Klassen, Irena: Thema: „METASTASEN BEI UNBEKANNTEM PRIMÄRTUMOR - VORSCHLAG EINES STATISTISCHEN VERFAHRENS ZUR IMMUNHISTOCHEMISCHEN DIFFERENZIERUNG HÄUFIGER ADENOKARZINOME “

75

Kapitel 6. Zusammenfassung

Das Auftreten von Metastasen bei unbekanntem Primärtumor stellt nach wie vor ein in vieler Hinsicht offenes Problem dar. Es betrifft zwischen 2 bis max. 10% aller Krebspatienten. Häufig werden diese einer aufwendigen und zum Teil belastenden Diagnostik unterzogen, um den Primärtumor zu finden und eine entsprechende Therapie folgen zu lassen. In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich hierbei um ein metastasierendes Adenokarzinom. Meist muß man dabei von einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium mit eher schlechter Prognose ausgehen. Umso wichtiger erscheint daher die rasche Differenzierung potenziell kurabler oder zumindest palliativ therapierbarer Karzinome.

Aus der hier getroffenen Auswahl häufig auftretender Adenokarzinome sind u.a. das Mamma- und das Ovarialkarzinom prinzipiell einer Chemotherapie zugänglich. Um nach Entdeckung des metastatischen Herdes die nachfolgende Diagnostik effektiver zu gestalten, ist das hier vorgestellte statistische Verfahren entwickelt worden. Dabei können Wahrscheinlichkeitsangaben für die mögliche Organlokalisation des Primärtumors auf der Grundlage von immunhistologischen Färbeergebnissen mit 7 verschiedenen Tumormarkern (CEA, CK7, CK20, ER, GCDFP-15, Surfactant A, Vimentin) geliefert werden.

Das histologische Untersuchungsmaterial umfaßte 313 Adenokarzinommetastasen mit bekanntem Primärtumor in Mamma, Ovar, Lunge, Niere, Kolon, Magen und Pankreas.

Die ursprünglich geplante Integration von klinisch-epidemiologischen Daten in ein statistisches Modell zur Erhöhung der Diagnosesicherheit erwies sich als nicht praktikabel, da die bisher vorliegenden Daten über Inzidenz und Metastasierungsverhalten von CUP-Tumoren unzureichend sind. Eine Übertragung der üblichen Tumorstatistiken auf CUP-Tumoren, die sich im Hinblick auf Inzidenz und Metastasierung grundlegend anders verhalten, erscheint dagegen nicht sinnvoll.

Auf der Grundlage der immunhistologischen Ergebnisse lassen sich mit Hilfe des statistischen Verfahrens 46% der Metastasen ihrem Primärtumor zuordnen, unter der Annahme einer ausreichenden Diagnosesicherheit bei einer Zuordnungswahrscheinlichkeit von >=90%. Die Methode erreicht damit eine Spezifität von 95%. Mamma- und Lungenadenokarzinommetastasen wurden vor allem aufgrund des positiven Färbeergebnisses für ihren hochspezifischen Marker GCDFP-15 bzw. Surfactant A differenziert, wobei eine Abhängigkeit der Expression vom Differenzierungsgrad festgestellt wurde. Mit zunehmender Entdifferenzierung wurden die Färbeergebnisse für diese hochspezifischen Marker seltener positiv, gleichzeitig nahm damit die Zuordnungswahrscheinlichkeit zum Ausgangstumor ab.

Da die Diagnose bei positivem Nachweis von GCDFP-15 und Surfactant A unabhängig von den übrigen Ergebnissen gestellt werden konnte, wird die Anwendung des Verfahrens erst bedeutsam für Metastasen, die für ihren organspezifischen Marker


76

negativ sind, bzw. für Kolon-, Nieren- und Ovarialkarzinommetastasen, die zum Teil charakteristische Markerspektren aufweisen und damit recht gut zu differenzieren waren. Eine Differenzierung von Magen- und Pankreaskarzinommetastasen war dagegen aufgrund der sehr ähnlichen Markerprofile nicht möglich.

Vorgeschlagen wird ein stufenweises Vorgehen, wobei mit Hilfe der spezifischen Marker GCDFP-15, Surfactant A und Estrogenrezeptor zunächst eine Zuordnung zu den Primärtumoren der Mamma, der Lunge bzw. der Mamma oder des Ovars erfolgen kann. Bei negativem Ergebnis sollten die übrigen Tumormarker untersucht und im Anschluß das vorgestellte Verfahren Verwendung finden. Mit den auf diese Weise erzielten Zuodnungswahrscheinlichkeiten, kann bei geringem Zeitaufwand eine Orienierungshilfe gegeben werden, um schließlich unter Berücksichtigung der Gesamtsituation eine Diagnose stellen zu können bzw. eine zielgerichtete weitere klinisch-radiologische Diagnostik folgen zu lassen.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.

DiML DTD Version 2.0
Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML - Version erstellt am:
Tue Apr 8 17:03:11 2003