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2  Hypothese

Ziel dieser Studie war es, die Frage zu klären, ob die initiale Immunantwort in der Frühphase nach der Transplantation und die Aktivierung der Adhäsionskaskade ausschließlich auf unspezifische Organschäden wie den Ischämie-/Reperfusionsschaden zurückzuführen sind oder ob Alloantigen-abhängige Mechanismen während dieser Phase ebenfalls entscheidend beteiligt sind. Außerdem wurde untersucht, ob eine längere kalte Ischämiezeit vor der Reimplantation die akute Entzündungsreaktion und Gewebeschädigung nach Reperfusion amplifiziert und die Immunogenität des transplantierten Organs erhöht.

Um diese Fragestellung zu untersuchen, wurde ein etabliertes tierexperimentelles Transplantationsmodell gewählt (80). Der Einfluss Alloantigen-abhängiger Faktoren auf die entstehenden Schäden wurde durch den Vergleich von syngen transplantierten Tieren (Spender und Empfänger Lewis-Ratten) mit allogen transplantierten Tieren ohne immunsuppressive Behandlung (Spender Fischer-Ratten, Empfänger Lewis-Ratten) bestimmt. Es wurden Nierenfunktionswerte und morphologische Veränderungen zwischen den Gruppen verglichen. Außerdem wurde die Infiltrationsstärke verschiedener wichtiger inflammatorischer Zellpopulationen (neutrophile Granulozyten, Monozyten/Makrophagen) an 8 aufeinander folgenden Zeitpunkten innerhalb der ersten 10 Tage nach der Transplantion bestimmt. Daneben wurde ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Infiltrationsmaximum dieser Zellen und der Expression wichtiger Adhäsionsmoleküle (L-Selektin, P-Selektin, ICAM-1, VCAM-1, PECAM-1, LFA-1 und VLA-4) überprüft. Zusätzlich wurde durch niedrig dosierte (1,5 mg/kg/Tag) und normal dosierte (5 mg/kg/Tag) Gabe von Cyclosporin A (90) die Wirkung immunsuppressiver Therapie auf die Infiltration von Entzündungszellen nach 7 und 10 Tagen in weiteren Gruppen ermittelt. Der Einfluss der Dauer der kalten Ischämiezeit wurde in 6 weiteren isogenen Gruppen bestimmt, deren Organe zwischen 2 und 48 Stunden bei 4° Celsius aufbewahrt wurden. Auch bei diesen Tieren wurde neben Veränderungen der Nierenfunktion und der Morphologie das Ausmaß zellulärer Infiltration in Bezug zu wichtigen Adhäsionsmolekülen ermittelt. Um festzustellen, inwieweit lange kalte Lagerung die Immunogenität des Transplantats erhöht, wurde in diesen Gruppen zusätzlich überprüft, ob vermehrt [Seite 22↓]Antigen-präsentierende Zellen (dendritische Zellen, aktivierte Makrophagen, MHC-ΙΙ-positive Zellen) in das Organ einwandern und MHC-ΙΙ-Moleküle auf Strukturen des Nierenparenchyms verstärkt exprimiert werden. Schließlich wurde über den Nachweis von Tissue Factor getestet, ob längere Aufbewahrung zu erhöhter Thrombogenität und alternativen Adhäsionsmechanismen führt.


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17.05.2005