Nguyen-Dobinsky, Trong-Nghia: Konzeption einer an semantischen Kriterien orientierten Komunikation für medizinische Informationssysteme

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Kapitel 6. Zusammenfassung

In der Charité werden in verschiedenen Kliniken und Instituten zahlreiche EDV-Systeme für die Erfassung und Auswertung von Befunden, inklusive Patienten-, Diagnose- und Therapie- sowie Anamnese-Daten eingesetzt. Diese hier als medizinische Subsysteme bezeichneten, meist kommerziell erworbenen EDV-Systeme lassen bisher keinen bzw. nur einen sehr beschränkten Datenaustausch zu. Die Beschränkung rührt von fehlenden Import-/Export-Werkzeugen und Standards her. Die fehlenden Standards betreffen sowohl die Formatfestlegung (Syntax) als auch die Inhaltsbeschreibung (Semantik).

Die im Rahmen der vorliegenden Arbeit durchgeführte Recherche ergab, daß die technologische Entwicklung bereits einen Satz von Werkzeugen für die Integration unterschiedlicher Systeme, auf unterschiedlichen Plattformen zur Verfügung stellt. Als Beispiel werden hier die Internet-Technologie mit den entsprechenden Protokollen und die objekt-orientierten Technologien wie C++, Java, COM, CORBA genannt. Die Anforderungen spezieller Anwendungen können durch die medizinischen Standards in vielen Fällen erfüllt werden. Für die Integration von getrennten, kommerziell erworbenen Subsystemen lassen sie sich nicht ohne weiteres einsetzen. Der wichtigste Grund hierfür ist die sehr komplexe Semantik in der Medizin. Hinzu kommt, daß die Standards durchweg komplexe Syntax verwenden, so daß eine software-technische Umsetzung zu kostspielig wäre.

Ein Standard für den inhaltlichen Austausch von medizinischen Informationen muß daher folgende Anforderungen erfüllen: minimale Syntax, maximale Semantik und Praxisnähe. Der Standard muß auf einem hohen Niveau definiert sein. Ähnlich wie HL7 muß der Standard auf der Schicht 7 der ISO-OSI angesiedelt sein. Er muß plattform- und netzwerkprotokoll-unabhängig sein.

In der vorliegenden Arbeit wird ein solcher Standard vorgeschlagen. Die Philosophie des Standards basiert auf folgenden Prinzipien:

Der vorgeschlagene Standard verwendet zahlreiche andere verbreitete Standards, zu nennen sind: HL7, DICOM, SNOMED und HTML/XML.

Anhand von Testimplementationen in der Frauenklinik, in der Strahlenklinik und im Institut für Pathologie wurde untersucht, inwieweit ein solcher Standard aus technischer Sicht realisierbar ist und den medizinischen Anforderungen genügen kann. Aus der Frauenklinik wurden das Befund- und Bildarchivierungssystem PIA der Fa. ViewPoint GmbH, Gilching, die geburtshilfliche Datenbank und die Punktionsdatei, aus dem Institut für Pathologie wurde der Modul Fetal Autopsy, eine Eigenentwick


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lung des Instituts und aus dem Berliner Tumorzentrum Charité der HL7-Server als Beispielanwendung eingesetzt.

Die Forderung nach maximaler Semantik konnte an Hand der Testimplementationen als erfüllt bezeichnet werden, solange das Sendesystem (Server) alle Operationen übernimmt. Die Einführung einer neuen Semantik gestaltet sich durch die Entwicklung eines virtuellen Befundtreibers relativ einfach und verursacht keine unüberwindbare finanzielle Hürde. Die vorhandenen Subsysteme lassen sich weiter einsetzen. Eine komplette Neuentwicklung ist nicht erforderlich.

Die Syntax ist mit der Definition von wenigen Elementen wie Objekten, Klassen, ID, Relationen, Attributen als einfach zu bezeichnen. Die Rekursion erlaubt unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten.

Durch die Verwendung eines Standard-Internet-Browsers läßt sich das System plattformunabhängig einsetzen. Der Routinebetrieb wird durch die Einführung des Systems nicht gestört. Die Forschungsaktivitäten wurden mit Hilfe der noch sehr rudimentären Testimplementationen verstärkt. Der hauptsächliche Nutzen lag in der Möglichkeit, Daten aus verschiedenen Disziplinen zusammenzuführen und so abzugleichen. So ließen sich viele neue Erkenntnisse gewinnen, die erst durch den Datenabgleich von mehreren Datenbeständen sichtbar werden konnten.

Da der vorgeschlagene Standard die heute und wahrscheinlich in Zukunft verwendeten Standards einschließt und nur geringen Entwicklungsaufwand verursacht, läßt er sich auf weitere Einsatzgebiete ohne weiteres übertragen.

Es wurde ebenfalls deutlich, daß der Routineeinsatz eines solchen Systems die Lösung einiger noch nicht gelöster Probleme voraussetzt; zum einen ist dies der Schutzaspekt der Daten. Hierbei muß sowohl der Schutz der personenbezogenen Daten als auch der Schutz des geistigen Eigentums berücksichtigt werden. Zum anderen macht die Entwicklung eines virtuellen Befundtreibers einiges an Entwicklungsressourcen erforderlich, die nicht in jeder medizinischen Einrichtung vorhanden sind.


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