Kretschmer, Gudrun: Untersuchungen zur Euterform und Melkbarkeit bei Ostfriesischen Milchschafen als Grundlage für züchterische Maßnahmen zur Leistungs-und Euterverbesserung

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Kapitel 7. Zusammenfassung

Untersuchungen zur Euterbeurteilung wurden in drei Betrieben mit maschineller Milchgewinnung an 193 Mutterschafen der Rasse Ostfriesisches Milchschaf vorgenommen. Die Eutermessungen und -beurteilungen berücksichtigten 17 Merkmale und hatten eine möglichst genaue und objektive Euterbeschreibung zum Ziel. Bei zwei bis vier Untersuchungen je Tier, im Abstand von etwa vier Wochen, beginnend mit der ersten Milchleistungsprüfung konnten 9.231 Messungen und 5.204 Merkmalsbeurteilungen in die Auswertung einbezogen werden. Die Prüfung der Melkbarkeit wurde in Anlehnung an die gültige ADR-Empfehlung Nummer 3.3 vom 25. Mai 1987 zur Durchführung der Melkbarkeitsprüfung bei Milchkühen in Verbindung mit der Milchleistungsprüfung vorgenommen. Für die Auswertung standen zusätzlich die einzeltierbezogenen Gehalte somatischer Zellen in der Milch zur Verfügung.

Die statistischen Auswertungen erfolgten mit den Programmpaketen SAS ( 112. ), SPSS ( 126. ) und EXCEL97( 83. ). Eine Berechnung einzeltierbezogener Mittelwerte aus den wiederholten Merkmalserfassungen am gleichen Individuum war Grundlage für die statistische Darstellung der Merkmale und ihre Überprüfung auf Normalverteilung mit EXCEL97 sowie für die Korrelations- und Regressionsanalysen (einschließlich Eltern-Nachkommen-Regression) mit SPSS. Für die Prüfung des Einflusses von Betrieb, Laktationsnummer, Laktationsstadium, aufgezogene Lämmer und Tagesmilchleistung sowie des Einflusses von Hängeeutern auf die Eutermerkmale, Tagesgemelk, Durchschnittliches Minutengemelk und die Zellzahl wurde die für unbalanciertes Datenmaterial geeignete GLM (General Linear Model)-Prozedur Type III von SAS verwendet. Zur Auswertung von Tests zur Prüfung der Sicherheit der verwendeten Mess- und Beurteilungsmethoden diente die Prozedur MIVQUE (Variance Component Estimation Procedure) von SAS. Aus den geschätzten Varianzkomponenten erfolgte die Berechnung der Wiederholbarkeitskoeffizienten.

Die Untersuchungsergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Euter- und Zitzenformmerkmale zeigten hoch signifikante Unterschiede zwischen den Betrieben. Die Laktationsnummer macht sich vor allem bei den Merkmalen Eutertiefe, longitudinaler Umfang, Zitzendurchmesser, Euteraufhängung und der Zitzenplatzierung bemerkbar. Mit zunehmenden Alter lässt der Halteapparat des Euters in seiner Festigkeit


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nach und das Euter sackt durch. Für das Laktationsstadium war im Untersuchungs-zeitraum nur ein schwacher Einfluss feststellbar. Trotzdem konnten bei Euterlänge, Euterbreite, transversalem Umfang, Euteraufhängung und Zitzenplatzierung Veränderungen nachgewiesen und der Laktationsabschnitt bis zum vierten Laktationsmonat als optimal für die Euterbeurteilung herausgestellt werden. Die Anzahl aufgezogener Lämmer beeinflusst schwach die Eutertiefe und die Euterumfänge. Das Tagesgemelk der Tiere zeigte einen hoch signifikanten Einfluss auf Merkmale der Eutergröße sowie der Euteraufhängung.

Hängeuter werden stets mit der Melkmaschineneignung in Verbindung gebracht. Tiere mit Hängeeutern unterschieden sich hoch signifikant in der Eutertiefe, den Euterumfängen, dem Bodenabstand sowie der Euteraufhängung und der Zitzenplatzierung von Tieren ohne Hängeeuter. Milchschafe mit Hängeeutern zeigen besonders im Euterband eine offensichtliche Schwäche

Die Sicherheit der Erfassungsmethode für gemessene Eutermerkmale hängt von der sicheren Bestimmung der Messanfangs- und -endpunkte ab. Je kleiner die Dimension des Merkmales ist, um so stärker wirken Messabweichungen auf die Wiederholbarkeit einer Messung. Daraus ergab sich, dass im Allgemeinen die Erfassung der Eutermaße aufgrund ihrer Größe sicherer war als die der Zitzenmaße. Bei ausreichender Übung konnten aber auch die Zitzenlängen und die Zitzendurchmesser mit hinreichender Sicherheit erfasst werden. Dabei erwiesen sich aber Eutertiefe (W = 0,92), transversaler Umfang (W = 0,91), Bodenabstand (W = 0,82) und Zitzenlänge (W = 0,67) aufgrund ihrer leichten Handhabung und relativen Unempfindlichkeit gegenüber dem Füllzustand des Euters als besonders geeignet für eine breitere Anwendung auch durch andere Personen. Festgestellt wurde auch, dass die Erfassung der Euterdimension durch Messung prinzipiell sicherer ist als durch schätzende Beurteilung. Dagegen kamen die Wiederholbarkeitskoeffizienten der beurteilten Zitzengröße denen der gemessenen Merkmale sehr nahe, so dass in diesem Fall die Beurteilung eine weniger zeitaufwendige Alternative darstellt. Bei der Zitzenplatzierung (W = 0,60) erwies sich die Beurteilung sicherer als die Messung. In den Merkmalen zur Beurteilung der Euteraufhängung wurden bei der Hintereuteraufhängung und dem Euterband mit Werten bis W = 0,80 die höchsten Wiederholbarkeitskoeffizienten erreicht.


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Die Beziehung von Eutermerkmalen zu wirtschaftlich bedeutenden Einflussgrößen ist eine Voraussetzung für ihre züchterische Verwendung. So wies das Eutervolumen zum Tagesgemelk mit rp = 0,594 die engste phänotypische Beziehung auf. Als berechnete Größe zeigte das Eutervolumen zur Eutertiefe mit rp = 0,572 die engste Verbindung. Die Melkbarkeit lässt sich über Euterformmerkmale kaum beeinflussen. Nur der Bodenabstand und die Merkmale der Zitzengröße zeigen zu ihr eine schwache Beziehung. Die Melkbarkeit verbessert sich mit größer werdendem Abstand des Euters vom Boden. Besonders ungünstig wirken zu große und zu breite Zitzen. Zur züchterischen Einflussnahme auf Extreme dieser Merkmale sollten Bodenabstand und Zitzengröße Berücksichtigung finden. Eine Möglichkeit der Einflussnahme auf die Eutergesundheit, ergibt sich aus den engen Beziehungen einer Reihe von Merkmalen zur Zellzahl. So weist die Hintereuteraufhängung (rp = -0,713) zur Zellzahl die engste Beziehung auf. Aber auch der longitudinale Umfang (rp = 0,640), die Eutertiefe (rp = 0,496), die Zitzenplatzierung (rp = -0,585) und der Bodenabstand (rp = -0,450) haben Einfluss auf die Zellzahl und damit auf die Eutergesundheit.

Die Euterbeurteilung ist ein geeignetes Mittel für eine direkte züchterische Einflussnahme zur Verbesserung der Melkmaschineneignung und der Eutergesundheit sowie eine indirekte züchterische Einflussnahme auf die Melkbarkeit der Tiere. Die Euterdimension resultiert teilweise aus der Milchleistung. In der Euterbeurteilung besonders berücksichtigt werden sollten die Eutertiefe, der Bodenabstand, die Hintereuteraufhängung, das Euterband, die Zitzenplatzierung, die Zitzenlänge und der Zitzenbasisdurchmesser. Bei allen genannten Merkmalen kann man von einer mittleren Erblichkeit (h² = 0,20 bis 0,25) ausgehen; und sie weisen zu anderen Eutermerkmalen mit Bezug zu den wirtschaftlichen Einflussgrößen enge phänotypische Beziehungen auf.


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Thu Apr 19 16:20:32 2001