5. ZUSAMMENFASSUNG

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Bei 315 Kindern im Alter von 6-59 Monaten wurde im Zeitraum von November 2000 bis November 2001 eine Kohortenstudie zur Epidemiologie der Malaria und zum Therapieausgang von Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin in Tamale/Nord-Ghana durchgeführt. Die Kinder wurden vier-wöchentlich einbestellt und untersucht. Bei Vorliegen einer Malaria tropica wurde eine Therapie mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin eingeleitet und der Therapieausgang binnen 28 Tagen gemäß eines modifizierten WHO-Protokolls von 1996 ermittelt. Die Gesamtzahl der Malaria tropica-Episoden im Beobachtungszeitraum belief sich auf 836. In der Regenzeit erkrankte mit 23,7% ein signifikant höherer Anteil der Kinder an klinischer Malaria tropica als in der Trockenzeit mit 9,4%. Ein frühes Therapieversagen innerhalb von 7 Tagen (engl.: „early treatment failure“ = ETF) wurde in 5% der Fälle beobachtet, ein spätes Therapieversagen (engl.: „late treatment failure“ = LTF) in 19,5% der Fälle. Es erfüllten 211 Fälle (68,7%) die Kriterien für einen klinischen Therapieerfolg (engl.: „adequate clinical response“ = ACR) an Tag 28. Alter unter drei Jahren war ein unabhängiger Einflussfaktor für frühes Therapieversagen und Gesamttherapieversagen. Eine hohe Parasitendichte war ein unabhängiger Einflussfaktor für spätes Therapieversagen und Gesamttherapieversagen. Das Risiko, ein Gesamttherapieversagen (ETF + LTF) zu entwickeln, war in der Regenzeit um das sechsfache gegenüber der Trockenzeit erhöht. Bei allen erstmalig mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin behandelten Fällen (n = 206) war der klinische Therapieerfolg (72,3%) statistisch grenzwertig höher als bei zweiter oder mehrfacher Behandlung (61,4%; n = 101). Bei den mehrfach therapierten Fällen bestand mit 27% gegenüber 16 % bei den erstmalig therapierten Fällen ein signifikant höheres Risiko, ein spätes Therapieversagen zu entwickeln. Die Erholung der Hämoglobin-Konzentration bei den erfolgreich therapierten Fällen belief sich auf 0,6 g/dl und unterschied sich signifikant vom Hämoglobin-Anstieg (0,4 g/dl) bei Fällen mit spätem Therapieversagen. Ein Vergleich der Behandlungserfolge der hier beschriebenen Studie mit Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin mit einer wenige Monate zuvor durch-geführten Chloroquin-Therapiestudie ergab keinen signifikanten Unterschied. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie legen die Schlussfolgerung nahe, dass sich die Kombinationstherapie aus Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin wegen der hohen Chloroquin-Resistenz und der sich rasch entwickelnden Sulfadoxin-Pyrimethamin-Resistenz zumindest in Nordghana nicht eignet.

Eine andere Kombination, Sulfadoxin-Pyrimethamin und Amodiaquin, erweist sich in vielen afrikanischen Ländern immer noch als sehr wirksam. Eine hohe Resistenz gegenüber den beiden Einzelbestandteilen, die mögliche Kreuzresistenz zu Chloroquin sowie die mögliche Toxizität von Amodiaquin schränken jedoch auch die Benutzung dieser Kombination auf Dauer ein. Artemisinin enthaltende Kombinationen sind aufgrund der hohen Wirksamkeit, der potentiellen Hemmung der Resistenzentwicklung und der Reduktion der Gametozytenbildung die derzeit favorisierte aber kostenintensive Kombination. Um jedoch eine dauerhafte Etablierung dieser Kombination in Afrika zu ermöglichen, muss vorderrangig das Kostenproblem gelöst werden, das nur über eine Subventionierung dieser Medikamente zu gelingen scheint.


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29.11.2005