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5  Zusammenfassung und Ausblick

5.1 Chronologische Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse zur jungquartären Entwicklung des Untersuchungsgebietes

5.1.1 Zur präweichselzeitlichen Entwicklung des Arbeitsgebietes

Die Anlage von Teilen des Großreliefs wird in die Zeit der Saalevereisung gestellt. Die hochgelegenen saalezeitlichen Sedimente der Plattenkerne, die weichselzeitlich kaum überprägt wurden, müssen auch vor dem weichselzeitlichen Eisvorstoß exponierte Bereiche gewesen sein. Andererseits treten in den Niederungsgebieten verbreitet glazilimnische Sedimente auf, die FLIEGEL (1924) als saalezeitlich einstuft. Sie deuten darauf hin, dass auch die tiefe Lage der heutigen Talsandgebiete präweichselzeitlich vorgegeben wurde.

Die präweichselzeitliche Konfiguration der Hochgebiete unterschied sich von der heutigen allerdings deutlich, da große Teile der Platten von mächtigen weichselzeitlichen Sedimenten aufgebaut werden. Die weichselzeitlichen Prozesse nahmen eine bedeutende Rolle bei der Landschaftsgestaltung ein.

5.1.2 Zur Entwicklung während des weichselzeitlichen Eisvorstoßes

Während des weichselzeitlichen Eisvorstoßes wurden großflächig und zum Teil mächtige (bis zu 35 m) Vorschüttsande und -kiese akkumuliert. Das Inlandeis stieß in ein Gebiet mit ausgebildetem Dauerfrostboden vor, wie es Eiskeilpseudomorphosen in saalezeitlichen Sedimenten belegen. Die fehlende oder rein frakturelle Stauchung der weichselzeitlichen Vorschüttsedimente wird auf das synsedimentäre Gefrieren derselben zurückgeführt. Das weichselzeitliche Eis beeinflusste den Untergrund, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur gering. Es nahm aber aus dem Untergrund zumeist glazifluviales Material auf.

Unter dem Gletscher wurde ein meist geringmächtiger (< 2 m) und sandiger lodgement till abgelagert. Sein Kleingeschiebebestand wird von dem lokal aufgenommenen Material dominiert.

In dieser Zeit begann die Anlage der Glazialen Rinnensysteme. Je nach Wasseraufkommen und Durchströmungsdauer bildeten sich Schmal- oder Breitrinnen.


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5.1.3  Die Entwicklung während des Weichselmaximalvorstoßes – Der Älteste Baruther Urstrom

Der Vorstoß des weichselzeitlichen Inlandeises endete nicht an der heutigen Brandenburger Eisrandlage, sondern zwischen 2 und 12 km südlich davon (siehe Abb. 83, S. 168). Eine morphologisch erkennbare Eisrandlage wurde dort nicht ausgebildet. Zwischen Baruth und Luckenwalde stieß das Eis, bedingt durch die niedrige Lage des nördlich sich anschließenden Raumes, bis auf weniger als 2 km an den Fläming vor. Am Schulischen Berg, 8 km südwestlich von Luckenwalde, erreichte es ihn sogar. Östlich von Baruth überschritt der Weichselmaximalvorstoß nicht die späteren Sanderflächen.

Dem Weichselmaximalvorstoß wird die älteste Abflussphase im Baruther Urstromtal zugeordnet. Terrassen des Ältesten Baruther Urstromes finden sich zwischen Baruth und Luckenwalde in 60–75 m NN. Dort wurde der Nordrand des Fläming zum Teil kräftig unterschnitten. Östlich von Baruth bestand eine seenartige Verbreiterung des Urstromes. Am Südrand des Urstromtales wurden von den Schmelzwässern des Ältesten Urstromes Bodenreste verschüttet, deren organisches Material auf 18875–21410 Jahre vor heute datiert wurde (Verfälschung der Probe möglich).

5.1.4 Die Brandenburger Eisrandlage – Der Ältere Baruther Urstrom

Nach dem Weichselmaximalvorstoß schmolz der Gletscher auf die Brandenburger Eisrandlage zurück, deren Verlauf streckenweise neu festgelegt wurde (Abb. 83, S. 168). Ihr Charakter schwankt zwischen nahezu modellhafter Ausbildung und völligem Aussetzen. Die Interpolation der fehlenden Abschnitte wird abgelehnt.

Die Endmoränen der Eisrandlage sind im Arbeitsgebiet stets sandig-kiesig ausgebildet. Sie lehnen sich teilweise an saalezeitliche Hochgebiete an.

Innerhalb des Arbeitsgebietes existieren vier Flächensander der Brandenburger Eisrandlage. Drei von ihnen lassen sich mit Glazialen Breitrinnen verknüpfen, von denen aus die Sander mit Schmelzwasser versorgt wurden. Vorhandene Resteisblöcke des Maximalvorstoßes im Bereich der Sanderflächen wurden dabei verschüttet. Ebenso wurden die verbliebenen Eisblöcke im Baruther Urstromtal durch den Älteren Urstrom (nach MARCINEK 1961a) verschüttet.


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Abb. 83: Die Entwicklung der glazifluvialen Abflussverhältnisse im Jungmoränenland südlich Berlins


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Weitverbreitete Terrassen am Südrand des Tales in 62–55 m ü. NN, die sich höhenmäßig mit den Sandern verknüpfen lassen, belegen das Niveau des Älteren Urstromes zur Zeit der Brandenburger Eisrandlage. Das allmähliche Abgleiten des Urstromes vom Nordrand des Fläming bei gleichzeitiger Einengung und Bündelung des Abflusses verhinderte die Ausbildung scharfer Terrassenkanten zwischen den unterschiedlich alten Abflusswegen.

5.1.5 Die Aufgabe der Brandenburger Eisrandlage – Der Jüngere Baruther Urstrom

Das Baruther Urstromtal war noch nach Aufgabe der Brandenburger Eisrandlage aktiv. Der Jüngere Baruther Urstrom (nach MARCINEK 1961a) tiefte sich in die älteren Abflusswege ein; östlich von Baruth auf etwa 54 m NN, westlich der Stadt bis auf 50 m NN. Die älteren Flächensander wurden unterschnitten. Nördlich von Luckenwalde durchbrach der Jüngere Urstrom bereits die Brandenburger Eisrandlage.

Das Inlandeis stagnierte nach Aufgabe der Brandenburger Eisrandlage im gesamten Arbeitsgebiet. Aus den beginnenden Zerfallsprozessen des sterbenden Inlandeises gelangte – vor allem über die Rinnensysteme – weiterhin Schmelzwasser auf die Sander. Es schnitt in die älteren Flächensander jüngere Schlauchsander ein, die gleichsohlig in das Niveau des Jüngeren Urstromes einmünden. Nach Norden streichen die Schlauchsander in die Luft aus. Eine Rückzugsstaffel fehlt im Hinterland der Brandenburger Eisrandlage.

Unter dem stagnierenden Gletscher wurde ein meltout till über dem lodgement till abgelagert. Die Plombierung der Hochflächen mit dem zerfallenden Gletschereis verhinderte eine Überschüttung derselben durch jüngere Sedimente.

5.1.6 Der Jüngste Baruther Urstrom

Der fortschreitende Eiszerfall zog das Schmelzwasser des Urstromes in das tiefgelegene Rückland der Brandenburger Eisrandlage. Es bildeten sich die ersten urstromähnlichen Abflussbahnen nördlich des Baruther Urstromtales heraus. Östlich von Luckenwalde brach der Baruther Urstrom in einer jüngsten Abflussphase nach Norden durch. Die entsprechenden Abflussflächen finden sich im Baruther Urstromtal unter 50 m ü. NN.


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Die fließenden, unscharfen Übergange zwischen allen Abflussflächen im Baruther Urstromtal belegen eine kontinuierliche Entwicklung vom Ältesten bis zum Jüngsten Urstrom. Ein Trockenfallen des Tales hat es zwischenzeitlich nicht gegeben. Der Begriff des „mehrmaligen Durchflusses“ (nach LIEDTKE 1957) wird daher zugunsten des Begriffes „mehrphasiger Durchfluss“ aufgegeben.

5.1.7 Die Abflussphasen zwischen dem Baruther und dem Berliner Urstromtal

Mit der Öffnung des Unterspreewaldes fiel das Urstromtal im Baruther Abschnitt trocken. Die Schmelzwässer flossen von Lübben über verschiedene Wege nacheinander in Richtung Beelitz, Potsdam und Berlin (Abb. 83, S. 168). Die Abflussphase in Richtung Beelitz ist aufgrund des gegenläufigen Gefälles um Beelitz fragwürdig. Ab der Abflussphase in Richtung Potsdam entstand das Berliner Urstromtal östlich von Berlin, welches gleichzeitig mit dem Baruther Urstromtal östlich von Lübben in Betrieb war.

Die Schmelzwässer wirkten in den Abflussbahnen eher verschüttend als ausräumend. Dennoch sind einige der Abflusswege deutlich terrassiert, wobei auch hier scharfe Terrassenkanten fehlen. Durch die Tätigkeit der Schmelzwässer wurden, vor allem im Bereich Glazialer Rinnen, großflächig Toteisblöcke verschüttet.

5.1.8 Die jüngere Entwicklung

Nach dem Trockenfallen der Urstromtalungen begann in den ausgedehnten Talsandgebieten die Aufwehung großer Dünenkomplexe. Sie blockierten teilweise die Abflussbahnen. Erst danach brach die Spree aus dem Lausitzer in das Baruther Urstromtal durch und wich im Bereich von Lübben den bereits aufgewehten Dünen nach Osten über die Schwielochseerinne aus. Den direkten, kürzeren Weg nach Nordwesten hat der Fluss nie benutzt.

Die Spree bildete im Unterspreewald vier Gerinnebettgenerationen aus. Die braided river-Strukturen der Landgraben-Urspree sind älter als das Austauen der Toteisblöcke (mindestens Ältere Dryas). Die jüngeren Großmäander der Pretschener Urspree und am Köthener See (Ø 500 m) entstanden im Bölling. Kleinmäander (Ø 130–200 m) bildeten sich ab dem Alleröd. Das rezente Anastomosieren ist im Unterspreewald jünger als das Präboreal.

Aus der Datierung der Basis von Seesedimenten geht hervor, dass innerhalb des [Seite 172↓]Arbeitsgebietes meist im Bölling oder Alleröd das Ausschmelzen der Toteisblöcke einsetzte.

5.2 Ausblick auf weiterführende Forschungen

Die durchgeführten Untersuchungen ließen im Arbeitsgebiet nach wie vor Probleme ungelöst. Des weiteren werfen die neuen Forschungsergebnisse Fragen auf, die zum Teil über das Arbeitsgebiet hinausgreifen:


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23.09.2004