <p>
               <citenumber id="N11B23" start="147"/>Grundlegende Unterschiede bestehen jedoch in der Rezeptur der nationalen &#8218;Zauberformeln&#8219;. Die Schweiz ist ein subsidiär und föderalistisch aufgebautes Staatswesen, während Norwegen ein lutheranischer Einheitsstaat mit starken sozialstaatlichen Traditionen ist. Die Schweizer beschreiben sich als eine lose, heterogene und dünne staatsnationalistische Gemeinschaft, die auf der Abwehr äußerer Feinde und einer vorsichtigen Austarierung von Macht und Interessen beruht. Demgegenüber beruht der norwegische Code auf der Konstruktion einer engen, vertrauensvollen Gemeinschaft von Gleichen. </p>
            <p>Da sich diese beiden Rezepturen inhaltlich grundlegend unterscheiden, scheinen ihre Inhalte weitgehend austauschbar zu sein. Was vielmehr zählt, ist das Bewusstsein der Überlegenheit des eigenen Staates und ihrer Gemeinschaft. Erst diese normative Sichtweise erklärt, warum Abstimmungen über ein bisschen mehr oder weniger Integration zu massiver Mobilisierung in der Bevölkerung und zu verbissener Verteidigung des Nationalstaates führen. Auch Euroskeptiker räumen ein, dass Norwegen und die Schweiz nicht der Himmel auf Erden sind, aber sie streichen zugleich heraus, dass diese Gesellschaften diesem Ideal am nächsten kommen und viele der Fehler auf vorhandene Diffusion mit der EU zurückzuführen sind.</p>
         </section>
      </chapter>
      <chapter id="chapter7" label="7">
         <head>
            FRIEDLICHER KLEINSTAAT ODER EUROPA?
         </head>
         <p><citenumber helper="true" id="N11B31" start="147"/>
            Die Vermeidung von Krieg in Europa ist die wichtigste Quelle der Legitimation der Europäischen Integration. Wenn Integration Frieden schafft und zur Verhinderung der &#8218;Europäischen Bruderkriege&#8217; beiträgt, dann sind Euroskeptiker potentielle Kriegsreiber. AUNS/SVP und NTEU weisen diesen Vorwurf zurück und drehen den Spieß um, indem sie ihren Nationalstaat als friedlich und die EU als aggressiv beschreiben. Dabei stellen sie folgende Thesen auf:
         </p>
         <p>
            <citenumber id="N11B36" start="148"/>
            <ol numbering="arabic">
               <li>
                  <p>
                     Norwegen war immer friedlich.
                  </p>
               </li>
               <li>
                  <p>
                    Die Schweiz hat sich nur verteidigt.
                  </p>
               </li>
               <li>
                  <p>
                     Es gibt keinen vernünftigen Grund anzunehmen, dass ein großes Gebilde nach außen friedlicher ist als viele kleine.
                  </p>
               </li>
               <li>
                  <p>
                     Großmächte bzw. Supermächte sind ihrem Wesen nach aggressiv.
                  </p>
               </li>
               <li>
                  <p>
                     Die EU ist der verlängerte Arm aggressiver Großmächte.
                  </p>
               </li>
               <li>
                  <p>
                     Die EU ist ein heterogenes Gebilde und kann nur mit &#8218;Blut und Eisen&#8217; zusammengeschweißt werden.
                  </p>
               </li>
            </ol>
         </p>
         <p>Diese gegenseitigen Schuldzuschreibungen machen den nationalen Freiheitskampf als Erklärung für die Motive der Euroskeptiker prominent. Für die Euroskeptiker ist der nationale Verteidigungskampf eine rhetorische Zuspitzung ihres friedlichen Anliegens, die nationale Gemeinschaft und den Nationalstaat zu bewahren. Mit dem Thema des Freiheitskampfes können sie versuchen die nationale Gemeinschaft zu rekonstruieren und zu mobilisieren. Damit begeben sie sich jedoch argumentativ auf ausgesprochen dünnes Eis. Schließlich bestätigen sie das Vorurteil der Integrationsbefürworter, dass Euroskeptizismus ein - letzter - unvernünftiger, atavistischer Verteidigungsreflex aggressiver Nationalisten gegen das &#8218;friedliche Europa&#8217; sei. Wie gehen die Euroskeptiker mit dem sensiblen Thema des nationalen Freiheitskampfes um, und wie konstruieren sie die internationale Staatenwelt?</p>
         <section id="N11B65" label="7.1">
            <head>Die Staatenwelt bei NTEU und AUNS/SVP</head>
            <p>Für die Euroskeptiker in beiden Ländern spielt der Gegensatz zwischen den undemokratischen, kriegerischen Großmächten Europas bzw. der &#8218;Supermacht Europa&#8217; und dem friedlichen, demokratischen Kleinstaat eine zentrale Rolle. Friedlichkeit wird aus der demokratischen Verfasstheit, der geschichtlichen Erfahrung, insbesondere in Norwegen aus der normativen Überlegenheit des Volkes und dem geringen Angriffspotential des Kleinstaates abgeleitet. Dies setzt ein Verständnis über die Funktionsweise der Staatenwelt voraus. Die Beschreibung der Staatenwelt durch AUNS/SVP und NTEU ist grundverschieden. Die norwegischen Euroskeptiker vertreten idealistische, pazifistische Werte und Konzepte internationaler Politik, während die AUNS/SVP ein starres realistisches Bild von einer Anarchie der Staaten zeichnet.
               <footnote numbering="arabic" start="487">
                  <p> Siehe die AUNS-Broschüre von Bachofner 2000.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N11B77" start="149"/>
               Bereits die Gegenüberstellung der Grundsatzprogramme zeigt, dass Außen- und Sicherheitspolitik für die AUNS von zentraler und für NTEU von untergeordneter Bedeutung ist. Klipp und klar formuliert die AUNS, dass es hauptsächlich um Unabhängigkeit, Neutralität und Sicherheit geht. Die AUNS definiert ihre Aufgabe in der Überwachung des eigenen Staates in Bezug auf außenpolitische Entscheidungen. Grund für diese Betonung der Außenpolitik ist die Entstehung der AUNS als Bewegung gegen den UNO-Beitritt der Schweiz in den 80er Jahren.
            </p>
            <p>
               So hebt die AUNS folgende Ziele hervor:
            </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N11B84" start="150"/>&#8222;Wir überwachen die Aussenpolitik des Bundes; orientieren Mitglieder und Schweizervolk über Problemfelder der schweizerischen Aussenpolitik. Wir setzen uns für die Wahrung der Unabhängigkeit, der Neutralität und der Sicherheit der Schweizerischen Eidgenossenschaft ein. Wir kämpfen für eine Aussenpolitik des Bundes, welche die integrale und traditionelle Neutralität respektiert und damit die Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes gewährleistet. Wir verhindern Aktivismus bei der Aussenpoltik und unnötige internationale Engagements.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="488">
                        <p> Siehe die AUNS-Seite unter &#8222;Unsere Ziele&#8220; (Stand vom 21.11.02).</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               NTEU merkt dagegen in einem Programmpunkt an: 
            </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N11B9B" start="151"/>
                     &#8222;Wir haben erfahren, dass wir am besten klarkommen, wenn wir uns selber regieren und als selbstständige Nation eng mit anderen Ländern zusammenarbeiten können.&#8220;
                     <footnote numbering="arabic" start="489">
                        <p> Grundpfeiler 1992.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               Wie in allen anderen Programmpunkten von NTEU wird vor allem auf die Selbstständigkeit und die freie Entscheidung abgehoben. Zudem wird die &#8222;freie Nation&#8220; als Grundkonstante internationaler Kooperation betont und damit der Auflösung von Nationalstaaten eine Absage erteilt. Im Weiteren tritt NTEU dem Vorwurf entgegen, Norwegen isolieren zu wollen. Die Integrationsfrage wird auf einen globalen, idealisierten Vergleichsmaßstab bezogen. Im Vergleich zu dieser idealen weltweiten Integration schneidet die EU nicht nur schlecht ab, sondern sie verhindert die Entstehung dieser guten Welt als Macht-, Militär- und Handelsblock. NTEU schafft mit der Projektion einer idealisierten weltweiten Integration einen utopischen Vergleichsmaßstab. Auch wenn Integration damit de facto auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird, so wird dieses Fernziel einer weltweiten, gerechten Integration normativ positiv geladen und damit eine Alternative zur EU-Integration angeboten. 
            </p>
            <p>
               Damit unterscheidet sich NTEU grundlegend von der Bewertung der AUNS/SVP, die weltweite Integration rundheraus als irreal ablehnt. Denn für die AUNS/SVP ist der Nationalstaat das Subjekt, welches sich in einer harten realistischen Staatenwelt behaupten muss: </p>
            <p>
               <citenumber id="N11BB1" start="152"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Auch nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch des Sowjetimperiums ist die Weltpolitik gekennzeichnet und dominiert durch die Macht- und Interessenpolitik verschiedener Staaten.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="490">
                        <p> SVP Parteiprogramm 1999: 7.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>In dieser harten Welt der Staaten hat die Schweiz den optimalen Weg gefunden:</p>
            <p>
               <citenumber id="N11BC8" start="153"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Die Schweiz hat sich vom Armenhaus Europas zum wirtschaftlich erfolgreichsten Land entwickelt, weil sie ihren eigenen Weg gegangen ist. Sie ist zum Vorbild für Freiheit und Wohlstand geworden.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="491">
                        <p> Blocher 2001: 19.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Die schweizerischen EU-Gegner argumentieren zwar ebenfalls, dass die Schweiz international kooperativ ist und betonen insbesondere die wirtschaftliche Liberalität der Schweiz. Der &#8218;unabhängigen&#8217; Schweiz wird ebenfalls eine positive Rolle bei der Schlichtung internationaler Konflikte zugeschrieben. Hier drängt sich die Schweiz aber nicht auf. Aus der Position einer militärisch und wirtschaftlich starken und im Jargon der AUNS/SVP &#8218;selbstbewussten Schweiz&#8217;, werden Verhandlungen unterstützt. Das Motto ist: Wir drängen uns nicht auf. Wir helfen aber eventuell, falls wir gefragt werden. Auf keinen Fall findet jedoch eine Aufopferung für andere oder eine Missionierung statt. Dabei muss jede Nation selber sehen, wo sie bleibt. Isolation und das &#8218;bei sich bleiben&#8217; ist Basis für ein gutes, friedliches Leben und eventuelle, begrenzte Hilfe für andere wie etwa durch das Rote Kreuz &#8211; schließlich gehört nach Blocher <em>&#8222;Heroismus dazu, sich auf einer so unruhigen Weltkugel so wenig wie mög</em>
               <em>lich zu bewegen&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="492">
                  <p> So zitiert Blocher einen französischen Schriftsteller über die Schweiz (Blocher 1999: 6).</p>
               </footnote> Jegliche übermäßige Vermischung oder Missionierung wird als illegitime Einmischung in die Angelegenheiten der anderen gewertet. Und erneut findet die AUNS eine einfache Analogie aus dem zwischenmenschlichen Bereich: </p>
            <p>
               <citenumber id="N11BED" start="154"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Was wir unseren Kindern in einfachen Worten sagen, mag auch richtig sein für den Umgang mit anderen Völkern: - misch dich nicht in Händel, die dich nichts angehen, und fang keinen Streit an, den du nicht gewinnen kannst.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="493">
                        <p> Bachofner 2000: 13.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Im Umkehrschluss sollen auch die anderen sich nicht in die Angelegenheiten der Schweiz einmischen. Deshalb wird jeglicher Schritt in Richtung Integration abgelehnt. Die AUNS/SVP wendet ein individualistisches Konzept von Eigenverantwortung auf die Staaten an. Demgegenüber formuliert NTEU die Idee einer netzwerkhaften, weltweiten Partnerschaft der Völker, denen das unabhängige, freie Norwegen als Vorbild und Helfer dient.</p>
         </section>
         <section id="N11C03" label="7.2">
            <head>
                Euroskeptizismus als Lehre der nationalen Geschichte 
            </head>
            <p>
               <citenumber id="N11C0A" start="155"/>
                Integrationsbefürworter betonen, dass Euroskeptizismus ein Relikt der spezifischen nationalen Geschichte sei. Innerhalb der nationalen Diskurse wird dies mit den Vokabeln wie &#8218;norwegischer Sonderweg&#8217;, &#8218;norwegische Eigenartigkeit&#8217; (saernorskhet), norwegische &#8218;Andersartigkeit&#8217;, dem &#8218;Sonderfall Schweiz&#8217;, dem &#8218;Einigelungsreflex der Schweizer&#8217; und der Metapher der &#8218;Schweiz als Insel&#8217; gekennzeichnet. Als wichtiger Grund für den schweizerischen Euroskeptizismus wird die jahrhundertelange Selbstbehauptung gegenüber &#8218;fremden Herrschern&#8217; und der darauf zurückgeführte &#8218;Einigelungsreflex&#8217; gesehen. Umgekehrt wird in Norwegen aber auch die nationale Geschichte der &#8218;jahrhundertelangen Unterdrückung&#8217; als Grund für den Integrationswiderstand angeführt. Demzufolge sei die späte, durch das Referendum von 1905 beschlossene Loslösung aus der Personalunion mit Schweden Grund für einen&#8218; nationalen Unterlegenheitskomplex&#8217;, der &#8218;Ängste vor Europa&#8217; auslöse. Zudem seien die Norweger dank dieser Geschichte mit einem besonderen Geist von Freiheitskämpfern beseelt und fühlten sich mit den Schwachen der Welt solidarisch. 
            </p>
            <p>
                Logisch scheinen sich diese Begründungen für Euroskeptizismus zu widersprechen: Entweder führt die Erfahrung der Selbstbehauptung oder die Erfahrung der Unterdrückung zu Integrationswiderstand. Diese Sichtweise greift aber zu kurz, weil historische Erfahrungen das Produkt von Interpretationen innerhalb eines aktuellen Diskurses sind. Deshalb können entgegengesetzte historische Ereignisse, wie Selbstbehauptung und Unterdrückung in den Argumentationen der Euroskeptiker zu denselben Schlussfolgerungen führen. Zudem können entgegengesetzte Erfahrungen gleichermaßen eine starke gemeinschaftsstiftende Funktion haben. Wie bereits betont wurde, sind glorreiche Schlachten ebenso wie schmachvolle Niederlagen und heldenhafter nationaler Freiheitskampf Kernbestandteile nationaler Selbstbeschreibungen. Die Geschichte vom gemeinsamen Kampf hat mehrere wichtige Funktionen für die Gemeinschaftsbildung. Die klare Unterscheidung zwischen Freund und Feind ermöglicht eine Abgrenzung gegen den Feind und die gleichzeitige Integration der politischen Gemeinschaft nach innen. Bildlich und wörtlich sammelt man sich um die eigene Fahne als Symbol der Gemeinschaft. Legitimiert wird der gemeinsame Kampf mit der Verteidigung der Gemeinschaft sowie der Wiederherstellung und Sicherung von universellen Werten wie Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit. Dabei wird den Entscheidern eine besondere Verantwortung für die  Fortschreibung und Weitergabe des Erbes der Vorfahren an zukünftige Generationen zugeschrieben, wie es etwa der schweizerische Euroskeptiker Bachofner formuliert: 
            </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N11C17" start="156"/>
                      &#8222;Die Schweiz blickt zurück auf viele Jahrzehnte beispiellos erfolgreicher Aussen- und Sicherheitspolitik. Die kommenden Generationen dürfen erwarten, dass wir ihnen das Erbe unbeschädigt weitergeben&#8220;. 
                     <footnote numbering="arabic" start="494">
                        <p> Bachofner 2000: 14.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
                Dass Euroskeptiker, zumal in wirtschaftlich erfolgreichen und demokratisch gefestigten Staaten, nach dem Motto argumentieren &#8218;never change a winning nation&#8217;, ist naheliegend. Es entspricht dem Bedürfnis die eigene Wir-Gruppe positiv zu verklären. Diese Tendenz zur positiven Selbstbeschreibung des eigenen Kollektivs gibt Euroskeptikern gegenüber den tendenziell an der Nation nörgelnden EU-Befürwortern einen strategischen Vorteil. Euroskeptiker müssen deutlich machen, dass die bestehende nationalstaatliche Gemeinschaft und Herrschaftsstruktur gegenüber der Integration von Vorteil ist. Inwieweit die Souveränität real durch Integrationsprozesse unterhöhlt wird, spielt für den Diskurs eine sekundäre Rolle. Entscheidend ist die von der Bevölkerung gespürte Souveränität. Insofern liegt es in der Dramaturgie eines EU-Streites, dass Euroskeptiker die nationale Gemeinschaft verklären. Diese Grundtendenz gilt auch für die norwegischen EU-Gegner. Dennoch sind aggressiv-nationalistische Töne mit Bezug auf die nationale Geschichte bei NTEU weniger deutlich als bei der AUNS/SVP. Zwar findet man außerhalb von NTEU auch in Norwegen vereinzelt Aufrufe gegen die Integration wie  <em>&#8222;Steh auf und kämpf für das Vaterland&#8220;</em> 
               <footnote numbering="arabic" start="495">
                  <p> Åleskjær 1994: 37.</p>
               </footnote>
                 sowie Vergleiche der EU mit dem Antichristen. Unvorstellbar ist dagegen, dass ein führender Vertreter von NTEU Sätze über den Zweiten Weltkrieg schreibt, wie folgende des charismatischen Vorsitzenden der AUNS, Christoph Blocher:  
            </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N11C39" start="157"/>
                      &#8222;Aber auch ein Teil der  <strong>führenden Kreise der Wirtschaft</strong> forderte damals die Anpassung an die uns umgebende Grossmacht, eine sofortige und stramme Ausrichtung an das &#8218;neue Europa&#8217; (wie oft wurde doch in der Geschichte und &#8211; auch heute wieder &#8211; mit einem&#8218; <strong>neuen Europa</strong> &#8217; hantiert). Viele Wirtschaftsführer glaubten Propagandaminister  <strong>Goebbels</strong>, der am 25. März 1941 verkündet hatte, die von Deutschland angestrebte Neuordnung Europas biete jedem Staat nur Vorteile (auch diese Schalmeien kommen uns nicht unbekannt vor). Wünsche die Schweiz nicht mitzumachen &#8211; sei das ihre Sache, werde aber zu ihrem wirtschaftlichen Nachteil ausschlagen (wer kennt denn diese Töne nicht aus heutigen Tagen!)&#8220; 
                     <footnote numbering="arabic" start="496">
                        <p> Blocher, 1998a: 9, dick gedrucktes entsprechend dem Orginal.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
                Gegen diese Deutlichkeit wirken Schriften der norwegischen Euroskeptiker zurückhaltend. Vielmehr ominös und ungenau formuliert NTEU solche historisch bedingten Vorbehalte, wie an dem bereits zitierten Programmpunkt der  <em>Grundpfeiler</em> deutlich wird (&#8222;Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir uns dann am besten zurechtfinden, wenn wir uns selbst regieren und als eigenständige Nation eng mit anderen Nationen zusammenarbeiten können.&#8220; 
               <footnote numbering="arabic" start="497">
                  <p> Grundpfeiler 1992.</p>
               </footnote>
                ).  
                Was uns diese Geschichte aber genau erzählt, wird vorausgesetzt und nicht wie bei den schweizerischen Euroskeptikern ausführlich erklärt. Dieses Phänomen ist typisch für die Schriften und Materialien  von NTEU &#8211; Andeutungen auf die Geschichte finden häufig statt. Auch die offiziellen Hauptslogans der Kampagne von 1994  <em>&#8222;Demokratie oder Union, Solidarität oder Union, Umweltschutz oder Union&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="498">
                  <p> Vgl. Kampanjeplan, 1994: 5ff.</p>
               </footnote>
                zielen deutlich auf den historischen Vergleich der Europäischen Union mit den historischen Unionen mit Schweden und Dänemark ab. So agitierte NTEU in den letzten Wochen der Kampagne von 1994, nachdem die Abstimmung in Schweden mit einem knappen Ja geendet hatte, gegen den  <em>&#8218;Schwedensog&#8217;</em>mit dem Slogan:  
               <em>&#8222;Einige meinen, wir sollten die Schweden entscheiden lassen. Das bist Du, der bestimmt.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="499">
                  <p> NTEU-Broschüre 1994: 1. Der &#8218;Schwedensog&#8217; taucht auch auf einigen anderen Publikationen und Plakaten auf. Neben dem &#8218;Schwedensog&#8217; findet sich in der norwegischen Debatte bisweilen der &#8218;Islandsog&#8217;. Dieser drückt den Wunsch der Ja-Seite aus, dass eine verstärkte EU-Integration oder gar EU-Mitgliedschaft Islands auch Norwegen &#8218;mitziehen&#8217; würde.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
                Aber die norwegischen Euroskeptiker hüten sich, im Gegensatz zu AUNS/SVP, eine explizite Argumentation zu diesen Schlagwörtern zu liefern. Dies ist der Ausdruck einer Doppelstrategie. Mit Zeichen und Symbolen wird auf historisch als bekannt vorausgesetzte Vorstellungen über die norwegische Geschichte angespielt und damit an das nationale Gefühl appelliert. Zugleich wird aber auf explizite historische Vergleiche verzichtet. Damit wird der Anspruch bewahrt, dass die Ablehnung der EU der Ausdruck der rationalen Entscheidung im Heute und für die Zukunft ist. Dieser Anspruch, den Integrationswiderstand mit der Vernunft zu begründen, spiegelt sich in der Argumentation von NTEU wider, die über einen nahezu wissenschaftlichen Apparat zur Abstützung ihrer Thesen verfügen. 
               <footnote numbering="arabic" start="500">
                  <p> Siehe Kapitel: Sag mir, wo du stehst: Ja- und Nein-Diskurse und ihre Quellen.</p>
               </footnote>
                 So belegen etwa zahlreiche von NTEU in Auftrag gegebene Studien die antizipierten wirtschaftlichen Nachteile für die norwegische Peripherie. 
               <footnote numbering="arabic" start="501">
                  <p> Dies reicht von wissenschaftlichen Untersuchungen über die negativen Wirkungen für die norwegische Peripherie, die etwa in der Kampagne von 1994 verwandt wurden bis zu der plakativen Veranschaulichung der antizipierten negativen Auswirkungen anhand der kleinen, peripheren Kommune Vega als typisches &#8222;Stück Norwegens&#8220;, siehe Vega og EU 1994.</p>
               </footnote>
                 Dass die EU-Mitgliedschaft die Demokratie, den Wohlfahrtstaat sowie emanzipatorische und umweltbezogene Errungenschaften gefährdet, wird ausführlich bis in Details hinein  begründet.<footnote numbering="arabic" start="502">
                  <p> Siehe Norge og EU 1994.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N11C94" start="158"/>Wie bereits ausgeführt wurde, setzt die AUNS/SVP auf Schlagworte und das Erzählen von historischen Lehrgeschichten. In den Schriften der AUNS/SVP geht es häufig um große Männer der Schweizer Geschichte, die in oft mythischen Zusammenhängen, wie einst Tell und die Eidgenossen auf der Rütli-Wiese, das Richtige für die Schweiz getan haben. So findet sich dieses Geschichtsverständnis etwa explizit in dem AUNS-nahen Buch des konservativen Historikers v. Wartburg <em>&#8222;Die großen Helvetiker&#8220;.</em>
               <footnote numbering="arabic" start="503">
                  <p> Siehe v. Wartburg 1997. </p>
               </footnote> Entsprechend dreht sich die Argumentation der AUNS/SVP darum, herauszustellen, dass die Schweizer es immer richtig gemacht haben und es auch so bleiben soll. </p>
            <p>Die norwegischen EU-Gegner benutzen ebenfalls die Geschichte von der guten Nation. Diese ist aber aufgrund der vernünftigen Organisation der Gesellschaft gut. Als Hintergrund für diese vernünftige Gesellschaft wird das Historische und die nationale Symbolik beschworen. Auf sie wird angespielt, sie ersetzt aber nicht das Argument. Für diese Zurückhaltung der norwegischen Euroskeptiker bei dem Erzählen der nationalen Geschichte gibt es mehrere Gründe. Der norwegische Nationalismus ist dem Fortschritt und der vernünftigen Organisation der Gesellschaft verpflichtet, wie dem universalistischen Wohlfahrtsstaat. Eine reine Erzählung widerspricht dieser nationalen Selbstbeschreibung. Deshalb muss ein politischer Standpunkt rational begründet werden. Diese Auffassung dürfte insbesondere für das Führungspersonal von NTEU gelten, bei dem die Linksaußenpartei &#8218;Sozialistische Linke&#8217; personell überproportional vertreten ist.</p>
            <p>NTEU vertritt als single-issue Bewegung breite Teile der Bevölkerung. Deshalb gefährdet eine zu starke, eindeutig nationalistische Rhetorik den Zusammenhalt der Nein-Bewegung. In beiden Ländern würden sich die Euroskeptiker bei einer Niederlage beugen und ein bewaffneter Verteidigungskampf gegen die Integration ist ausgeschlossen. Allerdings wären Tumulte in Norwegen denkbar. Schließlich muss die Vorgeschichte der politisch korrekten Rhetorik von NTEU bedacht werden. Der erbittert geführte Abstimmungskampf von 1972 hatte viele Norweger wegen seiner Aggressivität schockiert. NTEU muss sich davor hüten, sich selber mit scharfer Rhetorik ins Abseits zu stellen. Demgegenüber besteht diese Gefahr in der Schweiz nicht. Vor dem Hintergrund der geringeren Mobilisierung und Emotionalisierung sowie der routinemäßigen Abstimmungen kann die AUNS eine wesentlich drastischere Rhetorik wählen als NTEU. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11CAB" start="159"/>Eine weitere Erklärung ist, dass das Geschichtsbild in Norwegen auf einem breiten positiven Konsens basiert. Da es keine größeren, harten Diskurse über Schuld und Schlechtigkeit der Norweger gibt, kann die Geschichte vorausgesetzt werden. Deshalb reichen Anspielungen in der Rhetorik von NTEU vollkommen aus um diesen Konsens innerhalb der Gesellschaft anzusprechen und um an das Gemeinschaftsgefühl der Norweger zu appellieren. Diese Argumentation passt gut zu dem Bild der Norweger als fester und homogener Gemeinschaft. Im Gegensatz dazu muss die AUNS/SVP sich stets bemühen mittels der nationalen Geschichte und Mythenwelt festzulegen, wer die Schweizer sind. Aus diesem Grund sind die schweizerischen Verteidiger der Nation genötigt feste Konturen der Nation herauszustellen. Dies ist für die norwegischen Euroskeptiker unnötig, da innerhalb des norwegischen Integrationsdiskurses vorausgesetzt wird, dass die Norweger gerecht, gleich, bodenständig, demokratisch, solidarisch, umweltbewusst und naturverbunden sind.<footnote numbering="arabic" start="504">
                  <p> Siehe Kapitel: Warme Gemeinschaft oder kaltes Europa? </p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Die historisch bedingten Sonderwegsthesen sind innerhalb der nationalen Diskurse wichtig. Denn sollten Euroskeptiker historisch bedingten und überholten nationalen Erfahrungen anhängen, so bestätigt dies die Vorannahme der Integrationsbefürworter, dass Euroskeptizismus ein atavistischer Reflex vergangener Zeit ist und ausstirbt. Während die Alten sich dem Fortschritt und Europa &#8218;noch&#8217; verweigern, müssen die Jungen demnach Europa bejahen. Da diese Sonderwegsthesen deshalb unmittelbar das Bild davon beeinflussen, ob Euroskeptizismus Zukunft haben kann, möchte ich einen kurzen Exkurs einfügen. Bei diesem wird die diskursive Betrachtungsweise verlassen und nach der Plausibilität und empirischen Belegbarkeit der historischen Sonderwegsthesen gefragt.</p>
         </section>
         <section id="N11CBB" label="7.3">
            <head>
                Exkurs: Validität der Sonderwegsthesen 
            </head>
            <p>
                Für Norwegen halte ich die These, dass der EU-Streit als Neuauflage des Kampfes um nationale Unabhängigkeit des letzten Jahrhunderts empfunden wird, für wenig überzeugend. 
               <footnote numbering="arabic" start="505">
                  <p> Siehe Hille 2000: 62-65.</p>
               </footnote>
                 Das wichtigste Argument dagegen ist, dass die ausführlichen vergleichenden Studien zu den nordischen Referenden von 1994 zu dem Ergebnis kommen, dass es allenfalls schwache empirische Belege für einen norwegischen  Sonderfall gibt. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die &#8218;einstigen Unterdrücker Norwegens&#8217;, die Schweden, weitgehend ähnlich abgestimmt haben. 
               <footnote numbering="arabic" start="506">
                  <p> Vgl. Aardal et al. 1998: 235-265.</p>
               </footnote>Zudem haben gerade die Jüngeren in Norwegen, bei denen vermutet werden kann, dass sie die kollektive Selbstbeschreibung der Norweger als unterdrückte Nation nicht mehr teilen, verstärkt gegen die EU-Integration gestimmt.<footnote numbering="arabic" start="507">
                  <p> Siehe den Ländervergleich To join or not to join 1998.</p>
               </footnote> Die These eines durch die historische Erfahrung der Unterdrückung ausgelösten Euroskeptizismus kann mit zahlreichen rhetorischen Anspielungen von NTEU begründet werden. Diese sollten aber nicht allzu ernst genommen werden. Die Argumentation von NTEU basiert keinesfalls auf einem nationalen Unterlegenheitsgefühl, sondern vielmehr auf der durchgängigen - auch von der Europabewegung geteilten - Überzeugung nationaler Überlegenheit. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11CDD" start="160"/>Auch die Altersverteilung der EU-Gegner ist ein Indiz dafür, dass NTEU nicht durch eine Widerstandsrhetorik des Zweiten Weltkrieges Erfolg hat. So ist es in Norwegen keinesfalls ausschließlich die Kriegsgeneration, die euroskeptisch wählt. Zwar waren ältere Wähler sowohl im Referendum von 1972 als auch von 1994 tendenziell euroskeptischer. Ein Vergleich der Kohorten in den Abstimmungen von 1972 und 1994 zeigt aber, dass dieselbe Altersgruppe, die 1994 Rentner und euroskeptisch waren, 1972 eher proeuropäisch waren. Hierfür gibt es zwei Argumente: Zum einen scheint sich so etwas wie ein mit zunehmenden Alter verstärkender Euroskeptizismus herauszubilden. In der Interpretation der Integrationsbefürworter wird dieses gerne als eine Form von Altersstarrsinn, der sich gegen die Vernunft und die Zukunft wendet, gewertet. Für Norwegen ist dies jedoch wenig überzeugend. Wer im Berufsleben steht, tendiert zur Ja-Seite. Demgegenüber sind Wählerschichten, die entweder zu jung (Schüler, Studenten) oder zu alt (Rentner) sind um am Erwerbsleben teilzunehmen euroskeptischer. Der entscheidende Faktor scheint also nicht das Alter, sondern die Zugehörigkeit zum Erwerbsleben zu sein.<footnote numbering="arabic" start="508">
                  <p> Siehe zum Euroskeptizismus der Jugend in Skandinavien Schymik 2003.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>Insgesamt müssen die norwegischen EU-Gegner wohl aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf historische Ängste zu schüren und einen atavistischen nationalen Befreiungskampf zu führen freigesprochen werden. Die wenigen in diesem Text angeführten Beispiele sind Ausnahmen und keinesfalls wie die penetrante Kriegsrhetorik bei AUNS/SVP die Regel. NTEU benutzt die nationale Geschichte als Rahmung. Bildlich und rhetorisch wird häufig auf die Verteidigungsgeschichte verwiesen. Gerade die Europabewegung hat intensiv nach Beweisen für einen rückständigen, aggressiven Nationalismus bei NTEU gesucht. Doch selbst der damalige stellvertretende Vorsitzende der norwegischen Europabewegung Lars Kjetil Köber, der mir gegenüber 1998 in einem Interview betonte, dass die norwegischen Euroskeptiker einen nationalen Abwehrkampf betrieben, musste am Ende seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Thema eingestehen, dass dieser letztlich nicht belegbar sei.<footnote numbering="arabic" start="509">
                  <p> Siehe Köber 2001.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>In der Schweiz ist die nationale Geschichte der Neutralität nach Umfragen ein wichtiges Argument gegen die Integration. Dieser Befund wird durch die Alterstruktur der Euroskeptiker erhärtet.<footnote numbering="arabic" start="510">
                  <p> Dieses Bild einer überalterten Organisation zeichnet auch Archer 2004: 284.</p>
               </footnote> In der Schweiz ist zudem die Kriegsgeneration besonders euroskeptisch. Anhand des Diskurses kann zudem abgelesen werden, dass die historische Erfahrung der erfolgreichen Abwehr äußerer Feinde und die Neutralität für den Euroskeptizismus zentrale Argumente sind. Zudem führt eine EU-Integration der Schweiz tatsächlich zu einer Aufgabe der Neutralität. Im NATO-Mitgliedsland Norwegen wäre die mit einem EU-Beitritt verbundene Veränderung gering. Deshalb spielen diese Aspekte im EU-Diskurs kaum eine Rolle. Während die Sonderwegsthese tatsächlich ein Erklärungsmodell für den schweizerischen Euroskeptizismus liefert, ist dies in Norwegen nicht der Fall. Die gleichermaßen große Beliebtheit der Sonderwegsthese in beiden Ländern dürfte vor allem mit deren Rolle innerhalb der nationalen Diskurse liegen. So nutzen die Integrationsbefürworter in beiden Ländern die Sonderwegsthesen, um Euroskeptizismus als Ausdruck eines rückständigen Nationalismus und als nationale Verschrobenheit zu denunzieren. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass Sonderwegsthesen attraktive, schöne Geschichten für Essayisten und Journalisten abgeben und deshalb gerne aufgegriffen werden.</p>
            <p>
               <citenumber id="N11D01" start="161"/>Im Gegensatz zu AUNS/SVP ist der nationale Befreiungskampf für NTEU ein diffuser Bezugspunkt. So interpretieren die norwegischen EU-Gegner ihre historischen Rückbezüge stets als Verteidigung der Tradition von Friedlichkeit, Egalität und Demokratie. Nur die in Deutschland stärker rezipierten, norwegischen Integrationsbefürworter werten dies als rückständigen nationalen Freiheitskampf. Auch die AUNS/SVP will - ähnlich wie NTEU - Frieden (in Form der bewaffneten Neutralität) und Demokratie verteidigen. Im Gegensatz zu NTEU ist sie in ihrer Wortwahl aber derartig martialisch, dass ihre Friedfertigkeit unglaubwürdig erscheint. </p>
         </section>
         <section id="N11D06" label="7.4">
            <head>Bewaffnete Neutralität und Wehrhaftigkeit</head>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;The Swiss have always been a people in arms&#8220;<footnote numbering="arabic" start="511">
                        <p> Steinberg 1996: 236.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N11D1E" start="162"/>In heute gebräuchlichen Stereotypen gelten Schweizer als vorsichtige, pünktliche, ordentliche, sparsame Banker und Uhrmacher - eben als Krämerseelen. Oder sie sind liebe Bergopas, die einen niedlichen Dialekt sprechen und Schokolade essen. Aber dies scheint eine neuere Entwicklung zu sein. Als Beleg wird innerhalb des schweizerischen Nationalismusdiskurses gerne das folgende Zitat von Friedrich Engels angeführt, der als Vordenker des Sozialismus als unverdächtiger Kronzeuge für das weit verbreitete Schweizklischee der Wehrhaftigkeit benutzt wird: <em>&#8222;Die militärisch ausgebildeten Schweizer sind wie alle Bergvölker ausgezeichnete Soldaten.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="512">
                  <p> Nach Schlaufenberger 1992: 208.</p>
               </footnote> Hervorzuheben ist die Bemerkung &#8218;wie alle Bergvölker&#8217;. Zwar ist diese Einstufung empirisch falsch, weil der überwiegende Teil der schweizerischen Bevölkerung im Flachland lebt und sie trifft ebenso wenig auf die Mehrzahl der Norweger zu. Das ändert aber nichts daran, dass Norweger und Schweizer in ähnlicher Weise als freiheitsliebende, wehrhafte Bergvölker konstruiert wurden. Die Verknüpfung von Bergen, Wehrhaftigkeit und Freiheit fußt ursprünglich wohl auf einigen empirischen Beobachtungen. So reduziert starkes Gelände den Nutzen überlegener Waffentechnologie und numerische Überlegenheit. Berglandschaften sind schwierig zu kontrollieren und aufgrund der Kargheit des Bodens und der niedrigen Bevölkerungsdichte für Eroberer wenig attraktiv, und umgekehrt trieb die Armut Bergbewohner zu Überfällen und machte Auswanderung oder die Tätigkeit als Söldner in fremden Diensten notwendig wie etwa bei den Schweizer Garden. </p>
            <p>Im Kontext der heutigen Integrationsdebatten ist der Topos vom wehrhaften Bergbewohner endgültig von diesen empirischen Beobachtungen losgelöst, jedoch im Zusammenhang von klimatheoretischen Vorstellungen durchaus relevant. Schließlich werden Norwegern und Schweizern vergleichbare Eigenschaften zugeschrieben, da die Freiheitsliebe von Bergbewohnern und Bewohnern des Nordens besonders ausgeprägt sei.<footnote numbering="arabic" start="513">
                  <p> Siehe Stadius 2001.</p>
               </footnote> Wie bereits ausgeführt wurde, haben spätere nationalromantische Beschreibungen vom tapferen, freiheitsliebenden, naturverbundenen, ehrlichen Berg- und Nordbewohner diese Bilder reproduziert und verfestigt. Angefüllt mit rassistischen Vorstellungen eines Pangermanentum lebte dieser Topos etwa in den Einschätzungen der Wehrmacht über Norwegen und die Schweiz. Dies wird an dem Büchlein eines schweizerischen Offiziers aus den 70er Jahren deutlich. Dieser schreibt über die Einschätzung der Wehrhaftigkeit der Schweiz und Norwegens durch die deutsche Wehrmacht. Der Autor wendete sich bereits damals gegen Dekonstruktionen des positiven Bildes der schweizerischen Armee als maßgebliches Instrument der Abschreckung gegen Hitler-Deutschland. Hierfür suchte und fand er Beweise in den Archiven der Wehrmacht in Berlin. Demnach hatte die deutsche Wehrmacht gehörigen Respekt vor den beiden germanischen, wehrhaften Bergvölkern &#8211; und nur die Größe und gute Ausrüstung der Armee schützte die Schweiz vor dem Angriff.<footnote numbering="arabic" start="514">
                  <p> Vgl. Ernst 1973. Angemerkt sei, dass strategische Überlegungen (Rohstoffzugang, Norwegens Häfen als Basis für den U-Boot Krieg) plausibler sind.</p>
               </footnote> Dieses Büchlein ist ein Paradebeispiel für die Funktion von Ländervergleichen, die i.d.R. weniger erklären als vielmehr spezifische politische Standpunkte &#8218;zu Hause&#8217; stützen. Es ist zudem der einzige direkte Vergleich zwischen Norwegen und der Schweiz, der eine explizit rassistische Quellenbasis hat. Hier werden also rassistische und klimatheoretische Annahmen über die Völker explizit gemacht, die in meinen Augen auch heute noch eine wesentliche Grundlage für nationale Selbstbeschreibungen sind.</p>
            <p>Klimatheoretische, rassistische und nationalromantische Beschreibungen beider Nationen als freiheitsliebende Bergvölker weisen erhebliche Parallelen auf. Umso erstaunlicher ist der gänzlich unterschiedliche Umgang mit diesen Inhalten bei NTEU und AUNS/SVP. Während die AUNS/SVP in ihren historischen Lehrgeschichten unentwegt und weitgehend unverschlüsselt auf diese nationalen Beschreibungen zurückgreift, hat NTEU diese Begründungen in der Argumentation gänzlich ausgeklammert. Lediglich indirekt verweist NTEU durch Anspielungen, Bilder und Symbole auf sie. Gegenüber dem politisch korrekten EU-Widerstand von NTEU fällt die harte, militaristisch altmodisch klingende Rhetorik der AUNS/SVP auf, bei der Kampf und Verteidigung das zentrale Motiv sind. Immer wieder werden Vergleiche zum Zweiten Weltkrieg gezogen. So schickt die AUNS die schweizerische Kavallerie mit wehender Schweizer Fahne, in Form einer abgedruckten Zeichnung der &#8218;Kavalleriestandarte des Aktivdienstes von 1939-1945&#8217;, zum Schutze des Vaterlandes aus und untertitelt dies mit: </p>
            <p>
               <citenumber id="N11D45" start="163"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Unsere Vorfahren haben immer wieder dafür gesorgt, dass unser Land weltoffen blieb, sich aber nicht in internationale Machtstrukturen und Grossgebilde einbinden liess!&#8220;<footnote numbering="arabic" start="515">
                        <p> Grauer Brief 91, 2003: 2.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Und ernsthaft setzt Blocher Integration mit einem militärischen Angriff auf die Schweiz gleich. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11D5C" start="164"/>
               <blockquote>
                  <p>So &#8222;... hat vom 23. Mai bis 7.Juni 2000 auf der Wichelalp eine französische Panzereinheit erstmals Schießübungen durchgeführt. Die Schweiz wird zum Kugelfang Europas!&#8220;<footnote numbering="arabic" start="516">
                        <p> In diesem Kontext geht es um die NATO-Integration. Üblicherweise wird jedoch von AUNS/SVP hier nicht differenziert. Blocher 2001: 15.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Diese <em>&#8222;kriegsbezogene Eindimensionalität&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="517">
                  <p> Langejürgen 1993: 196.</p>
               </footnote> findet kein Pendant bei NTEU. Sicherheitspolitische Aspekte spielen keine große Rolle in Norwegen. Zwar argumentierte die Ja-Seite 1994 in Norwegen bisweilen, dass Norwegen zwischen NATO und EU isoliert werden könnte. Dies konterte NTEU jedoch etwa mit dem Zitat eines hohen NATO-Vertreters: &#8222;Sicherheit ist in der norwegischen EU-Debatte ein unnötiges Thema.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="518">
                  <p> &#8222;Sikkerhet unødvendig tema i norsk EU-kamp&#8220; Dies hat William H. Taft, der ehemalige Stellvertretende Verteidigungsminister der USA und NATO-Botschafter nach NTEU gesagt. Siehe Bildnachweis: NTEU-Plakat Det viktigaste for Europa er å skape fred.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N11D86" start="165"/>Für die wesentlich stärkere Ausprägung des Neutralitätsgedankens in der Schweiz als in Norwegen und die tatsächliche NATO-Mitgliedschaft sind dabei die kollektiven Erfahrungen der Kriegszeit verantwortlich. Sowohl die Schweiz wie auch Norwegen versuchten mit dem Mittel der Neutralität die Unabhängigkeit des Staates zu gewährleisten. Dies geschah jedoch mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Als deutsche Truppen 1940 Norwegen annektierten und die völlig unzureichend ausgestattete und unkoordiniert handelnde norwegische Armee besiegten, verlor nicht nur die Idee einer norwegischen Neutralität ihre Überzeugungskraft, sondern auch nationale Selbstbeschreibungen als wehrhaft und kriegerisch. Denn die der deutschen Besetzung folgende Vereinnahmung des nordischen Menschen und des Wikingerkults desavouierte martialische Selbstdarstellungen der Norweger. </p>
            <p>Während AUNS/SVP zur erneuten Landesverteidigung rufen, findet dies bei NTEU nicht statt. Jedoch finden sich auch bei NTEU bildliche Verweise. So wird die mystische Figur - das Mädchen Pillar-Guri - welche den Norwegern in einer historischen Schlacht zum Sieg verhalf, abgebildet. Die - vor einem dunkeldrohenden Himmel &#8211; zum Schutz der norwegischen Demokratie über dem Parlamentsgebäude stehende und warnend das Horn blasende übergroße Pillar-Guri, findet sich auf zahlreichen Plakaten und Einbänden von NTEU.<footnote numbering="arabic" start="519">
                  <p> Siehe die bei NTEU typische Darstellungsform auf der CD von NTEU: Nei&#8217;94: Cover. Eine abstraktere Variation dieser Darstellung findet sich auf dem Lesebok 1994: Einband. </p>
               </footnote>
            </p>
            <p>In der Schweiz wurde die nationale Selbstbeschreibung der Wehrhaftigkeit dagegen nicht durch die militärische Niederlage zerstört. Deshalb kann in den Integrationsdebatten an diese Selbstbeschreibung angeschlossen werden. Der alte Mythos der wehrhaften Eidgenossen hatte einen neuen Topos gefunden: Die kleine, vom Feind eingekreiste Schweiz, die erfolgreich die nationale Unabhängigkeit verteidigt und die Schweizer als Volk, das so wehrhaft ist, dass selbst Hitler nicht wagte sie anzugreifen. Dies führt nicht nur zur Mobilisierung gegen die Europäische Integration, sondern hat auch eine zentrale Funktion für den Zusammenhalt der losen Gemeinschaft der Schweizer. </p>
         </section>
         <section id="N11D99" label="7.5">
            <head>Die schweizerische Armee als Schule der Nation</head>
            <p>
               <citenumber id="N11DA0" start="166"/>Die Armee spielt im norwegischen Diskurs keine Rolle und martialische Darstellungen oder die Abbildung von Waffen sind bei NTEU und der Europabewegung ausgesprochen selten. Selbst die wenigen Ausnahmen sind Karikaturen, auf denen die Waffen keine kriegerische Funktion haben. So tauchen beispielsweise auf einer Karikatur von NTEU Wikinger auf Skiern mit Axt und Schwert auf. Da im Hintergrund dieser Karikatur jedoch eine vergleichbare Gruppe von Wikingern mit exakt denselben Waffen abgebildet ist, die wohl die Integrationsbefürworter darstellen soll, handelt es sich eher um die Darstellung eines sportlichen Wettrennens als einer kriegerischen Auseinandersetzung.<footnote numbering="arabic" start="520">
                  <p> Kompendium 1994: Cover.</p>
               </footnote> Dies hat eine Reihe von Gründen. Zunächst ist dieser Diskurs durch die NATO-Mitgliedschaft Norwegens ohnehin von geringer Bedeutung. Zudem befürworten die norwegischen Euroskeptiker den Einsatz von norwegischen Friedenstruppen im Rahmen von UNO-Einsätzen. </p>
            <p>Demgegenüber lautet das isolationistische Mantra der AUNS/SVP, jegliche Einmischung in &#8218;fremde Händel&#8217; zu verhindern und die Armee ausschließlich zur Landesverteidigung einzusetzen. Deutlich wird dies an der von der AUNS mitgetragenen Kampagne gegen eine Änderung der gesetzlichen Bedingungen für Auslandseinsätze der Armee. Auf Plakaten wird ein Gräberfeld abgebildet und mit der rhetorischen Frage unterlegt: <em>&#8222;Schweizer Söhne für fremde Händel opfern?&#8220;</em> Der weitere Text, bei dem es um die Abstimmung über die Änderung des Militärgesetzes vom 1.6.2001 geht, betont die Notwendigkeit der Landesverteidigung und die negativen Folgen von Auslandseinsätzen. Text und Bild sind in verschiedenen Formaten und Formen wie Plakaten, Flyern, Handzetteln und in abgedruckter Form mit leicht alternierender Textwahl erschienen.<footnote numbering="arabic" start="521">
                  <p> Siehe Grauer Brief 75, 2001: 2.</p>
               </footnote> Bisweilen wird auch gefragt: <em>&#8222;Für Fremde Mächte sterben?&#8220;</em> und dazu werden ein leerer Soldatenstiefel und Helm in einer fremdländischen Wüstenlandschaft abgebildet.<footnote numbering="arabic" start="522">
                  <p> Siehe Grauer Brief 75, 2001: 11.</p>
               </footnote> Die Betonung liegt bei &#8218;fremd&#8217;, da die AUNS/SVP nicht grundsätzlich gegen das &#8218;Opfern&#8217; ist, solange dies für die Verteidigung der Schweiz geschieht. </p>
            <p>Die AUNS/SVP stilisiert die Schweizer Armee vielmehr als Garant für den Frieden schlechthin. Die Armee ist das zentrale Instrument das &#8218;Erfolgsmodell Schweiz&#8217; zu sichern. Sie ist so wichtig, weil sie die innere Integration der Schweiz leistet. Blocher selbst schreibt: </p>
            <p>
               <citenumber id="N11DCA" start="167"/>
               <blockquote>
                  <p>&#8222;Sehen sie, wer bereit ist, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Neutralität aufzugeben, der ist auch nicht mehr bereit, diese zu verteidigen. Wer die Schweiz aufgibt, braucht keine Armee mehr!&#8220;<footnote numbering="arabic" start="523">
                        <p> Blocher 2001: 13.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Diese Aussage ist nach innen gerichtet. Die heftigen Auseinandersetzungen über die Abschaffung der Armee, welche die rechten Verteidiger der Armee auf den Plan rufen, sind unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung der zentralen Institution der Nation interessant. Denn nichts hält die Schweiz mehr zusammen als ihre Armee. Armeen sind neben Schulen, Museen, Postämtern und Nationalfeiertagen wesentlich für die Nationenbildung. Gerade in der Schweiz, in der ein gemeinsamer Sprachraum zur Integration fehlt, hat die Armee eine zentrale Bedeutung für die Integration. So kam Kreis in der Zusammenfassung des umfangreichen Forschungsprojekt zur Identität der Schweiz zu dem Ergebnis: <em>&#8222;Im nation building-Prozess spielte die Armee eine Vorreiterrolle.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="524">
                  <p> Kreis 1993: 39.</p>
               </footnote>
            </p>
            <p>
               <citenumber id="N11DEC" start="168"/>Wesentlich hierfür ist die starke Durchdringung der Gesellschaft durch das Miliz-System. Die beständige Wiederholung militärischer Übungen führt zur Vergemeinschaftung. Dies erhebt die Armee zur wesentlichen Schule der Nation. Kaum etwas macht diese traditionelle Rolle der Armee deutlicher als der oft vorgetragene Vorwurf, dass sie diesem Anspruch nicht mehr gerecht werde und dass die Lingua franca zwischen den Sprachgruppen heute Englisch sei und deshalb die nationale Vergemeinschaftung nicht mehr geleistet werde. AUNS/SVP verteidigen ein traditionelles Schweizbild gegen heftige dekonstruierende Diskurse, indem sie die Armee als Hüter der Nation in Schutz gegen den <em>&#8222;Defätismus in höheren Rängen&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="525">
                  <p> Grauer Brief 79, 2001: 14.</p>
               </footnote> nehmen.</p>
            <p>Im heterogenen Gebilde Schweiz kommt der Armee die zentrale Bedeutung der Bildung der nationalen Gemeinschaft zu. Münger zeichnet dies nach und kommt in seiner Abhandlung über Militär, Staat und Nation der Schweiz zu der Schlussfolgerung: </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N11E04" start="169"/>&#8222;Nur in der Vorstellung des gemeinsamen Kampfes gegen einen äußeren Feind vereinigt sich die Schweiz bedingungslos zur Nation.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="526">
                        <p> Münger 2002: 473.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Dies wird nicht nur real durch die Übungen wiederholt, sondern auch ideologisch begründet. Demnach steht das republikanische Bild bei AUNS/SVP einer zahlenmäßig starken Milizarmee, welche im Notfall in der Lage sein muss unser Land zu verteidigen<footnote numbering="arabic" start="527">
                  <p> Vgl. SVP Parteiprogramm 1999: 7.</p>
               </footnote>, im Zentrum. Diese gute <em>&#8222;Widerstandsarmee&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="528">
                  <p> Der Terminus taucht häufig auf, etwa bei Blocher 2001: 16.</p>
               </footnote> wird deutlich von den &#8218;Interventionsarmeen fremder Großmächte&#8217; unterschieden. Die Bürgerarmee ist das Markenzeichen für die demokratische Schweiz. Armee und Demokratie sind damit das typisch Schweizerische. Der Bürger kontrolliert nicht nur per Volksentscheid die politische Klasse, sondern hat zur Not auch das Widerstandsrecht gegen eine unrechtmäßige Herrschaft. Das Recht Waffen zu besitzen wird in Abgrenzung zu den monarchischen, undemokratischen Regimen der angrenzenden Großmächte stilisiert. Die Vorlagen für diese Interpretation werden im Recht auf Widerstand und Tyrannenmord gegen die &#8218;fremden Vögte&#8217; wie in Schillers Dramatisierung der Tell-Geschichte und ihrem Recht auf das Tragen von Waffen zurückgeführt.<footnote numbering="arabic" start="529">
                  <p> Siehe zur Bedeutung der Legitimierung von Gewalt und Waffen als staatstragende Idee: Schneider 1987.</p>
               </footnote> Die Schweiz als Trutzbündnis gegen fremde, undemokratische Mächte wird auf die EU-Integration übertragen.</p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N11E36" start="170"/>&#8222;Ein freiheitliches Waffenrecht gibt es nur in einem freien Land. Es gründet auf dem gegenseitigem Vertrauen von Volk und Regierung wie auf dem verantwortungsbewussten Umgang aller mit der Waffe. Noch ist die Waffe hierzulande Symbol des mündigen Bürgers.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="530">
                        <p> Futterknecht 1994: 99.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
            <p>Wie bei AUNS/SVP üblich &#8211; und kaum vorstellbar bei NTEU &#8211; wird darauf folgend die EU mit dem Dritten Reich und der UdSSR verglichen: </p>
            <p>
               <blockquote>
                  <p>
                     <citenumber id="N11E4D" start="171"/>&#8222;In der EG soll das <strong>Waffenrecht </strong>analog jenem der ehemaligen UDSSR und dem Dritten Reich ausgestaltet werden, womit der EU-Beitritt auch auf diesem Gebiet eine beachtliche <strong>Souveränitätseinschränkung</strong> bringen würde.&#8220;<footnote numbering="arabic" start="531">
                        <p> Futterknecht 1994: 145. Hervorhebung entsprechend dem Original.</p>
                     </footnote>
                  </p>
               </blockquote>
            </p>
         </section>
         <section id="N11E62" label="7.6">
            <head>Schlussfolgerungen</head>
            <p>Integrationsbefürworter werfen Euroskeptikern vor einen atavistischen nationalen Freiheitskampf gegen das Friedensprojekt Europa zu führen. Damit werden Euroskeptiker automatisch zu Kriegstreibern erklärt. Die AUNS/SVP weist diesen Vorwurf mit dem Hinweis zurück, dass die Schweiz immer ein friedliches, neutrales, bewaffnetes Verteidigungsbündnis war und ist. Eindeutig wird die Integrationsfrage in Argumentation, Ikonographie und Rhetorik zum historischen nationalen Verteidigungskampf stilisiert. Damit verweist AUNS/SVP auf die nationale und vor allem deutschschweizerische Mythenwelt, deren zentraler Topos der Verteidigungskampf der wehrhaften Schweizer ist. </p>
            <p>Auch der Exkurs in sozialwissenschaftliche Erklärungen, die über einen rein diskursiven Zugang hinausreichen, zeigt, dass nationaler Freiheitskampf als Motiv für Integrationswiderstand in der Schweiz und insbesondere für das Umfeld der AUNS/SVP wesentlich plausibler ist als für NTEU. Auch Anhängerschaft, Alterstruktur, rechtslastiges Umfeld, das rechtskonservative bis rassistische Wählerpotential von SVP, die umgebenden Verbände und Gruppierungen sowie vorherrschende Beschreibungen der Euroskeptiker durch ihre Gegner in der Schweiz bestärken dieses Bild.</p>
            <p>
               <citenumber id="N11E6F" start="172"/>NTEU bietet dagegen wenig Angriffsfläche für den Vorwurf, einen nationalen Verteidigungskampf zu organisieren. Zwar finden sich zahlreiche deutliche Anspielungen auf &#8218;historische Unionen&#8217;, NTEU hütet sich jedoch eine explizite Argumentation beizufügen. Nationaler Freiheitskampf wird stets als Kampf für die Erhaltung universalistischer Werte wie Demokratie, Gerechtigkeit und Umweltschutz gedeutet. NTEU muss deshalb insgesamt vom Vorwurf einen nationalen-chauvinistischen Freiheitskampf zu führen, freigesprochen werden. Allerdings erfolgt dieser Freispruch nur aus Mangel an Beweisen, weil NTEU seine Publikationen weitgehend sauber hält. Selbst die norwegischen Integrationsbefürworter teilen diese Ansicht weitgehend und begegnen NTEU mit Respekt. Auf den ersten Blick scheint es sich folglich beim Vergleich der norwegischen und schweizerischen Bewegungen um einen aufgeklärten norwegischen und einen atavistischen freiheitskämpfenden schweizerischen Euroskeptizismus zu handeln. In Bezug auf Argumentationen, Bildersprachen und Rhetorik von NTEU und AUNS/SVP ist diese Schwarz-Weiß-Malerei zutreffend. </p>
            <p>Wie bereits herausgestellt wurde, muss ein derartig klares Ergebnis von guten Euroskeptikern in Norwegen und schlechten in der Schweiz Zweifel erregen, da es implizit eine essentialistische Deutung eines guten norwegischen und schlechten schweizerischen Volkscharakters nahe legt. Sicher haben die notwendigen Einschränkungen und die Auswahl der untersuchten Akteure dieses holzschnittartige Bild verstärkt. Da AUNS/SVP und NTEU jedoch die jeweils breitenwirksamen euroskeptischen Akteure sind, ändert diese Einschränkung nichts an der grundlegenden Unterscheidung eines rhetorisch aggressiven schweizerischen und eines friedlich-internationalistischen norwegischen Euroskeptizismus. Diese starken Übereinstimmungen der Bilder, welche die Euroskeptiker mit bestehenden nationalen Stereotypen zeichnen, ist darauf zurückzuführen, dass die Euroskeptiker nationale Selbstbilder repetieren. Dies ist auch unumgänglich, weil sie das spezifisch Nationale herausstellen müssen. Dies gilt erst recht, weil es mit zahlreichen bestehenden Beschreibungen und Stereotypen übereinstimmt: der schweizerischen Selbstbeschreibung als wehrhaft, dem insgesamt positiven Diskurs über Nordeuropa und der norwegischen Selbstbeschreibung als gut, egalitär und fortschrittlich. </p>
            <p>Gemeinsam ist beiden Ländern die historische Erfahrung, dass der Nationalstaat nicht für den Krieg verantwortlich ist. Aus diesem Grund besitzt das zentrale Argument für die Integration, dass &#8218;Europa&#8217; ein Friedensprojekt sei, wenig Überzeugungskraft. Neutralität, historischer und aktueller Freiheitskampf sind deshalb von entscheidender Bedeutung in der Schweiz, weil sie Frieden und Wohlstand garantiert haben, während der Rest Europas im Krieg versank. Die dazu gehörende begründende Narration schließt thematisch an den Topos der nationalen Verteidigung an. Dies ist in Norwegen nicht unmittelbar der Fall. In Norwegen hat der Opferstatus zwei Folgen gehabt. Erstens sind die &#8218;Norweger&#8217; nicht für Kriege verantwortlich, sondern gut. Die Niederlage im Zweiten Weltkrieg hat zweitens jegliche auf militärischer Überlegenheit basierende nationale Selbstbeschreibung zerstört.</p>
            <p>
               <citenumber id="N11E7B" start="173"/>Die außen- und sicherheitspolitischen Ansichten und Theorien der Euroskeptiker stehen einander diametral entgegen. Dies hängt zum großen Teil mit den ideologischen Grundausrichtungen als rechte bzw. moderat linke Bewegung zusammen.<footnote numbering="arabic" start="532">
                  <p> Siehe Kapitel: Euroskeptizismus als Wiederbelebung alter Cleavages.</p>
               </footnote> Hiermit verbunden sind die realistischen bzw. idealistischen Vorstellungen über das Wesen der internationalen Staatenwelt. Für die AUNS/SVP kämpft jeder Staat für sich und die Schweiz steht allein gegen den Rest der Welt. Demgegenüber setzt NTEU sich für eine gute, solidarische Welt ein. Zugleich spiegelt es aber die außenpolitische Identität und das Selbstbild der Nation und des Nationalstaates innerhalb der internationalen Arena wider. Die Schweiz ist ein wehrhaftes Reduit und Advokat für den Freihandel, während Norwegen der Vorkämpfer für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ist. Für die norwegischen EU-Gegner ist die Außenpolitik eine idealistische Spielwiese zur Projektion von Gegen-Utopien zur EU. Ansonsten ist sie aber unwichtig. Im Großen und Ganzen herrscht Konsens darüber, dass die Außen- und Sicherheitspolitik Norwegens nicht grundlegend von einem EU-Beitritt geändert werden würde.</p>
            <p>Für die AUNS/SVP bedeutet Friedfertigkeit, nicht an den Kriegen der Großmächte teilzunehmen und das weitere bewaffnete Ausharren in der Bergfestung Schweiz. Internationales Engagement wird als unnötiger, riskanter und teurer Firlefanz angesehen. Aus ihrem realistischen Verständnis schlussfolgert die AUNS/SVP, dass Integration aus dem Streben der Großmächte nach Dominanz resultiert. Aus diesem Grund ist es moralisch geboten sich den internationalen Aktionen der Großmächte zu verweigern, selbst wenn diese, wie der Wolf im Schafspelz, vorgeben, nur Gutes tun zu wollen. Analog zu den aggressiven Großmächten wendet sich NTEU gegen die EU als aggressive <em>&#8222;Superpower in the making&#8220;.</em>
               <footnote numbering="arabic" start="533">
                  <p> Formulierung nach der Kritik von Galtung 1973.</p>
               </footnote> Dabei wird die normative Überlegenheit Norwegens vorausgesetzt und abgeleitet, dass nur ein freies Norwegen der Welt dient. Der EU-Widerstand erhält so eine über den norwegischen Kontext hinausreichenden missionarischen Charakter wie an dem Slogan <em>&#8222;Nein zur EU, für Norden, Europa, und die Welt.&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="534">
                  <p>Bakke 1994: 39.</p>
               </footnote>abzulesen ist.</p>
            <p>Das Insistieren auf der Darstellung der Integration als nationaler Verteidigungsfall muss mit der gemeinschaftsstiftenden Wirkung erklärt werden. Die Abgrenzung gegen aggressive Großmächte ist raison d&#8217;être der Schweiz. Die schweizerische Armee ist tief in die Zivilgesellschaft und in die Entscheidungsmechanismen eingebettet. Die schweizerischen Schulddiskurse - wie die Nazigolddebatte - führen zu Abwehrhaltungen. Demgegenüber bestehen deutliche Unterschiede in den Gemeinschaftskonstruktionen der euroskeptischen Bewegungen und des Volkes. Die norwegische Gemeinschaft trägt stark essentialistische Züge, die auf ethnischen, sprachlichen und religiösen Wurzeln und geographischer Selbstzuordnung zu Nordeuropa sowie einer starken positiven normativen Selbstbewertung beruhen. Hieraus entsteht die Beschreibung eines egalitären Volkes, das sich als geschlossene Einheit gegen die EU stellt und das Bedürfnis hat, sich in eine positive aufgeklärte Zukunft zu bewegen. Aufgrund der festen Gemeinschaft, der militärischen Niederlage im Zweiten Weltkrieg und der geringen Bedeutung sicherheitspolitischer Aspekte aufgrund der NATO-Mitgliedschaft beschreibt sich diese Gemeinschaft nicht als wehrhaft und freiheitskämpfend, sondern als gut und gerecht. </p>
            <p>
               <citenumber id="N11EA5" start="174"/>Demgegenüber ist Neutralität, Armee und isolationistische Außenpolitik grundlegendes Motiv für die schweizerischen Euroskeptiker. Diese Themen sind untrennbar mit urdemokratischen Vorstellungen des freien, bewaffneten Bürgers, dem Thema des freien, wehrhaften Bauern und Hirten und der Begründung für den Wohlstand der Schweiz gekoppelt. Die Schweiz ist eine glückliche, wirtschaftlich erfolgreiche Demokratie, weil ihre Bewohner bereit sind diese zur Not auch mit der Waffe zu verteidigen. Die Verteidigung der Republik ist der Grundgedanke der Schweizer Armee. Dabei macht die beständige Dekonstruktion des ohnehin labilen, heterogenen Gebildes Schweiz die ständige Selbstvergewisserung durch den rhetorischen Ausruf des Verteidigungsfalles und die Sicherung des Zusammenhaltes notwendig. Jedoch bedient die kriegerische Rhetorik der AUNS/SVP das von Integrationsbefürwortern aufgebaute Gegensatzpaar &#8218;Integration oder Krieg&#8217;. Die AUNS und SVP verhalten sich so, wie es von einer nationalistischen, freiheitskämpfenden, kriegstreibenden euroskeptischen Organisation erwartet wird. Indem sie friedliche Integration als nationalen Verteidigungsfall darstellt, bietet sie Angriffsfläche für den Vorwurf unter einem eklatanten Verlust an Realitätssinn zu leiden - also einem ausgeprägten Fall von &#8218;Europaphobie&#8217;. Eine solch drastische Art der Mobilisierung und nationalen Selbstvergewisserung hat NTEU weder nötig noch entspricht es dem Inhalt des <em>&#8218;netten&#8217; (snill)</em> norwegischen Nationalismus. Entsprechend kann NTEU sich mit ganzer Kraft auf die Gegenüberstellung eines guten, demokratischen Norwegens und einer undemokratischen, schlechten EU konzentrieren und darüber nachdenken, wie das &#8218;unabhängige Norwegen&#8217; auch in Zukunft die Welt rettet &#8211; denn <em>&#8222;Norwegen kann den Weg zeigen&#8220;</em>
               <footnote numbering="arabic" start="535">
                  <p> Nei til EUs skriftserie Nr. 3 2000 Ja til folkestyre: 25. Die Textstelle handelt von der großartigen Rolle, die ein unabhängiges Norwegen nach NTEU für die Entwicklungsländer und den Weltfrieden spielt.</p>
               </footnote>
            </p>
         </section>
      </chapter>
      <chapter id="chapter8" label="8">
         <head>RESÜMEE: BEDINGUNGEN &#8222;ERFOLGREICHEN&#8220; EU-WIDERSTANDES</head>
         <p><citenumber helper="true" id="N11EBE" start="174"/>Ausgangspunkt dieser Arbeit war, dass Nationen machtvolle, stabile soziale Realitäten sind. Integrationsdebatten werden in der Bevölkerung als Frage über den Fortbestand der nationalen Gemeinschaft und des Nationalstaates verstanden. Der normative Kern der Anti-EU-Bewegungen ist die Verteidigung der nationalen Gemeinschaft, an die das Gemeinwohl gebunden ist. Die nationale Gemeinschaft basiert auf einem Set von Ideen, Mythen, Abgrenzungen sowie Selbst- und Fremdzuschreibungen. Diese Zuschreibungen variieren, abhängig vom jeweiligen Diskurs und den angrenzenden Diskursen. Euroskeptizismus genießt Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung, weil er sich inhaltlich an den bestehenden Vorstellungen des Nationalen orientiert. Die Integrationsbefürworter stellen sich dagegen als Vertreter der Zukunft, der Sachlogik und des Fortschritts dar. </p>
         <p>Vor diesem Hintergrund muss Euroskeptizismus als legitimer politischer Widerstand anerkannt werden. Leider geschieht dies nur selten. Euroskeptiker werden vielmehr als unrealistisch, atavistisch, zurückhaltend, widerspenstig und hinterwäldlerisch-nationalistisch dargestellt. Dies wäre kein Problem, wenn dies als politischer Standpunkt kenntlich gemacht würde. Leider fließt die Grundhaltung, dass EU-Europa die Zukunft ist, in die sozialwissenschaftlichen Analysen euroskeptischer Motive ein. So herrscht die Vorstellung vor, dass Euroskeptizismus der Ausdruck ökonomischer Gruppeninteressen und mangelnder Informiertheit sei. Folglich wird Euroskeptizismus als ein temporäres &#8218;Problem&#8217; betrachtet, das sich im Zuge des Fortschrittes des Integrationsprozesses auflöst. </p>
         <p>
            <citenumber id="N11EC6" start="175"/>Norwegen und die Schweiz gehören nicht nur unterschiedlichen Diskursräumen an. Diskurse in der Schweiz orientieren sich an den jeweiligen Sprachräumen (Deutschland, Frankreich, Italien). Für Norwegen sind der nationale Diskurs und die Diskurse in den angrenzenden skandinavischen Staaten wichtig. Was in Schweden, Dänemark, Island und bedingt in Finnland passiert, wird verstärkt beobachtet und zum Maßstab genommen. Der norwegische EU-Diskurs wird differenzierter, EU-bezogener, aber auch moralisierender geführt als der schweizerische. </p>
         <p>Die im politischen System bedingten Opportunitätsstrukturen begünstigen die Euroskeptiker in der Schweiz. Entgegen meiner früheren Einschätzung halte ich europaweite Referenden zwar weiterhin für demokratisch,<footnote numbering="arabic" start="536">
               <p> Vgl. Hille 2001.</p>
            </footnote> aber aus pro-integratorischer Sicht für äußerst unklug. Ein bedeutender Vorteil für die schweizerischen Euroskeptiker ist zudem, dass sowohl die Mehrheit der Gesamtbevölkerung als auch die der Kantone einem Integrationsschritt zustimmen müssen. Diese Trumpfkarte besitzen die norwegischen Euroskeptiker nicht. Einzig die Ablehnung in einem Beitrittsreferendum verschafft ihnen maßgebliche Legitimität um schleichenden Integrationsschritten entgegenzustehen. In beiden Ländern erhält die Ja-Seite Rückenwind von den Eliten. Qualitativ finden sich jedoch Unterschiede zwischen der Schweiz und Norwegen. Während in Norwegen zumindest formal Waffengleichheit zwischen NTEU und Europabewegung besteht, wird die Integration in der Schweiz von dem Integrationsbüro unterstützt. Tatsächlich verfügen die Euroskeptiker in beiden Ländern über weniger Ressourcen als die Integrationsbefürworter. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass Euroskeptiker sich auch gerne selbst als David im Kampf gegen die staatlichen und europäischen Eliten beschreiben. </p>
         <p>Bemerkenswert ist vor allem die wesentlich pro-integratorischere Grundstimmung der schweizerischen Debatte. Gravierende Unterschiede zeigen sich in der Art und Weise der Argumentation von AUNS/SVP und NTEU. Während NTEU eine für alle Bedürfnisse in seinem Niveau abgestufte Kampagne führt, die auch wissenschaftliche Studien und sozialwissenschaftliche Abhandlungen umfasst, sind die Schriften der AUNS/SVP populistisch. Dabei wird auf Lehrgeschichten aus der schweizerischen Geschichte zurückgegriffen. Das Geschichts- und Gesellschaftsbild wird durch große Männer der Geschichte geprägt. Dieses konservative und publikumswirksame Weltbild wird durch die Hervorhebung moralischer Werte der alten Eidgenossen verstärkt. Dieser Gegensatz zeigt sich auch in Bildern und Karikaturen. NTEU zeigt ein Volk in Bewegung. Demgegenüber zeigen die Bilder von AUNS/SVP untersetzte Herren und massive Bauwerke und vermitteln damit den Eindruck von Standfestigkeit und Stabilität. Das sind die Werte, für die AUNS und SVP stehen.</p>
         <p>
            <citenumber id="N11EDA" start="176"/>Es ist eine Binsenweisheit, dass wirtschaftliche Saturiertheit die Durchsetzungsfähigkeit unpopulärer politischer Veränderungen &#8211; wie der Integrationsentscheidung &#8211; nicht begünstigt. Die Bedeutung ökonomischer Motive für Euroskeptizismus wird jedoch regelmäßig überschätzt. Integrationswiderstand ist primär der Ausdruck normativer Haltungen und ökonomische Gründe sind sekundär. Umgekehrt stellen ökonomische Begründungen die Hauptargumente der Integrationsbefürworter dar. Dies lässt sich an der Haltung der großen Spitzenverbände der Wirtschaft in Norwegen und der Schweiz ablesen, denen der Marktzugang zur EU insgesamt wichtiger war als die Protektion des Marktes. </p>
         <p>Gemeinsam ist beiden Ländern allerdings ein hochsubventionierter primärwirtschaftliche Sektor, dessen Interessenverbände eine wichtige Rolle für den Integrationswiderstand spielen. Schwache, subventionierte Sektoren und Regionen befürchten, im Verteilungskampf um Ressourcen in einer unübersichtlichen EU weniger herauszuholen. Regional konzentrierter EU-Widerstand stabilisiert und mobilisiert den Integrationswiderstand. Sind euroskeptische Regionen mythische Orte der Nationenbildung, so erleichtert dies die Verknüpfung von Integrationswiderstand und nationalem Standpunkt. Euroskeptische Bewegungen sind Anti-Zentralisierungsbewegungen. Vorhandene gesellschaftliche Konfliktstellungen (z.B. Stadt - Land) werden dabei in Konfliktstellungen gegenüber der Integration umgedeutet. Euroskeptiker profitieren davon, wenn es Regionen gibt, die fast geschlossen euroskeptisch sind (z.B. Nordnorwegen). Dort stabilisieren, verstärken und konservieren sich euroskeptische Haltungen. Da fast alle Bewohner dieser Region euroskeptisch sind, sind euroskeptische Haltungen in diesen Regionen unumstritten. Euroskeptiker haben dort nicht nur die Meinungshoheit, sondern sie können auch auf ein hohes Mobilisierungspotential zurückgreifen. Euroskeptizismus basiert auf der Vorstellung bereits in einem guten Staate und einer guten Gesellschaft zu leben. Ein hoher wirtschaftlicher Standard erhöht dieses nationale Selbstbewusstsein und den Glauben daran es als Nation alleine schaffen zu können. Euroskeptische ökonomische Argumentationen beruhen auch auf der Selbstzuschreibung ökonomischer nationaler Tugenden. Folglich stellt NTEU die Gerechtigkeit der Norweger und den Einsatz des norwegischen Reichtums für die Dritte Welt in den Vordergrund, während AUNS/SVP die überlegene Effizienz und die haushälterischen Fähigkeiten der Schweizer betonen.</p>
         <p>Grundlegende Unterschiede ergeben sich aus der Konstruktion der nationalen Gemeinschaft. Die sehr heterogenen gesellschaftlichen Gruppen der Schweiz werden durch föderale Strukturen auf Abstand voneinander gehalten. Die Nation ist ein dünnes Band von Mythen (Tell/Rütli/Reduit) und staatlichen Institutionen (z.B. Armee). Die EU-Integration wird als Bedrohung empfunden, weil die Schweiz ein fragiles Gebilde ist (z.B. Slogan: La suisse n&#8217;existe pas). Die norwegische Nation ist ungleich fester konstruiert. Sie basiert auf essentialistischen und staatsnationalistischen Vorstellungen. Diese feste Gemeinschaft von Gleichen findet ihren Ausdruck im einheitlichen Nationalstaat, der als einzig legitime Form der Herrschaft angesehen wird. Der starke Einheitscode der norwegischen Nation erklärt auch, warum die Integrationsfrage einen tiefen Riss durch die Gesellschaft verursacht, norwegische Integrationsbefürworter und -gegner jedoch weitgehend in ihrer positiven Einschätzung der Nation übereinstimmen. Die schweizerische Debatte wird dagegen durch eine Reihe von Schulddiskursen (Nazigold, Geldwäsche, Kriegsverlängerungsthese etc.) geleitet. Zudem gibt es die Diskurse über die Abschaffung der Armee und über die &#8218;Enge der Schweiz&#8217;. Das nationale Selbstbild ist rissig geworden. Dagegen ist es nach dem vielzitierten und bespöttelten Wort der bekanntesten Vertreterin der norwegischen Ja-Seite Gro Harlem Brundtland immer noch <em>&#8222;typisch norwegisch, gut zu sein&#8220;.</em>
            <footnote numbering="arabic" start="537">
               <p> Nein-Seite verspottet dies u.a. in der Karikaturensammlung: &#8222;Es ist typisch norwegisch Gro zu sein.&#8220; (Andrésen 1994). Schließlich kann die Nein-Seite damit den Vorwurf des überheblichen Nationalismus gegen die Ja-Seite wenden.</p>
            </footnote>
         </p>
         <p>
            <citenumber id="N11EF1" start="177"/>Einen vergleichbaren Diskurs über die Enge des an seiner schmalsten Stelle nur wenige Kilometer breiten Norwegens gibt es nicht. Zwar übertitelt der linke norwegische Euroskeptiker Jon Godal einen Aufsatz mit der einem unbekannten Jugoslawen auf Deutsch in den Mund gelegten Frage: <em>&#8222;Warum ist Norwegen so Schmal?&#8220;</em>
            <footnote numbering="arabic" start="538">
               <p> Godal 1991: 117. Groß- und Kleinschreibung nach dem Originaltext.</p>
            </footnote>Die auf den folgenden Seiten auf breitem Neunorwegisch gegebene Antwort hat aber mit der vielbeschworenen klaustrophobischen &#8218;Enge der Schweiz&#8217; nichts zu tun. Vielmehr ist Norwegen nach Godal deshalb so schmal, weil es besonders gerecht ist &#8211; schließlich setzen dort gleiche, freie Fischer und Bauern den Kräften des internationalen Großkapital Grenzen.<footnote numbering="arabic" start="539">
               <p> Vgl. Godal 1991.</p>
            </footnote>
         </p>
         <p>Vor dem Hintergrund dieser gänzlich konträren Länderbeschreibungen wird verständlich, warum viele Idealisten und Intellektuelle in Norwegen zur Nation stehen, während sie aus der Schweiz &#8218;ausbrechen&#8217; wollen. In der Schweiz tragen andere Mechanismen zwischen ethnischer Mehrheit und Minderheit zum EU-Widerstand bei. Hierfür spielt die deutschschweizerische Mehrheit eine entscheidende Rolle. Das Bewusstsein, innerhalb der Schweiz die dominante Sprachgruppe zu sein, sowie das durch Abgrenzung gekennzeichnete Verhältnis zu Deutschland tragen zur Ablehnung bei. Ein ähnlicher Mechanismus spielt auch in Norwegen eine Rolle. Dort fürchtet die innerhalb Norwegens starke Peripherie um Einfluss. </p>
         <p>Entscheidend ist der Unterschied in der Charakterisierung des Nationalstaates. Norwegen wird als warmes Nest beschrieben, das von dem kalten Europa der großen Konzerne bedroht wird. Die Schweiz wird dagegen als eine Überlebensgemeinschaft in einer harten, kalten Welt der Großmächte beschrieben, die sich bewährt habe. In Bezug auf die Identitätsdebatte ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Schweiz eine friedliche Puppenstube sei. Zumindest im Gegensatz zur norwegischen Debatte, in der das nationale &#8218;Wir&#8217; als unangreifbar positive Kategorie erscheint, steht die schweizerische Debatte vor dem Hintergrund harter dekonstruierender Diskurse. Überspitzt formuliert: Die AUNS und die SVP sind das letzte Aufgebot, welches das Bild der guten alten Schweiz verteidigt. Zwar mögen sie damit Erfolge an der Wahlurne erringen, zugleich entsprechen sie aber der pro-integratorischen Beschreibung der Euroskeptiker als rückständige Rechtspopulisten. Demgegenüber ist das Selbstbild einer moralisch überlegenen norwegischen Gemeinschaft, die sich deutlich gegenüber den unmoralischen und zurückgebliebenen &#8218;Europäern&#8217; abgrenzt, der grundlegende Konsens der Integrationsdebatte. Dies erklärt die im Vergleich zur Schweiz ungleich höhere Mobilisierung und Emotionalisierung in Norwegen.</p>
         <p>
            <citenumber id="N11F10" start="178"/>Euroskeptiker ziehen enormen Vorteil daraus, dass sie die Vergleichsebenen beliebig wechseln. Entweder vergleichen sie die Nation und den Nationalstaat mit der EU oder mit einzelnen Mitgliedstaaten. Dabei können sie negative EU-Bilder mit Stereotypen über andere Völker nahezu beliebig mischen. Die &#8218;Europäer&#8217; zeichnen sich sowohl bei NTEU wie auch bei AUNS/SVP dadurch aus, dass sie als Nicht-Gemeinschaft beschrieben werden, denen jegliche Natürlichkeit fehlt und die ein Teil der fremden und/oder heimischen Eliten sind. Frankreich und Deutschland sind als größte und bedeutendste Länder die wichtigsten Gegenbilder für die EU-Gegner in beiden Ländern. Wenn auch in schwacher Ausprägung und in unsicheren Konturen kommt ein Diskurs über den Süden, der sich teilweise mit dem über die südliche Lebensart der Franzosen vermischt, teilweise aber auch unabhängig davon besteht, hinzu. Gravierende Unterschiede finden sich jedoch in der Beschreibung anderer Staaten und Nationen. NTEU beschreibt sich und Norwegen als Vorreiter eines internationalen Netzwerkes des Widerstandes gegen die ungerechte, ausbeuterische und kapitalistische EU. Demgegenüber betrachtet AUNS/SVP den Rest der Welt &#8211; insbesondere Osteuropa &#8211; als Quelle von Gefahren durch Zuwanderungsströme. </p>
         <p>Euroskeptizismus und Kriegstreiberei sind zwei paar Schuhe. Sofern wir nicht die europäische Selbstbeschreibung, dass Europäer aufgrund ihrer historischen Erfahrung der Weltkriege besonders friedlich sind, als Prämisse setzen, gibt es keinen plausiblen Grund anzunehmen, dass die &#8218;Gemeinschaft der Europäer&#8217; friedlicher ist als die der Norweger oder Schweizer. Vielmehr glauben die Euroskeptiker, dass die Nation der Hort der Friedfertigkeit ist, während Kriege von Großmächten wie der EU ausgehen. Der Nationalstaat wird nicht als Verursacher von Krieg und Unterdrückung gewertet. Dies gilt nur für &#8218;fremde&#8217; Großmächte. Zudem stärkt es Euroskeptiker, wenn das Gefühl einer Bedrohung von außen fehlt und Europa deshalb nicht als Sicherheitsgemeinschaft notwendig ist. So weisen die Schweizer Euroskeptiker auf die Stärke der Schweiz hin und die norwegische Debatte findet vor dem Hintergrund der NATO-Mitgliedschaft statt.</p>
         <p>Den populären Sonderwegsthesen der Integrationsbefürworter zufolge hat sowohl die historische &#8218;Unterdrückung Norwegens&#8217; wie auch die &#8218;Selbstbehauptung der Schweiz&#8217; zum Euroskeptizismus geführt. Da dies einen Gegensatz darstellt, sind diese Thesen zumindest zu deterministisch. Es wird eine fast zwangsläufige Notwendigkeit des Integrationswiderstandes unterstellt, der sich aus der Geschichte ableitet. Diese Sonderwegsthese ist für Norwegen wenig plausibel und das Bild eines historisch vorbestimmten Euroskeptizismus greift zu kurz. Richtig daran ist, dass politische Gemeinschaften, wie die Nation, einer gemeinsamen Narration (die nationale Geschichte) bedürfen. Diese muss das Gefühl einer schicksalhaften Verbundenheit produzieren. Dabei ist es nachrangig, ob dieses Gefühl durch die Erzählung über die &#8218;gemeinsame Unterdrückung&#8217; oder den &#8218;gemeinsamen, erfolgreichen Widerstand&#8217; geschaffen wird. Aus der positiven Bewertung dieser Schicksalsgemeinschaft und der Mobilisierung von (teilweise historisch entstandenen) Feindbildern kann dann Integrationswiderstand als nationaler Freiheitskampf konstruiert werden.</p>
         <p>
            <citenumber id="N11F1C" start="179"/>Die bewaffnete Neutralität ist Synonym für Frieden und Wohlstand in der Schweiz. In Norwegen ist dieses Thema von untergeordneter Bedeutung. Grund sind die Erfahrungen der erfolgreichen Neutralität in der Schweiz und der missglückten Neutralität in Norwegen während des Zweiten Weltkriegs. Zudem sind die Eidgenossen per Definition eine Abwehrgemeinschaft, die &#8216;keine fremden Richter duldet&#8217;. Vor allem haben die Armee und der Topos der Verteidigung eine zentrale Funktion für die Gemeinschaftsbildung. Gerade in der Schweiz, die aufgrund ihrer Heterogenität ein geringes Maß an anderen gemeinschaftsbildenden Elementen hat, ist die Armee von zentraler Bedeutung für die innere Integration des Landes. Nur so ist zu erklären, warum die AUNS/SVP eine penetrante, kriegerische Rhetorik pflegen, obwohl evident ist, dass kein militärischer Konflikt mit der EU bevorsteht.</p>
         <p>In euroskeptischen Gesellschaften überzeugt das Argument nicht, dass Europa ein Friedensprojekt sei und dass die Nationalstaaten die Kriegstreiber sind. Denn die Erfahrungen mit dem Nationalstaat sind positiv. Die in der pro-integratorischen Rhetorik angelegte Gegensätzlichkeit von &#8218;Nationalismus&#8217; und &#8218;Frieden&#8217; wird nicht verstanden. Dieser böse Nationalismus wird lediglich als Phänomen aggressiver Großmächte, mit denen man sich nicht vereinigen will, interpretiert. Ob man sich als Opfer (Norwegen) oder als republikanische Insel des Friedens (Schweiz) versteht, die These eines Europas als Friedensprojekt wird nicht geglaubt. Das spiegelt zum einen die mangelnden Ressourcen der untersuchten Kleinstaaten und zum anderen das Bewusstsein der Unschuld der eigenen Nation wider. </p>
         <p>AUNS/SVP und NTEU haben entgegengesetzte Vorstellungen über das Wesen der Staatenwelt, die auch auf die Wahrnehmung der EU ausstrahlen. Die schweizerischen Euroskeptiker haben ein (neo-) realistisches Bild der Staatenwelt. Hinzu treten, insbesondere in Bezug auf wirtschaftliche Aspekte, sozialdarwinistische Vorstellungen, bei denen die Schweiz als im Konkurrenz- und Überlebenskampf der Staaten besonders &#8218;fit&#8217; dargestellt wird. Die norwegischen Euroskeptiker haben idealistische Vorstellungen von internationaler Politik. Anstatt der EU beizutreten soll Norwegen - weiterhin - als Vorbild für internationale Solidarität, Umweltschutz, Frieden, UNO-Engagement, internationale Kooperation und Entwicklungshilfe dienen. </p>
         <p>
            <citenumber id="N11F28" start="180"/>Die Europäische Integration ist Katalysator und Auslöser für Integrationsdebatten. Sie ist aber vor allem die Projektionsfläche für innergesellschaftliche Konflikte, Ideologien und bestehende kollektive Selbst- und Fremdbilder. Neue Fragen, wie die Europäische Integration, werden mit alten nationalen Stereotypen und Konfliktmustern behandelt. Nur dies erklärt die enorme zeitliche Stabilität von Euroskeptizismus. </p>
         <p>Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Abstimmungsverhalten in der Schweiz und in Norwegen ist die Haltung der Linken und der Rechten. In Norwegen stand die Linke gegen eine EU-Integration, die Rechte dafür und die extreme Rechte (Fortschrittspartei) war gespalten. In der Schweiz neigte die Rechte zur Nein-Seite und die Linke zu den Befürworten. Links und rechts sind pauschale Schlagworte, die nur sehr bedingt geeignet sind um die Ursache von Integrationswiderstand zu erklären. Innerhalb nationaler, politischer Debatten sind sie jedoch ein sehr wichtiges Deutungsmuster für Freund-Feind-Erkennung. Und auch für die Stereotypen, die über Euroskeptiker gebildet werden, sind sie bedeutsam. Sie führen zur Stabilisierung einer Anti-EU-Ideologie und einer Anti-Integrationsbewegung. Insbesondere in Deutschland besteht das Vorurteil, dass Euroskeptiker &#8218;Rechte&#8217; seien. Dies ist eine falsche Sichtweise. Euroskeptizismus hängt vom jeweiligen Selbstverständnis der Linken und der Rechten im nationalen Kontext ab.</p>
         <p>Empirisch sind Zentrum-Peripherie-Cleavages (Stadt-Land-Cleavages) sowie Konflikte über &#8218;Nation oder Union&#8217; ungleich wichtiger als Links-rechts-Kategorien. Für NTEU ist dies die Verteidigung einer egalitären, gerechten Gesellschaft und ihres Wohlfahrtsstaates. Deshalb ist für die norwegischen Euroskeptiker die EU ein neoliberal-unsoziales Projekt und die Zerstörung der Gesellschaft durch die Infiltration kontinentaler Werte von großer Bedeutung. Diese kontinentalen Werte sind Ungleichheit, Großkapital, Drogen, Prostitution, Ungleichheit der Geschlechter, städtische Lebensformen. Die AUNS/SVP baut das Gegensatzpaar eines hochregulierten, sozialistischen Europa einerseits und einer effizienten, subsidiären, freien Schweiz auf.</p>
         <p>
            <citenumber id="N11F34" start="181"/>Euroskeptizismus einfach mit Xenophobie gleichzusetzen ist falsch. So ist NTEU insgesamt nicht fremdenfeindlich, jedoch AUNS und SVP. Allerdings müssen euroskeptische Bewegungen Abgrenzungen gegenüber &#8218;anderen Völkern&#8217; erzeugen. Hierzu reproduzieren sie gängige nationale Selbst- und Fremdbilder.</p>
         <p>Euroskeptiker tendieren dazu, dem Nationalstaat ein hohes Maß an Handlungsfähigkeit zuzuschreiben und staatliche Kontrolle der Gesellschaft zu befürworten (law and order gegenüber Drogen, Prostitution, Pornographie etc.).<footnote numbering="arabic" start="540">
               <p> Allerdings gibt es hierzu auch Gegenbeispiele. Zum einen zeigt die in wirtschaftlichen Bereichen liberale AUNS/SVP, dass es durchaus gegenteilige Ideologieanteile geben kann und zum anderen sind diese Neigungen nicht zwangsläufig. Teilweise dürften sie sich jedoch aus dem Bedürfnis von Euroskeptikern ergeben, ihrem Nationalstaat eine wichtige Rolle bei der Abgrenzung gegen außen zuzuschreiben. Diese Rolle ist notwendig. Denn würde der Staat keine Funktion haben, so hätte es keinen Sinn ihn zu verteidigen. </p>
            </footnote>
         </p>
         <p>Wesentliche gemeinsame Motivation der Euroskeptiker ist ihr ausgeprägter Antizentralismus und ihre Idealisierung des ländlichen Raumes. Aus ökonomischen Gründen sind die Kerngebiete der Nation wie die Innerschweiz mit Rütli-Schwur und ländliches Norwegen besonders euroskeptisch. Dies verstärkt das Bild eines Gegensatzes von Nation und Integration. Die in der Landwirtschaft Beschäftigten haben sowohl in Norwegen als auch in der Schweiz gegen eine EU-Mitgliedschaft agitiert. Da in beiden Ländern der Bauernstand als Sinnbild von nationaler Eigenschaft und Tugend verstanden wird, konnten die EU-Gegner den Standpunkt der Bauern als typisch nationalen Standpunkt vermitteln. Der EU-Widerstand der Norweger und der Schweizer wird als Ausdruck der besonderen Wehrhaftigkeit, Freiheitsliebe und Sturheit von Bergbewohnern interpretiert. In beiden Ländern zieht sich dieses Motiv durch die Argumentation der EU-Gegner und -befürworter.</p>
         <p>
            <citenumber id="N11F48" start="182"/>Geographische Lage und Euroskeptizismus hängen nicht unmittelbar zusammen. Dieses trotzdem in einen Zusammenhang zu stellen, erleichtert den &#8218;Kerneuropäern&#8217; aber die Bagatellisierung von Euroskeptizismus als peripheren Standpunkt. Die geographische Entfernung zu Europa ist &#8211; wie nicht anders zu erwarten &#8211; ein vieldiskutiertes Thema in Norwegen, aber unbedeutend in der Schweiz. So kämpfen die schweizerischen Euroskeptiker gegen die arroganten Eurokraten &#8216;da oben&#8217;, während die norwegischen EU-Gegner vor allem Position gegen die &#8218;entfernten&#8217; Eurokraten beziehen. In der norwegischen EU-Debatte wurde häufig argumentiert, dass die abgelegene geographische Lage Norwegens dazu geführt habe, dass das Zugehörigkeitsgefühl zu Europa in Norwegen schwach ausgeprägt ist. Dabei wurde geographische Entfernung zugleich mit politischer, wirtschaftlicher und kultureller Marginalisierung gegenüber einer übermächtigen EU-Bürokratie gleichgesetzt. Offensichtlich taugt das Bild von der geographischen Entfernung zur EU im schweizerischen Fall nicht, um den EU-Widerstand zu erklären. Wenn aber die Angst vor Marginalisierung in der Schweiz ähnlich wie in Norwegen ein zentraler Inhalt der EU-Integrationsdebatte ist und vielleicht sogar in vergleichbaren Metaphern von den &#8216;fernen Brüsseler Bürokraten&#8217; vermittelt wird, dann ist anzunehmen, dass auch im norwegischen Fall die Rede vom &#8216;entfernten Brüssel&#8217; kaum etwas mit der realen Entfernung nach Brüssel zu tun hat. Die bisher häufig als spezifisch norwegisch bzw. nordeuropäisch interpretierte Abneigung gegenüber dem entfernten Kontinent muss dann eher als Angst vor Einflussverlust gewertet werden und nicht als nationale Eigensinnigkeit.</p>
         <p>Die geographische Zentralität der Schweiz dient den Integrationsbefürwortern als Beleg für die natürliche Zugehörigkeit der Schweiz zur EU. Dagegen leiten die norwegischen Integrationsbefürworter aus der peripheren Lage Norwegens die Notwendigkeit ab, die Zugehörigkeit zu Europa über die Integrationsentscheidung zu untermauern. Die schweizerischen Euroskeptiker besetzen dagegen als rhetorischen Ort eine Bergfestung, während die norwegischen Euroskeptiker eine ganze Himmelsrichtung - den Norden - für sich in Anspruch nehmen. Sowohl der Norden als auch die Berge sind oft mit Freiheit und Widerstandswillen gleichgesetzt worden. Ein großer Teil der oft kriegerischen Rhetorik der AUNS/SVP ist mit dem rhetorischen Ort der Bergfestung verbunden. Damit wird nicht nur an den Verteidigungsmythos in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs erinnert, sondern ein Bild zur Erklärung der Insellage der Schweiz gefunden. Gemeinsam ist den Euroskeptikern in beiden Ländern, dass sie den rhetorischen Ort der Nationenbildung besetzen. Aber nicht nur rhetorisch besetzen die Euroskeptiker die Bergfestung oder den Norden als Konstrukt. Vielmehr gewinnt dies dadurch an Glaubwürdigkeit, dass sozioökonomische Interessen der Primärwirtschaft und Orte des Nationalen zusammenfallen.</p>
         <p>Die Hauptressource von Euroskeptikern ist die Bevölkerung - oder um es genauer zu sagen, die Anrufung des Volkes, also eines Begriffes, der auf der diffusen Vermischung ethnischer, kultureller und staatsnationalistischer Vorstellungen beruht. Referenden sind deshalb die notwendige Bedingung für politisch wirkungsvollen Euroskeptizismus. Dagegen scheint es zweitrangig zu sein, ob das politische System föderal wie die Schweiz oder unitär wie Norwegen ist. Dies ist eher die leere Hülle, die von Euroskeptikern als Grund für die Überlegenheit des eigenen Staates und der Gemeinschaft gewählt wird.</p>
         <p>
            <citenumber id="N11F54" start="183"/>Der Kleinstaat ist demokratischer, gerechter und effizienter (erfolgreicher) und kleine Staaten können die Entscheidungen der großen innerhalb der EU ohnehin nicht beeinflussen, so lautet die einheitliche Vorstellung der Euroskeptiker in beiden Ländern. Die positiven Erfahrungen mit dem Kleinstaat lassen eine Überleitung von Souveränität auf die EU als Verlust von Demokratie erscheinen. Der harte Widerstand gegen eine EU-Integration basiert auf dem Kleinstaatenstatus Norwegens und der Schweiz. Während in großen Staaten die Hoffnung besteht, den nationalen Souveränitätsverlust durch vermehrten Einfluss auf der europäischen Ebene zu kompensieren, ist diese Möglichkeit aus Sicht der Bevölkerung für Kleinstaaten gering. </p>
         <p>Würden zu erwartende Veränderungen des politischen Systems eine entscheidende Rolle für Integrationsdiskurse spielen, dann müsste das Thema Demokratie in der Schweiz ungleich größere Bedeutung haben als in Norwegen. Denn die Kompatibilität des direktdemokratischen politischen Systems der Schweiz ist wesentlich geringer als das der parlamentarischen Demokratie Norwegen. Aus dem Material von NTEU und AUNS/SVP ergibt sich jedoch das umgekehrte Bild. Demokratie ist zwar ein wichtiges Thema der schweizerischen Euroskeptiker, es hat aber bei weitem nicht die omnipotente Bedeutung wie in Norwegen. Verständlich ist dies nur durch die unmittelbare Verknüpfung von Volk, Volksherrschaft und nationaler Selbstbestimmung bei NTEU, die auf eine unbestrittene normative Überlegenheit der essentialistischen Gemeinschaft der Norweger gründet. Die moralische Überlegenheit Norwegens ist anders als in der Schweiz breiter gesellschaftlicher Konsens. Dass Norwegen in einigen Bereichen (Walfang) als moralisch international unterlegen eingestuft wird, wird ausgeblendet. </p>
         <p>AUNS/SVP und NTEU stemmen sich gegen Zentralisierung aus Brüssel. Die norwegischen Euroskeptiker verteidigen einen starken Wohlfahrtsstaat und AUNS/SVP einen subsidiär aufgebauten Staat mit harter Einwanderungspolitik und starkem Militär. Die schweizerischen Euroskeptiker kämpfen gegen ein sozialdemokratisches Europa. Bei NTEU ist die EU dagegen ein neoliberales Projekt kalter, ferner Eliten und Bürokratien. Dem stellen sie die warme, sichere Einheit des Nationalstaates entgegen. Während die Brüsseler Bürokratie als Hort der Ineffektivität und des Gutsherrendenkens gegeißelt wird, wird ein starker und tief eingreifender Staat zu Hause als gut und richtig charakterisiert.</p>
         <p>
            <citenumber id="N11F60" start="184"/>Insgesamt glauben Euroskeptiker nicht an die europäische Selbstbeschreibung als friedensschaffend, demokratisch und wohlstandsfördernd und halten ihren Staat und ihre Nation für kompetenter, um diese Zukunftsaufgaben zu lösen. In Norwegen wird dies durch eine starke positive kollektive Selbstbeschreibung und in der Schweiz durch historische Erfahrungen begründet. Wirkungsvoll ist dieser Widerstand dann, wenn er über die politische Opportunitätsstruktur in Form von Referenden verfügt oder sie durch starke Mobilisierung in der Bevölkerung schafft wie in Norwegen. Begünstigt wird dies in beiden Ländern durch eine nur bedingt pro-integratorische Elite und relativ starken interessenbasierten Widerstand der durch Integration gefährdeten Sektoren.</p>
         <p>Die Bedeutung der von AUNS/SVP und NTEU angegebenen Motive für ihren Euroskeptizismus kann folgendermaßen beschrieben werden. NTEU begründet den euroskeptischen Standpunkt mit Demokratieargumenten, die jedoch auf der Vorstellung eines guten, demokratischen norwegischen Volkes und einer festen politischen Gemeinschaft der Norweger basiert. Demgegenüber sind die Themen Demokratie, Wirtschaft, Neutralität und der Topos der nationalen Selbstverteidigung und Selbstbestimmung bei AUNS/SVP in etwa von gleichrangiger Bedeutung. Tabellarisch kann dies wie folgt dargestellt werden.</p>
         <p>
            <table frame="all" id="N11F69" orient="port" tocentry="1">
               <tgroup align="left" char="" charoff="50" cols="3">
                  <colspec colname="1" colnum="1"/>
                  <colspec colname="2" colnum="2"/>
                  <colspec colname="3" colnum="3"/>
                  <tbody valign="top">
                     <row>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top"/>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>NTEU</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>AUNS/SVP</p>
                        </entry>
                     </row>
                     <row>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Demokratie</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Alles dominierend</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Wichtig</p>
                        </entry>
                     </row>
                     <row>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Wirtschaft</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Nicht so wichtig</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Wichtig</p>
                        </entry>
                     </row>
                     <row>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Frieden</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Nicht so wichtig</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Wichtig</p>
                        </entry>
                     </row>
                     <row>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Neutralität</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Nicht existent</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Wichtig</p>
                        </entry>
                     </row>
                     <row>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Nationales Wir</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Sehr stark</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Schwach</p>
                        </entry>
                     </row>
                     <row>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Nationale Selbstbestimmung und Verteidigung</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Unter Demokratie subsumiert</p>
                        </entry>
                        <entry morerows="0" rotate="0" valign="top">
                           <p>Wichtig und offenkundig</p>
                        </entry>
                     </row>
                  </tbody>
               </tgroup>
            </table>
         </p>
         <p>
            <citenumber id="N12057" start="185"/>Euroskeptiker brauchen ein Minimum an politischen und ökonomischen Möglichkeiten durch Referenden und Interessengruppen, um mit dem Verweis auf die spezifischen nationalen Tugenden und Stärken glaubhaft machen zu können, dass die EU undemokratischer, ungerechter, kriegerischer und erfolgloser ist als der Nationalstaat. Dabei ist die literarische Vorlage der Asterix-Geschichte eine punktgenaue Zusammenfassung der Selbst- und EU-Bilder der Integrationsgegner in Norwegen und der Schweiz. Wie die vom korrupten, aggressiven römischen Imperium eingekreisten Gallier, so beschreiben auch die Euroskeptiker sich als ehrlich, frei, ländlich, natürlich, gewitzt, naturverbunden, basisdemokratisch, autark und egalitär.<footnote numbering="arabic" start="541">
               <p> Das gallische Dorf ist basisdemokratisch &#8211; so wie NTEU Norwegen nach Esborg als Vereinigung vieler kleiner basisdemokratischer Gemeinden darstellt (vgl. Esborg 2002). Autarkie spielt bei AUNS/SVP eine größere Rolle als bei NTEU. Egalität ist bei AUNS/SVP nur das gleiche Bürgerrecht für politische Entscheidungen. NTEU meint darüber hinaus soziale Gleichheit und Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.</p>
            </footnote> Eine kleine heile Welt wird gegen das EU-Imperium verteidigt. NTEU behauptet dieses Bild mühelos-spielerisch, demgegenüber muss AUNS/SVP es starr verteidigen. So machen sich die schweizerischen Integrationsbefürworter bisweilen mit dem Vergleich zur Asterix-Geschichte über die Euroskeptiker lustig. Dagegen publizierten die norwegischen EU-Gegner selbst die AstEUrix-Geschichte vom guten Leben im kleinen nördlichen Dorf<footnote numbering="arabic" start="542">
               <p> Siehe die Publikation der Jugendbewegung von NTEU (AstEUrix 1994).</p>
            </footnote> und der Bedrohung durch das europäische Imperium.</p>
         <p>Eine idealtypische euroskeptische Gesellschaft ist keinesfalls durch einen Mangel an Information oder Modernität geprägt. Vielmehr eröffnen wirtschaftliche und politische Interessen sowie das politische System (vor allem das Referendum) die Möglichkeit eines erfolgreichen Integrationswiderstandes gegen die überlegenen Ressourcen der Ja-Seite. Abgelehnt wird Integration, weil der Nationalstaat bereits als Inkarnation der &#8218;europäischen Tugenden&#8217; wie Demokratie, Friedfertigkeit, wirtschaftliche Tüchtigkeit - sowie des Wohlfahrtsstaates in Norwegen - gilt. </p>
         <p>Euroskeptizismus ist damit eine Interpretation der Wirklichkeit. Da Interpretationen von Wirklichkeit nicht kohärent (unterschiedliche Personen und Gruppen sowie Kontexte) sein müssen, können gleiche, widersprüchliche, ambivalente Ereignisse und Argumentationen euroskeptisch interpretiert werden. Euroskeptizismus ist entweder unabhängig vom Informationsfluss über die EU oder nimmt möglicherweise sogar mit zunehmender Informiertheit zu. Allenfalls könnten Euroskeptiker langfristig durch die Hegemonie der Eliten, die ein positives EU-Bild produzieren, zurückgedrängt werden.</p>
         <p>
            <citenumber id="N12073" start="186"/>Integrationsbefürworter und die meisten Wissenschaftler würden Euroskeptizismus am liebsten als Teil der Paläontologie erforschen &#8211; als Fossil einer vergangenen Zeit. Politisch macht dies Sinn, da die pro-integratorische Hegemonie im Integrationsdiskurs hierdurch weiter ausgebaut wird. Empirisch gehören Euroskeptiker aber keinesfalls einer aussterbenden Art an. Vielmehr werden sie den Integrationsprozess weiter ausbremsen oder aktiv mitgestalten. Sie bleiben deshalb ein wichtiges Beobachtungsobjekt der Sozial- und Kulturwissenschaften. Für diese Forschung möchte ich einige Vorschläge machen. Die Forschung sollte sich nicht weiter auf Staatsorganisation, ökonomische Kosten-Nutzen-Abwägungen oder Links-rechts-Gegensätze konzentrieren. Diese Themen werden in nationalen Debatten bereits durchforstet um politische Standpunkte in Integrationsdiskursen zu untermauern, oder sie haben begrenzte Bedeutung für öffentliche Debatten. </p>
         <p>Wichtiger ist, wie Euroskeptiker ökonomische Gruppeninteressen mit einem nationalen Standpunkt verbinden. Empirisch dürfte dies in den meisten europäischen Ländern vor allem für die im primärwirtschaftlichen Bereich Tätigen von großer Relevanz sein. Weiter sollte untersucht werden, wie Gründungsorte der Nation und heilige Orte von Euroskeptikern für sich in Anspruch genommen werden. Wie beschreiben Euroskeptiker ihre Zukunft und Vergangenheit? Wie gehen Euroskeptiker mit dem Topos des nationalen Freiheitskampfes um? Wie dicht und mit welcher Wertung wird die Nation innerhalb der nationalen Diskurse beschrieben? Welche Gegner oder Verbündeten wählen und imaginieren die Akteure? Wie werden geographische Räume und Grenzen konstruiert? Wie wird das Verhältnis von nationalen Eliten und europäischen Eliten konstruiert? Wie werden regionale und andere subnationale Identitäten als mit dem Nationalstaat kompatibler interpretiert als die EU? Die Schlüsselfrage zum Verständnis von Euroskeptizismus lautet also: Warum hält sich die Nation für glücklich, erfolgreich und tugendhaft?</p>
      </chapter>
   </body>
   <back id="N1207C">
      <abbreviation id="N1207E">
         <head>Abkürzungen</head>
         <p>AUNS &#8211; Aktion für eine Unabhängige und Neutrale Schweiz</p>
         <p>NTEU (Nei Til EU) &#8211; Nein zur EU </p>
         <p>SVP &#8211; Schweizerische Volkspartei</p>
      </abbreviation>
      <bibliography id="N1208D">
         <head>9. LITERATUR</head>
         <p>Die norwegischen Sonderzeichen werden alphabetisch entsprechend ihrer deutschen Auflösung (Å = aa, Æ = ae, Ø = oe) eingeordnet.</p>
         <p>Die Literaturliste ist einfach alphabetisch geordnet, weil keine Wertigkeit zwischen den euroskeptischen Primär- und den in ihrer Mehrzahl integrationsbefürwortenden Sekundärquellen aufgebaut werden sollte.</p>
         <p>Quellen von AUNS/SVP und NTEU </p>
         <p>Im Gegensatz zu den meisten Quellen von AUNS und SVP ist das Informationsmaterial von NTEU, abgesehen von einigen Handzetteln, dünneren Broschüren und Plakaten i.d.R. als normale Publikation mit ISBN bzw. ISB Nr. ausgestattet und über den Buchhandel sowie norwegische Universitätsbibliotheken erhältlich. Der einfachste Weg an dieses Material zu gelangen ist der Download über die Homepage von NTEU (www.neitileu.no) oder die Bestellung der gedruckten Versionen bei NTEU. Im Regelfall dürften die angegebenen Schriften bei NTEU vorrätig sein. Das Material der AUNS kann über AUNS, Postfach 218, 3000 Bern 16, E-Mail: auns@auns.ch, Tel, 0313562727; Fax: 0313562728 bestellt werden. Ein Großteil davon kann auch über die Internetseite heruntergeladen werden: www.auns.ch . Das Material der SVP ist über die Webseite (www.svp.ch) oder der von Blocher (www.blocher.ch) erhältlich. </p>
         <p>Das Material von NTEU, AUNS und SVP ist Massenware mit hoher Redundanz. Slogans, euroskeptische Terminologie und Ikonographie wirken durch Einfachheit und beständige Wiederholung. In den vergangenen Jahrzehnten waren sie ausgesprochen stabil und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich dies ändert. Allerdings sind geringfügige Variationen entsprechend dem politischen Kontext, Zeitgeist, Mode und dem persönlichen Geschmack der Macher des Materials zu erwarten. So können Änderungen bei der Webseite, Textänderungen und Umformatierungen - etwa bei Nachdrucken - im Einzelfall das Auffinden von zitierten Stellen erschweren oder gar unmöglich machen. Deshalb habe ich möglichst die gedruckte Version zitiert. Vereinzelt fehlen bei AUNS und SVP genaue Angaben über das Erscheinungsdatum und andere bibliographische Angaben. Anhand der Fußnoten ist aber abzulesen, dass sie nicht älter als 2001 sein dürften. Bei diesen Schriften handelt es sich häufig um nachgedruckte Reden, bei denen i.d.R. der Ort, Anlass und Datum der Rede angegeben wird. </p>
         <p>Unmittelbare Publikationen von AUNS/SVP und NTEU wurden als solche kenntlich gemacht. Einige Autoren und Publikationen wurden in dieser Untersuchung als dem gleichgestellt behandelt, da sie im nahen Umfeld der untersuchten Bewegungen erschienen.</p>
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Åleskjær, Åge </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Nasjon eller Union, Skal Norge inn i EU? , <publisher>Hermon Forlag </publisher>
               <address>as 3577 Hovet,</address>
               <publisher/>
               <address>Trondhjem. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Årbok <pubdate>2001: </pubdate>
               <articletitle>Stille før stormen?, </articletitle>
               <editor>Seierstad, Dag (red.), </editor>Nei til EUs årbok for 2001. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Årbok <pubdate>1999: </pubdate>
               <articletitle>Hvem vant? &#8211; EU og Norge fem år etter folkeavstemningen, </articletitle>
               <editor>Seierstad, Dag (red.)</editor>
               <note>Nei til EUs årbok for 1999. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Aardal Bernt et al </workauthor>
               <pubdate>(1998) </pubdate>
               <workauthor>/Jenssen, Anders Todal/Oskarsson, Henrik/Sänkiaho, Risto/Säynässalo, Erika: </workauthor>
               <articletitle>Can Ideology Explain the EU Vote? </articletitle>In: To Join or Not to Join <pubdate>(1998): </pubdate>
               <pages>235-268. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Aarebrot, Frank/Bakka, Pal </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <articletitle>Die vergleichende Methode in der Politikwissenschaft.</articletitle> In: Vergleichende Politikwissenschaft, <editor>Berg-Schlosser, Dirk/Müller-Rommel, Ferdinand (Hrsg.), </editor>
               <version>2. Aufl., </version>
               <publisher>Leske + Buderich, </publisher>
               <address>Opladen: </address>
               <pages>51-70. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Årsmeldning <pubdate>(1995)</pubdate>
               <workauthor>for Nei til EU:</workauthor> Styrets årsmeldning for perioden Nei til EUs landsmøte 26.-28. mai 1995, NTEU. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Aftenposten<pubdate>29.11.94:</pubdate>
               <number>3. </number>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Agnew, John </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Geopolitics re-visioning world politics, <publisher>Routledge</publisher>, <address>London/New York. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Anderson, Benedict </workauthor>
               <pubdate>(1988): </pubdate>Die Erfindung der Nation. Die Karriere eines folgenreichen Konzeptes, <address>Frankfurt/M./New York. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Andrésen, Flettfrid, </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Det Er Typisk Norsk Å Være Gro. En finere håndskrekning til våre EU-tvivlere, septikere og humoriøse, <publisher>Tiden Norsk Forlag, </publisher>
               <address>Spydeberg. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Anórsson, Au&#273;unn </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>The European Economic Area. An Appraisal from an EFTA-Perspective after Three Years in Force. What is the scope for influence of the EFTA-States within the EEA? A comparison with alternatives, based on selected case studies. <note>(Unpublished thesis for the degree of Master of European Studies in 1995/96 at College of Europe Bruges Department of Political and Administrative Studies:</note>
               <note>1-67; Bezug über Au&#273;unn Anórsson). </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Anti-SVP-Seite (<cut>Download vom</cut>
               <cut>18.1.2004</cut>: <url href="http://www.anti-svp.ch.vu/" type="URL"/>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Archer, Clive </workauthor>
               <pubdate>(2004): </pubdate>
               <articletitle>Swiss Euroscepticism: Local variations on wider themes</articletitle>. In: <editor>Harmsen/Spiering </editor>
               <pubdate>(2004): </pubdate>
               <pages>269-290. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Assmann, Jan </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, <publisher>Beck, München. </publisher>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>AstEUrix </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Valgets kvelertak, Ungdomskampanjen mot EU (utgiver), <note>Bezug über NTEU. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">AUNS-Downloads: <cut>Download vom 13.1.2004: </cut>
               <cut>Download vom 7.1.2004: </cut>
               <cut>Download vom 31.5.02: </cut>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">AUNS-Flugblatt: Freiheiten in Gefahr <pubdate>(K.A.). </pubdate>
               <note>Bezug über AUNS oder Autor.</note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">AUNS-Informations- und Pressedienst <volume>Nr. 63</volume>
               <pubdate>1998</pubdate>: <number>20. </number>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">AUNS-Plakat: Ja zur Schweiz<pubdate>(k.A.). </pubdate>
               <note>Bezug über AUNS oder Autor.</note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Aus Politik und Zeitgeschichte: <number>Beilage 43</number>
               <pubdate>1992</pubdate>.</citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Bachofner, Hans </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>Die aussen- und sicherheitspolitische Aufgabe der Schweiz. Referat wurde zur 15. ordentlichen Mitgliederversammlung der AUNS am 13.Mai 2000 gehalten. <note>AUNS- Broschüre Din A 5,</note>
               <note>16 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Bagge, Sverre/Mykland, Knut </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>Norge i dansketiden 1380-1814, <version>3.opplag, </version>
               <publisher>Cappelen, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Bakke, </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>in, Nordiske Alternativer Til EU, <note>Nej-sidens argumenter og forslag i de nordiske lande, Folkebevægelsen mod EF-Unionen,</note>
               <articletitle/>
               <publisher>Greves Forlag: </publisher>
               <pages>39. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Bergesen, Helge -Ole </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Ja til EU, <publisher>Gyldendals Pamfleter, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Bergier, Jean-François </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>Wilhelm Tell &#8211;ein Europäer? Betrachtungen eines Historikers, <publisher>Benzinger, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Bisky, Jens </workauthor>
               <pubdate>(2003): </pubdate>
               <articletitle>Wenn sie schon einen Schweizer holen, Preußentum und Sozialismus: Adolf Muschg ist der neue Präsident der Berliner Akademie der Künste</articletitle>. In: Süddeutsche Zeitung <pubdate>12.5.03:</pubdate>
               <number>12. </number>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Bjørklund, Tor </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Peripherie mot sentrum. Landsomfattende folkeavstemninger i Norge, <editor>Institutt for samfunnsforskning</editor>
               <serialtitle>Rapport</serialtitle>
               <number>99:8</number>, <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Bjørklund, Tor </workauthor>
               <pubdate>(1997a): </pubdate>Om folkeavstemninger. Norge og Norden 1905-1994, <publisher>Universitetsforlaget, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Bjørklund, Tor </workauthor>
               <pubdate>(1997b): </pubdate>
               <articletitle>Old and new patterns: the &#8216;no&#8217; majority in the 1972 and 1994 EC/EU referendums in Norway.</articletitle> In: Acta Sociologica, <volume>Vol. 40, </volume>
               <number>no. 2: </number>
               <pages>143-153. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Bjørklund, Tor </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>
               <articletitle>The three Nordic 1994 Referenda concerning membership in the EU</articletitle>. In: Cooperation and Conflict, <volume>Vol. 31, </volume>
               <number>No. 1: </number>
               <pages>11-36. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Bjørklund, Tor </workauthor>
               <pubdate>(1982): </pubdate>Mot strømmen. Kampen mot EF 1961-1972, <publisher>Universitetsforlaget, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Blocher, Christoph, </workauthor>
               <pubdate>(2001) </pubdate>Suchst Du den Krieg, dann kommt er zu Dir!, <note>Rede anlässlich der 13. Albisgüetli-Tagung 2001, SVP- Din A 4- Broschüre, 20 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Blocher, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Die Schweiz und der Eizenstat-Bericht, <note>Rede gehalten am Samstag, den 21. Juni 1997, im Kursaal Bern, AUNS-Broschüre Din A 5, 40 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Blocher, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(1998a): </pubdate>Die Schweiz und der Zweite Weltkrieg. Eine Klarstellung, <note>Referat anlässlich der Veranstaltung der SVP des Kantons Zürich vom 1.3.1997 in Zürich-Oerlikon,</note>
               <note>AUNS- Din A 5 Broschüre, 32 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Blocher, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(1998b): </pubdate>Strategischer Wandel. Strategischer Studienbericht zur Weiterentwicklung schweizerischer Sicherheitspolitik, <note>AUNS- Din A 5 Broschüre, 48 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Blocher, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(K.A.): </pubdate>EWR der falsche Weg für die Schweiz, <note>Din A 4 Broschüre, 52 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Blocher, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(K.A.): </pubdate>Freiheit statt Sozialismus. Aufruf an die Sozialisten in allen Parteien, <version>3. Auflage, </version>
               <note>SVP- Din A 4 Broschüre, 24 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Born, Karl Erich </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Die ethische Beurteilung des Geldwesens im Wandel der Geschichte.</articletitle> In: <editor>Hesse, Helmut/Issing, Otmar (Hrsg.), </editor>Geld und Moral, <publisher>Vahlen</publisher>
               <address>München</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Brostigen, Tor </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>EUs beslytningssystem. </articletitle>In: Norge og EU <pubdate>(1994): </pubdate>
               <pages>31-48. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Brunner, Manfred </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Unabhängigkeit, Föderalismus, Freiheit &#8212; und Die EU? </articletitle>
               <note>Referat, gehalten an der Schweizerzeit &#8211; Herbsttagung vom 13. November 1993 in Berg am Irchel Mit Kommentaren von Nationalrat Dr. Christoph Blocher. </note>In: Schweizerzeit &#8211; Schriftenreihe <number>Nr. 16,</number>
               <publisher>Schweizerzeit, Verlgas AG, </publisher>
               <address>Flaach. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Bugmann, Urs </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>
               <articletitle>How to Create a National Myth: Switzerland Reflected in its Contemporary Writing.</articletitle> In: Making of Modern Switzerland, 1848-1998: <pages>47-71. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <editor>Bundesamt für Statistik:</editor>Eckdaten zu Norwegen und der Schweiz: <cut>Download vom 15.1.04</cut>: . </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <editor>Bundeszentrale für Politische Bildung</editor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>Informationen zur politischen Bildung aktuell. Erweiterung der Europäischen Union. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Cederman, Lars Erik </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>
               <articletitle>Nationalism and Bounded Integration. What it would take to construct a European Demos, </articletitle>EUI Working Papers, <number>No 34, </number>
               <publisher>European University Institute, </publisher>
               <address>Florence. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Christensen, Dag Arne </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>
               <articletitle>Foreign Policy Objectives: Left Socialist Opposition in Denmark, Norway and Sweden.</articletitle> In: Scandinavian Political Studies, <volume>Vol. 21, </volume>
               <number>No. 1: </number>
               <pages>51-70. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Church, Clive</workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>
               <articletitle>Redefining Swiss Relations with Europe.</articletitle> In: Making of Modern Switzerland, 1848-1998 <pubdate>(2000): </pubdate>
               <pages>137-160. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Collier, David</workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>
               <articletitle>The Comparative Method. </articletitle>In: <editor>Finifter, Ada W. (ed.), </editor>Political Science: The State of the Discipline, <volume>Vol II, </volume>
               <publisher>The American Political Science Association: </publisher>
               <pages>105-119. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Deutsch, Karl W. et al. </workauthor>
               <pubdate>(1957): </pubdate>Political Community and the North Atlantic Area. Princeton: <publisher>Princeton University Press, </publisher>
               <address>Princeton. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Diez, Thomas </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>
               <articletitle>Europe as a Discursive Battleground. </articletitle>In: Cooperation and Conflict, <number>Vol. 36(1): </number>
               <pages>5-38. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Diez, Thomas</workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Die EU lesen Diskursive Knotenpunkte in der britischen Europadebatte, <publisher>Leske + Buderich, </publisher>
               <address>Obladen. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Dijkink, Gertjan </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>National Identity and Geopolitical Visions. Maps of Pride and Pain, <publisher>Routledge, </publisher>
               <address>London/New York. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Eder, Klaus </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>
               <articletitle>Kulturelle Identität zwischen Tradition und Utopie. Soziale Bewegungen als Ort gesellschaftlicher Lernprozesse, </articletitle>
               <serialtitle>Europäische Bibliothek interkultureller Studien</serialtitle>
               <volume>Bd. 6,</volume>
               <publisher>Campus, </publisher>
               <address>Frankfurt/New York. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Eisenstadt, Shmuel N. </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>
               <articletitle>Die Konstruktion kollektiver Identität im modernen Nationalstaat.</articletitle> In: <editor>Henningsen, Bernd/Beindorf, Claudia (Hrsg.), </editor>Gemeinschaft eine zivile Imagination, <publisher>Nomos Verlagsgesellschaft, </publisher>
               <address>Baden-Baden: </address>
               <pages>197-211. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <editor>Epiney, Astrid/Siegwart, Karine (Hrsg.) </editor>
               <pubdate>(1997): </pubdate>Direkte Demokratie und Europäische Union, <publisher>Universitätsverlag Freiburg Schweiz, </publisher>
               <address>Freiburg.</address>
               <publisher/>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Erfindung der Schweiz 1848-1998, die <pubdate>(1998): </pubdate>Bildentwürfe einer Nation, Sonderausstellung im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich 26. Juni &#8211; 4. Oktober 1998, <editor>Schweizerisches Landesmuseum Zürich (Hrsg.),</editor>
               <publisher>Chronos Verlag,</publisher>
               <address>Zürich.</address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Ernst, Alfred, </workauthor>
               <pubdate>(1973): </pubdate>
               <articletitle>Neutrale Kleinstaaten im Zweiten Weltkrieg. Versuch einer vergleichenden Beurteilung der kriegsverhütenden Wirkung ihrer militärischen Bereitschaft.</articletitle> In: Schriften der Schweizerischen Vereinigung für Militärgeschichte und Militärwissenschaften <number>Heft 1.</number>
               <publisher>Buchverlag Tages-Nachrichten,</publisher>
               <address>Münzingen. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Ernst, Andreas </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>
               <articletitle>Vielsprachigkeit, Öffentlichkeit und politische Integration: schweizerische Erfahrungen und europäische Perspektiven.</articletitle> In: Swiss Political Science Review 4 <number>(4):</number>
               <pages>225-240. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Esborg, Line </workauthor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>
               <articletitle>Mellom bakkar og berg. Om den norske EU-motstandens retoriske sted. </articletitle>In: Historien in på livet Diskussioner om Kulturarv och Minnespolitik, <publisher>Nordic Academic Press, </publisher>
               <address>Lund:</address>
               <pages>139-258.</pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Esborg, Line </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>
               <articletitle>Om kultur, politikk og EU-kamp.</articletitle> In: Dugnad 3-<volume>Volum 25:</volume>
               <pages>5-19. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Esping-Andersen, Gøsta </workauthor>
               <pubdate>(1990): </pubdate>The Three Worlds of Welfare Capitalism, <publisher>Princeton University Press, </publisher>
               <address>Princeton. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Europas Puerto Rico <pubdate>(K.A.): </pubdate>Broschüre von Europeisk Ungdom, <publisher>Europahuset Sentrum</publisher>
               <address>0109 Oslo,</address>
               <note>20 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Fehr, Hans </workauthor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>AHV stärken oder Volksvermögen ins Ausland verteilen! (<cut>Download vom 12.4.04:</cut>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Fischer, Joschka </workauthor>
               <pubdate>(2004): </pubdate>
               <articletitle>Interview mit der Berliner Zeitung. </articletitle>In: Berliner Zeitung <pubdate>28/29. 2.04:</pubdate>
               <pages>5. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Fischer, Joschka </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>Vom Staatenbund zur Föderation - Gedanken über die Finalität der Europäischen Integration, <note>Rede an der Humboldt-Universität zu Berlin vom 12. Mai 2000 </note>(<cut>Download vom 14.8.01</cut>: ). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Frischknecht, Jürg/Niggli, Peter </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Rechte Seilschaften. Wie die &#8218;unheimlichen Patrioten&#8217; den Zusammenbruch des Kommunismus meisterten, <publisher>Rotpunktverlag, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Furre, Berge </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>NEI TIL EU, <publisher>Gyldendals Pamfletter, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Futterknecht, Willy </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>EU-Beitritt? Die 46 Souveränitäts-Verluste. Antwort auf die bundesrätliche Provokation, <publisher>Radika-Verlag, </publisher>
               <address>Stans. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Futterknecht, Willy </workauthor>
               <pubdate>(K.A.): </pubdate>Die EU durchleuchtet 52 dokumentierte EU-Aufklärungs-Texte, <publisher>Radika-Verlag, </publisher>
               <address>Stans. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Galtung, Johan </workauthor>
               <pubdate>(1973): </pubdate>The European Community: A superpower in the making, <publisher>Universitetsforlaget, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Geertz, Clifford </workauthor>
               <pubdate>(1973): </pubdate>
               <articletitle>Thick Description: Toward an Interpretive Theory of Culture.</articletitle> In: The Interpretation of Cultures, <publisher>Basic Books, </publisher>
               <address>New York: </address>
               <pages>1-33. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Gellner, Ernest </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Nations and Nationalism.</articletitle> In: Nordic Path to National Identity in the Nineteenth Century, <editor>Øystein, Sørensen (ed.), </editor>Nasjonal identitet <number>nr. 1/94:</number>
               <pages>7-16. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Germann Raimund </workauthor>
               <pubdate>(1991): </pubdate>
               <articletitle>Die Europatauglichkeit der direkt-demokratischen Institutionen in der Schweiz. </articletitle>In: Schweizerisches Jahrbuch für Politische Wissenschaft <number>31/1991</number>: <pages>257-270. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Geser, Hans </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <articletitle>Ohne Gemeinschaft gäbe es mehr Alternativen. Kleinstaatliche (und andere) Vorbehalte gegen ein antiquirtes Konzept Europäischer Integration.</articletitle> In: Schweizerisches Jahrbuch für Politische Wissenschaft <number>32/1992</number>: <pages>389-414. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Gläßer, Ewald/Myklebost, Hallstein </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>
               <articletitle>Das norwegische Nein zur EU.</articletitle> In: GR <volume>48</volume>, <pubdate>1996</pubdate>, <number>II.5</number>: <pages>285-291</pages>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <editor>Goal AG </editor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>Von unseren Kampagnen spricht man, <note>Broschüre der Goal AG für Werbung und Public Relations, Witikonerstrasse 1, Postfach 331, CH-8030 Zürich. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Godal, Jon </workauthor>
               <pubdate>(1991): </pubdate>
               <articletitle>Warum ist Norwegen so schmal? </articletitle>In: Supermarked eller Felles Framtid? <pubdate>(1991): </pubdate>
               <pages>117-129. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Goetschel, Laurent </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Zwischen Effizienz und Akzeptanz. Die Information der Schweizer Behörden in Hinblick auf die Volksabstimmung über den EWR-Vertrag vom 6. Dezember 1992, <publisher>Haupt</publisher>, <address>Bern/Stuttgart/Wien. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Gonzalez, Jose J./Koch, Michael G. </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Eufori-Valget mellom byråkrati og demokrati (), <publisher>Bergen</publisher>-<address>Sandviken</address>.</citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Grauer Brief: Zum hineinleuchten in die Grauzonen schweizerischer Aussenpolitik, <note>Mitteilungsblatt für Mitglieder der AUNS, erscheint sechsmal jährlich, </note>
               <publisher>Rickli+Wyss AG, </publisher>
               <address>Bern. </address> Grauer Brief <number>91</number>, <pubdate>2003</pubdate> Grauer Brief <number>90</number>, <pubdate>2003</pubdate> Grauer Brief <number>88</number>, <pubdate>2003</pubdate> Grauer Brief <number>86</number>, <pubdate>2002</pubdate> Grauer Brief <number>79</number>, <pubdate>2001</pubdate> Grauer Brief <number>77</number>, <pubdate>2001</pubdate> Grauer Brief <number>75</number>, <pubdate>2001</pubdate>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Grundpfeiler <pubdate>(1992): </pubdate>
               <note>Beschluss der landesweiten Delegiertenkonferenz von NTEU vom 29.11.92 (auch Download vom 10.7.01:</note>
               <url href="http://www.neitileu.no/man/organisasjon/serv/bjelker.html" type="URL"/>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Grytten, Sigurd </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>
               <articletitle>Et lite ønske.</articletitle> In: Årbok 2001: <pages>10-11. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Gsteiger, Freddy </workauthor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>
               <articletitle>Abschied vom Sonderfall.</articletitle> In: Die Zeit Politik <number>10/2002</number> (<cut>Download vom 18.11.02:</cut>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Gstöhl, Sieglinde </workauthor>
               <pubdate>(2002a): </pubdate>Reluctant Europeans: Sweden, Norway and Switzerland in the Process of European Integration (1950-95), <publisher>Boulder, </publisher>
               <address>London</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Gstöhl, Sieglinde </workauthor>
               <pubdate>(2002b): </pubdate>
               <articletitle>Scandinavia and Switzerland: Small, Successful and Stubborn towards the EU, </articletitle>Journal of European Public Policy <volume>9</volume>:<number>4</number>: <pages>529-549. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Gstöhl, Sieglinde </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Reluctant Europeans: Sweden, Norway and Switzerland in the Process of European Integration (1950-1995). <note>Doktorarbeit der Universität Genf. In gekürzter und überarbeiteter Form als Gstöhl</note>
               <pubdate>(2002a) erschienen</pubdate>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hammerstad, Leif Jan </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Sumaren med Gro<note> (Bezug über NTEU).</note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Harmsen, Robert/Spiering, Menno </workauthor>
               <pubdate>(2004): </pubdate>
               <articletitle>Euroscepticism: Party Politics, National Identity and European Integration, </articletitle>European Studies <number>No. 20</number>, <publisher>Rodopi</publisher>, <address>Amsterdam/New York</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hartmann, Hans/Horvath, Franz </workauthor>
               <pubdate>(1995): </pubdate>Zivilgesellschaft von rechts. Die Erfolgsstory der Zürcher SVP, <publisher>Realutopia Verlagsgenossenschaft</publisher>, <address>Zürich</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <editor>Head-König, Anne-Lise/Tanner, Albert (Hrsg.) </editor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>Die Bauern in der Geschichte der Schweiz, <publisher>Chronos Verlag</publisher>, <address>Zürich.</address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hei, Verden </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>Et solidarisk og internasjonalt nei til EU, <publisher>Falch AS, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Heiberg, Turid </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Europa &#8211; seg selv nok? <publisher>Antirasistisk Senter, Postboks 244- Sentrum,0103 </publisher>
               <address>Oslo.</address>
               <publisher/>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Henningsen, Bernd </workauthor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>
               <articletitle>Statt einer Einleitung: Bilder einer Ausstellung. </articletitle>In: Das Projekt Norden <pubdate>(2002): </pubdate>
               <pages>7-17. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Heuer, v. Anouchka, </workauthor>
               <pubdate>(K.A.): </pubdate>Späte Würdigung für Denis de Rougemont. Der Föderalismus, die Schweiz und Europa, <note>AUNS-Broschüre im Din A 5-Format, 48 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hille, Jochen </workauthor>
               <pubdate>(2003): </pubdate>
               <articletitle>The Northern Antipode to European Integration or Why Everybody Expects Northern Norwegians to be Sceptical of European Integration.</articletitle> In: <editor>Möller, Frank/Pehkonen, Samu (ed.): </editor>Encountering the North. Cultural Geography, International Relations and Northern Landscapes. <address>Ashgate:</address>
               <pages>165-186. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Hille, Jochen </workauthor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>
               <articletitle>Nationale Demokratie oder Europa? Die Integrationsdebatten in Norwegen und in der Schweiz.</articletitle> In: Berliner Debatte Initial <volume>13</volume>
               <pubdate>(2002) </pubdate>
               <number>5/6:</number>
               <pages>36- 44. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hille, Jochen </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>
               <articletitle>Europäische Integration durch Volksabstimmungen. Nationen als tägliches Plebiszit.</articletitle> In: Hat die Nation im Norden eine Zukunft? Tagungsband Symposium am 21. Juni 2001 in Berlin: <pages>48-53. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hille, Jochen </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>
               <articletitle>Das norwegische EU-Referendum von 1994. Nationale Identität versus europäische Integration. </articletitle>In: <editor>Albrecht, Ullrich/Kerner, Manfred/Stopinski, Sigmar (Hrsg.) </editor>Materialien und Dokumente zur Friedens- und Konfliktforschung <number>Nr. 33</number>. <publisher>Freie Universität Berlin.</publisher>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Hille, Jochen </workauthor>
               <pubdate>(1999a): </pubdate>
               <articletitle>Norwegen &#8211; weit entfernt von Europa. </articletitle>In: Ästhetik &amp; Kommunikation, <number>Heft 107, </number>
               <volume>30. Jg. Kleine Länder,</volume>
               <address>Berlin:</address>
               <pages>61-66. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Hille, Jochen </workauthor>
               <pubdate>(1999b): </pubdate>
               <articletitle>Norwegen und die EU-Integration. Zweimal Nein und Doch dabei? </articletitle>In: Norrøna Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik der skandinavischen Länder. <volume>15. Jg. </volume>
               <number>Nr. 26. Juni 1999:</number>
               <pages>73-77 </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Hille, Jochen/Jervell, Sverre </workauthor>
               <pubdate>(2003): </pubdate>
               <articletitle>Die Sonderlinge Europas? EU noch ohne Norwegen und die Schweiz.</articletitle> In: <number>2-2003</number> des DNF-Magazins der Deutsch-Norwegischen Freundschaftsgesellschaft: <pages>1-2. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hirter, Hans </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>Die schweizerische Abstimmung über den EWR, Vorträge und Berichte aus dem Graduiertenkolleg Nr. 4, Graduiertenkolleg Europäische Integration, Eberhard-Karls-Universität Tübingen, März 1993, <note>Überarbeitete Fassung eines am 11.12.92 im Graduiertenkolleg &#8216;Vertiefung der Europäischen Integration&#8217; gehaltenen Vortrags. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Hobsbawn, Eric J. </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>Nations and Nationalism since 1780: program, myth, reality. <version>2. ed.,</version>
               <address>Cambridge. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Holst, Hajo, </workauthor>Dissertationsprojekt zu Integrationswiderstand in Norwegen und der Schweiz an der Universität Osnabrück (<cut>Download vom 14.8.2001</cut>: ). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Høyres plattform ... <pubdate>(k.A.) </pubdate>for EU-medlemskap: Sikrere fremtid for norske verdier JA Høyre, <publisher>Høyres Hovedorganisasjon Postboks 1536 - Vika, </publisher>
               <address>0117 Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Huntington, Samuel </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>
               <articletitle>The Clash of Civilisations? </articletitle>In: Foreign Affairs, <volume>Vol. 72, </volume>
               <number>No. 3: </number>
               <pages>22-49. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Huseby, Beate/Listhaug, Ola </workauthor>
               <pubdate>(1995): </pubdate>
               <articletitle>Identifications of Norwegians with Europe. The Impact of Values and Centre-Periphery Factors. </articletitle>In: <editor>De Moor, Ruud (ed.), </editor>
               <publisher>Values in Western Societies. Tilburg University Press, </publisher>
               <address>Tilburg. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Hvorfor Næringslivet sier Ja til EU <pubdate>(k.A.): </pubdate>
               <note>Dokument des norwegischen Arbeitgeberverbandes NHO. Erscheinungsdatum müsste zwischen 1990 bis ca. ein halbes Jahr vor dem Referendum am 28.11.94 liegen. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Ingebritsen, Christine </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>
               <articletitle>The Nordic States and the European Unity. </articletitle>In: Cornell Studies in Political Economy, <editor>Katzenstein, Peter J. (ed.), </editor>
               <publisher>Cornell University Press, </publisher>
               <address>Ithaca and London. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Ingebritsen, Christine </workauthor>
               <pubdate>(1995): </pubdate>
               <articletitle>Norwegian Political Economy and European Integration, Agricultural Power, Policy Legacies and EU Membership. </articletitle>In: Cooperation and Conflict <volume>Vol. 30,</volume>
               <number>No 4: </number>
               <pages>349-363. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Ingebritsen, Christine/Larson, Susan </workauthor>
               <pubdate>(1997): </pubdate>
               <articletitle>Interest and Identity, Finland, Norway and the European Union.</articletitle> In: Cooperation and Conflict, Vol 32, <number>No 2:</number>
               <pages>207-222.</pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Integrationsbüro: </workauthor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor/>
               <cut>Download vom 14.4.04: </cut>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor/>
               <cut>Download vom 19.12.03: </cut>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Im Hof, Ulrich </workauthor>
               <pubdate>(1991): </pubdate>Mythos Schweiz. Identität &#8211; Nation &#8211; Geschichte 1291-1991, <publisher>Verlag Neue Züricher Zeitung</publisher>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Jenssen, Anders Todal </workauthor>
               <pubdate>(1995): </pubdate>Hva gjorde EU-striden med det ideologiske landskapet i Norge? <note>Arbeidsnotat nr. 2 Folkeavstemningsprosjektet. Institutt for sosiologi og statsvitenskap, Universitet i Trondheim. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Jenssen, Anders Todal </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Nasjonalisme og internasjonalisme. In: Vardøgner 1994, EF - Fra fellesmarked til forbundsstat? <volume>(II), </volume>
               <number>22/94</number>
               <pubdate> -april 1994-:</pubdate>
               <pages>174-181. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Jenssen et al. </workauthor>
               <pubdate>(1996), </pubdate>
               <workauthor>Anders Todal/Listhaug, Ola/Pettersen, Per Arnt: </workauthor>
               <articletitle>The 1994 EU Referendum in Norway: Continuity and Change.</articletitle> In: Scandinavian Political Studies, <volume>Vol. 19</volume>-<number>No.3</number>: <pages>257-281. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <editor>Jenssen, Anders Todal/Valen, Henry (red.) </editor>
               <pubdate>(1995): </pubdate>Brussel midt imot. Folkeavstemningen om EU, <publisher>Ad Notam Gyldendal,</publisher>
               <address>Oslo</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Jervell, Sverre </workauthor>
               <pubdate>(2003) </pubdate>Sveitsisk løsning. Hovedarbeid fra posjektet: Norge og EU: Medlemskap, EØS eller sveitsisk løsning. <publisher>NUPI</publisher>, <address>Oslo</address>
               <note>(Bestellung möglich über www.nupi.no).</note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Johansen, Hanne Elisabeth </workauthor>
               <pubdate>(1997): </pubdate>Norsk nasjonal identitet og europeisk identitet: en sammenlignende analyse av identitetsskapende strategier, <note>Hovedoppgave i statsvitenskap - Universitetet i Oslo. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Kampanjeplan </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>NEI TIL EU, <note>32 Seiten, Vorgestellt auf der Konferenz von NEI TIL EU am 10.-12. Juni 1994 in Trondheim. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Katzenstein, Peter J. </workauthor>
               <pubdate>(1985): </pubdate>Small States in World Market: industrial policy in Europe, <publisher>Cornell University Press, </publisher>
               <address>Ithaca. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Klein, Stefan </workauthor>
               <pubdate>(2003): </pubdate>
               <articletitle>Der eiserne Finanzminister Premier Blair droht mit seinem Traum vom Euro erneut an Gordon Brown zu scheitern.</articletitle> In: Süddeutsche Zeitung <number>19.Mai 2003:</number>
               <pages>8. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <editor>Knudsen, Bård Bredrup (Red.) </editor>
               <pubdate>(1989), </pubdate>Den nye Europa-debatten. Partiene og Norges forhold til EF mot år 2000, <publisher>J.W. Cappelens Forlag a.s., </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Köber, Lars Kjetil </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>&#8216;Verre enn unionen med Sverige&#8217;. <note>Om bruken av unionsbegrepet og historiske sammenligninger med unionen med Sverige i EEC/EF/EU-debattene 1961-1994, Universitet i Oslo. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Körkemeyer, Stephan </workauthor>
               <pubdate>(1995): </pubdate>Direkte Demokratie und Europäische Integration, <publisher>Stämpfli+Cie AG, </publisher>
               <address>Bern. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Kompendium <pubdate>1994: </pubdate>Om Norges forhold til Den europeiske union, <editor>Studenter Mot EU (Hrsg.), </editor>
               <publisher>Falch Hurtigtrykk, </publisher>
               <address>Oslo</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Kreis, Georg </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>
               <articletitle>Schweiz Nationalpädagogik in Wort und Bild.</articletitle> In: Mythen der Nationen <pubdate>(1998): </pubdate>
               <pages>446-475. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Kreis, Georg </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>Die Schweiz unterwegs. Schlussbericht des NFP (Nationales Forschungsprogramm) 21 &#8218;Kulturelle Vielfalt und nationale Identität&#8217;, <publisher>Helbing und Lichtenhahn, </publisher>
               <address>Basel/Frankfurt am Main. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Kuhnle, Stein </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <articletitle>Norwegen; </articletitle>In: Aus Politik und Zeitgeschichte, <number>B 43/92</number>:<pages>12-21.</pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Kux, Stephan/Svedrup, Ulf, </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>
               <articletitle>Fuzzy Borders and Adaptive Outsiders: Norway, Switzerland and the EU.</articletitle> In: European Integration, <volume>Vol. 22: </volume>
               <pages>237-270. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <articletitle>Kvalvåg, Svein </articletitle>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Argumentasjonsbruk i den norske EU-debatten. En sammenligning av EU-debatten i 1972 med EU-debatten i 1994, <publisher>LOS, </publisher>
               <address>Bergen. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">La suisse Existe! <pubdate>(K.A.): </pubdate>
               <note>AUNS-Broschüre, 24 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Lamers, Karl/Schäuble, Wolfgang </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Überlegungen zur europäischen Politik. Positionspapier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vom 1. September 1994.</articletitle> In: Blätter für deutsche und internationale Politik, <number>10/1994: </number>
               <pages>1271-1280.</pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Langejürgen, Ralf </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>Die Eidgenossenschaft zwischen Rütli und EWR. Der Versuch einer Neuorientierung der Schweizer Europapolitik, <publisher>Rüegger, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Lerch, Fredi/Simmen, Andreas </workauthor>
               <pubdate>(1991): </pubdate>Der leergeglaubte Staat. Kulturboykott: Gegen die 700-Jahr-Feier der Schweiz. Dokumentation einer Debatte, <publisher>Rotpunkt Verlag, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Lesebok <pubdate>1994, </pubdate>
               <publisher>NTEU</publisher>, <address>Oslo</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Lexikon der Politik <pubdate>(2004): </pubdate>
               <note>Enthält in der Online-Version ausgewählte Inhalte aus</note>
               <workauthor>Nohlen,</workauthor>
               <workauthor>Dieter / Schulze, Rainer Olaf, </workauthor>Kleines Lexikon der Politik. <note>Download zum Stichwort Rechtspopulismus</note>: <note>6.8.04: </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Linder, Wolf </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Schweizerische Demokratie Institutionen &#8212; Prozesse &#8212; Perspektiven, <publisher>Haupt, </publisher>
               <address>Bern Stuttgart Wien. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Lindstrøm, Ulf </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>Scandinavia and the European Union: <note>The Referendums of 1992-1994 and Beyond. Unpublished manuscript (105 p.) from Ulf Lindstrøm. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Listhaug, Ola/Sciarini, Pascal </workauthor>
               <pubdate>(1997): </pubdate>
               <articletitle>Single Cases or a Unique Pair? The Swiss and Norwegian &#8216;No&#8217; to Europe</articletitle>. In: Journal of the Common Market Studies, <volume>Vol. 35, </volume>
               <number>No. 3: </number>
               <pages>407-438. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Loderer, Benedikt </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>
               <articletitle>Zwei Schweizen.</articletitle> In: Ästhetik und Kommunikation, <number>Heft 107, </number>
               <volume>30. Jg.: Kleine Länder: </volume>
               <pages>45-50. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Lorenz, Kathrin </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Europäische Identität? Theoretische Konzepte im Vergleich, <serialtitle>HSB-paper</serialtitle>
               <number>4/99</number>, <note>Arbeitsschwerpunkt Hauptstadt Berlin, Freie Universität Berlin, Ihnestr. 21, 14195 Berlin. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Lunden, Kåre </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>Nasjon eller union? <note>Refleksjonar og røynsler, </note>
               <publisher>Det Norske Samlaget, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Making of Modern Switzerland 1848-1998, the <pubdate>(2000), </pubdate>
               <editor>Butler, Michael/Pender, Malcom/Charnley, Joy (ed.), </editor>
               <publisher>Macmillan Press LTD, </publisher>
               <address>Hampshire and London, </address>
               <publisher>St. Martins&#8217;s Press, LLC, </publisher>
               <address>New York. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Malmborg, Mikael af </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Den standåktige nationalstaten. Sverige och den västeuropeiska integrationen, <publisher>Lund University Press, </publisher>
               <address>Lund. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Marchal, Guy P. </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>Als ideologische Kampffigur hat der Bauer nun allerdings die Jahrhunderte überlebt. Zum Stellenwert des Bauern in der schweizerischen Selbstschau und Nationalgeschichte. In: <publisher>Head-König/Tanner </publisher>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <pages>267-270. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Marchal, Guy P./Mattioli, Aram </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>Erfundene Schweiz. Konstruktionen nationaler Identität, <publisher>Chronos Verlag, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Mazenauer, Beat </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>
               <articletitle>Recht hat, wer Recht hat.</articletitle> In: Freitag <number>Nr. 47,</number>
               <number>19. November 1999</number> (<cut>Download vom 10.1.2004</cut>: ). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Medlemsundersøkelsen <pubdate>(1994): </pubdate>Holdninger og sosial bakgrunn blant medlemmer i NEI TIL EU, Europabevegelsen og Sosialdemokrater mot EU. Dokumentasjon. Iss Rapport nr. 42. Dokumentasjon. <workauthor>Jenssen</workauthor>
               <note>, </note>
               <workauthor>Anders Todal/Kathrine L. Moen/Ramberg, Inge/Ringdal, Kristen/Østgaard, Arve: </workauthor>
               <editor>Institutt for sosiologi og statsvitenskap, Universitet i Trondheim. </editor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Miles, Lee </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>The European Union and the Nordic Countries, <publisher>Routledge, </publisher>
               <address>London. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Moos, Carlo </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>
               <articletitle>Ja zum Völkerbund Nein zur UNO. Die Volksabstimmungen von 1920 und 1986 in der Schweiz.</articletitle> In: Schweizer Beiträge zur internationalen Geschichte, <volume>Bd. 4, </volume>
               <publisher>Chronos Verlag, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Mörgeli, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(2001a): </pubdate>Das Wesen der schweizerischen Neutralität, <version>4. Aufl., </version>
               <note>AUNS- Broschüre im Din A 5 Format, 12 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Mörgeli, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(2001b): </pubdate>Gedanken zum schweizerischen Nein, <version>3. Aufl., </version>
               <note>AUNS-Broschüre im Din A 5 Format, 8 Seiten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Mörgeli, Christoph </workauthor>
               <pubdate>(2000): </pubdate>Der Kleinstaat und die Ideologie des Großräumigen, <note>Rede auf der &#8218;Schweizerzeit&#8217; Herbsttagung, 4. November 2000 in der Worbighalle Flaach/ZH. </note>(<cut>Download vom 13.4.04</cut>: ). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Mudde, Cas/Kopecký, Petr </workauthor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>
               <articletitle>The Two Sides of Euroscepticism, Party Positions on European Integration in East Central Europe.</articletitle> In: European Politics <volume>Vol. 3</volume>: <pages>297-326. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Müller, Renate </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Europa in der Antike: Mythos und Toponym.</articletitle> In: Traverse Zeitschrift für Geschichte <number>3/1994</number>: <pages>195-209. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Münch, Richard </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Globale Dynamik, lokale Lebenswelten. Der schwierige Weg in die Weltgesellschaft, <version>1. Aufl., </version>
               <publisher>Surkamp Taschenbuch Wissenschaft, </publisher>
               <address>Frankfurt am Main. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Münger, Kurt </workauthor>
               <pubdate>(2002): </pubdate>Militär, Staat und Nation in der Schweiz 1798-1874. Das eidgenössische Militärwesen als Faktor der nationalen und nationalstaatlichen Integration von der Helvetischen Republik bis zur Gesamtrevision der Bundesverfassung, <publisher>Agenda Verlag, </publisher>
               <address>Münster. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Mythen der Nationen <pubdate>(1998): </pubdate>Ein Europäisches Panorama. Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums. Begleitband zur Ausstellung vom 20. März 1998 bis 9. Juni 1998, <editor>Flacke, Monika (Hrsg.), </editor>
               <publisher>Deutsches Historisches Museum. </publisher>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Nei&#8217;94 <note>(Cd von NEIN ZUR EU), </note>
               <editor>NTEU (utgiver). </editor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Nei til EUs skriftserie <note>(vorher Skriftserie om EF): </note>
               <number>Nr. 3</number>
               <pubdate>2000</pubdate>
               <articletitle>Ja til Folkestyre Nei til EU</articletitle>. <number>Nr. 3</number>
               <pubdate>1998</pubdate>
               <articletitle>Siste sjanse for den veterinære grensekontrollen.</articletitle>
               <number>Nr. 1/1995</number>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Neue Züricher Zeitung <pubdate>31/7./1.8.2004, </pubdate>
               <articletitle>Zum Bundesfeiertag: Vom unruhingen Schlaf des Selbstgerechten: </articletitle>
               <volume>1. </volume>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Neumann, Iver </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>Norge &#8211; en kritikk Begrepsmakt i Europa-Debatten, <publisher>Pax Forlag A/S, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Nordiske Alternativer Til EU <pubdate>(1994): </pubdate>Nej-sidens argumenter og forslag i de nordiske lande, Folkebevægelsen mod EF-Unionen, <publisher>Greves Forlag. </publisher>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Norge og EU <pubdate>(1994): </pubdate>Virkninger av medlemskap i Den europeiske union, <publisher>NEI TIL EU, </publisher>
               <address>Trondheim. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">NTEU-Broschüre <pubdate>1994:</pubdate>Ja til folkestyre <pubdate>1994</pubdate> &#8222;Noen mener vi skal la svenskene avgjøre Det er du som bestemmer.&#8220; </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">NTEU-Handzettel <pubdate>1994: </pubdate>
               <note>Uavhengig Norge - en bedre brobygger. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">NTEU-Flugblatt Framtida <pubdate>(k.A.) </pubdate>
               <note>Mitgliederwerbung von NTEU. Bezug über NTEU oder Autor.</note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">NTEU-Plakate <pubdate>(K.A.) </pubdate>
               <note>Bezug über NTEU oder Autor.</note>
               <note>Det viktigaste for Europa er å skape fred </note>
               <note>Oljen har stor verdi </note>
               <note>Foto der bunten Pinnwand von NTEU </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Nygaard, Kristen </workauthor>
               <pubdate>(1995): </pubdate>We are not against Europe. We are against membership in the European Union. <note>Rede zur Konferenz &#8218;Europa:</note>
               <note>Fluch oder Segen? &#8217; am 16./17. Januar 1995 in München </note>(<cut>Download über die Seite von Nygaard:15.4.04:</cut>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Oberer, Thomas </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>Die innenpolitische Genehmigung der bilateralen Verträge Schweiz-EU: Wende oder Ausnahme bei Aussenpolitischen Vorlagen? Analyse der Argumente und Strategien im Genehmigungsverfahren und in der Referendumskampagne. <serialtitle>Baslerschriften zur Europäischen Integration</serialtitle>
               <number>Nr. 52/53,</number>
               <publisher>Europainstitut der Universität Basel. </publisher>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Østerud, Øyvind </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>
               <articletitle>Norwegian Natonalism in a European Context.</articletitle> In: Nationalism in Small European Nations, <editor>Sørensen, Øystein (ed.), </editor>
               <serialtitle>KULTs Skriftserie</serialtitle>
               <volume>No. 47. </volume>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Østerud, Øyvind </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Hva er nasjonalisme? , <publisher>Universitetsforlaget, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Østerud, Øyvind </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>
               <articletitle>Er nasjonalstaten foreldet? </articletitle>In: Skriftserie om EF <number>4/1993</number>, <editor>Nei til EF (Hrsg.). </editor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Offe, Claus </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Demokratie und Wohlfahrtstaat: Eine europäische Regimeform unter dem Streß der Europäischen Integration, <address>Frankfurt am Main. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Projekt Norden, das <pubdate>(2002): </pubdate>Essays zur Konstruktion einer europäischen Region <volume>Bd. 9,</volume>
               <editor>Henningsen, Bernd (Hrsg.), </editor>
               <publisher>Berlin Verlag, </publisher>
               <address>Berlin. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Rapport om NHOs EU-Arbeid <pubdate>(1995): </pubdate>Med fokus på beslutningsprosessen, <note>opinionsarbeidet og finansieringen av eksterne organisasjoner,</note>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Renan, Ernest </workauthor>
               <pubdate>(1882) : </pubdate>Qu&#8217;est-ce qu&#8217;une nation?, <note>Conférence faite en Sorbonne, le 11 mars 1882 </note>(<cut>Download vom 15.4.04</cut>:). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Ringdal, Kristen/Oskarson, Maria </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>
               <articletitle>The arguments.</articletitle> In: To Join or Not to Join (<pubdate>1998</pubdate>): <pages>149-167</pages>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Rokkan, Stein </workauthor>
               <pubdate>(1975): </pubdate>
               <articletitle>Votes Count, but Resources Decide</articletitle>. In: Makt og Motiv, Et festskrivt til Jens Arup Seip, <publisher>Gyldendal, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Rokkan, Stein </workauthor>
               <pubdate>(1970): </pubdate>Citizens, Elections, Parties. Approaches to the Comparative Study of the Processes of Development, <publisher>Universitetsforlaget, </publisher>
               <address>Oslo</address>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Rokkan, Stein/Urwin, Derek W. </workauthor>
               <pubdate>(1983): </pubdate>Economy Territory Identity Politics of West European Peripheries, <publisher>Sage Publications, </publisher>
               <address>London/Beverly Hills/New Dehli: </address>
               <pages>1-18. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Rosmus, Daniela </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Die Schweiz als Bühne. Staatsbesuche und Politische Kultur 1848-1990, <publisher>Chonos Verlag, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Rothholz, Walter </workauthor>
               <pubdate>(1997): </pubdate>
               <articletitle>Das Kriterium der nationalen Identität und die Nationenbildung: Der skandinavische Fall.</articletitle> In: Arbeitspapiere &#8218;Gemeinschaften&#8217; <volume>Bd. 6</volume>, <editor>Humboldt-Universität zu Berlin. </editor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Rothholz, Walter </workauthor>
               <pubdate>(1986): </pubdate>
               <articletitle>Die politische Kultur Norwegens zur Entwicklung einer wohlfahrtstaatlichen Demokratie.</articletitle> In: Nordeuropäische Studien <volume>Bd. 1</volume>, <editor>Henningsen, Bernd (Hrsg.), </editor>
               <publisher>Nomos Verlagsgesellschaft, </publisher>
               <address>Baden-Baden. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Rushdie, Salman </workauthor>
               <pubdate>(1991): </pubdate>Harun und das Meer der Geschichten, <publisher>Kindler, </publisher>
               <address>München. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Sablonier, Roger </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <articletitle>Bauern, Volk und Staatsbildung.</articletitle> In: <editor>Head-König/Tanner </editor>(<pubdate>1992</pubdate>): <pages>271-273. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Sæter, Martin, </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>
               <articletitle>Norway and the European Union: Domestic debate versus external reality.</articletitle> In: <editor>Miles </editor>(<pubdate>1996</pubdate>): <pages>133-149. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Saglie, Jo </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Standpunkter og strategi EU-saken i norsk partipolitikk 1989-1994,<articletitle/>
               <publisher>Universität Oslo: Institutt for statsvitenskap, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Saglie, Jo </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>
               <articletitle>A Struggle for the Agenda? Norwegian Parties and the European Issue, 1989-1995, </articletitle>Party Politics (<volume>4</volume>) <number>3:</number>
               <pages>347-366. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Said, Edward </workauthor>
               <pubdate>(1978): </pubdate>Orientalism &#8211; Western conceptions of Orient, 1995 <publisher>Edition Penguin Books</publisher>, <pages>London. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Schlaufenberger, Walter </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <articletitle>Das Reduit national 1940, ein militärhistorischer Sonderfall. </articletitle>In: <editor>Marchal/Mattioli </editor>(<pubdate>1992</pubdate>): <pages>207-217. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Schmidt, Siegfried </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>On the Construction of &#8216;the Construction of Reality&#8217;, <note>12 considerations concerning a monistic version of constructivism </note>(<cut>Download vom 1.11.01:</cut>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Schneider, Peter </workauthor>
               <pubdate>(1987): </pubdate>&#8222;... ein einzig Volk von Brüdern&#8220;. Recht und Staat in der Literatur, <publisher>Athenäun Verlag, </publisher>
               <address>Frankfurt am Main. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Schulze, Hagen </workauthor>
               <pubdate>(1999): </pubdate>Staat und Nation in der europäischen Geschichte, <address>München. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Schulze, Hagen </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>Staat und Nation in der europäischen Geschichte, <address>München. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Schumacher, Tom </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>
               <articletitle>Europaskepsis in Skandinavien: Kulturelle Vorbehalte gegenüber der Integration.</articletitle> In: Gegenwartskunde, <number>2/1998</number>:<pages>169-180</pages>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Schweiz heute <pubdate>(1976): </pubdate>Ein Lesebuch, <publisher>Verlag Volk und Welt, </publisher>
               <address>Berlin. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Schweiz und Ihr Europa, die <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Nation, Region, Identität</articletitle>. In: Traverse Zeitschrift für Geschichte <pubdate>1994</pubdate>/<number>3</number>, <publisher>Chronos Verlag, </publisher>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Schweizer Eigenart &#8211; eigenartige Schweiz <pubdate>(1996) </pubdate>Der Kleinstaat im Kräftefeld der Europäischen Integration, <editor>Linder, Wolf/Lanfranchi, Prisca/Weibel, Ewald R. (Hrsg.),</editor>
               <serialtitle>Publikation der Akademischen Kommission der Universität Bern.</serialtitle>
               <address>Bern; Stuttgart; Wien.</address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Schweizer Monatshefte </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Schweizerische Politik: <editor>Forschungszentrum für Schweizerische Politik an der Universität Bern (Hrsg.). </editor>
               <volume>Jahrgang 1991 </volume>
               <volume>Jahrgang 1992 </volume>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Schwendimann, Thomas </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>
               <articletitle>Integrationspolitische Debatten in Österreich und in der Schweiz 1985 -1989. </articletitle>In: Europäische Hochschulschriften, <serialtitle>Reihe XXXI Politikwissenschaft, </serialtitle>
               <volume>Bd. 236, </volume>
               <address>Bern. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Schymik, Carsten </workauthor>
               <pubdate>(2004): </pubdate>Die europäischen Anti-Föderalisten. <note>Manuskript der Doktorarbeit Pdf:</note>
               <note>356 Seiten (Bezug über Schymik). </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Schymik, Carsten </workauthor>
               <pubdate>(2003): </pubdate>
               <articletitle>Young People in Scandinavian Politics The Case of Youth Opposition to European Integration.</articletitle> In: Youth around the Baltic Sea: Sharing Differences - Discovering Common Grounds? , <editor>Henze, Valeska/Maier-Wörz, Valeska/Vogt, Henri (Hrsg.), </editor>
               <publisher>Universitetsförlag, </publisher>
               <address>Örebro: </address>
               <pages>153-169. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Schymik, Carsten </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>
               <articletitle>Außerparlamentarische Opposition gegen die EU in Skandinavien.</articletitle> In: Nordeuropaforum Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur <number>Heft 1/2001</number>: <pages>79-101. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Seierstad, Dag </workauthor>
               <pubdate>(1997): </pubdate>Norway -EU, 1961-1994 <note>(This paper is based on a speech held at a Trade Union conference at Wakefield,</note>
               <note>November 1995. The paper is given directly to me by Dag Seierstad), 9 pages. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Seierstad, Dag </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>På tvers av EU - et folk i bevegelse, <publisher>Sosialistisk Opplysningsforbund, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Seierstad, Dag </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>Brussel midt imot, <note>Nei til EF. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Senterpartiets EU-håndbok <pubdate>1994, </pubdate>
               <editor>Senterpartiet (utgiver). </editor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Sieber, Claudius </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Die Eidgenossenschaft 1479 und Europa am Ende des 20. Jahrhunderts. Zur Erfindung und Repräsentation von Ländern.</articletitle> In: Traverse Zeitschrift für Geschichte <number>3/1994</number>: <pages>178-194. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Siegenthaler, Hansjörg </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>Hirtenfolklore in der Industriegesellschaft. Nationale Identität als Gegenstand von Mentalitäts- und Sozialgeschichte. In: <editor>Marchal/Mattioli </editor>(<pubdate>1992</pubdate>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Slagstad, Rune </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>De nasjonale strateger, <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Smith, Anthony D. </workauthor>
               <pubdate>(1986): </pubdate>The Ethnic Origins of Nations, <publisher>Blackwell, </publisher>
               <address>Oxford and Camebridge. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Sørensen, Øystein (red.) </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Jakten på det norske, <publisher>Gyldendal, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Sørensen, Øystein </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>The Development of Norwegian National Identity During the Nineteenth Century. </articletitle>In: <editor>ders. (Ed.), </editor>Nordic Paths to National Identity in the Nineteenth Century, The research Council of Norway, Nasjonal identitet <number>nr. 1/94</number>. </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Sonderfall? <pubdate>(1992) </pubdate>Die Schweiz zwischen Réduit und Europa, Schweizerisches Landesmuseum Zürich 19. August bis 15.November 1992. <note>Begleitband von</note>
               <workauthor> Leimgruber,</workauthor>
               <workauthor>Walter/Christen, Gabriela. </workauthor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Speth, Rudolf </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Europäische Integration und politische Identität. <note>Habilitationsvortrag. Berlin:</note>
               <note>FB Politische Wissenschaft, 11.2.98 (Dokument 19 Seiten). </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Sprecher, Margit </workauthor>
               <pubdate>(2004): </pubdate>Solange ich Neger sage, bleibt die Kamera bei mir. Die SVP verdankt ihren Erfolg der Knochenarbeit von Ueli Maurer(<cut>Download vom 18.1.2004</cut>: ).</citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Stadius, Peter </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>
               <articletitle>Southern Perspectives and the North: Legends, Stereotypes, Images and Models, </articletitle>
               <editor>Henningsen, Bernd (ed.), </editor>Working Paper. The Baltic Sea Area Studies: Northern Dimension of Europe <volume>Vol. 3</volume>, <publisher>Optima, Gda&#324;sk- Berlin. </publisher>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Standpunkt (NTEU). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Statut von NTEU: <note>Beschluss der landesweiten Delegiertenkonferenz vom 24./25.11</note>.<pubdate>1990</pubdate>.</citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Stäuble, Eduard </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>
               <articletitle>Vorwort Eine schweizerische Wiederbesinnung</articletitle>. In: Wartburg v. 1996: <pages>8-13. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Steinberg, Jonathan </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>Why Switzerland? , <version>Second edition, </version>
               <publisher>University Press, </publisher>
               <address>Camebridge. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Stem I! Songbok for Røysteføre <pubdate>(1994), </pubdate>
               <serialtitle>NTEU, </serialtitle>
               <publisher>Falch Hurtigtrykk A/S, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Störfall Schweiz Störfall Heimat <pubdate>(1990): </pubdate>
               <note>Anmerkungen zum Schweizerischen Selbstverständnis im Jahre 699 nach Rütli und im Jahre 2 vor Europa, Jahrestagung 1990, Institut für Angewandte Psychologie Zürich. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Stratenschulte, Eckart </workauthor>
               <pubdate>(2004): </pubdate>
               <articletitle>Wandel durch Annäherung &#8211; oder Selbstaufgabe der Politik der &#8218;neuen Nachbarschaft&#8217; und die Europäische Union.</articletitle> In: Integration, Vierteljahresschrift des Instituts für Europäische Politik in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Europäische Integration, <number>H. ½, </number>
               <volume>Jg. 27,: </volume>
               <pages>95-100. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Supermarked eller felles framtid? <pubdate>(1991) </pubdate>
               <note>EF, økokrisen og Norges valg</note>, <editor>Album, Gunnar/Alstadheim, Kjetil Bragli/Andersen, Gjermund (Red.),</editor>
               <publisher>Cappelens Forlag A-S,</publisher> (<address>Verlagsort K.A.</address>). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">SVP Parteiprogramm <pubdate>1999: </pubdate>Wohlfahrt Freiheit Sicherheit, <editor>SVP. </editor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">SVP Pressecommuniqué:  SVP Pressecommuniqué vom 25.9.2003:<pubdate/>Ausländeranteil wegen EU-Freizügigkeit auf 20% angestiegen (<cut>als SVP-Newsletter gesendet am 25.9, 2003, 15:07</cut>).  SVP Pressecommuniqué vom 14.5.03: Bundesrat führte Volk hinters Licht (<cut>als SVP-Newsletter gesendet am 14.5.2003, 15:04 Uhr</cut>).  SVP Pressecommuniqué vom 17.4.03: SVP fordert Maßnahmen gegen Deutschland (<cut>Download vom 14.11.04</cut>: ). </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">SVP Wahlplattform <pubdate>1999, </pubdate>
               <editor>SVP (Hrsg.). </editor>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Swisseurope-Bulletin <pubdate>1.2003, </pubdate>
               <editor>Integrationsbüro, Bundeshaus Ost, </editor>
               <address>CH-3003 Bern. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Tanner, Albert </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <articletitle>Die Bauern in der Schweizer Geschichte.</articletitle> In: <editor>Head-König/Tanner </editor>(<pubdate>1992</pubdate>): <pages>9-22. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <workauthor>Thürer, Daniel </workauthor>
               <pubdate>(1993): </pubdate>Das schweizerische Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum: Versuch einer &#8218;konstruktiven&#8217; Interpretation, <note>Referat an der Universität Bonn vom 25. </note>
               <note>Januar 1993. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Tiilikainen, Teija </workauthor>
               <pubdate>(1998): </pubdate>Europe and Finland, Defining the Political Identity of Finland in Western Europe, <publisher>Ashgate. </publisher>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">To Join or Not to Join <pubdate>(1998): </pubdate>Three Nordic Referendums on Membership in the European Union, <editor>Jenssen, Anders Todal/Pesonen, Pertti/Gilljam, Mikael (ed.), </editor>
               <publisher>Scandinavian University Press, </publisher>
               <address>Oslo. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Ungdom mot EU avisa <number>Nr. 3</number>
               <pubdate>2002 </pubdate>
               <note>(Ungdom mot EU). </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Vardøgner <pubdate>(1994): </pubdate>EF - fra fellesmarked til forbundsstat? <volume>(II), </volume>
               <number>22/94</number>
               <pubdate> -april 1994</pubdate>
               <note>. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Vasco Da Gama <pubdate>(1986): </pubdate>Die Entdeckung des Seewegs nach Indien 1497-1499, <publisher>Verlag Neues Leben, </publisher>
               <address>Berlin. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Vega og EU <pubdate>(1994) </pubdate>Rapport fra et stykke Norge, <note>Vega kommune (Bezugen über NTEU). </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Vogt, Walter </workauthor>
               <pubdate>(1971): </pubdate>
               <articletitle>Die Schweiz jedermann weiß es ....</articletitle> In: Schweiz Heute (<pubdate>1976</pubdate>): <pages>5 &#8211;6. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">Vox-Analysen, <note>Gfs.bern Forschung für Politik, Kommunikation und Gesellschaft. </note>
               <cut>Download vom 21.8.03</cut>: </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Wartburg v., Wolfgang </workauthor>
               <pubdate>(1997): </pubdate>Die grossen Helvetiker. Bedeutende Persönlichkeiten in bewegter Zeit 1798-1815, <publisher>Novalis Verlag, </publisher>
               <address>Schaffhausen. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Wartburg v., Wolfgang </workauthor>
               <pubdate>(1996): </pubdate>Die europäische Dimension der Schweiz. Zur Geschichte der Schweiz und ihrer Stellung in Europa, <publisher>Novalis Verlag,</publisher>
               <address>Schaffhausen. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Weißhaupt, Matthias </workauthor>
               <pubdate>(1992): </pubdate>
               <articletitle>Hirten, Bauern &amp; Bürger und Bauernsoldaten. Die ideologische Vereinnahmung der mittelalterlichen Bauern in der nationalen Geschichtsschreibung der Schweiz. </articletitle>In: <editor>Head-König/Tanner </editor>(<pubdate>1992</pubdate>): <pages>23-40. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">Welches Europa?<articletitle/>
               <pubdate>(1991): </pubdate>Die EG und die Schweiz. Eine Dokumentation der WochenZeitung. <note>Die Beiträge erschienen im Zeitraum August 88 bis April 91 in der WoZ</note>, <version>2. Aufl., </version>
               <address>Zürich. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">
               <workauthor>Wendt, Alexander </workauthor>
               <pubdate>(1994): </pubdate>
               <articletitle>Collective Identity Formation and the State.</articletitle> In: American Political Science Review, <volume>Vol. 88, </volume>
               <number>No. 2: </number>
               <pages>384-396. </pages>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Book">
               <workauthor>Wengle, Richard </workauthor>
               <pubdate>(2001): </pubdate>Die politischen Kosten eines EU-Beitritts. Die Zukunft der Schweiz ohne EU-Beitritt unabhängig &#8212; weltoffen &#8212;erfolgreich, <version>2. Aufl., </version>
               <publisher>DR Druckerei Richterwil AG, </publisher>
               <address>Richterwil. </address>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Zürcher Bauer, der, <editor>Zürcher Bauernverband: </editor>
               <pubdate>12. Jan 2001-7. Sept. 2001 </pubdate>
               <pubdate>Jahrgang 1992 </pubdate>
               <pubdate>Jahrgang 1992 </pubdate>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Journal">Zürcher Bote, der, <editor>SVP des Kantons Zürich: </editor>
               <pubdate>12. Jan 2001-7. Sept. 2001 </pubdate>
               <pubdate>Jahrgang 1992 </pubdate>
               <pubdate>Jahrgang 1991 </pubdate>
            </citation>
         
         <p><u>Benutzte Seiten, die weiterführende Informationen enthalten (Stand: 1.12.04 www.): </u></p>
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.arena.uio.no" type="URL"/>
               <note><br/>ARENA - Zentrum für Europaforschung an der Universität Oslo mit zahlreichen Links und Downloads zu Integrationsthemen. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.auns.ch" type="URL"/>
               <note><br/>Aktion für eine Unabhängige und Neutrale Schweiz. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
              <url href="http://www.blocher.ch" type="URL"/>
              <note><br/>Christoph Blocher </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.europa.ch" type="URL"/>
               <note><br/>Neue Europäische Bewegung Schweiz. Zahleiche Links zu pro-integratorischen Akteuren und Forschungsinstituten. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.europa.admin.ch" type="URL"/>
               <note><br/>Das staatliche Integrationsbüro der Schweiz mit zahlreichen pro-integratorischen Analysen, Informationen und Darstellung zu Integrationsthemen, zahlreichen weiterführenden Links sowie Download von Vertragstexten zwischen EU und Schweiz. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.fremskrittpartiet.no" type="URL"/>
               <note><br/>Norwegens rechtspopulistische und tendenziell pro-integratorische Fortschrittspartei. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.fritnorden.dk" type="URL"/>
               <note><br/>Der &#8216;Freie Norden&#8217; ist eine Plattform nordeuropäischer Euroskeptiker. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.jasiden.no" type="URL"/>
               <note><br/>Norwegens Europabewegung. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.nebis.ch" type="URL"/>
               <note><br/>Verbundkatalog Schweiz. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.neitileu.no" type="URL"/>
               <note><br/>Nein zur EU (NTEU). Mit zahlreichen Links euroskeptischer Organisationen und Parteien und Downloadmöglichkeiten zu Integrationsthemen. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.nho.no" type="URL"/>
               <note><br/>Norwegischer Arbeitgeberverband. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
              <url href="http://www.nupi.no" type="URL"/>
               <note><br/>Norwegisches Institut für Außenpolitik. </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.polittrends.ch" type="URL"/>
               <note><br/>Gfs.bern zur Wahlforschung Schweiz (siehe auch Vox-Analysen) </note>
            </citation>
         
         
            <citation published="yes" workType="Misc">
               <url href="http://www.socio.ch/poli/" type="URL"/>
               <note><br/>Soziologisches Instituts der Universität Zürich mit zahlreichen Links und aktuellen Informationen zur Politik in der Schweiz. </note>
            </citation>
         
      </bibliography>
   </back>
</etd>