Luick-Thrams, Michael : "Creating 'New Americans': WWII-Era European Refugees' Formation of American Identities"

Appendix B. German Versions of Passages Used in Text

Part I: Persecution, Flight and Reception of WWII-era Refugees

page 4, footnote 5

source: Lehmann, 1976, p. 33.

[Goebbels z.B. hatte 1929 in einem weitverbreiteten Zeitungsartikel die Todesstrafe nicht nur für Mörder gefordert, sondern sie auch] ,Schiebern, Wucherern, Vaterlandsverrätern und Verbrechern an der Ehre und an der Existenz des Volkes angedroht. ,Wer den Tod verdient, der soll den Tod haben. Wer dagegen anschreit, der ist dringend verdächtig, daß er ihn verdient.'

page 5, footnote 8

source: Matthias, 1952, p. 18.

Man darf aber wohl annehmen, daß schon 1933 die Zahl der Emigranten zum mindesten in die Zehntausende ging.

page 11, footnote 23

source: Benz, 1994, pp. 12-13.

[Die Umstände der Ausreise] mit ihren demütigenden und schikanösen büro-kratischen Prozeduren [waren allerdings schlimm genug, und die zu übergehen, würde die Wahrheit auch verkürzen.] Das aufreibende Anti-chambrieren bei Konsulaten und Reedereien, das Anstehen für polizeiliche und finanzamtliche Unbedenklichkeitsbescheide, die zollamtliche Abfertigung der Habe (die je länger desto mehr eine Beraubung war) hatten die 1933 oder wenig später Geflohenen-also die prominenten Emigranten-noch nicht erlebt... [Die Auswanderung war minde-stens für alle jüdischen Deutschen nach dem Novemberpogrom nicht mehr] die Altern-ative zur Verfolgung, sondern sie schloß sich an schreckliche Erkenntnisse an.

page 12, footnote 25

source: Jacobsen, 1993, p. 120.

Die Kunst ist frei. Allerdings wird sie sich an bestimmte Normen gewöhnen müssen.

page 13, footnote 31

source: Wegner, 1967, p. 31.

Von der großen Zahl deutscher Schriftsteller, die nach Hitlers Machtergreifung aus Deutschland emigrierten, verließen die meisten das Land bereits im Jahre 1933. Die Flucht der Intellektuellen setzte-anders als die Emigration der übrigen Flüchtlinge-schon unmittelbar nach dem 30. Januar ein, steigerte sich nach den Verhaftungswellen, die dem Reichstagsbrand in der Nacht von 27. zum 28. Februar folgten, und nach der Bücherverbrennung vom 10. Mai.

page 14, footnote 33

source: Klaus Mann, Die Emigration war nicht gut. Das Dritte Reich war schlimmer, from the manuscript Der Wendepunkt. Städtische Bibliothek München.

[Die Emigration war nicht gut. Das Dritte Reich war schlimmer. Die] Emigration war nicht gut. In dieser Welt der Nationalstaaten und des Nationalismus ist ein Mann ohne Nation, ein Staatenloser übel dran. Er hat Unannehmlichkeiten; die Behörden des Gastlandes behandeln ihn mit Mißtrauen; er wird schikaniert. Auch Verdiens-tmöglichkeiten bieten sich nicht leicht. Wer sollte sich des Verbannten annehmen? Welche Instanz verteidigte sein Recht? Er hat ,nichts hinter sich', keine Organisation, keine Macht, keine Gruppe. Wer zu keiner Gemeinschaft gehört, ist allein.

page 14, footnote 34

source: Ibid.

[Ob die Emigranten es nun zugeben oder nicht, die Diktatur ist populär bei den Massen, das deutsche Volk steht hinter seinem Führer.] Wir geben es nicht zu. ,Hitler ist nicht Deutschland!'... Das ,eigentliche' Deutschland, das ,bessere' war gegen den Tyrannen, wie wir der Welt eigensinning versicherten. Die deutsche Opposition nahm in unseren Artikeln und Manifesten gewaltige Demonstrationen an: Es waren Millionen (wir bestanden darauf), die im Kampf gegen das verhaßte System Leben und Freiheit riskierten. Wir flunkerten nicht: Wir glaubten. Unser echter, wenngleich naiver Glaube an die Stärke und den Heroismus der innerdeutschen Widerstandsbewegung gab uns den moralischen Halt, den Auftrieb, dessen wir in unserer Isoliertheit und Hilflosigkeit so dringend bedurften.

page 14, footnote 35

source: Pasche, 1993, p. 9.

[Um das Jahr 1935/36] wird deutlich, wie sehr die Emigranten sich über die tatsächliche politische und ökonomische Stärke des Dritten Reiches getäuscht hatten. [Ernüchterung wird spürbar: die finanziellen und juristischen Schwierigkeiten in den Gastländern verschärfen sich...] Je klarer wird, daß mit einem unmittelbaren Zusammenbruch des Faschismus nicht zu rechnen ist, desto mehr rückt die Literatur vom offenen Angriff und der spektakulären Enthüllung ab.

page 15, footnote 36

source: Wegner, 1967, pp. 42-43.

Fast immer übersahen [jene Kritiker] jedoch die Tatsache, daß es für den weitaus größten Teil der emigrierten Schriftsteller keine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten, der Flucht oder dem Verbleiben, gab. Vielmehr mußten die meisten in der Emigration den einzigen Weg sehen, sich einer Verhaftung oder einem totalen Schreibverbot zu entziehen.

page 21, footnote 46

source: Pross, 1955, p. 13.

[Geisteswissenschaftler,] mit ihren nur selten praktisch verwertbaren Kenntnissen, [und alle, die durch ihre bisherige politische Tätigkeit direkt gefährdet waren,] stießen auf größere Schwierigkeiten. Hier bedeutete Entlassung oft, daß bisherige Universitätslehrer berufsfremde Arbeit leisten und eine ganz neue Existenz beginnen mußten.

page 22, footnote 51

source: Hardt, 1979, p. 321.

[Während der deutsche Journalist im amerikanischen Exil zumindest theoretisch die Möglichkeit hatte, in den Medienbetrieb, in die deutschsprachige Presse, oder in die Exilpresse beruflich einzutreten,] sah die Wirklichkeit beträchtlich entmutigender aus; es gab weder eine große Auswahl an freien Stellen, noch konnte man viele Gemeinsamkeiten zwischen journalistischer Arbeit in Deutschland und in den Vereinigten Staaten finden.

page 23, footnote 53

source: Pross, 1955, pp. 13-14.

Die innere Emigration [kann man vielleicht definieren als] die Situation, in der der oppositionelle Intellektuelle, dem politischer Druck die Teilnahme am öffentlichen wissenschaftlichen Leben verwehrt, in der Isolierung und im Geheimen seine wissenschaftliche Tätigkeit fortsetzt. Seiner bisherigen wissenschaftlichen und erzieherischen Funktionen beraubt und aus seiner gewohnten Lebensweise heraus-gerissen; abgeschnitten vom früheren Kontakt mit Studenten und vom Austausch mit Kollegen; ökonomisch beengt und gesellschaftlich gemieden; umgeben von Mißtrau-en und innerlich dem vorherrschenden politischen und geistigen Klima zutiefst feindlich gesinnt, gehörte der Universitätslehrer, der in der inneren Emigration lebte, nicht mehr zur Gesellschaft, sondern war durch eigenen Protest (der sich nicht in offenem Widerstand auszudrücken brauchte) und die Gegnerschaft der Umwelt von ihr getrennt. Je tiefer die totale Diktatur durch Erziehung und Propaganda in das Privatleben eindrang, desto schärfer wurde seine Isolierung. Wie weit sie durch Kontakt mit Gleichgesinnten gemildert werden konnte, hing weniger von der Haltung des Isolierten, also von den Umweltfaktoren ab. Großstädte erlaubten mehr Bewegungs- und Begegnungsfreiheit als Klein- und Mittelstädte, die sich häufig zu Hochburgen des Nazismus entwickelt hatten... Innere Emigration erstickte die geistige Produktion.

page 24, footnote 55

source: Ibid.

[Emigration war ein Wagnis,] ein Gang ins unbekannte Nichts, das so wenig wie die innere Emigration irgendwelche Garantien für eine Fortsetzung der bisherigen Arbeit und für weitere Ausübung intellektueller Aufgaben bot. Das erklärt zum Teil, warum die Zahl der freiwilligen Emigranten so niedrig war.

page 29, footnote 69

source: van Roon, 1994, p. 79

Als ehemalige Staatskirche hing sie noch stark an nationalen Traditionen. In übergroßer Mehrheit hatten die Kirchenführer den Ereignissen des Januar 1933 zugejubelt. Eine starke Bindung an die Weimarer Republik hatte nie bestanden. Diese war schließlich ein Erbe der bolschewistischen Revolution von 1918, welche das Kaiserreich und den Bund zwischen Thron und Altar zerstört hatte.

page 33, footnote 80

source: Moser in Pehle, id., pp.127-129.

[Blinden Juden war es nicht erlaubt, die gelbe Armbinde zu tragen,] weil möglicherweise ein Deutscher veranlaßt werden könnte, ihnen behilflich zu sein.

page 33, footnote 84

source: Benz, 1993, p. 499.

[Das Novemberpogrom, als ,Reichskristallnacht' im Umgangston verniedlicht, bedeutete den Rückfall in die Barbarei;] in einer Nacht wurden die Errungenschaften der Aufklärung, der Emanzipation, der Gedanke des Rechtsstaates und die Idee von der Freiheit des Individuums [zuschanden. Seit dem 15. Jahrhundert hatte es in Mitteleuropa solche Judenverfolgung nicht mehr gegeben, aber nicht nur dies, dem die mittelalterlichen Pogrome fanden statt als] unkontrollierte Aggressionen zusammengelaufener Volkshaufen, in denen sich soziale und wirtschaftliche Spannungen auf dem Hintergrund religiös motivierter Judenfeindschaft entluden. Regelrecht programmiert und in Szene gesetzt von staatlichen Instanzen war vor dem 9. November 1938 kein einziger solcher antisemitischer Aufruhr gewesen.

page 34, footnote 85

source: Jochmann, 1991, p. 240.

[Der Boykott vom 1. April 1933 war dann auch ein] Beispiel für die national-sozialistische Regie solcher Aktionen. Die Parteibasis erhielt genügend Freiraum, um aufgestaute Aggressionen loszuwerden und den Eindruck der Spontanität zu vermitteln. Zudem sollten die fanatischen Judenfeinde ein Signal bekommen, daß das neue Regime seine rassenpolitischen Ziele entschlossen verfolgte.

page 36, footnote 90

source: Stanley, 1964, p. 83.

[...] unendlich tief in deutscher Erde, Sprache, Kunst und deutschen Denken verwurzelt... Und man konnte doch einer deutschen Eiche nicht einfach sagen: "Von heute an bist du nicht mehr eine deutsche Eiche! Zieh deine Wurzeln aus dieser Erde und geh fort!'

page 41, footnote 98

source: Benz, 1994, pp. 38-39.

Die wichtigsten und begehrtesten Exilländer waren Palästina und die USA. Aus unterschiedlichen Gründen war es schwer, dorthin zu gelangen. Palästina war britisches Mandatsgebiet, und die einwanderungswilligen Zionisten, meist junge Juden, die sich gemeinsam auf das Siedlerdasein vorbereiteten, wurden nur in geringer Zahl nach einem komplizierten Quotensystem zugelassen... [Nach dem Novemberpogrom 1938 wurden die Restriktionen zwar gelockert,] aber für viele war es zu spät. War es erst die Sorge, von verarmten Juden aus Mitteleuropa belästigt zu werden, so kam nach Kriegsausbruch die Furcht vor Nazi-Spionen dazu, die im Flüchtlingsstrom einsickern konnten. Auf jeden Fall waren vor der Einwander-ungserlaubnis in die USA bürokratische Hürden von beträchtlichem Ausmaß zu überwinden. Trotzdem waren die Vereinigten Staaten das wichtigste Exilland überhaupt, in dem über 130 000 deutsche und österreichische Juden Zuflucht fanden.

pages 39 and 41, footnote 93 and thereafter

source: Sigmund [Seligmann] Seaman's unpublished account "Verfolgungsvorgang", 5.VI.57.

Das langsame und unerbittliche Abstreben der Existenz kam mit den November- ereignissen [sic] zu einem plötzlichen und entgültigen Ende.
[Die Tatsache, dass meine Ehefrau Friede geb. Hartmann, aus Eberbach a. Neck. ,arischer' Abstammung war, und die beiden Kinder Helmut und Ilse christlich erzogen wurden, änderte nichts an der kritisch gewordenen Lage. Zudem waren die Kinder in das Alter gewachsen, da sie] in der Schule und auch ausserhalb die Zurücksetzungen des Systems zu erleiden hatten.
Alle Versuche, nach einem anderen europ. Lande zu kommen, schlugen fehl: [meine Tätigkeit war] weder wichtig, noch mein Vermögen gross genug, irgendwo eine Türe zu öffen. [So blieb nichts übrig, als an Übersee zu denken. Wir versuchten es mit Australien, wo ich eine ausgewanderte Schwester hatte. Diese Bestrebungen, die sich durch endlose Monate erstreckten, führten nicht zum Ziel: wir waren nicht mehr jung genug,] hatten nicht genug Kinder!
Der Name ,Dachau' genügt allein, um an die Behandlung oder besser Misshandlung zu erinnern, denen ich mit den anderen Insassen ausgesetzt war.
[Bald nach der Rückkehr von Dachau war ein Umzug notwendig geworden:] die Familie eines ehem. Dachauers konnte nicht mehr in der [Franz Knauffstrasse] Siedlung des Gew. Bundes der Angestellten wohnen bleiben, wo wir unser Wohnrecht einmal mit einem Baukostenzuschuss [oder der gleichen] erkauft hatten.
Mit der Entscheidung nach Hause zu kommen, dass ich vorläufig alleine auszu-wandern hatte, dass die Familie trotz des Kriegzustandes einstweilen in Heidelberg zu verbleiben hatte, war ein schwerer Schock. Durch diese Trennung, die damit verbund-ene Ungewissheit des Schicksales, die Erschwerungen, die sich für mich für die erste Zeit in USA daran knüpften, reichten die Verfolgungen über Zeit und Raum hinaus.

Part II: Documentation and Analysis of Scattergood Hostel

page 124, footnote 34

source: Hardt, 1979, p. 318.

Das Ausmaß der Berichterstattung ist wichtig im Hinblick auf die Ereignisse, die zur Emigration führten und die darauffolgenden innenpolitischen Diskussionen, die auf die Probleme der Einwanderungspolitik hinweisen. Zeitungen und später auch Rund-funkübertragungen, bildeten den Zugang zu Basisinformationen, auf die sich der amerikanische Bürger in seiner Beurteilung der politischen Lage verlassen mußte.

page 136, footnote 61

source: Benz, 1992, p. 64.

[Während für das jüdische Exil die Emigration im allgemeinen eine endgültige Lebensentscheidung und] das definitive Ende der jüdischen Akkulturation im deutschsprachigen Mitteleuropa bedeutete, überlebte die politische Emigration das Dritte Reich außerhalb des nationalsozialistischen Machtbereichs überwiegend ,mit dem Gesicht nach Deutschland' und kehrte nach Kriegsende in großer Zahl und häufig mit der ersten sich bietenden Gelegenheit zurück, um am deutschen Wiederaufbau mitzuwirken.

page 144, footnote 81

source: Feuchtwanger. Größe und Erbärmlichkeit des Exils, from Das Wort, Notebook 6, 1938.

Viele von den Emigranten verkamen. Ihre schlechten Eigenschaften, im Wohlstand versteckt und behütet, drangen zutage, ihre guten schlugen um. Wer vorsichtig gewesen war, wurde feig, der Mutige verbrecherisch, der Sparsame geizig, Großzügigkeit wurde Hochstapelei. Die meisten wurden ichbesessen, vorloren Urteil und Maß, unterschieden nicht mehr zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem, ihr Elend wurde ihnen Rechtfertigung für jede Zügellosigkeit und Willkür. Auch wurden sie jammerselig und zänkisch. Aus sicheren Verhältnissen ins Unsichere gestoßen, verzappelten sie sich, wurden frech und servil zugleich, streitsüchtig, anspruchsvoll, besserwisserisch. Sie wurden wie Früchte, die man zu früh von Baum gerissen hat, nicht reif, sondern trocken und ranzig.

Part III: Comparisons and Summary

page 257, footnote 22

source: Matthias, 1952, p. 282.

[Wieder andere beschlossen zwar, nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren, sind jedoch]-trotz allen Anpassungswillens-in der zweiten Heimat Fremde geblieben. Die Emigration hat neue Nationalgefühle wachsen lassen; sie hat Deutsche zu Amerikanern (hier waren die psychischen Bedingungen für eine Assimilierung, für das Hineinwachsen in ein Volk, das noch im Werden begriffen ist, am güngstigsten), zu Schweden, zu National-Juden, aber auch zu Heimatlosen und innerlich Entwurzelten gemacht. Doch alle diese Haltungen sind nicht typisch für die Emigrationssozialdemokratie. Als typisch erscheint die Haltung derjenigen, die bis zum Ende des Krieges in ihren Emigrationsorganisationen vereinigt blieben und die-auch wenn sie sich als Europäer und Weltbürger fühlten-während der ganzen Zeit ihres Exils ,mit dem Gesicht nach Deutschland' [(dieser Ausdruck war ein Lieblingswort des in Paris verstorbenen 1. Vorsitzenden der SPD Otto Wels)] standen.

(end)


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