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Ergebnisse

4.1  Nahrungsangebot im Untersuchungsgebiet

Im eigentlichen Untersuchungsgebiet wurden 13 Futterstellen festgestellt, die von Anwohnern speziell für bestimmte oder für beliebige verwilderte Katzen angeboten wurden, im erweiterten Untersuchungsgebiet kamen noch 6 Futterstellen dazu. Die Dichte war so hoch, daß alle Tiere die Möglichkeit hatten, in kurzer Zeit mehrere Futterstellen aufzusuchen (Abb. 13). Das Nahrungsangebot war unterschiedlich, einige Betreuer boten mehrmals täglich bzw. nahezu ständig Nahrung an, andere fütterten jeweils zur gleichen Uhrzeit, meist am frühen Abend. Gefüttert wurde handelsübliches Katzenfutter verschiedener Marken, z.T. mit Fleisch angereichert, sowie eigens gekochte (aber als Katzennahrung meist wenig geeignete) Suppen und Breie. Die ermittelten Futterstellen blieben über die gesamte Untersuchungszeit konstant. Mehrfach boten Anwohner zusätzliches Futter an, nachdem eine Katze zuwanderte.

Abb. 13: Futterstellen im Untersuchungsgebiet mit Anzahl der dort beobachteten Katzen

10 % der ansässigen Katzen wurden mindestens einmal bei der erfolgreichen Jagd auf Mäuse, junge Ratten und Kleinvögel beobachtet. In Einzelfällen wurden außerdem Tiere beim Fressen von Lebensmittelabfällen beobachtet, die sie auf der Straße bzw. in Grünanlagen fanden.


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4.2  Vergleich verschiedener Fangmethoden

Insgesamt erfolgten 74 erfolgreiche Fänge (Tab. 9). Dabei wurden 39 Katzen gefangen, die meisten davon mehrmals. Zweimal wurden mit automatisch auslösenden Fallen Katzen gefangen, deren Fang nicht beabsichtigt war (Fehlfänge), in der Catbox und in der mobilen Catbox wurde je einmal eine zweite Katze mitgefangen.

Tab 9: Vergleich verschiedener Fangmethoden

 

Anzahl Fang

Anzahl Katzen

Erstfang

Versuche/Fang

Stunden/Fang

Fehlfang

Catbox

33

11

10

1,36

2,85

1

Mobilbox

12

12

9

2,73

5,82

1

Kastenfalle

12

12

10

3,40

8,90

2

Netzfalle

1

1

1

6,00

21,00

0

Handfang

9

7

4

1,56

2,67

0

Blasrohr

2

2

0

3,50

9,50

0

in Katzenkiste

5

5

2

1,20

2,67

0

Es erwies sich als unmöglich, eine universelle Fangmethode zu finden, die bei jedem Tier funktionierte. Besonders bei Wiederfängen bestimmter Tiere mußten je nach Situation verschiedene Fangmethoden ausprobiert und angepaßt werden.

4.3  Populationsbiologie und Verhalten der verwilderten Hauskatzen im Untersuchungsgebiet

4.3.1  Populationsdichte

Im eigentlichen Untersuchungsgebiet von 45 ha lebten zwischen 20 und 30 ansässige Katzen. Dazu kamen zwei Wohnungskatzen mit gelegentlichem Freigang und bis zu 10 Durchzügler pro Jahr (insgesamt 23 Tiere, 3-10 Tiere pro Jahr, durchschnittlich 0,6 Tiere pro Monat, Standard-Abweichung 0,9). Weitere vier Tiere tauchten in mehrmonatigen Abständen im Untersuchungsgebiet auf. Die maximale Zahl gleichzeitig ansässiger Tiere betrug 32, darunter waren mehrere Jungtiere, von denen einige kurze Zeit später verschwanden. Katzen, die neu ins Untersuchungsgebiet kamen, besetzten freigewordene Streifgebiete vorher dort lebender Katzen oder gründeten neue Streifgebiete in Gebieten, in denen vorher wenige Tiere lebten. Das Untersuchungsgebiet war nicht gleichmäßig besiedelt, es existierten einige Gruppen, hauptsächlich an bestimmten Futterstellen (Abb. 13, Abb. 14). Die meisten adulten Tiere konnten nur selten im Kontakt mit anderen Katzen beobachtet werden (Abb. 28), jedoch hatten alle Tiere zumindest gelegentlich Kontakt zu anderen Katzen. Trotz der relativ hohen Populationsdichte der Katzen wußten die meisten Anwohner (mit Ausnahme der Kat-


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zenbetreuer) nicht, daß in ihrem Wohngebiet verwilderte Katzen lebten.

Abb. 14: Kartographische Darstellung der im Untersuchungsgebiet lebenden Katzen [1 Kreis symbolisiert den Kernbereich des Streifgebietes (= core area) einer Katze] im Monat Sept. 1998

4.3.2  Streifgebiete

In Tab. 10 sind Anzahl der Lokalisationen bzw. Beobachtungen je Tier und die ermittelten Home Range-Größen insgesamt sowie als durchschnittlicher Wert umgerechnet auf je 100 Lokalisationen dargestellt.


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Tab. 10: Home Range-Größen der untersuchten Katzen

Tier

Typ

Alter

Anzahl ermittelter
Aufenthaltsorte

Home Range gesamt (ha)

Home Range je 100 Punkte (ha)

Alina

Weibl. unkastriert

13

138

0,672

0,489

Kingy

Weibl. unkastriert

1,5

345

1,638

1,108

Kitty

Weibl. unkastriert

6

354

4,698

2,942

Bessi

Weibl. unkastriert

2

131

5,442

4,927

Nancy

Weibl. unkastriert

3

87

2,623

(2,623)

Mu-Mu

Weibchen kastriert

15

231

0,605

0,191

Queeny

Weibchen kastriert

11

138

0,400

0,324

Cleo

Weibchen kastriert

5

277

0,882

0,507

Peppy

Weibchen kastriert

14

95

0,861

0,574

Jerry

Weibchen kastriert

8

442

2,368

0,841

Lissy

Weibchen kastriert

3

151

5,704

4,773

Smokie

Weibchen kastriert

3

84

0,829

(0,829)

Joschka

Kater unkastriert

5

68

2,831

(2,831)

Tiger

Kater unkastriert

10

249

19,718

7,895

Räuber

Kater unkastriert

6

172

35,639

35,533

Streuner

Kater unkastriert

9

128

65,833

61,248

Kandy

Juv. Kater unkastr.

1

358

7,409

3,170

Kiri

Juv. Kater unkastr.

1

356

6,395

4,074

Kimba

Juv. Kater unkastr.

0,5

272

6,080

4,255

Nero

Kater kastriert

9

196

1,061

0,639

Jacob

Kater kastriert

11

287

1,195

0,718

Kicki

Kater kastriert

2

531

5,508

3,467

Tom

Kater kastriert

6

173

7,652

4,653

Die größten Streifgebiete hatten adulte unkastrierte Kater, ihre Streifgebietsgröße überlappte nur ausnahmsweise die anderer Katzen-Typen (Abb. 36). Weibliche Katzen hatten signifikant kleinere Streifgebiete als Kater (U-Test, p < 0,01). Zwischen Tieren derselben Klasse (z.B. kastrierte weibliche Katzen) wurden große Unterschiede beobachtet, jedoch kann auf Grund der geringen Datenmengen nicht belegt werden, welche Faktoren ursächlich die Größe der Streifgebiete beeinflußten.

Abb. 15: Streifgebiete der einzelnen Katzen im Untersuchungsgebiet

(kastrierte weibliche Katzen = gelb, unkastrierte Weibchen = rot, kastrierte Kater = grün, unkastrierte juvenile Kater = hellblau, unkastrierte adulte Kater = dunkelblau)

Weibliche Katzen erwiesen sich als weitgehend ortstreu (siehe Abb. 16). Die adulten Weibchen veränderten ihre Streifgebiete während der Untersuchungszeit wenig oder gar nicht, junge Weibchen siedelten sich nahe ihrer Geburtsorte an. In einem Fall blieb das weibliche Jungtier an seinem Geburtsort, während die Mutter den Kernbereich


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ihres Streifgebietes um ca. 200 m Luftlinie verlegte.

Abb. 16: Ortungspunkte und zwischen den Ortungen zurückgelegte Strecken der weiblichen Katzen „Kitty“ und „Lissy“

Auch adulte kastrierte Kater hatten stabile Streifgebiet, die sich im Untersuchungszeitraum wenig oder gar nicht änderten. Alle Tiere dieses Typs (siehe Tab. 10) nutzten mehrere Nahrungsquellen, die regelmäßig aufgesucht wurden.

Abb. 17: Ortungspunkte und zwischen den Ortungen zurückgelegte Strecken der kastrierten Kater „Jacob“ und „Tom“

Die vier untersuchten adulten unkastrierten Kater hingegen wechselten gelegentlich ihre hauptsächlichen Aufenthaltsorte, ohne daß die Ursachen immer erkennbar waren. Die Bewegungsmuster der Tiere unterschieden sich voneinander, ebenso die Größe der Streifgebiete und die zurückgelegten Strecken (Abb. 18 bis Abb. 21). Alle adulten unkastrierten Kater nutzten wechselnde Schlafplätze und mehrere Futterstellen.


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Ein Kater (Joschka) verschwand nach drei Monaten Beobachtungszeit (Oktober bis Dezember 1996) spurlos, so daß das ermittelte Raumnutzungsverhalten unvollständig ist. Während der drei Monate hielt er sich ausschließlich in einem lediglich 3 ha großen Gebiet auf und zeigte sehr regelmäßige Bewegungsmuster. Er zeugte 1996 mindestens einmal Nachkommen innerhalb seines kleinen Aktionsraumes.

Abb. 18: Ortungspunkte und zwischen den Ortungen zurückgelegte Strecken von Kater „Joschka“

Ein Tier (Tiger) nutzte zwischen Februar 1997 und Februar 1998 ein konstantes, relativ kleines Streifgebiet in einem Teil des Untersuchungsgebietes und zeugte dort mindestens zweimal Nachkommen. Zwischen März des darauffolgenden Jahres und seinem Tod im Juli pendelte er zwischen zwei Futterstellen (Entfernung ca. 700 m Luftlinie). Er hielt sich in dieser Zeit vorwiegend im anderen Teil des Untersuchungsgebietes auf, wo er zusammen mit weiblichen Katzen beobachtet wurde. Es konnten aber 1998 keine Nachkommen von ihm ermittelt werden.

Abb. 19: Ortungspunkte und zwischen den Ortungen zurückgelegte Strecken von Kater „Tiger“


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Ein Kater (Räuber) hielt sich jeweils nur wenige Tage in einem Gebiet auf und legte zwischen den täglichen Funkortungen Strecken bis zu 750 m Luftlinie zurück, ohne aber zwischen bestimmten Gebieten zu pendeln. Er war 1998 Vater aller vier getesteten Würfe, in zwei Fällen war jeweils ein anderer Kater mit je einem Nachkommen beteiligt. Leider konnte er nur zwölf Monate beobachtet werden, da der Sender plötzlich ausfiel (durch Abreißen der Antenne) und der geplante Wiederfang nicht gelang.

Abb. 20: Ortungspunkte und zwischen den Ortungen zurückgelegte Strecken von Kater „Räuber“

Der vierte Kater (Streuner) wanderte im November 1998 in das Gebiet der Teilpopulation 1 ein und hatte einen anderen Haplotyp als alle anderen Katzen im Gebiet. Er wurde von November 1998 bis März 1999 per Funkortung beobachtet und hatte im Untersuchungsgebiet keine Nachkommen. Dieser Kater nutzte normalerweise ein - für einen adulten unkastrierten Kater - kleines Streifgebiet von ca. 6 ha, absolvierte aber in dieser Zeit mindestens drei Exkursionen von maximal zwei Tagen Dauer. Er bewegte sich dabei stets in die gleiche Richtung und legte innerhalb von 24 Stunden Strecken bis zu 1.500 m zurück, wobei er mindestens zwei sechsspurige Schnellstraßen überquerte. Es ist anzunehmen, daß sich der Kater vor der Zuwanderung im November 1998 längere Zeit im Zielgebiet seiner Exkursionen aufhielt, so daß ihm Ziel und Wege schon vor den beobachteten Exkursionen bekannt waren.


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Abb. 21: Ortungspunkte und zwischen den Ortungen zurückgelegte Strecken von Kater „Streuner“

Bezüglich der zwischen zwei Ortungen maximal zurückgelegten Strecken unterschieden sich sowohl kastrierte und unkastrierte Tiere als auch weibliche Katzen und Kater, aber nur der Unterschied zwischen Katzen und Katern war signifikant (U-Test, p < 0,01) (Abb. 22).


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Abb. 22: Vergleich der maximal zurückgelegten Strecken (Exkursionen) zwischen je zwei Ortungen bei kastrierten und unkastrierten Katzen und Katern: rot = unkastrierte weibliche Katzen, gelb = kastrierte weibliche Katzen, dunkelblau = unkastrierte Kater, grün = kastrierte Kater, hellblau = subadulte Tiere

Eine ähnliche Tendenz (kastrierte Katzen - unkastrierte Katzen < kastrierte Kater < unkastrierte Kater) zeigte sich abgeschwächt beim Vergleich der Mittelwerte der zurückgelegten Strecken zwischen zwei Ortungen, wobei der Unterschied zwischen unkastrierten und kastrierten Weibchen verschwand (Abb. 23). Die Minimalwerte unterschieden sich nicht.

Abb. 23: Vergleich der durchschnittlich zurückgelegten Strecken zwischen je zwei Ortungen bei kastrierten und unkastrierten Katzen und Katern

rot = unkastrierte weibliche Katzen, gelb = kastrierte weibliche Katzen, dunkelblau = unkastrierte Kater, grün = kastrierte Kater, hellblau = subadulte Tiere; Streuungsmaße = Standardabweichung


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4.3.3  Populationsstruktur

In die Analyse der Alters- und Geschlechtsstruktur wurden alle im Untersuchungsgebiet gleichzeitig beobachteten Tiere einbezogen. Da die Fluktuation innerhalb der Katzenpopulation recht groß war, wurde die Erfassung nur für einen repräsentativen Zeitpunkt (September 1998) dargestellt (Abb. 24). [Würde man dagegen alle Katzen berücksichtigen, die während der gesamten Untersuchungszeit beobachtet wurden, so wären Kater und Jungtiere überrepräsentiert. Bei ihnen war die Ortstreue geringer und die Mortalität höher als bei weiblichen und älteren Tieren (siehe Abschnitt 4.3.2).]

Abb. 24: Alters- und Geschlechtsstruktur der im UG lebenden Tiere (Stand 9/98)

Als Ergebnis von Bemühungen von Anwohnern und Tierschützern waren vor Beginn unserer Kastrationsaktion etwa die Hälfte der Tiere im gesamten Untersuchungsgebiet kastriert. Der Anteil kastrierter Tiere lag bei den Katern etwas höher als bei den weiblichen Katzen (Tab. 11).

Tab. 11: Anzahl unkastrierter und kastrierter Katzen und Kater in der Gesamtpopulation, Stand 9/98

  

Adulte Tiere

Juvenile Tiere

Weibliche Katzen

Unkastriert

8

3

 

kastriert

6

1

Kater

Unkastriert

4

3

 

kastriert

4

3

4.3.4  Verwandtschaft

Die Bestimmung von Sequenzunterschieden auf der Ebene der mitochondrialen DNA ergab im Untersuchungsgebiet sechs verschiedene maternale Verwandtschaftslinien (Matrilinien) (Abb. 25).


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Abb. 25: Distanzmatrix der ermittelten Haplotypen (verwendete Software: MEGA)

Zwei Haplotypen mit großer genetischer Distanz waren besonders häufig, beide umfaßten mehrere Tiere von unterschiedlichem Alter und Geschlecht. Die dritthäufigste Verwandtschaftslinie umfaßte ausschließlich eine weibliche Katze und ihre während der Untersuchungszeit geborenen Nachkommen. Die drei übrigen Haplotypen waren jeweils nur durch ein Tier vertreten, alle drei Tiere wanderten während des Untersuchungszeitraumes ins Gebiet ein. Es handelte sich um zwei Kater und eine Katze, keines dieser Tiere hatte Nachkommen im Untersuchungsgebiet und -zeitraum.

Die genetische Diversität aller Haplotypen betrug 0,667 und ist damit als hoch zu bewerten (höchster möglicher Wert = 1, d.h. alle Tiere genetisch unterschiedlich, niedrigster möglicher Wert = 0, alle Tiere genetisch identisch). Die Varianz der Haplotypen-Diversität betrug 0,00381.

Alle untersuchten Tiere aus dem Untersuchungsgebiet waren untereinander enger verwandt als mit der Referenzkatze, deren Daten aus der Gendatenbank herangezogen wurde (Lopez et al. 1996).

Das Eintragen der ermittelten Haplotypen-Vorkommen in eine kartographische Darstellung zeigt eine Konzentration der beiden häufigsten Matrilinien jeweils in einem Teil des Untersuchungsgebietes (Abb. 26, 27).


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Abb. 26: Räumliche Verteilung der ermittelten Haplotypen

Beobachtete Katzen = graue Kreise, Weibchen = Dreiecke, Kater = Quadrate, Jungtiere = Punkte, gleiche Farbe = gleiche Haplotypen

Die Mittelpunkte der Aufenthaltsorte der Weibchen und Jungtiere einer Matrilinie lagen jeweils nahe beieinander, während sich Kater ungeachtet ihres Haplotyps über das ganze Untersuchungsgebiet verteilten (Abb. 26).

Der Vergleich der durchschnittlichen genetischen Divergenz möglicher Teilpopulationen ergab eine hoch signifikant strukturierte Population (p < 0,001) mit dem höchsten φST-Wert bei zwei Teilpopulationen (Tab. 12), d.h. im Untersuchungsgebiet leben zwei genetisch unterschiedliche Teilpopulationen verwilderter Katzen.

Tab. 12: Populationsgenetische Daten bei zwei Teilpopulationen (AMOVA)

φST

Korrelationskoeffizient innerhalb einer Population

0,524

φCT

Korrelationskoeffizient innerhalb einer Teilpopulation

0,417

V (A)

Varianz zwischen den Teilpopulationen

41,30 %

V (C)

Varianz innerhalb der Population

47,58 %

Bei Betrachtung der Karte (Abb. 26) fiel auf, daß sich zwischen den beiden Teilpopulationen ein Raum befindet, der von keiner der beiden Teilpopulationen als bevorzugter Aufenthaltsraum genutzt wurde. Weibchen und Jungtiere nutzten diesen „Zwischenraum“ überhaupt nicht (siehe auch Abb. 15).


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Abb. 27: Kartographische Darstellung der Haplotypen und Teilpopulationen

beobachtete Katzen = graue Kreise, Weibchen = Dreiecke, Kater = Quadrate, Jungtiere = Punkte

Bei ausschließlicher Betrachtung weiblicher bzw. männlicher Tiere der beiden Teilpopulationen zeigt sich eine hochsignifikante genetische Strukturierung der weiblichen Katzen, jedoch keine Strukturierung der Kater (Tab. 13).

Tab. 13: Vergleich populationsgenetischer Parameter für weibliche Katzen und Kater im gesamten Untersuchungsgebiet bei Zugrundelegung von zwei Teilpopulationen (AMOVA)

Wert

Erklärung

Weibchen

Kater

φST

Korrelationskoeffizient innerhalb einer Population

0,756

0,266

V (A)

Anteil der Varianz zwischen den Teilpopulationen

75,60 %

26,63 %

V (B)

Anteil der Varianz innerhalb der Teilpopulationen

24,40 %

73,37 %

p

Signifikanzmaß

< 0,001 %

0,02 %

Der Genfluß (Nm = Anzahl der weiblicher Migranten pro Generation zwischen Populationen) zwischen den beiden Teilpopulationen nach Hudson et al. (1992) betrug Nm = 0,52. Dieser Wert ist sehr gering und bedeutet, daß in der Vergangenheit im Durchschnitt in jeder zweiten Generation (d.h. ca. alle zwei Jahre) eine weibliche Katze in die andere Teilpopulation gewechselt und dort erfolgreich reproduziert hat.

Für die Abstammungsuntersuchung der einzelnen Katzen wurden 10 Mikrosatelliten-Loci untersucht, die mittlere Allelzahl je Locus betrug 6,5. Die mittlere Heterozygotie lag bei 0,640, was auf einen niedrigen Inzuchtgrad in der Katzenpopulation des Untersuchungsgebietes hinweist. Der Polymorphiegrad lag bei den meisten Loci über 0,5, was bedeutet, daß die verwendeten Loci zur Bestimmung von Verwandtschaftsverhältnissen geeignet sind. Die Frequenz der Nullallele betrug bei den meisten Loci weniger


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als 0,02, d.h. die Wahrscheinlichkeit von Nullallelen ist gering (Nullallel = heterozygoter Locus wird durch fehlende Bindung des Primers fälschlich als homozygot bestimmt).

Tab. 14: Ergebnisse der Mikrosatelliten-DNA-Analyse für die gesamte Population (verwendete Software: Cervus)

Locus

Heterozygot

Homozygot

Beobachtete Heterozygotie

Erwartete Heterozygotie

Polymorphie des Locus

Frequenz der Nullallele

008

47

10

0,825

0,720

0,682

-0,0882

023

36

21

0,632

0,682

0,625

0,0336

035

35

22

0,614

0,618

0,542

0,0039

043

45

12

0,789

0,733

0,680

-0,0426

045

35

22

0,614

0,765

0,716

0,1074

077

34

23

0,596

0,526

0,418

-0,0739

078

36

21

0,632

0,670

0,606

0,0194

090

38

19

0,667

0,689

0,643

0,0152

096 (geringe Aussagekraft)

13

44

0,228

0,255

0,242

0,0625

126

47

10

0,825

0,743

0,696

-0,0647

Alle untersuchten Tiere konnten durch ihr individuelles Allelmuster anhand der Mikrosatelliten-DNA-Analyse eindeutig charakterisiert werden. Von Anwohnern beschriebene Abstammungen wurden durch die genetischen Analysen nicht in allen Fällen bestätigt.

Die beiden Teilpopulationen unterschieden sich nur wenig in bezug auf ihre populationsgenetischen Parameter. In beiden Teilpopulation wurden je 53 Allele nachgewiesen, die durchschnittliche Allelzahl je Locus betrug 5,1 in Teilpopulation 1 und 5,3 in Teilpopulation 2. Bis auf Locus 096 weisen alle Loci eine hohe Heterozygotie in beiden Teilpopulationen auf, d.h. es liegt weder in der Gesamtstichprobe noch in den Teilpopulationen nennenswerte Inzucht vor.


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Tab. 15: Vergleich der Mikrosatelliten-Loci in beiden Teilpopulationen, die Anzahl der Tiere betrug 34 in Teilpopulation 1 und 19 in Teilpopulation 2 (verwendete Software: Cervus)

Locus

Anzahl der Allele in Teilpopulation 1

Anzahl der Allele in Teilpopulation 2

Heterozygotie in Teilpopulation 1

Heterozygotie in Teilpopulation 2

008

7 (von 10 in der Gesamtpop.)

7 (von 10)

0,941

0,684

023

7 (von 9)

7 (von 9)

0,676

0,526

035

5 (von 5)

3 (von 5)

0,676

0,526

043

6 (von 7)

6 (von 7)

0,824

0,737

045

4 (von 6)

6 (von 6)

0,588

0,737

077

4 (von 4)

3 (von 4)

0,618

0,474

078

4 (von 6)

6 (von 6)

0,559

0,789

090

5 (von 6)

6 (von 6)

0,647

0,684

096

3 (von 5)

4 (von 5)

0,206

0,263

126

6 (von 7)

5 (von 7)

0,882

0,737

4.3.5  Gesundheitsstatus

Die veterinärmedizinische Untersuchung ergab hohe Anteile krankhafter Veränderungen (Tab. 16).

Tab. 16: Ergebnisse der veterinärmedizinischen Untersuchungen (39 Tiere wurden insgesamt untersucht, 11 davon 2x, bei zwei gleichen Befunden derselben Katze wurde nur ein Befund verwendet, bei einigen Tieren wurde nur ein Teil aller Untersuchungen durchgeführt)

 

Untersuchte Katzen

ohne besonderen Befund

%

Krankhafte Veränderung

%

Ernährungszustand

40

38

95

2

5

Augenentzündung

48

35

73

13

27

Ohren verletzt

37

28

76

9

24

Zahnfleischentzündung

42

23

55

19

45

unvollständiges Gebiß

35

18

51

17

49

Zahnstein

37

14

38

23

62

zahnlos

35

33

94

2

5,7

Zahnfrakturen

35

31

89

4

11

Rachenentzündung

43

37

86

6

14

palpierbare Lymphknoten

44

40

91

4

9,1

vergrößerte Milz

34

31

91

3

8,8

Hautveränderungen

38

34

89

4

11

Dermatitis

38

38

100

0

0

Ekzem

39

37

95

2

5,1

Mastitis

21

20

95

1

4,8

Schnupfen

41

33

80

8

20

aufgetriebener Bauch („Wurmbauch“)

40

38

95

2

5

Flöhe

47

44

94

3

6,4

Haarlinge

47

42

89

5

11

Läuse

47

38

81

9

19

Ohrräude

47

45

96

2

4,3

Fliegenmaden

48

47

98

1

2,1

Keine Katze erwies sich als vollständig parasitenfrei, ohne erkennbare Krankheit oder Nachweis einer Infektion. Die häufigsten Erkrankungen waren solche an Zähnen und Zahnfleisch, sie traten besonders häufig bei älteren und/oder FeLV-positiven Tieren auf, außerdem häuften sich Zahnerkrankungen an bestimmten Futterplätzen. An zweiter Stelle folgten Augenentzündungen in verschiedenen Schweregraden. Sieben Tiere


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wirkten erkennbar krank (z.B. struppig, verklebte Körperöffnungen, abgemagert), drei davon starben während der Untersuchungszeit. Drei der krank wirkenden Tiere hatten positive FeLV-Befunde (FeLV = Felines Leukämie-Virus), zwei positive FIV-Befunde (FIV = Felines Immunschwäche-Virus), eines beides, eines Katzenschnupfen. Die meisten Tiere jedoch, auch solche mit positiven FeLV- bzw. FIV-Befunden, wirkten durchaus gesund.

Parasitosen wurden nur relativ selten nachgewiesen (Tab. 17).

Tab. 17: Ergebnisse der parasitologischen Untersuchungen

 

Untersuchte Katzen

Proben negativ

%

Proben positiv

%

Bandwürmer

37

36

97

1

3

Spulwürmer

37

32

86

5

14

Toxoplasmen

36

34

94

2

6

Kokzidien

37

31

84

6

16

Bei zweifach untersuchten Tieren unterschieden sich gelegentlich die Befunde, wie Tab. 18 zeigt.

Tab. 18: Vergleich der Befunde bei einigen im Abstand zwischen 12 und 24 Monaten zweifach parasitologisch untersuchten Tieren

 

Katze 1

Katze 2

Katze 3

Katze 4

 

Befund 1

Befund 2

Befund 1

Befund 2

Befund 1

Befund 2

Befund 1

Befund 2

Bandwürmer

negativ

negativ

negativ

negativ

negativ

negativ

negativ

negativ

Spulwürmer

negativ

negativ

negativ

negativ

positiv

negativ

negativ

negativ

Toxoplasmen

negativ

negativ

positiv

negativ

negativ

negativ

negativ

negativ

Kokzidien

negativ

negativ

negativ

negativ

negativ

positiv

negativ

negativ

Bei diesen Ergebnissen ist unklar, ob z.B. Tier 3 gleichzeitig an beiden Parasitosen litt, wobei jeweils nur eine nachgewiesen wurde, oder ob in der dazwischen liegenden Zeit eine Ausheilung bzw. Neuinfektion erfolgte. Der abweichende Befund von Tier 2 dagegen läßt sich mit einer überstandenen Toxoplasmose erklären, wobei nur über einen kurzen Zeitraum (ca. 2 Wochen) Toxoplasma-Oozysten ausgeschieden wurden.

Von den 24 adulten Tieren (älter als 1 Jahr) wiesen insgesamt 22 Tiere (92 %) einen Antikörper-Titer gegen Toxoplasma gondii auf, von den 11 juvenilen Tieren waren es 3 Tiere (27 %). Drei Jungtiere, die zunächst keine Antikörper aufwiesen, wurden als erwachsenen Tiere erneut getestet und zeigten dann hohe AK-Titer. Sowohl beim Test auf Toxoplasma-Antikörper als auch beim Test auf FeLV-Antigen und FIV-Antikörper erhielten wir hohe Prozentzahlen infizierter Tiere (Tab. 19).


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Tab. 19: Ergebnisse der Tests der Serumproben auf FeLV, FIV und Toxoplasma-Antikörper

 

Untersuchte Katzen (z.T. 2x)

ohne besonderen Befund

%

Positiver Test

%

FIV-positiv (AK-Test)

39

34

87

5

13

FeLV-positiv (AG-Test)

42

35

83

7

17

FIV+FeLV-positiv

42

41

97

1

3

Toxoplasmose (Katze < 1 Jahr)
AK-Titer niedrig – mittel

11

10

91

1

9

Toxoplasmose (Katze < 1 Jahr)
AK-Titer hoch - sehr hoch

11

8

73

3

27

Toxoplasmose (Katze > 1 Jahr)
AK-Titer niedrig - mittel

27

22

81

5

19

Toxoplasmose (Katze > 1 Jahr)
AK-Titer hoch - sehr hoch

28

8

29

20

71

Zwei der elf doppelt untersuchten Tiere infizierten sich zwischen den beiden Untersuchungen mit FeLV, keine dagegen mit FIV.

4.3.6  Reproduktion

Von acht unkastrierten weiblichen Katzen waren sieben fertil, eine war wegen chronischer Pyometra (Gebärmutterentzündung) nicht fruchtbar. Alle fertilen Katzen wurden mindestens einmal im Jahr trächtig. Junge und alte Katzenmütter zogen ein oder zwei Jungtiere auf, Katzen mittleren Alters drei bis vier. Bei Kastrationen von trächtigen Weibchen wurden drei bis sechs Feten gefunden. Durchschnittlich wurden 2,3 Jungtiere pro Weibchen und Jahr aufgezogen. Zwischen lokaler Populationsdichte und Wurfgröße bestand keine Korrelation. Die beobachteten zwölf Würfe wurden zwischen März und Juni geboren, gelegentlich tauchten im erweiterten Untersuchungsgebiet auch später geborene Tiere auf (bis September), bei denen jedoch nicht ermittelt werden konnte, ob sie überlebten.

Die im Frühjahr geborenen Jungtiere blieben bis zum Winter in Kontakt mit der Mutter. Wurde der erste Wurf eines Jahres erfolgreich aufgezogen, erfolgte die nächste Trächtigkeit der Katze erst im Frühjahr des darauffolgenden Jahres. Starb allerdings der erste Wurf früh im Jahr oder wurde er eingefangen, kam es in einigen Fällen zu einer erneuten Trächtigkeit. In einem Fall, bei dem die Jungtiere im Juli verschwanden, blieb die betreffende Katze das restliche Jahr ohne Nachwuchs. Dieselbe Katze bekam in einem anderen Jahr einen zweiten Wurf mit vier Kätzchen, nachdem der erste Wurf im März geboren und kurze Zeit später verschwunden war (wahrscheinlich durch kalte, nasse Witterung gestorben).


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Weder Beobachtungen noch genetische Untersuchungen ergaben Hinweise auf Adoptionen von Jungtieren oder auf das gemeinsame Aufziehen von Kätzchen durch mehrere Weibchen. Es wurde auch keine Zyklussynchronisation zwischen benachbarten oder verwandten Weibchen beobachtet, d.h. Rolligkeit und Trächtigkeit der Tiere erfolgten nicht zeitnah.

Der Reproduktionserfolg der getesteten Kater im Untersuchungsgebiet war signifikant unterschiedlich (Chi²-Test, p < 0,001). Von den untersuchten 31 Nachkommen (17 Feten aus 4 Würfen, 14 Jungtiere im Alter > 8 Wochen aus 5 Würfen) konnten mittels DNA-Analyse 25 Nachkommen 3 der untersuchten 5 adulten fertilen Kater zugeordnet werden (Tab. 20). Die anderen zwei Kater hatten, ebenso die neun jungen Kater im Alter bis zu vier Jahren, in der fraglichen Zeit keine Nachkommen im Untersuchungsgebiet. Die übrigen 6 Nachkommen hatten mindestens 4 unbekannte Väter. Der Reproduktionserfolg der reproduktiven Kater im Untersuchungsgebiet lag zwischen einem Nachkommen in einem Wurf und 15 Nachkommen in 4 Würfen. Jeder Kater hatte während der Untersuchungszeit nur in einem Jahr Nachkommen, jeder Wurf einer weiblichen Katze hatte einen anderen Vater. In zwei der neun Würfe stammte je ein Jungtier von einem anderen Kater ab als die übrigen.

Tab. 20: Ergebnisse der Vaterschaftstests mittels Analyse der Kern-DNA

Katze

Jahr

Kater

Anzahl Nachkommen

Typ

Kitty

1996

Joschka

4

Jungtiere

Kingy

1997

fremder Kater a)

1

Jungtier

Alina

1997

Tiger

2

Jungtiere

Lissy

1997

fremder Kater b)

3

Jungtiere

Queeny

1997

Tiger

4

Feten

Ozel

1998

Räuber

4

Jungtiere

Kitty

1998

Räuber

6

Feten

Kingy

1998

Räuber + fremder Kater c)

5

Feten

Bessi

1998

Räuber + fremder Kater d)

2

Feten

4.3.7  Mortalität

Die Gesamt-Mortalität der ansässigen Tiere betrug 25 % pro Jahr. Zusätzlich wurden Katzen von Anwohnern und Katzenbetreuern eingefangen und als Haustiere vermittelt, was für die Population ebenfalls einen Verlust darstellte. Bei einer maximalen Anzahl von 32 gleichzeitig im Gebiet lebenden Tiere starben oder verschwanden im Verlauf von 42 Monaten 26 Tiere (Tab. 21) Geburten von Jungtieren bzw. Zuwanderungen


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adulter Tiere glichen die Verluste aus. Zehn Tiere überlebten die gesamte Untersuchungszeit, dabei handelte es sich um fünf alte Tiere (älter als 9 Jahre), vier Tiere mittleren Alters (zwischen 4 und 8 Jahren) und ein Tier, das zu Beginn der Beobachtungszeit (Juni 1996) geboren wurde.

Tab. 21: Ursachen der Tierverluste (nur ansässige Tiere)

Ursache

Anzahl

Nachweis

Unfälle

7

 

Straßenverkehr

4

Fund

Hunde

2

Fund, Anwohner

eingesperrt

1

Fund (Funkhalsband)

Krankheiten

7

 

Lungenentzündung

2

Fund

Katzenschnupfen

2

Anwohner

Magen-Darm-Infektion

1

Tierarzt

FeLV-positiv, kränkelnd

1

Tierarzt

Altersschwäche

1

Anwohner

verschwunden

13

 

Mit Funkhalsband

2

Kein Signal, keine Katze

Ohne Funkhalsband

7

Standorttreue Katze fehlt

Als Haustier vermittelt

4

Anwohner, Tierarzt

Die Mortalität der Jungtiere betrug 50 % während ihres ersten Lebensjahres, die der adulten ansässigen Tiere 16 % pro Jahr. Tab. 22 zeigt den Anteil der Tierverluste in den verschiedenen Altersklassen der ansässigen Tiere. Während die Tierverluste von den Tieren unter drei Jahren jeweils etwa 71 % aus der Population vor Erreichen der nächsten Altersklasse betrugen, lagen sie bei den drei- bis fünfjährigen Tieren bei ca. 57 %. Bei den über fünfjährigen Tieren starben bzw. verschwanden ca. 35 % der Katzen während der Beobachtungszeit (Mortalitäts-Unterschied zwischen den Tieren jünger bzw. älter als 2 Jahre ist signifikant mit p < 0,005, Fisher-Test).

Tab. 22: Verhältnis lebende Tiere / Verlusten (Altersabhängigkeit signifikant mit p = 0,0385, Logistische Regression SPSS)

Altersklasse

Im Gebiet

Verlust

In Prozent

0-2 Jahre

17

12

70,6

3-5 Jahre

7

4

57,1

6-8 Jahre

6

2

33,3

> 9 Jahre

8

3

37,5

Bei zwei von neun beobachteten Trächtigkeiten verlor die Katze alle Jungtiere im Nestlingsalter. Der Prozentsatz der Jungtierverluste während dieser Phase ließ sich nicht ermitteln, da methodisch bedingt Teilverluste eines Wurfes nicht erkannt wurden.


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4.3.8  Sozialverhalten

Die Streifgebiete der einzelnen Katzen überlappten in hohem Maße (bis zu 90 %) (siehe Abb. 15). Es wurden keine exklusiven Territorien festgestellt, weder allgemein gegenüber Artgenossen noch zwischen gleichgeschlechtlichen Tieren. Jedoch existierten keine Überschneidungen zwischen den Streifgebieten von Weibchen aus unterschiedlichen Teilpopulationen. Trotz überlappender Streifgebiete innerhalb der Teilpopulationen und zwischen Katern lebten die meisten adulten Tiere allein und wurden nur gelegentlich zusammen mit anderen Katzen angetroffen (Abb. 28).

Abb. 28: Anteil der Beobachtungen, in denen Katzen zusammen mit anderen Katzen angetroffen wurden (Streuungsmaß: Standardabweichung

Gemeinsam angetroffen wurden vor allem juvenile Tiere mit ihren Müttern und subadulte Tiere mit ihren Geschwistern, Tiere im Alter unter 2 Jahren wurden signifikant häufiger zusammen mit anderen Tieren angetroffen als adulte Tiere (mehrfaktorielle Varianzanalyse, p = 0,002). Adulte Tiere tolerierten sich häufig bei den Fütterungen, wurden aber außerhalb der Fütterungen meist allein beobachtet. Ausnahme war eine Gruppe von zwei kastrierten Kater und einem fertilen Weibchen, die bei allen Gelegenheiten zu zweit oder zu dritt angetroffen wurden. Diese drei Tiere fraßen, schliefen, saßen und liefen zusammen umher. Sie waren in derselben Altersklasse (> 9 Jahre) und gehörten derselben Matrilinie an. Es konnte nicht geklärt werden, ob es sich um Geschwister handelte, da die Eltern nicht bekannt waren.

Tab. 23: Zusammensetzung von Katzengruppen (Reihenfolge in der Häufigkeit von Sozialbeziehungen)

Gruppe

Anzahl der Tiere

Struktur

Namen

1

4

Jungtiere (3 M, 1 W)

Kicki, Kimba, Kiri, Kingy

2

3

Mutter + Jungtiere (1 M, 1 W)

Alina, Ariko, Alexa

3

3

Adulte Tiere (2 M, 1 W)

Jacob, Nero, Alina

4

3

Jungtiere (2 M, 1 W)

Trilok, Casper, Mohrchen

5

4

Jungtiere (2 M, 2 W)

Olli, Otto, Ossy, Orla

6

2

Mutter + Jungtier (1 M)

Kingy, Kandy


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Das Sozialverhalten von vier Jungtieren desselben Wurfes und gleicher Eltern entwickelte sich sehr unterschiedlich. Zwei der drei Kater waren äußerst kontaktfreudig zu anderen Katzen und zutraulich gegenüber Menschen, während der dritte Kater und das einzige Weibchen ab einem Alter von ca. neun Monaten meist allein angetroffen wurden und Körperkontakt mit Menschen vermieden. Die beiden zutraulichen Kater hielten sich meist zusammen auf, bis eines der Tiere im Alter von 14 Monaten überfahren wurde. Die Jugendentwicklung aller vier Tiere verlief unter gleichen Bedingungen, Kontakt mit Menschen hatten die Jungtiere ab dem Alter von ca. 5 Wochen während der Auffüllung der Catbox. Es stand jedoch ad libitum Futter zur Verfügung. Es gab keinerlei Bemühungen, die Jungtiere anzufassen oder an Menschen zu gewöhnen, sofern diese nicht von sich aus Körperkontakt aufnahmen. Die Mutter war scheu und konnte nur in Ausnahmefällen am Futter beobachtet werden. Das weibliche Kätzchen hatte im Jahr darauf ein männliches Jungtier, mit dem sie bis zu dessen Tod im Alter von 18 Monaten sozial zusammenlebte, beide waren Menschen gegenüber scheu.

Die sozialen Kontakte einzelner Tiere änderten sich im Laufe der Untersuchungszeit, meist durch Tod, Verschwinden oder Abwandern eines Partners. Nach dem Verlust des Partners lebten soziale oder tolerante Tiere z.T. allein, um sich später mit einem anderen Tier zusammenzuschließen. Es wurde kein Unterschied im Verhalten gegenüber verwandten und nicht-verwandten Tieren beobachtet. Im Untersuchungsgebiet bestanden soziale Gruppen stets aus Tieren des gleichen Haplotyps, jedoch wurde außerhalb des Gebietes eine Gruppe aus zwei adulten nicht-verwandten kastrierten Katern beobachtet.

4.3.9  Verhalten gegenüber Menschen

Im Untersuchungsgebiet lebten vorwiegend Katzen, die Körperkontakt zu Menschen mieden. Die Sichtbarkeit der Tiere im Untersuchungsgebiet (= Anteil von Sichtbeobachtungen bei der Funkortung) lag zwischen 13 und 65 % (Abb. 29). Einige Tiere konnten zu allen Tageszeiten beobachtet werden, andere nur selten und (fast) ausschließlich während der Dunkelheit.


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Abb. 29: Anteil der Ortungen, bei denen eine Sichtbeobachtung möglich war

(rot = unkastrierte weibliche Katzen, gelb = kastrierte weibliche Katzen , dunkelblau = adulte unkastrierte Kater, hellgrün = kastrierte Kater, hellblau = juvenile unkastrierte Kater) (siehe auch Abb. 37)

Sofern man sie nicht beachtete, lag die Fluchtdistanz der Tiere bei wenigen Metern, da sie an Fußgänger gewöhnt waren. Stehenbleiben, Anstarren oder Verfolgen eines Tieres durch den Beobachter führten jedoch in der Regel dazu, daß das betreffende Tier weglief oder sich versteckte.

4.3.10  Zu- und Abwanderung

Zu- und Abwanderungen ansässiger Tiere aus dem bzw. in das Untersuchungsgebiet wurden relativ selten festgestellt, verglichen mit der hohen Rate von Reproduktion und Mortalität. Abwanderungen weiblicher Katzen wurden nicht nachgewiesen. Ein halbjähriges Weibchen wanderte in das Untersuchungsgebiet ein, sie gehörte zu einer anderer Matrilinie als die ansässigen Tiere. Eine weitere weibliche Katze könnte vor Beginn der Studie eingewandert sein, da sie und ihre Jungen einen mitochondrialen Haplotyp hatten, den sonst kein Tier im Untersuchungsgebiet aufwies.

Ausgesetzte Haustiere konnten nicht nachgewiesen werden. Zutraulichere Tiere, die Katzenbetreuer für ausgesetzte Katzen hielten, zeigten in der Analyse der mitochondrialen DNA gleiche Haplotypen wie ansässige Tiere. Bei der hohen genetischen Variabilität domestizierter Katzen wäre im Falle ausgesetzter Tiere mit anderer Abstammung mit unterschiedlichen Haplotypen zu rechnen.

Junge Kater wanderten in jedem Fall im Alter zwischen einem und zwei Jahren von ihrem Geburtsort ab, ihre neuen Kerngebiete befanden sich zwischen 100 und 300 m von ihren Geburtsorten entfernt. Meist erfolgte die Abwanderung schrittweise (Abb. 30), oder die Tiere pendelten zunächst zwischen Geburtsort und dem späteren neuen Kerngebiet.


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Abb. 30: Beispiel für die Abwanderung eines jungen kastrierten Katers von seinem Geburtsort (geboren im Juni 1996)

Die neuen Streifgebiete lagen stets innerhalb des Untersuchungsgebietes. Junge Kater absolvierten im Alter von 7-10 Monaten einzelne, relativ weite Exkursionen (Brüder z.T. zusammen), deren Ziele weiter entfernt waren als ihre späteren neuen Streifgebiete, aber in derselben Richtung lagen. Dabei wurden zwischen Ausgangs- und Endpunkt einer Exkursion bis zu 500 m Luftlinie zurückgelegt. Leider gelang es nicht, die Jugendentwicklung eines unkastrierten Katers längere Zeit zu verfolgen, da die drei mit Funkhalsbändern ausgestatteten Tiere im Alter zwischen 12 und 18 Monaten starben oder verschwanden. Bis zu diesem Alter unterschied sich das Abwanderungsverhalten zwischen kastrierten und unkastrierten jungen Katern nicht.

Adulte unkastrierte Kater verließen das Untersuchungsgebiet häufig auf Grund ihrer großen Streifgebiete und wechselten innerhalb des Gebietes ihre bevorzugten Aufenthaltsorte. Direkte Abwanderungen konnten nicht nachgewiesen werden, sind jedoch bei einem der untersuchten Kater auch nicht auszuschließen, da dieser trotz Funkhalsband spurlos verschwand.

Insgesamt 28 Tiere wurden weniger als zwei Monate lang im Untersuchungsgebiet beobachtet (meist an der videoüberwachten Futterstelle), einige davon nur an einem oder zwei Tagen („Durchzügler“). Drei weitere Tiere tauchten in mehrwöchigen Abständen mehrmals auf, lebten aber nicht dauernd im Untersuchungsgebiet. Ein Kater dieser Gruppe wurde später im Gebiet ansässig.


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4.4  Vergleich der Teilpopulationen

Wie im Abschnitt 4.1.5 dargelegt, konnten bei Auswertung der Verwandtschaftsverhältnisse der Katzen zwei signifikant unterschiedliche Teilpopulationen nachgewiesen werden, deren Vorhandensein sich auch in der Raumnutzung der Tiere widerspiegelte. Da Voruntersuchungen Unterschiede bezüglich Populationsdichte und Gesundheitsstatus der Katzen zwischen beiden Teilpopulationen ergaben (siehe Abb. 27 und Abb. 32), wurden beide Teilpopulationen systematisch miteinander verglichen und die Ursachen der Unterschiede untersucht.

4.4.1  Populationsbiologie

Beim Vergleich der beiden Teilpopulationen wurden große Unterschiede deutlich (Abb. 31). In Teilpopulation 1 waren vor Beginn der Studie etwa zwei Drittel der adulten Tiere im Rahmen von Tierschutz-Aktionen kastriert worden, in Teilpopulation 2 dagegen waren alle adulten Weibchen und zwei Drittel der Kater unkastriert (Unterschied beim Anteil der kastrierten Weibchen signifikant mit p < 0,05, Fisher-Test). Als Folge der unterschiedlichen Reproduktionsrate lag das Durchschnittsalter in Teilpopulation 1 bei 7,1 Jahren, das in Teilpopulation 2 dagegen bei 2,4 Jahren (Unterschied in der Altersstruktur signifikant mit p < 0,05, Chi²-Test). Die Populationsdichte betrug 0,83 Katzen je ha in Teilpopulation 1 und 1,20 Katzen /ha in Teilpopulation 2.

Es konnten keine Unterschiede hinsichtlich der Struktur des Untersuchungsgebietes, der Verfügbarkeit von Futter oder von Verstecken ermittelt werden. Ursache der Unterschiede zwischen beiden Teilpopulationen waren vielmehr verschiedene Strategien der Betreuer bezüglich der Populationskontrolle und der Fütterungs-Methodik.

Abb. 31: Vergleich von Alters- und Geschlechtsstruktur in Teilpopulation 1 und 2 (jeweils Kater links, Katzen rechts eingetragen)


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In Teilpopulation 1 waren mehrere Tierschützer aktiv, die sich besonders um die Kastration von Katzen bemühten. Hier waren die meisten Tiere individuell bekannt und wurden einzeln oder in kleinen Gruppen (bis zu drei Tiere) gefüttert. Tauchten neue Tiere auf, bemühten sich die Betreuer um eine gezielte Anfütterung sowie um eine baldige Kastration bzw. um die Vermittlung von Jungtieren. Mit dem erreichten Anteil kastrierter Tiere waren die Möglichkeiten der Betreuer allerdings weitgehend ausgeschöpft. Die verbliebenen unkastrierten Tiere waren entweder den Betreuern unbekannt, oder sie konnten auf Grund ihrer Scheu nicht gefangen werden. Jedoch wurden die meisten Jungtiere gefangen und vermittelt.

In Teilpopulation 2 dagegen überwogen große Futterstellen (bis zu zehn Tiere) und anonyme Fütterungen. Es waren ebenfalls mehrere Futterplätze vorhanden, die meisten Betreuer wußten jedoch nicht genau, wie viele und welche Tiere gefüttert wurden. Sporadisch wurden Fangaktionen durchgeführt, meist wurden aber Kater und Jungtiere (oft auch Durchzügler) gefangen, deren Kastration die Reproduktionsrate der ansässigen Population kaum beeinflußte.

4.4.2  Gesundheitsstatus

Abb. 32 zeigt, daß sowohl FIV- als auch FeLV-positive Fälle in den Teilpopulationen unterschiedlich häufig vorkommen (Unterschied zwischen den Teilpopulationen signifikant mit p < 0,001, Chi²-Test). Das gilt besonders für die FeLV-positiven Tiere, die (bis auf eine Ausnahme) alle dieselbe Futterstelle nutzten.

Abb. 32: Ergebnisse der Tests auf FIV und FeLV

negativ = gefüllte Kreise, Test auf FIV positiv = grüne Fünfecke, Test auf FeLV positiv = rote Fünfecke, beobachtete Katzen ohne Test = leere Kreise


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Parasitosen wurden im Gegensatz zu FIV- und FeLV-Infektionen unabhängig von den Futterstellen im ganzen Gebiet verteilt nachgewiesen. Bei den Endoparasitosen konnte kein Zusammenhang zwischen Kontakt der Katzen und Parasiten festgestellt werden (Abb. 33). Ektoparasiten dagegen kamen zwar überall vor, Katzen aus denselben sozialen Gruppen hatten jedoch meist die gleichen Parasitenarten (Abb. 34).

Abb. 33: Ergebnisse der Untersuchung auf Endoparasiten

negativ = gefüllte Kreise, Nachweis von Bandwürmern = violette Punkte, Spulwürmern = gelbe offene Vierecke, Kokzidien = hellblaue Fünfecke, Toxoplasmen = rote Sterne,beobachtete Katzen ohne Test = leere Kreise

Abb. 34: Ergebnisse der Untersuchung auf Ektoparasiten

negativ = gefüllte Kreise, Nachweis von Flöhen = blaue Punkte, Läusen = rote Dreiecke, Haarlingen = gelbe Vierecke und Ohrräude = hellblaue offene Punkte, beobachtete Katzen ohne Test = leere Kreise


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Die beiden Teilpopulationen unterschieden sich signifikant bezüglich des Gesundheitsstatus (p < 0,05, U-Test). Nach Einordnung aller Tiere auf einer Skala zwischen 1 (völlig gesund) und 10 (schwer krank) (siehe Abschnitt 3.3.6) lag der durchschnittliche Wert von Teilpopulation 1 bei 3,9 und der von Teilpopulation 2 bei 6,1 (Abb. 35). Dieser Wert ist besonders bemerkenswert, da das durchschnittliche Alter in Teilpopulation 1 höher lag als in Teilpopulation 2 (siehe Abschnitt 4.4.1) und Tiere im Alter von weniger als 2 Jahren einen signifikant besseren Gesundheitsstatus hatten als ältere Tiere (p < 0,005, U-Test).

Abb. 35: Vergleich der beiden Teilpopulationen bezüglich des Gesundheitsstatus (Streuungsmaß: Standardabweichung)

4.4.3  Reproduktion

Da fast alle weiblichen unkastrierten Katzen Nachkommen hatten, war entsprechend des geringeren Anteils kastrierter weiblicher Katzen die Reproduktionsrate in Teilpopulation 1 deutlich niedriger als in Teilpopulation 2. Es konnte kein Unterschied in der Anzahl der Nachkommen je fertiler Katze und Jahr festgestellt werden.

4.4.4  Mortalität

Bezüglich der Mortalität gab es zwischen beiden Teilpopulationen erkennbare Unterschiede, allerdings sind diese durch die geringen Tierzahlen nicht signifikant. Tendenziell war der Anteil dauerhaft im Gebiet lebender Tiere in Teilpopulation 1 sowie der


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Anteil der Tierverluste in Teilpopulation 2 höher (Tierverluste 57 % in Teilpopulation 1, 80 % in Teilpopulation 2, Power = 0,25).

4.5  Vergleich von unkastrierten und kastrierten Tieren

4.5.1  Gesundheitsstatus

Beim Vergleich der Erkrankungen waren keine signifikanten Unterschiede zwischen kastrierten und unkastrierten Tieren festzustellen, da zu wenig Fälle je Krankheit und Katzen-Typ vorkamen (siehe Tab. 24). [Lediglich bei Jungtieren traten bestimmte Erkrankungen auffällig seltener auf.]

Tab. 24: Häufigkeit der beobachteten Erkrankungen im Vergleich zwischen adulten kastrierten und unkastrierten weiblichen Katzen und Katern

Außerdem wurde für jede veterinärmedizinisch untersuchte Katze ein Wert berechnet, der ihren Gesundheitsstatus ausdrückt und einer Position auf einer Skala von 1 (völlig gesund) bis 10 (schwer krank) entspricht (siehe Methoden, Abschnitt 3.3.6). Die Auswertung der individuellen Skalenwerte weist auf Unterschiede zwischen kastrierten und unkastrierten Tieren hin (siehe Tab. 25), die Unterschiede sind jedoch nicht signifikant (U-Test), da die Anzahl der Fälle zu gering ist (Power-Analyse, Power = 0,18).


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Tab. 25: Vergleich der verschiedenen Katzen-Typen anhand der Einschätzung ihres Gesundheitszustandes

 

Durchschnittlicher Wert nach Einschätzung des Gesundheitsstatus [Skala von 1 (völlig gesund) bis 10 (schwer krank)]

Standardabweichung

Unkastrierte Weibchen

6,33

3,14

Kastrierte Weibchen

4,80

1,48

Unkastrierte Kater

6,40

2,88

Kastrierte Kater

4,25

2,63

jünger als 2 Jahre

3,94

2,14

4.5.2  Mortalität

Insgesamt starben bzw. verschwanden im Untersuchungsgebiet mehr unkastrierte als kastrierte Kater und mehr kastrierte als unkastrierte weibliche Katzen. Legt man jedoch die Zahl der im Untersuchungsgebiet vorhandenen Tiere zugrunde, ist bei beiden Geschlechtern die Mortalität der unkastrierten Tiere höher (Tab. 26).

Tab. 26: Vergleich der Mortalität bei kastrierten und unkastrierten Katern und weiblichen Katzen (Unterschiede nicht signifikant nach Logistischer Regression (SPSS), Tierzahl zu gering nach Power-Analyse, Kater Power = 0,19, Katzen Power = 0,11) (sicher oder mutmaßlich vermittelte Tiere nicht enthalten)

 

Im Untersuchungsgebiet

Tot / verschollen

%

Weibchen unkastriert

7

4

57,1

Weibchen kastriert

14

6

42,9

Kater unkastriert

10

7

70,0

Kater kastriert

8

4

50,0

Dabei waren bei Katern Unfälle, bei weiblichen Katzen dagegen Krankheiten häufigere Todesursache. Die Fallzahlen sind jedoch zu gering, um genauere Aussagen zu treffen (Power-Analyse), die Unterschiede sind nicht signifikant (logistische Regression SPSS).


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4.5.3  Raumnutzung

Die Streifgebiete der beobachteten Tiere waren - verglichen mir anderen Studien - ausnahmslos relativ klein. Durchschnittliche Gesamtnutzungsgebiete für Tiere einer Klasse zeigen folgendes Bild (siehe auch Abb. 15).

Abb. 36: Gesamtnutzungsgebiete als Durchschnitt aller Tiere einer Klasse (aus Minimum-Convex-Polygonen unter Einschluß temporärer Verlagerungen des individuellen Home Range jeder Katze bestimmt), * = Unterschied signifikant

Die Streifgebiete unkastrierter Kater waren ca. zehnmal so groß wie die kastrierter Kater (Unterschied signifikant nach Fisher, p < 0,05), die der kastrierten Kater und unkastrierten Weibchen waren etwa gleich groß, die der kastrierten Weibchen am kleinsten. Die Größen der Streifgebiete unterschieden sich nicht signifikant zwischen kastrierten und unkastrierten weiblichen Katzen (Fisher-Test).

4.5.4  Sozialverhalten

Das Sozialverhalten kastrierter und unkastrierter Kater zeigte signifikante Unterschiede (U-Test, p < 0,05) (Abb. 37, siehe auch Abb. 28). Kastrierte Kater waren sozial oder tolerant gegenüber anderen Katzen, sie lebten in Gruppen mit anderen oder wurden zumindest vor und bei Fütterungen zusammen mit anderen Tieren angetroffen, in der Regel mit denselben Partnern. Ein spät (im Alter von ca. 6 Jahren) kastrierter Kater allerdings zeigte agonistisches Verhalten gegenüber anderen Tieren, wurde aber auch häufig tolerant zusammen mit anderen angetroffen. Vor Eintritt der Geschlechtsreife kastrierte Kater zeigten sich zurückhaltend oder ängstlich gegenüber fremden Tieren, lebten aber oft sozial in Gruppen zusammen mit anderen Katzen. Unkastrierte Kater dagegen schliefen und ruhten allein. Wurden sie am Futterplatz oder anderswo zu-


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sammen mit anderen Tieren angetroffen, so hatten sie wechselnde Partner und verhielten sich tolerant. Zwei adulte unkastrierte Kater wurden beobachtet, wie sie dasselbe rollige Weibchen besuchten, dabei verhielten sie sich tolerant gegeneinander. Ebenso wurde das neugierige Jungtier einer paarungsbereiten Katze toleriert.

Abb. 37: Vergleich zwischen kastrierten und unkastrierten Katzen und Katern bezüglich des Sozialverhaltens

(Unterschied zwischen kastrierten und unkastrierten Katern signifikant, Fisher-Test p < 0,025; bei weiblichen Katzen kein signifikanter Unterschied)

Die Kontaktrate kastrierter und unkastrierter weiblicher Katzen zeigte große individuelle Unterschiede (Abb. 28). Kastrierte Katzen waren häufiger tolerant, d.h. an Futterstellen mit anderen, auch wechselnden Partnern zusammen. Unkastrierte Katzen dagegen lebten häufiger solitär oder sozial mit anderen Tieren zusammen. Die Unterschiede sind jedoch nicht signifikant (U-Test). Zwischen weiblichen Katzen wurde kein agonistisches Verhalten beobachtet, an Futterplätzen zusammentreffende Tiere tolerierten sich. Videoaufnahmen der Catbox zeigten, daß in der Regel das zuerst eingetroffene Tier zuerst fraß und das später gekommene Tier wartete.

4.5.5  Sichtbarkeit

Anders als erwartet war die Sichtbarkeit der Tiere nicht von der Kastration oder Fertilität der Tiere abhängig, sie war auch bei Jungtieren nicht besonders hoch. Zwar waren die individuellen Unterschiede sehr groß, jedoch keiner Tier-Kategorie zuzuordnen (Abb. 38, siehe auch Abb. 29).


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Abb. 38: Vergleich der Sichtbarkeit zwischen kastrierten und unkastrierten Katern und Katzen sowie Jungtieren

4.6  Umsetzen fremder Tiere in das Untersuchungsgebiet

Die von uns freigesetzten adulten Tiere verblieben beide im Untersuchungsgebiet. Sie legten in den ersten ca. drei Wochen nach ihrer Freisetzung überdurchschnittlich große Strecken zurück, danach entsprachen Raumnutzung und Verhalten dem der ansässigen Katzen. Es wurden kein aggressives Verhalten der ansässigen Tiere gegenüber den freigesetzten Katzen beobachtet. Beide Tiere lebten dauerhaft solitär, wurden aber an Futterplätzen zusammen mit anderen Tieren angetroffen.

Das weibliche kastrierte Tier lebte bis zum Ende der Beobachtungen drei Jahre später direkt bei der IZW-Catbox, der Mittelpunkt ihres Streifgebietes entsprach nahezu exakt dem Ort ihrer Freilassung. Ihr maximales Streifgebiet hatte eine Größe von 2,4 ha, während die durchschnittliche Streifgebietsgröße von je 100 Punkten lediglich 0,8 ha betrug. Ihr Verbleib an der Catbox erstaunte uns, da dort zur gleichen Zeit ein adultes unkastriertes Weibchen mit ihren vier fast einjährigen Jungen lebte. Die beiden adulten Weibchen wurden nur gelegentlich am Futterplatz zusammen beobachtet, in solchen Fällen fraßen sie in der Reihenfolge ihres Eintreffens. In seltenen Fällen kam es zu Sozialkontakten zu den jungen Katern, die von den Katern ausgingen. Die Kontakte gegenüber dem jungen Weibchen waren ähnlich selten wie gegenüber deren Mutter und änderten sich nicht, als die junge Katze ab Juni 1997 ein Jungtier aufzog.

Der ebenfalls an der IZW-Catbox freigesetzte kastrierte Kater wanderte ca. 100 m weit ab und teilte sich später zwei Futterplätze mit je einem der gleichfalls abgewanderten jungen Kater. Bis zu seinem plötzlichen Verschwinden im Mai 1999 lebte er in einem


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überdurchschnittlichen großen, insgesamt 7,6 ha großen Streifgebiet (die durchschnittliche Größe des Streifgebietes von je 100 Punkten betrug 2,4 ha bei kastrierten Katern und 4,6 ha bei ihm). Die Catbox war zu jeder Zeit Bestandteil seines Streifgebietes und wurde von ihm regelmäßig mehrmals pro Woche frequentiert. Dieser Kater wurde an Futterplätzen häufig zusammen mit verschiedenen anderen Tieren beobachtet. Er verhielt sich überdurchschnittlich aggressiv gegenüber den ein- bis zweijährigen jungen Katern, unabhängig davon, ob diese kastriert waren, war aber tolerant gegenüber adulten Katern. Sein Verhalten gegenüber weiblichen Tieren wechselte zwischen Aggression und Toleranz, auch gegenüber denselben Tieren. Er wurde als einziges Tier bei aggressiven Angriffen auf andere Tiere beobachtet und verletzte zwei subadulte Kater durch Bisse.

4.7  Auswirkungen der Kastration aller weiblichen Katzen in einer Teilpopulation

4.7.1  Einfluß der Kastration auf das Einzeltier

4.7.1.1 Einfangen und Zurückbringen einzelner Tiere

Es konnte kein Unterschied im Verhalten der kastrierten Katzen nach dem Zurückbringen in das Gebiet festgestellt werden. Die Tiere nutzten ihre angestammten Streifgebiete, Schlafplätze und Futterstellen ebenso wie vor der Kastration. Es wurde kein aggressives Verhalten der verbliebenen gegenüber den zurückgebrachten Katzen beobachtet. Zu berücksichtigen ist jedoch, daß alle kastrierten Katzen innerhalb einer Woche in das Gebiet zurückgebracht wurden.

4.7.1.2 Gewicht

Als eine Folge der Kastration wird gelegentlich Adipositas (Fettsucht) der kastrierten Tiere beschrieben (Johnston 1991, Oettel 1981, Rees 1981). Das Gewicht der von uns untersuchten Tiere variierte individuell und saisonal sehr stark, so daß ein statistischer Vergleich zwischen den Katzen-Typen mit der vorliegenden Datengrundlage nicht möglich war.

Beim Vergleich der Daten eines einzelnen Weibchens vor und nach der Kastration zeigte sich tatsächlich eine Gewichtszunahme nach der Kastration, wenn man die Zeiten der Trächtigkeiten vor der Kastration (1997, 1998) außer acht läßt (Abb. 39). Die Saisonalität der Gewichtsentwicklung blieb trotz Kastration erhalten und wurde auch


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bei anderen kastrierten (und unkastrierten) Tieren festgestellt.

Abb. 39: Gewicht eines Weibchens als Durchschnittswert je einer Woche, Vergleich zwischen den Jahren 1997, 1998 und 1999, die Kastration erfolgte im April 1998

Die Tendenz der Gewichtszunahme nach der Kastration zeigten auch andere untersuchte Tiere, jedoch liegen von diesen nicht genügend Daten vor, um das Ergebnis statistisch abzusichern.

4.7.1.3 Raumnutzung

Das Ergebnis des Vergleichs der Home Range-Größen als Durchschnitt aller Tiere einer Klasse (Abb. 36) ließ erwarten, daß sich die Streifgebiete der untersuchten Tiere nach der Kastration verkleinern würden.

Da die Datenmenge vor und nach der Kastration durch den Tod von Tieren während der Untersuchungszeit zum Teil erheblich differierte, verglichen wir die Größe der Streifgebiete in Abhängigkeit von der Anzahl der Peilungen des betreffenden Tieres (Abb. 40).

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Abb. 40: Home Range-Größen weiblicher Katzen vor und nach der Kastration in Abhängigkeit von der Anzahl der Peilungen

(„voKa“ = vor Kastration, „naKa“ = nach Kastration)

Hierbei zeigte sich, daß sich die Streifgebiete der Tiere nach der Kastration um ca. 15 % verkleinerten. Die individuellen Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren waren erheblich größer als die zwischen demselben Tier vor und nach der Kastration.

4.7.1.4 Sozialverhalten

Die Kontaktrate weiblicher Katzen gegenüber anderen Tieren vor und nach der Kastration unterschied sich wenig (Abb. 41).

Abb. 41: Kontaktrate weiblicher Katzen vor und nach der Kastration

Es zeigte sich, daß die sozialen Tiere die fehlenden Kontakte mit ihren Jungtieren


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durch engeres Gruppenleben mit anderen adulten Katzen (Alina) bzw. mit ihrem vorjährigen Jungtier (Kingy) ausglichen. Die solitäre Katze (Kitty) dagegen wurde auch in der Zeit vor der Kastration nur selten mit Jungtieren beobachtet, da sie selbst sehr scheu war und die Kätzchen im Versteck zurückließ, solange sie klein waren. Die zweite solitäre Katze (Bessi) wurde erst ab Dezember beobachtet, so daß Kontakte mit Jungtieren vor der Kastration bei ihr nicht beobachtet wurden.

4.7.1.5 Sichtbarkeit

Wie schon beim Vergleich der Sichtbarkeit von kastrierten und unkastrierten Tieren festgestellt, änderte sich auch die Sichtbarkeit der vor und nach der Kastration beobachteten weiblichen Katzen kaum (Abb. 42).

Abb. 42: Sichtbarkeit während der Peilungen vor und nach der Kastration weiblicher Katzen

Die höhere Sichtbarkeit der Katze Bessi nach der Kastration beruht auf der geringeren Deckung von Gebüschen in den Herbstmonaten. Da die Katze im Juli kastriert und im darauffolgenden November überfahren wurde, liegen von ihr nach der Kastration überwiegend Daten aus der Zeit nach dem Laubfall vor (siehe Tab. 3). Von den anderen Katzen konnten die Daten über längere Zeiträume erhoben werden.

Das Verhalten der kastrierten Katzen gegenüber Menschen änderte sich ebenfalls nicht nachweisbar, die Tiere wurden weder zahmer (auf Grund der Betreuung durch Menschen während der Nachsorge) noch scheuer (durch den erlittenen Streß). Keines dieser Tiere suchte oder duldete jemals Körperkontakt mit Menschen.


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4.7.2  Einfluß der Kastration aller weiblichen Katzen auf die Teilpopulation

Zur Kastration aller weiblichen Katzen wählten wir die Teilpopulation 1 aus, in der schon vor Beginn unserer Untersuchungen zwei Drittel aller Weibchen kastriert waren. Die Reproduktionsrate war trotzdem noch so hoch, daß die Populationsdichte tendenziell anstieg (Abb. 43). Durch die Auswahl dieser Teilpopulation konnte gewährleistet werden, daß tatsächlich ausnahmslos alle Weibchen kastriert wurden. Zudem befand sich die videoüberwachte Futterstelle (Catbox) im Areal dieser Teilpopulation, wodurch neu einwandernde oder das Gebiet durchwandernde Tiere auch bei heimlicher Lebensweise gut erfaßt werden konnten.

4.7.2.1 Populationsdichte

Es konnte eine Verringerung der Populationsdichte nach der Kastration der weiblichen Katzen aus Teilpopulation 1 festgestellt werden (Abb. 43). Ohne die Kastration hätte sich der Trend zur Erhöhung der Katzenzahl wahrscheinlich fortgesetzt, da mehrere der Weibchen trächtig waren (insgesamt 15 Feten). Während vor der Kastration aller weiblichen Katzen die Populationsdichte tendenziell anstieg, zeigt die lineare Regression nach der Kastrationsaktion eine negative Entwicklung.

Abb. 43: Anzahl der ansässigen Katzen in Teilpopulation 1 vor (rot), während (grau) und nach (blau) der Kastration aller weiblichen Katzen, mit Trendlinien (gestrichelt)

Im Frühjahr 1998 (vor der Kastration der Weibchen) wurden 15 ansässige Katzen im Gebiet der Teilpopulation gezählt, im Frühjahr 1999 (nach der Kastration aller Weibchen) lebten 12 ansässige Katzen im Gebiet. In der Zwischenzeit starben bzw. verschwanden 7 ansässige Katzen und 6 Tiere wanderten zu, von denen 4 überlebten und im Gebiet blieben. Das entsprach einer durchschnittlichen Populationsdichte von


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0,78 ansässigen Katzen je Hektar vor und 0,62 nach der Kastration aller weiblichen Tiere bzw. einer Abnahme um ca. 20 %. Bis Ende 1999 starben weitere 3 Tiere und ein kastrierter Kater verschwand, so daß nur noch 8 ansässige Katzen im Gebiet der Teilpopulation verblieben (0,41 Katzen je ha). Der Unterschied war nicht signifikant (Binomialtest), jedoch wurde im vergleichbaren Zeitraum Frühjahr 1996 (15 ansässige Katzen) gegenüber 1997 (16 ansässige Katzen) keine vergleichbare Verringerung der Populationsdichte beobachtet. Bis September 2000 wurden im Untersuchungsgebiet kein erneuter Anstieg der Populationsdichte und keine Jungtiere festgestellt.

4.7.2.2 Zuwanderung

Nach der Kastration aller weiblichen Katzen in Teilpopulation 1 im April 1998 kam es zwischen September 1998 und April 1999 zu einer signifikant erhöhten Zuwanderung fremder adulter Katzen in das Gebiet der Teilpopulation 1 (p < 0,005, Fisher-Test). Während vor 1998 keine Zuwanderung einer Katze registriert wurde, wanderten ab September 1998 insgesamt sechs Tiere zu. Dabei handelte es sich um ein junges unkastriertes Weibchen, drei adulte unkastrierte Kater und zwei Tiere mit unbekanntem Geschlecht und unbekanntem Fertilitätsstatus. Einer der Kater wurde vor der Kastration aller Weibchen mehrmals kurz im Untersuchungsgebiet beobachtet, war aber nicht ansässig. Nach der Kastration der Weibchen und dem Wegfall der Reproduktion wurde er dauerhaft ansässig. Das zugewanderte junge Weibchen starb im Februar 1999 an einer unklaren Erkrankung, eines der unbekannten Tiere verschwand nach einigen Wochen, die anderen vier Tiere blieben im Untersuchungsgebiet.

4.7.2.3 Verhalten der reproduktiven Kater

Es konnte kein Einfluß der Kastration aller weiblichen Katzen der Teilpopulation 1 auf die im Untersuchungsgebiet lebenden Kater festgestellt werden. Weder wanderten die im Gebiet von Teilpopulation 1 lebenden unkastrierten Kater ab, noch wurden weniger umherstreifende Kater beobachtet als in den Jahren, als im Gebiet fertile Weibchen lebten (Tab. 27).

Tab. 27: Im Gebiet der Teilpopulation 1 beobachtete adulte Kater, ansässige Kater (mind. 3 Monate im Gebiet) sind fett gedruckt, reproduktive Kater unterlegt (Kastration aller Weibchen erfolgte 1998)


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Abb. 44: Anzahl fertiler Kater an der Catbox (Kastration der Weibchen im April 1998) (kein signifikanter Unterschied zwischen 1996-98 und 1999 nach Kolmogorov-Smirnov-Test)

In der Paarungszeit konnte keine Veränderung des Verhaltens der Kater gegenüber den weiblichen Katzen festgestellt werden (mit Ausnahme des fehlenden Deckaktes). Die kastrierten weiblichen Katzen wurden während der Paarungszeit ebenso wie Weibchen vor Beginn und während der Rolligkeit von bis zu fünf Katern aufgesucht, wobei sich ein Kater mehrmals bis zu 20 Minuten in ihrer Nähe aufhielt, meist liegend


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oder sitzend und mit deutlich auf das Weibchen gerichtetem Verhalten (Abb. 45).

Abb. 45: Verhalten eines fertilen Katers gegenüber einem unkastrierten (Bild a) und einem kastrierten Weibchen (Bild b) in der Paarungszeit; bei Bild a) kam es 20 min später zur Paarung

Dieses Verhalten unterschied sich deutlich vom Verhalten derselben Kater außerhalb der Paarungszeit, wo sie lediglich in der Catbox fraßen.

4.7.2.4 Nutzung der IZW-Futterstelle

Die Anzahl der Katzen, welche die Catbox aufsuchten, verringerte sich signifikant nach der Kastration der weiblichen Katzen in Teilpopulation 1 (Abb. 46) [Wilcoxon-Test, p < 0,005 (die Signifikanzwerte in diesem Abschnitt müssen jedoch vorsichtig interpretiert werden, da die Daten seriell abhängig sind)].

Abb. 46: Anzahl aller Tiere, welche die Catbox aufsuchen (Kastration der Weibchen im April 1998) (signifikanter Unterschied zwischen 1997 und 1999 nach Wilcoxon-Test, p < 0,005)

Die Gesamtzahl der Katzen-Besuche nahm noch deutlicher ab (Abb. 47), der Unterschied war ebenfalls signifikant (Wilcoxon-Test, p < 0,0005).

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Abb. 47: Häufigkeit der Catbox-Nutzung (alle Tiere); Nutzung pro Tag als Mittelwert aller Daten (Kastration der Weibchen im April 1998) (signifikanter Unterschied zwischen 1997 und 1999 nach Wilcoxon-Test, p < 0,0005)

Ursache für die Verringerung der Katzenbesuche bei weniger verringerter Anzahl frequentierender Tiere war der „Ausfall“ neuer Jungtiere, da alle in der Nähe der Catbox geborenen Jungtiere diese während ihrer Jugendentwicklung überaus häufig nutzten, ebenso besuchten Katzen während der Trächtigkeit und Laktation die Futterstelle häufiger als gewöhnlich (Abb. 48).

Abb. 48: Vergleich der Catbox-Nutzung durch ansässige Katzen und Kater, fremde adulte Tiere sowie Jungtiere; Nutzung pro Tag als Mittelwert aus 5., 15. Und 25. Tag des Monats

Bei den einzelnen Tieren war die Häufigkeit der Nutzung vor allem davon abhängig, ob die Catbox im Kern- oder im Randbereich ihres Streifgebietes lag. Weibliche Katzen außerhalb der Reproduktionszeit und kastrierte Katzen besuchten die Catbox zwischen einmal und mehrmals täglich, kastrierte Kater maximal ein- bis zweimal pro Tag. Adulte unkastrierte Kater nutzten die Futterstelle ein- bis zweimal in der Woche oder seltener.


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15.09.2005