Lailach, Michael: „Der Gelehrten Symbola“ - Studien zu den >Emblematum Tyrocinia< von Mathias Holtzwart (Straßburg 1581)


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A.1 Anhang I

Kurtzer und Woldienlicher Vorbericht / von Ursprung / Namen und Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken.

I. Fischart G. Mentzer. D.

Demnach vermutlich / daß auch bei vilen verständigen dises Büchlins frembder / und noch zur zeit bei den Teutschen ungewohnter Titul oder Uberschrifft / etwas befremdens und nachgedenckens wird gebären / hat mich demselbigen vor oder viel mehr zu Steur zukommen / darvon meinen verursächlichen und Gutduncklichen grund neben bericht von ursprung und gebrauch der Emblematen / vorher gehn zulassen / für wolnötig angesehen.

Bedunckt mich derwegen zuforderst / daß auß betrachtung / weil der Nam Emblema ankönfftiglich von den Griechen nit gäntzlich vorhabender Materi / nämlich den Poetischen Geheymnußlehrigen Gemälen eygengehörig zugegeben / sonder von andern Arbeytsinnigen Künsten entlehnet / und auff gedachte Lehrgemäl verwendet und gezogen worden: Wir aber bei jetziger zeit eben dise Künst / von denen sie es gleichnußweiß geschöpfft und geholet / gleichfalls inn täglichem üblichem geprauch haben: uns auch nunzumal dergleichen Freiheyt von unseren heut wäsenlichen Künsten / wörter und Namen auff zunemmen / und vorgefallenen Sachen zuzueygenen gezimme.

Daß aber dergleichen sinnreiche künst / wie sie bei den Griechen gewesen / auch bei uns gangbar vorhanden / ist leichtlich zuerweisen. Dann gleich wie etwan bei der Ionischen / Toscanischen / Corinthischen und Römischen Blüzeit / die Gebäu durch merckliche der Kunstfündigen Baumeyster Emsigkeyt / wercklich geziret und herfür gespigelt worden / mit allerley Kunstartlichem Blumwerck / Schmuckbögen / Ehrenporten / Capitälen / Holkälen / Kräntzen / erhabenem Laub / gezogenen Reben / umbgeflochtenem Hebhäu / auffgehenckten Früchten und eingemengten Halbwercken : Welche samptlich beyd eingehauene / auch an und zugesetzte Kunstzirden und Kronseulchen / sie Emblemata, das ist / Ein oder angeworffen arbeyt / und Eingeblümete Kunststücklin nannten.

Also heutigs Tags viel mehr / da alle Künst nicht alleyn den Alten abgelehrnet / sonder noch vil zuerrahten auffgegeben: Ja wol gar die Schullehr zugemutet würd: ist nit alleyn gedachte Baukunst / sammt aller benannter zirlicher und artlicher zugehör inn blühigem wäsen: Wie solchs beinahe inn allen Stätten scheinbarlich darthun und erweisen mögen / allerhand gemeyne und besondere Gebäu / welche zu dem / daß sie gemachlich und bekömlich angestellt / auch von erhauenen / versetzten und gewelbten Vorbauen / Erckern / Bildwercken und Gemälen auff und zugerichtet stehn vorhanden: sonder man erfärt täglich / welcher masen es auch andere Kunstsinnige Handwerck inn dergleichen zirlichem zusatz der Baumeysterei nicht so sehr nach / als zu und vorthun.

Dan daß ich der Bildhauer geschweige / dieweil sie doch heut mit den Zimmerleuten und Steynmetzen als für vereynet geschätzet werden / so besehe man die Goltschmid / mit jrer gestochenen / eretzten /


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erhabenen und getribenen Arbeyt / wie sie die also hoch pringen / daß schwärlich inn Metall bessers könnt zuwegen gebracht werden. Und warlich / der Divinus oder Himlisch Alcimedon jetziger zeit mit seinem verschreyten Monatbecher bei dem Vergilio weit dahinden stehn müßte.

Deßgleichen welche härte der Steyn / ja Eisens und Stahels / kan die Embsige Mühsame und unermüdete Künstliche Hand des Sigelgrabers und Gesteynschneiders außstehn? daß sie nicht als Adamantisch Bocksblut / sie auff alle weiß jres gefallens ergraben / erheben / erbeytzen / erweychen / erwelcken / außhölen / und wie eyn Leymen / Wachs und Teyg zu allem Lust inn Geheymnußreiche Bildnussen vergstalten / änderen / transformieren und Metamorphisiren? und also hiemit es dem Kriegserfahrenesten Hörführer Hannibal zuthun / der das AlpenGebürg mit Essig wußt zuersprengen / zutheylen und zuzerspillen.

Und daß noch mehr ist / wer het je gemeynt / daß man von allerhand farb Wollen / Gespunst / Nähetsfaden und Seiden / sollt eyn solch Getüch / Plag / Teck / Sergen / Wandthuch / Umbhang / Lacken oder Täppich / sticken / stricken / nähen / wircken / weben / das Lebhaffter anbildung halben schier den Maler mit seiner Steynfarben kunst möcht schänden? Wa nicht den augenschein heut an der Fürsten und Herren Höff eynem gleichsam den Glauben inn die Händ gebe?

Folgends was wunderliches und Sinnvergriffliches unterstehn sich nit die Musirer / an die Wänd / mauren / Gebün / Säulen / und auff die Paviment / Esterich / Gepfläster / Wehr und Wafen zutreiben / zumalen / oder zuvisiren?

Desgleichen inn was Form und lebhaffte Farben haben nicht neulicher zeit die Niderländische Zigelbrenner und Töpfer inn Franckreich jren Leymen getriben und gebrennt: Welchs fürwar nicht weniger wunderlich zuschauen / wie Emblematisch und verblümet sie die Rörbronnen / Bächlein und Wässerlin / mit Lebhafften Fischlein / Schnecken / Muscheln / Wasserthierlein / und sonst Zierwerck / auß und innwendig pflegen herfür zuspigelen: Als der Schreiner zu Augspurg und anderswa eingelegte Arbeyt / Durch und Einzug inn allerhand farbholtz / darmit sie das Getäfer / Gesims / Verschrot / Tafelen / Leysten / Laden und anders / als wer es gemalet / pflegen einzufassen und zuzieren.

Solcher aller benannter Künst fleiß aber auff Nebenschmuck der Sachen gewendet / wann er fürnämlich von Kunst gegründetem Fund und Deitnuß besteht / haben die Griechen Emblemata, Kleynotgehänck und Einblümungen genant: auch offt mehr auff denselben außwendigen Zusatz / als den Principal innhalt achtung geben: Dieweil er gemeynlich viel herrlicher / als das Stuck / darumb es gemacht worden / vonwegen einhaltender Geheymnuß / gewesen: Wie dann diß noch täglich an der Maler Rollwercken und Compartamenten bescheinlich / daß sie offt weitläuffiger / nachsinnlicher und verstandreicher / als die einstehend Sach selber sich erweisen: Gleich wie offt eyn Indianisch Edelgesteyn / Kleynot / Geschmeid / oder wichtiger Schaupfenning an eyner guldenen Schnur oder Ketten angehenckt / an werd / schöne / und achtung selbs die Kett und Schnur weit ubertriffet.

Dieweil aber solche Schmucksachen das mehrertheyl / wie gedacht / schöne lehrhaffte / Tieffgesuchte / Nutzliche und ergötzliche Meynungen und Manungen zu unterricht der Leut fürstallten / ist nachmals solcher Nam den Sinnreichen Erfindungen / Poetischen Dichtungen / Gemälmysterien und verdeckten


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Lehrgemälen / dergleichen inn disem Büchlein etliche vorhanden / angewachssen. Darumb haben auch wir nunzumal inn unserer Sprach / gleich so wol als die Griechen / uns diser Freiheyt angenommen / und von obberürten Künsten auff fürgeschlagene Materi sondere Wörter und Namen verwendet: Gäntzlich dafür haltend / wa man vorgesetztes alles gründlich erwiget / daß man sich nicht mehr der Frembde zuverwunderen / sondern der Deitlichkeyt und Reichlichkeyt unserer Sprach wird zubefräuen haben.

Forters der Emblematen urspung belangend / sind darvon zwar mancherley meynung: Gleichwol meins bedunckens / kan man keynen gewisseren / als die obbestimpte Baukünstlichkeyt setzen. Und ist aber nicht desto weniger dises auch darbei zuwissen / daß solche Deutungsgemähl oder Gemäldeutnussen bei den Alten / wie auß den Poeten zu vernemmen / sehr achtsam und gebräuchlich gewesen. Dannenher nachgehends anleytlich die Schiltzeichen oder Waffengemerck (so man Wapen nennet) sind verweilig auffkommen.

Dann nieman unsere liebe Redliche Vorfaren / die der Reden und Worten gewarsam und sparsam / aber der Wehr sehr gefarsam waren / für so unachtsam und liederlich verdencken soll / als die jhnen und jren Nachkommenen solche tägliche vor augen schwebende Ehr und Wehrgemerck vergeblich und ungefähr solten angemaßt und zugeeynet haben: sondern vil mehr zur auffmanung und anreytzung / jrer ererbter und vorgebaneter Tugend nachzubanen.

Jedoch ist nicht ohn / daß der Gelehrten etliche sind / die im gegentheyl stattlich erweisen / daß die Emblematische Blumwerck und Zierarbeyten / von erstgedachten Wapen oder Feldzeychen entstanden seien: Inn betrachtung / daß bald die erst Welt nach der Sündflut ist Kriegerisch worden. Gleich wie die Junge Stierlin jhre herfür ragende Hörnlin gleich am nächsten Baum / oder unter jnen selbs pflegen zuüben. Auch König Nimrot des Chams Enickel / sampt seinem Anhang / alsbald die Mächtigsten unter den ersten Weltzwingern und Menschen Jägern sind gewesen: Und derhalben gleich den allerersten und fürnemsten Schmuck auff Wehr / Wafen und Rüstung gewendet haben sollen: Wie dann solche Nimrotische Kriegerische art / desselben jr ungerahtener Anherr Cham / so vor der Sündflut seines Vettern Tubals erfundene Eisenrüstung gesehen / leichtlich hat können unterweisen.

Was aber eygentlich solcher Schmuck oder Bildnuß bei den ersten Enickeln / Nefen und Nachkommenen des Noe sei gewesen / das erweisen die Commentatores uber den ältesten Historicum Berosum. Nämlich / daß sie zur Gedächtnuß der Weltflut / vor welcher sie inn eym Schiff / oder wie sie es nach jrem Anherren Noah / und von jhrem Wallen auff den Wassern hernannten / inn eym Nachen / oder inn eyner Walleen erhalten worden / das forter theyl eynes Schiffes / oder eyner Gallee auff und inn jren Wafen / Gewehren / Fahnen / Festzirden / Segelen / Gebäuen / geführt und vorgebildet haben: Deßgleichen auß ebenmässiger ursach allerley Mörfisch: auch Oelzweig vonwegen der auß der Arch geschickten Tauben / die solches für eyn Zeychen der Gesunckenen Wasser brachte: und andere dergleichen vom Sündflut her erinnerliche sachen mehr.

Gleicher massen haben andere Völcker andere Gedenckzeychen angenommen / sich jrer Vorfaren Glück und Fall dardurch zuerinneren: Als die Phrygier eyn Schwein / die Francken trei Krotten /


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beyde Nationen durch dise zwey Irdische oder Erdgelebende Thier jnen zu gemüt zufüren / wie die Erd nach gestellter Weltflut jr eynige Zuflucht und Auffenthalt gewesen / auch jnen dieselbige zubauen auffgesetzt seie. Dargegen haben die Persier die Sonn gebrauchet / die Athener die Eul / die Egyptier eyn Hund: Ja schier eyn jedes Land hat eyn besonder Gemärck angenommen: Wie dann der ältest Poet Homerus / als er die Griechische Nationen / so vor Troj angeländet / erzehlet / eynes jeden Volcks / ja schier eynes jeden Oebersten besonder Schiltmal und Helmkamm beschreibet. Deßgleichen Vergilius / da er der Völcker / so dem Turno wider die Troier zuzogen / Kriegsrüstung gedencket. Der Fürst Amphiaraus führet im Thebischen Krieg (wie Pindarus schreibet) eynen Trachen im Schilt / Capaneus den vilköpffigen Lindwurm Hydram, und solches beyde zur gedächtnuß des uberwundenen Wurms vom Cadmo jhrem Vorfaren. Polynices braucht das warsagend Mörwunder Sphinx / von seines Vatters Königs Oedipi fall her: Cyrus eynen Hanen: Julius zur gedächtnuß seines Vettern Marij eyn Adler: Augustus eyn Steynbock / Pompeius eyn Löen miteym Schwert. Und andere Völcker und Herren andere vil mehr / so hie zu weitläuffig weren zuerzehlen.

Aber keyne Nation ist fleissiger inn dergleichen Kriegszeychen als die Teutschen gewesen / wie der Comisch Bischoff Jovius solches selbs im Dialogo dell‘Imprese, nicht alleyn deitlich auß den Römischen Historicis beweiset mit den Teutschen Cimbris, die allerley jrer Landsart Thier inn Schilten / Wapenröcken / Harnischen und auff den Helmen geführet: sondern erweisets auch auß der Fränckischen Pfaltzmeyer / und der Ritter von der Tafelronde Wapen: Dann er des Königs Artus Hof oder Messenei (wie mans pflegte zunennen) nicht gäntzlich für Fabeltand will gehalten haben / als es inn der wahrheyt auch nicht ist. Innmassen solchs mit der weil im Buch vom Wapenrecht steht zubewären und zuerklären / zum theyl auß der Tafelrondischen Ritter Wapen: Zum theyl auß des Gestrengen Herren Johannis Frisei defension der Engelländischen und Arturischen Histori wider Polydorum Vergilium.

Darumb auch nach dem dergleichen Gemärck zu unordenlich / und on eynige gratiam oder annämlichkeyt außschweyffen und der recht gebrauch abkommen wollen / ist der Rotbärtig Keyser Friderich verursacht worden / solche bei dem Adel inn eyn Ordnung wider zurichtigen / die alte wolerfundene zubestättigen die ungegründete zubesseren / denen so vor der zeit nur der eynig gezeychnet Schilt für eyn beständig Adelszeychen dienete / aber das Geregier oder das Kleynot auff den Helmen jhres gefallens stäts zuänderen gewohnt warn / eynen Erblichen und stätpleiblichen Helmschmuck zuverleihen / die Farben scheinlich einzutheylen / Herold / die im Turnieren darob hielten / zuverschaffen / und also eyn geschlecht von dem andern zuunterscheyden. Welchs herrlich und nutzlich werck nachgehends andern Nationen also wol gefallen / daß sie es den Teutschen bald allenthalben nachgethan.

Dan wie Jovius an obgedachten ort von seinen Italianern selbst meldet / haben sie es erst zu den zeiten Karls des VIII. und Ludwig des XII. Königen in Franckreich / als sie mit KriegsMacht gantz Welschland durchsuchten / den Frantzösischen herren / so es stäts von den Francken her inn übung erhalten gehabt / abgesehen und nachgefolget. Heutigs Tags aber sein solche Wapen so gemeyn


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worden / daß sich deren schier entweder jeder Hellerrichtiger annimmet / oder jeder Höfling der alten eynfaltigen wolgegründten sich beschämet / und nach Engelländischen Mißbrauch mit vil Quartiren und Helmen verwirret.

Hierumb dann etliche hocherleuchte personen verursacht worden / neben jren Anherrlichen Erbzeychen / nach Exempel der alten Römischen Keyser besondere vergriffene Kunstgemärck und Fundzeychen / sampt darzu dienlichen kurtzen Sprüchen / Reimen / Devisen und buchstaben / so die Deitung begreiffen und einhalten / zu erfinden: und dieselbige jnen selbs / oder andern zugleich neben jnen zu fruchtbarlicher Erinnerung offentlich fürzumalen. Auß welcher meynung dann auch der Ritter Ordenszeychen / welche der Arturischen Tafelrundischen Gesellschaft nachgeömet worden / seind entstanden / als der Burgundischen Feursteyn sampt seim Zundeleisen / die Keutzgeschrenkte Sparren / das Gulden Vellus, Jasons oder Gedeons Widerfell. Desgleichen der Englischen Ordens Fürsten Hosenband oder Iarette und Gürttel.

Welche Gemärck samptlich des grössere Genad gewinnen / wo man jre wunderliche selsam zufällige ursprung vernimmet: welchs doch hie zuerzelen zu lang wer.

Bei dise gehören auch andere geschlecht solche erinnerlichen zeychen / die Fürbildung etlicher Fürsten mit den Todenkopff: Auch des Freiherren That / der eyn stuck von eym Mülsteyn eingefaßt / an der Gulden Kett pflegt zutragen / auff daß er sich von eynem Müller herkommen sein / erinnerte.

Und daselb vil eyner anderer gestallt / dann wie jener Fantast / so eyn stücklin von Eulenspiegels Grabsteyn zum Gespött inn eym Ring versetzt trug / dadurch seinen Fantastenkopff zuerkennen zugeben: Oder wie jener Jungherr / der andern Jungherrn jre Ring mit Gesteynen zuverweisen / gleichfalls eyn Stücklein von seim Mülsteyn / der jm mehr / dann aller der andern Edelgesteyn nutz getragen / inn eym Ring versetzt truge.

Gleichfalls gehörn hieher des Königs inn Sicilien Jrdine Gefäß / darauß er zu essen und zutrincken pflag / auff daß er von eym Hafner herkommen sein nicht vergässe. Auch des Bischofs von Tours Bettler Röcklin / welchs er uber seinen Tisch gehenckt / zuerkennen / daß er etwan inn solchem Schulerhabit die Partecken gesammelt hette. Item des ersten Königs Primmißlai inn Behmen zwen Schuch von Past / die er inn der Burg Fischerat ht auffgehenckt / darmit seine Nachkommene zuerinnern / wer unter den Behmen erstlich das Reich empfangen hab: Nämlich eyn Ackerman / den man / als jn der Königin Liebhusa Gesanten suchten / gefunden hat auf eym Eisenen Tisch essen / welcher eyne umbgestörtzte Pflugschar war. Item der alt brauch der Dombherrn zu erinnerung seines Säuischen lebens / damit er buß thu und sich bekehre / eynen Säukopff pflegt fürzuhalten. Innmassen diß Goropius Becanus inn seinen Hermathenis im 8. Buch meldt.

Deßgleichen des Alten Bischoffs von Mentz Exempel / der sich seiner geringen ankonfft von eym Karcher oder Wagner zuerinneren / jme allzeit eyn Rad für sein Wapen vormalen liesse. Welches auch noch biß auff heutige zeit die Churfürsten von Mentz für jres Ertzbistumbs Wapen löblich füren. Auch begunten solches nit alleyn die Fürsten und Herren auffzubringen und zuüben / sonder es thaten sich auch die Gelehrten / von denen sie es empfangen hatten / herfür / und zeygeten mit etlichen Büchern


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den rechten weg / wie die ware Emblemata nach rechter Art weren zustellen: als dann diß des Alciati, Sambuci, Iovij, Paradini, Ioannis Pierij, Goropij, Guilhelmi Perrerij : Costalij, Bartholomaei Anuli, Achillis Bochij, Caelij Calcagnini, Heroldi, Cittolini, Simeonis, Hadriani Iunij Bücher außweisen.

Nachfolgends aber haben es auch die Buchtrucker / als die mit den Gelehrten billich beihalten / jnen gar beeygnet / und mit manchem verstandreichem Signet / vil besser dan oft dise Notarii pflegen / die zahl gemehret. Welche so eyner in eyn Buchlin zusammen trüge / sampt der Gelehrten Symbolis, thet er keyn ungeschickt werck. Innsonderheyt / so er eyn Wal und Delectum darunter hielte: Seiteynmal solche am nächsten sich unsern Emblematis vergleichen.

Ja es ist auch heut diß Kunstsinnlich Werck / gar inn der Fürsten Höff (wie etwan auch die Wapen) gerahten. Dan welches das beste nun bei den Ritterspilen ist / so pflegt man heut inn Turnieren mit eyner herrlichen Gab den jenigen / so mit der artlichsten Invention auff dem Plan erscheinet / zuverehren / damit man auff dise weiß / zugleich das Gemüt mit Sinnreicher Erfindung / und den Leib mit geschickter Geschwindigkeyt erübe. Allso lauffet alles mit der weil / wie auch die zeit und das Gestirn / widerumb zu seinem ersten anfang: Und muß Achilles jetzund seinen alten gewohnlichen Schilt ablegen / und den von Junone jhm geschenckten Künstlichen Schilt annemmen.

Auff daß dann auch wir widerumb zu unserm anfang kommen / und der Schlangenkopff seinen Schwantz erhasche / so wöllen wirs bei vorgehendem erwisenem Ursprung der Emblematen / und beydes der alten und neulichern Welt angezeygtem Gebrauch / hiemit verpleiben lassen: Wiewol wir noch zwey Stuck / nämlich / von unterscheyd der Emblematen / und was inn rechten Emblematen erfordert were / zuhandlen vorhatten. Aber dieweil es uns one das nur zu weitläffig außgelossen / wöllen wie uns dieselbige zukönfftiglich inn dem allbereyt angefangenen besondern Werck vom Teutschen Wapenrecht / zu tractiren vorbehalten. Gott wölle alles Menschlich vorhaben zu seines Namens Ehrn gnädig fördern und richten.

IOVE FOVENTE GIGNITUR

MINERVA.


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A.2 Anhang II

Das mit Leerseiten durchschossene Exemplar der >Emblematum Tyrocinia<, das Jakob Welser in den Jahren 1584 bis 1591 als sein Stammbuch benutzte, befindet sich heute in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg (Signatur: 8 0 Cod.Aug. 117). Im folgenden werden die Einträge nach ihrer Ordnung im Buch mit der Angabe, so weit dies möglich ist, des Datums und des Orts aufgelistet:

(?) 1587

Ligierte Initialen, Wappen, lateinische Sentenz (Deum time, Regem honora)

(?) 1587

Initiale, Wappen, deutsche Sentenz (Alles Nach Gottes Willen)

(?) 1591

Eliesabeth Fugger, Wappen, Initialen (HRMDDHG)

(?) 1584

Friderich Welser, Wappen, Initialen (RMHNDW)

Paris 1584

Gotfr. de Aschauss, Wappen, französische Sentenz (Pur et sincere)

Paris 1584

Jobst de Rud, Wappen, französische Sentenz (Vertu surmonte fortun)

Paris 1584

Georg Neussteter, Wappen

Paris 1584

Christ: de Stain Eq:, Wappen, lateinische Sentenz (In Deo mea consolatio)

Paris 1584(15. Februar)

Br. Gried Nob Franc, Wappen, lateinische Sentenz (Omnia si perdoes fama servare memento e qua semel amisa postea nuellus)

Paris 1584 (18. Februar)

Mexand. de Farszdorff mpp, Wappen, lateinische Sentenz (Tendit ad ardua virtus)

Paris 1584

G. de Stauffenbe-, Wappen, französische Sentenz (Vertu me mennera)

Paris 1584 (7. Juli)

Seb. Rotenhan, Wappen, französische Sentenz (Dieu est mon appuy)

Paris 1584

Don. Marsch a Ebner, Wappen, italienische Sentenz (Lanticho valor non e anchor morto)

Paris 1584

Unleserlicher Name, Wappen, deutsche Sentenz (Laß Gott walten)

Paris 1584

D. v. Gried, Wappen, französische Sentenz (Je veux toujours la vertu suivre)


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Paris 1584

Jean de Würtzburg, Wappen, französische Sentenz (Plus penser que dire)

London 1585

Johannes Stibara Ungar, Wappen, lateinische Sentenz (Spernit pericula Virtus), lateinische Widmung

London 1585 (18. März)

Lucas Loewe I:U:D, Wappen, Initialen (HGIAN), lateinische Sentenz (Virtus Vincit omnia)

London 1585 (7. Juli)

Eberhardus Schenckin, Wappen, italienische Sentenz (Diverso temperore diversa fare)

London 1585 (7. September)

Paulus Sigism Ruhlandus, Wappen, lateinische Sentenz (Qoud natura negat reddere nemo potest)

London 1585

Wol. Friedrich Trütberg, Wappen, Initialen (ANDW), deutsche Widmung

London 1585 (14. August)

Bernd Goelter, Fecht Meister zu Oxford, Wappen, deutsche Sentenz (Wils Gott - Niemandt Wendts), deutsche Widmung

Oxford 1586 (6. Oktober)

Goth. Beale Acad. Rect. et S.T.L., Wappen, lateinische Sentenz (Omnia dat Dominus, non habet ergo minus), lateinische Widmung

Oxford 1586 (7. August)

Ed. Littleton I:U:D, Wappen, lateinische Sentenz (In auxilio Leo : in consilio Vulpes), lateinische Widmung

Oxford 1586 (8. August)

Valent Husinen Acad. Decan et P.D., Wappen, lateinische Sentenz (Fors et virtus miscentur in unum), lateinische Widmung

Oxford 1586 (5. September)

Inigo Foxu Med. D., lateinische Sentenz (Non est mortale quod opto), lateinische Widmung

Oxford 1586 (6. August)

Nicolaus Grabner Iur. Licent, Wappen, lateinische Sentenz (Virtute parta durari), lateinische Widmung

Oxford 1586 (4. August)

Daniel Anteman I.U.T., Wappen, lateinische Sentenz (Difficilis Via Virtutis), lateinische Widmung

Überfahrt von England zum Festland


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1587 (14. Juni)

 

Wappen, lat. Sentenz (Insperata accident magis saepe quam quae speres), lat. Widmung (Haec suo amicissimo et optimo Dno Iacobe Welser in perpetum Amicitiae monumentum scripsit)

1587 (15. Juni)

Julian Gänseschlüßel, Schiffkapitain von Triest, Wappen, deutsches Gedicht (Seid wir aus vom Canal gekommen / So wir das weite Meer gewonnen), deutsche Widmung

1587

Hans Blumman, Ober bootsman auf dem Schiff Victori von Triest, Wappen, deutsche Widmung

1587 (18. Juni)

Georg Urachman, Wappen, deutsche Sentenz (Es gehet fort / Gott helf zum port), deutsche Widmung

Eingeklebtes Wappen mit Schriftkartusche (Si Deus pro nobis, quis contra nos); Monogramm HV

Wbrjka 1587 (1. Oktober)

Sophia Radziwilowna, lateinische Sentenz (Spes mea Christus)

(?) 1589

Weibrecht Grave zu Ottning, deutsche Sentenz (Kum Glück. Erfreu Hoffnung)

(?)

Fridericus v. Hangenstein, Zeichnung, lateinische Sentenz (Studio, Preci, Labore et patientia ex Monade trias et iterum ex traide Monas), deutsche Widmung

Eingeklebtes Wappen

Eingeklebtes Wappen

(?) 1588

Perholdus a Lippa, lateinische Sentenz (Melius est iniuriam ferre quam inferre)

(?) 1586

Wilhelm Schlißelfeld, Wappen mit Schriftband, deutsche Widmung

(?) 1586

Unleserlicher Name, lateinische Sentenz, deutsche Widmung


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A.3 Anhang III

Es werden die Exemplare der >Emblematum Tyrocinia< angeführt, die in amerikanischen und europäischen Bibliotheken (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz) nachweisbar sind - Exemplare in Privatbesitz sind mir nicht bekannt geworden. In Klammern sind im folgenden jeweils die Signaturen angegeben; danach sind - falls vorhanden - die Namen von Lesern, Autographen und sonstige Lektüre-Spuren aufgelistet:

Augsburg, Staats- und Stadtbibliothek (8 0 Cod. Aug 117) - Die Seiten der Embleme 15, 20, 23, 28, 30, 33, 36, 50, 61 und 68 sind ausgeschnitten. Das Exemplar wurde als Stammbuch von Jakob Welser in den Jahren 1584-1591 benutzt; am Ende des Buches und in den angebundenen >Eikones< sind Graphiken von Hieronymus Wierix und Charles de Mallery eingeklebt.

Basel, Universitätsbibliothek (Wack 1697) - Besitzervermerk von Ernest G. Schweigger vom Jahre 1619

Berlin, Kunstbibibliothek (OS 4515 kl.)

Chicago, The Newberry Library (Case W 1025.412)

Graz, Universitätsbibliothek (I 34503) - Provenienz aus der Grazer Jesuitenbibliothek; kurze Einträge neben den Holzschnitten

London, British Museum (555.a.9.)

Mainz, Stadtbibliothek (581/5) - Provenienz aus dem Mainzer Jesuitenkolleg; das Buch wurde 1631 erworben; weitere Besitzervermerke sind leider nicht entzifferbar.

München, Bayerische Staatsbibliothek (Res.L.eleg.m. 450 i) - Eintragungen von lateinischen Texten Nikolaus Reusners.

München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte (SB 181/19)

München, Universitätsbibliothek (W 8 A.lat. 865) - Provenienz aus der Ingolstädter Akademiebibliothek

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum (8 0 K 371 d)

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum (8 0 K 371 da)

Nürnberg, Stadtbibliothek (Nor. H 1277) - Stammbuch von Balthasar Wilhelm Haller von Hallerstein

San Marino, The Huntington (RB 136143)

Schaffhausen, Stadtbibliothek

Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek (R 16 Holz 1) - mit Leerseiten durchschossen

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek (81 Eth.)

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek (Alv. Cc 375)

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek (T 355.8 0 Helmst.)


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Thu Sep 6 16:23:19 2001