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Zusammenfassung

Die Multiple Sklerose ist eine entzündliche Entmarkungserkrankung des Zentralnervensystems und wird zu den T-zellvermittelten Autoimmunerkrankungen gezählt. Als Autoantigene werden sowohl Myelin­komponenten wie Myelin Basic Protein (MBP), aber auch Nicht-Myelinantigene wie zum Beispiel Hitzeschockproteine diskutiert.

In dieser Arbeit wurden Methoden zum direkten Nachweis autoreaktiver proinflammatorischer T-Helferzellen etabliert. Während bisher zum Nachweis autoantigenspezifischer T-Zellen deren Kultur über Tage bis Monate unumgänglich war, wurden hier MBP-reaktive T-Zellen anhand der Sekretion der proinflammatorischen Zytokine Interferon γ und Tumor Nekrose Faktor α nach Kurzzeitstimulation direkt nachgewiesen. Zunächst wurde die Analyse antigenreaktiver Zytokinexpression in fixierten Zellen optimiert, die eine Sensitivität von 1x10-4 in PBMC zeigte. Die T-Helferzellantwort in peripherem Blut von 34 untersuchten MS-Patienten auf ein Impf- und ein virales Kontrollantigen unterschied sich nicht wesentlich von der gesunder Kontrollpersonen (n=25). Es konnten bei keiner der untersuchten Personen MBP-reaktive T-Helferzellen detektiert werden. Anschließend wurde reaktiv sezerniertes Zytokin extrazellulär gebunden und so auf der Oberfläche lebender antigenspezifischer Zellen nachgewiesen. Die Sensitivität dieser Methode konnte durch einen anschließenden magnetischen Anreicherungsschritt auf 2x10-5 erhöht werden. Bei einem von acht MS-Patienten wurde so eine Population MBP-spezifischer Zellen mit einer Ausgangsfrequenz von 2,15x10-5 nachgewiesen. Im Liquor von drei MS-Patienten ließen sich keine MBP-reaktiven Th1-Zellen detektieren – für eine aussagekräftige Bilanz sind jedoch höhere Fallzahlen notwendig. Der in dieser Arbeit etablierte Versuchsaufbau wird zur Analyse weiterer Liquorproben bereits verwendet.

Diese Ergebnisse implizieren, dass die Frequenz MBP-spezifischer Zellen im peripheren Blut von MS-Patienten und gesunden Probanden sehr gering ist und sich bei den meisten Patienten in einem Bereich kleiner als 2x10-5 in PBMC bewegt. Es wäre jedoch auch denkbar, dass höher­frequente Zellen sich in einem anergen Zustand befinden und nicht durch eine Kurzzeitstimulation zur Zytokinexpression stimulierbar sind.


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08.01.2004