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1  Einleitung

Die verbesserten kulturtechnischen Verfahren für die Produktion blühender Topfstauden haben dazu geführt, daß der Absatz und die Vermarktungsmengen dieser Produkte in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Das Produktionsspektrum wurde dabei um zahlreiche Gattungen und Arten erweitert. Für gärtnerische Produktionsbetriebe ist der Anbau blühender Topfstauden eine interessante Diversifizierungsmöglichkeit, die zahlreiche betriebswirtschaftliche Vorteile (geringere Energiekosten, bessere Preissituation) aufweist.

Für besonders marktrelevante Staudenarten, z.B. der Gattungen Campanula, Gypsophila, Helleborus oder Coreopsis, zeigte sich, daß der umfangreiche Erkenntnisstand zum Entwicklungsrhythmus maßgeblich zum Erfolg dieser Angebotsform als blühende Topfstaude beigetragen hat. Voraussetzung dafür waren zahlreiche Untersuchungen zu den Wirkungen von Einflußfaktoren auf die vegetative und generative Entwicklung dieser Pflanzen. Daraus konnten Möglichkeiten der Steuerung durch Reaktion auf die Tageslänge oder die Temperatur abgeleitet oder in ihrer Effizienz besser beurteilt werden.

Bei der Suche nach weiteren, alternativen Topfstauden wird häufig auch Aster alpinus als anbauwürdige Topfstaude empfohlen. Die Sichtung der bisherigen Untersuchungsergebnisse hat aber gezeigt, daß außer der Verbreitung, der Systematik und der Morphologie, nur lückenhafte Erkenntnisse zu dieser Art vorliegen. Insbesondere die Abfolge der vegetativen Entwicklung, die Blüteninduktion und –differenzierung und der Ruheverlauf spielen aber eine wichtige Rolle für das Verständnis kulturtechnisch relevanter Entwicklungsabschnitte.

Das Interesse an Aster alpinus ist auch im Hinblick auf die von ZIMMER und MISZLAI (1982) vorgenommene, allgemeine Unterteilung des Kältebedürfnisses von Stauden anhand des Einzugsverhaltens geweckt worden. Es handelt sich bei der untersuchten Art um eine Staude mit belaubt überwinternden Sproßknospen und einer Frühjahrsblüte. Die Notwendigkeit der Absättigung eines Kältebedarfs als Voraussetzung für die Streckung der Sproßachsen ist bislang bei Aster alpinus noch nicht untersucht worden.

Zu den Möglichkeiten der Einflußnahme auf die Ertragsbildung zählt auch die Anwendung von Wachstumsregulatoren. Die Wirkung der bekannten Hormongruppen auf die pflanzliche Entwicklung war in den letzten Jahren Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen unterstreichen das breite Wirkungsspektrum und weisen eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten für die gärtnerische Praxis aus (z. B. Stauchung, Bewurzelung, Substitution des Kältebedürfnis).

Der Wirkung von Cytokininen in Bezug auf Veränderungen der Korrelationsbeziehungen im Sproßbereich, der Verlängerung der vegetativen Phase durch Verlangsamung der Seneszenz und der Auswirkungen auf die Blütenbildung wurde dagegen bisher nur wenig Beachtung geschenkt. Möglicherweise können diese spezifischen Veränderungen des Hormonstatus‘ das Wachstum der Pflanze positiv beeinflussen.

Es ist das Ziel dieser Arbeit, den Entwicklungsrhythmus von belaubt überwinternden Stauden am Beispiel von Aster alpinus zu untersuchen, um die Möglichkeiten der Beeinflussung in der Kulturführung erfassen und einschätzen zu können.


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03.09.2004