Reichel, Andrea-Martina: Die Kleider der Passion. Für eine Ikonographie des Kostüms

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Kapitel 1. KLEIDERBILDER

1.1. Kostüm und Mode

"Fußball ist Mode. Man muß sich also nicht wundern, daß sich die Mode auch des Fußballs angenommen hat. Spieltag für Spieltag traben die Athleten, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, ins Stadion und präsentieren bunte Shirts, dunkle Hosen, Ringelsocken, Jaquardmuster oder geschnürte Kragen, alles untermalt von dramatischen Klängen aus der voluminösen Musikanlage des Sporttheaters und bevor der Ball auch nur ein einziges Mal in Richtung des Tores gerollt ist. [...] So erreichen sie den Anstoßkreis, von dem das Geschehen seinen Ausgang nehmen soll, drehen sich noch einmal nach allen Seiten, auf daß auch der Namensschriftzug samt Rückennummer im Helmut-Lang-Stil von allen gesehen werden kann, winken und grüßen die Gäste der Veranstaltung, die in gleichgestylten Hemden auf der Tribüne sitzen. Vielleicht ist es diese massenhafte Identifikation, die den modernen Fußball am besten charakterisiert. Die Akteure haben stillschweigend begriffen, daß weniger über die Tricks am Ball, die nur von einigen Auserwählten beherrscht werden, als über Textilien die Farbe nachhaltig ins Spiel kommt."<1>

Das Eindringen der Mode in die Welt des Sports, das hier anhand des Massenspektakels Fußball aufgezeigt wird, der Männersportart, in der dem Autor des zitierten FAZ-Artikels des Sonderheftes Mode zufolge der "Kleiderfetischismus" am ausgeprägtesten zu Tage tritt<2>, steht die gegenwärtige Versportlichung der Mode gegenüber. Ebenso wie die meist firmenspezifischen Symbole, die Farben- und Formkombinationen der Embleme und Signets


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mittlerweile die Trikots der Sportler prägen und dem Zuschauer über die Mannschaftszugehörigkeit Auskunft geben, sind Trikots zum Symbol geworden, und zwar nicht als Trophäe des Idols sondern in der Kleidung des Publikums, in der Alltagsmode. In ihr verhilft die "Kleider-Sportivität" dem Durschnittsbürger zu einer "Schein-Identität"<3>, dienen Turnschuhe und Anoraks in Microfaser-Materialien, Baseballmützen und city-bags, Jugendlichkeit, Spontanität und Lässigkeit zu signalisieren. Der Trainingsanzug ist stadtfein geworden.

"Das T-Shirt kann nicht groß genug, die Schlabberhose nicht weit genug sein. Nichts soll einengen beim Schlendergang der Kleinfamilie durch die autofreien Einkaufsstraßen. Waren die Kinder zur Zeit der klassischen Moderne noch ausstaffiert wie kleine Erwachsene, so sehen die Erwachsenen heute wie große Kinder aus. ... Entenhausen liegt in der Luft."<4>.

So kommentiert B. Wyss die Freizeitmode der Familie von heute in seinem Aufsatz 'Die Welt als T-Shirt', welches er, ausgehend davon, daß jede Zeit ein Erzeugnis besitzt, "worin die herrschende Mentalität in Warenform zu sich kommt", gleichsam als "Leitmotiv kulturellen Verhaltens" in der modernen Gesellschaft beschreibt<5>.

Insbesondere auf die Kleidermode bezieht sich auch Jean Baudrillard in seiner Analyse der so benannten "Zauberwelt der Codes"<6>, wenn er die Mode, die für Baudrillard und andere Vertreter der in den 90ern vielzitierten Simulationstheorie "im Zentrum der ganzen Moderne" steht<7>, als "Hölle der


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Macht" tituliert, der man icht entgehen kann<8>.

"So richtig es auch ist", so Baudrillard, "daß man dem Realitätsprinzip des Inhaltes immer ausweichen kann, dem Realitätsprinzip der Codes kann man jedoch niemals entkommen. Selbst wenn man gegen die Inhalte revoltiert gehorcht man mehr und mehr der Logik der Codes.... Das ist das Diktat der >Moderne<"<9>.

Von einem 'Diktat der Mode', von dem Wyss ironisierend zu berichten weiß, wird anders als noch in den 70er Jahren in der aktuellen Literatur, die sich mit jenem sozialen Phänomen auseinandersetzt, kaum mehr gesprochen. Die Kollektivität als bestimmendes Kennzeichen der Mode ist jedoch auch in den Untersuchungen der Autoren der nachfolgenden Generationen hervorgehoben, die ihre Aussagen mit Beobachtungen zu belegen wissen, wie sie etwa ein Aufsatzband aus den späten 80ern vermittelt, in dem sich über die "Listen der Mode", so der Titel<10>, folgendes erfahren läßt.

"Es gibt unter den Intellektuellen viele", wird hier berichtet, "die verachten die Mode. Die Rache der Mode ist schrecklich. Das geht so: Ein Individuum - sagen wir, um den Fall plausibel erscheinen zu lassen, es handele sich um einen deutschen Mann - trägt eine Hose. Es trägt dieses Kleidungsstück seit etlichen Jahren. Vermutlich hat es es selbst gekauft, es kann sich nicht mehr erinnern. Eines Tages hat es das diffuse Gefühl, daß es an seinem Äußeren etwas gibt, das es von den anderen männlichen Idividuen unterscheidet. Das kann es nicht wollen - sonst verhielte es sich ja zum Beispiel modisch. Es dauert nun noch eine ganze Zeit, denn seine Wahrnehmung ist in diesem Bereich nicht geschärft, bis es dahinterkommt, worin die Abweichung vom Erscheinungsbild dr anderen besteht. Es ist - wir wählen ein beliebiges Beispiel - die enorme Weite, mit der seine Hose um Unterschenkel und Knöchel schlackert. Unser Individuum muß nun eine


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vorsichtige Angleichung vornehmen, um die Auffälligkeit zu beseitigen, und die Sache beginnt in relativ regelmäßigen Zeitintervallen immer wieder von vorne. Die Angleichung kostet jedesmal eine Anstrengung, denn unser Individuum hat zwar eine klare Vorstellung von seinem intellektuellen Zustand, aber nur eine undeutliche von seiner äußeren Erscheinung. In bestimmten Kreisen gereicht ihm das zur Ehre."<11>

Nur "in der Mode" also kann man "außer der Mode" sein, wie Georg Simmel die Versklavung des Individuums durch die Permanenz des Modewandels beschreibt<12>, welcher am Ende des vorigen Jahrhunderts bereits eine Theorie der Mode entwickelt und damit der weiteren Forschung einen entscheidenden soziologischen Ansatz liefert. Mode wird als Dialektik von Konformität und Distinktion definiert, d.h. die Entstehung modischen Verhaltens auf den Kompromiß zwischen dem Bedürfnis nach sozialer Anschließung und dem Wunsch nach Abgrenzung zurückgeführt, welche den ständigen Wechsel der Inhalte, der die Mode von heute von der von gestern abhebt, verlangt<13>.

Gerade die zeitliche Komponente spielt in der das dialektische Modell Simmels fortführenden Auseinandersetzung Walter Benjamins mit der Mode eine wesentliche Rolle, die nach seinem Verständnis in der Vergegenwärtigung des Vergangenen als Überprüfung des gegenwärtigen Handelns ein Mittel bietet, um die Wirkung des Vergessens zu kompensieren<14>.

Nicht anders also als Jean Baudrillard die "Dialektik des Bruchs", die auf der unmittelbaren Wiederverwertung früherer Formen beruhende Aktualität der


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Mode versteht<15>, der Benjamin auch insofern weiterdenkt, als er Altes und Neues, Original und Imitat nicht in ein Gegenüber stellt sondern vielmehr den Zusammenfall von Bezeichnetem und Bezeichnendem, die Auflösung aller Grenzen und Austauschbarkeit aller Werte als bestimmend für das gegenwärtige Zeitalter der Simulation benennt<16>. In der so bezeichneten 'Hyperrealität' der Simulation<17>, in der die Realität insbesondere auf der Ebene der massenmedialen Vermittlung wie etwa der Werbung untergeht, wird die Mode zur "kollektiven Leidenschaft am Künstlichen"<18>.

Die heutige Gesellschaft, urteilt Baudrillard, erwartet "nichts mehr von einem künftigen Kommen des Messias"<19>, sie findet ihr "Heil in der Mode" - ganz im Sinne Oscar Wildes, demzufolge diese dem Menschen eine Sicherheit verleihen konnte, wie sie ihm die Religion niemals zu bieten vermochte"<20>.

Eine überaus eindrucksvolle Dokumentation der modernen Heilserwartung läßt sich im Rahmen einer Werbekampagne finden, mit welcher der Modeschöpfer Otto Kern in der Mitte der 90er Jahre Aufsehen erregte (Abb.1). Unter dem verheißungsvollen Titel 'Paradise now' präsentiert sich hier eine leonardeske Abendmahlsgesellschaft im legeren Jeanslook, denen die göttliche Botschaft - in diesem Falle, wie dem Anzeigentext zu entnehmen, der Aufruf zur Nächstenliebe im Zeichen der Gleichberechtigung - per Männeroberhemd


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übermittelt wird<21>.

"Am Ende des 20 Jh. ist die Mode geworden, was die Kunst hätte sein wollen", kommentiert Barbara Vinken in einer der jüngeren Untersuchungen zur Entwicklung der Kleidermode die gegenwärtige Situation. In ihr kommt nach Ansicht der Verfasserin, die nicht anders als schon Simmel oder Benjamin Mode und Moderne gleichsetzt, "der Zeitgeist zur Darstellung"<22>.

Die Untersuchung folgt hierin der gängigen These, welche die Mode und den Modewandel als Ausdruck soziokultureller Veränderungen mit der Entstehung der neuzeitlichen Gesellschaft in Verbindung bringt, d.h. mit Prozessen wie "Kommerzialisierung, Säkularisierung und Individualisierung" in Beziehung setzt<23>, in deren Folge die Entwicklung jener sozialen Mobilität gesehen wird, die das Zusammenspiel von Konformität und Distinktion erst möglich werden läßt.

Dieser Zustand aber ist nach der vorherrschenden Meinung auch der gegenwärtigen kostümhistorischen wie historischen Forschung erst in der Zeit des späten Mittelalters erreicht, macht sich, wie F. Braudel es z.B. beschreibt, nun "erstmals der Einfluß der Mode" in der europäischen Gesellschaft bemerkbar, die zuvor, zumal die Bekleidung seiner Beobachtung nach von der Zeit der Römer und Gallier bis in das 12. Jh. hinein unverändert bleibt, im "Zeichen der Immobilität" steht<24>.


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Ganz ähnlich verfahren in der Regel noch die Forscher der 90er Jahre, so wie etwa die Veranstalter einer Historikertagung zum Thema 'Kleidung und Identität', Robert Jütte und Norbert Bulst, in ihrer diesbezüglichen Beurteilung von Mittelalter und Moderne, welche auf der einen Seite die "gottgewollte Ordnung" für bestimmend halten, auf der anderen in der modernen Welt, Kleidung als "Ausdruck der Persönlichkeit" ansehen<25>.


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1.2. Bilder als Quelle?

Die hier vermittelte Vorstellung entspricht im wesentlichen auch dem Verständnis, das sich im Umgang mit den bildkünstlerischen Darstellungen als bestimmend erweist.

So wird denn in kaum einer der kunstgeschichtlichen Studien oder ikonographischen Untersuchungen zu spätmittelalterlichen Bildwerken, die sich auf die eine oder andere Weise mit dem äußeren Erscheinungsbild der Dargestellten befassen, darauf verzichtet, das Eindringen modischer Tendenzen in die Bekleidung der Porträtierten, auch und gerade in die der Heiligen und biblischen Gestalten, als bestimmendes Kennzeichen für die Kompositionen des ausgehenden Mittelalters zu betonen und diese vor dem Hintergrund einer vormals vermeintlich zeitlos-stereotypen Form der Kostümierung als zeitgemäß-individuelle Figurencharakterisierung hervorzuheben<26>.

Das Halten an überkommenen Erklärungsmodellen wundert in diesem Zusammenhang allerdings insofern kaum, als in der jüngeren kunstwissenschaftlichen Forschung weder die Auseinandersetzung mit Modetheorien noch mit kostümgeschichtlichen Themen, die im allgemeinen


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allenfalls im Rahmen von Datierungs- und Zuschreibungsfragen aufgegriffen werden, eine angemessene Berücksichtigung findet.- Und das, obwohl das Fach in seiner Geschichte diesbezüglich durchaus fruchtbare Ansätze aufzuweisen hat: nicht zuletzt Kunsthistoriker waren es, die als Initiatoren der kostümgeschichtlichen Forschung auftraten.

Wenngleich sich die im Zeichen des Historismus stehende Kostümbegeisterung der Kunstgeschichte vor 1900, von der Werke wie die großangelegten kulturgeschichtlichen Publikationen des Prager Kunsthistorikers A. Schultz zeugen<27>, mit dem beginnenden 20. Jh. zunächst in einer "Falten-Kunde" niederschlug, die aus der Behandlung der Gewanddrapierung, insbesondere der mittelalterlichen Plastik, künstlerische Stilentwicklungen zu rekonstruieren suchte<28>.


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Daneben aber entstanden auch weiterhin Studien, die wie etwa die Dissertation von P. Post über die französisch-burgundische Männertracht des Spätmittelalters auf eine detaillierte Erfassung und Katalogisierung der dargestellten Bekleidung zielten<29> und ebenso z.B. in G. Barmeyers Dissertation über die Gewandung der gotischen Plastik in Frankreich kostümgeschichtlich ertragreichere Ergebnisse erbrachten<30>,- nicht zuletzt in zahlreichen Abhandlungen über Einzelelemente der Kleidung, über die Manteltracht oder den Kruseler beispielsweise<31>. Wobei sich auch hier, nunmehr bezogen auf die Kleidung, die Frage nach der stilistischen wie nationalen, bzw. regionalen Entwicklung und Zuordnung als bestimmend erweist.

In der Nachkriegszeit wurden die Forschungsaktivitäten in den verschiedenen Themenbereichen zwar fortgesetzt, doch konnte sich die Kostümgeschichte im deutschsprachigen Raum weder in der Kunstgeschichte noch als eine eigenständige wisenschaftliche Disziplin etablieren. Sie zerfällt in eine schwer zu überschauende Fülle von Einzelstudien verschiedener Fachvertreter, die in der Regel allerdings, zumal in Hinsicht auf die Mittelalterforschung, kaum neue


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Ansätze hervorzubringen vermochten. Ob in kostümgeschichtlichen Abhandlungen gleich E. Nienholdts Stilkunde<32> für Sammler und Liebhaber oder der Auseinandersetzung mit Schriftquellen, wie etwa in L.C. Eisenbarths Publikation zu den Kleiderordnungen der deutschen Städte, die das Auftreten der gesetzlichen Reglementierungen im ausgehenden Mittelalter auf "das Phänomen, das wir 'Mode' nennen" zurückführt<33> - die alten Erklärungsmuster werden hier wie dort nicht aufgebrochen<34>.

Dies gilt gleichermaßen für die Weiterführung der in der Zeit des Nationalsozialismus besonders geförderten Trachtenkunde<35>, deren Arbeit sich
noch bis in die 80er Jahre hinein vielfach durch ihre positivistische


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Betrachtungsweise auszeichnet<36>. Und auch in anderen Forschungsbereichen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit, beeinflußt von der Entwicklung des Ausstellungswesens, auf die museal verwalteten und häufig ja von Kunsthistorikern betreuten Realien und ihre Beschaffenheit, und d.h. hier vor allem auf die Materialien der Kleidung<37>. Zwar findet gerade von kunstgeschichtlicher Seite im Zusammenhang mit der Untersuchung der textilen Künste, wie sie z.B. die Publikationen von Leonie von Wilckens leisten<38>, und

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insbesondere in zahlreichen Studien zur Musterbildung und Ornamentik der Kleidung auch eine Auseinandersetzung mit bildkünstlerischen Kleiderschöpfungen und Gewandkreationen einzelner Maler oder malerischer Werke, Lochners Dombild z.B., statt<39>. Doch ist in diesen textilgeschichtlich wertvollen Beiträgen über den Nachweis stilistischer Abhängigkeiten und Eigenarten hinaus in der Regel keine weiterführende Deutung des Dargestellten gegeben<40>.

Was um so mehr erstaunt, als sich die ikonographische Forschung spätestens mit der bahnbrechenden Arbeit Panofskys über den verkleideten Symbolismus


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in der altniederländischen Malerei<41>, die den Symbolcharakter der minutiös-gegenständlichen Bildwelt des späten Mittelalters anschaulich machte und damit die gerade diesen Werken lang anhaftende Vorstellung eines rein aus künstlerischer Erzählfreude und Detailliebe entspringenden malerischen Realismus in Frage stellte, in immer akribischeren Detailuntersuchungen den unterschiedlichsten Motiven, ob Pflanzen und Fayencen in mittelalterlichen Bildwerken oder etwa der Darstellung der Kerze deutend nähert<42>. Der


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symbolische Wert der den Akteuren der veranschaulichten Handlung verliehenen Austtattung hingegen findet von Ausnahmen wie Sauerländers erhellender Studie über die Naumburger Stifterfiguren in der kunsthistorischen Bildbetrachtung im allgemeinen nur wenig Beachtung<43>. Obgleich andere Wissenschaften diese mit dem Aufkommen der alltags- und mentalitätsgeschichtlichen Forschung in den 70er und vor allem 80er Jahren zu entdecken beginnen. Unter sozialhistorischen Fragestellungen, mit denen nun die Grauzonen der Geschichte vor allem des Mittelalters ausgeleuchtet, die Randgruppen und Außenseiter in Augenschein genommen werden<44>, rückt in

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den Forschungs- und Ausstellungsprojekten, die sich mit der alltäglichen Lebenswelt der mittelalterlichen Gesellschaft auseinandersetzen, u.a. auch die Geschichte der Kleidung und des Kleidungsverhaltens in den Mittelpunkt des Interesses<45>.

Dabei verändert sich zugleich der Blick auf das Objekt und bildet sich ein methodenkritisches Bewußtsein aus<46>, das sich in Publikationen wie etwa der


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vorbildhaften germanistischen Studie von E. Brüggen über die Kleidung und Mode in der höfischen Epik oder der Untersuchung zur Zeichensprache der Kleidung von G. Raudszus vermittelt<47>. In diesem Zuammenhang sind ebenso die sich mit den 80er Jahren vermehrenden Forschungsarbeiten hervorzuheben, die den Körper zum Thema machen und seinen Sozialbezug, seine Sprache und Symbolik unter verschiedenen, ob kulturphilosophisch, historisch oder auch kunsthistorisch geprägten Gesichtspunkten zu analysieren versuchen<48>.

Doch haben diese Anregungen und Erkenntnisse nicht die entsprechende Umsetzung gefunden. Während sich die Forschung im angelsächsischen Sprachraum in einem gewissen, wenn auch sehr kleinen, wissenschaftlichen Teilbereich der Untersuchung von Körper- und Kleiderbildern widmet<49> und


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Veröffentlichungen wie beispielsweise die 1993 von der Kunsthistorikerin R. Mellinkoff publizierte weitgefaßte Studie zu den optischen Stigmatisierungsstrategien der mittelalterlichen "Outcasts" hervorbringt<50>, bleiben derartige Fragestellungen in der deutschsprachigen Kunstgeschichte noch in der jüngsten Entwicklung und der Hinwendung zu einem kontextbezogenen Verständis des Faches als Wissenschaft vom Bild<51> weitgehend ausgespart. Nach wie vor stellt die Einbeziehung der kostümlichen Figurenausstattung in die kunstwissenschaftliche Bilddeutung eine Seltenheit dar<52>.

Wobei vor allem einzuklagen ist, daß das Fach nicht berücksichtigt, was es selbst geleistet und mitgetragen hat, und es nicht vermag, die verschiedenen


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Erfahrungen und Erkenntnisse zusammenzubringen und miteinander in Beziehung zu setzen<53>.

In der interdisziplinären Arbeit allerdings ist dies erfolgreich gelungen. An erster Stelle sind hier die Aktivitäten des von H. Kühnel gegründeten Kremser Instituts für Realienkunde zu nennen, das sich schon in den 70er Jahren mit der Kleidungsterminologie und -typologie des Mittelalters auseinandergesetzt und zudem ein Bildwörterbuch speziell zur mittelalterlichen Kleidung und Rüstung erarbeitet hat<54>. In zahlreichen Veranstaltungen und Veröffentlichungen, ob in Beiträgen zu verschiedenen Bereichen der mittelalterlichen Sachkultur, der bäuerlichen wie der adeligen Welt, oder etwa im Rahmen einer 1993 veranstalteten interdisziplinären Tagung zur 'Visualisierung städtischer Ordnung', wird nicht nur die Kleidung, sondern auch die grundlegende Problematik der historischen Kleiderforschung zur Debatte gestellt<55>.


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So wendet sich eine der jüngsten Publikationen des Institutes einer Frage zu, die zu behandeln lange versäumt und in der Methodendiskussion erst in den letzten Jahren aufmerksamer betrachtet wurde, der Frage nach der "Rolle des Bildes in der Erforschung von Alltag und Sachkultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit". Die hier geäußerte Kritik an einer Verwendung der bildlichen Quelle als Authentizität verheißendes Illustrationsmaterial ist insbesondere in Hinsicht auf die kunstwissenschaftliche Behandlung mittelalterlicher Kleiderdarstellungen von Bedeutung<56>. Denn in der Weise, wie sich die traditionelle Kostümkunde in der Darstellung ihrer Geschichte kunsthistorischer Zeugnisse bedient, verfährt die Kunstgeschichte in der kostümkundlichen Betrachtung mit den entsprechenden Bildmaterialien im allgemeinen gleichermaßen unreflektiert, gerade so, als ob jene nicht mehr als eigene Quellen erkennbar wären, die fachübliche Quellenkritik hier demnach versagt.

Und so findet sich gegenwärtig noch vielfach ein Umgang mit den Bildern des Mittelalters, in dem die dargestellte Bekleidung ganz im Sinne der Kern'schen Modeapostel als Zeittracht und das Kleiderbild dementsprechend als Dokumentation der historischen Moderealität gleichsam als getreues Abbild der wirklichen Welt angesehen wird<57>.


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Damit aber ist der mittelalterlichen Bildschöpfung abgesprochen, was die mit verschiedenen Realitätsebenen spielenden Darbietungen des Mode-Paradieses à la Kern voraussetzen: Ein Verständnis der Kleiderpräsentation als permanent präsentes Informationsmedium, als Träger von Botschaften, die ebenso über Geschichtsmodelle und Gesellschaftsordnungen wie über moralische oder religiöse Wertvorstellungen, ebenso über Rollenmuster und Geschlechterdifferenzen wie Schönheitsideale oder Körperauffassungen auszusagen vermögen<58>.

Daß man sich der kommunikativen Qualitäten der Rollenbekleidung in den Bildmedien des Mittelalters sehr wohl zu bedienen wußte, können auf besonders eindrucksvolle Weise jene Quellen bezeugen, die über die spektakulären Großrauminszenierungen der spätmittelalterlichen Bühnenkunst informieren und in Beschreibungen von Regieanweisungen wie Aufzeichnungen von Zeitzeugen die Wirkungskraft der optischen Versinnlichungsmittel begreifbar machen, die Bedeutung des Kostüms erkennen lassen, das nicht nur Zeit und Raum des Geschehens zu bezeichnen, sondern darüberhinaus vor allem Wesen und Gesinnung der Handelnden auszuweisen hatte<59>.

In diesem Bewußtsein der KLEIDERBILDER, welche die BILDER DER PASSION, die großangelegten Simultandarstellungen des Kalvarienberggeschehens im ausgehenden 15. Jh. wiedergeben, möchte die vorliegende Forschungsarbeit am Beispiel der Hamburger Kreuzigungstafel aus St. Katharinen die KLEIDER DER PASSION in ihrer polyvalenten Zeichenfunktion analysieren und im Sinne der im spätmittelalterlichen DRAMA DER PASSION inszenierten Kostümierung als "bildnerisches Instrumentarium des Ausdrucks"<60> interpretieren, das über die in ihnen eingetragenen


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MENSCHENBILDER Aufschluß zu geben verspricht<61>.

Fußnoten:
<1>

Zitiert aus dem Beitrag von J. Werner, Die Uniform der Volksartisten in dem FAZ-Magazin 'Mode Spezial' von 1997, s. hier S. 46.

<2>

Vgl. J. Werner, Die Uniform der Volksartisten, 1997, S. 46f., wobei das Outfit der 90er ein klägliches Abbild vergangener Pracht darstellt, wenn man die Kunststoff-Trikots von heute mit der eleganten Sportlergarderobe vergleicht, in der sich die Ausführenden des 'Calcio Fiorentino', des Renaissance-Fußballs, dem städtischen Publikum beim festlich inszenierten Wettkampf präsentierten, s. dazu H. Bredekamp, Florentiner Fußball, 1993, S. 87-90.- Zwar läßt sich gegenwärtig in fast allen Bereichen des Spitzensports das Eindringen modischer Tendenzen wie etwa in der zunehmend erotisierten Gestaltung der den Körper zur Schau stellenden hautengen Bekleidung der weiblichen wie männlichen Leichtathleten beobachten, doch erweist sich die Emblematik der Spielerkleidung durch das von den jeweilige Sponsoren beeinflußte Design im Fußballsport als besonders ausgeprägt, s. dazu auch bei J. Werner, S. 52.

<3>

Auf diese Weise formuliert es G. Splett, Sport und Mode, 1993, S. 155, im Resümee ihrer Untersuchung über den Zusammenhang von Körperlichkeit und Bekleidung in der gegenwärtigen Gesellschaft, die den Körper als "Objekt der Inszenierung" im Zeichen des Sports und der Sportlichkeit beschreibt, vgl. S. 164.

<4>

S. B. Wyss, Die Welt als T-Shirt, 1996, S. 30

<5>

Vgl. ebda. S. 26.

<6>

So lautet der Titel, der dem Kapitel über die Mode in dem Hauptwerk von J. Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, 1982, S. 131, gegeben ist.

<7>

S. bei J. Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, 1982, S. 138, der nicht nur in der zitierten Passage seiner Betrachtung unterstreicht, daß alle Bereiche der modernen Gesellschaft von der Mode erfaßt werden, wobei er zwischen >schweren< und >leichten< Zeichen, zu denen er die Kleidermode zählt, unterscheidet, s. dazu S. 133. Vgl. in diesem Zusammenhang auch die Untersuchung von T. Schnierer, Modewandel, 1995, welcher in der Auseinandersetzung mit den Werken Baudrillards auf die sich in ihnen abzeichnende Steigerung des der Mode von dem Autor beigemessenen Stellenwertes verweist, s. hierzu S. 93.

<8>

S. J. Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, 1982, S. 151.

<9>

Hier bezieht der Autor sich ausdrücklich auf die Kleidermoden und führt als "historisches Beispiel" dafür, daß die Verweigerung der Mode Bestandteil derselben ist, die Blue-Jeans-Mode an, s. J. Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, 1982, S. 151f.

<10>

S. 'Die Listen der Mode', hrsg. von S. Bovenschen, 1986

<11>

S. in dem Aufsatz von S. Bovenschen, Über die Listen der Mode, 1986, S. 10.

<12>

So faßt H. Brunkhorst in ihrem Beitrag 'So etwas angenehm frisch Geköpftes', 1986, S. 407, die Ausführungen Simmels zu dem "Gehorsam der Mode gegenüber", der "gerade auch durch Opposition ihr gegenüber" erreicht wird, zusammen. Vgl. hierzu in dem 1911 veröffentlichten Aufsatz von G. Simmel, Die Mode, 1986, S. 192. Vgl. drüberhinaus bei E. Lenk, Wie Georg Simmel die Mode überlistet hat, 1986, S. 413 und S. 422ff.

<13>

Zu dem Modell von G. Simmel vgl. die Publikation von T. Schnierer, Modewandel, 1995, S. 46ff. und s. vor allem auch die Untersuchung von S.-J. Kim, Mode und Gegenmode, 1993, S. 95-100.

<14>

Vgl. dazu bei S.-J. Kim, Mode und Gegenmode, 1993, S. 103.

<15>

S. bei J. Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, 1982, S. 137 und vor allem auch in dem Kapitel über die "Frivolität des Deja-vu", in dem Mode und Museum als "Komplizen" beschrieben werden, S. 134ff.

<16>

Zu der Weiterführung der Thesen W. Benjamins über 'Das Kunstwerk im Zeitalter seiner Reproduzierbarkeit' in Baudrillards Gesellschaftsanalyse s. den Aufsatz von H. Bredekamp, Der simulierte Benjamin, 1992, hier insbesondere S. 117-122. Vgl. weiterhin die kritische Auseinandersetzung mit J. Baudrillards diesbezüglichem Ansatz bei T. Schnierer, Modewandel, 1995, S. 111f., der von dem Autor mit den Analysen R. Barthes und dessen Publikation über 'Die Sprache der Mode', 1985, in Beziehung gesetzt wird.

<17>

Vgl. bei T. Schnierer, Modewandel, 1995, S. 99f.

<18>

S. J. Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, 1982, S. 143.

<19>

Vgl. bei J. Baudrillard, Das Jahr 2000, 1990, S. 24

<20>

S. J. Baudrillard, Der symbolische Tausch und der Tod, 1982, S. 142.

<21>

So lautet der Begleittext dieser Abendmahlversion: "Wir wünschen mit Jesus, daß die Männer die Frauen respektieren lernen". Während in der zweiten Fassung der Tafelrunde, die einen von zwölf Frauen umgebenen männlichen Messias wiedergibt, die begleitenden Wünsche in einer entsprechenden Umkehrung formuliert sind. Und eben letzteres Photo der Kernschen Modekampagne von 1993 war es, das aufgrund der barbusigen Jüngerinnen einen Skandal provozierte und nicht zuletzt zu einer Klage führte, s. hierzu den Artikel 'Abendmahl' in der FAZ vom 15. Dezember 1993, Nr. 291, S. 29.

<22>

S. bei B. Vinken, Mode nach der Mode, 1993, S. 35, eine Untersuchung, die zumindest, was die Behandlung der Modegeschichte anbetrifft, kritisch zu betrachten ist und allzu willig generalisierende Einschätzung von Modestilen übernimmt, vgl. diesbezüglich z.B. S. 15f.

<23>

S. hierzu vor allem die Untersuchung von T. Schnierer, Modewandel, 1995, S. 149f.

<24>

S. F. Braudel, Kleidung und Mode, 1985, S. 340 und S. 38.

<25>

So wird es in der Einleitung des zu der genannten Tagung veröffentlichten Sammelbandes 'Zwischen Sein und Schein', 1993, S. 4, von R. Jütte und N. Bulst beschrieben, deren Betrachtung der Kleidung und der Kleidungsgeschichte insgesamt der gängigen Vorstellung verpflichtet ist, daß gegenüber der gegenwärtig als "Mittel der Selbstdarstellung" wahrgenommenen Kleidung in der ständischen Gesellschaft des Mittelalters und der frühen Neuzeit, die "eindeutige soziale Zuordnung" noch "selbstverständlich erwünscht und gefordert" wurde, da das "Verlassen des dem Individuum zugestandenen Kleidungsrahmens... strafbar" war (vgl. ebenfalls S. 4). Wobei nicht nur zu fragen ist, inwieweit sich von einer eindeutigen sozialen Zuordnung sprechen läßt, zumal die sich im ausgehenden Mittelalter verschärfenden Reglementierungen durch die immer wieder neu aufgestellten Kleiderordnungen doch gerade ein Zeugnis davon ablegen, daß die vorgebenen "Kleidungsrahmen" selten eingehalten wurden. Was nicht zuletzt ja einer der Autoren selbst, N. Bulst in seiner Untersuchung zum 'Problem städtischer und territorialer Kleider-, Aufwands- und Luxusgesetzgebung, 1988, S. 51f., feststellt und zudem in zeitgenössischen Aufzeichnungen wie etwa dem Eintrag in eine Kleiderordnung durch den Lübecker Bürgermeister Brömbse Ausdruck findet, der den Rand des betreffenden Schriftstückes mit der Bemerkung "Wart wenig geholden" versehen hat, vgl. bei L. C. Eisenbarth, Kleiderordnungen, 1962, S. 49.

<26>

Davon kann allein ein Blick in die Abhandlungen zur Heiligenikonographie des LCI, 5. - 8. Bd., 1994, zeugen. Ob es sich um Anna, 5. Bd., Sp. 171, die hl. Barbara, 5. Bd, Sp. 305, um Markus, Bd. 7, Sp. 552 oder die reuige Sünderin Maria Magdalena, Bd. 7. Sp. 518, handelt, stets wird wie bei der zuletzt genannten auf den im späten Mittelalter beginnenden "Einfluß der Mode auf die Tracht" der Dargestellten verwiesen. Und auch in anderen Zusammenhängen vermittelt sich ein ähnliches Bild, beispielsweise in den Gewandanalysen von Katalogen zur spätmittelalterlichen Tafelmalerei wie etwa dem von J. Sander bearbeiteten Band 'Niederländische Gemälde im Städel', 1993, in dessen Beschreibungen die Kleidung der dargestellten Figuren überwiegend auf die zeitgenössische Mode bezogen wird, so u.a. in der Betrachtung der Maria Magdalena im Kreuzigungstriptychon des Meisters von Frankfurt, die laut dem Autor der "Bildtradition folgend ... in aufwendige Zeittracht gekleidet" ist (s. S. 372). Obgleich mit dem engverschnürten Surcot, der ja bereits im späten 13. und beginnenden 14. Jh. Verbreitung fand und sich im 15. Jh. dann zum Repräsentationsgewand entwickelte, und ebenso mit der Wulsthaube, hier vielmehr eine altmodisch anmutende Garderobe gewählt wurde. Zum Surcot, s. H. Kühnel, Bildwörterbuch, 1992, S. 257.

<27>

Entsprechend der weitgreifenden, mit dem Kostüm die Gesamtheit der kulturgeschichtlichen Güter behandelnden Untersuchungen von Zeitgenossen wie etwa den Publikationen von F. Hottenroth, Trachten, Haus-, Feld- und Kriegsgerätschaften, 1879-91, von H. Weiss, Kostümkunde, 1860, F. Hottenroth, Trachen, Haus-, Feld- und Kriegsgeräthschaften, 1879-1891, oder J. von Falke, Die deutsche Trachten- und Modewelt, 1858, und M. Heyne, Körperpflege und Kleidung, 1903, bietet A. Schultz in seinen umfassenden Kompendien zur Kultur des Mittelalters ebenfalls eine ausführliche und differenzierte Betrachtung der Kostümgeschichte. Wenngleich auch Schultz in vielen Fällen eine mangelnde Quellenkritk vorgeworfen werden kann, so führt jener, sich der Problematik durchaus bewußt, jedoch stets unterschiedliche Quellen zusammen, zieht schriftliche wie bildliche Belege in seiner Arbeit heran, die nach wie vor als ein äußerst wertvoller Forschungsbeitrag anzusehen ist. Dies betont u.a. E. Brüggen in ihrer kritischen Würdigung der 1889 veröffentlichten Untersuchung 'Das höfische Leben zur Zeit der Minnesänger' von A. Schultz, die im Rahmen der Publikation zur 'Mode und Kleidung in der höfischen Epik', 1989, S. 16f., eine ausgezeichnete Einführung in die kostümgeschichtlich-kunsthistorische Forschung liefert, s. S. 9-38.

<28>

Vgl. hierzu die aufschlußreiche Studie von W. Sauerländer, Kleider machen Leute, 1983, vor allem S. 24ff., der sich in seiner Auseinandersetzung mit der Rolle, welche die großen kostümkundlichen Werke des 19. Jh. gleich Viollet-le-Ducs 'Dictionnaire' im Rahmen der Geschichtsrekonstruktions-Modelle der Mittelalterforschung des beginnenden 20. Jh. spielt, auch eingehend mit der sog. "Falten-Philologie" der Kunstgeschichte beschäftigt, ein Begriff, der nach Aussage des Autors noch in den 50er Jahren in der kunstgeschichtlichen Seminararbeit in Gebrauch war.

<29>

Arbeiten in der Art der Untersuchung von P. Post, Die französisch-niederländische Männertracht, 1910, welche einen Überblick über die Entwicklung verschiedener Epochen oder geographischer Räume zu geben versuchen, gehen nicht nur aus der zeitgenössischen kunstgeschichtlichen Forschung hervor. So lassen sich neben Gesamtabhandlungen gleich M. von Boehns Veröffentlichungen über 'Die Mode', 1907-1925, Publikationen wie die Studie von A. Güdesen, Das weltliche Kostüm in italienischen Trecento, 1933 oder als Pendant zu Post die Dissertation von M. Ronsdorf, Frauenkleidung der Spätgotik, 1933 oder auch die Abhandlung von R. Gruber, Die deutsche Frauenkleidung, 1939, finden.

<30>

S. G. Barmeyer, Die Gewandung der monumentalen Skulptur des 12. Jahrhunderts in Frankreich, 1933, die eine sehr differenzierte Beschreibung und Behandlung der einzelnen Gewandteile liefert, zu dieser und vergleichbaren Forschungsansätzen s. auch die Einleitung von E. Brüggen, Kleidung und Mode in der höfischen Epik, 1989, S. 26-38, vgl. hier S. 34ff.

<31>

An dieser Stelle läßt sich eine Vielzahl von Einzeluntersuchungen benennen, von der Studie von J. Wirsching, Die Manteltracht, 1915, sowie der von A. Liebreich, Der Kruseler, 1923-1925, bis zu der Arbeit von A. Walcher-Moltheim, Der burgundische Hennin, 1927, oder z.B. der Publikation von J. R. Sobitschka, Entstehung und Gebrauch des Handschuhs, 1906.

<32>

Dies gilt neben dem als Beispiel angeführten Titel von E. Nienholdt, Kostümkunde, 1961, um so mehr für Werke wie die Abhandlung von W. Bruhn/ M. Tilke, Kostümgeschichte in Bildern, 1955, bei deren Illustrationen es sich zum Teil um sehr freie Nachzeichnungen ganz unterschiedlicher Vorlagen handelt, vgl. dazu die Einleitung von E. Brüggen, Kleidung und Mode in der höfischen Epik, 1989, S. 27f. Doch auch positiver zu bewertende Darstellungen der kostümgeschichtlichen Entwicklung sind zu nennen, etwa die 1965 publizierte Kostümgeschichte von F. Boucher, 20.000 Years of Fashion, 1987, die differenzierte Bildbetrachtungen bietet, oder auch das Werk von E. Thiel, Geschichte des Kostüms, 1980, deren historischer Überblick allerdings vielfach zu stark generalisierend verfährt.

<33>

S. bei L. C. Eisenbarth, Kleiderordnungen der deutschen Städte, 1962, S. 8.

<34>

Was den Wert einer Arbeit wie Eisenbarths Studie oder ähnlicher Untersuchungen z.B. von G. Hampel-Kallbrunner, Beiträge zur Geschichte der Kleiderordnungen, 1962, nicht schmälern soll. Gerade die Forschungsarbeiten zur Kleidergesetzgebung des Mittelalters erschließen ebenso wie die Analysen zur Terminologie bestimmter Kleidungsstücke, etwa die Publikation von H.-F. Foltin, Die Kopfbedeckungen und ihre Bezeichnungen, 1963, oder die in den 70er Jahren veröffentlichte Arbeit von G. Lindskog-Wallenburg, Bezeichnungen für Frauenkleidungsstücke, 1977, wichtige Quellen für die Erforschung des mittelalterlichen Kleidungswesens.

<35>

So wurde, um ein Beispiel zu nennen, im Tiroler Volkskunstmuseum in dieser Zeit die sog. "Mittelstelle Deutsche Tracht" der NS-Frauenschaft eingerichtet, deren Bestrebungen auf eine Erneuerung der Trachten im gesamten deutschen Raum zielten, s. hierzu den Aufsatz von H. Menardi, Tiroler Volkskunstmuseum, 1988, S. 149.- Bezeichnenderweise liegt trotz der gegenwärtigen Fülle an Publikationen, die sich mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit beschäftigen, keine spezielle Untersuchung zum Umgang mit der Tracht- und Trachtenkunde im 'Dritten Reich' vor. So bietet die umfassende Bibliographie von M. Ruck, Bibliographie zum Nationalsozialismus, 1995, diesbezüglich keinen Titel. Auf eine Publikation zur 'Volkskunde im Dritten Reich' ist allerdings zu verweisen, die das Begleitheft zu einer Tagung über 'Volkskunde und Nationalsozialismus' des Münchner Volkskunde-Instituts von 1986, bildet.

<36>

Trotz methodenkritischer Forschungsbeiträge der jüngeren Volkskunde wie etwa der Aufsatz von G. Böth, Kleidungsforschung, 1988, S. 153-169, finden sich in den 80er Jahren noch Darstellungen zur Kleidungsforschung, die wie die Abhandlung von W. Hansen, Aufgaben der historischen Kleidungsforschung, 1980, S. 149-174, nicht nur ein Entwicklungsmodell präsentiert, demzufolge "Mode und Tracht" bis in das ausgehende 18. Jh. hinein "insofern eine innere Einheit" bildeten, "als das Feiertagskleid durch die religiöse Bindung der Menschen bestimmt war" und, so der Autor, erst "mit der Säkularisation" eine "tiefgehende Spaltung" begann (vgl. S. 159), sondern zudem auch in Hinsicht auf den unreflektierten Umgang mit bildlichen Quellen zu kritisieren ist (s. hierzu z.B. S. 161). Nicht anders als es für verschiedene Beiträge der interdisziplinären Tagung "Mode - Tracht - regionale Identität", 1985, gilt, aus denen insgesamt ein deutliches Mißtrauen gegenüber der Nutzung von Bildzeugnissen spricht. Was W. Brückner in seinem Aufsatz zur 'Kleidungsforschung aus der Sicht der Volkskunde', 1985, S. 13-22, dazu führt, auf der Suche nach der "Bekleidung der wirklichen Menschen" die Werke der Hochkunst als Quelle generell abzulehnen, da diese nach seinem Erachten nur von einem "schmalen Ausschnitt ... kultureller Ideenwelten" zeugen (vgl. S. 14).

<37>

Einen vielseitigen Überblick über die museale Verwaltung, die Präsentation und Dokumentation kleidergeschichtlicher Realien gibt der Tagungsband des Symposions 'Bekleidungsgeschichte und Museum', 1988.

<38>

Allgemeine Abhandlungen über Textilien, deren Produktion und Fertigung der Entwicklungsgeschichte bestimmter Gewebe sind schon im beginnenden 20. Jh. verschiedentlich gegeben, zu ihnen ist z.B. die Veröffentlichung von O. von Falke, Kunstgeschichte der Seidenweberei, 1913, wie der Beitrag von A. L. Guthmann, Die Tuchmacherei in Flandern, 1937, und von J. H. Schmidt, Deutsche Seidenstoffe, 1934, aber auch das Handbuch von J. Braun, Die liturgischen Paramente, 1924, zu zählen. Mit den 50er und 60er Jahren mehren sich die Untersuchungen zur Textilkunst jedoch erheblich, allen voran sind die Veröffentlichungen von L. von Wilckens, von der Studie 'Textilien in Westeuropa', 1961, bis zu der umfassenden Arbeit 'Die textilen Künste', 1991, zu nennen und als einige weitere von zahlreichen Beispielen, Publikationen wie E. Flemming, Das Textilwerk, 1957, anzuführen oder der von E. Billeter hg. Kat. Europäische Textilien, 1963, sowie die Studie von B. Markowsky, Europäische Seidengewebe, 1976, und von B. Tietzel, Italienische Seidengewebe, 1984. Weiterhin ist auf Beiträge wie die Festschrift für S. Müller-Christensen 'Documenta Textilia', 1981, oder die Veröffentlichung von J. Zander-Seidel, Textiler Hausrat, 1990 zu verweisen.

<39>

Neben allgemein informierenden Überblickswerken wie L. von Wilckens Aufsatz 'Der spätmittelalterliche Zeugdruck', 1983, und Untersuchungen zu der Entwicklung einzelner Ornamente, z.B. in der Publikation von R. Reichelt, Das Granatapfelmuster, 1956, lassen sich bereits in den 30er Jahren Studien finden, die sich mit den Kleiderstoffen- und ornamenten künstlerischer Darstellungen auseinandersetzen. Dies gilt etwa für die Abhandlung von H. Schmidt, Die Seidenstoffe in den Gemälden des Konrad von Soest, 1938, die im Rahmen der Kostümanalyse noch eingehender behandelt wird. Neben der westfälischen Kunst spielt in den Forschungsarbeiten der nachfolgenden Jahrzehnte vor allem die Kölner Malerei eine wesentliche Rolle, wovon Veröffentlichungen wie die von B. Klesse, Darstellung von Seidenstoffen in der Altkölner Malerei, 1966, und ebenso der spätere Aufsatz von A. Koch, Seidenstoffdarstellungen auf den Altären Lochners, 1993, zeugen können.

<40>

So werden in diesen textilgeschichtlich durchaus ertragreiche Untersuchungen, die in dem Kap. STANDESTRÄGER eingehender betrachtet werden, in der Regel keine weiterführenden Fragen zur Interpretation der Materialbehandlung des Abgebildeten, Fragen nach der Aussagekraft der Materialien, der in den jeweiligen Kleiderbildern vermittelten stofflichen Hierarchie oder Muster-Ikonographie z.B. gestellt.

<41>

S. E. Panofsky, Early Netherlandish Painting, 1953, und zu dem Begriff des "disguised symbolism" vor allem der Aufsatz von W. Sauerländer, 'Barbari ad portas', 1994, hier S. 127-131. Vgl. darüberhinaus auch die Rezension des Buches von O. Pächt im Burlington Magazine, 1956, S. 110-116, 267-279, und s. zudem den Sammelband 'Ikonographie und Ikonologie', 1991, dessen Beiträge die Entwicklung der ikonographischen Methode, vor allem der Hamburger Schule von Warburg bis Panofsky diskutieren. Aby Warburgs Schriften zeugen von einer besonderen Aufmerksamkeit gegenüber dem "äußerlich bewegten Beiwerk", wie es in der Vorbemerkung zu Warburgs Botticelli-Arbeit von 1893 heißt, s. in A. M. Warburg, Ausgewählte Schriften, 1992, S. 11-63, hier S. 13, den fliegenden Haaren und Gewändern der Dargestellten. Wobei sich das Interesse im wesentlichen auf die Bewegung des so benannten Beiwerks konzentriert, dessen flatternden Formen Warburg als Entäußerungen seelischer Erregung interpretiert, als 'Pathosformeln' begreift, s. hierzu auch den Beitrag von W. S. Heckscher, Die Genesis der Ikonologie, 1991, insbesondere, S. 121f., und darüberhinaus H. Bredekamp, "Du lebst und thust mir nichts", 1990, S. 2. Doch bieten die Untersuchungen Warburgs nichtsdestotrotz insgesamt differenzierte Betrachtungen der dargestellten Bekleidung, auch in Bezug auf die 'Flandrische Kunst', wenngleich eine eingehendere Untersuchung der Kleiderbilder hier z.B. in der Porträtmalerei altniederländischer Meister unterbleibt, s. in A. M. Warburg, Ausgewählte Schriften, 1992, S. 258 und S. 264. Von den Warburg nachfolgenden Ikonographen wurden die Ansätze in der Regel jedoch nicht weiter verfolgt. Auch Panofskys Forschungen liefern detaillierte, nahsichtige Beschreibungen der Beschaffenheit, der farblichen Komposition und Faltenbehandlung der Gewandung, so z.B. in der Auseinandersetzung mit Hugo van der Goes und seinen Werken, s. Early Netherlandish Painting, vol. 1, S. 336, doch wird die wahrgenommene "Stofflichkeit", der "Gegenstandsrealismus", s. ebda. S. 338f., diesbezüglich nicht eingehender analysiert und die künstlerische Kleidergestaltung im allgemeinen nicht in die Bilddeutung miteinbezogen.

<42>

S. L. Behling, Die Pflanze in der mittelalterlichen Tafelmalerei, 1957, E. Scheil, Fayencen in der Malerei, 1977, K. Seidel, Die Kerze, 1996, oder auch um ein Beispiel anderer Art zu nennen, den Aufsatz von R. Koch, The Salamander in Hugo van der Goes' Garden of Eden, 1965, S. 323-326.

<43>

S. W. Sauerländer, Die Naumburger Stifterfiguren, 1979, der in seiner Untersuchung der Skulpturen die Gesamtheit des Erscheinungsbildes, d.h. neben der Gestik und Bewegung nicht zuletzt auch die Bekleidung analysiert und deutet. Als weitere Beispiele für die insgesamt wenigen Ausnahmen seien hier zudem die Dissertation von W. Gasser, Das Gewand in der Formensprache Grünewalds, 1962, und darüberhinaus die Publikationen von M. Hasse neben der Abhandlung 'Von der Mode und von Kleidern', 1973, vor allem die nahsichtige Studie 'Die törichten und die klugen Jungfrauen, 1961, genannt.

<44>

Noch in den 90ern ist das Interesse an der Alltagsgeschichte und insbesondere der Geschichte der Randständigen ungebrochen, wie B.-U. Hergemöller in dem Band 'Randgruppen', 1990, feststellt, der in seinem Handbuch nicht nur eine umfassende Einführung in die Themenbereiche der Randgruppenforschung leistet, sondern auch über den Stand der Forschung, Theorie und Methode informiert, s. S. 1-51. Als richtungsgebend erweisen sich dabei zunächst die Aktivitäten der Vertreter der Annales-Schule und der mentalitätsgeschichtlich orientierten französischen Mediävisten, von G. Duby und J. Le Goff z.B., deren Publikationen wesentlich zur Popularität der alltagsgeschichtlichen Mittelalterforschung beigetragen haben, s. dazu bei Hergemöller S. 20f. und auch P. von Moos, Gefahren des Mittelalterbegriffs, 1994, hier S. 37f. Mit den späten 70er und 80er Jahren vermehrten sich nicht nur die Übersetzungen der französischsprachigen Arbeiten wie etwa von M. Mollat, Die Armen, 1984, oder von B. Geremek, Geschichte der Armut, 1988, sondern gleichermaßen die eigenen Beiträge der Forschung zu einer methodenkritischen Mentalitäts- und Alltagsgeschichte im deutschen Sprachraum, von der eine Publikation wie der Aufsatzband 'Mentalitäten im Mittelalter', 1987, zeugen kann. Neben wenigen umfassenden Untersuchungen zur Randgruppenproblematik, unter denen die Veröffentlichungen von F. Graus, Randgruppen, 1981 und vor allem W. Hartung, Gesellschaftliche Randgruppen, 1986, hervorzuheben sind, entstehen zahlreiche Einzelstudien, ob die Untersuchung von W. Oppelt, Über die 'Unehrlichkeit' des Scharfrichters, 1976, oder die von F. Irsigler/A. Lassotta, Bettler und Gaukler, 1984, zu bestimmten ausgegrenzten Gesellschaftsgruppen, mit denen sich die vorliegende Arbeit im Rahmen der Analyse der KLEIDER DER PASSION noch eingehender beschäftigen wird.

<45>

Trotz der nicht unberechtigten Kritik an der gegenwärtig wahrnehmbaren 'Mittelalter-Mode' und damit dem "Massenbesuch immer neuer Mittelalter-Ausstellungen", welcher sich, der Darstellung von J. Heinzle in der gleichnamigen Einleitung des Sammelbandes 'Modernes Mittelalter', 1994, S. 9, zufolge "zum guten Teil einem unspezifischen Reiz des Exotischen verdanken wird, der von den Sauriern so gut ausgeht wie von den Saliern", so haben doch, was die Kleiderforschung anbelangt, in den zurückliegenden Jahrzehnten gerade Ausstellungsunternehmen wesentliche Impulse gegeben. Als einige der wichtigsten Projekte sind nicht nur wissenschaftliche Gemeinschaftsproduktionen wie die großangelegte Rekonstruktion der mittelalterlichen Lebenswelt der im Zusammenhang mit dem Aufsatz Sauerländers (s. Anm.43) bereits genannten Ausstellung 'Die Zeit der Staufer', 1977, oder etwa der Ausstellung 'Aus dem Alltag der spätmittelalterlichen Stadt' 1983, zu nennen, in deren Rahmen auch die Entwicklung der mittelalterlichen Kleidung behandelt wird, s. hierzu den entsprechenden Kat.-Beitrag von G. Jaacks, Städtische Kleidung, 1983. Daneben läßt sich ebenso auf Ausstellungsprojekte verweisen, die sich Einzelaspekten der Bekleidung, z.B. der Farbgebung oder Stoffbehandlung widmen, s. dazu etwa den von H. Nixdorf/H. Müller bearbeiteten Kat. 'Weiße Westen - Rote Roben', 1983, oder den Ausstellungsband 'Die Falte', 1987.

<46>

Was allgemein gesehen ja auf die Entwicklung der geisteswissenschaftlichen Fächer generell zu beziehen ist und was gerade der Blick auf die Geschichte der Kunstgeschichte deutlich werden läßt, die mit dem Kölner Kunsthistorikerkongreß von 1970 nachdrücklich für eine 'Kritische Kunstgeschichte' eintrat, s. dazu u.a. die Publikation von M. Warnke, Künstler, Kunsthistoriker, 1979, in dem nicht zuletzt der Aufsatz 'Wissenschaft als Knechtungsakt', S. 99-107 enthalten ist, mit dem der Autor auf der besagten Tagung für Aufsehen sorgte, und vgl. zudem den Aufsatzband 'Frankfurter Schule und Kunstgeschichte', 1992.

<47>

S. E. Brüggen, Kleidung und Mode, 1989, und G. Raudszus, Die Zeichensprache der Kleidung, 1985.

<48>

So geschieht es beispielsweise in dem Sammelband, 'Gepeinigt, begehrt, vergessen', 1992, der Beiträge ganz unterschiedlicher Disziplinen vereint, die sich in kritischer Weise mit der "Konjunktur" des Körpers als "Gegenstand anthropologischen Nachdenkens" auseinandersetzen, s. S. 5. Sie äußert sich in einer Flut von mehr oder weniger erkenntnisreichen Publikationen, die von eher verallgemeinernden Darstellungen körperlicher Ausdrucks- und Wahrnehmungsformen wie in der Publikation, Die Beredsamkeit des Leibes, 1992 bis zu Veröffentlichungen wie den von D. Kamper und L. Wulf herausgegebenen Sammel- und Tagungsbänden, z.B. 'Die Wiederkehr des Körpers', 1982, oder Beiträgen wie die Studie von H. P. Duerr, Nacktheit und Scham, 1988, reichen. Erwähnenswert sind auf diesem Gebiet vor allem die englischsprachigen Forschungsarbeiten der 80er wie auch der 90er Jahre, so etwa die dreibändige Veröffentlichung 'Fragments for a history of the Human Body', 1989, oder die Untersuchung von C. W. Bynum, Fragmentation and Redemption, 1992. "Der Körper ist ein weites Feld geworden - ein Schlachtfeld?", fragt G. Mattenklott schon in seinem 1988 publizierten Aufsatz 'Körperpolitik', s. S. 231, dessen Auseinandersetzung mit dem Körperkult im weiteren Verlauf der Forschungsarbeit noch zu betrachten sein wird.

<49>

Dies reicht von grundlegenden Auseinandersetzungen mit der in künstlerischen Werken wiedergegebenen Gewandung wie in der Studie der amerikanischen Kunsthistorikerin A. Hollander, Seeing through clothes, (1975), 1993, bis zu kostümgeschichtlichen Untersuchungen bestimmter Epochen, so etwa bei St. M. Newton, Fashion in the Age of the Black Prince, 1980 oder auch ganz auf die bildliche Darstellung konzentrierte Betrachtungen wie die Publikationen von M. Scott, Late Gothic Europe, 1980, oder von J. Herald, Renaissance Dress, 1981. Wobei sich die Qualität dieser und ähnlicher Abhandlungen nicht anders als in Bezug auf die deutschsprachigen Veröffentlichungen insgesamt unterschiedlich bewerten läßt, das Interesse an der Kostümgeschichte generell jedoch ausgeprägter ist. Dies gilt ebenso für die mentalitäts- und alltagsgeschichtlich orientierte französische Mittelalterforschung, auf die oben bereits verwiesen wurde (s. Anm. 44), aus der Arbeiten wie z.B. die Studie von F. Piponnier, Le costume paysan, 1984, hervorgegangen sind.

<50>

Wenngleich die Kommentare, welche die imposante Bildzusammenstellung begleiten, häufig im Allgemeinen verbleiben und weitaus weniger differenziert ausfallen, als sie die Autorin im Rahmen ihrer älteren Einzelstudien, wie etwa dem Aufsatz 'Judas's red hair and the Jews, 1983, leistet, s. hierzu auch die Rezension von S. Tammen von 1996, S. 95-100.

<51>

S. H. Knobeloch, Subjektivität und Kunstgeschichte, 1996, hier vor allem S. 260ff.

<52>

Ganz abgesehen davon, daß größere Einzel-untersuchungen bildkünstlerischer Kleiderschöpfungen der älteren Kunstgeschichte fehlen und als einige der wenigen kunstwissenschaftlichen Forschungsarbeiten überwiegend Publikationen aus den späten 80er Jahren anzuführen sind, wie z.B. die Studie von M. Meyer, Das Kostüm auf niederländischen Bildern, 1986, oder auch die Dissertation von E. Moser, Die Entwicklung des österreichischen Kostüms, 1988. Vielmehr sind es in den 90ern überwiegend andere Disziplinen, die auf dem Wege ihrer Eroberung der mittelalterlichen Bildwelten u.a. auch die stofflichen Erscheinungsformen in Augenschein nehmen, so etwa einige der Autoren der Festgabe für K. Schreiner, Mundus in imagine, 1996, wobei die hier in der Einleitung von G. Signori, Wörter, Sachen und Bilder, 1996, S. 11-33, geforderte Sorgfalt der Quellenbehandlung, s. vor allem S. 18ff., auch von der Verfasserin in ihrem Beitrag, Bildung, Schmuck, oder Meditation?, 1996, S. 125-157, insofern nicht immer überzeugend geleistet werden kann, als vielfach keine deutliche Unterscheidung zwischen der historischen und der bildlichen Realität vorgenommen wird.

<53>

Das bedeutet also z.B. in ikonographischen Ab-handlungen, die sich mit der stofflichen Ausstattung eines Bildszenariums befassen, die Symbolik der Gewandbehandlung zu beachten, ebenso wie etwa in der Auseinandersetzung mit Aktdarstellungen Erkenntnisse über Körpererfahrungen und -wahrnehmungen miteinzubringen, wie das z.B. in dem Aufsatz von B. Hinz, Nackt/ Akt, 1993, geschieht, oder auch in die Untersuchung von Porträts Studien zur Kleierrepräsentation der ständischen Gesellschaft miteinzubeziehen.

<54>

Das Kremser Institut wurde 1969 von H. Kühnel gegründet, der neben kulturgeschichtlichen Publikationen wie z.B. dem Band 'Alltag im Spätmittelalter', 1984, auch die 'Veröffentlichungen des Institutes für mittelalterliche Realienkunde' und nicht zuletzt das 'Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung', 1992, herausgegeben hat, welches der hier vorliegenden Forschungsarbeit als Orientierung dient. Zumal bislang keine verbindliche Terminologie des Kostüms entwickelt werden konnte. Dieser Problematik widmen sich auch die Aufsätze der zum Internationalen Round-Table-Gespräch von 1986 erschienenen Veröffentlichung, 'Terminologie und Typologie mittelalterlicher Sachgüter: Das Beispiel der Kleidung', 1988, die gerade für die kunstwissenschaftliche Bildbetrachtung wesentliche Ansätze liefert. Von dem Ertrag derartiger interdisziplinärer Unternehmungen kann diesbezüglich auch die Festschrift für H. Kühnel, 'Symbole des Alltags', 1992 zeugen.

<55>

Von den vielfältigen Veröffentlichungen des Institutes für Realienkunde, deren Beiträge im Rahmen der Kostümanalyse im Kap. DIE KLEIDER DER PASSION verschiedentlich herangezogen werden, seien hier nur einige genannt, so etwa der Sammelband 'Adelige Sachkultur des Spätmittelalters', 1982, oder 'Bäuerliche Sachkultur des Spätmittelalters', 1984, sowie der Tagungsband 'Visualisierung städtischer Ordnung', 1993.

<56>

S. die Veröffentlichung 'Pictura quasi fictura', 1996, hier insbesondere den Aufsatz von G. Jaritz, "Et est ymago ficta non veritas", 1996, S. 9-13, und vom gleichen Autor vor allem auch den kostümgeschichtlich wichtigen Beitrag zum 8. Österreichischen Kunsthistorikertag 'Schnabelschuh und Hörnerhaube', 1994/95, S. 8-12.

<57>

So wird, um nur ein prägnantes Beispiel zu geben, die Braut des Arnolfini-Bildes Jan van Eycks von C. Harbison, Eine Welt im Umbruch, 1995, ungeachtet jeglicher kleider- und kleidungsgeschichtlicher Überlegungen wie folgt beschrieben: "Das Paar soll Kinder zeugen, und deshalb wird die Frau ... wiedergegeben, als sei sie bereits schwanger", s. S. 127,- eine Deutung des Dargestellten der ein weiteres Zitat als Entgegnung dienen soll, in dem M. Scott die Zielsetzung ihrer kostümgeschichtlichen Untersuchung, Late Gothic Europe, 1980, formuliert: "If this book stops groups of Ladies who are beeing ushered around the National Gallery in London from beeing told that Giovanna Arnolfini is pregnant, then it will have achieved something.", s. S. 14.

<58>

Eine anregende Einführung in die Diskussion um die gesellschaftliche Funktion der Kleidung liefert die sich mit dem Phänomen der Bekleidung in der Architektur auseinandersetzende Publikation von K. Harather, Haus-Kleider, 1995, S. 73-82, hier vor allem S. 77.

<59>

Dies versucht das Kap. DAS DRAMA DER PASSION aufzuzeigen.

<60>

So beschreibt H. Lerche-Renn, Kleid und Menschenbild, 1995, S. 12, im Rahmen ihrer Überlegungen zu 'Gestalt und ästhetischem Ausdruck' die dem Menschen durch die "Kleiderhülle" gegebenen Ausdrucksmöglichkeiten.

<61>

Wobei zu betonen ist, daß es sich bei diesem Vorhaben um einen Versuch handelt, neue Wege in der kunstwissenschaftlichen Bildbetrachtung zu gehen, der keine lückenlose Darstellung und erschöpfende Behandlung aller Phänomene zu leisten vermag; eine Gratwanderung auf unwegsamen schmalen Pfaden, auf denen die Gefahr, die Orientierung zu verlieren und eine falsche und d.h. nicht zuletzt auch von der Verfasserin bei ihren Vorgängern kritisierte Richtung einzuschlagen, nicht ausgeschlossen werden kann.


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