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5.  Zusammenfassung

Die immunphänotypische Differenzierung der indolenten B-Zell-Neoplasien beruht auf der Expression bestimmter Membranantigene, wobei einzelne Lymphomentitäten charakteristische Markerprofile aufweisen können. Das FMC7-Antigen, eine unbekannte B-Zell-Membranstruktur, dient als eines der immunphänotypischen Grundkriterien zur Diagnose der typischen B-CLL. Die unterschiedliche CD20-Expressionsintensität ist auch ein charakteristisches Merkmal bei der Subtypisierung der Lymphomentitäten.

In der vorliegenden Arbeit wurde die Modulation des CD20- und des FMC7-Antigens während einer Therapie mit CD20-Antikörper (Rituximab) bei Patienten mit indolenten B-Zell-Lymphomen untersucht.

Bei der durchflusszytometrischen Untersuchung quantitativer und qualitativer Charakteristika der monoklonalen B-Zell-Population bei CLL- (n=12) und Non-CLL-Patienten (n=10) unmittelbar nach der Antikörperinfusion und bis zur 8. Woche nach der Therapie wurden parallele Veränderungen von FMC7 und CD20 festgestellt. Die Anzahl und die Fluoreszenzintensitäten der für die beiden Antigene positiven Zellen korrelierten signifikant sowohl bei der malignen Zell-Population (Kurzzeitbeobachtung: n=89; r=0,9; p<0,001 und Langzeitbeobachtung: n=97; r=0,7; p<0,001), als auch bei polyklonalen B-Lymphozyten in Kontroll-Blutproben von hämatologisch gesunden Probanden (n=40; r=0,9; p<0,0001).

Blockierungsexperimente mit unkonjugierten CD20- und FMC7-Antikörpern zeigten, dass CD20-MAK die Bindung von FMC7-MAK ebenso blockiert wie FMC7-MAK in der Lage ist, die Bindung von CD20-MAK zu hemmen. Dieser Effekt wurde bei den B-Zell-Linien CESS, DAUDI und JVM beobachtet.

Bei der CD20(B1)-negativen prä-B-Zell-Linie PB-697 ist nach Induktion einer CD20- Expression durch PMA (Phorbol12-myristate13-acetate) auch eine parallele FMC7-Antigenexpression zu beobachten. Unsere Versuche, die FMC7-Variante der CD20-Struktur mittels Western-Blot zu identifizieren, blieben erfolglos.


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Die mittels Elektroporation durchgeführte Transfektion der myeloischen K-562 Zell-Linie mit für CD20 kodierender cDNA induzierte sowohl eine De-novo -Expression des CD20(B1)-Antigens, als auch eine Expression des vom FMC7-Antikörper erkannten
Epitops.

Diese Experimente erbrachten Hinweise dafür, dass die Membranstruktur, an die der FMC7-Antikörper bindet, von der CD20-Gensequenz kodiert wird.

Zahlreiche Publikationen über die Struktur und die Funktionen des CD20-Antigens unterstützen die Annahme möglicher Konformationsänderungen des CD20-Moleküls, welche mit seiner biologischen Funktion und seiner Rolle als Kalzium-Kanal-Regulator verbunden zu sein scheinen. Damit wird die These, dass der FMC7-Antikörper eine tertiäre oder quaternäre Konformationstruktur des klassischen CD20-Epitops erkennt, die durch die chemischen Substanzen beim immunchemischen Blotting zerstörbar ist, sehr wahrscheinlich.

Weitere Untersuchungen zur Natur des CD20-FMC7-Komplexes könnten Regulationsmechanismen bei der Transkription und Translation des CD20-Gens und ihre mögliche biologische Bedeutung klären.


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22.07.2004