[Seite 42↓]

4  ERGEBNISSE

4.1 Licht- und elektronenmikroskopische Pathologie der diagnostisch gewonnenen Gewebeproben

4.1.1 Histopathologie

Die Epidermis war, mit einer Ausnahme, histomorphologisch unauffällig. In diesem Fall konnte eine subepidermale Blase mit im Blasendach nekrotischen, d.h. geschwollenen, teilweise lysierten Keratinozyten gesehen werden. Das entzündliche Geschehen spielte sich in der Dermis, hauptsächlich an den postkapillären Venolen des oberen und mittleren Coriums ab. Das unterschiedlich starke perivaskuläre Infiltrat setzte sich in 5 Fällen aus vorwiegend neutrophilen Granulozyten und Kernstaub (Tabelle = p>m), in den verbleibenden 4 Fällen aus vorwiegend mononukleären Zellen, wie Lymphozyten, Monozyten und Histiozyten (Tabelle = m>p) zusammen.

Die neutrophilen Granulozyten waren intravasal immer intakt. Auch intramural gab es morphologisch keinen Anhalt für einen Zerfall der Neutrophilen. Perivaskulär hingegen befanden sie sich in verschiedenen Stadien der Desintegration. Dabei variierte der Fortschritt des Zerfalls teilweise sowohl innerhalb des jeweiligen Hautschnittes als auch abhängig von der Entfernung zum betroffenen Gefäß. In der Nähe der Gefäße konnte manchmal nicht genau differenziert werden, ob es sich schon um einen beginnenden Zerfall im Sinne der Leukozytoklasie handelte, da angeschnittene ältere Neutrophile, bedingt durch die Zunahme der Anzahl ihrer Kernsegmente, histologisch ein ähnliches Bild boten. Die angeschnittenen Kernsegmente oder -fragmente zeigten in dieser Lokalisation eine glatte und runde Begrenzung. Je weiter die Entfernung vom Gefäß, beziehungsweise in fortgeschrittenen Stadien auch durch das gesamte Infiltrat hindurch, waren die Kernsegmente oder -fragmente zwar nach wie vor glatt gegenüber der Umgebung abgrenzbar, jedoch nicht mehr rund, sondern eher vieleckig, so als zögen sie sich in sich selbst zusammen. Soweit das lichtmikroskopisch beurteilt werden kann, blieben Kernfragmente der fortgeschrittenen Stadien von Anteilen der Zellmembran umhüllt. In einigen Fällen lagen diese Fragmente dicht beieinander, jedoch konnte in der HE­Färbung nicht festgestellt werden, ob sie in diesem Zustand gegebenenfalls schon phagozytiert waren. Sowohl die beginnende Fragmentierung (=Kernfragmente, die nicht mehr ganz rund aussahen) als auch dicht beieinander liegende Kernfragmente wurden in der Tabelle als Klasie zusammengefasst. Diese zeigte, je nach [Seite 43↓]Zusammensetzung des Infiltrats und Fortschritt des Prozesses, in ihrer Ausprägung eine Variationsbreite von kaum bis stark vorhanden. Vorwiegend mononukleäre Infiltrate unterschieden sich dahingehend, dass in einigen nur unmittelbar perivaskulär mononukleäre Zellen vorherrschten. Weiter peripher konnte in diesen Fällen nach wie vor viel Leukozytoklasie gesehen werden. Andere von mononukleären Zellen dominierte Infiltrate wiesen kaum noch Neutrophile oder Leukozytoklasie auf.

Bei den betroffenen Gefäßen handelte es sich ausschließlich um postkapilläre Venolen, die in unterschiedlichem Ausmaß in den Entzündungsprozess einbezogen waren. Arteriolen und Venolen waren unauffällig. Die postkapillären Venolen zeigten in der HE-Färbung Endothelschwellung, Auflockerung der Gefäßwände, perivaskuläre Fibrinmanschetten und z.T. ausgeprägte Erythrozyten-Extravasate, in einem Fall mit Ablagerungen von Hämosiderin. Auch innerhalb eines histologischen Schnittes konnte hinsichtlich des Zerstörungsgrades teilweise eine große Variationsbreite beobachtet werden. Einige Gefäßwände waren nicht mehr zu erkennen. Sie konnten nur noch aufgrund der Ansammlung von vorwiegend polymorphkernigen Entzündungszellen lokalisiert werden. Waren angeschnittene Kernanteile der neutrophilen Granulozyten noch rund abgrenzbar, so waren auch die Gefäße weniger zerstört. In Fällen der fortgeschrittenen Desintegration der Neutrophilen, waren die Endothelien nicht nur geschwollen, sondern weitgehend lysiert und von Entzündungszellen überlagert. Je zerstörter die Gefäße waren, desto ausgeprägter waren die Erythrozyten-Extravasate. Diese zogen sich teilweise durch das ganze obere und mittlere Corium, wobei sie im oberen Corium, d.h. unmittelbar unterhalb der Epidermis, besonders ausgeprägt waren. Gefäße in Schnitten mit vorwiegend mononukleären Zellen waren meistens intakt. Die Subcutis, sofern sie angeschnitten wurde, war in allen Fällen unauffällig.

Die histopathologisch erhobenen Befunde sind in der Tabelle 2 zusammengefasst.


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Tab. 2: Semiquantitative Auswertung der histologischen Alterationen (HE)

Präparat

Infiltrat-stärke

Zusammen-setzung

Klasie

Erythrozyten-Extravasate

Anti-C3

Anti-Ig

HE1748/91=825/91

+++

p>m

9:1

+++

+++

+

IgA &

IgM

HE2757/94=676/94

+++

p>m

9:1

+++

+++

-

 

HE3119/94=748/94

+++(+)

p>m

8:2

+++

+++

+

 

HE1533/91=749/91

++/+++

p>m

7:3

++/+++

+++

+

 

HE798/95 =173/95

++

p>m

6:4

++/+++

+++

+

 

HE647/95 =129/95

+/++

m=p bis

m>p

++

+++

+

IgA

HE369/91 =239/91

+/++

m>p

6:4

0/+

+

+

 

HE2099/9 =523/94

++/+++

m>p

+/++

+++

-

 

HE2979/95=573/95

++/+++

m>p

+

+++

+

 

4.1.2 Elektronenmikroskopie

Die intravasalen und intramuralen neutrophilen Granulozyten stellten sich ultra­strukturell weitgehend regelrecht dar. Die Zellen wiesen zahlreiche Mitochondrien, ein gut entwickeltes endoplasmatisches Retikulum sowie prominente Lysosomen auf. Die in das Gewebe eingewanderten Neutrophilen waren zunächst durch eine periphere Vakuolisierung das Zytoplasmas gekennzeichnet. Das intakte Zytoplasma war stärker elektronendicht, die Organellen waren jedoch erhalten. Die Septierung und Chromatin-Kondensation der Kerne wurde zunehmend deutlicher. Schließlich kam es zu einer Fragmentierung des Zellkerns und des Zytoplasmas. Diese Fragmente waren von einer intakten Zellmembran umgeben. Die Organellen und insbesondere Mitochondrien wiesen eine regelrechte Ultrastruktur auf.

Neutrophile Granulozyten mit ungeordneter Vakuolisierung und Ödematisierung des Zytoplasmas und Kernschwellung wurden nur vereinzelt gesehen. Bei diesen Zellen [Seite 45↓]waren die Mitochondrien, endoplasmatischen Membranen und Lysosomen ödematisiert und fragmentiert. Die Zellmembran war an zahlreichen Stellen eingerissen.

Im Zytoplasma der Histiozyten fand sich regelmäßig Material, das phagozytierten Fragmenten von Neutrophilen entsprach. Diese Fragmente zeigten unterschiedliche Stadien der Lyse, so dass intakte Kernstrukturen, Organellen und umgebende Membranen nur initial zu sehen waren.

4.2 Immunhistologie

CD95, CD95L

Die Zellen des Stratum basale, Stratum spinosum, Stratum granulosum und dendritische Zellen der Epidermis wurden durch CD95 in einem granulären Muster auf den jeweiligen Zelloberflächen positiv angefärbt. In einzelnen Fällen stellte sich das Endothel der kleinen Blutgefäße positiv dar, meistens war es jedoch negativ. Des Weiteren waren 75% der Schweißdrüsenzellen schwach positiv.

25 bis 75% der Zellen der entzündlichen, perivaskulären Infiltrate waren CD95­positiv. Diese beinhalteten sowohl neutrophilen Granulozyten als auch mononukleäre Zellen, wie Lymphozyten, Monozyten und Makrophagen. In den eher polymorphkernigen Infiltraten färbten sich vorwiegend 25 bis 50% der Zellen positiv an, im Gegensatz zu den eher mononukleären Infiltraten, die mindestens zu 75% positiv waren. Intravasale, intramurale und peripher im Gewebe liegende Neutrophile waren zumeist negativ. Polymorphkernige Zellen, die sich perivaskulär positiv darstellten, reagierten schwächer und diffuser positiv. Das Fettgewebe infiltrierende Neutrophile (in einem Präparat) waren entweder negativ oder nur sehr schwach positiv. Mononukleäre Zellen stellten sich ebenso stark positiv dar, wie die Epidermis. Alle weiteren Zellen waren negativ.

CD95L färbte nur einzelne Zellen der Epidermis an. Es handelte sich bei diesen Zellen um dendritische Zellen. In einem Fall wurde die gesamte Epidermis unspezifisch positiv angefärbt. Einzelne bis maximal 25% der infiltrierenden Zellen reagierten positiv. Intraluminal und intramural gelegene Neutrophile waren negativ. Polymorphkernige Infiltrate zeigten nur vereinzelte positive Zellen. Peripher gelegene Neutrophile waren immer negativ. Mindestens 10% bis maximal 25% der Zellen der [Seite 46↓]vorwiegend mononukleären Infiltrate reagierten positiv. Dabei ließ sich eine Korrelation dahingehend feststellen, dass mit der Anzahl der Lymphozyten auch die Anzahl positiver Zellen anstieg. Diese positiven Lymphozyten befanden sich unmittelbar perivaskulär. Das Endothel wurde mit diesem moAk nicht angefärbt. Zellen der Schweißdrüsentubuli stellten sich ebenfalls nicht positiv dar. Insgesamt fiel die CD95L-Färbung schwächer und diffuser aus als diejenige mit CD95.

Die Befunde der beiden Färbungen sind in Tabelle 3 angeführt.

Tab. 3: Immunhistologische Auswertung, der CD95- und CD95L-Färbungen

Präparat

CD95 (Fas) Infiltrat gesamt

CD95 davon neutrophile Granulozyten

CD95L (FasL) Infiltrat gesamt

CD95L davon neutrophile Granulozyten

HE1748/91=825/91

++

+

0/+

0/+

HE2757/94=676/94

+/++

+

0/+

0/+

HE3119/94=748/94

++

+/++

+

0/+

HE1533/91=749/91

++

+/++

+

0/+

HE798/95 =173/95

++/+++

+/++

0/+

0

HE647/95 =129/95

+++

+/++

+

0/+

HE369/91 =239/91

++/+++

+/++

++

0/+

HE2099/94=523/94

++/+++

+/++

+/++

0/+

HE2979/95=573/95

+++

+

+/++

0/+

[Seite 47↓]bcl-2, bax

Basalständige Zellen der Epidermis und einige Zellen der Junktionszone reagierten bcl- 2-positiv. Einzelne dendritische Zellen der Epidermis wurden ebenfalls positiv angefärbt. Die Zellen der Drüsentubuli der Schweißdrüsen waren zu mindestens 75% positiv. Positiv dargestellte Strukturen befanden sich innerhalb der Zellen. Dies gilt sowohl für die schon aufgeführten Zellen als auch für die positiven Zellen innerhalb der entzündlichen Infiltrate.

20 bis 75% der Zellen der Infiltrate stellten sich positiv dar. In vorwiegend polymorph­kernigen Infiltraten zeigten sich 20% bis maximal 50% positive Zellen. Neutrophile waren intraluminal, intramural und perivaskulär negativ. Bei den positiven Zellen handelte es sich um mononukleäre Zellen (Monozyten, Lymphozyten), die sich vorwiegend unmittelbar perivaskulär, entweder kranzförmig und gleichmäßig verteilt oder halbmondförmig um die Gefäßlumina herum befanden. Besonders bei kleinen Lymphozyten, deren Zellkern in Relation zum Zytoplasma sehr groß ist, imponierte die Lokalisation der positiven, intrazytoplasmatischen Strukturen. Diese umrandeten den Kern und wurden durch diesen an die Zellwand gedrängt. Mononukleäre Infiltrate zeigten insgesamt mindestens 75% positive Zellen. Infiltrierende Lymphozyten färbten sich fast immer positiv an. Das Endothel und alle weiteren Zellen waren negativ. Insgesamt reagierten ähnliche Zellpopulationen positiv, wie mit CD95. Im Vergleich war die Verteilung der bcl-2-positiven Zellen konzentrisch um die Gefäßlumina herum, diejenige von CD95-positiven Zellen eher verstreuter. Die Intensität der Färbung mit bcl-2 fiel stärker aus als mit CD95.

Bax färbte einzelne dendritische Zellen der Epidermis und der Haarfollikel positiv an. Alle weiteren Zellen der Epidermis waren negativ. Zellen der Drüsentubuli der Schweißdrüsen reagierten in bis zu maximal 50% schwach positiv. Die meisten Zellen der Infiltrate waren negativ, nur einzelne Zellen waren positiv. Bei diesen Zellen handelte es sich um Monozyten oder seltener neutrophile Granulozyten. Alle weiteren Zellen waren negativ. Positiv angefärbtes Material wurde punktförmig innerhalb des Zytoplasmas sichtbar. Die Befunde sind in Tabelle 4 angeführt.


[Seite 48↓]

Tab. 4: Immunhistologische Auswertung, der bcl-2- und bax

Präparat

bcl-2


Infiltrat gesamt

davon bcl-2 positive neutrophile Granulozyten

bax


Infiltrat gesamt

HE1748/91=825/91

+/++

0/+

0

HE2757/94=676/94

++

0/+

0/+

HE3119/94=748/94

+/++

0/+

0/+

HE1533/91=749/91

++

0/+

0

HE798/95 =173/95

++

0/+

0/+

HE647/95 =129/95

++/+++

0/+

0/+

HE369/91 =239/91

++/+++

0/+

0/+

HE2099/94=523/94

+++

0/+

0/+

HE2979/95=573/95

+++

0

0

p53/p21

Einige Zellkerne der Epidermis stellten sich p53-positiv dar. Es handelte sich um entweder basalständige Zellen, Zellen des Stratum granulosum oder um dendritische Zellen der Epidermis. Einzelne große mononukleäre Zellen der Entzündungsinfiltrate wiesen zwar negative Zellkerne auf, zeigten aber ein granulär angefärbtes Zytoplasma. Dieses war jedoch schwächer positiv als die Zellkerne der Epidermis. Zellkerne der Haarfollikel und Drüsentubuli wurden nicht angefärbt. Einige wenige Zellkerne der basalen Zellen der Epidermis reagierten auch p21-positiv. Des Weiteren waren Zellkerne einiger Haarfollikelzellen und von einzelnen großen mononukleären Infiltratzellen p21-positiv. Zellkerne der Schweißdrüsentubuli waren negativ. Neutrophile wurden intravasal, intramural, perivaskulär und peripher im Gewebe weder von p53, noch von p21 angefärbt. Auch Endothelzellen reagierten p53- und p21-negativ. Alle weiteren Zellen waren negativ.

[Seite 49↓]PCNA

PCNA färbte in einigen Hautschnitten nur einzelne, in anderen etliche Zellkerne der epidermalen Zellen positiv an. Reagierten weniger Zellen positiv, handelte es sich vorwiegend um basalständige Zellen. Zellkerne der Haarfollikel waren ebenfalls teilweise positiv. Einige Kerne mononukleärer Zellen, vor allem großer Lymphozyten, Monozyten und Makrophagen, stellten sich positiv dar. Die Anzahl der positiven Zellen zeigte eine starke Korrelation zum Vorhandensein von Monozyten und Makrophagen. Kleine Lymphozyten, intakte und desintegrierende neutrophile Granulozyten wurden intraluminal, intramural, perivaskulär und peripher im Gewebe nicht angefärbt. Die Kerne der Endothelzellen reagierten teilweise positiv, jedoch nicht in allen Präparaten und auch nicht im jeweiligen Präparat einheitlich. Die Zellkerne der Drüsentubuli waren nur in vereinzelten Fällen positiv. In einzelnen Präparaten wurden teilweise die Kerne von Fibrozyten angefärbt, in der Mehrzahl der Präparate waren diese Zellen jedoch negativ.

CD68, Faktor 8, CD16/FcγRIII, CD32/FcγRII

Die moAk gegen CD68, Faktor 8, CD16 und CD32 wurden eingesetzt, um das Ausmaß der Monozyteninfiltration, die Struktur der Blutgefäße und die granulozytären Infiltrate zu beurteilen. CD68 färbte dendritische Zellen der Epidermis positiv an, alle weiteren epidermalen Zellen waren negativ. Infiltrierende Zellen reagierten in einer Spannbreite von 25 bis 75% positiv. Sowohl innerhalb als auch untereinander zeigten die Hautschnitte eine große Variabilität in der Anzahl der positiven Zellen. Einige perivaskulär gelegene neutrophile Granulozyten stellten sich positiv dar. Auch in den septal im Fettgewebe gelegenen Infiltraten, soweit diese vorhanden waren, konnten positive Zellen gesehen werden. Intravasal, intramural und peripher im Gewebe wurden neutrophile Granulozsten nicht angefärbt. Teilweise erweckten auch klastische Partikel den Eindruck, als seien sie positiv. Vorwiegend wurden jedoch Monozyten und Makrophagen in einem granulären Muster des Zytoplasmas angefärbt. Positive Zellen in polymorphkernigen Infiltraten lagen in der Nähe der Gefäße. Diejenigen in mononukleären Infiltraten waren hingegen eher peripher oder in der Umgebung der Gefäße zu sehen. Teilweise waren positive Zellen in polymorphkernigen Infiltraten schwer voneinander abgrenzbar, da fast alle Zellen positiv reagierten. In lymphozytären Infiltraten hingegen konnten Monozyten/Makrophagen immer gut [Seite 50↓]abgegrenzt werden und waren nicht so zahlreich vorhanden. Alle weiteren Zellen waren negativ.

Insgesamt muss gesagt werden, dass durch CD68 mehr Zellen angefärbt wurden als nach der histopathologischen Beurteilung anzunehmen gewesen wäre. Teilweise enthielten die Infiltrate, die mit p>m klassifiziert wurden, doch sehr viele Makrophagen (Abb. 22/23, Seite 56). Durch Faktor 8/v.Willebrand Faktor wurde das Zytoplasma der Endothelzellen in einer granulären Form positiv dargestellt, die Zellkerne waren negativ. Dabei wiesen intakte Gefäße eine gleichmäßig starke und glatt begrenzte Reaktion auf. Gefäße mit Endothelschwellung stellten sich weniger intensiv angefärbt dar, bedingt durch ihre unscharfe Begrenzung und ödematöse Aufquellung der Zellen. Zerstörte Gefäße zeigten eine eher diffuse Anfärbung im Bereich der Gefäße, teilweise zog sich die positive Reaktion bis weit in die Infiltrate hinein. Alle weiteren Zellen waren negativ. Die Ergebnisse dieser beiden Färbungen sind in Tabelle 5 angeführt.

Tab. 5: Immunhistologische Auswertung, der CD68- und Faktor 8/ vWF-Färbungen

Präparat

CD68

Faktor 8/vWF und Zustand der Gefäße

HE1748/91 =825/91

++/+++

diffuse Anfärbung, d.h. stark geschädigt

HE2757/94 =676/94

++

wenig bis mittelmäßig geschädigt

HE3119/94 =748/94

+++

stark geschädigt (oberes Corium) und intakt (unteres Corium)

HE1533/91 =749/91

++

diffus in das Infiltrat hinein granulär ange-färbt, stark geschädigt

HE798/95 =173/95

+ im Infiltrat

++ Umgebung

geschädigt (oberes Corium) > intakt (tieferes Corium)

HE647/95 =129/95

+ oberes Corium

++ mittleres Corium

vorwiegend intakt/ weniger geschädigt

HE369/91 =239/91

++/+++

intakt bis mittelmäßig geschädigt

HE2099/94 =523/94

+

mittelmäßig geschädigt

HE2979/95 =573/95

+ im Infiltrat

+++ Umgebung

intakt


[Seite 51↓]

CD16/FcγRIII färbte in einem Präparat vereinzelt dendritische Zellen der Epidermis positiv an, alle weiteren Zellen der Epidermis in diesem Präparat waren negativ. In allen anderen Präparaten waren keine positiven epidermalen Zellen nachzuweisen. Infiltrate reagierten zu 5 bis 75% positiv. Die Dichte der positiven Zellen in den vorwiegend polymorphkernigen Infiltraten war perivaskulär besonders ausgeprägt, bedingt durch die große Anzahl der Zellen, die weiter peripher abnahm. Intakte Neutrophile reagierten immer positiv, d.h. unabhängig von ihrer intravasalen, intramuralen, perivaskulären und peripheren Lokalisation. In den Septen des Fettgewebes gelegene Infiltratzellen konnten in einem Fall gesehen werden und waren positiv. Klastische Partikel stellten sich in den meisten Fällen (mindestens 50 bis 75%) positiv dar. Einige Monozyten und Makrophagen, beziehungsweise ihr phagozytierter Inhalt, färbten sich positiv an. Lymphozyten und alle weiteren Zellen wurden nicht angefärbt. Die meisten positiven Zellen wiesen eine eindeutig an der Zelloberfläche lokalisierte Reaktion auf. Einige dendritische Zellen der Epidermis und eines angeschnittenen Haarfollikels zeigten sich CD32/FcγRII positiv. Neutrophile waren sowohl intravasal, intramural, perivaskulär als auch peripher negativ. In einigen Präparaten wurden vereinzelte mononukleäre Zellen gefäßnah und in einem Präparat intravasal unterschiedlich intensiv angefärbt. Alle weiteren Zellen waren negativ.

Die positive Reaktion der benannten Zellen zeigte im Vergleich zu CD16 eine eher unscharfe Anfärbung der Zelloberflächen (transmembranöser Rezeptor).

Die Befunde der CD16- und CD32-Färbungen sind in Tabelle 6 zusammengefaßt.


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Tab. 6: Immunhistologische Auswertung, der CD16- und CD32-Färbungen

Präparat

CD16

CD32/ neutrophile Granulozyten

Bemerkungen zu CD32

HE1748/91

=825/91

+++

negativ

vereinzelte, große mononukleäre Zellen positiv; eine Langerhanszelle positiv

HE2757/94

=676/94

+++

negativ

vereinzelte Langerhanszellen positiv,

ganz vereinzelt Makrophagen schwach positiv

HE3119/94

=748/94

+++

negativ

relativ viele Langerhanszellen positiv, sonst alle Zellen negativ

HE1533/91

=749/91

+++

negativ

einzelne Langerhanszellen positiv, vereinzelte Zellen der Infiltrate positiv

HE798/95

=173/95

++/+++

negativ

ganz vereinzelt mononukleäre Zellen positiv, alle weiteren Zellen negativ

HE647/95

=129/95

+

oberes Corium

++

mittleres Corium

negativ

 

HE369/91

=239/91und

238/91

++/+++

negativ

viele Langerhanszellen positiv (Epidermis und Haarfollikel), sonstige Zellen negativ

HE2099/94

=523/94

+

negativ

alle Zellen negativ

HE2979/95

=573/95

0/+

Infiltrate

++

Umgebung

negativ

 

4.3 Histochemische TUNEL-Färbung

Die Zellkerne der Epidermis stellten sich in allen Präparaten unterschiedlich zahlreich positiv dar. In einigen Fällen, die keine komplette Anfärbung aller Zellkerne der Epidermis zeigten, wurden die Kerne basalständiger Zellen und Zellkerne des Stratum spinosum und Stratum granulosum angefärbt. Einzelne Zellkerne der Junktionszone waren positiv. In einem Präparat, in dem ein Haarfollikel angeschnitten wurde, reagierten viele Haarfollikelzellkerne positiv. Die Kerne [Seite 53↓]einzelner dermaler Fibrozyten waren ebenfalls positiv. Zellkerne der Schweißdrüsentubuli reagierten zu 75% bis ausnahmslos positiv. Die Zellkerne intakter neutrophiler Granulozyten waren intravasal, intramural, perivaskulär und peripher negativ. Die frei im Gewebe liegenden klastischen Fragmente wurden entweder nicht oder nur schwach positiv angefärbt. Dabei zeigten einige Präparate kaum positive, andere ca. 50% positive und 50% negative freie klastische Fragmente.

Die Zellkerne der mononukleären Entzündungsinfiltrate stellten sich teilweise und unterschiedlich stark positiv dar. Häufig waren die Kerne kleiner Lymphozyten negativ, außer in denjenigen Infiltraten, die kaum noch polymorphkernige Zellen aufwiesen. In diesen wurden teilweise mehr als 75% der kleinen Lymphozyten­Zellkerne angefärbt. Das Chromatin großer Lymphozyten und Monozyten war annähernd immer positiv. Der phagozytierte Inhalt der Makrophagen stellte sich ausschließlich und deutlich positiv dar. Zellkerne der Endothelzellen waren meistens negativ, in einzelnen Fällen schwächer positiv. Die Befunde sind in Tabelle 7 zusammenfassend dargestellt.

Tab. 7: Beurteilung der histochemischen TUNEL-Färbung (Berlin) im Vergleich mit CD68-positiven Makrophagen

Präparat

CD68/

Makrophagen

TUNEL: intakte Neutrophile

TUNEL: Kernstaub in Makrophagen

TUNEL: freie klastische Fragmente

HE1748/91=825/91

+

0

immer positiv

positiv = negativ

HE2757/94=676/94

++

0

immer positiv

negativ

(viel Hämosiderin)

HE3119/94=748/94

++/+++

0

immer positiv

positiv u. negativ

HE1533/91=749/91

+

0

immer positiv

positiv u. negativ jedoch weniger freie vorhanden

HE798/95 =173/95

++

0

immer positiv

negativ

nur wenige freie klastische Partikel vorhanden

HE647/95 =129/95

++

0

immer

positiv

positiv u. negativ

wenige freie

HE369/91 =239/91

++

0 (auch mehrfach segmentierte negativ)

immer positiv

negativ

wenige freie

HE2099/94=523/94

+

0

immer positiv

negativ >positiv

HE2979/95=573/95

+

0

immer positiv

negativ


[Seite 54↓]

4.4  Histopathologie der Histaminquaddeln bei leukozytoklastischer Vaskulitis

Die Epidermis war in allen Fällen unauffällig. Das Geschehen spielte sich hauptsächlich an den postkapillären Venolen des oberen und mittleren Coriums ab. Im Unterschied zu den diagnostisch entnommenen Biopsien von leukozytoklastischer Vaskulitis zeigten einige nur an abgrenzbaren Lokalisationen das typische perivaskuläre Infiltrat mit gelegentlich extremer Erythrozyten-Extravasation. Die Infiltratstärke unterlag einer ziemlich großen Variationsbreite von kaum bis sehr stark vorhanden. Nur in einem Drittel der Fälle überwogen infiltrierende mononukleäre Zellen oder es lag ein zu gleichen Anteilen aus polymorphkernigen und mononukleären Zellen bestehendes Infiltrat vor. Die weiteren zwei Drittel zeigten ein vorwiegend polymorphkerniges und weniger histiozytäres Infiltrat. Ähnlich verhielt es sich in bezug auf die Leukozytoklasie, die in drei Präparaten nur kaum oder schwach ausgeprägt, in den anderen stark bis sehr stark vorhanden war. Die Morphologie der klastischen Fragmentierung entsprach derjenigen bei den spontan entstandenen Läsionen. Insgesamt bestand ein auffälliger Unterschied zu diesen Biopsien darin, dass in den durch Histamin ausgelösten Läsionen deutlich weniger Makrophagen im Infiltrat gesehen werden konnten.

Die postkapillären Venolen zeigten in der HE-Färbung Endothelschwellung, Auflockerung der Gefäßwände, mäßig ausgeprägte perivaskuläre Fibrinablagerungen und zum Teil sehr ausgeprägte Erythrozyten-Extravasate. Arteriolen und Venolen waren nicht involviert.


[Seite 55↓]

4.4.1  Histochemische TUNEL-Färbung der durch Histamin ausgelösten Läsionen

Bei der Beurteilung der Histaminquaddeln wurden die Ergebnisse der histochemischen TUNEL-Färbung an den vaskulitischen Spontanläsionen bestätigt. Kerne basalständiger Zellen und Zellkerne des Stratum spinosum und granulosum der Epidermis stellten sich positiv dar. Abgesehen von vereinzelten hypersegmentierten neutrophilen Granulozyten in einem Präparat (2020/94) waren alle intakten neutrophilen Granulozyten intravasal, intramural, perivaskulär und peripher negativ. Nur in einem Fall reagierten zahlreiche freie leukozytoklastische Fragmente positiv. In allen weiteren Präparaten war die Mehrzahl der freien klastischen Fragmente negativ. Von Makrophagen phagozytierte Partikel stellten sich wieder ausschließlich positiv dar. Mononukleäre Zellen waren teilweise und unterschiedlich stark positiv. Die Zellkerne kleiner Lymphozyten wurden überwiegend nicht angefärbt. In den meisten Fällen waren die Kerne der Endothelzellen ebenfalls negativ. Eine detaillierte Aufstellung der Befunde ist in Tabelle 8 angeführt.


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Tab. 8: Ergebnisse der histochemischen TUNEL-Färbung (Münster)

Präparat

Hista-min vor...& klin­isch

Histo-logisch- es Ergeb­nis

Infiltrat

p & m

Anteil Klasie
am Infiltrat

Neutro­phile Granulo­zyten (NG)

Makro­phagen

Histologie

1257/96

1h

Schub

initiale kLV

+/++

p>m 75:25

+

neg. u. pos.

0

0

Gefäße intakt

649/96

1h

kLV

 

++

p>m 80:20

+++

neg.>pos.

0

weniger intakte NG.

+

Inhalt positiv

Gefäße z.T.

intakt, z.T.

überlagert

durch Infiltrat

2738/95

1h

kLV

++

p>m 90:10

+++

vereinzelt schwach pos.

neg.>pos.

0

0/+

Inhalt positiv

Gefäße überlagert

414/96

1h

Va kLV

++/+++

p>m 80:20

++

neg.

0/+

+

Inhalt positiv

Gefäße erkennbar

1323/95

2h

Beginn kLV

+/++

m=p

bis p>m

+

neg.

0

keine

Gefäße intakt

2020/94

vereinzelte hyperseg­mentierte positiv

3h

kLV initial

+/++

m>p 60:40

+/++

neg. bis schwächer positiv

0/+

0/+

Inhalt positiv

Gefäße

teilweise

überlagert, z.T. viele

Lympho­zyten

2737/96

4,5h

kLV

++/+++

p>m 90:10

+++

eher neg.

vereinzelt

pos.

0

+

Inhalt positiv

Gefäße

überlagert;

einige positive Monozyten

127/95

8h

initiale kLV

+/++

m>p

+

pos.>neg.

keine intakten

0/+

Inhalt positiv

Gefäße eher intakt

1322/95

12h

Va beg kLV

++

m>p 70:30

+/++

pos.=neg.

0

0/+

Inhalt positiv

Gefäße erkennbar

2021/94

frische HV

kLV

+/++

(*+)

p>m 80:20

++

neg.>pos.

(schwach)

0

0/+

Inhalt positiv

Gefäße eher kaputt, wenige intakt

126/95

frische HV

kLV

+++

p>m 80:20

++/+++

neg.>pos.

0

0/+

Inhalt positiv

Gefäße z.T. noch er-kennbar, von Infiltrat überlagert

1321/95

/

kLV

 

+++

p>m 80:20

++/+++

neg.

wenig pos.

0

+/++

Inhalt pos.

Gefäße überlagert


[Seite 57↓]

Abb. 5: Frühes Stadium einer kLV mit zahlreichen desintegrierenden Neutrophilen in perivaskulärer Position. (HE, x 200)

Abb. 6 Späteres Stadium einer kLV mit vorwiegend mononukleärem Infiltrat. (HE, x 200)


[Seite 58↓]

Abb. 7: Intakter neutrophiler Granulozyt, der an einer Endothelzelle anhaftet. (EM, x 11.600)

Abb. 8: Im Gewebe liegender neutrophiler Granulozyt mit Schrumpfung des Zelkerns und des Zytoplasmas (EM, x 9.700)


[Seite 59↓]

Abb. 9: Neutrophiler Granulozyt mit Vakuolisierung des peripheren Zytoplasmas, das als 'blebbing' bezeichnet wird. (EM, x 13.000)

Abb. 10: Nekrotischer Neutrophiler mit lytischen Veränderungen und apoptotischer Neutrophiler mit Kondensation von Zellkern und Zytoplasma. (EM, x 5.600)


[Seite 60↓]

Abb. 11: Makrophage mit Phagolysosomen, die apopto tischen Fragmenten von Granulozyten ent sprechen. (EM, x 5.600)

Abb. 12: Apoptotisches Fragment eines Granulozyten (EM, x15.800)


[Seite 61↓]

Abb. 13: Entzündliche Infiltrate mit einzelnen CD95 positiven mononukleären und granulozytären Zellen. Die Interzellularräume der basalen und suprabasalen Epidermis sind ebenfalls positiv angefärbt. (x 400)

Abb. 14: Entzündliches Infiltrat mit einigen CD95L positiven mononukleären Zellen. (x 400)


[Seite 62↓]

Abb. 15: bcl-2-positive mononukleäre Entzündungs­zellen. Mehrere dendritische Zellen der Epi dermis sind ebenfalls positiv. (x 400)

Abb. 16: Die Expression von bax ist auf einzelne dendritische Zellen der Epidermis beschränkt. (x 400)


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Abb. 17: Einzelne p53-positive mononukleäre Zellen. Die Kerne der basalen Keratinozyten sind häufig positiv. (x 400)

Abb. 18: p21-Färbung ohne positiven Nachweis. (x 400)


[Seite 64↓]

Abb. 19: PCNA-positive Zellen sind lediglich in der basalen Epidermis nachweisbar. (x 400)


[Seite 65↓]

Abb. 20: Intaktes Blutgefäß in der Färbung mit vWF/Faktor 8. (x 400)

Abb. 21: Weitgehend zerstörte Blutgefäße in der Färbung mit vWF/Faktor 8. (x 400)


[Seite 66↓]

Abb. 22: Überwiegend granulozytäres Entzündungs­infiltrat mit einigen CD68- zyten. (x 400)positiven Monozyten

Abb. 23: Überwiegend mononukleäres Entzündungs­infiltrat mit zahlreichen CD68-positiven


[Seite 67↓]

Abb. 24: Intakte und desintegrierende neutrophile Granulozyten mit Expression von CD16/ FcγRIII. (x 400)

Abb. 25: Granulozytäre Infiltate ohne Expression von CD32/FcγRII. (x 400)


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Abb. 26: TUNEL-Färbung einer Histamin-induzierten kLV mit Aggregaten von positiven granulozytären Fragmenten, die ebenfalls auf das Zytoplasma der Makrophagen beschränkt sind. (x 400)

Abb. 27: TUNEL-Färbung einer Histamin-induzierten kLV mit Aggregaten von positiven granulozytären Fragmenten, die ebenfalls auf das Zytoplasma der Makrophagen beschränkt sind. (x 400)


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13.10.2004