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2  Aufgabenstellung

Die Pathogenese von hämatologischen Erkrankungen ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Durch die Einführung moderner molekularbiologischer Techniken konnte ein großer Erkenntniszuwachs gewonnen werden, der auch das Verständnis für die Ursachen der Entstehung von primär kutanen B-Zell-Lymphomen verbessert hat.

Mit Hilfe der Einzel-Zell-PCR-Technik konnte diese Krankheitsgruppe molekularbiologisch als vergleichbar mit den systemischen Non-Hodgkin-Lymphomen vom B-Zell-Typ charakterisiert werden.

Ein wichtiges Kriterium für die Klassifikation von B-Zell-Lymphomen ist das Vorhandensein von klonaler Diversität. Sie kommt in einem von klonaler Zelle zu klonaler Zelle leicht unterschiedlichen Mutationsmuster der variablen Immunglobulin-Genabschnitte zum Ausdruck.

Die klonale Diversität spricht für einen andauernden Prozeß einer antigengetriebenen Selektion und ist für Keimzentrumszell-Lymphome charakteristisch. Dieses Phänomen fehlt bei „Vor-Keimzentrumszell-Lymphomen“ (pre-germinal center cell lymphomas) häufig. So exprimieren B-Zellen bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) die variablen Genabschnitte der Immunglobulingene in unmutierter, keimbahnidentischer Form (48). Hingegen spricht man von post-germinal center cell lymphomas, wenn die Ig-Gene des Tumorklons mutiert sind, jedoch das Mutationsmuster konstant bleibt.

Das Verfahren der Einzel-Zell-PCR vermag über die klonale Diversität einer malignen B-Zellpopulation weitaus mehr Auskunft zu geben, als z.B. Genbanken und Klonierungstechniken. Die zu analysierenden Einzelzellen werden normalerweise lediglich aus sehr begrenzten Abschnitten, zumeist einer einzigen Biopsie, gewonnen.

Dies läßt die Tatsache außer Acht, daß an einer Stelle des soliden Tumors klonal divergierende Zellen zu finden sein könnten, an anderer jedoch nicht.

Die Untersuchung eines sehr begrenzten Tumorareals kann zur Folge haben, daß unterschiedliche Subklone unentdeckt bleiben und somit der Entwicklungsstand des Tumors versuchstechnisch bedingt als „Nach“-Keimzentrumszell-Lymphom (post-germinal center cell lymphoma) bezeichnet wird. Ist aber in einem anderen Ausschnitt des Tumors andauernde Mutation zu beobachten, kann es sich molekularbiologisch ebenfalls um ein Keimzentrumszell-[Seite 23↓]Lymphom (germinal center cell lymphoma) handeln, in dem die entarteten B-Zellen, wie ihre physiologischen Äquivalente, noch an der Keimzentrumsreaktion beteiligt sind und dem Prozeß der somatischen Hypermutation unterliegen.

Wir stellen uns deshalb die Aufgabe der Evaluierung der Einzelzellanalyse von kutanen B-Zell-Lymphomen hinsichtlich der Aussage „Klonale Diversität“?

Die Fragestellung wurde bearbeitet, indem

  1. aus verschiedenen, deutlich voneinander getrennten Arealen des Tumorknotens zweier Patienten mit kutanen B-Zell-Lymphomen Biopsien gewonnen wurden,
  2. aus diesen Biopsien jeweils eine repräsentative Anzahl einzelner Lymphomzellen durch Mikromanipulation isoliert wurde und
  3. in diesen mittels Einzel-Zell-PCR und Sequenziertechnik die Nukleotidsequenzen der variablen Immunglobulin-Genabschnitte analysiert wurden.


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22.02.2005