2 AUFGABENSTELLUNG UND ZIELSETZUNG

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Das Bakterium Helicobacter pylori adhäriert an das Epithel der gastrointestinalen Schleimhautbarriere und induziert eine Immunantwort, die sich humoral und zellulär manifestiert. Die humorale Immunreaktion ist systemisch durch erhöhte IgG-Titer nachweisbar. In der Mukosa werden lokal sekretorische antigenspezifische IgA-Antikörper gebildet.

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Für die vorliegende Arbeit wurden Methoden der Proteom-Analyse zur Identifizierung von Proteinen des Helicobacter pylori eingesetzt. Der Begriff 'Proteomics' oder Proteom-Forschung beschreibt ein neues Gebiet der Biochemie. Er wurde erstmals 1994 auf dem Siena Two Dimensional Electrophorese Meeting in Italien erwähnt und beschreibt die exprimierten PROTEine eines GenOMs (KAHN, 1995).

Das Proteom beschreibt quantitativ alle exprimierten Proteine einer Zelle oder eines Organs (bei höheren Lebewesen) unter genau definierten Bedingungen (HOUSE et al., 1987) und ist einer Vielzahl interner und externer Faktoren, wie Metabolismus und Umwelteinflüssen, ausgesetzt, die das Gleichgewicht zwischen Proteinsynthese, Modifikation und Degradation unterschiedlich stark beeinflussen können. Dies muss in der Proteom-Forschung berücksichtigt werden, um Veränderungen des Proteinmusters auszuschließen, die nicht auf den Zellzustand zurückzuführen sind (ANDERSON und ANDERSON, 1996).

Durch zweidimensionale Gelelektrophorese (2-DE) ist es möglich, mehr als Hälfte aller Proteine eines Zellextrakts aufzutrennen. Auf den Gelen wird das Proteingemisch in der ersten Dimension nach der isoelektrischen Ladung, in der zweiten nach Molekulargewicht aufgetrennt. Bis zu 10 000 Spots sind dann auf einem Gel zu finden. Das jeweilige gewebsspezifische Muster kann gescannt und per Computer mit anderen verglichen werden, etwa mit dem eines kranken Gewebes. Zum Nachweis von Antikörpern gegen bestimmte, Helicobacter pylori-spezifische Antigene dient das sogenannte Immunblotting. Hierzu werden die durch 2-DE aufgetrennten Proteingemische vom Gel auf eine Membran transferiert. Die resultierenden Immunreaktionen beruhen auf dem Prinzip des unten beschriebenen ELISA-Tests.

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Ziel der vorliegenden Studie war es, im Rahmen einer Proteomanalyse

  1. Helicobacter pylori-spezifische Proteine als Hilfsmittel für eine spezifische Diagnose der Serum-Analyse zu nutzen,
  2. die unterschiedliche Immunreaktivität von Helicobacter pylori-infizierten Patientenseren bei verschiedenen gastrointestinalen Krankheitsmanifestationen (wie Gastritis, Ulcus, Karzinom, Lymphom) zu bestimmen,
  3. hoch immunogene Proteine als Vakzinekandidaten zu ermitteln,
  4. die erkannten hochimmunogenen Proteinmuster der einzelnen Patientenseren mit anderen Kriterien der H. pylori-Diagnostik (wie Histopathologie, Bakterienkultur, Urease-Schnelltest, ELISA) zu vergleichen.


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12.09.2006