3. ERGEBNISSE

3.1. Charakteristika der Studienpopulation

↓33

Die 356 Patienten, die an der Chloroquinstudie teilnahmen, wurden 14 Tage nach deren Beendigung erneut ins BHC bestellt und ab diesem Zeitpunkt alle 28 Tage bzw. bei Fieber auch an außerplanmäßigen Tagen klinisch und parasitologisch untersucht. Bei Zutreffen der Einschlusskriterien wurde eine Therapie mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin eingeleitet. Sieben Tage nach Therapie erfolgte eine klinische und parasitologische Kontrolle. Es wurden 28 Kinder aufgrund von fehlendem Erscheinen aus der Studie ausgeschlossen. Ebenso fanden 12 Kinder, bei denen die Anzahl der Besuche im Beobachtungszeitraum von November 2000 bis November 2001 weniger als zehn betrug, sowie ein Kind mit negativer Parasitendichte zum Zeitpunkt der Rekrutierung keine Berücksichtigung. Die Charakteristika der verbleibenden 315 Kinder sind in Tabelle 3.1.1. dargestellt.

↓34

Tabelle 3.1.1.: Charakteristika der Studienpopulation zum Zeitpunkt der Rekrutierung

Parameter

Gesamt

Anzahl Patienten (n)

315

Weiblich (%)

51,1

Alter (Monate; Median, Bereich)

36 [6-60]

Parasitendichte (/μl; geometrischer Mittelwert, Bereich)

28.714 [80-333.333]

Anteil Parasitämie < 5000 /μl (%)

5,4

Anteil Parasitämie 5000 < 50,000 /μl (%)

62,9

Anteil Parasitämie ≥ 50,000 /μl (%)

31,7

Axilläre Temperatur (°C; Median, Bereich)

38,4 [36,4-39,4]

Hämoglobin-Konzentration (g/dl; Median, Bereich)

8,4 [5,0-12,9]

Anteil mit Anämie (< 11 g/dl; %)

93,3

Bei Aufteilung in unterschiedliche Altersklassen (Tabelle 3.1.2.) wird deutlich, dass die durchschnittliche Parasitendichte (geometrischer Mittelwert) mit steigendem Alter ebenfalls stetig anstieg. So hatte die durchschnittliche Parasitämie bei den zum Zeitpunkt der Rekrutierung unter einjährigen Patienten den niedrigsten Wert, während bei den über vierjährigen Patienten das Maximum erreicht wurde. Die durchschnittliche axilläre Temperatur (Median) war bei den unter einjährigen Patienten am höchsten, änderte sich in den Altersklassen der Ein- bis Zweijährigen unwesentlich, sank dann in der Gruppe der Dreijährigen, um schließlich bei den über dreijährigen Patienten den niedrigsten Wert zu erreichen. Die Altersgruppen unterschieden sich bezüglich der Variablen Geschlecht, Parasitendichte und axillärer Temperatur jedoch nicht signifikant voneinander. Lediglich hinsichtlich des Hämoglobin-Wertes traten zwischen den einzelnen Altersgruppen signifikante Unterschiede auf (P < 0,0001). Der Hämoglobin-Gehalt (Median) hatte in der Altersklasse der Einjährigen den niedrigsten Wert, stieg dann kontinuierlich an und erreichte bei den über dreijährigen Patienten den höchsten Wert. Bei einer weiteren Altersklassifikation wird deutlich, dass sich die Hämoglobin-Konzentration der unter dreijährigen Patienten mit 7,9 g/dl signifikant (P < 0,0001) vom Wert der über Dreijährigen mit 8,8 g/dl unterschied.

Tabelle 3.1.2.: Altersverteilung der Studienpopulation zum Zeitpunkt der Rekrutierung

 

≤ 11 Mo.

12-23 Mo.

24-35 Mo.

36-47 Mo.

48-60 Mo.

P-Wert*

Anzahl Patienten (n)

23

70

53

78

91

 

Weiblich (%)

52,2

55,7

49,1

51,3

48,4

0,91

Parasitendichte

(/μl; geometrischer
Mittelwert, Bereich)

16.820

[1886-105.263]

26.518

[3354-105.641]

28.884

[80-333.333]

30.830

[1800-105.641]

32.765

[880-173.846]

0,07

Axill. Temperatur

(°C, Median, Bereich)

38,8

[37,5-39,4]

38,6

[37,5-39,4]

38,7

[36,4-39,4]

38,4

[37,5-39,4]

38,2

[37,5-39,4]

0,12

Hämoglobin-Gehalt

(g/dl; Median, Bereich)

8,3

[5,7-10,8]

7,4

[5,2-11,5]

7,9

[5,3-11,3]

8,5

[5,0-12,9]

9,0

[5,4-12,5]

0,0001

* Kruskal-Wallis-H-Test, bei Geschlecht Chi²-Test

3.2. Anzahl der Besuche und Verteilung über den Beobachtungszeitraum

↓35

Im Zeitraum von November 2000 bis November 2001 besuchten die 315 Kinder der Studienpopulation insgesamt 5309-mal das BHC, wobei die niedrigste Anzahl an Besuchen bei 10, die höchste Anzahl bei 25 Besuchen pro Kind lag. Die mittlere Besuchsanzahl (Median) betrug 17 Besuche (Abbildung 3.2.1.). Es blieben 18 der 315 Patienten während des Beobachtungszeitraums ohne klinische Malaria-Attacke.

Abbildung 3.2.1.: Anzahl der Besuche der Studienpopulation

Es war eine signifikante Häufung der Besuche in der Regenzeit von Mai bis Oktober 2001 gegenüber der Trockenzeit von November 2000 bis April 2001 zu beobachten (P < 0,0001, Abbildung 3.2.2).

↓36

Abbildung 3.2.2.: Verteilung der Besuche über den Beobachtungszeitraum

3.3. Parasitologische und klinische Parameter im Zeitraum von November 2000 bis November 2001

3.3.1. Parasitämie

Im Zeitraum von November 2000 bis November 2001 waren bei 5309 Besuchen insgesamt 3212 Fälle (60,5%) parasitämisch. Die durchschnittliche Parasitendichte (geometrischer Mittelwert) betrug dabei 382/μl (Bereich: 14-1.624.000), bei den 836 Malariafällen 9029/μl. In der Regenzeit war der Anteil der parasitämischen Fälle mit 72,3% signifikant größer als in der Trockenzeit mit 47,1% (P < 0,0001). Von den 3212 parasitämischen Fällen hatten 2471 eine Parasitendichte unter 2000/μl. Von diesen hatten 11,3% eine klinische Malaria tropica. Es wiesen 681 Besuche (21,2%), die sich auf 268 Patienten verteilten, eine Parasitämie von 2000-200.000/μl auf. Der Anteil an klinischer Malaria tropica betrug hier 87,1%. Schließlich hatten 53 Patienten in 60 Fällen (1,9%) eine Parasitendichte ≥ 200.000/μl mit einem hundertprozentigen Anteil an klinischer Malaria tropica. Mit steigender Anzahl der Malaria-Episoden von Patienten vergrößerte sich auch der Anteil der asymptomatischen Parasitämie, jedoch nicht signifikant (P = 0,01, siehe Tabelle 3.3.1.).

Tabelle 3.3.1.: Anteil von Malaria-Episoden mit Fieber

Anzahl

Malaria-Episoden

Anzahl

Patienten

insgesamt

Anzahl

Malaria-Episoden

insgesamt

Anteil

Malaria-Episoden

mit Fieber (%)

1

44

44

38 (86,4)

2

90

180

160 (88,9)

3

79

237

215 (90,7)

4

54

216

187 (86,6)

5

23

115

93 (80,9)

6

5

30

24 (80)

7

2

14

10 (71,4)

3.3.2. Axilläre Temperatur

↓37

Die durchschnittliche axilläre Temperatur (Median) bei allen 5309 Fällen im Beobachtungszeitraum betrug 36,6°C (Bereich: 35,1-41,0°C). Bei 1001 Fällen (18,9%) trat Fieber (axilläre Temperatur ≥ 37,5°C) auf, davon wurden 727 (72,6%) durch Malaria verursacht. In der Regenzeit war der Anteil der febrilen Fälle mit 24,4% signifikant größer als in der Trockenzeit mit 11,5% (P < 0,0001). Bei den 836 Malaria-Episoden war der Anteil mit Fieber bei Kindern unter 3 Jahren mit 92,6% signifikant höher als 83,8% bei Kindern ≥ 3 Jahre (P < 0,0001).

3.3.3. Hämoglobin-Konzentration

Die durchschnittliche Hämoglobin-Konzentration (Median) bei allen 5309 Fällen im Beobachtungszeitraum betrug 10,3 g/dl (Bereich: 3,7-15,4 g/dl). Die 836 Episoden mit symptomatischer Plasmodium falciparum-Infektion hatten mit 9,8 g/dl (Bereich: 5,1-13,7 g/dl) einen signifikant niedrigeren Hb-Gehalt (P < 0,0001) als die übrigen Beobachtungen ohne klinische Malaria tropica (n = 4473) mit 10,4 g/dl (Bereich: 3,7-15,4 g/dl). Eine Anämie (Hämoglobin-Konzentration < 11 g/dl) lag bei 68,4% aller Besuche vor. In der Regenzeit war der Anteil der anämischen Fälle mit 70,3% signifikant größer als in der Trockenzeit mit 64,7% (P < 0,0001). Der Anteil der Anämie bei Fällen mit klinischer Malaria tropica war mit 77,2% signifikant höher als der Anteil von 66,8% bei Besuchen ohne symptomatische Plasmodium falciparum-Infektion (P < 0,0001). Bei den 836 Malaria-Episoden war der Anteil mit Anämie bei Kindern unter 3 Jahren mit 88% signifikant höher als 71,1% bei Kindern ≥ 3 Jahre (P < 0,0001). Hingegen hatte die unterschiedliche Anzahl der Malaria-Episoden von Patienten keinen signifikanten Einfluss auf den Anteil der Anämie (siehe Tabelle 3.3.3.).

Tabelle 3.3.3.: Anteil von Malaria-Episoden mit Anämie

Anzahl

Malaria-Episoden

Anzahl

Patienten

insgesamt

Anzahl

Malaria-Episoden

insgesamt

Anteil

Malaria-Episoden

mit Anämie (%)

1

44

44

37 (84,1)

2

90

180

137 (76,1)

3

79

237

185 (78,1)

4

54

216

163 (75,5)

5

23

115

93 (80,9)

6

5

30

18 (60)

7

2

14

12 (85,7)

3.4. Symptomatische Infektionen mit Plasmodium falciparum im Zeitraum von
November 2000 bis November 2001

↓38

Von allen 3212 parasitämischen Fällen trat in 727 Episoden (22,6%) Fieber und somit eine klinische Malaria tropica auf. Des Weiteren wiesen von 2485 parasitämischen aber afebrilen Fälle 109 Fälle eine Parasitendichte von ≥ 5000 Parasiten/μl auf und wurden nach den Einschlusskriterien dieser Studie ebenfalls als symptomatische Plasmodium falciparum -Infektionen betrachtet. Die Gesamtzahl der klinischen Malaria tropica-Episoden im Zeitraum von November 2000 bis November 2001 belief sich auf 836, in denen eine Behandlung mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin durchgeführt wurde. In der Regenzeit erkrankte mit 23,7% ein signifikant höherer Anteil der Fälle an klinischer Malaria tropica als in der Trockenzeit mit 9,4% ( P < 0,0001). Eine deutliche Häufung war insbesondere in den Monaten Juli bis Oktober zu beobachten. Die durchschnittliche Anzahl symptomatischer Infektionen mit Plasmodium falciparum bei der gesamten Studienpopulation betrug in der Trockenzeit von November 2000 bis April 2001 33 Fälle pro Monat (Median); der niedrigste Wert wurde im März 2001 mit nur 18 Episoden (Median) registriert. In der Regenzeit von Mai 2001 bis Oktober 2001 lag dieser Wert mit 113 Malaria-Attacken pro Monat mehr als dreimal so hoch; vor allem in den Monaten Juli (128), August (129) und Oktober (131) erkrankten die Kinder gehäuft an klinischer Malaria tropica (siehe Abbildung 3.4.1.).

Abbildung 3.4.1.: Anzahl der Fälle an klinischer Malaria tropica

Die 836 symptomatischen Plasmodium falciparum -Infektionen verteilten sich auf 297 Patienten; bei 18 Patienten lag im Zeitraum von November 2000 bis November 2001 keine klinische Malaria vor. Die 315 Patienten erkrankten im Beobachtungszeitraum durchschnittlich dreimal (Median) an Malaria, wobei das Minimum bei einer Infektion, das Maximum bei sieben Infektionen lag. In der Trockenzeit von November 2000 bis April 2001 hatten 159 Patienten insgesamt 198 Malaria-Episoden. Hingegen verzeichneten in der Regenzeit von Mai bis Oktober 285 Patienten 602 Malaria-Episoden und unterschieden sich damit signifikant von der Trockenzeit ( P < 0,0001).

↓39

Abbildung 3.4.2.: Häufigkeit der Malaria-Episoden

3.4.1. Einfluss von Charakteristika der Studienpopulation zum Zeitpunkt der Rekrutierung auf Anzahl der Episoden mit klinischer Malaria

Patienten mit vier oder mehr nachfolgenden Malaria-Episoden wiesen zum Zeitpunkt der Rekrutierung einen signifikant geringeren Hämoglobin-Wert (P = 0,009) auf als solche mit keiner ohne nur einer symptomatischen Plasmodium falciparum -Infektion (Tabelle 3.4.1.). Bezüglich des Geschlechts, des Alters, der axillären Temperatur und der Parasitendichte zum Zeitpunkt der Rekrutierung wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen mit unterschiedlicher Anzahl von Malariaepisoden gefunden.

Tabelle 3.4.1.: Einfluss von Charakteristika der Studienpopulation (n = 315) zum Zeitpunkt der Rekrutierung auf Anzahl der Episoden mit klinischer Malaria

Anzahl der Episoden

mit klinischer Malaria

0-1

2

3

≥ 4

Patientenzahl (%)

62 (19,7)

90 (28,6)

79 (25,1)

84 (26,7)

Weiblich (%)

30 (48,4)

49 (54,4)

39 (49,4)

43 (51,2)

Alter

(Monate; Median, Bereich)

36 (6-60)

32 (6-58)

36 (7-59)

36 (6-60)

Axilläre Temperatur

(°C, Median, Bereich)

38,4

(37,5-39,4)

38,4

(37,5-39,4)

38,5

(36,4-39,4)

38,3

(37,5-39,4)

Parasitendichte

(/μl; geometrischer Mittelwert, Bereich)

28.843

(880-

114.286)

28.846

(2640-106.791)

24.705

(80-232.421)

32.806

(1800-333.333)

Hb (g/dl; Median, Bereich)

8,8

(5,3-12,9)

8,2

(5,0-12,5)

8,6

(5,4-11,9)

8,2

(5,3-11,8)*

* Signifikanter Unterschied zum entsprechenden Wert für Gruppe mit 0-1 Episoden (P < 0,05)

3.5. Kombinationstherapie mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin

3.5.1. Verlaufskontrolle

↓40

Von den insgesamt 836 mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin behandelten Malariaepisoden konnten 714 Fälle am Tag 7 nachbeobachtet werden. Keine Berücksichtigung fanden Fälle, die am Tag 7 nicht zur Verlaufskontrolle erschienen (n = 17), ohne Behandlungsindikation zu früh (n = 18) bzw. zu spät erschienen (n = 87). Es waren 307 Fälle für die Analyse an Tag 28 zulässig. Nicht berücksichtigt wurden Fälle, die komplett an Tag 28 fehlten (n = 108), ohne Behandlungsindikation zu früh kamen (n = 193) bzw. zu spät erschienen (n = 106). Die vollständige klinische und parasitologische Verlaufskontrolle absolvierten demnach 85% an Tag 7 sowie 36% an Tag 28. Schwere Nebenwirkungen der Therapie traten nicht auf. Die 307 an Tag 7 und Tag 28 erschienenen Fälle verteilen sich auf 206 Patienten; 130 Patienten erkrankten jeweils einmal an Malaria, 54 Patienten zweimal, 19 Patienten dreimal sowie drei Patienten viermal.

3.5.2. Therapieausgang

3.5.2.1. Therapieausgang an Tag 7

Von den insgesamt 714 zur Verlaufskontrolle an Tag 7 erschienenen Besuchen hatten 64 Fälle (9%) Fieber, bei 34 von ihnen lag eine Parasitämie vor. Zusätzlich lag in 2 Fällen die Parasitämie über 5000/µl. Diese 36 Malaria-Episoden entsprechen einem frühen Therapieversagen (ETF) von 5%. Insgesamt hatten 368 Fälle (51,5%) an Tag 7 eine Parasitämie, 332 von ihnen jedoch ohne Fieber. Es erfüllten 678 Fälle (95%) die Kriterien für einen klinischen Therapieerfolg (ACR) an Tag 7.

3.5.2.2. Therapieausgang an Tag 28

An Tag 28 hatten 67 der 307 (21,8%) zur Verlaufskontrolle erschienenen Besuche Fieber, bei 53 von ihnen lag eine Parasitämie vor. Zusätzlich lag in 7 Fällen die Parasitämie über 5000/µl. Diese 60 Malaria-Episoden entsprechen einem späten Therapieversagen (LTF) von 19,5%, das Gesamttherapieversagen (ETF + LTF) betrug somit 31,3%. Insgesamt hatten 155 Fälle (50,5%) an Tag 28 eine Parasitämie, 102 von ihnen jedoch ohne Fieber. Es erfüllten 211 Fälle (68,7%) die Kriterien für einen klinischen Therapieerfolg (ACR) an Tag 28. (siehe Abbildung 3.5.2.2)

↓41

Abbildung 3.5.2.2.: Therapie mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin

3.5.2.3. Therapieausgang nach WHO-Klassifikation 2002

Gemäß den modifizierten WHO-Kriterien von 2002 lag bei 60 Fällen (19,5%) ein spätes klinisches Therapieversagen (LCTF) vor, 95 Fälle (30,9%) hatten ein spätes parasitologisches Therapie-versagen (LPTF). Das Gesamttherapieversagen (ETF + LCTF + LPTF) belief sich somit auf 191 Fälle (62,2%). In 116 Fällen (37,8%) lag ein klinischer und parasitologischer Therapieerfolg (ACPR) vor.

3.6. Einflussfaktoren auf den Therapieerfolg der Kombinationstherapie mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin

3.6.1. Einfluss von klinischen und parasitologischen Parametern an Tag 0 auf den Therapieerfolg

Von 206 Patienten mit Erstbehandlung durch Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin sowie vollständiger Verlaufskontrolle an Tag 7 und 28 verzeichneten 149 einen klinischen Therapieerfolg (ACR) an Tag 28. Die Kinder mit ACR waren signifikant älter (P = 0,02) als diejenigen mit frühem Therapieversagen (ETF, siehe Tabelle 3.6.1.). Das Risiko, ein Therapieversagen (ETF + LTF) zu entwickeln, war bei Fällen unter 3 Jahren (n = 79) mit 38% 1,6-fach so hoch wie bei älteren Kindern (n = 127) mit 21,3% [RR: 1,6; 95% KI = 1,1-2,2; P = 0,009]. Die initiale Parasitendichte der ACR-Fälle war signifikant niedriger (P < 0,0001) als bei den Fällen mit nachfolgendem späten Therapieversagen (LTF). Bei einer initialen Parasitendichte von ≥ 50.000 /μl (n = 60) war das Risiko für ein Therapieversagen (ETF + LTF) mit 45% ungefähr doppelt so hoch wie bei niedrigerer Parasitämie (n = 146) mit 20,5% [RR: 2,1; 95% KI = 1,4-3,2; P = 0,0001]. Mit steigender Parasitendichte erhöhte sich insbesondere der Anteil des späten Therapieversagens (LTF). So war das Risiko für ein spätes Therapieversagen bei einer initialen Parasitendichte von ≥ 5000/μl (n = 139) mit 20,9% ungefähr dreimal so hoch wie bei geringerer Parasitendichte (n = 67) mit 6% [RR: 3,0; 95% KI = 1,2-7,7; P = 0,006]. Das Geschlecht, die initiale axilläre Temperatur sowie der initiale Hämoglobin-Gehalt hatten keinen Einfluss auf den Therapieausgang.

↓42

Tabelle 3.6.1.: Einfluss von klinischen und parasitologischen Parametern an Tag 0 auf Therapieerfolg

Parameter

ACR

ETF

LTF

Anzahl Patienten (n)

149

24

33

Weiblich (%)

54,4

54,2

45,5

Alter Tag 0 (Monate; Median, Bereich)

45 (10-71)

29 (14-61)*

43 (14-68)

Parasitendichte Tag 0

(/μl; geometrischer Mittelwert, Bereich)

5691

(16-804.000)

5921

(16-320.000)

26.044

(77-190.400)

Axill. Temperatur Tag 0

(°C, Median, Bereich)

37,5

(35,4-40)

37,9

(36-40)

37,9

(35,9-40)

Hb Tag 0 (g/dl; Median, Bereich)

10,0

(5,1-13,0)

9,8

(5,8-12,9)

10,5

(7,3-12,8)

* Signifikanter Unterschied zum entsprechenden Wert für ACR (P < 0,05)

3.6.2. Einfluss der Saisonalität auf Therapieerfolg

Zwischen der Trockenzeit von November 2000 bis April 2001 und der Regenzeit von Mai 2001 bis Oktober 2001 bestand ein signifikanter Unterschied im Therapieausgang gemäß der WHO-Klassifikation von 1996 (Tabelle 3.6.2.). So war das Risiko, in der Regenzeit ein Therapieversagen (ETF + LTF) zu entwickeln, um das Sechsfache gegenüber der Trockenzeit erhöht [RR: 6,4; 95% KI = 2,7-15,4; P < 0,0001]. Während der Anteil des Therapieversagens (ETF + LTF) in der Trockenzeit 6,5% betrug, stieg dieser in der Regenzeit auf 39,1%, dabei erhöhte sich insbesondere der Anteil des späten Therapieversagens (LTF, Tabelle 3.6.2.). Das Risiko, an Tag 28 ein LTF zu entwickeln, war in der Regenzeit sogar um den Faktor 26 größer als in der Trockenzeit [RR: 18,6; 95% KI = 3,6-131,1; P < 0,0001].

Tabelle 3.6.2.: Einfluss der Saisonalität auf Therapieerfolg

Parameter

Trockenzeit

November 2000 –

April 2001

Regenzeit

Mai 2001 –

Oktober 2001

Fallzahl ( n )

77

228

Frühes Therapieversagen (ETF; %)

4 (5,2)

30 (13,1)

Spätes Therapieversagen (LTF; %)

1 (1,3)

59 (25,9)*

Therapieerfolg Tag 28 (ACR; %)

72 (93,5)

139 (61)*

* Signifikanter Unterschied zum entsprechenden Wert für Trockenzeit (P < 0,05)

3.6.3. Einfluss von Erst- und Mehrfachtherapie auf Therapieerfolg

↓43

Bei allen erstmalig mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin behandelten Fällen ( n = 206) war der Therapieerfolg (ACR) an Tag 28 mit 72,3% gegenüber 61,4% größer als bei allen Fällen mit zweiter oder mehrfacher Behandlung ( n = 101); jedoch besteht keine Signifikanz ( P = 0,076). Bei den mehrfach therapierten Fällen besteht jedoch mit 26,7% gegenüber 16% bei den erstmalig therapierten Fällen ein signifikant höheres Risiko, ein spätes Therapieversagen (LTF) zu entwickeln [RR: 1,3; 95% KI = 1,0-1,6; P = 0,03, Tabelle 3.6.3.]. Diejenigen Patienten, die bereits beim ersten Therapieversuch mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin ein Therapieversagen (ETF oder LTF) aufwiesen, hatten mit 44,4% gegenüber 37,3% bei Patienten mit initialem Therapieerfolg eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines erneuten Therapieversagens. Dieser Unterschied war jedoch nicht signifikant (P = 0,6).

Tabelle 3.6.3.: Einfluss von Erst- und Mehrfachtherapie auf Therapieerfolg (n = 307)

Parameter

1. CQ-SP-Therapie

≥ 2. CQ-SP-Therapie

Fallzahl ( n )

206

101

Frühes Therapieversagen (ETF, %)

24 (11,7)

12 (11,9)

Spätes Therapieversagen

(LTF; %)

33 (16)

27 (26,7)*

Therapieerfolg Tag 28

(ACR; %)

149 (72,3)

62 (61,4)

* Signifikanter Unterschied zum entsprechenden Wert für 1. CQ-SP-Therapie (P < 0,05)

3.7. Hämatologische Erholung

3.7.1. Hämatologische Erholung an Tag 7 nach Therapiebeginn

Der Anteil an Anämie bei allen zur Verlaufskontrolle an Tag 7 erschienenen Fällen ( n = 714) betrug 77,2% an Tag 0 sowie 82,6% an Tag 7. Der Hämoglobin-Gehalt verringerte sich von Tag 0 bis Tag 7 um durchschnittlich 0,2 g/dl. Bei einem frühen Therapieversagen (ETF) bis Tag 7 sank der durchschnittliche Hämoglobin-Wert (Median) von initial 9,8 (Bereich: 5,8-12,9) g/dl um 0,9 g/dl auf 8,9 (4,6–12,1) g/dl. Hingegen betrug der Abfall der Hämoglobin-Konzentration bei den Fällen mit Therapieerfolg (ACR) an Tag 7 nur 0,2 g/dl (Abbildung 3.7.1.), jedoch lag kein signifikanter Unterschied vor ( P = 0,15).

↓44

Bei Betrachtung aller aparasitämischen Fälle ( n = 346) an Tag 7 zeigte sich ein Hämoglobin-Abfall von 9,8 (5,1–13,1) g/dl um 0,1 g/dl auf 9,7 (4,2–13,6) g/dl, während bei allen anderen Besuchen mit Parasitämie ( n = 368) der Hämoglobin-Wert von 9,9 (5,1–13,6) g/dl um 0,4 g/dl auf 9,5 (4,6–13,2) g/dl sank ( P = 0,15).

Abbildung 3.7.1.: Hämoglobinwerte in Abhängigkeit von Therapieerfolg (ACR) vs. ETF Tag 7 nach Therapie

3.7.2. Hämatologische Erholung an Tag 28 nach Therapiebeginn

Der Anteil an Anämie bei allen zur Verlaufskontrolle an Tag 7 und 28 erschienenen Fällen ( n = 307) betrug 80,8% an Tag 0, 83,1% an Tag 7 sowie 67,9% an Tag 28. Die Hämoglobin-Konzentration erhöhte sich von Tag 0 der Therapiegabe bis Tag 28 nach Therapiebeginn um 0,5 g/dl. Hierbei betrug bei den Fällen, die bis Tag 28 ein spätes Therapieversagen zu verzeichnen hatten, der durchschnittliche Hämoglobin-Gehalt (Median) initial 9,8 (Bereich: 7,3–12,8) g/dl, sank an Tag 7 auf 9,3 (6,3–11,9) g/dl und stieg bis Tag 28 auf 10,2 (6,7–12,8) g/dl. Bei den Fällen, die an Tag 28 einen Therapieerfolg (ACR) erzielten, erniedrigte sich der Hämoglobin-Wert von 10,0 (5,1–13,3) g/dl an Tag 0 auf 9,9 (6,5–13,6) g/dl an Tag 7, um an Tag 28 auf 10,6 (6,9–14,0) g/dl zu steigen. Insgesamt belief sich die Hämoglobin-Erholung bei den erfolgreich therapierten Fällen (ACR) also auf 0,6 g/dl (Abbildung 3.7.2.1.) und unterschied sich damit signifikant ( P = 0,001) vom Hämoglobin-Anstieg (0,4 g/dl) der späten Therapieversager.

↓45

Abbildung 3.7.2.1.: Hämoglobinwerte in Abhängigkeit von Therapieerfolg (ACR) vs. LTF Tag 28 nach Therapie

Eine weitere Einteilung der Patienten (Tabelle 3.7.2) zeigte, dass Fälle mit positiver Parasitämie ohne Fieber an Tag 7 und nachfolgendem späten Therapieversagen bis Tag 28 nur einen Hämoglobin-Anstieg von 0,3 g/dl erzielten, während solche mit positiver Parasitämie an Tag 7 und Tag 28 ohne klinische Malaria eine Hämoglobin-Erholung von 0,7 g/dl aufwiesen. Patienten, bei denen weder an Tag 7 noch an Tag 28 Fieber oder Parasiten registriert wurden, verzeichneten eine Steigerung der Hämoglobin-Konzentration um 0,8 g/dl.

Tabelle 3.7.2.: Hämoglobinwerte in Abhängigkeit von Therapieausgang Tag 7 + 28 nach Therapie

Parameter

Parasiten Tag 7 +

klinische Malaria

Tag 28

Parasiten Tag 7 + 28

ohne klinische Malaria

Keine Parasiten,

Kein Fieber

Tag 7 + 28

Fallzahl ( n )

36

43

58

Hb Tag 0

(g/dl; Median, Bereich)

9,8 (7,8-12,4)

10,0 (5,7-12,2)

9,9 (6,2-13,0)

Hb Tag 7

(g/dl; Median, Bereich)

9,2 (7,1-11,4)

10,1 (6,6-11,5)

9,9 (7,0-13,6)

Hb Tag 28

(g/dl; Median, Bereich)

10,1 (7,6-11,6)

10,7 (7,3-12,7)

10,7 (7,6-13,9)

3.8. Vergleich des Therapieerfolges von Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin mit Chloroquin

↓46

Die erstmalig mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin behandelten und zur Verlaufskontrolle an Tag 7 erschienenen Patienten (n = 251) verzeichneten an Tag 7 einen Therapieerfolg von 94%. Dieselben Patienten, die zur Verlaufskontrolle an Tag 7 der Chloroquin-Studie kamen, hatten mit 93,4% nur einen unwesentlich geringeren Therapieerfolg (ACR). Ein Vergleich der initialen Behandlung mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin (n = 251) mit der Chloroquin-Therapie bei denselben Patienten (n = 228) an Tag 7 ergab keinen signifikanten Unterschied (P = 0,832) zwischen den Therapien. So betrug der Anteil der Patienten, die bei Therapie mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin, nicht aber bei Chloroquin-Monotherapie einen Therapieerfolg erzielten, 5,3% und war damit im Vergleich zu 4,4% derer, die nur mit Chloroquin, aber nicht mit Kombinationstherapie erfolgreich behandelt wurden, nur unbedeutend höher.


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29.11.2005