Kretschmer, Gudrun: Untersuchungen zur Euterform und Melkbarkeit bei Ostfriesischen Milchschafen als Grundlage für züchterische Maßnahmen zur Leistungs-und Euterverbesserung

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Kapitel 5. Diskussion

5.1 Untersuchungsergebnisse zur Euterform und Eutergesundheit im Verhältnis zu den formulierten Anforderungen

Die verstärkte wirtschaftliche Nutzung der Ostfriesischen Milchschafe führt zu einer steigenden Milchgewinnung mittels Melkmaschinen. Aus ökonomischer, arbeitswirtschaftlicher und tiergesundheitlicher Sicht ergeben sich züchterische Anforderungen, ein für das maschinelle Melken geeignetes Euter zu schaffen. Unter Beibehaltung einer gewissen Variationsbreite sollen für die maschinelle Milchgewinnung geeignete, bestimmte Mindestanforderungen erfüllende Tiere herausgefunden und züchterisch verwendet werden. Zu berücksichtigen ist dabei die Beibehaltung ihrer Fähigkeit zur selbständigen Aufzucht der Lämmer.

Euterform

Erwünscht sind nach Schwark ( 120. ) und Wendt ( 142. ) breit angelegte, drüsenreiche und regelmäßig geformte Euter mit einer ausreichenden Kapazität für eine hohe Milchleistung. Als Maß für die Kapazität kann das Eutervolumen dienen. Es fasst die Längen-, Breiten- und Tiefenausdehnung des Euters zusammen. Labussiere ( 66. ) hat für verschiedene Milchschafrassen des Mittelmeerraumes Eutervolumen von 831 ml bis 1.468 ml gefunden. Zwar nur indirekt vergleichbar, weisen die eigenen Untersuchungen mit einem durchschnittlichem Volumen von 2.333 cm³ auf das wesentlich größere Euter der OFM hin. Einen Anhaltspunkt dafür bietet auch die Eutertiefe. Während die von Labussiere ( 66. ), Malher ( 76. ) und Fernandez ( 33. ) festgestellten Eutertiefen für Milchschafrassen des Mittelmeerraumes sich zwischen 7,01 cm und 10,74 cm bewegen, zeigen die eigenen Ergebnisse eine durchschnittliche Tiefe von 18,8 cm. Auch bei Berücksichtigung betriebsspezifischer Besonderheiten liegen die Werte des Betriebes mit den durchschnittlich kleinsten Eutern noch deutlich über den Werten der Mittelmeerrassen. Die insgesamt große Variation in der Eutergröße der Untersuchungstiere wird im betrieblichen Vergleich deutlich. So variieren die Betriebsmittelwerte im Eutervolumen von 1.908 cm³ bis 3.805 cm³, wobei die zugrunde liegenden Einzelmaße Euterlänge, Euterbreite und Eutertiefe große, statistisch hoch gesicherte Differenzen aufweisen. Eine ähnlich hohe Varianz trifft auf die ebenfalls durch die Einzelmaße beeinflussten Euterumfänge zu.


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Die Unterschiede in der Eutergröße spiegeln sich in der Tagesmilchleistung wieder. Bei einem durchschnittlichen Gemelk von 1,51 kg über alle Untersuchungstiere, haben die Muttern des Betriebes A mit dem höchsten Eutervolumen auch die mit 1,78 kg höchste Tagesmilchleistung, während die Tiere des Betriebes B mit dem kleinsten Eutervolumen mit 1,31 kg die niedrigste Milchleistung aufweisen.

Aus arbeitswirtschaftlicher Sicht unerwünscht sind Hängeeuter. Tiere mit Hängeeuter binden während des Melkens mehr Arbeitszeit als alle anderen Euterformen, da nicht nur das Nachgemelk sondern infolge der Aussackungen des Euters auch das Maschinenhauptgemelk nur durch aktives Eingreifen des Melkers gewonnen werden kann. Besonders in größeren Herden mit maschineller Milchgewinnung wirkt sich dieser Umstand nachteilig auf die für das Melken aufzuwendende Arbeitszeit aus. Jatsch ( 54. ) und Kukovics ( 63. ) fanden für Milchschafe mit Hängeeutern, dass sie gegenüber allen anderen die höchsten Maschinennachgemelke und Handnachgemelke aufweisen. Nach Sagi ( 111. ) wird das Hängeeuter unter Eutertyp I ( Abbildung 3 ) beschrieben. Jatsch und Kukovics stellten für verschiedene zur Milcherzeugung genutzte Rassen einen Anteil von 5 bis 15 v.H. in diesem Eutertyp fest. Nowak ( 89. ) schreibt, dass 16 v.H. der OFM einen Hängeeutertyp aufweisen. Nach eigenen Ergebnissen liegt der Anteil Schafe mit Hängeeutern mit 22 v.H. noch über dem von Nowak ( 89. ) festgestellten Anteil. Im Tagesgemelk konnten keine Unterschiede zwischen den Tieren mit und ohne Hängeeuter festgestellt werden. Demnach besteht zwischen Hängeeuter und Milchleistung keine kausale Beziehung. Es kommt also besonders darauf an, die Tiere herauszufinden, die einen der hohen Milchleistung entsprechenden Halteapparat (Wendt, 142. ) aufweisen und weiter vererben. Tiere mit Hängeutern erreichen eine signifikant schlechterer Bewertung für Vordereuteraufhängung, Hintereuteraufhängung, Euterband und Bodenabstand als Tiere mit Normaleutern.

Zitzenform

Die von Schwark ( 120. ) genannten Anforderungen an die Zitzen resultieren vor allem aus notwendigen Mindesteigenschaften für das maschinelle Melken. Die Zitzen sollen zylindrisch sein, eine Länge von mindestens 20 mm und an der Zitzenbasis eine Stärke von mindestens 15 mm aufweisen, damit der notwendige feste Halt des Melkbechers an der Zitze gewährleistet ist. Zur Erhaltung der Eutergesundheit sollten die Zitzen aber auch


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bestimmte Größen nicht überschreiten. Limitierend wirkt hierbei die gegenwärtig verfügbaren Melktechnik. Probleme bei Tieren mit größeren Zitzenlängen treten auf, wenn die Zitzenspitzen im Entlastungstakt nicht vollständig vom Vakuum getrennt werden. Auch bei erheblich über dem Zitzengummidurchmesser liegenden Zitzenbasis-durchmessern können durch mechanischen Verschluss der Passage zwischen Euter- und Zitzenzisterne Störungen im Milchentzug und in Folge eine verschlechterte Melkbarkeit sowie Störungen in der Eutergesundheit auftreten. Die in den Untersuchungsbetrieben verwendeten Melkbecher haben einen Zitzengummidurchmesser (Zitzenbasis) von 1,7 cm bis 1,9 cm und eine Innenraumlänge von 11,0 cm bis 13,4 cm. Im Entlastungstakt der Maschine falten sich die Zitzengummis etwa in der Mitte des Melkbechers bei 6,0 cm bis 6,5 cm zusammen. Die im Regelfall bis an diesen Punkt in den Melkbecher hineingezogenen Zitzen werden im Entlastungstakt vom Zitzengummi eingeschlossen und an den Spitzen massiert. Bei ordnungsgemäß funktionierender Melktechnik sind die Zitzen nach dem Melkprozess weich, warm und trocken. Die Funktionsfähigkeit dieses Vorganges ist entscheidend für die Erhaltung der Eutergesundheit der Tiere (Baumgartner, 12. ). Hinweise für die Richtigkeit dieser Annahmen geben die zwar schwachen, aber signifikanten negativen Korrelationskoeffizienten zwischen den Merkmalen der Zitzenlänge sowie des Zitzendurchmessers und der Melkbarkeit. Die Beziehung zur Eutergesundheit zeigt sich in der positiven Korrelation zwischen Zitzenbasisdurchmesser und der Zellzahl. Hingegen sind die Beziehungen der Zitzenlänge zur Zellzahl nur schwach und negativ. Grund für diese insgesamt schwachen Beziehungen kann der geringe Anteil der Tiere mit Zitzengrößen im kritischen Grenzbereich sein. Nach dem Verteilungsdiagramm ( Abbildung 19 ) hatten 14 v.H. der Tiere einen Zitzenbasisdurchmesser von 2,2 bis 2,4 cm, 3 v.H. einen Zitzenbasisdurchmesser von über 2,4 cm sowie nur 3,5 v.H. der Tiere eine Zitzenlänge von über 4,4 cm.

Eine gute Übereinstimmung weisen die Zitzenlängen der beiden Euterhälften mit 3,17 cm rechts und 3,21 cm links auf. In der Zitzenlänge unterscheiden sich die OFM wenig von anderen Milchschafrassen. Labussiere ( 66. ), Mahler ( 76. ) und Fernandez ( 33. ) fanden bei den Rassen des Mittelmeerraumes Zitzenlängen von 2,72 cm bis 3,83 cm, im Durchschnitt von 3,06 cm vor. Im Vergleich liegen die OFM im oberen Bereich dieser Mittelwerte. Auch hier sind betriebliche Einflüsse (vermutlich durch Zuchtauswahl) bei Mittelwerten von 3,05 cm bis 3,69 cm rechts und 3,11 cm bis 3,79 cm links sowie Spannweiten von 2,2


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cm bis 5,3 cm rechts und 2,1 cm bis 5,0 cm links sichtbar. Die Merkmalsverteilung ( Abbildung 19 ) und hohe Variabilität deutet eine Präferenz für große Zitzen seitens der Züchter an. Stärker noch als in den Zitzenlängen sind in den Zitzendurchmessern die Übereinstimmungen zwischen rechter und linker Seite. Sie betragen durchschnittlich an der Basis 1,83 und 1,84 cm sowie in der Mitte 1,41 und 1,43 cm. Ein direkter Vergleich mit den Mittelmeerrassen ist nicht möglich, da die Messpunkte für die angegebenen Zitzenbreiten von 1,43 cm bis 1,93 cm nicht angegeben werden. Trotzdem lässt sich feststellen, dass sich die OFM in diesem Merkmal wenig von den anderen Milchschafrassen unterscheiden. Auch die Zitzendurchmesser an der Basis weisen mit 1,3 cm bis 2,8 cm rechts sowie 1,3 cm bis 2,9 cm links eine hohe Variabilität auf.

Eine weitere Anforderung an die Zitzen ist ihre möglichst senkrecht nach unten gerichtete Stellung. Nach Schwark ( 120. ) sind Abweichungswinkel von bis zu 45° von der Senkrechten für das maschinelle Melken gut geeignet. Darüber hinaus gehende Zitzenwinkelungen führen zu Schwierigkeiten im Ansetzen und Festhalten der Melkbecher. Die Mittelmeerrassen haben Zitzenwinkelungen zwischen 26,5° und 67,2° ( Tabelle 1 ). Die eigenen Ergebnisse weisen für die Zitzenstellung mit 57,4° nach vorn und 58,8° zur Seite eine durchschnittlich sehr hohe Winkelung aus. Die jeweils kleinsten Winkelungen in beiden Maßen von 23° und 22° zeigen aber auch, dass ein kleiner Abweichungswinkel möglich ist. Die Unsicherheiten in der Erfassung der Winkelung führen zu erheblichen Messfehlern. Dennoch zeigen die Ergebnisse, dass die Zitzenplatzierung insgesamt noch nicht den Anforderungen entspricht. Der überwiegende Anteil der Tiere ist mit sehr schlecht bis genügend bewerteten Zitzenwinkelungen ausgestattet, was auch durch die mittlere Benotung mit 4,5 Punkten deutlich wird.

Wesentlich für die Erhaltung der Eutergesundheit ist eine den Belastungen des maschinellen Melkens standhaltende Form der Zitzenspitzen. Nach Schwark ( 120. ) und Wendt ( 142. ) sollen die Zitzen in abgerundeten Spitzen auslaufen. Starke Abweichungen von dieser Form behindern die mechanischen Vorgänge des Melkens und begünstigen gesundheitliche Störungen. Dies entspricht auch der Feststellung von Seykora ( 122. ) bei Milchkühen. Danach erhöht sich die Zellzahl mit zunehmender Verschlechterung der Zitzenendform. Daher ist es zweckmäßig, die Form der Zitzenenden in die Beurteilung einzubeziehen.


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Eutergesundheit

Die festgestellten engen Beziehungen zwischen Euter- sowie Zitzenmerkmalen und der Zellzahl ( Tabelle 46 ) bestätigen die Zweckmäßigkeit der züchterischen Berücksichtigung dieser Merkmale zur Verbesserung der Eutergesundheit. Die Zahl somatischer Zellen liegt im Gesamtmittel bei 492.000 Zellen je ml und übertrifft damit die von Regi ( 103. ) festgestellte Größenordnung für das Gesamtgemelk von 300.000 Zellen je ml bei bakteriologisch negativen OFM. Allerdings zeigt die Spannweite mit 24.000 bis 9.062.000 Zellen je/ml, dass sich unter den Untersuchungstieren auch solche mit subklinischer Mastitis befanden. Insgesamt aber liegt der Durchschnitt weit unter den von Foglini ( 35. ) und Anifantakis ( 4. ) festgestellten Gehalten von 1,0 - 1,5 Mio. Zellen je ml bei Milchschafrassen des Mittelmeerraumes.

5.2 Relevanz von Laktationsnummer, Laktationsstadium und Anzahl aufgezogener Lämmer für die Euterformbeurteilung

Mit der Aufnahme der Euterformbeurteilung in die Leistungsprüfung eröffnet sich die Frage nach sinnvollen Prüfzeitpunkten sowie der Erfassung weiterer systematischer Einflussfaktoren. Seit 1998 wird eine Euterformbeurteilung auf Grundlage von Erfahrungswerten und Zuchtzielvorstellungen durchgeführt. Nun kommt es darauf an, die Grundlagen inhaltlich zu überprüfen und gegebenenfalls zu ergänzen mit der Zielstellung, eine solide Basis für die Leistungsprüfung zu schaffen.

Laktationsnummer

Übereinstimmend wird ein Einfluss der Laktationsnummer auf Euterformmerkmale festgestellt. Zur Beantwortung der Frage nach dem altersbezogen sinnvollsten Zeitpunkt der Leistungsprüfung steht aufgrund einer angestrebten schnellen Generationsfolge in Verbindung mit einem höherem Zuchtfortschritt die erste und zweite Laktation im Mittelpunkt des Interesses.

Insgesamt vergrößert sich mit zunehmendem Alter und der Anzahl der Laktationen das Euter. Das Eutervolumen nimmt nach eigenen Ergebnissen tendenziell zu. Auch Peris ( 91. ) stellte für Murciano-Granadian Milchziegen eine signifikante Vergrößerung des Eutervolumens fest. Bei Milchkühen vergrößert sich nach Witt ( 144. ) und Seykora ( 121. ) mit der Zahl der Laktationen das Euter, wobei hier Euterlänge, Euterbreite, Eutertiefe und


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Eutervolumen zunehmen. Merkmalsbezogen differieren die eigenen Ergebnisse in Teilen von Fernandez ( 33. ) und Fuente ( 39. ). Während in dieser Untersuchung bei den OFM die Euterbreite bis zur 5. Laktation stetig aber nur tendenziell sinkt, wurde für Churra ein signifikanter Anstieg von der ersten zur zweiten Laktation festgestellt. Übereinstimmend mit Fuente ist der Laktationseffekt auf die Eutertiefe hoch signifikant und vergrößert sich mit zunehmendem Alter. Aufgrund der festgestellten Merkmalsbeziehung zeigt auch der longitudinale Umfang mit jeder Laktation eine signifikante Vergrößerung. Insgesamt wird das Euter von Milchschafen mit zunehmender Laktationszahl vor allem tiefer. Für OFM bestätigte sich mit den Untersuchungsergebnissen, dass bei gleichzeitig tendenziell abnehmender Euterlänge und Euterbreite die Bindegewebsschichten in ihrer Haltefähigkeit nachlassen und das Euter absinkt. Dabei treten die größten Veränderungen in der Eutertiefe und im longitudinalem Umfang zwischen der ersten und zweiten Laktation auf. Entsprechend verschlechtert sich nach Fuente und eigenen Ergebnissen mit zunehmender Zahl von Laktationen signifikant die Euteraufhängung. Während sich nach Fuente ( 39. ) die größte Veränderung zwischen zweiter und dritter Laktation vollzieht, verschlechtern sich nach eigenen Ergebnissen schon zwischen erster und zweiter Laktation die Vordereuteraufhängung um 1,5 Punkte, die Hintereuteraufhängung um 1,2 Punkte und das Euterband um 0,8 Punkte. Auch in der Bewertung des Bodenabstandes tritt eine Verschlechterung ein. Allerdings verstärkt sich diese erst mit zunehmendem Alter.

Die Laktationsnummer hat nach Fernandez ( 33. ) einen signifikanten Einfluss auf Zitzenlänge und -breite sowie den Zitzenwinkel. Zitzenlänge und -breite werden bis zur 3. Laktation kleiner. Dagegen steigt bei Fuente ( 39. ) die Zitzengröße bis zur 5. Laktation. Die eigenen Untersuchungen zeigen, dass die Zitzenlängen und die Zitzenmittedurchmesser sich zwar verändern, aber ohne statistische Sicherung und auf den beiden Euterhälften in jeweils entgegengesetzte Richtungen, so dass ein Einfluss der Laktationsnummer nicht erkennbar ist. Anders beim Zitzendurchmesser an der Basis. Er vergrößert sich, insbesondere auf der rechten Seite, signifikant von Laktation zu Laktation, so dass mit dieser Veränderung optisch insgesamt auch die Zitzengröße wächst. Dies entspricht den Ergebnissen von Fuente. Dabei ist übereinstimmend für den Zitzenbasisdurchmesser und die Zitzengröße die Zunahme zwischen erster und zweiter Laktation am größten. Der nach Fernandez ( 34. ) ansteigende Zitzenwinkel bei zunehmend durchsackenden Eutern entspricht der allgemeinen Erwartung. Die eigenen Ergebnisse stehen dem jedoch


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entgegen, sind aber wegen der unsicheren Erfassungsmethode auch nicht sicher in ihrer Aussage. Als Alternative dient hier die Beurteilung der Zitzenwinkelung innerhalb der Zitzenplatzierung. Sie beweist die deutlich mit zunehmendem Alter einhergehende ungünstige Veränderung der Zitzenposition. Während Fernandez ( 34. ) und Fuente ( 39. ) die Verschlechterung der Zitzenplatzierung zwischen zweiter und dritter Laktation hervorheben, zeigt sich in dieser Untersuchung, dass schon zwischen erster und zweiter Laktation die größte Differenz mit 1,0 Bewertungspunkten auftritt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Durchführung der Leistungsprüfung in der zweiten Laktation die sichersten Ergebnisse und Aussagen bringt. Wesentliche Veränderungen der Euter- und Zitzenform sind schon in der zweiten Laktation festzustellen. Dies kann mit der steigenden Tagesmilchleistung zusammenhängen (1,29 kg zu 1,51 kg). Auch wenn in den nachfolgenden Laktationen weitere Veränderungen eintreten, so kann man doch davon ausgehen, dass das Tier ab der zweiten Laktation ein seiner Veranlagung entsprechendes Euter zeigt. In erster Linie ist diese Feststellung auf die Entwicklung der Euteraufhängung zurückzuführen. Sie bestimmt in Verbindung mit der Eutertiefe, dem Bodenabstand und der Zitzenplatzierung wesentlich das Gesamterscheinungsbild des Euters.

Laktationsstadium

Euter- und Zitzenmerkmale verändern sich mit abnehmender Milchleistung im Verlauf einer Laktation. Das Ausmaß dieser Veränderungen in der ersten Hälfte der Laktation ist bedeutsam für die zeitliche Organisation und etwaige Datenkorrekturen.

Das Laktationsstadium beeinflusst die Merkmale Euterlänge, Euterbreite, Euteraufhängung und Zitzenplatzierung. Ein wesentlicher Grund hierfür dürfte in der mit fortschreitender Laktation hochsignifikant abnehmenden Tagesmilchleistung (von 1,77 kg auf 1,35 kg) liegen. Im dritten und vierten Laktationsmonat zeigen Vordereuteraufhängung, Euterband und Zitzenplatzierung eine relative Bewertungsstabilität, während Euterlänge, Euterbreite und Hintereuteraufhängung kontinuierlich abnehmen. Jatsch ( 54. ) stellte dazu prinzipiell fest, dass sich die Euterform der meisten Tiere im Laktationsverlauf für den Melkmaschineneinsatzes ungünstig entwickelt. Nach Fernandez ( 33. ) nehmen die Euterbreite, die Eutertiefe und der Euterumfang bis zum 4. Monat der Laktation stetig ab; Fuente ( 39. ) stellte dies ebenfalls für die Eutertiefe fest. Außerdem fand er wie Jatsch eine


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Verschlechterung der Euterform. Abweichend von Fernandez fand Wang ( 139. ) an Toggenburger Ziegen, dass die Merkmale Eutertiefe größer und Euterlänge sowie Euterumfang kleiner werden, während sich Euterbreite und Euterbodenabstand bis zum 5. Monat wenig ändern. Bei Peris ( 90. ) verkleinerte sich das Eutervolumen signifikant bis zum vierten Laktationsmonat. In der eigenen Untersuchungen verändert sich die Eutertiefe bis zum fünften Laktationsmonat nur unwesentlich. Euterlänge und Euterbreite nehmen entsprechend der Feststellung von Fernandez und Wang ab. Dagegen verändern sich longitudinaler und transversaler Umfang sowie der Bodenabstand wenig. Das Eutervolumen nimmt wie bei Peris ( 90. ) im Untersuchungszeitraum ab, allerdings ohne statistische Sicherung. Zurückzuführen ist diese Veränderung in erster Linie auf die sich in signifikanten, überwiegend gleichmäßigen Schritten vollziehende Verkleinerung der Euterbreite und der Euterlänge, welche aber optisch kaum auffallen dürfte.

Etwas deutlicher macht sich das Laktationsstadium in der Euteraufhängung bemerkbar. In Übereinstimmung mit Fuente ( 39. ) verschlechtern sich Vorder- und Hintereuteraufhängung im Untersuchungszeitraum. Die Bewertung des Euterbandes ist bis zum 4. Laktations-monat ähnlich. Zur Zitzenwinkelung und Zitzenplatzierung sind die Aussagen unterschiedlich. Während bei Fernandez ( 34. ) der Zitzenwinkel größer wird, nimmt er bei Peris ( 90. ) ab und bei Fuente ( 39. ) bleibt er als Merkmal der Zitzenplatzierung unverändert. In dieser Untersuchung wurde in Übereinstimmung mit Fernandez ( 34. ) eine stufenweise abnehmenden Bewertung der Zitzenplatzierung infolge des ansteigenden Zitzenwinkels gefunden.

Zur Änderung der Zitzenlänge und der Zitzenbreite geben Fernandez ( 34. ) und Peris ( 90. ) Veränderungen zum Teil in verschiedene Richtungen an. Dagegen bleiben nach Wang ( 139. ) Zitzenlänge und Zitzenumfang etwa gleich. Ein ähnlicher Sachverhalt zeigt sich in der eigenen Untersuchung. Keines der gemessenen Zitzenmerkmale weist bis zum 5. Laktationsmonat wesentliche Veränderungen auf.

Zusammenfassend ist herauszustellen, dass eine frühzeitige Euterbeurteilung innerhalb der Laktation zu besseren Bewertungen führen kann. Mögliche Ursache ist ein Einfluss von Füllzustand des Euters und Euterinnendruck auf die optische Präsentation. Daraus ergibt sich aber auch, dass neben dem Laktationsstadium die seit dem Melken vergangene Zeit einen noch höheren Einfluss auf das Bewertungsergebnis nimmt. Da nach Lörtscher ( 72. )


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die Sekretion der Milch zwar kontinuierlich erfolgt, der Abfluss der Milch in die Zisterne aber erst nach einigen Stunden beginnt, sollte ein angemessener Zeitraum nach dem Melken bis zur Euterbeurteilung abgewartet werden. Die Gleichbehandlung der Tiere kann mit einer Euterbeurteilung unmittelbar vor dem Melken am ehesten erreicht werden.

Anzahl aufgezogener Lämmer

Ein Einfluss des Beurteilungsergebnisses durch die Zahl der aufgezogenen Lämmer ist in sofern vorstellbar, als mit der Aufzucht von Mehrlingen für die Mutter eine stärkere Belastung des Euters verbunden ist. Außerdem zeigen Untersuchungen von Peters ( 92. ), Süß ( 128. ), Peris ( 91. ) und Gonzalo ( 42. ), dass Geburtstyp und die Zahl aufgezogener Lämmer die Milchleistung mit steigender Zahl positiv beeinflussen. Dieses wird auch in der vorliegenden Untersuchung bestätigt; Mutterschafe mit Zwillingen haben eine signifikant höhere Milchleistung als Einlingsmütter. Da die Milchleistung wiederum die Eutermerkmale beeinflusst, übt die Zahl der aufgezogenen Lämmer auch einen indirekten Einfluss auf die Euterform aus. Dies hat Peris ( 91. ) auch an Ziegen mit Mehrlingen festgestellt. Auch nach den eigenen Untersuchungen vergrößert sich das Eutervolumen bei Zwillingsmutterschafen. Der Anstieg ist zwar statistisch nicht gesichert, resultiert aber aus einer jeweils tendenziellen Vergrößerung der Euterlänge, -breite und -tiefe. Signifikant ist dagegen die Differenz zwischen Einlings- und Mehrlingsmuttern beim longitudinalen und transversalem Umfang. Dagegen zeigen sich zwischen den Muttern mit Einlingen und solchen mit Zwillingen in den Zitzenmaßen und in den beurteilten Merkmalen keine signifikanten Unterschiede.

Insgesamt hat die Zahl der aufgezogenen Lämmer einen unbedeutenden Einfluss auf die Eutermerkmale. Die Veränderungen in den Maßen der Eutergröße sind eher auf die bei Müttern mit Zwillingen höhere Milchleistung zurückzuführen als auf stärkere Belastungen des Euters durch Mehrlinge. In einem solchen Fall hätte sich die Anzahl Lämmer in den beurteilten Merkmalen, insbesondere der Euteraufhängung stärker bemerkbar machen müssen.


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5.3 Bewertung der Eutermerkmale auf ihre Relevanz für die Leistungsprüfung

Nur solche Eutermorphologiemerkmale sind in der Leistungsprüfung zu berücksichtigen, die mit betriebswirtschaftlich relevanten Leistungen und Eigenschaften in Beziehung stehen und damit eine wirtschaftliche Bedeutung haben. Ein wesentlicher Gesichtspunkt für die Auswahl ist eine einfache und genaue Erfassbarkeit. Für die züchterische Einflussnahme entscheidend ist aber eine möglichst hohe Erblichkeit. Bei engen genetischen Merkmalsbeziehungen besteht die Möglichkeit, durch züchterische Einflussnahme und Konzentration auf ein Merkmal durch korrelierte Selektionswirkung auch andere Merkmale zu verändern. Dabei müssen korrelierende Eutermerkmale mit züchterisch unerwünschter Veränderung bzw. Wirkung besonders berücksichtigt werden. Nur auf dieser Grundlage ist es mit einem systematischen Prüfungs- und Selektionssystem möglich, betriebswirtschaftlich relevante Leistungen und Eigenschaften effektiv zu verbessern.

5.3.1 Wirtschaftlichkeit - Verhältnis der Eutermerkmale zu Milchleistung, Melkbarkeit und Zellzahl

Die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Euter- und Zitzenmerkmale resultiert aus ihren Beziehungen zu den Merkmalen Milchleistung, Melkbarkeit und Zellzahl. Während die Höhe der Milchleistung über die Menge marktfähiger Produkte einen direkten Einfluss auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis nimmt, sind mit der Melkbarkeit und Zellzahl eher indirekte Effekte verbunden. Die Melkbarkeit ist in erster Linie ein für die Arbeitswirtschaft wesentlicher Faktor. Bei insgesamt kurzen Melkzeiten je Tier kommt er aber erst in größeren Herden, die zweimal täglich gemolken werden, zum tragen. Die Zellzahl als Maß der Eutergesundheit sollte unter zweierlei Aspekten stärker berücksichtigt werden. Zum einen führt ein hoher Zellgehalt in der Milch zu Qualitätsbeeinträchtigungen und zum anderen weisen hohe Zellgehalte auf Vorhandensein von subklinischer Mastitis oder bakterielle Infektionen hin, welche die Nutzungsdauer der Schafe verkürzen können. Euter- und Zitzenmerkmale mit ungünstiger Beeinflussung besonders der Melkbarkeit und der Zellzahl müssen vorrangig in der Leistungsprüfung berücksichtigt werden.

Milchleistung

Die eigenen Ergebnisse zeigen für Eutervolumen und Tagesgemelk mit rp = 0,59 eine enge Beziehung. Im Mittelwertvergleich nach Leistungsgruppen vergrößert sich das


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Eutervolumen mit der Milchleistung von 2.425 cm³ auf 3.342 cm³. Tierartübergreifend wird von Kukovics ( 63. ) bei Milchschafen und Liebenberg-Jannermann ( 68. ), Witt ( 144. ) sowie Pohl ( 96. ) bei Milchkühen auf diesen Zusammenhang hingewiesen. Phänotypische Korrelationskoeffizienten von rp = 0,40 - 0,71 für verschiedene Mittelmeerraumrassen (Labussiere 66. ) sowie von rp = 0,69 und 0,53 für Milchziegen (Peris 90. , 91. ) bestätigen das eigene Ergebnis.

Gemessen an den Merkmalen, die in der vorliegenden Untersuchung Grundlage für die Berechnung des Eutervolumens sind, hat die Euterbreite eine engere Beziehung als Euterlänge und Eutertiefe zum Eutervolumen. Dabei vergrößern sich Euterlänge und Euterbreite signifikant mit den steigenden Milchleistungsklassen, während die Eutertiefe sich bis zur dritten Milchleistungsgruppe kaum verändert. Nur wenn Tiere mit Hängeeuter unberücksichtigt bleiben, vergrößert sich bei rp = 0,42 die Eutertiefe mit zunehmendem Tagesgemelk. Bei Toggenburger Ziegen (Wang 139. ) korreliert unter den drei Merkmalen die Eutertiefe mit rp = 0,60 am engsten mit der Milchleistung. Fernandez ( 34. ) verweist bei rp = 0,40 für die Eutertiefe auch auf einen engen genetischen Zusammenhang mit rg = 0,82 zur Milchleistung. Bei Milchrindern weisen Meyer ( 82. ), Short ( 123. ) und Seykora ( 121. ) für die Eutertiefe zur Milchleistung mit rg = -0,41 bis -0,73 gleichfalls einen engen genetischen Zusammenhang nach, wobei hier aufgrund des Beschreibungsmodells die Vorzeichen umgedreht sind.

Neben dem Eutervolumen und der Eutertiefe zeigen auch der longitudinale und transversale Umfang eine enge Beziehung zum Tagesgemelk. Dagegen wird der Zusammenhang zwischen Bodenabstand und Milchleistung von den Größenverhältnissen des Tieres überlagert. Insgesamt ist ein deutlicher Einfluss der Milchleistung auf die Euterdimension und damit auf die Eutermerkmale feststellbar, während umgekehrt keine kausale Beeinflussung abgeleitet werden kann.

Für das Verhältnis Zitzenmaße und Milchleistung zeigen die Untersuchungsergebnisse eher schwache Beziehungen an. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Tiere mit höherer Milchleistung über größere Zitzendurchmesser verfügen. Grund dafür kann eine mit höherem Zitzendurchmesser verbundene vollständigere Euterentleerung und in Folge eine verbesserte Stimulation zur Milchneubildung sein aber auch die positive Merkmalsbeziehung zwischen den Zitzendurchmessern und der Eutertiefe. Bestätigung für


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die positive Merkmalsbeziehung Milchleistung - Zitzendurchmesser findet sich bei Wang ( 139. ) und Montaldo ( 84. ) für Milchziegen sowie bei Meyer ( 82. ) und Seykora ( 121. ) für Milchkühe.

Die Euteraufhängung zeigt im Unterschied zu den Milchkühen keine Beziehung zur Milchleistung. Damit wird auch das Ergebnis von Fernandez ( 34. ) bestätigt. Gleiches trifft auf die Zitzenplatzierung zu. Die gefundenen phänotypischen Korrelationskoeffizienten stimmen mit denen von Peris ( 91. ) und Fernandez. ( 34. ) überein. Allerdings weist Fernandez für die Beziehung Zitzenplatzierung - Milchleistung einen mittleren genetischen Zusammenhang aus. Dagegen ist die festgestellte Korrelation zwischen Euterband und Milchleistung eher als Hinweis darauf zu verstehen, dass in den Untersuchungsbetrieben Tiere mit höherer Milchleistung in Verbindung mit einer höheren Euterbreite und -länge über ein besser ausgebildetes Euterband verfügten.

Melkbarkeit

Die Untersuchungsergebnisse zeigen für die Eutertiefe und für den beurteilten Bodenabstand einen zwar schwachen, aber gleichgerichteten Einfluss schrumpfender Bodenfreiheit auf die Melkbarkeit. Dagegen lässt das Hängeeuter keinen direkten Einfluss erkennen. Neben dem Bodenabstand scheint die Melkbarkeit in stärkerem Maße von Zitzenformmerkmalen abzuhängen. Die Untersuchungsergebnisse lassen einen schwachen, negativen Zusammenhang der Zitzenlänge zum Durchschnittlichen Minutengemelk erkennen. Ähnliches trifft auch für die Zitzendurchmesser zu. Bei niedrigen, negativen Korrelationskoeffizienten ist die Beziehung auch ein Hinweis auf die Problematik der passenden Melktechnik. Das alle Zitzenmerkmale einbeziehende Merkmal Zitzenform zeigt zur Melkbarkeit keine Beziehung. Der Grund dafür dürfte in dieser Zusammenfassung liegen, da alle Merkmale in die Beurteilung einfließen, aber bei jeder individuellen Bewertung in einem anderen Verhältnis ihren Niederschlag finden können. Batra ( 10. ) weist bei Milchkühen für die Zitzenlänge und für die Zitzendurchmesser schwache, negative, phänotypische aber auch sehr enge, negative, genetische Beziehungen zur Melkbarkeit nach und bestätigt damit die vorliegenden Untersuchungsergebnisse. Hingegen stellte Rogers ( 105. ) zur Zitzenlänge und zum Zitzendurchmesser mittlere, positive, genetische Beziehungen fest. Auch Peris ( 90. ) und Montaldo ( 84. ) fanden entgegen den eigenen Ergebnissen bei Milchziegen zwischen Zitzenlänge und Melkbarkeit


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einen mittleren positiven phänotypischen Zusammenhang .

Loppnow ( 71. ) und Seykora ( 122. ) überprüften neben dem Zitzendurchmesser auch die Zitzenendform auf ihre Beziehung zur Melkbarkeit. Während sich beide in der Aussage zum Zitzendurchmesser widersprechen, so stimmen sie aber in ihrer Aussage zur Zitzenendform überein. Die optimale Zitzenkuppe ist danach etwas spitzer abgerundet. Zumindest weisen leicht melkende Viertel zu 50 % solche Zitzenkuppen auf. Baxter ( 14. ), Foot ( 36. ), Mack ( 73. ), Gramann ( 44. ) und Dodd ( 28. ) gelangten zu der Ansicht, dass die Elastizität des Schließmuskels für die Melkbarkeit entscheidend ist. Dem entspricht dann auch die Feststellung von Klüsserath ( 60. ), dass mit einer subjektiven Euterbeurteilung kein Aufschluss über die Melkbarkeit erreicht werden kann. Die Ergebnisse und der Vergleich lassen dennoch den Schluss zu, dass der Bodenabstand und die Zitzengröße wichtige die Melkbarkeit beeinflussende Merkmale sind.

Zellzahl

Nach Funk ( 40. ) haben Milchkühe mit tieferem Euterboden, loserem Vordereuter, weiterer Vorderstrichplatzierung, längeren Strichen und schlechterer Hintereuteraufhängung eher Probleme mit hohen Zellzahlen als andere Kühe. Im Wesentlichen wird diese Feststellung durch die eigenen Untersuchungsergebnisse bestätigt. Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vergrößerung von Euterbreite und Euterlänge sowie die Verbesserung von Euteraufhängung und Zitzenplatzierung eine Senkung der Zellzahl zur Folge hatte. Dagegen führte die Vergrößerung der Eutertiefe und in schwächerer Form auch der Zitzendurchmesser zu einem Anstieg der Zellzahl.

Von allen Eutermaßen weisen die Eutertiefe und der longitudinale Umfang die engste Beziehung zur Zellzahl auf. Das bedeutet, je tiefer das Euter, um so höher ist die Zellzahl. In genau entgegengesetzter Richtung zeigen Euterlänge und Euterbreite eine mittlere Beziehung zur Zellzahl. Eutervolumen, longitudinaler Umfang und gemessener Bodenabstand sind von untergeordneter Bedeutung. Auch Fernandez ( 34. ) fand für die Eutertiefe eine positive, wenn auch schwächere Korrelation. Seykora ( 121. ), Funk ( 40. ), Jahnke ( 53. ) und Brade ( 16. ) bestätigen diesen Einfluss. Zum Zitzenbasisdurchmesser zeigt die Zellzahl eine positive Korrelation. Eine enge Beziehung wurde jedoch nur für die rechte Seite geschätzt; für die linke Seite konnte kein Zusammenhang gefunden werden. Da auch Fernandez ( 34. ) eine positive Korrelation der Zitzengröße zur Zellzahl feststellte,


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ist ein ungünstiger Einfluss großer Zitzenbasisdurchmessers auf den Zellgehalt in der Milch nicht ausgeschlossen. In gleiche Richtung weisende Aussagen für den Zitzendurchmesser treffen Batra ( 10. ), Thomas ( 130. ), Seykora ( 122. ), Sieber ( 124. ), Madsen ( 74. ) und Higgins ( 50. ).

Für die beurteilten Merkmale zeigen sich mit Ausnahme der Zitzenform mittlere bis hohe Korrelationskoeffizienten zur Zellzahl: je günstiger die Merkmalsausprägung, um so geringer die Zellzahl. Unter diesen Merkmalen hat die Hintereuteraufhängung mit rp = -0,71 die engste Beziehung. Auch die Vordereuteraufhängung hat noch eine mittlere Beziehung zur Zellzahl. Dies entspricht den Feststellungen von Swalve ( 129. ), Seykora ( 121. ), Funk ( 40. ) und Brade ( 16. ) bei Milchkühen. Auch die Zitzenplatzierung korreliert mit rp = -0,59 vergleichsweise hoch mit der Zellzahl. Funk und Brade fanden für Milchkühe gleichgerichtete Zusammenhänge.

5.3.2 Wiederholbarkeit in der Erfassung

Die Genauigkeit der Mess- und Prüfmethoden hängt von der Sicherheit der Erfassungsmethode ab. Zu unterscheiden ist hierbei zwischen dem Grad der Messübereinstimmung bei wiederholten Messungen einer Person sowie bei Messungen durch verschiedene Personen.

Als sichere Messmethode erwies sich bei Witt ( 144. ) (Milchrinder) die Merkmalserfassung der Eutertiefe, des Bodenabstandes und der Zitzenabstände mit Lineal (W = 0,96;0,98 und v.0,81/ h.0,92). Für die mit dem Tasterzirkel gemessene Euterlänge und Euterbreite fand er noch hohe, aber im Vergleich zur Messung mittels Lineal schon deutlich geringere Wiederholbarkeiten. Die Auswahl der geeigneten Messinstrumente für die eigenen Untersuchungen erfolgte, soweit eine Übertragung möglich war, auf Grundlage der Ergebnisse von Witt. Die Testergebnisse dieser Untersuchung zeigen aber, dass für die Sicherheit der Erfassung nicht unbedingt das Messinstrument ausschlaggebend ist, sondern eher die sichere Identifizierung der Messendpunkte. So konnten über vier Tests Wiederholbarkeitskoeffizienten von W = 0,92 und 0,91 bei der Eutertiefe (Lineal) und dem transversalen Umfang (Messband) sowie von W = 0,82 für den Bodenabstand (Lineal / Messband) festgestellt werden. Dabei resultieren die Abweichungen im Bodenabstand mehr aus der unterschiedlichen Stehweise der Tiere als aus ungenauen Messungen. Euterlänge und Euterbreite zeigten in einem der Tests ihre größere Empfindlichkeit


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gegenüber dem Füllzustand des Euters nach der letzten Milchentleerung. Bestätigung findet diese Abhängigkeit der beiden Merkmale auch in ihrer Entwicklung während einer Laktation.

Der differenzierte Erfahrungsschatz der einbezogenen Personen führte teilweise zu sehr unterschiedlichen Wiederholbarkeitskoeffizienten in den Merkmalen Euterlänge, Euterbreite und longitudinalem Umfang. Für ausreichend geübte Personen ist auch der longitudinale Umfang mit hoher Sicherheit sowie Euterlänge und Euterbreite mit hinreichender Sicherheit ermittelbar. Besonders deutlich wird der Einfluss der Erfahrung bei den Zitzenmessungen. Aus den sehr unterschiedlichen Wiederholbarkeitskoeffizienten ist zu schließen, je kleiner die Merkmale sind, um so schwieriger wird im Allgemeinen eine genaue Erfassung, weil jede Abweichung vom tatsächlichen Wert bei kleinen Maßen viel stärker wirksam wird als bei Großen. Die Ergebnisse der 1. Person mit Messroutine zeigen aber auch, dass die Zitzenlängen und die Zitzendurchmesser mit den gewählten Messinstrumenten mit guter Sicherheit erfasst werden können. Problematisch ist dagegen auch für eine geübte Person die Messung der Zitzenwinkelung mittels Winkelmesser.

Eine weniger aufwendige aber ähnlich genaue Alternative ist die Beurteilung der Zitzenwinkelung innerhalb der Zitzenplatzierung. Sie hängt aber, ebenso wie der Bodenabstand und auch die Vordereuteraufhängung in stärkerem Maße von der Perspektive des Beurteilenden ab. Dagegen zeigen Hintereuteraufhängung, Euterband, Eutersymmetrie und Euterbewollung mit Werten bis W = 0,80 und 0,90, dass bei fester Vorstellung eines Maßstabes eine gute Wiederholbarkeit erreicht werden kann. Die Zitzenform, als einziges Kriterium, das mehrere Merkmale - Zitzenlänge, Zitzendurchmesser und Zitzenspitzenform - in sich vereinigt und entsprechend dem Leitsatz von Kronacher ( 62. ) beurteilt wurde, ist ein typisches Beispiel für die zur Zeit übliche Form der Beurteilung in der Deutschen Schafzucht. Zu einer höheren Wiederholbarkeit in der Bewertung kann es nur unter Beibehaltung der gleichen Wichtung der eingeschlossenen Merkmale kommen.

Die Übertragbarkeit von Erfassungsmethoden ist unmittelbar mit der Kenntnis und Übung der Beteiligten verbunden. Die hohe Wiederholbarkeit der Messungen weist im Hinblick auf die verhältnismäßig geringe Übung der Personen 2 und 3 auf eine besonders leichte Anwendbarkeit hin. Die Euterbreite, die Eutertiefe, der transversale Umfang und der


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Bodenabstand (W = 0,70 bis 0,90) sind auch von verschiedenen Personen hinreichend sicher erfassbar. Dagegen ist die Zitzenmessung schwieriger und erfordert eine gewisse Messerfahrung. Eine mittlere bis hinreichend sichere Erfassung scheint bei entsprechender Übung noch am ehesten für die Zitzenlängen (Messband) möglich. Die mittleren und sehr niedrigen Wiederholbarkeitskoeffizienten für die Zitzendurchmesser und die Maße der Winkelung sind auf größere Schwierigkeiten in der Erfassung des genauen Messanfangs- und -endpunktes zurückzuführen und daher für eine Anwendung weniger geeignet. Fuente ( 39. ) fand auf Grundlage der linearen Beschreibung ( Abbildung 22 ) für eine vergleichende Beurteilung von Eutertiefe, Zitzengröße, Euteraufhängung, Euterform und Zitzenplatzierung durch mehrere Personen mittelhohe Wiederholbarkeitskoeffizienten (W = 0,57; 0,60; 0,61; 0,68; 0,73).

Zusammenfassend ergibt sich, dass die Eutermaße im Allgemeinen sicherer erfasst werden können als die Zitzenmaße. Die Messmethoden der Eutermerkmale sind bei ausreichender Übung alle hinreichend sicher, während dies bei den Zitzenmerkmalen nur für die Zitzenlänge und den Zitzendurchmesser zutrifft. Aufgrund ihrer leichten Handhabung und relativen Unempfindlichkeit gegenüber dem Füllzustand des Euters ist eine sichere Messung der Eutertiefe, des transversalen Umfanges und des Bodenabstandes sowie bei größerer Routine auch der Zitzenlänge möglich. Prinzipiell zeigen die Messungen der Euterdimension eine höhere Erfassungsgenauigkeit als schätzende Beurteilungen. Allerdings weist die beurteilte Zitzengröße eine Wiederholbarkeit ähnlich der gemessenen Merkmale auf, so dass in diesem Fall die Beurteilung eine weniger zeitaufwendige Alternative darstellt. Dagegen scheint die Zitzenplatzierung sicherer durch Beurteilung als durch Messung erfassbar zu sein. In den Merkmalen zur Beurteilung der Euteraufhängung haben Hintereuteraufhängung und Euterband die höchsten Wiederholbarkeitskoeffizienten.

5.3.3 Beziehungen zwischen Euterform- und Zitzenmerkmalen

Gemessene Euterformmerkmale

Von allen Eutermerkmalen hat das Eutervolumen die engste Beziehung zur Milchleistung. Zum Eutervolumen haben Eutertiefe und Euterbreite die engste phänotypische Beziehung, zeigen untereinander aber nur einen verhältnismäßig schwachen und negativen Zusammenhang. Ähnliches zeigte sich für die Beziehung Eutertiefe zur Euterlänge. Untereinander sind Euterbreite und Euterlänge eng positiv korreliert. Bei Churra und


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Milchziegen (Fernandez 33. und Wang 139. ) zeigen sich andere Zusammenhänge zwischen den genannten Merkmalen. Zwischen Eutertiefe und Euterbreite sowie zwischen Eutertiefe und Euterlänge ist die Beziehung enger und positiv. Für die Euterbreite und die Euterlänge fand Wang einen schwächeren Zusammenhang.

Die Eutertiefe hat zum transversalen und longitudinalen Umfang eine engere Beziehung als die Euterbreite. Der gemessene Bodenabstand weist keine deutliche Korrelation zu anderen Merkmalen auf. Grund hierfür dürfte in erster Linie die Größe des Tieres sein, so dass der Bodenabstand zwar in einem gewissen Verhältnis zur Eutertiefe steht, dieses aber von den Größenverhältnis der Extremitäten überlagert wird. Enger ist dagegen nach Wang ( 139. ) der Zusammenhang zwischen Bodenabstand und den Merkmalen Euterlänge, Euterbreite sowie Eutertiefe bei den Milchziegen.

Zitzenmerkmale

Bei den Zitzenmaße wiesen die Zitzenlängen links und rechts eine engere Beziehung zueinander auf als die linken und rechten Zitzendurchmesser zueinander. Zwischen Zitzenlängen und Zitzendurchmessern besteht nach eigenen Ergebnissen eine überwiegend positive mittlere Bindung. Eine engere phänotypischen und genetischen Beziehung zwischen Zitzenlänge und -durchmesser fanden Fernandez ( 34. ) und Wang ( 139. ). Ergänzend dazu konnte auch Seykora ( 121. 122. ) einen engeren genetischen Zusammenhang von Strichlänge und Strichdurchmesser bei Milchkühen feststellen.

Gemessene Euterform- und Zitzenmerkmale

Die Euterbreite zeigt zur Zitzenlänge eine engere Beziehung als die Eutertiefe zur Zitzenlänge. Bei Fernandez ( 34. ) und Wang ( 139. ) haben Euterbreite und Eutertiefe dagegen ein ähnlich enges Verhältnis zur Zitzenlänge. Übereinstimmend ist aber festzustellen, dass mit zunehmender Euterbreite und -tiefe sich auch die Länge der Zitze erhöht. Ähnliches trifft auf den Zitzenbasisdurchmesser zu. Besonders zur Eutertiefe und dem longitudinalem Umfang zeigt er einen engen positiven Zusammenhang. Wang ( 139. ) fand zwischen Euter- und Zitzenumfang eine engere phänotypische und eine schwache genetische Beziehung.


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Beurteilte Euterform- und Zitzenmerkmale

Unter den beurteilten Merkmalen sind die Euteraufhängung, das Euterband und die Zitzenplatzierung von besonderer Bedeutung für die Euterform insgesamt. Die Hintereuteraufhängung hat jeweils zur Vordereuteraufhängung, zum Euterband und zur Zitzenplatzierung mit rp > 0,50 die engste Beziehung. Auch Fuente ( 39. ) fand für den Zusammenhang Euterbefestigung und Zitzenplatzierung mittlere phänotypische (rp= 0,23) und genetische (rg= 0,21) Korrelationskoeffizienten. Genetische Korrelationskoeffizienten verschiedener Autoren weisen bei Milchkühen für die vergleichbaren Merkmalspaare Hintereuterhöhe und Vordereuteraufhängung (rg= 0,38 bis 0,64), Hintereuterhöhe und Zentralband (rg= 0,04 und 0,41) sowie Hintereuterhöhe und Strichplatzierung (rg= 0,08 bis 0,41) überwiegend auf mittlere genetische Zusammenhänge hin. Außerdem zeigen die Untersuchungsergebnisse eine enge Korrelation (rp > 0,50) der Hintereuteraufhängung mit dem beurteilten Bodenabstand sowie der Eutersymmetrie mit der Vordereuteraufhängung. Gänzlich unabhängig von allen bisher genannten Merkmalen ist die Zitzenform.

Gemessene und beurteilte Euterformmerkmale

Sehr vielfältige und enge Merkmalsbeziehungen (rp > 0,50) fanden sich zwischen Hintereuteraufhängung, beurteilten Bodenabstand sowie der Zitzenplatzierung zu den gemessenen Merkmalen Euterbreite, Euterlänge, Eutertiefe und longitudinalem Umfang. Bestätigung finden die Ergebnisse bei Fuente ( 39. ), Brotherstone ( 20. ), Foster ( 37. ), Meyer ( 82. ), Schaeffer ( 113. ) und Short ( 123. ). Fuente weist für die Beziehung Euterbefestigung - Eutertiefe einen mittleren, negativen, genetischen Korrelationskoeffizienten aus. Bei Milchkühen zeigen die ähnlichen Merkmalspaare Hintereuterhöhe - Hintereuterbreite (rg= 0,72 bis 0,90) und Hintereuterhöhe - Eutertiefe (rg= 0,11 bis 0,45) sehr hohe bzw. mittlere genetische Beziehungen. Auch Zitzenplatzierung und Eutertiefe korrelieren bei Churra (rg= -0,32) und Milchkühen (rg= 0,24 bis 0,43) eng miteinander.

Zitzenmerkmale und beurteilte Euterformmerkmale

Festgestellt werden konnten mittlere Beziehungen (rp > 0,30 bis < 0,50) der Zitzen-basisdurchmesser zur Euteraufhängung, dem beurteilten Bodenabstand und der Zitzenplatzierung sowie zwischen Zitzenlänge und Zitzenplatzierung. Diese Zusammenhänge dürften aber auf die Korrelation der gemessenen Eutermerkmale mit den


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beurteilten Merkmalen sowie den Zitzenmerkmalen zurückzuführen sein. Relativ unabhängig und unbeeinflusst von anderen Merkmalen ist dagegen die Beziehung zwischen der Zitzenform und der Zitzenlänge sowie den Zitzendurchmessern (rp > 0,30 bis < 0,50). Die Korrelationskoeffizienten zeigen, dass sich die Bewertung der Zitzenform mit zunehmender Zitzengröße verbessert hat.

Insgesamt betrachtet, erweist sich die Eutertiefe mit der aufgefundenen engen Verbindung zum Eutervolumen sowie ihrer Beziehungen zu den anderen Merkmalen der Eutergröße als geeignetes Schlüsselmerkmal für die Euterdimension bei Milchschafen ohne Hängeeuter. Eine enge genetischen Beziehung zwischen Zitzenlänge und Zitzendurchmesser sowie die hohe Ähnlichkeit insbesondere der Zitzenlänge zwischen linker und rechter Euterhälfte kann die Erfassung der Zitzengröße durch Messung der Zitzenlänge auf einer Euterhälfte vereinfachen. Eine Alternative ist die Beurteilung der Zitzengröße in der Zitzenform. Unter den beurteilten Merkmalen nehmen Hintereuteraufhängung, Bodenabstand und Zitzenwinkelung eine Schlüsselposition ein. Diese Merkmale zeigen zu Euterlänge, Euterbreite, Eutertiefe und longitudinalem Umfang die engsten phänotypischen und teilweise auch enge genetische Beziehungen. Eutersymmetrie und Euterbewollung sind relativ unabhängige Merkmale.

5.3.4 Erblichkeit der Eutermerkmale

In dieser Untersuchung konnten Heritabilitätsschätzungen nur auf der Grundlage eines kleinen Datenumfanges an Mutter-Töchter-Paaren vorgenommen werden.

Die Euterlänge weist unter den gemessenen Eutermerkmalen mit h² = 0,22 die höchste Erblichkeit auf. Für die Eutertiefe zeigt sich bei einem h²-Wert von Null eine Unterschätzung der Erblichkeit. Fernandez ( 34. ) fand für diese Merkmal einen Heritabilitätskoeffizienten von h² = 0,16 und verschiedene Autoren aus dem Bereich der Milchrindzucht h²-Werte von 0,20 bis 0,31, so dass insgesamt von einer mittleren Erblichkeit ausgegangen werden kann. Bei der Euterbreite wurde mit h² = 0,11 eine eher geringe Übereinstimmung zwischen Muttern und Töchtern festgestellt. Als ein der Euterbreite nahestehendes Merkmal zeigt die Hintereuterbreite der Milchkühe eine Erblichkeit von 0,15 bis 0,26, so dass für dieses Merkmal die Annahme einer im Vergleich zur Eutertiefe geringeren Erblichkeit gerechtfertigt ist.

In dieser Untersuchung wurden für alle Zitzenmaße hohe bis sehr hohe


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Heritabilitätskoeffizienten (h² = 0,39 bis 0,73) geschätzt. Fernandez ( 34. ) fand für die Zitzengröße als Gesamtmerkmal einen h²-Wert von 0,18. Dagegen weisen in der Milchrindzucht die Strichlänge h²-Werte zwischen 0,24 und 0,59 sowie der Strichdurchmesser von 0,21 bis 0,54 auf. In der aktuellen Zuchtwertschätzung für Milchrinder wird von einer mittleren Erblichkeit (h² = 0,25) für die Strichlänge ausgegangen. Auf dieser Grundlage erscheint die Annahme einer mittleren Erblichkeiten (h² = 0,25) für die Zitzenformmerkmale in der Milchschafzucht gerechtfertigt.

Nur für die beurteilten Merkmale Zitzenform und Zitzenplatzierung konnten in der eigenen Untersuchung niedrige aber noch züchterisch nutzbare h²-Werte geschätzt werden. Dagegen berichten Fernandez ( 34. ) für die Euterbefestigung (h² = 0,17) sowie Brotherstone ( 20. ), Casanova ( 23. ), Foster ( 37. ), Meyer ( 82. ), Reents ( 101. ), Schaeffer ( 113. ) und Weigel ( 140. ) aus dem Bereich der Milchrindzucht für die Vordereuteraufhängung (h² = 0,14 bis 0,31), die Hintereuterhöhe (h² = 0,17 bis 0,28) und das Zentralband (h² = 0,15 bis 0,25), dass auch für die Merkmale der Euteraufhängung mit einer Erblichkeit von durchschnittlich h² = 0,20 gerechnet werden kann. Für die Zitzenplatzierung fand Fernandez ( 34. ) einen mittleren h²-Wert von 0,24 und entspricht damit etwa den in der aktuellen Zuchtwertschätzung der Milchrindzucht verwendeten h²-Werten von 0,22.

5.4 Eignung der Melkbarkeit als Selektionskriterium

Die eigenen Untersuchungen erbrachten für das Durchschnittliches Minutengemelk als Merkmal der Melkbarkeit, einen h²-Wert von 0,48. Bei Milchrindern berechneten Johansson ( 56. ), Andreae ( 3. ), Klüsserath ( 60. ) und Venge ( 134. ) für dieses Leistungsmerkmal h²-Werte zwischen 0,40 und 0,50. Nach heutigem Erkenntnisstand wird von einer Heritabilität bei 0,30 in der Milchrindpopulation ausgegangen.

Bei einem Gesamtdurchschnitt von 580 g/min, einer Streuung von 160 bis 1.800 g/min und einem Variationskoeffizienten von s % = 50,85 bestehen gute Selektionsmöglichkeiten.

Die Milchleistung beeinflusst in einem hohen Maße Merkmale der Melkbarkeit. Für Milchkühe fand Wilke ( 143. ) eine enge Korrelation zwischen Milchleistung und Höchstem Minutengemelk. Auch in den eigenen Untersuchungen zeigt sich mit rp = 0,403 eine enge Beziehung zwischen Milchleistung und Durchschnittlichem Minutengemelk. Dabei steigt


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die Melkbarkeit um 18,2 g/min, wenn die Tagesmilchleistung um 100 g zunimmt.

Wesentlich beeinflusst wird die Melkbarkeit aber auch von Milchflusskurve, Milchejektionsreflex und Zitzenaufbau. Nach Mayer ( 80. ) sind Tiere mit den Milchflusskurven Typ I und II am effektivsten in der Milchhergabe. Insbesondere Tiere mit einer Typ II-Kurve zeigen überwiegend überdurchschnittliche Milchleistungen. Sie geben nacheinander erst die zysternale und anschließend die Alveolarmilch ab. Bei Typ I-Schafen sammelt sich dagegen ein Großteil der Milch in den Zisternen, die sie dann mit einem Mal abgeben. Hier fehlt nach Marnet ( 77. ) der Milchejektionsreflex. Diese Tiere sind mit der Milchhergabe zwar am schnellsten, haben aber nicht die höchste Milchleistung. Trotzdem können sie mit der höchsten Menge je Zeiteinheit effektiver sein als Typ II-Schafe. Deshalb kommt es bei einer Einzeltierauswertung darauf an, die Tiere herauszufinden, die eine überdurchschnittliche Milchleistung mit einer überdurchschnittlichen Melkbarkeit verbinden. Nach Seykora ( 121. ) ist aber auch zu beachten, dass eine hohe Melkbarkeit zu Eutergesundheitsstörungen und höheren Zellgehalten in der Milch führen kann. Auch Dodd ( 28. ), Baumgartner ( 13. ), Lojda ( 70. ), Magid ( 75. ), Moore ( 85. ), Haase ( 45. ) sowie Jensen ( 55. ) weisen darauf hin, dass Kühe bei hoher Melkgeschwindigkeit eher zu Mastitis neigen. Deshalb sollte entsprechend der Forderung von Moore ( 85. ) nicht auf höchste Melkbarkeit, sondern auf eine einheitlich gute Melkbarkeit selektiert werden.

Zwar konnte der Einfluss der Laktationsnummer auf die Melkbarkeit nicht berechnet werden, doch Montaldo ( 84. ) fand dazu bei Milchziegen eine tendenzielle Erhöhung der Milchflussgeschwindigkeit mit zunehmender Laktationszahl. Roth ( 108. ) wies für Milchkühe einen hohen Einfluss sowohl der Laktationsnummer als auch des Laktationsstadiums nach und erklärte dies mit der engen Beziehung der Melkbarkeit zur Milchleistung. Für Milchziegen konnte Peris ( 90. ) keine signifikante Differenz zwischen den Laktationsstadien finden. Die Ergebnisse der eigenen Untersuchung weisen aber darauf hin, dass die Melkbarkeit der Milchschafe ebenfalls der Milchleistung folgt. Danach hält sich bis zum 3. Laktationsmonat das Leistungsniveau; anschließend fällt das Durchschnittliche Minutengemelk in zum Teil signifikanten Stufen der Milchleistung folgend ab.


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5.5 Eignung der Zellzahl als Selektionskriterium

Die Erblichkeitsschätzungen für die Zellzahl zeigen überwiegend niedrige Werte, schließen aber doch mit h² = 0,10 eine gewisse Erblichkeit hoher Zellzahlen mit einer Disposition für Eutererkrankungen ein. Im Bereich der Milchrindzucht bewegt sich die Heritabilität der Zellzahl nach Mrode ( 87. ), Boettcher ( 15. ) und Rupp ( 110. ) im Bereich von h² = 0,10 bis 0,18.

Die Zellzahl wird von verschiedenen Eutermerkmalen sowie von Milchleistung, Laktationsnummer, Laktationsstadium und Anzahl aufgezogener Lämmer beeinflusst. Tietze ( 131. ) und Baro ( 9. ) fanden bei OFM für den Einfluss der Milchleistung auf die Zellzahl Korrelationskoeffizienten von rp = -0,28 und rg = -0,37. In der eigenen Untersuchung konnte zwar nur ein sehr kleiner phänotypischer Korrelationskoeffizient gefunden werden; dennoch sinkt bei steigender Milchleistung die Zellzahl tendenziell. Neuere Untersuchungen in der Milchrindpopulation zeigen nach Haase ( 45. ), Jahnke ( 53. ) und Brade ( 17. ) dagegen, dass zumindest im Hochleistungsbereich die Zellzahl und Erkrankungshäufigkeit mit steigender Leistung zunimmt. Übereinstimmend schlussfolgern sie, dass eine züchterische Einflussnahme zur Stabilisierung der Eutergesundheit erforderlich ist.

Die Zellzahl wird durch die Anzahl an Laktationen beeinflusst. Gonzalo ( 42. ) und Tietze ( 131. ) fanden für Schafe sowie Roth ( 108. ) für Milchkühe einen signifikanten Effekt. Aufgrund der ständigen Belastung des Euters steigt der Zellgehalt in der Milch mit zunehmender Anzahl Laktationen stetig an. Diese Feststellung entspricht bei nicht signifikanten Mittelwertdifferenzen dem eigenen Ergebnis. Auch das Laktationsstadium hat einen signifikanten Einfluss auf die Zellzahl. Übereinstimmend berichten Baumgartner ( 11. ), Wittek ( 145. ) und Fahr ( 31. ) für OFM von Verlaufskurven, nach denen der Zellgehalt zu Beginn der Laktation noch erhöht ist, im Verlauf aber sinkt, um zum Ende wieder anzusteigen. Andeutungsweise ist diese Entwicklung auch in den Ergebnissen der eigenen Untersuchung nachzuvollziehen.

Der Geburtstyp bzw. die Anzahl aufgezogener Lämmer stehen nach Fahr ( 31. ) und Gonzalo ( 43. ) zumindest zu Beginn der Laktation in einem positiven signifikanten Verhältnis zur Zellzahl. Dieses Ergebnis wird nur tendenziell in der vorliegenden Untersuchung bestätigt.


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Thu Apr 19 16:20:32 2001