3 Material und Methoden

3.1 Studienort

3.1.1 Das Studienland: Tansania

▼ 18 (fortgesetzt)

Tansania ist eine demokratisch regierte Republik an der Ostküste Afrikas, die in der subsaharischen Zone liegt. Tansania grenzt im Osten an den Indischen Ozean, im Norden an Kenia und Uganda, im Westen an Ruanda, Burundi, Demokratische Republik Kongo und Sambia und im Süden an Malawi und Mosambik. Seine vollständige Unabhängigkeit erlangte das Land 1962. Durch die Vereinigung des Festlandes (dem ehemaligen Tanganjika) und der Insel Sansibar entstand 1964 die Vereinigte Republik Tansania, die 930 700 km² umfasst.

▼ 19 

Die offizielle Hauptstadt ist Dodoma, aber das Handelszentrum ist Dar es Salaam. In den Küstenregionen ist das Klima warm und feucht mit Durchschnittstemperaturen von 22 bis 30°C, im Hochland herrschen recht gleichmäßige Temperaturen von 23 bis 24°C.

Kiswahili ist die offizielle Landessprache. Die Bevölkerung setzt sich aus 129 registrierten Bantustämmen zusammen. Die bedeutendsten sind die Sukuma und die Nyamwezi. Anhänger des Islam, des Christentums und des Hinduismus leben friedlich nebeneinander.

Tansania ist eines der ärmsten Länder der Welt (World Bank 2003). Die Gesamtbevölkerung von rund 35 Millionen lebt zu 76 % auf dem Land und zu 24 % in der Stadt (CIA 2002; World Bank 2003).

▼ 20 

Gesundheitssituation

In den Städten haben 97 % der Bevölkerung Zugang zu Sanitäranlagen, in den ländlichen Gegenden dagegen nur 86 %. Während in den urbanen Gebieten für 80 % der Bevölkerung Trinkwasser verfügbar ist, ist das auf dem Land nur für 42 % möglich (WHO 2000).

Nach Schätzungen der Weltbank betrug die Lebenserwartung im Jahr 2001 43,7 Jahre bei der Geburt und ist damit gegenüber beispielsweise 1997 um mehr als vier Jahre gesunken (World Bank 2003).

▼ 21 

Infektionskrankheiten stellen das Hauptgesundheitsproblem dar. Malaria, akute respiratorische Infektionen und Durchfallerkrankungen sind die häufigsten Todesursachen der 5- bis 14-jährigen (TDHS 2002). Außerdem sind Haut- und Augeninfektionen sowie intestinale Helminthen, aber auch Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und HIV-Infektionen verbreitet (Grosskurth et al. 1995). Ein Projekt im Gebiet von Dar es Salaam und Morogoro machte die HIV-Infektion als Haupttodesursache der 15- bis 49-jährigen und als Hauptgesundheitsproblem im Zusammenhang mit Tuberkulose aus (AMMP 1997).

Schistosomiasis ist in allen Distrikten von Tansania endemisch (Doumenge et al. 1987). Aus Studien geht hervor, dass an durchschnittlich 40 % der Grundschulen die Prävalenz der Bilharziose 50 % übersteigt (Brooker et al. 2001). S. haematobium-endemische Gebiete sind vor allem im Hinterland des Viktoriasees und an der Küste des Indischen Ozeans zu finden. S. mansoni endemische Gebiete kommen überall im Land vor, jedoch lokal beschränkt bis auf ein ausgedehntes Gebiet an den Ufern des Viktoriasees (Rugemalila 1991).

3.1.2 Das Studiengebiet: Misungwi-Distrikt

Diese Studie wurde an zehn Grundschulen des im südlichen Teil der Mwanza-Region befindlichen Misungwi-Distrikts durchgeführt (Abb. 3.1 und 3.2). Das zwischen 2°38’ bis 2°42’ südlicher Breite und 32°54’ bis 33°04’ östlicher Länge liegende Gebiet umfasst 2553 km2, wovon 175 km2 im nördlichen Teil vom Viktoriasee bedeckt sind.

▼ 22 

Abbildung 3.1: Lage des Misungwi - Distriktes innerhalb Tansanias (CIA 2002)

Abbildung 3.2: Misungwi Distrikt (Medical Institute for Medical Research Mwanza)

Dörfer der untersuchten Schulen:
1: Nyangh’omango; 3: Bukumbi; 5: Ukiriguru; 6: Ng’ombe; 7: Mapilinga
8: Igokelo; 9: Buganda; 10: Ngudama; 11: Wanzamiso; 13: Fella

Demografie 1

▼ 23 

Die Bevölkerung im Misungwi-Distrikt zählte 1999 rund 260 000 Menschen bei einer Bevölkerungsdichte von 99 Personen pro km2. Davon gehören 90 % der ethnischen Gruppe der Sukuma an. Es leben durchschnittlich acht Personen in einem Haushalt. Bei einem Bevölkerungswachstum von 2,7 % pro Jahr sind 46 % der Bevölkerung Kinder von null bis 14 Jahre, 41 % sind 15- bis 44-jährig und 13 % der Bevölkerung sind 45 Jahre und älter (Kamala et al. 2001).

Ernährung und Einkommen 1

Die Hauptnahrungsmittel und –anbauprodukte sind Mais, Reis, Sorghum und Kartoffeln. Das Hauptexportprodukt ist Baumwolle. Zum Einkommen tragen außerdem die Rinderzucht und der Fischfang bei.

▼ 24 

Gesundheitssystem 1

Das Gesundheitssystem in Tansania besitzt, wie in den meisten zentralafrikanischen Ländern, einen hierarchischen Aufbau. Das Misungwi-Distrikt verfügt über 31 Gesundheitseinrichtungen und eine größere Gesundheitsstation, in der Patienten auch stationär aufgenommen werden können. Komplizierte Fälle, die auf dieser Ebene nicht behandelt werden können, werden an das Distriktkrankenhaus überwiesen. Das Gesundheitssystem wird durch staatliche Gelder subventioniert, eine Aufnahmegebühr, durchzuführende Diagnostik und Medikamente müssen jedoch von den Patienten selbst getragen werden. Ein Problem stellt auch die Erreichbarkeit der Gesundheitszentren dar: öffentliche Transportmittel verkehren nur auf der Verbindungsstrasse zwischen Mwanza und Tabora. Die Hauptansprechpartner für gesundheitliche- oder geburtshilfliche Fragen sind wahrscheinlich die sogenannten Traditionellen Heiler, welche allerdings keine medizinische Ausbildung besitzen.

Geografie und Bilharziosesituation 1

▼ 25 

Das Distrikt ist 1000 bis 1500 m über dem Meeresspiegel gelegen. Das ganze Gebiet ist semiarid, die natürliche Vegetation besteht überwiegend aus buschigem Grasland. Die vier saisonalen Flüsse Magogo, Mwame, Nyashi und Mwagiligili fließen in den Viktoriasee. Die Region ist durch ein bimodales jedoch wechselhaftes und unzuverlässiges Regenmuster gekennzeichnet. Die Regenzeit erstreckt sich von Mitte November bis Mai mit einer Unterbrechung im Januar und Februar, der kurzen warmen Trockenzeit. Der meiste Regen fällt dabei in den Monaten März und April. Zwischen Juni bis Mitte November herrscht die lange kühle Trockenzeit. Der jährliche Niederschlag in der Region beträgt 600 bis 1000 mm (Abb. 3.3).

Seit langem ist diese Region als Endemiegebiet der Blasenbilharziose bekannt (Webbe 1962; Baalawy und Moya 1970). Webbe (1962) machte hier als Zwischenwirt die Süßwasserschnecke Bulinus nasutus aus. Jüngere Untersuchungen konnten dies bestätigen (Lwambo 1988). Bulinus nasutus ist an die bimodalen Regenfälle der Region hoch angepasst. Diese Schnecke bevorzugt temporäre Wasserspeicher, die sich während der Regenzeit in natürlichen Senken oder in von Menschen angelegten Wasserspeichern ubiquitär bilden. In der langen Trockenzeit Juni bis November trocknen diese Wasserstellen langsam aus, in der kurzen Januar und Februar jedoch nicht (Abb. 8.7).

Die Population der Süßwasserschnecken und gleichzeitig deren Infektionsraten mit Zerkarien ist am Ende der kurzen Trockenzeit am größten, wenn die durchschnittlichen Monatstemperaturen gestiegen und genügend Schneckenhabitate vorhanden sind. Gleichzeitig ist auch der Wasserkontakt des Menschen aufgrund der gefüllten Wasserstellen und den heißen Temperaturen sehr hoch. Zu dieser Zeit wird auch die höchste Transmission angenommen (Lwambo 1988). Zwölf Wochen beträgt die Präpatenzzeit bei S. haematobium (Molyneux 1995), die meisten Neuinfektionen könnten demnach in den Monaten April und Mai beobachtet werden.

▼ 26 

Abbildung 3.3: Mittlere Niederschlagsmenge im Misungwi-Distrikt (Webbe 1962; Baalawy und Moyo 1970; Lwambo 1988

3.2 Methodik

3.2.1 Studientyp

Die Studie war als randomisierte Interventionsstudie angelegt. Dazu wurden die Teilnehmer, die den Studienanforderungen entsprachen, in zwei Gruppen aufgeteilt: Kontrollgruppe und Interventionsgruppe erhielten die Standardbehandlung mit Praziquantel (40 mg/kg Körpergewicht), die Interventionsgruppe erhielt vor der Behandlung mit Praziquantel eine kommerziell erhältliche Zubereitung von Mikronährstoffen (Orthoimmun von Orthomol Ltd., Langenfeld, Deutschland).

Das effektivste Verfahren zur vollständigen Erfassung von Kindern im gesuchten Altersabschnitt von acht bis 14 Jahren in einem begrenzten Gebiet ist die Reihenuntersuchung in Grundschulen (Chitsulo et al. 1995; Partnership for Child Development 1999). Daher ging der Interventionsstudie eine Querschnittsstudie voraus, um an den ausgewählten Schulen die Prävalenz der Blasenbilharziose zu ermitteln.

3.2.2 Untersuchungsparameter

▼ 27 

Um die Frage nach dem Einfluss der Mikronährstoffe auf die Infektion der Kinder mit Blasenbilharziose zu klären, wurden zu den Untersuchungszeitpunkten sowohl Prävalenz als auch Infektionsstärke untersucht.

1. Prävalenz

Die Prävalenz ist der prozentuale Anteil der infizierten Kinder an der untersuchten Population. Dabei galten die Kinder als infiziert, wenn mindestens ein Ei an den drei Untersuchungstagen in der Urinprobe nachgewiesen wurde.

▼ 28 

Prävalenz =

Anzahl infizierter Kinder

x 100

Anzahl untersuchter Kinder

2. Infektionsstärke

Die Infektionsstärke gibt die Schwere der Infektion an. Dabei wird die Anzahl der ausgeschiedenen Eier in einem Urinvolumen von 10 ml bestimmt. Da diese Anzahl intraindividuell stark schwanken kann, ist sie nur als semiquantitatives Maß zu betrachten. Um trotzdem quantitative Aussagen machen zu können, wurde je eine Probe an drei aufeinander folgenden Tagen abgenommen und davon jeweils 10 ml untersucht und die Ergebnisse gemittelt (Feldmeier 1982; Sturrock 2001).

▼ 29 

Als Maß des Heilungserfolges gibt man nach der Behandlung einer Bilharziose die Heilungsrate und die Reduktion der Eiausscheidung der Nichtgeheilten an.

Dabei ist in diesem Fall die Heilungsrate der Anteil der geheilten Kinder an der untersuchten Gruppe in Prozent.

Die Reduktion der Eiausscheidung ist der prozentuale Rückgang der Infektionsstärke von der Grunduntersuchung zur ersten Nachuntersuchung.

▼ 30 

Für den Zeitpunkt der Abschlussuntersuchung wurden als Maß für die Reinfektion die Parameter Prävalenz und Infektionsstärke ebenfalls für die reinfizierten Kinder bestimmt. Dabei galten die Kinder als „reinfiziert“, wenn

1. sie nach der Praziquantelbehandlung im Rahmen der ersten Nachuntersuchung keine S. haematobium- Eier ausschieden

und

▼ 31 

2. zum Zeitpunkt der zweiten Nachuntersuchung wieder S. haematobium-Eier ausschieden.

Reinfektionsrate

Die Reinfektionsrate ist der Anteil der zum Zeitpunkt der ersten Nachuntersuchung geheilten Kinder, die zur zweiten Nachuntersuchung wieder Eier im Urin ausschieden.

▼ 32 

Reinfektionsrate =

Anzahl reinfizierter Kinder

x 100

Anzahl geheilter Kinder

Reinfektionsstärke

Die Reinfektionsstärke ist definiert als die Infektionsstärke der reinfizierten Kinder.

3.2.3 Studienpopulation

3.2.3.1 Einschlusskriterien

▼ 33 

In unsere Studie wurden alle Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren eingeschlossen, wenn:

1.

mindestens 30 S. haematobium- Eier/10 ml Urin nachgewiesen wurden

 

und

2.

 
  

3.

 

3.2.3.2 Festlegung der Studienteilnehmeranzahl

Die Festlegung der Studienteilnehmerzahl stellte einen Kompromiss zwischen dem wünschenswerten Unterschied, der zwischen der Studien- und Kontrollgruppe im Bezug auf Eiausscheidung und Reinfektionsraten nachgewiesen werden sollte, und den finanziellen und logistischen Ressourcen dar. Um einen Unterschied von 20 % in der Reinfektionsrate und einen Unterschied von 10 Eier/10 ml Urin in der Reinfektionsstärke festzustellen bei einem Signifikanzniveau (p) von 5 % und einer Power von 80 %, sollten in jeder Gruppe 230 Kinder aufgenommen werden. Dabei wurde ein Follow-up-Verlust von 20 % einkalkuliert.

3.2.3.3 Auswahl der Studienteilnehmer (Auswahlverfahren)

▼ 34 

Um auf die nötige Anzahl von 460 Probanden zu kommen, wurden Kinder der Klassen zwei bis vier in zehn Grundschulen untersucht (s. Abb. 3.2). Für die Auswahl der Schulen wurden folgende Kriterien angelegt: Die Schulen sollten bei schlechten Wetterverhältnissen erreichbar sein, das heißt in angemessener Entfernung zur Hauptverkehrsstraße zwischen Mwanza und Tabora liegen, und die Mindestschülerzahl in den Klassen zwei bis vier sollte nicht unter 20 Kindern liegen.

Von allen Kindern dieser Klassen wurde eine Urinprobe auf das Vorkommen von S. haematobium-Eiern untersucht. Kinder, in deren Urinprobe mindestens 30 Eier/10 ml Urin gefunden wurden, wurden in die Studie aufgenommen und mit Hilfe von Zufallszahlen auf Interventionsgruppe und Kontrollgruppe aufgeteilt.

3.2.4 Ablauf

3.2.4.1 Vorbereitung

Das Projekt wurde von der Ethikkommission der Hauptgeschäftsstelle des National Institute for Medical Research (NIMR) in Dar es Salaam gebilligt. Weiterhin gaben der Regional Educational Officer und der Regional Medical Officer der Mwanza Region ihre Zustimmung.

▼ 35 

Vor dem Beginn der Untersuchungen wurden die Schulleiter der Grundschulen über das Projekt informiert. In jeder Schule wurde von dem Schulleiter ein Lehrer als Ansprechpartner für das Untersucherteam bestimmt. Seine Aufgaben bestanden unter anderem darin, eine Schulkonferenz einzuberufen, um die Eltern der Schüler über das Projekt zu informieren. Er informierte die Schüler vor jedem Untersuchungstermin, um eine hohe Teilnehmerzahl zu garantieren. Des Weiteren war dieser Lehrer für die Verteilung der Mikronährstoffpräparate verantwortlich. In der Schulkonferenz wurden die Eltern über den Ablauf der Studie aufgeklärt, die Behandlung und die einzelnen Untersuchungen wurden erläutert. In einer Liste wurde die Zustimmung der Eltern über die Teilnahme ihrer Kinder notiert.

3.2.4.2 Grunduntersuchung

Bei allen an der Studie teilnehmenden Probanden wurden die Basisuntersuchungen durchgeführt. Sie umfassten:

▼ 36 

Aufgrund der von dem tansanischen Team bei vorhergehenden Studien gesammelten Erfahrungen, wurde entschieden, zwei Schulen täglich zu besuchen. In der ersten Schule wurden neben Größen- und Gewichtsmessungen, nur die Urin- und gegebenenfalls die Stuhlproben eingesammelt bzw. die Blutproben entnommen. In der zweiten Schule wurden die Urinproben beider Schulen filtriert und mikroskopiert und gegebenenfalls die Präparate der Stuhl- und Blutproben angefertigt.

Der Weg zwischen den zwei ausgewählten Schulen nahm maximal eine Stunde in Anspruch, eine weitere halbe Stunde musste für den Aufbau der Laborgeräte eingerechnet werden. Die Urinbecher wurden in verschließbaren dunklen Eimern transportiert, um die Verfälschung der Eizählung durch das Schlüpfen der Mirazidien zu minimieren.

3.2.4.3 Intervention

Mikronährstoffgabe

▼ 37 

Die Studienteilnehmer der Interventionsgruppe erhielten vor der Behandlung mit Praziquantel vier Wochen lang das Mikronährstoffpräparat. Dieses Präparat, in der Form eines Granulats als Tagesportionen abgepackt (Tab. 3.1), stammte von der Firma Orthomol. Das Granulat wurde in 200 ml Wasser aufgelöst getrunken. Eine für jeweils eine Woche ausreichende Zahl an Tagespäckchen wurde in den Schulen abgegeben. Die Lehrer verteilten diese täglich an die Schüler der Interventionsgruppe und beaufsichtigten die Einnahme. Die Kinder tranken das aufgelöste Granulat gern, da es gesüßt war und nach Mango schmeckte.

Tabelle 3.1: Zusammensetzung einer Tagesportion des Mikronährstoffpräparates

Vitamine

  

Spurenelemente

 

Retinol

750 µg

 

Selen

50 µg

Vitamin C

950 mg

 

Eisen

8 mg

Vitamin E

150 mg

 

Zink

10 mg

Vitamin B1

25 mg

 

Mangan

2 mg

Vitamin B2

25 mg

 

Kupfer

500 µg

Vitamin B3 (Niacin)

60 mg

 

Chrom

30 µg

Vitamin B6

25 mg

 

Molybdän

60 µg

Vitamin B12

6 µg

 

Jod

150 µg

Vitamin K1

60 µg

   

Vitamin D3

5 µg

   

Folsäure

800 µg

   

Panthothensäure

18 mg

   

Biotin

225 µg

   

Beta-Carotin

15 mg

   

Behandlung mit Praziquantel

▼ 38 

Eine Woche nach Abschluss der Mikronährstoffgabe wurden alle Studienteilnehmer mit der Standarddosis von 40 mg Praziquantel/kg Körpergewicht behandelt. Zur Ermittlung der individuellen Dosis, wurden die Kinder direkt vor der Medikamentengabe gewogen. Um den Ablauf schnell und sicher zu gestalten, wurde dafür eine Liste erstellt, in der die zu verabreichende Anzahl der Tabletten notiert war, die dem Gewicht (auf 5 kg gerundet) entsprach. Das Praziquantel (Biltricide®) stammte von der Bayer AG.

3.2.4.4 Verlaufskontrollen

Zu den Nachuntersuchungen wurden die gleichen Basisuntersuchungen wie zur Grunduntersuchung durchgeführt.

Erste Nachuntersuchung

▼ 39 

Die erste Nachuntersuchung wurde zwei Wochen nach der Therapie mit Praziquantel durchgeführt, um den Einfluss der Mikronährstoffsupplementierung auf die Heilungsraten zu untersuchen.

Zweite Nachuntersuchung

Um einen Einfluss der Mikronährstoffe auf die Reinfektionsraten erkennen zu können, sollten alle Untersuchungen etwa sechs Monate nach der Behandlung, das heißt ab Juni, mit Praziquantel nochmalig durchgeführt werden.

3.2.4.5 Abschließende Behandlung

▼ 40 

Alle Kinder der Schulen, die am letzten Untersuchungstag mit S. haematobium infiziert waren, wurden mit der Standarddosis Praziquantel behandelt. Dabei wurde der Urin der Kinder, die nicht an der Studie teilgenommen hatten, makroskopisch auf eine Hämaturie untersucht (Partnership for Child Development 1999). Kinder, in deren Stuhl intestinale Helminthen durch die Kato-Katz-Methode festgestellt worden sind, wurden mit Mebendazol behandelt. Malariainfizierte Kinder wurden an die nächsten Gesundheitsstationen überwiesen.

3.2.4.6 Zeitplan

Datum

Ereignis /

Durchgeführte Untersuchungen bzw. Handlungen

Juni 1999

Vorstellung des Projektes

Genehmigung

Juli 1999

Vorbereitung

Kontaktaufnahme mit den Schulen

Erstellung von Namenslisten der Klassen 2 bis 4

08.09. -

21.09.1999

Grunduntersuchung

Auswahl geeigneter Studienteilnehmer

Durchführung der Basisuntersuchungen bei den Kindern mit einer Eiausscheidung ≥30 Eier/10 ml Urin

15.11. -

12.12.1999

Mikronährstoffgabe

Einmaliger Besuch pro Woche jeder Schule

Verteilung der Mikronährstoffpäckchen an den für die Studie zuständigen Ansprechpartner der jeweiligen Schule

23.12.1999 -

07.01.2000

Behandlung

Behandlung aller Studienteilnehmer mit 40 mg Praziquantel/kg Körpergewicht

17.01. -

01.02.2000

erste Nachuntersuchung

Basisuntersuchungen

09.10. -

23.10.2000

zweite Nachuntersuchung

Basisuntersuchungen

11.10. –

23.10. 2000

abschließende Behandlung

Behandlung aller bilharzioseinfizierten Kinder

3.2.5 Laboruntersuchungen

Alle verwendeten Färbelösungen stammten von Merck Diagnostica Darmstadt, Deutschland. Das Mikroskopieren führten zwei erfahrene Laborassistenten des NIMR durch.

3.2.5.1 Quantitative Einschätzung der Eiausscheidung im Urin

▼ 41 

Urinproben wurden an drei aufeinander folgenden Vormittagen zwischen 11:00 und 13:00 Uhr untersucht. Um die Schwankungen der Eiausscheidung möglichst gering zu halten, wurden nach der Methode von Doehring und Mitarbeitern (1983) den Kindern vor der Austeilung der Probebecher ein Glas (ungefähr 200 ml) Limonade gegeben (Abb. 8.4). Die quantitative Bestimmung der Eier erfolgte durch die von Feldmeier (1979) etablierten Methode der Filtrierung von 10 ml Urin mit anschließender Färbung der Eier mit Trypanblau.

Der Urin wird durch Schwenken des Urinbechers gemischt. Davon werden 10 ml mit Hilfe einer Spritze gefiltert, auf die ein Filtervorsatz aufgeschraubt ist (Nucleopore Corp., Pleasanton, California USA). Dieser enthält einen Polykarbonatfilter, Porengröße 14 µm. Der Filter wird auf einen Objektträger gebracht, mit 1 %-iger Trypanblaulösung unterschichtet und sofort untersucht. Damit der Filter nicht austrocknet, wird der Objektträger in der Zeit zwischen Filtern und Mikroskopieren in sogenannte „Feuchte Kammern“, das heißt in verschließbare Schalen mit angefeuchtetem Zellstoff gelegt. Das Mikroskopieren erfolgte bei 125-500-facher Vergrößerung (Abb. 8.5). Das Ergebnis wurde als Eier/10 ml Urin angegeben, wobei zwischen vitalen und abgestorbenen Eiern differenziert wurde.

3.2.5.2 Stuhlproben

S. mansoni-Eier wurden mittels dem Kato-Katz-Anreicherungsverfahren aus dem Stuhl quantifiziert (Katz und Myurous 1954; Katz, Cháves und Pellegrino 1972).

▼ 42 

Dazu wird der Stuhl von großen Partikeln unverdauter Fasern befreit und homogenisiert, indem er durch ein Sieb mit einer Porengröße von 250 µm gestrichen wird. Etwa 50 mg werden mit Hilfe einer Plastikschablone und eines Kunststoffapplikators (Vestergaard und Fransen, Kolping, Dänemark) auf einen Objektträger gebracht, der mit der entsprechenden Identitätsnummer versehen ist. Zum Anfärben der Eier legt man einen Zellophanstreifen der in einer Lösung aus 3 %-igem Methylblau in 50 % Glycerin getränkt ist (Vestergaard und Fransen, Kolping, Dänemark) auf die Stuhlprobe. Mit Hilfe eines Pappstreifens wird die Probe durch manuelles Andrücken gepresst. Die Proben wurden später mikroskopisch im Labor des NIMR auf S. mansoni-Eier bei einer 125-500-fachen Vergrößerung untersucht.

3.2.5.3 Blutproben

Malaria wurde mittels des Standardverfahrens des sogenannten „Dicken Tropfen“ diagnostiziert.

Bei diesem Verfahren wird ein Tropfen frischen Blutes auf einen Objektträger gebracht,sofort verrührt und luftgetrocknet. Anschließend werden die Proben im Labor mit 5 %-iger Giemsa-Lösung etwa 30 Minuten lang gefärbt, die überschüssige Farbe mit Wasser vorsichtig abgespült und die Objektträger nochmalig getrocknet. Die Zählung der Plasmodien erfolgt bei 1250-facher Vergrößerung in Ölimmersion in Bezug zu den Leukozyten (Plasmodien/200 Leukozyten).

3.2.6 Körperliche Untersuchung

▼ 43 

Größe und Gewicht

Bei allen an der Studie teilnehmenden Kindern wurden Größe und Gewicht mit Hilfe einer Personenwaage und einer Meßlatte ermittelt (Abb. 8.6).

Um eine Einschätzung über den Ernährungszustand abzugeben, wurden die Ergebnisse mit Wachstumskurven verglichen und in Perzentilen eingeordnet (Kromeyer-Hauschildet et al. 2001; Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter 2004). Auch wurde der Body-mass-Index (BMI) bestimmt, der das Verhältnis von Gewicht zu Größe berücksichtigt. Dieser wird wir folgt berechnet:

▼ 44 

BMI =

Gewicht [kg]

Körpergröße [m2]

3.2.7 Datenverarbeitung und Auswertung

3.2.7.1 Datenaufnahme

Für jedes Kind existierte ein Befundbogen, der mit der entsprechenden Identitätsnummer gekennzeichnet war. Alle Proben wurden nach den Abnahmen sofort mit dieser Nummer gekennzeichnet. Jeder festgestellte Wert wurde auf dem Bogen notiert. Für jede Verlaufskontrolle wurde ein neuer Bogen angefertigt, um nicht von den alten Werten beeinflusst zu werden.

3.2.7.2 Datenverarbeitung

Die Daten wurden in Excel-Tabellen eingetragen. Es folgte die stichprobenhafte Überprüfung der Richtigkeit durch eine zweite Person.

3.2.7.3 Auswertung / statistische Methoden

▼ 45 

Die statistische Auswertung erfolgte mit Hilfe des Statistik-Software-Paketes SPSS 10.0 für Windows.

Für die statistische Auswertung der Prävalenzen wurde der Chi-Quadrat-Test angewendet, um einen Unterschied zwischen den Gruppen festzustellen. Lagen über 25 % der erwarteten Häufigkeiten unter fünf, so wurde der Wert für den Exakten Test nach Fischer abgelesen. In den anderen Fällen wurde die Kontinuitätskorrektur nach Yates durchgeführt, da es sich um eine Vierfelder-Tabelle handelt. Um einen Unterschied während der Zeit festzustellen, wurde der McNemar-Test verwendet.

Für die mittlere Infektionsstärke einer Anzahl von Probanden wurde der Median ermittelt. Für die statistische Auswertung der Infektionsstärken wurden nichtparametrische Tests angewandt: der Mann-Withney-Test um einen Unterschied zwischen den jeweiligen Gruppen und der Wilcoxon-Test, um eine Veränderung über die Zeit festzustellen.

3.3 Ethische Aspekte

▼ 46 

Da es sich bei den Probanden um Kinder handelte, wurde die Zustimmung der Eltern nach ausführlicher Erläuterung der Untersuchungsmethoden und Behandlung im Rahmen einer Schulkonferenz eingeholt. Die Einwilligung zur Beteiligung konnte jederzeit ohne Begründung widerrufen werden, ohne dass Nachteile wie zum Beispiel Ausschluss von der Schlussbehandlung zu befürchten waren.

Mit Praziquantel kam ein gut verträgliches Medikament zum Einsatz, welches für die Behandlung der Blasenbilharziose das Mittel der ersten Wahl darstellt und von der WHO (1997) empfohlen wird. Die Nebenwirkungen, die auftreten können, sind im allgemeinen leichter Natur und vorübergehend. Es kann also angenommen werden, dass der Nutzen der Behandlung gegenüber dem Eingriff, den diese Studie bedeutete, überwog.


Fußnoten und Endnoten

1  Alle Angaben ohne angegebene Referenz stammen vom Missungwi District Council



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22.03.2006