6 Zusammenfassung

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Blasenbilharziose, eine tropische Parasiteninfektion, wird durch Pärchenegel der Art Schistosoma haematobium übertragen und ist in manchen Regionen die zweithäufigste Infektionskrankheit nach Malaria. Kinder zwischen acht und 14 Jahren sind am höchsten infiziert und tragen damit entscheidend zur Aufrechterhaltung des Entwicklungszyklus’ bei. Die Verbreitung der Infektion hängt eng mit Lebensgewohnheiten und Hygiene der Menschen zusammen.

Die Behandlung mit Praziquantel bewirkt, dass die Eiausscheidung drastisch reduziert und damit das Hauptsymptom, die Hämaturie, gelindert wird und Folgeerkrankungen wie Obstruktionen der Harnwege und das Blasenkarzinom verhindert werden. Praziquantel ist ein gut verträgliches Medikament, welches die Oberfläche der adulten Schistosomen schädigt und in Folge dessen die erfolgreiche Immunabwehr gegen die Parasiten ermöglicht. Mikronährstoffe, die Mineralstoffe und Vitamine zusammenfassen, sind wichtig für die Funktion des Immunsystems. In Endemiegebieten der Bilharziose ist Unterernährung meist weit verbreitet. Das schließt in hohem Maße die Mangelversorgung an Mikronährstoffen mit ein.

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In dieser Arbeit sollte untersucht werden, ob durch eine Mikronährstoffgabe erstens die Therapie der Blasenbilharziose mit Praziquantel verbessert werden kann und zweitens Reinfektionen mit S. haematobium vermindert werden können.

Um hochinfizierte Kinder zu identifizieren, wurden in einer Querschnittsstudie insgesamt 973 Schulkinder zwischen acht und 14 Jahren in zehn Grundschulen untersucht. 331 hochinfizierte Kinder mit einer Eiausscheidung ab 30 Eier/10 ml Urin wurden in die randomisierte Interventionsstudie eingeschlossen. Die Interventionsgruppe erhielt täglich über vier Wochen ein kommerziell erhältliches Mikronährstoffpräparat, das alle wichtigen Vitamine und Spurenelemente enthielt.

Anschließend wurden beide Studiengruppen mit Praziquantel behandelt und zwei Wochen nach der medikamentösen Behandlung der Therapieerfolg verglichen. Es schieden noch 48 % der Kinder der Interventionsgruppe Eier im Urin aus mit einer mittleren Infektionsstärke von 1,0 Eier/10 ml Urin. In der Kontrollgruppe waren noch 43 % der Kinder mit einer mittleren Infektionsstärke von 1,8 Eier/10 ml Urin infiziert. Statistisch ergab sich kein Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen.

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Nach weiteren sechs Monaten sollten die Kinder nochmalig auf Eier im Urin untersucht werden, um Reinfektionen festzustellen. Fehlende bzw. spärliche Niederschläge machten jedoch Neuinfektionen fast unmöglich, da sich kaum Wasserstellen gebildet hatten, welche die Habitate der Süßwasserschnecke Bulinus nasutus - dem Zwischenwirt von S. haema tobium im Untersuchungsgebiet - darstellen. Nach zehn Monaten waren 11 % der Kinder der Interventionsgruppe mit einer mittleren Infektionsstärke von 3,3 Eier/10 ml Urin reinfiziert und 10 % der Kontrollgruppe mit einer mittleren Infektionsstärke von 1,3 Eier/10 ml Urin. Es ließ sich kein statistischer Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen feststellen.

Die Annahme, dass durch die Supplementierung von Mikronährstoffen der Therapieerfolg verbessert werden würde, konnte hier nicht bestätigt werden. Andere Untersuchungen lassen vermuten, dass die Therapie zwar an das Funktionieren des Immunsystems gebunden ist, jedoch erst bei schweren Defiziten des Immunsystems eingeschränkt ist.

Die Frage, ob sich durch eine Mikronährstoffgabe die Reinfektionen verringern lassen, konnte aufgrund der Dürre in den Jahren 1999 und 2000 und durch das damit deutlich herabgesetzte Infektionsrisiko der Kinder sowie die zeitlich verschobenen Nachuntersuchungen nicht schlüssig beantwortet werden.


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22.03.2006