3 Ergebnisse

3.1  Brutvogelgemeinschaft

Zusammensetzung: Arten- und Individuenzahlen

▼ 53 

Im Jahr 2002 wurden insgesamt 35 Brutvogelarten festgestellt (Tab. 6). Die geringste Artenzahl erreichte das Ze mit 12 Arten, die höchste Artenzahl der Pa mit 28 Arten (Tab. 6). Die geringste Revierdichte wurde im Ge mit 52,4 Bp/10 ha, die höchste in der Eh mit 96,5 Bp/10 ha festgestellt (Tab. 6). Zusätzlich konnten im Jahr 2003 noch zwei neue Brutvogelarten (Bluthänfling und Schwanzmeise) ausgemacht werden. Neben den Brutvögeln wurden noch zwölf weitere Arten als so genannte „Gäste“ auf den fünf Pf festgestellt (Tab. 7).

Tab. 6: Reviere pro 10 ha auf den fünf Pf: Ergebnisse der Brutvogelkartierung 2002 sowie als Ergänzung Gäste: G; Ergänzungen vom Frühjahr/Sommer 2003 sind in Klammern7

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

Dominanz (%)

 

Haussperling

23,3

23,6

30,3

17,7

0,9

25,8

 

Amsel

8,1

2,7

13,0

19,3

14,8

15,6

 

Stadttaube

22,0

4,4

6,3

G

G

8,8

 

Blaumeise

1,5

2,1

6,7

9,1

8,0

7,4

 

Grünling

6,6

2,5

5,3

11,1

1,7

7,3

 

Kohlmeise

3,0

2,1

6,7

5,5

5,2

6,1

 

Ringeltaube

0,5

1,7

3,4

9,4

1,3

4,4

 

Star

(0,5)

0,8

2,4

6,6

4,8

3,9

 

Nebelkrähe

1,5

1,9

2,9

2,2

1,3

2,6

 

Hausrotschwanz

1,0

1,5

1,2

2,5

(G)

1,7

 

Mönchsgrasmücke

-

(0,5)

1,0

0,3

4,8

1,6

 

Mauersegler

0,5

5,0

0,5

-

-

1,6

 

Buchfink

-

-

(G)

(G)

5,6

1,5

 

Elster

0,5

1,0

2,4

1,1

0,4

1,5

 

Girlitz

-

1,0

-

3,9

0,4

1,4

 

Feldsperling

-

-

1,0

3,9

0,4

1,4

 

Rotkehlchen

-

-

-

(1,1)

5,2

1,4

 

Klappergrasmücke

-

0,4

1,0

0,6

0,9

0,8

 

Kleiber

-

-

-

-

2,2

0,6

 

Mehlschwalbe

(0,5)

1,7

0,5

-

-

0,6

 

Türkentaube

(0,5)

-

-

1,7

-

0,4

 

Nachtigall

-

-

-

(0,6)

1,7

0,5

 

Zaunkönig

-

-

-

0,6

1,1

0,4

 

Grauschnäpper

-

-

-

-

1,3

0,4

 

Zilpzalp

-

-

-

-

1,3

0,4

 

Stieglitz

(G)

-

-

0,6

0,7

0,3

 

Eichelhäher

-

-

-

0,6

0,4

0,3

 

Gelbspötter

-

-

-

-

0,9

0,2

 

Buntspecht

-

-

-

-

0,9

0,2

 

Gartenbaumläufer

-

-

-

-

0,9

0,2

 

Gartenrotschwanz

0,5

-

-

-

(G)

0,1

 

Fitis

-

-

0,5

-

-

0,1

 

Habicht

-

-

-

-

0,4

0,1

 

Singdrossel

-

-

-

-

0,4

0,1

 

Waldlaubsänger

-

-

-

-

0,4

0,1

 

Reviersumme 2002

69,1

52,4

85

96,5

68,5

100

 

Artenzah l 20 02

12

15

17

18

28

 

Tab. 7: Sonstige Arten auf den fünf Pf, bei denen 2002 kein Reviernachweis erbracht werden konnte: G: Gast, Ergänzungen von 2003 sind in Klammern

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

Bachstelze

-

G

G; (0,5)

G

(G)

Bluthänfling

-

-

-

G; (2,2)

-

Mäusebussard

-

-

-

-

(G)

Gimpel

-

-

-

(G)

-

Grünspecht

-

-

-

(G)

-

Haubenmeise

-

-

-

G

-

Heckenbraunelle

-

-

-

G

-

Kernbeißer

-

-

-

(G)

(G)

Kleinspecht

-

-

-

-

G

Rauchschwalbe

-

-

-

-

(G)

Schwanzmeise

-

-

-

(G)

(0,4)

Trauerschnäpper

-

-

-

(G)

-

Turmfalke

G

G

(G)

-

-

Waldbaumläufer

-

-

-

-

(G)

Weidenmeise

-

-

-

G

-

Wendehals

-

-

-

(G)

-

▼ 54 

Alle Flächen zusammengenommen, war der Haussperling die häufigste Art und gehörte somit neben der Amsel zu den eudominanten Arten (Abb. 12). Die höchsten Dichten wurden in der Ho, die geringsten im Pa festgestellt (Tab. 6, Abb. 12). Zu den dominanten Arten gehörten Stadttaube, Blaumeise, Grünling und Kohlmeise (Abb. 13). Dabei war die Stadttaube als Brutvogel nur auf drei Pf zu finden, wobei die höchste Abundanz im Ze erreicht wurde. Ringeltaube, Star und Nebelkrähe waren subdominante Arten (Abb. 14). Vom Star konnte 2002 kein Brutnachweis im Ze erbracht werden, dafür aber im Jahr 2003 (Tab. 6). Die Abundanzen der Nebelkrähe wiesen eine recht gleichmäßige Verteilung über die fünf Pf auf. Die Ringeltaube dagegen hatte in der Eh eine viel höhere Dichte als auf den anderen Pf.

Abb. 12: Eudominante Arten auf den fünf Pf: Reviere pro 10 ha 2002

Abb. 13: Dominante Arten auf den fünf Pf: Reviere pro 10 ha 2002

▼ 55 

Abb. 14: Subdominante Arten auf den fünf Pf: Reviere pro 10 ha 2002

Brutvögel und Nahrungsökologie

Um Aussagen zur Bedeutung der Pf als Nahrungshabitat der einzelnen Vogelarten machen zu können, erfolgte eine Einteilung der 2002 festgestellten Brutvögel in nahrungsökologische Gilden:

▼ 56 

Die Zuordnung der einzelnen Arten ist in Anhang C-a aufgeführt. Insgesamt nahmen die omnivoren Vogelindividuen den größten Anteil ein. Es war eine Abnahme vom Ze mit 80 % omnivoren Brutvögeln zum Pa mit einem Anteil von 34 % zu verzeichnen. Ein Gradient entlang den fünf Pf ist deutlich zu erkennen.

Den nächstgrößten Anteil machten die insektivoren Vogelindividuen aus. Im Ze betrug der Anteil gut 10 %, im Pa hingegen 52 %. Der Anstieg erfolgte jedoch nicht kontinuierlich, im Ge und in der Ho waren die Anteile der Insektenfresser höher als in der Eh.

Herbivore Brutvögel waren im Ze, in der Ge und in der Ho nur mit etwa 10 % vertreten. Im Pa war der Anteil höher und in der Eh mit 28 % am höchsten.

▼ 57 

Abb. 15: Anteil der omnivoren, herbivoren, insektivoren und carnivoren Brutvögel 2002 auf den fünf Pf

Auf allen fünf Pf dominierte der Anteil der Bodensucher. Dabei wurde der höchste Anteil
(92 %) im Ze, der niedrigste im Pa (52 %) festgestellt (Abb. 16). Umgekehrt verhielt es sich mit Vögeln, welche eine Baum- und Strauchschicht zum Nahrungserwerb benötigen. Der Anteil war im Ze und im Ge sehr gering (< 10%), erreichte in der Ho 19%, in der Eh 17%, und war schließlich im Pa am höchsten (46 %). Brutvögel, welche den Luftraum nutzen, wurden in geringen Anteilen auf allen Pf, mit Ausnahme der Eh, festgestellt (Abb. 16).

Abb. 16: Anteil der Brutvögel 2002 auf den fünf Pf, welche zum Nahrungserwerb den Boden, die Baum-/Strauchschicht und den Luftraum nutzen

3.2 Wintervogelgemeinschaft

Zusammensetzung: Arten- und Individuenzahlen

▼ 58 

Insgesamt wurden im Verlauf der Untersuchung 3763 Individuen in 30 Arten registriert. Die Individuenzahlen und Artenzusammensetzung zeigt Tab. 8.

Tab. 8: Wintervögel - Individuenzahl pro 10 ha: Median (fett gedruckt) der vier Begehungen sowie Minimum- und Maximumwerte; (die Arten sind nach der Gesamtabundanz geordnet)

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

Haussperling

35,7

23,8; 54,6

27,5

23,3; 31,3

91,0

63,6; 98,7

27,9

23,8; 52,0

0,0

0,0; 2,2

Stadttaube

34,4

25,3; 41,0

1,5

0,0; 2,5

10,8

3,9; 15,9

-

-

Blaumeise

2,8

1,5; 4,0

1,7

1,3; 2,9

15,4

9,1; 15,9

8,8

6,6; 13,8

12,4

11,3; 14,8

Kohlmeise

5,6

4,6; 7,1

3,8

1,7; 6,3

8,9

5,8; 9,6

5,8

3,3; 14,4

16,5

11,3; 19,1

Amsel

6,3

3,0; 6,6

2,9

0,8; 3,3

15,6

9,6; 16,4

7,2

5,5; 14,4

5,6

0,0; 10,9

Saatkrähe

-

16,0

0,0; 26,3

5,1

1,9; 35,6

-

-

Elster

2,5

2,0; 3,5

2,3

1,7; 2,5

8,9

5,8; 9,6

4,4

1,1; 7,7

2,0

1,3; 2,2

Nebelkrähe

3,0

2,0; 3,0

2,1

1,7; 2,9

7,5

4,8; 7,7

3,6

2,2; 6,6

0,0

0,0; 1,7

Grünling

0,3

0,0; 1,0

0,2

0,0; 0,8

3,6

1,9; 7,2

8,6

1,7; 11,1

0,9

0,4; 3,5

Feldsperling

-

0,0

0,0; 1,7

0,0

0,0; 0,5

5,8

1,1; 9,4

-

Türkentaube

-

-

-

4,4

2,2; 9,4

-

Kleiber

-

-

-

-

4,3

3,0; 5,6

Ringeltaube

0,0

0,0; 0,5

0,6

0,4; 0,8

-

0,8

0,0; 2,8

0,7

0,0; 2,2

Star

-

-

-

0,6

0,0; 1,1

1,1

0,0; 2,6

Schwanzmeise

-

-

0,2

0,0; 0,5

-

0,9

0,0; 3,5

Gartenbaumläufer

-

-

0,0

0,0; 1,4

-

1,1

0,0; 1,3

Stieglitz

-

-

-

1,1

0,0; 2,8

0,0

0,0; 0,9

Habicht

-

-

-

0,6

0,6; 1,1

0,4

0,0; 0,9

Rotkehlchen

-

0,0

0,0; 0,8

0,2

0,0; 0,5

0,6

0,0; 1,1

0,2

0,0; 0,9

Eichelhäher

-

0,0

0,0; 0,4

-

0,8

0,0; 1,7

0,0

0,0; 0,4

Buchfink

-

-

-

0,6

0,0; 1,7

-

Dohle

-

0,4

0,0; 0,4

0,0

0,0; 0,5

-

-

Buntspecht

-

-

-

-

0,2

0,0; 0,9

Lachmöwe

-

0,0

0,0; 0,4

-

-

-

Wanderfalke

-

-

-

-

0,0

0,0; 0,4

Zaunkönig

-

-

-

0,0

0,0; 0,6

-

Tannenmeise

-

-

-

0,0

0,0; 0,6

-

Haubenmeise

-

-

-

0,0

0,0; 1,1

-

Erlenzeisig

-

-

-

0,0

0,0; 2,2

-

Gimpel

-

-

-

-

0,0

0,0; 0,9

Individuensumme (alle4 Begehungen summiert)

721

557

1373

664

448

Artenzahl

9

15

14

20

19

Individuensumme und Artenzahl verhalten sich gegenläufig: Während in den städtischen Bereichen - im Ze und in der Ho - die höchste Individuenzahl registriert wurde, war die Artenzahl geringer als auf den anderen Flächen (Tab. 8). Wenn man von der Gesamtabundanz ausgeht, erreichte der Haussperling die höchste Individuenzahl, die Dominanz beträgt 41%. Allerdings war im Pa fast kein Haussperling zu finden (Tab. 8). Danach folgt die Stadttaube mit einer Dominanz von 10,5 %, die Blaumeise mit 9,2 %, die Kohlmeise mit 9,1 % und die Amsel mit 8,5 %. Zu den subdominanten Arten sind Saatkrähe, Elster und Nebelkrähe zu zählen. Die Saatkrähe, welche in Berlin ein Wintergast ist, war nur auf zwei Pf anzutreffen, im Ge und in der Ho (Tab. 8).

Anthropogene Fütterung und natürliche Nahrung

▼ 59 

Die unterschiedliche Menge an anthropogenen Futterstellen zeigt Abb. 17. Jede Futterstelle stellt unterschiedlich viel Nahrung bereit, so dass als Vergleichsgröße auch die Anzahl der Meisenringe bzw. der Meisenknödel angegeben wurde.

Abb. 17: Anthropogene Fütterung (pro 10 ha, Median der vier Begehungen) im Winter 2002/2003 auf den fünf Pf

In der Ho wurde eine große Anzahl an Futterstellen festgestellt. Wie erwartet war absichtliche Fütterung durch den Menschen sowohl im Ge als auch im Pa verschwindend gering.

▼ 60 

Auf allen fünf Pf wurde unabsichtliche Fütterung durch den Menschen (Mülleimer etc.) im Vergleich zur gezielten Fütterung (Futterhäuser, Meisenknödel) wenig beobachtet. Alle Beobachtungen von verschiedenen Vogelarten, die Müll als Nahrungsquelle nutzen, sind in Tab. 9 aufgeführt.

Tab. 9: Nahrungsaufnahme an Müll (ungezielte Fütterung) - alle vier Begehungen der Wintervogelkartierung summiert

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

1x Fleischstück

Nebelkrähe

2x Brot8

Saatkrähe, Nebelkrähe

3x Brot8

Stadttaube, Haussperling

0

1x Grillhähnchen

Elster

2x Brot8,

Brotkrümel

Stadttaube,

Haussperling

1x Kuchen

Dohle, Nebelkrähe, Saatkrähe

1x Margarine

Amsel

1x Chips

Haussperling

2x Müllsack, Mülltonne (undef.)

Nebelkrähe, Elster, Amsel

Die Nutzung anthropogener Strukturen (ungezielte und gezielte Fütterung) sowie natürlicher Strukturen (unversiegelter Boden, Sträucher, Bäume) von allen fressenden bzw. nahrungssuchenden Vögeln zeigt Abb. 18.

▼ 61 

Abb. 18: Futtersuchende bzw. fressende Vögel an bzw. auf unterschiedlichen Strukturen im Winter 2002/2003 auf den fünf Pf (Individuensumme, alle vier Begehungen summiert)

Im hochverdichteten und hochversiegelten Ze wurden hauptsächlich anthropogene Strukturen von den Vögeln zur Nahrungssuche bzw. -aufnahme genutzt. Nur einige Blau- und Kohlmeisen nutzten die Straßenbäume, selten auch die wenigen Sträucher in den Innenhöfen, zur Suche nach Nahrung. Auf den unversiegelten Flächen in den Innenhöfen fanden einige Amseln natürliche Nahrung. Im Ge wurde unversiegelter Boden von Saatkrähen zur Nahrungssuche genutzt (ein Schlafplatz befand sich zu einem kleinen Teil auf der Fläche, zu einem größeren Teil grenzte er direkt an). Die meisten fressenden bzw. futtersuchenden Vögel wurden in der Ho gezählt. Viele Arten nutzten hier das immens große Angebot an Futterstellen, die Meisen suchten aber auch die Baumschicht ab, die Saatkrähen den Boden (z. B. nach Eicheln). In der Eh nutzte ein Großteil der Vögel natürliche Strukturen. Im Pa suchten 96 % der Vögel an natürlichen Strukturen. Doch sogar auf dieser öffentlichen Grünfläche hingen einige Meisenknödel in den Büschen. Auffallend war das große Angebot an Bucheckern in diesem Pa, an welchen sich u. a. Meisen und Kleiber labten. Trotzdem wurde auch registriert, dass Meisen und Kleiber über die Straße „Am Treptower Park” zu den Futterhäusern auf den Balkonen und Fenstersimsen flogen.

Berliner und Vogelfütterung

In Zusammenarbeit mit dem Forschungsprojekt „Umweltwahrnehmung” (Institut für Psychologie der Humboldt-Universität, Abteilung kognitive Psychologie, Husemann, A., van der Meer, E., & Beyer, R.) innerhalb des Graduiertenkollegs 780 wurde eine Befragung von 120 Berlinerinnen und Berlinern durchgeführt (Kübler 2005). Die Auswertung der Fragebögen zeigte, dass im Winter 20,8 % der Probanden immer, 19,2 % manchmal und 14,2 % selten Vögel füttern. Wintervogelfütterung wird also von 45,8 % der befragten Berliner nie durchgeführt.

Vergleich der Wintervogelgemeinschaft mit der Brutvogelgemeinschaft hinsichtlich Arten- und Individuenzahl

▼ 62 

Bei der Brutvogelkartierung lag die insgesamt festgestellte Artenzahl mit 35 über der Artenzahl der Wintervögel mit 30 (Abb. 19). Wenn man zu den Brutvögeln auch noch die (Nahrungs-)Gäste hinzurechnet, beträgt die Differenz Sommer – Winter sogar 12, da 2002 zusätzlich zu den 35 Brutvogelarten noch 7 Vogelarten als Gäste festgestellt wurden (Tab. 7). Bei den Artenzahlen der Brutvögel ist ein stetiger Anstieg vom Ze bis hin zum Pa zu verzeichnen. Bei den Wintervögeln hingegen wird diese stetige Zunahme der Artenzahlen durch die Ho unterbrochen, welche weniger Arten als das Ge aufweist, ebenso wie durch die Eh, welche eine Art mehr als der Pa aufweist (Abb. 19).

Abb. 19: Vergleich der Artenzahlen der Wintervögel (WV) und der Brutvögel (BV) unter Einbeziehung der bei der Brutvogelkartierung festgestellten Gäste (G)

Betrachtet man die Individuenzahlen, ist es schwierig, die Pf miteinander zu vergleichen, da man nicht von einem festen Wintervogelbestand ausgehen kann – im Gegensatz zum Brutvogelbestand. Wenn man die Minimalzahl festgestellter Individuen bei einer Begehung der Wintervogelkartierung mit den Individuen an Brutvögeln vergleicht, liegen die Wintervogelzahlen weit unter den Brutvogelzahlen (Abb. 20). Aber auch die bei einer Begehung festgestellte Maximalzahl an Wintervögeln reicht, mit einer Ausnahme, nicht an die Brutvogelzahlen heran. Nur in der Ho wurden bei einer Begehung mehr Wintervögel festgestellt als Brutvögel (Abb. 20). Sowohl hinsichtlich der Minimal- als auch der Maximalzahl wurde in der Ho der größte Wintervogelbestand festgestellt (Abb. 20).

▼ 63 

Die Individuenzahlen an sommerlichen (Nahrungs-)Gästen sind zu vernachlässigen, da es sich nur um einzelne Individuen handelte.

Abb. 20: Vergleich der (minimalen und maximalen) Individuenzahlen der Wintervögel (WV) mit den Individuenzahlen der Brutvögel (BV) pro 10 ha auf den fünf Pf

3.3 Brutbiologie und Nahrungsökologie ausgewählter Arten

Da die vier untersuchten Vogelarten hinsichtlich ihrer Störungsempfindlichkeit differieren und, je nach Nistweise, mehr oder weniger Daten gewonnen werden konnten, liegen nicht überall gleich viele Ergebnisse vor. Im Folgenden werden die Blaumeise und der Turmfalke - beides gute Studienobjekte – sehr ausführlich behandelt. Beim Grünling hingegen liegen weniger, beim Haussperling letztlich die wenigsten Daten vor. Dies soll jedoch nicht daran hindern, die Vertreter der unterschiedlichen nahrungsökologischen Gilden miteinander zu vergleichen (Kap 4.4).

3.3.1  Blaumeise

Brutbiologie

▼ 64 

Revierdichte

Eine komplette Revierkartierung wurde bei der Brutvogelkartierung 2002 durchgeführt (vgl. Kap. 2.2, 3.1), 2003 jedoch nicht mehr, da nur Paare, welche in den extra aufgehängten Nistkästen brüteten, untersucht wurden. Doch auch 2003 kann man von einer ähnlichen Verteilung der Revierdichten auf den fünf Pf ausgehen. Das Ze unterschied sich 2002 mit insgesamt 3 Bp (bzw. 1,5 Bp/10 ha) signifikant von der Ho und hoch signifikant von der Eh und dem Pa (Tab. 10). Außerdem liegt ein signifikanter Unterschied zwischen dem Ge und der Ho und ein hoch signifikanter zwischen dem Ge und der Eh sowie dem Pa vor (Tab. 10).

Tab. 10: Unterschiede in der Blaumeisenabundanz der fünf Pf 2002 (χ2-Test: ** = p<0,01, * = p<0,05, n.s. = nicht signifikant)

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

Ze

---

n.s.

*

**

**

Ge

---

*

**

**

Ho

---

n.s

n.s.

Eh

---

n.s

Pa

---

▼ 65 

Temperaturverlauf auf den fünf Pf

Das Brutgeschehen der Blaumeisen wird stark durch das Wetter, besonders durch den Temperaturverlauf, beeinflusst, so dass dieser hier einführend dargestellt wird.

Die Maximal- und Minimaltemperaturen im Zeitraum 10. April bis 6. August 2003 unterschieden sich deutlich voneinander (Abb. 21, 22). Die Maximaltemperaturen zeigten eine Spanne von 31 ° C (Eh) bis 36,5 °C (Ze). Die größte Differenz (5,5 ° C) bestand also zwischen der Zentrumsfläche und der am Stadtrand gelegenen Eh. Die Minimaltemperaturen variierten von 0 ° C (Ze) bis - 4 ° C (Pa).

▼ 66 

Abb. 21: Maximaltemperatur im Zeitraum 10.04 - 06.08.03 auf den fünf Pf

Abb. 22: Minimaltemperatur im Zeitraum 10.04 - 06.08.03 auf den fünf Pf

Den Temperaturverlauf auf den fünf Pf, bezogen auf Minimal- und Maximaltemperatur, zusammengefasst in Monatsdekaden, zeigen Abb. 23 – 27.

▼ 67 

In der ersten Aprildekade, in welcher nur für das Ge und den Pa Daten vorliegen, wurden als Minimaltemperaturen noch Werte unter 0 ° C gemessen. Ebenso liegen die Minimalwerte in der zweiten Aprildekade in der Ho, der Eh und dem Pa noch unter 0° C, jedoch nicht im Ze und im Ge. Die erste Maidekade war auf allen Pf, mit Ausnahme des Ze9, wärmer als die zweite und dritte. In der ersten Junidekade wurden im Ge bereits 36 ° C erreicht. Insgesamt gesehen stellten das Ze und das Ge die wärmsten Pf sowohl hinsichtlich der Minimal- als auch der Maximaltemperaturen (gemittelt) der Monatsdekaden dar. Auf allen Pf wurden keine späten Kälteeinbrüche registriert. Insgesamt gesehen war der April jedoch kühler im Vergleich zum langjährigen Mittel (1961-90): Die tiefste Temperatur lag 2,6 °C darunter, die mittlere Minimumtemperatur war um 0,4 ° C geringer (nach Messwerten der Klimastation Berlin-Dahlem, Beilage zur Berliner Wetterkarte, vgl. auch Kap. 2.1.2).

Abb. 23: Temperaturverlauf im Ze, Minimum- und Maximumwerte, gemittelt in Monatsde-kaden10 (2003)

Abb. 24: Temperaturverlauf im Ge, Minimum- und Maximumwerte, gemittelt in Monatsde-kaden (2003)

▼ 68 

Abb. 25: Temperaturverlauf in der Ho, Minimum- und Maximumwerte, gemittelt in Monatsde-kaden (2003)

Abb. 26: Temperaturverlauf in der Eh, Minimum- und Maximumwerte, gemittelt in Monatsde-kaden (2003)

Abb. 27: Temperaturverlauf im Pa, Minimum- und Maximumwerte, gemittelt in Monatsde-kaden (2003)

▼ 69 

Untersuchung an den Nistkästen 2003

Insgesamt wurden von den 50 aufgehängten Nistkästen 15 entwendet bzw. einer davon wurde von Kindern durch Steinwurf zu Fall gebracht. Die meisten Nistkästen wurden in der Ho gestohlen (Abb. 28). Anwohner teilten mit, dass Jugendliche dafür verantwortlich seien.

Insgesamt fanden 24 Bruten in 22 Nistkästen statt: 22 Erstbruten, eine Ersatzbrut und eine Zweitbrut. Dabei wird die Zweitbrut Ende Juni im Ze als Sonderfall betrachtet und bei der statistischen Auswertung der Daten sowie den grafischen Darstellungen nicht mit einbezogen – außer wenn dies ausdrücklich erwähnt ist. Denn Zweitbruten lassen sich generell nicht mit Erstbruten vergleichen (aufgrund des späteren Legebeginns, anderer klimatischer Bedingungen, eines anderen Nahrungsangebots etc.).

▼ 70 

Es fanden noch in weiteren Kästen Bauaktivitäten statt, diese Nester wurden aber nicht fertig gestellt und nicht genutzt und somit auch nicht analysiert.

Abb. 28: Anzahl der Blaumeisennistkästen auf den fünf Pf

Nesteranalyse

▼ 71 

Die Ergebnisse der Analyse von 18 Blaumeisennestern zeigen die Abb. 29-32. (Alle Daten sind zur besseren Vergleichbarkeit aufsteigend geordnet, die Rohdaten sind im Anhang C-b aufgeführt). Es ist zu beachten, dass ein Nest im Ze teilweise überbaut wurde (Zweitbrut) und ein Nest im Pa (Ersatzbrut). Es gab keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich der Nesthöhen zwischen den fünf Pf (Kruskal-Wallis-Test, p>0,1), genauso wenig wie zwischen den Gewichten (Kruskal-Wallis-Test, p>0,1). Die Blaumeisen waren überall in der Lage, ein ausreichend hohes Nest zu bauen und Moos zu finden (Abb. 29, Abb. 31). Neben Moos war ein wichtiger Bestandteil getrocknete Gräser, Zweigstücke kamen sehr vereinzelt vor. Die Nestmulde wurde immer mit Federn und/oder Tierhaaren (z. B. von Katze und Hund) ausgekleidet. Die Nester variierten hinsichtlich des Moosanteils, welcher auf 10 % genau geschätzt werden konnte. Im Ze wies ein Nest einen Moosanteil von nur 30 % auf, im Pa gab es zwei Nester mit 40 % Moosanteil, im Ze, im Ge und in der Eh je ein Nest mit 90 % Moosanteil (Abb 31). Hinsichtlich des Anteils an Moos in den Blaumeisennestern unterschieden sich die Pf signifikant voneinander (Kruskal-Wallis-Test, p<0,05). Insgesamt war in neun Nestern, also in 50 % der analysierten Nester, künstliches Nistmaterial zu finden (Abb. 32), wenn auch in sehr geringen Anteilen. Nur im Ge gab es kein Meisenpaar, welches künstliches Material verwendete (Abb. 32). Es wurde Folgendes festgestellt: Plastikbänder, Wolle, Garn, eine Kunstfeder, Lametta und ein Kassettenband.

Abb. 29: Nesthöhen (cm) der analysierten Blaumeisennester

Abb. 30: Gewicht (g) der analysierten Blaumeisennester

▼ 72 

Abb. 31: Anteil Moos (%) der analysierten Blaumeisennester

Abb. 32: Anteil künstliches Nistmaterial (%) der analysierten Blaumeisennester

Bruten

▼ 73 

Abb. 33 zeigt die Anzahl der begonnenen und erfolgreichen Bruten auf den fünf Pf, wobei hier die Zweitbrut im Ze mit aufgeführt ist.

Abb. 33: Begonnene Bruten und erfolgreiche Bruten der Blaumeisen auf den fünf Pf (inklusive einer Zweitbrut)

Legebeginn

▼ 74 

Mit Ausnahme der Zweitbrut fingen alle Blaumeisenweibchen im April an zu legen (Abb. 34). Eine Häufung trat Mitte April auf (vor allem 17.-19. April) (Abb. 34). Es gab keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich des Legebeginns zwischen den fünf Pf (Kruskal-Wallis-Test, p> 0,1).

Abb. 34: Legebeginn der Blaumeisen auf den fünf Pf

Der Legebeginn der einen Zweitbrut im Ze war Mitte Juni (14.06.03). Die Brut fand im selben Nistkasten statt, wobei das erste Nest etwas überbaut wurde. Das Weibchen begann ca. 14 Tage nach Ausflug der Jungvögel mit der Ablage des ersten Eis.

▼ 75 

Gelegegröße

Das kleinste Gelege bestand aus 6 Eiern (im Ge), das größte aus 12 Eiern (in der Ho). Der Median der Gelegegrößen variierte zwischen 8 Eiern (Ze) und 10 Eiern (Ho) (Abb. 35). Bezieht man alle einzelnen Gelegegrößen auf den fünf Pf mit ein, wird deutlich, dass kein signifikanter Unterschied zwischen den Flächen besteht (Kruskal-Wallis-Test, p>0,1). Alle Pf summiert (24 begonnene Bruten, inklusive Zweitbrut), wurden 205 Eier gelegt. Der Median (sowie der Mittelwert) aller Gelegegrößen betrug 9,0 Eier.

Abb. 35: Median11 der Gelegegrößen der Blaumeisen auf den fünf Pf

▼ 76 

Schlupfrate

Es wurden Schlupfraten von 0 % als auch 100 % festgestellt. Der Median der Schlupfraten war in der Ho mit 100 % am höchsten (Abb. 36), wobei das durch menschlichen Einfluss zerstörte Neunergelege in der Ho nicht mit einbezogen wurde. Die Pf unterschieden sich hinsichtlich der Schlupfraten nicht signifikant voneinander (Kruskal-Wallis-Test, p>0,1). Insgesamt schlüpften aus den 205 Eiern mindestens 160 Nestlinge. 9 Eier wurden durch menschlichen Einfluss zerstört, 31 Eier waren „taub“. Bei der Zweitbrut war die Anzahl Geschlüpfter ungewiss.

Abb. 36: Median11 der Schlupfraten der Blaumeisen auf den fünf Pf

▼ 77 

Insgesamt wurden in allen Nestern 22 ganze Eier gefunden, wobei viele erst nach Ausfliegen der Meisen mitgenommen werden konnten, um das Nest nicht zu beschädigen. 9 Eier wurden also während der Nestlingsperiode zerbrochen. 15 Eier waren unbefruchtet, 7 befruchtet bzw. enthielten einen abgestorbenen Embryo (Abb. 37).

Abb. 37: Analyse der Resteier: Anzahl unbefruchteter und befruchteter Eier auf den fünf Pf

Reproduktionserfolg

▼ 78 

Insgesamt wurden 98 Jungvögel flügge. Die meisten Jungvögel flogen im Pa aus (Tab. 11, Abb. 38). Hinsichtlich der Summe ausgeflogener Jungvögel unterschied sich der Pa hoch signifikant von den anderen Pf (χ2-Test, p<0,01). Die meisten erfolgreichen Bruten wurden im Pa festgestellt. Das Ze wies die geringste Anzahl flügger Blaumeisen auf, wobei zu beachten ist, dass hier nur drei Bruten (zwei Erstbruten, eine Zweitbrut) stattfanden. Das Ze unterschied sich signifikant vom Ge und der Eh (χ2-Test, p<0,05) hinsichtlich der absoluten Anzahl Ausgeflogener, dem sogenannten Output einer Fläche.

Insgesamt waren 19 der 24 Bruten erfolgreich (Abb. 33, Tab. 11). Drei der Bruten im Ho kamen aufgrund anthropogenen Einflusses um, bei einer anderen Brut starben alle Nestlinge im Alter von ca. zwölf Tagen (siehe Foto in Anhang D), wahrscheinlich aufgrund des Verlustes der Altvögel. Bei einer Brut im Pa schlüpfte aus keinem der neun Eier ein Jungvogel.

Tab. 11: Flügge Jungvögel in den besetzten Nistkästen auf den fünf Pf

Anzahl

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

0

412

1

1

1

2

113

3

2

1

1

4

1

1

1

5

1

6

1

1

1

7

2

8

1

1

9

1

1

Summe Ausgeflogener/Pf

7

20

12

18

41

▼ 79 

Auch hinsichtlich des Verhältnisses ausgeflogene Jungvögel pro Brut liegt der Pa an der Spitze (knapp sechs), danach folgen das Ge und die Eh (Abb. 38). In der Ho flogen vier Junge pro Brut aus, wenn man den menschlichen Einfluss außen vor lässt. (Bezieht man die zerstörten Bruten mit ein, wären es nur zwei Ausgeflogene pro Brut.) Den geringsten Wert weist das Ze mit 2,3 Jungen pro Brut auf (Abb. 38).

Allerdings unterscheiden sich die Pf nicht signifikant voneinander, wenn man die flüggen

Jungvogelzahlen der einzelnen Bruten der fünf Pf gegeneinander testet (Kruskal-Wallis-Test, p>0,1).

▼ 80 

Abb. 38: Anzahl ausgeflogener Jungvögel auf den fünf Pf: absolut und pro Brut (inklusive einer Zweitbrut)

Insgesamt wurden 62 tote Nestlinge festgestellt. Bei einer Erstbrut im Ze waren sieben der acht Nestlinge unterernährt und fehlentwickelt und starben noch vor Erreichen des 16. Lebenstages.

Abb. 39: Tote Nestlinge im Ze

▼ 81 

Im Ge und in der Eh wurden u. a. einige voll entwickelte und beinahe flügge, aber tote Nestlinge gefunden. In der Ho wurden u. a. unterentwickelte Nestlinge festgestellt, welche langsam starben (Abb. 40).

Abb. 40: Unterentwickelter Nestling in der Ho am 15. Lebenstag

15 Nestlinge kamen aufgrund anthropogenen Einflusses in der Ho um, was von den „natürlichen“ Ursachen klar zu trennen ist (vgl. Abb. 41, Ho: ohne menschlichen Einfluss; Ho*: mit menschlichem Einfluss14). Im Pa verschwanden überwiegend einzelne Nestlinge, sog. „Nesthäkchen“, was in Einzelfällen auch auf den anderen Pf dokumentiert wurde. Im Pa wurden die wenigsten toten Nestlinge festgestellt, das Verhältnis tote Nestlinge/Brut war dort mit 0,9 am geringsten (Abb 41). Danach folgt die Eh mit 1,8 und das Ge mit 2,3 toten Nestlingen/Brut. Allerdings unterscheiden sich die Pf nicht signifikant untereinander, wenn man die Anzahl toter Nestlinge auf die Anzahl von Bruten mit geschlüpften Nestlingen bezieht (Kruskal-Wallis-Test, p>0,1). Auch wenn man den anthropogenen Einfluss mit einbezieht, ist kein signifikanter Unterschied feststellbar (Kruskal-Wallis-Test, p>0,1).

▼ 82 

Bei der Zweitbrut im Ze konnte nicht festgestellt werden, ob fünf Nestlinge direkt nach dem Schlüpfen starben und von den Altvögeln entsorgt wurden oder ob fünf Eier taub oder beschädigt waren und von den Blaumeisen entfernt wurden. Es wurde nur festgestellt, dass das Weibchen sieben Eier gelegt hatte, aber nur noch zwei Nestlinge bei der Kontrolle vorhanden waren. (Eischalenreste wurden nicht gefunden.)

Abb. 41: Anzahl toter Nestlinge auf den fünf Pf: absolut und pro begonnener Brut (*: mit menschlichem Einfluss)

Anhand der Anzahl Ausgeflogener lässt sich die Ausflugrate bestimmen. Die Anzahl flügger Nestlinge bezogen auf die Gelegegröße, sei hier als Ausflugrate I definiert; die Anzahl flügger Jungvögel bezogen auf die Anzahl Geschlüpfter, als Ausflugrate II. Naturgemäß ist dann die Ausflugrate II immer höher als die Ausflugrate I. Der Median der Ausflugraten ist in der Ho am geringsten (Abb. 42, 43). Den höchsten Median der Ausflugraten weist der Pa auf (Abb. 42, 43). Insgesamt variierten die einzelnen Ausflugraten an den einzelnen Nistkastenstandorten von 0 % bis zu 100 %.

▼ 83 

Abb. 42: Median11 der Ausflugrate I (bezogen auf die Gelegegröße) auf den fünf Pf

Abb. 43: Median11 der Ausflugrate II (bezogen auf die Anzahl Geschlüpfter) auf den fünf Pf

Nahrungsökologie

Fütterungsfrequenz

▼ 84 

Die Fütterungsfrequenz gibt an, wie oft die Altvögel ihren Nestlingen pro Stunde Futter bringen. Damit ist sie ein einflussreicher Faktor, welcher die Versorgung der Jungvögel bestimmt. Die höchste absolute Fütterungsfrequenz wurde bei Eh 2 mit 77 Fütterungen/h gemessen, danach folgt Ho 3 mit 60 Fütterungen/h, Ze 2 mit 56 Fütterungen/h und Ho 1 mit 55,5 Fütterungen/h (Abb. 44). Die niedrigste absolute Fütterungsfrequenz wurde bei Pa 1 während der 1. Altersklasse der Nestlinge festgestellt. Aussagekräftiger ist die Anzahl der Fütterungen pro Stunde pro Nestling, da man dann weiß, wie viel Futter der einzelne Nestling wirklich bekommen hat. Insgesamt schwanken die Fütterungen pro Stunde pro Nestling zwischen 2,3 (Pa 1) und 15,4 (Eh 2). Abgesehen von zwei Ausnahme (Ze 1, Eh 2) ist die Fütterungsfrequenz pro Nestling während der 2. Altersklasse der Nestlinge immer höher (Abb. 44). Es besteht kein signifikanter Unterschied zwischen den fünf Pf, nur während der 1. Altersklasse ist eine Tendenz erkennbar (Kruskal-Wallis-Test, p<0,1). In Ausnahmefällen wurden bei einigen Standorten längere Fütterungspausen beobachtet:

Das Wetter war bei diesen vier registrierten Zeitspannen ohne Fütterung gut (kein Regen, kein/kaum Wind) und kann damit nicht als Ursache herangezogen werden. Störungen am Nistplatz waren ebenfalls nicht zu erkennen. Ansonsten wurden keine Fütterungspausen über neun Minuten dokumentiert.

▼ 85 

Abb. 44: Fütterungsfrequenzen an den untersuchten Nistkastenstandorten auf den fünf Pf

Kotabgabe der Nestlinge

Über die Anzahl der Kotballen können indirekt Aussagen zur Menge der eingebrachten Beutetiere bzw. zur Nahrungsversorgung der Nestlinge gemacht werden. (Die Kotballen wurden von den Altvögeln direkt nach der Abgabe aus dem Nistkasten getragen.) Mit 8 Stück pro Stunde wurden bei Ho 2 die meisten Kotballen abtransportiert, bei Ze 1 mit 2,5 Kotballen während der 2. Altersklasse die wenigsten (Abb. 45). Die Anzahl Kotballen pro Stunde pro Nestling variierte zwischen knapp 0,4 (Ge 2) und 1,25 (Ze 1). Bezogen auf die Anzahl Kotballen pro Nestling pro Stunde wurde zwischen den fünf Pf kein signifikanter Unterschied festgestellt (Kruskal-Wallis-Test).

▼ 86 

Abb. 45: Kotballen der Nestlinge pro Stunde, welche von den Altvögeln aus den Nistkästen getragen wurden

Flugstrecken der Altvögel

Die zurückgelegten Flugstrecken der Altvögel sind ein Maß für den Aufwand bzw. Energieverbrauch während der Aufzucht der Jungvögel. Beim Messen der Flugstrecken wurden nur die horizontalen Entfernungen beachtet (vgl. Kap. 2.4.1). Es konnten nicht alle Flugstrecken dokumentiert werden, der Anteil variierte zwischen 72 % und 100 % (Tab. 12). Der Erfassungsgrad war von der Nistkastenumgebung, der Anzahl der Beobachter und dem Verhalten der Blaumeisen abhängig.

▼ 87 

Tab. 12: Anzahl erfasster Flugstrecken an den einzelnen Nistkastenstandorten sowie Anteil der dokumentierten Flugstrecken an allen Beuteflügen

Standort

n

(dokumentierte Strecken)

Dokumentierte Strecken/Gesamtzahl Strecken (%)

Ze 1

154

99

Ze 2

187

91

Ge 1

131

82

Ge 2

121

100

Ho 1

155

86

Ho 2

60

82

Ho 3

119

99

Eh 1

145

91

Eh 2

224

88

Pa 1

109

89

Pa 2

104

78

Den größten Aufwand hatte das Meisenpaar bei Ge 1: Der Median der Einzelstrecken Nistkasten – Ort der Nahrungssuche betrug 69 m, die maximale Einzelstrecke 191 m (Abb. 46). Summiert man die beobachteten Flüge (Hinweg und Rückweg), wird klar, dass das Blaumeisenpaar innerhalb einer Stunde mindestens eine Strecke von 5,1 km zurücklegen musste (Abb. 47). Bei Ho 3 betrug die Gesamtstrecke pro Stunde ebenfalls fast 5 km, der Median der Einzelstrecken war mit 51 m ebenfalls hoch (Abb. 46, 47). Im Gegensatz dazu hatten die Altvögel bei Ho 2, Eh 1 und Pa 2 einen vergleichsweise geringen Aufwand (Abb. 46, 47).

Abb. 46: Median und Maximum der Flugstrecken (Einzelstrecke Nistkasten – Ort der Nahrungssuche) der Blaumeisen an den untersuchten Nistkastenstandorten auf den fünf Pf

▼ 88 

Abb. 47: Zurückgelegte Flugstrecken der Blaumeisenpaare pro Stunde an den untersuchten Nistkastenstandorten auf den fünf Pf

Insgesamt variierten die Mediane an den einzelnen Nistkastenstandorten von 17 m bis 69 m, die maximalen Flugstrecken von 50 m bis 191 m, und als Aufwand pro Stunde wurde eine Variation zwischen 0,8 km und 5,1 km geschätzt.

Blaumeisenpaare, deren Nistkästen nahe an Straßen waren, hatten das Problem, den fahrenden Autos auszuweichen. Besonders bei Ze 2 verliefen die Flugstrecken nicht geradlinig, sondern manchmal im (abenteuerlichen) Zickzack durch den recht starken Verkehr. Dabei war den Beobachtern unklar, weswegen die Meisen nicht höher flogen, um der Gefahr von Kollisionen mit Fahrzeugen erst gar nicht ausgesetzt zu sein. Wie die Ergebnisse zeigen, hat dieses städtische Meisenpaar aber die Gefahren gemeistert und erfolgreich seine Jungen aufgezogen.

▼ 89 

Orte der Nahrungssuche

Die Anzahl der Orte der Nahrungssuche variierte auf den einzelnen Pf von 16 (Ge 1, Ho 2) bis 38 (Ge 2) (Abb. 48). Dabei ist zu beachten, dass diesen Zahlen eine Beobachtungszeit von zweimal zwei Stunden zugrunde liegt (Ausnahme: Ho 2, Ho 3) und die Blaumeisen während der gesamten Nestlingszeit bestimmt noch andere Nahrungsorte (Bäume, Büsche, sonstige Strukturen) aufsuchten. Der Erfassungsgrad der Orte der Nahrungssuche deckte sich mit dem Erfassungsgrad der Flugstrecken (Tab. 12).

Abb. 48: Anzahl der Orte der Nahrungssuche an den untersuchten Nistkastenstandorten auf den fünf Pf

▼ 90 

Zu welchen Anteilen die Altvögel einzelne Baumarten sowie anthropogene Strukturen und Futterstellen anflogen, zeigen die Abb. 49-53.

Legende

▼ 91 

* Orte < 5 % sind hier nicht aufgeführt, aber im Anhang C-c

Abb. 49: Orte der Nahrungssuche im Ze (je 4 h Beobachtungszeit); Ze 1: n= 154 (li); Ze 2: n= 187 (re)

Abb. 50: Orte der Nahrungssuche im Ge (je 4 h Beobachtungszeit); Ge 1: n= 131 (li); Ge 2: n= 121 (re)

▼ 92 

Abb. 51: Orte der Nahrungssuche in der Ho; Ho 1 (4 h Beobachtungszeit): n= 155 (li); Ho 2 (2 h Beobachtungszeit): n= 60 (Mitte), Ho 3 (2 h Beobachtungszeit): n= 119 (re)

Abb. 52: Orte der Nahrungssuche in der Eh (je 4 h Beobachtungszeit); Eh 1: n= 145 (li); Eh 2: n= 224 (re)

Abb. 53: Orte der Nahrungssuche im Pa (je 4 h Beobachtungszeit); Pa 1: n= 109 (li); Pa 2: n= 104 (re)

▼ 93 

Die am meisten genutzten Baumarten (>25 % der festgestellten Anflüge eines Blaumeisenpaars) an allen elf untersuchten Nistkastenstandorten waren:

  1. Ahorn
  2. Linde
  3. Hainbuche
  4. Fichte
  5. Kiefer
  6. Eiche ; Kastanie

(Die Baumarten sind nach der Gesamtzahl der Anflüge aller Blaumeisenpaare geordnet.)

▼ 94 

Dabei entspricht die Häufigkeit der Nutzung nicht unbedingt der Häufigkeit des Vorkommens um den Niststandort:

Eichen kamen im Gewerbegebiet (Ge 2) nur vereinzelt vor, wurden aber von den Blaumeisen präferiert. Fichten gab es im näheren Umkreis von Ge 1 nur drei Stück, eine Blaufichte wurde aber immerhin 44 Mal angeflogen, das sind knapp 34 % der Anflüge (vgl. Anhang C-c).

Hainbuchen wurden vor allem an den Niststandorten Eh 1 und Ho 1 genutzt. Am Niststandort Eh 1 waren Hainbuchen neben Platanen die häufigste Baumart. Letztgenannte wurden jedoch sehr selten genutzt. Bei Ho 1 war neben Hainbuche und Ahorn eine Vielzahl von Bäumen zu finden, z. B. Birken, Kiefern, Kastanien. Dennoch wurden Hainbuchen am häufigsten angeflogen, danach folgten Ahorne.

▼ 95 

In der Nähe von Eh 2 standen nur fünf Kiefern, welche alle häufig angeflogen und den anderen zahlreichen Baumarten vorgezogen wurden. Grund hierfür war das massenhafte Vorkommen von Gespinstblattwespenlarven.

Hervorzuheben ist die Nutzung von anthropogenen Strukturen sowie menschlichen Futterstellen. Im Ze 1 hingen viele Meisenknödel ca. 20-25 m vom Nistkasten entfernt in einem Busch, außerdem wurden auf einem 20 m entfernten Balkon Sämereien angeboten. Das Blaumeisenpaar flog innerhalb der vier Stunden 22 Mal zu den Meisenknödeln und 41 Mal auf den Balkon. Das sind zusammen 41 % aller dokumentierten Anflüge. An allen anderen Nistkastenstandorten wurde kein menschliches Futter angeboten und dieses Verhalten somit auch nicht beobachtet.

Bei Ze 1, Ze 2 und Ge 2 suchten die Blaumeisen auch anthropogene Strukturen wie Fassaden, Lampen, Dachrinnen, einen Schacht sowie einen Container nach Insekten und Spinnen ab. An allen anderen Standorten wurde dieses Verhalten nicht registriert.

▼ 96 

Ansonsten fiel auf, dass die Blaumeisen nur in Ausnahmefällen auf dem Boden nach Nahrung suchten:

An allen anderen Standorten suchten die Vögel überhaupt nicht auf dem Boden nach Futtertieren.

▼ 97 

Beutetiere und Futterkategorien

Das von den Altvögeln herangebrachte Nestlingsfutter wurde in 14 Kategorien eingeteilt (Abb. 54-58; vgl. Kap. 2.4.1). Alle elf Nistkastenstandorte summiert, wurden 1684 Fütterungen durch die Altvögel dokumentiert – 915 Futterobjekte konnten davon erkannt werden. Das heißt, knapp 46 % des von den Altvögeln angebrachten Futters konnte nicht identifiziert werden. Raupen stellten die häufigsten Beutetiere dar (siehe auch Fotos, Anhang D), danach folgte die Kategorie Insekt/Spinne (Abb. 54 - 58). In wenigen Fällen konnten Beutetiere genauer identifiziert werden: Bei Ze 1 und Eh 2 wurden wenige (ausgewachsene) Weberknechte verfüttert. An fünf der elf untersuchten Standorte wurden einige Schmetterlinge eingebracht, an zwei Standorten je eine Schmetterlingspuppe. In einigen Fällen konnten Spinnen und auch Käfer sicher als solche identifiziert werden. (Da die Beutetiere halb im Schnabel der Blaumeisen steckten, war es besonders schwierig, Spinnen und Insekten zu unterscheiden; oft sah man nur einige Beine und einen Teil des Hinterleibs.) In Ausnahmefällen wurden Ohrenzwicker oder Langfühlerschrecken verfüttert. Insgesamt variierte die Nestlingsnahrung an den elf untersuchten Standorten erheblich (Abb. 54 -58).

Legende

▼ 98 

Abb. 54: Futterkategorien im Ze (je 4 h Beobachtungszeit); Ze 1: n= 105, Anzahl Fütterungen = 155 (li); Ze 2: n= 148, Anzahl Fütterungen = 205 (re)

Abb. 55: Futterkategorien im Ge (je 4 h Beobachtungszeit); Ge 1: n= 76, Anzahl Fütterungen = 160 (li); Ge 2: n= 39, Anzahl Fütterungen = 121 (re)

▼ 99 

Abb. 56: Futterkategorien in der Ho; Ho 1 (4 h Beobachtungszeit): n= 65, Anzahl Fütterungen = 180 (li); Ho 2 (2 h Beobachtungszeit): n= 43, Anzahl Fütterungen = 73 (Mitte), Ho 3 (2 h Beobachtungszeit): n= 66, Anzahl Fütterungen = 120 (re)

Abb. 57: Futterkategorien in der Eh (je 4 h Beobachtungszeit); Eh 1: n= 92, Anzahl Fütterungen = 159 (li); Eh 2: n= 190, Anzahl Fütterungen = 255 (re)

Abb. 58: Futterkategorien im Pa (je 4 h Beobachtungszeit); Pa 1: n= 57, Anzahl Fütterungen = 123 (li); Pa 2: n= 34, Anzahl Fütterungen = 133 (re)

▼ 100 

Wie bereits beschrieben bei den Orten der Nahrungssuche beschrieben, wurden an einem Standort, Ze 1, Sämereien zu einem hohen Anteil verfüttert.

Die Bündelung von Nahrungstieren, bzw. das Heranbringen von so genannten Futterpaketen schwankte zwischen 0 % (Pa 2) und 37 % (Ze 2). Im Ze 2 konnte auch ein Teil der Pakete identifiziert werden: Es wurden Blattläuse gebündelt. Hierbei ist zu erwähnen, dass bestimmt mehr Blaumeisenpaare Läuse bündelten, dies aber aufgrund methodischer Mängel (vgl. Kap. 2.4.1) beim Anflug der Altvögel nicht erkannt wurde. Zum Beispiel wurde bei Ge 2 beobachtet, wie die Blaumeisen systematisch Blattläuse von einer Traubenkirsche absammelten, die massenhaft davon befallen war. Auch bei Ze 2 wird vermutet, dass der tatsächliche Anteil der Lauspakete höher lag, da die Linden stark von Läusen befallen waren und die Blaumeisen diese zu 98 % anflogen (Abb. 49).

Anhand der häufigsten Futterkategorie „Raupe“ lässt sich kein urbaner Gradient erkennen, also keine Zunahme vom Ze zum Pa: Ordnet man die Pf anhand des Anteils verfütterter Raupen, ergibt sich eine diverse Anordnung:

▼ 101 

Ho 2 > Ge 2 > Pa 2 > Eh 1 > Pa 1 > Ge 1 > Ho 1 > Ze 1 > Ze 2 = Eh 2 > Ho 3

Vergleiche hierzu auch Abb. 54- 58.

Hier wird deutlich, dass der Anteil an verfütterten Raupen auf einer Pf, z. B. der Ho, stark schwankt, mit 84 % bei Ho 2 und 20 % bei Ho 3. Betrachtet man die Absolutzahlen an verfütterten Raupen, liegen die Standorte in der Eh an der Spitze, mit 51 Raupen bei Eh 1 und 40 bei Eh 2. Ansonsten wurden bei Eh 2 66 Mal Gespinstblattwespenlarven verfüttert. Einige Kiefern direkt neben dem Nistkasten wiesen einen Massenbefall dieser Pflanzenwespen auf und wurden von den Meisen deshalb oft angeflogen (vgl. auch Anhang C-c). (Nebenbei bemerkt, auch Feldsperlinge profitierten von dem Massenbefall; allerdings sammelten diese die Larven auf, welche auf den Boden gefallen waren.)

▼ 102 

In einigen Nestern wurden wenige Beutetierreste gefunden (Tab. 13). Neben den in Tab. 13 aufgeführten Invertebraten wurde in der Eh und im Ge in je einem Nest einige Käferexuvienreste gefunden. In der Ho und in Pa wurde außerdem in einem Nest je eine (unbestimmbare) Käferlarve gefunden. Neben der einen Wicklerraupe (Tab. 13) wurde noch eine (unbestimmbare) Schmetterlingsraupe in einem Nest im Ge entdeckt.

Tab. 13: Beutetiere, welche als Nahrungsreste in einigen Nestern gefunden wurden

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

-

Grünrüssler, Phyllobius sp. (Rüsselkäfer, Curculionidae) – 1 Ind.

-

Grünrüssler, Phyllobius sp. (Rüsselkäfer, Curculionidae) – 1 Ind.

Rüsselkäfer, Curculionidae sp. – je 1 Ind. in 2 Nestern

Wickler (Tortricidae sp.) – 1 Puppe

Zweiflügler, Diptera sp. – 1 Larve

Wickler (Tortricidae sp.) – 2 Puppen u. 1 Raupe

▼ 103 

Die Altvögel verfütterten Beutetiere, die selten kleiner als 3 mm und überwiegend kleiner als 23 mm waren (Abb. 59 – 69). Vereinzelt wurden auch größere Beutetiere verfüttert. An mehreren Standorten wurden manchmal Raupen mit einer Länge von 27 mm herangetragen (Ge 1, Ge 2, Ho 1, Eh 1, Eh 2, Pa 1). In drei Einzelfällen wurden sogar Raupenlängen von 30-32 mm dokumentiert (Ge 1, Ge 2, E 1). Die Einteilung der Beutetiere der Blaumeisen in Größenklassen zeigt Tab. 14:

Tab. 14: Einteilung der Beutetiere der Blaumeise in Größenklassen

Bezeichnung der Größenklassen

Größenklassen (mm)

1

< 3

2

> 3 < 5

3

> 5 < 7

4

> 7 < 9

5

> 9 < 11

6

> 11 < 13

7

> 13 < 15

8

> 15 < 17

9

> 17 < 19

10

> 19 < 21

11

> 21 < 23

12

> 23

Abb. 59: Größenklassen der Beutetiere bei Ze 1, n1 = 22, n²= 20

▼ 104 

Abb. 60: Größenklassen der Beutetiere bei Ze 2, n1 = 45, n²= 49

Abb. 61: Größenklassen der Beutetiere bei Ge 1, n1 = 33, n²= 20

Abb. 62: Größenklassen der Beutetiere bei Ge 2, n1 = 13, n²= 13

▼ 105 

Abb. 63: Größenklassen der Beutetiere bei Ho 1, n1 = 20, n²= 30

Abb. 64: Größenklassen der Beutetiere bei Ho 2, n = 43

Abb. 65: Größenklassen der Beutetiere bei Ho 3, n = 61

▼ 106 

Abb. 66: Größenklassen der Beutetiere bei Eh 1, n1 = 61, n²= 25

Abb. 67: Größenklassen der Beutetiere bei Eh 2, n1 = 69, n²= 58

Abb. 68: Größenklassen der Beutetiere bei Pa 1, n1 = 12, n²= 35

▼ 107 

Abb. 69: Größenklassen der Beutetiere bei Pa 2, n1 = 10, n²= 15

Es wurde nicht festgestellt, dass die Blaumeisen während der 1. Altersklasse der Nestlinge (6.-8. Nestlingstag) kleinere Beutetiere verfütterten als während der 2. Altersklasse (14.-15. Nestlingstag) (Abb. 59-69). Bei Ho 2 wurden z. B. alle möglichen Beutetiergrößen an die Nestlinge der 1. Altersklasse verfüttert (Abb. 64). Dagegen wurden während der 2. Altersklasse bei Ho 3 nur Beutetiere mit einer Größe von 5 bis 17 mm eingebracht (Abb. 65).

Auffallend war, dass bei Ze 2 alle Beutetiere kleiner als 17 mm waren und vermehrt Beutetiere der Kategorien 3 und 4 verfüttert wurden (Abb. 60). Dieses Blaumeisenpaar nutzte zu 98 % Linden und musste sich nach dem aktuellen Invertebratenangebot dort richten (Blattläuse, Schwebfliegenlarven, Marienkäferlarven etc.). Im Ge 2 und im Pa wurden vermehrt große Beutetiere verfüttert - zwischen der 9. und 12. Größenklasse (Abb. 62, 68, 69). Eine allgemein gültige Präferenz der Blaumeisen für bestimmte Größenklassen konnte nicht festgestellt werden.

▼ 108 

Da sich die Futterpakete aus zwei oder mehreren Beutetieren zusammensetzten, wurden diese Größenklassen extra ausgewertet. Denn hier können keine Aussagen zur Größe der einzelnen Invertebraten gemacht werden.

Die eingebrachte Anzahl an Futterpaketen sowie deren Größenklassen an den elf untersuchten Nistkastenstandorten zeigt Tab. 15. Die Anzahl der registrierten Futterpakete schwankte stark zwischen den einzelnen Standorten: zwischen 0 (Pa 2) und 54 (Ze 2) (Tab. 15). Alle Futterpakete waren größer als 3 mm und kleiner als 15 mm, mit einer Ausnahme bei Ge 1.

Tab. 15: Anzahl und Größenklassen der Futterpakete an den untersuchten Nistkastenstand-orten, beide Altersklassen zusammengefasst

          

Größenklassen

Ze 1

Ze 2

Ge 1

Ge 2

Ho 1

Ho 2

Ho 3

Eh 1

Eh 2

Pa 1

Pa 2

1

2

15

2

1

2

3

3

11

1

3

2

3

2

4

18

4

5

2

2

5

5

1

10

6

4

1

2

4

7

1

6

1

1

7

1

1

8

9

10

11

12

1

Summe

4

54

15

1

13

1

5

7

14

8

0

▼ 109 

Nestlinge (Gewicht, Tarsenlänge, Zustand)

Die Blaumeisennestlinge wurden zwischen dem 6. und 8. sowie dem 14. und 15. Lebenstag gewogen und vermessen (vgl. Kap. 2.4.1; zu Aussehen siehe Abb. 70, 71).

Abb. 70: Blaumeisennestling am 7. Lebenstag

▼ 110 

Abb. 71: Blaumeisennestling am 15. Lebenstag

Der Median der einzelnen Bruten wurde wie in Tab. 16 dargestellt transformiert, so dass ein Vergleich zwischen den Pf möglich war. Der niedrigste Median der Nestlingsgewichte wurde während der 1. und 2. Altersklasse bei Ho 1 festgestellt. Mit 8,3 g war der Median der 2. Altersklasse bei Ze 1 ebenfalls gering. Hohe Werte wurden bei Eh 2 und Pa 1 während beider Altersklassen erreicht (Tab. 16).

Tab. 16: Median der Nestlingsgewichte (g) auf den fünf Pf inklusive Transformation

▼ 111 

Bezieht man alle einzelnen Nestlingsgewichte (vgl. Anhang C-d), die nach der in Kap. 2.4.1 beschriebenen Methode umgerechnet wurden, mit ein, wird deutlich, dass sich die einzelnen Nistkastenstandorte hoch signifikant voneinander unterscheiden (Kruskal-Wallis-Test, p<0,01 für die 1. und die 2. Altersklasse). Testet man die fünf Pf auf Differenzen, fasst also die Nistkastenstandorte der einzelnen Pf zusammen, so liegt während der 1. Altersklasse kein signifikanter Unterschied vor (es ist lediglich eine Tendenz erkennbar, Kruskal-Wallis-Test, p<0,1), während der 2. Altersklasse jedoch ein hoch signifikanter (p<0,01).

So genannte Nesthäkchen, also Jungvögel, die hinsichtlich des Gewichts und ihrer sonstigen Entwicklung weit hinter den Geschwistern zurückgeblieben sind, gab es in vielen Nestern (vgl. Anhang C-d).

Die Tarsenlängen geben Aufschluss über das Wachstum der Nestlinge. Am siebten Lebenstag war der Median der Nestlinge bei Ze 1 mit 110 mm am niedrigsten, bei Pa 1 mit 130 mm am höchsten (Tab. 17). Auch am 14. Lebenstag fielen diese beiden Standorte etwas heraus: mit nur 130 mm bei Ze 1 und immerhin 180 mm bei Pa 1 (Tab. 17).

▼ 112 

Tab. 17: Median der Tarsenlängen der Nestlinge (mm) auf den fünf Pf

6. Tag

7. Tag

8. Tag

13. Tag

14. Tag

15. Tag

Ze 1

 

110

 

 

130

 

Ze 2

 

120

 

 

160

 

Ge 1

 

 

135

 

165

 

Ge 2

 

 

120

 

165

 

Ho 1

78

 

 

 

 

150

Ho 2

 

120

 

 

 

 

Ho 3

 

 

 

 

155

 

Eh 1

 

120

 

 

160

 

Eh 2

 

 

130

 

 

170

Pa 1

 

130

 

 

180

 

Pa 2

 

110

 

 

170

 

Mit bloßem Auge wurde bei keinem Nestling ein Parasitenbefall festgestellt. (Die Nester wurden allerdings nicht auf Parasiten untersucht.)

Sonstiges

An fünf der elf Standorte wurde in Einzelfällen so genannter „Abfall“ von den Altvögeln aus dem Nistkasten getragen. Meistens handelte es sich um verschmutztes Nistmaterial, einmal trug eine Meise eine Raupe wieder heraus. Insgesamt wurde anhand der Camcorderaufnahmen an folgenden Standorten der Abtransport von „Abfall“ beobachtet: Ze 1 (4x), Ze 2 (1x), Ho 3 (1x), Pa 1 (1x), Pa 2 (2x).

Vergleich der Wintervögel mit den Brutvögeln

▼ 113 

Die Anzahl der Wintervögel lag auf allen Pf unterhalb der Anzahl der Brutvögel, sowohl bei Betrachtung der maximalen Individuenzahl als auch der minimalen der vier im Winter 2002/2003 durchgeführten Begehungen, mit zwei Ausnahmen, dem Ze und der Ho (Abb. 72). Im Ze und in der Ho war die maximale Blaumeisenzahl im Winter höher als bei der Brutvogelkartierung 2002. Im Großen und Ganzen entspricht die Anzahl der Brutvögel denen der Wintervögel: Im Ze und im Ge gab es wenig Blaumeisen, in der Ho, der Eh und dem Pa waren die Anzahlen viel höher (Abb. 72).

Abb. 72: Vergleich der Individuenzahlen der Blaumeise pro 10 ha : Brutvögel (BV) 2002 - Wintervögel (WV) 2002/2003

3.3.2 Grünling

Brutbiologie

Revierdichte

▼ 114 

Die Revierzahlen des Grünlings der Jahre 2002 und 2003 auf den Pf sind miteinander vergleichbar (Abb. 73). Die meisten Reviere wurden in der Eh festgestellt, danach folgten das Ze und die Ho. Die geringsten Abundanzen wurden im Ge und im Pa bestimmt (Abb. 73). Die größte Differenz (von 2,5 BP/10 ha) wurde im Ze festgestellt, in dem es 2003 mit 9,1 Bp/10 ha mehr Reviere gab als 2002.

Abb. 73: Reviere pro 10 ha des Grünlings auf den fünf Pf 2002 und 2003

Das Ge und der Pa unterschieden sich hinsichtlich der Abundanz hoch signifikant vom Ze im Jahr 2003 (Tab. 18). Außerdem wurde ein hoch signifikanter Unterschied zwischen dem Ge und der Eh, ein signifikanter zwischen der Ho und der Eh festgestellt (Tab. 18).

▼ 115 

Tab. 18: Unterschiede in der Grünlingsabundanz der fünf Pf 2003 (χ2-Test: ** = p<0,01, * = p<0,05, n.s. = nicht signifikant)

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

Ze

---

**

n.s.

n.s.

**

Ge

---

n.s.

**

n.s.

Ho

---

*

n.s.

Eh

---

**

Pa

---

Im Ze wurde auf dem Grundstück einer Kindertagesstätte, das durch seine reichen Vegetationsstrukturen aus der ansonsten sehr urbanen Pf herausfiel, eine Art Kolonie des Grünlings registriert: Drei Paare hatten ihre Reviere dicht beieinander. Die Gesangswarten der Männchen lagen nur ca. 10 m voneinander entfernt.

Reproduktion

▼ 116 

Insgesamt wurden 19 Nestbauten des Grünlings auf vier der fünf Pf registriert: sechs im Ze, fünf in der Ho, vier im Pa15 und vier in der Eh (Tab. 19). Als Neststandorte wurden immergrüne Gehölze präferiert (Tab. 19). Die Nester wurden in Höhen von 1,4 m bis 8,0 m errichtet. Der Median der Höhe der Neststandorte betrug 2,8 m (n= 1616).

Tab. 19: Neststandorte des Grünlings auf den Pf

Ze

Ge

Ho

Eh17

Pa

1x Blaufichte (Picea pungens)

1x Blumenampel

4x Efeu-Wand (Hedera helix)

-

1x Robinie (Robinia pseudo-accacia)

1x Holunder (Sambucus nigra)

1x Weißdorn (Crataegus sp.)

2x Feuerdorn (Pyracantha sp.)

1x Fichte (Picea sp.)

1x Lebensbaum (Thuja sp.)

1x Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

3x Eibe

(Taxus baccata)

Vier Nestverluste traten vor der Eiablage auf, so dass insgesamt 15 Bruten registriert werden konnten (Abb. 74). Im Ze z. B. entfernte die Wohnungseigentümerin ein fertig gestelltes Nest auf ihrem Balkon von einer Blumenampel, da sie keine Verunreinigungen durch die Grünlinge hinnehmen wollte.

▼ 117 

Bei sieben Bruten konnte die Gelegegröße bestimmt werden: fünfmal fünf Eier, zweimal zwei Eier, wobei bei den Zweiergelegen ein Abbruch aufgrund von Störung bzw. Prädation erfolgte. Bei elf Bruten wurde der Brutbeginn errechnet, wobei auch die Zweitbruten mit einbezogen wurden (Tab. 20), bei vier Bruten war das Nest leider nicht erreichbar bzw. nicht genügend einsehbar.

Tab. 20: Errechneter Brutbeginn des Grünlings auf den fünf Pf

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

15.4.03

-

30.4.03

15.4.03

10.4.03

15.4.03

15.5.03

1.5.03

9.6.03

28.4.03

2.6.03

 

?

?

?

15.7.03

?

 

Von den 15 Bruten waren insgesamt 7 erfolgreich, also knapp 47 %. Die meisten erfolgreichen Bruten wurden im Ze festgestellt (Abb. 74). Die genaue Anzahl flügger Jungvögel konnte mit drei Ausnahmen nicht festgestellt werden (Ho: zweimal fünf Ausgeflogene, Eh: einmal fünf Ausgeflogene).

▼ 118 

Abb. 74: Anzahl aller Bruten und der erfolgreichen Bruten des Grünlings auf den fünf Pf

Insgesamt waren 5 der 15 Bruten Zweitbruten, also 33 % (vgl. Abb. 75). Im Ze traten ein, in der Ho zwei Nesterverluste auf (Abb. 75). Des Weiteren wurde ein Gelegeverlust in der Ho und in der Eh registriert.

Abb. 75: Anzahl der Zweitbruten, der Nestverluste, der Gelegeverluste und der verwaisten Nester des Grünlings auf den fünf Pf

Nahrungsökologie

▼ 119 

Die vom Grünling genutzten Pflanzenarten auf den fünf Pf sind in Tab. 21 aufgeführt. Es konnte nicht unterschieden werden, ob die Altvögel diese selbst fraßen oder als Nestlingsnahrung sammelten – höchstwahrscheinlich kann man aber von beidem ausgehen.

Tab. 21: Nahrungspflanzen des Grünlings auf den fünf Pf

Nahrungspflanzen

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

Löwenzahn (Taraxacum officinale): Samen

x

x

x

x

x

Douglasie (Pseudotsuga menziesii): Triebe (April)

x

Ahorn (Acer pseudo-platanus): Samen

x

x

Linde (Tilia sp.): Triebe (Mai)

x

Spitzwegerich (Plantago lanceolata)

x

x

Vogelmiere (Stellaria media)

x

x

Rispengras (Poa sp.)

x

Platane (Platanus x hispanica): Samen (April)

x

Feuerdorn (Pyracantha coccinea): Früchte

x

Fichte (Picea sp.): Triebe

x

Lärche (Larix decidua): Triebe

x

Die Nahrungsaufnahme an Löwenzahn war besonders häufig in der Eh zu beobachten. Neben den Blattspitzen wurden bevorzugt die halbreifen Samen geerntet. Außerdem wurde auf dieser Pf einmal beobachtet, dass beide Altvögel ihrem flüggen Nachwuchs Teile von jungen Baumtrieben (Fichte) anboten.

▼ 120 

Im Ze sammelten die Grünlinge die Nestlingsnahrung grundsätzlich nicht in unmittelbarer Nestnähe. Es wurden Entfernungen vom Nest bis 700 m festgestellt.

Eine zweistündige Beobachtung der Nestlingsfütterung an einem Brutplatz im Ze ergab Abstände zwischen drei Fütterungen von ca. 20 Minuten. Dabei fütterte nur das Weibchen, das Männchen blieb unbeteiligt.

In der Ho wurden geringe Abstände (ca. 200 m) zwischen dem Neststandort und dem Ort der Nahrungssuche festgestellt.

▼ 121 

Extra herauszustellen ist menschliche Fütterung im Ze („Winterfütterung“ bis Ende Mai), welche von den Altvögeln gerne angenommen wurde.

Vergleich der Wintervögel mit den Brutvögeln

Die Anzahl der Wintervögel lag auf allen Pf unterhalb der Anzahl der Brutvögel, sowohl bei Betrachtung der maximalen Individuenzahl als auch der minimalen der vier im Winter 2002/2003 durchgeführten Begehungen (Abb. 76). Im Ze und im Ge waren teilweise gar keine Grünlinge im Winter zu finden (Abb. 76). Die höchste Anzahl an Grünlingen (maximale winterliche Individuenzahl) wurde in der Eh mit 20 Individuen bzw. 11 Individuen/10 ha

bei der letzten Begehung festgestellt (Abb. 76).

▼ 122 

Abb. 76: Vergleich der Individuenzahlen des Grünlings pro 10 ha : Wintervögel (WV) 2002/2003 - Brutvögel (BV) 2002 und 2003

3.3.3 Haussperling

Brutbiologie

Revierdichte

Eine komplette Erfassung des Haussperlingsbestands wurde bei der Brutvogelkartierung 2002 durchgeführt (vgl. Kap. 2.2, 3.1), 2003 jedoch nicht mehr, da nur eine Begehung zur Jungvogelzählung stattfand, wobei bei dieser auch die Anzahl der Männchen und Weibchen mit erfasst wurde. Der Pa unterschied sich 2002 hoch signifikant von den anderen Pf (Tab. 22). Außerdem lag ein signifikanter Unterschied zwischen der Ho mit 30,3 Bp/10 ha und der Eh mit 17,7 Bp/10 ha vor. Ansonsten unterschieden sich die Pf hinsichtlich ihres Haussperlingsbestands nicht signifikant voneinander.

▼ 123 

Tab. 22: Unterschiede in der Haussperlingsabundanz der fünf Pf 2002 (χ2-Test: ** = p<0,01, * = p<0,05, n.s. = nicht signifikant)

Ze

Ge

Ho

Eh

Pa

Ze

---

n.s.

n.s.

n.s.

**

Ge

---

n.s.

n.s.

**

Ho

---

*

**.

Eh

---

**

Pa

---

Auch 2003 kann man von einem vergleichbaren Haussperlingsbestand auf den fünf Pf ausgehen, da die Beschaffenheit der Pf (Brutplatzangebot, Nahrungsressourcen etc.) gleich geblieben ist. In Abb. 77 wird die 2002 ermittelte Haussperlingsabundanz (zur Methodik siehe Kap. 2.2) der Anzahl Haussperlingsmännchen, welche bei einer Begehung 2003 ermittelt wurde, gegenübergestellt.

Abb. 77: Vergleich des Haussperlingsbestandes (Brutvögel) pro 10 ha auf den fünf Pf 2002 und 2003 anhand der festgestellten Anzahl an Männchen (2002: maximale Anzahl der fünf Begehungen)

▼ 124 

Im Ze sind die Zahlen der beiden Jahre beinahe identisch. Im Ge wurden 2002 mehr Haussperlingsmännchen als 2003 gezählt, in der Ho und der Eh wurden 2003 mehr Männchen festgestellt (Abb. 77). Die Größenordnungen der beiden Jahre ähnelten sich aber auf jeden Fall. Im Pa wurden 2003 allerdings überhaupt keine Bruten und keine Männchen registriert (Abb. 77). Ein signifikanter Unterschied zwischen den zwei Jahren ließ sich nur für die Eh nachweisen (χ2-Test, p<0,05), außerdem war eine Tendenz bei dem Ge und der Ho gegeben (χ2-Test, p<0,1).

Reproduktion

Anfang Juni 2003 wurden in der Ho mit 72 flüggen Jungvögeln bzw. 34,7 flüggen Jungvögeln pro 10 ha der größte, auf die Pf bezogene Reproduktionserfolg, festgestellt. Danach folgte die Eh mit 16,0, das Ge mit 12,1 und das Ze mit 6,6 flüggen Jungvögeln pro 10 ha (Abb. 78). Dieser so genannte Output der Pf stellt dabei nur einen kurzen Zeitausschnitt während einer Begehung dar.

▼ 125 

Abb. 78: Anzahl flügger Jungvögel des Haussperlings pro 10 ha auf den fünf Pf Anfang Juni 2003

Die Ho unterschied sich hinsichtlich der Anzahl an Jungvögeln hoch signifikant von den anderen Pf (Tab. 23). Außerdem lag ein hoch signifikanter Unterschied zwischen dem Ze und der Eh vor. Das Ge unterschied sich nicht von der Eh und kaum von dem Ze (allerdings lässt ein p<0,1 durchaus eine Tendenz erkennen).

Tab. 23: Unterschiede hinsichtlich der Jungvogelabundanz der Pf18 2003 (χ2-Test: ** = p<0,01, * = p<0,05, (n.s.) = nicht signifikant, aber p<0,1; n.s. = nicht signifikant)

Ze

Ge

Ho

Eh

Ze

---

(n.s.)

**.

**

Ge

---

**

n.s.

Ho

---

**

Eh

---

▼ 126 

Bei der Begehung wurden auch alle Männchen und Weibchen aufgenommen. Einige wenige Individuen konnten jedoch nur als Haussperling bestimmt werden, ohne Geschlecht oder Altersangaben machen zu können, da sie z. B. in Büschen saßen oder schnell wegflogen. Der Anteil unerkannter Individuen schwankte zwischen knapp 3 % und knapp 8 % (Abb. 79). Der Anteil flügger Jungvögel betrug im Ze 12 %, im Ge 31 %, in der Ho 31 % und in der Eh 27 %. Es wurden immer mehr Männchen als Weibchen gezählt (Abb. 79).

Abb. 79: Anteile aller im Juni 2003 festgestellten Haussperlinge auf den fünf Pf: Weibchen, Männchen, unerkannte Individuen und flügge Jungvögel (die Datenbeschriftungen beziehen sich auf 10 ha)

Für eine bessere Vergleichbarkeit der Pf ist es sinnvoll, die Anzahl Jungvögel auf die Anzahl der Adulten zu beziehen. Da die Weibchen eine verstecktere Lebensweise haben, wird, wie schon bei der Brutvogelkartierung, die Anzahl Männchen als Bezugsgröße genommen (ein Männchen wird als ein Bp gewertet). Ordnet man die Pf nach dem Reproduktionserfolg, also Jungvögel pro Bp, ergibt sich folgende Anordnung:

▼ 127 

Ho (0,9) > Ge (0,7) > Eh (0,5) > Ze (0,3)

Nahrungsökologie

Es wurden nur zufällige Beobachtungen im Feld notiert. Im Ze nutzten die Haussperlinge, genau wie die Blaumeise, die an den Straßen stehenden Linden zur Suche nach Invertebraten. Naturgemäß stellten sie sich dabei nicht so geschickt an wie die auf diese Art der Nahrungssuche angepasste Blaumeise. Ansonsten wurden Haussperlinge im Ze und in der Ho dabei beobachtet, wie sie menschliche Nahrungsreste (z. B. Brotkrumen) aufpickten. Ob sie diese jedoch auch an die Jungvögel verfütterten, ist unklar. Einmal flog ein Haussperlingsmännchen jedoch viermal zu einer Banane, biss ein Stück ab und brachte dies dann zu seinem Nest dicht unter einem Hausdach. In der Ho wurde die Nahrungssuche in Hainbuchen und Kastanien beobachtet. Im Ge wurde sommerliche Fütterung festgestellt. Auf den Grünstreifen an der Neuköllnischen Allee wurden Körner gestreut, an denen sich Stadttauben und Haussperlinge (Alt- und Jungvögel) gütlich taten. Einige Nahrungsreste wie Brot fielen manchmal auch vor einem Supermarkt an.

Vergleich der Wintervögel mit den Brutvögeln

Im Ze, in der Ho und in der Eh war die maximale Anzahl an Wintervögeln höher als die Anzahl der Brutvögel des Haussperlings (Abb. 80). Im Ge gab es im Winter weniger Haussperlinge als im Sommer (Abb. 80). In der Ho stimmte die minimale Anzahl an Wintervögeln nahezu mit der Anzahl an Brutvögeln überein (60,6 bzw. 63,5 Individuen pro 10 ha). Insgesamt wies die Ho die höchsten Haussperlingsdichten auf (Abb. 80). Im Pa dagegen waren äußerst wenig Brutvögel und auch im Winter wurden bei nur einer der vier Begehungen fünf Individuen gezählt.

▼ 128 

Abb. 80: Vergleich der Individuenzahlen des Haussperlings pro 10 ha : Brutvögel (BV) 2002 - Wintervögel (WV) 2002/2003

Im Winter schließen sich Haussperlinge zu Schwärmen zusammen, was dazu führte, dass die Vögel nicht mehr ziemlich gleichmäßig über die Pf verteilt waren. Im Ze saßen meist einzelne Schwärme in Hinterhöfen, welche sowohl Futterstellen als auch (immergrüne) Gehölze zu bieten hatten. Im Ge waren viel weniger Haussperlinge zu finden als im Sommer. Die Vögel wanderten in das benachbarte Wohngebiet ab, wo es zahlreiche Futterstellen und immergrüne Büsche gab. Eine Ausnahme bildete jedoch eine Futterstelle im Ge. Hier wurde vor eine Hecke regelmäßig Vogelfutter ausgestreut, so dass sich hier stets ein Schwarm Haussperlinge aufhielt (maximale Anzahl an Individuen: 44). In der Ho sammelten sich die winterlichen Schwärme zum einen in der Nähe der Gropiuspassagen (welche direkt an die Pf angrenzt), da hier oft Fütterung mit Brot u. a. stattfand. Zum anderen nutzten sie immergrüne Pflanzungen als Versteckmöglichkeiten sowie die unzähligen Futterstellen, ob auf den Balkonen oder auf dem Boden, genauso wie Futterhäuschen. Anbei sei erwähnt, dass der Haussperling auch von der großen Anzahl an Meisenknödeln profitierte, da diese meist so aufgehängt waren, dass nicht nur Meisen19, sondern auch andere Vögel davon fressen konnten. In der Eh waren Schwärme auf denjenigen Grundstücken zu finden, deren Besitzer verlässlich und kontinuierlich fütterten. Der größte in der Eh festgestellte Schwarm umfasste 40 Individuen. Im Pa wurden bei der Wintervogelkartierung keine Haussperlinge bei der Nahrungsaufnahme beobachtet, es wurden nur einmal fünf ruhende Individuen gezählt.

3.3.4 Turmfalke

Brutbiologie

Alle Bruten während der drei Beobachtungsjahre waren erfolgreich. Die früheste Eiablage fand am 6. April 2002 statt (LZ 3), die späteste am 10. Mai 2003 (Ci 1 und LZ 2). Fasst man die Legebeginne der drei Jahre für jede Zone zusammen, so ist der Median der Ci und der Mi der 30. April bzw. der 29. April für die LZ. Es gibt keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich des Legebeginns zwischen den drei Zonen (Kruskall-Wallis-Test: p>0,1). Summiert man die Brutparameter der drei Jahre für jede Zone, so ist der Median von Gelegegröße, Anzahl Geschlüpfter und Anzahl Ausgeflogener fünf in allen drei Zonen. Es bestehen keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Zonen (Kruskall-Wallis-Test: Gelegegröße: p>0,1, Anzahl Geschlüpfter: p>0,1 Anzahl Ausgeflogener: p>0,1). Die niedrigste Anzahl Ausgeflogener war zwei (LZ 2 in 2004), die höchste Anzahl waren sechs flügge Jungvögel, was an vielen Standorten beobachtet wurde (Tab. 24). Insgesamt wurden 138 Eier gelegt, aus denen 132 Jungvögel schlüpften und von denen 127 ausflogen (Tab. 24). Alle Standorte zusammengefasst, beträgt die Ausflugrate, bezogen auf die Gelegegröße, 92 %, wenn man die Anzahl Geschlüpfter als Bezugsgröße nimmt, sogar 96 %. Durchschnittlich flogen 4,7 Jungvögel pro Brut aus. Einige der Bruten wiesen Parasiten auf: Lausfliegen (Hippoboscidae, Ornithomyia avicularia20), und Federlinge (Mallophaga) (Tab. 24). Betrachtet man die einzelnen Sommer, so flogen 2002 insgesamt 45 Jungvögel aus, 2003 waren es 43 sowie 39 im Jahr 2004. Der Unterschied zwischen den einzelnen Jahren ist aber nicht signifikant (Kruskall-Wallis-Test: p>0,1).

▼ 129 

Tab. 24: Ergebnisse zur Brutbiologie des Turmfalken an den zehn untersuchten Niststätten 2002-2004: Gelegegröße, Anzahl Geschlüpfter und Ausgeflogener sowie Parasitenbefall

Niststätte

Jahr

Gelegegröße

Geschlüpfte

Ausgeflogene

Parasiten

Ci 1

2002

5

5

5

viele Lausfliegen

 

2003

5

5

5

viele Lausfliegen

 

2004

6

6

6

einige Lausfliegen

Ci 2

2002

6

6

5

einige Federlinge

 

2003

5

5

5

 -

 

2004

5

4

4

einige Lausfliegen

Ci 3

2002

5

5

5

 -

 

2003

5

5

5

Ci 4

2004

4

3

3

einige Lausfliegen

Mi 1

2002

5

5

4

wenige Lausfliegen

 

2003

5

5

5

 -

 

2004

5

5

5

einige Lausfliegen

Mi 2

2002

5

5

5

einige Lausfliegen

 

2003

6

6

6

 -

 

2004

6

5

5

einige Lausfliegen

Mi 3

2002

6

5

5

wenige Lausfliegen

 

2003

5

5

5

 

2004

5

5

3

viele Federlinge

LZ 1

2002

5

5

5

 

 

2003

3

3

3

einige Lausfliegen

 

2004

5

5

5

LZ 2

2002

5

5

5

 

2003

5

4

3

einige Lausfliegen

 

2004

3

2

2

 -

LZ 3

2002

6

6

6

 -

 

2003

6

6

6

einige Lausfliegen

 

2004

6

6

6

 -

Summe Ci

 

46

44

43

Summe Mi

 

48

46

43

Summe LZ

 

44

42

41

Summe

 

138

132

127

Beringte Brutvögel

Insgesamt konnten 20 der insgesamt 54 Brutvögel anhand ihrer Ringe identifiziert werden. Es gelangen 13 Teilablesungen und 7 vollständige Identifizierungen der Ringnummern. Zwei Weibchen brüteten im Alter von einem Jahr. Der älteste Brutvogel, ein Männchen, war acht Jahre alt. Der Altersdurchschnitt betrug 3,6 Jahre (Median: 3,5 Jahre; n=20). Alle beringten

Turmfalken wurden in Berlin geboren. Einige Falken brüteten über mehrere Jahre am selben Brutplatz, aber eine totale Brutplatztreue konnte nicht beobachtet werden. So brüteten vier Vögel (zwei Männchen, zwei Weibchen) am selben Platz über drei Jahre, zwei Vögel (ein Männchen, ein Weibchen) über zwei Jahre (Tab. 25).

▼ 130 

Bei sieben Falken war der Geburtsort, also die Niststätte innerhalb Berlins, bekannt. Im Durchschnitt betrug die Ansiedlungsentfernung 11,3 km (Median: 12 km). Die minimale Entfernung vom Brutplatz zum Geburtsort waren 500 m, die maximale 25 km.

Tab. 25: Beringte Brutvögel an den zehn untersuchten Niststätten

Kreis + farbiges Symbol: beringter Vogel

▼ 131 

Schwarzes Symbol: Vogel ohne Ring

Fragezeichen: Es konnte nicht erkannt werden, ob der Vogel einen Ring trägt oder nicht.

Nahrungsökologie

Insgesamt wurden 2144 Gewölle analysiert: 619 in der Ci, 695 in der Mi und 830 in der LZ (die drei Untersuchungsjahre zusammengefasst). In einem ersten Schritt wurden die Gewölle nach ihrem Inhalt in sieben unterschiedliche Typen unterteilt:

▼ 132 

Abb. 81: Zusammensetzung und Anteil der Turmfalkengewölle in den drei Zonen

In der Ci wurden 70 % Vogelgewölle und 18 % Mischgewölle21, die einen hohen Anteil an Vögeln aufwiesen, gefunden. Im Gegensatz dazu waren in der LZ 78 % Mäuse- bzw. Spitzmausgewölle zu verzeichnen sowie 14 % Mischgewölle21 mit einem hohen Anteil an Mäusen und Spitzmäusen (Abb. 81). Die Mi liegt zwischen diesen beiden Extremen mit 48 % Mäuse- bzw. Spitzmausgewöllen und 22 % Vogelgewöllen (Abb. 81). Reine Insektengewölle wurden nur sehr wenige, insgesamt zehn Stück, gefunden: eins in der Ci, sechs in der Mi und drei in der LZ. Dafür wurden aber insgesamt 270 Mischgewölle gefunden, welche Insektenreste enthielten. Das sind knapp 13 % aller analysierten Gewölle. Die Anzahl an Insektenmischgewöllen ist in der Mi mit 113 (16 %) am höchsten, danach folgt die LZ mit 90 (11 %) und die Ci mit 67 (11 %). Insekten werden also regelmäßig von den Falken gefressen.

▼ 133 

In der Regel lag der Insektenanteil bei ca. 20 % bei Mischgewöllen, danach folgte die Größenklasse 40 %. Insektenanteile von 60 % bis 80 % wurden selten festgestellt (vgl. Anhang C-e). Dass alle drei Beutetiertypen (Mäuse & Spitzmäuse, Vögel, Insekten) in demselben Gewölle auftraten, wurde insgesamt nur viermal beobachtet und stellt damit eine Ausnahme dar.

Die drei Zonen unterschieden sich hinsichtlich der Zusammensetzung der Gewölle hoch signifikant voneinander (χ2-Test: p<0,01), wobei die reinen Insektengewölle sowie die Mäuse & Spitzmäuse/Vogel/Insektengewölle aufgrund der kleinen Stichprobe nicht in die statistische Analyse mit einbezogen wurden. Dieser signifikante Unterschied kommt durch die ansteigenden Anteile der Mäuse- bzw. Spitzmausgewölle von der Ci zur LZ zustande, genauso wie durch die abnehmenden Anteile an Vogelgewöllen sowie Vogel/Insekten-gewöllen von der Ci zur LZ.

Bei der genaueren Untersuchung der Gewölle wurden die Beutetierarten, soweit möglich, bestimmt, und die Individuenanzahl geschätzt. Insgesamt wurden neun Arten an Mäusen und Spitzmäusen gefunden, wobei die Artenzahlen von der Ci zur LZ ansteigen (Tab. 26, Abb. 85). Es gab einen großen Unterschied hinsichtlich der Individuenzahlen: 13 in der Ci, 115 in der Mi, 247 in der LZ (Tab. 26), bzw. 0,2, 1,75 und 3,0 Mäuse und Spitzmäuse pro 10 Gewölle. Der Unterschied ist hoch signifikant (χ²-Test: p<0,01). Am häufigsten wurde Microtus sp. bzw. die Feldmaus gefangen (Tab. 26).

▼ 134 

Tab. 26: Mäuse und Spitzmäuse als Beutetiere des Turmfalken in den drei Zonen 2002-2004

Beutetiere

Ci

Mi

LZ

Gesamt

Microtus sp.

9

61

137

207

Feldmaus (Microtus arvalis)

1

34

70

105

Apodemus sp.

3

12

27

42

Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis)

-

3

2

5

Erdmaus (Microtus agrestis)

-

1

3

4

Waldspitzmaus (Sorex araneus)

-

1

2

3

Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens)

-

2

1

3

Feldspitzmaus (Crocidura leucodon)

-

-

2

2

Soricidae sp.

-

-

1

1

Rötelmaus (Clethrionomys glareolus)

-

-

1

1

Ost-Schermaus (Arvicola terrestris)-

-

-

1

1

Brandmaus (Apodemus agrarius)

-

1

-

1

Summe

13

115

247

375

Artenzahl

2

6

8

9

Die Erdmaus dagegen wurde insgesamt nur viermal in den drei Jahren gefangen. Deswegen kann man davon ausgehen, dass so gut wie alle Microtus sp.-Individuen Feldmäuse sind, auch wenn aufgrund der starken Verdauung des Turmfalken hier eine Artbestimmung nicht mehr möglich war (vgl. Kap. 2.4.4). Insektenfresser, also Spitzmäuse, nehmen einen geringen Stellenwert in der Nahrungsliste des Turmfalken ein. Mäuse- und Spitzmauspopulationen können starken jährlichen Schwankungen unterliegen, so dass in manchen Jahren nur wenig Beute für den Turmfalken zur Verfügung steht. Abb. 82 zeigt die Mäuse- und Spitzmausindividuen pro 10 Gewölle in den einzelnen Untersuchungsjahren in den drei Zonen. In der Ci sind Mäuse und Spitzmäuse, wie schon in Tab. 26 ersichtlich, zu vernachlässigen. In der Mi schwanken die Zahlen zwischen 0,9 und 2,1 Individuen pro 10 Gewöllen, in der LZ zwischen 2,5 und 3,3 (Abb. 82).

Abb. 82: Mäuse- und Spitzmausindividuen pro 10 Gewölle in den einzelnen Untersuchungs-jahren in den drei Zonen

▼ 135 

Betrachtet man die einzelnen Niststätten und speziell das Hauptbeutetier (Feldmaus bzw. Microtus sp.), so treten starke jährliche Schwankungen auf (Abb. 83). Hinsichtlich der Gesamtzahl an erbeuteten Feldmäusen und Microtus sp. wurden, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anzahlen an analysierten Gewöllen, Unterschiede zwischen den Jahren festgestellt: Das Jahr 2002 unterschied sich hoch signifikant vom Jahr 2004 (χ2-Test: p<0,01) und signifikant vom Jahr 2003 (χ2-Test: p<0,05). Dies ist hauptsächlich auf Schwankungen in der Mi und LZ zurückzuführen. So wurden z. B. bei LZ 1 im Jahr 2002 35 Individuen festgestellt und in den beiden darauffolgenden Jahren nur jeweils 14.

Die einzelnen Niststätten lassen sich anhand der unterschiedlichen Anzahlen an erbeuteten Feldmäusen bzw. Microtus sp. meist eindeutig den drei Zonen zuordnen (Abb. 83). Ausnahmen gab es aber in der Mi, wo in einigen Jahren an einigen Standorten mehr Individuen als in der LZ gefunden wurden (Abb. 83). Auffallend war, dass bei Ci 1 (2002, 2003) und Ci 4 (2004) überhaupt keine Feldmäuse bzw. Microtus sp. anhand von Kieferresten ausgemacht werden konnten (Abb. 83). Dies bedeuted aber nicht, dass die Turmfalken dort überhaupt keine Mäuse erbeuteten, denn einige einzelne Mäusegewölle bzw. Mäusemischgewölle wurden auch dort gefunden, allerdings eben überhaupt keine Kiefer oder Kieferreste.

Abb. 83: Individuen von Feldmäusen und Microtus sp. pro 10 Gewölle in den einzelnen Untersuchungsjahren an den einzelnen Niststätten sowie summiert

▼ 136 

Insgesamt fielen 23 Vogelarten dem Turmfalken zum Opfer (Tab. 27). Hinsichtlich der Individuenzahlen, 319 in der Ci, 135 in der Mi und 86 in der LZ, unterschieden sich die drei Zonen hoch signifikant voneinander (χ²-Test: p<0,01). Am häufigsten wurde der Haussperling erbeutet, gefolgt vom Grünling und dem Feldsperling (Tab. 27). Insgesamt nahm der Haussperling einen Anteil von 64 % der erbeuteten Vögel ein. In der Ci betrugt der Anteil sogar 73 %. Die größte Anzahl an erbeuteten Haussperlingsindividuen betrug 46 (an je zwei Niststätten in der Ci im Jahr 2004). Manchmal wurden Exoten vom Turmfalken gefangen: Mehrere Wellensitticheund ein Kanarienvogel konnten identifiziert werden (Tab. 27). Die meisten Exoten wurden in der Ci erbeutet. Insgesamt wurde nur eine (junge) Stadttaube (in der Mi) gefunden. Die Ci wies mit 13 Arten die geringste Artenzahl auf, die Mi lag mit 16 Arten vor der LZ (Tab. 27). Ein Vogel konnte zwar nicht auf Artniveau bestimmt werden (Tab. 27), da es aber mit Sicherheit keine der bereits aufgeführten Arten war, wurde dieser als zusätzliche Art gewertet.22

Tab. 27: Vögel als Beutetiere des Turmfalken in den drei Zonen 2002-2004

Beutetiere23

Ci

Mi

LZ

Gesamt

Haussperling

236

76

36

348

Grünling

27

10

8

45

Feldsperling

8

10

15

33

Kohlmeise

10

10

5

25

Mauersegler

9

4

-

13

Blaumeise

8

2

2

12

Star

-

8

3

11

Hausrotschwanz

2

4

3

9

Wellensittich

6

1

1

8

Feldlerche

-

1

5

6

Exoten indet.

4

1

-

5

Mehlschwalbe

5

-

-

5

Stieglitz

1

3

-

4

Amsel

1

1

-

2

Gartenrotschwanz

-

1

1

2

Bachstelze

-

1

1

2

Rauchschwalbe

-

-

2

2

Buchfink

-

1

0

1

Klappergrasmücke

-

-

1

1

Dorngrasmücke

1

-

-

1

Kanarienvogel

1

-

-

1

Stadttaube

-

1

-

1

Haubenlerche

-

-

1

1

Lerche sp.

-

-

1

1

Vogel indet.

-

-

1

1

Summe

319

135

86

540

Artenzahl

13

16

15

23

Die Abb. 84 zeigt die jährlichen Schwankungen der hauptsächlich erbeuteten Vogelart, dem Haussperling, an den einzelnen Niststätten. Im Jahr 2002 wurden insgesamt 100 Haussperlinge gefangen, 2003 waren es 82 und 2004 166 Individuen. Der Unterschied zwischen den Jahren ist hoch signifikant (χ²-Test: p<0,01). Im Jahr 2004 wurden mehr als doppelt so viele Haussperlinge gefangen wie 2003. Die Schwankungen an den einzelnen Niststätten sind beträchtlich. An sich lassen sich die einzelnen Standorte jedoch anhand der unterschiedlichen Anzahlen an erbeuteten Haussperlingen klar den drei Zonen zuordnen, mit einigen Ausnahmen: Mi 1 weist ähnliche Fangzahlen auf wie Ci 324 und LZ 1 weist teilweise höhere Zahlen auf als Mi 2 und Mi 3 (Abb. 84).

▼ 137 

Abb. 84: Erbeutete Haussperlinge in den drei Untersuchungsjahren an den einzelnen Niststätten

Betrachtet man alle erbeuteten Individuen aller Vogelarten, so wurden im Jahr 2002 148 Vögel, 2003 135 Vögel und 2004 257 Individuen registriert.

Die am häufigsten dokumentierte Insektenordnung waren Käfer. Insgesamt wurden 31 Arten festgestellt. In der Ci wurden während der drei Untersuchungsjahre 64 Individuen identifiziert, in der Mi 118 und in der LZ 88 (Tab. 28). Es bestand kein signifikanter Unterschied zwischen der Ci und der LZ, wohingegen sich die Mi von den anderen beiden Zonen hoch signifikant unterschied (χ²-Test, p<0,01). Am meisten wurde der Junikäfer (Amphimallon solstitiale) gefangen (Tab. 28). Danach folgten Laufkäfer (Carabiden) und Mistkäfer (Geotrupes sp.). Hervorzuheben ist die Familie der Schwimmkäfer (Dytiscidae), von der insgesamt 16 Individuen gefressen wurden, sowie der Wasserkäfer (Hydophilidae), von der nur ein Individuum gefunden wurde (Tab. 28). Auch die Aaskäfer (Silphidae), eher selten konsumiert, treten aufgrund ihrer Ökologie aus der Zusammensetzung der Käferbeute hervor.

▼ 138 

Tab. 28: Käfer als Beutetiere des Turmfalken in den drei Zonen 2002-2004

Beutetiere

Familie

Ci

Mi

LZ

Gesamt

Amphimallon solstitiale

Scarabaeidae

38

56

21

115

Carabidae indet.

Carabidae

3

12

9

24

Amara sp.

Carabidae

3

8

11

22

Harpalus sp.

Carabidae

-

3

11

14

Anomala dubia

Scarabaeidae

-

4

5

9

Geotrupes sp.

Geotrupidae

1

3

4

8

Spondylis buprestoides

Cerambycidae

4

2

2

8

Otiorhynchus sp.

Curculionidae

1

4

2

7

Dytiscidae indet.

Dytiscidae

1

2

3

6

Curculionidae indet.

Curculionidae

-

3

3

6

Pterostichus sp.

Carabidae

2

2

1

5

Poecilus versicolor

Carabidae

-

2

2

4

Ilybius fuliginosus

Dytiscidae

1

2

1

4

Histeridae indet.

Histeridae

-

2

2

4

Coleoptera indet.

3

1

-

4

Necrophorus sp.

Silphidae

-

1

2

3

Colymbetes sp.

Dytiscidae

1

2

-

3

Prosternon tesselatum

Elateridae

-

1

1

2

Byrrhidae indet.

Byrrhidae

-

1

1

2

Colymbetes fuscus

Dytiscidae

1

1

-

2

Melolontha melolontha

Scarabaeidae

-

-

1

1

Coccinellidae indet.

Coccinellidae

-

-

1

1

Rhagium mordax

Cerambycidae

1

-

-

1

Gastroidea sp.

Chrysomelidae

-

1

-

1

Phyllobius sp.

Curculionidae

-

1

-

1

Hylobius abietes

Curculionidae

-

-

1

1

Elateridae indet.

Elateridae

-

1

-

1

Monochamus galloprovincialis

Cerambycidae

1

-

-

1

Buprestidae indet.

Buprestidae

-

-

1

1

Typhoeus typhoeus

Geotrupidae

-

-

1

1

Onthophagus sp.

Scarabaeidae

1

-

-

1

Phosphuga atrata

Silphidae

-

-

1

1

Hydrophilidae indet.

Hydrophilidae

-

1

-

1

Ilybius ater

Dytiscidae

-

1

-

1

Carabus sp.

Carabidae

1

-

-

1

Carabus auratus

Carabidae

-

-

1

1

Carabus granulatus

Carabidae

-

1

-

1

Carabus nemoralis

Carabidae

1

-

-

1

Summe

64

118

88

270

Artenzahl

12

20

21

31

Außerdem wurden insgesamt fünf Eidechsen, acht Heuschrecken sowie wenige sonstige Insekten als Beute des Turmfalken festgestellt (Tab. 29).

Tab. 29: Sonstige Tiere als Beute des Turmfalken in den drei Zonen 2002-2004

Beutetier

Ci

Mi

LZ

Gesamt

Eidechse (Lacertidae indet.)

-

2

2

4

Zauneidechse (Lacerta agilis)

-

-

1

1

Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeselii)

5

-

1

6

Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata)

1

-

-

1

Warzenbeißer

(Decticus verrucivorus)

-

1

-

1

Biene (Apoidea indet.)

-

2

-

2

Hautflügler (Hymenoptera indet.)

-

-

1

1

Schwärmer (Sphingidea indet.)

-

1

-

1

▼ 139 

Generell war die Artenzahl in der Ci am geringsten und sie wuchs über die Mi zur LZ hin an (Abb. 85). Eine Ausnahme stellten hier lediglich die Vögel dar, da die Mi eine Art mehr als die LZ aufwies.

Abb. 85: Artenzahlen jeder Beutetiergruppe in den drei Zonen 2002-2004

Anthropogene Nahrungsreste wurden in jedem Untersuchungsjahr in jedem Nistkasten in der Ci gefunden (Tab. 30, vgl. Foto in Anhang D), jedoch in keinem Nistkasten in der Mi und in der LZ.Der größte vom Turmfalken eingetragene Knochen war 17,5 cm lang.

▼ 140 

Tab. 30: Anthropogene Nahrungsreste, gefunden in Turmfalkennistkästen in der Ci 2002-2004

Ci-Niststätte

Jahr

Anthropogene Nahrungsreste

Ci 1

2002

einige Kotelettknochen

2003

einige Kotelettknochen

2004

ein Hühnerknochen

(17, 5 cm lang)

Ci 2

2002

ein Kotelettknochen, einige Hühnerknochen

2003

Wurstpellen, wenige Kotelettknochen

2004

ein Kotelettknochen

Ci 3

2002

Brötchenrest mit Hackfleisch

2003

ein Kotelettknochen

Ci 4

2004

Teil eines Kotelettknochens

Jagd des Turmfalken

Insgesamt wurden an drei Standorten bei insgesamt sechs Terminen Beobachtungen zur Jagd des Turmfalken gesammelt. Zu den Terminen und dem Zeitaufwand siehe Tab. 31.

Tab. 31: Termine und Zeitaufwand der Beobachtungen zur Jagd des Turmfalken

Niststätte

Datum

Uhrzeit

Ci 2

04.07.02

8.15 - 10.45

Mi 1

25.06.02

02.07.02

10.30 - 12.50

8.15 - 11.45

LZ 1

26.06.02

09.07.02

18.07.02

7.00 - 11. 00

7.40 – 11.00

7.35 - 9.45

▼ 141 

Die Turmfalkenbeobachtung bei Ci 2 in dem dicht bebauten Bezirk Kreuzberg (von einem Rundgang direkt unterhalb der Kirchturmspitze) erwies sich als so gut wie unmöglich, da die Falken im Flug hinter die Gebäude abtauchten und nicht mehr zu sehen waren. Sicher ist nur, dass die Falken auch im unmittelbaren Umfeld der Niststätte jagten.

Bei Mi 1 konnten von den Balkonen der Kirche aus folgende Beobachtungen erfolgen:

▼ 142 

Insgesamt waren sowohl die direkt angrenzende Brache als auch die dicht bebauten Bereiche für die Falken als Jagdgebiet attraktiv. Die Nutzung des nahen Humboldt-Hains, eines überwiegend bewaldeten Parks, wurde nicht registriert.

Bei LZ 1, dem Bewag Kraftwerk in Neukölln, gelangen von den verschiedenen Dächern des Gebäudes folgende Dokumentationen:

▼ 143 

Insgesamt war die angrenzende Brache das bevorzugte Jagdgebiet, wobei der Hochspannungsmast gerne als Sitzwarte genutzt wurde. Danach folgte die Einfamilienhaussiedlung.

Es wurde einmal eine Jagdpause von 42 Minuten und eine von 25 Minuten dokumentiert.

Die herangebrachten Beutetiere konnten bei allen drei Standorten, trotz Einsatz von Fernglas und Spektiv, nicht identifiziert werden.

▼ 144 

Bezieht man alle zufälligen Beobachtungen der drei Jahre mit ein, sind folgende Jagdweisen extra zu erwähnen:


Fußnoten und Endnoten

7  Die wissenschaftlichen Namen aller Arten sind im Anhang A aufgeführt.

8  bzw. Brötchen

9  Das ist dadurch erklärbar, dass im Ze für die erste Maidekade nur ein Messwert vorhanden ist, da das Thermometer entwendet wurde.

10  Z. B. die Monatsdekade 4_1 meint dann den Zeitraum 1. bis 10. April, 4_2 den 11. bis 20. April usw.

11  Da die Stichprobengröße zwei beträgt, wurden hier allerdings die absoluten Werte angegeben.

12  Drei der vier Bruten wurden durch menschlichen Einfluss zerstört (Abhängen der Nistkästen), vgl. Kap. 2.4.1.

13  Zweitbrut!

14  D. h., die Parameter der gestohlenen Nistkästen wurden, soweit möglich, in die Berechnungen mit einbezogen, obwohl klar ist, dass der Brutverlust auf menschliches Eingreifen zurückgeht.

15  Dabei fanden zwei der Nestbauten knapp außerhalb der eigentlichen Pf statt, siehe Kap. 2.4.2.

16  Bei drei Nestern konnte die genaue Lage im Gehölz nicht festgestellt und damit die Höhe nicht bestimmt werden.

17  Zwei Nester wurden nicht gefunden, sondern nur anhand fütternder Altvögel und später flügger Jungvögel bestimmt, so dass hier nur bei einem Teil der Nester Gehölzarten angegeben werden können.

18  Da im Pa keine Jungvögel festgestellt wurden, wurde dieser außen vor gelassen.

19  Meisen können, im Gegensatz zum Haussperling, einen frei hängenden Meisenknödel anfliegen und sich daran beim Fressen festhalten.

20  Es wurden nur stichpunktartig einige Tiere bestimmt (Schlottke, mdl. Mitt.), weitere Lausfliegenarten sind nicht wahrscheinlich, können aber auch nicht ausgeschlossen werden.

21  Die genaue Zusammensetzung aller Mischgewölle (20%-Schritte der Volumenanteile der verschiedenen Beutetiertypen) ist in Anhang C-e aufgeführt.

22  Es war wahrscheinlich ein Kleiber.

23  Die wissenschaftlichen Namen sind im Anhang A aufgeführt.

24  Ci 3 wurde nur 2002 und 2003 untersucht; 2004 fungierte Ci 4 als Ersatzstandort (vgl. Kap. 2.4.4).



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31.08.2006