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6.  Zusammenfassung

Das akute Koronarsyndrom tritt häufig ohne Vorzeichen auf. Die pathophysiologische Ursache ist nach heutiger Vorstellung die Ruptur eines Plaques in der Koronararterie, doch fehlt ein Verfahren, mit dem solche rupturgefährdete Koronarplaques erkannt werden können. Dies gelingt mit der MRT bisher lediglich in den Karotiden. Ziel der Arbeit war eine Verbesserung der Plaquedarstellung in den Koronarien. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden zwei spezifische Probleme der koronaren Plaquedarstellung bearbeitet: Erstens die ateminduzierte Herzbewegung und zweitens die hohe Auflösung, die erforderlich ist, um Plaques in den Koronarien darstellen zu können.

Mit der Navigator-Technik können in der MRT Bewegungen gemessen werden. Die Navigator-Technik wird eingesetzt, um atemabhängige Artefakte der Herzbewegungen zu korrigieren. Die Herzbewegung wird anhand der craniocaudalen (CC) Bewegung des Diaphragmas korrigiert. Bilddaten werden nur in einem 5 mm großen Bereich (Gatingfenster) in Endexspiration akquiriert (prospektive Navigator-Gating-Technik). Eine effektive Bewegungskorrektur ist möglich, wenn die Korrelation zwischen Diaphragma und Herz hoch ist, die anteroposteriore (AP) Bewegung des Herzens gering ist und wenn sich das Diaphragma lange und oft in endexspiratorischer Lage innerhalb des Gatingfensters befindet.

Es wurde bei Probanden durch Anlegen eines Gurtes um den Thorax in Rückenlage und durch Bauchlage die Thorakalatmung verringert und versucht, die diaphragmale Atmung zu verstärken. Die Hypothesen waren: 1. bei eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit des Thoraxes ist die endexspiratorische Lage (EEL) des Diaphragmas konstanter und länger, 2. durch eine eingeschränkte Bewegungsmöglichkeit des Thoraxes während des Atemzyklus wird die AP Bewegung des Herzens verringert und die CC Bewegung verstärkt und 3. führt dies zu einer besseren Korrelation der Herzposition mit der Zwerchfellposition.

Bei 13 Probanden wurden während der Atmung die CC Bewegungen des Diaphragmas und des Herzens, sowie die AP Bewegungen des Herzens und [Seite 85↓]des Thoraxes - in Rückenlage, in Rückenlage mit Fixation und in Bauchlage mit Navigator-Technik gemessen und miteinander korreliert.

Ergebnisse: Die endexspiratorische Lage des Diaphragmas wird durch unterschiedliche Lagerung nicht signifikant beeinflusst. Bei Rückenlage mit Fixation und in Bauchlage kommt es zu einer signifikant (P<0,05) geringeren Bewegung des Herzens in CC Richtung im Verhältnis zur CC Bewegung des Diaphragmas. Die Korrelation der Bewegungen von CC Herz zu CC Diaphragma ist in Rückenlage signifikant (P<0,05) höher als in Rückenlage mit Fixation und in Bauchlage.

Aufgrund der höheren Korrelation zwischen diaphragmaler CC Bewegung und der CC Bewegung des Herzens ist die Rückenlage bei Einsatz der prospektiven Navigator-Gating Technik zu bevorzugen.

Die koronare Plaquedarstellung erfordert mindestens eine Auflösung von 0,333 0,333 mm² bei einer Schichtdicke von 4 mm, um Teilvolumeneffekte zu vermeiden. Die Spiral-Technik ist eine neue Akquisitionstechnik in der MRT. Sie zeichnet sich durch ein hohes Signal und geringe Anfälligkeit gegenüber Bewegungs- und Strömungsartefakten aus. In Kombination mit der Schwarz-Blut-Technik, mit der das Signal im Gefäßlumen supprimiert werden kann, müssten die Eigenschaften der Spiral-Technik genutzt werden können, um Plaques in den Koronarien zu erfassen.

Ziel der Untersuchung war es heraus zu finden, ob eine Plaquedarstellung einer Auflösung von 0,273 0,273 mm bei einer Schichtdicke von 2 mm in Spiraltechnik möglich ist, ob sich alle Plaques, die sich in den herkömmlichen Sequenzen darstellen, auch in Spiraltechnik darstellen lassen und wie das Signal zu Rauschverhältnis und Kontrast zu Rauschverhältnis im Vergleich zu den herkömmlichen Techniken ist.

Die Hypothesen waren: In Spiraltechnik kommt es zu einer besseren visuellen Differenzierbarkeit und einem besseren Signal zu Rauschverhältnis und Kontrast zu Rauschverhältnis bei gleicher Auflösung im Vergleich zu den konventionell eingesetzten Sequenzen der Plaquedifferenzierung.

Es wurden 15 Patienten mit bekannter Karotisstenose und 8 Patienten mit [Seite 86↓]bekannter koronarer Herzkrankheit in Rückenlage untersucht. Das Protokoll zur Plaquedarstellung in den Karotiden und den Koronarien bestand aus einer T1-, T2 und Protonen-Wichtung, sowie Sequenzen in "Time of Flight"-Technik und in Spiral-Technik. Die prospektive Navigator-Gating-Technik wurde zur Korrektur der respiratorischen Herzbewegung eingesetzt. Alle Untersuchungen wurden in Rückenlage durchgeführt.

Das Signal (der Arterienwand der Arteria carotis communis) zu Rauschverhältnis (SD der Luft) war mit der Spiral-Technik signifikant höher (P<0,001), als in den restlichen Sequenzen. Das Kontrast (Signalintensität der Arterienwand der Arteria carotis communis) zu Rauschverhältnis (Signalintensität des Lumens der Arteria carotis communis) war in Spiral-Technik signifikant höher (P<0,001), als in den restlichen Sequenzen. Alle Plaques der Karotiden, die in den herkömmlichen Sequenzen dargestellt werden konnten, konnten auch in Spiral-Technik dargestellt werden. Eine Plaquedarstellung in den Koronarien war aufgrund des geringen Signals und Bewegungsartefakten nur in Spiral-Technik möglich. Kritisch anzumerken ist, dass pro Messung mit einer Dauer von 12 Minuten nur ein Bereich von 4 cm untersucht werden kann und der Patient im Sinusrhythmus sein muss.

Die koronare Plaquedarstellung mit Spiral-Technik und Schwarz-Blut-Vorpuls mit prospektiver Navigator Technik ist in ausreichend hoher Auflösung möglich. Der Patient sollte dabei in Rückenlage untersucht werden.


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10.03.2005