1 Einleitung

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Die vorliegende Arbeit widmet sich der medizinischen Versorgung erwachsener Patienten mit Muskelerkrankungen bzw. weiter gefasst neuromuskulären Erkrankungen. Es handelt sich hierbei um weit über 100 verschiedene, chronisch verlaufende Krankheiten, die alle selten sind und in der Regel eine komplexe, interdisziplinäre Betreuung erfordern. Die Klassifikation dieser Erkrankungen, die früher auf klinischen, pathologischen, elektro-myografischen bzw. biochemischen Befunden basierte, befindet sich nach neuen molekulargenetischen Erkenntnissen im Umbruch (Neudecker 2003; Zierz & Jerusalem 2003; Myology 2004; Muskelkrankheiten 2004). Den Fortschritten in der Grundlagenforschung sowie neuen diagnostischen Methoden und einer zunehmenden Zahl von Therapiestudien steht die alltägliche medizinische Versorgung der Patienten in Deutschland gegenüber, über die nur wenig objektiv bekannt ist. Die vorliegende Arbeit soll helfen, diese Lücke zu schließen. Sie kann jedoch nur einen ersten Schritt darstellen.

1.1  Muskelerkrankungen und neuromuskuläre Erkrankungen

Mögliche Symptome von Muskelkrankheiten sind unspezifische Muskelschwäche, Muskelatrophie, Muskelhypertrophie oder Muskelpseudohypertrophie, Myalgie, Myotonie, Krampi und Kontrakturen, Faszikulationen, ein veränderter Muskeltonus oder auch Myo-globinurie. Nur bei wenigen Erkrankungen erleichtern Stigmata wie z. B. Erytheme und sichtbarer lokalisierter Muskelabbau die Diagnose (Brooke 1999; Bertorini 2002a; Zierz & Jerusalem 2003; Tesch & Moers 2004). Viele Muskelkrankheiten Erwachsener sind hereditär. Manche Erkrankungen gehen mit relativ geringen Einschränkungen einher, andere führen zur Gehunfähigkeit und starken Behinderungen. Unterschiede finden sich auch im Auftreten respiratorischer (Perrin et al. 2004) und kardialer Komplikationen (Stöllberger & Finsterer 2001; Bertorini 2002a; Malcic et al. 2002; Bushby et al. 2003).

Verschiedene auch nicht-neurologische Differentialdiagnosen müssen bei Beschwerden wie Muskelschwäche und Muskelschmerzen ausgeschlossen werden. In der Anamnese können Probleme nach der Geburt und in der Kindheit (Bulcke & Baert 1982) hinweisend sein - zu denen neonatale Hypotonie (Richer et al. 2001; Thompson 2002) und motorische Entwicklungsverzögerung zählen (Stein et al. 2001). Zu beachten sind Auffälligkeiten bei Sportleistungen, neu aufgetretene Erschöpfung, Schwäche und Muskelschmerzen sowie eine positive Familienanamnese. Eine arbeits- und alltagsbezogene Muskelschwäche kann jedoch auch mit psychologischem Stress verwechselt werden (Bulcke & Baert 1982). Die oft unscharfe oder abwechselnde Verwendung der Begriffe „schwach“, „taub“ und „müde“ durch die Patienten ist erschwerend (Brooke 1977). Belastungsintoleranz (z. B. bei mitochondrialen Myopathien) kann als Ausdruck von Bewegungsmangel verkannt werden (Flaherty et al. 2001). Insbesondere Gangstörungen und erschwertes Treppensteigen als vorgebrachte Beschwerden sollten aber aufhorchen lassen (Bernius & Reichelt 2000).

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In der Diagnostik folgt der Anamnese die körperliche Untersuchung. Aufmerksame Ärzte können Symptome wie z. B. Hypertrophien, Atrophien und Faszikulationen sehen (Bulcke & Baert 1982). Mittels einer gezielten Untersuchung einschließlich Inspektion, Palpation, Reflexstatus und Feststellung der Muskelkraft kann ein Verdacht auf muskuläre Erkrankung überprüft werden. Als sinnvoll werden v. a. einfache funktionelle Tests benannt, wie z. B. das allgemeine Gangbild, Aufstehen vom Fußboden oder vom Stuhl, Hüpfen auf einem Bein, Heben der Arme über den Kopf oder die Prüfung der Handmuskeln (Brooke 1977; Zierz & Jerusalem 2003; Tesch & Moers 2004).

Technische Untersuchungen ergänzen die Anamnese und körperliche Untersuchung. So können erhöhte Werte der Kreatinkinase gesamt im Serum ein Leitsymptom von Muskelerkrankungen darstellen (Bulcke & Baert 1982; Brooke 1999; Reijnefeld et al. 2001; Bertorini 2002b), sie finden sich aber auch bei Herzerkrankungen, chronischer Niereninsuffizienz oder Schädigung des Gehirns (Labor und Diagnose 1998). Erhöhte Werte der Trans-aminasen können ebenfalls auf Muskelerkrankungen hinweisen (Begum et al. 2000; Bertorini 2002b; Bayas & Gold 2003). Sie sind in erster Linie aber typisch für Lebererkrankungen und Herzmuskelschädigungen (Labor und Diagnose 1998). Wegweisend sind pathologische EMG-Befunde (Brooke 1999; Bertorini 2002b). Neben elektrodiagnostischen Verfahren, speziellen biochemischen Tests wie z. B. in-vivo-Belastungs-Tests spielt die Muskelbiopsie und deren umfassende Aufarbeitung eine zentrale Rolle in der Diagnostik. Mehrere Krankheiten werden bereits molekulargenetisch ohne Muskelbiopsie diagnostiziert (Walter et al. 2002; Kornhuber & Zierz 2003). Seit der Entdeckung des Dystrophin-Gens im Jahre 1987 wurde bei vielen Muskelkrankheiten die Zuordnung des mutierten Genproduktes möglich (Emery 2002; Neudecker 2003; Zierz & Jerusalem 2003; Spuler & Moers 2004).

Bei Muskelerkrankungen i. e. S. bzw. Myopathien liegen pathologische Veränderungen im Bereich der Muskelfasern oder des Überganges der peripheren Nerven auf die Muskelfasern vor (letztere werden auch als neuromuskuläre Übertragungsstörungen bzw. Erkrankungen der motorischen Endplatte bezeichnet). Einige Myopathien sind Systemerkrankungen bzw. Erkrankungen, die zu systemischen Begleitsymptomen führen können. Besonders vielfältig ist das Bild bei der Myotonen Dystrophie Typ 1 (Meola 2000) oder auch bei mitochondrialen Myopathien (Schülke 2004). Zu den neuromuskulären Erkrankungen zählen neben Myopathien auch Erkrankungen, die bei Schädigung oder Funktionsstörung des zweiten motorischen Neurons entstehen (Motoneuronerkrankungen). Beteiligungen des sensiblen oder vegetativen Nervensystems gehören nicht zum Bild von Myopathien oder Motoneuronerkrankungen, treten aber bei einigen neuralen Erkrankungen auf, die ebenfalls zu Muskelschwäche führen können. Hierzu zählen u. a. die Hereditären motorischen und sensiblen Neuropathien (HMSN). Eine herausragende Gemeinsamkeit besteht in der Seltenheit all dieser Erkrankungen (Tab. 1).

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Tabelle 1: Prävalenz einzelner Muskelerkrankungen/neuromuskulärer Erkrankungen

Erkrankung

Geschätzte Prävalenz
nach Emery 1991

Geschätzte Prävalenz
nach Visser et al. 1999

MD Duchenne

32:100.000

5:100.000 Männer

MD Becker

> 7:100.000

o. A.

FSH-D

20:100.000

5:100.000

Gliedergürteldystrophien

< 40:100.000

0,8:100.000

Myotone Dystrophien

50:100.000

12:100.000

Myotonia congenita

10:100.000 (alle Typen)

1:100.000 (Typ Thomsen)

Dermatomyositis/ Polymyositis

o. A.

6:100.000

Myasthenia gravis

o. A.

6-7:100.000

HMSN

100:100.000 (alle Typen)

20:100.000 (Typ 1 und 2)

Spinale Muskelatrophien

12:100.000 (Typ 2 und 3)

o. A.

ALS

o. A.

4-6:100.000

In der Europäischen Union sind seltene Erkrankungen mit einer Prävalenz von < 5:10.000 definiert (Peters 1998). In den USA bezieht man „rare diseases“ auf eine absolute Zahl von < 200.000 Betroffenen (Iribarne 2003). Laut Schätzungen könnte mindestens je 1:3.500 Personen von einer behindernden erblichen neuromuskulären Erkrankung im Laufe des Lebens betroffen sein (Emery 1991). Unter zusätzlicher Berücksichtigung der sehr seltenen erworbenen Muskelerkrankungen ließe sich für Berlin mit seinen ca. 3,4 Millionen Einwohnern (Statistiken: Bevölkerung 2005; Stand September 2004) für sämtliche neuromuskulären Erkrankungen, die bis ins Erwachsenenalter führen, eine Zahl von unter 2.000 betroffenen Patienten schätzen. Dies erklärt, warum die Untersuchung nicht auf die Gruppe der reinen Myopathien oder gar eine Untergruppe beschränkt wurde. Zudem führen bei unterschiedlichen Ätiologien Ähnlichkeiten in der Symptomatik dennoch zu vergleichbaren Bedingungen in der Diagnosestellung und zu ähnlichen Anforderungen in der medizinischen Versorgung, v. a. was die symptomatische Therapie angeht.

1.1.1  Myopathien

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Die häufigsten Myopathien sind die Muskeldystrophien (MD). Die ursprünglich vorherrschende Klassifikation nach dem klinischen Bild wurde durch Identifizierung von ursächlichen Gendefekten und mutierten Genprodukten modifiziert. Bei Dystrophinopathien handelt es sich um eine phänotypisch heterogene Gruppe, bei der kongenitale Manifestationen wie auch asymptomatische Hyper-CK-ämien möglich sind. Die x-chromosomal vererbte MD Duchenne als schwerste und häufigste Form betrifft 1:3.500 männliche Neugeborene und führt zum Gehverlust um das 10. - 12. Lebensjahr sowie bei Langzeitbeatmung derzeit zum Erreichen des 3. Lebensjahrzehntes (Moers 2004). Diese Patientengruppe sowie Patienten mit kongenitalen Muskeldystrophien wurde bei Schwerpunktsetzung auf die Diagnosestellung im Erwachsenenalter nicht mit untersucht.

Die bislang umfangreichste Gruppe der Muskeldystrophien stellen die autosomal dominant (LGMD1 A-E) bzw. rezessiv (LGMD 2 A-J) vererbten Gliedergürteldystrophien dar, bei denen verschiedene Genloki und Genprodukte (u. a. Sarkoglykane, Lamin A/C, Dysferlin) beschrieben sind und ca. 60 % bisher genauer diagnostiziert werden können (Straub 2004). Die Muskelschwäche vorrangig im Schulter- und Beckengürtelbereich tritt je nach Typ bereits im Kindesalter oder auch erst im 3. oder 4. Lebensjahrzehnt auf (Zierz & Jerusalem 2003). Bei der fazioskapulohumeralen MD (FSH-D) mit ersten Symptomen meist im 2. Lebensjahrzehnt sind typischerweise die Gesichtsmuskulatur und der Schultergürtel betroffen. Die okulopharyngeale MD beginnt im späteren Erwachsenenalter, wobei Ptosis und Dysphagie die Leitsymptome sind. Beide Erkrankungen werden autosomal dominant vererbt, molekulargenetisch diagnostiziert und haben einen überwiegend milden Verlauf (Spuler 2004a; Spuler 2004b). Distale Myopathien/distale Muskeldystrophien sind sehr seltene Erkrankungen des eher späten Erwachsenenalters und können eine Schwäche der Hände, Fußheberschwäche, aber auch generalisierte Schwäche hervorrufen (Udd 2004). Die Emery-Dreifuss-MD mit x-chromosomaler, autosomal-dominanter oder sehr selten autosomal-rezessiver Vererbung führt neben langsam progredienter Muskelschwäche und Kardio-myopathie zu frühen Kontrakturen u. a. der Ellenbogen (Emery 2002).

Kongenitale Myopathien sind Erkrankungen mit charakteristischen histopathologischen Befunden, wobei Genotyp-Phänotyp-Korrelationen unsicher sind. So finden sich auch sehr unterschiedliche Schweregrade im klinischen Verlauf der Nemalin-Myopathie, der Central-Core-Disease, der Minicore-Myopathie und der Myotubulären Myopathie (Jungbluth et al. 2003). Meist handelt es sich um langsam fortschreitende, im Kindesalter beginnende Erkrankungen (Goebel & Moers 2004). Desmin-assoziierte Myopathien als weitere Entität der Strukturmyopathien zeigen sich häufig im Erwachsenenalter mit distaler Muskelschwäche und führen auch zu einer kardialen Beteiligung (Goebel 2004).

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Ionenkanalerkrankungen der Muskulatur führen entweder zu einem hyperexzitablen Sarkolemm und damit zur Myotonie oder zu einem hypoexzitablen Sarkolemm und darüber zur Paralyse. Dabei sind die Myotonia congenita Becker und Thomsen (Chlorid-Kanal, autosomal rezessiv bzw. dominant vererbt) wesentlich häufiger als die jeweils autosomal dominant vererbte hypokaliämische oder die hyperkaliämische periodische Paralyse (Kalzium- bzw. Natrium-Kanal). Andere Entitäten sind die Parymyotonia congenita, die kaliumaggravierte Myotonie und die Maligne Hyperthermie. In den temporär auftretenden Funktionseinschränkungen und der Möglichkeit molekulargenetischer Diagnostik bestehen Gemeinsamkeiten. Myotonien erfordern meist keine Therapie. Bei den periodischen Paralysen muss auf die Kaliumhomöostase geachtet werden, zudem sind intensivpflichtige Zustände mit Ateminsuffizienz möglich (Uhlenberg & Hübner 2004b).

Die autosomal dominant vererbten Myotonen Dystrophien sind nach der MD Duchenne die zweithäufigste hereditäre Myopathie. Sie beruhen auf der Expansion von Trinukleotid- bzw. Tetranukleotid-Repeats und werden molekulargenetisch diagnostiziert. Von den reinen Myotonien unterscheiden sie sich durch progrediente Muskelschwäche, Atrophien und der Beteiligung weiterer Organsysteme. Bei der Myotonen Dystrophie Typ 1 treten Störungen des kardialen Reizleitungssystems, endokrine Störungen, Beschwerden des Gastrointestinaltraktes und Katarakte auf, ebenso zentral bedingte Tagesmüdigkeit (Meola 2000). Die Vermeidung bzw. Therapie respiratorischer und kardialer Komplikationen ist besonders relevant. Typisch sind neben allgemeiner Antriebsschwäche die temporal betonte Muskelatrophie und eine ausgeprägte Fazies myopathica mit beidseitiger Ptosis. Dysarthrie und Dysphagie sind häufig. Eine intellektuelle Beeinträchtigung ist möglich. Die milder verlaufende Myotone Dystrophie Typ 2 betrifft vorrangig die proximale Muskulatur der unteren Extremitäten und seltener die mimische und oropharyngeale Muskulatur. Myalgien sind charakteristisch (Uhlenberg & Hübner 2004a).

Gute therapeutische Möglichkeiten bestehen i. d. R. bei entzündlichen Muskelerkrankungen. Als Autoimmunmyopathien können die Polymyositis (PM) und Dermatomyositis (DM) gesehen werden. Dort finden sich CD8-positive Zellen bzw. B-Zellen, Makrophagen und CD4-positive Zellen in der Histologie. Die Entstehung der häufigeren Sporadischen Einschlusskörperchenmyositis/sporadic Inclusion Body Myositis (s-IBM) bleibt dagegen bislang unklar. Während die Dermatomyositis zwei Altersgipfel aufweist (zwischen 5 und 15 Jahren sowie nach dem 45. Lebensjahr), betrifft die Polymyositis vorwiegend das höhere Lebensalter. Frauen sind bei beiden Erkrankungen doppelt so häufig betroffen wie Männer (Goebels & Pongratz 1998). Typisch ist eine generalisierte proximale Muskelschwäche sowie Muskelatrophie v. a. der Beckengürtelmuskulatur, bei der Dermatomyositis können darüber hinaus typische Stigmata wie das heliotrope Erythem (v. a. an Augenlidern, Wangen und Oberkörper) und Gottron-Papeln über den Fingerknöcheln auftreten. Da bei der Dermatomyositis etwa 20 % der Fälle (überwiegend in der älteren Population) para-neoplastisch bedingt sind, sollte eine Tumorsuche über mehrere Jahre durchgeführt werden (Hilton-Jones 2003). Die Polymyositis ist etwas seltener tumorassoziiert. Bis zu 50 % der Patienten mit DM oder PM leiden an Myalgien oder Arthralgien (Goebels 2004). Bei der s-IBM sind dagegen Schmerzen ungewöhnlich. Sie betrifft überwiegend selektive Muskeln, darunter den Quadrizeps und die langen Fingerbeuger, mit daraus resultierender starker funktioneller Beeinträchtigung der Patienten. Ein asymmetrischer Befall und eine Beteiligung der mimischen Muskulatur sind häufiger. Dysphagie kann bereits früh auftreten (Hilton-Jones 2003) Von dieser Erkrankung sind 3-mal mehr Männer als Frauen betroffen. Im Gegensatz zur DM und PM spricht die s-IBM nicht oder ungenügend auf immunsuppressive Therapie an. Behandlungsversuche mit intravenösen Immunglobulinen scheinen dagegen gerechtfertigt (Zierz & Jerusalem 2003; Walter 2004a). Seltene entzündliche Muskelerkrankungen sind erregerbedingte Myositiden, die Begleitmyositis bei entzündlichen und rheumatischen Grunderkrankungen und z. B. die granulomatöse Myositis bzw. Muskelsarkoidose (Walter 2004b).

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Erkrankungen des neuromuskulären Überganges betreffen spezifisch die motorische Endplatte. Leitsymptome sind die abnorme Ermüdbarkeit bei Belastung, die tageszeitliche Fluktuation der Muskelschwäche sowie Ptosis. Die Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der in 80 bis 90 % der Fälle Antikörper gegen den Acetylcholin-Rezeptor vorliegen. Neben Doppelbildern kann auch ein Dropped-head-Syndrom auftreten (Spuler & Melms 2004). Die kongenitalen myasthenen Syndrome dagegen sind eine heterogene Gruppe hereditärer Erkrankungen, wobei präsynaptische, synaptische und postsynaptische Formen unterschieden werden können (Abicht & Lochmüller 2004). Das Lambert-Eaton-Syndrom tritt zu 60 % paraneoplastisch auf und führt neben Schwäche und Ermüdbarkeit auch zu einer Mitbeteiligung des autonomen cholinergen Systems (Zierz & Jerusalem 2003; Pellkofer & Voltz 2004).

Zu Myopathien im Rahmen von Systemerkrankungen zählen neben Paraneoplasien (s. o.) Myopathien bei endokrinen Erkrankungen (v. a. Schilddrüsenerkrankungen), bei Amyloidose, HIV-Erkrankung und Intoxikationen sowie neben der Critical-Illness-Myopathie/-Neuropathie die große Gruppe metabolisch-bedingter Myopathien. Dazu gehören die Lipidmyopathien, der Myoadenylat-Desaminase-Mangel, die mitochondrialen Myopathien und die Glykogenspeicherkrankheiten mit Skelettmuskelbeteiligung (Muskelkrankheiten 2004). Bei Muskelglykogenosen sind persistierende oder progrediente Paresen, aber auch transiente und belastungsabhängige Beschwerden möglich. Herz und Leber können betroffen sein (Zierz & Jerusalem 2003). Für die Studie interessierten adulte Typen, wie sie z. B. bei Glykogenose 2 und 5 auftreten können. Mitochondriopathien entstehen durch Defekte in Multienzymkomplexen, führen zu verminderter ATP-Synthese bzw. -Bereitstellung und beeinträchtigen v. a. Organe mit hohem Energieverbrauch. Mögliche Symptome sind Myalgien, Belastungsintoleranz, Kardiomyopathien, endokrine Störungen, ZNS-Symptome wie Epilepsie, Störungen der Sinnesorgane, der Nieren oder der Leber. Typische Symptom-Kombinationen sind als Mitochondriopathie-Syndrome beschrieben. Klare Genotyp-Phänotyp-Beziehungen fehlen oft. Maternale, aber auch autosomal-dominante oder -rezessive Vererbungen sind möglich (Schülke 2004). Die Zahl identifizierter Gene und Mitochondriopathien nimmt stetig zu (Smeitink 2003).

1.1.2 Motoneuronale Erkrankungen

Die spinalen Muskelatrophien (SMA) treten erblich (autosomal-rezessiv oder -dominant, x-chromosomal-rezessiv) oder sporadisch auf. Sie entstehen durch die Degeneration motorischer Vorderhornzellen des Rückenmarks bzw. motorischer Hirnnervenkerne. Es kommt zu langsam fortschreitenden, atrophischen Lähmungen mit segmentaler Verteilung und Faszikulationen in betroffenen Muskeln. Es finden sich proximale und distale Formen sowie einige mit speziellem Verteilungsmuster, wie z. B. die bulbospinale Muskelatrophie Typ Kennedy, die auch endokrine Störungen aufweisen kann. Neben infantilen SMA gibt es Formen mit Beginn im frühen oder späten Erwachsenenalter (Zierz & Jerusalem 2003).

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Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) entsteht bei einer raschen Degeneration des ersten und zweiten motorischen Neurons des pyramidalmotorischen Systems meist zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr. Die verkürzte Lebenserwartung durch respiratorische Insuffizienz und Dysphagie steht im Vordergrund (Borasio & Miller 2001). Die Patienten beklagen Schwäche, vorzeitige Ermüdung, Steifigkeit, Krampi und krampfartige Muskelschmerzen. Neben schnell progredienter Muskelschwäche finden sich Faszikulationen und spastische Tonuserhöhungen. Die Diagnose ist sehr sorgfältig und klinisch durch den Verlauf und Ausschluss von Differentialdiagnosen zu stellen (Zierz & Jerusalem 2003).

1.1.3 Hereditäre Neuropathien

Die Hereditären motorischen und sensiblen Neuropathien (HMSN) gehören zur Gruppe der Polyneuropathien. Sie beinhalten distal beginnende, chronisch verlaufende atrophische Lähmungen, Störungen des Lage- und Vibrationssinnes sowie schmerzhafte Muskelkrämpfe. Typisch sind sich entwickelnde Fußdeformitäten und Stepper- bzw. Bügeleisengang. Die motorischen Symptome stehen häufig ganz im Vordergrund (Poeck & Hacke 2001).

1.2 Die Sonderstellung seltener Erkrankungen

Bis Januar 2005 waren insgesamt etwa 6.000-7.000 seltene Krankheiten bekannt. Diese ernsten, chronisch-verlaufenden Erkrankungen wurden lange von der Forschung und der Politik vernachlässigt. Betroffene Patienten und deren Angehörige sind häufig mit großen Schwierigkeiten in der Diagnosestellung und bei der Informationssuche konfrontiert (OrphanXchange). Eine Patientenstudie der US National Commission on Orphan Diseases ergab, dass ein Drittel der Patienten mit verschiedensten seltenen Krankheiten 1 bis 5 Jahre bis zur korrekten Diagnose benötigten, 15 % der Patienten sogar noch länger (zitiert nach Peters 1998). Bei fehlenden Therapiestandards und Leitlinien sind auch Fehlbehandlungen mit potentiell gefährlichen Medikamenten möglich (OrphanXchange). Die notwendige spezialisierte ärztliche Betreuung ist oft nur in wenigen Zentren vorhanden. Bei häufigen Erkrankungen sichern dagegen strukturierte Behandlungsprogramme und geeignete fachliche Einrichtungen einen Standard guter Behandlung und Betreuung (Haavisto 1998).

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Das Bewusstsein der Öffentlichkeit für seltene Erkrankungen hat jedoch zugenommen. V.a. moderne Informationsmöglichkeiten für Patienten und Angehörige über das Internet führen zu mehr Druck auf die Ärzteschaft, die Pharmazeutische Industrie und auch die Politik, sich im Bereich seltener Erkrankungen zu engagieren (Kirsten & Costabel 2004). Auf europäischer Ebene wurden 1992 die EAGS (European Alliance of Parents and Patients Organisations of Genetic Services and Innovation in Medicine) und 1997 die EURORDIS (European Organisation for Rare Disorders) als Dachorganisationen von Selbsthilfegruppen gegründet (Orphanet). Patientenorganisationen speziell zu neuromuskulären Krankheiten schlossen sich in der EAMDA (European Alliance of Neuromuscular Disorders Associations) zusammen (Rüdel et al. 2000).

Angesichts mangelnder Erforschung seltener Krankheiten und fehlender Therapien wurde mehr öffentliche Förderung und entsprechende Gesetzgebung gefordert. Als „orphan drugs“ werden dabei die für die pharmazeutische Industrie angesichts eines geringen Marktpotentials unprofitablen Medikamente bezeichnet. Als praktisches Problem zeigte sich u. a. die geforderte Probandenzahl für klinische Studien. In den USA führte der 1983 beschlossene US Orphan Drug Act zu einer deutlichen Zunahme der Medikamente, die für seltene Erkrankungen entwickelt und zugelassen wurden. Weitere Gesetzgebungen 2002 führten in den USA zur Gründung des zentralen Office of Rare Diseases sowie autorisierter Rare Disease Regional Centers of Excellence als Anlaufstellen für Patienten und Wissenschaftler (Iribarne 2003). In Europa wurde gezielte Forschungsförderung durch neue gesetzliche Regelungen (u. a. Verordnungen (EG) 847/2000 und 141/2000) sowie der Aufbau eines Informationsnetzwerkes zu seltenen Erkrankungen (Beschluss 1295/1999/EG) ermöglicht. Mit Orphanet entstand eine frei zugängliche Datenbank zu über 3000 seltenen Krankheiten. Die Initiativen Erditi und OrphanXchange sollen die Entwicklung von Therapien fördern (Orphanet). Mit dem EuroMuscleNet wurde eine internetbasierte Informa-tionsplattform zu Muskelerkrankungen geschaffen (EuroMuscleNet). Als u. a. von der EU gefördertes Forschungszentrum entstand das European Neuromuscular Centre ENMC (Rüdel et al. 2000). Das deutsche Ministerium für Forschung und Bildung fördert seit 2003 die Etablierung von 10 krankheitsspezifischen Netzwerken, u. a. des MD-Net zu Muskeldystrophien (Netzwerke zu seltenen Erkrankungen 2003). Dieses soll Forscher, Ärzte und Betroffene vernetzen und exakte Diagnosen ermöglichen. Betroffene sollen für die Anlage einer forschungsorientierten Datenbank rekrutiert werden (Lochmüller 2003).

Patientenregister für seltene Erkrankungen werden zunehmend gegründet. Sie können bei der Kontaktaufnahme zwischen Forschern und Patienten helfen, vorrangig vor klinischen Studien (Schulte am Esch & Roewer 1998; Kirsten & Costabel 2004; Leinmüller 2004). Auch Versorgungsstudien könnten erleichtert werden. Angesichts knapper werdender Ressourcen in der Medizin wird die Versorgungsforschung in Deutschland immer wichtiger und akzeptierter (Fülgraff 1999; Gandjour 2001; Gutachten 2000/2001 Bd. 3.1). Bisherige Ergebnisse kritisieren v. a. die Versorgung chronisch Kranker (Badura 1996; Sohn 1997; Gutachten 2000/2001 Bd. 3.1). So verwies der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen (im Folgenden: SV-Rat) darauf, dass die deutsche Medizin v. a. akutmedizinisch und kurativ orientiert sei. Sie versage bei der komplexen, multidisziplinären Betreuung chronisch Kranker, bei welcher Information, Prävention, Rehabilitation sowie Gespräch und Beratung bedeutend seien (Gutachten 2000/2001 Bd. 3.1). Die unzureichende Datenlage zur medizinischen Versorgung der Patienten mit seltenen Erkrankungen wurde bemängelt (Gutachten 2003 Bd. 2).

1.3 Was beinhaltet die medizinische Versorgung muskelkranker Erwachsener?

1.3.1  Die Diagnosestellung

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An erster Stelle steht die korrekte Diagnose. Teilweise herrscht noch die Meinung, man könne bei Muskelerkrankungen „nichts machen“. Der Patient hat aber Anspruch auf einen rechtzeitigen Therapiebeginn bei vorhandener medikamentöser Therapie bzw. symptomatischer Therapie, den möglichen Einschluss in Therapiestudien und mit einer Diagnose auch die Aussicht auf neue Therapien in der Zukunft (Marshall & Galasko 1995; Belsh & Schiffman 1996; Belsh 1999; Chio 1999; Eisen 1999; Hardiman 2000). Mit der Diagnosestellung ist auch das Erkennen persönlicher Risiken verbunden - so sind z. B. lebensbedrohliche Narkosezwischenfälle durch Vorsichtsmaßnahmen vermeidbar (Rozendaal & Rupreht 1996; Hilton-Jones 1997; Gunkel et al. 2000; Baur et al. 2002). Unnötig lange Krankenhausaufenthalte und Fehlbehandlungen können vermieden werden. Eine verzögerte oder falsche Diagnose kann zu Vertrauensverlust gegenüber Ärzten und möglicherweise depressiven Reaktionen führen. Der Patient benötigt Sicherheit für die Zukunftsplanung. Eine Diagnose biete auch die Grundlage für mögliche finanzielle Unterstützung durch staatliche und andere Organisationen (Marshall & Galasko 1995; Belsh & Schiffman 1996; Belsh 1999; Chio 1999; Eisen 1999).

Als klassischer „three-step-approach“ auf dem Weg zur Diagnose einer neuromuskulären Erkrankung gilt der Besuch eines Allgemeinarztes, dem Überweisungen zum Neurologen und von dort zu einem Spezialisten folgen (Eisen 1999). Eine Krankenhauseinweisung ist dazu nicht mehr zwangsläufig erforderlich. Bei fehlender molekulargenetischer Diagnostik kann eine Muskelbiopsie indiziert sein. Diese kann jedoch auch ambulant durchgeführt werden, wobei sie aber an einer spezialisierten Einrichtung erfolgen sollte (Bayas & Gold 2003; Zierz & Jerusalem 2003; Lehmann & Spuler 2004).

1.3.2 Die Aufklärung der Patienten

An die exakte Diagnose sollte sich eine geeignete Aufklärung der Patienten anschließen. Mittlerweile ist anerkannt, dass selbst bei schwersten Erkrankungen die Diagnose den Patienten hilft, sich ihrer Situation zu stellen, wobei die emotionale Unterstützung bei der Informationsverarbeitung entscheidend ist (Schlömer-Doll & Doll 2000). In einer Untersuchung zur Aufklärung von ALS-Patienten wurde festgestellt, dass das Etikett einer Krankheit als etwas Positives wahrgenommen wurde. Als wichtig wurde die Möglichkeit von Fragen gesehen, dass die Aufklärung empathisch und direkt erfolgte, dass nicht sofort eine zu pessimistische Aussicht gegeben wurde und dass zum Zeitpunkt der Diagnose Informationen über Hilfsangebote einschließlich Patientenorganisationen existieren. Als negativ empfunden wurden u. a. eine zu späte Aufklärung und die fehlende Anwesenheit naher Angehöriger. Die Aufklärung wird als ein kontinuierlicher Prozess mit mehreren Schritten gesehen. Das Einholen einer zweiten Meinung zur Diagnose sollte diskutiert werden, ebenso künftige diagnostische und therapeutische Schritte oder alternative Therapien. Schriftliches Informationsmaterial könne hilfreich sein (Borasio et al. 1998). Eine Mitarbeiterin der Deutschen-Multiple-Sklerose-Gesellschaft wies darauf hin, dass betroffene Patienten Gespräche zur Überwindung des Diagnoseschocks und Ansprechpartner z. B. bei durch die Erkrankung bedingten Konflikten in der Familie und einer gestörten beruflichen Entwicklung bräuchten. Der Arzt sollte eine vorausplanende Rehabilitation im Sinne haben und sei entscheidend bei Maßnahmen wie Hilfsmitteln, Anschlussheilbehandlungen, Teilzeitarbeit oder Rentenantrag (Bormann 1993).

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Zu einer umfassenden Aufklärung von Patienten mit Muskelkrankheiten gehört jeweils krankheitsspezifisch und patientenorientiert eine prognostische Einschätzung und Beratung (z. B. Konsequenzen für Beruf, Wohnen, Mobilität; Vererbbarkeit der Erkrankung), Information über Therapien (medikamentös, wenn vorhanden; symptomatisch, z. B. Physiotherapie), Information über mögliche Komplikationen (z. B. Atmung, Herzfunktion) und über mögliche Maßnahmen zur Rehabilitation sowie geeignete Hilfsmittel im Verlauf. Es ist zu berücksichtigen, dass zum Zeitpunkt der Diagnosestellung die meisten Patienten den Großteil des Arbeitslebens noch vor sich haben (Fardeau-Gautier & Fardeau 1994). Die Patienten sollten an kompetente Ansprechpartner angebunden werden. Ein Versorgungskonzept sollte erstellt und vermittelt werden. Auch über soziale Hilfen und Selbsthilfegruppen sollte zumindest im Verlauf informiert werden.

1.3.3 Die Langzeitbetreuung

1.3.3.1 Die Akteure in der medizinischen Versorgung

Die Betreuung muskelkranker Patienten ist eine komplexe und multidisziplinäre Aufgabe. Kardiovaskuläre Komplikationen und Atemprobleme sind möglich, orthopädisch-chirurgische Behandlung kann in einigen Fällen angezeigt sein. In jedem Lebensalter und auf jeder Krankheitsstufe sollte die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität des Patienten optimiert werden und zu erwartenden Komplikationen sollte im Sinne einer Sekundärprophylaxe frühzeitig begegnet werden (Korinthenberg 2002). Physiotherapie, Hilfsmittelversorgung, Ergotherapie, Sprachtherapie, Schulungen der Patienten sowie die Konsultation eines Sozialarbeiters, eines Berufsberaters oder eines Psychologen gehören zu den Möglichkeiten der Rehabilitation (Bach 1995). Verschiedene Akteure sind an der medizinischen Versorgung beteiligt, wobei eine gute Kooperation und Koordination nötig sind. Als wichtiges Versorgungselement wird die Spezialambulanz angesehen (siehe 1.4). Der Hausarzt sollte neben der allgemeinärztlichen Betreuung auch Ansprechpartner bei seltenen Erkrankungen sein. Patient und Hausarzt sollten sich dazu rechtzeitig und regelmäßig von Kompetenzzentren beraten lassen (Gutachten 2003 Bd. 2). Der Hausarzt sollte die Grundbetreuung übernehmen, wenn sich Behinderungen und Handicaps entwickeln. Die Situation des Patienten sollte er regelmäßig überprüfen, notwendige Hilfen arrangieren sowie Belastungen und Leid anerkennen (Wade 1990).

1.3.3.2 Medikamentöse Therapien

Mit einem wachsenden Verständnis der Erkrankungen verbessern sich die Aussichten auf Entwicklung von Therapien. Ein Beispiel ist die sich zurzeit noch in Pilotstudien befindende Enzymersatztherapie mit rekombinanter Alpha-Glukosidase bei Glykogenose II (van den Hout et al. 2000; Winkel et al. 2004). Bisher gibt es wirksame medikamentöse Therapien bei entzündlichen Muskelkrankheiten (Amato & Griggs 2003; Hilton-Jones 2003), entzündlichen Neuropathien (van Doorn & Garssen 2002) sowie der Myasthenia gravis und dem Lambert-Eaton-Syndrom (Newsom-Davis 2003). Auch bei Unterformen des kongenitalen myasthenen Syndroms bestehen Behandlungsmöglichkeiten (Harper & Engel 1998; Harper et al. 2003). Für die ALS wurde die lebensverlängernde Wirkung von Riluzol nachgewiesen (Bensimon et al. 1994). Der Gentherapie, der Zelltherapie einschließlich der Nutzung von Stammzellen oder auch auf dem Gebiet pharmakologischer Therapie z. B. der Muskeldystrophien gelang noch nicht der Durchbruch, wenn auch die Vielfalt der Forschungsansätze Hoffnung für die Zukunft macht (Skuk et al. 2002; Karpati & Sinnreich 2003; Partridge 2003). Die Patienten sollten über neue Entwicklungen und insbesondere über Therapiestudien informiert werden. Oft steht bislang jedoch die symptomatische Behandlung von Komplikationen sowie von Beschwerden (z. B. Gabe von Membranstabilisatoren bei belastender myotoner Symptomatik) im Vordergrund.

1.3.3.3 Kardiale und respiratorische Komplikationen

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Veränderungen am Herzen können bei Dystrophinopathien, der MD Emery-Dreifuss, verschiedenen Formen der Gliedergürtel-Muskeldystrophie, bei der fazioskapulohumeralen MD, bei mitochondrialen Myopathien, bei Morbus Pompe, bei Dermatomyositis und Polymyositis, der Periodischen Paralyse, bei Spinaler Muskelatrophie und anderen Myopathien vorliegen (Bertorini 2002a; Stöllberger & Finsterer 2001; Malcic et al. 2002). Patienten mit einer Myotonen Dystrophie Typ 1 sind v.a. durch Rhythmusstörungen gefährdet (Hilton-Jones 1997), sie können aber auch an einer dilatativen Kardiomyopathie erkranken (Gunkel et al. 2000). Patienten können in einem präklinischen Stadium bleiben und erst bei Hinzutreten von Umweltfaktoren (z. B. Narkose) akut symptomatisch werden (Nigro et al. 1995). So empfehlen sich regelmäßige EKG-Kontrollen bzw. die Durchführung von Echokardiografien je nach Art der Muskelerkrankung sowie abhängig von den Untersuchungsergebnissen eine symptomatische Behandlung bzw. entsprechende Vorsichtsmaßnahmen z. B. bei Allgemeinanästhesien.

Um respiratorische Insuffizienz bei häufig fehlender Korrelation zur Beeinträchtigung der Skelettmuskulatur bzw. wahrgenommenen Atembeschwerden zu erkennen, werden funktionelle Untersuchungen der Atmung wie z. B. die Spirometrie im Sitzen und im Liegen bei vielen Muskelerkrankungen als gerechtfertigt angesehen (Hours et al. 2004). Die Untersuchung sollte je nach Progression der Krankheit zwischen 1- bis 12-mal pro Jahr erfolgen (Bach 1995; Perrin 2004). Bei bestehenden Atemproblemen müssen zunächst andere Ursachen ausgeschlossen werden. Die Patienten sind zu informieren über mögliche Physiotherapie, Gefährdung durch respiratorische Infekte und auch über langfristige Möglichkeiten zur mechanischen nicht-invasiven bzw. auch invasiven Beatmung bei progredienter respiratorischer Insuffizienz. Eine progressive Kyphoskoliose als möglicher beeinträchtigender Faktor ist zu beachten. Bei schwersten Verläufen sollte frühzeitig die mögliche Beendigung der Beatmung thematisiert werden (Bach 1999; Perrin 2004).

1.3.3.4 Physiotherapie und Versorgung mit Hilfsmitteln

Die Therapieziele bei Muskelkranken sind der Erhalt der Muskelfunktion, die Linderung von Schmerzen, die Vorbeugung bzw. Behandlung von Gelenkfehlstellungen und Kontrakturen. Auch intensive Atemtherapie sowie Thrombose- und Dekubitusprophylaxe sind möglich (Werner et al. 2000). Angestrebt werden die Verlängerung bzw. Bewahrung von unabhängiger Funktion und Bewegung und letztlich die Integration in die Gesellschaft bei guter Lebensqualität (Fowler et al. 1998). Ein geringer Kraftzuwachs durch gezieltes Training wurde wiederholt bei Patienten mit langsam progredienten Muskelerkrankungen festgestellt. Dieser Effekt tritt jedoch v. a. in der Frühphase bei noch wenig beeinträchtigten Patienten auf. Bei rasch progredienten Krankheiten wird maximal eine kurzfristige Verlangsamung der Progression der Muskelschwäche beschrieben (Fowler 2002). Die meisten Studien bieten bei methodischen Mängeln aber nur geringe Evidenz. Insbesondere ist keine Langzeitwirkung von Physiotherapie auf die Muskelkraft gesichert (Ansved 2003). Jedoch mindert Training die zusätzliche Inaktivitätsatrophie der Muskulatur, Gelenkkontrakturen und sekundäre Folgen der Immobilität wie Osteoporose, Übergewicht, Diabetes mellitus, mentale Gesundheitsprobleme, kardiovaskuläre Erkrankungen. Sie bessert auch die Atemfunktion (Moreno 1998; Fowler 2002; Ansved 2003). Auch soziale und psychologische Effekte der Physiotherapie seien zu beachten (Eagle 2002). Es empfiehlt sich die Absprache physiotherapeutischer Maßnahmen mit spezialisierten Zentren (Moreno 1998).

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Mit Kommunikationshilfen und anderen Hilfsmitteln können Muskelkranke bei Behinderung unterstützt werden. Hausbesuche können zur Auswahl geeigneter Hilfsmittel beitragen. Zur erfolgreichen Anwendung gehört auch die Einweisung von Angehörigen zum Gebrauch der Hilfsmittel (Werner et al. 2000). Meist steht bei der Versorgung mit Hilfsmitteln die Ermöglichung der Mobilität im Vordergrund. Spezielle Einrichtungen erhalten darüber hinaus eine möglichst lange Selbständigkeit im eigenen Haus.

1.3.4 Stationäre Aufenthalte

Die Diagnostik von Muskelerkrankungen erfordert bei gutem Allgemeinzustand der Patienten in der Regel keine Krankenhauseinweisung mehr (siehe 1.3.1). Die medikamentöse Einstellung entzündlicher Muskelkrankheiten kann jedoch wegen möglicher Nebenwirkungen Anlass eines Krankenhausaufenthaltes sein. Komplikationen wie respiratorische oder kardiale Störungen oder auch orthopädische Eingriffe können einen stationären Aufenthalt erfordern. Ob Maßnahmen zur Rehabilitation stationär erfolgen sollen, wird diskutiert. So sei z. B. der kurzfristige Effekt stationärer Rehabilitation der längerfristigen ambulanten oder teilstationären, wohnortnahen Rehabilitation unterlegen. Andererseits wären z. B. aus organisatorischen Gründen, so bei zu „seltenen“ Erkrankungen, auch stationäre Programme indiziert (Gutachten 2000/2001 Bd. 3.1).

1.3.5 Eigeninitiativen

Eigeninitiativen finden innerhalb und außerhalb des „schulmedizinischen“ Rahmens statt. Sie können als Teil der Krankheitsbewältigung angesehen werden und begrenzt Defizite in der („schul-„)medizinischen Versorgung ausgleichen. So können Selbsthilfegruppen eine wichtige Informationsquelle für Patienten darstellen. Sie leisten aber auch psychosoziale Unterstützung und erleichtern den Einstieg ins System professioneller Hilfe (Gutachten 2000/2001 Bd. 1). Als sich praktische Medizin und Wissenschaft wenig um seltene Krankheiten kümmerten, brachten Selbsthilfeorganisationen die Muskelerkrankungen ins öffentliche Bewusstsein und förderten die Forschung (Rüdel et al. 2000; Rabeharisoa 2003). Moderne Medien können ebenfalls bei der Informationssuche helfen. Zu den Aufgaben des Arztes gehört es auch, angesichts der fehlenden Qualitätssicherung von internetbasierten Gesundheitsinformationen darauf hinzuweisen, dass zwischen soliden wissenschaftlichen Einsichten und inakkurater oder missverständlicher Information unterschieden werden muss (Gutachten 2000/2001 Bd. 1; Gutachten 2003 Bd. 1). Bezüglich alternativer Therapien ist eine offene und ehrliche Kommunikation notwendig, damit Patienten vor medizinisch oder finanziell gefährlichen Behandlungen gewarnt und die Erwartungen auf ein realistisches Maß geführt werden können (Wasner et al. 2001). Sie können jedoch als wichtige Möglichkeit der Patienten gesehen werden, selbst aktiv zu sein und Beschwerden zu bewältigen. Schließlich sollten Patienten auch über die Möglichkeit der Teilnahme an Therapiestudien bzw. sonstigen krankheitsbezogenen Forschungsprojekten informiert werden. Neben möglichem therapeutischen und psychologischen Gewinn (Chio 1999) bieten sie auch eine intensivere Betreuung der Patienten (Belsh & Schiffman 1996).

1.4 Kompetenzbündelung in der medizinischen Versorgung: Die Spezialambulanz

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Zur Betreuung muskelkranker Patienten werden spezialisierte regionale Einrichtungen empfohlen (Bezeichnung als tertiary medical center bzw. comprehensive care centre), an denen Kompetenz gebündelt vorliegt (Bach 1995; Korinthenberg 2002; Gutachten 2003 Bd. 2). Die Ansiedlung von Spezialambulanzen an einer großen Klinik erleichtere dabei die Behandlung der Patienten, da verschiedene Spezialisten mit hoher Qualifikation konsultiert werden könnten. Stationäre Aufenthalte sollten dabei nur bei unklarer Diagnose bzw. bei erwartetem positiven Therapieeffekt erfolgen (Kalinin et al. 1989). Eine Studie aus den USA zur ambulanten Rehabilitation muskelkranker Patienten kommt zum Schluss, dass die Betreuung an einer spezialisierten ambulanten Einrichtung nicht wirklich teuer, dabei aber sehr effektiv sei (Koch et al. 1986).

Mittlerweile gibt es in vielen Ländern Spezialambulanzen für Muskelerkrankungen bzw. neuromuskuläre Erkrankungen. Versorgungsstudien existieren bisher aber nur zu ALS-Spezialambulanzen (z. B. van den Berg et al. 2003). So arbeitet in Irland die National Multidisciplinary Clinic für ALS mit Mitgliedern paramedizinischer Professionen, einer Forschungseinrichtung und einer Selbsthilfeorganisation zusammen (Corr et al. 1998). In einer prospektiven Studie wurde eine 7,5 Monate längere Überlebenszeit der dort betreuten ALS-Patienten festgestellt. Als ursächlich diskutiert wurden die intensive Betreuung respiratorischer Komplikationen, die offenere Haltung zur Gastrostomie, die kostenlose Gabe von Riluzol und die gebesserte psychologische Betreuung (Traynor et al. 2003).

Die Selbsthilfeorganisation DGM entwickelte Qualitätskriterien für sogenannte Muskelzentren der DGM, die neben Kooperation mit der DGM u. a. beschreiben, welche Fachrichtungen, Beratungsangebote, therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten eine solche Einrichtung vorhalten sollte. Zurzeit gibt es 26 Muskelzentren der DGM in insgesamt 15 Bundesländern (Stand 1.3.2003) und weitere Spezialsprechstunden. Die Mehrzahl der Sprecher der Zentren arbeiten an Universitätskliniken (Jahrbuch der neuromuskulären Erkrankungen 2002, 2003). Der SV-Rat sieht eine gute Versorgung erkrankter Patienten nur durch die rechtzeitige und regelmäßige Vorstellung der Patienten in solchen neuromuskulären Zentren mit interdisziplinären Muskelsprechstunden und adäquater Erfahrung im Einsatz der Diagnostik gewährleistet (Gutachten 2003 Bd. 2). Die vorliegende Studie kann deskriptive Angaben zum Besuch dieser Einrichtungen liefern, aber nicht näher auf ihre Bedeutung eingehen.

1.5 Daten zur medizinischen Versorgung muskelkranker Patienten

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Zur medizinischen Versorgung muskelkranker Patienten existieren hauptsächlich Stellungnahmen von Experten sowie Einzelfallberichte über Fehldiagnosen bzw. Fehlbehandlungen. Nur wenige wissenschaftliche Studien weltweit haben sich mit einzelnen Aspekten medizinischer Versorgung bei einzelnen Krankheitsentitäten befasst.

Deutsche medizinische Fachgesellschaften (Gutachten 2000/2001 Bd. 3.1) beschrieben speziell im Bereich neuromuskulärer Erkrankungen eine Unterversorgung durch mangelnde Verfügbarkeit molekulargenetischer Diagnostik. Schluckstörungen würden zu selten interdisziplinär abgeklärt. Es fehlten Spezialisten, die ins Erwachsenenalter reichende pädiatrische Erkrankungen behandeln können – dazu gehören viele Muskelerkrankungen, insbesondere auch die MD Duchenne. Stellungnahmen der deutschen Betroffenen-Organisationen wiesen bei Muskelkrankheiten auf eine verzögerte Überweisungsbereitschaft der Hausärzte und Neurologen hin. Es bestünde Unwissenheit unter der Ärzteschaft im Bereich der Hilfsmittelversorgung. So würden z. B. bei Post-Polio-Syndrom oder Skoliose Orthesen, Rollstühle oder Gehhilfen unzureichend oder falsch verordnet. Stationäre Rehabilitation würde z. B. bei Poliomyelitis-Betroffenen in dafür ungeeigneten Einrichtungen durchgeführt (Gutachten 2000/2001 Bd. 3.1). Die Selbsthilfeorganisation DGM berichtete zuvor über die besonderen Probleme in der Betreuung beatmeter Muskelkranker (Klier 1997). Eine medizinische Dissertation setzte sich mit dieser Problematik intensiver auseinander (Röhl 1992).

Der SV-Rat äußerte sich speziell zur Einrichtung der Spezialambulanzen. Er wies auf die Nicht-Einhaltung der Qualitätskriterien der DGM an einigen Muskelzentren, fehlende Outcome-Studien sowie die mangelnde Sicherung einer objektiven Zertifizierung und des Fortbestandes der Zentren hin. Ungeklärt sei auch, über welche Mindestfallzahl eine Einrichtung verfügen müsse, um ausreichend Erfahrung mit den Erkrankungen zu garantieren. Auch sei die Kooperation zwischen niedergelassenen Ärzten und solchen Zentren sowie die Zusammenarbeit mit Selbsthilfeorganisationen verbesserungswürdig. Defizite in der medizinischen Versorgung wurden einer Unter-, Fehl- sowie Überversorgung zugeordnet. Als Beispiele für Unterversorgung wurden die primäre Diagnostik im niedergelassenen Bereich, die Einleitung und Überwachung der Therapie von Autoimmun-Myopathien ohne Anbindung an ein neuromuskuläres Zentrum, die psychosoziale Betreuung, die physikalische Therapie, Ergotherapie, Hilfsmittelberatung und mangelhafte symptomatische Therapie bei ALS benannt. Zur Überversorgung wurde die Gabe von androgenen Anabolika, die Gabe von Insulin, die Immunsuppression bei ALS-Patienten, extensive Autoantikörperdiagnostik bei DM und PM sowie überflüssige wiederholte Antikörperbestimmungen bei Myasthenie gezählt. Als Fehlversorgung wurde alleinige Betreuung von Patienten durch einen Hausarzt, die Verordnung inadäquater Hilfsmittel und unregelmäßige physikalische Therapie benannt (Gutachten 2003 Bd. 2).

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Internationale Studien widmeten sich in der Regel einzelnen Aspekten der medizinischen Versorgung. So stellte z. B. eine Studie aus den USA die Benachteiligung von Patienten mit (eher seltenen) neuromuskulären Erkrankungen im Vergleich zu Patienten mit (eher häufigeren) Rückenmarksverletzungen fest, was die Anerkennung und Förderung des beruflichen Rehabilitationspotentials angeht (Fowler et al. 1997). V. a. finden sich Berichte zur speziellen Versorgungssituation von Patienten mit ALS (z. B. Traynor et al. 2003). Nur eine einzige Studie aus Frankreich konnte identifiziert werden, in der muskelkranke Erwachsene umfassend zu ihrer medizinischen Versorgung befragt wurden (Donze et al. 1999). Darin fiel v. a. die mangelhafte kardiologische und pulmologische Betreuung der Patienten auf. In einer amerikanischen Studie wurden 167 Direktoren verschiedener Kliniken einer Muskeldystrophie-Organisation zu dem an ihrer Klinik herrschenden Betreuungskonzept und therapeutischen Vorgehen befragt (Bach & Chaudhry 2000).

Angaben zur Diagnosedauer existierten bisher nur punktuell zu einigen Krankheiten wie der MD Duchenne, der Einschlusskörperchenmyositis und der ALS (siehe 4.3.1.2). V. a. zur Diagnosestellung und der daran anschließenden Betreuung erwachsener Patienten mit Muskeldystrophien oder Spinalen Muskelatrophien lagen keine Daten vor. Anamnesen der Patienten der Spezialambulanz für Muskelkrankheiten an der Charité machten jedoch auf lange Verläufe bis zur Diagnosestellung und Schwierigkeiten bei der Suche nach medizinischen Ansprechpartnern aufmerksam (Spuler 2001, persönliche Kommunikation).

1.6 Konzeption des Forschungsprojektes und der vorliegenden Arbeit

Angesichts der bisherigen Datenlage wurde ein exploratives Studiendesign verfolgt. Dieses hatte zum Ziel, die Gruppe erwachsener Patienten mit Muskelerkrankungen hinsichtlich der Verfahren, der Abläufe und Strukturen im Rahmen der medizinischen Versorgung zu erfassen. Vorrangig sollte das Diagnose- und Behandlungsverhalten von Ärzten untersucht werden, wobei Ärzte im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht selbst beobachtet bzw. befragt wurden, sondern die Erfahrungen der Patienten die Datengrundlage darstellten. So wurde auch auf die Auswertung medizinischer Akten verzichtet, da deren Angaben oft unvollständig sind. Zudem sollte neben der Erfassung „objektiver“ Daten wie der Dauer von Krankenhausaufenthalten oder der Häufigkeit kardiologischer Untersuchungen auch gemessen werden, welche Zufriedenheit bei den betroffenen Patienten durch die medizinische Versorgung „subjektiv“ erzeugt wird. Dazu wurde eine Kombination aus empirisch-quantitativer sowie empirisch-qualitativer Exploration verwandt (vgl. Bortz & Döring 1995c). Folgende Fragen sollte die Studie beantworten können:

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Wie gestaltete sich die Diagnosestellung - wer war daran beteiligt, wie lange dauerte sie, worin lagen Schwierigkeiten? Haben das Geschlecht der Patienten und der zuerst gewählte Arztkontakt Einfluss auf die Dauer der Diagnosestellung? Wer klärte über die Erkrankung auf? Was waren die Inhalte der Aufklärungsgespräche, in welcher Qualität wurden sie durchgeführt? Was sind die Informationsquellen der Patienten bezüglich ihrer Erkrankung?

Wurde ein Konzept für die Langzeitbetreuung erstellt und die medizinische Versorgung durch geeignete Ansprechparter abgesichert? Welche Verlaufskontrollen wurden vereinbart? Wurden insbesondere Herzfunktion und Atmung im Verlauf untersucht? Welche physiotherapeutischen Maßnahmen wurden verordnet? Welche Hilfsmittel wurden verordnet? Wo sahen Patienten Schwierigkeiten? Wie wurden Patienten mit Atemproblemen informiert und behandelt? Welche Fachrichtungen bzw. welche Strukturen wurden in der Langzeitbetreuung aufgesucht? Wie häufig erfolgten stationäre Aufenthalte, was waren die Indikationen bzw. Gründe?

Welche Eigeninitiativen bezüglich der Erkrankung unternahmen die Patienten? Worauf sollten sich Ärzte im Umgang mit diesen Patienten einstellen? Widerspiegeln Eigeninitiativen der Patienten möglicherweise Mängel in der medizinischen Versorgung? Und schließlich - wie bewerteten die Patienten selbst die medizinische Versorgung?

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Das Forschungsprojekt wurde in Zusammenarbeit mit der Berliner Landesgruppe der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke/ DGM und dem Berliner Zentrum Public Health (Projektpartnerin Frau Dr. M. Huber) durchgeführt. Die Untersuchung folgte den Prinzipien von Good Clinical Practice (Brown 2001) und wurde durch Mittel der Europäischen Union sowie durch universitäre Forschungsförderung unterstützt. Eine Meldung der Studie beim Datenschutzbeauftragten lag vor.

Der Schwerpunkt Diagnosestellung nimmt im Ergebnisteil und der Diskussion den größten Raum ein. Zu diesem Aspekt wurden auch die Interviews ausgewertet. Zu anderen Fragen beschränkte sich die Auswertung auf die Fragebögen. In der Diskussion werden die Ergebnisse der Studie mit bisherigen Erkenntnissen zur Versorgungssituation verglichen. Gründe für die Resultate der Untersuchung werden diskutiert und Schlussfolgerungen für künftige Untersuchungen sowie die praktische medizinische Versorgung formuliert.


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13.10.2006