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1  Einleitung

Die Ischämie des Darmes ist eine seltene Krankheit, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft, die zusätzliche Risikofaktoren aufweisen. Die meisten Erkrankten sind zwischen 70 und 80 Jahre alt. Durch das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung in den Industrienationen kommt die Darmischämie immer häufiger vor [41,48,95]. Allerdings hat sich die hohe Sterblichkeit der Erkrankten in den letzten hundert Jahren trotz großer Fortschritte in Diagnostik und Therapie nicht wesentlich verändert. Die Letalität der Darmischämie liegt heute immer noch bei durchschnittlich 71% (59%-93%) [5,19].

Der Begriff „Akutes Abdomen“ wird als klinischer Sammelbegriff für Krankheitszu­stän­de benutzt, die durch rasches Auftreten mehr oder weniger starker Bauchschmer­zen, von Abwehrspannung und Veränderungen der Darmperistaltik gekennzeichnet sind[68], wobei allerdings keine eindeutige Definition existiert. Der Begriff wird benutzt, um den Zustand von Patienten zu kennzeichnen, bei denen eine diagnostische Klärung noch nicht erfolgt ist, wegen der Schwere der Symptome jedoch dringender Hand­lungs­bedarf besteht [72], auch wenn es sich im weiteren Verlauf zeigen sollte, dass es sich um keine lebensbedrohliche Erkrankung handelt [80]. Demzufolge lautet die Arbeits­diagnose bei Patienten mit einer Darmischämie oft akutes Abdomen, vor allem deshalb, weil die unspezifischen Symptome häufig erst im weiteren Verlauf die tatsächliche Erkrankung erkennen lassen.

Die Bemerkung von Cokkinis im Jahre 1926, dass „der Verschluss einer Eingeweide­arterie als eine der Konditionen angesehen werden muss, bei denen die Diagnose unmöglich, die Prognose hoffnungslos und die Behandlung nahezu nutzlos“ sei, trifft glücklicherweise nicht mehr zu [13]. Aber auch heute zeigen die Ergebnisse nahezu aller Untersuchungen, dass eine Verbesserung des Heilungserfolges nur mit einer früheren Diagnosestellung zu erreichen ist. Kniemeyer et al. resümierten 2002 [51], dass nach den großen chirurgischen Fortschritten der letzten Jahrzehnte bei der Behandlung der Darmischämie eine Phase der Stabilisation eingetreten sei. Da operations­technisches Know-how und intensivmedizinisches Management zur Routine geworden seien, wären greifbare therapeutische Fortschritte fast ausschließlich in einer frühzeitigen Diagnosestellung begründet. Die Diagnose wird allerdings durch die [Seite 2↓]unspezifische Symptomatik erschwert und erfordert eine Verbesserung der diagnostischen Logistik [27].

Zu Beginn der Darmischämie imponiert nur der viszerale (Bauch)-Schmerz, der in seinem wenig dramatischen Beginn in einem Missverhältnis zur tatsächlichen Bedrohung des Patienten steht. Wenn Laborwertveränderungen, Peritonismus oder durch bildgebende Verfahren sichtbare Zeichen hinzukommen, liegt häufig schon eine beginnende Darmgangrän vor [44]. Die ansteigende Inzidenz der Darmischämie in den letzten 25 Jahren ist auch zum Teil darin begründet, dass heute Patienten überleben, die früher an ihrer Primärkrankheit gestorben wären, während sie heute eine Darmischämie entwickeln, die eine späte Folge ihrer Primärerkrankung ist [48].

Da sich bis heute kein Laborparameter finden ließ, der sich als genügend spezifisch erwies eine Darmischämie anzuzeigen, wird die durch ständige Weiterentwicklung verbesserte bildgebende Diagnostik immer wichtiger. Sie hat nicht nur die Aufgabe, eine Darmischämie möglichst sicher zu diagnostizieren, sondern auch wichtige Diffe­ren­tialdiagnosen des häufig unklaren Krankheitsbildes zu zeigen oder auszu­schließen [28]. In den letzten zehn Jahren hat sich mit der Entwicklung der Spiral-Computer­tomo­graphen (Spiral-CT) eine Möglichkeit ergeben, eine Darmischämie schon frühzeitig zu erkennen und somit schnell therapeutische Maßnahmen einzuleiten.

In dieser Studie versuchen wir die Frage zu beantworten, die sich im klinischen Alltag häufig stellt:
Ist die Durchführung eines Mehrschicht-Spiral-CT bei Verdacht auf eine Darmischämie sinnvoll?

In den meisten veröffentlichten Untersuchungen konnte keine Aussage zur Spezifität der Untersuchungsmethode gemacht werden, weil nur Patienten mit bestätigter Diagnose berücksichtigt wurden. In unserer Untersuchung sollten durch die Einbe­ziehung aller Patienten, die im Zeitraum von drei Jahren, vom 1.1.2000 bis zum 31.12.2002, bei Verdacht auf eine Darmischämie mit einem Mehrschicht-Spiral-CT untersucht wurden, Erkenntnisse über Sensitivität und Spezifität der Untersuchungs­methode gewonnen werden.


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20.05.2005