7 Zusammenfassung

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Arbeitsplätze im Gartenbau sind trotz fortschreitender Mechanisierung durch einen hohen Anteil an Handarbeit gekennzeichnet. Die aktuellen Rahmenbedingungen im Gartenbau erfordern für die Zukunft einen effizienteren Einsatz des Faktors Arbeit in wirtschaftlichen und an Attraktivität gewinnenden Arbeitssystemen. Die Entwicklung solcher Systeme erfordert ein Verfahren zur objektiven Bewertung vorhandener und neuer Betriebs- und Arbeitsabläufe.

Die vorliegende Arbeit beschreibt die Weiterentwicklung eines auf der Verfolgung von Infrarot-Leuchtdioden basierenden 3-D-Bewegungsanalysesystems. Dazu wurde das Kamerasystem der Firma Wente/Thiedig um eine vom System unabhängige Software zur arbeitswissenschaftlichen Auswertung der Bewegungsdaten erweitert. Die Gestaltung der Software erfolgte unter Berücksichtigung der aktuellen Problemfelder im Produktionsgartenbau. Die über die Indikatoren mögliche Bewertung der Bewegungslinien basiert auf den aufgezeichneten 3-D-Raumkoordinaten.

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Aus den aufgezeichneten Datensätzen werden quantitative Messgrößen, z.B. die Zeitdauer, die Bewegungssumme, Bewegungsgeschwindigkeiten und auftretende Körperwinkel sowie qualitative Bewertungskriterien ermittelt. Grafische Funktionen innerhalb der Software dienen dem besseren Verständnis und der übersichtlichen Darstellung der Ergebnisse. Die grafischen Funktionen umfassen z.B. die dreidimensionale Abbildung der Bewegungslinien sowie die Darstellung des Arbeitsbereiches und der Winkelgrößen in die Häufigkeit repräsentierenden Grauabstufungen.

Die für die Bewertung herangezogenen Indikatoren werden ausführlich beschrieben und im Ergebnisteil auf ihre Eignung überprüft. Es werden sowohl wirtschaftliche als auch menschliche Ansprüche berücksichtigt. Aufgrund der digitalen Aufzeichnung der Bewegungen erhöht sich die Aussagekraft durch einen größeren Stichprobenumfang und eine höhere Messgenauigkeit erheblich. Der auf einer Messung basierende Interpretationsumfang steigt aufgrund der Vielzahl anwendbarer Indikatoren gegenüber anderen Methoden stark an.

Die aus den Bewegungsdaten errechneten Indikatoren unterliegen alle denselben Einflüssen. Da die äußeren Einflussfaktoren im Gartenbau bereits sehr groß sind, ist gerade hier eine Methode gefragt, die möglichst viele Vergleichsparameter in einem Arbeitsgang erfasst.

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Um die Aussagekraft und den Erkenntnisgewinn aus den softwareseitig ermittelten Indikatoren zu überprüfen, wurden Anwendungsversuche mit verschiedenen Fragestellungen durchgeführt, die im zweiten Teil der Arbeit beschrieben werden.

Am Beispiel der Produktauflage auf ein Förderband werden die Einflüsse spezifischer Gestaltungsparameter auf die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems verdeutlicht. Die Veränderung der Bandgeschwindigkeit wirkte sich stark auf die erzielten Leistungen aus. Ein schnell laufendes Band verursachte bei einer Versuchsperson eine Verschiebung des Arbeitsbereiches in Förderrichtung. Bei ungünstiger Produktbereitstellung wurden deutlich höhere Bewegungssummen gemessen, die Leistung konnte über gesteigerte Bewegungsgeschwindigkeiten beibehalten werden.

In einem weiteren Versuch werden zwei Sitzplätze auf Spargelerntehilfen über die Bewegungsanalyse miteinander verglichen. Mehrere Indikatoren belegen die Vorzüge des mit Kniepolstern ausgestatteten Sitzplatzes. Die Bewegungssummen auf dem Kniesitz waren niedriger, Winkelverläufe kongruent, und eine aufrechte Sitzhaltung war eher gewährleistet. Somit ermöglichen die Indikatoren eine objektive Bewertung der beiden Systeme bezüglich wirtschaftlicher und ergonomischer Kriterien.

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Die Ergebnisse der beiden Versuche zeigen, dass es gelungen ist, zahlreiche relevante Indikatoren für den Vergleich der aufgezeichneten Bewegungen zu bilden. Der Nutzer gewinnt aus den Bewegungsdaten Informationen, die eine objektive Entscheidungsfindung ermöglichen.

Über die Bewegungsanalyse können somit in einem Arbeitsgang eine Vielzahl von Informationen gewonnen werden, die mit bisher angewandten Methoden nur durch Verknüpfung von mehreren Verfahren und nicht in derselben Genauigkeit vorgelegen hätten.

Als besonders wertvoll ist der Erkenntnisgewinn bezüglich einer menschengerechten Arbeitsplatzgestaltung zu bewerten, um für die Weiterentwicklung gartenbaulicher Arbeitssysteme neben der Wirtschaftlichkeit andere Entscheidungskriterien zu fördern.


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07.06.2005