Kretschmer, Gudrun: Untersuchungen zur Euterform und Melkbarkeit bei Ostfriesischen Milchschafen als Grundlage für züchterische Maßnahmen zur Leistungs-und Euterverbesserung

61

Kapitel 4. Ergebnisse der Untersuchungen und Auswertungen

4.1 Statistische Beschreibung der Merkmale

Die Tabellen 14 bis 16 enthalten die statistische Beschreibung aller erfassten Euter- und Zitzenformmerkmale. Die Abbildung 18 bis 21 in der Anlage zeigen eine weitgehende Normalverteilung dieser Merkmale. Der Vergleich der Variationskoeffizienten über alle gemessenen Merkmale macht eine durchgehend mittlere Variabilität deutlich. Nur für das Eutervolumen wird eine verhältnismäßig starke Streuung ausgewiesen.

Tabelle 14: Statistische Beschreibung der gemessenen Euterformmerkmale

Merkmal

Kürzel

ME

n

x

s

s %

x max

x min

Euterlänge

EUL

cm

193

8,7

1,2

14,18

12,5

4,8

Euterbreite

EUB

cm

193

15,0

1,8

12,05

21,3

9,0

Eutertiefe

EUT

cm

193

18,8

3,1

16,41

29,3

12,4

Eutervolumen

EUV

cm³

193

2.333

877

37,60

8.193

658

longitudinaler Umfang

LUM

cm

193

31,2

5,3

17,04

47,0

18,5

transversaler Umfang

TRUM

cm

193

44,3

6,4

14,52

61,0

30,5

Bodenabstand

BOABST

cm

192

30,9

4,2

13,55

41,5

20,3

Tabelle 15: Statistische Beschreibung der gemessenen Zitzenformmerkmale

Merkmal

Kürzel

ME

n

x

s

s %

x max

x min

Zitzenlänge rechts

ZILRE

cm

193

3,17

0,57

17,98

5,3

2,2

Zitzenlänge links

ZILLI

cm

193

3,21

0,53

16,45

5,0

2,1

Zitzendurchmesser Basis rechts

ZIDBRE

cm

193

1,83

0,28

15,50

2,8

1,3

Zitzendurchmesser Basis links

ZIDBLI

cm

193

1,84

0,26

14,38

2,9

1,3

Zitzendurchmesser Mitte rechts

ZIDMRE

cm

193

1,41

0,25

17,71

3,2

1,0

Zitzendurchmesser Mitte links

ZIDMLI

cm

193

1,43

0,21

14,85

2,4

1,0

Zitzenstellung nach vorn

ZISTV

°

193

57,4

11,2

19,50

87

23

Zitzenstellung zur Seite

ZISTS

°

193

58,8

9,8

16,66

82

22


62

Die links und rechts gemessenen Merkmale Zitzenlänge sowie Zitzendurchmesser an der Basis und in der Mitte sind jeweils annähernd gleich groß. Die Differenz zwischen Zitzendurchmesser an der Basis und in der Mitte beträgt 0,4 cm und charakterisierte die Zitze als konisch geformt. Etwa 2/3 der Tiere weisen eine Zitzenwinkelung von 46,2° bis 68,6° (ZISTV) und 49° bis 68,6° (ZISTS) in Bereichen auf, die für das maschinelle Melken weniger gut geeignet sind. Nur für etwa 1/6 der Tiere konnten Zitzenwinkelungen von < 46,2° (ZISTV) und < 49° (ZISTS) mit besserer Eignung zum maschinellem Melken festgestellt werden.

Mit mittleren und hohen Variationskoeffizienten in den beurteilten Merkmalen ist eine entsprechende Variabilität verbunden. Sie weisen aber auch, ebenso wie die Häufigkeitsverteilungen ( Abbildung 20 ), auf den Grad der Ausschöpfung des Beurteilungsrahmens hin.

Tabelle 16: Statistische Beschreibung der beurteilten Euter- und Zitzenmerkmale

Merkmal

Kürzel

n

x

s

s %

x max

x min

Vordereuteraufhängung

VEUAUF

193

4,8

1,4

28,34

8,0

1,0

Hintereuteraufhängung

HIEU

193

5,7

1,1

19,24

8,0

1,0

Euterband

EB

193

5,8

1,4

24,09

8,0

1,0

Eutersymetrie

ES

193

6,4

1,1

16,84

8,0

2,3

Bodenabstand

BOD

193

6,4

1,2

18,40

8,3

1,5

Euterbewollung

EW

193

7,5

1,0

12,84

9,0

3,7

Zitzenplatzierung

ZIPL

192

4,5

1,2

26,85

8,0

1,0

Zitzenstellung

ZIST

140

5,8

1,1

18,76

8,0

3,0

Zitzenform

ZIFO

192

5,1

1,2

23,17

8,0

1,7

Abweichend von den anderen beurteilten Merkmalen zeigt sich die Euterbewollung. Dieses Merkmal ist durch ein hohes arithmetischen Mittel von 7,5 in Verbindung mit einem unterdurchschnittlichen Variationskoeffizienten von s % = 12,84 gekennzeichnet. Auch seine Häufigkeitsverteilung unterstreicht, dass Euter mit wenig oder ohne Wolle die Regel sind. Die Beurteilung der Zitzenstellung erfolgte an nur 140 Tieren. Schwierigkeiten in der Abgrenzung dieses Merkmals zur Zitzenplatzierung führten zur Aufgabe der Beurteilung mit der Folge, dass die Zitzenstellung in der weiteren Auswertung nicht mehr berücksichtigt werden konnte.


63

Die in Tabelle 17 beschriebenen Leistungsmerkmale Milchmenge, Melkbar-keit und Anzahl somatischer Zellen zeigen jeweils eine hohe bis sehr hohe Variabilität. Insbesondere der Variationskoeffizient der Anzahl somatischer Zellen weist auf eine nicht vorhandene Normalverteilung ( Abbildung 21 ) hin. Zur Nutzung dieses Leistungsmerkmales für die Auswertung war eine Transformation mittels natürlichem Logarithmus erforderlich. Hoch ist auch der Variationskoeffizient der Melkbarkeit. In Verbindung mit der Spannweite eines 11-fachen zwischen Minimum und Maximum ist er bei annähender Normalverteilung Ausdruck einer sehr hohen Variabilität des Merkmals.

Tabelle 17: Statistische Beschreibung der Leistungsmerkmale (n = 193)

Merkmal

Kürzel

ME

x

s

s %

x max

x min

Tagesmilchmenge

GMELK

kg

1,51

0,39

25,51

2,45

0,53

Melkbarkeit

DMG

g/min

580

290

50,85

1.800

160

Zahl somatischer Zellen

SZZ

Tausend

492

1126

229

9.062

24

logarithmierte Zellzahl

LZZ

4,88

1,00

20,58

9,07

3,12

4.2 Wiederholbarkeit der Erfassungsmethoden

Die Prüfung der Erfassungsmethoden sollte, wie unter Abschnitt 3.2.4 beschrieben zwei Fragen beantworten: Bei welchem der Morphologiemerkmale mit dem jeweils gewählten Messgerät ist die Erfassungsmethode am sichersten, und ist eine Übertragung sowie Anwendung durch andere Personen sicher möglich?

Zur Frage der sicheren Erfassungsmethode geben die Wiederholbarkeitskoeffizienten in den Tabellen 18 bis 20 Auskunft. Die Ergebnisse der vier Prüfdurchgänge in den gemessenen Eutermerkmerkmalen ( Tabelle 18 ) zeigen deutliche Unterschiede in der Erfassbarkeit. Einen wesentlichen Einfluss hat hier jedoch auch die Einhaltung eines annähernd gleichen Untersuchungszeitpunktes, der mit einem ähnlichem Füllzustand des Euters verbunden ist. Im Betrieb A konnte diese Bedingung nicht ganz eingehalten werden, so dass in der Folge die durch den Füllungsgrad des Euters beeinflussbaren Merkmale Euterlänge (W = 0,43) und Euterbreite (W = 0,48) in diesem Test einen verhältnismäßig niedrigen Wiederholbarkeitskoeffizienten aufweisen.


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Tabelle 18: Wiederholbarkeitskoeffizienten (W) für wiederholte Messungen der Euterform durch eine Prüfperson

Merkmal

Betrieb A

1. Person

Betrieb B

1. Person

Betrieb B

2. Person

Betrieb B

3. Person

Mittel

von W

EUL

0,43

0,72

0,57

0,28

0,50

EUB

0,48

0,77

0,76

0,49

0,62

EUT

0,87

0,97

0,89

0,94

0,92

LUM

0,92

0,91

0,42

0,89

0,79

TRUM

0,83

0,95

0,91

0,94

0,91

BOABST

0,59

0,92

0,88

0,92

0,82

Durch Einbeziehung verschiedener Personen mit unterschiedlichem Erfahrungsschatz wird deutlich, dass besonders die Merkmale Eutertiefe (W = 0,92) und transversaler Umfang (W = 0,91), aber auch noch der Bodenabstand (W = 0,82) sicher erfasst werden können. Für geübtere Personen sind Euterbreite und longitudinaler Umfang ebenfalls sicher feststellbar. Alle genannten Merkmale zeichnen sich durch gut identifizierbare Endpunkte für die Messung aus. Dazu sind Eutertiefe (W = 0,87), longitudinaler (W = 0,92) und transversaler Umfang (W = 0,83) im Teiltest Betrieb A offenbar auch relativ unempfindlich gegenüber dem Füllzustand des Euters.

Tabelle 19: Wiederholbarkeitskoeffizienten (W) für wiederholte Messungen der Zitzenform durch eine Prüfperson

Merkmal

Betrieb A

1. Person

Betrieb B

1. Person

Betrieb B

2. Person

Betrieb B

3. Person

Mittel

von W

ZILRE

0,86

0,59

0,65

0,77

0,72

ZILLI

0,79

0,65

0,48

0,53

0,62

ZIDBRE

0,78

0,74

0,35

0,15

0,51

ZIDBLI

0,73

0,83

0,58

0,53

0,67

ZIDMRE

0,88

0,80

0,19

0,69

0,64

ZIDMLI

0,70

0,78

0,50

0,54

0,63

ZISTV

0,63

0,53

0,37

0,46

0,50

ZISTS

0,57

0,61

0,16

0,15

0,38

Als spürbar schwieriger erwies sich die genaue Erfassung der Zitzenformmerkmale ( Tabelle 19 ). Bei den Merkmalen der Zitzenlänge und des Zitzendurchmessers war mit den


65

gewählten Messinstrumenten die sichere Bestimmung des Anfangs- und des Endpunktes weniger genau möglich, was sich bei den kleinen Werten auf die Wiederholbarkeitskoeffizienten unmittelbar auswirkte. Die unterschiedlich hohen Wieder-holbarkeitskoeffizienten bei verschiedenen Personen verdeutlichen insbesondere für die Merkmale des Zitzendurchmessers und der Zitzenwinkelung ein höheres Erfordernis an Erfahrung zur sicheren Erfassung der Merkmale. Größte Unsicherheiten ergaben sich bei den Merkmalen der Zitzenwinkelung. Durch ständige Verschiebung der Perspektiven und ungenaue Vorstellungen zum richtigen Anlegen des Winkelmessers, insbesondere bei der Zitzenstellung zur Seite kam es zu sehr niedrigen Wiederholbarkeitskoeffizienten bei den Personen 2 und 3. Insgesamt zeigen die Werte, dass die Erfassung der Zitzenformmerkmale mittels Messgeräten schwieriger ist als die der Euterform, aber mit einem höheren Maß an Übung die Merkmale der Zitzenlänge und des Zitzendurchmessers mit hinreichender Sicherheit bei Wiederholbarkeitskoeffizienten bis W = 0,70 und 0,90 ermittelt werden können. Problematisch, auch für eine geübte Person, ist die Messung der Zitzenwinkelung mittels Winkelmesser.

Tabelle 20: Wiederholbarkeitskoeffizienten (W) zur wiederholten Beurteilung der Euter- und Zitzenformmerkmale durch eine Prüfperson

Merkmal

Betrieb A

1. Person

Betrieb B

1. Person

Mittel

von W

VEUAUF

0,66

0,64

0,65

HIEU

0,80

0,69

0,75

EB

0,57

0,82

0,69

ES

0,63

0,85

0,74

BOD

0,77

0,58

0,68

ZIPL

0,65

0,54

0,60

ZIFO

0,45

0,72

0,58

EW

0,54

0,87

0,70

Die Prüfung zur Sicherheit der gewählten Beurteilungsmethode erbrachte zum Teil stark differierende Ergebnisse ( Tabelle 20 ) zwischen den beiden Testdurchgängen. Sie weisen auf ein allgemeines Problem der linearen Beschreibung hin. Bei unmittelbar aufeinanderfolgenden Testtagen muss der Klassifizierer nach Möglichkeit auf einen Maßstab der Bewertung zurückgreifen. Je besser dies gelingt, um so höher ist der


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Wiederholbarkeitskoeffizient.

Mit Wiederholbarkeitskoeffizienten, die Werte zwischen W = 0,80 und 0,90 erreichen können, erscheint dies bei Hintereuteraufhängung, Euterband, Eutersymetrie und Euterbewollung leichter möglich. Die durchschnittlichen Wiederholbarkeitskoeffizienten von W = 0,65 und 0,68 bei Vordereuteraufhängung und beurteiltem Bodenabstand weisen auf sich ändernde Perspektiven hin. Eine zusätzliche Schwierigkeit in der Beurteilung der Vordereuteraufhängung kann zudem durch hohen Wollbesatz am Vordereuter auftreten. Im Hinblick auf die Sicherheit der Erfassungsmethode unterscheidet sich die Beurteilung der Zitzenplatzierung kaum von der Messung der Zitzenwinkelung. Die Zitzenform enthält als Gesamtmerkmal der Zitze mehrere Formmerkmale. Ihre Wichtung in der Bewertung und deren Beibehaltung sind ausschlaggebend für die Wiederholbarkeit der Bewertung. Die Teiltestergebnisse von 0,45 und 0,72 zeigen, dass die Ermittlung mit hinreichender Sicherheit möglich ist, aber nicht immer realisiert wird.

Tabelle 21: Wiederholbarkeitskoeffizienten (W) zur Anwendbarkeit der Messmethoden zur Erfassung der Euter- und Zitzenformmerkmale zwischen Personen

Merkmal

Betrieb B

2 Personen

Betrieb B

1. Untersuchung

3 Personen

Betrieb B

2. Untersuchung

3 Personen

Mittel

von W

EUL

0,60

0,36

0,73

0,58

EUB

0,81

0,70

0,79

0,79

EUT

0,28

0,91

0,81

0,48

LUM

0,76

0,41

0,57

0,66

TRUM

0,87

0,90

0,87

0,88

BOABST

0,71

0,84

0,92

0,77

ZILRE

0,69

0,62

0,66

0,67

ZILLI

0,74

0,64

0,50

0,68

ZIDBRE

0,56

0,33

0,34

0,48

ZIDBLI

0,52

0,48

0,23

0,46

ZIDMRE

0,40

0,53

0,54

0,45

ZIDMLI

0,37

0,38

0,23

0,35

ZISTV

0,38

0,06

0,13

0,28

ZISTS

0,05

0,03

0,05

0,05


67

Die bereits getroffenen Aussagen zur Sicherheit der Erfassungsmethoden finden ihre Bestätigung auch im unmittelbaren Vergleich der Testpersonen ( Tabelle 21 ). In Abhängigkeit von der genauen Beschreibung zur Durchführung der Messung sowie der Möglichkeit des Auffindens der gleichen Messpunkte reichen die Wiederholbarkeits-koeffizienten von 0,03 bis 0,91. Durch einen gravierenden Messfehler einer Person im Test mit 2 Personen kam es zu dem unerwartet niedrigen Wiederholbarkeitskoeffizienten von 0,28 bei der Eutertiefe. Ansonsten sind wie bereits oben bemerkt die Eutertiefe, der transversale Umfang und der Bodenabstand auch unter dem Gesichtspunkt der Anwendbarkeit die am genauesten zu ermittelnden Eutermaße. Die Euterbreite ist mit Wiederholbarkeitskoeffizienten zwischen W = 0,70 und 0,81 gleichfalls noch hinreichend sicher durch mehrere Personen zu ermitteln. Hingegen zeigen die schwankenden Werte in der Euterlänge und beim longitudinalen Umfang Unsicherheiten im Auffinden der Messpunkte und einen hohen Trainingsbedarf an.

Die sichere Zitzenmessung ist wie schon in den Tests zur Sicherheit der Messmethode nicht ohne weiteres gegeben. Am besten sind die Zitzenlängen (W = 0,50 - 0,74) zu ermitteln. Bei genauer Beschreibung der Messpunkte und sorgfältiger Messausführung kann hier noch eine höhere Übereinstimmung erreicht werden. Schwieriger gestaltet sich die Anwendung der Maße des Zitzendurchmessers. Ein differenziertes Vermögen, die Messungen möglichst gleichmäßig auszuführen ( Tabelle 15 ), wirkten auch auf die Anwendbarkeit der Messmethode. Offenbar gibt es dabei Unterschiede zwischen der Messung an der linken und an der rechten Euterhälfte. Insgesamt ist der Messschieber schwierig zu handhaben, da mit den Messschenkeln die Zitze leicht zusammengedrückt werden kann. Die Wiederholbarkeitskoeffizienten der Zitzenwinkelung (W = 0,03 - 0,38) unterstreichen die schwierige Erfassung dieses Merkmals mittels Winkelmesser.

4.3 Prüfung von Einflussfaktoren

Mit der Prüfung der systematischen Einflussfaktoren Betrieb, Laktationsnummer, Laktationsstadium, Anzahl aufgezogener Lämmer und der Milchleistung verbindet sich vor allem die Frage nach Veränderungen am Euter. Die Annahme, dass die unterschiedlichen Voraussetzungen der Betriebe die Euterform in einem hohem Maße beeinflussen, wurde schon im Abschnitt 3.1 geäußert. Insbesondere im Zusammenhang mit der Wahl des richtigen und angemessenen Zeitpunktes zur Durchführung der Leistungsprüfungen


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erhalten Laktationsnummer und -stadium besonderes Gewicht. Von Interesse war auch die Entwicklung der Euterform- und Leistungsmerkmale in Abhängigkeit von der Anzahl aufgezogener Lämmer sowie der Milchleistung.

Im Anhang Tabelle 53 sind die allgemeinen Ergebnisse der Varianzanalyse aufgeführt. Die in der Spalte r² (Bestimmtheitsmaß) aufgeführten Werte geben einen Überblick über die Güte der Varianzanalyse für jedes Merkmal. Beispielsweise können bei einem Bestimmtheitsmaß von r² = 0,81 in der Euterlänge 81 v.H. der Varianz des Merkmals auf die Variation der Einflussfaktoren zurückgeführt werden. Während 70 v.H. bis 92 v.H. der Varianz der gemessenen Eutermerkmale durch die Einflussfaktoren erklärt wird, liegt dieser Anteil bei den gemessenen Zitzenmerkmalen mit 51 v.H. bis 69 v.H. doch bedeutend niedriger. Bei den beurteilten Euterform- und Zitzenmerkmalen sind 58 v.H. bis 79 v.H. der Varianz aus der Variation der Einflussfaktoren zu erklären. Bei der Melkbarkeit beträgt das Bestimmtheitsmaß r² = 0,92, obwohl hier aus rechnerischen Gründen die Laktationsnummer und die Anzahl aufgezogener Lämmer als Einflussgrößen nicht berücksichtigt werden konnten. Die Varianz der logarithmierte Zellzahl ist zu 57 v.H. auf die Varianz zwischen den Individuen zurückzuführen. Insgesamt ist der Einfluss des Einzeltieres als zufälliger Prüffaktor in allen Merkmalen, ausgenommen der Zitzenplatzierung mit einfacher Signifikanz (p < 0,05), hoch signifikant (p < 0,001) und gibt einen Hinweis auf die Variabilität der Merkmale zwischen den Tieren.

4.3.1 Betriebseinflüsse

Die in die Untersuchung einbezogenen Betriebe üben aufgrund der sehr verschiedenen Voraussetzungen bei allen gemessenen Eutermerkmalen, den Merkmalen der Zitzenlänge, des Zitzendurchmessers und der Zitzenstellung zur Seite sowie allen beurteilten Merkmalen, dem Tagesgemelk und der Melkbarkeit einen hoch signifikanten Einfluss aus. Wirksam werden Unterschiede aus dem Leistungsvermögen, der Fütterungsintensität, der Säugezeit und dem Melkmanagement.

In den Tabellen 22 bis 25 sind nachfolgend die Merkmalsmittelwerte nach Betrieben dargestellt. Sämtliche Mittelwertdifferenzen in den gemessenen Eutermerkmalen ( Tabelle 22 ) sind signifikant und bestätigen oben beschriebenen Effekt. Gemessen am Eutervolumen stehen im Betrieb A mit durchschnittlich 3805 cm³ die Tiere mit den größten Eutern, gefolgt von Betrieb C mit 2553 cm³ und Betrieb B mit 1908 cm³.


69

Entsprechend entgegengesetzt ist der Bodenabstand im Betrieb B mit 32,8 cm am größten, gefolgt von Betrieb C mit 29,0 cm und Betrieb A mit 27,5 cm.

Tabelle 22: Betriebseinfluss auf die gemessenen Eutermerkmale (mean ± s)

Merkmal

ME

Betrieb A

Betrieb B

Betrieb C

EUL

cm

10,6 ± 0,13a

8,2 ± 0,08b

9,1 ± 0,11c

EUB

cm

17,7 ± 0,20a

14,3 ± 0,12b

15,6 ± 0,17c

EUT

cm

21,9 ± 0,23a

17,3 ± 0,14b

19,6 ± 0,19c

EUV

cm³

3805 ± 120a

1908 ± 73b

2553 ± 100c

LUM

cm

38,7 ± 0,36a

28,5 ± 0,22b

31,8 ± 0,30c

TRUM

cm

53,0 ± 0,38a

42,0 ± 0,23b

45,1 ± 0,32c

BOABST

cm

27,5 ± 0,25a

32,8 ± 0,17b

29,0 ± 0,20c

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Tabelle 23: Betriebseinfluss auf die gemessenen Zitzenmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Betrieb A

Betrieb B

Betrieb C

ZILRE

cm

3,69 ± 0,07a

3,46 ± 0,04b

3,05 ± 0,06c

ZILLI

cm

3,79 ± 0,07a

3,43 ± 0,04b

3,11 ± 0,06c

ZIDBRE

cm

2,31 ± 0,05a

1,83 ± 0,03b

2,00 ± 0,04c

ZIDBLI

cm

2,25 ± 0,04a

1,89 ± 0,03b

1,97 ± 0,04c

ZIDMRE

cm

1,77 ± 0,06a

1,28 ± 0,05b

1,33 ± 0,03b

ZIDMLI

cm

1,74 ± 0,06a

1,35 ± 0,04b

1,41 ± 0,05b

ZISTV

°

56,9 ± 1,37 a

56,8 ± 0,83 a

56,9 ± 1,14a

ZISTS

°

62,6 ± 1,26a

61,7 ± 0,77a

58,2 ± 1,05b

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Im Unterschied zu den Eutermerkmalen zeigen die statistisch gesicherten Mittelwertunterschiede bei den Merkmalen Zitzenlänge und Zitzenwinkelung ( Tabelle 23 ) eine andere Reihenfolge. Neben den beschriebenen betrieblichen Einflussgrößen können beispielsweise durch unterschiedliche Zuchtauswahl die statistisch gesicherten Unterschiede zwischen den drei Betrieben in den Zitzenlängen entstanden sein. Ähnliches trifft für die Zitzenwinkelung zu. Die Tiere des Betriebe C weisen anscheinend mit durchschnittlich 58,2° im Vergleich zu den Tieren der Betriebe A und B die für das maschinelle Melken günstigere Zitzenwinkelung auf.

Die unterschiedlichen betrieblichen Voraussetzungen werden auch bei einigen beurteilten Merkmalen wirksam ( Tabelle 24 ). So weisen die Tiere des Betriebes B mit den


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durchschnittlich kleinsten Eutern und der kürzesten Säugezeit die beste Bewertung in der Vorder- und Hintereuteraufhängung sowie dem Bodenabstand auf. Hingegen haben die Tiere des Betriebes A mit den durchschnittlich größten Eutern und der längsten Säugezeit die niedrigste Bewertung in diesen Merkmalen. Ähnliches trifft auf die Eutersymetrie zu. Tiere mit großen Eutern sind in diesem Merkmal eher schlechter bewertet, als Tiere mit kleinen Eutern. Dazu zeigt der Durchschnittswert des Betriebes A eine mit 5,8 Punkten signifikant schlechtere Bewertung als die Betriebe B und C mit jeweils 6,6 Punkten.

Tabelle 24: Betriebseinfluss auf die beurteilten Merkmale (mean ± s)

Merkmale

Betrieb A

Betrieb B

Betrieb C

VEUAUF

4,5 ± 0,18a

5,4 ± 0,11b

4,9 ± 0,15c

HIEU

5,6 ± 0,16a

6,2 ± 0,10b

5,8 ± 0,13a

EB

5,9 ± 0,16a

5,8 ± 0,09a

6,3 ± 0,13b

ES

5,8 ± 0,13a

6,6 ± 0,08b

6,6 ± 0,11b

BOD

6,2 ± 0,12a

6,9 ± 0,08b

6,3 ± 0,10a

EW

8,5 ± 0,09a

7,2 ± 0,06b

7,3 ± 0,08b

ZIPL

4,5 ± 0,14a

4,8 ± 0,10b

4,7 ± 0,11ab

ZIFO

5,5 ± 0,20a

5,2 ± 0,14a

4,8 ± 0,16b

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Betrieb A mit einer leistungsangepassten Fütterung hat trotz einmaligen Melkens und längster Säugezeit mit 1,78 kg die höchste durchschnittliche Tagesmilchleistung. Entsprechend der in Tabelle 52 charakterisierten Nährstoffversorgung folgen dann die Betriebe C und B mit jeweils signifikanten Mittelwertdifferenzen ( Tabelle 25 ).

Tabelle 25: Betriebseinfluss auf die Leistungsmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Betrieb A

Betrieb B

Betrieb C

GMELK

kg

1,78 ± 0,05a

1,31 ± 0,03b

1,56 ± 0,04c

DMG

g/min

1.160 ± 13,7a

425 ± 8,5b

581 ± 9,1c

LZZ

4,93 ± 0,30a

4,70 ± 0,16 a

4,64 ± 0,30 a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Einfluss auf die Melkbarkeit hat in jedem Fall auch das Melkmanagement. Das einmalige Melken im Betrieb A führt mit Sicherheit zu einem hohen Euterinnendruck entsprechend der Beschreibung im Abschnitt 2.1.1 . In Verbindung mit der Nutzung nur eines Melkzeuges während der Milchleistungsprüfung und daraus folgend dem sofortigem Nachmelken bei nachlassendem Maschinenhauptgemelk ist die durchschnittliche


71

Melkbarkeit im Betrieb A mit 1.160 g/min signifikant doppelt so hoch wie im Betrieb C. Der Vergleich zwischen Tagesmilchleistung und Durchschnittlichem Minutengemelk zeigt aber auch, dass die Melkbarkeit mit der Milchleistung steigt bzw. fällt.

4.3.2 Einfluss der Laktationsnummer

Das Euter verändert sich mit zunehmenden Alter und Anzahl der Laktationen. Je nach Anlage und Anbindung des Euters an die Bauchwand beginnt es mehr oder weniger stark durchzuhängen. Entsprechend dieser Erwartung hat die Laktationsnummer in der Varianzanalyse ( Tabelle 53 ) einen hoch signifikanten Einfluss auf die Eutertiefe und den longitudinalen Umfang. Daneben zeigen sich auch statistisch gesicherte Effekte beim Zitzendurchmesser, allerdings nur an der Basis rechts und bei der Zitzenwinkelung zur Seite. Es war auch zu erwarten, dass die Laktationsnummer in den Bewertungsmerkmalen ihren Niederschlag findet. Entsprechend zeigen sich bei Vordereuter- und Hintereuteraufhängung, Euterbewollung, Zitzenplatzierung, Euterband sowie Bodenabstand statistisch gesicherte Abhängigkeiten. Der Einfluss der Laktationsnummer auf das Tagesgemelk war statistisch nicht zu sichern.

Die Tabellen 26 bis 29 zeigen die Veränderungen des Euters mit zunehmender Anzahl an Laktationen.

Tabelle 26: Einfluss der Laktationsnummer auf die gemessenen Eutermerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Laktationsnummer

1.

2.

3.

4.

5. und ältere

EUL

cm

10,0 ± 0,33a

9,6 ± 0,20ab

9,5 ± 0,15ab

9,0 ± 0,20bc

8,6 ± 0,30c

EUB

cm

16,9 ± 0,53a

16,4 ± 0,33ab

15,9 ± 0,25abc

15,3 ± 0,32c

15,0 ± 0,48bc

EUT

cm

16,0 ± 0,60a

18,5 ± 0,37b

20,0 ± 0,28c

21,1 ± 0,35d

22,4 ± 0,54e

EUV

cm³

2441 ± 312 a

2591 ± 192a

2767 ± 145a

2833 ± 185a

3143 ± 281a

LUM

cm

26,8 ± 0,93a

30,9 ± 0,57b

33,1 ± 0,43c

35,7 ± 0,55d

38,6 ± 0,84e

TRUM

cm

44,8 ± 0,99a

46,1 ± 0,61ab

47,3 ± 0,46b

47,5 ± 0,59ab

47,7 ± 0,89ab

BOABST

cm

30,3 ± 0,75a

29,5 ± 0,45a

29,3 ± 0,30a

29,6 ± 0,39a

29,9 ± 0,64a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Die Entwicklung der Merkmale Eutertiefe und longitudinaler Umfang mit jeweils signifikanten Mittelwertdifferenzen zwischen den Laktationsnummern bestätigen die allgemeine Beobachtung eines zunehmend absinkenden Euters bei älteren Tieren ( Tabelle 26 ). In der Folge werden Euterlänge und Euterbreite kleiner. Insgesamt wird das Euter im


72

Verlauf der Laktationen also schmaler, dafür aber entscheidend tiefer und vergrößert somit tendenziell sein Volumen ( Abbildung 5 ). Die größte Veränderung in der Euterlänge, der Eutertiefe und auch beim longitudinalem Umfang treten zwischen der ersten und zweiten Laktation auf, während die Veränderungen von der zweiten zur dritten Laktation in diesen Merkmalen wesentlich geringer ausfallen.

Abbildung 5: Einfluss der Laktationsnummer (LNr.) auf Euterlänge, Euterbreite, Eutertiefe und longitudinalem Umfang

- Mittelwert; I Standardabweichung

Auch der Zitzendurchmesser an der Basis und die Zitzenwinkelung unterliegen tendenziell dem Einfluss der Laktationsnummer, während die Zitzenlängen und der Zitzendurchmesser in der Mitte keine Veränderungen aufweisen ( Tabelle 27 ). Die Veränderungen im Zitzendurchmesser an der Basis zeigen hier eine ähnliche Entwicklung wie bei Eutertiefe und longitudinalem Umfang. Er wird auf beiden Euterhälften mit zunehmendem Alter größer, wobei auch bei diesem Merkmal die Zunahme zwischen erster und zweiter Laktation am höchsten ist.


73

Tabelle 27: Einfluss der Laktationsnummer auf die gemessenen Zitzenmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Laktationsnummer

1.

2.

3.

4.

5. und ältere

ZILRE

cm

3,40 ± 0,19a

3,57 ± 0,11a

3,37 ± 0,09a

3,36 ± 0,11a

3,29 ± 0,17a

ZILLI

cm

3,28 ± 0,18a

3,53 ± 0,11a

3,40 ± 0,08a

3,37 ± 0,11a

3,64 ± 0,16a

ZIDBRE

cm

1,49 ± 0,13a

1,84 ± 0,08b

2,17 ± 0,06c

2,34 ± 0,08c

2,40 ± 0,12c

ZIDBLI

cm

1,74 ± 0,11a

1,95 ± 0,07b

2,07 ± 0,05bc

2,14 ± 0,07bc

2,27 ± 0,10c

ZIDMRE

cm

1,43 ± 0,15a

1,43 ± 0,09a

1,51 ± 0,07a

1,47 ± 0,09a

1,46 ± 0,13a

ZIDMLI

cm

1,65 ± 0,16a

1,58 ± 0,10a

1,51 ± 0,07a

1,43 ± 0,09a

1,31 ± 0,14a

ZISTV

°

59,11 ± 3,57a

57,86 ± 2,20a

55,47 ± 1,66a

55,92 ± 2,12a

56,07 ± 3,22a

ZISTS

°

74,62 ± 3,29a

64,19 ± 2,02b

59,22 ± 1,53c

54,88 ± 1,94cd

51,38 ± 2,95d

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Die in der Tabelle 27 aufgeführte Entwicklung der Zitzenwinkelung (ZISTV/ZISTS) entspricht nicht den Erwartungen. Der allgemeinen Beobachtung nach, müsste mit zunehmend durchhängendem Euter die Zitzenwinkelung im Verlauf der Laktationen zu- und nicht abnehmen. Ursache können die festgestellten Unsicherheiten in der Erfassungsmethode sein.

Eine Alternative bietet die Beurteilung des Merkmals Zitzenwinkelung in der Zitzenplatzierung ( Tabelle 28 , Abbildung 6 ).

Tabelle 28: Einfluss der Laktationsnummer auf die beurteilten Merkmale (mean ± s)

Merkmale

Laktationsnummer

1.

2.

3.

4.

5. und ältere

VEUAUF

6,7 ± 0,48a

5,2 ± 0,29b

4,3 ± 0,22c

4,0 ± 0,28c

4,4 ± 0,43bc

HIEU

8,3 ± 0,42a

7,1 ± 0,26b

5,7 ± 0,19c

4,3 ± 0,25d

3,9 ± 0,38d

EB

7,3 ± 0,40a

6,5 ± 0,25b

5,9 ± 0,19c

5,4 ± 0,24cd

4,9 ± 0,36d

ES

7,2 ± 0,34a

6,4 ± 0,21b

6,3 ± 0,16b

6,0 ± 0,20b

5,9 ± 0,30b

BOD

7,2 ± 0,36a

6,9 ± 0,21a

6,6 ± 0,15a

6,0 ± 0,19b

5,4 ± 0,31c

EW

6,4 ± 0,24a

7,1 ± 0,15b

7,7 ± 0,11c

8,3 ± 0,14d

9,0 ± 0,21e

ZIPL

6,1 ± 0,42a

5,1 ± 0,25b

4,5 ± 0,17c

4,1 ± 0,22cd

3,6 ± 0,36d

ZIFO

4,5 ± 0,60a

4,9 ± 0,36a

4,9 ± 0,24a

5,6 ± 0,31a

6,0 ± 0,51a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Hier zeigt sich sehr deutlich die Verschlechterung mit zunehmendem Alter. In der ersten Laktation mit noch durchschnittlich 6,1 Punkten bewertet, liegt dieses Merkmal schon in


74

der 2. Laktation hoch signifikant um eine ganze Note tiefer bei 5,1 Punkten. Auch in der Euteraufhängung macht sich das Alter deutlich bemerkbar. Mit zunehmender Laktationszahl nimmt die Bewertungshöhe in den Merkmalen Vordereuteraufhängung, Hintereuteraufhängung und Euterband ab. Sehr hoch und auch statistisch sicher ist die abnehmende Bewertung für die Euteraufhängung zwischen der 1. und 2. Laktation um 1,5 (VEUAUF) und 1,2 (HIEU) Punkte. Die Unterschiede zwischen 1. und 2. Laktation beim Euterband sind zwar nur tendenziell, aber auch hier mit 0,8 Punkten am höchsten.

Abbildung 6: Einfluss der Laktationsnummer (LNr.) auf Vorder- und Hintereuteraufhängung sowie Euterband und Zitzenplatzierung

- Mittelwert; I Standardabweichung

Die von Laktation zu Laktation sich verbessernde Bewertung der Euterbewollung ist auf einen physiologisch bedingten zunehmenden Verlust der Wolle mit dem Alter zurückzuführen. Gründe für die mit zunehmenden Alter tendenziell bessere Bewertung der Zitzenform sind nicht sicher feststellbar. Sie hängen aber eher mit der Ausformung der Zitze und der Entwicklung ihrer Größe zusammen, als mit gravierenden Fehlern an der Zitzenspitze.

Zur Beurteilung des Einflusses der Laktation auf die Euter- und Zitzenformmerkmale am Einzeltier, wurden in einer Untersuchung bei 83 Tieren eine Merkmalserfassung in zwei aufeinanderfolgenden Laktationen vorgenommen. Die Ergebnisse, gesamt und unterteilt


75

nach Laktationen, können aus Tabelle 54 in der Anlage entnommen werden. Insgesamt sind mit p < 0,05 statistisch gesicherte Mittelwertunterschiede in den Merkmalen Euterlänge, Eutertiefe, Hintereuteraufhängung, Euterband und Euterbewollung feststellbar. Auch in dieser Vergleichsvariante verringert sich die Euterlänge und vergrößert sich die Eutertiefe signifikant von einer Laktation auf die nächste. Mit einer Verschlechterung der Bewertung um 1,4 Punkte zeigt die Hintereuteraufhängung unter den beurteilten Merkmalen die auffälligste Veränderung. Im Vergleich der ersten zur zweiten Laktation zeigen die Tiere in der Eutertiefe mit 3,4 cm und im longitudinalem Umfang mit 5,6 cm hohe Zunahmen, welche sich auch im Eutervolumen mit 650 cm³ mehr bemerkbar machen. Auch die Euteraufhängung weist bei den Tieren der 1./2. Laktation eine deutliche Entwicklung auf. Insbesondere bei der Hintereuteraufhängung sind die Notenmittelwerte von 7,2 und 6,2 signifikant verschieden. Tendenziell verschlechtert sich die Bewertung auch in der Vordereuteraufhängung um 0,8, im Euterband um 0,7, in der Eutersymetrie um 0,5 und im Bodenabstand um 1,5 Punkte. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse dieser Teiluntersuchung die bisher getroffenen Feststellungen zur Entwicklung des Euters mit zunehmender Anzahl von Laktationen.

Die Laktationsnummer übt nur teilweise einen signifikanten Einfluss auf das Tagesgemelk und die logarithmierte Zellzahl aus ( Tabelle 29 , Abbildung 7 ).

Tabelle 29: Einfluss der Laktationsnummer auf die Leistungsmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Laktationsnummer

1.

2.

3.

4.

5. und ältere

GMELK

kg

1,29 ± 0,13a

1,51 ± 0,08b

1,66 ± 0,06b

1,59 ± 0,08ab

1,66 ± 0,12ab

LZZ

2,67 ± 0,98a

3,92 ± 0,48a

4,75 ± 0,44b

5,62 ± 0,55b

6,84 ± 0,82b

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Das Tagesgemelk steigt signifikant bis zur dritten Laktation von durchschnittlich 1,29 kg auf 1,66 kg an. Dabei ist auch in diesem Merkmal der Sprung von der 1. zur 2. Laktation mit 0,22 kg am höchsten. Die Zellzahl steigt mit zunehmender Laktation; signifikante Differenzen liegen zwischen der 1. sowie der 2. und jeweils der 3. bis 5. Laktation. Ihre Entwicklung mit zunehmendem Alter ist ein sicherer Ausdruck für die Belastung des Euters durch Milchbildung und -hergabe.


76

Abbildung 7: Einfluss der Laktationsnummer (LNr.) auf das Tagesgemelk und die log. Zellzahl

- Mittelwert; I Standardabweichung

4.3.3 Einfluss des Laktationsstadiums

Die Veränderung der Euter- und Zitzenmerkmale im Verlauf einer Laktation steht mit der absinkenden Milchleistung, einer immer geringeren Milchspeicherung, eines kleiner werdenden Euterinnendrucks und der damit verbundenen schwächeren Ausdehnung des Euters in Verbindung. Die in Tabelle 53 aufgeführten Ergebnisse der bis zum 5 Laktationsmonat durchgeführten Untersuchungen zeigen einen signifikanten Einfluss des Laktationsstadiums auf Euterlänge, Euterbreite, Eutervolumen, longitudinaler und transversaler Umfang, dem Bodenabstand sowie in den beurteilten Merkmalen Euteraufhängung, Euterband und Zitzenplatzierung. Einen statistisch hoch gesicherten Einfluss (p < 0,001) übt das Laktationsstadium neben der Tagesmilchmenge auch auf die Melkbarkeit aus. In den Tabellen 30 bis 32 sind die Mittelwerte nach Laktationstagen aufgeführt.

Die gemessenen Eutermerkmale zeigen im gewählten Untersuchungsabschnitt eher geringfügige Veränderungen ( Tabelle 30 , Abbildung 8 ). So bleiben die Eutertiefe mit Werten zwischen 19,38 und 19,88 cm, der longitudinale Umfang mit Werten zwischen 32,71 und 33,42 cm, der transversale Umfang mit Werten zwischen 46,09 und 47,24 cm sowie der Bodenabstand mit Werten zwischen 29,44 und 30,24 cm trotz einiger signifikanter Mittelwertdifferenzen in Untersuchungszeitraum verhältnismäßig stabil. Nur


77

Tabelle 30: Einfluss des Laktationsstadiums (Laktatiostage: Lt.) auf die gemessenen Eutermerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

<= 60 Lt.

61 - 90 Lt.

91 - 120 Lt.

> 120 Lt.

EUL

cm

9,8 ± 0,10a

9,5 ± 0,10b

9,1 ± 0,10c

9,0 ± 0,10c

EUB

cm

16,5 ± 0,17a

16,1 ± 0,17b

15,7 ± 0,16c

15,3 ± 0,16c

EUT

cm

19,4 ± 0,19a

19,4 ± 0,19a

19,7 ± 0,18ab

19,9 ± 0,17b

EUV

cm³

2920 ± 98a

2841 ± 97ab

2681 ± 92bc

2580 ± 91c

LUM

cm

33,2 ± 0,29ab

32,7 ± 0,29a

33,4 ± 0,28b

32,8 ± 0,27a

TRUM

cm

47,1 ± 0,31a

46,4 ± 0,31b

47,2 ± 0,29a

46,1 ± 0,29b

BOABST

cm

29,5 ± 0,25a

29,4 ± 0,23a

29,8 ± 0,19ab

30,2 ± 0,18b

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Abbildung 8: Einfluss des Laktationsstadiums (Lakatatiostage: Lt.) auf Euterlänge, Euterbreite, Eutertiefe, Bodenabstand sowie longitudinalem und transversalem Umfang

- Mittelwert; I Standardabweichung


78

die Euterlänge und die Euterbreite verlieren kontinuierlich und teilweise signifikant mit zunehmender Laktationsdauer um jeweils insgesamt etwa 1 cm an Ausdehnung. Entsprechend verkleinert sich relativ kontinuierlich das Eutervolumen.

Auf die gemessenen Zitzenmerkmale hatte das Laktationsstadium kaum einen Einfluss ( Tabelle 31 ). Sowohl die Zitzenlänge beider Euterhälften, als auch die Merkmale des Zitzendurchmessers sind bis zum fünften Laktationsmonat stabil.

Tabelle 31: Einfluss des Laktationsstadiums (Laktatiostage: Lt.) auf die gemessenen Zitzenmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

<= 60 Lt.

61 - 90 Lt.

91 - 120 Lt.

> 120 Lt.

ZILRE

cm

3,37 ± 0,06ab

3,41 ± 0,06ab

3,47 ± 0,05a

3,34 ± 0,05b

ZILLI

cm

3,44 ± 0,06a

3,43 ± 0,06a

3,49 ± 0,05a

3,42 ± 0,05a

ZIDBRE

cm

2,07 ± 0,04a

2,04 ± 0,04a

2,03 ± 0,04a

2,05 ± 0,04a

ZIDBLI

cm

2,05 ± 0,04ab

2,09 ± 0,04a

2,00 ± 0,03b

2,01 ± 0,03ab

ZIDMRE

cm

1,50 ± 0,05a

1,50 ± 0,05a

1,43 ± 0,04a

1,41 ± 0,04a

ZIDMLI

cm

1,56 ± 0,05a

1,51 ± 0,05ab

1,41 ± 0,05b

1,51 ± 0,04a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Tabelle 32: Einfluss des Laktationsstadiums (Laktatiostage: Lt.) auf die beurteilten Merkmale (mean ± s)

Merkmale

<= 60 Lt.

61 - 90 Lt.

91 - 120 Lt.

> 120 Lt.

VEUAUF

5,2 ± 0,15a

4,8 ± 0,15b

4,8 ± 0,14b

4,9 ± 0,14ab

HIEU

6,3 ± 0,13a

6,0 ± 0,13a

5,6 ± 0,12b

5,7 ± 0,12c

EB

5,8 ± 0,13ab

5,9 ± 0,13b

5,8 ± 0,12a

6,3 ± 0,12bc

ES

6,5 ± 0,10

6,3 ± 0,10a

6,3 ± 0,10a

6,3 ± 0,10a

BOD

6,5 ± 0,12ab

6,5 ± 0,11ab

6,5 ± 0,09a

6,3 ± 0,09b

EW

7,7 ± 0,07

7,6 ± 0,08a

7,6 ± 0,07a

7,7 ± 0,07a

ZIPL

5,0 ± 0,14a

4,6 ± 0,13bc

4,6 ± 0,10b

4,4 ± 0,10c

ZIFO

5,4 ± 0,20

5,1 ± 0,18a

5,2 ± 0,15a

5,1 ± 0,14a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Etwas anders verhält es sich bei den Merkmalsbeurteilungen ( Tabelle 32 , Abbildung 9 ). Insbesondere bei der Vorder- und Hintereuteraufhängung sowie der Zitzenplatzierung fallen die Noten vom Beginn des Untersuchungszeitraumes zum Ende hin in teilweise signifikanten Stufen ab. In der Bewertung des Euterbandes ergibt sich zum Ende des Untersuchungszeitraumes eine auch statistisch gesicherte Verbesserung der Bewertung. Ursache hierfür ist, wie auch für die Entwicklung in der Euteraufhängung und der


79

Zitzenplatzierung im Laufe der Laktation ein weniger stark angefülltes Euter.

Abbildung 9: Einfluss des Laktationsstadiums (Lakatatiostage: Lt.) auf Vorder- und Hintereuteraufhängung sowie Euterband und Zitzenplatzierung

- Mittelwert; I Standardabweichung

Der Einfluss des Laktationsstadiums auf die Milchleistung, das Durchschnittliche Minutengemelk und die Zellzahl ist in Tabelle 33 und Abbildung 10 dargestellt.

Tabelle 33: Einfluss des Laktationsstadiums (Lakatatiostage: Lt.) auf die Leistungs-merkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

<= 60 Lt.

61 - 90 Lt.

91 - 120 Lt.

> 120 Lt.

GMELK

kg

1,77 ± 0,04a

1,61 ± 0,04b

1,45 ± 0,04c

1,35 ± 0,04c

DMG

g/min

748 ± 13,0a

760 ± 11,9a

701 ± 11,1b

681 ± 11,0b

LZZ

4,88 ± 0,23a

4,67 ± 0,22a

4,67 ± 0,22a

4,82 ± 0,22a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Die Milchleistung fällt im Untersuchungszeitraum um insgesamt 0,42 kg. Besonders stark ist der Rückgang vom zweiten zum dritten und vom dritten zum vierten Laktationsmonat mit jeweils 0,16 kg bzw. 9 bis 10 v.H. der Tagesmilchmenge.


80

Abbildung 10: Einfluss des Laktationsstadiums (Lakatatiostage: Lt.) auf die Leistungsmerkmale

- Mittelwert; I Standardabweichung

Entsprechend der Milchleistung in Verbindung mit dem sinkenden Euterinnendruck lässt das Durchschnittliche Minutengemelk mit zunehmender Laktation nach. Bei einem zwischen dem dritten und dem fünften Laktationsmonat sinkenden DMG um insgesamt 80 g/min sind die Mittelwertdifferenzen zwischen den Laktationsmonaten statistisch hoch gesichert. Auffallend ist, dass der Rückgang erst mit dem vierten Laktationsmonat beginnt.

4.3.4 Einfluss der aufgezogene Lämmer

Mit einer zunehmender Anzahl aufgezogener Lämmer wird eine stärkere Belastung des Euters vermutet. Die Tagesmilchmenge könnte durch eine höhere Anzahl positiv beeinflusst sein. Zu beantworten war also die Frage, ob die Belastung an den Euter- und Zitzenformmerkmalen nachweisbar ist und ob mit einer höheren Anzahl aufgezogener Lämmer die Tagesmilchleistung steigt. Dabei kann durch stark variierende Säugezeiten Einfluss auf die Dauer der Euterbelastung bzw. Förderung der Milchleistung genommen werden. Insgesamt ist festzustellen, dass in der Gruppe der Drillinge betriebliche Einflüsse


81

stärker zur Geltung kommen. Für die Bewertung des Prüffaktors ist es sinnvoller, sich auf die Gruppen der Einlinge und Zwillinge zu konzentrieren, da hier eine bessere Verteilung der Tiere aus den Betrieben vorliegt

Die Ergebnisse der Varianzanalyse in Tabelle 53 zeigen hoch signifikante Einflüsse beim longitudinalen und transversalen Umfang sowie signifikante Einflüsse in der Eutertiefe, dem Zitzendurchmesser (Basis rechts) und der Vordereuteraufhängung. Auch für die Tagesmilchleistung wird ein statistisch gesicherter Einfluss ausgewiesen. Die geschätzten Merkmalsmittelwerte in Abhängigkeit von der Zahl der aufgezogenen Lämmer sind in den Tabellen 34 bis 37 aufgeführt.

Tabelle 34: Einfluss der Anzahl aufgezogener Lämmer auf die gemessenen Eutermerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

1 Lamm

2 Lämmer

3 Lämmer

EUL

cm

9,1 ± 0,12a

9,4 ± 0,09a

9,6 ± 0,24a

EUB

cm

15,4 ± 0,19a

15,9 ± 0,15ab

16,4 ± 0,38b

EUT

cm

19,0 ± 0,21a

19,5 ± 0,16a

20,4 ± 0,43b

EUV

cm³

2519 ± 110a

2753 ± 86a

2994 ± 223a

LUM

cm

31,5 ± 0,33a

33,1 ± 0,26b

34,4 ± 0,67b

TRUM

cm

45,0 ± 0,35a

46,6 ± 0,27b

48,5 ± 0,71c

BOABST

cm

30,3 ± 0,23a

29,8 ± 0,18a

29,1 ± 0,44a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Mit steigender Anzahl Lämmer vergrößern sich der longitudinale und transversale Umfang ( Tabelle 34 ). Signifikante Mittelwertdifferenzen treten dabei in den Euterumfängen bei Muttern mit Einlingen und solchen mit Zwillingen auf. In der Euterlänge, Euterbreite und Eutertiefe sind nur tendenzielle Unterschiede zu erkennen. Insgesamt ist mit steigender Zahl Lämmer tendenziell das Eutervolumen größer und der Bodenabstand kleiner.

Die Merkmale der Zitzenlänge und des Zitzendurchmessers zeigen nur geringfügige Unterschiede zwischen Muttern mit Einlingen und solchen mit Zwillingen ( Tabelle 35 ).

Auch bei den beurteilten Merkmalen sind kaum Unterschiede zwischen den Muttern mit Einlingen und Muttern mit Zwillingen festzustellen ( Tabelle 36 ). Nur die Gruppe der Muttern mit Drillingen hebt sich von den beiden anderen Gruppen vor allem in der Bewertung der Euteraufhängung ab. Ursache kann ein stärkerer Einfluss des Betriebes B sein. Er ist in dieser Lämmergruppe überrepräsentiert und weist im betrieblichen Vergleich


82

die durchschnittlich höchste Bewertung in der Vordereuter- und Hintereuterauf-hängung auf.

Tabelle 35: Einfluss der Anzahl aufgezogener Lämmer auf die gemessenen Zitzenmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

1 Lamm

2 Lämmer

3 Lämmer

ZILRE

cm

3,35 ± 0,07a

3,37 ± 0,05a

3,47 ± 0,13a

ZILLI

cm

3,36 ± 0,06a

3,47 ± 0,05a

3,50 ± 0,13a

ZIDBRE

cm

1,96 ± 0,05a

1,96 ± 0,04a

2,22 ± 0,09b

ZIDBLI

cm

2,01 ± 0,04a

2,00 ± 0,03a

2,10 ± 0,08a

ZIDMRE

cm

1,45 ± 0,05a

1,46 ± 0,04a

1,48 ± 0,10a

ZIDMLI

cm

1,40 ± 0,06a

1,54 ± 0,04a

1,55 ± 0,11a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Tabelle 36: Einfluss der Anzahl aufgezogener Lämmer auf die beurteilten Merkmale (mean ± s)

Merkmale

1 Lamm

2 Lämmer

3 Lämmer

VEUAUF

4,6 ± 0,17a

4,6 ± 0,13a

5,6 ± 0,34b

HIEUH

5,6 ± 0,15a

5,8 ± 0,11a

6,2 ± 0,30a

EB

5,7 ± 0,14a

6,0 ± 0,11a

6,2 ± 0,29a

ES

6,1 ± 0,12a

6,4 ± 0,09a

6,6 ± 0,24a

BOD

6,4 ± 0,11a

6,5 ± 0,09a

6,4 ± 0,22a

EW

7,5 ± 0,08a

7,7 ± 0,07a

7,7 ± 0,17a

ZIPL

4,6 ± 0,13a

4,7 ± 0,10a

4,7 ± 0,25a

ZIFO

5,1 ± 0,19a

5,1 ± 0,15a

5,4 ± 0,35a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Tabelle 37: Einfluss der Anzahl aufgezogener Lämmer auf die Leistungsmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

1 Lamm

2 Lämmer

3 Lämmer

GMELK

kg

1,51 ± 0,05a

1,69 ± 0,03b

1,44 ± 0,09a

LZZ

4,64 ± 0,34a

4,86 ± 0,24a

4,78 ± 0,79a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Im Vergleich der Muttern mit Einlingen und Zwillingen zeigen sich statistisch gesicherte Unterschiede (p < 0,05) in der Tagesmilchleistung von 0,18 kg, die als positiver Effekt der höheren Zahl aufgezogener Lämmer interpretiert werden können. Keinen statistisch zu sichernden Einfluss zeigt die Anzahl aufgezogener Lämmer auf die Zellzahl ( Tabelle 37 ).


83

4.3.5 Einfluss der Milchleistung

Die Milchleistung hat auf alle Eutermaße, bis auf Eutertiefe und Euteraufhängung sowie auf die Melkbarkeit einen hoch signifikanten Einfluss ( Tabelle 53 ). Auch Zitzendurchmesser (Basis rechts), Eutersymetrie und Zitzenplatzierung verändern sich mit steigender Milchleistung. Die Entwicklung der Merkmale ist in den Tabellen 38 bis 41 dargestellt.

Tabelle 38: Einfluss der Tagesmilchmenge auf die gemessenen Eutermerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Tagesmilchmenge

<= 1,0 kg

1,1 - 1,5 kg

1,6 - 2,0 kg

> 2,0 kg

EUL

cm

8,5 ± 0,15a

9,1 ± 0,09b

9,5 ± 0,09c

10,3 ± 0,14d

EUB

cm

14,9 ± 0,25a

15,5 ± 0,14b

16,0 ± 0,15c

17,2 ± 0,22d

EUT

cm

19,5 ± 0,28ab

19,5 ± 0,16a

19,5 ± 0,16a

20,1 ± 0,25b

EUV

cm³

2425 ± 144a

2599 ± 85a

2654 ± 86a

3342 ± 132b

LUM

cm

31,1 ± 0,43a

32,5 ± 0,25b

33,4 ± 0,26c

35,2 ± 0,39d

TRUM

cm

44,9 ± 0,46a

46,0 ± 0,28b

46,8 ± 0,27c

49,1 ± 0,42d

BOABST

cm

30,5 ± 0,31a

30,1 ± 0,17ab

29,6 ± 0,19b

28,7 ± 0,28c

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Mit zunehmender Milchleistung nimmt die Eutergröße zu ( Tabelle 38 ). Dabei erhöhen sich die Euterlänge, die Euterbreite, der longitudinale Umfang und der transversale Umfang. Die Eutertiefe bleibt bis zu einer Leistung von 2,0 kg weitgehend konstant und vergrößert sich erst bei Tieren mit höherer Leistung. Daraus ist zuschließen, dass mit steigender Milchleistung die Vergrößerung der Euterumfänge und auch die des Eutervolumens überwiegend auf die Vergrößerung der Euterbreite und der Euterlänge zurückzuführen sind. Bestätigung findet diese Aussage im Bodenabstand. Bei Tieren mit bis zu 2,0 kg Tagesmilchleistung verkleinert sich der Bodenabstand langsam in zwei Stufen, während erst bei Tieren mit mehr als 2,0 kg Milch der Bodenabstand stärker abnimmt.

Die Zitzenlänge und der Zitzendurchmesser werden nur tendenziell durch eine steigende Milchleistung beeinflusst ( Tabelle 39 ). Insgesamt haben Tiere mit höherer Milchleistung leicht vergrößerte Zitzen.


84

Tabelle 39: Einfluss der Tagesmilchmenge auf die gemessenen Zitzenmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Tagesmilchmenge

<= 1,0 kg

1,1 - 1,5 kg

1,6 - 2,0 kg

> 2,0 kg

ZILRE

cm

3,27 ± 0,08a

3,38 ± 0,05ab

3,39 ± 0,05a

3,55 ± 0,08b

ZILLI

cm

3,36 ± 0,08a

3,43 ± 0,05a

3,44 ± 0,05a

3,55 ± 0,08a

ZIDBRE

cm

1,93 ± 0,06a

2,08 ± 0,04b

2,04 ± 0,04ab

2,14 ± 0,06b

ZIDBLI

cm

2,03 ± 0,05ab

2,02 ± 0,03ab

2,00 ± 0,03a

2,09 ± 0,05b

ZIDMRE

cm

1,38 ± 0,07a

1,41 ± 0,04a

1,50 ± 0,04a

1,54 ± 0,06a

ZIDMLI

cm

1,43 ± 0,07a

1,46 ± 0,04a

1,53 ± 0,04a

1,57 ± 0,06a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Die Entwicklung der beurteilten Merkmale zeigt, dass mit steigender Milchleistung keine schlechtere Bewertung insbesondere der Euteraufhängung einhergehen muss ( Tabelle 40 ). Die Entwicklung der Merkmale Vorder- und Hintereuteraufhängung sowie Euterband stehen in Verbindung mit der Entwicklung der Merkmale Euterlänge und Euterbreite.

Tabelle 40: Einfluss der Tagesmilchmenge auf die beurteilten Merkmale (mean ± s)

Merkmale

Tagesmilchmenge

<= 1,0 kg

1,1 - 1,5 kg

1,6 - 2,0 kg

> 2,0 kg

VEUAUF

4,2 ± 0,22a

4,7 ± 0,13b

5,2 ± 0,13c

5,6 ± 0,20d

HIEU

5,4 ± 0,19a

5,6 ± 0,11a

6,1 ± 0,11b

6,2 ± 0,17b

EB

5,6 ± 0,19a

5,8 ± 0,11a

6,0 ± 0,11b

6,6 ± 0,17c

ES

6,2 ± 0,15a

6,3 ± 0,09a

6,3 ± 0,09a

6,6 ± 0,14b

BOD

6,5 ± 0,15a

6,3 ± 0,09a

6,5 ± 0,09a

6,5 ± 0,13a

EW

7,7 ± 0,11a

7,7 ± 0,06a

7,6 ± 0,07a

7,7 ± 0,10a

ZIPL

4,4 ± 0,17a

4,5 ± 0,10a

4,6 ± 0,11a

5,1 ± 0,16b

ZIFO

5,4 ± 0,24a

5,3 ± 0,14a

5,3 ± 0,16a

4,9 ± 0,23a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Es ist eine deutliche und mit signifikanten Mittelwertdifferenzen versehene Verbesserung der Bewertung der Euteraufhängung feststellbar. Die leichten Verbesserungen bei Euterband und Zitzenplatzierung tragen dagegen nur tendenziellen Charakter. Alle anderen Merkmale weisen keinen Einfluss der Milchleistung auf.

Die Melkbarkeit (DMG) ist im hohem Maße von der Milchleistung abhängig ( Tabelle 41 , Abbildung 11 ). Die Mittelwertdifferenzen zwischen den Milchleistungsstufen sind signifikant. Auch wenn für die unterste und oberste Milchleistungsgruppe leichte


85

betriebliche Einflüsse nicht ganz ausgeschlossen werden können, so zeigen doch die beiden mittleren Leistungsgruppen mit einer Differenz von 100 g/min deutliche Unterschiede. Allerdings ist der Umkehrschluss, dass Tiere mit der höchsten Melkbarkeit auch die höchste Milchleistung aufweisen, nicht möglich. Entsprechend der Beschreibungen im einführenden Teil unter Abschnitt 2.1.2 müssen weitere Einflussfaktoren auf die Melkbarkeit berücksichtigt werden.

Tabelle 41: Einfluss der Tagesmilchmenge auf die Leistungsmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Tagesmilchmenge

<= 1,0 kg

1,1 - 1,5 kg

1,6 - 2,0 kg

> 2,0 kg

DMG

g/min

545 ± 22,4a

672 ± 10,5b

773 ± 10,9c

899 ± 19,3d

LZZ

5,01 ± 0,27a

4,82 ± 0,21a

4,73 ± 0,21a

4,47 ± 0,27a

p < 0,05; Bei gleichen Buchstaben besteht keine Signifikanz.

Abbildung 11: Einfluss der Tagesmilchmenge (kg) auf das Durchschnittliche Minutengemelk (DMG) und die Zellzahl

- Mittelwert; I Standardabweichung

Die Entwicklung der Zellzahl beruht zwar auf statistisch nicht zu sichernden Mittelwertdifferenzen, trotzdem scheint auch für die Untersuchung ein mit zunehmender Leistung eintretender Verdünnungseffekt zuzutreffen.

4.4 Einfluss des Hängeeuters als komplexes Merkmales

Das Hängeeuter wird als komplexes Merkmal immer im Zusammenhang mit der Eignung der Schafe zum maschinellem Melken angesprochen. Entsprechend der Beschreibung zur gewünschten Euterform im Abschnitt 2.1.4 sind Hängeeuter für maschinelles Melken weniger gut geeignet, besonders wegen der Probleme beim Ansetzen und Festhalten der Melkzeuge. Häufig sind bei Hängeeutern die Zitzen weit oben angesetzte, rechtwinklig


86

und seitlich abstehend.

Von den 193 Untersuchungstieren zeigten 43 (22 v.H.) ein Hängeeuter und 150 (78 v.H.) ein Normaleuter. Die Tabellen 42 bis 45 zeigen die Merkmalsmittelwerte. Die Unterschiede bei der Eutertiefe und daraus folgend in den Euterumfängen und im Bodenabstand sind statistisch gesichert. Eine Ursache für die relativ kleine Mittelwertdifferenz in der Eutertiefe von 2,2 cm ist, dass Tiere mit kleinen Hängeeutern ebenso einbezogen wurden wie solche mit großen. Aufgrund der Schwäche im Haltesystem verlieren absinkende Euter an Breite und Länge. Signifikant ist dieser Unterschied bei der Euterbreite. Im Eutervolumen wird die Veränderung durch den Ausgleich zwischen Länge, Breite und Tiefe nur noch tendenziell sichtbar.

Tabelle 42: Einfluss des Hängeeuters auf die gemessenen Eutermerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Signifikanz

Tiere ohne (0) und mit (1) Hängeeuter

0 (n = 150)

1 (n = 43)

EUL

cm

ns

9,2 ± 0,08

9,1 ± 0,22

EUB

cm

*

15,7 ± 0,13

14,9 ± 0,35

EUT

cm

***

18,8 ± 0,20

21,0 ± 0,54

EUV

cm

ns

2578 ± 59,7

2628 ± 162,5

LUM

cm

***

31,8 ± 0,33

35,1 ± 0,89

TRUM

cm

**

45,0 ± 0,42

48,7 ± 1,13

BOABST

cm

***

30,9 ± 0,27

28,3 ± 0,72

***: p < 0,001; **: p < 0,01; *: p < 0,05; ns: p > 0,05

Tabelle 43: Einfluss des Hängeeuters auf die gemessenen Zitzenmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Signifikanz

Tiere ohne (0) und mit (1) Hängeeuter

0 (n = 150)

1 (n = 43)

ZILRE

cm

ns

3,25 ± 0,05

3,36 ± 0,13

ZILLI

cm

ns

3,30 ± 0,05

3,38 ± 0,12

ZIDBRE

cm

ns

1,90 ± 0,02

1,91 ± 0,06

ZIDBLI

cm

ns

1,89 ± 0,02

1,88 ± 0,06

ZIDMRE

cm

ns

1,47 ± 0,02

1,49 ± 0,06

ZIDMLI

cm

ns

1,49 ± 0,02

1,48 ± 0,05

ZISTV

°

**

55,6 ± 0,97

64,3 ± 2,63

ZISTS

°

**

58,0 ± 0,83

65,0 ± 2,25

***: p < 0,001; **: p < 0,01; *: p < 0,05; ns: p > 0,05


87

Tiere mit Hängeeuter wiesen tendenziell längere Zitzen auf ( Tabelle 43 ). Hingegen stimmen der Zitzendurchmesser an der Basis und in der Mitte in beiden Gruppen weitestgehend überein.

Tabelle 44: Einfluss des Hängeeuters auf die beurteilten Merkmale (mean ± s)

Merkmale

Signifikanz

Tiere ohne (0) und mit (1) Hängeeuter

0 (n = 150)

1 (n = 43)

VEUAUF

**

4,9 ± 0,12

3,8 ± 0,32

HIEU

***

6,0 ± 0,09

5,0 ± 0,24

EB

***

6,3 ± 0,10

4,7 ± 0,28

ES

ns

6,3 ± 0,09

5,9 ± 0,25

BOD

***

6,7 ± 0,08

5,6 ± 0,23

EW

ns

7,6 ± 0,08

7,7 ± 0,21

ZIPL

***

4,7 ± 0,11

3,5 ± 0,28

ZIFO

ns

5,2 ± 0,11

5,1 ± 0,29

***: p < 0,001; **: p < 0,01; *: p < 0,05; ns: p > 0,05

Auch wenn die Erfassung eine unbefriedigende Wiederholbarkeit aufwies, konnten sehr deutliche und statistisch gesicherte Unterschiede in den Zitzenwinkeln zwischen den Gruppen nachgewiesen werden. Die Werte bestätigen die Aussage, dass bei Hängeeutern häufiger rechtwinklig angesetzte Zitzen anzutreffen sind als bei Normaleutern. Dieses wird auch bei der Zitzenplatzierung mit einem hochsignifikantem Mittelwertunterschied zwischen beiden Gruppen ( Tabelle 44 ) deutlich. Auch in der Euteraufhängung und im Bodenabstand sind die Unterschiede zwischen den Eutertypen statistisch gesichert. Die durchschnittlichen Bewertungen von Vordereuteraufhängung und Euterband charakterisieren die Formunterschiede zwischen Hängeeutern und Normaleutern. Die schmale und lose Aufhängung in Verbindung mit einem schwach ausgeprägten und kaum sichtbaren Euterband lässt selbst kleine Euter verhältnismäßig schnell durchsacken. Dagegen sind für die Eutersymetrie, die Euterbewollung und die Zitzenform keine statistisch gesicherten Unterschiede erkennbar.

Einflüsse auf die Leistungsmerkmale können statistisch nicht nachgewiesen werden. Die vermutete Wirkung des Hängeeuters auf die Melkbarkeit tritt deshalb nicht in Erscheinung, weil bei Tiere mit solchen Eutern von vornherein in den Melkprozess eingegriffen wurde.


88

Tabelle 45: Einfluss des Hängeeuters auf die Leistungsmerkmale (mean ± s)

Merkmale

ME

Signifikanz

Tiere ohne (0) und mit (1) Hängeeuter

0 (n = 150)

1 (n = 43)

GMELK

kg

ns

1,53 ± 0,03

1,56 ± 0,09

DMG

g/min

ns

721 ± 14,3

725 ± 0,04

LZZ

ns

4,84 ± 0,09

4,72 ± 0,25

***: p < 0,001; **: p < 0,01; *: p < 0,05; ns: p > 0,05

4.5 Phänotypische Merkmalsbeziehungen

4.5.1 Beziehungen zwischen den Euter- und Zitzenformmerkmalen

Die phänotypischen Beziehungen zwischen den Merkmalen sind in den Tabellen 55 bis 57 im Anhang aufgeführt. Eine Übersicht gibt Abbildung 12 .

Abbildung 12: Phänotypische Beziehungen zwischen den Merkmalen

rp > 0,50 durchgezogene Linien, rp > 0,30 bis < 0,50 gestrichelte Linien, rp bei ZIL, ZIDB und ZIDM - Korrelationskoeffizient zwischen linker und rechter Seite

Die Abbildungen 13 bis 16 veranschaulichen wesentliche Beziehungen zwischen den Einzelmerkmalen und Merkmalsgruppen.

Die Eutermerkmale weisen untereinander teilweise sehr enge Beziehungen auf ( Abbildung 13 ). Insbesondere die mit hinreichender Sicherheit ermittelbaren Merkmale Euterbreite, Eutertiefe und transversaler Umfang zeigen zu den übrigen Eutermerkmalen hoch


89

signifikante Korrelationskoeffizienten. Dabei hat die Euterbreite zur Euterlänge mit rp = 0,63 und die Eutertiefe zum longitudinalem Umfang mit rp = 0,82 die jeweils engste Beziehung. Euterbreite und Eutertiefe sind auch die Merkmale, welche mit dem Eutervolumen (rp = 0,52 und 0,57) am stärksten korrelieren. Zum transversalen Umfang zeigen Euterbreite (rp = 0,41), Eutertiefe (rp = 0,51) und Bodenabstand (rp = -0,43) einen mittleren Zusammenhang.

Abbildung 13: Phänotypische Beziehungen zwischen den gemessenen Eutermerkmalen rp > 0,50 durchgezogene Linien, rp > 0,30 bis < 0,50 gestrichelte Linien

Abbildung 14: Phänotypische Beziehungen zwischen den gemessenen Zitzenmerkmalen rp > 0,50 durchgezogene Linien, rp > 0,30 bis < 0,50 gestrichelte Linien

Die Maße der Zitzenlänge stehen untereinander mit rp = 0,86 statistisch hoch gesichert in sehr engem Zusammenhang. Zu den Maßen des Zitzendurchmessers zeigen sie mittlere, signifikante Beziehungen. Sie weisen darauf hin, dass mit der Zitzenlänge auch der Zitzendurchmesser wächst. Mit rp = 0,59 (ZILRE) und rp = 0,61 (ZILLI) sind dabei die Koeffizienten zum Zitzendurchmesser Basis links am höchsten. Dagegen liegen die Korrelationskoeffizienten zwischen den Zitzenlängen und dem Zitzenbasisdurch-messer rechts unter rp = 0,40. Die Zitzenlänge zeigt zu den Zitzendurchmessern der Mitte mit rp = 0,48 bis 0,60 signifikante Beziehungen. Die Zitzendurchmesser der beiden Euterhälften weisen im Gegensatz zur Zitzenlänge zueinander eine weniger enge Beziehung (rp = 0,46 für die Zitzenbasis und rp = 0,22 für die Zitzenmitte) auf. Dafür sind die Beziehungen zwischen Zitzenbasis und Zitzenmitte auf der rechten Seite mit rp = 0,80 und auf der linken


90

Seite mit rp = 0,66 stärker und hoch signifikant ( Abbildung 14 ).

Abbildung 15: Phänotypische Beziehungen zwischen den beurteilten Merkmalen rp > 0,50 durchgezogene Linien, rp > 0,30 bis < 0,50 gestrichelte Linien

Die Merkmale Euteraufhängung, Euterband, Bodenabstand und Zitzenplatzierung zeigen enge Verbindungen untereinander und zu anderen Eutermerkmalen ( Abbildung 15 ). Tiere mit einer guten Bewertung der Hintereuteraufhängung haben im Durchschnitt einen besseren Bodenabstand (rp = 0,70) und eine gute Zitzenplatzierung (rp = 0,63). Mit rp = 0,59 bzw. rp = 0,54 hat die Hintereuteraufhängung auch zur Vordereuteraufhängung sowie zum Euterband eine engere statistisch gesicherte Beziehung. Ein ähnlich enger Zusammenhang besteht zwischen dem Bodenabstand und der Vordereuteraufhängung (rp = 0,57) sowie dem Euterband (rp = 0,50). Schwächer ausgeprägt sind dagegen die Beziehungen zwischen Vordereuteraufhängung und Euterband (rp = 0,41) sowie Zitzenplatzierung (rp = 0,43) aber auch zwischen Euterband und Zitzenplatzierung (rp = 0,44). Mit Korrelationskoeffizienten zwischen rp = 0,22 (ZIPL) bis 0,50 (VEUAUF) scheint die Eutersymetrie eine weniger deutliche Beziehung zu den bisher genannten Merkmalen zu haben. Die Zitzenform weist mit rp = bis 0,27 nur eine geringe Bindung zu den übrigen beurteilten Merkmalen auf.

Nennenswerte Merkmalsbeziehungen zwischen Euter- und Zitzenmaßen treten kaum in Erscheinung. Ein schwacher aber doch statistisch gesicherter Zusammenhang ergibt sich zwischen Euterbreite und Zitzenlänge rechts (rp = 0,37) sowie links (rp = 0,22). Das Eutervolumen ist mit dem Zitzenbasisdurchmesser (rp = 0,22 rechts und 0,22 links) schwach aber doch signifikant korreliert. Außerdem besteht zwischen dem Zitzenbasisdurchmesser und dem longitudinalem Umfang eine mittlere Beziehung.


91

Unter den gemessenen Eutermerkmalen zeigen Euterlänge, Euterbreite, Eutertiefe und longitudinaler Umfang besonders zu den Merkmalen Vordereuteraufhängung, Hintereuteraufhängung, Bodenabstand und Zitzenplatzierung hoch signifikante Beziehungen mit Koeffizienten von rp > 0,50. Euterlänge und Euterbreite weisen mit rp = 0,53 und 0,57 positive Zusammenhänge zur Hintereuteraufhängung sowie von rp = 0,50 und 0,66 zur Zitzenplatzierung auf. Bei diesen Merkmalsbeziehungen verbessert sich mit zunehmender Euterlänge und Euterbreite die Hintereuteraufhängung und in diesem Zusammenhang auch die Zitzenplatzierung ( Abbildung 16 ).

Abbildung 16: Phänotypische Beziehungen zwischen den gemessenen Eutermerkmalen und den beurteilten Merkmalen rp > 0,50 durchgezogene Linien, rp > 0,30 bis < 0,50 gestrichelte Linien

Eutertiefe und longitudinaler Umfang haben aufgrund ihres engen Zusammenhangs (rp = 0,82) ähnlich enge Beziehungen zu den beurteilten Merkmalen. Mit zunehmender Tiefe des Euters geht eine Verschlechterung der Euteraufhängung und der Zitzenplatzierung einher. Zur Hintereuteraufhängung weisen Eutertiefe (rp = -0,72) und longitudinaler Umfang (rp = -0,73) die engste Beziehung auf, während die Beziehungen zur Vordereuteraufhängung mit rp = -0,58 (EUT) und rp = -0,52 (LUM) im mittleren Bereich liegen. Zur Zitzenplatzierung zeigt der longitudinale Umfang (rp = -0,62) eine engere Beziehung als die Eutertiefe (rp = -0,53).

Der beurteilte Bodenabstand weist eine engere Korrelation zur Eutertiefe (rp = -0,64) auf. Dagegen konnte zwischen beurteiltem und gemessenem Bodenabstand keine Beziehung festgestellt werden. Ursache hierfür ist die Überlagerung der gemessenen Bodenabstände


92

durch die unterschiedlichen Größenverhältnisse und Stehweisen der Tiere. Das Euterband zeigt mit rp = 0,48 zur Euterbreite und rp = -0,43 zum longitudinalem Umfang noch einen mittleren Zusammenhang. Dagegen sind Eutersymmetrie und Zitzenform relativ unabhängig von den gemessenen Eutermerkmalen. Einen etwas stärkeren und signifikanten Einfluss auf die Zitzenform haben dafür Zitzenlänge und Zitzendurchmesser. Mit rp = 0,26 (ZILRE) und rp = 0,45 (ZILLI) steht die Zitzenlänge mit der Zitzenform in Beziehung und zeigt, dass größere Zitzen zu einer höheren Bewertung der Zitzenform führten. Dies trifft auch auf die Zitzendurchmesser an der Basis (rp = 0,32 ZIDBRE und rp = 0,22 ZIDBLI) sowie in der Mitte rechts (rp = 0,34) zu.

4.5.2 Phänotypische Beziehungen zwischen den Formmerkmalen und dem Tagesgemelk, der Melkbarkeit sowie der logarithmierten Zellzahl

Die Beziehungen zwischen Leistungs- und Euter- sowie Zitzenformmerkmalen sind ein Schlüssel für die zielgerichtete Leistungszucht. Festzustellen war, welche der erfassten Morphologiemerkmale eng mit den Leistungsmerkmalen in Verbindung stehen und damit wirtschaftlich relevant sind. So zeigt die Höhe des Tagesgemelkes zur Größe des Euters einen statistisch hoch gesicherten Zusammenhang ( Tabelle 46 ). Unter allen Eutermerkmalen hat das Eutervolumen mit einem Korrelationskoeffizienten von rp = 0,59 und einem Bestimmtheitsmaß von r² = 0,35 die engste Verbindung zur Milchleistung. Der Regressionskoeffizient von b1 = 0,0003 zwischen beiden Merkmalen sagt aus, dass bei einer Vergrößerung des Eutervolumens um beispielsweise 1.000 cm³ die durchschnittliche Milchleistung um 300 g zugenommen hat. Das Eutervolumen spiegelt als zusammenfassende Größe den Einfluss von Euterlänge, Euterbreite und Eutertiefe wieder.

Von diesen Merkmalen hat die Euterbreite mit rp = 0,43 bei einem Bestimmtheitsmaß von r² = 0,19 sowie einem Regressionskoeffizienten von b1 = 0,095. die engste Beziehung zum Tagesgemelk. Das heißt, wenn die Euterbreite sich um 1cm vergrößert, hat sich die Milchleistung um 95 g erhöht. Mit Korrelationskoeffizienten von je rp = 0,42 ist die Beziehung von Euterlänge und Eutertiefe zur Milchleistung mit jeweils 17,8 % Varianzanteilen gleich eng. Die linearen Regressionsfunktionen zur Berechnung der Abhängigkeiten von Tagesgemelk und Eutertiefe lauten:

yEUT = 14,99 + 2,753 * xGMELK und yGMELK = 0,28 + 0,065 * xEUT


93

Tabelle 46: Korrigierte phänotypische Merkmalsbeziehungen (Korrelationskoeffizient - r, Bestimmtheitsmaß - r² und Regressionskoeffizient - b1)

Merkmale

GMELK

DMG

LZZ

r

b1

r

b1

r

b1

EUL

0,422

0,178

0,141***

-0,009

0,000

ns

-0,456

0,208

-0,859***

EUB

0,433

0,187

0,095***

0,015

0,000

ns

-0,482

0,232

-0,555***

EUT

0,423

0,178

0,065***

-0,164

0,027

-0,010*

0,496

0,246

0,354***

EUV

0,594

0,352

0,0003***

-0,045

0,002

ns

0,101

0,010

ns

LUM

0,512

0,262

0,040***

-0,126

0,016

ns

0,640

0,410

0,244***

TRUM

0,546

0,298

0,048***

-0,119

0,014

ns

-0,159

0,025

ns

BOABST

-0,255

0,065

-0,031**

0,285

0,081

0,011*

0,064

0,004

ns

ZILRE

0,061

0,004

ns

-0,194

0,038

-0,054*

-0,205

0,042

-0,644*

ZILLI

0,153

0,023

ns

-0,168

0,028

-0,052*

-0,017

0,000

ns

ZIDBRE

0,204

0,042

0,194*

-0,095

0,009

ns

0,622

0,387

2,695***

ZIDBLI

0,297

0,088

0,423***

-0,231

0,053

-0,143**

-0,053

0,003

ns

ZIDMRE

0,173

0,030

0,227*

-0,254

0,064

-0,138**

0,452

0,204

2,756***

ZIDMLI

0,168

0,028

0,253*

-0,145

0,021

ns

-0,484

0,234

-3,446***

VEUAUF

-0,006

0,000

ns

0,108

0,012

ns

-0,427

0,182

-0,458***

HIEU

-0,023

0,001

ns

0,057

0,003

ns

-0,713

0,508

-0,711***

EB

0,202

0,041

0,066*

0,116

0,013

ns

-0,473

0,224

-0,745***

ES

0,059

0,003

ns

0,189

0,036

0,027*

-0,363

0,132

-0,575***

BOD

-0,089

0,008

ns

0,208

0,043

0,033*

-0,450

0,202

-0,797***

ZIPL

0,014

0,000

ns

0,062

0,004

ns

-0,585

0,342

-0,686***

ZIFO

0,137

0,019

ns

-0,029

0,001

ns

0,175

0,031

0,234*

GMELK

-0,028

0,001

ns

0,067

0,004

ns

DMG

0,403

0,162

0,891***

-0,021

0,000

ns

LZZ

0,011

0,000

ns

-0,021

0,000

ns

ns: p > 0,05; *: p < 0,05; **: p < 0,01; ***: p < 0,001

Die Merkmale des Euterumfanges weisen mittlere Korrelationskoeffizienten von rp = 0,51 (LUM) und rp = 0,55 (TRUM) zum Tagesgemelk auf. Diese Beziehung bedeutet, dass eine Umfangsvergrößerung von 1 cm einer höheren Milchleistung von 40 g bzw. 48 g entspricht. Der Bodenabstand ebenso wie die Maße des Zitzendurchmessers zeigen statistisch gesicherte aber niedrige Korrelationen zur Milchleistung.

Die Melkbarkeit (DMG) als weiteres Leistungsmerkmal unterliegt kaum den Einflüssen durch Euter- und Zitzenform. Unter allen Eutermerkmalen zeigen noch der gemessene und der beurteilte Bodenabstand mit Korrelationskoeffizienten von rp = 0,29 und rp = 0,21 den höchsten und in ähnlicher Weise wirksamen Zusammenhang. Straffere Euter mit einem


94

höheren Bodenabstand haben eine bessere Melkbarkeit. Der Korrelationskoeffizient zur Eutertiefe (rp = -0,16) ist zwar sehr niedrig, bestätigt aber diese Aussage. Die Maße der Zitzenlänge und des Zitzendurchmessers stehen mit Korrelationskoeffizienten von rp = -0,10 bis -0,25 in einer schwachen und negativen Beziehung zur Melkbarkeit.

Dagegen haben die Euterformmerkmale vielfältige und statistisch gesicherte Beziehungen zur Zellzahl. Die negativen Korrelationen zwischen Euterlänge (rp = -0,46) sowie Euterbreite (rp = -0,48) zur Zellzahl weisen auf die Bedeutung der Euterform für die Eutergesundheit hin. Zunehmende Eutertiefe (rp = 0,50) und in Folge auch der longitudinale Umfang (rp = 0,64) führen zu einer Erhöhung der Zellzahlen. Dabei hat besonders der longitudinale Umfang mit 41 v.H. einen hohen Erklärungsanteil an der Varianz der Zellzahl.

Unter den Zitzenmaßen zeigt der Zitzenbasisdurchmesser rechts (rp = 0,62) die engste Beziehung zur Zellzahl. Dagegen konnte mit Zitzenbasisdurchmesser links rp = -0,05 kein Zusammenhang festgestellt werden. Die etwa gleich hohen Korrelationskoeffizienten der Zitzendurchmesser in der Mitte, aber mit entgegengesetzten Vorzeichen weisen auf eine eher nicht vorhandene Merkmalsbeziehung hin.

Besonders eng ist mit rp = -0,71 und einem Bestimmtheitsmaß von r² = 0,51 der Zusammenhang von Zellzahl und Hintereuteraufhängung. Mit der Verbesserung der Bewertung dieses Merkmals um 1 Punkt, verringerte sich die logarithmierte Zellzahl um durchschnittlich 0,71 Einheiten. Auch Tiere mit einer höheren Bewertung von Vordereuteraufhängung (rp = -0,43), Euterband (rp = -0,47), Bodenabstand (rp = -0,45) und Zitzenplatzierung (rp = -0,59) wiesen niedrigere Zellzahlen auf als andere. Die Eutersymetrie hat dagegen mit r = -0,36 einen geringeren Einfluss auf die Eutergesundheit.

Die Berechnung der Korrelationskoeffizienten für die Leistungsmerkmale untereinander lässt erkennen, dass nur zwischen Milchleistung und Melkbarkeit, wie bereits schon unter Abschnitt 4.3.5 festgestellt, mit rp = 0,40 ein engerer Zusammenhang besteht.

4.6 Erblichkeit von Euter- und Leistungsmerkmalen

Für die Anwendung der Merkmale in der Züchtung ist die Kenntnis über ihre Erblichkeit unerlässlich. So kann differenziert werden, in welchem Ausmaß die Streuung eines Merkmals auf Unterschiede im Genotyp und auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind. In


95

die Schätzung der Erblichkeit konnten 67 Mutter-Töchter-Paare einbezogen werden. Die Standardabweichung der Heritabilität beträgt bei diesem Gesamtmaterial s = 0,24 und ist damit im Verhältnis zu den geschätzten Erblichkeitsparametern (Tabellen 47 bis 49) sehr hoch. Auch die realisierten Konfidenzintervalle zu den Regressionskoeffizienten deuten darauf hin, dass die Datenbasis für eine Heritabilitätsschätzung insgesamt zu klein ist.

Auch wenn durch den geringen Umfang des Gesamtmaterials von einer Über- oder Unterschätzung der Erblichkeit in den Merkmalen ausgegangen werden muss, so zeigen die Heritabilitätskoeffizienten zumindest näherungsweise die Verhältnisse zwischen vergleichbaren Merkmalen.

Die Euterlänge weist unter den gegebenen Bedingungen eine mittlere Erblichkeit auf ( Tabelle 47 ). Euterbreite und Bodenabstand zeigen eine eher geringe Übereinstimmung zwischen Müttern und Töchtern. Bei Eutertiefe, Eutervolumen, longitudinalem und transversalem Umfang liegt die geschätzte Heritabilität um Null. Die Zitzenmerkmale weisen mit Heritabilitätskoeffizienten von h² = 0,39 bis 0,73 insgesamt ein höheres Erblichkeitsniveau auf.

Mit Ausnahme der Euterbewollung (h² = 0,87) konnten für alle anderen beurteilten Merkmale nur geringe h²-Werte geschätzt werden. Dabei liegen die Zitzenform mit h² = 0,17 sowie die Zitzenplatzierung mit h² = 0,13 gerade noch in einem Bereich, der züchterisch nutzbar ist ( Tabelle 48 ).

Der Heritabilitätskoeffizient für die Tagesmilchleistung liegt im unteren Erwartungsbereich, jener für die Melkbarkeit (DMG) in einem züchterisch interessanten Bereich (h² = 0,48), während die logarithmierte Zellzahl nicht die erwartete genetische Disposition aufweist ( Tabelle 49 ).


96

Tabelle 47: Heritabilitätskoeffizienten für die gemessenen Euter- und Zitzenmerkmale

Merkmale

bMT [0,95-Konfidenzintervall]

EUL

0,22

0,12 [-0,17; 0,41]

EUB

0,11

0,05 [-0,18; 0,28]

EUT

0,00

-0,08 [-0,28; 0,12]

EUV

0,01

0,005 [-0,15; 0,16]

LUM

0,00

-0,10 [-0,32, 0,12]

TRUM

0,00

-0,02 [-0,27; 0,24]

BOABST

0,14

0,07 [-0,15; 0,29]

ZILRE

0,53

0,26 [0,02; 0,51]

ZILLI

0,39

0,19 [-0,03, 0,43]

ZIDBRE

0,44

0,22 [-0,05; 0,49]

ZIDBLI

0,56

0,28 [0,03; 0,52]

ZIDMRE

0,73

0,37 [0,03; 0,70]

ZIDMLI

0,58

0,29 [0,07; 0,52]

Tabelle 48: Heritabilitätskoeffizienten für die beurteilten Merkmale

Merkmale

bMT [0,95-Konfidenzintervall]

VEUAUF

0,00

-0,004 [-0,22; 0,21]

HIEU

0,08

0,04 [-0,12; 0,21]

EB

0,04

0,02 [-0,15; 0,19]

ES

0,00

-0,08 [-0,27; 0,09]

BOD

0,00

-0,05 [-0,21; 0,12]

EW

0,87

0,43 [0,20; 0,67]

ZIPL

0,13

0,06 [-0,18; 0,31]

ZIFO

0,17

0,08 [-0,17; 0,34]

Tabelle 49: Heritabilitätskoeffizienten für die Leistungsmerkmale

Merkmale

bMT [0,95-Konfidenzintervall]

GMELK

0,24

0,12 [-0,13; 0,38]

DMG

0,48

0,24 [0,01; 0,46]

LZZ

0,00

-0,04 [-0,23; 0,13]


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Thu Apr 19 16:20:32 2001