Kemps
, Christoph :
Dosisabhängige Effekte von Almitrindimesilat auf Hämodynamik und pulmonalen Gasaustausch beim experimentell induzierten akuten Lungenversagen am Schwein

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Kapitel 5. Zusammenfassung

Das ARDS (acute respiratory distress syndrome) stellt mit einer schweren Hypoxämie aufgrund eines hohen pulmonalen Recht-Linksshunts, mit einer pulmonalen Hypertonie und einer diffusen inflammatorischen Reaktion der gesamten Lunge trotz einiger etablierter Therapieansätze ein häufig letal endendes Krankheitsbild dar. Neben zahlreichen neuen klinisch-experimentellen Therapieansätzen erlangt die i.v.-Aplikation von Almitrindimesilat größere Beachtung. Zuerst verabreicht bei chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen erkannte man bald, daß neben der ventilationssteigernden Wirkung auch Effekte an der pulmonalen Gefäßstrombahn im Sinne einer Optimierung des Ventilations-Perfusions-Verhältnisses für die zu beobachtende Verbesserung der pulmonalen Oxygenation verantwortlich sind. Kontrovers diskutierte Dosierungen in Tierversuchen und vereinzelten Anwendungen am Menschen legten nahe, daß systemische Dosis-Wirkungsanalysen erfolgen mußten.

Mit Hilfe eines durch repetitive saline bronchoalveoläre Lavage induzierten ARDS-Modells am Schwein wurden an 14 Schweinen in Narkose prospektiv randomisiert entweder sechs ansteigende Dosen (0,5, 1, 2, 4, 8, und 16 µg/kgKG/min) Almitrin-dimesilat oder dessen Solvens Apfelsäure appliziert. Mit Hilfe invasiver hämodynamischer Messungen und Blutgasanalysen wurden Parameter des pulmonalen Gasaustausches und der Hämodynamik erhoben .

Von den 14 Tieren überlebten fünf, wobei einige Tiere der Kontrollgruppe bereits kurz nach der ARDS-Induktion verstarben, wohingegen alle Tiere der Almitringruppe zwei Stunden nach ARDS-Induktion zum Meßzeitpunkt Alm 4 noch lebten. Nach weiterem Anstieg der applizierten Dosen verstarben auch in dieser Gruppe bis zum Ende des Versuches vier Tiere, in der Kontrollgruppe fünf Tiere.

Almitrindimesilat zeigte einen dosisabhängigen Einfluß auf die Hämodynamik und den pulmonalen Gasaustausch.


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Niedrige Dosen reduzieren den pulmonalen Rechts-Links-Shunt und verbessern dadurch den Sauerstoffpartialdruck mit einem Optimum für diesen günstigen Einfluß bei einer Infusionsrate von 1 µg/kgKG/ min.

Hohe Dosen im Dosis-Wirkungs-Spektrum für ansteigende Almitrindimesilat-dosierungen steigern hingegen den pulmonalen Rechts-Links-Shunt, verringern den Sauerstoffpartialdruck und führen damit zu einer erheblichen Verschlechterung des Krankheitsbildes im Vergleich zu niedrigen Dosen und der Ausgangssituation bzw. dem nichttherapierten Tieren.

Bei nahezu konstanten systemischen Hämodynamikparametern stieg der pulmonalarterielle Mitteldruck nach Almitrindimesilatgabe. Mit zunehmender Dosierung erreichte der MPAP höhere Werte als zum Zeitpunkt des stabilen Lungenschadens, jedoch waren keine dieser Steigerungen statistisch signifikant.

Es wird deutlich, daß die positiven Effekte von Almitrindimesilat, die sich am experimentell induzierten Lungenversagen beobachten lassen, zur weiteren Anwendung als alternative Therapie des ARDS am Menschen ermutigen. Da Überdosierungen potentiell schädigen können, sollten der therapeutischen Gabe jedoch Dosis-Wirkungsanalysen vorausgehen, um die optimale Dosis individuell festlegen zu können.


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Tue Jul 11 20:41:46 2000