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1  Zielstellung

Ziel der Arbeit war, bei Patienten nach Organtransplantation die Besiedlung der Mundhöhle mit Candida-Spezies und damit assoziierter Biotypen sowie klinische Manifestationen zu bestimmen.

In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass nach Transplantation mit anschließender immunsuppressiver Therapie die Besiedlung und die Infektion der Mundhöhle mit Candida-Spezies zunimmt. Bei Patienten nach Organtransplantation liegt die Mortalitätsrate infolge von systemischen Pilzinfektionen trotz Antimykotika-Prophylaxe bei über 50 %.

Die verschiedenen medizinisch relevanten Candida-Spezies unterscheiden sich u. a. in ihrer Pathogenität und in ihrem Resistenzverhalten gegenüber gebräuchlichen Antimykotika.

In der Regel ist die Behandlung der oralen Candidiasis mit lokal oder systemisch wirksamen Antimykotika sehr effektiv. Jedoch kann die Immunsuppression nach Transplantation zu Rezidiven der oralen Candidiasis führen und infolge der wiederholt erforderlichen antimykotischen Therapie können Resistenzentwicklungen beobachtet werden.

Das Auftreten bisher apathogener Spezies und Biotypen spielt hierbei eine bedeutende Rolle. So werden seltene Candida-Spezies, wie z. B. C. guilliermondii und C. kefyr, bei immunsupprimierten Patienten zunehmend identifiziert und Infektionen durch Spezies, die früher als medizinisch wenig relevante Spezies galten, wie z. B. C. krusei, gewinnen an Bedeutung.

Es kann daher während der antimykotischen Therapie zur Selektion derartiger Spezies kommen.

Auch Antibiotika, Kortikosteroide und andere Immunsuppressiva, die zu einer Verschiebung der mikrobiellen Mundhöhlenflora führen, können ein erhöhtes Risiko für eine orale Mykose darstellen.

Folgende Fragen standen im Mittelpunkt der Untersuchung:

Wie hoch ist die Prävalenz der Candidabesiedlung und -infektion bei Patienten nach Organtransplantation? Treten bei den verschiedenen Typen der Organtransplantationen unterschiedliche Prävalenzraten auf?


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Welche Candida spp. und Biotypen können ermittelt werden? Unterscheiden sich die Candida spp. und Biotypen von denen anderer Patientengruppen oder im Vergleich zur Besiedlung bei Gesunden?

Unterscheiden sich die Prävalenzraten einer Candidakolonisation bzw. -infektion bei Patienten mit oder ohne Antimykotikatherapie? Treten bei Antimykotikagabe andere Spezies bzw. Biotypen auf?

Welche Rolle spielen immunsuppressive Medikation, Zeitpunkt der Abstrichnahme nach Transplantation, Geschlecht, Alter und Tabakkonsum? Werden bei Prothesenträgern andere Spezies bzw. Biotypen identifiziert?

Korreliert das Auftreten einiger Candida spp. oder Biotypen mit bestimmten klinischen Erscheinungsbildern einer Candidiasis?


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09.06.2005