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6.  Zusammenfassung

In dieser Untersuchung wurde bei Patienten mit transjugulärem intrahepatischen portosystemischen Shunt (TIPS) die besondere anatomische Situation genutzt, um aus der V. mesenterica superior und V. hepatic Blutproben während der enteralen Applikation von mit stabilen Isotop markierten Glutamin zu gewinnen. Daraus konnten Aussagen über die Stoffwechselwege der Amino- und Amidgruppe des Glutamins getroffen werden.

Nach unseren Kenntnissen ist dies die erste humane Untersuchung über die differen­zierte intestinale und hepatale Stoffwechselwege der beiden Stickstoffgruppen des Glutamins.

Die wesentlichen Befunde dieser Untersuchung werden im Folgenden zusammen­gefasst:

  1. Das durch den Dünndarm produzierte Ammonium stammt ganz überwiegend aus der Deamidierung des Glutamins über die Glutaminase-Reaktion. Die Glutamat-Dehydrogenase als Enzym für den Stoffwechsel der Amino-Gruppe des Glutamins bzw. des Glutamats spielt im Dünndarm keine wesentliche Rolle.
  2. Die Beobachtung einer signifikant höheren Anreicherung von 2+5-[15 N] Glutamin nach der Infusion von 5-[15 N] Glutamin in allen Gefäßen und signifikante Transferrate des Amid-Stickstoffes auf das 2+5-[15 N] Glutamin führt zu der Annahme, dass die beiden Stickstoffgruppen des Glutamins austauschbar sind, wobei der Transfer des Amid-Stickstoffes zum Amino-Stickstoff zweifach höher liegt als der Transfer von Amino-Gruppe zur Amid-Gruppe. Die gleiche Transferrate des markierten Stickstoffes nach der enteralen Applikation vom markierten Glutamin auf das [15 N] Glutamat unterstützt diese Annahme. Der Austausch von Stickstoffgruppen, in diesem speziellen Fall die Platzierung des Amid-Stickstoffes an die Amino-Position, kann nur stattfinden, wenn die Reversibilität der Glutamat-Dehydrogenase Reaktion vorausgesetzt ist.
  3. Aus der signifikant höheren [15 N] Anreicherung in 2-[15 N] Glutamin in allen Gefäßen und der signifikanten intestinalen Abgabe von 2-[15 N] Glutamin nach der Infusion von 2-[15 N] Glutamin ist anzunehmen, dass eine Translokation des intakten, markierten Glutaminmoleküls nach der enteralen Applikation des [Seite 56↓]entsprechenden Tracers vom Darmlumen durch die Dünndarmmucosa zur vasalen Seite stattfindet.
  4. Der Transfer von Amino-Gruppe auf andere Aminosäuren wie Alanin, Serin, Glycin und Prolin findet überwiegend durch die Transaminierung statt, was durch die signifikant höhere [15 N] Anreicherungen und [15 N] Transferraten in den genannten Aminosäuren nach der enteralen Applikation von Amino-markiertem Glutamin als nach der Applikation von Amid-markiertem Glutamin gemessen werden konnte.

Hieraus geht hervor, dass der Dünndarm aus dem enteral zugeführten Glutamin durch die Deamidierung über die Glutaminase-Reaktion Ammonium produziert. Dagegen verläuft die Abspaltung der Amino-Gruppe über die Glutamat-Dehydrogenase-Reaktion, die in geringen Mengen auch im Darm stattfindet. Die Amino-Gruppe steht in hohem Maße in der Leber und geringfügig im Darm weiterer Transaminierungen zur Verfügung. Es liegt eine Transformation des Amid-Stickstoffes zum Amino-Stickstoff vor, die aber im Gegensatz zu den in vitro Modellen in unserem Modell (in vivo) geringfügig ist


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11.02.2005