4 Ergebnisse

4.1 Untersuchungen in der Ausgangspopulation

4.1.1 Charakterisierung der Ausgangspopulation

▼ 46 (fortgesetzt)

Insgesamt wurden 973 Schulkinder der Klassen 2 bis 4 in zehn Grundschulen im Rahmen der Grunduntersuchung einmalig auf S. haematobium-Eier untersucht (Tab. 4.1; Abb. 3.2). Es handelte sich um 465 Jungen und 508 Mädchen. Das Durchschnittsalter der untersuchten Kinder war 11,3 Jahre (Wertebereich: 8 bis 19 Jahre). Das Durchschnittsalter der Jungen betrug 11,6 Jahre (Wertebereich: 8 bis 19 Jahre), der Mädchen 11,1 Jahre (Wertebereich: 8 bis 17 Jahre) (Tab. 4.2).

▼ 47 

Tabelle 4.1: Namen der Grundschulen und Anzahl der dort untersuchten Kinder

Name der Schule

ID der Schule

Anzahl der untersuchten Kinder

Anzahl der untersuchten Jungen

Anzahl der untersuchten Mädchen

Nyangh’omango

#1

165

74

91

Bukumbi

#3

157

75

82

Ukiriguru

#5

33

19

14

Ng’ombe

#6

138

75

63

Mapilinga

#7

40

31

9

Igokelo

#8

86

44

42

Buganda

#9

55

21

34

Ngudama

#10

74

32

42

Wanzamiso

#11

108

45

63

Fella

#13

117

49

68

Summe

 

973

465

508

Tabelle 4.2: Anzahl der untersuchten Kinder in den Altersstufen

Alter

Gesamt

n

[%]

Jungen

n

[%]

Mädchen

n

[%]

8

45

4,6

12

2,6

33

6,5

9

65

6,7

29

6,2

36

7,1

10

163

16,8

66

14,2

97

19,1

11

242

24,9

111

23,9

131

25,8

12

291

29,9

143

30,8

148

29,1

13

96

9,9

61

13,1

35

6,9

14

32

3,3

20

4,3

12

2,4

15

25

2,6

13

2,8

12

2,4

16

9

0,9

6

1,3

3

0,6

17

4

0,4

3

0,6

1

0,2

19

1

0,1

1

0,2

0

0,0

 

Gesamt 973

100

465

100

508

100

Aufgrund des kleinen Anteils der über 13-jährigen (7,3 %), werden diese Altersstufen aus statistischen Gründen im Folgenden immer zusammengefasst betrachtet.

▼ 48 

Tabelle 4.2a : Anzahl der untersuchten Kinder der Altersgruppe der über 13-jährigen

Alter

Gesamt

n

[%]

Jungen

n

[%]

Mädchen

n

[%]

>13

71

7,3

43

9,2

28

5,6

4.1.2 Urinuntersuchungen

Durch die Urinuntersuchungen wurde eine Prävalenz der Blasenbilharziose von insgesamt 65 % (631 von 973) festgestellt. Die mittlere Infektionsstärke aller untersuchten Kinder der zehn Grundschulen betrug 16 Eier/10 ml Urin. Bei 65 % der Kinder (413 von 631) lag ein Eiausscheidung von 30 Eier/10 ml Urin und höher vor. Diese Kinder wurden als hochinfiziert eingestuft. Die mittlere Eiausscheidung dieser Kinder betrug 55 Eier/10 ml Urin.

▼ 49 

Besonderheiten der Werte für die Prävalenz und die Infektionsstärke bezüglich des Alters

Die Prävalenz der Bilharziose in den Altersstufen 8- und die der 13- und >13-jährigen war mit durchschnittlich 79 % signifikant höher, als die Prävalenz der 9- bis 12-jährigen mit durchschnittlich 61 % (p<0,05) (Abb. 4.1; genaue Werte Tab. 8.1).

Die höchste Infektionsstärke fand sich bei den jüngeren Kindern im Alter von 8 und 9 Jahren. Die infizierten Kinder dieser Altersgruppe schieden 85,5 Eier/10 ml Urin im Median aus. Die Altersgruppe der 10-, 11-, 12-, 13- und >13-jährigen schieden 47 Eier/10 ml Urin im Median aus.

▼ 50 

Der Anteil der hochinfizierten Kinder betrug in der Altersgruppe der 8- und 9-jährigen durchschnittlich 63 % und lag damit höher als bei den Kindern der Altersgruppe von 10 bis >13 Jahren mit durchschnittlich 40 % (Tab. 4.3).

Abbildung 4.1: Prävalenz und Infektionsstärke der infizierten Kinder in der Ausgangspopulation

Tabelle 4.3: Prävalenz, Anteil Hochinfizierter und Infektionsstärke der 8- bis 9-jährigen gegenüber der 10- bis >13-jährigen

 

Altersgruppe

Signifikanz

 

8- bis 9-jährige

(n=110)

10- bis >13-jährigen

(n=863)

(p-Wert)

Prävalenz [%]

75 (n=82)

64 (n=549)

p<0,05

Anteil Hochinfizierter

( 30 Eier/10 ml Urin) [%]

63 (n=69)

40 (n=345)

p<0,05

Infektionsstärke der Infizierten

[Eier/10 ml Urin]

85,5

47,0

p<0,05

▼ 51 

Vergleicht man die Altersgruppe der 8- bis 9-jährigen mit der Altersgruppe der 10- bis >13-jährigen so sind alle drei Parameter (Prävalenz, Anteil Hochinfizierter und Infektionsstärke) für die Altersgruppe der 8- bis 9-jährigen signifikant höher.

Prävalenz und Infektionsstärke der Jungen und Mädchen

Die Prävalenz der Blasenbilharziose lag bei den Jungen mit 72 % (335 von 465) signifikant höher als bei den Mädchen mit 58 % (296 von 508) (Tab. 4.4).

▼ 52 

Der Anteil der hochinfizierten Kinder mit einer Eiausscheidung über 30 Eier/10 ml Urin war bei den Jungen mit 50 % signifikant höher als bei den Mädchen mit 31 %.

Die Infektionsstärke der infizierten Jungen betrug 66 Eier/10 ml Urin und war damit signifikant höher als die der infizierten Mädchen mit 42 Eier/10 ml Urin.

Tabelle 4.4: Prävalenz, Anteil hochinfizierter Kinder und Infektionsstärke der infizierten Jungen und Mädchen

 

Jungen

n=465

Mädchen

n=508

p-Wert

Prävalenz [%]

72 (n=335)

58 (n=296)

<0,05

Anteil Hochinfizierter

( 30 Eier/10 ml Urin) [%]

52 (n=242)

34 (n=171)

<0,05

Infektionsstärke der Infizierten

[Eier/10 ml Urin]

66

42

<0,05

▼ 53 

Analysierte man die Infektionsstärke in den einzelnen Altersstufen, so war die altersspezifische Intensitätskurve bei den Jungen und Mädchen vom Verlauf her ähnlich (Abb. 4.2 a und b). Die Infektionsstärke der 8- bis 9-jährigen war bei beiden Geschlechtern signifikant höher, als der 10- bis >13-jährigen..

Die Infektionsstärke war bei den Mädchen in allen Altersgruppen vergleichsweise niedriger (Abb. 4.3). Signifikante Unterschiede konnten bei den 9-, 10-, 11- und 12-jährigen festgestellt werden. Bei den 8-, 13-, und den >13-jährigen war dieser Unterschied nicht signifikant (Tab. 4.5).

Abbildung 4.2: Prävalenz und Infektionsstärke der infizierten Jungen (a) und Mädchen (b) der Ausgangspopulation in den Altersgruppen.

▼ 54 

Tabelle 4.5: Infektionsstärken der Jungen und Mädchen der Ausgangspopulation in den Altersgruppen

Alter [Jahre]

Infektionsstärke [Eier/10 ml Urin]

Anzahl der untersuchten Kinder gesamt

Jungen

Mädchen

 

8

131

79

45

9*

102

80

61

10*

61

38

163

11*

42

32

242

12*

84

31

291

13

54

50

96

>13

62

31

71

* signifikanter Unterschied der Infektionsstärke zwischen den Geschlechtern in dieser Altersgruppe mit p<0,05

Geografische Unterschiede

▼ 55 

Es bestanden deutliche Unterschiede in Bezug auf die Häufigkeit der Blasenbilharziose zwischen den Schulen (Abb. 4.3; Tab.8.2).

In den Schulen #1, #6, #8, #10, #11 und #13 schieden 55 % bis 82 % der Kinder Schistosomeneier im Urin aus. Die Infektionsstärke der infizierten Kinder lag im Durchschnitt bei 36 Eier/10 ml Urin. Der Anteil der Kinder, die als hochinfiziert eingestuft wurden mit einer Eiausscheidung von ≥30 Eier/10 ml Urin, lag in diesen Schulen durchschnittlich bei 38 %.

Die niedrigste Prävalenz wurde in Bukumbi (Schule #3) mit 24 % festgestellt. Die Infektionsstärke der infizierten Kinder lag dort bei 61 Eier/10 ml Urin. Der Anteil der hochinfizierten Kinder war ebenfalls in Bukumbi mit 15 % am niedrigsten.

▼ 56 

Eine Prävalenz der Blasenbilharziose von 100 % war in den Grundschulen in Ukiriguru, Mapilinga und Buganda festzustellen (Schule #5, #7 und #9). Die Infektionsstärke der infizierten Kinder war in diesen drei Schulen mit 111 Eier/10 ml Urin im Median im Vergleich zu den anderen Schulen mit 38 Eier/10 ml Urin am höchsten (p<0,05). Alle Kinder an diesen Schulen hatten eine Eiausscheidung über 30 Eier/10 ml Urin und galten somit als hochinfiziert (Tab. 4.6).

Tabelle 4.6: Prävalenz, Anteil hochinfizierter Kinder und Infektionsstärke der infizierten Kinder in Schulen mit einer sehr hohen Infektionsrate (>90 %) gegenüber Schulen mit niedrigerer Infektionsrate als 90 %

 

Prävalenz in Schulen

p-Wert

≥90 % 1

<90 % 2

 

Prävalenz [%]

100

60

<0,05

Anteil Hochinfizierter

( 30 Eier/10 ml Urin) [%]

100

34 (573)

<0,05

Infektionsstärke der Infizierten

[Eier/10 ml Urin]

111

38

<0,05

1 Schulen #5, #7 und #8
2 Schulen #1, #6, #8, #10, #11, #13 und #3
3Anteil Hochinfizierter an der Gruppe der infizierten Kinder

Abbildung 4.3: Prävalenz und Infektionsstärke der Ausgangspopulation in den Schulen

4.1.3 Identifizierung der Studienteilnehmer

▼ 57 

Einschlusskriterium für die Untersuchungsgruppen war eine Eiausscheidung von ≥30 Eier/10 ml Urin bei der ersten Urinuntersuchung. 413 (42 %) der in der Ausgangspopulation untersuchten Kinder erfüllten diese Bedingung (Abb. 4.4). Der Urin dieser Kinder wurde an zwei weiteren Tagen auf S. haematobium-Eier untersucht. 82 der 413 Kinder (20 %) erschienen nicht zu diesen Untersuchungen, somit lagen von 331 (80 % der hochinfizierten Kinder der Ausgangspopulation) drei Urinuntersuchungen vor. Diese Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip den beiden Untersuchungsgruppen zugeteilt (Listenrandomisierung).

Kinder der Interventionsgruppe (n=166) erhielten das Mikronährstoffpräparat vor der Gabe von Praziquantel, während die Kontrollgruppe (n=165) nur Praziquantel erhielt.

Da die Jungen höher infiziert waren als die Mädchen wurden dementsprechend 35 % der Jungen aufgenommen (165 von 465) während bei den Mädchen nur 22 % (111 von 508) in die Studiengruppe eingeschlossen wurden. Daraus resultiert ein 1,5mal höherer Anteil Jungen als Mädchen an der Anzahl der Studienteilnehmer.

▼ 58 

Schließlich lagen für die Auswertung 274 vollständige Datensätze von insgesamt 331 Kindern vor. Ursache für den Follow-up Verlust von 17 % war die Abwesenheit während der Behandlung mit Praziquantel (n=17) oder einer Nachuntersuchung (n=30).

Abbildung 4.4: Auswahlverfahren für die Studienteilnehmer

4.2 Untersuchungen der Studiengruppen

4.2.1 Charakterisierung der Studienteilnehmer

Der Interventionsgruppe waren ursprünglich 166 Kinder zugeteilt, der Kontrollgruppe 165. Die Verluste während der Nachuntersuchungen waren in der Kontrollgruppe höher, so dass die Daten von 144 Kindern der Interventionsgruppe (Follow-up-Verlust von 13 %) und 130 Kindern der Kontrollgruppe (Follow-up-Verlust von 21 %) auswertbar waren. Das Verhältnis von Interventionsgruppe zu Kontrollgruppe betrug 1,1 zu 1,0, was keinen signifikanten Unterschied ausmachte (p>0,05).

▼ 59 

Die beiden Gruppen waren zu etwa gleichen Anteilen in den Altersstufen vertreten. Es wurden keine altersabhängigen statistischen Unterschiede gefunden. Der hohe Anteil der Jungen in der Altersgruppe der 12-jährigen war sowohl in der Interventionsgruppe als auch in der Kontrollgruppe zu finden (kein signifikanter Unterschied mit p>0,05) (Abb. 4.5; Tab. 8.3). Die beiden Gruppen waren zu etwa gleichen Teilen auf die Schulen verteilt. Das Verhältnis Interventionsgruppe zu Kontrollgruppe reichte von 0,9 (Schule #5 und #7) bis 2,5 (Schule #10) (p>0,05) (Tab.8.4).

Abbildung 4.5: Altersverteilung der Jungen (a) und Mädchen (b)

Das Durchschnittsalter der Kinder war 11,3 Jahre (Wertebereich: 8 bis 19 Jahre), wobei nur 4,4 % älter waren als 14 Jahre. 95,6 % der Kinder waren zwischen 8 und 14 Jahren alt (Tab. 4.7). In den Berechnungen werden die >13-jährigen (8 % der Kinder) immer gemeinsam betrachtet.

▼ 60 

Das Alter der Interventionsgruppe mit 11,3 Jahren (Wertebereich: 8 bis 19 Jahre; 5,8 % über 13 Jahre) unterschied sich nicht von der Kontrollgruppe mit 11,3 Jahren (Wertebereich: 8 bis 17 Jahre; 10,2 % über 13 Jahre) (p > 0,05).

Tabelle 4.7: Anzahl der Kinder und deren Altersdurchschnitt in den Untersuchungsgruppen

Parameter

Interventionsgruppe

Kontrollgruppe

Gesamt

Anzahl

Altersdurchschnitt

144

11,3

130

11,3

Jungen

Anzahl (%)

Altersdurchschnitt

89 (62)

11,3

74 (57)

11,3

Mädchen

Anzahl (%)

Altersdurchschnitt

55 (38)

10,9

56 (43)

10,9

Der Anteil der Jungen an den Untersuchungsgruppen war insgesamt 1,5mal höher als der der Mädchen (p<0,05) (Abb. 8.3). Der Anteil der Jungen an der Interventionsgruppe war 62 %, der Kontrollgruppe 57 % (p>0,05). Demnach betrug der Anteil Mädchen 38 % bzw. 43 % an der Interventions- bzw. an der Kontrollgruppe.

4.2.2 Urinuntersuchungen

4.2.2.1 Grunduntersuchung

▼ 61 

Da nur Kinder in die Studiengruppe aufgenommen wurden, die als hochinfiziert klassifiziert worden waren, betrug die Prävalenz der Blasenbilharziose der Interventions- und Kontrollgruppe 100 %. Die Infektionsstärke in der Interventionsgruppe mit 113 Eier/10 ml Urin unterschied sich nicht signifikant von der Infektionsstärke der Kontrollgruppe mit 107 Eier/10 ml Urin (p>0,05).

Nach der Auswahl der hochinfizierten Kinder gab es in Altersgruppen keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Infektionsstärke (Abb. 4.6 a; Werte in Tab. 8.5). Durch die Selektion unterschied sich auch die mittlere Infektionsstärke der ausgewählten Kinder zwischen den verschiedenen Schulen nicht (p>0,05) (Abb. 4.6 b; Werte in Tab. 8.5).

Abbildung 4.6: Infektionstärken in den einzelnen Altersgruppen (a) und in den Schulen (b)

4.2.2.2 Erste Nachuntersuchung

▼ 62 

Vier Wochen nach der Therapie mit Praziquantel unterschieden sich die Prävalenzen der Blasenbilharziose der Gruppen nicht signifikant. In der Interventionsgruppe waren noch 69 von 144 Kindern infiziert (48 %), in der Kontrollgruppe waren 56 von 130 Kindern infiziert (43 %) (Tab. 4.8).

Die Infektionsstärke war in der Interventionsgruppe auf 1,0 % (1,3 Eier/10 ml Urin) des Ausgangswertes gefallen, während die Infektionsstärke in der Kontrollgruppe auf 1,9 % (2,0 Eier/10 ml Urin) des Ausgangswertes der Grunduntersuchung gefallen war (Abb. 4.8). Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsgruppen konnte nicht ermittelt werden.

In der Interventionsgruppe waren noch 51 % der Jungen infiziert mit einer mittleren Infektionsstärke von 1,3 Eier/10 ml Urin und 44 % der Mädchen mit einer mittleren Infektionsstärke von ebenfalls 1,3 Eier/10 ml Urin.

▼ 63 

In der Kontrollgruppe waren 47 % der Jungen infiziert mit einer Infektionsstärke von 2,3 Eier/10 ml Urin und 38 % der Mädchen mit einer Infektionsstärke von 1,7 Eier/10 ml Urin (immer p>0,5). Bezüglich der Prävalenz und der Infektionsstärke in den verschiedenen Altersgruppen oder in den Schulen gab es keine signifikanten Unterschiede (Abb. 8.1; Tab. 8.6 bis 8.8).

Die Heilungsrate lag insgesamt bei 55 % mit einer Reduktion der Eisausscheidung der Nichtgeheilten von 99 %. Differenziert man zwischen vitalen und toten Eiern und betrachtet nur die vitalen Eier, so schieden nur 27 % in der Interventionsgruppe und 28 % der Kinder der Kontrollgruppe Eier im Urin aus mit einer Infektionsstärke von 1,7 bzw. 2,0 Eier/10 ml Urin. Das entspricht einer Heilungsrate von insgesamt 73 % bei einer Reduktion der Eiausscheidung der Nichtgeheilten von 98 %. Es ließen sich auch in diesem Fall keine statistischen Unterschiede ausmachen.

4.2.2.3 Zweite Nachuntersuchung

Um einen Einfluss der Supplementierung mit Mikronährstoffen auf die Reinfektionsraten und -stärken feststellen zu können, sollten die Kinder drei Monate nach der Regenzeit nochmalig untersucht werden. Da es im Jahr 2000 in der Hauptregenzeit so wenig regnete, dass sich kaum Wasserspeicher bildeten und somit Reinfektionen wenig wahrscheinlich waren, wurden die Kinder erst zehn Monate nach der Behandlung untersucht.

▼ 64 

Die Prävalenz war in beiden Gruppen signifikant gefallen (p<0,01), in der Interventionsgruppe von 48 % auf 26 % und in der Kontrollgruppe von 43 % auf 24 % (Tab 4.4). Zwischen den beiden Gruppen gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede.

Die Infektionsstärke der infizierten Kinder der Interventionsgruppe betrug 3,3 Eier/ 10 ml Urin, die Infektionsstärke der infizierten Kinder der Kontrollgruppe betrug 1,7 Eier/ 10 ml Urin (p>0,05) (Tab 4.4).

In der Interventionsgruppe waren 27 % der Jungen infiziert mit einer mittleren Infektionsstärke von 4,5 Eier/10 ml Urin und 25 % der Mädchen mit einer mittleren Infektionsstärke von 1,3 Eier/10 ml Urin (p>0,05).

▼ 65 

In der Kontrollgruppe waren 23 % der Jungen infiziert mit einer Infektionsstärke von 1,7 Eier/ 10 ml Urin und 25 % der Mädchen mit einer Infektionsstärke von 1,2 Eier/10 ml Urin (p>0,05). Prävalenz und Infektionsstärke der verschiedenen Altersgruppen oder der Schulen unterschieden sich nicht signifikant (p>0,05) (Abb. 8.2, Tab. 8.9 bis 8.11).

Tabelle 4.8: Zusammenfassende Tabelle der Ergebnisse der Urinuntersuchungen zu den drei Untersuchungszeitpunkten

 

Prävalenz Grunduntersuchung

[%]

Prävalenz

1. Nachuntersuchung

[%]

Prävalenz

2. Nachuntersuchung

[%]

Interventionsgruppe n=144

100

48

26

Kontrollgruppe

n=130

100

43

24

Signifikanz

p>0,05

p>0,05

p>0,05

    
 

Infektionsstärke

Grunduntersuchung

[Eier/10 ml Urin] 1

Infektionsstärke

1. Nachuntersuchung

[Eier/10 ml Urin] 1

Infektionsstärke

2.Nachuntersuchung

[Eier/10 ml Urin] 1

Interventionsgruppe

113 ( 75,5 bis 172,3) 2

1,3 (0,3 bis 4,7) 2

3,3 (1,0 bis 10,5) 2

Kontrollgruppe

107 (77,1 bis 151,8) 2

2,0 (0,6 bis 6,3) 2

1,7 (0,5 bis 8,0) 2

Signifikanz

p>0,05

p>0,05

p>0,05

1 Für die Infektionsstärken sind die Mediane aus der Menge der infizierten Kinder (Eiausscheidung >0) berechnet worden.
2 Interquartilbereich

Abbildung 4.7: Boxplotdiagramm der Infektionsstärke an den drei Untersuchungszeitpunkten

(n gibt die Anzahl der infizierten Kinder an)

▼ 66 

Reinfektionsrate und -stärke

Von den 62 Kindern, die zum Zeitpunkt der zweiten Nachuntersuchung infiziert waren, handelte es sich bei 32 Kindern um Reinfektionen. Bei diesen Kindern konnte man erneut S. haematobium-Eier im Urin nachweisen, nachdem keine Eier während der ersten Nachuntersuchung nachgewiesen wurden.

Das bedeutete eine Reinfektionsrate von 11 % in der Interventionsgruppe und 10 % in der Kontrollgruppe (p>0,05).

▼ 67 

Die mittlere Infektionsstärke für die reinfizierten Kinder der Interventionsgruppe betrug 3,3 Eier/10 ml Urin versus 1,3 Eier/10 ml Urin in der Kontrollgruppe (Tab. 4.9). Auch hier ließ sich kein signifikanter Unterschied feststellen (p>0,05).

Getrennt nach Geschlechtern ergab sich in der Interventionsgruppe eine Reinfektionsrate von 9 % bei den Jungen mit einer mittleren Infektionsstärke von 3,8 Eier/10 ml Urin und 15 % bei den Mädchen mit einer Infektionsstärke von 2,7 Eier/10 ml Urin. In der Kontrollgruppe waren 8 % der Jungen reinfiziert mit einer Infektionsstärke von 1,2 Eier/10 ml Urin und 13 % der Mädchen waren reinfiziert mit einer Infektionsstärke von 2,3 Eier/10 ml Urin (p immer >0,05).

Die Reinfektionsraten reichten von 0 % in Ngudama (Schule #10) bis 35 % in Igokelo (Schule #8). Es ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsgruppen (Tab. 8.14). In den verschiedenen Altersgruppen gab es hinsichtlich der Reinfektionsrate keine signifikanten Unterschiede (Abb. 8.3; Tab. 8.12. und 8.13.).

▼ 68 

Tabelle 4.9: Infektionsstärken der reinfizierten Kinder

 

Anzahl der reinfizierten Kinder

(Anteil an der jeweiligen Gruppe)

Mittlere Infektionsstärken der reinfizierten Kinder

[Eier/10 ml Urin]

Interventions-gruppe

16 (11 %)

3,3

Kontrollgruppe

13 (10 %)

1,3

insgesamt

29 (11 %)

2,3

4.2.3 Stuhluntersuchungen

Um eine Infektion mit S. mansoni festzustellen, wurde jeweils am dritten Untersuchungstag eine Stuhlprobe mittels der Kato-Katz-Methode auf ausgeschiedene Eier untersucht.

Zur Grunduntersuchung waren 6,0 % der Kinder der Interventionsgruppe und 5,8 % der Kontrollgruppe (p>0,05) mit S. mansoni infiziert (Tab. 4.10). Die mittlere Infektionsstärke der infizierten Kinder betrug 15,0 (Wertebereich 10,0 bis 50,0) Eier/g Stuhl in der Interventionsgruppe und 10,0 (Wertebereich 10,0 bis 60,0) Eier/g Stuhl in der Kontrollgruppe (p>0,05).

▼ 69 

Während der ersten Nachuntersuchung konnten bei keinem der Kinder Eier im Stuhl festgestellt werden.

Während der zweiten Nachuntersuchung waren 2,5 % aller Kinder infiziert (2,2 % in der Interventionsgruppe und 3,3 % in der Kontrollgruppe; p>0,05).

Die Infektionsstärken lagen bei diesen Kinder wieder sehr niedrig (maximal 40,0 Eier/g Stuhl). Die mittlere Infektionsstärke der infizierten Kinder betrug in der Interventionsgruppe 30,0 Eier/g Stuhl und in der Kontrollgruppe 20,0 Eier/g Stuhl (p>0,05). Keines der Kinder war zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig mit S. haematobium infiziert.

▼ 70 

Tabelle 4.10: Anzahl der untersuchten Stuhlproben und der darin gefundenen S.   mansoni -Eier an den drei Untersuchungszeitpunkten

Untersuchungs- zeitpunkt

Gruppe 1

Anzahl der auf

intestinale Helminthen untersuchten Kinder

Anzahl der infizierten

Kinder

Infektionsstärke der infizierten Kinder [Eier/g Stuhl]

Grunduntersuchung

1

134

8

15

2

120

7

10

Erste Nachuntersuchung

1

143

0

0

2

129

0

0

Zweite Nachuntersuchung

1

139

3

30

2

122

4

20

1 Gruppe 1=Interventionsgruppe; Gruppe 2=Kontrollgruppe

4.2.4 Blutuntersuchungen

Um eine Malariainfektion festzustellen, wurde den Kindern jeweils am dritten Untersuchungstag Blut für die Untersuchung eines „Dicken Tropfens“ abgenommen.

Zur Grunduntersuchung lag die Prävalenz bei beiden Untersuchungsgruppen bei 34 % (p>0,05) (Tab. 4.11). Die mittlere Infektionsstärke der infizierten Kinder betrug 8,0 Plasmodien/200 Leukozyten im Dicken Tropfen in der Interventionsgruppe und 10,0 Plasmodien/200 Leukozyten in der Kontrollgruppe (p>0,05).

▼ 71 

Während der ersten Nachuntersuchung war die Prävalenz in beiden Gruppen gegenüber der Grunduntersuchung signifikant gefallen. In der Interventionsgruppe waren noch 16 % und in der Kontrollgruppe 15 % infiziert (p>0,05).

Die mittlere Infektionsstärke der infizierten Kinder der Interventionsgruppe betrug 1,5 Plasmodien/200 Leukozyten und in der Kontrollgruppe 2,0 Plasmodien/200 Leukozyten (p>0,05).

Während der zweiten Nachuntersuchung lag die Prävalenz in der Interventionsgruppe bei 25 % und der Kontrollgruppe bei 18 % (p>0,05).

▼ 72 

Die Infektionsstärke der Infizierten der Interventionsgruppe lag signifikant höher mit 4,0 Plasmodien/200 Leukozyten als die der Kontrollgruppe mit 2,0 Plasmodien/200 Leukozyten (p<0,05).

Auffällig ist die hohe Prävalenz in der Interventionsgruppe zur zweiten Nachuntersuchung in den Schulen Mapilinga (#7: 64 %), Igokelo (#8: 25 %) und Buganda (#9: 36 %) (Tab. 4.12; Abb. 4.8a). Die durchschnittliche Prävalenz in diesen Schulen bei den Kindern der Interventionsgruppe war 40 %, in den restlichen Schulen durchschnittlich nur 13 % (p<0,05). Diese erhöhten Werte finden sich aber nur in der Interventionsgruppe. In der Kontrollgruppe weicht keine Schule vom Durchschnitt ab (p>0,05). Die Infektionsstärken der infizierten Kinder in diesen Schulen lagen nicht signifikant höher als in den anderen Schulen.

Tabelle 4.11: Zusammenfassende Tabelle der Prävalenz, Anzahl der infizierten Kinder und Infektionsstärke der Malaria

Untersuchungs- zeitpunkt

Gruppe 1

Prävalenz

[%]

Anzahl der infizierten Kinder

Infektionsstärke der infizierten Kinder

[Plasmodien/200 Leukozyten]

Grunduntersuchung

1

34

45

8,0

2

34

41

10,0

Erste Nachuntersuchung

1

16

22

1,5

2

15

19

2,0

Zweite Nachuntersuchung

1

24

35

4,0

2

18

23

2,0

1 Gruppe 1 = Interventionsgruppe; Gruppe 2 = Kontrollgruppe

▼ 73 

Tabelle 4.12: Prävalenzen und Infektionsstärken der Malaria in den Schulen mit einer Malariaprävalenz der Interventionsgruppe über 25 %, gegenüber der Schulen mit einer Malariaprävalenz der Interventionsgruppe von weniger als 25 % zur zweiten Nachuntersuchung

 

Schulen

#7, #8, #9

Schulen

#1, #3, #5, #6, #10, #11, #13

p-Wert

Prävalenz in der Interventionsgruppe [%]

40

13

p<0,05

Prävalenz in der

Kontrollgruppe [%]

17

20

p>0,05

Infektionsstärke der Infizierten

in der Interventionsgruppe

[Plasmodien/200 Leukozyten]

4,5

2,0

p>0,05

Infektionsstärke der Infizierten

in der Kontrollgruppe

[Plasmodien/200 Leukozyten]

4,0

2,0

p>0,05

Abbildung 4.8: Prävalenz (a) und Infektionsstärke (b) der Malaria zum Zeitpunkt der zweiten Nachuntersuchung

4.2.5 Größe und Gewicht

▼ 74 

Zu jedem Untersuchungszeitpunkt wurden Größe und Gewicht der Kinder gemessen.

Nimmt man deutsche Perzentilentabellen zu Hilfe, so waren alle Kinder im Vergleich zu deutschen Kindern deutlich untergewichtig. Die meisten Mädchen lagen in der zwölften Perzentile der Körperhöhe, die meisten Jungen in der siebenten Perzentile (Tab. 8.15 und 8.16). Der durchschnittliche Perzentilenwert des Gewichtes lag bei den Mädchen, wie bei den Jungen bei 4,8 (Tab. 8.17 und 8.18). Auch der BMI lag weit unter deutschen Standards (Tab. 4.13). Der durchschnittliche Perzentilenwert der Mädchen lag hier bei 8,1; bei den Jungen bei 11,3.

Deutlich wird ein Abfall in der Perzentilenkurve mit dem Alter. So liegen die 8-jährigen noch in der 42-ten, die 9-jährigen in der 15-ten, die 10-jährigen in der neunten, die 11-jährigen in der achten, die 12-jährigen in der dritten und die 13-jährigen nur noch in der ersten Perzentile der Körperhöhe.

▼ 75 

Tabelle 4.13: BMI der Jungen und Mädchen zum Zeitpunkt der Grunduntersuchung

Alter

BMI [kg/m 2 ]

Perzentilenwert

       

[Jahre]

Jungen

Mädchen

      

8

14,1

 

9

 

13,3

  

3

 

9

15,2

 

22

 

14,6

  

14

 

10

15,5

 

20

 

14,9

  

12

 

11

15,3

 

11

 

15,4

  

13

 

12

15,5

 

8

 

14,9

  

4

 

13

15,9

 

7

 

15,7

  

4

 

>13

15,3

 

1

 

15,5

  

2

 

4.3 Niederschlagsmengen im Untersuchungszeitraum

Die Gesamtniederschlagsmenge 1999 betrug 594 mm, wobei die Regenfälle November und Dezember nicht sehr ergiebig ausfielen. Während des Zeitraums der langen Regenzeit 2000 regnete es nur spärlich Mitte März bis Anfang April. Es bildeten sich kaum bzw. keine Wasserspeicher. Bis Ende Oktober fiel kein Regen mehr. Die Gesamtniederschlagsmenge in dem Jahr betrug 484 mm (Abb. 4.9).

Abbildung 4.9: Monatliche Niederschlagsmengen der Jahre 1999 und 2000 in Ukiriguru
(Ukiriguru Research Institute, Ministry of Agriculture, Dar es Salaam)


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22.03.2006