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Schlußfolgerungen

Verwilderte Katzen in Städten bilden sich selbst erhaltende Populationen. Entgegen der landläufigen Meinung spielen ausgesetzte Heimtiere nur eine geringe Rolle, da unter Stadtbedingungen Katzen, die menschliche Betreuung annehmen, in der Regel schnell einen neuen Besitzer finden oder zur Vermittlung durch Tierschutzorganisationen gelangen. Es gibt jedoch einen Austausch zwischen Heimtieren und verwilderten Katzen auf der Ebene von Individuen (Aufnahme von Jungtieren und zugelaufenen adulten Katzen in menschliche Obhut, Aussetzen oder Weglaufen mit anschließendem Verwildern von Heimtieren) sowie auf genetischer Ebene (Paarungen zwischen Heimtieren mit Freilauf und verwilderten Katzen).

Verwilderte Katzen in hoher Populationsdichte stellen unter Stadtbedingungen ein ernstzunehmendes Problem dar. Sie bilden die individuenstärkste Population von Prädatoren für Kleinsäuger und Vögel. In der vorliegenden Studie wurden allerdings nur geringe Jagdaktivitäten festgestellt, möglicherweise spielte das hohe Durchschnittsalter der beobachteten Katzen eine Rolle. Beim Jagen beobachtete Katzen waren meist Jungtiere führende Weibchen oder subadulte, sehr aktive Tiere. Die verwilderten Katzen stellen außerdem ein Reservoir für verschiedene Infektionskrankheiten dar und können dadurch eine Infektionsgefahr für freilaufende Heimtiere darstellen. Durch Toxoplasmen, die mit dem Kot verwilderter Katzen in die Erde gelangen, werden vor allem schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder gefährdet. Bei erneutem Auftreten von Tollwut könnten zudem Menschen, v.a. Kinder, durch verwilderte Katzen direkt gefährdet werden. Anwohner fühlen sich bei hoher Populationsdichte häufig belästigt, vor allem durch „herumlungernde“ und bettelnde Katzen, lautstarke Katerkämpfe und Uringeruch. Durch unsaubere Futterplätze werden zudem Fliegen, Ratten, Elstern und Tauben angezogen.

Bei geringer Populationsdichte dagegen werden verwilderte Katzen meist gern gesehen. Das Beobachten, Füttern und Betreuen ist ein kontaktförderndes und befriedigendes Hobby für viele, meist ältere Katzenliebhaber, die sich hingebungsvoll um die Tiere kümmern. Den Anwohnern, die an den Katzen nicht interessiert sind, fallen wenige in einem Gebiet lebende Tiere oft gar nicht auf. Bei geringer Populationsdichte werden auch Infektionskrankheiten weniger schnell verbreitet, so daß der Gesundheitsstatus der Tiere besser ist. Auch spielt die Jagdbeute weniger Katzen für Vogelpopulationen keine große Rolle. Deshalb muß es das Ziel aller Maßnahmen sein, stabile Katzenpopulationen mit gutem Gesundheitsstatus auf niedrigem Niveau zu halten.


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Es hat in der Vergangenheit zahlreiche vergebliche Versuche gegeben, Populationen verwilderter Katzen zu beseitigen. Offenbar ist es praktisch nicht durchführbar. Katzenliebhaber widersetzen sich radikalen Maßnahmen (politische Nicht-Durchsetzbarkeit). Verwilderte Katzen werden (wie auch andere Säugetiere) bei hohem Verfolgungsdruck zunehmend vorsichtig und scheu, so daß der Aufwand für die Maßnahmen immer mehr ansteigt (biologische Nicht-Durchsetzbarkeit). Zudem würden bei Totalausfall der verwilderten Katzen die entstehenden ökologischen Nischen durch freilaufende Heimkatzen, neu verwildernde Katzen und/oder andere Säugetierarten besetzt.

Eine Reproduktionskontrolle der verwilderten Katzen ist unter Stadtbedingungen unbedingt notwendig. In den heutigen Städten ist die Reproduktionsrate größer als die natürliche Mortalität, so daß die Populationsdichte verwilderter Katzen ohne menschlichen Eingriff ansteigt. Ein Anwachsen und Zusammenbrechen von Katzenpopulationen (z.B. durch Ausbruch von Infektionskrankheiten) ist nicht erwünscht, da kranke Katzen eine besonders hohe Infektionsgefahr darstellen. Anwohner werden zudem durch größere Zahlen kranker, sterbender oder toter Katzen in Wohngebieten stark beunruhigt. Aus diesen Gründen muß bereits dem Populationsanstieg vorgebeugt werden.

Nach heutigem Wissensstand ist die Kastration der weiblichen Katzen das Mittel der Wahl. Allerdings wurde in der vorliegenden Studie festgestellt, daß selbst bei einem Anteil von zwei Dritteln kastrierter weiblicher Katzen noch Populationszuwachs zu beobachten war. Bei Kastrationsaktionen, die durch ehrenamtliche Helfer und mit den üblichen Fallensystemen durchgeführt werden, ist ein Anteil von ca. 50 % kastrierter Katzen eines Gebietes erreichbar. Ausgeglichen wird die relativ geringe Quote kastrierter Katzen meist durch Wegnahme und Vermittlung von Jungtieren. Die frühe Wegnahme vollständiger Würfe sollte jedoch vermieden werden, da dies eine Steigerung der Reproduktionsrate auslösen kann. Um einen höheren Anteil von verwilderten Katzen in einem Gebiet kastrieren zu können, sind vor allem effektivere Fangmethoden notwendig.

Die Kastration von Katern ist für die Reproduktionskontrolle wenig effektiv. Es leben stets mehrere unkastrierte Kater in einem Gebiet, bei Ausfall des bisherigen Deckkaters rückt ein anderer Kater des gleichen Gebietes nach oder es wandert ein bisher nicht-seßhafter fremder Kater zu. Aus Sicht des Tierschutzes dagegen ist die Kastration von Katern sinnvoll, da Beschwerden von Anwohnern über verwilderte Katzen meist Katerkämpfen zur Paarungszeit sowie dem Versprühen des stark riechenden „Kater-Urins“ gelten. Zudem ist der Gesundheitsstatus kastrierter Kater besser und die Mortalitätsrate geringer, da sie weniger weit umherstreifen (geringere Gefahr des Überfah-


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renwerdens), weniger mit anderen Katern kämpfen und nicht sexuell aktiv sind (beides sind Übertragungswege für verschiedene Infektionskrankheiten).

Durchschlagende Erfolge der Kastrationsaktionen werden in der Literatur vor allem bei sehr hohen Populationsdichten beschrieben. Die Methode der Kastration einiger Katzen je Gebiet erscheint gut geeignet zur Herstellung einer Populationsdichte, die den verfügbaren Ressourcen entspricht. Selbstregulation und Puffereffekt einer Katzenpopulation verhindern jedoch, daß die Populationsdichte so stark sinkt wie erhofft. Bei geringer Populationsdichte kommt es zum Absinken der Mortalität und zum Anstieg der Zuwanderung fremder Tiere. Populationsdichten benachbarter Gebiete werden durch Zu- bzw. Abwanderung einander teilweise angeglichen. Maßnahmen zur Reproduktionskontrolle sollten deshalb nach Möglichkeit flächendeckend in größeren Gebieten durchgeführt werden. Bei Kastration von verwilderten Katzen in kleinen Arealen kommt es insgesamt gesehen zwar ebenfalls zur Abnahme der Populationsdichte; jedoch wandern in kleine Gebiete mit einem hohen Anteil kastrierter Katzen relativ häufig neue unkastrierte Katzen ein, so daß die Betreuer viel Engagement und eine hohe Frustrationstoleranz aufbringen müssen. Eine Population muß selbst nach vollständiger Kastration aller Tiere weiter betreut werden, da mit der Zuwanderung unkastrierter Katzen zu rechnen ist.

Nach Möglichkeit sollten verwilderte Katzen kastriert, am Fangort wieder freigelassen und gefüttert werden. Dabei ist die Fütterung kleiner Gruppen individuell bekannter Katzen zu bevorzugen. Fütterung von großen Gruppen ist dagegen zu vermeiden, sie sollte von Tierschutzorganisationen und Behörden nicht gefördert werden. Der Gesundheitsstatus der Katzen wird durch Streß, mangelnde Hygiene und häufige Raufereien der Katzen verschlechtert, wodurch die Gefahr der Übertragung von Krankheiten steigt. Beschwerden von Anwohnern sind ebenfalls wesentlich häufiger, wenn große Katzengruppen gefüttert werden, als bei der Fütterung von kleinen Gruppen oder Einzelkatzen. Bei individueller Fütterung kann auch die benötigte Futtermenge besser abgeschätzt werden, so daß keine Futterreste stehenbleiben. Bei hoher Populationsdichte sollten statt einer großen mehrere kleine Futterstellen eingerichtet werden.


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15.09.2005