6 ZUSAMMENFASSUNG

Bis heute sind verschiedene Modi des Absterbens von Zellen beschrieben worden. Eine grobe Unterscheidung, die in diesem Zusammenhang häufig aufgeführt wird, ist diejenige zwischen programmiertem und akzidentellem Zelltod oder anders ausgedrückt, zwischen Apoptose und Nekrose.

In der vorliegenden Arbeit wurde das vaskuläre und perivaskuläre entzündliche Infiltrat in histologischen Hautschnitten von Patienten mit kutaner leukozytoklastischer Vaskulitis (kLV) untersucht. Es wurden sowohl spontane klinische Läsionen als auch durch Histamin-induzierte Läsionen bei Patienten mit kLV untersucht. Dabei galt das besondere Interesse dem leukozytoklastischen Zellzerfall, genauer gesagt, der Desintegration der neutrophilen Granulozyten.

Schon mehrfach wurde beschrieben, dass neutrophile Granulozyten in vitro gealtert [Seite 82↓]in Apoptose gehen. Zusätzlich wurde sowohl in vitro als auch in vivo gezeigt, dass Zytokine in der Lage sind, das Todesprogramm dieser Zellen auf spätere Zeitpunkte aufzuschieben. Dieser Aufschub, der in einigen Entzündungen gesehen werden kann, ist eine logische Konsequenz in Anbetracht dessen, dass diese Zellen noch eine Aufgabe im Entzündungsgebiet zu leisten haben.

Aufgrund der Morphologie der Leukozytoklasie wurde von der Hypothese ausgegangen, dass es sich bei dieser Form der Zelldesintegration um Apoptose handelt. Um diese Hypothese zu beweisen, wurde einerseits die Ultrastruktur elektronenmikroskopisch beurteilt, andrerseits wurden die histochemische TUNEL­Methode und die immunhistochemische APAAP-Methode eingesetzt. Mit Hilfe der APAAP-Methode wurde versucht, die in den Prozess des programmierten Zelltodes involvierten Rezeptoren CD95 und CD95L, Proteine p53 und p21, bcl-2 und bax und weitere Rezeptoren, wie CD32/FcγRII und CD16/FcγRIII , deren Expression sich während der Apoptose ändert, nachzuweisen.

Lichtmikroskopisch zeigte sich ein geordneter Zellzerfall der neutrophilen Granulozyten. Dabei kam es je nach Lokalisation (intravasal, intramural, perivaskulär) und Stadium des Entzündungsprozesses zunehmend zur Desintegration der Neutrophilen. Elektronenmikroskopisch bestätigten sich die lichtmikroskopischen Beobachtungen. Zusätzlich wurden ultrastrukturell die typischen morphologischen Veränderungen der Apoptose gesehen. Es zeigte sich eine Kondensation des Chromatins und Zytoplasmas mit zunehmender Separation der Zellkerne und des Zytoplasmas. Anschließend kam es zur Bildung von Kernfragmenten mit intakten äußeren Membranen und Zellorganellen. Hinsichtlich des Nachweises der charakteristischen pro-apoptotischen Rezeptoren CD95 und CD95L konnten diese hingegen nur in geringem Ausmaß und das pro-apoptotische Protein bax gar nicht nachgewiesen werden. Letzteres spricht dafür, dass bax, wie schon in einigen anderen Entzündungen beobachtet wurde, auch in Neutrophilen in kLV herunterreguliert wird. Die Proteine p21 und p53 reagierten ebenfalls nicht positiv, so dass davon auszugehen ist, dass sie nicht an der Regulation des Prozesses beteiligt sind. Außerdem wurden mit der TUNEL-Methode vorwiegend nur schon phagozytierte Fragmente angefärbt. Der für die Apoptose von neutrophilen Granulozyten typische CD16/FcγRIII-Rezeptor-Verlust konnte auch nicht aufgezeigt werden. Im Gegenteil, die neutrophilen Granulozyten exprimierten diese Rezeptoren bis in späte Stadien des Zellzerfalls. Zusätzlich waren die üblicherweise von [Seite 83↓]neutrophilen Granulozyten exprimierten CD32/FcγRII-Rezeptoren kaum nachweisbar, woraus zu schließen ist, dass sie entweder besetzt, abgeworfen und/oder internalisiert wurden. Desweiteren zeigten einige Präparate eine deutliche CD68-Expression, was für das Vorliegen zahlreicher Makrophagen spricht. Aufgrund dieser Beobachtungen handelt es sich somit um eine Form des programmierten Zelltodes mit verzögerter DNA-Fragmentierung. Die Bindung von Immunkomplexen an CD32/FcγRII-Rezeptoren spielt dabei möglicherweise eine maßgebliche Rolle in der Aktivierung und darauf folgender Auslösung des synchronisierten Zelltodes der Neutrophilen in kLV. Bei der Erkennung der Neutrophilen durch Makrophagen scheinen CD16/FcγRIII-Rezeptoren eine Rolle zu spielen.

Die Erkenntnisse, die in dieser Arbeit gewonnen wurden, machen deutlich, dass feine Unterschiede in der Auslösung der Apoptose nicht nur in verschiedenen Zellen, sondern auch in denselben Zellen unter anderen Bedingungen bestehen. Eine vollständige Aufklärung der auslösenen Faktoren kann in der Zukunft die Möglichkeit eröffnen, therapeutisch selektiv und spezifisch ungewollte Zellen in chronsich entzündlichen und anderen Erkrankungen zu eliminieren.


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13.10.2004