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6  Anhang

6.1  Verzeichnis der Aufschlussprofile im Arbeitsgebiet

6.1.1 Aufschlüsse im Neuendorfer Becken

TK 25 Blatt 3847 Teupitz

Abb. 84: Schurf ADQ6

Die Sedimente der Schürfe ADQ6, Neu2 (Abb. 86) und Neu3 (Abb. 87) wurden bereits im Kap. 4.4.2.1 ab S. 93 beschrieben. Oberhalb des Hanges, an dem die glazifluviolimnischen Sedimente anstehen, wurde im Schurf Neu1 (Abb. 85) extrem sandiger und geringmächtiger Till angetroffen (Probe Neu1). Der Till besitzt somit die [Seite 174↓]Eigenschaften des oberen, weichselzeitlichen Geschiebemergels. Sein Kleingeschiebebestand erwies sich als extrem quarzreich.

Im Liegenden des Tills wurden 4 m Sand nachgewiesen. Die glazifluviolimnischen Sedimente, die in vergleichbarer Höhe am Beckenrand anstehen, fehlten unterhalb des Tills. Somit kann ihr Vorkommen auf den Beckenrand begrenzt werden.

Abb. 85: Schurf Neu1


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Abb. 86: Schurf Neu2

Abb. 87: Schurf Neu3


[Seite 176↓]

6.1.2  Die Tongruben Klausdorf

TK 25 Blatt 3846 Wünsdorf H 5781 300 R 4592 250

In den Tongruben Klausdorf wurde bis in die 60er Jahre zum allergrößten Teil kein Ton abgebaut, sondern Geschiebemergel und schluffige glazilimnische Sedimente. Das natürliche Relief wurde auf einer Fläche von mehr als 1 km2 weitgehend zerstört. Eine Abschätzung, wie tief die Profile ursprünglich unter der Erdoberfläche lagen und welche Sedimente noch darüber lagerten, konnte deshalb nur grob erfolgen.

Abb. 88: Gestörte Grobschluffe in den Tongruben Klausdorf

Die glazilimnischen Sedimente innerhalb der Tongruben lagern z.T. kräftig gestört. Kleinräumige Störungen in den Ablagerungen, die zum Teil noch Rippelmarken erahnen lassen, werden auf synsedimentäre Prozesse, wie z.B. Entwässerung, zurückgeführt. Die größer dimensionierten Störungen können nur mit einem kräftigen Eisdruck erklärt werden. Teilweise wurde auch Till in die Stauchung einbezogen. Er „schwimmt“ in einer schluffigen bis feinsandigen Matrix (Abb. 89, S. 176).

Der überlagernde Till ist innerhalb der Tongruben nicht flächendeckend ausgebildet. Dort, wo er vorhanden ist, bildet er einen der größten Daueraufschlüsse innerhalb des Arbeitsgebietes, der frei zugänglich ist.


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Abb. 89: In die glazilimnischen Sedimente eingearbeiteter Till (Tongruben Klausdorf)

Der 5 bis 6 m mächtige Geschiebemergel überlagert die Eisstauseesedimente. Sie konnten durch Bohrungen an seiner Basis nachgewiesen werden. Der Till selbst ist ausgesprochen schluffig und geschiebearm ausgebildet. Seine Farbe schwankt zwischen gelb und gelblichgrau. Ferner enthält er häufig Linsen, die aus den glazilimnischen Sedimenten bestehen. Dieses wird mit der Aufnahme des liegenden Materials durch das Eis erklärt. Die Größe des Aufschlusses gestattete eine Leitgeschiebeanalyse (Abb. 66, S. 127). Die lokale Eisbewegungsrichtung wurde von NNE nach SSW bestimmt (Abb. 90, S. 177).

Tab. 16: Kurzergebnis Kleingeschiebezählung Klaus1

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

35,4%

45,0%

0,3%

0,3%

4,1%

1,7%

8,9%

2,4%

1,7%

291

0

Alle Geschiebemergelproben aus den Klausdorfer Tongruben (Klaus1 – 4) besitzen Geschiebespektren, welche für die Saalevereisung typisch sind (hoher Anteil an Paläozoischem Kalkstein und/oder deutlicher Dolomitgehalt). Dies gilt auch die Geschiebemergel, die in die glazilimnischen Sedimente eingearbeitet wurden (Klaus 2 – 4).


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Abb. 90: Ergebnis der Geschiebeeinregelungsmessung Klausdorf

Sedimente, die als weichselzeitlich eingestuft werden, konnten in den Tongruben nicht nachgewiesen werden. Da sich die Stauchungen unter dem als saalezeitlich eingestuften Till befinden, sind alle beobachteten Sedimente und Sedimentstrukturen demnach älter als die jüngste Vereisung.

6.1.3  Die Tongruben am Streganzberg bei Prieros

TK 25 Blatt 3748 Friedersdorf H 5785 865 R 5417 910

In den Tongruben bei Prieros wurden Bändertone und -schluffe abgebaut, die mit Beckensanden wechsellagern. Die geologischen Verhältnisse sind aufgrund der starken Störungen in den glazilimnischen Sedimente kompliziert.

Die Sedimente lagern in der westlichen Grube teilweise extrem gestaucht. Bändertone und -schluffe wurden in saigerer Lagerung vorgefunden. Das Streichen der Schichten wurde mit SE – NW (genau 130°) bestimmt. Es spricht für die Dimension der Störungen, dass in nur 3 m Entfernung zum Aufschluss in Abb. 57 (S. 116) keine Tone oder Schluffe erbohrt wurden, sondern bis in 7 m Tiefe nur Beckensande. Außer durch Stauchungen wurden die Bändertone auch synsedimentär verformt. Die wickelartigen Strukturen in den Ablagerungen sind älter [Seite 179↓]als die Stauchung und werden als load cast gedeutet. Die glazilimnischen Sedimente werden im Südteil der Gruben von einem schluffigen, grauen Till überlagert, der in seinen hangenden Bereichen – unterhalb des Bodens – sandig ausgebildet ist. Trotz der unterschiedlichen Lithologie besaßen alle Proben (Streganz2 bis 4) ein ähnliches Kleingeschiebespektrum bei hohen Gehalten an Paläozoischem Kalkstein.

Tab. 17: Kurzergebnis Kleingeschiebezählung Streganz2

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

33,3%

43,7%

0,9%

1,2%

6,1%

0,2%

10,6%

3,7%

0,3%

1401

310

Am nördlichen Grubenrand bildet nicht Till das Hangende der Beckensedimente, sondern Sande und Grobschluffe, die keinerlei Stauchung zeigen. Während es nicht möglich ist, diese Ablagerungen eindeutig der Saale- bzw. der Weichselvereisung zuzuordnen, gilt das saalezeitliche Alter des Tills, der glazilimnischen Sedimente und ihrer Stauchung als sicher. Nachweisbar weichselzeitliche Sedimente konnten in den Tongruben bei Prieros nicht festgestellt werden.

6.1.4 Die Tongrube am Pichersee bei Köthen

TK 25 Blatt 3948 Oderin H 5771 120 R 5418 430

Am Nordabhang der Krausnicker Berge, etwa 1km südlich des Köthener Dorfplatzes, befindet sich direkt am Pichersee eine seit Jahrzehnten auflässige Tongrube. Die Grube, 1 km nördlich der Brandenburger Eisrandlage gelegen, stellt innerhalb der Krausnicker Berge das einzige oberflächlich anstehende Vorkommen nicht sandiger Sedimente dar. Gegenstand des Abbaues waren glazilimnische Sedimente und der hangende Geschiebemergel. Der tonige, blaugraue Till wird mit Vorbehalt als saalezeitlich eingestuft, da der Quarzanteil in beiden Proben (Picher1 und 2) erhöht war. Dennoch wird aufgrund seiner Lithologie und seines deutlichen Dolomitgehaltes der Geschiebemergel in die Saalevereisung gestellt.

Tab. 18: Kurzergebnis Kleingeschiebezählung Picher2

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

40,2%

28,7%

2,2%

0,7%

2,8%

0,5%

9,8%

9,9%

5,4%

869

3

Das Liegende des Tills bilden glazilimnische Sedimente, die im Unterschied zu den Tongruben von Klausdorf und Prieros ungestaucht sind (Abb. 91, S. 178).


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Abb. 91: Aufschluss Picher1 – Strömungsrippeln quer zur Fließrichtung

Dies erstaunt um so mehr, da die Krausnicker Berge einen saalezeitlich angelegten Stauchungskomplex darstellen.

Die gute Erhaltung der vorgefundenen Strömungsrippeln erlaubte die Rekonstruktion der Schüttungsrichtung von NNW nach SSE, in Richtung auf die Krausnicker Berge. Die Krausnicker Berge hat es demnach zum Zeitpunkt der Entstehung der glazilimnischen Sedimente nicht oder zumindest nicht in ihrer heutigen Form gegeben. Dies erscheint plausibel, da die Entstehung des Stauchungskomplexes von HANNEMANN (1965) in die jüngere Saalevereisung gestellt wird.

Am Anstieg zu den Krausnicker Bergen wird der Geschiebemergel von schnell mächtiger werdenden glazifluvialen Sanden überlagert. Ihre Zugehörigkeit zur Saale- oder Weichselvereisung kann nicht geklärt werden.

6.1.5  Die Kiesgrube Ruhlsdorf

TK 25 Blatt 3844 Hennickendorf H 5778 450 R 4579 180

Etwa 1 km nordwestlich von Ruhlsdorf bei Luckenwalde befindet sich die Kiesgrube Ruhlsdorf. Sie liegt im Südteil der Hennickendorfer Platte, etwa 3 km von der Brandenburger Eisrandlage entfernt in ihrem Rückland.


[Seite 181↓]

An der Basis des Profiles wurde durch Aushubarbeiten ein mehr als 8 m mächtiger toniger Till freigelegt (Abb. 92, S. 179). Im Südteil der Grube steht er unter geringer Sandbedeckung knapp unter der Erdoberfläche an. Im Liegenden blaugrau, nimmt der Geschiebemergel zum Hangenden eine rotbraune Färbung an. Der oberste Meter wurde entkalkt. Die farblichen Unterschiede sind sekundärer Natur. Sie werden auf den Grundwasserstand zurückgeführt.

Tab. 19: Kurzergebnis der Kleingeschiebezählung Ruhls1

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

39,8%

35,6%

2,7%

0,4%

4,4%

0,0%

6,8%

6,4%

3,8%

703

89

Abb. 92: Der untere Geschiebemergel in der Kiesgrube Ruhlsdorf

Beide Bereiche des Tills besitzen ein saalezeitliches Geschiebespektrum (Proben Ruhls1 und 2). In der liegenden Probe Ruhls1 kann aus den leicht erhöhten Anteilen an Quarz und Nordischem Kristallin eine Kontamination mit liegendem Material abgeleitet werden.

Die Einregelungsmessung ergab eine lokale Eisbewegung aus N bis NNE (Abb. 93, S. 180). Dieser Wert liegt nördlicher als der für den ebenfalls saalezeitlich eingestuften Till in den Klausdorfer Tongruben.

Innerhalb der Kiesgrube taucht der liegende saalezeitliche Till allmählich nach Nordosten ab.


[Seite 182↓]

Abb. 93: Ergebnis der Geschiebeeinregelungsmessung Ruhlsdorf

Abb. 94: Eiskeilpseudomorphose in den liegenden Sanden der Kiesgrube Ruhlsdorf


[Seite 183↓]

Der Till wird von Kiessanden überdeckt, die weitgehend söhlig lagern. Stauchungen oder andere großdimensionierte Störungen fehlen. Eine Ausnahme bilden die in den Sanden hervorragend ausgebildeten Eiskeilpseudomorphosen (Abb. 94, S. 180). Sie wurden mit mehr als 2 m Länge ergraben und dokumentiert. An ihren Rändern fanden sich die typischen gestaffelten Abschiebungen, die beim Ausschmelzen des Bodeneises entstanden. Die Eiskeile erreichen nicht die Erdoberfläche. Sie werden etwa 2–3 m unterhalb von groben bis sehr groben Schmelzwassersedimenten gekappt (Abb. 95).

Abb. 95: Das Profil an der Nordwand der Kiesgrube Ruhlsdorf

Die Basis der groben Ablagerungen bildet eine Steinsohle als glazifluvialer Aufarbeitungshorizont. Sie enthält 30,7 % windgeschliffener Geschiebe (siehe Tab. 20 S. 181). Der Wert liegt höher als der aus einer benachbarten „normalen“ periglazialen Steinsohle knapp unterhalb der Erdoberfläche (16,5 %).

Die windkanterführende Steinsohle unter den groben glazifluvialen Sedimenten wird als Relikt der periglazialen Landoberfläche gedeutet, die vor dem weichselzeitlichen Inlandeisvorstoß existiert hat. Die liegenden glazifluvialen Sande können dadurch als saalezeitlich eingestuft werden, die hangenden Kiese als weichselzeitlich.


[Seite 184↓]

Tab. 20: Ergebnisse der Zählungen windgeschliffener Geschiebe aus der Kiesgrube Ruhlsdorf

Probe:

Steinsohle unter Geschiebemergel

„normale“ periglaziale Steinsohle

windgeschliffen gesamt

30,7%

16,5%

reif

1,5%

0,0%

unreif

8,8%

2,2%

initial

20,4%

14,4%

ohne Schliffmerkmale

69,3%

83,5%

Anzahl der Geschiebe

137

139

Im Hangenden der Kiese folgen geringmächtige Sande und der lückenhaft vorhandene weichselzeitliche Till. In seinem Liegenden fehlen Stauchungen. Der graue, etwa ein Meter mächtige Till ist extrem sandig. Sein Kleingeschiebespektrum wird vom Nordischen Kristallin und Quarz beherrscht (Probe Ruhls3).

In Teilen des Aufschlussprofils wird der obere Till von geringmächtigen glazifluvialen und äolischen Sanden überlagert. Der Till wurde bereits größtenteils entkalkt. Es bildeten sich im Till und in den Sanden Frosttaschen und Tropfenböden (Abb. 96).

In der Kiesgrube Ruhlsdorf wird die morphologische und geologische Wirksamkeit des weichselzeitlichen Eisvorstoßes als äußerst gering eingestuft.

Abb. 96: Tropfenboden in der Nordwand der Kiesgrube Ruhlsdorf (Höhe des Ausschnittes ca. 1,2 m)


[Seite 185↓]

6.1.6  Ergebnisse der Kleingeschiebeanalysen im Hangenden des Sperenberger Gipshutes

TK 25 Blatt 3846 Wünsdorf H 5779 100 R 4594 400

Im Jungmoränenland südlich Berlins nimmt der Sperenberger Gipshut als einziges Festgesteinsvorkommen innerhalb des Arbeitsgebietes eine Sonderstellung ein.

Abb. 97: Der Sperenberger Gipsberg

An den nicht mehr genutzten Gipsbrüchen haben sich stellenweise noch Wände im hangenden Geschiebemergel erhalten. Am Entnahmepunkt der Proben Sper1 und 2, im Westen des Gipsberges, steht ein gelblichgrauer, sandiger Geschiebemergel an. Am Bruch 2 wurden die Proben systematisch vom Liegenden zum Hangenden entnommen (Abb. 98, S. 184). Die unteren Proben bis Sper5 stammen aus einem rotbraunen, relativ tonigen Till. Sper6 wurde einem sandigeren, aber nach wie vor rötlichem Mergel entnommen. Der Till, dem die Probe Sper7 entstammt, steht nur in den oberen 1,5 bis 2 m des Profiles an. Dieser Geschiebemergel ist grau, sehr sandig und weist Schichtungen auf, die seine Genese als meltout till belegen.

Insgesamt lassen sich am Sperenberger Gipsberg zwei deutlich voneinander unterscheidbare Kleingeschiebespektren nachweisen. Es ist dabei erstaunlich, dass sich in keiner Tillprobe Gipsgeschiebe fanden, auch in den Proben nicht, die unmittelbar über der Gipsoberfläche entnommen wurden (Sper2, 3 und 4).


[Seite 186↓]

Abb. 98: Entnahmepunkte der Geschiebemergelproben am Sperenberger Gipsbruch 2

Tab. 21: Kurzergebnisse der Kleingeschiebezählungen Sper1, Sper6 und Sper7

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

50,5%

23,2%

0,3%

1,0%

5,5%

1,7%

9,2%

7,1%

1,4%

1180

26

38,1%

37,2%

2,9%

1,0%

6,3%

1,5%

9,1%

3,2%

0,7%

1363

6

42,6%

32,1%

0,0%

1,0%

5,1%

1,3%

9,3%

7,3%

1,4%

1463

26

Die Geschiebespektren der Proben Sper3 bis 6 unterscheiden sich nur gering voneinander. Sie sind reich an Paläozoischem Kalkstein und besitzen einen deutlichen Dolomitgehalt (mehr als 1 %). Der Till, der den Hauptanteil des Profiles am Bruch 2 einnimmt, wird in die Saalevereisung gestellt. Der auf dem Foto in Abb. 98 gut sichtbare Übergang vom tonigen zu einem mehr sandigen Geschiebemergel zwischen den Proben Sper5 und 6 äußert sich nicht im Kleingeschiebebestand.

Erst die oberste Probe Sper7 besitzt eine deutlich abweichende Zusammensetzung. Ein ähnliches Spektrum fand sich auch am Rande des Gipsberges bei deutlicher Zunahme der Tillmächtigkeit (Proben Sper1 und 2). Die sandigen Geschiebemergel besitzen ein quarzreiches Spektrum. Aufgrund der Stratigraphie im Gelände und im [Seite 187↓]Vergleich mit anderen Proben wird der obere, quarzreiche Geschiebemergel auf dem Sperenberger Gipshut als weichselzeitlich eingestuft. Der Autor ist sich der Unsicherheiten bei der Einstufung bewusst, da kein sicher weichselzeitliches Kleingeschiebespektrum auftrat. Dieses trifft aber auch auf andere, sicher weichselzeitliche Tillproben zu, z.B. auf den oberen Till der Kiesgrube Ruhlsdorf.

Der Sperenberger Gipsberg, der seine Umgebung um 30 bis 40 m überragt, wurde während der Weichselvereisung vollständig vom skandinavischen Inlandeis überfahren. Da der Weichselmaximalvorstoß mehr als 10 km über den Gipsberg hinaus nach Süden vorstieß, ist es unwahrscheinlich, dass der Berg den jüngsten Gletscher als Nunatak überragte. Eine Strompfeilerwirkung des Gipsberges auf das weichselzeitliche Eis wird aber angenommen. Es ist kein Zufall, dass am Gipsberg die Brandenburger Eisrandlage stark nach Norden zurückspringt.

6.1.7  Die Tongrube Glienick

TK 25 Blatt 3746 Zossen H 5790 600 R 4594 200

Die Tongrube bei Glienick (slawisch für Lehm, Ton), 12 km nördlich von Sperenberg, liegt deutlich tiefer im Rückland der Brandenburger Eisrandlage als der Sperenberger Gipsberg. Glienick liegt zentral auf der nach ihm benannten Hochfläche (siehe beiliegende Karte „Die Glienicker Platte“), die zu den größten Platten des Arbeitsgebietes gehört. Sie wirkt aber nicht annähernd so geschlossen und erreicht auch bei weitem nicht das Höhenniveau der benachbarten Wünsdorfer Platte. Besonders in ihrem Westteil liegt das Hochflächenniveau nur unwesentlich über dem des Talsandes, so dass die Niederungsgebiete buchtartig in die Hochfläche hineingreifen. Schildartig steigt die Hochfläche nach Osten bis zum Paulsberg bei Glienick auf 70 m ü. NN an. Der Glienicker und der Thyrower Weinberg überragen als Einzelberge das gering bewegte Plateau bis zu 35 m. Der Ostrand der Platte ist scharf ausgebildet. Es handelt sich jedoch nicht um eine glazifluviale Unterschneidungskante des Urstromes, sondern um den Einschnitt der Glazialen Rinne des Mellensees. Bei Dabendorf existiert östlich der Rinne ein kleiner Hochflächenrest, der durch die Tätigkeit der Rinne von der Glienicker Platte abgetrennt wurde.


[Seite 188↓]

Abb. 99: Gestauchter Ton in der Tongrube Glienick

Im Gegensatz zu den anderen Tongruben im Arbeitsgebiet steht in der Glienicker Tongrube wirklich Ton bzw. Feinschluff an (siehe LINKlink, S. 49). Dabei bildet der Ton das Liegende des Profiles. Er ist dunkelgrau bis graublau und wirkt aus der Entfernung massig. Bei detaillierter Betrachtung erkennt man die Spuren einer kräftigen Stauchung, die die ursprüngliche Schichtung des Tones fast zerstört hat. Zum Teil ist der feingeschichtete Ton in grobe, zenti- bis dezimetergroße Klasten zerlegt worden, die in einer ungeschichteten tonigen Matrix „schwimmen“. Ganz vereinzelt finden sich Kleingeschiebe bis Zentimetergröße.

Im Aufschlussprofil im Südteil der Grube bildet die Oberfläche des Tones eine etwa 50 m messende Mulde (siehe Abb. 58, S. 117). Dort wird der Ton von 2 bis 5 m [Seite 189↓]mächtigen glazifluvialen/glazilimnischen Sanden und Grobschluffen überlagert, die ebenfalls deutlich gestaucht sind. Abgeschlossen wird die Muldenfüllung von einem grauen, tonigen Till mit einem saalezeitlichen Geschiebespektrum (Probe Glien2).

Abb. 100: Gestörte Grobschluffe und Sande im Liegenden des unteren Geschiebemergels (Tongrube Glienick)

Diese Folge wird diskordant von ungestörten, 2–3 m mächtigen glazifluvialen Sanden und dem oberen Geschiebemergel überlagert (Abb. 63, S. 121).

Der obere Till, gelblichgrau und sandig ausgebildet, bildet eine etwa 2 m mächtige Decke. Der Till wird von geringmächtigen ungeschichteten Sanden überlagert. In diesen Sanden hat sich der spätglazial-holozäne Boden entwickelt, eine heute meist gekappte Parabraunerde.

Die Kleingeschiebestatistik kann für den oberen, sicher weichselzeitlichen Till nur unscharfe Hinweise auf sein Alter geben (Proben Glien1 und 3). Einmal mehr verhindert der hohe Anteil an widerständigem Material die zeitliche Zuordnung. Die Probe Glien3 zeigt mit einem deutlich erhöhten Anteil an Paläozoischen Schiefern bereits Eigenschaften des weichselzeitliches Kleingeschiebespektrums.

Für die Interpretation der Plattengenese im Arbeitsgebiet besitzt das Glienicker Profil [Seite 190↓]eine große Bedeutung. Aufgrund der ungestörten glazifluvialen Sande zwischen dem oberen und dem unteren Till können die kräftigen Stauchungen im Untergrund sicher in die Saalevereisung datiert werden. Das weichselzeitliche Inlandeis hat das Gebiet um Glienick lediglich überfahren, ohne dabei größere Wirkungen zu hinterlassen.

6.1.8 Die Sandgrube am Lindenberg bei Jühnsdorf

TK 25 Blatt 3746 Zossen H 5796 560 R 4593 670

Am Nordhang des Lindenberges bei Jühnsdorf stehen in einer Grube die Sande und Kiese des Berliner Elbelaufes (nach GENIESER 1955) an. Sie wirken ungestaucht, liegen aber deutlich höher als die unbeeinflussten gleichaltrigen Sedimente. Sie enthalten neben einem sehr hohen Anteil an Quarzgeröllen die charakteristischen „Südlichen Geschiebe“ wie Achate und schwarze Lydite, die auch in jüngeren glazifluvialen und glazigenen Ablagerungen des Gebietes oft gefunden werden. Der am Nordrand der Kiesgrube anstehende sandige Geschiebemergel besitzt ein sicher weichselzeitliches Geschiebespektrum, welches in der nur 6 km südlich gelegenen Tongrube Glienick nicht mehr auftritt (Probe Linde1).

6.1.9  Der Aufschluss an der Erdgasleitung zwischen Egsdorf und Töpchin

TK 25 Blatt 3847 Teupitz H 5780 580 R 5403 595

Die Egsdorfer Berge sind eine typische Hochfläche im Rückland der Brandenburger Eisrandlage (Abb. 101, S. 3). Fast ohne geschlossene Hohlformen besitzt sie ein ausgeprägtes, flachwelliges Plateau. Einzige Besonderheit war eine eingestauchte tertiäre Braunkohlenscholle, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut wurde.

Der Bau der Erdgasleitung legte knapp über der Grabensohle am Punkt HuM4 (Abb. 101) zum Teil intensiv gestauchte glazilimnische Sedimente frei (Abb. 102, S. 4). Die Stauchungen streichen fast genau in Ost-Westrichtung (93°), mit einem Einfallen nach Norden. Die Sedimente bestehen meist aus Feinsanden bis Grobschluffen, in die auch Geschiebemergel eingearbeitet wurde. Sie tauchen nach Südwesten unter das Niveau der Grabensohle ab und werden am Punkt HuM3 von einem rotbraunen Geschiebemergel überlagert. Bohrungen bis 3,5 m unter die Grabensohle wiesen im Liegenden des Tills die glazilimnischen Sedimente nach. Sowohl die gestauchten Eisstauseesedimente als auch der untere Till werden von etwa 3 m mächtigen, ungestörten glazifluvialen Sanden und Feinkiesen überlagert, die als Vorschüttbildungen des jüngsten, weichselzeitlichen Inlandeises interpretiert werden.


[Seite 191↓]

Abb. 101: Die Egsdorfer Berge

Abb. 102: Gestauchte saalezeitliche Sedimente im Liegenden ungestörter weichselzeitlicher Vorschüttsande (Erdgastrasse zwischen Egsdorf und Töpchin)


[Seite 192↓]

Die Vorschüttsande sind meist horizontal geschichtet, weisen aber auch Schrägschichtungen auf, die eine Schüttung nach Südwest (220°) anzeigen. Zwischen den Punkten HuM3 und HuM1/2 bilden die glazifluvialen Sande eine flache, etwa 3 m tiefe Mulde. In dieser Mulde hat sich lokal der obere, sehr sandige Till erhalten (Abb. 103). Bis auf geringe Reste an seiner Basis wurde er entkalkt.

Das Profil besitzt Ähnlichkeiten zum 18 km entfernten Profil der Tongrube Glienick. Hier wie dort stehen im Untergrund gestauchte glazilimnische Sedimente an, die der saalezeitliche Till überlagert. Die ungestörten Sande zwischen dem saale- und dem weichselzeitlichen Geschiebemergel belegen, dass der jüngste Eisvorstoß keine stauchende Wirkung besaß. Auch hier weist der obere, weichselzeitliche Till ein quarzreiches Geschiebespektrum auf (Proben HuM1 und 2).

Abb. 103: Der in einer Mulde erhaltene obere Till an der Erdgastrasse zwischen Egsdorf und Töpchin

Anders als in der Tongrube Glienick besitzt der untere Geschiebemergel (Probe HuM3) kein PK-reiches, sondern ein NK-reiches Spektrum. Der in die glazilimnischen Ablagerungen eingestauchte Till (HuM4) ähnelt in seinem Spektrum zwar der Probe HuM3, erweist sich aber aufgrund des hohen Quarzgehaltes als nicht auswertbar.

Der obere Till tritt hier nicht als Decke, sondern lediglich als Muldenfüllung auf.


[Seite 193↓]

6.1.10  Die Kiesgrube Pätz

TK 25 Blatt 3747 Teupitz H 5786 000 R 5408 500

Die Kiesgrube am Südrand der Pätzer Platte ist aufgrund ihrer Großsäugerfunde aus dem „Rixdorfer Horizont“ bekannt. Die Pätzer Platte selbst besitzt das typische Inventar einer Hochfläche nördlich der Brandenburger Eisrandlage. Größtenteils eben bis flachwellig ausgebildet, zerschneidet von Liepe bis zum Paddenpfuhl eine undeutlich ausgebildete Rinne die Platte (Abb. 104). Sie berührt in ihrem Randbereich die Kiesgrube.

Abb. 104: Die Pätzer Platte


[Seite 194↓]

Im Süden der Platte ragen drei Erhebungen isoliert hervor. Die zentrale Erhebung fiel bereits größtenteils dem Sandabbau zum Opfer. Ursprünglich ragte sie bis über 78 m ü. NN auf. Gegenwärtig werden maximal 75 m ü. NN erreicht. Auffällig ist die Ausrichtung der drei Berge von Ostsüdost nach Westnordwest. Sie wurden daher von SCHOLZ (1962) der Rückzugsstaffel 2 im Rückland der Brandenburger Eisrandlage zugeordnet. Im Westteil der Kiesgrube Pätz wird der innere Bau solch einer isolierten Erhebung aufgeschlossen.

Die älteste Ablagerung innerhalb der Kiesgrube ist ein blaugrauer, toniger Till. Er steht eng begrenzt im Niveau der Grubensohle (37 m ü. NN) zwischen den Punkten Pätz2/4-1 und 3/4-2 (Abb. 104, S. 6) an und wird bis zu 5 m mächtig. Sein PK-reiches, saalezeitliches Geschiebespektrum belegt eine nordöstliche Herkunft des Inlandeises (Proben Pätz4-1 und 4-2). Ein Till mit vergleichbarem Spektrum wurde beim Bau der Erdgasleitung etwa 1 km nordwestlich der Kiesgrube aufgeschlossen (Probe Gas). Die Einregelungsmessung der Geschiebe unterstützt die nordöstliche Herkunft des Gletschers (Abb. 105, S. 7).

Abb. 105: Geschiebeeinregelung Pätz – unterer Till


[Seite 195↓]

Der untere Till wird in der Grube direkt vom oberen, weichselzeitlichen überlagert und ermöglicht so einen guten Vergleich der – bei ähnlicher Genese – sehr verschieden ausgebildeten Ablagerungen.

Abb. 106: Direkter Kontakt zwischen saale- und weichselzeitlichem Till in der Kiesgrube Pätz

Der untere Till ist blaugrau und tonig, der obere gelblichgrau und sandig. Der Übergang zwischen beiden Mergeln ist nicht scharf, sondern in einer etwa 50 cm breiten hellgrauen Zone fließend ausgebildet (siehe Abb. 106). Sie vermittelt in ihren Eigenschaften zwischen den beiden Mergeln und kann mit der Aufarbeitung des unteren Saaletills durch das weichselzeitliche Inlandeis erklärt werden.

Zwischen den Punkten Pätz2/4-1 und 3/4-2 ist der obere, weichselzeitliche Geschiebemergel in einer Muldensituation mit 7 m außergewöhnlich mächtig ausgebildet (siehe auch Abb. 59, S. 118). Aus den Aufschlussverhältnissen in der Kiesgrube wird eine Ausrichtung der Mulde von Nordnordost nach Südsüdwest sichtbar. Sie verläuft parallel zur undeutlich ausgebildeten Rinne, die die Pätzer Platte durchschneidet und wird in einen engen genetischen Zusammenhang mit dieser gestellt. Die Mulde, die der obere Till fast vollständig ausfüllt, wird als eine verfüllte Glaziale Rinne gedeutet.

Der obere Till ist in den hangenden 4 Metern deutlich geschichtet (siehe Abb. 62, S. 120). Meist sind sandige, vereinzelt auch schluffige Schichten eingelagert. Sie [Seite 196↓]belegen die Genese als meltout till stagnierenden Eises. Die große Mächtigkeit des oberen Geschiebemergels in der Rinne kann gut mit dem von EHLERS (1994 nach DREWRY 1986) beschriebenen Mechanismus erklärt werden, nach dem ein meltout till in Muldensituationen deutlich mächtiger ist als außerhalb davon.

Die Kleingeschiebespektren des oberen Tills, die sowohl aus dem lodgement als auch aus dem meltout till stammen, besitzen meist eine unsichere weichselzeitliche Zusammensetzung bei hohen Quarzgehalten (Proben Pätz2, 5 und 6). Die Gehalte an Paläozoischem Schieferton sind zwar erhöht, erreichen aber mit einer Ausnahme (Pätz3) nicht die für eine sichere Zuordnung notwendigen NK/PS-Werte von < 6.

Abb. 107: Geringmächtiger weichselzeitlicher Till in der Kiesgrube Pätz

Die anderen Vorkommen des oberen Tills in der Kiesgrube sind mit dem des Aufschlusses an der Erdgasleitung bei Egsdorf (Kap. 6.1.9, S. 3) vergleichbar. Es handelt sich um 3 geringmächtige (< 2 m) Geschiebemergellinsen am Nord- und Weststoß der Grube. Der weitgehend entkalkte Till lagert knapp unterhalb der Erdoberfläche und wird teilweise von geringmächtigen glazifluvialen und periglazialen Sanden überlagert. Im Kleingeschiebebestand der geringmächtigen Tillvorkommen hat sich mehr widerständiges Material angereichert, so dass die Proben Pätz1 und 7 nicht auswertbar waren.


[Seite 197↓]

Abb. 108: Geschiebeeinregelung Pätz – oberer Till

Ein widersprüchliches Ergebnis zeigt die Messung der Geschiebeeinregelung im oberen Till. Es wurde sowohl im mächtigen Till, der die Glaziale Rinne verfüllt, als auch in einer geringmächtigen Linse über den Sanden gemessen. Die Einregelung der Geschiebe in den gleichaltrigen Sedimenten unterschied sich erheblich. Mit 33,9° weicht die lokale Bewegungsrichtung des mächtigen Tills erheblich von der Herkunftsrichtung der Großgeschiebe ab. Dass die Rinne die lokale Bewegungsrichtung des Eises beeinflusste ist möglich.

Die geringmächtige Tilllinse außerhalb der Rinne zeigt gut die zu erwartende nördliche Richtung mit einer schwachen östlichen Komponente an.

Die Geschiebemergellinsen überlagern in der Kiesgrube sehr mächtige (bis zu 35 m) weichselzeitliche Vorschüttsedimente. Die chronostratigraphische Zuordnung der Sande und Kiese kann durch den „Rixdorfer Horizont“ im Bereich der Grubensohle [Seite 198↓]belegt werden. Der Horizont selbst, dessen genaue Genese nach wie vor Rätsel aufgibt, wurde durch die Abbauarbeiten wiederholt kurzzeitig aufgeschlossen.

Abb. 109: Grobkiese und kleinere Blöcke im „Rixdorfer Horizont“ der Kiesgrube Pätz

In die hangenden Vorschüttsande sind sowohl grobschluffige als auch kiesige Lagen eingestreut. Ein in die Sande etwa 20 m unter ihrer Oberkante eingelagerter flow till belegt, dass die Vorschüttsedimente bei relativ nahem Eisrand und hoher Sedimentationsrate gebildet wurden. Der nur etwa 40 cm mächtige und in einer 10 m breiten Linse erhaltene flow till besitzt eine interne Schichtung und Rutschungsflächen. Er stimmt in seiner lithologischen Zusammensetzung eher mit dem oberen als mit dem unteren Till überein. Die Feinkiesanalyse unterstützt diese Zuordnung (Probe Pätz8).

Die mächtigen Vorschüttsande lagern in der Kiesgrube zum Teil kräftig gestört. Damit bilden sie innerhalb des Arbeitsgebietes eine Ausnahme. Die mit dem Abbau ständig wechselnden Aufschlussverhältnisse zeigten in den Sanden mehrere Störungsarten, die auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden.

Im Bereich der verfüllten Rinne zeigen die liegenden Sande kräftige Lagerungsstörungen, die auf Rutschungen zurückgeführt werden.


[Seite 199↓]

Abb. 110: Im Bereich der Rinne vom oberen Till gekappte Ab-schiebungen in den liegenden Sanden (Kiesgrube Pätz)

Nach dem Einschneiden der Rinne rutschten die benachbarten Sandpakete in die Rinne ab und leiteten ihre Verfüllung ein. Festgestellt wurden im Bereich der Rinne sowohl flexur- als auch frakturartige Störungen, meist Abschiebungen.

Auf dem Foto in Abb. 110 kappt der obere Till im Bereich der Rinne die Abschiebungen und ist eindeutig jünger als diese. Die Verschleppung der Störung unmittelbar im Liegenden des oberen Geschiebemergels ist ein Beleg für die im Bereich der Rinne geringe stauchende Wirkung des jüngsten Inlandeises. Im Bereich der Rinnenflanke wurden durch die Rutschungen mächtige Sandpakete schräggestellt (Abb. 111, S. 12).

Neben dem flow till wurden in den Sanden auch an anderen Stellen Störungen nachgewiesen, die als synsedimentäre Rutschungen gedeutet werden. Die große Sedimentationsrate der Vorschüttsedimente bedingte eine mangelnde Entwässerung der Ablagerungen, die ihre Verformbarkeit und Anfälligkeit für Rutschungen verstärkt hat. An der Westwand der Kiesgrube wurden Sandpakete von mehreren Dezimetern Mächtigkeit durch Rutschungen gestört. Die liegenden und hangenden Bereiche lagern jeweils ungestört.


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Abb. 111: Gerutschte Sande an der Rinnenflanke im Liegenden des oberen Geschiebemergels (rechts oben) der Kiesgrube Pätz

Abb. 112: Eng gestaffelte Überschiebungen in den weichselzeitlichen Vorschüttsanden der Kiesgrube Pätz


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Häufiger als synsedimentäre Verformungen finden sich, vor allem im Westteil der Grube, frakturelle Störungen in den Sanden. Es handelt sich entweder um Ab- oder um Überschiebungen. Ihre Ursachen sind mehrgestaltig.

Kleinere Störungen werden mit postsedimentären Sackungen erklärt. Der obere Till wurde von diesen Abschiebungen zum Teil mit erfasst. Er ist daher älter(Abb. 107, S. 8). Die räumlich eng begrenzten Störungen erreichen in keinem Falle Sprunghöhen, die 5 cm überschreiten.

Abb. 113: Gestaffelte Überschiebungen (Pfeile) in den weichselzeitlichen Vorschüttsanden der Kiesgrube Pätz

Ein interessantes Phänomen im Westteil der Kiesgrube bildet das System gestaffelter Störungen. Meist handelt es sich um Überschiebungen. Sie zerscheren die Sande dicht, aber mit relativ geringen Versatzbeträgen (Abb. 112 und Abb. 113). Die Intensität der Störungen nimmt zum Hangenden hin deutlich zu, setzt aber mit dem oberen Till aus. Die Sande im Hangenden des oberen Tills wurden kaum gestört. Außerhalb der Tilllinsen, wo die Vorschüttsande unmittelbar die Nachschüttbildungen überlagern, zeichnet das Aussetzen der Störungen die Grenze zwischen den beiden Ablagerungen nach. Das Streichen der Störungen verläuft annähernd von Ost nach West, bei einem Einfallen der Überschiebungsflächen nach Norden. Diese Richtung stimmt gut mit dem Ergebnis [Seite 202↓]der Geschiebeeinregelungsmessung im überlagernden geringmächtigen Till überein.

Die Überschiebungen, die eine Einengung belegen, wurden durch den Druck des weichselzeitlichen Inlandeises erzeugt. Die Kiesgrube Pätz ist damit der einzige Aufschluss innerhalb des Arbeitsgebietes, bei dem die stauchende Wirkung des weichselzeitlichen Inlandeises bis zu 20 m unter die Basis des Gletschers verfolgt werden kann. Die Wirkung des Eises war dennoch moderat, da die Zerscherung mit der Tiefe schnell abklingt und nur Beträge im Bereich von Dezimetern bis wenigen Metern aufweist. Die verglichen mit anderen Aufschlüssen stärkere stauchende Wirkung des Weichseleises wird damit erklärt, dass die mächtigen Vorschüttsande der isolierten Vollform dem vorrückenden Gletscher mehr Widerstand boten als eine ebene oder flachwellige Hochfläche. Bemerkenswert ist das Fehlen flexurartiger Stauchungen. Es wird auf das vollständige Gefrieren der Vorschüttsande unmittelbar nach ihrer Sedimentation zurückgeführt. Beim Überfahren durch den Gletscher konnten sie nur mit Brechung auf den Eisdruck reagieren.

Zusammenfassend wird festgesellt, dass im Unterschied zu den bisher beschriebenen Aufschlüssen die weichselzeitlichen Sedimente in der Kiesgrube Pätz zum Teil Mächtigkeiten von mehr als 35 m erreichen. Der größte Teil entfällt dabei auf glazifluviale Vorschüttsedimente. Der weichselzeitliche Till tritt außer als geringmächtige, lückenhafte Decke auch mächtiger als Füllung einer Glazialen Rinne in Erscheinung. Trotz tiefreichender Beeinflussung muss die Wirkung des jüngsten Inlandeises auf den Untergrund als mäßig eingeschätzt werden.

Auf keinen Fall sind in der Kiesgrube Ablagerungen im Zuge einer Rückzugstaffel aufgeschlossen, da den oberen Geschiebemergel in diesem Fall mächtigere Nachschüttbildungen überdecken müssten. Die von SCHOLZ (1962) beschriebenen Rückzugsstaffeln können zumindest an dieser Stelle widerlegt werden. Die isolierte Einzelerhebung besteht aus weichselzeitlichen Vorschüttsedimenten, die vom jüngsten Inlandeis überfahren wurden.

6.1.11 Die Sandgrube am Nordhang des Madikenberges bei Ahrensdorf

TK 25 Blatt 3845 Woltersdorf H 5785 100 R 4580 190

Die Doppelkuppe des Madiken- und des Steinberges (siehe Abb. 55, S. 114) überragt als isolierte Einzelerhebung markant die umgebenden Talsandniederungen. Am Nordrand des Madikenberges steht in einer verfallenen Sandgrube der stark [Seite 203↓]sandige Geschiebemergel der jüngsten Vereisung an.

Innerhalb der Sandgrube überlagert der Till glazilimnische Ablagerungen, meistens Feinsande, in die 1 bis 3 cm mächtige Schluffschichten eingelagert sind.

Der 2,4 m mächtige Till ist deutlich zweigeteilt. Die liegenden 50–60 cm sind extrem sandig ausgebildet, während der obere Teil noch stark sandig ist. Eine 5 cm breite Zone mit eingelagerten Sandlinsen, trennt die Tillpakete.

Die Kleingeschiebespektren aus beiden Tillpaketen wichen kaum voneinander ab (Proben Madik1 und 2). Sie wiesen einen extremen Quarzreichtum auf. Die Probe Madik1 erreichte mit 31,4 % Quarzgehalt den Maximalwert aller Proben aus dem Jungmoränenland. Der frische Zustand des Tills sowie fehlende Neubildungen belegen, dass die gering widerständigen Komponenten primär fehlen und nicht sekundärer Verwitterung zum Opfer fielen.

Abb. 114: Schurf Madik1


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Abb. 115: Gestauchte Feinsande und Grobschluffe im Liegenden des oberen Geschiebemergels am Madikenberg

Die Mächtigkeit der Stauchungszone unterhalb des weichselzeitlichen Tills beträgt mindestens 80 cm und lag unterhalb der Grubensohle (Abb. 115).

Die Basis des oberen Geschiebemergels steigt in Richtung auf den Madikenberg an. Das wird als ein deutlicher Beleg dafür gewertet, dass die Vollformen des Madiken- und des Steinberges älter sind als die jüngste Inlandeisbedeckung.

6.1.12 Der Aufschluss im Taleinschnitt westlich von Löwendorf

TK 25 Blatt 3745 Trebbin H 5787 510 R 4580 785

Die Löwendorfer Platte beherbergt in ihrem östlichen Teil eine markante Schmalrinne (Abb. 116, S. 17), die die große Reliefenergie des Plateaus noch zusätzlich erhöht. Aufgesetzt auf die Hochfläche überragen die Einzelerhebungen des Löwendorfer und des Kienberges die Landschaft um mehr als 50 m.

Am Ostrand der Rinne hat sich 1,5 km westlich von Löwendorf ein kleines Trockental gebildet (Punkt Müll), wo für den lokalen Bedarf eine Lehmgrube entstand.


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Abb. 116: Die Löwendorfer Berge

Abb. 117: Schurf Müll1


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Der hangende Teil des Profiles wird vom 2 bis 3 m mächtigen oberen Till eingenommen, der in der typischen sandigen, gelblichgrauen Ausbildung auftritt. Das Liegende des Tills bilden grobschluffige glazilimnische Sedimente, die bis 55 cm unterhalb des Geschiebemergels deutliche Stauchungen zeigen. Sie setzen mit einer scharfen Grenze aus. Die Strömungsrippeln im Liegenden zeigen mäßig bewegtes, nach Norden abfließendes Wasser an.

Der massig wirkende Till weist in seinen oberen Bereichen undeutliche Schichtungen auf, die auch hier seine Genese als meltout till belegen. Alle Kleingeschiebeproben besitzen weichselzeitliche Kleingeschiebespektren (Proben Müll1 bis 3), auch wenn bei zwei Proben (Müll1 und 3) die Quarzgehalte erhöht sind.

Tab. 22: Kurzergebnis der Kleingeschiebezählung Müll1

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

37,2%

31,5%

0,0%

4,9%

2,4%

0,2%

13,9%

7,9%

2,0%

495

0

6.1.13 Die Sandgrube am Thyrower Weinberg

TK 25 Blatt 3745 Trebbin H 5787 510 R 4580 785

An der Straße von Thyrow nach Märkisch Wilmersdorf ist am Fuße des Weinberges in einer auflässigen Sandgrube ein sehr sandiger Geschiebemergel aufgeschlossen, der glazifluviale Sande überlagert. Die hangenden Bereiche des 2,2 m mächtigen Tills sind stärker sandig als die liegenden.

Beide Proben aus dem Till sowie die aus einer Baugrube vom westlich benachbarten Thyrower Berg erwiesen sich, ähnlich den Proben vom Madikenberg, als extrem quarzreich (Proben ThyrWein1 und 2 sowie Thyrow1).

6.1.14 Die Kiesgrube Horstfelde

TK 25 Blatt 3746 Zossen H 5789 100 R 4594 600

Die Kiesgrube Horstfelde weist andere Lagerungsverhältnisse auf, als die nur 2 km nördlich liegende Tongrube Glienick. Im Liegenden des oberen Tills sind hier ausschließlich mächtige Sande aufgeschlossen, die als weichselzeitliche Vorschüttsande interpretiert werden. Im Nassbaggerbetrieb werden wahrscheinlich auch ältere Sande und Kiese gewonnen, da das Spülgut reichlich Quarzgerölle und relativ viel südlichen Lydit enthält, die auf den Berliner Elbelauf (nach GENIESER 1955) hindeuten.


[Seite 207↓]

Der obere, sehr sandige Geschiebemergel liegt im Bereich der Kiesgrube als sehr lückenhafte Decke vor, die meist kleinere Muldensituationen ausfüllt (siehe Abb. 60, S. 118). Eng begrenzt schwillt er als Füllung einer morphologisch undeutlichen Glazialen Rinne auf mehr als 7 m Mächtigkeit an. Er besitzt im oberen Teil eine – allerdings undeutliche – Schichtung, mit der er sich als meltout till zu erkennen gibt. Diese Verhältnisse gleichen denen der Kiesgrube Pätz.

Abb. 118: Gestauchte Sande im Liegenden des oberen Geschiebemergels der Kiesgrube Horstfelde

Die liegenden Vorschüttsande besitzen in der Grube eine Mächtigkeit von mindestens 15 m. Sie wurden durch das weichselzeitliche Eis relativ gering beeinflusst. Die Störungen unterhalb des oberen Tills überschreiten an keiner Stelle einen Meter Mächtigkeit. Die gestauchten liegenden Sande in Abb. 118 werden 30 cm unterhalb des Aufschlusses von ungestörten Sanden unterlagert. Der obere, sehr geringmächtige Till spaltet sich am Nordweststoß der Grube in einen liegenden deformation- und einen hangenden lodgement till auf. Der inhomogene deformation till besteht aus verschleppten und intensiv beanspruchten Sanden mit eingelagerten Tilllinsen. Mit scharfer Grenze folgt im Hangenden der massige, gelblichgraue lodgement till. Abgeschlossen wird das Profil von einer teilweise gekappten Parabraunerde.


[Seite 208↓]

Auch innerhalb der Horstfelder Grube besitzt der obere Till kein sicher weichselzeitliches Kleingeschiebespektrum. Alle Proben (Horst1 bis 3) wurden mit widerständigem Material angereichert. Allerdings deutet der erhöhte Gehalt an Paläozoischem Schieferton ein weichselzeitliches Spektrum zumindest an.

6.1.15  Die Kiesgrube Teupitz

TK 25 Blatt 3847 Teupitz H 5777 850 R 5407 125

Die Kiesgrube bei Teupitz befindet sich 2,5 km ostsüdöstlich des Ortes. Ihre Aufschlussverhältnisse ähneln denen in Horstfelde. Auch hier finden sich im Liegenden des oberen Tills Vorschüttsande von mehr als 10 m Mächtigkeit. Vereinzelt sind schluffige und kiesige Lagen eingestreut. Die Sedimente lagern weitgehend ungestört. Lediglich am Nordstoß der Grube fanden sich eng begrenzt Rutschungen. Die Sande liegen meist in Horizontalschichtung vor; es wurden aber auch Schichtpakete mit Rippelschichtung nachgewiesen. Die Schüttungsrichtung der Sande konnte an den Rippeln mit NNE-SSW bestimmt werden.

Der obere Till steht eng begrenzt im südwestlichen Teil der Grube oberflächlich an. Er bildet eine lediglich meterdicke Mulde im Hangenden der Vorschüttsedimente.

Abb. 119: Gestauchte Sande im Liegenden des oberen Geschiebemergels der Kiesgrube Teupitz


[Seite 209↓]

Einmal mehr ist er deutlich geschichtet. Fast das gesamte Tillpaket wird als meltout till angesprochen. Die Stauchungen, zu denen sowohl die Überschiebung als auch plastische Deformationen der Sande gerechnet werden (siehe Abb. 119), klingen im Liegenden des Tills nach 1,5 m aus. Der Till wird von Abschiebungen mit geringen Versatzbeträgen zerschert. Diese sind eindeutig jünger als der Till und werden auf postsedimentäre Sackungsbewegungen zurückgeführt. Der Till besitzt ein sicher weichselzeitliches Kleingeschiebespektrum.

6.1.16 Schurfgruben östlich von Scharfenbrück

TK 25 Blatt 3845 Woltersdorf H 5777 725 R 4588 875 (Schurf SB6)

Im Rahmen der forstlichen Standortkartierung wurden auf dem ehemaligen russischen Truppenübungsplatz Kummersdorf-Gut Schurfgruben zur Einschätzung der Bodenfruchtbarkeit niedergebracht. Sie befanden sich im Südteil der Kummersdorfer Platte im Übergangsbereich zum Baruther Urstromtal.

Die Kummersdorfer Platte hebt sich morphologisch von allen größeren Platten im Arbeitsgebiet am wenigsten von den umgebenden Talsandgebieten ab. Umgekehrt liegt sie sogar zum Teil tiefer als das südlich sich anschließende Baruther Urstromtal. Weitgehend eben bis flachwellig ausgebildet, stehen meist sandige Sedimente an der Oberfläche an, die eine genaue Abgrenzung zu den umgebenden Urstromtalungen erschweren.

Die acht Schürfe wurden auf unterschiedliche Standorte innerhalb des Truppenübungsplatzes verteilt. Meist wurden glazifluviale (Abb. 120, S. 22, Schurf SB1) oder äolische Sedimente (Abb. 121, Schurf SB4) ergraben. Ein Schurf im Niederungsbereich legte anmoorige Ablagerungen frei. Von großer Bedeutung erwies sich die Schurfgrube SB6 (Abb. 122, S. 24). Sie legte einen 1,8 m mächtigen Geschiebelehm frei, der glazifluviale Sande überlagert. Sie wurden durch eine Bohrung im Liegenden des Tills nachgewiesen.

In unmittelbarer Umgebung der Schurfgrube stand gelblichgrauer, sandiger Geschiebemergel an. Auch wenn sich die Probe (Probe SB) aufgrund der Anreicherung mit widerständigem Material als nicht auswertbar erwies, so kann doch aus dem Kontext auf einen weichselzeitlichen Till geschlossen werden. Damit wird die Genese der Kummersdorfer Platte als tiefliegende „Hochfläche“ begründet.


[Seite 210↓]

Abb. 120: Schurf SB1

Abb. 121: Schurf SB4


[Seite 211↓]

Abb. 122: Schurf SB6

Abb. 123: Schräggeschichtete, gekappte aber ungestörte Sande im Liegenden des oberen Tills (Baustelle A113 bei Kiekebusch/Teltowplateau)


[Seite 212↓]

6.1.17  Der Aufschluss an der Baustelle der A113 bei Kiekebusch

TK 25 Blatt 3647 Zeuthen H 5802 600 R 5401 550

Der Ausbau des Schönefelder Autobahnkreuzes ermöglichte bei Kiekebusch, 1,5 km nördlich des Kreuzes, einen guten Einblick in die Lagerungsverhältnisse des weichselzeitlichen Geschiebemergels und der unterlagernden Sedimente im südlichen Teil des Teltowplateaus.

Der obere, weichselzeitliche Till bildet nördlich der Straße Zeuthen – Kiekebusch eine ausgedehnte Decke, die ungestörte glazifluviale Sande überlagert (Abb. 123, S. 24). Der sandige Till besitzt mit seiner gelblichgrauen Farbe die typischen Eigenschaften des oberen Geschiebemergels im Jungmoränenland südlich Berlins.

Die Schichtung der liegenden Sande wird bei Schrägschichtung scharf vom hangenden Till gekappt, während bei horizontalgeschichteten Sanden der Übergang eher konkordant wirkt. Die Kappung der Schichten belegt die Aufnahme des liegenden glazifluvialen Materials durch das Inlandeis. In den Sanden fanden sich vereinzelt Geschiebemergellinsen, die als flow till gedeutet werden. Sie entsprechen in ihrer lithologischen Ausbildung dem überlagernden Till und belegen die Genese der Sande als Vorschüttbildungen. Das völlige Fehlen von Stauchungen und die scharfe Kappung der Vorschüttsande wird mit dem vollständigen Gefrieren derselben begründet, was eine Deformation unmöglich machte.

Der Till, durchschnittlich 2 m mächtig, besitzt in seinem oberen Meter die sehr deutliche Schichtung eines meltout tills (Abb. 124, S. 26). Die Schichtungen gehen in erster Linie auf die Einlagerung sandiger Sedimente zurück. Die sandigen Einlagerungen vermitteln zur hangenden Bodenbildung, einer relativ sandigen, meist gekappten Parabraunerde. Es gab keine jüngere Sedimente im Hangenden des Tills.

Unmittelbar an der Brücke über die Autobahn der Straße von Zeuthen nach Kiekebusch schwillt der weichselzeitliche Till auf eine Mächtigkeit von mehr als 6 m an, um 30 m südlich der Brücke wieder Mächtigkeiten von 2 m zu besitzen. Die Situation erinnert an die Aufschlüsse in Pätz und Horstfelde. Allerdings kann hier keine morphologisch erkennbare Rinne nachgewiesen werden, an die sich die Mächtigkeitszunahme des oberen Geschiebemergels knüpft.

Alle Proben von der Baustelle bei Kiekebusch besaßen ein weichselzeitliches Kleingeschiebespektrum (Proben Autobahn1 bis3).


[Seite 213↓]

Abb. 124: Geschichteter meltout till im Hangenden ungeschichteten lodgement tills (Baustelle A113 bei Kiekebusch/Teltowplateau)

6.1.18 Untersuchungen auf der Wünsdorfer Platte

TK 25 Blatt 3847 Teupitz H 5781 170 R 5399 225 (Entnahmepunkt Zehr2)

Die Existenz des ehemaligen Dorfes Zehrensdorf auf der Wünsdorfer Platte (60 m über dem Talsand- und Grundwasserniveau) war an die Hochlage saalezeitlicher Staubeckensedimente bzw. toniger saalezeitlicher Geschiebemergel gebunden. Sie wurden in zahlreichen, inzwischen verfallenen Tongruben abgebaut. Lediglich bei der Sanierung eines Tongrubengewässers in Kallinchen bei Töpchin waren die gestauchten Feinschluffe und ein toniger Geschiebemergel kurzzeitig aufgeschlossen. Auch südlich der Ortslage Zehrensdorf steht relativ toniger Geschiebemergel an der Oberfläche an. Beide Tillproben besitzen den typischen Dolomitgehalt eines saalezeitlichen Mergels (Proben Kalli1 und Zehr1). Ältere Sedimente bilden demnach den Kern der Wünsdorfer Platte und lagern in ungewöhnlich hoher Position.

Dieser Fakt wird als Erklärung dafür herangezogen, dass der obere, sandige Geschiebemergel, der am Südrand der Wünsdorfer Platte und weiter südlich bei Zesch am See vorgefunden wurde, ein saalezeitliches Geschiebespektrum besitzt.


[Seite 214↓]

Abb. 125: Schurf Zehr1

Von den Lagerungsverhältnissen her handelt es sich eindeutig um einen weichselzeitlichen Till. Er ist geringmächtig, sandig und als meltout till ausgebildet. Er überlagert im Aufschluss glazifluviale Sedimente. Wie bei den anderen Vorkommen des oberen Geschiebemergels im Arbeitsgebiet, so hat auch hier das Eis das liegende Material, in diesem Falle aber saalezeitliche Sedimente, aufgenommen. Der erhöhte Quarzanteil belegt weiterhin die Aufnahme widerständigen glazifluvialen Materials.

Tab. 23: Kurzergebnis der Kleingeschiebezählung Zehr2

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

38,6%

35,8%

0,0%

1,7%

6,0%

0,5%

11,0%

6,0%

0,3%

634

7


[Seite 215↓]

6.1.19  Aufschlüsse im Gebiet von Zesch

6.1.19.1 Die Sandgrube nördlich von Zesch

TK 25 Blatt 3847 Teupitz H 5776 790 R 5399 475

Etwa 400 m nordöstlich des Dorfplatzes von Zesch befindet sich am Ostrand des Höhenrückens, über den die Brandenburger Eisrandlage verläuft, eine auflässige Sandgrube. An ihren Rändern konnte an mehreren Stellen ein geringmächtiger Till nachgewiesen werden, der glazifluviale Mittel- bis Grobsande überlagert. Von NITZ (1969) werden die liegenden Sande als intensiv gestaucht beschrieben. Die Basis des Geschiebemergels, der von intensiven Karbonatausfällungen geprägt ist, fällt dabei nach Westen ein und verläuft konform mit der Geländeoberfläche.

Abb. 126: Geringmächtiger Geschiebemergel in der Sandgrube nordöstlich von Zesch (Schurf Zesch4)

Tab. 24: Kurzergebnis der Kleingeschiebezählung Zesch3

NK

PK

D

PS

F

MK

S

Q

So

ges.

Nb

38,1%

34,7%

1,5%

0,7%

6,9%

0,9%

12,9%

4,1%

0,2%

464

46

Obwohl der Till alle Eigenschaften des oberen, weichselzeitlichen Geschiebemergels besitzt, ergaben die Analysen aller drei Proben, die entnommen wurden, kein [Seite 216↓]weichselzeitliches Spektrum (Proben Zesch2 bis 4, siehe auch beiliegende Karten nach S. 47). Zwei Proben waren quarzreich. Umgekehrt sogar besitzt eine entnommene Probe (Zesch3) ein Spektrum, wie es für saalezeitliche Geschiebemergel typisch ist. Im vorangegangenen Abschnitt zur Wünsdorfer Platte wurde bereits auf dieses Phänomen eingegangen.

6.1.19.2 Der Schurf Zesch3

Der Schurf Zesch3 wurde am Innensaum der Endmoräne 1,8 km südlich von Zesch gegraben (siehe beiliegende Karten: Der Baruther Sander und Morphologische Übersichtskarte des Baruther Sanders nach Seite 47). Seine Sedimente werden im Kap. 4.2.3 auf Seite 63 beschrieben.

Abb. 127: Schurf Zesch3


[Seite 217↓]

6.1.19.3  Aufschlüsse im Areal des Eisstausees von Zesch

Die Aufschlussbeschreibungen der Schürfe, die in die Ablagerungen des Zescher Eisstausees gegraben wurden, befinden sich im Kap. 4.4.2.2 ab Seite 97.

Abb. 128: Schurf Zesch1

[Seite 218↓]Abb. 129: Schurf Zesch2


[Seite 219↓]

Abb. 130: Schurf Zesch5


[Seite 220↓]

Abb. 131: Schurf Zesch6

Abb. 132: Schurf Zesch7


[Seite 221↓]

Abb. 133: Schurf Zesch8

Abb. 134: Schurf Zesch9


[Seite 222↓]

6.1.20  Der Schurf Töp1

Abb. 135: Schurf Töp1

Der Schurf Töp1 wurde im Norden der Töpchiner Talung zwischen der Motzener und der Wünsdorfer Platte gegraben (siehe Abb. 70, S. 139). Die Glaziale Töpchiner See-Rinne trennt dort die beiden Hochflächen. Ziel der Grabung war es, festzustellen, inwieweit durch die Motzener Pforte, die Engstelle zwischen den Hochflächen, ein proglazialer Schmelzwasserabfluss erfolgte. Die südlich gelegene Töpchiner Talung liegt höher als die nördlich der Pforte gelegene Schöneicher Abflussbahn, so dass ein Abfluss in diese Richtung möglich wäre. Die Rippeln in dem Schurf zeigen jedoch eine nach Süden gerichtete Schüttungsrichtung an.

Die Schüttungsrichtung der Rippeln, auch wenn sie nur an einer Stelle eingemessen wurde, und die geringe Breite der Pforte (200 m) werden als Indizien gegen einen proglazialen Schmelzwasserabfluss durch die Motzener Pforte gewertet.


[Seite 223↓]

6.2  Protokolle der Kleingeschiebezählungen

Ein Fragezeichen hinter der Einstufung (z.B. Saale?) bedeutet, dass das Ergebnis als unsicher angesehen wird.


[Seiten 224 - 232↓]

Tab. 25: Ergebnisse der Kleingeschiebeanalysen


[Seite 233↓]

6.3  Glühverluste und Karbonatgehalte der Pollenbohrungen Stülpe und Töpchin

Abb. 136: Glühverlust und Karbonatgehalt Bohrung Stülpe K1


[Seite 234↓]

Abb. 137: Glühverlust und Karbonatgehalt Bohrung Töpchin K1


[Seite 235↓]

6.4  Ergebnisse ausgewählter Karbonatgehalt- und Korngrößenanalysen

Tab. 26: Ergebnisse ausgewählter Korngrößenanalysen aus glazifluvialen Sedimenten

Probe

UST 3 mS 200

UST 3 mS 230

UST 2 fS 180

UST 2 fS 80

UST 2 K 530

LUKWein fmS

LUKWein mgS

Aufschluss

Gastrasse Urstromtal

Gastrasse Urstromtal

Gastrasse Urstromtal

Gastrasse Urstromtal

Gastrasse Urstromtal

Kiesgrube Luckenwalde

Kiesgrube Luckenwalde

Entnahmetiefe in cm

200

230

180

80

ca. 450

ca. 500

ca. 550

Hochwert

5768 100

5768 100

5769 325

5769 325

5769 325

5773285

5773285

Rechtswert

5399 275

5399 275

5399 175

5399 175

5399 175

4578810

4578810

Karbonatgehalt in %

0

0

0

0

0

0

0

Arithmet. Mittel in μm

345

253

118

110

2566

150

375

Standardabweichung

0,48

0,61

0,40

0,44

1,41

1,04

0,56

Siebdurchgang in %

       

< 6300 μm

100

100

100

100

83,5

100

100

< 2000 μm

100

100

100

100

59,0

100

99,9

< 630 μm

95,3

97,6

100

100

26,5

98,1

92,5

< 200 μm

11,9

44,0

96,8

98,9

4,7

79,1

12,5

< 63 μm

1,3

2,3

9,0

15,4

2,2

24,3

0,3

< 2 μm

n.b.

n.b.

n.b.

n.b.

n.b.

0,2

n.b.


[Seite 236↓]

Tab. 27: Ergebnisse ausgewählter Karbonat- und Korngrößenanalysen aus glazilimnischen und glazifluviolimnischen Sedimenten

Probe

Glienton

Acha fSU 10

Acha fS 100

Acha fSU 200

Klausbohr 250

Klaus4 fS

Klaus4 fU - T

Aufschluss

Tongrube Glienick

Tongrube Klausdorf

Tongrube Klausdorf

Tongrube Klausdorf

Tongrube Klausdorf

Tongrube Klausdorf

Tongrube Klausdorf

Entnahmetiefe in cm

400

10

100

200

250

150

200

Hochwert

5790 610

5781 710

5781 710

5781 710

5781 700

5781 575

5781 575

Rechtswert

4594 230

4595 125

4595 125

4595 125

4595 595

4594 955

4594 955

Karbonatgehalt in %

15,2

0

0

0

9,4

0

12,5

Arithmet. Mittel in μm

4,1

42,82

81,76

62,4

40,7

83,6

23,9

Standardabweichung

0,73

0,50

0,47

0,43

0,80

0,67

0,89

Siebdurchgang in %

       

< 2000 μm

100

100

100

100

100

100

100

< 630 μm

100

100

100

100

100

100

100

< 200 μm

100

100

99,8

100

100

96,3

100

< 63 μm

100

76,9

22,6

39,1

77,4

37,2

93,7

< 2 μm

26,3

3,2

0,75

0,82

3,1

0,67

2,5

Probe

Z2 fS 180

Z2 fSU 200

Z5 fU 160

EZ 1 mfU 560

EZ1 fU - T 860

EZ1 fSU 870

EZ6 U 500

Aufschluss

Zesch2

Zesch2

Zesch 5

Zesch Bohrung 1

Zesch Bohrung 1

Zesch Bohrung 1

Zesch Bohrung 6

Entnahmetiefe in cm

180

200

160

560

860

870

500

Hochwert

5776 400

5776 400

5776 400

5776 400

5776 400

5776 400

5776 370

Rechtswert

5399 325

5399 325

5399 325

5399 325

5399 325

5399 325

5399 330

Karbonatgehalt in %

2,5

5,3

12,3

7,1

8,5

1,8

1,8

Arithmet. Mittel in μm

136

65,6

24,1

29,0

42,7

71,3

33,2

Standardabweichung

0,26

0,65

0,71

0,79

0,84

0,39

0,61

Siebdurchgang in %

       

< 2000 μm

100

100

100

100

100

100

100

< 630 μm

100

100

100

100

100

100

100

< 200 μm

99,0

98,2

100

100

100

99,9

100

< 63 μm

3,2

41,4

96,4

92,3

76,8

24,6

91,1

< 2 μm

n.b.

1,1

2,9

1,7

2,7

1,7

1,8

Probe

Neu 2 fS 110

Neu 2 gU 120

Neu 2 fS 140

Neu 2 mS 155

Neu 2 gU 165

Neu 2 gU 180

Neu 2 fS 188

Aufschluss

Neu 2

Neu 2

Neu 2

Neu 2

Neu 2

Neu 2

Neu 2

Entnahmetiefe in cm

110

120

140

155

165

180

188

Hochwert

5776 750

5776 750

5776 750

5776 750

5776 750

5776 750

5776 750

Rechtswert

5403 860

5403 860

5403 860

5403 860

5403 860

5403 860

5403 860

Karbonatgehalt in %

0,61

2,32

0,79

0,64

2,3

3,1

0,28

Arithmet. Mittel in μm

168

60,7

131

202

47,0

48,9

174

Standardabweichung

0,41

0,62

0,31

0,54

0,66

0,69

0,40

Siebdurchgang in %

       

< 2000 μm

100

100

100

100

100

100

100

< 630 μm

100

100

100

99,7

100

100

100

< 200 μm

70,2

99,6

98,5

59,9

99,7

99,1

66,8

< 63 μm

4,5

53,4

5,0

2,8

74,6

74,9

3,1

< 2 μm

n.b.

1,9

n.b.

n.b.

1,7

1,9

n.b.


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23.09.2004