2 Morphologie der Aortenklappe

↓10

Bereits 1513 demonstrierte Leonardo da Vinci in seinen Zeichnungen von Obduktionsproben die Geometrie einer geöffneten und geschlossenen Aortenklappe als dreieckige Struktur, die sich durch drei aneinander angrenzende Halbkugeln bildet.

Abbildung 4 Darstellungen der Aortenklappe durch da Vinci

Eine erste Beschreibung des Aortensinus erfolgte dann 1740 durch Valsalva. Aufgrund angiographischer Untersuchungen ließ sich zu einem späteren Zeitpunkt herausfinden, dass die Aortenklappe ihren Radius während der mechanischen Herzaktion verändert und sich die Segel der Semilunarklappen in der frühen systolischen Phase öffnen. Allgemein wurde die Aortenklappe schon relativ frühzeitig als kronenförmige Struktur erkannt und beschrieben, deren Klappensegel eine parabole Form bilden.


Der Mechanismus der systolischen Klappenöffnung einer Aortenklappe folgt passiv dem La Place’schen Gesetz und liegt in der dehnbaren Natur der Aortenwurzelstrukturen begründet. Wenn sich je Herzzyklus der linksventrikuläre Druck den Druckverhältnissen in der Aorta angleicht, resultiert eine Expansion des Aortenklappensinus. Bereits eine Dehnung von etwa 5% bewirkt eine radiale Bewegung der Kommissuren gemäß den vektoriellen Kräften nach außen. Dadurch wird ein tangentialer Zug auf die Klappensegel ausgeübt, die ihrerseits eine ringförmige Öffnung bilden. Der diastolische Verschlussmechanismus erfolgt durch die Rückstellung des Anulusdiameters und des Aortenklappensinus in die physiologischen diastolischen Dimensionen. Der endgültige Klappenschluss ist mit dem Berühren der freien Ränder der einzelnen Klappensegel und der Noduli arantii erreicht.
Die kronenförmige Struktur der Aortenklappe besteht aus drei anatomischen Einheiten: 1) einem fibrösen Klappenring, dem Anulus, 2) den drei Klappensegeln und 3) den Kommissuren, die innerhalb des ausdehnbaren Sinus Valsalva verankert sind und die morphologisch die Spitzen der Kronenstruktur bilden.

↓11

Der Aortenklappenanulus ist ein fibrös-knorpeliger Ring. Die tiefsten Segmente der Klappensegel finden hier ihren Ursprung. Der Anulus bestimmt die Klappengröße, welche bei Erwachsenen eine Ausdehnung von 17-25 mm, im Mittel 22 mm erreicht. Bei männlichen Erwachsenen zeigt sich vergleichsweise zu weiblichen Erwachsenen ein größer dimensionierter Anulus. So beträgt der durchschnittliche Diameter des Anulus bei männlichen Erwachsenen 24 mm und bei weiblichen Erwachsenen 22 mm. Subanular findet man eine fibröse Struktur, welche als Trigonum bezeichnet wird. Darunter versteht man die Bezirke, die zwischen den Klappenkommissuren zweier Klappensegel liegen. Man unterscheidet je nach anatomischer Lage zwischen dem rechten vorderen Trigonum, dem linken vorderen oder auch hinteren intervalvulären Trigonum sowie dem interventrikulären Trigonum. So befindet sich zum Beispiel das Septum aortico-mitrale als bewegliches und fibröses Gebilde zwischen dem rechten vorderen und dem linken vorderen Trigonum.

Die drei taschenförmigen Klappensegel verlaufen mit ihren freien Rändern nahezu parallel zueinander sowie in der Tiefe bis zum fibrösen Anulus. Im zentralen Anteil eines jeden Segels befindet sich eine kleiner, rauher und fibröser Knoten, der Nodulus Arantii. Peripher davon ist das Klappensegel zart, dünn und durchscheinend aufgebaut. Um einen kompetenten diastolischen Klappenschluss zu erzielen, berühren sich die freien Ränder der drei Klappensegel mit ihren Oberflächen. Die Benennung der Segel erfolgt durch ihre anatomische Beziehung zu den Abgängen der Koronararterien aus dem Sinus Valsalva: 1) das rechtskoronare oder auch anteromediale Klappensegel (RCL), 2) das linkskoronare oder auch anterolaterale Klappensegel (LCL) und 3) das nonkoronare oder auch posteriore Klappensegel (NCL). Das RCL findet sich anatomisch etwas tiefer gelegen als das LCL und das NCL.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
08.11.2005