Köder, Kerstin: Thema: Einfluß kardiologischer Rehabilitationsmaßnahmen auf hämorheologische Parameter

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Kapitel 3. MATERIAL UND METHODEN

3.1 Patientenbeschreibung

Die Studie umfaßt 80 Patienten, die im Zeitraum November 1995 bis Juni 1996 in die kardiologisch ausgerichteten Rehabilitationsklinik Wolletzsee stationär aufgenommen wurden. Es handelte sich dabei um Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren mit und ohne Infarktereignis, mit Zustand nach perkutaner transluminaler Koronarangioplastie oder aortokoronarer Bypassoperation. Bei den meisten Patienten war das Therapieziel eine Anschlußheilbehandlung (AHB) nach stationärem Aufenthalt im Akutkrankenhaus innerhalb der letzten vier Wochen. Nur einige Patienten kamen mit dem Ziel einer stationären Heilbehandlung (SHB) bei Vorliegen relevanter kardiovaskulärer Risikofaktoren oder zur Sekundärprävention bei länger zurückliegendem Infarktereignis. Da die meisten Patienten mit dem Ziel einer AHB kamen und die Therapieziele sich im wesentlichen nicht voneinander unterschieden, wird im folgenden die stationäre Rehabilitation ohne gesonderte Einteilung als AHB bezeichnet.

Die Patienten wurden ausführlich über Art und Umfang der Untersuchung aufgeklärt. Alle Patienten waren zur Teilnahme an der Studie bereit.

3.1.1 Einschlußkriterien

Alle Patienten im Alter zwischen 30 und 75 Jahren, die im obengenannten Zeitraum zur stationären Aufnahme kamen und sich einverstanden erklärten, wurden in die Studie rekrutiert.

3.1.2 Ausschlußkriterien

Als Ausschlußkriterium galten schwere entzündliche und konsumierende Erkrankungen, Zerebralinsult in der Vorgeschichte, klinisch manifeste periphere Verschlußkrankheit, hämatologische Erkrankungen, Morbus Parkinson, Entzündungen des rheumatischen Formenkreises. Ebenfalls nicht rekrutiert wurden Patienten, die mit rheologisch wirksamen Medikamenten, wie Tiklyd,


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Clofibrat und Derivaten, Omega 3-Fettsäuren, Pentoxyphyllin und Gingko-Biloba-Extrakt behandelt wurden (Leschke et al., 1989; Staedt et al., 1991).

3.1.3 Abbruchkriterien

Als Abbruchkritrien galten die medikamentöse Neueinstellung mit einem der unter Punkt 3.1.2. genannten Medikamente und zusätzlich Betablocker, Calziumantagonisten und Diuretika. Ebenfalls als Abbruchkriterium galten akute respiratorische Erkrankungen, instabile Angina pectoris und eine Verweildauer unter vier Wochen.

Von 80 Patienten schieden durch Auftreten obengenannter Abbruchkriterien 16 Patienten aus. Sechs Patienten erlitten einen akuten respiratorischen Infekt, neun Patienten wurden mit einem der obengenannten Medikamente neu eingestellt, ein Patient wurde zur Koronarangiographie verlegt.

3.1.4 Geschlechts- und Altersverteilung der Patienten

Die Gesamtgruppe von 64 Patienten teilte sich in 53 Männer und 11 Frauen auf. Das Durchschnittsalter betrug 54,5 (+/- 9,5) Jahre. 94% der Patienten befanden sich im Alter zwischen 40-69 Jahre. Die Altersverteilung ist in Tab.1 dargestellt.

Tab. 1: Altersverteilung der Patienten

Alter in Jahre

30-39

40-49

50-59

60-69

70-75

Anzahl der Patienten

3

15

25

20

1


8

3.1.5 Medikation der Patienten

Die Medikation (Beta-Blocker, Calzium-Antagonisten und Diuretika) der verbleibenden 64 Patienten wurde nicht verändert, aber die Dosis den jeweiligen Erfordernissen angepaßt. Eine Änderung der Dosis bei mindestens einem Medikament erfolgte bei allen Patienten. Bei einem Patienten wurde ein ACE-Hemmer abgesetzt und bei einem anderen Patienten wieder verordnet, so daß die Summe in der Gesamtgruppe gleich bleibt. Aus der Gesamtgruppe erhielten sieben Patienten zusätzlich einen CSE-Hemmer. Die Medikamentenverteilung ist in Tabelle 2 dargestellt.

Tab. 2: Medikamentenverteilung

Medikamentenart

Anzahl der Patienten zum Beginn der AHB

Anzahl der Patienten zum Ende der AHB

Beta-Blocker

63

63

ASS 100

42

42

Nitrat

38

38

ACE-Hemmer

33

33

CSE-Hemmer

10

17

Kalzium-Antagonist

16

16

Diuretikum

9

9

ASS=Acetylsalizylsäure, ACE-Hemmer=Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer, CSE-Hemmer=Cholesterolsynthese-Enzym-Hemmer

3.1.6 Einweisungsdiagnosen der Patienten

Von den 35 Patienten mit KHK kamen zur stationären Heilbehandlung 29 Patienten mit Zustand nach Myokardinfarkt in den letzten 15 Jahren, davon 22 Patienten im Rahmen einer Anschlußheilbehandlung (AHB) mit zurückliegendem Infarktereignis in den letzten vier Wochen. Sieben Patienten hatten eine aortokoronare Bypass-Operation (ACVB), von denen sechs Patienten in den letzten vier Wochen operiert wurden und ein Patient


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vor vier Jahren operiert wurde. Vier Patienten kamen zur AHB mit der Einweisungsdiagnose: Zustand nach perkutaner transluminaler Koronarangioplastie (PTCA) in den letzten vier Wochen. Ein Patient hatte eine KHK mit stabiler Angina pectoris und ein Patient eine koronarangiographisch gesicherte koronare Ein-Gefäßerkrankung. Beide Patienten hatten vor der Aufnahme weder eine Operation noch ein Infarktereignis erlebt.

3.1.7 Risikofaktorenprofil der 64 Patienten

3.1.7.1 Adipositas

24 Patienten hatten eine Adipositas mit einen Body-Mass-Index (BMI) > 30 kg/m².

3.1.7.2 Hypercholesterinämie

Nach der European Atherosclerosis Society (1987) ist der obere Grenzwert für das Gesamtcholesterin 250 mg/dl=6,45 mmol/l. Alle Patienten mit einem Gesamtcholesterinwert über 6,5 mmol/l oder mit bereits bestehender Diagnose Hypercholesterinämie wurden auch als solche gewertet. Das betraf in dieser Studie 30 Patienten.

3.1.7.3 Arterieller Hypertonus

Es wurden insgesamt 49 Patienten mit der Einweisungsdiagnose einer arteriellen Hypertonie im Stadium I und Stadium II nach WHO Kriterien in die Studie rekrutiert. Es galt als Stadium I: Bluthochdruck ohne Zeichen organischer Veränderungen im Herz-Kreislaufsystem und als Stadium II Bluthochdruck mit Linksherzhypertrophie und/oder Fundus hypertonicus und/oder Proteinurie ohne andere Zeichen von Organveränderungen. Fehlte diese Einweisungsdiagnose und wurde an zwei verschiedenen Untersuchungsterminen mindestens drei Blutdruckwerte oberhalb der Schwelle von 160/95 mmHg gemessen, so galt dieses entsprechend der Blutdruckklassifikation der WHO 1978 als arterieller Bluthochdruck.


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3.1.7.4 Raucher

Als Raucher galten die Patienten, die aktuell und bis vor einem Jahr geraucht haben. 20 Patienten erfüllten diese Kriterien. Alle anderen Patienten wurden als Nichtraucher eingestuft.

3.1.7.5 Diabetes mellitus

Elf Patienten hatten die Einweisungsdiagnose Diabetes mellitus Typ II b. Davon wurden acht Patienten diätetisch behandelt, zwei Patienten erhielten orale Antidiabetika und ein Patient war mit Insulin eingestellt.

3.2 Meßmethoden

3.2.1 Blutdruckmessung

Der Blutdruck wurde jeweils am Aufnahmetag und am Entlassungstag nach 15 min Ruhe im Sitzen nach Riva Rocci gemessen und nach dreimaliger Messung der Durchschnittswert berechnet.

3.2.2 Body-Mass-Index

Nach Messung des Gewichts und der Körpergröße wurde der Body-Mass-Index (BMI) nach folgender Formel berechnet. : BMI=kg/m²

3.3 Laboruntersuchungen

3.3.1 Blutentnahmetechnik

Am liegenden, nüchternen Patienten wurde unter standardisierten Bedingungen (Junge et al., 1987) nach Stauung des Oberarmes eine Vena cubitalis punktiert und ungestaut das Blut in vier verschiedene Röhrchen wie folgt gefüllt: eine EDTA-Monovette (2,7 ml) fürs Blutbild, eine Monovette (5 ml) für die Blutfette und Blutzucker, eine mit Natriumcitrat beschichtete Monovette (3 ml) für die Fibrinogenbestimmung und eine mit Natriumheparinat versetzte Monovette (10 ml) zur Bestimmung der Plasmaviskosität. Letztere wurde vom Untersucher sofort nach Entnahme mittels einer Zentrifuge (Firma Hettich) bei einer Umdrehungszahl von 3000


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U/min für 10 Minuten zentrifugiert und anschließend 2 ml des Plasmaüberstandes in ein dafür vorgesehenes Plasmaröhrchen pipettiert. Innerhalb von 2 Stunden gelangten die Proben in das Labor des Krankenhauses Angermünde, wo sie unter Tiefkühlbedingungen bei -20 Grad Celsius aufbewahrt wurden. Nach Sammlung mehrerer Proben mit einer Lagerungszeit von durchschnittlich 1,5 Monaten erfolgte die Plasmaviskositätsbestimmung im transfusionsmedizinischen Labor der Charité Berlin. Die übrigen Laborparameter wurden im Labor des Krankenhauses Angermünde mittels Standardmethoden bestimmt.

3.3.2 Hämorheologische Untersuchungsmethoden

3.3.2.1 Hämatokrit

Der Hämatokrit stellt den prozentualen Anteil korpuskulärer Bestandteile am Gesamtvolumen des Blutes dar. Der Hämatokritwert wurde mit Hilfe eines automatisierten Blutzellzahlgerätes (Celldyn 1300, Firma Abbott) bestimmt. Der Hämatokritwert wird berechnet aus dem Quotienten Erythrozytenzahl / Mittleres Corpuskuläres Volumen und wird bei der Bestimmung des kleinen Blutbildes automatisch mit angegeben (Bodemann und Thomas, 1992). Der Referenzbereich ist geschlechtsabhängig und liegt bei Männern zwischen 39% und 52% und bei Frauen zwischen 34% und 50% (Jung et al., 1986).

3.3.2.2 Plasmaviskosität

Die Plasmaviskosität beschreibt die innere Reibung oder Zähigkeit des Blutplasmas und ist eine Proportionalitätskonstante. Sie läßt sich aus dem Quotienten von Schubspannung und Schergrad berechnen. Die Schubspannung wird aus dem treibenden Druck und der Kapillargeometrie bestimmt. Der Schergrad ist die vierfache Plasmageschwindigkeit bezogen auf den Gefäßdurchmesser. Eine Qualitätskontrolle wird mit zuvor eingefrorenem (-30°C) Plasma aus antikoaguliertem Vollblut, die Messung selbst an Heparin- oder EDTA-antikoagulierten Plasma mit einem Kapillarviskosimeter bei 37°C durchgeführt. Die Meßmethodik sowie die Durchführung der Qualitätskontrolle sind von Jung et al. (1985) beschrieben.


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Das Kapillarschlauch-Plasmaviskosimeter besteht aus einer thermostatisierten Aluminiumplatte mit einer Nut zur Aufnahme des Kunststoffschlauches, der eigentlichen Meßkapillaren, einer durchsichtigen klappbaren Frontplatte, dem motorischem Vortrieb zum Füllen des Schlauches, der Schneidevorrichtung zum Durchtrennen des Schlauches als automatischen Start der Messung, den optoautomatischen Meßwertaufnehmern sowie der mikroprozessorgestützten Steuer- und Auswertelektronik. Vor der Messung wird eine 2 ml Spritze blasenfrei mit dem zu vermessendem Plasma gefüllt. Der Kunststoffschlauch wird auf die Spritze gesteckt und auf die Nut der Frontplatte eingelegt. Nach dem Schluß der Frontplatte wird der Spritzenkolben automatisch vorgetrieben und dadurch der Schlauch mit Plasma blasenfrei gefüllt. Die Kontrolle erfolgt mit der Lichtschranke L1. Sobald der Plasmabolus die erste Lichtschranke L2 erreicht, wird der Füllvorgang beendet und der Schlauch mit Plasma auf 37 °C erwärmt. Nach 60 Sekunden wird der Schlauch automatisch durchtrennt und der Plasmabolus beginnt zu fließen. Sobald der Plasmabolus die Lichtschranke L3 erreicht, startet die Zeitmessung bis zum Erreichen der Lichtschranke L4. Aus bekannter Meßstrecke und gemessener Zeit wird nach dem Hagen-Poisseuille`schen Gesetz die Plasmaviskosität berechnet.

Die Messung wurde zweimal mit jeweils neuem Schlauch durchgeführt und hieraus der Mittelwert gebildet.

Von Jung et al. (1986) wurden eine mittlere Plasmaviskosität von 1,24 +/-0,05 mPas und ein Referenzbereich von 1.16-1,33 mPas für Gesunde ohne Risikofaktoren ermittelt. Eine Alters- oder Geschlechtsabhängigkeit ist nicht festgestellt worden.


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3.3.3. Weitere laborchemische Untersuchungen

3.3.2.3 Fibrinogen

Die Fibrinogenkonzentration wurde mit dem Gerät “Coatron junior“, einem optisch messenden Zweikanalkoagulometer, bestimmt. Das Meßprinzip ist die Fällungsmethode nach Clauss. Während der Messung bewegt sich in der Probe ein Rührstäbchen. Das jeweilige Reagenz wird mit einer Kaolinsuspension versetzt. Kommt es zur Fibrinbildung, werden die Fibrinfäden von dem Rührstäbchen bewegt und binden die Kaolinpartikel. Die Folge ist die Entstehung eines kompakten Gerinnsels um das Rührstäbchen sowie die optische Klärung der Probenflüssigkeit. Beide Effekte werden gleichzeitig optisch erfaßt, um daraus den Zeitpunkt der Gerinnselbildung herzuleiten. Die gemessene Gerinnungszeit wird direkt in Sekunden angezeigt und aus Bezugskurven die absolute Fibrinogenkonzentration ermittelt. Der Normalwert beträgt 1,5-4,5 g/l.

3.3.2.4 Gesamtcholesterin

Es wurde eine vollenzymatische Bestimmung angewendet. Hierbei wird Cholesterin-Ester durch Cholesterin-Esterase in freies Cholesterin und Fettsäuren gespalten. Mit Hilfe von Cholesterin-Oxidase wird danach unter Sauerstoffverbrauch das freie Cholesterin oxydiert, wobei Wasserstoffperoxid entsteht. Die Messung dieser Reaktion, erfolgt durch die Peroxydase-katalysierte Bildung eines roten Farbstoffes aus Phenol und 4-Aminoantipyrin. Diese sogenannte Trinder-Reaktion ist die am weitesten verbreitete Routinebestimmung von Cholesterin (Riesen, 1998).

3.4 Die Rehabilitationsbehandlung

Unter Rehabilitation wird im allgemeinen die Summe der Einzelkomponenten verstanden, mit denen die körperliche Leistungsfähigkeit, die psychische Integrität und Belastbarkeit sowie die Fähigkeit, einer Erwerbstätigkeit in einer impetitiven Umgebung nachzugehen, wiederhergestellt werden sollen (Schuler et al., 1998).


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Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation erfolgt die kardiologische Rehabilitation nach Herzinfarkt in drei Phasen. In Deutschland vollzieht sich die Phase I in der Akutklinik über 3-4 Wochen (Frühmobilisation), die Phase II in einer Rehabilitationsklinik im Rahmen einer Anschlußheilbehandlung über vier Wochen (Frührehabilitation) und die Phase III (Spätrehabilitation) in einer ambulanten Herzgruppe für weitere 2 Jahre und gegebenenfalls sogar lebenslang (Buchwalsky et al., 1994). Die Behandlung ist darauf gerichtet, beim Patienten einen höchstmöglichen Grad an Beschwerde- und Symptomfreiheit zu erreichen, ihm einen entsprechenden Umgang mit seiner Krankheit und eine optimale Wiedereingliederung in das (Berufs-)Leben zu ermöglichen.

Die kardiologische Rehabilitation umfaßt im wesentlichen vier Behandlungskomponenten, die im folgenden kurz umschrieben werden.

3.4.1 Komponente I

Um die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit festlegen zu können, erfolgt zu Beginn der stationären Rehabilitation eine Stufendiagnostik. Die Stufendiagnostik beinhaltet unter anderem das Erheben einer ausführlichen Anamnese, die klinische Untersuchung, das Anfertigen eines Ruhe-und gegebenenfalls Langzeitelektrokardiogramms, eine Telemetrie, eine Röntgenthoraxuntersuchung, eine Echokardiographie und ein Belastungselektrokardiogramm. Weitere Untersuchungen, wie eine Myokardszintigraphie, Einschwemmkatheter oder Koronarangiographie sind von den jeweiligen Ausstattungen der Rehabilitationsklinik abhängig und gehören nicht zum Routineprogramm der Fachklinik Wolletzsee. Im Bedarfsfall werden die Patienten zur weiteren Diagnostik in das nahegelegene Klinikum Uckermark Schwedt verlegt.


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3.4.1.1. Das Belastungs-EKG

Mit Hilfe der Fahrradergometrie wird die Höhe der Belastbarkeit jedes einzelnen Patienten ermittelt. Die Durchführung erfolgt gemäß den Richtlinien der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabilitation (Mücke, 1989). Ausgangspunkt ist die 25-Watt-Stufe, die Belastung wird nach jeweils 2 Minuten um 25 Watt bis zum Erreichen eines Abbruchkriteriums gesteigert. Die Drehzahl sollte 50-60/min betragen. Eine Registrierung der Funktionsparameter erfolgt jeweils in der zweiten Hälfte der zweiten Minute. Aus dem Ergebnis des Belastungselektrokardiogramms läßt sich unter Berücksichtigung aller anderen erhobenen Befunde die Leistungsfähigkeit des Patienten errechnen (Löllgen et al.,1985). Die Leistungsfähigkeit entspricht der höchsten erreichten Wattstufe pro Kilogramm Körpergewicht. Die Belastbarkeit in der Angabe Watt/kg Körpergewicht entspricht 60-80% dieses Wertes (Meyer et al., 1989).

3.4.2 Komponente II

3.4.2.1 Bewegungstherapie

Da körperliche Inaktivität einen unabhängigen kardiovaskulären Risikofaktor darstellt und auch andere Risiofaktoren ungünstig beeinflußt, ist regelmäßige körperliche Aktivität inzwischen wichtiger Teilfaktor der Sekundärprävention geworden (Löllgen et al.,1998). Ausgangspunkt einer individuell dosierten Bewegungstherapie sind die Ergebnisse einer umfassenden Funktionsdiagnostik. Anhand dessen erfolgt eine Einstufung in eine Leistungsgruppe. Hieraus leitet sich die Definition eines erstrebten Therapiezieles ab (Weidemann et al., 1996). Eine Höherstufung im Sinne einer Leistungssteigerung wird im Laufe der Rehabilitationsmaßnahme angestrebt. Die Bewegungstherapie wird als Ergometertraining, Koronarsport, Terraintraining und Schwimmen durchgeführt. Belastungsintensität und Therapieinhalte sind in der Tabelle 3 ersichtlich.


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Tab. 3: Belastungsintensität und Inhalt der Bewegungstherapie

Belastungsintensität nach Rückbildungstendenz der patholog. Anpassungen

Therapieinhalte

 

Einzeltherapie auf

niedrigstem

Belastungsniveau

-sehr langsame Spaziergänge ( Ebene)

gymnastische Mobilisation

körpernahes Bewegen der Extremitäten

keine Oberkörpertieflagerung

Leistungsgruppe 1

0,5Watt/kg Körpergewicht

-Hockergymnastik

( 1x tgl. 15-20 min)

langsame Spaziergänge auf der Ebene, 1 km in 30 min mit Überwachung (1x tgl. )

Fahrradergometerbelastung bis 25 Watt

( 1x tgl. 15 min)

Leistungsgruppe 2

0,5-1 Watt/kg

Körpergewicht

-Gymnastik auf Hocker und im Stand

( 1x tgl. 15-20 min)

-Fahrradergometertraining-Dauermethode bis 50 Watt (1x tgl 15 min)

-Gehtraining als intervallmäßige Belastungs-und Dauermethode, 3 km in 60 min mit Überwachung (1x tgl. 15 min)

Leistungsgruppe 3

1-1,5 Watt/kg

Körpergewicht

-Gymnastik im Stehen, Gehen, Sitzen (1x tgl. 20 min)

-Wanderung im hügeligen Gelände 4 km in 60 min

-systematisches Lauftraining (Walking: 5-5,5 km in 60 min)

-Fahrradergometertraining-Dauermethode bis 75 Watt (1x tgl 15 min)

-Radfahren mit Überwachung, 12 km in 60 min

-Wassergymnastik

Leistungsgruppe 4

> 1,5 Watt/kg

Körpergewicht

-Therapieinhalt wie in Leistungsgruppe 3 mit Erweiterung in Form von

-Konditionstraining

-Schwimmen

-freies Radfahren ohne Überwachung


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3.4.2.2 Physiotherapie

Balneologische und hydrotherapeutische Anwendungen, sowie klassische Verfahren der Krankengymnastik und physikalischen Medizin ergänzen und erweitern die bewegungstherapeutischen Möglichkeiten. Sie dienen der vegetativen Stabilisierung und Harmonisierung, sie fördern eine positive Selbsteinschätzung sowie das allgemeine Wohlbefinden.

3.4.2.3 Medikamentöse Langzeittherapie

Die im Krankenhaus oder ambulant begonnene medikamentöse Therapie wird in der Regel fortgesetzt und/oder dem aktuellen Zustand des Patienten angepaßt.

3.4.3 Komponente III

Die Komponente III umfaßt sozialmedizinische Strukturen und Inhalte zur Beurteilung und Förderung der beruflichen und sozialen Reintegration chronisch Herzkranker (Weidemann, 1996).

3.4.4 Komponente IV

Die Komponente IV beinhaltet Gesundheitstraining mit verhaltensmedizinischen Aspekten. Es werden 11 Seminare über organisatorische und kardiologische Themen gehalten. Die psychologische Betreuung ist verhaltenstherapeutisch orientiert und erfolgt unter verschiedenen Aspekten. Diese sind u.a. Gruppengespräche zum gegenseitigen Kennenlernen, Sreßmanagment und autogenes Training.

Um das Risikoprofil der Arteriosklerose wie Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus und Adipositas günstig zu beeinflussen, werden verschiedene Formen der Ernährungsberatung durchgeführt. Diese umfassen Schulungen mit Gruppenstärken bis zu sechs Patienten, Lehrküche, aber auch Einzeldiätberatungen. Die Kost wurde entsprechend den Empfehlungen der Europäischen Atherosklerose Gesellschaft (1992) zusammengestellt.


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3.5 Statistik

Die Daten wurden mit dem Programm Microsoft Excel 5 auf einem PC erfaßt und zunächst deskriptiv ausgewertet. Die weitere statistische Auswertung erfolgte mit dem Programm SPSS für Windows 7.5.

Es wurde eine zweifaktorielle Varianzanalyse mit Meßwiederholung durchgeführt und zwar sowohl für die Plasmaviskosität, als auch für den Hämatokrit und die Fibrinogenkonzentration. Aufgrund der unterschiedlichen Fallzahl in diesen Risikogruppen wurde eine nichtparametrische Methode, die Rangvarianzanalyse mit Datenalignement, zur Auswertung genutzt. Der Meßwiederholungsfaktor war jeweils der Meßzeitpunkt vor und nach der Rehabilitation. Als unabhängige Faktoren wurden nacheinander das Geschlecht, das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit, einer arteriellen Hypertonie, Diabetes mellitus und Nikotinabusus untersucht. Auf eine Korrektur der Irrtumswahrscheinlichkeit (Fehleradjustierung) wurde aufgrund des orientierenden Charakters der Signifikanzprüfung verzichtet.

Desweiteren wurden der BMI, Cholesterin und Blutdruck auf Normalverteilung untersucht und die Vor- und Nachwerte mit dem t-Test für abhängige Stichproben geprüft. Zur Prüfung von Zusammenhangshypothesen wurde der Korrelationskoeffizient nach Pearson zwischen Plasmaviskosität-, Hämatokrit-, Fibrinogen- Cholesterin- Blutdruck- und Gewichtsveränderung berechnet.


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Fri Mar 16 17:10:29 2001